Juli 1st, 2021 by Silversurger

Halbzeit in der MLB: Bis zum All-Star-Break sind zwar noch eineinhalb Wochen zu spielen, doch die meisten Teams haben bereits die Hälfte ihrer 162 Saisonspiele absolviert. Offiziell ist noch lange nichts entschieden, aber für viele Klubs ist die Saison trotzdem schon mehr oder weniger gelaufen. Laut den Playoff-Wahrscheinlichkeiten von Fangraphs liegen jedenfalls für 17 von 30 Teams die Hoffnungen auf eine Endrundenteilnahme inzwischen bei unter 15%. Ich werde im heutigen Überblick mal verstärkt auf diese Wahrscheinlichkeiten schauen. Wie diese zustande kommen, erkläre ich ganz am Ende dieses Artikels.

Von den Chancen, die sich die Klubs selbst für den Rest des Jahres ausrechnen, wird auch abhängen, ob und in welcher Art sie vor der Trade Deadline am 31. Juli noch mal auf dem Spielermarkt tätig werden. Die meisten Trades finden traditionell kurz vor der Deadline statt, aber die Blue Jays und die Marlins haben schon mal vorgelegt: Toronto sicherte sich in dem vorgestern eingefädelten Deal Reliever Adam Cimber und Outfielder Corey Dickerson, Miami erhält Infielder Joe Panik und Minor-League-Pitcher Adam McInvale. Das Kernstück des Trades dürfte Cimber sein, der eine dringend benötigte Aufwertung des Bullpens der Blue Jays darstellt. Ihn lassen sie sich ein Stück Zukunft in Form von McInvale kosten sowie das Geld, welches mit dem Tausch eines teuren mittelmäßigen Spielers (Dickerson) gegen einen günstigen mittelmäßigen Spieler (Panik) verbunden ist.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die aktuellen Vorkommnisse um Trevor Bauer, auch wenn es für eine faire Beurteilung wohl noch zu früh ist: Eine Frau wirft dem Pitcher der Dodgers vor, an ihr gegen ihren Willen entwürdigende und gewalttätige Sexualpraktiken vorgenommen zu haben. Bauer streitet die Praktiken nicht ab, stellt sie aber im Gegensatz zu der Frau als einvernehmlich dar. Wie in solchen Fällen üblich, wird die MLB eine eigene Untersuchung anstellen und über mögliche Konsequenzen entscheiden.

National League
In der NL East werden laut Fangraphs den New York Mets (41-35) mit 76,1% die größten Playoff-Chancen zugetraut. Alle anderen Teams der Divison rangieren unter 15%. Den Atlanta Braves (38-41, 14,6%) werden dabei noch etwas bessere Chancen zugerechnet als den Washington Nationals (40-38), obwohl diese zurzeit in der Tabelle vor den Braves stehen und nur noch zwei Spiele hinter den unübersehbar schwächelnden Mets rangieren. Die Mets haben ihre letzten 15 Spiele allesamt gegen Divisionskonkurrenten bestritten, dabei nur 6 Siege erzielt und nur ein einziges Mal mehr als 5 Runs gescort. Gestern setzte es eine 2:20-Packung gegen die Braves, nach der die Mets interessanterweise trotzdem noch die wenigsten Runs der Liga kassiert (aber gleichzeitig auch die wenigsten gescort) haben. Die Philadelphia Phillies (37-41, 6,9%) sind laut Fangraphs so gut wie aus dem Rennen um die Playoffs, die Miami Marlins (34-45, 0,1%) sowieso.

An der Spitze der NL Central hat sich in den letzten Tagen ein regelrechter Erdrutsch vollzogen: Die Milwaukee Brewers (48-33) haben die Chicago Cubs (42-39) in drei Spielen gesweept, und nachdem die Brewers jetzt acht Spiele in Folge gewonnen, die Cubs hingegen sechs hintereinander verloren haben, findet sich Milwaukee mit einem komfortablen Vorsprung an der Tabellenspitze wieder. Das schlägt sich auch in den Playoff-Wahrscheinlichkeiten nieder, die für die Brewers nun bei 86,0% liegen, für die Cubs hingegen nur noch bei 14,5%. Die St. Louis Cardinals (40-41) haben sich durch einen Sweep gegen Arizona wieder nahe an die Cubs und eine ausgeglichene Bilanz herangearbeitet. Fangraphs traut den Cards dennoch mit 4,2% noch geringere Playoff-Chancen zu als den Cincinnati Reds (39-40, 8,6%). Die Chancen der Pittsburgh Pirates (29-50) werden mit 0,0% beziffert. Interessant ist übrigens auch, dass sowohl in der NL East als auch in der NL Central die Playoff-Wahrscheinlichkeiten fast vollständig in der Chance bestehen, die jeweilige Division zu gewinnen. Die Chancen auf eine Wild Card liegen für alle Teams dieser Divisionen jeweils unter 6%.

Der Grund dafür ist natürlich in der NL West zu suchen und zu finden. Hier gibt es drei Teams mit sehr hohen Playoff-Chancen. Allen voran wird den Los Angeles Dodgers (49-31) eine Wahrscheinlichkeit von 99,3% zugerechnet, die sich zusammensetzt aus 64,3% für den Divisionssieg und weiteren 35% für eine Wild Card. Das Gegenstück dazu sind die San Diego Padres (49-32), die mit einer 29,2%-Chance auf die Division und einer 68,2%-Chance auf die Wild Card insgesamt 97,3% erreichen. Jetzt fragt man sich zurecht, was mit den San Francisco Giants (50-29) ist, die als bislang erfolgreichstes MLB-Team der Saison die Divisionstabelle anführen, auch nach zuletzt zwei Niederlagen gegen die Dodgers. Vom anhaltenden Erfolg der Giants ist Fangraphs noch nicht ganz überzeugt, schreibt ihnen aber immerhin eine 79,9%-Chance auf eine Playoff-Teilnahme zu (73,4% davon in Form einer Wild Card). Die Chancen der Colorado Rockies (34-47) und der Arizona Diamondbacks (22-60) stehen wenig überraschend bei 0,0%.

American League
Von den Wild Cards der American League dürfte mindestens eine in die AL East gehen. Die Boston Red Sox (50-31) sind mit 60,2% Favorit auf den Divisionssieg und zu 86,9% in den Playoffs. Dass ihre bislang überraschend starke Saison kein Zufall ist, konnten sie gerade erst wieder untermauern, indem sie zum zweiten Mal in Folge die New York Yankees (41-39) gesweept haben. Die Yankees haben mit 41,6% noch realistische Playoff-Chancen, optimistischer ist Fangraphs aber für die Tampa Bay Rays (47-34, 53,3%) und die Toronto Blue Jays (41-37, 46,2%). Die Baltimore Orioles (27-54) haben gerade mit einem 3-Spiele-Sweep in Houston ein beeindruckendes Lebenszeichen von sich gegeben, sind aber längst so weit abgeschlagen, dass 0,0% ein realistisches Maß für ihre Playoff-Hoffnungen sind.

Für sehr unwahrscheinlich hält Fangraphs, dass die AL Central eine Wild Card abbekommt. In den Playoffs ist vor allem mit den Chicago White Sox (47-32) zu rechnen, die zu 89,5% dabei sind und zwar höchstwahrscheinlich (87,1%) als Divisionssieger. Die Cleveland Indians (42-35) sind mit Playoff-Chancen von 18,2% nur Außenseiter und könnten es am ehesten schaffen, indem sie den White Sox den Divisionssieg abjagen (11,4%). Trotz der klaren Zweiteilung der Division ist es laut den Playoff-Odds übrigens noch nicht sicher, dass die AL Central sich zwischen den White Sox und den Indians entscheidet: Die Minnesota Twins (33-45) haben demnach immerhin noch eine 1,3%-ige Chance auf den Gruppensieg und selbst Schlusslicht Kansas City Royals (33-46) bringt es nach zuletzt acht Niederlagen in Folge noch auf 0,2%. Allein die Detroit Tigers (36-45), in der Tabelle immerhin Dritter und gerade zweimal siegreich gegen die Indians, bekommt von Fangraphs keine Liebe und steht bei 0,0%.

In der AL West stehen zwei Teams bei 48 Siegen und beiden rechnet Fangraphs gute Chancen zu, die Playoffs zu erreichen. Trotz des peinlichen Rückschlags gegen die Orioles stehen die Houston Astros (48-33) knapp vorne und haben mit 90,5% die höchste Wahrscheinlichkeit für die Postseason, davon 74,4% für den Gruppensieg. Die Astros weisen übrigens mit 13,5% auch die besten Chancen aller AL-Teams auf, die World Series zu gewinnen. Höher eingestuft ist nur der Titelverteidiger aus der NL, die Dodgers mit 16,4%. Die Oakland Athletics (48-34) gewinnen mit einer Wahrscheinlichkeit von 23,0% die Division und haben ansonsten gute Chancen (36,7%) auf einen Wild-Card-Platz. Dahinter wird es recht dünn: Die Chancen der Los Angeles Angels (39-41), Shohei Ohtani und Mike Trout eine Playoff-Bühne zu bieten, liegen bei nur 10,6%; den Seattle Mariners (42-39) traut Fangraphs trotz der besseren Bilanz nur zu 1,6% die Postseason zu. Die Texas Rangers (31-49) sind mit 0,0% draußen und können sich ganz darauf konzentrieren, wenigstens die Trade-Deadline erfolgreich zu gestalten. 

Szene der Woche
Die Kampagne der MLB gegen den Gebrauch klebriger Substanzen hat ihr erstes Opfer, besser gesagt ihren ersten Täter gefunden: Hector Santiago von den Seattle Mariners erhielt am Sonntag in der Mitte des fünften Innings der Partie gegen die White Sox einen Platzverweis, nachdem die Umpires seinen Handschuh kontrolliert hatten. Santiago beteuerte hinterher, er habe lediglich Harzpulver benutzt, das zum Trocknen der Wurfhand erlaubt ist. In Verbindung mit Schweiß habe es sich möglicherweise zu einer schmierigen Masse entwickelt. Mit der Argumentation kam er offenbar nicht durch, denn die Liga bestätigte am Dienstag nach einer weiteren Prüfung des beschlagnahmten Handschuhs Santiagos Sperre für zehn Spiele. Den Spieler kostet das mindestens einen Start, das Team kostet es den Rosterplatz, den es während der Sperre nicht anderweitig besetzen darf.

Statistik der Woche 
10. So viele hintereinander erzielte Strikeouts durch einen Pitcher in einem Spiel sind MLB-Rekord. Aufgestellt hat diese Marke der legendäre Tom Seaver im Jahr 1970 für die New York Mets. Seit Freitag teilt Seaver sich den Rekord mit Aaron Nola von den Philadelphia Phillies. Verrückterweise gelang Nola diese besondere Leistung ausgerechnet gegen die Mets – jedes seiner zehn Strikeout-Opfer trug Seavers Nummer 41 am Ärmel, zum Gedenken an den letztes Jahr mit Covid-19 verstorbenen Hall-of-Famer. Ort des Geschehens war Citi Field, der Nachfolge-Ballpark von Shea Stadium, in dem Seaver vor 51 Jahren die Bestleistung aufgestellt hatte. Die Adresse von Citi Field lautet übrigens Seaver Way 41. Das Spielergebnis war sowohl am 22. April 1970 als auch am 25. Juni 2021 dasselbe: 2:1 für die Mets.

Spiel der Woche
Nach einer Flut von No-Hittern zu Saisonbeginn hat es ein paar Wochen gedauert, doch nun hat die MLB-Saison 2021 ihr siebtes Spiel, in dem eine Mannschaft ohne Hit blieb. Die Chicago Cubs vollbrachten das Kunststück gegen den amtierenden World Champion Los Angeles Dodgers. Es war der 17. No-Hitter in der Geschichte der Cubs, aber der erste, an dem mehrere Pitcher beteiligt waren. Zach Davies benötigte für die ersten sechs Innings 94 Pitches, in denen er fünf Walks zuließ und durch einige starke Defensivaktionen an der dritten Base von Kris Davis unterstützt wurde. Das war ein guter, aber kein überragender Start, der sich für die Cubs selbst offenbar nicht so recht nach einem No-Hitter anfühlte. Jedenfalls hatte Closer Craig Kimbrel, der nach sauberen Innings von Ryan Tepera und Andrew Chafin die letzten drei Outs besorgte, zunächst keine Ahnung, dass er gerade nicht nur einen 4:0-Sieg, sondern einen No-Hitter vollendet hatte.

Mit sieben No-Hittern ist der moderne MLB-Rekord von 1990, 1991, 2012 und 2015 schon zur Saisonmitte eingestellt. Der Allzeit-Rekord von acht No-Hittern stammt aus dem Jahr 1884, noch bevor der Mound 1893 auf seine bis heute gültige Entfernung festgelegt wurde. Die Chancen stehen gut, dass beide Marken dieses Jahr noch fallen. In drei weiteren Spielen der letzten Tage roch es ebenfalls nach No-Hitter: Für die Red Sox hatte Nick Pivetta am Donnerstag gegen die Rays 6.2 No-Hit-Innings, bevor man ihn nach 100 Pitches auswechselte und Darwinson Hernandez im nächsten Inning den ersten Hit abgab. Pirates-Rookie Max Kranick feuerte in seinem MLB-Debüt am Sonntag fünf perfekte Innings. Er benötigte dafür nur 50 Pitches, musste aber ausgewechselt werden, als sein Lauf durch eine einstündige Regenpause unterbrochen wurde. Am Dienstag waren die Pirates auf der anderen Seite eines Beinahe-No-Hitters, als German Marquez für die Rockies in einem Complete-Game-Shutout acht No-Hit-Innings schaffte, bevor er beim zweiten Pitch im neunten Inning den ersten und einzigen Treffer durch Pittsburghs Ka’Ai Tom zuließ.

Mein Einschalttipp
Das Derby zwischen den New York Yankees und den New York Mets, allgemein als Subway Series bekannt, geht am Wochenende in die erste Runde. Die MLB hat dieses Jahr geschichtsträchtige Daten für das Stadtduell ausgewählt: Die Hinserie in Yankee Stadium umfasst den 4. Juli, die Rückserie in Citi Field den 11. September. Wenn man Fan eines der beiden Teams ist, sind die drei Spiele von Freitag bis Sonntag quasi Pflicht, auch wenn das zwei Nachtschichten bedeutet. Für alle anderen bietet sich an, in das Samstagspiel ab 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit reinzuschauen. Starting Pitcher dieser Partie werden voraussichtlich Michael King (4.06 ERA, 4.65 FIP) für die Yankees und Marcus Stroman (2.44 ERA, 3.59 FIP) für die Mets sein. Falls ihr kein mlb.tv-Abo habt, müsst ihr auch nicht leer ausgehen, denn das Freitagsspiel ist das „Free Game of the Day“.

Erläuterung zu den Playoff-Wahrscheinlichkeiten
Die sogenannten Playoff-Odds, mit denen ich in der heutigen Übersicht hantiert habe, stammen von der Statistikseite fangraphs.com. Das Verfahren von Fangraphs besteht darin, den Ausgang jedes einzelnen verbleibenden Spiels der MLB-Saison mit einer Wahrscheinlichkeit zu versehen. Diese Wahrscheinlichkeit orientiert sich daran, über welche Spieler die jeweiligen Teams verfügen und welche Einsatzzeiten und zählbaren Leistungen dieser Spieler für den Rest des Jahres prognostiziert werden. Anhand der Wahrscheinlichkeiten für die einzelnen Spielausgänge wird im nächsten Schritt der Rest der Saison einschließlich Playoffs simuliert und zwar 10.000-mal. Aus den 10.000 simulierten Saisonausgängen werden schlussendlich die Chancen der einzelnen Teams auf den Divisionssieg, einen Wild-Card-Platz usw. bis hin zum Erreichen und Gewinn der World Series abgeleitet. Wenn also Team X in den 10.000 Simulationen 5.000-mal in die Playoffs kommt und davon 300-mal World-Series-Sieger wird, dann hat es eine Playoff-Chance von 50% und eine World-Series-Chance von 3%.

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Mai 13th, 2021 by Silversurger

Einen schönen Vatertag wünsche ich allen Vätern unter euch. Natürlich auch euren Vätern, eurer Väter Vätern und so weiter. Passenderweise beginnt mein wöchentlicher Nachrichtenüberblick mit zwei Vätern: Der fünffache Vater Albert Pujols wurde von den Angels diese Woche entlassen. Obwohl sie ihm für dieses Jahr noch 30 Millionen bezahlen müssen, entschieden sie, dass sie ohne den spürbar gealterten Ex-Star besser dran sind. Mit Jordan Zimmmermann verlässt ein weiterer Vater die MLB-Bühne. Der zuletzt für die Brewers aktive Pitcher verkündete diese Woche sein Karriereende. Zwei andere Karrieren fangen derweil gerade an: Die Seattle Mariners haben angekündigt, ihre beiden Top-Talente Jarred Kelenic und Logan Gilbert ins MLB-Team zu holen. Beide werden wahrscheinlich heute ihren ersten Einsatz haben. 

American League
Nach drei Niederlagen in Folge ist der vor wenigen Tagen noch komfortable Vorsprung der Boston Red Sox (22-16) in der AL East spürbar zusammengeschmolzen. Sowohl die New York Yankees (20-16) als auch die Toronto Blue Jays (19-16) haben von der Zahl der Niederlagen her bereits zu den Red Sox aufgeschlossen, müssen aber noch ein paar Nachholspiele absolvieren. Für die Yankees könnte der Nachholbedarf in den nächsten Tagen noch steigen, denn wie gestern bekannt wurde, haben sie sieben neue Covid-Fälle unter den Coaches und weiteren Angestellten. Das Spiel gestern konnte stattfinden, nur Shortstop Gleyber Torres pausierte vorsichtshalber. Man wird nun sehen müssen, welche Kreise der Ausbruch durch Kontaktverfolgung und weitere Tests noch zieht. 

In der AL Central setzt sich die Entwicklung fort, die schon letzte Woche zu beobachten war: Das einstige Überraschungsteam Kansas City Royals (16-19) stürzt ungebremst weiter ab mit nun schon zehn Niederlagen hintereinander. Was die Sache noch schlimmer macht, ist dass die zehn Niederlagen allesamt gegen die direkten Divisionskonkurrenten erlitten wurden, darunter vier gegen die Cleveland Indians (20-14) und drei gegen Tabellenführer Chicago White Sox (21-13). Es zeichnet sich recht früh in der Saison eine Zweiteilung der Division ab. Überraschenderweise auf der schlechten Seite davon finden sich auch die Minnesota Twins (12-22) wieder, die bislang einfach kein Bein auf den Boden bringen. Das gilt leider auch für „unseren“ MLB-Star Max Kepler, der magere .198/.293/.349 schlägt. 

Die Oakland Athletics (23-15) dominieren die AL West und ich würde wetten, dass das auf absehbare Zeit so bleibt. Denn die A’s machen als einziges Team der Division einen relativ gefestigten Eindruck, während alle anderen sehr schwankende Leistungen zeigen. Die Houston Astros (20-17) haben durch zwei Siege gegen die Los Angeles Angels (16-20) gerade Platz zwei übernommen, den die Seattle Mariners (18-19) durch vier Niederlagen in Folge frei gemacht haben. Bei den Mariners ruhen große Hoffnungen auf dem Schwung, den die beiden hochgelobten Prospects Kelenic und Gilbert bringen sollen. 

National League
Daran, dass die NL East jede Woche einen anderen Tabellenführer hat, ist man inzwischen schon gewöhnt. Zurzeit sind es die New York Mets (18-13), die eine beeindruckende Serie von sieben Siegen in Folge am Laufen haben. Schon interessant, dass die Mets ganz oben stehen, obwohl sie bislang von sämtlichen MLB-Teams die wenigsten Runs erzielt haben, sowohl in absoluten Zahlen (111) als auch im Durchschnitt pro Spiel (3,5) – sie haben aber auch mit Abstand die wenigsten kassiert (107). Verfolger Nummer eins sind zurzeit die Philadelphia Phillies (20-17). Die Atlanta Braves (17-19), die Miami Marlins (16-20) und die Washington Nationals (13-19) stehen auf einem negativen Record. 

In der NL Central stehen seit letzter Woche die St. Louis Cardinals (22-15) vorne, gefolgt von den Milwaukee Brewers (20-17), mit denen sie sich gerade ein direktes Duell liefern (siehe „Einschalttipp“). Die Cincinnati Reds (17-17) haben diese Woche durch einen No-Hitter auf sich aufmerksam gemacht (siehe „Spiel der Woche“). Ansonsten halten sie sich, getragen von einer starken Offense, stabil in ihrer Lauerstellung, aus der heraus ich ihnen dieses Jahr noch einiges zutraue.

Der Gewinner des Zweikampfes um die NL West, den man zwischen den San Diego Padres (21-17) und den Los Angeles Dodgers (20-17) erwartet hatte, sind bislang die San Francisco Giants (22-14). Ich muss zugeben, dass ich immer noch Zweifel habe, ob die Giants „for real“ sind, auch wenn sie für solche Zweifel bislang kaum Gründe liefern. Die Serie gegen die Padres haben sie am Wochenende 2:1 gewonnen und seitdem noch zwei Partien gegen die Rangers. Gegen die Dodgers treten die Giants allerdings erst in eineinhalb Wochen zum ersten Mal in diesem Jahr an. Die Padres sind derweil neben den Yankees das zweite Team, das mit einem aktuellen Covid-Ausbruch zu kämpfen hat. Star-Shortstop Fernando Tatis Jr. wurde positiv gestetet, ebenso Outfielder Wil Myers.  Beide haben zum Glück bislang kaum spürbare Symptome. Neben ihnen müssen als Kontaktpersonen auch Jurickson Profar, Eric Hosmer und Jorge Mateo pausieren. 

Szene der Woche
Hier habe ich mich heute mal für eine Szene entschieden, die ich sehr originell finde, auch wenn sie es wohl nicht in die Highlight-Reels schaffen wird. Durch einen soften Popup knapp hinter das Infield erreicht Cedric Mullins von den Orioles im Spiel gegen die Red Sox die dritte Base. Ganze viermal ist er dabei einem Out sehr nah: dreimal bei den gescheiterten Fangversuchen von Shortstop Xander Bogaerts und dann noch mal beim Slide an die dritte Base. Aber immer hat er das Glück und bekommt am Ende sogar ein Triple zugeschrieben, weil die Scorer der Red-Sox-Defense an keiner Stelle des Spielzugs einen Error attestieren.

Statistik der Woche 
667. So viele Homeruns hat Albert Pujols in seiner bisherigen Karriere erzielt. Er belegt damit Platz fünf in der ewigen Rangliste der MLB. Dabei wird es wohl bleiben, denn selbst wenn der 41-Jährige nochmal bei einem Team anheuert, erscheint mir unwahrscheinlich, dass er noch die 29 Homeruns schlägt, die es bräuchte, um Alex Rodriguez (696) auf Rang vier einzuholen – geschweige denn noch 18 mehr, um Babe Ruth (714) Platz drei streitig zu machen. 

Spiel der Woche
Schon wieder ein No-Hitter! Wade Miley ist am Freitag der vierte No-No dieser MLB-Saison gelungen. Der Rekord für eine Saison liegt übrigens bei acht und stammt aus dem Jahr 1884. Miley besorgte beim 3:0 seiner Reds über die Indians die 27 Outs mit 114 Pitches. Er ließ zwei Baserunner zu, einen per Walk und einen durch einen Error. Die Geschichte von Mileys Meisterstück passt übrigens gut zum heutigen Vatertag: Der Pitcher trug während des No-Hitters ein temporäres Tattoo des unglaublichen Hulk auf dem rechten Unterarm, das ihm sein 4-jähriger Sohn verpasst hatte. Miley bat seine Frau nach dem Spiel, so viele von diesen Tattoos zu bestellen, wie zu bekommen sind. 

Mein Einschalttipp
Die Brewers und die Cardinals spielen gerade die Spitzenserie der NL Central gegeneinander. Die beiden bisherigen Spiele haben sie sich geteilt, heute Abend steht das Rubber Game an. Die Partie läuft ab 19:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit, Starting Pitcher sind Jack Flaherty (2.83 ERA, 3.02 FIP) für St. Louis und Corbin Burnes (1.53 ERA, 0.51 FIP) für Milwaukee. 

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April 22nd, 2021 by Silversurger

Während die National League immer noch gebannt auf das epische Duell zwischen den Dodgers und den Padres zurückblickt und sich auf die Fortsetzung ab heute Nacht freut, stechen in sämtlichen Divisionen der American League überraschende Ergebnisse und Entwicklungen hervor. Überraschend kam auch das Karriereende von zwei langjährigen MLB-Veteranen: Sowohl Jay Bruce, zuletzt als First Baseman für die Yankees im Einsatz, als auch der seit September vereinslose Second Baseman Neil Walker erklärten in den letzten Tagen ihren Rücktritt vom professionellen Baseball.  Nicht die Karriere, aber mindestens die aktuelle Saison ist für Adrian Morejon beendet. Seit gestern steht fest, dass der 22-Jährige Starter der Padres sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen muss. Die Padres-Rotation ist gleich doppelt vom Verletzungspech verfolgt: Dinelson Lamet musste gestern seinen ersten Start nach einem halben Jahr Pause im zweiten Inning abbrechen und unterzieht sich nun weiteren Untersuchungen.

National League
Die NL East hatte ich vor der Saison als stärkste Division der Liga eingeschätzt, doch diese Erwartung hat sich bislang nicht erfüllt. Das derzeit einzige Team mit knapp positivem Record sind die New York Mets (7-6), die aber nach zwei desolaten Niederlagen bei den Cubs ein Run Differential von -14 aufweisen. Tatsächlich bringen es bislang allein die Miami Marlins (8-9) auf ein positives Run Differential (+4). Mit sieben Siegen aus den letzten zehn Spielen haben die Marlins zudem von allen Teams der Division aktuell den besten Lauf und schicken sich an, im zweiten Jahr hintereinander den Spielverderber für die hoch eingestuften Teams der Mets, der Phillies (9-9), der Braves (8-10) und der Nationals (7-9) zu geben.

Ebenfalls sieben aus den letzten zehn haben die Milwaukee Brewers (11-7) gewonnen, die sich damit an die Spitze der NL Central gesetzt haben. Der starke Start der Cincinnati Reds (9-8) scheint sich hingegen immer mehr als Strohfeuer zu erweisen. Drei Niederlagen am Stück haben sie gegen die Indians und die Diamondbacks kassiert und nun stehen schwierige Auswärtsserien gegen die St. Louis Cardinals (8-10) und die Dodgers an. Erfreulich verläuft die Saison bislang für die Pittsburgh Pirates (8-10). Sie stehen zwar erwartungsgemäß auf dem letzten Platz, verkaufen sich aber keineswegs so schwach und chancenlos, wie man es vor der Saison und noch während der ersten Woche befürchten musste. 

So, wie es aussieht, bleibt die seit Jahren bestehende Dominanz der Los Angeles Dodgers (14-4) in der NL West weiterhin ungebrochen. Die San Diego Padres (10-10) wurden von den Dodgers in einer epischen Serie (siehe „Spiel der Woche“) in ihre Schranken verwiesen, ganz abgesehen von den eingangs erwähnten Verletzungssorgen. Eine positive Überraschung sind bislang die San Francisco Giants (11-7), die wacker oben mitmischen. Man muss allerdings dazu sagen, dass es der Spielplan bisher recht gut mit den Giants meint und ihnen die ersten Duelle gegen die Dodgers noch bis 22. Mai erspart bleiben. Am Ende der Tabelle finden sich die Colorado Rockies (6-12) als derzeit schwächstes Team der Liga, aber nicht ohne Hoffnung nach zuletzt zwei Siegen in Folge gegen die Astros.

American League
Nicht ohne Hoffnung ist auch das aktuell schwächste der Team der American League, aber der Fehlstart in die Saison sorgt bei den New York Yankees (6-11) und ihren Fans für gewaltigen Frust. Strikeouts und andere misslungene Aktionen der eigenen Spieler werden gnadenlos mit Buhrufen quittiert, das Spiel gegen die Tampa Bay Rays (10-9) am Freitag musste sogar kurz unterbrochen werden, weil Bälle und andere Gegenstände aufs Feld geworfen wurden.  An der Spitze der AL East stehen anstelle der abgestürzten Favoriten aus New York und der (auch von mir) gehypten Toronto Blue Jays (8-10) immer noch die Boston Red Sox (12-7). Die Red Sox leben dabei immer noch von einem Zwischenspurt mit neun Siegen hintereinander vom 6. bis zum 14. April. Seitdem wechselten Licht und Schatten sich ab; nun steht eine interessante Serie gegen die Mariners bevor (siehe „Einschalttipp“).

Wenn mich ein Team noch mehr überrascht als die Red Sox an der Spitze der AL East, dann sind das die Kansas City Royals (10-7) in der AL Central. Die Royals haben gerade gegen die Rays zum ersten Mal in diesem Jahr eine Serie verloren, aber auch diese beendeten sie mit einem positiven Ausklang durch einen aufregenden Walkoff-Sieg in Spiel drei. Die Chicago White Sox (9-9) und die Cleveland Indians (8-8) halten mit ausgeglichenen Bilanzen den Anschluss, während die Minnesota Twins (6-11) durch richtig schwierige Zeiten gehen: Wegen mehrerer Covid-Fälle im Team – darunter Max Kepler – mussten drei Spiele der Twins verschoben werden; von den letzten zehn Spielen, die vor und nach der Zwangspause ausgetragen werden konnten, wurden neun verloren; gestern Nacht setzte es eine besonders empfindliche Niederlage bei den Athletics, als drei Führungen aus der Hand gegeben wurden, bevor zwei Fielding Errors im zehnten Inning das Spiel entschieden. 

Des einen Leid ist des anderen Freud‘: Für die Oakland Athletics (12-7) war der Walkoff gegen die Twins bereits der elfte Sieg in Folge – eine verblüffende Wende, nachdem die A’s mit 1-7 in die Saison gestartet waren. Nun stehen sie in der AL West ganz vorne, während die Houston Astros (7-10) den entgegengesetzten Weg zurückgelegt haben. Nach neun Niederlagen in den letzten zehn Spielen sind sie auf dem letzten Platz angekommen, noch hinter den Texas Rangers (9-10). Neben den Athletics stehen mit den Seattle Mariners (11-7) und den Los Angeles Angels (9-7) zwei weitere Teams bei einer positiven Bilanz. Vor allem von den Mariners hätte ich das nicht erwartet; sie haben bereits Serien gegen die Astros, die Twins und die Giants gewonnen und zuletzt sogar den Dodgers einen Split abgetrotzt.

Szene der Woche
Ein Triple Play ist immer etwas Besonderes, deshalb bekommt die Aktion der Cincinnati Reds vom Samstag hier auch den Ehrenplatz. Noch sehr viel seltener ist aber ein sogenanntes Unassisted Triple Play, also ein solches, bei dem alle drei Outs ganz alleine von einem einzelnen Feldspieler erledigt werden. Ein solcher Spielzug gelang in der gesamten MLB-Geschichte bisher nur 15-mal. Joey Votto hätte die Nummer 16 auf der Liste sein können: Erst fing er Josh Naylors Linedrive zum ersten Out, dann tagte er Franmil Reyes kurz vor der ersten Base zum zweiten Out. Zum Abschluss hätte er selbst auf die dritte Base treten und damit das Out gegen Eddie Rosario besorgen können, der schon die Homeplate passiert und gar nicht mitbekommen hatte, was Sache war. Doch Votto entschied sich im Eifer des Gefechts, den Ball zu Third Baseman Max Schrock zu werfen und diesen am Spielzug teilhaben zu lassen. Daher ist es kein Unassisted, sondern ein 3-3-5-Triple-Play. Gefreut hat sich Votto trotzdem mit vollem Recht, denn es war ein toller Spielzug und ein wichtiger Baustein beim 3:2-Sieg über die Indians.

Statistik der Woche 
40. So viele Strikeouts hat Corbin Burnes von den Milwaukee Brewers in seinen vier Starts in dieser Saison erzielt. Das ist für sich allein schon eine starke Leistung, aber wirklich einzigartig wird sie durch die Tatsache, dass Burnes in diesem Jahr noch keinen einzigen Walk zugelassen hat. Das sind gleich zwei MLB-Rekorde: 40 Strikeouts mit null Walks hat vor ihm weder ab Saisonstart noch innerhalb von vier aufeinanderfolgenden Spielen je ein MLB-Pitcher geschafft.

 

Spiel der Woche
So früh in der Saison bin ich sehr zurückhaltend damit, vom Spiel des Jahres zu reden, aber was die Los Angeles Dodgers und die San Diego Padres am Freitag – nach unserer Zeit am Samstagmorgen – geboten haben, war ganz großes Kino. Monster-Homeruns, verblüffende Errors, fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen, haufenweise Führungswechsel, eine Beinahe-Schlägerei, ein Fan auf dem Feld, 17 verschiedene Pitcher einschließlich eines Feldspielers, drei volle Extra-Innings – was immer man sich unter einem aufregenden Baseballspiel vorstellt, dieses Match hatte es zu bieten. 

Mein Einschalttipp
Der naheliegende Tipp an dieser Stelle ist natürlich wieder das Matchup zwischen den Dodgers und den Padres, denn die wohl heißeste Intra-Division-Serie der Saison geht ab heute Nacht in ihre zweite Runde. Aber weil das wahrscheinlich jeder Baseballfan sowieso schon auf dem Schirm hat, gibt es von mir eine zusätzliche Empfehlung: Mit den Seattle Mariners und den Boston Red Sox treffen zwei der größten Überraschungen der bisherigen Saison von heute bis Sonntag viermal aufeinander. Die Spiele am Samstag und am Sonntag laufen jeweils zur europafreundlichen Zeit um 19:10 Uhr. Die voraussichtlichen Starter sind Chris Flexen vs. Nate Eovaldi am Samstag und Nick Margevicius vs. Eduardo Rodriguez am Sonntag.

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März 6th, 2021 by Silversurger

Um ein Haar hätten die Seattle Mariners eine ruhige, solide Offseason erlebt. Das junge Team ist fast vollständig zusammengeblieben, mit James Paxton und Rafael Montero wurden ein erfahrener Starter und ein Closer dazugeholt, und in Jarred Kelenic wartet eines der größten Talente der MLB auf sein Big-League-Debüt. So weit, so gut. Kurz vor dem Beginn des Spring Trainings war es leider vorbei mit der Harmonie, als die Aufzeichnung einer Rede des Teampräsidenten und Geschäftsführers der Mariners, Kevin Mather, an die Öffentlichkeit gelangte. In dem Vortrag, den er Anfang Februar in einer Videokonferenz vor einer Rotariergruppe gehalten hatte, teilte Mather einen Rundumschlag aus: Unter anderem beschwerte er sich über die Englischkenntnisse von Ex-Pitcher Hisashi Iwakuma und Prospect Julio Rodriguez, bezeichnete Kyle Seager als überbezahlt und amüsierte sich über arbeitslose Spieler, die „mit dem Hut in der Hand“ um einen Vertrag betteln würden, wenn man sie nur lange genug warten ließe. Zudem sprach er offen darüber, dass bei den Mariners Service-Time-Manipulation betrieben wird – dass also Nachwuchsspieler länger als in den Minor Leagues bleiben als sportlich sinnvoll wäre, um dem Klub eine längere vertragliche Kontrolle zu ermöglichen. Zwar trat Mather unter dem Druck der Reaktionen auf die Äußerungen von seinen Ämtern zurück, doch der Schaden bleibt angerichtet und wird noch für einige Zeit die Stimmung im Mariners-Lager trüben. Abgesehen von den aktuellen Unruhen scheint das Roster-Building von General Manager Jerry Dipoto wie eingangs erwähnt auf einem guten Weg. Als konkurrenzfähig sehe ich die Mariners noch nicht an, aber auch nicht mehr weit entfernt davon – ein oder zwei Jahre vielleicht.

Voraussichtliches Lineup
C Tom Murphy
1B Evan White
2B Dylan Moore
SS J. P. Crawford
3B Kyle Seager
LF Jake Fraley
CF Kyle Lewis
RF Mitch Haniger
DH Ty France

Voraussichtliche Rotation
LHP Marco Gonzales
LHP James Paxton
LHP Yusei Kikuchi
LHP Justus Sheffield
RHP Chris Flexen
RHP Justin Dunn
Key Reliever: Rafael Montero

Wichtigster Zugang
SP James Paxton (New York Yankees)

Wichtigster Abgang
IF/OF Dee Strange-Gordon (Cincinnati Reds)

Bestes Prospect
OF Jarred Kelenic

Größte Stärke
Der Nachwuchs: Einige vielversprechende junge Leute sind bereits ins MLB-Team aufgestiegen, darunter Kyle Lewis, der einstimmig zum Rookie of the Year der AL gewählt wurde, und Evan White, der in seinem ersten Jahr einen Gold Glove gewann. Und es kommt noch einiges nach, denn die Mariners haben eines der stärksten Farmsysteme der Liga, laut Baseball America das zweitbeste hinter den Rays.

Größte Schwäche
Schlechte Stimmung: Etliche Spieler, darunter die Führungsfigur Kyle Seager sowie die beiden größten Nachwuchstalente Julio Rodriguez und Jarred Kelenic, sind nach den Tiraden von Ex-Präsident Mather stinksauer auf ihren Verein. Man wird sehen müssen, ob sie das professionell wegstecken, eine Verweigerungshaltung einnehmen oder gar eine positive Trotzreaktion zeigen.

Spannendste Frage
Ist die 6-Mann-Rotation ein Modell mit Zukunft? Eine Starting Rotation aus sechs statt fünf Pitchern wird in der MLB seit langem als mögliche taktische Entwicklung diskutiert. Die Mariners haben sie letztes Jahr als erste für eine (verkürzte) ganze Saison umgesetzt und sind fest entschlossen, das System auch über die anstehenden 162 Spiele hinweg fortzuführen. Die Vorteile sind, dass man die Belastung der einzelnen Pitcher reduziert durch insgesamt weniger Innings und längere Pausen und dass man Raum schafft für eine zusätzliche Trainingseinheit zwischen den Starts. Die meisten Teams sehen bislang die Nachteile als überwiegend an: Die Innings, die von den besten Pitchern eingespart werden, muss man mit dem sechstbesten Pitcher bestreiten, und der zusätzlich belegte Platz im 26-Mann-Kader reduziert die Flexibilität in den anderen Mannschaftsteilen.

Meine Prognose
Platz 4 in der AL West

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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Februar 25th, 2021 by Silversurger

Fenster auf, Augen zu – riecht ihr auch schon das frisch gemähte Gras der Baseballfelder, wartet ihr auch schon sehnsüchtig auf das Geräusch des Schlägers, der auf den Ball trifft? Es ist soweit, am Sonntag geht es los mit den Spring-Training-Spielen. In der ersten auf mlb.tv übertragenen Partie treffen um 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Toronto Blue Jays auf die New York Yankees.
Ziemlich getrübt dürfte die Vorfreude auf den Saisonstart bei den Seattle Mariners sein: Dort sorgten in den letzten Tagen einige bierselige Äußerungen des Team-Präsidenten für reichlich Unruhe.  

Mariners-Präsident tritt zurück
In einer Zoom-Konferenz des Rotarierklubs Seattle-Bellevue Anfang Februar fühlte Kevin Mather sich offenbar ungezwungen genug, um mal völlig undiplomatisch vom Leder zu ziehen. Der Präsident und Geschäftsführer der Mariners echauffierte sich über die mangelnden Sprachkenntnisse eines japanischen und eines dominikanischen Spielers, markierte einen der Stars seines Teams als „überbezahlt“ und brüstete sich damit, dass Free Agents „mit dem Hut in der Hand“ um einen Vertrag betteln würden, wenn man sie nur lange genug auf ein Angebot warten ließe. Zudem brach er das unter MLB- und Teamfunktionären herrschende Tabu, offen über Service-Time-Manipulation zu reden – also über die Praxis, leistungsstarke junge Spieler gezielt später in die MLB zu berufen, um dem Klub eine verlängerte vertragliche Kontrolle zu ermöglichen.

Der Rotarierklub stellte die 45-minütige Rede, deren Brisanz man offenbar nicht erkannte, anschließend bei Youtube zur Verfügung. Dort stieß ein Mariners-Fan zufällig auf das Video und trat einen Sturm der Entrüstung unter lokalen Beatwritern, Anhängern und den von Mather kritisierten Spielern los, durch den Mather sich sowohl zu einer Entschuldigung als auch zum Rücktritt gezwungen sah. Mather war im Umfeld des Klubs schon vorher nicht sonderlich beliebt, und manch einer wird froh sein, ihn auf diese Weise losgeworden zu sein. Allerdings muss man wohl auch konstatieren, dass er nicht mehr und nicht weniger als das ausgesprochen hat, was dem Denken und Handeln vieler anderer Funktionäre entspricht. Die nach der Saison anstehenden Verhandlungen zwischen der Liga, den Klubs und der Spielergewerkschaft über einen neuen Rahmenvertrag sind nach diesem Vorfall mit Sicherheit nicht leichter geworden. 

Walker zu den Mets
Die New York Mets haben zum Ende ihrer sehr aktiven Offseason noch einmal nachgelegt: Starting Pitcher Taijuan Walker wurde mit einem Zweijahresvertrag verpflichtet. Der 28-Jährige erhält für sein Engegament ein garantiertes Gehalt von 20 Millionen Dollar; für 2023 hat er zudem die Option auf eine Verlängerung, die ihm weitere rund 10 Millionen einbrächte. Walker brachte es letztes Jahr in elf Starts für die Mariners und die Blue Jays auf einen ERA von 2.70. Er komplettiert eine sehr namhafte Starting Rotation mit Jacob deGrom, Marcus Stroman, Carlos Carrasco und David Peterson. Voraussichtlich im Juni ist zudem mit der Rückkehr von Noah Syndergaard nach seiner Tommy-John-Surgery zu rechnen. Im Gegensatz zu Syndergaard, der sich regelmäßig über soziale Medien mit Mr. Met kabbelt, scheint Walker daran gelegen zu sein, gut mit dem Team-Maskottchen auszukommen: Weil seine bevorzugte Rückennummer „00“ schon von Mr. Met getragen wird, hat sich der Pitcher bereitwillig umorientiert und die „99“ gewählt.

Weitere Neuverpflichtungen  
Die weiteren Free-Agent-Abschlüsse dieser Woche: OF Brett Gardner (New York Yankees, 1 Jahr plus Kluboption, 4 Millionen Dollar), 1B/DH Mitch Moreland (Oakland Athletics, 1 Jahr, 2,25 Millionen plus Leistungsboni), 1B/3B Jake Lamb (Atlanta Braves, ), RP Chaz Roe (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 1,15 Millionen).

Diese Free Agents sind noch ohne Vertrag
Die Free Agency hat in dieser Offseason, vermutlich auch coronabedingt, erst spät an Fahrt aufgenommen. Inzwischen sind aber fast alle Akteure mit Rang und Namen entweder bei einem Team untergekommen oder haben sich wie Hunter Pence, Daniel Murphy, Dustin Pedroia, Cody Allen und Brian Dozier entschieden, ihre Karriere zu beenden. Irgendwo zwischen den Welten befindet sich Ryan Braun, der nach eigener Aussage „zurzeit nicht interessiert“ ist zu spielen, aber auch noch nicht bereit, sein Karriereende zu verkünden.

Von meiner Top-20-Liste der diesjährigen Free Agents ist nur noch Jackie Bradley Jr. übrig. Der Centerfielder scheint sich etwas verzockt zu haben mit seiner Forderung nach einem hoch bezahlten Vertrag über mindestens vier Jahre, die interessierte Teams wie die Mets und die Astros abschreckte. Neben Bradley Jr. sind noch einige interessante Starting Pitcher verfügbar, allen voran Jake Odorizzi. Auch er ist möglicherweise mit zu hohen Forderungen aufgetreten und wird sich mit weniger zufrieden geben müssen. Ein MLB-Vertrag dürfte ihm aber sicher sein. Anders könnte es für Kandidaten wie Cole Hamels und Rick Porcello aussehen. Wenn sich innerhalb der nächsten Tage nichts anderes ergibt, müssen sie eventuell den Weg beschreiten, auf dem Matt Harvey (Orioles), Felix Hernandez (Orioles) und Julio Teheran (Tigers) sich schon befinden. Die drei haben Minor-League-Verträge unterschrieben und versuchen sich im Camp neu zu empfehlen für eine weitere Chance auf der großen Bühne.

Desmond wählt Opt-Out
Ob wir Ian Desmond noch mal auf der großen Bühne sehen werden, bleibt abzuwarten. Der Outfielder hat zwar einen laufenden Vertrag mit den Colorado Rockies, doch er kündigte vor wenigen Tagen an, erneut die Ausstiegsoption zu ziehen, die allen Spielern wegen der Coronapandemie zugestanden wird. Er verzichtet damit auf mittlerweile 13,56 Millionen Dollar. Sein Wunsch, bei seiner Familie zu sein, sei größer als der Wunsch, unter den aktuellen Umständen Baseball zu spielen, ließ er in einem Statement wissen. Für nächstes Jahr haben die Rockies die Option einer Vertragsverlängerung für 15 Millionen. Dass sie diese für einen dann 36-Jährigen ziehen, der zwei Jahre lang nicht gespielt hat, erscheint unwahrscheinlich. 

Top-Prospect der Twins fällt lange aus
Royce Lewis, das am höchsten eingestufte Nachwuchstalent der Minnesota Twins, muss auf den Start seiner MLB-Karriere noch mindestens bis 2022 warten. Der 21-jährige Shortstop zog sich einen Kreuzbandriss zu und muss deswegen morgen operiert werden. Die anschließende Reha dauert üblicherweise neun bis zwölf Monate, sodass die Saison 2021 für Lewis definitiv gelaufen ist. Die Twins haben sich auf der Shortstop-Position gerade erst durch die Verpflichtung von Andrelton Simmons verstärkt, somit entsteht durch den Ausfall von Lewis zumindest kurzfristig keine Lücke. Trotzdem ist es ein herber Rückschlag, dass das Top-Prospect der Franchise durch die ausgefallene Minor-League-Saison 2020 und die jetzt erlittene Verletzung insgesamt rund zweieinhalb Jahre lang kein einziges Baseballspiel bestreiten kann.

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Februar 18th, 2021 by Silversurger

Der Frühling ist da! Das ist zwar weder astronomisch noch meteorologisch korrekt, aber für den Baseballfan beginnt diese Jahreszeit eben mit dem Spring Training, und das haben in dieser Woche sämtliche MLB-Teams aufgenommen. Rund zwei Wochen nehmen sich die Akteure, um erstmal den gröbsten Rost abzuschütteln und eine Wellenlänge mit neuen Mitspielern und Coaches zu finden. Am 28. Februar geht es dann los mit den öffentlichen Testspielen, in denen die Teams sich auf den Start der echten Saison am 1. April vorbereiten.

Angepasste Spring-Training-Spielpläne
Coronabedingt wurden für dieses Jahr die Spielpläne der Vorbereitungsspiele umgestellt: Die Teams sollen möglichst wenig reisen und auf nicht zu viele unterschiedliche Gegner treffen. So spielen zum Beispiel die Mets, die Astros, die Marlins, die Cardinals und die Nationals, deren Trainingslager an der Ostküste von Florida liegen, ausschließlich untereinander. Die vollständigen Spielpläne findet ihr hier. Wie gewohnt werden nicht alle, aber viele der Testspiele auf mlb.tv übertragen.

Blue Jays starten Saison in Florida
Wenn Ende März die anderen Teams zurück in ihre Heimatstädte fliegen, bleiben nicht nur die Miami Marlins und die Tampa Bay Rays, sondern auch die Toronto Blue Jays in Florida zurück. Wegen der Pandemie bestehen nach wie vor rechtliche und logistische Hürden beim Grenzübertritt zwischen den USA und Kanada, daher trägt das einzige kanadische Team der MLB seine Heimspiele auch in diesem Jahr zumindest während der ersten Saisonwochen in einem Ausweichquartier aus. Letztes Jahr nutzten die Blue Jays dafür das Stadion ihrer AAA-Filiale in Buffalo, dieses Mal bleiben sie in ihrem Spring-Training-Komplex in Dunedin, gleich westlich von Tampa.

340 Millionen für Tatis Jr.
Fernando Tatis Jr. ist erst 22 Jahre alt, gilt aber bereits als einer der besten Shortstops der Liga. Damit sie an ihm noch lange Freude haben, nehmen die San Diego Padres eine enorme Menge Geld in die Hand. 340 Millionen Dollar bezahlen sie dem Jungstar dafür, dass er sich für die nächsten 14 Jahre dem Verein verschreibt. Da Tatis im Rahmen seines Rookievertrags ohnehin noch bis 2025 an die Padres gebunden gewesen wäre, kommt die Verlängerung überraschend frühzeitig. Aus Vereinssicht ist der Vertrag eine teure Wette darauf, dass Tatis sein hohes Leistungsniveau auf Dauer hält. Solange das der Fall ist, haben sicher beide Seiten ein gutes Geschäft gemacht. Sollte der Junge im Laufe der Zeit durch eine Verletzung oder andere Umstände aus der Bahn geworfen werden, hätte man sich allerdings einen heftigen Klotz ans Bein gebunden. 

Turner bleibt bei den Dodgers
Auch das letzte Mitglieder meiner Top-10 der diesjährigen Free Agents hat sein neues Zuhause gefunden; in diesem Fall ist es zugleich das alte: Justin Turner bleibt für zwei weitere Jahre bei den Los Angeles Dodgers. Der 36-jährige Third Baseman erhält für seine Unterschrift 34 Millionen Dollar, zudem kann der Klub für weitere 14 Millionen die Option auf ein drittes Jahr ziehen, und ein paar leistungsbezogene Extras kommen noch obendrauf.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Hier die weiteren Free-Agent-Abschlüsse dieser Woche, wie immer beschränkt auf MLB-Verträge: RP Trevor Rosenthal (Oakland Athletics, 1 Jahr, 11 Millionen Dollar), SP James Paxton (Seattle Mariners, 1 Jahr, 8,5 Millionen plus Leistungsboni), SP Jake Arrieta (Chicago Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 6 Millionen), SP Aaron Sanchez (San Francisco Giants, 1 Jahr, 4,5 Millionen plus Leistungsboni), CF Kevin Pillar (New York Mets, 1 Jahr plus beidseitige Option, 3,6 Millionen), IF/OF Brad Miller (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 3,5 Millionen), IF/OF Marwin Gonzalez (Boston Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen plus Leistungsboni), RP Mark Melancon (San Diego Padres, 1 Jahr plus beidseitige Option, 3 Millionen), RP Yusmeiro Petit (Athletics, 1 Jahr, 2,55 Millionen plus Leistungsboni), SP Rich Hill (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 2,5 Millionen), SP Tyler Anderson (Pittsburgh Pirates, 1 Jahr, 2,5 Millionen), RP Sergio Romo (Athletics, 1 Jahr, 2,25 Millionen), SP Matt Shoemaker (Minnesota Twins, 1 Jahr, 2 Millionen plus Leistungsboni), SP Collin McHugh (Rays, 1 Jahr, 1,8 Millionen), IF Asdrubal Cabrera (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), RP David Phelps (Toronto Blue Jays, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), OF Nomar Mazara (Detroit Tigers, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), RP Brandon Workman (Cubs, 1 Jahr, 1 Million plus Leistungsboni), RP Oliver Drake (Rays, 1 Jahr, 775.000), RP Justin Wilson (New York Yankees, 1 Jahr, Finanzen unbekannt), RP Ken Giles (Mariners, 2 Jahre, Finanzen unbekannt).

Zudem gab es zwei kleine Trades, jeweils unter Beteiligung der Tampa Bay Rays: Von den Boston Red Sox bekommen sie die beiden Pitcher Chris Mazza und Jeffrey Springs im Austausch gegen die Prospects Catcher Ronaldo Hernandez und Pitcher Nick Sogard. Im zweiten Trade schicken die Rays Pitcher John Curtiss zu den Miami Marlins und bekommen dafür Minor-League-1B Evan Edwards.

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Dezember 17th, 2020 by Silversurger

Die Vorbereitungen der MLB-Teams auf die Saison 2021 laufen auf Hochtouren – wann und in welcher Form diese angesichts der Pandemielage stattfinden wird, ist allerdings noch offen. Die Meldungen, die dazu bisher durchgedrungen sind, lassen auf Uneinigkeit zwischen der Ligaleitung und der Spielergewerkschaft schließen: Die MLB denkt offenbar darüber nach, den Saisonstart vom 1. April auf Mai zu verschieben und den Spielplan entsprechend zu kürzen. Die MLBPA hingegen besteht auf einer vollen 162-Spiele-Saison, die nach ihrer Ansicht unter den Sicherheits- und Hygieneregeln der vergangenen Saison zu verantworten wäre. Diese gerade erst begonnene Diskussion wird uns in den nächsten Wochen sicher noch beschäftigen. Bis auf Weiteres sind die Teams angewiesen, sich auf einen pünktlichen Start des Spring Trainings Ende Februar einzustellen.

Die Indianer von Cleveland sind Geschichte
Für ein Team wird 2021 die letzte MLB-Saison werden, jedenfalls unter dem aktuellen Namen: Nach jahrelangen Diskussionen um den rassistischen Gehalt der Bezeichnung „Indians“ hat der Klub aus Cleveland entschieden, diese abzulegen. Anders als das „Washington Football Team“, das sich von einem Tag auf den anderen vom Wort „Redskins“ trennte, werden die Indians mit dem in Ungnade gefallenen Titel noch ein Jahr lang auf Abschiedstournee gehen. Bis 2022 soll ein neuer Teamname gefunden werden. Als früher Favorit gilt „Cleveland Spiders“, der Name eines von 1889 bis 1899 bestehenden National-League-Klubs.

MLB zollt Negro Leagues Anerkennung
Apropos Rassismus: Die MLB gab gestern einen bedeutenden symbolischen Schritt im Zuge der eigenen Vergangenheitsbewältigung bekannt. Sieben sogenannte Negro Leagues der Jahre 1920 bis 1948 werden im Nachhinein offiziell als Major Leagues anerkannt. Das bedeutet, dass die 3.400 Spieler dieser Ligen mit all ihren Leistungen, Statistiken und Rekorden nun offiziell als Major Leaguer gelten. Die MLB hatte jahrzehntelang per Absprache unter den Ownern dunkelhäutige Spieler vom professionellen Baseball ausgeschlossen und diese in den finanziell und infrastrukturell benachteiligten Negro Leagues abgesondert. Erst 1947 endete mit dem Einsatz von Jackie Robinson für die Los Angeles Dodgers die Rassentrennung im US-Baseball.

Phillies engagieren Dombrowski
Die Philadelphia Phillies haben zum ersten Mal einen President of Baseball Operations. Für den neu geschaffenen Posten wurde Dave Dombrowski gewonnen, der damit im Wesentlichen die Nachfolge des zurückgetretenen General Managers Matt Klentak antritt. Der 64-jährige Dombrowski bringt 31 Jahre Erfahrung auf verantwortungsvollen Posten in diversen MLB-Franchises mit. Er ist der einzige General Manager, der drei verschiedene Klubs – die Marlins, die Red Sox und zweimal die Tigers – in die World Series geführt hat. Gewonnen hat er diese 1997 mit Miami und 2018 mit Boston. Dass Dombrowski den Job in Philadelphia angenommen hat, kommt etwas überraschend, denn ursprünglich hatte er nach seinem Rauswurf in Boston 2019 angekündigt, an einem weiteren MLB-Job nur dann interessiert zu sein, wenn er die Verantwortung für ein neu zu gründendes Team in Nashville übernehmen kann. Offenbar änderte er seine Meinung, nachdem die Liga deutlich machte, dass eine Erweiterung für die nächsten zwei Jahre kein Thema ist.

Neuer GM und neuer Catcher für die Mets
Auch die New York Mets haben einen neuen Funktionär am Start: Jared Porter wird General Manager in Queens und damit die rechte Hand von Sandy Alderson im neu strukturierten Front Office der Mets. Porter war zuletzt Assistenz-GM bei den Arizona Diamondbacks und zuvor in verschiedenen Rollen rund um die Spielerbeobachtung und -entwicklung bei den Chicago Cubs und den Boston Red Sox tätig gewesen.
Auch auf dem Feld konnten die Mets eine Lücke schließen: Catcher James McCann wird die nächsten vier Jahre in New York spielen. Der 30-Jährige galt als zweitbester Catcher der diesjährigen Free-Agent-Klasse hinter J. T. Realmuto und dürfte für die Mets eine deutliche Verstärkung sein. Die Unterschrift unter den Vertrag ist für ihn 40,6 Millionen Dollar wert.

Weitere Neuverpflichtungen
Außer McCann haben auch die folgenden MLB-Spieler diese Woche einen neuen Arbeitgeber gefunden: SP Anthony DeSclafani (San Francisco Giants, 1 Jahr, 6 Millionen Dollar), C Mike Zunino (Tampa Bay Rays, 1 Jahr plus Vereinsoption, 3 Millionen), OF Hunter Renfroe (Boston Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen), OF David Dahl (Texas Rangers, 1 Jahr, 3 Millionen), RP Greg Holland (Kansas City Royals, 1 Jahr, 2,75 Millionen), RP Keynan Middleton (Seattle Mariners, 1 Jahr, 800.000).

Zudem gab es zwei kleine Trades, beide mit Beteiligung der Texas Rangers: RP Rafael Montero wechselt im Austausch gegen zwei Minor-League-Prospects von Texas zu den Seattle Mariners. In einem Handel mit den Tampa Bay Rays, in den auf beiden Seiten mehrere Minor Leaguer involviert sind, kommt C Nate Lowe zu den Rangers. 

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Dezember 10th, 2020 by Silversurger

Obwohl die Ligaleitung, Vereinsvertreter, Spieleragenten und andere Interessengruppen rund um die MLB derzeit ihre – dieses Jahr virtuellen – Winter Meetings abhalten, gab es in den letzten Tagen nur wenige Trades und Neuverpflichtungen zu vermelden. Am aktivsten waren die Chicago White Sox, die ihren Kader an zwei Stellen ergänzten. Die Rangers überraschten mit einem Wechsel im Front Office, während die Angels offenbar Gefallen an einem bestimmten Namen gefunden haben.

NL-Teams planen 2021 ohne DH
Von allen besonderen Regeln der Coronasaison 2020 – 7-Inning-Doubleheader, beschleunigte Extrainnings, größere Kader, erweiterte Playoffs – schien die Anwendung des Designated Hitters in der gesamten MLB die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit zu sein, auf Dauer zu bleiben. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, aber es sieht inzwischen danach aus, dass man für 2021 zum alten Zustand zurückkehrt, der da lautet: Die American League spielt mit DH, die National League ohne. Darauf deutet jedenfalls ein Schreiben hin, das die Ligaleitung den Klubs letzte Woche zugestellt hat. Den NL-Teams wird darin empfohlen, bei ihrer Kaderplanung davon auszugehen, dass es keinen DH geben wird.
Generell gilt die Einführung der ligaweiten DH-Regel schon seit Jahren eher als eine Frage des „wann“ als des „ob“. Vermutlich wird dieses Thema aber nun in die Verhandlungen des neuen Rahmenvertrages (CBA) zwischen der Liga und den Spielern verschoben, die Ende 2021 anstehen.

Neuer GM bei den Rangers
Die Texas Rangers haben die Verpflichtung von Chris Young als neuen General Manager bekannt gegeben. Das kam sehr überraschend, denn es hatte vorher keine Hinweise darauf gegeben, dass sie überhaupt auf der Suche waren. Jon Daniels hatte den Job seit 15 Jahren inne und wird als „President of Baseball Operations“ weiterhin an Bord bleiben. Sein Nachfolger Young übernimmt zum ersten Mal Verantwortung in einem Front Office. Der 41-jährige war von 2004 bis 2017 als Starting Pitcher für die Rangers und vier andere MLB-Klubs aktiv gewesen; seit 2018 beaufsichtigte er als Vizepräsident der Liga den Spielbetrieb. Unter Daniels haben die Rangers fünfmal die Playoffs erreicht und zweimal die American League gewonnen. Seit 2016 hatten sie aber keine Saison mit mehr Siegen als Niederlagen, und für 2021 planen sie, die Ausgaben für Spielergehälter zu reduzieren. Das wird kein leichter Job für Young, der auch bei den Mets im Gespräch war, sich aber seiner in Dallas lebenden Familie wegen für die Rangers entschied. 

White Sox holen Lynn und Eaton
Gleich die erste spürbare Amtshandlung des neuen Rangers-GM trägt zum Ziel bei, Kosten zu sparen: Pitcher Lance Lynn, in den letzten beiden Jahren die verlässlichste Größe in der Rotation der Rangers, wurde zu den Chicago White Sox getradet.  Der 33-Jährige nimmt seinen Vertrag mit nach Chicago, der noch ein Jahr lang läuft und ihm 8 Millionen Dollar einbringt. Als Gegenleistung schicken die White Sox zwei Nachwuchspitcher nach Texas: den 25-jährigen Rechtshänder Dane Dunning und den 23-jährigen Lefty Avery Weems.
Außer der Rotation verstärken die White Sox auch ihr Outfield und zwar mit einem alten Bekannten: Adam Eaton kehrt nach vier Jahren in Washington als Free Agent zurück nach Süd-Chicago. Der 32-Jährige unterschreibt für ein Jahr und 7 Millionen Dollar mit einer Kluboption für ein weiteres Jahr zum Preis von 8,5 Millionen. Eaton hatte 2020 eine schwache Saison. Bei den White Sox setzt man darauf, dass er zu alter Stärke findet und den Mangel an linkshändigen Hittern im Lineup behebt.

Angels traden (schon wieder) für Iglesias
Letzte Woche berichtete ich an dieser Stelle, dass die Los Angeles Angels Shortstop José Iglesias von den Baltimore Orioles ertradet haben. Diese Woche kommt Relief Pitcher Raisel Iglesias hinzu, den die Angels im Austausch gegen Reliever Noe Ramirez und einen noch nicht benannten Spieler von den Cincinnati Reds holen. Dass die beiden Neuzugänge denselben Nachnamen tragen, aus Kuba stammen und obendrein an aufeinander folgenden Tagen geboren wurden, ist ein origineller Zufall, miteinander verwandt sind sie aber nicht. „Dafür sehe ich zu gut aus“, antwortete José, als er letztes Jahr in einem Interview danach gefragt wurde.

Weitere Neuverpflichtungen
Zwei weitere Spieler haben in den letzten Tagen einen neuen MLB-Vertrag unterschrieben: First Baseman Carlos Santana erhält von den Kansas City Royals 17,5 Millionen Dollar für zwei Jahre plus leistungsbezogene Boni von bis zu einer weiteren Million.
Die Seattle Mariners sichern sich die Dienste von Pitcher Chris Flexen für zwei Jahre und 4,75 Millionen Dollar plus mehrere leistungsbezogene Erhöhungs- und Verlängerungsoptionen. Flexen war einst ein Wackelkandidat bei den New York Mets, der deren Fans viele Nerven kostete. Im letzten Winter wechselte er zu den Doosan Bears nach Südkorea, wo er sich mit einer starken Saison für das MLB-Comeback empfahl.
Die Mets gelten übrigens nach wie vor als Favoriten für eine baldige Verpflichtung von Outfielder George Springer und Catcher James McCann, mit beiden wurde allerdings noch kein Vollzug gemeldet.

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September 17th, 2020 by Silversurger

Wenn man den Fans der Texas Rangers im Februar verraten hätte, dass ihr nagelneuer Ballpark Globe Life Field gleich im ersten Jahr eine World Series bekommen würde, hätte die Begeisterung wohl keine Grenzen gekannt. Nun wird es tatsächlich so kommen, aber sicher anders als sie es sich vorgestellt hatten. Denn während die Rangers längst keine Chance mehr auf die Playoffs haben, hat die MLB diese Woche festgelegt, dass Globe Life Field in Arlington als neutraler Ort für die Finalserie um die Meisterschaft dienen wird. Auch die vorhergehenden Playoff-Runden werden an festen Orten stattfinden, um angesichts der Pandemielage die Reiseaktivitäten zu minimieren: die Wild-Card-Serien steigen jeweils komplett im Heimstadion des höher gesetzten Teams, die weiteren Serien der NL in Texas (Arlington, Houston) und die der AL in Kalifornien (San Diego, Los Angeles). Letzteres steht noch unter dem Vorbehalt, dass die Luft an den Spielorten nicht zu sehr durch die verheerenden Waldbrände belastet ist, die derzeit entlang der Westküste wüten. Zur Not würden die betreffenden Spiele nach Phoenix, Arizona, verlegt. Bevor es losgeht mit der Postseason, stehen noch 11 Tage der regulären Saison an, in denen vor allem in der NL noch einige Entscheidungen herbeizuführen sind.

American League
Das Playoff-Feld der American League steht schon seit einiger Zeit weitgehend fest. Der einzige Platz, der auf der Zielgeraden ernsthaft am Wackeln ist, ist der der Houston Astros (24-25). Die Astros haben von ihren letzten 13 Spielen zehn verloren, darunter vier von fünf gegen die Oakland Athletics (31-19). Die Athletics haben dadurch ihren ersten Platz in der AL West zementiert, während die Astros mit negativer Bilanz auf Platz zwei stehen und von Glück sagen können, dass der Rest ihrer Division noch schlechter ist. Allerdings beträgt der Abstand zu den Seattle Mariners (22-27) inzwischen nur noch zwei Spiele. Nächste Woche von Montag bis Mittwoch treffen Houston und Seattle direkt aufeinander (siehe „Einschalttipp“).

In der AL East haben sich die New York Yankees (28-21) aus ihrer Schwächephase befreit und sieben Siege hintereinander gegen die beiden direkten Konkurrenten im Kampf um die Plätze zwei und drei gewonnen. Damit haben sie nicht nur die zarten Playoff-Hoffnungen der Baltimore Orioles (22-27) begraben, sondern auch die Toronto Blue Jays (26-22) überholt. Die Blue Jays und die Yankees treffen in den nächsten Tagen noch fünfmal aufeinander und können somit ihre Reihenfolge in der Tabelle im direkten Duell ausspielen. Unabhängig davon werden beide Teams in den Playoffs dabei sein, ebenso wie die Tampa Bay Rays (31-18) als Spitzenreiter der Division. 

Auch die AL Central darf sicher davon ausgehen, drei Vertreter in die Playoffs zu schicken. Um die ersten beiden Plätze streiten sich noch die Chicago White Sox (32-17) und die Minnesota Twins (31-20), während den Cleveland Indians (26-23) im ehemaligen Dreikampf offensichtlich die Luft ausgegangen ist. Acht Niederlagen in Folge setzte es für sie zuletzt, wobei man ihnen zugute halten muss, dass die letzten beiden gegen die Cubs nur äußerst knapp und unglücklich verloren gingen. Den Wild-Card-Platz haben die Indians trotzdem noch so gut wie sicher. 

National League
Der National League steht ein extrem spannendes Finish ins Haus: Eineinhalb Wochen vor Schluss sind nur vier von acht Startplätzen für die Postseason quasi sicher vergeben. Die Los Angeles Dodgers (35-15), die San Diego Padres (32-19), die Chicago Cubs (30-20) und die Atlanta Braves (29-21) werden aller Voraussicht nach die Gastgeberteams der Wild-Card-Runde sein. Darauf, in dieser Runde als Auswärtsteam dabei zu sein, machen sich von den restlichen elf Teams der NL noch acht berechtigte Hoffnungen. Aus dem Rennen sind lediglich die Pittsburgh Pirates (14-34), die Arizona Diamondbacks (19-31) und Titelverteidiger Washington Nationals (18-29).

Die beste Ausgangsposition auf einen der noch zu vergebenden Playoff-Plätze hat das Überraschungsteams des Jahres: Die Miami Marlins (25-22) haben übers Wochenende fünf von sieben Spielen gegen die Philadelphia Phillies (24-24) gewonnen und sich damit derzeit Platz zwei der NL East gesichert. Allerdings erwartet die Marlins noch ein bockelhartes Restprogramm: am Wochenende fünf Spiele in drei Tagen gegen die Nationals und dann zum Abschluss der regulären Saison Serien gegen die Braves und die Yankees.

Die Phillies und die San Francisco Giants (24-24) aus der NL West belegen momentan exakt gleichauf die beiden Wild-Card-Plätze. Die größte Konkurrenz um selbige ist wohl aus der NL Central zu erwarten, in der die Lage hinter den Cubs extrem unübersichtlich ist: Die Cincinnati Reds (25-26), die St. Louis Cardinals (22-23) und die Milwaukee Brewers (23-26) weisen zwar allesamt negative Bilanzen auf, aber keines der Teams trennt mehr als 1,5 Spiele von einem Playoff-Platz. Vor allem die Cardinals sind kaum einzuschätzen, da sie noch einen Berg von Nachholspielen vor sich herschieben. Wenn sie ihrer Favoritenrolle in den anstehenden acht Spielen – fünf gegen die Pirates, drei gegen die Royals – gerecht werden, haben sie beste Chancen, die Division auf Platz zwei abzuschließen. Dass die Reds und die Brewers in dieser Zeit dreimal gegeneinander spielen, dürfte den Cardinals ebenfalls gelegen kommen.

Szene der Woche
Die Los Angeles Angels haben dieses Jahr als Team nicht viele Highlights zu feiern, aber zumindest können sie sich an einigen herausragenden Einzelleistungen erfreuen. Letzte Woche war es der 300. Homerun von Mike Trout, diese Woche der sage und schreibe 660. Homerun von Albert Pujols. Der 40-jährige Slugger führt schon seit Jahren die Rangliste der noch aktiven Spieler mit den meisten Homeruns an. Mit Nummer 660, erzielt am Sonntag gegen die Colorado Rockies, hat er einen weiteren Meilenstein erreicht: Er zog auf der Allzeitliste mit Willie Mays auf Rang 5 gleich. Mehr Homeruns als Albert Pujols sind in der Geschichte der MLB nur Barry Bonds (762), Hank Aaron (755), Babe Ruth (714) und Alex Rodriguez (696) gelungen.

Statistik der Woche 
2,475 Milliarden. So viele Dollars lässt Steve Cohen sich den Kauf der New York Mets kosten. Die bisherigen Owner, die Familien Katz und Wilpon, haben sich mit Cohen auf diesen Betrag geeinigt, für den der neue Mehrheitseigner 95% der Anteile an der Franchise erhält. Das Gesamtvermögen des 64-jährigen Hedgefonds-Unternehmers und Kunstsammlers wird auf 14 Milliarden Dollar geschätzt. Cohen wird damit der reichste Team-Owner der Liga sein – genauer gesagt ist er reicher als die drei bislang vermögendsten Owner Ted Lerner (Nationals), Christopher Ilitch (Tigers) und Greg Johnson (Giants) zusammen. Dies sowie die Tatsache, dass Cohen bekennender Fan der Mets ist, lässt die Anhänger des Vereins darauf hoffen, dass die Tage vorbei sind, in denen ihr Club in einem der größten Märkte der USA geführt wurde wie ein Small-Market-Club. Was diese Hoffnung wert ist, wird sich zeigen. Vor dem Beginn der neuen Zeitrechnung steht zum Abschluss des Team-Kaufs noch die Zustimmung von mindestens 23 der 29 anderen Team-Eigner der MLB aus. Diese wird vermutlich bei den Owner-Meetings im November erfolgen. 

Spiel der Woche
Zum zweiten Mal in diesem Jahr durften wir einen No-Hitter bewundern, zum zweiten Mal gelang er einem Team aus Chicago. Nach Lucas Giolito mit den White Sox vollbrachte nun auch Alec Mills mit den Cubs das Meisterstück, nach dem sich jeder Pitcher sehnt: 27 Outs ohne einen einzigen zugelassenen Basehit. Wenn ihr euch jetzt fragt: „Alex wer?“, dann seid ihr damit nicht allein. Für Mills war es erst der 15. Start in einer bislang eher unauffälligen Karriere. Bei näherer Betrachtung erweist sich diese als eine schöne Underdog-Geschichte: Mills wurde nach der Highschool von keinem College angeworben, stattdessen tauchte er eines Tages beim Team der University of Tennessee-Martin auf und bat um ein Probetraining. Er durfte sein Können zeigen, schaffte es ins Team und wurde bei der MLB-Draft 2012 in Runde 22 von den Kansas City Royals ausgewählt. Seitdem war er zunächst für die Royals und ab 2017 für die Cubs meistens in den Minor Leagues aktiv, durfte nur gelegentlich als Notnagel in der MLB ran. So schien es auch vor sechs Wochen, als er wegen einer Verletzung von Jose Quintana in die Rotation der Cubs aufrückte. Seitdem schlug er sich so solide, dass er regelmäßig zum Einsatz kam – und am Sonntag die Gelegenheit hatte, sich in das Geschichtsbuch der MLB einzutragen.  

Mein Einschalttipp
Letzte Woche habe ich an dieser Stelle eine Serie empfohlen, in der ein Außenseiterteam – die Orioles – die Chance erhielt, einem Favoriten – den Yankees – den Playoff-Platz abzujagen. Die Sache ging aus Sicht der Orioles bekanntlich schief. Diese Woche ist die Konstellation eine ganz ähnliche, denn die Seattle Mariners haben sich in der AL East alarmierend nah an die Houston Astros herangearbeitet. Ab Montag der kommenden Woche empfangen die Mariners die Astros zu einer 3-Spiele-Serie. Wenn ihr sie sehen wollt, so gilt es, am Dienstag oder Mittwoch (jeweils ab 3:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit) früh aufzustehen und/oder am Mittwoch lange aufzubleiben für die Partie ab 0:40 Uhr. 

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Mai 12th, 2020 by Silversurger

Nach dem Besuch in Detroit geht in meiner Ballparks-Serie die Reise noch ein Stück weiter nach Norden. Genauer gesagt ist Seattle der nördlichste und der zweitwestlichste Standort der MLB. Rund 70.000 Kilometer legen die Spieler der Mariners jährlich auf ihren Auswärtsreisen zurück, weit mehr als die jedes anderen Teams. Heute aber geht es um ihre Heimstätte: T-Mobile Park.

Geschichte
Die Seattle Mariners nahmen den Spielbetrieb als Erweiterungsteam 1977 im ein Jahr zuvor erbauten Kingdome auf. Die Mehrzweckarena teilten sie sich mit den Seahawks (Football), den Sounders (Fußball) und den SuperSonics (Basketball). Der Kingdome galt zu seiner Eröffnung als hoch entwickeltes, topmodernes Stadion, doch er war ganz offensichtlich nicht für die Ewigkeit geschaffen. Das Dach machte immer wieder Probleme, unter anderem fielen 1994 kurz vor einem Spiel der Mariners mehrere Teile auf die Zuschauerränge herab – zum Glück wurde niemand verletzt. Zudem gab es mehrere kritische Gutachten im Hinblick auf mangelnde Erdbebensicherheit. Sowohl die Mariners als auch die Seahawks drohten letztlich der Stadt mit Wegzug, falls sie kein neues Stadion bekommen.

Nach drei Jahren mit einigem politischen Hin und Her wegen der Finanzierung begannen 1997 die Bauarbeiten für den neuen Mariners-Ballpark gleich gegenüber vom alten Dome. Letzterer wurde übrigens im Jahr 2000 abgerissen und durch ein neues Footballstadion ersetzt.

Mit Kosten von 517 Millionen Dollar war der Bau des Ballparks zum damaligen Zeitpunkt der teuerste der US-Geschichte. Gleichzeitig war es mit 27 Monaten Bauzeit auch der schnellste Bau eines Stadions mit verschließbarem Dach. Die Mariners hatten es so eilig, aus dem Kingdome heraus zu kommen, dass der Umzug mitten in der Saison stattfand: Am 15. Juli 1999 stieg das Eröffnungsspiel, welches mit 2:3 gegen die San Diego Padres verloren ging.

T-Mobile Park, dahinter das Stadion der Seahawks und die Skyline (1)

Der Ballpark hieß bei seiner Eröffnung und für die folgenden 20 Jahre übrigens Safeco Field, benannt nach einem Versicherungsunternehmen. Seit 2019 ist Mobilfunkanbieter T-Mobile neuer Inhaber der Namensrechte.

Safeco Field war 2000 und 2001 Austragungsort von Playoff-Spielen. In beiden Jahren unterlagen die Mariners in der American League Championship Series den New York Yankees. Seitdem mühen sich die Mariners bislang vergeblich um eine erneute Postseason-Qualifikation – länger als jedes andere Profi-Sportteam der USA. 2001 fand auch das All-Star-Spiel der MLB in Safeco Field statt.

Eine Besonderheit für Freunde dominanten Pitchings war das Jahr 2012: Am 21. April pitchte Philip Humber für die Chicago White Sox ein perfektes Spiel gegen die Mariners, am 15. August gelang Mariners-Pitcher Felix Hernandez gegen die Tampa Bay Rays ebenfalls ein Perfect Game. Das war bisher das einzige Mal in der Geschichte, dass es zwei perfekte Spiele in einem Jahr im selben Ballpark gab. Obendrein warfen am 8. Juni desselben Jahres sechs Pitcher der Mariners einen gemeinsamen No-Hitter gegen die Los Angeles Dodgers.

T-Mobile Park von außen mit Mount Rainier im Hintergrund (2)

Architektonische Auffälligkeiten
T-Mobile Park reiht sich ein in den retro-modernen Stil, dem viele seit den 1990er Jahren erbaute Ballparks folgen: Außen Klinker und Stahl, innen mehrstufige Tribünen, ein asymmetrisches Outfield und eine schöne Aussicht auf die Skyline von Seattle. Das größte unverwechselbare Feature von T-Mobile Park ist die Dachkonstruktion. Es handelt sich um ein verschließbares Dach, welches im Gegensatz zu anderen verschließbaren Dächern der MLB – z. B. in Houston oder Milwaukee – nur gegen Sonne und Regen schützt, aber keine Vollklimatisierung des Stadions erlaubt. Die ist in der Regel auch nicht nötig, da Seattle ein recht mildes Klima hat, aber eben viel Niederschlag. Das Dach kann und darf auch während des laufenden Spiels geöffnet oder geschlossen werden. Wenn man mit dem Flugzeug über den Ballpark fliegt, fällt der große magentafarbene Schriftzug „Welcome to T-Mobile Park, Seattle“ ins Auge, der sowohl bei offenem als auch bei geschlossenem Dach sichtbar ist.

Ein Hingucker im Inneren des Stadions ist die riesige Video-Anzeigetafel über dem Centerfield. Mit 1.070 m² ist es die zweitgrößte in der MLB, übertroffen nur von der in Cleveland.

In das Stadion integriert, hinter den Blöcken 135-141, ist das „Baseball Museum of the Pacific Northwest“. Wenn man genug Zeit mitbringt, kann man sich hier vor dem Spiel über die Baseball-Teams informieren, die es im Nordwesten der USA vor der Gründung der Mariners 1977 gab. Außerdem befindet sich dort die „Mariners Hall of Fame“ mit Informationen und Ausstellungsstücken über die Größen des Klubs wie Edgar Martinez oder Ken Griffey Jr.

T-Mobile Park (damals noch Safeco Field) mit geschlossenem Dach (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Mit Felddimensionen von 401 Fuß (122m) im Centerfield, 331 Fuß (101m) an der Leftfield- und 326 Fuß (99m) an der Rightfieldlinie liegt T-Mobile Park ziemlich im Durchschnitt der MLB. Trotzdem gilt der Park als eine der pitcherfreundlichsten Umgebungen der Liga. Die Parkfaktoren zeigen regelmäßig unterdurchschnittliche Bedingungen für Runs, Homeruns und Extrabase-Hits, dafür erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Strikeouts. Zu erklären ist dies durch den „Marine Layer“, eine für die Gegend typische, dichte Luftschicht die durch das Auftreffen von warmer Luft auf den kalten Ozean entsteht. Der Marine Layer verursacht in Seattle den gegenteiligen Effekt der dünnen Luft, die Coors Field in Denver zum Paradies für Hitter macht.

Das Dach von T-Mobile Park ist so hoch, dass es sehr selten von geschlagenen Bällen getroffen wird. Falls es doch vorkommt, bestimmen die Ground Rules, dass
– ein Ball nach dem Berühren des Daches weiterhin zum Flyout gefangen werden kann;
– ein Ball, der das Dach im Foul Territory berührt, in jedem Fall als Foulball gewertet wird;
– ein Ball, der das Dach im Fair Territory berührt, je nach Ort seiner Landung als fair oder foul gewertet wird.

Wo sitzt man am besten?
Die durchschnittliche Auslastung des knapp 48.000 Zuschauer fassenden T-Mobile Park lag in den letzten Jahren regelmäßig unter 60 Prozent. Es ist daher normalerweise kein Problem, auch kurzfristig noch an Tickets heranzukommen. Die Preise liegen im Mittelfeld der MLB.

Wie in jedem Ballpark bieten die beste Sicht die Plätze hinter der Homeplate für ein paar hundert Dollar. Für 60 bis 70 Dollar bekommt man aber auch schon sehr gute Plätze um das Infield herum in den Terrace Club Sections 220-240. Auf den Outfield-Tribünen kommt man für unter 20 Dollar unter. Man ist dort natürlich sehr weit weg und sieht vor allem im Centerfield die Anzeigetafel nur, wenn man den Kopf dreht.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Sean O’Neill (CC BY-ND 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: Tiffany Von Arnim (CC BY 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: albedo20 (CC BY-NC-ND 2.0)

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