Juni 9th, 2016 by Silversurger

Die aufsehenerregendste Szene der vergangenen Tage war sicherlich der Fight zwischen Manny Machado und Yordano Ventura beim Spiel der Orioles gegen die Royals. Beide wurden inzwischen gesperrt – Machado für vier, Ventura für neun Spiele – und das ist auch gut so (wobei gegen solche Sperren fast immer Einspruch eingelegt wird und am Ende eine mildere Strafe herauskommt). Zum Glück wurde in den vergangenen Tagen aber auch viel Baseball gespielt und darauf werde ich mich in dieser ersten Folge des für jeden Donnerstag geplanten Rundum-Überblicks über die MLB konzentrieren.

National League

In der National League sind und bleiben die Chicago Cubs (41-17) das Maß aller Dinge. Sie haben sieben ihrer letzten zehn Spiele gewonnen, was ziemlich genau ihrem bisherigen Durchschnitt in der gesamten Saison entspricht. Wenn sie genau so weitermachen sind sie auf Kurs für 114 Siege in der regulären Saison, das wäre die beste Bilanz seit den Seattle Mariners im Jahr 2001. Besonders beeindruckend ist, dass die Cubs die NL sowohl in der Offensive (5.4 Runs pro Spiel, .351 Team-OBP) als auch in der Defensive (2.8 Runs Allowed pro Spiel, 2.56 Team-ERA) mit deutlichem Abstand anführen. In dieser Mannschaft scheint dieses Jahr so ziemlich alles zu stimmen und noch nicht mal von einem Ass wie Jake Arrieta kann man behaupten, dass er sonderlich herausragt – weil alle anderen um ihn herum fast genauso gut sind. Aber genug der Lobeshymnen. Auch die Cubs werden noch den einen oder anderen Slump durchmachen und selbst wenn die reguläre Saison weiterhin so glatt läuft wie bisher, zeigt das oben erwähnte Beispiel der Mariners, dass in den Playoffs alle wieder bei Null anfangen: Nach der Rekordsaison mit 116 Siegen verloren die Mariners 2001 die ALCS sang- und klanglos mit 1-4 gegen die Yankees, welche in der Saison 21 Spiele weniger gewonnen hatten.

Während es in der NL Central für Teams wie die Pittsburgh Pirates (32-27) und die St. Louis Cardinals (31-28) allenfalls noch um eine Wild Card geht, könnte es in der NL East zwischen den Washington Nationals (36-23) und den New York Mets (32-26) sowie in der NL West zwischen den San Francisco Giants (36-25) und den Los Angeles Dodgers (32-29) noch lange spannend bleiben. Dazu müssten allerdings die Mets langsam mal damit anfangen, ihrem überragenden Pitching halbwegs regelmäßig ein Mindestmaß an Run-Support zu spendieren. Und die Dodgers und die Giants müssen einen Weg finden, in ihrer Rotation mehr als zweieinhalb respektable Starter aufzubieten – oder sie lassen einfach beide alles so wie es ist, dann bleibt es ebenfalls spannend zwischen ihnen und die anderen drei Teams der Division können dieses Jahr ohnehin nicht mithalten.

Die Philadelphia Phillies (29-31) müssen sich unterdessen von der einige Wochen lang aufkeimenden Hoffnung auf eine Sensation wohl so langsam verabschieden. Nach sieben Niederlagen in den letzten zehn Spielen ist die Bilanz inzwischen negativ und das wird sie wohl auch bleiben. So viel Glück wie die Phillies in den ersten zwei Monaten der Saison hatten, als sie trotz deutlich negativer Rundifferenz mehr Spiele gewannen als sie verloren (sie stehen immer noch 15-5 in One-Run-Games) und Tuchfühlung zu den Mets und den Nats hielten, hat niemand auf Dauer.

American League

In der American League geht es bislang deutlich ausgeglichener zu: Kein Team ragt so deutlich heraus wie die Cubs in der NL und mit den Minnesota Twins (18-40) gibt es auch nur einen einzigen Club, der unter 40% seiner Spiele gewonnen hat und damit bereits weit abgeschlagen ist.

Auf den vorderen Plätzen ist in allen drei Divisionen Hochspannung angesagt: In der AL East haben die Baltimore Orioles (35-23) den Boston Red Sox (34-25) frisch die Führung entrissen, dahinter machen sich auch die Toronto Blue Jays (32-29) noch berechtigte Hoffnung, ein Wörtchen mitreden zu dürfen. Für sie wird wegweisend sein, was dabei herauskommt, wenn es in den nächsten elf Spielen siebenmal gegen die Orioles geht.

In der AL Central haben die Cleveland Indians (32-26) momentan die Nase vor den Detroit Tigers und den Kansas City Royals (jeweils 30-29), wobei Letztere gerade sieben Spiele in Folge verloren haben. Plötzlich nur noch Vierter und damit unsanft vom Höhenflug gelandet sind nach zwölf Niederlagen in den letzten vierzehn Spielen die Chicago White Sox (29-30), bei denen vor allem die Defense momentan nur noch ein Schatten vergangener Wochen ist.

Die Texas Rangers (36-23) haben hingegen acht der letzten zehn Spiele gewonnen und sich damit an der Spitze der AL West etwas von den Seattle Mariners (33-26) abgesetzt, vor allem durch einen 3-0-Sweep gegen den direkten Konkurrenten.

Spielzug der Woche

Das sehenswerteste Play der vergangenen Tage war für mich (mal wieder) ein sagenhafter Catch des Mets-Gold-Glovers Juan Lagares. Diese Heldentat im Spiel gegen die Marlins letzten Samstag war nicht nur unnachahmlich und schön anzusehen sondern wahrscheinlich auch spielentscheidend, denn beim Stand von 2:3 aus Sicht der Mets mit zwei Runnern in Scoring Position bewahrte die Aktion sie vor einem hohen Rückstand, von dem sie sich vielleicht nicht mehr erholt hätten. So aber gewannen die Mets am Ende 6:4. Einziger Wermutstropfen: Lagares verletzte sich dabei am Daumen und muss deshalb ein paar Tage pausieren.

Spiel der vergangenen Woche

Diese Wahl fällt einfach, denn der Comeback-Sieg der Seattle Mariners gegen die San Diego Padres am vergangenen Donnerstag war einfach nur unglaublich. Nach fünf Innings führten die Padres mit 12:2. Im sechsten Inning verlor Starter Colin Rea die Kontrolle und ließ fünf Runs zu, aber die Padres führten danach immerhin noch mit 12:7. Im siebten Inning ließen drei Reliever vierzehn Batter an den Schlag kommen und kassierten neun Runs zum 12:16. Das Spiel endete 16:13 für Seattle, es war das höchste Comeback in einem MLB-Spiel seit sieben Jahren.

Spiel der kommenden Woche

Am Samstag lohnt es sich, früh aufzustehen, denn um 4:15 Uhr mitteleuropäischer Zeit treffen zum Auftakt einer Drei-Spiele-Serie die San Francisco Giants auf die Los Angeles Dodgers, angeführt von Johnny Cueto (ERA 2.16) und Clayton Kershaw (ERA 1.46).

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