November 2nd, 2020 by Silversurger

Seit heute läuft offiziell die Free Agency der MLB. Jeder Spieler, der keinen laufenden Vertrag hat, kann nun frei mit interessierten Klubs verhandeln und einen neuen Kontrakt unterzeichnen.

Erfahrungsgemäß zieht sich die Free Agency im Baseball über die gesamte Offseason hin, anders als beispielsweise im Football oder in anderen Sportarten mit einer Salary Cap, also einer festen Obergrenze für Spielergehälter. Dieses Jahr könnte die Sache sogar noch ein bisschen zäher werden als sonst, weil auf allen Seiten eine große Unsicherheit in Bezug auf die Pandemielage und die Rahmenbedingungen der kommenden Saison herrscht.

Sechs Spieler haben von ihrem bisherigen Team ein sogenanntes Qualifying Offer erhalten. Das heißt, sie können innerhalb von zehn Tagen für ein Festgehalt von 18,9 Millionen Dollar ein weiteres Jahr bei dem Verein unterschreiben. Lehnt ein Spieler ein Qualifying Offer ab und unterschreibt anderswo, muss der neue Verein dem abgebenden Klub eine Kompensation in Form von Draftpicks bezahlen. Letzteres ist der Hauptgrund dafür, dass die Klubs Qualifying Offers aussprechen. Tatsächlich annehmen werden das Angebot nur wenige der Spieler, da die meisten von ihnen sich ausrechnen, mehr Geld und/oder längere Laufzeiten herausholen zu können.

Insgesamt handelt es sich in meinen Augen um eine eher schwache Free-Agent-Klasse, jedenfalls in dem Sinne, dass die ganz großen Namen fehlen. Mookie Betts hätte die Liste locker angeführt, doch die Dodgers haben sich seine langfristigen Dienste klugerweise schon vor einigen Monaten gesichert, solange sie noch das alleinige Recht hatten, mit ihm zu verhandeln. Zugute halten muss man der Free-Agent-Klasse 2020, dass recht ausgeglichen von allen Positionen und Spielertypen etwas dabei ist.

Hier mein Top-20-Ranking der wichtigsten Free Agents dieser Offseason (die Klammerangabe „QO“ weist auf das Vorliegen eines Qualifying Offers hin):

  1. J. T. Realmuto, C, 29 Jahre alt, bisher Philadelphia Phillies (QO)
    Catcher, die sowohl defensiv als auch offensiv das Team bereichern, findet man nicht allzu leicht. Realmuto ist auf seiner Position vermutlich der beste Spieler der Liga, in jedem Fall ist er mit großem Abstand der beste verfügbare Catcher der diesjährigen Free Agency. Er wird einen lukrativen Langzeitvertrag verlangen, und er wird ihn bekommen.
    Favoriten: Phillies, Mets, Yankees
  2. Trevor Bauer, RHP, 29, Cincinnati Reds (QO)
    Auch Bauer hätte nach seiner hervorragenden Saison, die nächste Woche möglicherweise noch mit dem Cy-Young-Award der NL gekrönt wird, gute Chancen auf einen langfristigen Kontrakt. Der exzentrische Pitcher vertritt allerdings seit Jahren die Position, ausschließlich Einjahresverträge zu unterschreiben, weil er glaubt, damit sein Karriere-Einkommen maximieren zu können.
    Favoriten: Padres, White Sox, Yankees, Angels
  3. George Springer, OF, 31, Houston Astros (QO)
    Wenn man seine Verletzunsgeschichte außen vor lässt, ist Springer sicher einer der besten Leadoff-Hitter der MLB, obendrein ein starker Centerfielder und zudem erfahren und erfolgreich in Meisterschaftsspielen. Er stammt aus Connecticut und ließ bereits verlauten, dass er gerne wieder näher an der Heimat wäre. Alles zusammen liest sich wie ein Bewerbungsschreiben für die Mets.
    Favoriten: Mets, Braves, Astros
  4. D. J. LeMahieu, IF, 32, New York Yankees (QO)
    LeMahieu kam vor zwei Jahren als vermeintlicher Ergänzungsspieler zu den Yankees, mauserte sich aber zur klaren Führungsfigur auf dem Platz und jenseits davon. Die Yankees werden kein Interesse haben, ihn gehen zu lassen, doch möglicherweise setzt sich auch bei dem Kalifornier die Sehnsucht nach der Heimat durch.
    Favoriten: Yankees, Dodgers
  5. Marcus Stroman, RHP, 29, New York Mets (QO)
    Mit dem Opt-Out aus der Corona-Saison 2020 im Anschluss an eine Verletzung schienen Stromans Tage bei den Mets gezählt. Doch die Annahme des Qualifying Offers, um ein Jahr zu überbrücken und mit Leistung für einen größeren Zahltag 2021/22 zu werben, könnte für ihn die sinnvollste Option sein.
    Favoriten: Mets, White Sox, Angels
  6. Marcell Ozuna, OF, 30, Atlanta Braves
    Ozuna gehört zum zweiten Mal hintereinander zu den interessantesten Free Agents. Letztes Jahr schloss er eine Wette auf sich selbst ab, indem er sich mit einem Einjahresvertrag über 18 Millionen bei den Braves begnügte. Die Taktik, sich mit einer starken Saison für dieses Jahr in eine bessere Position für einen noch größeren Vertrag zu bringen, könnte aufgehen, denn die starke Saison hat er definitiv abgeliefert. Als eher schwacher Defender dürfte er, solange keine universelle DH-Regel beschlossen ist, vor allem für AL-Teams interessant sein.
    Favoriten: Red Sox, White Sox, Rangers
  7. Charlie Morton, RHP, 36, Tampa Bay Rays
    Trotz seines fortgeschrittenen Alters ist Morton einer der besten Pitcher auf dem Markt. Er könnte ein Schnäppchen sein, nachdem die Rays überraschend auf das Ziehen einer Vertragsoption verzichtet haben, die ihn für 15 Millionen in Tampa Bay gehalten hätte.
    Favoriten: Red Sox, Rays, Marlins
  8. Justin Turner, 3B, 35, Los Angeles Dodgers
    Seinem Ruf als Führungsspieler und Publikumsliebling hat Turner einen harten Schlag versetzt, als er sich bei der World-Series-Feier mit distanzlosem Feiern trotz positivem Coronatest in die Schusslinie der Kritik brachte. Davon abgesehen ist er einer der besten und erfahrensten Third Basemen der Liga.
    Favoriten: Dodgers, Braves, Orioles
  9. Marcus Semien, SS, 30, Oakland Athletics
    Semien konnte seine Breakout-Saison 2019 nicht wiederholen, ist aber dennoch der beste Shortstop auf dem Markt und somit einen Blick wert für Teams, die einen entsprechenden Bedarf haben und sich keinen Trade für Francisco Lindor oder Trevor Story leisten können oder wollen.
    Favoriten: Athletics, Reds
  10. Michael Brantley, OF, 33, Houston Astros
    Brantley hatte schon diverse Verletzungsprobleme und kommt gerade in ein Alter, in dem diese typischerweise eher mehr als weniger werden. Solange er gesund ist, ist er ein herausragender Kontakthitter mit solider Power. Auf Dauer dürfte er vor allem für Teams interessant sein, die ihn als DH einsetzen können.
    Favoriten: Astros, Yankees, Twins
  1. Didi Gregorius, SS, 30, Philadelphia Phillies
  2. Masahiro Tanaka, RHP, 32, New York Yankees
  3. Liam Hendriks, RHP, 31, Oakland Athletics
  4. Nelson Cruz, DH, 40, Minnesota Twins
  5. James Paxton, LHP, 31, New York Yankees
  6. Kolten Wong, 2B, 30, St. Louis Cardinals
  7. Jackie Bradley Jr., OF, 30, Boston Red Sox
  8. Taijuan Walker, RHP, 28, Toronto Blue Jays
  9. Andrelton Simmons, SS, 31, Los Angeles Angels
  10. Yadier Molina, C, 32, St. Louis Cardinals

Knapp verpasst haben die Liste: RHP Kevin Gausman (QO), OF Joc Pederson, OF Brett Gardner, LHP Mike Minor, C James McCann, RHP Jake Odorizzi, IF Tommy LaStella.

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August 20th, 2020 by Silversurger

Die MLB-Saison läuft auf vollen Touren. Das klingt wie ein Allgemeinplatz, ist aber tatsächlich eine hochaktuelle Meldung: Gestern war nämlich der erste Tag seit über drei Wochen, an dem kein Team coronabedingt pausieren musste. Die Cardinals, die es besonders schwer erwischt hatte, sind seit Samstag wieder im Rennen. Ab demselben Tag mussten einige Reds-Spiele wegen eines positiven Testergebnisses ausfallen. Da diese Infektion eines einzelnen, namentlich nicht genannten Spielers offenbar keine weiteren Kreise zog, konnten die Reds schon gestern mit einem Doubleheader gegen die Royals wieder ins Geschehen eingreifen.

American League
In der Tabelle der AL East sind die New York Yankees (16-8) plötzlich nicht mehr unangefochten – zwei Niederlagen gegen den direkten Konkurrenten Tampa Bay Rays (16-9) haben dazu geführt, dass die Rays nach Siegen gleichgezogen haben. Mit neun gewonnenen Spielen aus den letzten zehn ist Tampa Bay zurzeit das heißeste Team der Liga, und wenn heute Abend (siehe „Einschalttipp“) ein weiterer Erfolg gelingt, übernehmen sie die Führung der Division. Die Yankees leiden derweil mal wieder unter dem Verletzungspech, das ihnen seit Jahren ein treuer Begleiter ist. Mit Giancarlo Stanton, Aaron Judge und DJ LeMahieu landeten in der vergangenen Woche drei ihrer herausragenden Batter auf der Injury List. Auch die Teams in der zweiten Reihe der AL East sind sich in den letzten Tagen direkt begegnet: Die überraschend gut gestarteten Baltimore Orioles (12-12) unterlagen dreimal hintereinander den Toronto Blue Jays (10-11), wodurch die Lücke zwischen den beiden fast geschlossen wurde. Die Boston Red Sox (7-18) befinden sich derweil weiterhin im freien Fall, weisen mittlerweile den zweitschlechtesten Record und die schlechteste Run-Differenz (-49) der MLB auf.

Die AL Central wird nach wie vor von den Minnesota Twins (16-9) angeführt, doch die Cleveland Indians (15-9) mit zuletzt fünf Siegen in Folge bleiben dran. Hier wird es vor allem nächste Woche von Dienstag bis Donnerstag spannend, wenn die beiden eine Serie gegeneinander spielen. Zu den Indians ist noch zu erwähnen, dass es nach dem letzte Woche erwähnten Zwischenfall um Mike Clevinger und Zach Plesac ein Team-Meeting gab. Darin äußerten mehrere Spieler offen ihren Ärger über die beiden Pitcher, die mit einem abendlichen Ausflug die Pandemieregeln verletzt und anschließend darüber gelogen hatten. Mindestens ein Mitspieler drohte offen an, aus der Saison auszusteigen, falls Clevinger und Plesac kurzfristig in den Kader zurückkehren sollten. Das wird erst mal nicht passieren, die beiden trainieren zurzeit an einem gesonderten Standort. Wie es mit ihnen weitergeht, ob man ihnen nach einer angemessen langen Quarantäne verzeiht oder ob man versucht sie zu traden, bleibt abzuwarten. Zurück zum Sport: Das junge Team der Chicago White Sox (14-11) hat in den letzten Tagen in einen Rhythmus gefunden und könnte der lachende Dritte werden, wenn sich die Twins und die Indians nächste Woche gegenseitig die Punkte wegnehmen. Davor steht für die White Sox allerdings noch das Derby gegen die Cubs übers Wochenende. Hinter den drei erwähnten Teams tut sich schon eine gewisse Kluft auf: Die Detroit Tigers (9-13) und die Kansas City Royals (10-15) werden erwartungsgemäß mit den Playoffs nichts zu tun haben.

Ziemlich sicher dürfte hingegen schon jetzt die Playoff-Teilnahme der Oakland Athletics (17-8) sein. Die A’s haben nach wie vor die beste Bilanz der gesamten AL. Ihr Hauptkonkurrent um den ersten Platz der AL West sind inzwischen die Houston Astros (14-10), die sich nach ihrem durchwachsenen Start mit einer Serie von sieben Siegen zurück ins Rennen gearbeitet haben. Kurioserweise weisen die Athletics und die Astros momentan exakt dieselben Zahlen sowohl erzielter (126) als auch kassierter (99) Runs auf. Am Wochenende wartet auf Houston eine schwere Aufgabe in Form der Padres. Die haben gerade drei Spiele gegen die Texas Rangers (10-13) gewonnen und damit deren Hoffnungen auf eine gute Saison einen herben Dämpfer versetzt. Bei den Los Angeles Angels (8-17) und den Seattle Mariners (8-18) sind derartige Hoffnungen bereits begraben.

National League
Kommen wir zur spannendsten Division der Liga, der NL East. Der Vorsprung der führenden Atlanta Braves (14-11) auf die letztplatzierten Washington Nationals (9-12) beträgt gerade mal drei Spiele. Zum Vergleich: In den anderen Divisionen der NL ist schon der Abstand zwischen Platz eins und zwei größer als in der East jener zwischen eins und fünf. Die Ausgeglichenheit spiegelt sich auch in den jüngsten Ergebnissen wieder: Die Braves und die Nationals sowie die Philadelphia Phillies (9-10) und die New York Mets (12-14) haben von ihren letzten zehn Spielen jeweils fünf gewonnen und fünf verloren. Nur die Miami Marlins (9-9) fallen etwas aus der Reihe. Sie hatten vor und kurz nach ihrer Coronapause einen überraschenden Traumstart, befinden sich nun aber mit fünf Niederlagen hintereinander gegen die Braves und die Mets klar auf dem absteigenden Ast.

Einen Traumstart hatten auch die Chicago Cubs (16-8) in der NL Central. Davon zehren sie nach wie vor, denn auch wenn sie fünf ihrer letzten acht Spiele verloren haben, schickt sich innerhalb der Division niemand an, ihnen ernsthaft das Leben schwer zu machen. Eine ausgeglichene Bilanz reicht den Milwaukee Brewers (10-10) für Platz zwei, dahinter folgen die St. Louis Cardinals (6-7). Die Cardinals haben angesichts ihrer vielen Nachholspiele noch reichlich Gelegenheit, das Feld von hinten aufzurollen – ich würde allerdings eher damit rechnen, dass die zahlreichen vorgesehenen Doubleheader auf Dauer zu viel Kraft kosten. Auch die Cincinnati Reds (10-12) haben noch Spiele nachzuholen und könnten für eine Überraschung gut sein, zumal sie nun 15-mal hintereinander ausschließlich gegen die Cubs, die Brewers und die Cardinals antreten. Die Pittsburgh Pirates (4-16) sind bisher mit Abstand das schwächste Team der gesamten Liga und auf dem Weg zu einer historischen Saison: Ihre bisherige Siegquote von 20% wäre die schlechteste eines Major-League-Teams seit 140 Jahren.

In der NL West hat sich in der vergangenen Woche einiges gerade gerückt in Richtung der Verhältnisse, die man vor der Saison erwartet hatte. Damit meine ich insbesondere, dass die Los Angeles Dodgers (18-8) sich klar vom Rest des Feldes abgesetzt haben und dass die furios gestarteten Colorado Rockies (13-11) gegenüber den San Diego Padres (14-12) und den Arizona Diamondbacks (13-12) auf Normalmaß zurückgeschrumpft sind. Zwischen diesen drei Teams dürfte der Rest der Saison ein richtig spannendes Hauen und Stechen um Platz zwei und vielleicht den einen oder anderen Wild-Card-Platz werden. Schon etwas abgeschlagen sind in dieser Division einzig die San Francisco Giants (10-16).

Szene der Woche
Darf man bei einer 7-Run-Führung und geladenen Bases im achten Inning nach einem 3-0-Pitch schlagen? Die offensichtliche Antwort des Regelbuches lautet „na klar“. Aber im Baseball gibt es bekanntlich auch noch die sogenannten ungeschriebenen Regeln. Das Problem mit diesen Regeln ist, dass niemand genau sagen kann, wie sie lauten, weil sie – nun ja: ungeschrieben sind. Relativ einig ist man sich, dass bei einer hohen Führung keine besonderen Aktionen wie ein überraschender Bunt oder das Stehlen einer Base versucht werden, weil man den Gegner nicht unnötig demütigen soll. So weit, so gut, aber gehört dazu auch, dass man nicht den Schläger schwingen darf, wenn man einen Fastball in der Mitte der Strikezone serviert bekommt? Bei den Texas Rangers scheinen einige das so zu sehen, unter anderem Pitcher Ian Gibaut, der den Grand Slam von Fernando Tatis Jr. damit „bestrafte“, den nächsten Pitch in Richtung des Kopfes von Manny Machado zu werfen. Ganz ehrlich: So etwas hat für mich nichts mit ungeschriebenen Regeln zu tun, sondern einzig und allein mit schlechten Verlierern.

Statistik der Woche 
6. So viele Spiele mit 3 Homeruns in der Karriere eines Spielers sind MLB-Rekord. Gehalten wird dieser von drei Spielern: von Johnny Mize, der seine sechs 3-Homer-Auftritte von 1938 bis 1950 hatte, von Sammy Sosa mit derselben Leistung in den Jahren 1996 bis 2002 und seit letzten Donnerstag auch von Mookie Betts. Zweimal im Jahr 2016, zweimal 2018, einmal 2019 und nun das erste Mal 2020 schlug Betts den Ball dreifach über den Zaun. Da er erst 27 Jahre alt ist und bei den Dodgers erst kürzlich einen Vertrag bis 2033 unterschrieben hat, stehen die Chancen für ihn gut, sich früher oder später den alleinigen Rekord zu sichern.

Spiel der Woche
Hier kann diese Woche nur die Partie zwischen den Minnesota Twins und den Milwaukee Brewers von Dienstagnacht stehen. Acht Innings lang war es die Show von Twins-Starter Kenta Maeda, der den Brewers keinen Hit erlaubte. Im neunten Inning endete der No-Hitter beim Stand von 3:0 für die Twins durch einen Schlag von Eric Sogard, der haarscharf an Jorge Polancos Handschuh vorbei ging. Ein schwacher Auftritt von Minnesotas Closer Taylor Rogers und ein Error von Infielder Ildemado Vargas ermöglichten den Brewers, den Spielstand auszugleichen. Es folgten drei Extra-Innings mit diversen interessanten Szenen: der Ejection von Twins-1B Marwin Gonzalez, die Catcher Mitch Garver zwang, die für ihn ungewohnte Position zu übernehmen; einem Inning, in dem die Twins nur zwei Batter an die Platte schickten (das dritte Out war der automatische Runner nach der neuen Extra-Innings-Regel); einem sehenswerten Diving-Catch von Max Kepler; und schließlich dem Walkoff-Sieg der Twins durch ein Single von Polanco.

Mein Einschalttipp
Von einem Showdown zu sprechen, ist sicher noch verfrüht, doch immerhin steht beim heutigen Besuch der Tampa Bay Rays in Yankee Stadium die Tabellenspitze der AL East auf dem Spiel. Die Rays haben die ersten beiden Partien der Serie mit 6:3 und 4:2 gewonnen – mathematisch würde ich im dritten Spiel ein 2:1 erwarten, aber so vorhersehbar ist Baseball zum Glück nicht. Für die Yankees wäre es das erste Mal seit drei Jahren, dass sie im eigenen Stadion einen 3-Spiele-Sweep erleiden. Verhindern soll dies Starting Pitcher James Paxton (7.04 ERA, 4.97 FIP), der in diesem Jahr allerdings bislang noch nicht seine gewohnte Form gefunden und deutlich an Wurfgeschwindigkeit eingebüßt hat. Die Rays verzichten auf einen klassischen Starter, John Curtiss (2.84 ERA, 2.99 FIP) wird für sie als Opener ins Spiel gehen. Ich werde heute Abend ab 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf jeden Fall reinschauen. Die Möglichkeit dazu gibt es wie immer auf mlb.tv, und erfreulicherweise hat sich auch DAZN entschieden, die Partie zu übertragen.

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August 13th, 2020 by Silversurger

Covid-19 und kein Ende in Sicht: Nachdem am letzten Wochenende neue Fälle bei den St. Louis Cardinals auftraten, mussten bis einschließlich heute alle Spiele der Cardinals abgesagt werden. Zudem sahen sich die Cleveland Indians zu internen Sperren gezwungen, weil ihre Pitcher Zach Plesac und Mike Clevinger sich am Samstag ins Nachtleben von Chicago gestürzt und damit die Pandemieregeln der Liga verletzt hatten. Aus Sorge, dass Corona-Ausbrüche nach der regulären Saison auch die Playoffs durcheinander wirbeln könnten, wird inzwischen immer lauter darüber nachgedacht, die Postseason in einer Bubble auszutragen. Das würde bedeuten, dass man zwei bis drei Stadien auswählt, in denen sämtliche Playoffspiele stattfinden, während die Teams in nahe gelegenen Hotels so weit wie möglich von der Außenwelt isoliert werden. Die Entscheidung, ob man einen solchen Weg gehen möchte, wird aber erst für September erwartet.

National League
In der Tabelle der NL East stehen nach wie vor die Miami Marlins (8-4) an der Spitze, wenngleich ihr Höhenflug nach dem verblüffenden 7-1-Start erst mal gestoppt scheint. Am Wochenende müssen die Marlins dreimal gegen die Atlanta Braves (11-9) ran, den eigentlichen Favoriten der Division, der selbst gerade drei Niederlagen hinter sich hat und auf Wiedergutmachung aus sein wird. Die anderen Teams der ursprünglich als besonders stark eingeschätzten Division bleiben bisher allesamt hinter den Erwartungen zurück: Bei den Washington Nationals (6-8) funktioniert die Offensivabteilung nur sporadisch, während die New York Mets (8-11) Probleme haben, regelmäßig verlässliche Starting Pitcher aufzustellen. Noah Syndergaard fällt nach seiner Tommy-John-Surgery vom März das ganze Jahr aus; Marcus Stroman wird dieses Jahr ebenfalls nicht pitchen, nachdem er sich in der Gemengelage um seine Wadenverletzung und die Corona-Pandemie für den Opt-Out entschieden hat; Steven Matz befindet sich zudem in einer tiefen Formkrise. Die Philadelphia Phillies (5-8) haben gerade zweimal gegen die Orioles verloren und brauchen im „Duell der Enttäuschten“ mit den Mets am Wochenende einen Erfolg, wenn sie die Playoff-Hoffnungen nicht früh begraben wollen.

In der NL Central geben nach wie vor die Chicago Cubs (12-3) unangefochten den Ton an. Ihre Bilanz nach dem ersten Viertel der Saison ist die beste der gesamten MLB, während die Cincinnati Reds (8-10) und die Milwaukee Brewers (7-9) den Erwartungen bisher nicht gerecht werden. In den kommenden Tagen treffen die Brewers viermal auf die Cubs, sodass das Wochenende entweder eine frühe Vorentscheidung oder neue Spannung bringen kann. Die St. Louis Cardinals (2-3) sind bisher noch kaum zu beurteilen – man kann ihnen nur wünschen, dass sie ihren Corona-Ausbruch endlich im Griff haben und noch eine halbwegs reguläre Restsaison spielen können. Dass sie es dabei noch auf 60 Spiele bringen, erscheint inzwischen unwahrscheinlich.

Hochspannung in der NL West hätte man angesichts der klaren Favoritenstellung der Los Angeles Dodgers (12-7) eher nicht erwartet, aber die Colorado Rockies (12-6) und die San Diego Padres (11-8) sorgen mit starken Leistungen bislang für ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Im direkten Duell mit den Padres mussten die Dodgers in den letzten drei Tagen zwei Niederlagen hinnehmen. In der kommenden Nacht bekommen die Padres die Gelegenheit, durch einen weiteren Sieg mit den Dodgers gleichzuziehen (siehe „Einschalttipp“).

American League
In der AL East werden die New York Yankees (12-6) ihrer Favoritenrolle schon seit Beginn gerecht. Die Tampa Bay Rays (11-8), die vor der Saison als einziger ernsthafter Konkurrent der Yankees galten, hatten hingegen einen eher holprigen Start. Den scheinen sie nun aber hinter sich gelassen zu haben. Die letzten sieben Tage bestanden für sie aus einer 3-1 gewonnenen Serie gegen die Yankees sowie aus drei Siegen gegen die Boston Red Sox (6-12), die sie heute als Vier-Spiele-Sweep abzuschließen hoffen. Überraschenderweise finden sich auch die Baltimore Orioles (9-7) mit einer positiven Bilanz wieder. Vier Siege in Folge, je zwei gegen die Nationals und die Phillies, machen es möglich. Wäre nicht der Regen dazwischen gekommen, wären es möglicherweise fünf geworden: Die dritte Partie gegen die Nationals wurde beim Stand von 5:2 für die Orioles im sechsten Inning abgebrochen. Sie wird morgen in Baltimore zu Ende gespielt, direkt vor Beginn der nächsten Serie gegen Washington.  

Die Minnesota Twins (12-7) führen die AL Central an. Dass sie eine überragende Offense auf den Platz bringen, war vor der Saison klar. Etwas überraschend ist hingegen, wie sehr sie auch im Pitching überzeugen. 65 zugelassene Runs sind die zweitwenigsten der gesamten AL. Im Gegensatz zu den auf beiden Seiten des Balls starken Twins sind die Cleveland Indians (10-9) ein ziemlich extremer Fall: Absolut herausragendes Pitching paart sich bei ihnen mit häufiger Abwesenheit von offensiver Unterstützung. Immerhin bringen sie es auf diese Weise mit nur 62 erzielten Runs und trotz der beiden deutlichen Niederlagen gegen die Cubs noch auf ein Run Differential von +11. Die drei restlichen Teams der Division hingegen weisen trotz jeweils über 20 mehr erzielten Runs allesamt negative Run Differentials auf.

Gefühlt wird deutlich mehr über die Yankees und die Twins gesprochen als über die Oakland Athletics (13-6). Tatsächlich sind aber die A’s das Team mit sowohl der besten Bilanz der AL als auch mit dem deutlichsten Vorsprung innerhalb ihrer Division, der AL West. Alle anderen Teams der Division weisen eine negative Bilanz auf, auch die Houston Astros (8-10). Im direkten Aufeinandertreffen der Athletics und der Astros gab es am letzten Wochenende einen Sweep der A’s und im letzten der drei Spiele unschöne Szenen. Oaklands Outfielder Ramon Laureano wurde von den Pitchern der Astros während der Serie mehrmals abgeworfen. Nach dem dritten solchen Vorfall begann Laureano eine hitzige Diskussion, zuerst mit dem Übeltäter Humberto Castellanos, dann mit Houstons Hitting-Coach Alex Cintron. Schließlich warf Cintron seinen Helm auf den Boden und ging auf Laureano los, woraufhin eine größere Rangelei zwischen beiden Teams ausbrach. Mutmaßlicher Hintergrund der Ereignisse ist der Sign-Stealing-Skandal um die Meistersaison 2017 der Astros. Diesen hatte Mike Fiers ans Licht gebracht, der damals bei den Astros gespielt hatte und heute für die Athletics aktiv ist. Die Liga hat dieses Jahr eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Brawls, weswegen die Strafen relativ hart ausfielen: Laureano wurde für sechs Spiele gesperrt, Cintron für 20. Cintrons Sperre läuft bereits, während Laureano Einspruch gegen das Strafmaß eingelegt hat und bis zur Entscheidung noch spielen darf.   

Szene der Woche
Wenn ihr Baseball seit weniger als fünf Jahren verfolgt, habt ihr vermutlich noch nie einen 4-Base-Error gesehen – also einen einzelnen Fehler im Feldspiel, der dem Gegner vier Bases „schenkt“. Zum ersten Mal seit April 2015 gab es am Sonntag ein solches Missgeschick. Der Pechvogel, dem es unterlief, ist Rookie-Outfielder Jo Adell von den Los Angeles Angels. Er bekam einen Flyball von Nick Solak (Texas Rangers) scheinbar sicher in den Handschuh, doch der Ball hüpfte heraus und über den Zaun. Der Scorer wertete die Aktion zunächst als Homerun, korrigierte sich aber später und trug sie als Error ein – zum Ärger von beiden beteiligten Spielern.

Statistik der Woche 
.472. Das ist der aktuelle Batting Average von Charlie Blackmon. Er liegt damit zurzeit an der Spitze der Liga, gefolgt von Donovan Solano (Giants) mit .458 und DJ LeMahieu (Yankees) mit .431. Nachdem schon mehr als ein Viertel der Saison absolviert ist, darf man sich fragen, ob dies das Jahr ist, in dem es zum ersten Mal seit Ted Williams 1941 (.406) wieder einem Batter gelingt, über eine gesamte Saison hinweg über .400 zu schlagen.

Spiel der Woche
Das Besondere an meinem Spiel der Woche ist, dass es das erste Major-League-Spiel in Buffalo seit 1915 war. Die Toronto Blue Jays haben in dem Ballpark im Norden des Bundesstaats New York Quartier bezogen, weil die kanadischen Behörden keine Genehmigung für MLB-Spiele und den damit verbundenen Reiseverkehr in Toronto erteilt haben. Dass der Heimauftakt der „Buffalo Blue Jays“ gegen die Miami Marlins vom Dienstag obendrein ein unterhaltsames Spiel mit mehreren Führungswechseln und einer Verlängerung war, machte mir die Wahl umso leichter:

Mein Einschalttipp
Diese Woche habe ich einen Tipp für die Frühaufsteher unter euch: Morgen um 3:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit steigt Spiel vier der Serie zwischen den Los Angeles Dodgers und den San Diego Padres. Die Dodgers taten sich bislang schwer mit den Padres, vor allem in den beiden ersten Partien (1:2 und 2:6) wollte die sonst so gefürchtete Offense nicht recht in Schwung kommen. Nach einem 6:0-Erfolg im dritten Spiel peilen die Dodgers nun an, zumindest mit einem Split aus der Reihe zu gehen. Leicht wird es sicher nicht gegen Chris Paddack (3.18 ERA, 3.87 FIP), das Ass der Padres. Für die Dodgers wird Julio Urias (2.40 ERA, 2.90 FIP) auf dem Mound stehen. Mit Urias ist man bisher nur teilweise zufrieden: Auf der einen Seite hat er in seinen bisherigen Starts kaum gegnerische Punkte zugelassen, auf der anderen Seite hat er viele Pitches gebraucht und damit in seinen drei Spielen nur 15 Innings abgedeckt.

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Juli 9th, 2020 by Silversurger

Heute in zwei Wochen beginnt die MLB-Saison. Zum Eröffnungstag sieht der frisch veröffentlichte Spielplan gleich zwei Knallerbegegnungen vor. Was er nicht vorsieht, ist ein All-Star-Game. Das Schaulaufen der Stars fällt dieses Jahr dem Coronavirus zum Opfer. Der ursprünglich vorgesehene Austragungsort, Dodger Stadium in Los Angeles, wird stattdessen erst 2022 das Event veranstalten.

Die Highlights des Spielplans
Zum Saisonstart treten am 23. Juli die New York Yankees beim Titelverteidiger Washington Nationals an. Dabei könnte es zur Neuauflage eines Pitcherduells aus der letzten World Series kommen, wenn die Yankees Gerrit Cole und die Nationals Max Scherzer ins Rennen schicken. Die zweite Partie am Eröffnungstag ist der Klassiker Los Angeles Dodgers gegen San Francisco Giants. Am Tag darauf – Freitag, den 24. Juli – steigt der Rest der Liga in den Spielbetrieb ein. Das wichtigste Ereignis dieses Tages wird das Heimspiel der Texas Rangers gegen die Colorado Rockies sein, denn es ist das Eröffnungsspiel des neuen Stadions der Rangers, Globe Life Field. Am 13. August wird ein weiterer Ballpark Premiere feiern: das „Field of Dreams“, das zur Ehre des gleichnamigen Films in den Maisfeldern von Iowa errichtet wurde. Ursprünglich sollten dort die Yankees gegen die Chicago White Sox spielen. Da diese Partie im Spielplan nicht vorgesehen ist, treten die White Sox stattdessen gegen die St. Louis Cardinals an. Ihren Abschluss findet die Saison – von möglichen Tiebreaker-Spielen abgesehen – am 27. September, an dem alle Teams gleichzeitig das letzte ihrer 60 Spiele absolvieren. Von den je 60 Partien jeder Mannschaft werden 40 innerhalb der eigenen Division ausgetragen und die restlichen 20 als Interleague-Spiele gegen die entsprechende Division der anderen Liga, also NL East gegen AL East usw. Auf alle anderen Teams kann man lediglich in den Playoffs treffen.

38 Positive in erster Testrunde
Wie im Hygieneplan für die Saison vorgesehen, haben alle Mannschaften ihre Camps mit umfassenden Corona-Tests begonnen. Dabei lief noch nicht alles rund: Mehrere Teams mussten zwischendurch mit dem Training aussetzen, weil die Testergebnisse nicht schnell genug aus dem Labor kamen. Die MLB sucht nun nach zusätzlichen Kapazitäten, um Verzögerungen während der Saison auszuschließen. Die ersten Tests haben bereits einige Infektionen mit dem Coronavirus nachgewiesen, wenngleich immerhin weniger als befürchtet: Von über 3000 im ersten Durchgang getesteten Personen waren 38 corona-positiv, darunter 31 Spieler. Namen werden seitens der Liga nicht genannt, die Spieler entscheiden selbst, ob sie ihre Diagnose öffentlich machen. Braves-1B Freddie Freeman, Yankees-2B DJ LeMahieu, Royals-Catcher Salvador Perez und Red-Sox-Starter Eduardo Rodriguez sind einige prominente MLB-Profis, die offen damit umgehen, an Covid-19 erkrankt zu sein.

Price, Markakis und Weitere verzichten
Nachdem letzte Woche schon Mike Leake, Ian Desmond, Joe Ross und Ryan Zimmerman bekannt gegeben hatten, wegen Bedenken angesichts der Corona-Situation auf ihre Teilnahme an der Saison 2020 zu verzichten, sind inzwischen noch einige Namen hinzu gekommen. Dodgers-Pitcher David Price, Braves-3B Nick Markakis, Braves-Pitcher Felix Hernandez, Nationals-Catcher Welington Castillo und Free-Agent-Pitcher Tyson Ross werden dieses Jahr nicht spielen. Angels-Outfielder Mike Trout und Phillies-Pitcher Zack Wheeler haben das Training mit ihren Teams aufgenommen, denken aber offen darüber nach, aus Rücksicht auf ihre schwangeren und dadurch besonders gefährdeten Frauen die Saison für sich abzusagen oder vorzeitig zu beenden.

Blue Jays in Toronto
Für die Toronto Blue Jays war letzte Woche die Frage noch offen, ob sie aus den USA ohne Quarantäne in ihre Heimatstadt zurückkehren können. Inzwischen haben sie die entsprechende Genehmigung der kanadischen Behörden erhalten und bereiten sich in Rogers Centre auf die Saison vor. Ob sie dort auch ihre Heimspiele austragen können, ist allerdings noch nicht geklärt. Dazu bräuchten sie sowohl für sich selbst als auch für die Gastmannschaften eine weitere Ausnahmeerlaubnis, die bisher noch aussteht.

Indians erwägen Namensänderung
Die einzige Meldung der Woche ohne Coronabezug: Im Zuge der gesellschaftlichen Bewegung in den USA, bei direktem und indirektem Rassismus genauer hinzusehen und Veränderungen einzufordern, hat auch die Diskussion um den Teamnamen der Cleveland Indians wieder Fahrt aufgenommen. Der Klub, der sich vor zwei Jahren von dem stereotypen Logo „Chief Wahoo“ verabschiedete, hat in einer Stellungnahme angekündigt, seinen 105 Jahre alten Namen auf den Prüfstand stellen zu wollen. Dazu würde mich die Meinung der Baseblog-Leser interessieren, besonders die der Fans der „Indianer von Cleveland“. Wie sehr hängt ihr an dem Namen und könnt ihr verstehen, wenn jemand mit ihm ein Problem hat? Habt ihr vielleicht schon einen Favoriten für einen neuen Namen?

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Januar 17th, 2019 by Silversurger

Die Free Agency der MLB entwickelt sich, wenn auch langsam und in kleinen Schritten. Nachdem letzte Woche vor allem Catcher und Reliever gefragt waren, haben nun die besten verfügbaren Second Basemen ihre neuen Arbeitgeber gefunden. Brian Doziers Anheuern in Washington hatte es in letzter Sekunde noch in den letzten Grand Slam geschafft. In den Tagen darauf entschieden sich Jed Lowrie und D.J. LeMahieu, dass es sie beide nach New York zieht. Die größten Schlagzeilen machte derweil ein junger Sportler, der vielleicht nie in der MLB spielen wird.

Murray meldet sich zur NFL-Draft
Die Posse um Kyler Murray geht weiter: Der 21-Jährige ist ein Top-Talent sowohl als Baseball-Outfielder wie auch als Football-Quarterback und er kann sich offenbar nicht zwischen den beiden Sportarten entscheiden. Letztes Jahr gab er den Oakland Athletics, die ihn in der ersten Draftrunde wählten, eine feste Zusage, zum diesjährigen Spring Training eine Profikarriere im Baseball zu beginnen. Nun hat er sich allerdings am letztmöglichen Tag auch für die NFL-Draft im April angemeldet, für die er ebenfalls als Kandidat für die erste Runde gilt. Von dem knapp 5 Millionen Dollar schweren Vertrag mit den A’s ist Murray offiziell noch nicht zurück getreten. Man muss aber wohl davon ausgehen, dass die Verantwortlichen der NFL-Teams eine klare Entscheidung von ihm verlangen, bevor sie einen hohen Draftpick in ihn investieren.

Lowrie und LeMahieu gehen nach New York
Die Parallelen sind unübersehbar: Beide New Yorker Teams haben sich die Unterschriften von etablierten Second Basemen gesichert, beide haben dafür Zweijahresverträge vergeben und die finanzielle Größenordnung ist ebenfalls ähnlich: Jed Lowrie erhält von den Mets 20 Millionen Dollar, D.J. LeMahieu 24 Millionen von den Yankees. Gemeinsam ist beiden Verpflichtungen auch, dass sie relativ überraschend kamen. Denn die Yankees haben an der zweiten Base Gleyber Torres und die Mets verstärkten die Position erst vor wenigen Wochen mit Robinson Cano. LeMahieu ist wohl flexibel genug, an allen drei Bases zu spielen und die Rolle eines Super-Ersatzspielers einzunehmen, der auch ohne echten Stammplatz fast täglich zum Einsatz kommt. Lowrie hingegen spielte in seiner Karriere bisher fast ausschließlich als Second Baseman. Realistische Optionen der Mets mit Lowrie auf 2B könnten darin bestehen, Cano Einsatzzeit an der ersten Base zu geben und Jeff McNeill im Outfield zu testen.

Flores zu den Diamondbacks
Keine Verwendung mehr hatten die Mets angesichts ihres gut gefüllten Infields für Wilmer Flores. Er erhielt kein Arbitration-Angebot und konnte sich einen neuen Klub suchen, den er nun in den Arizona Diamondbacks gefunden hat. Der 27-Jährige erhält einen Vertrag über 4,25 Millionen Dollar im ersten Jahr plus Verlängerungsoption für den Verein, die Flores im zweiten Jahr weitere 5,5 Millionen einbringen würde. Flores kann auf sämtlichen Infield-Positionen spielen und hatte – außer im vergangenen Jahr – immer deutlich bessere Zahlen gegen Linkshänder als gegen Rechtshänder. Damit könnte er in Arizona vor allem für Jake Lamb an der ersten Base ein sinnvoller Platoon-Partner sein.

Dodgers ertraden neuen alten Catcher
Nach dem Abgang von Yasmani Grandal waren die Los Angeles Dodgers händeringend auf der Suche nach einem neuen Catcher. Wie vielen anderen Klubs waren auch ihnen die Forderungen, die die Miami Marlins für J.T. Realmuto stellen, offenbar zu hoch. Deswegen haben sie sich nun zumindest vorerst mit einer günstigeren Tradeoption begnügt: Russell Martin kommt von den Toronto Blue Jays im Austausch gegen die Minor Leaguer SS Ronny Brito und RHP Andrew Sopko. Die Blue Jays übernehmen rund 16,4 Millionen Dollar von Martins Gehalt im finalen Vertragsjahr 2019, sodass die Dodgers ihm nur 3,6 Millionen zahlen müssen. Für dieses relativ überschaubare Geld haben sie nun einen in Kürze 36-jährigen Catcher mit unverändert guter Defense, dessen Offensivleistungen jedoch in den letzten Jahren spürbar nachgelassen haben. Martin war 2002 von den Dodgers gedraftet worden und hatte bereits von 2006 bis 2010 für sie gespielt.

Giants und Blue Jays ergänzen Pitching-Staff
Die San Francisco Giants haben sich mit Pitcher Derek Holland auf einen Einjahresvertrag geeinigt. Der Linkshänder erhält 7 Millionen Dollar und kann dieses Gehalt in Abhängigkeit von der Anzahl seiner Starts auf bis zu 9 Millionen steigern. Zudem haben die Giants die Option auf ein weiteres Vertragsjahr. Holland hatte seine durch Verletzungen beeinträchtigte Karriere letztes Jahr in San Francisco erfolgreich wiederbelebt und es auf einen ERA von 3.57 in 30 Starts mit 171.1 Innings gebracht. Auch die Toronto Blue Jays haben ihr Pitching-Personal ergänzt: David Phelps, der die letzte Saison durch eine Tommy-John-Surgery verpasst hat, unterschreibt einen Einjahresvertrag plus Kluboption für 2020. Phelps wird mindestens 2,5 Millionen Dollar verdienen, hinzu kommen mehrere leistungsbezogene Boni. Der ehemalige Starter war von den Seattle Mariners 2016 zum Reliever umfunktioniert worden und hatte in dieser Rolle starke Leistungen gebracht, bevor die Verletzung ihn ausbremste.

Ein neuer Outfielder für die Rays
Die Tampa Bay Rays haben ebenfalls noch ein Puzzlestück hinzugefügt: Zu ihnen kommt Outfielder Avisail Garcia, der von den Chicao White Sox keinen neuen Vertrag erhalten hatte. Garcia bekommt für einen Einjahreskontrakt leistungsabhängig zwischen 3,5 und 6 Millionen Dollar. Die starke Leistungsbezogenheit des Vertrages erscheint logisch, denn Garcias bisherige Karriere war ein ziemliches Auf und Ab. Die Rays wollen offenbar sicher gehen, dass sie nicht zu viel bezahlen, falls sie nicht wie erhofft den Avisail Garcia von 2017 erhalten, sondern eher den von 2018.

Harper und Machado lassen sich weiterhin Zeit
Nicht viel Neues gibt es derweil im Hinblick auf die beiden begehrtesten Free Agents dieser Offseason, Bryce Harper und Manny Machado, zu vermelden – ganz ohne diese beiden Namen kommt ein Grand Slam am Donnerstag zurzeit aber auch nicht aus. Die Erkenntnisse der letzten Tage sind: Die Philadelphia Phillies gelten als Favorit, entweder Harper oder Machado – jedoch nicht beide – an Land zu ziehen. Die Chicago White Sox sind ebenfalls an beiden interessiert, werben aber vor allem um Machado. Sie haben ihm wohl schon vor einigen Wochen ein Angebot in der Größenordnung von sieben Jahren und 175 Millionen Dollar unterbreitet – was zwar eine Menge Geld ist, aber weniger als das, was von den meisten Experten als sein Marktwert angesehen wird. Bezüglich Harper sind auch die Washington Nationals noch im Rennen, obwohl die Gerüchte um eine Rückkehr ihres Superstars seit letzter Woche wieder deutlich abgekühlt sind. Über die New York Yankees hieß es schon mehrmals, sie seien in Bezug auf Machado und/oder Harper aus dem Rennen, aber sie scheinen mindestens noch mit einem Auge darauf zu schielen, wie sich die Sache entwickelt.

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November 6th, 2018 by Silversurger

Seit Samstag hat die Free Agency der MLB offiziell begonnen. Jeder Spieler, der keinen laufenden Vertrag hat, kann nun frei mit den interessierten Klubs verhandeln und einen neuen Kontrakt unterzeichnen.

Erfahrungsgemäß zieht sich die Free Agency im Baseball länger hin als beispielsweise im Football oder in anderen Sportarten mit einer Salary Cap, also einer festen Obergrenze für Spielergehälter. In solchen Sportarten werden oft innerhalb weniger Tage die wichtigsten Spielerverpflichtungen eingetütet, weil sowohl die Teams als auch die Spieler nach Planungssicherheit innerhalb des vorgegebenen finanziellen Rahmens streben. Im Baseball hingegen ist die Free Agency wie das Spiel selbst: Es gewinnt, wer den längeren Atem hat und geduldig auf den richtigen Moment wartet. Ich hoffe nur, es wird nicht wieder so eine extreme Hängepartie wie im letzten Jahr, wo sich der Poker um zahlreiche Spieler bis weit ins Spring Training und sogar in die Saison hinein zog.

Das Warten auf die ersten aufregenden Deals verkürzt man sich am besten durch munteres Spekulieren, welche Spieler dieses Jahr besonders gefragt sein werden und bei welchen Teams sie am Ende landen. Hier ist meine Top-20-Liste der wichtigsten Free Agents dieser Offseason:

  1. Bryce Harper, OF, 26 Jahre alt, bisher Washington Nationals

Für jeden, der solche Listen schreibt, lautet die erste Frage dieses Jahr: Harper oder Machado? Ich denke, dass Harper den besseren Vertrag bekommen wird, weil er der berechenbarere der beiden ist. Damit meine ich nicht die Konstanz seiner Leistungen, welche speziell in der ersten Saisonhälfte dieses Jahres durchaus zu wünschen übrig ließ und wohl verhindern wird, dass er den 400-Millionen-Rekordvertrag bekommt, den man ihm vor einem Jahr noch zugetraut hätte. Was ich mit Berechenbarkeit meine, ist dass ich mir bei Harper weniger Sorgen als bei Machado mache, dass er mit Rückschlägen und Frustrationen umgehen kann.  Favoriten: Nationals, Dodgers, Phillies

  1. Manny Machado, SS/3B, 26, Los Angeles Dodgers

Machado ist ein fantastischer Baseballspieler und produziert seit Jahren auf hohem Niveau, obwohl er – genau wie Harper – in einem Alter ist, in dem viele andere erst den Sprung in die Major League schaffen. Mit seinem Auftreten in der Postseason, das irgendwo zwischen Diva und Fiesling schwankte, dürfte er sich für die anstehenden Bewerbungen um einen neuen Job keinen Gefallen getan haben. Aber er wird vermutlich trotzdem ohne Probleme jemanden finden, der ihn für acht oder neun Jahre unter Vertrag nimmt und dafür rund 300 Millionen Dollar bezahlt. Favoriten: Yankees, Phillies, Dodgers

  1. Patrick Corbin, SP, 29, Arizona Diamondbacks

Corbin flog – bei mir jedenfalls – während der Saison ein bisschen unter dem Radar. Aber wenn man sich Zahlen wie 3.15 ERA und 2.47 FIP anschaut, sieht es ganz danach aus, dass der Linkshänder der interessanteste Starter auf dem diesjährigen Markt sein könnte. Da er obendrein noch unter 30 ist, dürfte gut und gerne ein Fünf- oder Sechsjahresvertrag mit dreistelliger Vergütung drin sein. Favoriten: Astros, Yankees, Diamondbacks

  1. Craig Kimbrel, RP, 31, Boston Red Sox

Relievern wird in den letzten Jahren immer mehr Wert beigemessen und für einen der Top-Closer der Liga, World-Series-Gewinner obendrein, dürfte ein ordentlicher Zahltag programmiert sein. Kimbrels Saison 2018 war nicht ganz so dominant wie 2017 und in den Playoffs wirkte er zeitweise etwas wackelig, doch am Ende war er wieder voll da. Ich schätze, die Red Sox nehmen die nötigen 50 Millionen Dollar in die Hand, um Kimbrel für drei, vier weitere Jahre an sich zu binden. Favoriten: Red Sox, Cubs, Braves

  1. Dallas Keuchel, SP, 31, Houston Astros

Keuchel ist immer noch ein Top-Pitcher, seine Leistungskurve zeigte in den letzten beiden Jahren aber tendenziell nach unten. Das wird die Teams davor zurück schrecken lassen, ihm einen sehr langen Vertrag zu geben. Dennoch wird er von der hohen Nachfrage nach Starting Pitching profitieren, insbesondere weil er entgegen dem allgemeinen Trend kein „Strikeout-oder-Homerun-Pitcher“ ist. Sein auf Groundballs abzielender Stil zahlt sich vor allem in hitterfreundlichen Ballparks aus. Favoriten: Astros, Nationals, Yankees

  1. Michael Brantley, OF, 32, Cleveland Indians

Brantley litt 2016 und 2017 unter Verletzungen und war schon fast in Vergessenheit geraten. Doch mit einer Slashline von .309/.364/.468 und 143 absolvierten Spielen meldete Brantley sich dieses Jahr eindrucksvoll zurück – gerade rechtzeitig, um sich nach dem Auslaufen seines relativ bescheidenen alten Vertrags in Position zu bringen. Favoriten: Indians, Mariners, Giants

  1. Nathan Eovaldi, SP, 29, Boston Red Sox

Ein weiterer World-Series-Held, der sich nun berechtigte Hoffnungen auf den großen Zahltag macht. Eovaldi hatte eine ordentliche erste Saisonhälfte in Tampa Bay und eine sehr gute zweite Hälfte inklusive Postseason für die Red Sox. Er dürfte relativ unumstritten der beste rechtshändige Starter auf dem Markt sein und im Gegensatz zu Corbin, Keuchel und Ryu – die allesamt Qualifying Offers erhalten haben – kostet er seinen neuen Klub keinen Draftpick. Allein seine recht umfangreiche Verletzungsgeschichte gibt ein bisschen Anlass zur Sorge und könnte dazu führen, dass ihm eher Verträge über drei als über sechs Jahre angeboten werden. Favoriten: Red Sox, Braves, Padres

  1. Josh Donaldson, 3B, 33, Cleveland Indians

Eine Verletzungsgeschichte bringt auch Josh Donaldson mit und auch für ihn schätze ich deshalb, dass er mit keinem langen Vertrag rechnen darf. Wenn er gesund ist, ist er aber ein Top-Spieler und von Machado abgesehen der beste Third Baseman, der zu haben ist. Wer ihn bekommt, wird möglicherweise ein Schnäppchen machen. Favoriten: Indians, Brewers, Braves

  1. Adam Ottavino, RP, 33, Colorado Rockies

Wer aus einer Saison bei den Rockies mit einem ERA von 2.43 heraus geht, der muss verdammt viel richtig gemacht haben – umso mehr, wenn er es in den Heimspielen im Hitter-Paradies Coors Field sogar auf einen Wert von 2.10 bringt. Ottavino wird einer der gefragtesten Reliever dieser Offseason sein und könnte es auf ein Jahresgehalt in zweistelliger Millionenhöhe bringen. Favoriten: Indians, Rockies, Dodgers

  1. Wilson Ramos, C, 31, Philadelphia Phillies

Die schwache Postseason von Yasmani Grandal könnte sich als Gold wert erweisen für Wilson Ramos, denn er steht nun als ziemlich eindeutig bester Catcher der diesjährigen Free-Agent-Klasse im Raum. Offensiv gehört Ramos unbestreitbar zur Elite auf seiner Position – 2018 brachte er es auf .306/.358/.487 mit 15 Homeruns in 111 Spielen. Seine Defensive ist mindestens solide, ein Fragezeichen ist nur seine Gesundheit nach bereits zwei Kreuzbandrissen.  Favoriten: Rays, Nationals, Mets

  1. Mike Moustakas, 3B, 30, Milwaukee Brewers
  2. Nelson Cruz, DH, 38, Seattle Mariners
  3. Hyun-Jin Ryu, SP, 32, Los Angeles Dodgers
  4. J. A. Happ, SP, 36, New York Yankees
  5. A. J. Pollock, OF, 31, Arizona Diamondbacks
  6. Jeurys Familia, RP, 29, Oakland Athletics
  7. Charlie Morton, SP, 35, Houston Astros
  8. Yasmani Grandal, C, 30, Los Angeles Dodgers
  9. Daniel Murphy, 1B/2B, 34, Chicago Cubs
  10. David Robertson, RP, 34, New York Yankees

Nicht ganz auf meine Liste geschafft haben es: RP Andrew Miller, RP Zach Britton, 2B D. J. LeMahieu, OF Andrew McCutchen, IF/OF Marwin Gonzalez, RP Joe Kelly

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