Mai 27th, 2021 by Silversurger

Es ist fast schon eine Meldung wert, dass wir auf eine ganze MLB-Woche ohne No-Hitter zurückblicken. Dafür habe ich diese Woche ein Triple Play, einen historischen Meilenstein und zwei Teams, die gerade massiv durchstarten, im Angebot. 

American League
Einer der beiden Durchstarter ist in der AL East zu Hause und amtierender Champion der American League: Die Tampa Bay Rays (31-20) haben sage und schreibe 12 der letzten 13 Spiele gewonnen und dadurch die Divisionsführung übernommen. Groß ist ihr Vorsprung allerdings noch nicht, denn auch die Boston Red Sox (30-20) und die New York Yankees (28-20) spielen zurzeit guten Baseball und halten den Kontakt zur Spitze. Übrigens sind die Red Sox mit bislang 259 Runs das offensivstärkste und die Yankees mit 171 zugelassenen Runs das defensivstärkste Team der AL. Jedoch muss das Pitching der Yankees einen empfindlichen Schlag verdauen, denn Corey Kluber fällt mit einer Schulterverletzung voraussichtlich zwei Monate lang aus. Die Toronto Blue Jays (25-23) haben – vor allem durch vier Niederlagen gegen die Rays in dieser Woche – den Anschluss nach ganz oben erst mal verloren. Das kann sich allerdings schnell ändern, wenn sie den heutigen Doubleheader gegen die Yankees genauso erfolgreich gestalten wie das erste Spiel der Serie, dass sie 6:2 gewannen.

Die Chicago White Sox (28-20) haben sich diese Woche von den Yankees sweepen lassen und dadurch den Cleveland Indians (26-21) erlaubt, sich in der AL Central ein Stück heranzutasten. Das ergibt eine interessante Ausgangslage für die Anfang nächster Woche anstehende Spitzenserie zwischen den beiden Teams. Vorher müssen allerdings die White Sox noch gegen Baltimore ran und die Indians gegen die Blue Jays. Die Kansas City Royals (23-24) haben nach ihrem furiosen Start und dem anschließenden tiefen Fall eine solide Woche mit fünf Siegen aus den letzten sieben Spielen hinter sich. Am Wochenende spielen sie gegen die Minnesota Twins (20-29), die gerade zum ersten Mal in diesem Jahr vier Spiele hintereinander gewonnen haben und nun gegen die Royals untermauern wollen, dass mit ihnen vielleicht doch noch zu rechnen ist.

Die AL West ist nach wie vor ein Zweikampf zwischen den Oakland Athletics (29-22) und den Houston Astros (27-22), auch wenn die beiden sich zurzeit eher ein Schneckenrennen liefern. Die A’s haben zuletzt eine Serie gegen die Seattle Mariners (23-27) verloren, während die Astros sich von den Texas Rangers (22-29) sweepen ließen und noch ein Spiel gegen die Dodgers verloren, bevor sie gestern ihren einzigen Sieg in dieser Woche einfuhren. Der Blick auf den Spielplan zeigt für die Astros ein bockelhartes Programm: Sie bekommen es in den nächsten zwei Wochen mit den Padres, den Blue Jays und zweimal den Red Sox zu tun. Die Athletics spielen in derselben Zeit gegen die Los Angeles Angels (22-27), die Mariners, die Rockies und die Diamondbacks, was sich – bei allem Respekt für diese Teams – ein bisschen angenehmer anhört.

National League
Die NL East bleibt die schwächste und zugleich die spannendste Division der MLB. An der Spitze halten sich immer noch die New York Mets (22-20) als einziges Team mit positivem Record, obwohl sie unter einer beispiellosen Verletzungsflut leiden. Außer einem Catcher haben die Mets für jede Feldposition mindestens einen gestandenen MLB-Spieler auf ihrer Verletztenliste, von der ursprünglichen Stammformation sind lediglich Shortstop Francisco Lindor und Catcher James McCann übrig – wobei Letzterer zurzeit vor lauter Not meistens als First Baseman spielt. Obendrein kam heute die Hiobsbotschaft, dass die ersehnte Rückkehr von Noah Syndergaard in die Starting Rotation sich um mindestens sechs Wochen verzögert, weil der Rechtshänder unter einer Entzündung im Ellenbogen des Wurfarms leidet. Die Atlanta Braves (24-25), Philadelphia Phillies (24-26) und Washington Nationals (20-24) können aus dem Pech der Mets bislang kein Kapital schlagen, zumal sie durchaus ihre eigenen Sorgen haben. So mussten diese Woche die Braves Marcell Ozuna (gebrochener Finger), die Phillies Bryce Harper (verstauchter Arm) und die Nationals Victor Robles (Knöchelzerrung) auf die Liste setzen. Eine wirklich gute Woche hatten in der Division lediglich die Miami Marlins (24-25), die sich mit erfolgreichen Serien gegen die Mets und die Phillies auf den zweiten Platz vorgearbeitet haben.   

Noch stehen die St. Louis Cardinals (27-22) an der Spitze der NL Central, doch der Tabellenführer schwächelt unübersehbar. Gegen beide Chicagoer Klubs wurden diese Woche Serien verloren, erst gegen die Cubs (26-22) und dann gegen die White Sox. Die Cubs haben heute die Chance, mit einem weiteren Sieg über die Pittsburgh Pirates (18-30) zu den spielfreien Cardinals aufzuschließen. Am Wochenende erwarten sowohl die Cardinals mit den Diamondbacks als auch die Cubs mit den Cincinnnati Reds (21-25) lösbare Aufgaben, bevor es während der Woche zu einer spannenden Konstellation kommt: Das Spitzenduo der NL Central trifft auf das Spitzenduo der NL West – die Cardinals auf die Padres, die Cubs auf die Dodgers.

Zur NL West muss man in dem Zusammenhang sagen, dass sich am Spitzenduo durchaus noch etwas ändern kann, denn hier mischt noch ein Dritter mit. Vorne stehen zurzeit die San Diego Padres (32-18). Sie sind das zweite der eingangs erwähnten Durchstarter-Teams, haben 11 der letzten 12 Spiele gewonnen und 14 der letzten 16. Heute Abend gegen die Brewers und am Wochenende gegen die Astros winkt die Chance, die Führung in der Division auszubauen, denn die beiden Konkurrenten Los Angeles Dodgers und San Francisco Giants (jeweils 30-19) treffen direkt aufeinander und werden sich in irgendeiner Form gegenseitig Punkte abnehmen. Die Dodgers gehen als Favoriten in die Serie, nachdem sie am letzten Wochenende alle drei Spiele in San Francisco gewannen und nun zusätzlich den Heimvorteil auf ihrer Seite haben. Den Blick nach unten vergisst man leicht in dieser aufregenden Division: Dort steht mit den Colorado Rockies (19-30) eines der schwächsten Teams der Liga und mit den Arizona Diamondbacks (18-32) ein aktuell noch schwächeres, das seine letzten zehn Spiele allesamt verloren hat.

Szene der Woche 
Erst zum zweiten Mal in dieser MLB-Saison haben wir ein Triple Play zu sehen bekommen. Der seltene Spielzug gelang den Yankees im neunten Inning des Freitagsspiels gegen die White Sox. 3B Gio Urshela, 2B Rougned Odor und 1B Luke Voit retteten beim Stand von 1:1 ihren Closer Aroldis Chapman aus einer misslichen Lage und bereiteten damit den Weg zum Walkoff-Sieg in der unteren Hälfte des Innings.

Statistik der Woche 
20.002. So viele verschiedene Spieler haben bislang in der MLB oder ihren Vorgängerligen seit Gründung der National Association im Jahr 1871 gespielt. Zur Nummer 20.000 wurde am Freitag José Godoy. Der 26-jährige Backup-Catcher der Mariners hatte beim 1:16 seines Teams gegen die Padres ein eher unspektakuläres Debüt, aber den statistischen Meilenstein kann ihm niemand nehmen. Man muss sich das mal vorstellen: In 150 Jahren Major-League-Baseball haben es gerade mal so viele Spieler auf das höchste Niveau geschafft, dass sie alle gemeinsam in ein MLB-Stadion passen würden, sogar mit Corona-Abstand. 

Spiel der Woche
Die 11 erwies sich am Montag als Glückszahl der Tampa Bay Rays: 11 Hits erzielten sie in 11 Innings und sicherten sich damit ihren elften Sieg in Folge. Auf dem Weg dahin verspielten sie Führungen von 5:0 im ersten und 7:5 im zehnten Inning, bevor sie mit sieben Runs im elften die Hoffnungen der Blue Jays auf ein weiteres Comeback zunichte machten. Für die Blue Jays war es übrigens der voraussichtlich letzte Pflichtspiel-Auftritt im Spring-Training-Park in Dunedin, Florida. Für die kommenden Heimspiele zieht das Team um nach Buffalo im Bundesstaat New York und spätestens nächstes Jahr zurück nach Toronto.

Mein Einschalttipp
In den kommenden Tagen steht ein Haufen interessanter Paarungen an – Blue Jays gegen Yankees, White Sox gegen Indians, Mets gegen Braves, Cardinals gegen Padres, Dodgers gegen Cubs, Dodgers gegen Giants, um nur ein paar zu nennen. Am meisten gespannt bin ich auf die Serie zwischen den Tampa Bay Rays und den New York Yankees. Die beiden Teams, die in vielerlei Hinsicht kaum unterschiedlicher sein könnten, haben sich in den letzten Jahren spannende Rennen um die AL East geliefert. Dass die Rays 2020 die Division mit sieben Spielen Vorsprung gewannen, ließ sich komplett auf ihre 11-4-Bilanz gegen die Yankees zurückführen. Auch dieses Jahr scheint der notorisch überraschende Underdog ein gutes Rezept gegen den Rekordmeister in der Tasche zu haben. Ob sich dieser Eindruck verfestigt, werden wir ab Montag in einer Vier-Spiele-Serie sehen. Das erste Spiel ist am Montag ab 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit sowohl auf mlb.tv als auch bei DAZN zu sehen. Die voraussichtlichen Starter sind Rich Hill (3.63 ERA, 3.92 FIP) für die Rays und Domingo German (3.05 ERA, 3.83 FIP) für die Yankees.

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Mai 20th, 2021 by Silversurger

Es ist ganz offensichtlich das Jahr der No-Hitter in der MLB: Detroits Spencer Turnbull und Corey Kluber von den Yankees sind schon der fünfte und der sechste Pitcher mit einem Spiel ohne gegnerischen Hit in dieser noch relativ jungen Saison. Neben den No-Hittern häufen sich zurzeit leider auch die Verletzungen bei vielen Teams. Der prominenteste Ausfall dieser Woche ist Angels-Superstar Mike Trout, der mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel sechs bis acht Wochen pausieren muss. Auch Kevin Pillar, Centerfielder der Mets, wird eine Weile nicht spielen können, nachdem er einen Pitch ins Gesicht bekam und sich mehrfach die Nase brach. Ein erster Kandidat für die dämlichste Verletzung des Jahres steht auch schon fest: Huascar Ynoa, Pitcher der Braves, brach sich am Sonntag die Hand, als er aus Frust über die eigene Leistung auf eine Bank im Dugout einschlug.

National League
Jede Woche ein neuer Tabellenführer in der NL East? Das stimmte in letzter Zeit meistens, aber nicht dieses Mal. Die New York Mets (20-17) halten sich knapp vor den Philadelphia Phillies (22-21), auch und vor allem indem sie in den letzten Tagen die Atlanta Braves (20-23) durch eine gewonnene Serie auf Distanz gehalten haben. Dass die Mets sich so wacker schlagen, ist bemerkenswert – einerseits weil sie immer noch mit Abstand die wenigsten Runs der gesamten MLB auf dem Konto haben, andererseits weil sie zurzeit extrem ersatzgeschwächt antreten müssen: Mit Jeff McNeill, Michael Conforto, Kevin Pillar, Brandon Nimmo, J. D. Davis, Albert Almora, Luis Guillorme, Jacob deGrom, Noah Syndergaard, Carlos Carrasco, Taijuan Walker und Seth Lugo stehen inzwischen mehr als die halbe Startformation plus die beiden wichtigsten Ersatzspieler und eine komplette Starting Rotation auf der Verletztenliste. 

In der NL Central haben die St. Louis Cardinals (25-18) sich zwar letztes Wochenende von den Padres sweepen lassen, doch zwei Siege gegen die Pittsburgh Pirates (17-25) genügten, um sich gegenüber der schwächelnden Konkurrenz in der Division ein Stück weiter abzusetzen. In den kommenden Tagen haben die Cardinals ihren Verfolger Nummer eins, die Chicago Cubs (21-21), in einer möglicherweise richtungsweisenden Serie zu Gast. Ebenso richtungsweisend kann auch die Serie der Milwaukee Brewers (21-22) bei den Cincinnati Reds (19-22) werden. Beide Teams kassierten zuletzt eine Menge Niederlagen und müssen darum kämpfen, nicht langfristig den Anschluss zu verlieren. 

Der Anschluss in der NL West ist für zwei Teams längst abgerissen. Zwischen den Arizona Diamondbacks (18-26) und den Colorado Rockies (15-29) auf der einen und den restlichen drei Teams auf der anderen Seite vollzieht sich eine Kluft, die selbst in noch weit über 100 ausstehenden Spielen unüberbrückbar erscheint. Das kommt nicht ganz überraschend – abgesehen davon, dass ich die San Francisco Giants (27-16) am unteren Rand der Kluft erwartet hätte statt an der Tabellenspitze, die sie zurzeit vor den San Diego Padres (27-17) und den Los Angeles Dodgers (25-18) behaupten. Ich habe hier schon ein paarmal geschrieben, dass die Giants auch etwas Glück mit dem Spielplan hatten, aber das ist jetzt vorbei: Am Wochenende treffen die Giants erstmals in dieser Saison auf die Dodgers (siehe „Einschalttipp“), am Wochenende danach übrigens schon wieder. Nutznießer des Duells der Erzrivalen könnten die Padres sein, die den Covid-Ausbruch im Team sensationell weggesteckt und neun der letzten zehn Spiele gewonnen haben.

American League
Mit der Hochspannung in der NL West kann in der American League vor allem die AL East mithalten. Die Boston Red Sox (26-18) stehen zwar seit Wochen an der Spitze, doch es ist inzwischen ein Vierkampf, und die Abstände zwischen Boston, den Tampa Bay Rays (25-19), den Toronto Blue Jays (23-18) und den New York Yankees (24-19) sind hauchdünn. Alle drei Verfolger haben sieben ihrer letzten zehn Spiele gewonnen, die Rays sogar die letzten sechs am Stück. Die interessanteste Paarung der nächsten Tage steigt in Dunedin, Florida, wo die Blue Jays die Rays für vier Spiele empfangen. Es werden übrigens die letzten „Heimspiele“ sein, die die Blue Jays in dem nur wenige Meilen von Tampa entfernten Spring-Training-Park absolvieren. Ab 1. Juni wird das Übergangs-Zuhause ein Stück näher an die kanadische Grenze verlegt, in den Ballpark des AAA-Affiliates Buffalo Bisons.

Bei den Chicago White Sox (26-17) läuft es im Prinzip super. Zehn der letzten dreizehn Spiele – übrigens allesamt gegen die Kansas City Royals (20-22) und die Minnesota Twins (14-27) – wurden gewonnen, die AL Central führt man mit zwei Spielen Vorsprung vor den Cleveland Indians (23-18) an. Dennoch herrscht nicht eitel Sonnenschein in Chicagos Süden, denn zwischen Team und Manager scheint es zu knirschen – mehr dazu später in diesem Artikel. Richtig mies läuft die bisherige Saison für die Twins. Was ist los mit dem Team, das als Co-Favorit mit den White Sox gestartet war, aber nun Letzter ist? Ein einzelner Grund lässt sich nicht festmachen, denn sowohl die Offense als auch die Starter finden ihren Rhythmus nicht, vom Bullpen ganz zu schweigen. Meine Vermutung ist, dass es in erster Linie eine Frage verlorenen Selbstvertrauens durch den schwachen Start ist. Um auch etwas Positives aus der Central zu berichten: Die Detroit Tigers (17-26) sind auf einer richtig guten Welle. Acht der letzten zehn Spiele hat der Außenseiter gewonnen, darunter sogar einen No-Hitter gegen die Mariners – auch dazu später mehr.

Apropos Seattle Mariners (21-23): Ihre Saison ist bisher eine ziemliche Achterbahnfahrt. Vom krassen Außenseiter schwangen sie sich auf zum Überraschungsteam und scheinen nun auf dem Weg zurück in die Niederungen der AL West. Von ihren letzten fünfzehn Spielen haben sie nicht nur zehn verloren, sondern sich dabei zweimal no-hitten lassen. Durch den Absturz der Mariners und die weiterhin wenig ermutigenden Leistungen der Los Angeles Angels (18-24) und Texas Rangers (19-26) entwickelt sich die Division immer mehr zu einem Zweikampf zwischen den Oakland Athletics (26-18) und den Houston Astros (25-18). Die beiden stehen sich derzeit im direkten Duell gegenüber; nach je einem Sieg für beide Teams steht heute Abend ab 21:37 Uhr mitteleuropäischer Zeit das Rubber Game um die Tabellenführung an.

Szene(n) der Woche
Hier hätte ich gern den Schlag von Huascar Ynoa gegen die Dugout-Bank gezeigt, aber leider ist davon kein Videomaterial zu finden. Stattdessen zeige ich euch zwei Aktionen, über die diese Woche in den sozialen Medien diskutiert wurde. Die erste ist ein Slide von Manny Machado. Im Spiel selbst war es keine große Sache: Machado slidet unter Tommy Edman, um den Tag und ein Doubleplay zu verhindern. Danach schaut er besorgt nach dem getroffenen Gegenspieler und da mit diesem alles in Ordnung ist, klatscht man sich ab und weiter geht’s. Auf Twitter und Co. entwickelte sich allerdings ein regelrechter Shitstorm wegen des angeblich schmutzigen Spiels von Machado. Was meint ihr dazu? Schmutzig oder nicht?

Und dann war da noch der Homerun von Yermin Mercedes. Ein Homerun ist eigentlich immer eine tolle Sache, aber der DH der White Sox schlug ihn in einer Situation, die einigen Verfechtern ungeschriebener Regeln als unanständig gilt: bei einer hohen Führung des eigenen Teams, einem Positionsspieler auf dem Mound und einem 3-0-Count. Dass sich in so einem Fall die gegnerischen Spieler und Fans ärgern, ist nicht außergewöhnlich, wohl aber, dass einem der eigene Manager öffentlich in den Rücken fällt. Mercedes habe einen Fehler gemacht und werde dafür interne Konsequenzen erleiden, ließ White-Sox-Skipper Tony La Russa nach dem Spiel wissen. Nachdem mehrere Spieler der White Sox und anderer Teams Mercedes verteidigten, darunter Pitcher Lance Lynn, legte La Russa nach: „Lance hat einen Spind, ich habe ein Büro.“ Das könnte noch interessant werden in Chicago…

    

Statistik der Woche 
61. So viele Strikeouts warf Yankees-Pitcher Gerrit Cole im Laufe von 41.2 Innings, ohne zwischendurch einen Walk zuzulassen. Das ist ein Rekord, der mindestens bis 1893 zurückreicht, das Jahr, in dem die heutige Entfernung zwischen Mound und Homeplate festgelegt wurde. Lustigerweise war die alte Bestmarke erst ein paar Tage vorher aufgestellt worden, nämlich von Corbin Burnes, der für die Brewers letzten Donnerstag den ersten Walk nach 58 Strikeouts zuließ. 

Spiel(e) der Woche
Für diese Kategorie habe ich keine andere Wahl als die beiden No-Hitter der letzten Tage zu präsentieren. Spencer Turnbull von den Tigers ist sicher der überraschendere der beiden Namen, die sich neu in die MLB-Geschichtsbücher eintragen durften. Beim 5:0 seiner Tigers gegen die Mariners pitchte er zum ersten Mal in seinem Leben über das siebte Inning hinaus und schloss das Spiel nach 117 Pitches ab. Er ließ nur zwei Baserunner zu, beide per Walk. 

Einen Tag später hatte Corey Kluber seinen großen Auftritt – ausgerechnet in Globe Life Field, wo er letztes Jahr den Tiefpunkt seiner bisherigen Karriere erlebt hatte. Nur ein einziges Inning konnte er im Trikot der Texas Rangers pitchen, den Rest der Saison verpasste er mit Verletzungen. Bei den Yankees bekam er dieses Jahr eine neue Chance und seine gestrige Leistung zeigt eindeutig, dass er wieder da ist. Mit nur 101 Pitches fertigte er sein ehemaliges Team ab. Ein Walk für Charlie Culberson im dritten Inning war alles, was ihn von einem perfekten Spiel trennte.

Mein Einschalttipp
Heute und in den nächsten Tagen stehen reihenweise Spitzenspiele an, aber das bevorstehende Duell der ewigen Erzrivalen Giants und Dodgers ragt für mich noch ein Stück aus dem Rest heraus. Die beiden sehen sich in der Wochenendserie zum ersten Mal in dieser Saison. Je nach Schlafgewohnheiten kann man sich natürlich auch die beiden Nachtspiele von Freitag auf Samstag (3:45 Uhr) und Samstag auf Sonntag (1:15 Uhr) anschauen, aber für den Durchschnittseuropäer bietet sich wohl die Partie am Sonntag um 22:05 Uhr unserer Zeit an. Starting Pitcher sind Anthony DeSclafani (2.03 ERA, 3.28 FIP) für die Giants und Julio Urias (3.04 ERA, 2.92 FIP) für die Dodgers.

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Januar 21st, 2021 by Silversurger

Aus dem Hot Stove dampft es gewaltig, die Offseason der MLB kommt endlich in Schwung. Drei der Top-10-Free-Agents und eine Menge weiterer interessanter Spieler sind in den letzten Tagen unter Dach und Fach gekommen. Die größten Schlagzeilen gehörten dabei den Blue Jays und den Yankees. Auch die Mets sorgten für Gesprächsstoff, aber da ging es leider weniger um sportliche Dinge als um das schlichtweg ekelhafte Verhalten eines – jetzt ehemaligen – leitenden Angestellten.  

Mets feuern GM Porter
Nur 37 Tage war Jared Porter in seinem Amt als General Manager der New York Mets. Dem 41-Jährigen wurde ein erst jetzt bekannt gewordener Vorfall aus dem Jahr 2016 zum Verhängnis. Er soll eine Journalistin sexuell belästigt haben, indem er ihr über 60 unverlangte und unbeantwortete aufdringliche Textnachrichten schickte, inklusive Bildern eines (seines?) erigierten Penis. 
„Typisch Mets“ könnte man denken, wenngleich die Vorfälle lange vor Porters Zeit in New York liegen und die Verantwortlichen des Klubs glaubhaft beteuern, von ihnen keine Ahnung gehabt zu haben, als sie sich für ihn entschieden. Der Eigentümer der Mets, Steven Cohen, reagierte innerhalb weniger Stunden nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe mit Porters Entlassung und betonte, es gebe unter seiner Führung „null Toleranz für diese Art des Verhaltens“. Team-Präsident Sandy Alderson wird den GM-Job nun vorerst selbst übernehmen und ohne Eile nach einem passenden Nachfolger für Porter suchen.
Seitens der Ligaleitung wird es eine Untersuchung der Vorwürfe geben, die voraussichtlich in einer befristeten oder unbefristeten Sperre Porters für jegliche Tätigkeit innerhalb der MLB enden dürfte.
Porter stellt den zweiten Fall innerhalb kurzer Zeit dar, in dem die Mets einen hochrangigen Angestellten einstellen und noch vor dem ersten Saisonspiel wieder feuern. Vor fast genau einem Jahr wurde Carlos Beltran von seinem erst zwei Monate zuvor angetretenen Mangerposten entbunden wegen der Rolle, die er im Sign-Stealing-Skandal der Astros gespielt hatte.

Blue Jays signen Springer
Sicher hätten die Verantwortlichen der Mets diese Woche lieber George Springer als Neuzugang vermeldet statt Fragen über das Geschlechtsteil ihres Ex-GM zu beantworten, doch das Rennen um den Centerfielder hat ein anderes Team gemacht: Die Toronto Blue Jays haben sich mit dem umworbenen Free Agent auf einen Sechsjahresvertrag geeinigt. Der dreifache All-Star bringt eine seltene Mischung aus starker Centerfield-Defense und noch stärkeren Offensivleistungen mit. Diese lassen die Blue Jays sich über den gesamten Vertragszeitraum hinweg 150 Millionen Dollar kosten.
Weil die Houston Astros als abgebender Verein dem 31-Jährigen ein Qualifying Offer vorgelegt hatten, wird für seine Verpflichtung eine Kompensation in Form von Draftpicks fällig: Die Astros erhalten einen zusätzlichen Pick in der vierten Runde der nächsten Draft, die Blue Jays verlieren dafür ihren Zweitrundenpick #54 sowie 500.000 Euro des Budgets für internationale Spielerverpflichtungen. 

Yankees: LeMahieu bleibt, Kluber kommt
Angesichts der aufrüstenden Konkurrenz sowohl in der Stadt (Mets) als auch in der Division (Blue Jays) wollen die New York Yankees nicht zurückstehen. Als ersten Teil eines Doppelschlags haben sie am Freitag das monatelange Tauziehen um eine Weiterverpflichtung von Second Baseman D. J. LeMahieu erfolgreich beendet. Der 32-Jährige erhält einen Sechsjahresvertrag über 90 Millionen Dollar. Obwohl beide Seiten von vornherein an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert waren, zogen sich die Verhandlungen hin, weil die Yankees mit ihrer Payroll dieses Jahr unbedingt unter der Luxussteuer-Grenze von 210 Millionen Dollar bleiben wollten. Diesen Kurs können sie nun beibehalten, indem die Zahlungsverpflichtungen gegenüber LeMahieu auf eine relativ lange Vertragslaufzeit gestreckt werden.
Noch am selben Tag legten die Yankees nach mit einer Verstärkung der Starting Rotation. Corey Kluber unterschreibt einen Einjahresvertrag über 11 Millionen Dollar. Der 34-Jährige war bis vor zwei Jahren das Pitching-Ass der Cleveland Indians, bevor er 2019 erst durch Formschwäche und dann auch noch durch einen gebrochenen Arm aus der Bahn geworfen wurde. 2020 trug er das Trikot der Texas Rangers, für die er verletzungsbedingt nur ein einziges Inning warf. In einem Probetraining vor Vertretern fast aller MLB-Teams zeigte er letzten Mittwoch offenbar mit Erfolg, dass mit ihm 2021 wieder zu rechnen ist.

Brantley bleibt bei den Astros
Um Michael Brantley gab es gestern etwas Verwirrung: Zuerst hieß es kurz nach Bekanntwerden des Springer-Deals, auch Springers Freund und Outfield-Kollege Brantley sei sich mit den Blue Jays einig und werde einen Dreijahresvertrag unterschreiben. Eine Stunde, nachdem diese Meldung die Runde gemacht hatte, dementierten die Blue Jays. Man sei interessiert an Brantley, aber es gebe noch keine Einigung. Nochmal gut zwei Stunden später dann die endgültige Kehrtwende: Brantley bleibt bei den Houston Astros. Der 33-Jährige erhält dort einen Zweijahresvertrag über 32 Millionen Dollar. Für die Astros ist das ein wichtiger Schritt, nachdem ihnen zuvor drohte, ihr komplettes bisheriges Stamm-Outfield – bestehend aus Springer, Brantley und Josh Reddick – in der Free Agency zu verlieren.
Neben Brantley haben sich die Astros auch einen neuen Catcher gesichert: Jason Castro kehrt nach vier Jahren in der Fremde zurück zu dem Verein, der ihn einst gedraftet hatte. Der 33-Jährige soll nach gerade eingetrudelten Meldungen einen Zweijahresvertrag bekommen, der sich wohl auf rund 7 Millionen Dollar beläuft. 

Weitere Neuverpflichtungen  
Auch die folgenden Spieler haben in den letzten Tagen neue Engagements in der MLB gefunden: SP Jose Quintana (Los Angeles Angels, 1 Jahr, 8 Millionen Dollar), SP J. A. Happ (Minnesota Twins, 1 Jahr, 8 Millionen), RP Archie Bradley (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 6 Millionen), RP Kirby Yates (Toronto Blue Jays, 1 Jahr, 5,5 Millionen plus Boni), SP Martin Perez (Boston Red Sox, 1 Jahr plus Vereinsoption, 5 Millionen plus Boni), SP Jon Lester (Washington Nationals, 1 Jahr plus beidseitige Option, 5 Millionen), SP Alex Wood (San Francisco Giants, 1 Jahr, 3 Millionen plus Boni). SP/RP Tyler Chatwood (Blue Jays, 1 Jahr, 3 Millionen plus Boni). 

3-Team-Trade um Musgrove und Lucchesi 
Die San Diego Padres, die New York Mets und die Pittsburgh Pirates haben sich auf einen Dreiecks-Trade geeinigt. Involviert sind zwei MLB-Spieler: zum einen SP Joe Musgrove, der von Pittsburgh nach San Diego wechselt, zum anderen SP Joey Lucchesi, der von den Padres zu den Mets geschickt wird. Die Pirates erhalten durch den Deal eine Reihe von Prospects – C/OF Endy Rodriguez von den Mets sowie CF Hudson Head, SP Omar Cruz, RP David Bednar und SP Drake Fellows von den Padres. Head dürfte in dieser Reihe der interessanteste Name sein, er wurde bisher als Nummer acht unter den Talenten der Padres gelistet.

Don Sutton ist tot 
Zum zweiten Mal hintereinander schließt der Grand Slam am Donnerstag mit der Trauermeldung zu einer Dodgers-Legende: Gut eine Woche nach Tommy Lasorda ist am Montag Don Sutton gestorben. Sutton war von 1966 bis 1988 als Starting Pitcher in der MLB aktiv. Er spielte für fünf verschiedene Teams, aber in 16 von 23 Saisons war er ein Dodger. Nach der aktiven Karriere war er als TV-Kommentator tätig, unter anderem für die Atlanta Braves. 1998 wurde er in die Hall of Fame aufgenommen. Sutton erlag im Alter von 75 Jahren einer Krebserkrankung.

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Juli 30th, 2020 by Silversurger

Wer gehofft hatte, dass die MLB-Saison 2020 inmitten der Pandemie glatt durchläuft, sieht sich leider schon nach einer Woche getäuscht: Ein massiver Ausbruch von Covid-19-Fällen bei den Miami Marlins führte dazu, dass deren Spiele seit Montag für mindestens eine Woche ausgesetzt sind. Vorsichtshalber wurde auch die Serie der Phillies gegen die Yankees verschoben, da die Phillies der letzte Gegner der Marlins waren. Stattdessen zog man eine Serie zwischen den Yankees und den Orioles, den beiden ursprünglich vorgesehenen Gegnern der Marlins und Phillies, im Spielplan nach vorne.
Die Fortsetzung der Saison ist nach Aussagen von Ligachef Rob Manfred nicht in Gefahr – mit vereinzelten Ausbrüchen wie diesem sei zu rechnen gewesen und man sei überzeugt, mit den bestehenden Test- und Hygieneregeln den richtigen Weg gewählt zu haben. Etwas anderes kann er ja auch kaum sagen, und immerhin gab es bei den 29 anderen Teams außer den Marlins seit 6 Tagen keine positiven Covid-19-Befunde mehr. 
Um die Spielausfälle aufzufangen, wird es später in der Saison voraussichtlich verstärkt zu Doubleheadern kommen, also zu zwei Spielen an einem Tag. Die Liga und die Spielergewerkschaft verhandeln zurzeit, ob man diese Spiele auf je 7 Innings verkürzt, um die Belastung für die Spieler zu reduzieren. 

American League
Über Bilanzen und Tabellenstände lohnt es sich nach den wenigen Spielen noch nicht zu sprechen. Erfreulich fand ich, dass schon nach drei Tagen jedes MLB-Team mindestens einen Sieg und eine Niederlage auf dem Konto hatte. Den besten Start von allen AL-Teams hatten die Minnesota Twins (4-1), die nach fünf Spielen schon ein Run Differential von +17 aufweisen. Der Gegenpart sind die Seattle Mariners (2-4) mit einem Run Differential von -18, aus dem sie aber immerhin schon zwei Siege eingefahren haben. 

Leider gibt es auch schon ein paar empfindliche Ausfälle durch Verletzungen zu melden. Beide Teams aus Texas müssen bis auf Weiteres auf ihr Pitching-Ass verzichten: Justin Verlander von den Houston Astros hat sich eine Zerrung im Unterarm zugezogen; Meldungen, dass dies sein Saisonende bedeute, bestritt Verlander, aber er wird auf jeden Fall für einige Wochen ausfallen. Bei Corey Kluber von Texas Rangers ist im ersten Inning des ersten Spiels ein Schultermuskel gerissen. Auch für ihn ist im schlechtesten Fall die Saison gelaufen, bestenfalls kann er in vier Wochen wieder werfen. 

Die Toronto Blue Jays haben übrigens endlich eine Heimat für diese Saison gefunden. Nach langem Hin und Her entschied man sich dafür, die Heimspiele im Ballpark der Buffalo Bisons, dem Triple-A-Team der Blue Jays, durchzuführen. Allerdings müssen noch Arbeiten an der Infrastruktur des Stadions durchgeführt werden, sodass dort erst ab voraussichtlich 11. August gespielt wird. Bis dahin tragen die Blue Jays ihre „Heimspiele“ in den Stadien der eigentlichen Auswärtsteams in Washington und Philadelphia aus.

National League
In der National League, speziell der NL East, ist das Bild durch die Spielausfälle bei den Phillies (1-2) und den Marlins (2-1) noch sehr schief. Bei den Marlins wurden mittlerweile 16 Spieler und 2 Betreuer positiv auf das Coronavirus getestet. Die Spiele des Klubs sind bis vorerst Montag abgesagt. Ob die Marlins am Dienstag in den Spielbetrieb zurückkehren und ob sie noch das volle 60-Spiele-Programm absolvieren werden, ist völlig offen. Die Phillies sollen, nachdem sie in den Spielen gegen die Marlins offenbar von Ansteckungen verschont geblieben sind, ab Samstag wieder ins Geschehen eingreifen, beginnend mit einem Doubleheader gegen die Blue Jays. [Nachtrag: Weniger als zwei Stunden nach Veröffentlichung dieses Artikels wurde bekannt, dass die Phillies leider doch einen Coronafall haben. Die Serie gegen die Blue Jays wird verschoben.]

Für die beiden überraschendsten Personalnachrichten der ersten MLB-Woche sorgten die Atlanta Braves (3-3). Am Dienstag entließen sie ihren Starter Mike Foltynewicz. Vor zwei Jahren war Foltynewicz noch ein All-Star und die Nummmer eins in der Braves-Rotation, doch nach einem schwachen Jahr 2019 inklusive Abstecher in die Minor Leagues war der Geduldsfaden der Teamverantwortlichen sehr dünn geworden. Ein einziger schlechter Start am Montagabend genügte ihnen, um die Hoffnung auf einen Rebound ihres einstigen Asses aufzugeben. Mindestens ebenso überraschend kam letzte Nacht die Meldung einer Rückkehr: Outfielder Nick Markakis hatte vor drei Wochen die Option wahrgenommen, diese Saison wegen des Coronavirus auszusetzen. Doch der 36-Jährige bereute seine Entscheidung, als er die Spiele seines Teams im Fernsehen sah. Kurzerhand besprach er sich mit seiner Familie und mit General Manager Alex Anthopoulos, und da alle einverstanden waren, wird er in den nächsten Tagen doch noch zum Team stoßen.

Den ersten größeren Brawl der Saison gab es auch schon: Zwischen den Los Angeles Dodgers (4-2) und den Houston Astros (3-3) brach am Dienstag eine Rangelei aus, nachdem Dodgers-Reliever Joe Kelly mehrere Gegenspieler abzuwerfen versuchte und Astros-Shortstop Carlos Correa nach einem Strikeout „Nice swing, bitch!“ zurief. Kelly wurde von der MLB für acht Spiele gesperrt, zudem wurden Dodgers-Manager Dave Roberts mit einer Sperre von einem Spiel und Astros-Manager Dusty Baker mit einer Geldstrafe bedacht.

Szene der Woche
Eigentlich gibt es ja kaum ein passenderes Sinnbild für dieses ziemlich verkorkste Jahr als den – ebenfalls ziemlich verkorksten – zeremoniellen ersten Pitch der Saison durch Dr. Anthony Fauci, den Chef-Epidemiologen der USA:

Aber viel lieber als über Epidemien und verkorkste Jahre möchte ich über Baseball reden, und deshalb ist meine Szene der Woche ein anderer erster Pitch – nämlich jener erste Pitch im ersten Spiel der Minnesota Twins, den Max Kepler direkt über das Rightfield hämmerte. So fängt man eine Saison an:

Statistik der Woche 
27 Jahre. So lange dauerte es, bis die Miami Marlins zum ersten Mal in ihrer Teamgeschichte zu einem späteren Zeitpunkt als Juni an der Tabellenspitze der NL East standen. Dass ihnen das mit einem Sieg im Eröffnungsspiel gelungen ist, ist zwar nur eine Momentaufnahme, aber dass sie es vorher so lange geschafft haben, an keinem einzigen Juli-, August- oder Septembertag auf Platz eins zu stehen, finde ich wirklich beeindruckend, vor allem weil sie schon zwei World Series gewonnen haben. In beiden Fällen erreichten sie die Playoffs von Platz zwei aus als Wild-Card-Team.

Spiel der Woche
Das Spiel der Oakland Athletics gegen die Los Angeles Angels vom Freitag verdient eine besondere Erwähnung als die erste MLB-Partie, die nach den neuen Extra-Innings-Regeln in die Verlängerung ging. Matt Olson sorgte dafür, dass sie mit einem Knaller endete, genauer gesagt mit einem Walk-Off Grand Slam zum 7:3, nachdem Marcus Semien als automatischer Runner sowie Ramon Laureano und Khris Davis die Bases geladen hatten. Es war der erste Walk-Off Grand Slam am Opening Day seit 1986, als Jim Pressley die Seattle Mariners zum Sieg schlug – übrigens ebenfalls gegen die Angels. Den letzten Walk-Off Grand Slam für die Athletics in Extra-Innings schlug im Jahr 2008 Mark Ellis gegen – ja genau, die Angels.

Mein Einschalttipp
Die Minnesota Twins (4-1) und die Cleveland Indians (4-2) sind beide vielversprechend in die Saison gestartet. Ab heute Nacht treffen die beiden AL-Central-Kontrahenten in einer 4-Spiele-Serie zum ersten Mal in diesem Jahr aufeinander. Bekommen die Indians mit ihrem traditionell starken Pitching die bombastische Offense der Twins in den Griff? Ich bin gespannt darauf. Vor allem das Spiel am Sonntag bietet sich wegen des europafreundlichen Beginns um 20:10 Uhr unserer Zeit dafür an, mal reinzuschauen. Ihr könnt die Partie sowohl auf mlb.tv als auch auf DAZN verfolgen. Als Starting Pitcher werden voraussichtlich Aaron Civale für die Indians und für die Twins Homer Bailey ins Rennen gehen.

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Dezember 19th, 2019 by Silversurger

Die schönste Nachricht gibt es gleich zum Einstieg: In 98 Tagen beginnt die MLB-Saison 2020! Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren, wir blicken erneut auf eine sehr aktive Woche auf dem Spielermarkt zurück. Angeführt wird die Liste der Neuigkeiten von den Vereinswechseln der beiden Pitcher-Asse Madison Bumgarner und Corey Kluber.

Rangers traden für Kluber
Dass Corey Kluber auf dem Trading-Block der Cleveland Indians stand, war schon während der gesamten letzten Saison kein Geheimnis. Die Indians wollen Geld sparen und den Kader verjüngen, daher war für den 33-Jährigen in den Plänen des Klubs kein Platz mehr. Es fand sich jedoch lange kein Tradepartner – möglicherweise weil das Risiko zu hoch erschien, dass Kluber nach einer von Verletzungen und mittelmäßigen Leistungen geprägten Saison 2019 nicht mehr zur alten Stärke zurück findet. Die Texas Rangers haben nun zugeschlagen, nachdem die Forderung der Indians offenbar auf ein Minimum zusammengeschrumpft war: Outfielder Delino DeShields und Reliever Emmanuel Clase erscheinen als geradezu lächerlich niedriger Preis für den zweifachen Cy-Young-Gewinner. Mit den Verpflichtungen von Kluber, Kyle Gibson und Jordan Lyles sieht die durch Lance Lynn und Mike Minor vervollständigte Rotation der Rangers plötzlich playoff-tauglich aus.

Bumgarner wechselt innerhalb der NL West
Auch die Arizona Diamondbacks gönnen sich ein Upgrade für ihre Rotation: Für 85 Millionen Dollar sicherten sie sich die Unterschrift von Madison Bumgarner für die nächsten fünf Jahre. Die Entscheidung des ehemaligen Giants-Stars, beim Divisionskonkurrenten anzuheuern, kam etwas überraschend, denn als Favoriten galten zahlungskräftigere Teams wie die Dodgers oder die Braves. Berichten zufolge ist Bumgarner so angetan von der Aussicht, im warmen Arizona zu spielen, dass er auf ein paar Millionen Dollar verzichtet, die er woanders mehr hätte verdienen können – ob man nun 85 oder 100 Millionen bekommt, dürfte ja auch keine nennenswerten Auswirkungen auf den Lebensstandard haben. Da die Giants Bumgarner ein Qualifying Offer unterbreitet hatten, müssen die Diamondbacks für die Verpflichtung des 30- Jährigen ihren dritthöchsten Draftpick für 2020 an sie abgeben.

Verstärkung aus Fernost für Cardinals, Blue Jays und Rays
Mindestens drei neue Gesichter, die relativ spät den Sprung aus den asiatischen Profiligen in die USA wagen, werden wir nächstes Jahr in der MLB sehen. Die Tampa Bay Rays wurden sich letzten Freitag mit Yoshitomo Tsutsugo einig. Der linkshändige Power-Hitter ist 28 Jahre alt und kann als First Baseman oder im Outfield spielen. Tsutsugo erhält 12 Millionen Dollar für einen Zweijahresvertrag. 2,4 Millionen müssen die Rays als Ablöse an die Yokohama DeNA BayStars bezahlen. Pitcher Shun Yamaguchi unterschreibt für zwei Jahre und rund 6 Millionen bei den Toronto Blue Jays. Der 32-Jährige Forkballer war in Japan sowohl als Starter als auch als Reliever erfolgreich. In Toronto werden für ihn beide Möglichkeiten offen stehen. Der dritte Neuling aus dem fernen Osten ist Kwang-hyun Kim. Der 31-jährige Pitcher kommt vom südkoreanischen SK Wyverns und wird für zwei Jahre 8 Millionen zuzüglich Boni von jährlich bis zu 1,5 Millionen erhalten. Ähnlich wie Yamaguchi wird auch er im Spring Training oder der Frühphase der Saison dahingehend beurteilt werden, ob er sich in der MLB eher als Starter oder als Reliever eignet.

Weitere Trades und Verpflichtungen
Neben den oben genannten Spielern haben auch die folgenden Baseballer in den letzten Tagen neue MLB-Verträge unterschrieben: OF Avisail Garcia (Milwaukee Brewers, 2 Jahre, 20 Millionen + 1 Jahr Club-Option), SP Wade Miley (Cincinnati Reds, 2 Jahre, 15 Millionen + 1 Jahr Club-Option), RP Joe Smith (Houston Astros, 2 Jahre, 8 Millionen), SP Martin Perez (Boston Red Sox, 1 Jahr, 6 Millionen + 1 Jahr Club-Option), SP Brett Anderson (Brewers, 1 Jahr, 5-7 Millionen leistungsabhängig), 1B Justin Smoak (Brewers, 1 Jahr, 5 Millionen + 1 Jahr Club-Option), IF Eric Sogard (Brewers, 1 Jahr, 4,5 Millionen + 1 Jahr Club-Option), C Austin Romine (Detroit Tigers, 1 Jahr, 4,1 Millionen), IF Jose Peraza (Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen), RP Yimi Garcia (Miami Marlins, 2 Jahre, finanzielle Details unbekannt), C Luke Maile (Pittsburgh Pirates, 1 Jahr, finanzielle Details unbekannt), 1B/3B Ryon Healy (Brewers, 1 Jahr, finanzielle Details unbekannt).

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Mai 2nd, 2019 by Silversurger

Der Mai ist gekommen und die MLB hat ein neues Top-Team: Mit 20 Siegen aus 30 Spielen sind die St. Louis Cardinals derzeit ganz vorne. Ihrem einstigen Top-Prospect Alex Reyes dürfte allerdings nicht zum Feiern zumute sein: Erst wurde er wegen schwacher Leistungen in die Minor League versetzt, dann lief es dort im ersten Start auch nicht gut und schließlich musste für den aufgestauten Frust eine Wand herhalten, die sich offenbar mit voller Härte zur Wehr setzte. Jedenfalls hat Reyes sich dabei den kleinen Finger gebrochen, fällt nun mehrere Wochen aus und ist hiermit offiziell nominiert für den MRI-Award 2019. Noch ein Stück dämlicher angestellt hat sich Logan Webb, das Top-Pitching-Prospect der San Francisco Giants: Er hat offenbar versucht, mit der verbotenen Substanz Dehydrochlormethyltestosteron seine Leistungen zu steigern. Nach dem positiven Test auf das Dopingmittel wurde er für 80 Spiele gesperrt und dürfte damit die Chance vertan haben, schon dieses Jahr den Sprung ins MLB-Roster zu schaffen.

National League
Die Teams der National League East haben keine besonders gute Woche hinter sich. Eine Ausnahme davon stellen lediglich die Philadelphia Phillies (17-13) dar. Deren 3:1-Seriensieg über die Miami Marlins (9-21) ist dafür verantwortlich, dass sie als einzige in der Division bei einer positiven Bilanz stehen. Die New York Mets (15-15) und die Atlanta Braves (15-15) haben ihren Rhythmus noch nicht gefunden und halten sich mit schwankenden Leistungen gerade so über Wasser. Insbesondere bei den Mets muss man zweifeln, ob das noch lange gut geht, denn mit einem Run Differential von -20 und den meisten zugelassenen Runs (169) der gesamten NL steht man normalerweise nicht bei 15-15. Die Washington Nationals (12-17) sind auf dem Weg in die Krise schon einen Schritt weiter, soll heißen: Sie stecken mittendrin. Von den letzten sieben Spielen haben sie nur eines gewonnen und dafür brauchte es 11 Innings gegen die Padres. Ausgerechnet jetzt steht für die Nationnals eine schwierige Auswärtstour an (Phillies, Brewers, Dodgers).

Mit Siegen in zehn der letzten elf Spiele lassen die St. Louis Cardinals (20-10) in der NL Central zurzeit niemandem Gelegenheit, an sie heranzukommen. Doch am Wochenende könnte es spannend werden, denn die Chicago Cubs (16-12) begrüßen die Cardinals für eine Drei-Spiele-Serie zum Spitzenduell (siehe „Einschalttipp“). Die Cubs hatten einen ganz miesen Start in den ersten beiden Saisonwochen. Seitdem haben sie aber keine Serie mehr verloren und inzwischen das stärkste Run Differential (+38) der NL herausgespielt. Die Milwaukee Brewers (17-15) können da zwar mit einem Run-Verhältnis von -9 nicht mithalten, doch mit Erfolgen in je zwei von drei Spielen gegen die Mets und die Rockies scheinen sie ihr Zwischentief überwunden zu haben. Die anstehenden Serien gegen erneut die Mets sowie die Nationals klingen nach lösbaren Aufgaben. Die Pittsburgh Pirates (14-14) dürften mit den Playoffs wenig zu tun haben, aber mit zwei Siegen gegen die Rangers ist für sie wenigstens der freie Fall von acht Niederlagen in Folge erstmal gestoppt.

Die Los Angeles Dodgers (20-13) sind in der NL West voll auf Kurs, müssen aber zwei Rückschläge verdauen: erstens eine 1:2 verlorene Serie beim Erzrivalen San Francisco Giants (13-18), zweitens eine Verletzung von Centerfielder A. J. Pollock. Bei Letzterer handelt es sich um eine Infektion im rechten Ellenbogen, der 2016 schon einmal operiert werden musste. Damals wurde eine Metallplatte eingesetzt; aus dieser muss nun eine Schraube entfernt werden, die wohl die Probleme verursacht hat. Pollock wird nach der Prozedur für einige Wochen ausfallen. Die Dodgers müssen nun für drei Spiele zu den San Diego Padres (17-14), während in Denver die Colorado Rockies (14-17) auf die Arizona Diamondbacks (18-13) treffen. Es wird also ein richtig interessantes Wochenende in der NL West mit lauter direkten Duellen zwischen den vier besten Teams der Division.

American League
Können die Tampa Bay Rays (19-11) sich auf Dauer an der Spitze der American League East halten? Ein 2:0-Sweep bei den Boston Red Sox (14-17) am vergangenen Wochenende machte Hoffnung, doch der verlorene Doubleheader in Kansas City gestern war ein herber Dämpfer. Zum Glück für die Rays konnten die New York Yankees (17-13) daraus kein Kapital schlagen, da sie selbst ihre beiden Spiele in Arizona verloren. Die große Neuigkeit bei den Toronto Blue Jays (14-16) war die letzte Woche angekündigte und heiß ersehnte Ankunft des Supertalents Vladimir Guerrero Jr. Bislang konnte Vlad Jr. den Hype noch nicht rechtfertigen, in fünf Spielen schlug er eine Slashline von .167/.286/.222. Aber fünf Spiele sind im Baseball so gut wie gar nichts; es gibt also noch lange keinen Grund, enttäuscht zu sein.

Alles andere als eine Enttäuschung sind bislang die Minnesota Twins (18-10). Sie weisen mittlerweile die beste Bilanz nicht nur der AL Central, sondern der gesamten AL auf. Zuletzt gabe es zwei Erfolge aus drei Spielen gegen die Astros, davor einen Sweep gegen die Orioles. Zu den drei Siegen über Baltimore steuerte Max Kepler vier Homeruns bei, und auch sonst spielt „unser“ Mann in der MLB eine ganz hervorragende Saison (.277/.349/.564, 7 HR). Auf Platz zwei verdrängt sind inzwischen die Cleveland Indians (16-13), die letzte Nacht nicht nur ein 2:4 bei den Marlins verdauen mussten, sondern auch die viel schlimmere Nachricht, dass sie auf ihr Ass Corey Kluber eine Weile verzichten müssen. Kluber wurde von einem Comebacker von Brian Anderson am Pitching-Arm getroffen und erlitt eine Fraktur. Er ist nach Danny Salazar und Mike Clevinger schon der dritte Starter der Indians, der für mindestens einige Wochen ausfälllt.

In der AL West konnten die Houston Astros (18-13) zwar diese Woche nicht überzeugen – einem Split gegen die Indians folgten zwei Niederlagen in drei Spielen gegen die Twins –, doch geschadet hat ihnen das nicht, denn die Verfolger schwächelten noch mehr. Sowohl die Seattle Mariners (18-15) als auch die Texas Rangers (14-15) haben von ihren letzten neun Spielen sieben verloren – und ihre einzigen Siege bei dem 2:2-Split im direkten Aufeinandertreffen eingefahren. Auch die Oakland Athletics (14-19) befinden sich im Absturz. Nach einer 0:6-Bilanz aus den Spielen in Toronto und Boston bleibt ihnen nur noch die Station in Pittsburgh, um von ihrem Ostküstentrip nicht mit leeren Händen heimzukehren.

Szene der Woche
Eigentlich wollte ich an dieser Stelle die Bierdusche würdigen, die Ryan Braun von den Milwaukee Brewers(!) in Citi Field zuteil wurde, als er einen Flyball von Pete Alonso zu fangen versuchte (man beachte die schlecht versteckte Botschaft „This Bud’s for you“ im Hintergrund):

Sehenswert wäre auch der Dodgers-Fan gewesen, der auf der Jagd nach einem Foulball zunächst eine Portion Pommes aufgab – und ein Inning später das Pizzastück, das er sich als Ersatz geholt hatte, hinterher warf:

Aber Yankees-Pitcher C. C. Sabathia lässt mir keine andere Wahl, eine andere Szene in den Mittelpunkt zu stellen. Mit seinem 3000. Strikeout erreichte der 38-Jährige einen Meilenstein, den nur 16 Leute vor ihm bewältigt haben, und ließ sich dafür zurecht feiern:

Statistik der Woche 
1.998. So viele RBI sind Albert Pujols in seiner Karriere bislang gelungen. Das ist zwar eine kleinere Zahl als die der Strikeouts von C. C. Sabathia, dennoch ist sie noch ein Stück beeindruckender. Pujols steht damit nämlich offiziell auf dem dritten Platz der Allzeit-Rangliste, auf welcher er in den letzten Tagen Lou Gehrig (1.994) und Barry Bonds (1.996) überholt hat. Vor Pujols stehen nun nur noch Hank Aaron (2.297) und Alex Rodriguez (2.086). Inoffiziell belegt er übrigens „nur“ Rang fünf; das liegt daran, dass RBI erst 1920 als Statistik eingeführt wurden, sodass ein Teil der 2.214 RBI von Babe Ruth und die gesamten 2.075 RBI von Cap Anson nicht in die Rekordliste der MLB einfließen.

Spiel der Woche
Das Spiel zwischen den Los Angeles Dodgers und den Pittsburgh Pirates am Sonntag hatte eine Menge Geschichten zu erzählen. Die erste war die Geschichte von zwei älteren Herren: Dodgers-Pitcher Rich Hill (39) kehrte aus seiner Verletzungspause zurück und bildete mit Catcher Russel Martin (36) das wohl älteste Battery-Duo, das die MLB zurzeit zu bieten hat. Für Hill lief es eher mittelmäßig – zwar absolvierte er 6 Innings, in denen ihm 6 Strikeuots gelangen und er nur einen Earned Run zuließ, aber diese Werte schmeicheln etwas, denn ein Error im zweiten Inning verhinderte, dass ihm weitere vier Runs angerechnet wurden. Die zweite Geschichte war die eines noch sehr jungen Herren: Cody Bellinger, 23, brachte per Sac-Fly den ersten Run, per Homerun den zweiten Run sowie durch ein Single den siebten und letzten Run seines Teams über die Platte. Der Homerun war übrigens der 14. in der laufenden Saison, womit Bellinger einen Rekord einstellte: Nur vier Spieler haben es jemals geschafft, noch vor dem 1. Mai einer Saison so viele Homeruns zu erzielen – Albert Pujols 2006, Alex Rodriguez 2007 sowie Christian Yelich und Cody Bellinger 2019. Die dritte Geschichte war die eines Teams, das in der jungen Saison schon hoch geflogen und tief gefallen ist. Die Pirates gaben eine 5:1-Führung aus der Hand und verloren am Ende mit 6:7 ihr achtes Spiel in Folge. Aber zum Glück ist es Baseball und schon im nächsten Spiel waren es die Pirates selbst, die ein dramatisches Comeback bejubeln durften.

Mein Einschalttipp
In der NL Central ist ein heißer Zweikampf zwischen den St. Louis Cardinals und den Chicago Cubs entbrannt. Die derzeit drei Spiele Abstand zwischen den beiden stammen von dem schwachen Saisonstart der Cubs, sollten aber nicht darüber hinweg täuschen, dass beide Teams zurzeit in absolut beeindruckender Form sind. Von Freitag bis Sonntag haben die Cubs drei Heimspiele gegen die Cardinals und von daher keine schlechten Chancen, den Rückstand zu verringern oder gar aufzuholen. DAZN ignoriert diese interessante Serie leider komplett, daher könnt ihr sie ausschließlich über mlb.tv verfolgen. Sowohl am Freitag (20:20 Uhr) als auch am Samstag (22:05 Uhr) kommen die Spiele zu europafreundlichen Zeiten, während die Partie am Sonntag (1:05 Uhr) eher etwas für Nachteulen ist.

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Dezember 13th, 2018 by Silversurger

Die Winter-Meetings der Teamverantwortlichen in Las Vegas sind heute noch in vollem Gange und alles wartet auf die großen Trades – Realmuto, Syndergaard, Kluber, Andujar sind nur ein paar der Namen, die offenbar heiß gehandelt werden, aber noch keine Abschlüsse hervorgebracht haben. Eine Menge Abschlüsse gab es diese Woche hingegen bereits auf dem Free-Agent-Markt. Charlie Morton, Andrew McCutchen, Jeurys Familia und einige mehr haben ein neues Zuhause gefunden. Leider gab es auch eine sehr traurige Nachricht, die ich ganz am Ende des Artikels aufgreife.

Die Orioles haben einen neuen Manager
Die Entscheidung der Baltimore Orioles für einen neuen Manager kommt relativ spät in der Offseason. Das erklärt sich dadurch, dass sie bei ihrem kompletten Neustart erst vor wenigen Wochen einen neuen General Manager, Mike Elias, eingestellt haben. Die eigentliche Suche nach einem Nachfolger für Buck Showalter ging danach durchaus zügig vonstatten. Brandon Hyde galt schnell als wahrscheinlicher Kandidat und wurde gestern offiziell als Manager der Orioles vorgestellt. Der 45-Jährige bringt bereits 14 Jahre Coaching-Erfahrung mit, war Minor-League-Manager und Bench Coach bei den Miami Marlins und zuletzt Bench Coach der Chicago Cubs. Hyde war bereits bei den Blue Jays, den Twins und den Angels in der engeren Auswahl gewesen, als diese früher in der Offseason ihre Managerposten neu besetzten. In Baltimore übernimmt er ein Team in ziemlich katastrophalem Zustand, aber solch eine Situation ist für einen Neuling ja immer auch eine Chance.

Morton, Familia und weitere Free-Agent-Verpflichtungen
Drei Pitcher aus meiner Top-20-Liste der diesjährigen Free Agents haben sich mit neuen oder alten Teams geeinigt. Charlie Morton, bisher bei den Astros, unterschreibt für zwei Jahre bei den Tampa Bay Rays. Mit einer Gehaltszusage von 30 Millionen Dollar haben sich die Rays für ihre Verhältnisse weit aus dem Fenster gelehnt. J. A. Happ bleibt unterdessen bei den New York Yankees; er unterschreibt ebenfalls für zwei Jahre und erhält dafür 34 Millionen Dollar. Darüber hinaus haben die Yankees die Option auf ein drittes Jahr für weitere 17 Millionen. Auch die New York Mets sichern sich die Dienste eines alten Bekannten: Reliever Jeurys Familia kehrt von seinem kurzen Ausflug nach Oakland für drei Jahre und 30 Millionen Dollar zurück nach Queens.

Einen weiteren hochkarätigen Free Agent haben die Philadelphia Phillies mit Outfielder Andrew McCutchen an Land gezogen. Der 32-Jährige erhält 50 Millionen Dollar für die nächsten drei Jahre, ein viertes Jahr ist optional für den Klub.

Weitere nennenswerte Verpflichtungen dieser Woche waren: Reliever Joe Kelly (3 Jahre, 25 Millionen) zu den Dodgers; Starting Pitcher Lance Lynn (3 Jahre, 30 Millionen) zu den Rangers; Outfielder Billy Hamilton (1 Jahr, 5,25 Millionen plus Option) zu den Royals; First Baseman Justin Bour (1 Jahr, 2,5 Millionen) zu den Angels; Shortstop Jordy Mercer (1 Jahr, 5,25 Millionen) zu den Tigers.

Roark von Washington nach Cincinnati
Der Vorname Tanner ist meines Wissens gar nicht so häufig, aber den Washington Nationals und den Cincinnati Reds ist es gelungen, einen Trade einzufädeln, bei dem ein Tanner (Roark) gegen einen anderen Tanner (Rainey) getauscht wird. Der 32-jährige Roark soll in Cincinnati als Mentor einer jungen Rotation dienen. Rainey ist ein Talent als Reliever, auch wenn er das bei seinen ersten acht MLB-Einsätzen, die ihm einen ERA von 24.43 einbrachten, noch nicht zeigen konnte.

White Sox ertraden Nova 
Auch die Chicago White Sox haben per Trade eine Lücke in ihrer Starting Rotation gefüllt. Ivan Nova kommt aus Pittsburgh im Austausch gegen das 19-jährige Prospect Yordi Rosario und 500.000 Dollar internationales Bonusbudget.

Phillies und Angels traden Reliever
Die Phillies und die Angels haben einen Trade durchgeführt, der mich etwas verwundert zurück lässt: Getauscht wurden die Reliever Jose Alvarez und Luis Garcia. Beide stehen noch zwei Jahre unter Teamkontrolle, beide werden 2019 ungefähr 1,7 Millionen Dollar verdienen. Allerdings brachte der 31-jährige Garcia es 2018 in Philadelphia auf einen sehr schwachen ERA von 6.07, während der 29-jährige Alvarez mit einem ERA von 2.71 der beste Reliever der Angels und obendrein ihr einziger Linkshänder war. Gut, wenn man tiefer in die Zahlen eintaucht, finden sich Hinweise, dass Garcias Werte von Pech und schlechtem Fielding seiner Mitspieler nach unten gezogen wurden. Das Bild von einem Trade, bei dem ein jüngerer, besserer Spieler gegen einen älteren, schlechteren 1:1 getauscht wird, bleibt dennoch bestehen.

Indians planen mit Carrasco – Kluber oder Bauer im Angebot
Carlos Carrasco bleibt noch lange bei den Cleveland Indians: Nachdem der Klub zum 30. Oktober bereits die Vertragsoption für 2019 gezogen hatte, einigte man sich nun auf einen neuen Vertrag, der ihm bis 2022 insgesamt 44 Millionen Dollar einbringt und weitere 14 Millionen, wenn die Indians die Option auf die Saison 2023 ausüben. Damit ist ein Pfeiler in der Indians-Rotation für die nächsten Jahre gesetzt, während zwei andere sich in der Schwebe befinden: Sowohl Corey Kluber als auch Trevor Bauer wurden in den letzten Tagen für mögliche Trades ins Gespräch gebracht, mit denen die Indians ihre Basis an Talenten verbreitern möchten.

Tulowitzki auf Teamsuche
Eine überraschende Entlassung haben am Dienstag die Toronto Blue Jays vorgenommen: Troy Tulowitzki wurde aus dem Kader gestrichen und ist frei, sich ein neues Team zu suchen. In Anbetracht dessen, dass die Blue Jays derzeit nicht konkurrenzfähig sind und sich um Verjüngung bemühen, ist die Trennung von einem 34-jährigen Shortstop verständlich. Allerdings bleiben sie dabei auf 38 Millionen Dollar sitzen, die sie Tulowitzki für die nächsten zwei Jahre vertraglich garantiert haben. Für ein anderes Team winkt nun ein Schnäppchen, denn wer Tulowitzki aufnimmt, muss ihm lediglich das Mindestgehalt von 555.000 Dollar bezahlen; um den Rest kümmern sich wohl oder übel die Blue Jays.

Napoli beendet Karriere
Noch ein paar Jahre älter als Tulowitzki ist Mike Napoli. Der 37-Jährige First Baseman – früher auch Catcher – hat nun verkündet, seine MLB-Karriere nach 13 Jahren offiziell zu beenden. Napoli stand letztes Jahr bei den Indians unter Vertrag, kam aber wegen einer Knieverletzung nicht zum Einsatz.

Top-Pick der Athletics in anderem Sport geehrt
Die Profikarriere noch vor sich hat Kyler Murray – die Frage ist allerdings noch, in welcher Disziplin. Der letztjährige Pick der Oakland Athletics in Runde 1 der Draft ist ein hochtalentierter Outfielder, allerdings auch ein ebenso hervorragender Quarterback für die Oklahoma Sooners. Als solcher wurde er nun mit der Heisman Trophy ausgezeichnet, dem Award für den besten College-Footballer des Jahres. Trotz dieser hohen Anerkennung bleibt Murray aber bislang bei seiner Ankündigung, ab nächstem Jahr Baseball für die Athletics spielen zu wollen.

Zwei Ex-MLB-Spieler bei Raubüberfall getötet
Zum Schluss noch die angekündigte Trauermeldung: Die beiden ehemaligen MLB-Profis Luis Valbuena und Jose Castillo sind letzte Woche in ihrer Heimat Venezuela bei einem Autounfall gestorben. Das wäre allein schon tragisch genug, doch wie inzwischen bekannt wurde, handelte es sich um einen absichtlich herbeigeführten Unfall. Straßenräuber hatten ein Hindernis auf der Fahrbahn platziert, um die Insassen des Fahrzeugs auszurauben. Valbuena und Castillo waren gemeinsam mit einem Teamkameraden auf der Rückfahrt von einem Spiel in der venezolanischen Winterliga gewesen. Die Führung der Liga sagte nach den schrecklichen Ereignissen den folgenden Spieltag ab und denkt nun über ein generelles Verbot von privaten Fahrten zu den Spielen nach, da Überfälle wie dieser in dem Land wohl kein Einzelfall sind.

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Oktober 4th, 2018 by Silversurger

Da waren es nur noch acht: Die Oakland Athletics und die Chicago Cubs sind die ersten Playoff-Teams, die auf der Strecke geblieben sind. Für die Athletics war ein einziges Spiel entscheidend, das sie letzte Nacht 2:7 gegen die New York Yankees verloren. Die Cubs hatten immerhin zwei Chancen, die erste „richtige“ Playoff-Serie – die National League Divisional Series (NLDS) – zu erreichen. Doch sie verloren sowohl das Extraspiel um den Divisionssieg gegen die Milwaukee Brewers als auch das Wild-Card-Spiel gegen die Colorado Rockies und somit ist das NL-Team mit der zweitbesten Saisonbilanz wohl verdient ausgeschieden.

Ebenfalls ausgeschieden ist Buck Showalter als Manager der Baltimore Orioles. Nach neun Jahren, deren schlechtestes das aktuelle mit desaströsen 115 Niederlagen war, ist er seinen Job los. Auch die Minnesota Twins haben bekannt gegeben, dass sie sich von ihrem Manager Paul Molitor trennen. Molitor war vier Jahre im Amt und letztes Jahr nach einer überraschend starken Saison zum Manager of the Year gewählt worden. 2018 wurde allerdings zur Enttäuschung, daher soll nun ein neuer Cheftrainer die Aufgabe übernehmen, die Twins in der AL Central wieder wettbewerbsfähig zu machen.

National League
Die National League hat einer in weiten Teilen extrem spannenden Saison die Krone aufgesetzt, indem in gleich zwei Divisionen ein entscheidendes „Spiel 163“ ausgetragen werden musste, um eine Entscheidung über den Gruppensieg herbei zu führen. Zwischen den Chicago Cubs und den Milwaukee Brewers war es ein sehr enges Spiel, das sich erst im achten Inning in Richtung der Gäste aus Milwaukee neigte, welche schließlich 3:1 gewannen. Das Duell um die NL West zwischen den Los Angeles Dodgers und den Colorado Rockies war weniger spannend. Die Dodgers dominierten von Anfang an und führten bereits mit 5:0, bevor die Bats der Rockies im neunten Inning mit zwei Solo-Homeruns erwachten, ohne den Ausgang der Partie ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Die Verlierer der Entscheidungsspiele durften sich damit trösten, dass sie zumindest in das Wild-Card-Spiel einzogen. Dort war dann allerdings zwingend Endstation für eines von ihnen, in dem Fall für die Cubs (siehe „Spiel der Woche“).

Die Rockies treffen als Wild-Card-Sieger ab heute Nacht in einer Best-of-5-Serie auf die Brewers. In der anderen Paarung der NLDS erwarten die Dodgers die Atlanta Braves. Die Braves sind das einzige Team der NL, das sich seit dem Ende der regulären Saison am letzten Sonntag ausruhen konnte. Man wird sehen, ob sie diesen Vorteil nutzen können.

American League
In der AL stand zwischen Saison und Playoffs deutlich mehr Erholung auf dem Programm: Montag und Dienstag waren für alle Teams frei, am Mittwoch fand das Wild-Card-Spiel zwischen den Yankees und den Athletics statt und erst am Freitag geht es weiter mit den beiden Divisional-Serien.

Eine der beiden ALDS findet statt zwischen den Houston Astros und den Cleveland Indians. Mit 103 Siegen und als Titelverteidiger gehen die Astros als klarer Favorit ins Rennen gegen die Indians, die das Glück hatten, einen Großteil ihrer 91 Siege innerhalb der sehr schwach besetzen AL Central einfahren zu können.

Die andere ALDS ist der Baseball-Klassiker schlechthin: Die Boston Red Sox erwarten die New York Yankees. Als Divisionsrivalen haben die beiden in der regulären Saison schon 19-mal gegeneinander gespielt. Mit 10:9 für die Red Sox war das Gesamtergebnis denkbar knapp und es drückt ziemlich genau die leichte Favoritenrolle aus, die die Red Sox vor dieser ersten Playoff-Serie gegen den Erzrivalen seit 2004 inne haben.

Szene der Woche
Das Wild-Card-Spiel der AL war zwar nicht halb so spannend wie das der NL, aber es hatte einen definierenden und für die Fans der Yankees regelrecht erlösenden Moment: den 2-Run-Homerun von Aaron Judge. Der weite Schlag über das Leftfield im ersten Inning besorgte nicht nur die beruhigende frühe Führung, er war auch das klare Statement, dass mit Judge wieder zu rechnen ist. Knapp zwei Monate war er mit einem angebrochenen Handgelenk ausgefallen und in den zwei Wochen seit seiner Rückkehr ins Lineup war er sichtlich nicht der dominierende Hitter, als den man ihn kannte. Jetzt ist er offenbar wieder der Alte und bereits auf der Jagd nach Rekorden: Es war sein vierter Homerun in sieben Playoffspielen für die Yankees, was außer ihm nur „Mister October“ Reggie Jackson geschafft hat. Im sechsten Inning legte er übrigens noch ein Leadoff-Double nach und leitete damit die endgültige Entscheidung in Form eines 4-Run-Innings ein. Schön, dass mal wieder ein anderer Judge die Schlagzeilen beherrscht als Brett Kavanaugh…

Statistik der Woche
.247. Zugegeben, über den Rekord, den die Yankees aufgestellt haben, wird man wohl länger reden als über diese Zahl: 267 Homeruns haben die New Yorker in der regulären Saison geschlagen und damit mehr als jemals ein anderes Team. Die .247 finde ich persönlich aber noch bemerkenswerter. Es ist der Batting Average, mit dem Athletics-Slugger Khris Davis die Saison abgeschlossen hat – und zwar nicht nur die Saison 2018, sondern auch die Saisons 2015, 2016 und 2017. Viermal hintereinander den gleichen Average zu erzielen ist eine unglaublich unwahrscheinliche Leistung, mit der Khris Davis obendrein die Aufmerksamkeit von seinem Beinahe-Namensvetter Chris Davis von den Orioles ablenkt. Der hat nämlich ebenfalls einen Rekord erzielt: Sein Batting Average von .168 ist der niedrigste, mit dem je ein qualifizierter Blätter – also einer mit mindestens 502 Plate Appearances – eine Saison beendet hat.

Spiel der Woche
Jon Lester kennt der durchschnittliche Baseballfan schon lange, Kyle Freeland möglicherweise erst seit diesem Jahr, Tony Wolters vermutlich erst seit gestern. Sowohl der erfahrene Veteran der Cubs als auch der starke Newcomer der Rockies haben im Wild-Card-Spiel der NL eine sehr gutes Partie gepitcht. Lester erlaubte lediglich einen Sacrifice-Fly von Nolan Arenado zur frühen 1:0-Führung der Rockies, Freeland ließ nur vier Hits und keinen Run zu. Dass es trotzdem nicht innerhalb der regulären Spielzeit für die Rockies reichte, lag an Javier Baez, dem gegen Adam Ottavino bei zwei Outs und einem 0-2-Count im achten Inning ein Double zum 1:1 gelang. Das war auch schon alles, was gegen die beiden überzeugenden Pitcherriegen bis zum dreizehnten Inning zu holen war. Am Ende des längsten Ausscheidungsspiels aller Zeiten wurde einer zum Helden, den wohl niemand auf der Rechnung hatte: Tony Wolters gelang gegen Kyle Hendricks der entscheidende Single, der Trevor Story zum 2:1 nach Hause brachte, nachdem dieser und Gerrardo Parra jeweils Singles bei zwei Outs vorgelegt hatten. Es ist keine Schande, wenn man den Backup-Catcher der Rockies bislang nicht kannte. Mit einem Batting Average von .170 hat er in der regulären Saison nicht gerade für Aufsehen gesorgt, aber jetzt kennt ihn jeder als den Mann, der den Rockies den ersten Playoffsieg seit 2009 beschert hat.

Mein Einschalttipp
Es sind die MLB-Playoffs, somit ist ab sofort jedes Spiel ein Einschalttipp. Falls ihr noch keinen Dienst abonniert habt, über den ihr zuschauen könnt: mlb.tv gibt es für den Rest der Saison für 24,99 Dollar und DAZN überträgt wohl ebenfalls alle Postseason-Spiele, sodass dies der richtige Zeitpunkt für den kostenlosen Probemonat sein dürfte. Das von den Namen her reizvollste Duell ist natürlich das zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees. Die beste Sendezeit bietet das erste Spiel zwischen den Houston Astros und den Cleveland Indians am Freitag ab 20:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Das ist im Übrigen auch die Partie mit dem aufregendsten Pitcher-Matchup, denn aller Voraussicht nach werden Justin Verlander (2.52 ERA, 2.78 FIP) und Corey Kluber (2.89 ERA, 3.12 FIP) sich die Ehre geben.

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Februar 11th, 2018 by Silversurger

Mit dem Start in die Saisonvorbereitung der MLB ist auch die Zeit der Vorhersagen  angebrochen. Während der Spring-Training-Spiele werde ich mir selbst wieder jedes Team einzeln vornehmen, heute schaue ich aber erst mal durch die bekannteste Baseball-Glaskugel: die PECOTA-Projektionen von Baseball Prospectus. Diese werden auf Ebene der Einzelspieler ermittelt, sagen in der Gesamtschau aber auch komplette Tabellenstände voraus. (Wenn ihr wissen wollt, wie PECOTA und andere Vorhersagesysteme funktionieren, schaut doch mal in meinen Artikel vom letzten Jahr).

PECOTA sieht für diese Saison eine klare Dominanz von vier Teams voraus: Den Los Angeles Dodgers (99 Siege), den Houston Astros (99), den Cleveland Indians (97) und den New York Yankees (96) werden jeweils fast 100 Wins zugetraut, alle anderen Teams landen in der prognostizierten Endabrechnung bei unter 90 Siegen. Ich schätze allerdings, dass sich das für die Chicago Cubs (89) noch ändern wird, sobald die letzte Nacht getätigte Verpflichtung von Top-Free-Agent Yu Darvish in die Zahlen eingearbeitet ist.

Neben den fünf genannten Teams komplettieren die Washington Nationals (89) die Riege der vorhergesagten Divisionssieger. Die aussichtsreichsten Kandidaten für die Wild Cards sind die Diamondbacks (86), die Cardinals (84) und die Giants (84) in der NL sowie die Red Sox (87) und die Rays (84) in der AL. Düstere Zeiten prognostiziert PECOTA hingegen den Miami Marlins (66), den Kansas City Royals (66), den Detroit Tigers (68) und den Baltimore Orioles (69) mit jeweils unter 70 Siegen.

Im Großen und Ganzen ähnelt das von PECOTA für 2018 gezeichnete Bild den tatsächlichen Verhältnissen aus der letzten Saison. Die größte Veränderung wird den San Francisco Giants zugetraut, denen nach dem enttäuschenden Jahr 2017 eine Steigerung um glatte 20 Siege vorhergesagt wird.  Auf der anderen Seite wird den Kansas City Royals ohne Eric Hosmer, Mike Moustakas, Lorenzo Cain und Jason Vargas ein Absturz um 14 Siege prophezeit. Keine großen Sprünge erwartete die Projektion von den Los Angeles Angels (80) und den Milwaukee Brewers (83). Beide Teams haben zwar während der Offseason deutlich aufgerüstet, konnten PECOTA aber offenbar nicht überzeugen, dass von ihnen mehr zu erwarten ist als im letzten Jahr.

Auf Ebene der Einzelakteure ist es keine spektakuläre Weissagung, Angels-Outfielder Mike Trout mit 7.1 WARP als besten Spieler der MLB einzuschätzen. Auf den weiteren Plätzen der Positionsspieler finden sich aber doch ein paar Überraschungen: Giants-Catcher Buster Posey (5.6 WARP) hätte ich nicht auf Rang zwei erwartet und Nationals-Shortstop Trea Turner (5.3) erst recht nicht auf Platz drei. Ich bin gespannt, ob PECOTA Recht behält und Posey und Turner wirklich mehr produzieren werden als beispielsweise Bryce Harper (4.2), Jose Altuve (3.9) oder Giancarlo Stanton (3.9). Bei den Pitchern fallen die Vorhersagen etwas erwartbarer aus: Chris Sale (6.0 WARP), Clayton Kershaw (4.9), Corey Kluber (4.5) und Max Scherzer (4.1) hätte ich aus dem Bauch heraus auch auf den ersten vier Plätzen gesehen, wenngleich nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge.

Was ist eigentlich mit Shohei Ohtani, dem am stärksten umworbenen Newcomer aller Zeiten? PECOTA traut ihm einen erfolgreichen MLB-Karrierestart zu: Mit 2.8 WARP als Pitcher würde er die Rotation der Angels anführen und ligaweit auf Rang 19 landen. Zudem werden ihm weitere 0.7 WARP als Batter zugerechnet – mehr als doppelt soviel wie Albert Pujols trotz deutlich weniger prognostizierter At Bats.

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November 16th, 2017 by Silversurger

Wir befinden uns mitten in der Award-Woche der MLB: Die besten Rookies, die besten Manager und die besten Pitcher des Jahres wurden an den vergangenen drei Tagen ausgezeichnet, heute Nacht steht noch die Bekanntgabe des wertvollsten Spielers (MVP) der beiden Teilligen aus. Letzte Nacht gab es den ersten nennenswerten Trade der Offseason – selbstverständlich unter Beteiligung der Seattle Mariners, dem tradefreudigsten aller MLB-Teams. Diese und ein paar andere interessante Nachrichten habe ich im heutigen Grand Slam am Donnerstag zusammengefasst.

Bellinger und Judge sind die Rookies of the Year
An dieser Wahl gab es kaum Zweifel und das Ergebnis war dann auch entsprechend eindeutig: Cody Bellinger von den Los Angeles Dodgers und Aaron Judge von den New York Yankees wurden zu den Rookies des Jahres gewählt und erst zum vierten Mal in der MLB-Geschichte wurden beide Entscheidungen einstimmig getroffen. Es passt dabei wie die Faust aufs Auge, dass in dem Jahr mit den meisten Homeruns aller Zeiten zwei Spieler ausgezeichnet werden, die in den jeweiligen Ligen neue Rookie-Rekorde für Homeruns aufgestellt haben: Bellinger mit 39 in der National League, Judge mit 52 in der American League.
Bellinger sollte dieses Jahr eigentlich noch gar keine große Rolle in der MLB spielen. Der 22-Jährige war allenfalls für etwas Spielpraxis als September-Call-up vorgesehen, doch Verletzungen von Andrew Toles und Adrian Gonzalez gaben ihm schon im April eine Chance und die nutzte er auf eindrucksvolle Art und Weise. Offensiv sprechen die 39 Homeruns und eine .267/.352/.581-Slashline für sich und auch im Feld überzeugte Bellinger mit Verlässlichkeit wo auch immer man in spielen ließ: meistens an der First Base, oft im Left Field, gelegentlich auch im Center und im Right Field.
Der 25-jährige Right Fielder Judge drückte der AL massiv seinen Stempel auf, indem er sie sowohl bei den Homeruns als auch bei gescorten Runs (128) und Walks (127), aber auch mit den meisten Strikeouts (208) anführte. Mit seiner spektakulären Spielweise, seiner imposanten körperlichen Erscheinung und natürlich auch, weil er für den bekanntesten Baseball-Klub der Welt spielt, scheint Judge wie geschaffen für die Rolle eines langjährigen Superstars. Das scheint man auch bei Sony zu denken, denn letzte Woche wurde bekannt gegeben, dass Judge das Cover der nächsten Ausgabe des Playstation-Hits MLB The Show zieren wird. Angesichts all dessen ist es geradezu überraschend, dass der Junge immer noch so sympathisch und bodenständig rüberkommt.

Manager des Jahres: Molitor und Lovullo
Nicht ganz so eindeutig wie bei den Rookies war die Wahl der Manager des Jahres, aber mit dem Manager der Minnesota Twins, Paul Molitor, und dem der Arizona Diamondbacks, Torey Lovullo, gibt es auch hier zwei würdige Preisträger. Beiden gelang es in diesem Jahr, eine enttäuschende Franchise in verblüffend kurzer Zeit zu einem Playoff-Team umzudrehen.
Molitor ist der Vater des historisch einmaligen Erfolgs der Minnesota Twins, nach einer Saison mit über 100 Niederlagen (103 im Jahr 2016) im darauf folgenden Jahr in die Playoffs einzuziehen. Um 26 Siege verbesserten sich die Twins im dritten Jahr unter Molitor auf eine Bilanz von 85-77 und sind damit das Cinderella-Team des Jahres, auch wenn das Gaststpiel in den Playoffs durch die Wild-Card-Niederlage gegen die Yankees nur von kurzer Dauer war.
Noch beeindruckender liest sich die Bilanz von Torey Lovullo: Er trat vor einem Jahr in Arizona seine erste Stelle als MLB-Manager an und führte das Team prompt zu 93 Siegen und zur ersten Playoff-Teilnahme seit 2011. Insbesondere das Pitching der Diamondbacks erlebte unter Lovullo einen kompletten Turnaround: Dem schlechtesten ERA der Franchise-Geschichte mit 5.09 im Jahr 2016 (letzter Platz in der MLB) folgte der beste ERA der Franchise-Geschichte mit 3.67 im Jahr 2017 – und damit Platz drei in der MLB trotz eines hitter-freundlichen Heim-Ballparks.

Cy-Young-Awards für Scherzer und Kluber 
Wer dieses Jahr die Auszeichnung als bester Pitcher erhalten würde, war während der Saison lange unklar, da in jeder Teilliga zwei aussichtsreiche Kandidaten im Rennen waren. Im Endeffekt fielen die Wahlen dann aber sehr klar aus: Max Scherzer (Washington Nationals) ist zum zweiten Mal in Folge und zum dritten Mal insgesamt der Preisträger der National League, Corey Kluber (Cleveland Indians) sicherte sich in der American League nach 2014 seinen zweiten Titel.
Scherzer erhielt von 30 Stimmen 27 erste und drei zweite Plätze und setzte sich somit klar von Clayton Kershaw ab. Scherzer (2.51 ERA, 2.90 FIP) blieb zwar von den relevanten Durchschnittszahlen hinter Kershaw (2.31 ERA) bzw. Stephen Strasburg (2.71 FIP) zurück, bewies aber mit rund 25 mehr absolvierten Innings ein größeres Durchhaltevermögen als die beiden Konkurrenten und brachte es auf führende 6.0 Wins Above Replacement (WAR). Damit sowie mit seinen 268 Strikeouts überzeugte er die wahlberechtigten Mitglieder der BBWA.
Noch ein Stück klarer war der Wahlgewinn für Kluber, der in der Abstimmung für die American League 28-mal auf Platz eins landete und nur von zwei Wählern hinter Chris Sale eingestuft wurde. Mit 2.25 ERA führte Kluber die gesamte MLB an. Davon abgesehen hätten sich auch gute Argumente für Sale gefunden, der in puncto FIP (2.45), WAR (7.7) und Strikeouts (308) MLB-weit vorne lag. Am Ende spielen neben den reinen Zahlen auch das Bauchgefühl und die subjektive Wahrnehmung der Wähler eine Rolle und vermutllich hatten viele den gleichen Eindruck wie ich, dass Sale trotz der starken Werte seine Leistungen nicht so konstant abrief wie Kluber.

Anthopoulos neuer GM der Braves
Die Atlanta Braves waren seit Anfang Oktober ohne General Manager. Der ehemalige Amtsinhaber John Coppolella hatte zurück treten müssen, nachdem zahlreiche von ihm begangene Regelverstöße, unter anderem bei internationalen Spielerverpflichtungen, aufgedeckt worden waren. Als sein Nachfolger steht nun Alex Anthopoulos fest. Der 40-Jährige, der das gleiche Amt von 2009 bis 2015 für die Toronto Blue Jays ausübte, erhält einen Vierjahresvertrag und umfangreiche Kompetenzen in der sportlichen Leitung des Klubs. Er übernimmt nämlich nicht nur das Amt des GM von Coppolella sondern als „Executive Vice President of Baseball Operations“ auch einen guten Teil des bisherigen Aufgabenbereichs von John Hart, der vom Teampräsidenten zum Berater herabgestuft wurde. Während das Front Office der Braves somit ordentlich durcheinander gewirbelt wurde, will man sportlich auf Kontinuität setzen: Anthopoulos plant nach eigenen Aussagen derzeit keine Änderungen am Coaching-Personal.

Carlos Beltran hat neue Ziele
Die 20 Jahre lange MLB-Karriere von Carlos Beltran hat im World-Series-Titel mit den Houston Astros ihren Höhepunkt und würdigen Abschluss gefunden. So sieht es der 40-jährige Outfielder, der zuvor für die Royals, die Mets, die Giants, die Cardinals und die Yankees aktiv gewesen war und nun das Ende seiner aktiven Zeit als Spieler verkündet hat. Zur Ruhe setzen will sich der neunmalige All-Star aber nicht, vielmehr strebt er nach neuen Tätigkeitsfeldern: Zum einen möchte er mehr für seine Familie da sein, zum anderen kann er sich gut vorstellen, zukünftig als Manager eines MLB-Teams tätig zu sein. Rein zufällig sind der Ort, in dem seine Familie wohnt, und der, in dem gerade eine renommierte MLB-Franchise nach einem neuen Manager sucht, derselbe. Dass die Yankees erklärtermaßen einen Kandidaten suchen, der anders als der frisch entlassene Joe Girardi einen Draht zu jungen Spielern und einen positiven Einfluss auf das persönliche Klima im Team hat, passt ebenfalls ins Bild. Fragt sich nur, ob der Verein bereit ist, das Risiko eines kompletten Neueinsteigers auf der Position einzugehen.

Alle Qualifying Offers werden abgelehnt
Die Frist der neun Qualifying Offers, die letzte Woche von MLB-Teams ausgestellt wurden, läuft offiziell noch bis heute Nacht. Es gilt allerdings bereits als sicher, dass alle betroffenen Spieler – Eric Hosmer, Lorenzo Cain, Mike Moustakas (alle Royals), Jake Arrieta, Wade Davis (beide Cubs), Carlos Santana (Indians), Greg Holland (Rockies), Alex Cobb (Rays) und Lance Lynn (Cardinals) – die standardisierten Angebote über ein Jahr und 17,4 Millionen Dollar ablehnen werden. Sie alle streben Verträge über mehr Dollars und eine längere Laufzeit an. Für ihre Clubs sind die Offers dennoch ein gutes Geschäft, denn wenn die Spieler nun das Team wechseln, erhält das abgebende Team einen Draft-Pick als Kompensation.

Mariners traden für Healy 
Jerry Dipoto, der General Manager der Seattle Mariners, macht seinem Ruf als eifrigster Trader der Liga weiterhin alle Ehre. Im ersten nennenswerte Move der Offseason hat Dipoto First Baseman Ryon Healy von den Oakland Athletics geholt. Der Handel ist für beide Teams sinnvoll, denn die Athletics hatten mit den Youngsters Matt Olson, Matt Chapman und Healy ein Überangebot für die Infield-Corners und als DH soll zukünftig verstärkt Khris Davis zum Einsatz kommen. Healy war somit verzichtbar und wird nun den 1B-Job in Seattle übernehmen, wo Yonder Alonso und Danny Valencia Free Agents geworden sind. Für Healy wechseln RP Emilio Pagan und Infield-Prospect Alexander Campos nach Oakland.

Dodgers und Padres spielen 2018 in Mexiko
Zum ersten Mal seit 1999 wird die MLB 2018 ein Gastspiel in Mexiko absolvieren. Vom 4. bis zum 6. Mai spielen die San Diego Padres und die Los Angeles Dodgers eine Drei-Spiele-Serie in Monterrey. Die Padres haben wegen ihrer grenznahen Heimat viele Fans in Mexiko und werden sich diesen nach 1996 gegen die Mets und 1999 gegen die Rockies zum dritten Mal in regulären Saisonspielen vor Ort präsentieren. Die Spiele in Monterrey ersetzen eine Heim-Serie der Padres. Die MLB strebt an, in den kommenden sechs Jahren regelmäßig Serien in Mexiko zu spielen und mittelfristig auch Spiele in Asien und in Europa (voraussichtlich Großbritannien) anzusetzen.

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