Mai 2nd, 2019 by Silversurger

Der Mai ist gekommen und die MLB hat ein neues Top-Team: Mit 20 Siegen aus 30 Spielen sind die St. Louis Cardinals derzeit ganz vorne. Ihrem einstigen Top-Prospect Alex Reyes dürfte allerdings nicht zum Feiern zumute sein: Erst wurde er wegen schwacher Leistungen in die Minor League versetzt, dann lief es dort im ersten Start auch nicht gut und schließlich musste für den aufgestauten Frust eine Wand herhalten, die sich offenbar mit voller Härte zur Wehr setzte. Jedenfalls hat Reyes sich dabei den kleinen Finger gebrochen, fällt nun mehrere Wochen aus und ist hiermit offiziell nominiert für den MRI-Award 2019. Noch ein Stück dämlicher angestellt hat sich Logan Webb, das Top-Pitching-Prospect der San Francisco Giants: Er hat offenbar versucht, mit der verbotenen Substanz Dehydrochlormethyltestosteron seine Leistungen zu steigern. Nach dem positiven Test auf das Dopingmittel wurde er für 80 Spiele gesperrt und dürfte damit die Chance vertan haben, schon dieses Jahr den Sprung ins MLB-Roster zu schaffen.

National League
Die Teams der National League East haben keine besonders gute Woche hinter sich. Eine Ausnahme davon stellen lediglich die Philadelphia Phillies (17-13) dar. Deren 3:1-Seriensieg über die Miami Marlins (9-21) ist dafür verantwortlich, dass sie als einzige in der Division bei einer positiven Bilanz stehen. Die New York Mets (15-15) und die Atlanta Braves (15-15) haben ihren Rhythmus noch nicht gefunden und halten sich mit schwankenden Leistungen gerade so über Wasser. Insbesondere bei den Mets muss man zweifeln, ob das noch lange gut geht, denn mit einem Run Differential von -20 und den meisten zugelassenen Runs (169) der gesamten NL steht man normalerweise nicht bei 15-15. Die Washington Nationals (12-17) sind auf dem Weg in die Krise schon einen Schritt weiter, soll heißen: Sie stecken mittendrin. Von den letzten sieben Spielen haben sie nur eines gewonnen und dafür brauchte es 11 Innings gegen die Padres. Ausgerechnet jetzt steht für die Nationnals eine schwierige Auswärtstour an (Phillies, Brewers, Dodgers).

Mit Siegen in zehn der letzten elf Spiele lassen die St. Louis Cardinals (20-10) in der NL Central zurzeit niemandem Gelegenheit, an sie heranzukommen. Doch am Wochenende könnte es spannend werden, denn die Chicago Cubs (16-12) begrüßen die Cardinals für eine Drei-Spiele-Serie zum Spitzenduell (siehe „Einschalttipp“). Die Cubs hatten einen ganz miesen Start in den ersten beiden Saisonwochen. Seitdem haben sie aber keine Serie mehr verloren und inzwischen das stärkste Run Differential (+38) der NL herausgespielt. Die Milwaukee Brewers (17-15) können da zwar mit einem Run-Verhältnis von -9 nicht mithalten, doch mit Erfolgen in je zwei von drei Spielen gegen die Mets und die Rockies scheinen sie ihr Zwischentief überwunden zu haben. Die anstehenden Serien gegen erneut die Mets sowie die Nationals klingen nach lösbaren Aufgaben. Die Pittsburgh Pirates (14-14) dürften mit den Playoffs wenig zu tun haben, aber mit zwei Siegen gegen die Rangers ist für sie wenigstens der freie Fall von acht Niederlagen in Folge erstmal gestoppt.

Die Los Angeles Dodgers (20-13) sind in der NL West voll auf Kurs, müssen aber zwei Rückschläge verdauen: erstens eine 1:2 verlorene Serie beim Erzrivalen San Francisco Giants (13-18), zweitens eine Verletzung von Centerfielder A. J. Pollock. Bei Letzterer handelt es sich um eine Infektion im rechten Ellenbogen, der 2016 schon einmal operiert werden musste. Damals wurde eine Metallplatte eingesetzt; aus dieser muss nun eine Schraube entfernt werden, die wohl die Probleme verursacht hat. Pollock wird nach der Prozedur für einige Wochen ausfallen. Die Dodgers müssen nun für drei Spiele zu den San Diego Padres (17-14), während in Denver die Colorado Rockies (14-17) auf die Arizona Diamondbacks (18-13) treffen. Es wird also ein richtig interessantes Wochenende in der NL West mit lauter direkten Duellen zwischen den vier besten Teams der Division.

American League
Können die Tampa Bay Rays (19-11) sich auf Dauer an der Spitze der American League East halten? Ein 2:0-Sweep bei den Boston Red Sox (14-17) am vergangenen Wochenende machte Hoffnung, doch der verlorene Doubleheader in Kansas City gestern war ein herber Dämpfer. Zum Glück für die Rays konnten die New York Yankees (17-13) daraus kein Kapital schlagen, da sie selbst ihre beiden Spiele in Arizona verloren. Die große Neuigkeit bei den Toronto Blue Jays (14-16) war die letzte Woche angekündigte und heiß ersehnte Ankunft des Supertalents Vladimir Guerrero Jr. Bislang konnte Vlad Jr. den Hype noch nicht rechtfertigen, in fünf Spielen schlug er eine Slashline von .167/.286/.222. Aber fünf Spiele sind im Baseball so gut wie gar nichts; es gibt also noch lange keinen Grund, enttäuscht zu sein.

Alles andere als eine Enttäuschung sind bislang die Minnesota Twins (18-10). Sie weisen mittlerweile die beste Bilanz nicht nur der AL Central, sondern der gesamten AL auf. Zuletzt gabe es zwei Erfolge aus drei Spielen gegen die Astros, davor einen Sweep gegen die Orioles. Zu den drei Siegen über Baltimore steuerte Max Kepler vier Homeruns bei, und auch sonst spielt „unser“ Mann in der MLB eine ganz hervorragende Saison (.277/.349/.564, 7 HR). Auf Platz zwei verdrängt sind inzwischen die Cleveland Indians (16-13), die letzte Nacht nicht nur ein 2:4 bei den Marlins verdauen mussten, sondern auch die viel schlimmere Nachricht, dass sie auf ihr Ass Corey Kluber eine Weile verzichten müssen. Kluber wurde von einem Comebacker von Brian Anderson am Pitching-Arm getroffen und erlitt eine Fraktur. Er ist nach Danny Salazar und Mike Clevinger schon der dritte Starter der Indians, der für mindestens einige Wochen ausfälllt.

In der AL West konnten die Houston Astros (18-13) zwar diese Woche nicht überzeugen – einem Split gegen die Indians folgten zwei Niederlagen in drei Spielen gegen die Twins –, doch geschadet hat ihnen das nicht, denn die Verfolger schwächelten noch mehr. Sowohl die Seattle Mariners (18-15) als auch die Texas Rangers (14-15) haben von ihren letzten neun Spielen sieben verloren – und ihre einzigen Siege bei dem 2:2-Split im direkten Aufeinandertreffen eingefahren. Auch die Oakland Athletics (14-19) befinden sich im Absturz. Nach einer 0:6-Bilanz aus den Spielen in Toronto und Boston bleibt ihnen nur noch die Station in Pittsburgh, um von ihrem Ostküstentrip nicht mit leeren Händen heimzukehren.

Szene der Woche
Eigentlich wollte ich an dieser Stelle die Bierdusche würdigen, die Ryan Braun von den Milwaukee Brewers(!) in Citi Field zuteil wurde, als er einen Flyball von Pete Alonso zu fangen versuchte (man beachte die schlecht versteckte Botschaft „This Bud’s for you“ im Hintergrund):

Sehenswert wäre auch der Dodgers-Fan gewesen, der auf der Jagd nach einem Foulball zunächst eine Portion Pommes aufgab – und ein Inning später das Pizzastück, das er sich als Ersatz geholt hatte, hinterher warf:

Aber Yankees-Pitcher C. C. Sabathia lässt mir keine andere Wahl, eine andere Szene in den Mittelpunkt zu stellen. Mit seinem 3000. Strikeout erreichte der 38-Jährige einen Meilenstein, den nur 16 Leute vor ihm bewältigt haben, und ließ sich dafür zurecht feiern:

Statistik der Woche 
1.998. So viele RBI sind Albert Pujols in seiner Karriere bislang gelungen. Das ist zwar eine kleinere Zahl als die der Strikeouts von C. C. Sabathia, dennoch ist sie noch ein Stück beeindruckender. Pujols steht damit nämlich offiziell auf dem dritten Platz der Allzeit-Rangliste, auf welcher er in den letzten Tagen Lou Gehrig (1.994) und Barry Bonds (1.996) überholt hat. Vor Pujols stehen nun nur noch Hank Aaron (2.297) und Alex Rodriguez (2.086). Inoffiziell belegt er übrigens „nur“ Rang fünf; das liegt daran, dass RBI erst 1920 als Statistik eingeführt wurden, sodass ein Teil der 2.214 RBI von Babe Ruth und die gesamten 2.075 RBI von Cap Anson nicht in die Rekordliste der MLB einfließen.

Spiel der Woche
Das Spiel zwischen den Los Angeles Dodgers und den Pittsburgh Pirates am Sonntag hatte eine Menge Geschichten zu erzählen. Die erste war die Geschichte von zwei älteren Herren: Dodgers-Pitcher Rich Hill (39) kehrte aus seiner Verletzungspause zurück und bildete mit Catcher Russel Martin (36) das wohl älteste Battery-Duo, das die MLB zurzeit zu bieten hat. Für Hill lief es eher mittelmäßig – zwar absolvierte er 6 Innings, in denen ihm 6 Strikeuots gelangen und er nur einen Earned Run zuließ, aber diese Werte schmeicheln etwas, denn ein Error im zweiten Inning verhinderte, dass ihm weitere vier Runs angerechnet wurden. Die zweite Geschichte war die eines noch sehr jungen Herren: Cody Bellinger, 23, brachte per Sac-Fly den ersten Run, per Homerun den zweiten Run sowie durch ein Single den siebten und letzten Run seines Teams über die Platte. Der Homerun war übrigens der 14. in der laufenden Saison, womit Bellinger einen Rekord einstellte: Nur vier Spieler haben es jemals geschafft, noch vor dem 1. Mai einer Saison so viele Homeruns zu erzielen – Albert Pujols 2006, Alex Rodriguez 2007 sowie Christian Yelich und Cody Bellinger 2019. Die dritte Geschichte war die eines Teams, das in der jungen Saison schon hoch geflogen und tief gefallen ist. Die Pirates gaben eine 5:1-Führung aus der Hand und verloren am Ende mit 6:7 ihr achtes Spiel in Folge. Aber zum Glück ist es Baseball und schon im nächsten Spiel waren es die Pirates selbst, die ein dramatisches Comeback bejubeln durften.

Mein Einschalttipp
In der NL Central ist ein heißer Zweikampf zwischen den St. Louis Cardinals und den Chicago Cubs entbrannt. Die derzeit drei Spiele Abstand zwischen den beiden stammen von dem schwachen Saisonstart der Cubs, sollten aber nicht darüber hinweg täuschen, dass beide Teams zurzeit in absolut beeindruckender Form sind. Von Freitag bis Sonntag haben die Cubs drei Heimspiele gegen die Cardinals und von daher keine schlechten Chancen, den Rückstand zu verringern oder gar aufzuholen. DAZN ignoriert diese interessante Serie leider komplett, daher könnt ihr sie ausschließlich über mlb.tv verfolgen. Sowohl am Freitag (20:20 Uhr) als auch am Samstag (22:05 Uhr) kommen die Spiele zu europafreundlichen Zeiten, während die Partie am Sonntag (1:05 Uhr) eher etwas für Nachteulen ist.

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August 24th, 2017 by Silversurger

Man sollte meinen, je stärker es auf das Ende der Saison zugeht, umso mehr Entscheidungen im Hinblick auf die Playoffs müssten absehbar sein. Das Gegenteil ist momentan richtig: Ein paar längst totgesagte Teams wie die Miami Marlins und die Texas Rangers sind auf einmal wieder voll im Rennen und während sich um die Wild Cards der American League schon lange mehr als die Hälfte der Liga balgt, ist inzwischen auch in der National League längst nicht mehr sicher, dass die Colorado Rockies und die Arizona Diamondbacks diese Playoff-Tickets unter sich ausmachen. In drei der sechs Divisionen geht es zudem noch einigermaßen eng zu, was den Divisionssieg angeht. Und bei den Los Angeles Dodgers beginnt man langsam davon zu träumen, nicht nur die beste Bilanz in diesem Jahr und am Ende womöglich die World Series einzufahren, sondern vielleicht auch mit den meisten Siegen abzuschließen, die je ein MLB-Team geschafft hat.

National League
Zum gefühlt hundertsten Mal in diesem Jahr muss ich an dieser Stelle schreiben, dass die Washington Nationals (75-49) in der National League East ungefährdet durchmarschieren. Zum gefühlt ersten Mal in diesem Jahr habe ich aber den Eindruck, dass vielleicht doch noch Hoffnung für ein anderes Team der Division besteht: Die Miami Marlins (62-63) haben sich Schritt für Schritt nach oben gearbeitet und nachdem sie Mitte Mai schon 13 Spiele hinter einer ausgeglichenen Bilanz zurückgewesen waren, standen sie gestern plötzlich bei .500. Letzte Nacht ließen sie sich zwar mit einem 0:8 gegen die Phillies ausbremsen, aber über die letzten Wochen hinweg gesehen ist es schon beeindruckend, was Stanton & Co. geleistet haben. Der Weg zur Wild Card erscheint immer noch unwahrscheinlich, aber nicht mehr undenkbar mit fünfeinhalb Spielen Rückstand auf die Rockies und mit den Brewers und den Cardinals dazwischen. Das Restprogramm der Marlins sieht jedenfalls günstig aus: Gegen die Brewers, die Diamondbacks und die Rockies kann man noch in direkten Duellen Boden gut machen, ansonsten warten außer den Nationals nur noch Gegner, die weit unter .500 stehen (Padres, Mets, Braves, Phillies).

Die NL Central bleibt die spannendste Division der MLB, auch wenn die Chicago Cubs (68-57) gerade mal wieder einen Zwischenspurt eingelegt und sich mit fünf Siegen in Folge ein wenig Luft verschafft haben vor den Milwaukee Brewers (66-62) und den St. Louis Cardinals (64-62). Für die Brewers, neben den Twins die größte positive Überraschung der bisherigen Saison, steht nun wohl so etwas wie eine Woche der Wahrheit an: Zuerst müssen sie zu den Dodgers, dann folgen zwei Spiele gegen ihren direkten Konkurrenten, die Cardinals, und anschließend eine Vier-Spiele-Serie gegen die Nationals. Das nenne ich mal ein hammerhartes Programm.

Die Los Angeles Dodgers (89-36) haben zwar gestern statt ihres 90. Sieges eine spektakuläre Niederlage eingefahren (siehe „Spiel der Woche“), sind damit aber immer noch auf Kurs für 115 Wins und könnten den Rekord von 116 ins Wanken bringen. Um den Gewinn der NL West müssen sich die Dodgers natürlich schon lange keine Sorgen mehr machen. Der Abstand zu den seit Wochen schwächelnden Arizona Diamondbacks (69-58) und Colorado Rockies (68-58) wächst beständig und die beiden richten ihren Blick längst nicht mehr nach oben sondern nach unten auf ihre Konkurrenten aus den anderen NL-Divisionen im Rennen um die Wild Cards. Apropos unten: Die San Francisco Giants (52-77) sind seit Samstag das erste und bislang einzige der Team der Liga, das auch theoretisch keine Chance mehr auf den Divisionssieg hat. Im Sprachgebrauch der Baseball-Analysten heißt das: Ihre Elimination Number ist auf 0 bzw. darunter gesunken.

American League
Mit einer Eliminiation Number von 33 und viereinhalb Spielen Rückstand haben die New York Yankees (68-57) in der American League East noch alle Möglichkeiten, doch die Boston Red Sox (73-53) sehen momentan nicht so aus als würden sie den ersten Platz dieses Jahr noch mal räumen. Sie machen einen sehr gefestigten Eindruck, haben diesen Monat schon Serien gegen die Indians, die White Sox, die Cardinals, die Rays und vor allem zwei gegen die Yankees gewonnen. Gegen die Baltimore Orioles (62-65) und die Toronto Blue Jays (60-66) stehen für die Red Sox jetzt vermeintlich lösbare Aufgaben an, während die Yankees gegen die Seattle Mariners und die Cleveland Indians antreten müssen. Anschließend wartet Ende nächster Woche schon wieder – und zum letzten Mal in dieser Saison – ein Duell der ewigen Rivalen mit vier Spielen in New York.

In ähnlicher Lage wie die Red Sox befinden sich die Cleveland Indians (69-56) in der AL Central, die sie ebenfalls mit viereinhalb Spielen Vorsprung anführen. Sie haben zwei ernsthafte Verfolger, die Minnesota Twins (65-61) und die Kansas City Royals (64-61). Die Royals sind mit drei Siegen am Stück und sieben aus den letzten zehn Spielen zurzeit am besten drauf und werden entsprechend auf die Gelegenheit brennen, sich in den anstehenden direkten Duellen zu beweisen: Ab morgen gibt es eine Drei-Spiele-Serie in Cleveland, in den kommenden zwei Wochen geht es insgesamt sieben Mal gegen die Twins. Danach dürften wir zumindest schlauer sein, wer von den beiden der ernstzunehmendere Aspirant auf die Playoffs – sei es über den Divisionssieg oder per Wild Card – ist.

Über etwas anderes als die Wild Cards muss man in der AL West nicht reden. Die Houston Astros (77-49) ziehen seit Saisonbeginn einsam ihre Kreise und müssen sich trotz durchwachsenen Verlaufs der letzten Wochen keine Sorgen machen – jedenfalls nicht um den Divisionssieg. Der spannende Teil der Division besteht aus den Los Angeles Angels (65-62), den Seattle Mariners (65-63) und den Texas Rangers (63-63), die alle ganz eng beisammen stehen und um die zweite Wild Card (die erste scheinen die Yankees relativ sicher zu haben) wetteifern. Momentan hätten sie allerdings alle drei das Nachsehen, denn die Twins aus der AL Central stehen ein halbes Spiel besser da als die Angels.

Szene der Woche
Inside-the-Park-Homeruns sind im Jugend- und Amateurbereich an der Tagesordnung, in der MLB kommt er sogenannte Little-League-Homerun eher selten vor und wenn doch, dann hängt er meist mit Glück und schlechtem Fielding zusammen. Nicht so der Homerun von Minnesotas Byron Buxton beim 10:3 der Twins über die Diamondbacks Freitagnacht: Dass Buxton nach dem Schlag ins Centerfield im vierten Inning komplett herum kam, lag schlichtweg an seinem unglaublichen Lauftempo. 13,85 Sekunden benötigte er von Home zu Home – der schnellste Homerun, der je gemessen wurde. Wenn man von der kürzestmöglichen Entfernung von 360 Fuß (109,73 Meter) Entfernung ausgeht, schaffte Buxton bei seinem Rekord 7,9 Meter pro Sekunde. In Wahrheit war er noch schneller, denn der optimale Weg um die Bases verläuft auf einer etwas gebogenen Bahn von vielleicht 125 Metern – dann kommen wir auf 9 Meter pro Sekunde. Zum Vergleich: Usain Bolt lief bei seinem 100-Meter-Weltrekord 10,4 Meter pro Sekunde – auf kerzengerader Strecke und ohne vorher einen Ball schlagen und den Schläger loswerden zu müssen.

Statistik der Woche 
30. So viele aktuell aktive MLB-Teams hat der legendäre Bartolo Colon in seiner Karriere geschlagen. Im Klartext: alle. Den letzten Haken auf der Liste konnte er am Sonntag nach dem 12:5-Erfolg seiner Twins gegen die Arizona Diamondbacks setzen. Zwanzigeinhalb Jahre hatte er seit seinem MLB-Debüt auf diesen Sieg warten müssen – naja, eigentlich nur neunzehneinhalb, denn die Diamondbacks wurden erst 1998 gegründet und sind somit ein Jahr kürzer in der Liga als Bartolo. Der treue Baseblogleser weiß, dass ich um die Statistik „Pitcher-Wins“ normalerweise einen großen Bogen mache, die Gründe dafür hatte ich hier mal näher ausgeführt. Aber für Bartolo Colon mache ich eine Ausnahme.

Spiel der Woche
Dass die Dodgers auf Kurs sind, durch ihre vielen Siege Geschichte zu schreiben, ist bekannt. Gestern Nacht aber haben sie zur Abwechslung mal Geschichte geschrieben mit einer Niederlage: Starter Rich Hill hatte einen großartigen Auftritt im Spiel bei den Pittsburgh Pirates, der fast das 24. Perfect Game der MLB-Historie geworden wäre. Stattdessen aber wurde es das erste Spiel der MLB-Historie, das seine Perfektheit durch einen Error im neunten Inning verlor. Third Baseman Logan Forsythe war der Schuldige, der Pittsburghs Jordy Mercer zum einzigen Baserunner der Pirates in der regulären Spielzeit machte. Hätten die Dodgers aus ihren eigenen acht Hits und vier Walks nur einen einzigen Run herausgeholt, hätte Hill sich zumindest über einen No-Hitter freuen können. So aber ging das Spiel ins zehnte Inning und Josh Harrison entschied es für die Pirates, indem er den ersten Hit seines Teams zum Walkoff-Homerun schlug. Auch das war historisch: Es war das erste Mal überhaupt, dass ein No-Hitter durch einen Walkoff-Homerun verloren wurde.

Spiel der kommenden Woche
Endlich mal wieder Baseball live im deutschen Free-TV und dann auch noch zur besten Sendezeit: Sport1 zeigt am kommenden Mittwoch von 20 Uhr bis 22:30 Uhr das Spiel der New York Yankees gegen die Cleveland Indians. Ich bin gespannnt darauf, sowohl auf die Übertragung als auch auf das Spiel an sich. Beide Teams sind bekanntlich gut dabei im Playoffrennen und könnten sich durchaus nach der regulären Saison noch mal auf dem Platz wiedersehen. Das Pitcherduell ist eine knappe Woche vorher noch nicht sicher, aber nach derzeitigem Stand sieht es so aus, dass zwei Linkshänder ihre Kräfte messen: der sehr erfahrene CC Sabathia (3.99 ERA, 4.45 FIP) für die Yankees und der sehr junge Ryan Merrit (3.12 ERA, 2.79 FIP) für die Indians. Schade finde ich, dass Sport1 offenbar erneut erst ins laufende Spiel einsteigen will, das eigentlich schon um 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit beginnt.

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Dezember 8th, 2016 by Silversurger

Der Knoten ist geplatzt. Wodurch genau, darüber kann man nur spekulieren. War es der Abschluss des neuen Collective Bargaining Agreements, der die Abwartehaltung einiger Teams aufgebrochen hat? War es das erste große Free-Agent-Signing von Yoenis Cespedes, das den Domino-Effekt auslöste? Oder liegt es einfach daran, dass momentan die Winter Meetings stattfinden, die jährliche Konferenz von Vertretern der MLB und aller Teamführungen, bei der traditionell viele Trades und Transaktionen besprochen werden? Fakt ist jedenfalls, dass in dieser Woche haufenweise Meldungen über neue Verträge und Geschäft eingingen und somit richtig Bewegung in die Offseason gekommen ist. Gut, dass heute Grand-Slam-Tag ist und damit Gelegenheit, die wichtigsten Entwicklungen der letzten Tage zusammenzufassen:

Die White Sox traden Sales und Eaton für massenweise Talente
Gestern Morgen wurde der erste echte Blockbuster-Trade bekannt: Die Boston Red Sox erhalten in Chris Sale das lange gesuchte Pitching-Ass – mit 27 im besten Alter und mit einem relativ teamfreundlichen Vertrag über noch drei Jahre und 38 Millionen Dollar. Mit Sale, David Price und Rick Porcello haben die Red Sox nun ein mehr als respektables Triumvirat in der Rotation und dürfen sich, da trotz des Abschieds von David Ortiz auch offensive Feuerkraft noch reichlich vorhanden ist, zu den frühen Favoriten der kommenden Saison zählen.

Der für Sale an die White Sox zu zahlende Preis ist hoch, auch wenn er „nur“ aus Prospects besteht: Das Kernstück dieser Seite des Trades ist Infielder Yoan Moncada, nach verbreiteter Einschätzung das Top-Prospect der Liga. Dazu kommen mit Michael Kopech ein 20-jähriger Flamethrower, der schon mit 18 bis zu 105 mph schnelle Fastballs geworfen hat, und als Beigabe noch OF Luis Alexander Basabe und RHP Victor Diaz. Wenn Moncada und Kopech die erhoffte Entwicklung nehmen, war es ein hervorragender, zukunftsweisender Trade für die White Sox, die für mich auf den ersten Blick als Gewinner des Deals dastehen. Natürlich muss man auch sehen, dass das scheinbare Ungleichgewicht aufgewogen wird durch das Risiko, dass unfertige Spieler manchmal nicht das werden, was man erwartet. Moncada hatte dieses Jahr 24,2% Strikeouts in den Minor Leagues und weitere 12 in 20 Plate Appearances für die Red Sox. Kopech hat eine Doping-Vorgeschichte und Anfang des Jahres brach er sich die Hand bei einer Prügelei mit einem Teamkameraden. Das alles muss nicht heißen, dass Moncada und Kopech keine glänzende MLB-Zukunft vor sich haben, aber die Möglichkeit, dass es anders kommt, muss man bei diesem Trade mitdenken. Deshalb finde ich ihn auf den zweiten Blick doch ziemlich ausgeglichen.

Wie ernst die White Sox es damit meinen, ihren Talentpool aufzurüsten, zeigt sich daran, dass sie ein paar Stunden später den nächsten Blockbuster vermelden konnten: Outfielder Adam Eaton verstärkt ab sofort die Washington Nationals und wieder besteht der Preis in einem attraktiven Paket von Prospects. Allen voran wechselt Pitcher Lucas Giolito nach Chicago – damit haben die White Sox innerhalb eines Tages sowohl das beste Batting-Prospect (Moncada) als auch das beste Pitching-Prospect der Liga an Land gezogen. Giolito dürfte in seiner Entwicklung weit genug sein, um bereits 2017 zu starten, möglicherweise auch schon gemeinsam mit Reynaldo Lopez, dem zweiten Teil des Trades. Dazu kommt mit Dane Dunning noch ein dritter junger Pitcher, der allerdings etwas mehr Zeit brauchen wird, bevor die MLB für ihn infrage kommt. Meine Bewertung dieses Trades gleicht der des ersten: Wenn die Prospects das halten, was sie versprechen, sitzen die White Sox am besseren Ende des Geschäfts.

Man darf gespannt sein, ob die White Sox nun auch noch SP Jose Quintana versilbern und was sie für ihn herauszuholen im Stande sind.

Die Cubs haben ihren Closer
Auch beim dritten „großen“ Trade der Woche führt eine Spur nach Chicago, in dem Fall allerdings in den Norden der Stadt zu den Cubs. Die haben gerade eine Meisterschaftssaison hinter sich mit einem Team, das auf Jahre hinaus vielversprechende Aussichten bietet. Eine Lücke gab es aber, da der Vertrag des erst im Juli ertradeten Closers Aroldis Chapman ausgelaufen war. Diese Lücke wurde nun hochkarätig besetzt mit Wade Davis von den Kansas City Royals. Davis bringt einen hervorragenden ERA von 1.18 in 185 Auftritten innerhalb der letzten drei Jahre mit und ließ in dieser Zeit lediglich drei Homeruns zu. Einziger Wermutstropfen aus Sicht der Cubs ist, dass der 31-Jährige mit nur einem Jahr Vertrag zu ihnen wechselt, es für sie also nach wie vor keine Langzeitlösung für die Position gibt. Aber für 2017 macht er den amtierenden World Champion sicher nicht schlechter. Für Davis geht in einem 1:1-Tausch Outfielder Jorge Soler nach Kansas City. Von ihm haben die Royals voraussichtlich auf lange Sicht etwas, denn Soler ist talentiert, nur 24 Jahre alt und hat noch vier Jahre eines sehr bezahlbaren Vertrags vor sich. Klingt für mich nach einem klassischen Win-Win-Geschäft für die beiden beteiligten Teams.

Rekordverträge für Reliever
Nicht nur an dem Trade für Wade Davis sieht man, dass Relief Pitcher dieses Jahr sehr gefragt sind, sondern auch an einigen frisch abgeschlossenen Verträgen mit Free Agents. Am Montag wurde sich Mark Melancon mit den San Francisco Giants einig. 62 Millionen Dollar für vier Jahre waren eine neue Rekordsumme; bisher war Jonathan Papelbon mit einem 50-Millionen-Vertrag der teuerste Reliever aller Zeiten gewesen. Melancons Rekord hielt allerdings nur zwei Tage, dann einigten sich die New York Yankees mit Aroldis Chapman auf dessen Rückkehr, die sie ihm mit stolzen 86 Millionen Dollar für fünf Jahre versüßen. Bei der Gelegenheit muss man sich mal in Erinnerung rufen, was die Yankees beim Trade im Juli alles bekommen haben für Chapman, der nun wieder da ist und (außer der Masse Geld für den neuen Vertrag, der so oder so angestanden hätte) nichts gekostet hat.

Weitere Free-Agent-Signings
Angesichts der Masse an hochkarätigen Trades und Verpflichtungen der vergangenen Tage liste ich die folgenden nur in aller Kürze auf. In ruhigeren Wochen wäre jeder einzelne von ihnen eine ausführliche Meldung wert gewesen:

Starting Pitcher Rich Hill bleibt bei den Los Angeles Dodgers. Für einen 37-Jährigen Spätentwickler ist ein Dreijahresvertrag über 48 Millionen Dollar ein stolzer Preis, aber Hill war der beste Free-Agent-Starter dieser Offseason und das spiegelt der Vertrag wider.

Outfielder Carlos Gomez bleibt bei den Texas Rangers. Sein neuer Vertrag bringt ihm 11,5 Millionen Dollar für ein Jahr, danach kann der 31-Jährige erneut den Free-Agent-Markt testen.

OF/DH Carlos Beltran kehrt mit einem Einjahresvertrag zurück zu den Houston Astros. Da er im April 40 Jahre alt wird, wird zweifellos die Frage aufkommen, ob er nach der Saison aufhört, aber noch hat er sich nicht in diese Richtung geäußert. Warum auch, solange seine Dienste einem MLB-Team noch 16 Millionen Dollar Jahresgehalt wert sind?

Catcher Wilson Ramos geht für zwei Jahre und leistungsabhängig 12,5 bis 18,25 Millionen Dollar zu den Tampa Bay Rays. Diese Verpflichtung leuchtet mir nicht ganz ein, vor allem angesichts der Vertragsdauer. In meinen Augen sind die Rays mindestens zwei Jahre davon entfernt, in der AL East konkurrenzfähig zu werden. Warum gibt man für diesen Zeitraum Geld für einen Top-Catcher aus, dessen Vertrag genau dann ausläuft, wenn man ihn vielleicht wirklich brauchen könnte? Ganz davon abgesehen, dass Ramos frisch operiert ist und voraussichtlich erst in der zweiten Saisonhälfte 2017 wieder spielen kann.

Allrounder Steve Pearce geht für zwei Jahre und 12,5 Millionen Dollar zu den Toronto Blue Jays. Das verstärkt den Eindruck, dass die Blue Jays sich zunehmend damit abfinden, die eigenen Free Agents Edwin Encarnacion und Jose Bautista nicht an sich binden zu können.

Ian Desmond, bei den Rangers erst kürzlich von Shortstop auf Center Fielder umgeschult, hat bei den Colorado Rockies einen Fünfjahresvertrag über 70 Millionen Dollar unterschrieben und soll dort wohl hauptsächlich als Firstbaseman eingesetzt werden.

RP Fernando Rodney hat in den Arizona Diamondbacks sein achtes MLB-Team gefunden. Der zum Saisonstart 40-Jährige kommt für ein Jahr und 2,75 Millionen Dollar plus leistungsbezogene Bestandteile. Rodney wird wohl als Closer antreten und könnte eine gute Gelegenheit für die Diamondbacks sein, zur Trade-Deadline etwas Gewinn abzuschöpfen, wenn sie wie erwartet aus dem Rennen sind und ein anderes Team für die Schlussphase der Saison einen erfahrenen Reliever braucht.

OF/DH Matt Holliday wird für ein Jahr und 13 Millionen Dollar bei den Yankees spielen. Holliday wird nächsten Monat 37 Jahre und soll ein Team mit vielen jungen Spielern mit seiner Erfahrung bereichern.

Die Miami Marlins haben SP Jeff Locke und Catcher A. J. Ellis mit Ein-Jahres-Verträgen ausgestattet. Die Marlins sind recht aktiv in dieser Offseason, allerdings auf einem Niveau, das 2017 eher als Übergangsjahr ohne große Pläne aussehen lässt – zumindest solange sich nicht das Gerücht bewahrheitet, dass sie ein hochdotiertes Angebot an RP Kenley Jansen gemacht haben.

Under Armour wird neuer Trikotausrüster 
Bis 2020 ist es noch eine Weile hin, aber die MLB hat sich diese Woche mit dem Sportartikelhersteller Under Armour geeinigt, dass dieser ab dann für zehn Jahre die Trikots aller 30 Mannschaften produzieren wird. Under Armour löst damit den bisherigen Ausrüster Majestic ab.

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November 8th, 2016 by Silversurger

Es ist eine schöne Tradition, dass um diese Jahreszeit allseits darüber spekuliert wird, wo die wichtigsten Free Agents der MLB unterkommen. Teams und Spieler, die Verlängerungs- oder Ausstiegsklauseln ziehen wollten, haben das größtenteils vor dem heutigen Beginn der Free Agency getan. Zudem war gestern Abend die Deadline für sogenannte Qualifying Offers. Zehn Spieler haben von ihrem Team ein solches Angebot erhalten, das ihnen einen ligaweit einheitlichen Betrag von 17,2 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr beim bisherigen Arbeitgeber zusichert. Jeder von ihnen hat nun eine Woche Zeit, das Angebot anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation. Hier gibt es eine Übersicht über die zehn Qualifying Offers dieses Jahres sowie über ein paar nennenswerte Spieler, die das Angebot nicht erhalten haben. Für Spieler, die während der gerade beendeten Saison getradet wurden, können übrigens keine Qualifying Offers abgegeben werden.

Die Free-Agent-Klasse dieses Jahres erscheint mir insgesamt eher schwach; die beste Auswahl besteht an Hittern im Outfield und auch einige gute Closer sind zu haben, der Markt für Starting Pitcher, Catcher und Middle Infielder ist hingegen sehr dünn. Hier sind meine Top 20 der diesjährigen Free Agents:

  1. Yoenis Cespedes, OF, New York Mets

Nach dem vorhersehbaren Opt-Out aus dem Vertrag mit den Mets strebt Cespedes nun den großen Zahltag seiner Karriere an – mit Recht, muss man sagen, denn in seinen eineinhalb Saisons in New York hat er unter Beweis gestellt, dass er nicht nur ein guter Hitter sondern auch in der Lage ist, ein Team zu tragen. Er ist für mich die klare Nummer eins der diesjährigen Free Agency und wird für vier bis fünf Jahre einen deutlich dreistelligen Dollarbetrag herausholen. Cespedes fühlt sich bekanntlich wohl in New York und die Metsfans lieben ihn, aber ich fürchte, er wird der Vereinsführung zu teuer sein. Mein Tipp ist, dass er bei den anderen New Yorkern landet.

  1. Justin Turner, 3B, Los Angeles Dodgers

Ein flexibler Infielder, der offensiv wie defensiv seit drei Jahren gut produziert und darüber hinaus sowohl bei den Fans als auch im Clubhouse hohes Ansehen genießt – mit diesem Profil steht Justin Turner in dieser Free-Agent-Klasse ziemlich alleine da. Die Dodgers wissen, was sie an ihm haben und gelten als Favorit für eine Weiterverpflichtung, nicht zuletzt weil Turner in Kalifornien aufgewachsen und verwurzelt ist. Aber er wird sich nicht billig verkaufen, vier bis fünf Jahre für 70 bis 80 Millionen sollten schon drin sein – wenn nicht in Los Angeles, dann vielleicht in San Francisco oder in Atlanta („Hauptsache Kalifornien“ hätte Andi Möller jetzt gesagt).

  1. Aroldis Chapman, RP, Chicago Cubs

Die diesjährige Postseason hat gezeigt, dass die Reliever im modernen Baseball eine immer wichtigere Rolle spielen und Aroldis Chapman hatte daran großen Anteil, auch wenn er im legendären Spiel 7 fast zur tragischen Figur geworden wäre. Er tritt seit fünf Jahren als Closer an, in der Zeit hat er 91% seiner Savegelegenheiten verwandelt und nur 1.84 ERA zugelassen. Die heißesten Kandidaten auf einen hochdotierten Vertrag mit ihm sind die Teams, für die er letztes Jahr gespielt hat, also die Cubs und die Yankees. Aber ich lehne mich mal aus dem Fenster und prognostiziere, dass er bei den Giants unterschreibt, die damit ihren lange gehegten Schwachpunkt ausmerzen.

  1. Rich Hill, SP, Los Angeles Dodgers

Hill wird bis Saisonbeginn 37 sein und spätestens seit er in der vergangenen Saison wochenlang wegen einer Blase am Finger ausfiel, haftet ihm der Ruf der Verletzungsanfälligkeit an. Wenn er auf dem Mound stand, hat er jedoch hervorragende Arbeit abgeliefert (2.12 ERA) und angesichts der kaum vorhandenen Konkurrenz auf dem FA-Markt für Starting Pitcher dürften Hill eine Menge gut dotierter Angebote ins Haus flattern. Er wird für zwei bis drei Jahre irgendwo landen, wo Geld vorhanden und Starting Pitching gesucht ist – beides trifft auf seinen bisherigen Club zu und deshalb sehe ich ihn weiterhin bei den Dodgers.

  1. Edwin Encarnacion, 1B/DH, Toronto Blue Jays

Mit einer OPS von .886, 42 Home Runs und 127 RBIs ist Encarnacion der vielleicht gefährlichste Batter unter allen diesjährigen Free Agents. Geschmälert wird sein Wert allerdings nicht nur durch sein Alter von bald 34 Jahren, sondern auch dadurch, dass defensiv mit ihm nicht viel anzufangen ist. Ich schätze, damit ist er für die gesamte National League unattraktiv. Ich kann mir gut vorstellen, dass er sich letzten Endes mit den Blue Jays auf eine weitere Zusammenarbeit einigt. Wenn nicht, dann vermute ich, dass er bei den Boston Red Sox die Nachfolge für Big Papi David Ortiz antritt. Sagen wir mal 60 Millionen für drei Jahre.

  1. Kenley Jansen, RP, Los Angeles Dodgers
  2. Deter Fowler, OF, Chicago Cubs
  3. Mark Trumbo, OF, Baltimore Orioles
  4. Jose Bautista, OF, Toronto Blue Jays
  5. Mark Melancon, RP, Washington Nationals
  6. Jeremy Hellickson, SP, Philadelphia Phillies
  7. Ian Desmond, SS/OF, Washington Nationals
  8. Neil Walker, 2B, New York Mets
  9. Colby Rasmus, OF, Houston Astros
  10. Carlos Gomez, OF, Texas Rangers
  11. Wilson Ramos, C, Washington Nationals
  12. Josh Reddick, OF, Los Angeles Dodgers
  13. Matt Wieters, C, Baltimore Orioles
  14. Steve Pearce, 1B/OF, Baltimore Orioles
  15. Mike Napoli, 1B, Cleveland Indians

Zu guter Letzt noch eine Erinnerung: Ich freue mich über jeden weiteren Beitrag zum Offseason-Wunschkonzert.

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September 15th, 2016 by Silversurger

Nur noch 15 bis 18 Spiele haben die Teams der MLB zu absolvieren, dann ist die reguläre Saison 2016 Geschichte. Bis dahin werden sich noch einige große Hoffnungen erfüllen oder zerschlagen, denn obwohl die Divisionssieger bis auf einen mehr oder weniger feststehen ist durch sehr enge Wild-Card-Rennen Spannung bis zum Schluss garantiert.

National League
In der National League ist das Ringen um die Playoffs deutlich überschaubarer als in der Schwesterliga. Welche Teams in der NL als Divisionssieger in die Playoffs einziehen, ist so gut wie entschieden. Die Washington Nationals (87-59) und die Chicago Cubs (93-52) sind allenfalls theoretisch noch einholbar. Die Los Angeles Dodgers (82-63) können sich ihrer Sache mit fünf Spielen vor den San Francsico Giants (77-68) noch nicht hunderprozentig sicher sein, aber die von Fangraphs zugerechnete Wahrscheinlichkeit von 96,4%, dass die Dodgers am Ende oben stehen, erscheint mir sehr realistisch.

Auch in Bezug auf die Wild-Card-Plätze gibt es in der NL schon seit ein, zwei Wochen kein unübersichtliches Getümmel mehr, sondern lediglich drei Teams, die um die beiden Plätze wetteifern. Dieses Rennen könnte allerdings kaum enger sein als es ist: Die Giants liegen nach wie vor mit einem halben Spiel vorne, allerdings haben die New York Mets (77-69) nach Siegen bereits gleichgezogen und liegen ihrerseits nur ein halbes Spiel vor den St. Louis Cardinals (76-69). Der leichte Schiefstand in der Tabelle wird übrigens heute behoben, denn die Mets sind spielfrei, während die Giants und die Cardinals das erste Spiel einer Vierer-Serie gegeneinander austragen. Danach haben die drei Teams gleich viele Spiele absolviert und die Bilanzen sind besser vergleichbar – falls die Cardinals das Spiel gewinnen, sind die Bilanzen aller drei Teams sogar komplett identisch. Von Freitag bis Sonntag befinden sich die Mets dann in der komfortablen Situation, zu Hause gegen das schlechteste Team der Liga, die Minnesota Twins (54-92), anzutreten, während die beiden Konkurrenten sich unweigerlich gegenseitig Punkte abnehmen. Auch sonst meint es der Restspielplan gut mit den Mets. Sie haben noch 16 Spiele vor sich, davon kein einziges gegen ein Team mit positivem Record. Die Giants hingegen sehen sich noch in 10 von 17 und die Cardinals in 7 von 17 Spielen Gegnern mit mehr Siegen als Niederlagen gegenüber.

American League
In der American League haken wir schnell mal die Cleveland Indians (84-61) und die Texas Rangers (87-60) als Divisionssieger ab und konzentrieren uns ansonsten auf die AL East, die dieses Jahr sicher schon so manchem Fan graue Haare beschert hat. Immer, wenn man denkt, dass sich ein Team langsam nach oben oder unten von den anderen absetzt, legt genau dieses Team plötzlich einen positiven oder negativen Lauf hin, der alles wieder auf den Kopf stellt. Zum Beispiel haben die Boston Red Sox (81-64) gerade eine Serie gegen die Baltimore Orioles (80-65) verloren und stehen nun nur noch einen Sieg vor diesen. Gleichzeitig haben die Toronto Blue Jays (79-66) im September bislang nur 3 von 9 Spielen gewonnen und sich von Platz eins auf Platz drei durchreichen lassen. Der Spielplan sieht in den nächsten Tagen lösbare Aufgaben für die Blue Jays (bei den Angels) und die Orioles (gegen die Rays) vor, während die Red Sox gegen die New York Yankees (77-68) antreten, die selbst noch nicht ganz aus dem Rennen sind – ein Sweep in die eine oder die andere Richtung könnte für mindestens eines der beiden Teams eine Vorentscheidung bedeuten. Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass in dieser Division irgend etwas vorentschieden wird, hier bleibt es spannend bis zum letzten Tag der Saison (an dem übrigens die Red Sox gegen die Blue Jays und die Orioles gegen die Yankees spielen).

Was das Wild-Card-Rennen der AL angeht, habe ich schon mehrfach gemutmaßt, dass am Ende nur ein AL-East-Team übrig bleibt, weil man sich innerhalb der Division die Punkte gegenseitig wegnimmt. Bisher hat sich das allerdings noch nicht bewahrheitet, die WC-Plätze sind seit vielen Wochen stabil in der Hand des jeweiligen Zweit- und Drittplatzierten der AL East. Aus den anderen Divisionen halten die Detroit Tigers (78-67) ebenso Tuchfühlung zu den Wild Cards wie die Seattle Mariners (78-68). Die Mariners haben zurzeit einen tollen Lauf mit acht Siegen in Folge, wobei die letzten sechs gegen die abgeschlagenen Oakland Athtletics und Los Angeles Angels (jeweils 63-82) eingefahren wurden. In den nun anstehenden Serien gegen die Houston Astros (76-70) und die Toronto Blue Jays wird sich zeigen, wie ernst die Aufholjagd der Mariners zu nehmen ist. Momentan würde ich noch sagen, dass ich Detroit für das konstantere Team halte und deshalb die Tigers im Wild-Card-Spiel sehe.

Spielzug der Woche
Wenn man sich auf ein Knie sinken lässt, drückt man damit oft Demut, Unterwürfigkeit oder Erschöpfung aus. Manchmal ist es auch eine Form von Protest, man denke an die Diskussion um Colin Kaepernicks Verhalten während der Nationalhymne. Dass man in die Knie geht, um einen Homerun zu schlagen, sieht man jedoch eher selten und deswegen erhält Adrian Beltre heute von mir die Auszeichnung für den Spielzug der Woche.

Statistik der Woche 
19. So viele Spiele absolvieren Divisionsrivalen in der MLB in einer Saison gegeneinander und in so vielen Spielen hat Daniel Murphy mindestens einen Hit gegen sein ehemaliges Team, die New York Mets, erzielt. Murphy kam in diesen 19 Spielen auf einen Average von .413 mit 7 Homeruns und 21 RBI. Als Metsfan tut es mir weh, das zu sagen, aber: Die Mets haben es nicht besser verdient. Sie haben Murphy vor der Saison recht rüde aussortiert, indem sie ihm kein ernstzunehmendes Angebot vorgelegt haben, obwohl er eine atemberaubende Postseason hingelegt, immer wieder deutlich signalisiert hatte, bei den Mets bleiben zu wollen und nach allem, was man weiß, keine überzogenen Forderungen stellte. Das Front Office um Sandy Alderson ließ ihn ziehen und nun spielt er beim wichtigsten Konkurrenten die Saison seines Lebens. Dumm gelaufen.

Spiel der Woche
Die Dodgers haben am vergangenen Samstag 5:0 gegen die Marlins gewonnen, allerdings war das Resultat nach dem Spiel kaum ein Thema, denn alles drehte sich um die Entscheidung von Dodgers-Manager Dave Roberts, seinen Starting Pitcher Rich Hill nach sieben Innings aus dem Spiel zu nehmen. Hill hatte bis zu diesem Zeitpunkt ein Perfect Game gepitcht, also keinen einzigen Baserunner zugelassen. Ein solches Spiel über die volle Distanz ist der Traum jedes Pitchers und wenn es Hill gelungen wäre, wäre es das erste Perfect Game in der MLB seit vier Jahren gewesen. Aber Robertson entschied anders und Reliever Joe Blanton gab im achten Inning prompt gegen Jeff Francoeur einen Hit ab. Hill war sichtlich wütend über die entgangene Chance, sich selbst ein Denkmal zu setzen, aber natürlich muss man auch Roberts‘ Position sehen, dass er seinen erst vor wenigen Wochen erworbenen und durchaus als verletzungsanfällig bekannten Pitcher nicht zugunsten eines symbolischen Erfolgs verheizen wollte. Dass diese Entscheidung überhaupt zu treffen war, verdankte Hill übrigens neben seinem eigenen starken Auftritt auch Teamkamerad Yasiel Puig, der ihm im siebten Inning mit einem fantastischen Catch den perfekten Auftritt erhielt.

Spiel der kommenden Woche
Das ewig junge Duell der Erzrivalen Boston Red Sox und New York Yankees steht mal wieder an und weil es in einer Situation kommt, in der es für beide Teams quasi um alles geht, drängt sich diese Serie förmlich auf, aus ihr das Spiel der Woche zu wählen. Da keines der voraussichtlichen Pitcher-Matchups besonders herausragt, ist mein Einschalttipp das Spiel mit der aus mitteleuropäischer Sicht günstigsten Anfangszeit: Am Samstag um 19:05 Uhr wird von Bryan Mitchell der erste Pitch der Yankees geworfen, die Red Sox schicken David Price ins Rennen.

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