November 28th, 2019 by Silversurger

Happy Thanksgiving allerseits! Für die USA im Allgemeinen und für NFL-Football im Speziellen ist heute ein bedeutender Feiertag. In der MLB wird sich heute eher nichts tun, die Spieler und sonstigen Akteure verbringen den Tag entweder mit der Familie oder mit sozialem Engagement. Für mich ist das eine gute Gelegenheit, in Ruhe darauf zurück zu blicken, was sich rund um die Liga in den vergangenen sieben Tagen getan hat – angefangen mit der Verpflichtung von Yasmani Grandal, die die White Sox frecherweise wenige Minuten nach dem letzten Grand Slam am Donnerstag öffentlich machten.

Die White Sox investieren in Grandal und Abreu
Das Rebuiling-Projekt der Chicago White Sox ist wohl offiziell abgeschlossen: Zwei Deals innerhalb weniger Tage über zusammen mehr als 120 Millionen Dollar signalisieren klar, dass der Klub ab sofort wieder eine Rolle spielen möchte in der AL Central und darüber hinaus. Das Geld bekommen zwei Spieler, die als erfahrene Eckpfeiler dabei helfen sollen, das junge, talentierte Team zu führen, welches die White Sox sich im Laufe der letzten Jahre aufgebaut haben.
Yasmani Grandal kommt für für vier Jahre und 73 Millionen Dollar nach Chicago. Der 31-Jährige war in der zweiten Offseason hintereinander der beste Catcher unter den Free Agents. Er hatte letztes Jahr damit überrascht, dass er sich mit einem Einjahresvertrag über 18,25 Millionen bei den Milwaukee Brewers zufrieden gab und ein Angebot der Mets über vier Jahre und 60 Millionen ausschlug. Der Vertrag, den er jetzt erzielt hat, spricht dafür, dass Grandals Taktik der Wette auf sich selbst aufgegangen ist. Gelungen ist ihm das durch die stärkste Saison seiner Karriere, in der er es auf 5.2 fWAR brachte mit einer Slashline von .246/.380/.468, 28 Homeruns in 632 Plate Appearances und einer soliden Defense.
Weitere 50 Millionen lassen die White Sox sich die Dienste von First Baseman Jose Abreu in den kommenden drei Jahren kosten. Der 32-jährige Slugger hatte letzte Woche einem Qualifying Offer der White Sox zugestimmt, nun konnten sich beide Seiten doch noch auf eine längerfristige Zusammenarbeit einigen. Abreus Saison 2019 (1.9 fWAR, .284/.330/.503, 33 Homerun) war gut, aber doch weit entfernt von den Leistungen, die er von 2014 bis 2017 gezeigt hat. Der Vertrag, den die White Sox ihm nun geben, wirkt in diesem Lichte recht großzügig, aber Abreus Wert als Führungsspieler dürfte für das Team deutlich über die zahlenmäßige Produktion hinaus gehen.

Trade zwischen den Brewers und den Padres
Keinen Blockbuster, aber einen interessanten Tausch einiger junger Spieler haben die Milwaukee Brewers und die San Diego Padres vereinbart: OF Trent Grisham und RHP Zach Davies gehen nach San Diego, dafür wechseln IF Luis Urias und LHP Eric Lauer zu den Brewers. Die Brewers erhalten darüber hinaus noch einen „Player to be named later“. Grisham und Urias sind beide frühere Top-Prospects, die die in sie gesetzten Erwartungen 2019 (noch?) nicht voll erfüllen konnten. Ein Tapetenwechsel hin zu einem Team, in dem die Konkurrenz auf den jeweiligen Positionen geringer ist als im bisherigen Klub, klingt in beiden Fällen nach einer guten Idee. Die in den Trade involvierten Pitcher sind Material für Mitte bis Ende einer Starting Rotation, wobei der 26-jährige Davies die etabliertere Größe ist, während der 24-jährige Lauer etwas mehr Entwicklungspotenzial bietet.

Mariners verlängern mit Rookie
Auch die Seattle Mariners haben ihren Posten an der ersten Base langfristig vergeben: Sie haben sich mit Evan White auf einen Sechsjahresvertrag über 24 Millionen Dollar geeinigt. Der Vertrag enthält zudem drei Verlängerungsoptionen für den Klub, durch die er sich letztlich auf neun Jahre und 55,5 Millionen belaufen kann. Der 23-Jährige White hat bisher noch kein MLB-Spiel absolviert. Die Saison 2019 verbrachte er bei den Arkansas Travelers, dem AA-Minor-League-Team der Mariners. Die frühzeitige und langfristige Verpflichtung erinnert stark an den Vertrag zwischen den Philadelphia Phillies und Scott Kingery, der damals – kurz vor der Saison 2018 – ebenfalls vor seinem ersten MLB-At-Bat für 24 Millionen und sechs Jahre unterschrieb. Interessanter Fakt am Rande: White ist derzeit der einzige Spieler im Roster der Mariners mit einem garantierten Vertrag, der über 2021 hinaus reicht.

Ein paar weitere Signings
Auf dem Free-Agent-Karussell der MLB standen diese Woche vor allem Catcher hoch im Kurs. Neben Grandal fanden auch Travis d’Arnaud (Atlanta Braves für 2 Jahre, 16 Millionen), Yan Gomes (Washington Nationals, 2 Jahre, 10 Millionen), Stephen Vogt (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 3 Millionen), Mike Zunino (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 4,5 Millionen plus Klub-Option) und Dustin Garneau (Houston Astros, 1 Jahr, 650.000) neue Engagements für ihre Tätigkeit hinter der Homeplate.
RHP Kyle Gibson einigte sich mit den Texas Rangers auf einen Dreijahresvertrag über 30 Millionen Dollar. Auch LHP Drew Pomeranz (San Diego Padres, 4 Jahre, 34 Millionen), RHP Kendall Graveman (Seattle Mariners, 1 Jahr, 2 Millionen plus Klub-Option) und RHP Carl Edwards Jr. (Seattle Mariners, 1 Jahr, 950.000) haben neue Jobs gefunden.

Koreanischer Pitcher auf dem Sprung
Letzte Woche habe ich einige interessante Spieler aus der japanischen NPB aufgelistet, die sich in dieser Offseason um einen Wechsel in die MLB bewerben. Mindestens ebenso großes Interesse zieht derzeit der Koreaner Kwang-hyung Kim auf sich. Der linkshändige Pitcher von den SK Wyverns soll bereits Anfragen von den Mets, den Royals, den Dodgers, den Diamondbacks und den Cubs erhalten haben. In der KBO wurde der 30-Jährige in der Regel als Starter eingesetzt. Ob er in der MLB ebenfalls starten oder zum Reliever umfunktioniert werden soll, ist noch unklar – möglicherweise wird das auch ein Punkt in den anstehenden Verhandlungen mit den interessierten Vereinen sien.

Yankees streiten mit Ellsbury
Die New York Yankees waren in den letzten Jahren von außergwöhnlich zahlreichen Verletzungen geplagt. Von zwei besonders häufig verletzten Spielern, First Baseman Greg Bird und Outfielder Jacoby Ellsbury, hat man sich nun getrennt. Ein Schlussstrich ist damit, zumindest was Ellsbury betrifft, noch nicht gezogen. Ihm schulden die Yankees nämlich noch rund 26 Millionen Dollar aus einem 2014 geschlossenen Siebenjahresvertrag – 21 Millionen für die Saison 2020 sowie 5 weitere Millionen als Buyout, damit sich der Vertrag nicht automatisch bis 2021 verlängert. Die Yankees weigern sich bislang, dieses Geld zu bezahlen. Ihr Vorwurf lautet, Ellsbury habe sich ohne Absprache von einem Arzt außerhalb der Organisation behandeln lassen und damit seine Genesung beeinträchtigt. Die Spielergewerkschaft MLBPA hat bereits erklärt, Ellsbury zu unterstützen in dieser Auseinandersetzung, die zu einem interessanten Präzedenzfall werden kann.

Neuer Eigentümer für die Royals
Die Kansas City Royals haben einen neuen Owner: Der Unternehmer John Sherman hat den Klub für rund eine Milliarde Dollar gekauft. Er und der bisherige Eigentümer, David Glass, hatten sich vor drei Monaten auf den Handel geeinigt. Letzte Woche erfolgten die notwendigen Zustimmungen der anderen MLB-Teambesitzer, sodass der Verkauf vorgestern offiziell bekannt gegeben werden konnte. Sherman ist schon länger im Baseball-Geschäft aktiv. Bevor er nun das Team seiner Heimatstadt erwarb, hielt er bereits einige Jahre lang Minderheitenanteile an den Cleveland Indians. Für Glass waren die Royals ein glänzendes Geschäft: Er hatte den Klub im Jahr 2000 für 96 Millionen Dollar erworben.

Wahl zum ersten All-MLB-Team läuft
Seit 1933 gibt es in der MLB das All-Star-Spiel. Das Verfahren, nach dem die Spieler für die All-Star-Roster ausgewählt werden, hat sich seitdem mehrfach geändert, doch zwei Dinge sind immer gleich geblieben: erstens dass es je ein Team für die American League und die National League gibt, zweitens dass das Spiel ungefähr zur Mitte der Saison stattfindet und somit bei der Spielerauswahl nur die Leistungen aus der ersten Saisonhälfte berücksichtigt werden. Das wird sich in absehbarer Zeit nicht ändern, aber es brachte die MLB auf die Idee, ab diesem Jahr zusätzlich die Wahl eines All-MLB-Teams einzuführen. Dieses Team wird nicht nach Ligen getrennt sein und es wird erst nach Abschluss der Saison gewählt. Die Auswahl erfolgt mit einem Gewicht von je 50 Prozent durch die Fans und durch ein Expertengremium. Die Fanwahl läuft seit Dienstag dieser Woche bis Dienstag nächster Woche (3. Dezember). In diesem Zeitraum könnt ihr hier eure Stimmen abgeben, bei Bedarf auch mehrmals im Abstand von 24 Stunden. Das Ergebnis wird am 10. Dezember während der Winter Meetings der MLB bekannt gegeben.

Dämliche Verletzungen gesucht!
Auch hier im Blog gibt es in Kürze wieder eine Wahl – zum zweiten Mal werde ich den MRI-Award für die dämlichste Verletzung (Most Ridiculous Injury) des Jahres vergeben. Ich habe bereits ein paar sehr aussichtsreiche Kandidaten auf dem Zettel, aber bevor ich die Abstimmung starte, möchte ich hier erstmal zu weiteren Nominierungen aufrufen. Teilt mir eure Kandidaten einfach als Kommentar unter diesem Artikel mit – bitte mit der dazugehörigen Geschichte, egal ob als Link oder in euren eigenen Worten.
Für alle, die den Award nicht schon vom letzten Jahr kennen: Es handelt sich um eine nicht bierernst gemeinte Auszeichnung für einen Spieler, der sich bei einer möglichst lächerlichen Aktion verletzt hat. Hier könnt ihr die Nominierungen und das Abstimmungsergebnis aus dem letzten Jahr nachlesen, hier die Laudatio auf den ersten Preisträger Chris Martin.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Dezember 28th, 2017 by Silversurger

Der Grand Slam fällt heute etwas dünner aus als gewohnt, denn es tut sich nicht viel in der MLB über Weihnachten und zwischen den Jahren. Das ist soweit nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist aber, wie langsam sich der Free-Agent-Markt dieses Jahr insgesamt entwickelt: Von meinen Top-20 Free Agents haben bislang nur vier einen neuen Vertrag unterzeichnet, 16 sind noch auf der Suche. Letztes Jahr war es genau umgekehrt, da hatten um diese Zeit lediglich vier Top-20-FAs noch keinen Arbeitgeber gefunden. Ich schätze, dass es nach Silvester bald Schlag auf Schlag geht mit den FA-Signings – schließlich sind es nur noch 46 Tage bis zum Reporting der Pitcher und Catcher, also dem Trainingsauftakt der Saison 2018.

Diamondbacks holen japanischen Closer 
Die interessanteste Neuverpflichtung der Woche hatte vorher kaum jemand auf der Rechnung: Die Arizona Diamondbacks haben sich die Dienste des Relievers Yoshihisa Hirano gesichert. Hirano wird im März 34 und erhält in diesem relativ hohen Sportleralter erstmals die Chance, seine Fähigkeiten in der MLB zu beweisen. Hirano erzielte in den letzten fünf Jahren als Closer der Orix Buffaloes 143 Saves mit einem ERA von 2.62 und wird in Arizona seine Chance auf die gleiche Rolle erhalten. Aufgrund seines Alters und seiner Erfahrung konnte Hirano – anders als zum Beispiel Shohei Ohtani – einen frei ausgehandelten Vertrag unterschreiben. Dieser läuft über zwei Jahre und bringt ihm sechs Millionen Dollar ein.

Zwei Reliever für die Reds
Weniger Ruhe als der Rest der Liga haben sich die Cincinnati Reds über die Feiertage gegönnt: Sie rüsten ihren in der letzten Saison sehr schlechten Bullpen mit Jared Hughes und Daniel Wright auf. Hughes erhält eine  Zweijahresvertrag über 4,5 Millionen Dollar zuzüglich Leistungsprämien und ein Jahr Teamoption. Der 32-Jährige, zuletzt für Milwaukee tätige Rechtshänder ist als feste Größe vor Closer Raisel Iglesias eingeplant. Daniel Wright kommt mit einem Minor-League-Vertrag zurück zu den Reds, die ihn ursprünglich gedraftet hatten. Seine bisherigen MLB-Erfahrungen sammelte er in den letzten eineinhalb Jahren bei den Los Angeles Angels. In 56.1 Innings mit einem ERA von 5.61 gelang ihm dort nicht der Durchbruch.

Huff und Garcia suchen ihr Glück in Korea
Zwei ehemalige MLB-Spieler gaben diese Woche neue Engagements in der koreanischen KBO bekannt: Pitcher David Huff ist dort schon 2016 und 2017 für die LG Twins erfolgreich im Einsatz gewesen und wechselt nun zu den Yakult Swallows (ja, die heißen wirklich so). Die Twins haben derweil MLB-erfahrene Verstärkung für die dritte Base gefunden: Der Kubaner Adonis Garcia war zuletzt für die Atlanta Braves tätig, verpasste allerdings weite Teile der Saison 2017 wegen Verletzungen und versucht es nun mit einem Neustart in Asien.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , ,

November 21st, 2017 by Silversurger

Nach dem Serienauftakt mit Japan bleibe ich bei meiner virtuellen Weltreise in der unmittelbaren Nachbarschaft und beschäftige mich mit der Rolle von Baseball in Korea. Der Schwerpunkt liegt dabei klar auf Südkorea, wo eine professionelle Liga existiert, die vom Niveau her nicht weit von der japanischen NPB entfernt ist.

Sportart Nummer 1
Baseball ist in Südkorea die beliebteste Sportart, jedenfalls wenn man nach den Zuschauerzahlen geht: Mit 8,4 Millionen Besuchen insgesamt und einem Zuschauerschnitt von 11.667 pro Spiel stellt die KBO-League die höchste Fußball-Liga K-League Classic mit 1,8 Millionen und einem Schnitt von 7.873 klar in den Schatten.

Es waren wahrscheinlich amerikanische Missionare, die ab 1905 nicht nur das Christentum sondern auch den Baseball in Korea verbreiteten. Durch die ab 1910 bestehende Kolonialherrschaft Japans wurde die Popularität des Sports noch gesteigert und als 1927 das jährliche japanische „Intercity Baseball Tournament“ startete, waren von Anfang an bis 1942 regelmäßig auch koreanische Städte dabei. 1940 und 1942 gewann Seoul sogar das Turnier. Professionelle Strukturen entstanden im südkoreanischen Baseball erst deutlich später als im japanischen oder amerikansichen: 1982 wurde die „Korea Baseball Championship“ gegründet, die erste und unter neuem Namen bis heute bestehende Profi-Liga des Landes.

Das südkoreanische Nationalteam ist eine etablierte Größe im internationalen Baseball. In der Weltrangliste der WBSC hält sich Südkorea sehr stabil auf dem dritten Platz hinter Japan und USA. Bei der Baseball-Weltmeisterschaft World Baseball Classic brachte das Team es 2006 auf den dritten und 2009 auf den zweiten Platz. Der größte Erfolg für den südkoreanischen Baseball war die Goldmedaille beim bislang letzten olympischen Baseball-Turnier 2008 in Peking.

Die KBO-League
Die Liga der Korean Baseball Organization – kurz: KBO-League – nahm 1982 mit sechs Teams den Spielbetrieb auf, nach mehreren Erweiterungen umfasst sie heute zehn Mannschaften. Die Namen der Klubs sind (außer für euch, liebe Fans der Buchbinder Legionäre) etwas gewöhnungsbedürftig, denn aus keinem davon geht hervor, in welcher Stadt das jeweilige Team beheimatet ist. Stattdessen benennen sich die Mannschaften nach den Konzernen, denen sie gehören oder denen sie die Namensrechte verkauft haben. Aktueller Champion sowie Rekordmeister mit bislang 11 Titeln sind die Kia Tigers aus Gwangju, jüngstes Team die 2015 eingestiegenen KT Wiz aus Suwon.

Standorte der KBO-League1

Angesichts der Größe der Liga kann die Struktur recht einfach gehalten werden: Es gibt keine Teilligen oder Divisionen, jede Mannschaft spielt 16 Spiele gegen jedes andere Team. So ergeben sich 144 Spiele pro Klub innerhalb der regulären Saison, welche genau wie in Japan und den USA von Ende März oder Anfang April bis Anfang Oktober dauert. Im Anschluss daran werden die Playoffs in einer Art Leitersystem ausgetragen: In der ersten Runde tritt der Tabellenfünfte gegen den Tabellenvierten an (Best of 3 mit einem Spiel Vorsprung für den Vierten); der Sieger trifft in der zweiten Runde auf den Tabellendritten (Best of 5); der Sieger dieser Serie spielt gegen den Tabellenzweiten (Best of 5); und schließlich spielt der Sieger dieser Runde im Modus Best of 7 die Korea Series gegen den Erstplatzierten der regulären Saison. Ich finde das System ganz interessant, nur dass der Tabellenerste drei Wochen lang spielfrei auf den Finalgegner warten muss, gefällt mir nicht.

Die Regeln der KBO-League entsprechen weitgehend denen der japanischen NPB. Der Hauptunterschied zur MLB besteht darin, dass in Südkorea wie in Japan ein Spiel unentschieden endet, wenn nach dem zwölften Inning (reguläre Saison) oder nach dem fünfzehnten Inning (Playoffs) kein Sieger ermittelt ist. Unentschiedene Playoffspiele werden wiederholt. Alle Spiele der KBO-League werden mit Designated Hitter durchgeführt. Die Teamroster bestehen aus 26 Spielern, darunter höchstens drei Ausländer, von denen wiederum nur zwei Pitcher sein dürfen. Kein Regelunterschied, aber ein fundamentaler Kulturunterschied zeigt sich bei der Art, wie ein Baseballspiel in Südkorea von den Zuschauern begleitet wird. Während wir aus USA und Deutschland eine eher entspannte Atmosphäre gewohnt sind, ist die Stimmung unter den koreanischen Baseballfans geprägt von durch Cheerleader angeleiteten Gesängen und Choreografien – und leider manchmal auch durch gewalttätige Auseinandersetzungen.

Baseball in Südkorea ist ein Zuschauer- und Stimmungsmagnet (hier: Stadion der Lotte Giants in Busan)2

Auffällig beim Blick auf die Statistiken ist, dass der südkoreanische Baseball etwas hitter-freundlicher zu sein scheint als der amerikanische. So lag zum Beispiel der durchschnittliche Batting Average der Liga 2017 bei .286, während er in der MLB nur .255 betrug. Auf der anderen Seite wiesen die Pitcher in der KBO-League einen durchschnittlichen ERA von 4.98 auf, die der MLB hingegen einen von 4.36.

Das Farmsystem der KBO-League besteht aus einer einzelnen Minor League, der KBO Futures League mit zwölf Teams.

Baseball außerhalb der Profiliga
Baseball ist auch in den Colleges und High Schools in Südkorea sehr populär. Die High Schools spielen diverse Turniere mit teilweise großem Zuschauerzuspruch aus. Das wichtigste dieser Turniere ist das Cheongryonggi, bei dem jährlich im Frühsommer in der Hauptstadt Seoul 27 Vertreter aus allen Regionen des Landes einen Champion ausspielen. Im Collegebereich zieht neben den regulären Meisterschaften vor allem die Rivalität der beiden Universitäten Yonsei und Korea hohe Aufmerksamkeit auf sich. Im sogenannten Ko-Yon-Turnier messen sich die beiden Hochschulen seit 1965 jährlich in fünf Disziplinen: Fußball, Eishockey, Basketball, Rugby und Baseball. Der enorm prestigeträchtige Sieg in dem Duell geht an die Universität, die die Mehrzahl der Wettkämpfe für sich entscheidet.

Berühmte Spieler aus Südkorea
Der erste Spieler, der 1994 den Sprung aus Korea in die MLB schaffte, ist bis heute der bekannteste: Der Pitcher Chan Ho Park überzeugte die Scouts der Los Angeles Dodgers so sehr, dass sie ihn im Alter von 20 Jahren direkt aus dem College in Seoul verpflichteten. Park hatte eine 17 Jahre dauernde, überwiegend erfolgreiche MLB-Karriere, deren sportliches Highlight eine Berufung ins All-Star-Team des Jahres 2001 war. Ihr finanzielles Highlight war ein für damalige Verhältnisse äußerst lukrativer Fünfjahresvertrag über 65 Millionen Dollar, den Park 2002 bei den Rangers unterschrieb – und den er mit seinen Leistungen in Texas leider nie rechtfertigen konnte.

Insgesamt haben es inzwischen 21 Südkoreaner in die MLB geschafft, sieben davon sind noch aktiv. Am längsten dabei ist Outfielder Shin-Soo Choo, der 2005 sein Debüt für die Mariners gab. Nach einem langen Aufenthalt in Cleveland und einem kurzen in Cincinnati spielt Choo seit 2014 bei den Texas Rangers. Für sie schlug er als erster Asiate überhaupt am 21. Juli 2015 gegen die Rockies einen Cycle. Choo hat mit Park gemeinsam, dass auch er den Vertragsabschluss seines Lebens – 130 Millionen Dollar für 7 Jahre – bei den Rangers erzielte.

Rob Refsnyder wurde bei den 21 südkoreanischen MLB-Spielern nicht mitgerechnet – ob er als Koreaner zu zählen ist, muss jeder für sich selbst definieren: Er wurde als Kind koreanischer Eltern in Seoul geboren, aber im Alter von fünf Jahren von einem Paar aus Kalifornien adoptiert. Refsnyder wuchs im amerikanischen Schul- und Collegesystem auf und wurde 2012 in der fünften Runde von den Yankees gedraftet. Der Second Baseman hatte sein MLB-Debüt 2015, wartet aber – zwischenzeitlich bei den Blue Jays und seit Neuestem bei den Indians – noch auf seinen Durchbruch.

Rob Refsnyder in Yankees-Uniform3

Definitiv kein Koreaner ist Eric Thames, den ich hier dennoch erwähnen möchte, weil es sich bei ihm um den wohl bekanntesten Re-Import aus Korea handelt. Der First Baseman konnte beim ersten Anlauf mit den Blue Jays und den Mariners 2011/2012 nicht in der MLB Fuß fassen und suchte schließlich 2014 sein Glück im fernen Osten. In Korea wurde er zum Starspieler, schlug in den drei Jahren dort 124 Homeruns sowie einen Average von .349 und erhielt 2015 sowohl den MVP-Award der KBO-League als auch einen Gold Glove. Zur Saison 2017 holten ihn die Milwaukee Brewers zurück in die MLB, wo er ein starkes Jahr (.247/.359/.518) als unumstrittener Starter auf 1B hatte und mit elf Homeruns im April gleich einen Teamrekord aufstellte.

Baseball in Nordkorea
Der Vollständigkeit halber möchte ich auch einen kurzen Blick in das „andere“ Korea werfen. Das kommunistische Nordkorea schottet sich auch in Sachen Sport recht konsequent von weiten Teilen der restlichen Welt ab und so ist über die Relevanz und die Organisation des Baseballs in diesem Land nicht viel herauszufinden. Sicher ist zumindest, dass Baseball in Nordkorea gespielt wird: Sporadisch hat schon mal ein nordkoreanisches Nationalteam an asiatischen Meisterschaften teilgenommen und Peter C. Bjarkman listet in seinem Buch „Diamonds Around the Globe“ von 2005 die nordkoreanischen Baseball-Meister der Jahre 1985 bis 2001 auf – es war übrigens in jedem dieser Jahre der Kigwancha Sports Club. Als Basketballstar Dennis Rodman 2013 zu Besuch bei Kim Jong Un war, haben sie gemeinsam ein Baseball-Spiel gesehen. Generell spielt Baseball aber wohl eine untergeordnete Rolle in dem Land. Das größte Stadion in Pyöngyang, das Kim-Il-Sung-Stadion, wurde einst als Baseballstadion angelegt. Das war aber 1926 unter japanischer Herrschaft und inzwischen wird das Bauwerk vor allem für Fußball und für den Einlauf des Pyöngyang-Marathons benutzt.

1Quelle: Wikipedia, Urheber: NordNordWest (CC BY-SA 3.0)

2Quelle: Wikimedia, Urheber: 히히히 (CC BY-SA 3.0)

3Quelle: Wikimedia, Urheber: Editosaurus (Public Domain)

Posted in Baseball international Tagged with: , ,