Juli 5th, 2018 by Silversurger

Wer hätte vor der Saison darauf gewettet, dass am 5. Juli die Washington Nationals und die New York Mets bei einer negativen Bilanz stehen? Ich beschäftige mich nicht wirklich mit Sportwetten, aber wahrscheinlich hätte man mit diesem Tipp sehr reich werden können. Generell finde ich die National League dieses Jahr besonders interessant, denn im Gegensatz zur American League steht in keiner Division das Team an der Spitze, das eine Mehrheit dort erwartet hätte. In beiden Ligen gleichermaßen erfreulich finde ich, dass mit nur einer Ausnahme in allen Divisionen das Rennen so spannend ist, dass höchstens eineinhalb Spiele zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten liegen. So kann es meinetwegen gerne noch lange nach dem bevorstehenden All-Star-Break bleiben. Auch in den unteren Regionen der Tabellen wird es in den kommenden Wochen spannend: Für die dort feststeckenden Teams beginnt jetzt die heiße Phase, in der sie versuchen werden, möglichst viele Spieler, die wegen Alter oder Vertragsdauer ohnehin keine lange Zukunft mehr im Verein haben, bei den konkurrenzfähigen Teams gegen Nachwuchstalente einzutauschen. Manny Machado, Jacob deGrom und Mike Moustakas sind nur drei von vielen Namen, die derzeit als Kandidaten für solche Trades kursieren.

National League
In der National League East gibt es momentan viel Bewegung, nur an Rang eins für die Atlanta Braves (49-36) hat sich schon seit geraumer Zeit nichts mehr geändert. Das muss nicht so bleiben, denn nach zwei Niederlagen gegen die Yankees müssen die Braves nun zu einer schwierigen Serie nach Milwaukee und die Philadelphia Phillies (47-37) sind ihnen bereits dicht auf den Fersen, nachdem sie zuletzt unter anderem drei Siege gegen die Washington Nationals (42-43) eingefahren haben. Die Nationals, die eigentlich angetreten waren, um diese Division erneut zu gewinnen, haben 17 der letzten 22 Spiele verloren, sind nun sogar unter die .500-Marke gerutscht und damit weit hinter die Phillies und die Braves zurückgefallen. Noch viel weiter zurück sind die New York Mets (34-49) und die Miami Marlins (36-52), die zumindest dadurch für Spannung sorgen, dass sie sich momentan fast täglich auf dem letzten Platz abwechseln.

Auch die NL Central wird momentan nicht von dem ursprünglichen Favoriten angeführt, doch die bislang zu unkonstanten Chicago Cubs (49-35) befinden sich gerade wieder mal in einem Ansturm auf die Spitze. Sechs Partien in Folge haben sie gewonnen und liegen jetzt nur noch ein Spiel hinter den Milwaukee Brewers (51-35). Die Brewers spielen an den nächsten Tagen wie schon erwähnt ein Duell der Überraschungsteams gegen die Braves, während die Cubs mit den Cincinnati Reds (38-49) eine scheinbar einfachere Aufgabe vor sich haben. Nicht vergessen sollte man die St. Louis Cardinals (44-41), die sich an ihrer bevorzugten Stelle halten: im Windschatten. Eine frisch gewonnene Serie gegen die Diamondbacks zeigt, dass mit den Cardinals nach wie vor zu rechnen ist – anders als mit den Pittsburgh Pirates (40-46), deren starker Start in die Saison längst vergessen ist und die bis zum All-Star-Break noch ein schweres Restprogramm (Phillies, Nationals, Brewers) vor sich haben.

Die Los Angeles Dodgers (47-39) finde ich dieses Jahr besonders schwer einzuschätzen. Immer wieder kämpfen sie sich in der NL West an die Spitze heran, um dann plötzlich ganz stark nachzulassen. Zurzeit zeigt die Konjunkturkurve nach vier Siegen hintereinander wieder nach oben. In den restlichen zehn Spielen bis zur Pause sind sechsmal die Stadtrivalen Los Angeles Angels der Gegner der Dodgers. Die Arizona Diamondbacks (48-39), zurzeit im Fernduell noch ein halbes Spiel vor den Dodgers, wirken angeschlagen, haben fünf der letzten sechs Spiele verloren. Darunter war ein Sweep durch die San Francisco Giants (45-43), die dadurch ebenfalls nah an die Spitze gerückt sind – das haben sie aber gleich wieder verspielt, indem sie sich ihrerseits von den Colorado Rockies (44-43) sweepen ließen. Um das aktuelle Bild der NL West zusammenzufassen: Keines der Teams kann bislang mit Klasse und Konstanz überzeugen, aber gerade das macht die Division zu einer der spannendsten der Liga.

American League
Extrem spannend ist auch die American League East, allerdings nur was den Zweikampf um die Spitze angeht. Am letzten Wochenende verloren die Boston Red Sox (59-29) das direkte Duell gegen die New York Yankees (56-28) zwar mit 1:2, aber die Tabellenführung konnten sie trotzdem behaupten, weil sie in den letzten zehn Spielen außer diesen beiden Niederlagen alles gewannen. Gegen die Royals, die Rangers und die Toronto Blue Jays (40-46) dürfte die Wahrscheinlichkeit nicht schlecht stehen, auch die restlichen Spiele bis zum All-Star-Break deutlich positiv zu gestalten. Das gilt allerdings auch für die Yankees, die es ebenfalls mit den Blue Jays sowie mit den Baltimore Orioles (24-61) zu tun bekommen. Ein Härtetest dürfte höchstens die Serie bei den Indians Ende nächster Woche werden.

Jene Cleveland Indians (48-37) haben in der AL Central gerade die Pflichtaufgabe gegen die Kansas City Royals (25-61) souverän erledigt und bleiben für mich weiterhin der langweiligste aller Tabellenführer – langweilig, weil sie auf Platz eins ihrer Division völlig unangefochten sind, aber auch weil ihnen dafür Leistungen reichen, die man wohl als gehobenes Mittelmaß bezeichnen darf. Wer gehofft hatte, dass entweder die Detroit Tigers (38-50) oder die Minnesota Twins (35-48) noch mal etwas Spannung reinbringen könnten, der wird enttäuscht sein: Beide haben je elf ihrer letzten dreizehn Spiele verloren und können sich getrost auf die Pläne konzentrieren, welche Veteranen man zur Trade Deadline einigermaßen gewinnbringend loswerden kann. Auch für die Chicago White Sox (30-56) und die Kansas City Royals (25-61) geht es natürlich schon lange um nichts anderes mehr.

Sehr viel lieber als in die AL Central schaut man als interessierter und halbwegs neutraler MLB-Fan zurzeit in die AL West. Dort gibt es zum einen die Houston Astros (57-31), in meinen Augen immer noch das stärkste Team der Liga, auch wenn der spektakuläre Fight zwischen den Yankees und den Red Sox die Aufmerksamkeit ein bisschen von ihnen weglenkt. Komisch eigentlich, denn schließlich gibt es auch die Seattle Mariners (55-32), durch die auch in dieser Division der Sieg alles andere als ein Selbstläufer ist. Ein bisschen leid tut es mir um die Oakland Athletics (48-39), denn auch die spielen bislang eine richtig starke Saison, haben aber angesichts der Kräfteverhältnisse in der American League trotzdem kaum Aussichten auf einen Playoff-Platz. Die einzige Hoffnung, daran etwas zu ändern, wäre ein Einbruch der Mariners. Der kann durchaus kommen, auch wenn zurzeit nicht viel darauf hindeutet und ich es ihnen nicht wünsche.

Szene der Woche
Wahrscheinlich haben wir diese Woche den Homerun-Raub des Jahres gesehen, aber ich kann mich einfach nicht entscheiden, welcher es war: Der von Torontos Kevin Pillar gegen Nick Castellanos oder der von Milwaukees Keon Broxton gegen Brian Dozier? Seht sie euch an und entscheidet selbst!

Statistik der Woche 
17:1. Das war der Endstand zwischen den Los Angeles Dodgers und den Pittsburgh Pirates am Montag. Das Besondere daran ist, dass Dodgers-Reliever Caleb Ferguson sich in diesem Spiel einen Save verdient hat. Das klingt kaum zu glauben, denn normalerweise besteht ein Save darin, dass man eine Führung von höchstens drei Runs verteidigt oder aber eine Führung, die durch vorhandene Baserunner auf der Kippe steht. Relativ unbekannt ist die Regelung, dass ein Save auch darin bestehen kann, als Reliever mindestens drei Innings bis zum letzten Out des Spiels zu pitchen. In dem Fall spielt der konkrete Spielstand keine Rolle und so kam es, dass Ferguson einen 16-Run-Save verbuchen konnte.

Spiel der Woche
Die Spiele der Miami Marlins und der Tampa Bay Rays sind selten für Schlagzeilen gut, aber am Mittwoch haben die beiden sich ein richtig gutes Lokalderby geliefert. Fünfeinhalb Stunden dauerte es, bis nach 16 Innings die Rays als Sieger feststanden. Vorangegangen waren ein schneller Start der Rays, die nach eineinhalb Innings 4:0 in Front lagen, sowie eine erfolgreiche Aufholjagd der Marlins, die im fünften Inning auf 4:4 ausglichen. Fast wären sie sogar in Führung gegangen, doch Defensiv-Ass Kevin Kiermaier gelang es, nach einem gefangenen Flyball Brian Anderson an der Homeplate auszuwerfen. Es folgten zehn scorelose Innings, bevor den Rays im 16. Durchgang nach dem zweiten Out fünf Runs gelangen. Angesichts der daraus resultierenden 9:4-Führung entschied Rays-Manager Kevin Cash, seinen Bullpen zu schonen und Backup-Catcher Jesus Sucre pitchen zu lassen. Das ging fast schief, denn Sucre ließ drei Singles und einen Sacrifice Fly zu, bevor Cash ein Einsehen hatte und Jose Alvarado brachte, um die letzten zwei Outs einzufahren.

Mein Einschalttipp
Wenn am Sonntag ab 19:10 Uhr europäischer Zeit die New York Mets auf die Tampa Bay Rays treffen, dann wird das vermutlich keine Sternstunde des Baseballs werden. Die Mets befinden sich in einem desolatem Zustand und im heimischen Citi Field sind sie vor allem offensiv noch eine viel größere Katastrophe als auswärts. Starting Pitcher wird am Sonntag irgendein Minor Leaguer sein, der vom Klub bislang noch nicht mal benannt wurde. Das liegt daran, dass Jacob deGrom, Steven Matz und Zack Wheeler momentan die einzigen sind, die von der Rotation der Mets noch übrig sind. Jason Vargas und Noah Syndergaard sind nach Verletzungen im Aufbautraining und so lange überbrückt man mit Spot-Startern. Syndergaard wird sogar am gleichen Tag einen Rehab-Start im Single-A-Team in Brooklyn absolvieren – er steht also nur wenige Kilometer entfernt auf dem Minor-League-Mound, während die Zuschauer im Citi Field einen nicht zu beneidenden Lückenbüßer kennenlernen dürfen. Der Gegner sind die Rays, die eine für ihre Verhältnisse ordentliche Saison spielen, aber weit entfernt von den zwei übermächtigen Konkurrenten im Niemandsland der AL East dümpeln – ein rundum mittelmäßiges Team um den ebenso mittelmäßigen Starter Nathan Eovaldi (3.92 ERA, 4.75 FIP). Warum um alles in der Welt empfehle ich euch ausgerechnet dieses Spiel? Nun, ich habe „leider“ schon lange Tickets für die Partie und wenn ich sie mir schon anschauen muss, könnt ihr es doch aus Solidarität auch tun, oder? DAZN hat das Spiele aus unerfindlichen Gründen nicht im Programm, aber auf mlb.tv könnt ihr es live, in Farbe und in voller Länge genießen.

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April 19th, 2018 by Silversurger

„Kepler hat ausgedient.“ Ich muss zugeben, dass mir kurz der Schreck in die Glieder fuhr, als ich heute Morgen diese Schlagzeile las. Zum Glück stellte sich heraus, dass es nicht um unseren deutschen MLB-Star ging, sondern um das gleichnamige Weltraumteleskop. Irgendein Zusammenhang scheint allerdings zu bestehen, denn in der gleichen Nacht, in der das Teleskop „Kepler“ durch seinen Nachfolger „Tess“ abgelöst wurde, wurde auch Max Kepler mit Knieproblemen ausgewechselt. Gut, dass ich nicht abergläubisch bin – und noch besser, dass es nach ersten Erkenntnissen keine schlimme Verletzung ist. Es wird erwartet, dass Kepler – der Spieler, nicht das Teleskop – nach ein, zwei Tagen Pause wieder voll einsatzbereit ist.

Nach wie vor nicht voll einsatzbereit sind mehrere MLB-Ballparks. Die seit Wochen anhaltenen Wetterkapriolen führen nach wie vor zu zahlreichen Spielausfällen und somit zu recht krummen Tabellen; einige Teams haben schon 18 Spiele absolviert, die Twins erst 13. Sogar im überdachten Rogers Center in Toronto fiel diese Woche ein Spiel aus, weil eben jenes Dach ein Loch hatte, nachdem Eisbrocken vom benachbarten CN Tower herunter gefallen waren.

American League
Die Boston Red Sox (15-2) sind aktuell das Maß aller Dinge in der MLB. 88% ihrer Partien haben sie bislang gewonnen, darunter zuletzt sechs hintereinander und zwei sehr deutlich in den AL-Spitzenspielen gegen die Los Angeles Angels. An das Run Differential der Red Sox von +60 kommt ligaweit nur ein einziges Team auf mehr als die Hälfte heran und das ist der Divisionskonkurrent aus der American League East, die Toronto Blue Jays (12-5) mit +38. Auf das erste Aufeinandertreffen der Red Sox und der Blue Jays in der kommenden Woche darf man sich jetzt schon freuen. Vorher warten allerdings noch die New York Yankees (8-8) mit einer Vier-Spiele-Serie auf die Blue Jays (siehe „Mein Einschalttipp“). Die Yankees werden dringend beweisen wollen, dass sie mehr zu bieten haben als den durchwachsenen Start in die Saison. Arbeiten müssen sie vor allem an ihren Unkonzentriertheiten, die zu 17 Errors in 16 Spielen führten, den meisten in der AL. Relativ hoffnungslos erscheint schon kurz nach Saisonbeginn die Lage für die Baltimore Orioles und die Tampa Bay Rays (jeweils 5-13). Für die Rays gab es nun noch eine Hiobsbotschaft, denn einer ihrer wenigen Stars, CF Kevin Kiermaier, muss am Daumen operiert werden und fällt drei Monate lang aus.

Die AL Central hat gerade Puerto Rico begeistert, genauer gesagt lieferten die Cleveland Indians (9-7) und die Minnesota Twins (8-5) sich dort eine Zwei-Spiele-Serie um die Vorherrschaft in der Division. Den Puerto Ricanern wurde einiges geboten: Das erste Spiel entschieden die Indians 6:1 für sich durch vier Homeruns, und den ersten erzielte ausgerechnet der in Puerto Rico geborene und aufgewachsene Francisco Lindor; das zweite Spiel entwickelte sich zu einem 16-Inning-Marathon, den die Twins schließlich 2:1 gewannen durch einen Run ihres Puerto Ricaners Eddie Rosario. Die Indians und die Twins bleiben somit eng beisammen an der Spitze der zweigeteilten Division, in deren unterem Teil die Detroit Tigers (6-9) derzeit das Schneckenrennen gegen die Chicago White Sox (4-11) und die Kansas City Royals (3-13) anführen.

In Oakland wird derweil munter gefeiert, denn die Athletics (9-10) sind seit genau 50 Jahren dort zu Hause. Obwohl sie sich wohl nichts sehnlicher wünschen, als endlich aus dem alten Coliseum ausziehen zu dürfen, haben sie es noch mal ordentlich gefüllt, indem die Tickets für das Spiel am Dienstag verschenkt wurden. 46.028 Menschen folgten dem Aufruf, was trotz Gratistickets zwar kein ganz kein volles Haus war, angesichts der Umstände in Oakland aber als Erfolg gilt. Auch die Ergebnisse stimmen zurzeit, die A’s blicken auf ungewohnte vier Siege in Folge und auf zweieinhalb Spiele Vorsprung auf die Texas Rangers (7-13). Angeführt wird die AL West nach wie vor von den Los Angeles Angels (13-5). Die Angels haben durch die zwei Niederlagen gegen Boston deutlich an Boden verloren gegenüber den Houston Astros (12-7), welche in der gleichen Zeit zweimal die Seattle Mariners (9-7) abfertigten. Die Serie gegen Seattle ist jedoch noch nicht gewonnen, denn einmal haben auch die Mariners schon gewonnen und heute Abend gibt es eine vierte Partie.

National League
Das erfolgreichste Team der National League East und auch der NL ingesamt sind immer noch die New York Mets (13-4), auch wenn sie diese Woche erstmals eine Serie abgeben mussten: Zwei von drei Heimspielen gegen die Washington Nationals (9-10) wurden verloren, das dritte allerdings relativ spektakulär mit neun Runs im achten Inning gewonnen. Die Mets gegen die Nationals ist nach wie vor das Duell, auf das ich in dieser Division primär schaue. Doch bislang halten sich auch die Atlanta Braves und die Philadelphia Phillies (jeweils 10-7) weiterhin wacker. Die Phillies haben nun ein schweres Programm vor sich mit Serien gegen die Pirates und die Diamondbacks. Die Braves müssen unterdessen viermal gegen die Mets antreten. Ihr prominenter Neuzugang José Bautista wird in diesen Spielen noch nicht zum Einsatz kommen; der 37-jährige Slugger soll in einem verlängerten Spring Training und dann zunächst in den Minors an Wettkampffähigkeit herangeführt werden, bevor ein Aufrücken in den MLB-Kader infrage kommt. Möglicherweise braucht man ihn aber doch relativ schnell, nachdem 1B Freddie Freeman letzte Nacht einen Pitch an die Hand bekommen hat, die schon einmal gebrochen war. Falls er länger ausfällt, könnte es ein paar Verschiebungen im Lineup geben und Bautista möglicherweise für die dritte Base infrage kommen.

Die Cincinnati Reds (3-13) trennen sich mit sofortiger Wirkung von ihrem Manager Bryan Price und Pitching Coach Mack Jenkins, die Meldung kam gerade ganz frisch rein. Abgesehen von den Reds am Ende der Tabelle sieht die NL Central bislang komplett anders aus als man es vor der Saison erwartet hätte. Die Pittsburgh Pirates (12-6) überzeugen nach wie vor vor allem mit Offensive und rehabilitierten sich letzte Nacht durch ein 10:2 gegen die Rockies für ihre erste verlorene Serie der Saison. Es folgen die St. Louis Cardinals (10-7) mit derzeit fünf Siegen am Stück und erst dann kommen die beiden Favoriten. Die Milwaukee Brewers (10-9) haben ein negatives Run Differential (-15), jedoch nach zwei Shutouts gegen die Reds immerhin wieder einen knapp positiven Record. Die Chicago Cubs (7-8) hatten in den letzten Tagen kaum Gelegenheit, ihre nicht zufriedenstellende Bilanz aufzubessern: Durch Spielausfälle war die 3:5-Niederlage gegen St. Louis vom Dienstag die einzige Partie, die die Cubs seit letztem Samstag absolvieren konnten.

Ein Seriensweep gegen die San Diego Padres (7-13) hat den Los Angeles Dodgers (8-9) deutlich dabei geholfen, sich in der NL West ihrem angestammten Platz an der Spitze anzunähern. Noch sitzen dort die Arizona Diamondbacks (12-5) nach ihrem starken Start fest im Sattel und übers Wochenende dürfen auch sie dreimal gegen die Padres antreten. Allerdings müssen sie einen gewichtigen Ausfall verkraften, denn SP Taijuan Walker hat sich ein Band im Ellenbogen gerissen und wird wohl um eine Tommy-John-Surgery nicht herum kommen. Die Starting Rotation der Diamondbacks ist bislang eine Stärke, doch eine zuverlässige Nachfolge für Walkers Platz zeichnet sich nicht wirklich ab – außer Shelby Miller, der nach seiner eigenen Tommy-John-Surgery im Mai 2017 aber auch noch ein paar Monate brauchen wird. Auf Platz zwei halten sich die Colorado Rockies (11-9), die bislang eine recht untypische Saison spielen: Das traditionell heimstarke Team hat bislang nur zwei von sechs Spielen in Coors Field gewonnen, dafür aber neun von vierzehn Auswärtsspielen.

Szene der Woche
Bei aller Neutralität, um die ich mich hier bemühe, fällt es mir doch schwer, Szenen hervorzuheben, die sich gegen die Mets richten. Bryce Harper hätte mir fast keine andere Wahl gelassen mit dem unglaublichen Homerun, den er am Montag im Citi Field geschlagen hat. Ein guter Teil der Energie seines Schwung nach dem Pitch von Jacob deGrom muss dafür draufgegangen sein, den Schläger zu zerstören und dennoch bekam der Ball noch genug davon ab, um über den Zaun getragen zu werden. Zugegeben, das war beeindruckend, aber trotzdem gab es drei Tage zuvor eine noch erstaunlichere Szene. Ein 3-Run-Flyout hatte ich jedenfalls bisher noch nie gesehen, bevor mir Marlins-2B Starlin Castro – unter unfreiwilliger Mithilfe von Pirates-Catcher Elias Diaz – bewies, dass es so etwas tatsächlich gibt.

Statistik der Woche 
29. So viele At-Bats hat Steven Brault, Pitcher der Pittsburgh Pirates, in seiner MLB-Karriere bislang als Batter absolviert und nicht einen Strikeout kassiert. 29 At-Bats klingen nicht nach viel, aber tatsächlich ist das eine Leistung, die seit über 80 Jahren keiner geschafft hat. Im Klartext: Brault ist der erste Pitcher, der seine Karriere mit 29 oder mehr At-Bats ohne einen Strikeout beginnt, seit Jim Turner von den Boston Bees im Jahr 1937. Ich finde, das muss man mal erwähnt haben.

Spiel der Woche
Das aufregendste Spiel der vergangenen Tage war für mich das der Chicago Cubs gegen die Atlanta Braves vom Samstag. 10:2 führten die Braves bereits nach vier Innings und noch bis zur Mitte des sechsten Durchgangs. Die Cubs kamen dann zwar im sechsten und siebten Inning zu Runs, lagen aber bei zwei Outs im achten Inning immer noch mit fünf Zählern hinten. Bei kaltem Wind und konstantem Nieselregen gingen viele Zuschauer frühzeitig nach Hause und auch als Spieler sehnt man sich in so einer Lage danach, das Spiel möge bitte einfach nur bald vorbei sein. Sollte man jedenfalls meinen. Aber die Cubs kamen noch mal zurück und zwar in einer Weise, dass sich jeder, der zu früh gegangen ist, furchtbar ärgern wird. Neun Runs erzielten sie im achten Inning, alle bei zwei Outs und keinen davon per Homerun. Drei Hits, fünf Walks, ein Wild Pitch, ein Error und zwei Hits-by-Pitch trugen zu der Aufholjagd bei und zeigen, wie blank die Nerven in diesen Minuten bei den Braves gelegen haben müssen, die den Sieg innerlich wohl längst verbucht hatten und plötzlich kalt erwischt wurden.

Mein Einschalttipp
Starke Blue Jays, mittelmäßige Yankees – das hatten wir vor der Saison anders erwartet. Jetzt ist es an beiden, zu beweisen oder zu widerlegen, dass die bisherigen Ergebnisse ihrer tatsächlichen Leistungsfähigkeit entsprechen. Passenderweise sind die Blue Jays ab heute vier Tage lang zu Gast in New York, sodass sich das eine oder andere vielleicht direkt klären lässt. Mein Einschalttipp ist das vierte Spiel der Serie am Sonntag zur europafreundlichen Zeit von 19:05 Uhr MESZ. Auf dem Mound werden voraussichtlich Rechtshänder Luis Severino (2.63 ERA) für die Yankees sowie Linkshänder Jaime Garcia (3.86 ERA) für die Blue Jays stehen. Wie jedes MLB-Spiel kann man die Partie mit einem mlb.tv-Abo verfolgen. Falls ihr das nicht habt, aber Kunde bei DAZN seid, könnt ihr zwar nicht dieses Spiel sehen, aber immerhin die anderen drei dieser interessanten Serie.

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März 23rd, 2017 by Silversurger

Das Spring Training neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu und in nur zehn Tagen beginnt endlich die neue MLB-Saison – schon zwei Tage vorher startet übrigens die deutsche Baseball-Bundesliga, auf die ich mich genauso sehr freue. Heute steht aber erst einmal das Ergebnis eines anderen Wettbewerbs im Vordergrund: Die USA haben den World Baseball Classic gewonnen und sind somit zum ersten Mal das geworden, was man in den meisten anderen Sportarten als Weltmeister bezeichnen würde. Herzlichen Glückwunsch dazu!

Klarer Sieg der USA im Finale des WBC 
Das Finale zwischen den Gastgebern und Puerto Rico verlief einseitiger als erwartet: 8:0 siegten die USA, die in der Zwischenrunde den Puerto Ricanern noch mit 5:6 unterlegen gewesen waren. Ganz großen Anteil an dem Erfolg hatte der Starting Pitcher der USA, Marcus Stroman, der erst im siebten Inning den ersten Hit zuließ und hinterher zum MVP des Spiels gewählt wurde. In der Offensive leisteten 2B Ian Kinsler und OF Andrew McCutchen mit je zwei Hits, darunter ein 2-Run-Homerun von Kinsler, und je einem Walk den größten Beitrag.

Gute und schlechte Nachrichten für die Yankees
Die meisten Schlagzeilen aus dem Spring-Training gebührten diese Woche den New York Yankees. Erfreulich aus ihrer Sicht ist, dass sie mit 19 Siegen und nur 7 Niederlagen bislang das erfolgreichste Team der Vorbereitungsrunde sind. Für besonderes Aufsehen sorgte die Leistung vom vergangenen Freitag, als Masahiro Tanaka, Chasen Shreve und Jordan Montgomery einen No-Hitter gegen die Detroit Tigers pitchten – übrigens den ersten Spring-Trainig-No-Hitter seit zwei Jahren. Natürlich sind solche Freundschaftsspiel-Erfolge im Endeffekt nichts wert und so wird die Freude über die guten Leistungen wohl deutlich von der schlechten Nachricht dieser Woche überschattet: Shortstop Didi Gregorius kehrte mit einem gezerrten Schultermuskel von seiner WBC-Teilnahme für das niederländische Nationalteam zurück und wird mindestens bis in den Mai hinein ausfallen. Naturgemäß gab es sofort Spekulationen über einen Trade, beispielsweise für Freddy Galvis von den Phillies oder für Zack Cozart von den Reds, aber wahrscheinlicher erscheint eine interne Vertretungslösung. Diese wird aller Voraussicht nach nicht Top-Prospect Gleyber Torres sein, dem man mehr Zeit zur Entwicklung in den Minor Leagues geben will. Starlin Castro, Tyler Wade und Ruben Tajada sind wohl die aussichtsreichsten Kandidaten für den Job.

Neue Tommy-John-Opfer
Noch schlimmer als Gregorius hat es die beiden Starting Pitcher Cody Anderson von den Cleveland Indians und Trevor May von den Minnesota Twins erwischt: Beide mussten sich der berüchtigten Tommy-John-Surgery zur Reparatur von Bändern im Ellbogen unterziehen. Das bedeutet, dass die Saison 2017 ohne die beiden stattfinden wird. Sowohl Anderson als auch May waren zuletzt keine festen Größen in ihren Teams und konnten vor der Verletzung allenfalls auf den fünften Platz in der jeweiligen Rotation hoffen.

Vertragsverlängerung für Kevin Kiermaier und Tim Anderson
Grund zur Freude gibt es für OF Kevin Kiermaier von den Tampa Bay Rays und Shortstop Tim Anderson von den Chicago White Sox, denn beide haben diese Woche neue millionenschwere Verträge unterzeichnet. Kiermaier – defensiv unbestreitbar einer der besten Outfielder der Liga, als Batter bislang nicht mehr als solide – erhält von den Rays 53,5 Millionen Dollar für sechs Jahre, ein weiteres Jahr ist optional für 13 Millionen.

Anderson hat ebenfalls für sechs Jahre unterschrieben und bekommt dafür 25 Millionen Dollar. Seine Vertragsverlängerung kam überraschend, denn er spielt seit nicht mal einem Jahr in der MLB. Er wäre daher nach den zwischen der Spielergewerkschaft MLBPA und der Liga ausgehandelten Regeln ohnehin noch sechs Jahre an die White Sox gebunden gewesen und hätte sich auch mit weit weniger Geld zufrieden geben müssen. Kernstück des Vertrages sind daher die beiden optionalen Jahre, in denen die White Sox ihren Shortstop für 12,5 und 14 Millionen Dollar nach der festen Laufzeit weiterbeschäftigen können.

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