November 12th, 2019 by Silversurger

Langeweile in der Offseason? Muss nicht sein! Auf Wunsch des Baseblog-Lesers Marcus stelle ich heute meine Lieblings-Baseballfilme vor. Die Auswahl und die Reihenfolge ist höchst subjektiv und selbstverständlich bin ich sehr interessiert, welche Empfehlungen ihr noch auf Lager habt.

  1. Moneyball – Die Kunst zu gewinnen (Original: Moneyball)
    2011; Regie: Bennett Miller; Darsteller: Brad Pitt, Jonah Hill. FSK: Ab 0.
    Mein Lieblingsfilm basiert auf einer wahren Geschichte aus der MLB: Es geht um die Oakland Athletics, eine zum Zeitpunkt der Handlung (2002) genau wie heute finanziell notorisch unterlegene Franchise. Regelmäßig muss man Topspieler ziehen lassen, die Klubführung ist nicht bereit, mehr Geld zur Verfügung zu stellen. General Manager Billy Beane und sein (fiktiver) Assistent Peter Brand machen aus der Not eine Tugend – sie suchen mit Hilfe ausgefeilter statistischer Analysen nach unterbewerteten Spielern und bauen so ein konkurrenzfähiges Team auf. Der Ansatz, beim Scouting und bei der Evaluierung von Spielern verstärkt auf fortgeschrittene Statistiken – sogenannte Sabermetrics – zu setzen, wird anfangs von Kritikern innerhalb wie außerhalb des Klubs belächelt, doch der Erfolg gibt Beane Recht. Der Film erzählt sehr anschaulich, wenngleich stark vereinfacht und mit viel künstlerischer Freiheit, wie die Athletics zum Vorreiter eines Trends wurden, dem nach und nach sämtliche MLB-Teams folgten.
  2. Feld der Träume (Original: Field of Dreams)
    1989; Regie: Phil Alden Robinson; Darsteller: Kevin Costner, Amy Madigan, Burt Lancaster. FSK: Ab 6.
    Im Vergleich mit dem bodenständigen, realistischen Moneyball könnte ein Film kaum unterschiedlicher sein als es Feld der Träume mit Kevin Costner ist. Ich weiß gar nicht, wie man das Genre dieses Films bezeichnen soll – ein bisschen Komödie, ein bisschen Drama, ziemlich viel Märchen – auf den ersten Blick ziemlich abgedreht, auf den zweiten mit einer Menge Tiefgang. Die Geschichte spielt in Iowa, auf dem Land des Farmers Ray Kinsella. Kinsella lebt ein einfaches, geregeltes Leben mit Frau und Kind, bis er eines Tages beginnt, Stimmen zu hören. Er glaubt, dass die Stimmen ihn anweisen, mitten in den Maisfeldern einen Baseballplatz zu bauen. Obwohl es für ihn bedeutet, dass er sich verschuldet und dass Viele in seinem Umfeld ihn für verrückt halten, setzt er seinen Traum um. Als das Feld schließlich fertig ist, werden zuerst Kinsella und seine Familie, später auch Scharen von weiteren Menschen Zeugen fantastischer Ereignisse. Einige Zitate aus dem Film, zum Beispiel: „If you build it, he will come“, haben längst Kultcharakter unter Baseballfans. Nächstes Jahr wird der Traum von Ray Kinsella übrigens wirklich wahr: Für den 13. August 2020 plant die MLB, ein Spiel der Chicago White Sox gegen die New York Yankees auf einem eigens errichteten Spielfeld in Iowa zu veranstalten, in direkter Nachbarschaft zum originalen „Field of Dreams“.
  3. 42 – Die wahre Geschichte einer Sportlegende (Original: 42)
    2013; Regie: Brian Helgeland; Darsteller: Chadwick Boseman, Harrison Ford. FSK: Ab 0.
    Von den Träumen Ray Kinsellas zurück in die harte Realität des echten Lebens: Jahrzehntelang galt im professionellen Baseball in den USA eine strikte Rassentrennung. Der Name, der für immer mit der Überwindung dieser historischen Schande verbunden ist, ist der von Jackie Robinson. Robinson wurde am 15. April 1947 im Team der Brooklyn Dodgers eingesetzt und etablierte sich gegen alle Widerstände und Anfeindungen als erster Afroamerikaner in der MLB. Sein größter Förderer und Unterstützer war der General Manager der Dodgers, Branch Rickey. Der Film ist benannt nach Robinsons Rückennummer, die heute kein anderer Spieler mehr tragen darf. Es ist eine Biografie, wenngleich nicht Robinsons gesamte Lebensgeschichte erzählt wird, sondern im Wesentlichen der Ausschnitt von 1945 bis 1947. Obwohl sich der Film gewisse künstlerische Freiheiten in historischen Details nimmt, gibt er die zentralen Personen und Ereignisse sehr authentisch und sensibel wieder, was auch die bei der Produktion eingebundene Witwe von Jackie Robinson, Rachel Robinson, bezeugte.
  4. Herkules und die Sandlot-Kids (Original: The Sandlot)
    1993; Regie: David Mickey Evans; Darsteller: Tom Guiry, Mike Vitar, Denis Leary. FSK: Ab 6.
    Die hier vorgestellten Filme sind allesamt familientauglich, aber dies ist der einzige echte Kinderfilm in meinen Top-5. Die Dialoge kenne inzwischen fast auswendig, weil meine Kinder den Film unzählige Male auf langen Urlaubsfahrten im Auto gesehen haben und ich immer mithören musste. Die Handlung ist in den 60er-Jahren angesiedelt. Die Hauptperson ist Scotty Smalls, ein etwas nerdiger Fünftklässler, der frisch zugezogen ist und zunächst keine Freunde hat. Das ändert sich, als er auf eine Gruppe Kinder trifft, die regelmäßig auf einem Bolzplatz Baseball spielt und Scotty, obwohl er am Anfang nicht mal einen Ball werfen oder fangen kann, in ihre Clique aufnehmen. Es ist ein klassischer Coming-of-Age- Film mit ein bisschen erstem Verliebtsein in die Bademeisterin des örtlichen Freibads, einer sportlichen Herausforderung gegen ein richtiges Little-League-Team und einer mystisch verklärten Bedrohung in Form von Herkules. Bei Letzterem handelt es sich um eine legendäre, hinter dem Bolzplatz-Zaun herrschende „Bestie“, derentwegen die Sandlot-Kids sich nie trauen, nach einem Homerun den Ball zurück zu holen.
    (Den Sandlot-Trailer habe ich nur auf Englisch gefunden, aber den Film gibt es auch auf Deutsch.)
  5. Die Indianer von Cleveland (Original: Major League)
    1989; Regie: David S. Ward; Darsteller: Tom Berenger, Charlie Sheen, Wesley Snipes. FSK: Ab 12.
    1989 ist ein guter Jahrgang für Baseballfilme, denn sowohl das Feld der Träume als auch Die Indianer von Cleveland stammen aus diesem Jahr. Obwohl es um die Cleveland Indians und somit um ein echtes MLB-Team geht, ist die Geschichte des Films eine reine Erfindung. Es geht darum, dass die Franchise per Erbschaft in die Hände eines eingebildeten Starlets fällt. Die neue Besitzerin setzt sich in den Kopf, das Team nach Miami zu verlegen. Um damit durchzukommen, versucht sie, in Cleveland einen möglichst niedrigen Zuschauerschnitt zu provozieren, indem sie gezielt scheinbar unfähige und ausrangierte Spieler und Trainer zusammenwürfelt. Doch die raufen sich zusammen und bringen überraschend starke Leistungen, vor allem nachdem sie erfahren, welches Spiel die Besitzerin mit ihnen zu treiben versucht. Die Story ist nicht allzu originell, aber sie ist urkomisch umgesetzt. Es gibt übrigens zwei Fortsetzungen, doch im Gegensatz zum kultigen Original sind diese meiner Ansicht nach unsäglich schlecht. Schaut sie euch ruhig an, aber sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

Ein paar weitere gute Baseball-Filme, alphabetisch sortiert:

  • 61* (61*)
  • Acht Mann und ein Skandal (Eight Men Out)
  • Annies Männer (Bull Durham)
  • Der Unbeugsame (The Natural)
  • Die Bären sind los (The Bad News Bears), Version 1976
  • Die Bären sind los (The Bad News Bears), Version 2005
  • Die Entscheidung – Eine wahre Geschichte (The Rookie)
  • Eine Klasse für sich (A League of Their Own)
  • Engel gibt es wirklich (Angels in the Outfield)
  • Mr. Baseball (Mr. Baseball)
  • The Babe – ein amerikanischer Traum (The Babe)

Posted in Filme Tagged with: , , , , ,

Januar 29th, 2019 by Silversurger

Jack Roosevelt Robinson – besser bekannt als Jackie Robinson – wäre übermorgen, am 31. Januar 2019, 100 Jahre alt geworden. Wie alle in dieser Serie Vorgestellten war Jackie Robinson ein sehr guter Baseballspieler. Seine Bedeutung für den Baseballsport und dessen Geschichte geht jedoch weit über seine Leistungen auf dem Platz hinaus. Als er am 15. April 1947 als First Baseman der Brooklyn Dodgers in Ebbets Field auflief, bedeutete dies das Ende eines beschämenden Kapitels der Baseballhistorie – der Rassenschranke, durch die dunkelhäutigen Spielern jahrzehntelang der Zugang zur MLB verwehrt war.

Entgegen einem verbreiteten Irrglauben war Robinson nicht der erste schwarze Spieler in den Major Leagues und es gab auch nie eine schriftliche Regel, die den Einsatz farbiger Akteure in der MLB verbot. Es gab solche Regeln aber zum einen in einigen Minor Leagues und es gab zum anderen Spieler und Teams in der MLB, die mit Streiks für den Fall drohten, dass sie gegen Mannschaften antreten sollten, die dunkelhäutige Spieler einsetzten. Nach einem einzigen Spiel von William Edward White für die Providence Grays 1879 sowie einigen Einsätzen der Brüder Fleet und Weldy Walker für die Toledo Blue Stockings 1884 war die Rassentrennung im Baseball über 60 Jahre lang Fakt. Schwarze Baseballer konnten ihr Können in dieser Zeit lediglich in den in puncto Infrastruktur und Verdienstmöglichkeiten klar benachteiligten Negro Leagues zeigen.

Der Wendepunkt ging vor allem auf zwei Personen zurück: zum einen auf den damaligen General Manager der Brooklyn Dodgers, Branch Rickey, zum anderen auf den MLB-Commissioner Happy Chandler. Chandler war der deutlich offener eingestellte Nachfolger des 1944 verstorbenen Kenesaw Landis, welcher früheren Integrationsbestrebungen klare Absagen erteilt hatte. Rickey ließ mit Chandlers Rückendeckung schwarze Talente sichten, zunächst unter dem Vorwand, die Dodgers wollten ein neues Negro-Team gründen. Seine Absicht war aber von vornherein, die Rassenbarriere im Baseball aufzuheben. Zu diesem Zweck suchte er nach einem Spieler mit sowohl dem sportlichen Talent als auch der mentalen Stärke für die ihm zugedachte Pionierrolle.

Robinson berichtete später in seiner Autobiographie von einem der ersten Treffen mit Rickey und von dessen Bitte, auf rassistische Angriffe nicht zu reagieren. “Sie wollen einen Spieler, der nicht den Mumm hat, sich zu wehren?”, fragte der durchaus für sein feuriges Temperament bekannte Robinson. “Ich will einen Spieler, der den Mumm hat, sich nicht zu wehren”, war Rickeys berühmte Entgegnung.

Jackie Robinson 1950 (1)

Im Oktober 1945 machte Rickey Ernst mit seinem Vorhaben, indem er Robinson, der bis dahin für das Negro-Team Kansas City Monarchs gespielt hatte, unter Vertrag nahm. Er setzte ihn zunächst eine Saison lang für die Montreal Royals, den Minor-League-Partner der Dodgers, ein. 1947 wurde er ins MLB-Team befördert, für das er an jenem legendären 15. April sein erstes Spiel bestritt.

Erwartungsgemäß stieß Robinson in den ersten Monaten seiner MLB-Karriere auf massive Drohungen und Anfeindungen – nicht nur von gegnerischen Fans und Spielern, sondern auch innerhalb des eigenen Teams. Sein souveräner Umgang damit ließ diese wirkungslos verpuffen und zeigte, dass sein Förderer Rickey mit ihm eine weise Wahl getroffen hatte.

Robinson wurde 1947 zum Rookie des Jahres und 1949 – inzwischen auf seiner Stammposition als Second Baseman – zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt. Trotz seines mit 28 Jahren späten Einstiegs erlebte er mit den Dodgers eine zehn Jahre währende produktive MLB-Karriere. Diese krönte er 1955 mit dem Gewinn der World Series gegen den Stadtrivalen New York Yankees. 1962, im ersten Jahr seiner Wählbarkeit, wurde Jackie Robinson in die Baseball Hall of Fame in Cooperstown aufgenommen. Er starb 1972 im Alter von 53 Jahren an einem Herzinfarkt.

Der Jahrestag von Jackie Robinsons erstem MLB-Einsatz hat sich seit 2004 ligaweit als besonderer Feier- und Gedenktag etabliert. Alle Spieler, Schiedsrichter, Coaches und Manager tragen am 15. April die Rückennummer 42, die ansonsten – als einzige Nummer überhaupt – in der gesamten Liga nicht mehr vergeben wird.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: United States Information Agency (keine Nutzungseinschränkung)

Posted in Die größten Baseballer, MLB Tagged with: , ,

April 15th, 2017 by Silversurger

Heute vor 70 Jahren, am 15. April 1947, endete eines der der beschämendsten Kapitel in der Geschichte der MLB. Mit dem Einsatz von Jackie Robinson zogen die Brooklyn Dodgers den Schlussstrich unter jahrzehntelange Rassentrennung im professionellen Baseball.

Jackie Robinson war nicht der erste schwarze Spieler in den Major Leagues und es gab auch nie eine schriftliche Regel, die den Einsatz farbiger Akteure verbot. Aber es gab solche Regeln ab den 1880er Jahren in den Minor Leagues und es gab Spieler und Teams, die mit Streik drohten, wenn sie gegen Mannschaften antreten sollten, die dunkelhäutige Spieler einsetzten. Nach einem einzigen Spiel von William Edward White für die Providence Grays 1879 und Einsätzen der Brüder Fleet und Weldy Walker für die Toledo Blue Stockings 1884 war die Rassentrennung im Baseball über 70 Jahre lang Fakt. Schwarze Baseballer konnten ihr Können in dieser Zeit lediglich in den in puncto Infrastruktur und Verdienstmöglichkeiten klar benachteiligten Negro Leagues zeigen.

Der Wendepunkt kam 1945 und ging vor allem auf zwei Personen zurück: zum einen auf den damaligen General Manager der Brooklyn Dodgers, Branch Rickey, zum anderen auf den MLB-Commissioner Happy Chandler. Chandler war der deutlich offener eingestellte Nachfolger des 1944 verstorbenen Kenesaw Landis, welcher früheren Integrationsbestrebungen klare Absagen erteilt hatte. Rickey ließ mit der Unterstützung seines Vereins und Chandlers schwarze Talente sichten, zunächst unter dem Vorwand, die Dodgers wollten ein neues Negro-Team gründen. Seine Absicht war aber von vornherein, die Rassenbarriere im Baseball aufzuheben. Zu diesem Zweck suchte er nach einem Spieler mit sowohl dem sportlichen Talent als auch der mentalen Stärke für die ihm zugedachte Pionierrolle.

Im Oktober 1945 machte Rickey Ernst mit seinem Vorhaben, indem er Jackie Robinson vom Negro-Team Kansas City Monarchs unter Vertrag nahm und ihn zunächst für die Montreal Royals, den Minor-League-Partner der Dodgers, einsetzte. Nach einer Saison für die Royals wurde Robinson in das MLB-Team befördert und am Opening Day 1947, jenem legendären 15. April, bestritt er sein erstes Spiel für die Brooklyn Dodgers. Vor gut 25.000 Zuschauern, mehr als die Hälfte davon schwarz, blieb Robinson zwar ohne Hit, steuerte aber einen Walk, einen Run und eine tadellose Leistung an der ersten Base zum 5:3-Erfolg gegen die Boston Braves bei.

Trotz zahlreicher Anfeindungen und Drohungen von innerhalb und außerhalb des eigenen Clubs etablierte Robinson sich in der Liga und bereitete damit den Weg dafür, dass das Zusammenspiel schwarzer und weißer Sportler bald zu einer Selbstverständlichkeit wurde. Robinson wurde 1947 zum Rookie des Jahres und 1949 zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt und erlebte trotz seines mit 28 Jahren späten Einstiegs eine zehn Jahre lange produktive Karriere in der MLB. 1962, im ersten Jahr seiner Wählbarkeit, wurde er in die Baseball Hall of Fame in Cooperstown aufgenommen. Jackie Robinson starb 1972 im Alter von 53 Jahren an einem Herzinfarkt.

Der Jahrestag von Jackie Robinsons erstem MLB-Einsatz hat sich seit 2004 ligaweit als besonderer Feier- und Gedenktag etabliert. Alle Spieler, Schiedsrichter, Coaches und Manager tragen an diesem Tag die Rückennummer 42, die ansonsten als einzige überhaupt in der gesamten Liga überhaupt nicht mehr vergeben wird.

Jackie Robinsons Geschichte wurde mehrfach aufgeschrieben und verfilmt. Der jüngste und sehr empfehlenswerte Film trägt den Titel „42“ mit Chadwick Boseman in der Hauptrolle und Harrison Ford als Branch Rickey. Obwohl sich der Film gewisse künstlerische Freiheiten in historischen Details nimmt, gibt er die Ereignisse der Jahre 1946 und 1947 sehr authentisch und sensibel wieder, was auch die bei der Produktion eingebundene Witwe von Jackie Robinson, Rachel Robinson, bezeugte.

Posted in Filme, MLB Tagged with: ,