Juni 30th, 2020 by Silversurger

Die virtuelle Reise durch die Ballparks der MLB führt heute nach Anaheim in Orange County. Dort, rund 40 Kilometer von Los Angeles entfernt, spielen die Los Angeles Angels im nach ihnen benannten Angel Stadium, auch genannt „The Big A“.
Dies ist übrigens die vorerst letzte Folge der Ballparks-Artikelserie. Seit dem Anfang mit Fenway Park im Januar 2018 habe ich 29 der 30 aktuellen MLB-Stadien vorgestellt. Nur die Texas Rangers fehlen noch in der Reihe, denn ihr neues Stadion – Globe Life Field in Arlington, Texas – wird erst zum Saisonstart in gut drei Wochen eröffnet. Ich werde dann in der nächsten Saisonpause über die Erfahrungen mit dem neuen Ballpark berichten.

Der Haupteingang von Angel Stadium (1)

Geschichte
Die Angels nahmen 1961 den Spielbetrieb als Erweiterungsteam auf. Ihre erste Saison spielten sie in Wrigley Field – nicht in Chicago, sondern in einem kleinen Stadion in Los Angeles mit demselben Namen. Es handelte sich um einen Minor-League-Ballpark, in dem seit 1925 ein Vorläufer-Klub der Angels in der Pacific Coast League gespielt hatte. Wrigley Field war jedoch in sehr schlechtem Zustand, daher zogen die Angels 1962 als Untermieter ihres Lokalrivalen in das neu erbaute Dodger Stadium.

Die Suche nach einem eigenen Standort führte die Angels weg von Los Angeles in die Disney-Stadt Anaheim. Dort wurde von 1964 bis 1966 auf einer ehemals landwirtschaftlich genutzten Fläche Angel Stadium erbaut. Am 19. April 1966 absolvierten die Angels das erste offizielle Spiel im eigenen Ballpark, eine 1:3-Niederlage gegen die Chicago White Sox.

Die Entwicklung von reinen Baseballstadien über Mehrzweckarenen und schließlich zurück zu Ballparks der retro-modernen Bauart haben von den 1960er Jahren bis ins neue Jahrtausend viele Teams und Städte mitgemacht. Doch anders als bei den meisten von ihnen, vollzog sie sich in Anaheim innerhalb des selben Stadions: Ursprünglich nur für das MLB-Team errichtet, wurde Angel Stadium 1979/80 in großem Stil umgebaut und von 43.000 auf 65.000 Plätze erweitert, um auch die NFL-Footballer der Los Angeles Rams aufnehmen zu können. Nachdem diese 1994 wieder ausgezogen waren, gab es 1996-98 erneut eine umfangreiche Umgestaltung zu dem 45.000 Zuschauer fassenden Ballpark, der Angel Stadium heute ist.

Schon dreimal, 1967, 1989 und 2010, durfte Angel Stadium das All-Star-Game der MLB veranstalten. Die World Series war erst einmal in dem Stadion zu Gast. Gegen die San Francisco Giants verloren die Angels 2002 zwar das erste Heimspiel der Finalserie, durften aber am Ende mit einem Sieg in Spiel 7 den Titelgewinn im eigenen Stadion feiern.

Inzwischen ist The Big A etwas in die Jahre gekommen, sodass es erneut Diskussionen um einen Neubau oder größere Renovierungen gibt. Letzten Dezember hat der Klub sich mit der Stadt geeinigt, für 325 Millionen Dollar das Stadion und das umgebende Land zu kaufen und die Weiterentwicklung selbst in die Hand zu nehmen. Vor einer Woche wurden von Teambesitzer Art Moreno und einer Reihe Investoren Pläne vorgelegt, den Ballpark mit neuen Geschäften, Restaurants und Unterhaltungseinrichtungen zu umgeben. Eine Entscheidung, ob das Stadion in diesem Zuge neu- oder nur umgebaut wird, wurde noch nicht getroffen.

Architektonische Auffälligkeiten
Trotz seiner 56 Jahre langen Geschichte inklusive Umbau zum NFL-Stadion und zurück sieht Angel Stadium erstaunlich „normal“ aus in dem Sinne, dass es sich nahtlos in die neu eröffneten Ballparks der letzten 25 Jahre einfügt. Die moderne Fassade wird dominiert von Sandstein und grünem Stahl sowie den Schriftzügen und Logos in der roten Teamfarbe. Der Haupteingang wird flankiert von zwei riesigen Angels-Baseballkappen.

The Big A (2)

Das prominenteste Wahrzeichen von Angel Stadium befindet sich rund 200 Meter außerhalb des Ballparks auf einem Parkplatz: Das große rote A, von dem das Stadion seinen Spitznamen hat, stand ursprünglich im Leftfield und trug eine Anzeigetafel. Beim Umbau wegen des Einzugs der Rams wurde es nach draußen verlegt und steht dort bis heute. Der Heiligenschein unterhalb der Spitze des 70 Meter hohen Buchstabens wird beleuchtet, wenn die Angels am jeweiligen Tag gewonnen haben, egal ob zu Hause oder auswärts. Daher stammt der unter Angels-Fans geflügelte Ausdruck „Light that baby up!“

Auch im Inneren verfügt Angel Stadium über eine Installation zu Feierzwecken: Das „California Spectacular“ hinter dem linken Centerfield besteht aus echten Bäumen und falschen Felsen, über die Wasser fließt und sprudelt. Zum Spielbeginn sowie nach Homeruns und Siegen der Angels wird dort ein Feuerwerk ausgelöst.

California Spectacular (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Beim Bau des Stadions bemühten die Angels eine wissenschaftliche Studie, um herauszufinden, welche Feldmaße unter Berücksichtigung der Luftdichte zu üblichen Spielzeiten eine möglichst neutrale Balance zwischen Pitcher- und Batterfreundlichkeit garantieren. Nach den Ergebnissen dieser Studie wurde das Feld gebaut, aber trotz mehrfacher Korrekturen ist es nie ganz gelungen, die gewünschte neutrale Ausrichtung zu erreichen: Die Statistiken der meisten Jahre weisen Angel Stadium als etwas vorteilhafter für Pitcher aus.

Das Centerfield ist mit 396 Fuß (121 Meter) das zweitkürzeste in der MLB (nur Dodger Stadium ist 1 Fuß kürzer), doch relativ tiefe Poweralleys zwischen Centerfield und den Foulpoles führen dazu, dass nicht übermäßig viele Homeruns geschlagen werden.

Angel Stadium in Panoramasicht (4)

Wo sitzt man am besten?
Anaheim gehört mit durchschnittlich über 280 Sonnentagen zu den sonnigsten Städten der USA und auch zu jenen mit der höchsten UV-Belastung. Wenn man bei Nachmittagsspielen nicht in der Sonne rösten möchte, sollte man Sitze auf den Ebenen 200 und 500 sowie auf der Third-Base-Seite bevorzugen und die unüberdachten Outfieldtribünen meiden.

Obwohl die Angels in den letzten Jahren sportlich nicht sonderlich erfolgreich waren, haben Sie ihr Stadion dank Attraktionen wie Mike Trout und Shohei Ohtani doch regelmäßig zu über 80% gefüllt. Man sollte sich daher frühzeitig um Tickets kümmern oder damit rechnen, dass man bei kurzfristiger Entscheidung etwas mehr zahlen muss, wenn man gute und schattige Plätze haben möchte.

Für die perfekte Perspektive – leicht erhöht, um die Homeplate zwischen den Dugouts – empfiehlt sich die Sitzkategorie Field MVP in den Blöcken 111 bis 126. Diese Plätze bekommt man für 100 bis 150 Dollar. Wenn man gute Plätze für unter 50 Dollar sucht, bieten sich die Blöcke 410-427 auf der dritten Ebene rund um das Infield an. Bei diesen Sitzen gilt: je niedriger die Nummer des Blocks, umso mehr Schatten hat man während eine Nachmittagsspiels.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: CrispyCream27 (CC BY-SA 4.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: CrispyCream27 (CC BY-SA 4.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Ken Lund (CC BY-SA 2.0)
(4) Quelle: Flickr, Urheber: Al Case (CC BY-NC-ND 2.0)

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