September 26th, 2019 by Silversurger

Für 20 Teams endet die MLB-Saison mit dem kommenden Wochenende. Für die restlichen 10 wird es dann erst richtig interessant, denn die Playoffs stehen ins Haus. Wer zu diesen 10 Teams gehört, steht seit letzter Nacht bis auf eine einzige Ausnahme fest. Im Grand Slam am Donnerstag geht es diese Woche daher in erster Linie um die möglichen Konstellationen in den ersten Runden der Postseason.

National League
In der National League werden die Los Angeles Dodgers (102-56), die Atlanta Braves (97-62), die St. Louis Cardinals (90-69), die Washington Nationals (89-69) und die Milwaukee Brewers (88-70) die Playoffs bestreiten.

Die Dodgers stehen darüber hinaus als das Team mit der besten Bilanz der NL fest. Sie werden deshalb sowohl in der Divisional Series (NLDS) als auch im Fall des Erreichens der Championship Series (NLCS) die etwas günstigere Verteilung von Heim- und Auswärtsspielen genießen. Der erste Gegner der Dodgers wird das Team sein, welches am Dienstag das Wild-Card-Spiel gewinnt.

Ein Teilnehmer des Wild-Card-Games sind in jedem Fall die Nationals. Ihr Gegner steht noch nicht fest: Es sind entweder die St. Louis Cardinals oder die Milwaukee Brewers, je nachdem wer von beiden nicht die NL Central gewinnnt.

In der zweiten NLDS werden die Braves das erste Heimrecht gegen den Sieger der NL Central haben. Zurzeit haben die Cardinals hier noch 1,5 Spiele Vorsprung auf die Brewers. Doch die Brewers gewinnen seit drei Wochen nahezu jedes Spiel und haben mit den Cincinnati Reds und dreimal den Colorado Rockies sehr schlagbare Gegner vor sich. Die Cardinals treffen in den letzten drei Spielen auf die Chicago Cubs. Auch die sind zurzeit sehr schlagbar, haben sich mit acht Niederlagen in Folge aus den Playoffs gespielt; aber es würde mich nicht wundern, wenn sie in dieser finalen Serie noch mal eine kleine Trotzreaktion zeigen und St. Louis ein, zwei Spiele abnehmen. Das könnte in der Situation münden, dass am Ende St. Louis und Milwaukee gleichauf stehen. In diesem Fall würde am Montag zwischen den beiden ein Entscheidungsspiel, ein sogenanntes „Game 163“ stattfinden.

American League
Während es in der NL nur noch darum geht, wer in den Playoffs gegen wen spielt, steht in der American League noch eine grundlegende Entscheidung aus: Von den Oakland Athletics (95-63), den Tampa Bay Rays (95-64) und den Cleveland Indians (93-65) werden sich zwei Teams am Mittwoch zum Wild-Card-Spiel treffen, das dritte bleibt schon vorher auf der Strecke. Alle drei Teams müssen ihre letzten Spiele der regulären Saison auswärts bestreiten. Die Rays in Toronto und die Athletics in Seattle haben dabei Gegner, für die es schon lange um nichts mehr geht. Die Indians hingegen müssen – nach der heutigen Partie bei den White Sox – zu den Washington Nationals, welche noch um das Heimrecht im Wild-Card-Spiel der NL kämpfen. Verbunden damit, dass die Indians zurzeit 1,5 Spiele Rückstand auf die Rays und 2 Spiele auf die Athletics aufweisen, gehen sie klar als Außenseiter in das Wochenende der Entscheidung.

Das Team von diesen dreien, das sich im Wild-Card-Spiel durchsetzt, wird in der ALDS auf den Divisionssieger mit den meisten Siegen treffen. Das werden ziemlich sicher die Houston Astros (104-54) sein – die New York Yankees (102-57) wären es nur, wenn sie ihre restlichen drei Spiele alle gewinnen und die Astros ihre restlichen vier alle verlieren würden.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird somit die zweite ALDS zwischen den Yankees und den Minnesota Twins (98-60) stattfinden. Die Twins stehen seit letzter Nacht als Sieger der AL Central fest, zum ersten Mal seit 2010. Wir werden also den einzigen deutschen Major Leaguer, Max Kepler, in den Playoffs sehen. Nicht zum ersten Mal übrigens, denn 2017 stand Kepler bereits im Starting Lineup der Twins im Wild-Card-Spiel. Der Gegner waren damals ebenfalls die Yankees, welche mit 8:4 die Oberhand behielten.

Szene der Woche 
Alles fiebert der Postseason entgegen, aber für einige steht mit dem Ende der regulären Saison das große Abschiednehmen an. Dass Bruce Bochy, der langjährigste Manager der Liga, von den San Francisco Giants in den Ruhestand wechselt, ist schon seit Saisonbeginn bekannt. Vor wenigen Tagen erklärte nun auch Ned Yost, Manager der Kansas City Royals, dass er seine Karriere beenden wird.

Kein Karriereende, aber das Ende seines Engagements in San Diego, ereilte diese Woche darüber hinaus Padres-Manager Andy Green. Man darf gespannt sein, welche Teams es den Padres in den nächsten Wochen gleich tun und ebenfalls ihre Manager feuern werden. Heiße Kandidaten dafür sind unter anderem Mickey Callaway von den Mets und Gabe Kapler von den Phillies. Clint Hurdle von den Pirates hat hingegen trotz einer enttäuschenden Saison bereits ein öffentliches Treuebekenntnis seines Arbeitgebers erhalten.

Statistik der Woche 
19. So viele Saisons hat die MLB nun hintereinander gespielt, ohne dass ein World-Series-Gewinner seinen Titel verteidigen konnte. Die aktuelle Saison ist dabei bereits mitgerechnet, denn seit vor ein paar Tagen die Boston Red Sox die letzte Chance auf eine Playoff-Qualifikation verspielt haben, steht fest, dass es auch dieses Jahr keinen Repeat-Champion geben wird. Die letzten, die es geschafft haben, waren die New York Yankees. Sie gewannen von 1998 bis 2000 dreimal hintereinander die World Series.

Spiel der Woche
19 ist auch in dieser Kategorie die herausstechende Zahl, denn ebenso viele Innings benötigten die Arizona Diamondbacks und die St. Louis Cardinals Dienstagnacht, um ihre Partie zu einem Ende zu bringen. Der Held der Nacht war Arizonas Ildemaro Vargas. Er war in den ersten acht Innings gar nicht dabei, brachte es aber letztlich auf vier Hits in sechs At Bats. Zwei dieser Hits waren spielentscheidend: Im neunten Inning kam Vargas als Pinch Hitter beim Stand von 0:1 ins Spiel und erzielte per Solo-Homerun den Ausgleich. Zehn Innings später gelang ihm bei zwei Outs und geladenen Bases der Walkoff-Single zum Sieg seines Teams. Zuvor hatten beide Teams zusammen 48 Strikeouts erzielt. Damit wurde ein MLB-Rekord eingestellt, den die Cubs und die Yankees am 7. Mai 2017 vorgelegt hatten.

Mein Einschalttipp
Es sind die Tage der finalen Entscheidungen und natürlich empfehle ich, in alle Spiele reinzuschauen, in denen es noch um etwas geht. Von den letzten Partien der regulären Saison dürfte das Duell der Washington Nationals gegen die Cleveland Indians das interessanteste sein, da es Auswirkungen auf die Wild-Card-Konstellation in beiden Ligen hat. Davon abgesehen gilt mein Einschalttipp den beiden Wild-Card-Spielen. Das der NL läuft Dienstagnacht, das der AL Mittwochnacht. Genaue Uhrzeiten stehen noch nicht fest, aber voraussichtlich wird es auf  2 Uhr nachts unserer Zeit plus/minus eine Stunde hinauslaufen.

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September 12th, 2019 by Silversurger

Wir sind in der Jahreszeit der Magic Numbers und der Elimination Numbers angekommen. Falls ihr nicht wisst, was das ist, könnt ihr es in diesem Artikel aus dem letzten Jahr nachlesen. Als erstes MLB-Team des Jahres haben es vorgestern die Los Angeles Dodgers geschafft, ihre Magic Number für den Divisionssieg auf 0 zu senken. Die nächsten in der Reihe sind die Yankees, die Astros und die Braves. Sie alle haben eine Magic Number von 8 und somit die Chance, bis nächste Woche mit etwas Schützenhilfe durch die Konkurrenz alles klar zu machen. In den Rennen um die Wild Cards beider Ligateile hingegen ist noch gar nichts klar: In der AL ist es nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen von drei Teams, in der NL machen sich sogar noch sechs Teams berechtigte Hoffnungen und sind seit letzter Woche wieder enger zusammengerückt.

American League
In der American League East hat sich seit letzter Woche wenig geändert: Die New York Yankees (95-51) cruisen souverän in Richtung Divisionstitel und 100-Siege-Marke. Die Tampa Bay Rays (87-60) überzeugen ebenfalls seit Wochen, haben derzeit sechs der letzten sieben und 11 der letzten 13 Spiele gewonnen. Im Ringen um die Wild-Card-Plätze beschert ihnen das ein halbes Spiel Vorsprung auf die Athletics und ein ganzes auf die Indians. Die größten Schlagzeilen produzierten derweil die Boston Red Sox (76-70): Der Titelverteidiger hat durch fünf Niederlagen in Folge – drei davon gegen den New Yorker Erzrivalen – seine ohnehin schon geringen Playoffchancen auf 0% gesenkt. Als Reaktion auf die schwache Saison wurde am Sonntag General Manager Dave Dombrowski entlassen. Das kam überraschend, denn immerhin war Dombwoski der Architekt des Meisterteams 2018. Offenbar war es aber nicht nur die schwache Saison 2019, sondern auch die eine oder andere atmosphärische Störung zwischen dem Klub und seinem leitenden Angestellten, die zu der Entscheidung führte. Es ist jedenfalls sehr ungewöhnlich, dass es dazu weder eine Pressekonferenz noch einen öffentlichen Kommentar der Teambesitzer gab.

Die Cleveland Indians (86-61) haben die AL Central noch nicht aufgegeben: Mit 2:1 Siegen in der Serie bei den Minnesota Twins (89-56) sowie einem darauf folgenden Sweep der Angels haben sie genau das getan, was nötig war, um den Kampf um die Division offen zu halten. Am Wochenende treffen die Twins und die Indians erneut dreimal direkt aufeinander. Das Ergebnis dieser Serie wird bestimmen, ob Max Kepler & Co. sich in den folgenden Wochen beruhigt auf die Playoffs einstellen können oder ob ihnen ein heißer Frühherbst bevorsteht. Am anderen Ende der Tabelle haben übrigens die Detroit Tigers (43-100) als erstes Team des Jahres die Marke von 100 Niederlagen erreicht. Mit den Kansas City Royals (54-92) sowie den Baltimore Orioles (47-98) in der AL East und den Miami Marlins (51-94) in der NL East sind drei weitere Teams auf Kurs für 100 Niederlagen – wenn es dazu kommt, wäre der Rekord von vier 100-Loss-Teams aus der Saison 2002 eingestellt.

Was es noch nie gegeben hat, ist eine Saison mit vier 100-Win-Teams. Dieses Jahr könnte es soweit sein, denn den Houston Astros (95-52) fehlen ebenso wie den Yankees nur noch fünf Siege, den Dodgers noch sechs und den Braves neun. In der AL West gab es diese Woche ein paar ziemlich interessante Ergebnisse: Am Sonntag gewannen die Astros 21:1 gegen die Seattle Mariners (68-80), am Montag ließen sie ein 15:0 gegen die Oakland Athletics (80-68) folgen – das war das höchste kombinierte Ergebnis in zwei aufeinander folgenden Spielen aller Zeiten. Am Dienstag erlebten die Astros schon wieder ein Schützenfest, dieses Mal aber gegen sich beim 21:7 für die Athletics. Für die A’s war es enorm wichtig, sich für die Demütigung vom Vortag sofort zu revanchieren, schließlich brauchen sie im Wild-Card-Rennen jeden Sieg. Sie ließen am Mittwoch ein 5:3 folgen und versuchen heute, den Astros das dritte Spiel in Folge abzunehmen.

National League
Die National League East werden die Atlanta Braves (91-56) gewinnen. Dahinter tummeln sich drei Teams, von denen ich jedes während der Saison mindestens einmal abgeschrieben habe. Doch hier sind sie, allesamt mitten im Wettbewerb um die Wild Cards: Die Washington Nationals (80-64) haben in diesem Rennen dreieinhalb Spiele Vorsprung, allerdings haben sie ein ziemlich heftiges Restprogramm mit einmal Minnesota, dreimal Atlanta, dreimal St. Louis, fünfmal Philadelphia, dreimal Cleveland – und nur dreimal den Miami Marlins (51-94) als einzigem Gegner, für den es um nichts mehr geht. Das öffnet die Tür für die Philadelphia Phillies und die New York Mets (jeweils 75-50), noch einmal heranzukommen. Insbesondere von den Mets hätte ich das noch vor einer Woche nicht gedacht, aber nach drei Siegen gegen die Diamondbacks sind sie wieder voll dabei.

Voll dabei sind auch drei Teams der NL Central, die in den zweieinhalb verbleibenden Wochen noch einige Male direkt gegeneinander spielen werden. Mit vier Spielen Vorsprung haben die St. Louis Cardinals (81-64) derzeit relativ komfortabel die Nase vorn. Es folgen gleichauf die Milwaukee Brewers und die Chicago Cubs (77-68), die in den letzten Tagen in unterschiedliche Richtungen unterwegs waren: Die Brewers gewannen trotz des Verletzungsschocks um Christian Yelich (siehe „Szene der Woche“) sechs Spiele in Folge, die Cubs verloren fünf der letzten sechs – drei davon gegen die Brewers. Die Cubs müssen sich nun bemühen, in den vermeintlich lösbaren Aufgaben gegen San Diego, Pittsburgh und Cincinnati wieder ein kleines Polster aufzubauen, denn die letzten zehn Tage der Saison mit sieben Spielen gegen St. Louis werden bockelhart.

Die NL West haben die Los Angeles Dodgers (94-53) zum siebten Mal in Folge für sich entschieden – gefühlt seit Monaten, offiziell seit Dienstag. Von den Teams dahinter sind nur die Arizona Diamondbacks (75-71) noch erwähnenswert. Sie hatten sich zwei starke Wochen lang aus fast aussichtsloser Lage zurück ins Wild-Card-Rennen gearbeitet, nun allerdings drohen sie durch eine bislang katastrophale Serie bei den Mets alles wieder zu verspielen. Mit zweieinhalb Spielen Rückstand bilden sie derzeit das Schlusslicht unter den sechs Wild-Card-Anwärtern der NL. Aber ich werde den Teufel tun, sie totzusagen, denn damit lag ich in dem verrückten Wild-Card-Rennen dieses Jahres bislang jedes Mal falsch.

Szene der Woche 
Den schönsten Moment der Woche hatten definitiv die Los Angeles Dodgers, die als erstes Team dieser Saison die Divisionsmeisterschaft feiern durften:

Ich muss aber auch eine weit weniger schöne Szene erwähnen, die diese MLB-Woche geprägt hat, nämlich die Verletzung von Christian Yelich. Der MVP 2018 der National League brach sich die rechte Kniescheibe bei einem extrem unglücklich vom Schläger abgeprallten Foulball. Zart besaitete Gemüter starten lieber nicht das unten stehende Video, sondern schauen sich besser noch mal die feiernden Dodgers an.

Statistik der Woche 
1995-2019. Diese Zahlenkombination begegnete einem in den letzten Tagen, wenn man die MLB verfolgt, ziemlich häufig. Sie führte sogar zu Rücktrittsforderungen gegenüber Bruce Bochy, dem Manager der San Francisco Giants. Bochy, der dienstälteste Manager der gesamten Liga, hatte bereits vor der Saison angekündigt, dass für ihn danach Schluss ist. Seine Karriere dauerte dann von 1995 bis 2019. Da wäre es doch wirklich originell gewesen, wenn er vorgestern aufgehört hätte, als seine Bilanz aus Siegen und Niederlagen ebenfalls bei 1995-2019 stand. Hat er aber nicht gemacht, stattdessen steht er jetzt bei 1996-2019 und strebt in den verbleibenden 16 Spielen noch seinen 2000. Sieg als MLB-Manager an. Die Seattle Mariners dachten sich derweil offenbar: „Was der kann, können wir auch.“ Einen Tag nach Bochys obskurem statistischen Meilenstein präsentierten die Mariners ihre eigene Bilanz für die Jahre 1995-2019. Sie lautete, ja genau: 1995-2019.

Spiel der Woche
Was ich am Baseball ganz besonders mag, sind die Momente, in denen monatelange Prügelknaben wenigstens für einen Abend mal den letzten Lacher auf ihrer Seite haben. Zum Beispiel am Dienstag, als das frischgebackene 100-Niederlagen-Team Detroit Tigers den übermächtig erscheinenden Rekordmeister New York Yankees empfing: Neben der 100. Niederlage am Vortag gegen die Athletics hatten die Tigers auch zu verdauen, dass die Yankees ihnen sage und schreibe sechs Homeruns einschenkten und damit den aktuellen Rekord für die meisten Homeruns in einer Saison brachen – einen Rekord, den sich eine Woche zuvor die Twins geholt hatten, ebenfalls in Detroit. Was macht man in so einer Lage? Sich flach auf den Boden legen und warten, bis es vorbei ist? Von wegen: Detroit ließ sich nie hängen, kämpfte sich von einem frühen 6-Run-Rückstand zurück und gewann am Ende 12:11 per Walkoff. Gut gebrüllt, Tigers!

Mein Einschalttipp
Showdown in der AL Central: Zum letzten Mal in diesem Jahr kreuzen die Cleveland Indians und die Minnesota Twins direkt die Klingen. Die Ausgangslage ist klar: Gewinnen die Twins die Serie, ist ihnen der Divisionssieg wahrscheinlich nicht mehr zu nehmen. Fahren hingegen die Indians zwei oder gar drei Siege ein, stehen der Division zwei richtig spannende Endspurt-Wochen bevor. Das Finale der Serie steigt am Sonntag zur besten europäischen Sendezeit und bietet mit Shane Bieber (3.17 ERA, 3.21 FIP) gegen José Berrios (3.63 ERA, 3.92 FIP) ein attraktives Pitcherduell. Zu sehen ist das Spiel wie üblich auf mlb.tv.

DAZN hingegen macht sich zurzeit leider sehr rar mit MLB-Übertragungen. Laut den derzeit verfügbaren Programmübersichten laufen dort bis nächsten Donnerstag lediglich vier MLB-Spiele und zwar ausschließlich solche, die im Hinblick auf die Playoffs komplett unbedeutend sind.

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August 29th, 2019 by Silversurger

Genau heute in einem Monat ist es soweit. Dann ist die reguläre Saison der MLB beendet und alle Entscheidungen sind gefallen. Das jedenfalls ist der Plan, aber wenn man sich die AL West, die NL West und beide Wild-Card-Tabellen anschaut, dann erscheint es keineswegs unrealistisch, dass im einen oder anderen Fall auch 162 Spiele nicht ausreichen, um einen klaren Unterschied hervorzubringen. Zur Erinnerung: Wenn die Sieg-Niederlagen-Bilanz mehrerer Teams am Ende der regulären Saison gleich ist und zwischen diesen Teams entschieden werden muss, wer eine Division gewinnt und/oder wer einen Wild-Card-Platz belegt, so gibt es keine rechnerischen Tiebreaker, sondern es kommt zu einem zusätzlichen Spiel zwischen diesen Teams. Letztes Jahr kam das gleich zweimal vor, jeweils um die Spitze der NL Central und der NL West.

American League
Generalprobe bestanden: Die Serie gegen die Dodgers, die von vielen als Vorgeschmack auf eine mögliche World-Series-Paarung angesehen wurde, haben die New York Yankees (88-47) 2:1 für sich entschieden. Nun stehen drei Spiele gegen Angstgegner Oakland an, danach sieht das Restprogramm der Yankees sieht vergleichsweise einfach aus. Die American League East wird ihnen wohl niemand mehr nehmen. Für die Tampa Bay Rays (76-58) bedeutet das die seltsame Situation, den Yankees am bevorstehenden Wochenende die Daumen drücken zu müssen. Denn realistisch betrachtet geht es für sie nur noch um die Wild-Card-Plätze und die belegen zurzeit die Athletics und die Indians. Die Rays werden somit auf einen Ausrutscher der A’s in New York hoffen, während sie selbst sich gleichzeitig um die Erledigung der Hausaufgaben gegen die Indians bemühen (siehe „Einschalttipp“).

Die AL Central bleibt eine der spannenderen Division, auch wenn die Ausgangsposition der Minnesota Twins (81-51) deutlich besser erscheint als die der Cleveland Indians (78-55). Dazu trägt nicht nur der aktuelle Vorsprung bei, sondern auch der etwas leichtere restliche Spielplan. Allerdings enthält dieser auch noch sechs Spiele im September, in denen die beiden Kontrahenten direkt gegeneinander spielen, sodass auf jeden Fall noch alles drin ist. Über den Rest der Division breiten wir pietätvoll den Mantel des Schweigens…

Genau wie in den anderen beiden AL-Divisionen sind auch in der AL West nur noch zwei Teams in der Verlosung um die Playoffs. Letzte Woche hatte ich vorsichtig in Aussicht gestellt, dass es zwischen diesen beiden noch mal spannend werden könnte. Daraus wird nichts werden, denn die Houston Astros (87-47) haben rechtzeitig zur alten Souveränität zurück gefunden und mit neun Siegen aus den letzten zehn Spielen klare Verhältnisse geschaffen, während die Oakland Athletics (76-56) sich in einer ansonsten starken Woche von zwei Derby-Niederlagen gegen die Giants ausbremsen ließen. Beide reisen nun an die Ostküste, wobei die Astros bei den Blue Jays die leichtere Aufgabe haben als die Athletics bei den Yankees.

National League
Mit 13 Siegen aus den letzten 16 Spielen, darunter ein 3-Spiele-Sweep in Chicago am vergangenen Wochenende, sind die Washington Nationals (74-58) der große Gewinner der letzten Wochen. Fünf Spiele Vorsprung auf einen Nicht-Wild-Card-Platz sind schon ein recht stabiles Polster, und selbst ein Angriff auf die Atlanta Braves (81-55) an der Spitze der National League East scheint inzwischen möglich. Die Philadelphia Phillies (69-63) und die New York Mets (67-65) hingegen mussten Rückschläge hinnehmen und treten im Kampf um die zweite Wild Card bestenfalls auf der Stelle. Am Wochenende treffen die beiden in Philadelphia in einer möglicherweise vorentscheidenden Serie dreimal direkt aufeinander.

An der Spitze der NL Central standen sich lange Zeit drei Teams auf den Füßen, doch in den letzten Tagen ist das Bild etwas klarer geworden. Die St. Louis Cardinals (73-59) haben eine Serie von 6 Siegen am Stück hingelegt und dadurch nun einen Vorsprung von zwei Spielen vor den Chicago Cubs (71-61). Die Cubs patzten am Wochenende, als sie sich von den Nationals sweepen ließen, und arbeiten nun mit bislang zwei Siegen gegen die Mets an Wiedergutmachung. Noch schlechter erging es den Milwaukee Brewers (68-65), die in den letzten 10 Tagen zwei Serien gegen die Cardinals insgesamt 2:4 verloren und drohen, sowohl in der Division als auch im Wild-Card-Rennen den Anschluss zu verpassen. Aber noch ist der Zug nicht abgefahren: Die Brewers spielen nun sieben Partien gegen die Cubs, unterbrochen von zwei Spielen gegen die Astros. Das ist ein bockelhartes Programm, aber auch die Gelegenheit, sich selbst und der Welt doch noch zu beweisen, dass man in die Playoffs gehört.  

Die Los Angeles Dodgers (88-47) haben die NL West weiterhin fest im Griff, daran ändert auch die verlorene Serie gegen die Yankees nichts. Die Arizona Diamondbacks (67-66) und die San Francisco Giants (65-67) haben diese Woche in einer 2-Spiele-Serie unter sich ausgemacht, wer von beiden sich noch leichte Hoffnung auf einen Wild-Card-Platz machen darf. Das sind eindeutig die Diamondbacks, nachdem sie beide Partien für sich entschieden. Wie lange diese leichte Hoffnung für Arizona anhält, werden wir vielleicht schon in den kommenden Tagen sehen, denn sie müssen nun viermal hintereinander gegen die Dodgers ran.

Szene der Woche 
Hier möchte ich dieses Mal keine einzelne Szene hervorheben, sondern das Erscheinungsbild eines ganzen Wochenendes: Es war „Players Weekend“, das bedeutet die Spieler traten mit selbst gewählte Spitznamen auf den Trikots und mit speziellen Accessoires wie zum Beispiel extra für diesen Anlass gestalteten Schuhen auf. Zu dieser Gelegenheit gibt es auch immer besondere Uniformen. Letztes Jahr waren diese besonders farbenfroh – vielleicht nicht jedermanns Sache, aber doch eine nette Abwechslung. Dieses Jahr wurde als Kontrastprogramm dazu auf Farben komplett verzichtet. Die Heimteams traten ganz in weiß an, die Auswärtsteams ganz in schwarz. Auch das hätte ich als interessante Abwechslung zu den Standardtrikots durchaus akzeptieren können – allerdings nur, wenn nicht irgend jemand mit der dämlichen Idee durchgekommen wäre, die Beschriftung der Trikots weiß-grau auf weiß bzw. schwarz-grau auf schwarz vorzunehmen. Gerade an diesem besonderen Wochenende mit den besonderen Namen bedruckt man die Trikots so, dass sie nur mit äußerster Mühe lesbar sind? Ganz schlechte Idee, liebe MLB.

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MLB Players Weekend 2019 (Abb. ähnlich)

Statistik der Woche 
1.74. Das ist der ERA von Jacob deGrom aus seinen letzten 10 Spielen gegen die Atlanta Braves. Er warf in diesen Spielen 89 Strikeouts und hielt durchschnittlich 6 2/3 Innings durch. Die Mets verloren 8 der 10 Spiele. Wer sich fragt, wie so etwas passieren kann, der schaue sich die Partie vom Freitag an: deGrom warf 13 Strikeouts in 7 Innings, ließ nur einen Run zu – und die Mets verloren 1:2 nach 14 Innings. Denn die Offense brachte keinen einzigen Punkt aufs Board außer einem Homerun, den der arme deGrom auch noch selbst schlagen musste.

Spiel der Woche
Wenn man gegen einen in der Tabelle hoffnungslos abgeschlagenen Gegner antritt, ist ein Sieg Pflicht, könnte man meinen. Wenn man gegen diesen Gegner vier Runs erzielt, noch bevor er selbst das erste Mal am Schlag war, hat man ihn schon ordentlich demoralisiert, könnte man meinen. Wenn man nach drei Innings 7:0 vorne liegt und im Spiel insgesamt elf Scores einfährt, kann einem der Gegner fast schon leid tun, könnte man meinen. Aber weil es Baseball ist, gibt es auch Spiele wie das zwischen den Phillies und den Marlins vom Freitag. Die Marlins zeigten sich gänzlich unbeeindruckt davon, „eigentlich“ keine Chance zu haben, und feierten am Ende ein 19:11-Blowout nach achteinhalb Innings. Schade, dass dieses Highlight-Spiel ihrer Saison gerade mal 9.065 Zuschauer sehen wollten. Mit einem Durchschnitt von 9.939 liegen die Marlins weit abgeschlagen in der Besuchertabelle. Ein neuer Tiefpunkt wurde übrigens diesen Montag erreicht, als beim Spiel gegen die Reds nur 5.297 Tickets verkauft wurden.

Mein Einschalttipp
Das Wild-Card-Rennen der AL wird am Wochenende noch nicht entschieden, aber es stehen gleich zwei richtungweisende Serien an: Die Athletics treten bei den Yankees an und hoffen, dort das Husarenstück vom letzten Aufeinandertreffen zu wiederholen, als sie dem Rekordmeister einen 3-Spiele-Sweep abnahmen. Gleichzeitig treffen in Tampa Bay die anderen beiden Wild-Card-Bewerber, die Indians und die Rays, in drei Spielen direkt aufeinander. Das Einschalten lohnt sich mit Sicherheit bei jedem dieser Spiele. Auf DAZN wird am Samstag ab 19:05 Uhr die Partie Yankees gegen Athletics übertragen, voraussichtlich mit dem Matchup Homer Bailey (5.04 ERA, 4.32 FIP) gegen Domingo German (4.03 ERA, 4.73 FIP). Die günstigste Zeit, auf mlb.tv ein Spiel der anderen Serie zu sehen, ist am Sonntag ab 19:10 Uhr, wenn Cleveland mit Adam Plutko (4.34 ERA, 5.45 FIP) gegen die Rays mit Charlie Morton (3.11 ERA, 2.79 FIP) antritt.

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August 8th, 2019 by Silversurger

New York, New York – so lassen sich die auffälligsten Entwicklungen der vergangenen ein, zwei MLB-Wochen in aller Knappheit beschreiben. Die längst totgesagten Mets haben 13 ihrer letzten 14 Spiele gewonnen, stehen plötzlich bei einer positiven Bilanz und mitten im Rennen um eine Wild Card. Die Yankees sind noch einen Schritt weiter: Nach 8 Siegen hintereinander sind sie dabei, sämtliche Konkurrenten in der AL East und damit den Gedanken, das man eine Wild Card brauchen könnte, von sich abzuschütteln. Neben den Houston Astros in der AL West und den Los Angeles Dodgers in der NL West sind die Yankees das dritte MLB-Team, das mit einem zweistelligen Vorsprung den Divisionssieg so gut wie sicher hat.

National League
Die New York Mets (59-56) sind zurzeit das große Thema in der National League East und das völlig zurecht. Dennoch sollte man nicht übersehen, dass sie nach wie vor nur Vierter und ihre wiederbelebten Playoff-Chancen immer noch die eines Außenseiters sind. Die Atlanta Braves (68-48) führen die Division an mit recht komfortablem Vorsprung auf die Washington Nationals (61-53). Beide – zuerst Washington, dann Atlanta – müssen in den nächsten Tagen gegen die Mets antreten. Das wird somit eine extrem interessante und richtungsweisende Woche für die NL East, in der wir auch die Philadelphia Phillies (59-55) nicht vergessen dürfen. Für sie lief es mit verlorenen Serien gegen die White Sox und in Arizona zuletzt nicht gut, aber die ebenfalls angeschlagenen Giants könnten sich als willkommener Aufbaugegner für das Wochenende erweisen.

Die NL Central war dieses Jahr lange äußerst spannend mit einem Dreikampf an der Spitze und zwei weiteren Teams, die ebenfalls nicht weit abgeschlagen waren. Langsam, aber sicher scheint sich nun die Spreu vom Weizen zu trennen. Am Tabellenende erleben die Pittsburgh Pirates (48-66) mit nur 4 Siegen aus 25 Spielen seit dem All-Star-Break eine extrem frustrierende Phase. Bei inzwischen 14 Spielen Rückstand auf die Spitze und 11 auf die Wild Card haben sie sich endgültig aus dem Playoff-Rennen verabschiedet. Auch an der Spitze der Division hat sich das Bild etwas entzerrt, indem die Chicago Cubs (62-52) sich von den Verfolgern Milwaukee Brewers (60-56) und St. Louis Cardinals (58-55) etwas abgesetzt haben. Die Brewers wurden am Wochenende von Chicago im direkten Vergleich gesweept, die Cardinals müssen einen misslungenen Auswärtstrip wegstecken, auf dem sie in Oakland und bei den Dodgers alle fünf Spiele verloren. Die Cincinnati Reds (54-58) sind trotz eines erstaunlich guten Run Differentials von +37 ein Stück zurück und stehen vor einer interessanten Serie: In vier Heimspielen gegen die Cubs können die Reds den Glauben an die große Überraschung entweder neu erwecken oder endgültig begraben.

Ob in der NL West dieses Jahr mit irgendwelchen Überraschungen zu rechnen ist, scheint mir sehr fraglich. Der Divisionssieg ist den Los Angeles Dodgers (77-40) gefühlt schon seit Mai sicher. Im Rest des Feldes hatten sich rund um den All-Star-Break die San Francisco Giants (56-59) in Stellung gebracht, selbiges von hinten aufzurollen, doch nach sechs Niederlagen in den letzten sieben Spielen sind die Träume vom epischen Comeback schon wieder ausgeträumt. Die San Diego Padres (52-61) und die Colorado Rockies (52-62) sind noch deutlicher aus dem Rennen, sodass die Arizona Diamondbacks (58-57) die einzige ernsthafte Hoffnung darstellen, eine Wild Card in die NL West zu holen. Angesichts der großen Konkurrenz aus den anderen Divsionen und nachdem die Diamondbacks zur Trade-Deadline mit Zack Greinke ihren besten Starter abgegeben haben, tippe ich eher darauf, dass sie leer ausgehen.

American League
Wie eingangs erwähnt scheint das lange spannende Rennen um die American League East inzwischen entschieden. Trotz ständiger Verletzungssorgen und einer bestenfalls durchschnittlichen Starting Rotation finden die New York Yankees (75-39) immer wieder Mittel und Wege, ihre Spiele zu gewinnen. Zuletzt waren es Sweeps gegen die Boston Red Sox (60-56) und die Baltimore Orioles (38-76). Angesichts anstehender Serien gegen die Toronto Blue Jays (47-70) und dann erneut gegen die Orioles sieht es ganz danach aus, dass die Yankees vor einer weiteren Woche mit vielen Siegen stehen. Für die Tampa Bay Rays (66-50), inzwischen 10 Spiele hinter den Yankees, wird realistisch betrachtet nur noch der Wild-Card-Weg in die Playoffs führen. Dieser Weg steht auch den Red Sox noch offen, doch aufeinanderfolgende Sweeps erst durch die Rays und dann durch die Yankees waren ein herber Rückschlag für den Titelverteidiger.

In der AL Central steht die vielleicht aufregendste Serie der bisherigen Saison an: Die Minnesota Twins (70-44) haben nur noch zwei Spiele Vorsprung vor den Cleveland Indians (68-46) und empfangen den direkten Konkurrenten am Wochenende für vier Partien (siehe „Einschalttipp“). Vor gut zwei Monaten, am 3. Juni, lagen die Indians noch 11,5 Spiele hinter den Twins. Seitdem haben sie in den letzten 55 Spielen eine Bilanz von 39-16 eingefahren und mit einem erfolgreichen Wochenende könnten sie die Aufholjagd zum Höhepunkt führen. Entschieden wird natürlich noch lange nichts: Bis zum Ende der Saison sind es für beide Teams noch 48 Spiele, 10 davon gegeneinander.

Die Houston Astros (75-40) sind ein sehr gutes Baseballteam (siehe auch „Spiel der Woche“), das die AL West gewinnen wird. Das dürfte ebenso sicher sein wie dass die Texas Rangers (58-56), die Los Angeles Angels (56-59) und die Seattle Mariners (48-68) nichts mit den Playoffs zu tun haben werden. Schade, dass in dieser Division schon so früh so wenig Spannung übrig ist. Und gut, dass es wenigstens die Oakland Athletics (65-50) gibt, die im Wild-Card-Rennen voll dabei sind. Nicht mehr dabei ist für den Rest der Saison übrigens Mariners-Infielder Tim Beckham. Der 29-Jährige wurde bei einem Dopingtest der verbotenen Substanz Stanozolol überführt und mit der für Ersttäter üblichen Sperre von 80 Spielen belegt. 32 dieser Spiele fallen in die kommende Saison, für die Beckham bislang noch keinen Vertrag hat.

Szene der Woche
Den Anblick von pitchenden Positionsspielern ist man ja fast schon gewohnt – sie kommen zum Einsatz, wenn ein Spiel vorzeitig entschieden ist oder so tief in Extra-Innings reicht, dass die regulären Relief-Pitcher verbraucht sind und eine Notlösung her muss. Am Freitag gab es im Spiel der Philadelphia Phillies gegen die Chicago White Sox eine noch interessantere Konstellation: In der unteren Hälfte des 13. Innings brachte Phillies-Manager Gabe Kapler für Pitcher Zach Eflin als Pinch-Runner einen anderen Pitcher, Vince Velasquez. Als das Spiel ins 14. Inning ging, ließ Kapler Velasquez im Spiel – allerdings nicht als Pitcher, sondern im Leftfield. Derweil wurde Outfielder Roman Quinn zum Pitchen auf den Mound geschickt. Das war zwar irgendwie seltsam, aber Velasquez machte auf der ungewohnten Position einen überragenden Job und rettete sein Team vor einem sicheren Rückstand:

Der Ausflug ins Outfield war für Velasquez damit noch nicht beendet. Er kehrte im folgenden Inning zurück auf den Posten, verpasste zunächst nur knapp das Out in einer ähnlichen Szene wie der vorherigen und beendete schließlich das Inning mit einem Catch, der eines Gold Glovers würdig gewesen wäre:

Statistik der Woche 
52. So viele Homeruns haben die New York Yankees dieses Jahr gegen die Baltimore Orioles geschlagen. Das sind mehr Homeruns als jemals ein Team in einer Saison gegen einen einzelnen Gegner erzielt hat. Bisheriger Rekordhalter waren die Yankees selbst mit 48 Homeruns gegen die Kansas City Athletics im Jahr 1956. Was die Sache noch ein Stück beeindruckender macht: Die Yankees spielen dieses Jahr – genauer gesagt nächste Woche – noch viermal gegen die Orioles, da ist also noch einiges drin.

Spiel der Woche
Als die Houston Astros sich letzte Woche zur Trade-Deadline zwei neue Starter gönnten, redeten alle von Zack Greinke, aber fast niemand von Aaron Sanchez. Logisch, denn im Gegensatz zu dem anerkannten Ass Greinke kam Sanchez als eher fragwürdiger Ergänzungsspieler, der es in Toronto dieses Jahr auf einen schwachen ERA von 6.07 gebracht hatte. Von Sanchez‘ erstem Spiel für die Astros werden sie aber noch eine ganze Weile reden. Sechs Innings lang hielt er die Seattle Mariners ohne einen einzigen Hit, anschließend brachten die Reliever Will Harris, Joe Biagini und Chris Devenski den kombinierten No-Hitter zum 9:0-Erfolg über die Mariners nach Hause.

Mein Einschalttipp
Meine Einschaltempfehlung geht diese Woche ganz klar an das Gipfeltreffen der AL Central zwischen den Minnesota Twins und den Cleveland Indians. Von Donnerstag bis Sonntag absolvieren die beiden Kontrahenten vier Spiele gegeneinander. Das Finale der Serie läuft am Sonntag direkt nach der Tagesschau, wenn auch leider nicht im deutschen Fernsehen, sondern nur auf mlb.tv. Das Pitching-Matchup stellen voraussichtlich Rookie Aaron Civale (0.75 ERA, 2.05 FIP) für Cleveland und José Berrios (3.24 ERA, 3.76 FIP) für Minnesota.

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August 1st, 2019 by Silversurger

Die Trade-Deadline, die gestern Abend in der MLB anstand, bedeutet naturgemäß für viele Spieler den Abschied von ihrem Team und von dessen Fans. Dieses Jahr waren die Tage vor der Deadline besonders aufregend, denn zum ersten Mal handelte es sich nach einer Regeländerung um eine endgültige Frist, das heißt weitere Spielerwechsel sind für die laufende Saison ausgeschlossen. Die drei aufsehenerregendsten Trades dieser Woche waren die folgenden:

  • Die Houston Astros holen Starting Pitcher Zack Greinke von den Diamondbacks. Dafür schicken sie vier Minor-League-Prospects nach Arizona.
  • In einem Dreiecks-Trade gehen Starter Trevor Bauer von den Cleveland Indians zu den Cincinnati Reds und Outfielder Taylor Trammell von den Reds zu den San Diego Padres. Die Indians erhalten für die Trennung von ihrem Asss eine ganze Schar von Spielern: Outfielder Yasiel Puig von den Reds, Outfielder Franmil Reyes von den Padres und drei weitere Prospects.
  • Die New York Mets schicken ihre Pitching-Prospects Anthony Kay und Simeon Woods Richardson nach Toronto, um von den Blue Jays Starter Marcus Stroman zu akquirieren.

Nicht nur von einem Team, sondern von seiner gesamten Karriere als Baseballprofi hat sich einer der herausragenden Shortstops der jüngeren MLB-Geschichte verabschiedet: Troy Tulowitzki hatte nach bereits eineinhalb Jahren Verletzungspause und anschließender Entlassung durch die Blue Jays einen Comeback-Versuch bei den Yankees gestartet. Er brachte es auf nur fünf Einsätze in Pinstripes, bevor sein Körper ihm signalisierte und er selbst einsah, dass es genug ist. Der 34-Jährige will nun verstärkt für seine Familie da sein und nebenbei als ehrenamtlicher Assistenztrainer für die University of Texas arbeiten.

American League
Die New York Yankees (68-39) haben zur Deadline für eine große Überraschung gesorgt, indem sie nahezu komplett untätig geblieben sind. Bis zum Schluss galten sie als offensichtlicher Kandidat, mindestens einen Starter an Land zu ziehen, doch Verhandlungen um Zack Wheeler, Robbie Ray, Madison Bumgarner und andere führten allesamt nicht zu Abschlüssen. Der Führende der American League East behält somit seine offensichtliche Schwäche im Starting Pitching bei. Auch die Boston Red Sox (59-50) waren wenig aktiv, was in ihrem Fall mit der unklaren Ausgangssituation auch so zu erwarten war. Immerhin hatten sie schon vor zwei Wochen Andrew Cashner von den Baltimore Orioles (36-71) erworben. Die zwei restlichen Teams der Division waren hingegen sehr rührig: Die Tampa Bay Rays (62-48) verstärkten sich mit Jesus Aguilar, Trevor Richards, Nick Anderson und Eric Sogard, während die Toronto Blue Jays (43-67) als konsequenter Seller auftraten und neben Sogard und Stroman auch Aaron Sanchez, Joe Biagini, Daniel Hudson und David Phelps abgaben.

In der AL Central war die große Story der eingangs erwähnte Blockbuster-Trade der Cleveland Indians (63-44) um Trevor Bauer. Spitzenreiter Minnesota Twins (66-41) gönnte sich zwar nicht die allseits erwartete Verstärkung der Rotation, zog aber mit Sergio Romo (Marlins) und Sam Dyson (Giants) zwei starke Reliever an Land. Die Chicago White Sox (46-59) blieben erwartungsgemäß untätig. Überraschenderweise hatten auch die Kansas City Royals (40-70) eine relativ ruhige Deadline. Zwar gaben sie vor einigen Tagen Starter Homer Bailey und Reliever Jake Diekman nach Oakland sowie Catcher Martin Maldonado zu den Cubs ab, doch Kandidaten wie Ian Kennedy, Whit Merrifield und Billy Hamilton konnten nicht in Talente umgesetzt werden. Die Detroit Tigers (32-72) waren da konsequenter; sie hatten nicht viel anzubieten, wurden aber ihre größten Trade-Chips, Outfielder Nicholas Castellanos (Cubs) und Shane Greene (Braves) gewinnbringend los.

Wenn es so etwas wie einen Gewinner der Trade-Deadline gibt, dann sind es wohl eindeutig die Houston Astros (69-40). Mit Zack Greinke, Aaron Sanchez und Joe Biagini wurde das ohnehin schon starke Pitching-Staff noch einmal gehörig aufgerüstet. Das zweite Team der AL West mit größeren Trade-Aktivitäten sind die Oakland Athletics (61-48). Genau wie die Astros gönnten sie sich zwei Starter – Tanner Roark (Reds) und Homer Bailey (Royals) – sowie einen Reliever, Jake Diekman (Royals). Die Los Angeles Angels (56-54) blieben weitgehend untätig, ebenso die Texas Rangers (54-54), die lediglich Reliever Chris Martin nach Atlanta schickten. Die Seattle Mariners (47-64) trennten sich von Starter Mike Leake (Diamondbacks) sowie den Relievern Hunter Strickland und Roenis Elias (Nationals).

National League
Die National League East war eine der aktivieren Divisionen auf dem Trademarkt – vier von fünf Teams verstärkten sich zur Deadline. Den Anfang machten zur Überraschung aller die New York Mets (52-55), die in oben erwähntem Trade Marcus Stroman holten. Sie lösten damit Spekulationen aus, ob sie Stroman weitertraden oder einen Abgang Noah Syndergaards vorbereiten wollten, doch nichts davon geschah und auch Zack Wheeler und Todd Frazier blieben an Bord. Lediglich der durch Stroman überflüssig gewordene Veteran Jason Vargas wurde für ein nachrangiges Prospect zu den Philadelphia Phillies (56-51) geschickt. Die Mets scheinen sich als Contender zu sehen und vielleicht sind sie das ja wirklich: Nach 6 Siegen in Folge beträgt der Rückstand auf die Wild Card plötzlich nur noch viereinhalb Spiele. Zwischen der Wild Card und den Mets stehen unter anderem die Washington Nationals (57-51) und die Phillies. Die Nationals haben ihren traditionellen Schwachpunkt, den Bullpen, mit Hunter Strickland, Roenis Elias und Daniel Hudson ergänzt. Die Phillies gönnten sich neben Vargas Outfielder Corey Dickerson (Pirates) und Allrounder Jose Pirela (Padres). Bleibt noch der Spitzenreiter Atlanta Braves (64-45), der sich mit Catcher John Ryan Murphy (Diamondbacks) sowie den Relievern Shane Greene (Tigers), Chris Martin (Rangers) und Mark Melancon (Giants) verstärkte. Die Miami Marlins (41-65) waren wie erwartet Seller, indem sie die Pitcher Nick Anderson, Trevor Richards (beide Rays) und Sergio Romo (Twins) abgaben. Gespannt sein darf man, wie sie den von Tampa Bay erworbenen Ryne Stanek nutzen, der beim alten Klub häufig als Opening Pitcher eingesetzt wurde.

In der NL Central tobt mindestens ein Dreikampf um die Spitze, doch die Herangehensweise der Teams an die Trade-Deadline war sehr unterschiedlich. Die Chicago Cubs (57-50) waren sehr aktiv: Sie rüsteten auf mit den Verpflichtungen von Outfielder Nicholas Castellanos, Utility-Man Tony Kemp sowie den Relievern Derek Holland und David Phelps. Catcher Martin Maldonado holten Sie auch, tradeten ihn aber gleich weiter nach Houston für Kemp. Auch die Milwaukee Brewers (57-52) gingen ihre Schwachstellen an, indem sie mit Drew Pomeranz und Jordan Lyles zwei neue Starter holten. Überbesetzt waren sie an der ersten Base, daher war Jesus Aguilar entbehrlich und ging für RP/SP Jake Faria zu den Rays. Co-Tabellenführer St. Louis Cardinals (57-50) verzichtete komplett auf Verstärkungen. Die Cardinals schickten in ihrem einzigen Trade Infielder Jedd Gyorko zu den Dodgers und erhielten dafür Pitcher Tony Cingrani, der allerdings noch für den Rest des Jahres ausfällt. Schwer zu durchschauen sind für mich die Cincinnati Reds (50-56). Sie haben sich von Yasiel Puig, Tanner Roark, Scooter Gennett und Top-Prospect Taylor Tremmell getrennt, mit Trevor Bauer aber auch einen Spitzenspieler an Land gezogen. Die Pittsburgh Pirates (47-61) haben die Saison offensichtlich abgehakt, die Abgabe von Corey Dickerson und Jordan Lyles steht für einen klaren Seller-Ansatz.

Von den Los Angeles Dodgers (71-39) hätte ich größere Aktivitäten erwartet, aber sie beschränkten sich auf ein paar kleinere Moves und ließen den MLB-Kader weitgehend unangetastet. Die NL West werden sie auch so gewinnen, aber ob es so für die ersehnte World Series reicht? Auch die zum Tabellenende durchgereichten Colorado Rockies (50-59) blieben untätig, während die restlichen drei Teams der Division jeweils aktivere, wenngleich etwas rätselhafte Ansätze wählten. Die Arizona Diamondbacks (54-55) trennten sich von ihrer Nummer eins Zack Greinke, hielten aber an Robbie Ray fest und holten in Mike Leake einen Starter dazu. Die San Francisco Giants (55-53) vertradeten einen guten Teil ihres Bullpens – Sam Dyson, Mark Melancon, Derek Holland – sowie Starter Drew Pomeranz, behielten aber Madison Bumgarner und holten 2B Scooter Gennett dazu. Weder aus den Giants noch aus den Diamondbacks werde ich sonderlich schlau. Logischer erscheint der Ansatz der San Diego Padres (50-57): Mit Outfield-Prospect Taylor Trammell und Reliever Carl Edwards Jr. haben sie zwei Puzzleszücke für die kommenden Jahre geholt, ohne allzu viel dafür aufzugeben.

Szene der Woche 
Die Auswahl an sehenswerten Szenen ist diese Woche wieder mal sehr groß. Ein ernsthafter Kandidat ist sicher Trevor Bauers Wutanfall-Wurf vom Mound bis über den Centerfield-Zaun, als er nach einem schwachen Start ausgewechselt wurde. Es war seine letzte Aktion in der Uniform der Indians, wie sich einige Tage später herausstellte. Auch Yasiel Puig zeigte sich zum Abschied aus Cincinnati nicht von seiner angenehmsten Seite, denn seine letzte Amtshandlung als Red war die Beteiligung an einer Massenkeilerei mit den Pirates. Schöner ist, was Max Kepler ablieferte: Er schlug am Freitag den 200. Homerun der Minnesota Twins in diesem Jahr. Noch nie zuvor hat ein Team so früh in der Saison 200 Homeruns erreicht. Die für mich beeindruckenste Szene der letzten Tage war aber eine, die in die Statistik als simples 6-3-Groundout eingeht. Schaut euch dieses Hammerplay von Mariners-Shortstop J. P. Crawford an:

Statistik der Woche 
28.178. In dieser Saison purzeln bekanntlich reihenweise Homerun-Rekorde. Weniger präsent ist, dass auch die Zahl der Strikeouts ständig neue Höchstwerte erzielt. Seit 2008 wurde bereits elfmal in Folge in jedem einzelnen Jahr ein neuer Rekord für die meisten Strikeouts in einer Saison aufgestellt. Die Bestmarke aus dem Jahr 2018 liegt bei 41.207, in der laufenden Saison war es bis heute die eingangs genannte Zahl. Wenn es in diesem Tempo weiter geht, bringen die Pitcher der MLB es dieses Jahr auf rund 42.600 Strikeouts. Die meisten „K“s gehen bislang auf das Konto von Houstons Gerrit Cole. 212 Batter hat er seit Saisonbeginn schon von der Platte gefegt.

Spiel der Woche
Die Orioles sind zwar in der Tabelle weit abgeschlagen und ihre Saison war eigentlich schon vor dem ersten Spieltag gelaufen. Aber auch so ein Team ist im Baseball gelegentlich gut für etwas Groß- und Einzigartiges. Donnerstagnacht lieferten die Orioles sich einen 16-Inning-Marathon mit den Los Angeles Angels, den sie letztlich 10:8 für sich entschieden. Das wäre an sich schon eine tolle Sache, aber das wirklich Besondere ist, dass erstmals seit der offiziellen Einführung dieser statistischen Kategorie vor 50 Jahren ein Positionsspieler einen Save verdient hat. Allround-Ersatzmann Stevie Wilkerson übernahm den Mound, nachdem Jonathan Villar das Team per 2-Run-Homerun in Front gebracht hatte. Mit 14 Pitches – keiner davon schneller als 56 Meilen pro Stunde – gelang Wilkerson ein 1-2-3-Inning gegen Brian Goodwin, Kole Calhoun und Albert Pujols.

 

Mein Einschalttipp
Heute gibt es einen Tipp für Kurzentschlossene: Die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals stehen an der Spitze der NL Central exakt gleichauf und auch die derzeitige Serie gegeneinander steht bislang 1:1-Unentschieden. Das ist eine spannende Konstellation vor dem Rubber-Match, das heute Nacht ab 1:15 Uhr ansteht. Als Starting Pitcher sind Jon Lester (3.63 ERA, FIP) für Chicago und Jack Flaherty (4.17 ERA, FIP) für die Cardinals vorgesehen.

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Juni 20th, 2019 by Silversurger

Das Maß aller Dinge in der MLB sind momentan die Los Angeles Dodgers: Als erstes Team in diesem Jahr haben sie die Marke von 50 Siegen erreicht – schneller waren, dem Kalenderdatum nach, übrigens allein die Seattle Mariners des Jahres 2001. Eine 100-Siege-Saison der Dodgers scheint damit so gut wie gebucht – was für den Klub sicher ein schöner Erfolg, aber längst nicht zufriedenstellend wäre: Nach zwei verlorenen World Series zählt für die Dodgers dieses Jahr allein der Titel.

American League
Die Tampa Bay Rays (43-31) spielen eine großartige Saison, doch sie haben ein Problem: Sie finden einfach kein Rezept gegen die New York Yankees (46-27). Zum dritten Mal in diesem Jahr trafen die beiden Kontrahenten um die Spitze der American League East in einer Serie aufeinander, zum dritten Mal zogen die Rays den Kürzeren. Mit 3:0, 6:3 und 12:1 fuhren die Yankees einen überzeugenden Sweep ein und stehen nun wieder klar vorne. Dafür, dass das so bleibt, sollen interne und externe Verstärkungen sorgen: Von den Mariners kommt Slugger Edwin Encarnacion im Tausch gegen ein Prospect, zudem ist Giancarlo Stanton aus seiner Verletzungspause zurück und auch Aaron Judge wird wohl heute oder morgen reaktiviert. Nach sieben Siegen in den letzten acht Spielen sind plötzlich auch die Boston Red Sox (41-35) wieder im Rennen. Den Wild-Card-Platz haben sie bereits zurück erobert und mit den Toronto Blue Jays (26-48) steht für sie eine weitere lösbar Aufgabe an.

In der AL Central haben die Minnesota Twins (48-25) durch die verlorene Serie gegen die Red Sox ein bisschen an Boden verloren, doch sie sind immer noch das stärkste Team der AL, und der Abstand auf die Cleveland Indians (39-34) ist nach wie vor komfortabel. Die Indians werden sinnvollerweise weniger auf die Twins schielen als auf die Chance, über eine Wild Card in die Playoffs zu kommen. In dieser Hinsicht könnten die zwei jüngsten Siege gegen die Rangers sich als Big Points erweisen, insbesondere wenn ihnen heute Abend ein dritter folgt (siehe Einschalttipp). Im Anschluss daran warten auf die Indians zwölfmal hintereinander drei der schlechtesten Teams der Liga: sechsmal die Kansas City Royals (25-49) sowie je dreimal die Detroit Tigers (26-44) und die Orioles.

Auch die Houston Astros (48-27) in der AL West haben einen bequemen Vorsprung und dass ihr Star José Altuve seit gestern wieder an Bord ist, wird sie noch stärker machen. Dennoch befinden die Astros sich gerade in einer Mini-Krise: Zum ersten Mal in diesem Jahr haben sie vier Spiele am Stück verloren. Ausgerechnet in dieser Situation wartet alles andere als ein Aufbaugegner, nämlich die schwierige Auswärtsserie bei den New York Yankees. Man darf aber getrost davon ausgehen, dass die Astros nicht lange im Tief verharren werden. Der Rest der Division, mit Ausnahme der tief gefallenen Seattle Mariners (32-46), liefert sich ein enges Rennen um Platz zwei. Die Texas Rangers (39-35) sind nach einer durchwachsenen Woche noch knapp vorne, doch sowohl die Oakland Athletics (39-36) als auch die Los Angeles Angels (38-37) haben sich nah herangearbeitet.

National League
In der National League East ist ordentlich Bewegung: Die Philadelphia Phillies (39-34) haben Serien gegen die Atlanta Braves (44-31) und die Washington Nationals (35-38) und damit auch erstmal den Anschluss an die Spitze verloren. An selbiger stehen die Braves inzwischen recht unangefochten, nachdem sie in den letzten zwei Wochen lediglich zwei Spiele verloren haben. Für sie steht nun eine interessante Serie gegen die Nationals an, die ähnlich gut in Form sind und sich auf Platz drei hochgearbeitet haben. Eine Schrecksekunde für Washington gab es am Dienstag, als ihr Pitching-Ass Max Scherzer sich bei einem missglückten Bunt im Training die Nase brach. Doch der als extrem ehrgeizig und willensstark bekannte Scherzer ließ sich davon nicht beirren und pitchte am Tag danach sieben scorelose Innings mit zehn Strikeouts. Die New York Mets (35-39) sind derweil auf Rang vier abgerutscht. Damit sind sie noch nicht ganz aus dem Rennen, aber angesichts der Matchups bis zum All-Star-Break (@Cubs, @Phillies, Braves, Yankees, Phillies) sind meine Hoffnungen für sie relativ gering.

Die Chicago Cubs (40-33) und die Milwaukee Brewers (40-34) liefern sich weiterhin ein munteres Wechselspiel um die Spitze der NL Central. Seit letzter Nacht sind wieder die Cubs vorne: Ein Split im Stadtduell gegen die White Sox genügte ihnen dafür, weil die Brewers sich in San Diego sweepen ließen. Richtig rund lief es zuletzt weder bei den Cubs noch bei den Brewers, daher konnten die St. Louis Cardinals (38-35) sich mit Erfolgen gegen die Marlins und die Mets zurück in die Spitzengruppe arbeiten. Auch die Cincinnati Reds (34-38) und die Pittsburgh Pirates (33-40) sind noch in Schlagweite innerhalb dieser knappsten aller MLB-Divisionen.

Wie eingangs schon erwähnt, sind die Los Angeles Dodgers (50-25) das stärkste Team der bisherigen Saison. Als solches sind sie auch in der NL West völlig unangefochten. Die Musik spielt hier eher im Ringen um Platz zwei: Die Colorado Rockies (39-34) haben zurzeit die beste Ausgangsposition, müssen aber nach bereits zwei Niederlagen heute noch einmal gegen die Arizona Diamondbacks (38-37) und am Wochenende dreimal in Dodger Stadium antreten. Gleichauf mit den Diamondbacks hoffen die San Diego Padres (38-37), ihre derzeitige Erfolgsserie auch in Pittsburgh und Baltimore fortsetzen zu können.

Szene der Woche
Die erstaunlichste Szene der letzten sieben Tage ist und bleibt für mich der Intentional Balk von Kenley Jansen. Da ich den aber bereits in einem eigenen Artikel beleuchtet habe, gehe ich hier den konservativen Weg und widme mich den in dieser Woche geschlagenen Cycles. Von dieser besonderen Hitting-Leistung – dem Erzielen je eines Singles, Doubles, Triples und eines Homeruns durch einen Spieler in einem Spiel – gibt es selten mehr als eine Handvoll pro Saison. Am Donnerstag und am Freitag gab es zum ersten Mal seit 1912 zwei an direkt aufeinander folgenden Tagen. Den Anfang machte Shohei Ohtani beim 5:3-Sieg seiner Angels in Tampa Bay:

Tags darauf folgte Clevelands Jake Bauers mit einer nicht weniger beeindruckenden Performance beim 13:4-Sieg in Detroit:

Statistik der Woche 
92. So viele Runs scorten die Colorado Rockies und die San Diego Padres während ihrer vier Duelle am letzten Wochenende. Das sind mehr Runs als je zuvor in einer 4-Spiele-Serie erzielt wurden. Es fielen noch ein paar mehr Rekorde in dieser verrückten Serie bei perfektem Wetter im hitterfreundlichsten Ballpark der Liga: Rockies-Leadoff Charlie Blackmon allein gelangen 15 Hits, ebenfalls die meisten in einer 4-Spiele-Serie. Im wildesten Spiel der Serie schafften es am Freitag die Padres zum ersten Mal in ihrer Geschichte, einen Rückstand von 6 Runs umzudrehen. Am Ende gewannen sie 16:12 in zwölf Innings. Die anderen Partien kamen ohne Extra-Innings aus: Colorado siegte am Donnerstag 9:6 und am Samstag 14:8, bevor am Sonntag noch mal die Padres mit 14:13 die Nase vorn hatten. Hier der Beweis, dass tatsächlich Baseball gespielt wurde, auch wenn die Ergebnisse eher nach Football klingen:

Spiel der Woche
Es ist mal wieder Zeit, „unseren“ Major Leaguer zu feiern: Max Kepler hatte Dienstagnacht das vielleicht aufregendste Spiel seiner Karriere. Dabei war er noch nicht mal von Anfang an dabei, sollte eigentlich einen Ruhetag bekommen während der Partie seiner Twins gegen die Red Sox. Doch er kam im sechsten Inning als Pinch Hitter und wurde anschließend im Spiel gelassen – zum Glück für die Twins, denn ohne ihren deutschen Star hätten sie wohl ziemlich sicher verloren und damit erstmals in dieser Saison drei Niederlagen in Folge eingesteckt. Im siebten Inning ging Boston 2:1 in Führung – im achten glich Kepler den Stand durch einen RBI-Single aus und rettete sein Team in die Verlängerung. Im dreizehnten Inning brachte Mookie Betts die Red Sox erneut in Front – Kepler konterte mit einem Homerun und hielt das Spiel offen. Im siebzehnten Inning schließlich entschied Kepler die Partie mit einem Walk-off-Single bei geladenen Bases zum 4:3.

Mein Einschalttipp
Zwei Teams am Scheideweg treffen sich heute zur besten deutschen Sendezeit (ab 20:05 Uhr) zum Finale ihrer 4-Spiele-Serie: Die Texas Rangers empfangen die Cleveland Indians. Die Rangers benötigen einen Sieg, um sich nach 7:2, 3:10 und 4:10 wenigstens den Split zu sichern. Noch ist es etwas zu früh in der Saison, um ernsthaft an die Verteilung der Wild Cards zu denken. Aber zurzeit deutet einiges darauf hin, dass diese beiden Teams bis zum Ende zu den heißen Kandidaten um den Hintereingang in die Playoffs gehören werden. Als Starting Pitcher werden Mike Minor (2.63 ERA, 3.72 FIP) für die Rangers und Shane Bieber (3.92 ERA, 3.89 FIP) für Cleveland antreten. Das Spiel gibt es auf DAZN über MLB Network sowie natürlich auf mlb.tv zu sehen.

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Mai 30th, 2019 by Silversurger

Sorry erstmal an alle regelmäßigen Leserinnen und Leser, dass ihr eine ganze Woche auf einen neuen Artikel warten musstet: Ich war neben dem üblichen privaten und beruflichen Wahnsinn zuerst mit ein paar letzten Schliffen an meinem Buch beschäftigt und dann hat mich für einige Tage ein handfester Männerschnupfen dahingerafft. Aber jetzt bin ich wieder voll da und werde nicht weiter jammern, sondern nur noch über Baseball reden. Fangen wir an mit jemandem, der eine deutlich bessere Woche hatte als ich: Max Kepler wurde zum zweiten Mal in seiner Karriere zum AL-Spieler der Woche gewählt. Mit einer überragenden Slashline von .571/.600/1.190 und ligaweit führenden zehn Runs (drei davon per Homerun) in der vergangenen Woche hat er diese Auszeichnung redlich verdient. Herzlichen Glückwunsch!

National League
In der National League East waren die Atlanta Braves (30-26) den Philadelphia Phillies (33-22) für kurze Zeit ganz eng auf die Pelle gerückt. Dann jedoch gewannen die Phillies zweimal gegen die Cardinals, während die Braves zweimal den Washington Nationals (24-32) unterlagen und schon ist der Abstand wieder etwas deutlicher. Die New York Mets (27-28) befinden sich auf einer der generell ungeliebten Touren an die andere Küste der USA. Dort haben sie letzte Nacht in epischer Weise die Chance vergeigt, zum zweiten Mal nacheinander die Dodgers zu schlagen und erstmals nach vier Wochen auf über .500 zu klettern. Nicht unerwähnt lassen möchte ich die Lebenszeichen aus Miami: Die Marlins (19-34) haben zuletzt beachtliche neun von zwölf Spielen gewonnen. In der Rangfolge der schwächsten Teams der Liga haben sie dadurch bereits die Orioles und die Royals hinter sich gelassen.

Die NL Central befindet sich in einer kollektiven Schwächephase. Keines der fünf Teams hat in den vergangenen zehn Tagen mehr Spiele gewonnen als verloren; Schlusslicht Cincinnati Reds (26-30) ist der einzige Klub, der es in dieser Zeit wenigstens auf eine ausgeglichene Bilanz brachte. In den letzten Serien zogen die Chicago Cubs (31-23) den Kürzeren gegen die Astros, während die Milwaukee Brewers (31-25) den Twins unterlagen. Damit bleiben die Cubs knapp vor den Brewers und die Pittsburgh Pirates (27-27) sowie die St. Louis Cardinals (26-28) in überbrückbarer Nähe.

In der NL West ziehen die Los Angeles Dodgers (37-19) weiterhin unangefochten ihre Kreise, weit vor den San Diego Padres (29-27). Die interessanteste Entwicklung innerhalb der Division hat sich im unteren Teil der Tabelle vollzogen, denn die Colorado Rockies (27-27) und die San Francisco Giants (21-33) scheinen klar in unterschiedliche Richtungen unterwegs zu sein. Fünf Siege aus den letzten sechs Spielen haben die Rockies aus dem Keller geführt. Für sie ist plötzlich sogar Platz drei greifbar, sie müssen dafür nur heute Nacht den Vier-Spiele-Sweep gegen die Arizona Diamondbacks (28-28) komplettieren. Die Giants hingegen haben die letzten sieben Spiele alle verloren und können die Saison wohl abhaken.

American League
Die New York Yankees (36-19) haben eine weitere gute Woche hinter sich mit gewonnene Serien gegen die Padres und die Royals. Die Führung der Yankees in der American League East scheint auf den ersten Blick gefestigter als sie ist, denn die Tampa Bay Rays (34-19) haben zwar zwei Siege weniger auf dem Konto, aber sie haben auch zwei Spiele weniger gespielt. Beide Top-Teams dürften ein anstrengendes Wochenende vor sich haben: Die Yankees empfangen die Boston Red Sox (29-27) in einer weiteren Auflage der größten Baseball-Rivalität der Geschichte. Für die Red Sox ist diese Serie die Chance, den bislang vermissten Anschluss an die Spitze der Division herzustellen. Die Rays empfangen derweil das aktuell stärkste Team der Liga, die Twins.

Für die Minnesota Twins (37-17) dürfte die Serie in Tampa Bay eine durchaus willkommene Herausforderung sein, denn innerhalb der eigenen AL Central ist es für die Twins bereits recht einsam geworden. 20 Spiele über .500 stehen sie schon und damit stolze neuneinhalb Spiele vor den Cleveland Indians (28-27). Die wollten eigentlich gern oben mitspielen, müssen sich in der kommenden Serie aber erst mal der Chicago White Sox (26-29) erwehren, um wenigstens Platz zwei der Division zu halten.

Auch die AL West ist eine Division, in der es realistisch betrachtet nur noch um Platz zwei hinter den Houston Astros (37-20) geht. Den Anspruch auf selbigen haben in den letzten Tagen die Oakland Athletics (29-27) untermauert, indem sie eine Reihe von zehn Siegen am Stück hinlegten. Gestoppt wurde die Erfolgsserie der A’s durch die Los Angeles Angels (26-29). Die Angels wollen selbst noch ein Wort mitreden, müssten dazu aber erst mal an den Texas Rangers (27-26) vorbei. Ein bisschen traurig ist die Geschichte der Seattle Mariners (24-34) in diesem Jahr: Nach einem vielversprechenden Saisonstart sind sie Woche für Woche weiter abgestürzt und inzwischen klar Letzter.

Szene der Woche
Ich habe dieses Jahr bisher viel zu wenig über Cody Bellinger geredet. Der 23-Jährige Dodger spielt offensiv eine überragende Saison mit bereits 20 Homeruns und besten Aussichten auf einen MVP-Titel. Seine 4.4 Wins Above Replacement stellen derzeit alles in den Schatten, einschließlich Mike Trout mit 3.3 auf Rang zwei der Liga. Montagnacht bewies Bellinger mal wieder, dass er auch im Feldspiel glänzen kann: Zwei fantastische Würfe, einer im ersten Inning an die Homeplate, einer im achten Inning an die dritte Base, bewahrten sein Team vor gegnerischen Runs. Einen Homerun steuerte er zum Sieg der Dodgers über die Mets übrigens auch bei, aber das ist bei ihm ja schon nichts Besonderes mehr…

Statistik der Woche 
101.5. So viele Meilen pro Stunde hatte der Pitch von Miamis Tayron Guerrero, den Matt Adams am Freitag zu einem Homerun für die Nationals schlug. Unmittelbar davor hatte Juan Soto einen 100.1 mph schnellen Ball von Guerrero ebenfalls über den Zaun befördert. Es war das erste Mal, seit regelmäßig die Pitchgeschwindigkeiten gemessen werden (2008), dass ein Team zwei Homeruns gegen Pitches über 100mph in einem Spiel geschlagen hat. Genauer gesagt, ist es sogar das erste Mal, dass einem Team zwei solcher Homeruns in einer Saison gelungen sind.

Spiel der Woche
Für die Cleveland Indians gab es dieses Jahr trotz der knapp positiven Bilanz bisher nicht viel zu lachen. Mittwochnacht immerhin gelang ihnen ein Auftritt, der sehr gut für das geschundene Selbstvertrauen sein dürfte. Gegen den amtierenden Meister, die Boston Red Sox, gab Nachwuchspitcher Zach Plesac ein sehr solides Debüt. Er erlaubte über 5.1 Innings nur einen Run und ließ sich auch durch eine 69-minütige Regenunterbrechung nicht aus dem Konzept bringen. Auf der anderen Seite machte aber auch David Price seine Sache gut und bereitete den Weg, dass vor dem letzten Inning Boston 5:2 vorne lag. Die Indians hatten dieses Jahr noch kein einziges Spiel gedreht, standen 0-24 in Spielen mit einem Rückstand nach acht Innings. Dieses Mal klappte es: Homeruns von Roberto Perez und Greg Allen, ein Double von Jordan Luplow und dazwischen ein paar Walks besorgten das späte Comeback im Nieselregen.

Mein Einschalttipp
Das Wochenende bringt eine ganze Reihe hochwertiger Duelle mit sich: Red Sox gegen Yankees, Phillies gegen Dodgers, Twins gegen Rays, Cubs gegen Cardinals, Astros gegen Athletics, um nur ein paar zu nennen. Meine Empfehlung aus dieser großen Auswahl ist das Spiel der Phillies gegen die Dodgers am Sonntag und das aus gutem Grund: Es ist endlich mal wieder ein MLB-Spiel, das mit deutschem Live-Kommentar übertragen wird. Günther Zapf und Oliver Knaack werden ab 22:10 Uhr durch den Livestream von Spox und DAZN begleiten.

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April 25th, 2019 by Silversurger

Was für eine spannende Saison: Letzte Woche konstatierte ich an dieser Stelle noch, dass ein Team – die Tampa Bay Rays – in seiner Division bereits mit 5,5 Spielen Abstand vorne liegt. Seitdem hat sich die Lage dahin entwickelt, dass alle Erstplatzierten der sechs Divisionen zusammen nur noch fünf Spiele Vorsprung auf die Zweiten haben. Das Team der Stunde sind die Yankees, die seit letzter Woche jedes Spiel gewonnen haben. Einen noch größeren Erfolg haben die Oakland Athletics abseits des Platzes erzielen können: Sie konnten ihren Star-Slugger Khris Davis bis 2021 an sich binden. 33,5 Millionen für zwei Jahre sind aus Teamsicht ein ziemliches Schnäppchen. Davis hatte sich von vornherein dazu bekannt, in Oakland bleiben zu wollen und dafür auch weniger Gehalt zu akzeptieren als er woanders verdienen könnte.

American League
Die Tampa Bay Rays (16-9) sind von der Bilanz her nach wie vor das beste Team nicht nur der American League East, sondern der gesamten MLB. Doch ihre Dominanz bröckelt unübersehbar: Gegen den einen Favoriten in der Division, die Boston Red Sox (10-15), mussten die Rays diese Woche einen Drei-Spiele-Sweep einstecken. Der andere Favorit, die New York Yankees (14-10), legte derweil sechs Siege in Folge hin – obwohl seine Verletzungsmisere unvermindert anhält: Catcher Gary Sanchez ist zurück im Lineup, dafür mussten nun die Outfielder Aaron Judge und Clint Frazier auf die Inury-List gesetzt werden. Die Yankees stehen nun nur noch 1,5 Spiele hinter den Rays und der Vorsprung kann heute Nacht auf ein einziges Spiel schmilzen, wenn sie auch Spiel vier gegen die Angels gewinnen, während die Rays spielfrei sind. Danach müssen die Rays nach Boston, um erneut dreimal gegen die Red Sox anzutreten. Für die Toronto Blue Jays (11-14) steht morgen das wahrscheinlich interessanteste Ereignis des Jahres an, denn Vladimir Guerrero Jr. soll zu seinem ersten MLB-Einsatz kommen (siehe „Einschalttipp“).

An der Spitze der AL Central liefern die Minnesota Twins (13-9) und die Cleveland Indians (13-10) sich ein äußerst enges Rennen. Es wird in den nächsten Wochen ein Fernduell bleiben, denn ein direktes Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten steht erst im Juni an. Die nächsten größeren Prüfsteine für beide sind die Astros: Die Indians müssen ab heute zu vier Spielen in Houston antreten, anschließend kommen die Astros für vier Spiele nach Minnesota. Ein etwas kurioser Fall sind die drittplatzierten Detroit Tigers (12-11): Ihre 76 erzielten Runs sind in der AL mit Abstand die wenigsten und das Run Differential mit -15 klar negativ. Dennoch bringen sie es auf eine knapp positive Bilanz. Man kann das auf eine besonders effektive Spielweise zurückführen, aber wahrscheinlich ist es eher Glück und gleichzeitig ein Hinweis, dass man sich mittelfristig eher im Bereich der Chicago White Sox (9-14) und der Kansas City Royals (8-17) einordnen wird.

Wie gerade schon erwähnt, haben die Houston Astros (15-9) eine schwierige Woche vor sich, da sie nun nacheinander gegen die beiden Top-Teams der AL Central antreten müssen. Erfreulich aus ihrer Sicht ist, dass ihre beiden engsten Verfolger in der AL West zurzeit nicht den Eindruck erwecken, ihren guten Saisonstart auf Dauer fortzuführen: Die Seattle Mariners (16-11) haben sich gerade von den Padres sweepen lassen und die Texas Rangers (12-11) von den Oakland Athletics (14-13). Als nächstes treffen die Mariners und die Rangers viermal aufeinander, nehmen sich also in irgendeiner Konstallation gegenseitig die Punkte weg. Keine schlechten Voraussetzungen für die Athletics, das Feld von hinten aufzurollen – wozu sie allerdings eine ungeliebte Reise an die Ostküste (Toronto, Boston, Pittsburgh) erfolgreich gestalten müssen.

National League
Die National League East erweist sich bislang als der allseits erwartete Vierkampf. Nach 2:1 Siegen der New York Mets (13-11) über die Philadelphia Phillies (13-11) stehen beide nun gleichauf an der Spitze, unmittelbar gefolgt von den Atlanta Braves (12-11). Die Washington Nationals (11-12) fallen nach vier Niederlagen aus den letzten sechs Spielen ein bisschen ab. Es würde mich nicht wundern, wenn dieser Trend sich in den nächsten Tagen und Wochen fortsetzt, denn die Nationals haben ein sehr anstrengendes Programm vor sich (Padres, Cardinals, Phillies, Brewers, Dodgers…).

In der NL Central ist zurzeit eine Menge Bewegung. An der Spitze stehen nach fünf Siegen in Folge inzwischen relativ klar die St. Louis Cardinals (15-9). Die Verfolgerplätze teilen sich zwei Teams, die offenbar in unterschiedliche Richtungen unterwegs sind: Die Chicago Cubs (12-10) arbeiten seit zwei Wochen hart und erfolgreich daran, ihren Fehlstart in die Saison vergessen zu lassen, zuletzt gewannen sie Serien gegen die Diamondbacks und die Dodgers. Den Pittsburgh Pirates (12-10) hingegen scheint nach einem unerwartet starken Saisonbeginn etwas die Luft auszugehen. Vier Niederlagen hintereinander mussten sie einstecken, das Run Differential ist inzwischen in den negativen Bereich gerutscht und gegen Arizona musste das bis dato überragende Pitching einmal elf und einmal zwölf Runs einstecken. Ebenfalls abgerutscht sind die Milwaukee Brewers (13-13), die sieben der letzten acht Spiele verloren. Um den Abwärtstrend zu stoppen, haben sie sich eine Neuverpflichtung gegönnt: Starting Pitcher Gio Gonzalez kehrt für 2 Millionen Dollar für den Rest der Saison zurück nach Milwaukee.

Die engste Division, wenn man nach dem Abstand zwischen dem ersten und dem letzten Platz geht, ist die NL West. Die Los Angeles Dodgers (15-11) sind zwar immer noch das Maß der Dinge, doch die Division ist in den letzten Tagen spürbar zusammengerückt. Möglich gemacht haben das zwei Niederlagen der Dodgers bei den Cubs, während die Arizona Diamondbacks (14-11), die San Diego Padres (14-11) und die San Francisco Giants (11-14) in den letzten Tagen jeweils drei Siege in Folge einfuhren. Auch die Colorado Rockies (11-14) sind im Kommen, sie haben genau wie die Diamondbacks acht der letzten zehn Spiele gewonnen.

Szenen der Woche
Dass Justin Bour gern mal auf das Erreichen einer Base verzichtet, haben wir letzte Woche schon gesehen. Diese Woche leistete Bour sich erneut die Hauptrolle in einem kuriosen Moment. Er schlug – bei einem Out und vorhandenem Runner auf der ersten Base – einen Popup im Infield und verzichtete darauf, zur Base zu laufen. Ein schwerer Fehler, den die Mariners eiskalt bestraften: Sie ließen den Ball auf den Boden fallen und sammelten dann durch Würfe an die zweite und die erste Base gemütlich ein Doubleplay ein. Die Szene eignet sich in mehrfacher Hinsicht als Lehrvideo: erstens dafür, warum man immer zur ersten Base rennen sollte, nachdem man den Ball ins Feld geschlagen hat; zweitens dafür, dass die Infield-Fly-Regel nicht gilt, solange nur ein Baserunner vorhanden ist.

Ein weiteres ungewöhnliches Doubleplay kann ich nicht unerwähnt lassen: Zuerst gelang es Athletics-Centerfielder Ramon Laureano, einen scheinbar sicheren Homerun von Teoscar Hernandez noch vom Zaun zu pflücken. Derweil war Justin Smoak von der ersten Base bereits losgelaufen, kehrte korrekterweise wieder zurück, lief dann aber nach einem zu weit geratenen Wurf erneut Richtung zweite Base und wurde dort schließlich von Jurickson Profar erwischt. Hier also der zweite frühe Kandidat für das Doubleplay des Jahres:

Statistik der Woche 
59. So viele Homeruns haben die Baltimore Orioles in dieser Saison schon zugelassen und damit einen Rekord aufgestellt, auf den sie sicher gern verzichten würden. Es sind die meisten Homeruns, die je ein Team innerhalb eines Monats erlaubt hat. Eine kleine Einschränkung gibt es noch: In den Split-Statistiken werden üblicherweise März und April zusammengefasst. Ohne die vier Homeruns, die die Orioles schon im März kassiert haben, stehen sie diesen Monat bei „nur“ 55 und somit bei zwei weniger als die Oakland Athletics im Mai des Jahres 1964. Aber diese Spitzfindigkeit wird sich vermutlich bald in Luft auflösen, denn die Orioles haben noch fünf Spiele im April.

Spiel der Woche
Nichts fühlt sich besser an als ein Comeback-Win, insbesondere wenn man vorher eine Serie von Niederlagen einstecken musste. Als die Braves am Samstag in das Spiel gegen die Indians gingen, hatten sie viermal hintereinander verloren – zuletzt am gleichen Tag im ersten Teil des Doubleheaders. Und es schien einfach so weiterzugehen mit dem Absturz der Braves, die ihren Starter Touki Toussaint schon nach 1.1 Innings und sieben verschuldeten Runs vom Mound nehmen mussten. Ersatzmann Shane Carle, der als 26. Mann in den Kader des Doublheader-Tages geholt worden war, gelang es, mit 3.2 scorelosen Innings die Blutung zu stoppen und den Spielstand bei 0:7 einzufrieren. Mit einem Run im fünften und zwei im siebten Inning schien Atlantas Offensive zunächst nur Ergebniskosmetik zu betreiben. Doch im Endeffekt war das die Grundlage, im neunten Inning die Wende herbeizuführen. Clevelands Reliever Adam Cimber ließ drei Walks und ein Single zu, sein Nachfolger auf dem Mound Tyler Olson walkte seinen ersten und einzigen Batter. Cody Anderson kam rein, um beim Stand von 7:6 und zwei Outs gegen Ronald Acuna den Sack zuzumachen, doch dem gelang stattdessen ein Double, welcher das Ergebnis auf 8:7 für die Braves drehte. Closer A. J. Minter sorgte mit drei Strikeouts in der unteren Hälfte des Innings für das seltene Gefühl, dass die Braves stolz auf ihren Bullpen sein durften.

Mein Einschalttipp
Die Toronto Blue Jays spielen gegen die Oakland Athletics. Das klingt – sofern man nicht ein großer Anhänger eines der beiden Teams ist – nicht nach einem Matchup, dem man entgegenfiebert. Aber diesen Freitag schaut die Baseballwelt gespannt auf das Debüt von Vladimir Guerrero Jr. Der Nachwuchsspieler der Blue Jays hat die Minor Leagues dominiert und wird seit Monaten massiv gehypet als der nächste große Star der MLB. Nun ist endlich der lang ersehnte Call-up erfolgt und Vlad Jr. darf zeigen, ob er den Vorschusslorbeeren gerecht wird. Die Partie beginnt Freitagnacht um 1:07 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

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März 28th, 2019 by Silversurger

Opening Day. Eine Woche nach dem „Gruß aus der Küche“ in Form der zwei Eröffnungsspiele zwischen Oakland und Seattle in Tokio beginnt heute endlich für alle MLB-Teams die Saison 2019. Da die Teams in den ersten Spielen in aller Regel ihre besten Pitcher ins Rennen schicken, stehen gleich ein paar echte Hammer-Matchups an. Die Tage vor dem Saisonbeginn waren dieses Jahr von ungewohnt vielen Vertragsverlängerungen für Top-Spieler geprägt – und leider auch vom üblichen Pensum niederschmetternder Verletzungsnachrichten. So ist die Saison für einige schon beendet, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Dallas Keuchel und Craig Kimbrel hingegen sind fit und dennoch wird ihr Saisonbeginn sich verspäten, denn beide sind am Opening Day immer noch ohne neuen Arbeitgeber.

Zwei Highlights des Eröffnungstages
Wenn es nach Monaten des Wartens endlich wieder losgeht, ist natürlich jedes Spiel ein Highlight für alle Beteiligten. Auf zwei besonders herausragende Matchups möchte ich dennoch hinweisen: In der National League trifft Cy-Young-Gewinner Jacob deGrom mit den New York Mets auf den Zweitplatzierten der Cy-Young-Wahl, Max Scherzer, und die Washington Nationals. Das Spiel beginnt um 18:05 mitteleuropäischer Zeit. Sofern die Partie nach ungefähr drei Stunden beendet ist, lohnt es sich, gleich umzuschalten zur Übertragung aus Tampa Bay. Dort treten nämlich ab 21 Uhr unserer Zeit die Rays mit dem Cy-Young-Gewinner der American League, Blake Snell, gegen den Zweitplatzierten der Wahl, Justin Verlander, und die Houston Astros an. Interessantere Konstellationen hätte man sich kaum ausdenken können.

Jede Menge Vertragsverlängerungen
Der große Trend dieser Offseason oder zumindest der letzten Wochen ist der zu vorzeitigen Verlängerungen von Spielerverträgen. Es scheint derzeit sowohl bei den Klubs als auch bei den Spielern die Auffassung zu herrschen, dass man sein Schäfchen besser rechtzeitig ins Trockene bringt, statt in ein oder zwei Jahren die Ungewissenheiten der Free Agency auszutesten. Der große Paukenschlag war der Rekordvertrag von Mike Trout letzte Woche. In den folgenden Tagen schloss sich eine ganze Reihe weiterer Einigungen zwischen Starspielern und ihren aktuellen Vereinen an. Hier die wichtigsten, sortiert nach Höhe der garantierten Gehaltssummen:

Starting Pitcher Chris Sale hat für fünf weitere Jahre in Boston unterschrieben. Er erhält dafür 145 Millionen Dollar, zusätzlich zu den 15 Millionen, die ihm der bestehende Vertrag für 2019 einbringt. Von dem Geld sind 50 Millionen „deferred money“, das heißt diesen Teil erhält er von den Red Sox nicht gleich, sondern in Raten bis 2040.

Jacob deGrom hat sich mit den New York Mets auf einen Fünfjahresvertrag geeinigt, der allerdings eine Ausstiegsklausel für deGrom nach drei Jahren und eine Teamoption für die Mets auf ein sechstes Jahr enthält. Für die grundsätzlich vereinbarten fünf Jahre beträgt das Garantiegehalt des Pitchers 137,5 Millionen Dollar. Auch sein Vertrag enthält rund 50 Millionen Dollar, die erst mit 15 Jahren Verzögerung ausgezahlt werden.

Paul Goldschmidt hat zwar für die St. Louis Cardinals noch kein MLB-Spiel absolviert, aber der First Baseman fühlt sich bei seinem neuen Klub offensichtlich schon so wohl, dass er bereit war, sich ebenfalls für fünf Jahre zu binden. Der First Baseman, der von den Arizona Diamondbacks nach St. Louis getradet worden war, lässt sich seine Unterschrift mit 130 Millionen Dollar bezahlen.

Die Houston Astros haben sich gleich zwei Leistungsträger für die nächsten Jahre gesichert. Third Baseman Alex Bregman erhält einen Sechsjahresvertrag für glatte 100 Millionen Dollar, Starting Pitcher Justin Verlander bleibt nach seinem laufenden Vertrag für 2019 (28 Millionen) auch 2020 und 2021 in Houston und bekommt für die beiden Jahre zusammen weitere 66 Millionen.

Die Chicago Cubs behalten Starter Kyle Hendricks bis mindestens 2023 und bezahlen ihm dafür rund 63 Millionen Dollar. Sie haben sich zudem eine Teamoption auf die Saison 2024 gesichert, für die Hendricks weitere 16 Millionen bekäme.

Knebel, Souza Jr.: Saison gelaufen
Die Pechvögel der Woche sind Outfielder Steven Souza Jr. von den Arizona Diamondbacks und Closer Corey Knebel von den Milwaukee Brewers. Souza Jr. zog sich bei einem einem Slide über die Homeplate im Spring-Training-Spiel gegen die White Sox mehrere Bänderrisse im linken Knie zu. Er hatte sich gerade erst von einer anderen Verletzung zurück gekämpft und sollte einen Stammplatz im Rightfield der Diamondbacks einnehmen. Der Posten wird nun wohl von Neuverpflichtung Adam Jones übernommen.

Für Knebel deutet, nachdem sich ein seit Jahren bestehender leichter Bänderriss im Ellenbogen verstärkt hat, alles auf eine Tommy-John-Surgery hin. Wenn sich das bestätigt, wird er bis in die kommende Saison hinein ausfallen. Der Bullpen der Brewers, eigentlich das Prunkstück des Teams, hat damit schon den zweiten herben Rückschlag erlitten, denn auch Jeremy Jeffress wird mit Schulterproblemen zumindest noch einige Wochen ausfallen. Die Brewers sind nach den schlechten Nachrichten noch einmal tätig geworden und haben Reliever Alex Wilson für ein Jahr unter Vertrag genommen.

Einige weitere prominente Verletzungsopfer dieser Woche werden wohl zumindest irgendwann im Laufe der Saison wieder zur Verfügung stehen. Second Baseman Scooter Gennett von den Cincinnati Reds wird mit einer Leistenzerrung zwei bis drei Monate ausfallen. Für First Baseman Matt Olson von den Oakland Athletics lautete die Prognose nach seiner Handfraktur zunächst auf sechs bis acht Wochen Ausfallzeit. Möglicherweise rechnen die A’s aber doch mit einer längeren Pause, jedenfalls haben sie gestern mit Kendrys Morales von den Toronto Blue Jays eine Vertretung für Olson geholt. Auch Francisco Lindor fällt noch eine Weile aus. Der Shortstop der Cleveland Indians war gerade dabei, nach einer Wadenverletzung wieder Spielform aufzubauen, doch nun macht der Knöchel Probleme. Es werden neue Untersuchungen nötig, Lindors Rückkehr ins Team verschiebt sich auf bislang unbestimmte Zeit.

Was wird aus Keuchel und Kimbrel?
Es wurde auch dieses Jahr viel über die langsame und ereignisarme Free Agency geklagt, aber im Endeffekt sind doch fast alle „eindeutigen“ Major Leaguer wieder für gutes Geld bei MLB-Klubs untergekommen. Die beiden Ausnahmen sind Starting Pitcher Dallas Keuchel und Reliever Craig Kimbrel. Zumindest in der frühen Phase der Offseason gab es wohl ein paar Angebote und Verhandlungen, doch beide Pitcher konnten sich nicht mit einem Klub einigen. Es hing (natürlich) am Geld, vor allem aber auch an der Vertragslaufzeit, denn der 31-jährige Keuchel und der in Kürze ebenso alte Kimbrel bestehen auf der Sicherheit eines mehrjährigen Engagements. In den letzten Wochen wurde es um beide erstaunlich ruhig. Ich schätze, sie werden abwarten, bis der eine oder andere Klub durch Verletzungen anderer Spieler unter Handlungsdruck gerät und dann doch bereit ist, das Portemonnaie etwas weiter aufzumachen.

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März 21st, 2019 by Silversurger

Baseball’s back, alright! Ich bin nicht allzu musikalisch, aber heute könnte ich vor Freude singen, denn endlich läuft wieder MLB-Baseball. Zwei unterhaltsame Eröffnungsspiele in Tokio liegen bereits hinter uns und werden vor allem wegen des emotionalen Abschieds von Ichiro Suzuki in Erinnerung bleiben. Auch abseits des Platzes war diese Woche viel los in der MLB: Der größte Baseballer unserer Zeit hat nun auch den größten Vertrag aller Zeiten, die Liga hat weitere Regeländerungen beschlossen und die Blue Jays haben eine längst überfällige Initiative gestartet, die hoffentlich bald Schule macht. Das alles und noch ein bisschen mehr lest ihr im ersten Grand Slam am Donnerstag zum Mitsingen:

Big in Japan
Offiziell war die Saisoneröffnung in Tokio eine Heimspielserie der Oakland Athletics, doch die Seattle Mariners haben den A’s klar die Show gestohlen. Das betrifft sowohl die Ergebnisse der Spiele, welche die Mariners mit 9:7 und 5:4 für sich entschieden, als auch die klar verteilten Sympathien der Zuschauer. Letzteres war keine Überraschung. Erstens gab Yusei Kikuchi, bis letztes Jahr noch unweit von Tokio im NPB-Team der Saitama Seibu Lions der unumstrittene Star, ein solides MLB-Debüt für die Mariners. Zweitens und vor allem hatten sie extra für diese beiden Spiele noch einmal die japanische Baseball-Legende schlechthin reaktiviert: Ichiro Suzuki hatte inoffiziell bereits Anfang Mai 2018 die Cleats an den Nagel gehängt, doch die Gelegenheit zu zwei Abschiedsspielen in diesem perfekten Rahmen wollte man dem 45-Jährigen nicht vorenthalten. Ichiro spielte dreieinhalb Innings im ersten sowie siebeneinhalb im zweiten Spiel und durfte sich bei seinen Auswechslungen zweimal mit stehenden Ovationen feiern lassen. Er beendet seine Karriere als Weltrekordhalter mit insgesamt 4.367 Hits auf höchster professioneller Ebene (MLB und NPB zusammengenommen).

Loving Angels Instead
Vielen galt es als ausgemachte Sache, dass Mike Trout nach Auslaufen seines Vertrages mit den Los Angeles Angels Ende 2020 an die Ostküste wechselt. Die Frage schien eigentlich nur, ob es den Superstar in seine Heimatstadt Philadelphia zu den Phillies ziehen oder ob er den Verlockungen der New York Yankees erliegen würde. Alles Pustekuchen, Trout bleibt ein Angel und zwar vermutlich für immer. Die vorgestern erzielte Einigung bindet ihn für 360 Millionen Dollar zehn weitere Jahre an die Angels, zusätzlich zu den zwei Jahren und 66,5 Millionen aus dem bestehenden Vertrag. Das Bekenntnis des 27-Jährigen zu den Angels ist unmissverständlich, denn der Vertrag enthält eine No-Trade-Klausel und keinerlei Ausstiegs-Optionen. Trout steigt mit dem neuen Kontrakt sowohl vom Jahresgehalt als auch von der Gesamtsumme her zum bestverdienenden MLB-Profi aller Zeiten auf. Ich bin generell kein Freund von dreistelligen Garantiegehältern und zweistelligen Vertragsdauern. Aber wenn es irgendein Sportler auf der Welt verdient hat, dann Trout. Man kann ihm nur wünschen, dass er mit den Angels im Laufe seiner Karriere auch mal Erfolge feiern darf, die seinen eigenen überragenden Leistungen gerecht werden.

Your Time Will Come
Die großen Schlagzeilen gehören Mike Trout, doch es gab in dieser Woche noch einen weiteren Rekordvertrag: Eloy Jimenez hat sich mit den Chicago White Sox auf einen Achtjahresvertrag über rund 43 Millionen Dollar geeinigt. Das Bemerkenswerte daran ist, dass es der höchstdotierte Vertrag aller Zeiten für ein Prospect ist, das noch kein einziges MLB-Spiel absolviert hat. Der 22-jährige Outfielder gilt als eines der größten Talente im Baseball und wenn er den Erwartungen gerecht wird, haben die White Sox ein gutes Geschäft gemacht. Wenn nicht, dann nicht.

Majoring in the Minors
Meine Spekulation aus der vorletzten Woche hat sich bewahrheitet: Die New York Yankees sind, gebeutelt durch Verletzungen ihrer Starter Luis Severino und C. C. Sabathia, auf dem Pitcher-Markt tätig geworden und haben Gio Gonzalez verpflichtet. Überraschenderweise ist es vorerst nur ein Minor-League-Vertrag. Dieser wandelt sich, wenn er in den MLB-Kader geholt wird, automatisch in einen Einjahresvertrag über 3 Millionen Dollar zuzüglich 300.000 Dollar pro absolvierten MLB-Start um. Gonzalez war während der Offseason mit mehreren Teams in Verbindung gebracht worden, doch nach eigener Aussage war das Angebot der Yankees das einzige konkrete, das er erhalten hat.
Einem Namensvetter des neuen Yankees-Pitchers ist es sehr ähnlich ergangen: Auch Outfielder Carlos Gonzalez musste lange auf ein neues Engagement warten und ließ sich letztlich auf einen Minor-Leage-Deal bei den Cleveland Indians ein. Es gilt als recht wahrscheinlich, dass CarGo den Sprung in das MLB-Team schafft; in dem Fall würde er 2 Millionen Dollar bekommen und könnte eine weitere Million über leistungsbezogene Vereinbarungen hinzuverdienen. Sollte er zum Saisonstart in der Minor League bleiben, hat er die Option, aus dem Vertrag aussteigen und zu einem anderen Klub zu wechseln.

The Times They are A-Changin‘
Im Grand Slam der letzten Woche hatte ich bereits über die Neuregelungen der Trade-Deadline ab 2019 sowie der Kadergrößen ab 2020 berichtet. Etwas später wurde bekannt gegeben, dass noch weitere Regeländerungen beschlossen wurden. Für dieses Jahr ist vor allem relevant, dass sich die Anzahl der erlaubten Mound Visits pro Spiel von sechs auf fünf reduziert und dass die Pausen zwischen den Halbinnings um ein paar Sekunden auf einheitlich 2 Minuten gekürzt werden. Die wohl spürbarste der angekündigten Veränderungen tritt erst im nächsten Jahr in Kraft: Ein Pitcher darf zukünftig nur zwischen den Halbinnings ausgewechselt werden oder nachdem er mindestens drei Battern gegenüber getreten ist. Ausgenommen davon sind Verletzungen, doch die Liga wird sicher ein wachsames Auge darauf haben, dass diese Ausnahme nicht ausgenutzt wird. Ich bin hin und her gerissen bezüglich dieser Änderung: Zum einen gefällt es mir, dass man die nervigen Unterbrechungen durch ständige Pitcherwechsel in den späten Innings reduzieren will. Zum anderen trauere ich ein bisschen der interessanten Rolle des LOOGY (Lefty-One-Out-GuY) nach, den es dann nicht mehr geben wird.

Pay Me My Money Down
Eine weitere Änderung ist kein offizieller Beschluss der Liga, sondern eine bislang alleinige Initiative der Toronto Blue Jays. Der Klub hat angekündigt, die in den Minor Leagues gezahlten Spielergehälter um mehr als 50% anzuheben. Das ist ein längst überfälliger Schritt. Während man in der MLB bereits mit dem Mindestgehalt von 555.000 Dollar pro Jahr ein fürstliches Auskommen hat (von den zweistelligen Millionengehältern der Stars ganz zu schweigen), herrschen in den Minor Leagues geradezu prekäre Verhältnisse. Die Einkommen liegen dort in der Regel zwischen 1.100 und 2.700 Dollar pro Monat und zwar ausschließlich für die Monate, in denen gespielt wird. Man kann nur hoffen, dass sich die anderen MLB-Franchises möglichst bald dem Schritt der Blue Jays anschließen, um den Beruf des Baseballprofis auch unterhalb der Major League attraktiver zu machen.

Everybody Hurts
Die wichtigsten Nachrichten von der Verletzungsfront will ich natürlich nicht verschweigen. Kyle Seager konnte die Reise nach Japan mit seinen Seattle Mariners nicht antreten; der Third Baseman musste sich stattdessen an der linken Hand operieren lassen und fällt bis ungefähr Juni aus. Mike Foltynewicz, Pitching-Ass der Atlanta Braves, hat Probleme mit dem Ellenbogen; es wurde aber inzwischen Entwarnung in der Hinsicht gegeben, dass er keine Tommy-John-Surgery braucht und nur wenige Wochen fehlen wird. Michael Fulmer, Starter der Detroit Tigers, hatte weniger Glück; er muss sich der gefürchteten Operation unterziehen und kann frühestens zur Saison 2020 wieder spielen. Reliever Dellin Betances (Schulterentzündung) und Centerfielder Aaron Hicks (Rückenbeschwerden) werden die Saison 2019 auf der bereits prall gefüllten Injury List der New York Yankees beginnen.

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