November 6th, 2018 by Dominik

Seit Samstag hat die Free Agency der MLB offiziell begonnen. Jeder Spieler, der keinen laufenden Vertrag hat, kann nun frei mit den interessierten Klubs verhandeln und einen neuen Kontrakt unterzeichnen.

Erfahrungsgemäß zieht sich die Free Agency im Baseball länger hin als beispielsweise im Football oder in anderen Sportarten mit einer Salary Cap, also einer festen Obergrenze für Spielergehälter. In solchen Sportarten werden oft innerhalb weniger Tage die wichtigsten Spielerverpflichtungen eingetütet, weil sowohl die Teams als auch die Spieler nach Planungssicherheit innerhalb des vorgegebenen finanziellen Rahmens streben. Im Baseball hingegen ist die Free Agency wie das Spiel selbst: Es gewinnt, wer den längeren Atem hat und geduldig auf den richtigen Moment wartet. Ich hoffe nur, es wird nicht wieder so eine extreme Hängepartie wie im letzten Jahr, wo sich der Poker um zahlreiche Spieler bis weit ins Spring Training und sogar in die Saison hinein zog.

Das Warten auf die ersten aufregenden Deals verkürzt man sich am besten durch munteres Spekulieren, welche Spieler dieses Jahr besonders gefragt sein werden und bei welchen Teams sie am Ende landen. Hier ist meine Top-20-Liste der wichtigsten Free Agents dieser Offseason:

  1. Bryce Harper, OF, 26 Jahre alt, bisher Washington Nationals

Für jeden, der solche Listen schreibt, lautet die erste Frage dieses Jahr: Harper oder Machado? Ich denke, dass Harper den besseren Vertrag bekommen wird, weil er der berechenbarere der beiden ist. Damit meine ich nicht die Konstanz seiner Leistungen, welche speziell in der ersten Saisonhälfte dieses Jahres durchaus zu wünschen übrig ließ und wohl verhindern wird, dass er den 400-Millionen-Rekordvertrag bekommt, den man ihm vor einem Jahr noch zugetraut hätte. Was ich mit Berechenbarkeit meine, ist dass ich mir bei Harper weniger Sorgen als bei Machado mache, dass er mit Rückschlägen und Frustrationen umgehen kann.  Favoriten: Nationals, Dodgers, Phillies

  1. Manny Machado, SS/3B, 26, Los Angeles Dodgers

Machado ist ein fantastischer Baseballspieler und produziert seit Jahren auf hohem Niveau, obwohl er – genau wie Harper – in einem Alter ist, in dem viele andere erst den Sprung in die Major League schaffen. Mit seinem Auftreten in der Postseason, das irgendwo zwischen Diva und Fiesling schwankte, dürfte er sich für die anstehenden Bewerbungen um einen neuen Job keinen Gefallen getan haben. Aber er wird vermutlich trotzdem ohne Probleme jemanden finden, der ihn für acht oder neun Jahre unter Vertrag nimmt und dafür rund 300 Millionen Dollar bezahlt. Favoriten: Yankees, Phillies, Dodgers

  1. Patrick Corbin, SP, 29, Arizona Diamondbacks

Corbin flog – bei mir jedenfalls – während der Saison ein bisschen unter dem Radar. Aber wenn man sich Zahlen wie 3.15 ERA und 2.47 FIP anschaut, sieht es ganz danach aus, dass der Linkshänder der interessanteste Starter auf dem diesjährigen Markt sein könnte. Da er obendrein noch unter 30 ist, dürfte gut und gerne ein Fünf- oder Sechsjahresvertrag mit dreistelliger Vergütung drin sein. Favoriten: Astros, Yankees, Diamondbacks

  1. Craig Kimbrel, RP, 31, Boston Red Sox

Relievern wird in den letzten Jahren immer mehr Wert beigemessen und für einen der Top-Closer der Liga, World-Series-Gewinner obendrein, dürfte ein ordentlicher Zahltag programmiert sein. Kimbrels Saison 2018 war nicht ganz so dominant wie 2017 und in den Playoffs wirkte er zeitweise etwas wackelig, doch am Ende war er wieder voll da. Ich schätze, die Red Sox nehmen die nötigen 50 Millionen Dollar in die Hand, um Kimbrel für drei, vier weitere Jahre an sich zu binden. Favoriten: Red Sox, Cubs, Braves

  1. Dallas Keuchel, SP, 31, Houston Astros

Keuchel ist immer noch ein Top-Pitcher, seine Leistungskurve zeigte in den letzten beiden Jahren aber tendenziell nach unten. Das wird die Teams davor zurück schrecken lassen, ihm einen sehr langen Vertrag zu geben. Dennoch wird er von der hohen Nachfrage nach Starting Pitching profitieren, insbesondere weil er entgegen dem allgemeinen Trend kein „Strikeout-oder-Homerun-Pitcher“ ist. Sein auf Groundballs abzielender Stil zahlt sich vor allem in hitterfreundlichen Ballparks aus. Favoriten: Astros, Nationals, Yankees

  1. Michael Brantley, OF, 32, Cleveland Indians

Brantley litt 2016 und 2017 unter Verletzungen und war schon fast in Vergessenheit geraten. Doch mit einer Slashline von .309/.364/.468 und 143 absolvierten Spielen meldete Brantley sich dieses Jahr eindrucksvoll zurück – gerade rechtzeitig, um sich nach dem Auslaufen seines relativ bescheidenen alten Vertrags in Position zu bringen. Favoriten: Indians, Mariners, Giants

  1. Nathan Eovaldi, SP, 29, Boston Red Sox

Ein weiterer World-Series-Held, der sich nun berechtigte Hoffnungen auf den großen Zahltag macht. Eovaldi hatte eine ordentliche erste Saisonhälfte in Tampa Bay und eine sehr gute zweite Hälfte inklusive Postseason für die Red Sox. Er dürfte relativ unumstritten der beste rechtshändige Starter auf dem Markt sein und im Gegensatz zu Corbin, Keuchel und Ryu – die allesamt Qualifying Offers erhalten haben – kostet er seinen neuen Klub keinen Draftpick. Allein seine recht umfangreiche Verletzungsgeschichte gibt ein bisschen Anlass zur Sorge und könnte dazu führen, dass ihm eher Verträge über drei als über sechs Jahre angeboten werden. Favoriten: Red Sox, Braves, Padres

  1. Josh Donaldson, 3B, 33, Cleveland Indians

Eine Verletzungsgeschichte bringt auch Josh Donaldson mit und auch für ihn schätze ich deshalb, dass er mit keinem langen Vertrag rechnen darf. Wenn er gesund ist, ist er aber ein Top-Spieler und von Machado abgesehen der beste Third Baseman, der zu haben ist. Wer ihn bekommt, wird möglicherweise ein Schnäppchen machen. Favoriten: Indians, Brewers, Braves

  1. Adam Ottavino, RP, 33, Colorado Rockies

Wer aus einer Saison bei den Rockies mit einem ERA von 2.43 heraus geht, der muss verdammt viel richtig gemacht haben – umso mehr, wenn er es in den Heimspielen im Hitter-Paradies Coors Field sogar auf einen Wert von 2.10 bringt. Ottavino wird einer der gefragtesten Reliever dieser Offseason sein und könnte es auf ein Jahresgehalt in zweistelliger Millionenhöhe bringen. Favoriten: Indians, Rockies, Dodgers

  1. Wilson Ramos, C, 31, Philadelphia Phillies

Die schwache Postseason von Yasmani Grandal könnte sich als Gold wert erweisen für Wilson Ramos, denn er steht nun als ziemlich eindeutig bester Catcher der diesjährigen Free-Agent-Klasse im Raum. Offensiv gehört Ramos unbestreitbar zur Elite auf seiner Position – 2018 brachte er es auf .306/.358/.487 mit 15 Homeruns in 111 Spielen. Seine Defensive ist mindestens solide, ein Fragezeichen ist nur seine Gesundheit nach bereits zwei Kreuzbandrissen.  Favoriten: Rays, Nationals, Mets

  1. Mike Moustakas, 3B, 30, Milwaukee Brewers
  2. Nelson Cruz, DH, 38, Seattle Mariners
  3. Hyun-Jin Ryu, SP, 32, Los Angeles Dodgers
  4. J. A. Happ, SP, 36, New York Yankees
  5. A. J. Pollock, OF, 31, Arizona Diamondbacks
  6. Jeurys Familia, RP, 29, Oakland Athletics
  7. Charlie Morton, SP, 35, Houston Astros
  8. Yasmani Grandal, C, 30, Los Angeles Dodgers
  9. Daniel Murphy, 1B/2B, 34, Chicago Cubs
  10. David Robertson, RP, 34, New York Yankees

Nicht ganz auf meine Liste geschafft haben es: RP Andrew Miller, RP Zach Britton, 2B D. J. LeMahieu, OF Andrew McCutchen, IF/OF Marwin Gonzalez, RP Joe Kelly

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November 1st, 2018 by Dominik

Seit vier Tagen ist die MLB-Saison 2018 Geschichte. Die Boston Red Sox sind noch mitten in den redlich verdienten Feierlichkeiten nach der souverän gewonnenen World Series, alle anderen machen sich mehr oder weniger intensiv Gedanken, wie man den Bostonern im nächsten Jahr das Leben schwerer machen kann als in diesem. Das gilt ganz besonders für die Los Angeles Dodgers, bei denen nach der verlorenen Finalserie zwei wichtige Personalentscheidungen anstehen.

Hier auf dem Baseblog ist die Offseason traditionell die Zeit, in der ich mich neben dem aktuellen Geschehen verstärkt mit Hintergrundthemen wie  Taktiken, Geschichte, Ballparks und so weiter beschäftige. Es wird dazu wieder das beliebte Wunschkonzert geben, das ich mit einem Artikel am kommenden Wochenende starten werde. Also haltet die Augen offen, denn es lohnt sich, beim Wünschen schnell zu sein.

Die World Series
Die World Series ist nun schon ein paar Tage her und ich fange jetzt nicht noch mal damit an, jedes einzelne Spiel durchzugehen. Stattdessen stelle ich die Frage, was von dieser Finalserie in Erinnerung bleiben wird. Mir fällt dazu Folgendes ein:

  • Das längste Spiel der World-Series-Geschichte (siehe „Statistik der Woche“).
  • Nathan Eovaldi, dessen Einsatz als Starting Pitcher dreimal vorgesehen war, aber nie zustande kam, weil er stattdessen im Dienst der Mannschaft immer wieder in kritischen Situationen Relieve-Aufgaben übernahm.
  • Die große Ausgewogenheit des Bostoner Lineups, das sowohl Homeruns als auch Smallball beherrscht und aus dem sich quasi in jedem Spiel ein neuer Held in den Vordergrund schiebt, auch wenn es für die drei, vier Top-Hitter mal nicht rund läuft.
  • David Price, der mit zwei hervorragenden Starts wohl endgültig den Ruf hinter sich gelassen hat, kein guter Playoff-Pitcher zu sein.
  • Clayton Kershaw, der genau das nicht geschafft hat – zwei World-Series-Starts mit einem ERA von 7.36 sind nicht das, was man von einem der – wenn nicht sogar dem – besten Pitcher der Welt erwartet.
  • Kenley Jansen, der als Closer das ist, was Kershaw als Starter ist: Weltspitze, aber in der World Series zum zweiten Mal hintereinander eine herbe Enttäuschung.
  • Ein eiskaltes Batting-Lineup der Dodgers, das es in der World Series auf einen Batting Average von nur .180 brachte. Das ist indiskutabel zu wenig; auch für ein Team, das von seiner Grundanlage her mehr auf Homeruns als auf einen hohen Average ausgerichtet ist.
  • Die Red Sox haben ihren Titelgewinn gestern in Boston mit einer großen Parade gefeiert und können sich nach nunmehr vier gewonnenen World Series innerhalb von 15 Jahren mit Fug und Recht das Team des bisherigen Jahrtausends nennen. 2004, 2007, 2013 und nun 2018 sind die Jahreszahlen der Meisterschaften des erfolgreichsten MLB-Teams seit dem Hattrick der New York Yankees von 1998 bis 2000. Das war damals übrigens auch das bisher letzte Mal, dass ein Team seinen World-Series-Titel verteidigen konnte. Die Red Sox scheinen nach dem überragenden Jahr mit 108 Saisonsiegen und einer durchweg dominanten Postseason ein heißer Kandidat, dieses Kunststück vollbringen zu können. Dafür spricht nicht zuletzt, dass aller Wahrscheinlichkeit nach die Meistermannschaft größtenteils beisammen gehalten werden kann. Craig Kimbrel, Nathan Eovaldi und Joe Kelly sind die hochkarätigsten Free Agents, alle anderen Leistungsträger haben noch Verträge.

    Für die Dodgers stellt sich unterdessen nach der zweiten verlorenen World Series hintereinander die Frage, ob und wie man die Kraft für einen dritten Anlauf findet. Vieles wird an der Frage hängen, ob Superstar Clayton Kershaw sich entscheidet, in Los Angeles zu bleiben. Sein Siebenjahresvertrag mit den Dodgers, von dem noch zwei Jahre ausstehen, enthält eine einseitige Ausstiegsklausel, die er innerhalb von drei Tagen nach Saisonende hätte ziehen können. Das hat er bisher nicht getan, aber er hat sich mit dem Verein auf eine Fristverlängerung bis Freitagnachmittag geeinigt. Das scheint dafür zu sprechen, dass er sich die Entscheidung nicht leicht macht. Viel mehr Geld wird woanders allerdings kaum zu verdienen sein: Mit einem Jahresgehalt von 33 Millionen Dollar ist Kershaw bereits der bestbezahlte Pitcher und der zweitbestbezahlte Baseballspieler der Welt.

    Neben Kershaws Zukunft ist auch die von Manager Dave Roberts ungeklärt. Sein Vertrag läuft aus und bislang haben die Dodgers öffentlich keine klaren Signale gesendet, ob man an einer Verlängerung interessiert ist. Während seiner bislang drei Jahre im Amt hat Roberts 287 Spiele gewonnen und 200 verloren. Er hat sein Team in jedem Jahr an die Spitze der NL West und zweimal hintereinander bis in die World Series geführt. Das ist eine beeindruckende Bilanz, aber man muss auch erwähnen, dass Roberts während der Playoffs mehrfach Kritik für sein Lineup- und Bullpen-Management einstecken musste. Soweit ich es einschätzen kann, gilt Roberts Verbleib als völlig offen.

    Szene der Woche
    Hätte irgend jemand ein Drehbuch zur World Series geschrieben, er hätte wohl keine bessere Schlussszene erfinden können als die, die sich am Sonntag ereignet hat. Auf dem Mound stand Chris Sale, der Top-Pitcher der Red Sox. Er hätte zur tragischen Figur der Postseason werden können, weil er nach einer hervorragenden regulären Saison von einer Magenerkrankung geplagt war und seine Leistung nicht so abrufen konnnte wie gewohnt. Doch das Ende war für ihn mehr als versöhnlich: Er pitchte das neunte Inning des entscheidenden Spiels und schickte alle drei Batter per Strikeout von der Platte. Beim dritten Aus war ausgerechnet Manny Machado am Schlag. Der kurz vor der Trade-Deadline verpflichtete Shortstop der Dodgers hatte während der Playoffs kräftig an seinem Badboy-Image gearbeitet mit mehreren schlecht verdeckten Fouls und mit höhnischem Grinsen über die Buhrufe, die er für seine Aktionen erhielt. Die letzte Szene der Saison also war ein Strikeout von Sale gegen Machado. Nicht irgendein Strikeout, sondern ein perfekter Slider, der Machado so hart daneben schwingen ließ, dass er dabei auf die Knie ging. Baseball kann so schön sein.

    Statistik der Woche
    7:05. So viele Stunden dauerte – nein, nicht Spiel drei der World Series 2018. Das dauerte 7:20 Stunden und somit eine glatte Viertelstunde länger als die gesamte World Series 1939. Auch damals gab es schon den Modus „Best of 7“, also vier Siege bis zum Gewinn der Championship. Die New York Yankees schlugen damals die Cincinnati Reds in 4:0 Spielen.

    Der Rest der Liga
    Beginnen wir mit der traurigsten Nachricht dieser Baseballwoche: Willie McCovey ist tot. Der legendäre First Baseman der San Franciso Giants starb gestern im Alter von 80 Jahren. McCovey spielte von 1959 bis 1980 in der MLB, den größten und erfolgreichsten Teil davon für die Giants. Sein Name wird unsterblich bleiben, nicht nur weil McCovey 1986 in die Hall of Fame gewählt wurde und weil die Giants seine Nummer 44 retired haben, sondern vor allem weil die Bucht hinter der Rightfield-Tribüne von AT&T-Park – das Ziel der berühmten Splash-Hits – im Gedenken an den linkshändigen Slugger allseits als „McCovey Cove“ bekannt ist.

    In den MLB-Franchises geht es ab sofort und für die nächsten Monate vor allem um die Kaderzusammenstellung zur kommenden Saison 2019. Bei den New York Mets musste dafür erst mal ein neuer Verantwortlicher gesucht werden, nachdem General Manager Sandy Alderson während der Saison zurückgetreten war. Die Entscheidung fiel auf Brodie Van Wagenen, einen bisherigen Spieleragenten. Als solcher war Van Wagenen sehr einflussreich, hatte viele namhafte Klienten. Zu selbigen gehörten zum Beispiel die Mets Jacob deGrom, Noah Syndergaard, Yoenis Cespedes und Brandon Nimmo sowie von anderen Teams Robinson Cano, Ryan Zimmerman und Ryan Howard. Der 44-jährige Van Wagenen ist ein Verhandlungsprofi und gilt als guter Analytiker. Interessant wird sein, wie sich sein Wechsel von der Seite der Spieler- zur Seite der Klubvertreter auswirkt. Schließlich hat er nun die Macht und die Verantwortung, seinen Ex-Klienten zu erklären, ob sie aus Sicht des Vereins wirklich die Verträge verdienen, die er als Agent vor Kurzem noch für sie gefordert hat.

    Auch die Toronto Blue Jays sind auf der Suche nach einem neuen leitenden Angestellten fündig geworden. Bei ihnen war es der Posten des Managers, der zu besetzen war. Zur Erinnerung: Das ist im Gegensatz zum General Manager das, was man in anderen Sportarten als Headcoach bezeichnet. Diese Stelle wird ab sofort Charlie Montoyo ausfüllen. Montoyo hat als Spieler nur sehr kurz in die MLB hinein schnuppern dürfen, als Manager dürfte er aber nach 18 Jahren im Minor-League-System sowie drei Jahren als Third-Base-Coach und einem Jahr als Bench-Coach der Tampa Bay Rays wissen, was auf ihn zukommt. Die Coaches der Rays sind dieses Jahr heiß begehrt: Letzte Woche wurde schon Rocco Baldelli als neuer Manager der Twins vorgestellt und Matt Quatraro galt ebenfalls als Kandidat für einen höheren Posten. Den erhält er jetzt bei den Rays, indem er nach Montoyos Wechsel vom Third-Base-Coach zum Bench Coach aufsteigt.

    Kein neues Personal gibt es bei den Oakland Athletics, hier setzt man stattdessen auf Kontinuität: Vizepräsident Billy Beane, General Manager David Forst und Manager Bob Melvin erhielten allesamt frühzeitig neue Verträge, bevor die alten in einem Jahr ausgelaufen wären. Das ist ein klarer Vertrauensbeweis der Klubführung, den das Trio sich durch die sensationell starke Saison ihres Low-Budget-Teams redlich verdient hat.

    Eine der ersten Entscheidungen, die sämtliche General Manager in der Offseason zu treffen haben, ist die über sogenannte Qualifying Offers an Spieler. Ein Qualifying Offer ist ein Vertragsangebot über einen ligaweit einheitlichen Betrag – derzeit rund 17,9 Millionen Dollar – für einen Einjahresvertrag. Dieses Angebot kann man einem Spieler mit auslaufendem Vertrag machen, wenn er a) noch nie in seiner Karriere ein solches Angebot erhalten hat und b) die gesamte abgelaufende Saison im Kader des Vereins verbracht hat. Wahrscheinliche Kandidaten für ein Qualifying Offer sind dieses Jahr zum Beispiel Bryce Harper, Patrick Corbin, Dallas Keuchel und Craig Kimbrel – und auch Clayton Kershaw, falls er die oben erwähnte Option zieht. Wer so ein Angebot erhält, hat eine Woche Zeit, es anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation.

    Neben dem allgemein geregelten Verfahren der Qualifying Offers stehen dieser Tage zahlreiche Entscheidungen über Optionen an, auf die sich die Klubs und die Spieler in den einzelnen Verträgen geeinigt haben. Um nur ein paar der schon ausgeübten oder abgelehnten Optionen zu nennen: Die Diamondbacks haben die Option für Paul Goldschmidt (14,5 Millionen) gezogen, die Giants die für Madison Bumgarner (12 Millionen) und die für Pablo Sandoval (550.000), die Red Sox die für Chris Sale (16 Millionen) und die Indians die für Carlos Carrasco (9 Millionen); abgelehnt wurden hingegen die Möglichkeiten, James Shields für 16 Millionen bei den White Sox, Ervin Santana für 14 Millionen bei den Twins und Gerardo Parra für 12,5 Millionen bei den Rockies zu halten. Diese Spieler werden nun ebenso Free Agents wie Mike Moustakas (15 Millionen) und Joakim Soria (10 Millionen), die sich selbst dagegen entschieden, ihre Verlängerungsoption bei den Brewers zu ziehen. David Price hingegen hat seine Option genutzt und sich damit vier weitere Jahre bei den Red Sox für insgesamt 127 Millionen Dollar gesichert.

    Keine formell vereinbarten Optionen hat J. T. Realmuto, der Catcher und letzte verbliebene Star der Miami Marlins. Sein Erstvertrag läuft noch für zwei Jahre und die muss er, wenn der Klub darauf besteht, bei den Marlins verbringen. Das Tischtuch zwischen den beiden Seiten scheint allerdings zerschnitten, denn Realmuto und sein Agent Jeff Berry ließen bereits öffentlich verlauten, er werde „zum Start des Spring Trainings definitiv ein anderes Trikot tragen“. Mit anderen Worten: Realmuto will kein Teil von Miamis Rebuilding-Projekt sein und verlangt einen Trade. Das könnte eine der interessanten Geschichten dieser Offseason werden.


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