November 5th, 2020 by Silversurger

In den letzten Tagen drehte sich in den USA alles um die Präsidentschaftswahl. Erwartungsgemäß waren Neuigkeiten aus der MLB in dieser Zeit dünn gesät. Drei Teams gaben allerdings am Wochenende wichtige Weichenstellungen für die kommenden Jahre bekannt, die ich euch in diesem Grand Slam am Donnerstag vorstellen möchte.

Cohen als neuer Mets-Owner bestätigt
Der Verkauf der New York Mets an den Hedgefonds-Milliardär Steve Cohen ist nun offiziell. Cohen erwirbt für rund 2,475 Milliarden Dollar 95% der Anteile von der bisherigen Owner-Gruppe um Fred und Jeff Wilpon. Auf dieses Geschäft hatte man sich bereits im August geeinigt, doch es fehlten noch Genehmigungen seitens der Stadt New York sowie seitens der restlichen Team-Eigner der MLB. Beide Zustimmungen sind Ende letzter Woche erfolgt. Die Fans der Mets hoffen, dass mit Cohen eine neue Ära für ihre Franchise anbricht. Im Gegensatz zu den als knauserig bekannten Wilpons wird Cohen deutlich stärker zugetraut, sowohl die Mittel als auch den Willen aufzubringen, massiv und dauerhaft in das Team und die Infrastruktur zu investieren. Erster Punkt auf der To-Do-Liste dürfte der Aufbau eines neuen Front Offices sein: Sandy Alderson wurde bereits als neuer Team-Präsident angekündigt. Ihm sollen sowohl ein President of Baseball Operations als auch ein General Manager zur Seite gestellt werden, der vermutlich nicht Brody Van Wagenen heißen wird. Darüber hinaus beabsichtigt Cohen, die Analsyse-Abteilung der Mets deutlich auszubauen.

La Russa zurück in Chicago
Die Chicago White Sox haben einen neuen Manager. Wie erwartet handelt es sich um einen alten Bekannten: Tony LaRussa nimmt zum zweiten Mal in seiner Karriere die sportlichen Geschicke des Klubs in die Hand. Der heute 76-Jährige hatte seine Managerkarriere 1979 bei den White Sox begonnen und war dort bis zu seiner Entlassung 1986 tätig. Anschließend managte er die Oakland Athletics (1986-1995) und die St. Louis Cardinals (1996-2011) und gewann insgesamt drei World Series. La Russa galt zu seiner Zeit als hervorragender Manager und wurde dafür 2014 in die Hall of Fame aufgenommen. Ob er sich und den White Sox  einen Gefallen damit tut, nach fast zehn Jahren aus dem Ruhestand zurückzukehren und als ältester Manager der Liga einen Draht zu einem ihrer jüngsten Teams zu suchen, wird sich zeigen müssen.

Zweite Chance für Hinch
Mit A. J. Hinch wagt ein weiterer Manager die Rückkehr nach einer Pause. In seinem Fall dauerte die Unterbrechung nur ein Jahr und erfolgte zwangsweise für seine Rolle im Sign-Stealing-Skandal der Houston Astros. Hinch gilt weder als Drahtzieher noch als Förderer der illegalen Vorgänge bei den Astros, wusste aber nach Einschätzung der MLB Bescheid und unternahm nichts dagegen. Nachdem er seine Strafe dafür abgesessen hat, handelten die Detroit Tigers sehr schnell, um sich seine Dienste als Nachfolger für den in Ruhestand getretenen Ron Gardenhire zu sichern. Das zügige Handeln dürfte klug von den Tigers gewesen sein, denn Hinch hat – von dem Skandal abgesehen – in seiner Zeit in Houston (2015-2019) großartige Arbeit geleistet und galt in dieser Offseason als heißer Kandidat für jedes Team mit offener Managerstelle.

Bauer lehnt Qualifying Offer ab
Von den sechs Spielern, die von ihren bisherigen Vereinen ein sogenanntes Qualifying Offer über 18,9 Millionen Dollar für eine Vertragsverlängerung von einem Jahr erhalten haben, hat Trevor Bauer als erster eine Entscheidung bekannt gegeben: Das Pitching-Ass der Cincinnati Reds lehnt das Angebot ab. Das ist keine Überraschung, denn es ist völlig klar, dass Bauer nach seiner herausragenden Saison einen höher dotierten Vertrag erhalten wird, sei es in Cincinnati oder woanders. Das Qualifying Offer war in seinem Fall nur ein formaler Vorgang, damit die Reds im Falle seines Abgangs eine Kompensation in Form von Draftpicks verlangen können. Für J. T. Realmuto (Phillies), George Springer (Astros) und D. J. LeMahieu (Yankees) ist die Situation ähnlich, auch sie werden das Offer sicher ablehnen. Die beiden einzigen Kandidaten, die es möglicherweise annehmen werden, sind die Pitcher Marcus Stroman (Mets) und Kevin Gausman (Giants). Die Spieler müssen ihre Entscheidung bis kommenden Mittwoch treffen.

Die Pirates lassen Archer ziehen
Die Pittsburgh Pirates haben entschieden, eine Verlängerungsoption im Vertrag von Chris Archer über 11 Millionen Dollar nicht zu ziehen. Archer ist damit Free Agent und endgültig Teil eines der unrühmlichsten Trades in der Geschichte der Pirates. Für ihn schickten die Pirates 2018 während der Saison Tyler Glasnow, Austin Meadows und das Talent Shane Baz zu den Tampa Bay Rays. Während bei den Rays Glasnow und Meadows umgehend zu Leistungsträgern wurden und Baz sich im Farmsystem auf die Profikarriere vorbereitet, war der vermeintliche Top-Einkauf Archer in Pittsburgh zu jeder Zeit eine herbe Enttäuschung. Der 32-Jährige brachte es 2019 auf 23 Starts mit 119.2 Innings und 5.19 ERA. 2020 musste er aussetzen nach einer Operation zur Behandlung des unter Pitchern gefürchteten Thoracic Outlet Syndromes. Man kann dem einstigen Top-Talent nur wünschen, dass ihm der Erfolg der OP und die Luftveränderung bei einem neuen Team helfen, seine Karriere zurück in eine erfolgreichere Spur zu bringen.

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Oktober 15th, 2020 by Silversurger

2020 ist kein schönes Jahr. Dafür bedarf es schon lange keiner weiteren Beweise, nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen der zahlreichen in diesem Jahr verstorbenen MLB-Legenden. Unter anderem von Tom Seaver, Lou Brock, Al Kaline und Bob Gibson mussten wir schon Abschied nehmen, in dieser Woche kamen zwei weitere Hall of Famer hinzu: Der legendäre Pitcher Whitey Ford starb letzten Donnerstag im Alter von 91 Jahren, während er ein Playoff-Spiel seiner Yankees sah. Joe Morgan, einer der besten Second Basemen aller Zeiten unter anderem für die Astros und die Reds, erlag am Sonntag mit 77 einem Nervenleiden. 

Abschied nehmen heißt es, zum Glück nur in beruflicher Hinsicht, auch für Rick Renteria als Manager der Chicago White Sox. Die Trennung erfolgt in beiderseitigem Einvernehmen. Als Favorit für die Nachfolge gilt Tony La Russa, der den Job schon von 1979 bis 1986 hatte. 

Einen erschreckenden Vorfall gab es Sonntagnacht in San Diego: Tommy Pham, Outfielder der Padres, wurde vor einem Stripclub Opfer eines Messerangriffs durch bislang unbekannte Täter. Die Verletzung, die Pham am unteren Rücken erlitt, ist zum Glück nicht lebensbedrohlich. Er kann wohl schon bald wieder ins normale Offseason-Training einsteigen. 

American League Championship Series
Jetzt aber endlich zum Sport. Die ALCS wäre um ein Haar schon nach der Mindestzahl von vier Spielen vorbei gewesen. Drei Spiele hintereinander sicherten sich die Tampa Bay Rays, bevor in der vierten Partie knapp mit 4:3 erstmals die Houston Astros die Oberhand behielten. In der Best-of-7-Serie steht es somit 3-1, was für die Rays noch zwei alleinige Matchbälle bedeutet, während die Astros nur mit drei weitere Siegen hintereinander in die World Series einziehen würden. 

National League ChampionshipSeries
Auch in der NLCS brachte sich ein Team in eine starke Ausgangsposition, indem die ersten beiden Spiele gewonnen wurden. Überraschenderweise waren das die Atlanta Braves und nicht die hoch favorisierten Los Angeles Dodgers. Die Braves behielten bis gestern Nacht eine saubere Weste in den Playoffs mit einer Bilanz von sieben Siegen und null Niederlagen. Dann allerdings brachen im dritten Spiel alle Dämme (siehe „Spiel der Woche“). Ob das ein einmaliger Ausrutscher für die Braves war oder der entscheidende Umschwung zu Gunsten der Dodgers, werden die nächsten Tage oder eher die nächsten Nächte zeigen. 

Szene der Woche
Auf kaum ein Team traf je der Spruch „der Star ist die Mannschaft“ mehr zu als auf die Tampa Bay Rays. Nahezu jedes Spiel, das sie gewinnen, hat einen neuen Helden. Am Montag war es Manuel Margot, der mit gleich zwei aufsehenerregenden Szenen den Sieg über die Astros auf den Weg brachte: zuerst mit einem 3-Run-Homerun im ersten Inning, dann mit einem spektakulären Catch im zweiten Durchgang. 

Statistik der Woche 
3. So viele Starts hat Atlantas Rookie-Pitcher Ian Anderson in den Playoffs bisher absolviert und noch keinen einzigen gegnerischen Run zugelassen. Der 22-Jährige ist der erste Pitcher, dem dies in den ersten drei Postseason-Spielen seiner Karriere von je mindestens vier Innings gelang seit Christy Mathewson im Jahr 1905. 

Spiel der Woche
Nach zwei Niederlagen gegen die Braves waren die Dodgers gestern wild entschlossen, sich nicht sang- und klanglos aus den Playoffs zu verabschieden. Das machten sie sehr früher sehr eindrucksvoll klar. Noch bevor Atlanta auch nur einen Batter an die Platte schicken konnte, führten die Dodgers bereits 11:0. Elf Runs sind ein neuer Rekord für die meisten Runs, die jemals ein Team in einem einzelnen Inning eines Playoff-Spiels erzielt hat. Danach ließen sie es ruhiger angehen, legten in den beiden folgenden Innings noch vier Runs nach und brachten die Partie am Ende 15:3 nach Hause. 

Mein Einschalttipp
Bald ist es vorbei mit Live-Baseball für dieses Jahr und jedes verbleibende Spiel hat eine große Bedeutung auf dem Weg zur World Championship. Lasst euch also möglichst wenige Partien entgehen. Je nachdem, wie die Conference Championships weiter verlaufen, dauern diese noch bis Freitag, Samstag oder gar Sonntag. Am Dienstag beginnt dann die World Series 2020. Die genaue Startzeit wurde noch nicht bekannt gegeben, sie lag in den vergangenen Jahren immer bei ungefähr 2 Uhr nachts nach mitteleuropäischer Zeit. 

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