März 6th, 2021 by Silversurger

Um ein Haar hätten die Seattle Mariners eine ruhige, solide Offseason erlebt. Das junge Team ist fast vollständig zusammengeblieben, mit James Paxton und Rafael Montero wurden ein erfahrener Starter und ein Closer dazugeholt, und in Jarred Kelenic wartet eines der größten Talente der MLB auf sein Big-League-Debüt. So weit, so gut. Kurz vor dem Beginn des Spring Trainings war es leider vorbei mit der Harmonie, als die Aufzeichnung einer Rede des Teampräsidenten und Geschäftsführers der Mariners, Kevin Mather, an die Öffentlichkeit gelangte. In dem Vortrag, den er Anfang Februar in einer Videokonferenz vor einer Rotariergruppe gehalten hatte, teilte Mather einen Rundumschlag aus: Unter anderem beschwerte er sich über die Englischkenntnisse von Ex-Pitcher Hisashi Iwakuma und Prospect Julio Rodriguez, bezeichnete Kyle Seager als überbezahlt und amüsierte sich über arbeitslose Spieler, die „mit dem Hut in der Hand“ um einen Vertrag betteln würden, wenn man sie nur lange genug warten ließe. Zudem sprach er offen darüber, dass bei den Mariners Service-Time-Manipulation betrieben wird – dass also Nachwuchsspieler länger als in den Minor Leagues bleiben als sportlich sinnvoll wäre, um dem Klub eine längere vertragliche Kontrolle zu ermöglichen. Zwar trat Mather unter dem Druck der Reaktionen auf die Äußerungen von seinen Ämtern zurück, doch der Schaden bleibt angerichtet und wird noch für einige Zeit die Stimmung im Mariners-Lager trüben. Abgesehen von den aktuellen Unruhen scheint das Roster-Building von General Manager Jerry Dipoto wie eingangs erwähnt auf einem guten Weg. Als konkurrenzfähig sehe ich die Mariners noch nicht an, aber auch nicht mehr weit entfernt davon – ein oder zwei Jahre vielleicht.

Voraussichtliches Lineup
C Tom Murphy
1B Evan White
2B Dylan Moore
SS J. P. Crawford
3B Kyle Seager
LF Jake Fraley
CF Kyle Lewis
RF Mitch Haniger
DH Ty France

Voraussichtliche Rotation
LHP Marco Gonzales
LHP James Paxton
LHP Yusei Kikuchi
LHP Justus Sheffield
RHP Chris Flexen
RHP Justin Dunn
Key Reliever: Rafael Montero

Wichtigster Zugang
SP James Paxton (New York Yankees)

Wichtigster Abgang
IF/OF Dee Strange-Gordon (Cincinnati Reds)

Bestes Prospect
OF Jarred Kelenic

Größte Stärke
Der Nachwuchs: Einige vielversprechende junge Leute sind bereits ins MLB-Team aufgestiegen, darunter Kyle Lewis, der einstimmig zum Rookie of the Year der AL gewählt wurde, und Evan White, der in seinem ersten Jahr einen Gold Glove gewann. Und es kommt noch einiges nach, denn die Mariners haben eines der stärksten Farmsysteme der Liga, laut Baseball America das zweitbeste hinter den Rays.

Größte Schwäche
Schlechte Stimmung: Etliche Spieler, darunter die Führungsfigur Kyle Seager sowie die beiden größten Nachwuchstalente Julio Rodriguez und Jarred Kelenic, sind nach den Tiraden von Ex-Präsident Mather stinksauer auf ihren Verein. Man wird sehen müssen, ob sie das professionell wegstecken, eine Verweigerungshaltung einnehmen oder gar eine positive Trotzreaktion zeigen.

Spannendste Frage
Ist die 6-Mann-Rotation ein Modell mit Zukunft? Eine Starting Rotation aus sechs statt fünf Pitchern wird in der MLB seit langem als mögliche taktische Entwicklung diskutiert. Die Mariners haben sie letztes Jahr als erste für eine (verkürzte) ganze Saison umgesetzt und sind fest entschlossen, das System auch über die anstehenden 162 Spiele hinweg fortzuführen. Die Vorteile sind, dass man die Belastung der einzelnen Pitcher reduziert durch insgesamt weniger Innings und längere Pausen und dass man Raum schafft für eine zusätzliche Trainingseinheit zwischen den Starts. Die meisten Teams sehen bislang die Nachteile als überwiegend an: Die Innings, die von den besten Pitchern eingespart werden, muss man mit dem sechstbesten Pitcher bestreiten, und der zusätzlich belegte Platz im 26-Mann-Kader reduziert die Flexibilität in den anderen Mannschaftsteilen.

Meine Prognose
Platz 4 in der AL West

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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Februar 25th, 2021 by Silversurger

Fenster auf, Augen zu – riecht ihr auch schon das frisch gemähte Gras der Baseballfelder, wartet ihr auch schon sehnsüchtig auf das Geräusch des Schlägers, der auf den Ball trifft? Es ist soweit, am Sonntag geht es los mit den Spring-Training-Spielen. In der ersten auf mlb.tv übertragenen Partie treffen um 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Toronto Blue Jays auf die New York Yankees.
Ziemlich getrübt dürfte die Vorfreude auf den Saisonstart bei den Seattle Mariners sein: Dort sorgten in den letzten Tagen einige bierselige Äußerungen des Team-Präsidenten für reichlich Unruhe.  

Mariners-Präsident tritt zurück
In einer Zoom-Konferenz des Rotarierklubs Seattle-Bellevue Anfang Februar fühlte Kevin Mather sich offenbar ungezwungen genug, um mal völlig undiplomatisch vom Leder zu ziehen. Der Präsident und Geschäftsführer der Mariners echauffierte sich über die mangelnden Sprachkenntnisse eines japanischen und eines dominikanischen Spielers, markierte einen der Stars seines Teams als „überbezahlt“ und brüstete sich damit, dass Free Agents „mit dem Hut in der Hand“ um einen Vertrag betteln würden, wenn man sie nur lange genug auf ein Angebot warten ließe. Zudem brach er das unter MLB- und Teamfunktionären herrschende Tabu, offen über Service-Time-Manipulation zu reden – also über die Praxis, leistungsstarke junge Spieler gezielt später in die MLB zu berufen, um dem Klub eine verlängerte vertragliche Kontrolle zu ermöglichen.

Der Rotarierklub stellte die 45-minütige Rede, deren Brisanz man offenbar nicht erkannte, anschließend bei Youtube zur Verfügung. Dort stieß ein Mariners-Fan zufällig auf das Video und trat einen Sturm der Entrüstung unter lokalen Beatwritern, Anhängern und den von Mather kritisierten Spielern los, durch den Mather sich sowohl zu einer Entschuldigung als auch zum Rücktritt gezwungen sah. Mather war im Umfeld des Klubs schon vorher nicht sonderlich beliebt, und manch einer wird froh sein, ihn auf diese Weise losgeworden zu sein. Allerdings muss man wohl auch konstatieren, dass er nicht mehr und nicht weniger als das ausgesprochen hat, was dem Denken und Handeln vieler anderer Funktionäre entspricht. Die nach der Saison anstehenden Verhandlungen zwischen der Liga, den Klubs und der Spielergewerkschaft über einen neuen Rahmenvertrag sind nach diesem Vorfall mit Sicherheit nicht leichter geworden. 

Walker zu den Mets
Die New York Mets haben zum Ende ihrer sehr aktiven Offseason noch einmal nachgelegt: Starting Pitcher Taijuan Walker wurde mit einem Zweijahresvertrag verpflichtet. Der 28-Jährige erhält für sein Engegament ein garantiertes Gehalt von 20 Millionen Dollar; für 2023 hat er zudem die Option auf eine Verlängerung, die ihm weitere rund 10 Millionen einbrächte. Walker brachte es letztes Jahr in elf Starts für die Mariners und die Blue Jays auf einen ERA von 2.70. Er komplettiert eine sehr namhafte Starting Rotation mit Jacob deGrom, Marcus Stroman, Carlos Carrasco und David Peterson. Voraussichtlich im Juni ist zudem mit der Rückkehr von Noah Syndergaard nach seiner Tommy-John-Surgery zu rechnen. Im Gegensatz zu Syndergaard, der sich regelmäßig über soziale Medien mit Mr. Met kabbelt, scheint Walker daran gelegen zu sein, gut mit dem Team-Maskottchen auszukommen: Weil seine bevorzugte Rückennummer „00“ schon von Mr. Met getragen wird, hat sich der Pitcher bereitwillig umorientiert und die „99“ gewählt.

Weitere Neuverpflichtungen  
Die weiteren Free-Agent-Abschlüsse dieser Woche: OF Brett Gardner (New York Yankees, 1 Jahr plus Kluboption, 4 Millionen Dollar), 1B/DH Mitch Moreland (Oakland Athletics, 1 Jahr, 2,25 Millionen plus Leistungsboni), 1B/3B Jake Lamb (Atlanta Braves, ), RP Chaz Roe (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 1,15 Millionen).

Diese Free Agents sind noch ohne Vertrag
Die Free Agency hat in dieser Offseason, vermutlich auch coronabedingt, erst spät an Fahrt aufgenommen. Inzwischen sind aber fast alle Akteure mit Rang und Namen entweder bei einem Team untergekommen oder haben sich wie Hunter Pence, Daniel Murphy, Dustin Pedroia, Cody Allen und Brian Dozier entschieden, ihre Karriere zu beenden. Irgendwo zwischen den Welten befindet sich Ryan Braun, der nach eigener Aussage „zurzeit nicht interessiert“ ist zu spielen, aber auch noch nicht bereit, sein Karriereende zu verkünden.

Von meiner Top-20-Liste der diesjährigen Free Agents ist nur noch Jackie Bradley Jr. übrig. Der Centerfielder scheint sich etwas verzockt zu haben mit seiner Forderung nach einem hoch bezahlten Vertrag über mindestens vier Jahre, die interessierte Teams wie die Mets und die Astros abschreckte. Neben Bradley Jr. sind noch einige interessante Starting Pitcher verfügbar, allen voran Jake Odorizzi. Auch er ist möglicherweise mit zu hohen Forderungen aufgetreten und wird sich mit weniger zufrieden geben müssen. Ein MLB-Vertrag dürfte ihm aber sicher sein. Anders könnte es für Kandidaten wie Cole Hamels und Rick Porcello aussehen. Wenn sich innerhalb der nächsten Tage nichts anderes ergibt, müssen sie eventuell den Weg beschreiten, auf dem Matt Harvey (Orioles), Felix Hernandez (Orioles) und Julio Teheran (Tigers) sich schon befinden. Die drei haben Minor-League-Verträge unterschrieben und versuchen sich im Camp neu zu empfehlen für eine weitere Chance auf der großen Bühne.

Desmond wählt Opt-Out
Ob wir Ian Desmond noch mal auf der großen Bühne sehen werden, bleibt abzuwarten. Der Outfielder hat zwar einen laufenden Vertrag mit den Colorado Rockies, doch er kündigte vor wenigen Tagen an, erneut die Ausstiegsoption zu ziehen, die allen Spielern wegen der Coronapandemie zugestanden wird. Er verzichtet damit auf mittlerweile 13,56 Millionen Dollar. Sein Wunsch, bei seiner Familie zu sein, sei größer als der Wunsch, unter den aktuellen Umständen Baseball zu spielen, ließ er in einem Statement wissen. Für nächstes Jahr haben die Rockies die Option einer Vertragsverlängerung für 15 Millionen. Dass sie diese für einen dann 36-Jährigen ziehen, der zwei Jahre lang nicht gespielt hat, erscheint unwahrscheinlich. 

Top-Prospect der Twins fällt lange aus
Royce Lewis, das am höchsten eingestufte Nachwuchstalent der Minnesota Twins, muss auf den Start seiner MLB-Karriere noch mindestens bis 2022 warten. Der 21-jährige Shortstop zog sich einen Kreuzbandriss zu und muss deswegen morgen operiert werden. Die anschließende Reha dauert üblicherweise neun bis zwölf Monate, sodass die Saison 2021 für Lewis definitiv gelaufen ist. Die Twins haben sich auf der Shortstop-Position gerade erst durch die Verpflichtung von Andrelton Simmons verstärkt, somit entsteht durch den Ausfall von Lewis zumindest kurzfristig keine Lücke. Trotzdem ist es ein herber Rückschlag, dass das Top-Prospect der Franchise durch die ausgefallene Minor-League-Saison 2020 und die jetzt erlittene Verletzung insgesamt rund zweieinhalb Jahre lang kein einziges Baseballspiel bestreiten kann.

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Februar 18th, 2021 by Silversurger

Der Frühling ist da! Das ist zwar weder astronomisch noch meteorologisch korrekt, aber für den Baseballfan beginnt diese Jahreszeit eben mit dem Spring Training, und das haben in dieser Woche sämtliche MLB-Teams aufgenommen. Rund zwei Wochen nehmen sich die Akteure, um erstmal den gröbsten Rost abzuschütteln und eine Wellenlänge mit neuen Mitspielern und Coaches zu finden. Am 28. Februar geht es dann los mit den öffentlichen Testspielen, in denen die Teams sich auf den Start der echten Saison am 1. April vorbereiten.

Angepasste Spring-Training-Spielpläne
Coronabedingt wurden für dieses Jahr die Spielpläne der Vorbereitungsspiele umgestellt: Die Teams sollen möglichst wenig reisen und auf nicht zu viele unterschiedliche Gegner treffen. So spielen zum Beispiel die Mets, die Astros, die Marlins, die Cardinals und die Nationals, deren Trainingslager an der Ostküste von Florida liegen, ausschließlich untereinander. Die vollständigen Spielpläne findet ihr hier. Wie gewohnt werden nicht alle, aber viele der Testspiele auf mlb.tv übertragen.

Blue Jays starten Saison in Florida
Wenn Ende März die anderen Teams zurück in ihre Heimatstädte fliegen, bleiben nicht nur die Miami Marlins und die Tampa Bay Rays, sondern auch die Toronto Blue Jays in Florida zurück. Wegen der Pandemie bestehen nach wie vor rechtliche und logistische Hürden beim Grenzübertritt zwischen den USA und Kanada, daher trägt das einzige kanadische Team der MLB seine Heimspiele auch in diesem Jahr zumindest während der ersten Saisonwochen in einem Ausweichquartier aus. Letztes Jahr nutzten die Blue Jays dafür das Stadion ihrer AAA-Filiale in Buffalo, dieses Mal bleiben sie in ihrem Spring-Training-Komplex in Dunedin, gleich westlich von Tampa.

340 Millionen für Tatis Jr.
Fernando Tatis Jr. ist erst 22 Jahre alt, gilt aber bereits als einer der besten Shortstops der Liga. Damit sie an ihm noch lange Freude haben, nehmen die San Diego Padres eine enorme Menge Geld in die Hand. 340 Millionen Dollar bezahlen sie dem Jungstar dafür, dass er sich für die nächsten 14 Jahre dem Verein verschreibt. Da Tatis im Rahmen seines Rookievertrags ohnehin noch bis 2025 an die Padres gebunden gewesen wäre, kommt die Verlängerung überraschend frühzeitig. Aus Vereinssicht ist der Vertrag eine teure Wette darauf, dass Tatis sein hohes Leistungsniveau auf Dauer hält. Solange das der Fall ist, haben sicher beide Seiten ein gutes Geschäft gemacht. Sollte der Junge im Laufe der Zeit durch eine Verletzung oder andere Umstände aus der Bahn geworfen werden, hätte man sich allerdings einen heftigen Klotz ans Bein gebunden. 

Turner bleibt bei den Dodgers
Auch das letzte Mitglieder meiner Top-10 der diesjährigen Free Agents hat sein neues Zuhause gefunden; in diesem Fall ist es zugleich das alte: Justin Turner bleibt für zwei weitere Jahre bei den Los Angeles Dodgers. Der 36-jährige Third Baseman erhält für seine Unterschrift 34 Millionen Dollar, zudem kann der Klub für weitere 14 Millionen die Option auf ein drittes Jahr ziehen, und ein paar leistungsbezogene Extras kommen noch obendrauf.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Hier die weiteren Free-Agent-Abschlüsse dieser Woche, wie immer beschränkt auf MLB-Verträge: RP Trevor Rosenthal (Oakland Athletics, 1 Jahr, 11 Millionen Dollar), SP James Paxton (Seattle Mariners, 1 Jahr, 8,5 Millionen plus Leistungsboni), SP Jake Arrieta (Chicago Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 6 Millionen), SP Aaron Sanchez (San Francisco Giants, 1 Jahr, 4,5 Millionen plus Leistungsboni), CF Kevin Pillar (New York Mets, 1 Jahr plus beidseitige Option, 3,6 Millionen), IF/OF Brad Miller (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 3,5 Millionen), IF/OF Marwin Gonzalez (Boston Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen plus Leistungsboni), RP Mark Melancon (San Diego Padres, 1 Jahr plus beidseitige Option, 3 Millionen), RP Yusmeiro Petit (Athletics, 1 Jahr, 2,55 Millionen plus Leistungsboni), SP Rich Hill (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 2,5 Millionen), SP Tyler Anderson (Pittsburgh Pirates, 1 Jahr, 2,5 Millionen), RP Sergio Romo (Athletics, 1 Jahr, 2,25 Millionen), SP Matt Shoemaker (Minnesota Twins, 1 Jahr, 2 Millionen plus Leistungsboni), SP Collin McHugh (Rays, 1 Jahr, 1,8 Millionen), IF Asdrubal Cabrera (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), RP David Phelps (Toronto Blue Jays, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), OF Nomar Mazara (Detroit Tigers, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), RP Brandon Workman (Cubs, 1 Jahr, 1 Million plus Leistungsboni), RP Oliver Drake (Rays, 1 Jahr, 775.000), RP Justin Wilson (New York Yankees, 1 Jahr, Finanzen unbekannt), RP Ken Giles (Mariners, 2 Jahre, Finanzen unbekannt).

Zudem gab es zwei kleine Trades, jeweils unter Beteiligung der Tampa Bay Rays: Von den Boston Red Sox bekommen sie die beiden Pitcher Chris Mazza und Jeffrey Springs im Austausch gegen die Prospects Catcher Ronaldo Hernandez und Pitcher Nick Sogard. Im zweiten Trade schicken die Rays Pitcher John Curtiss zu den Miami Marlins und bekommen dafür Minor-League-1B Evan Edwards.

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Dezember 17th, 2020 by Silversurger

Die Vorbereitungen der MLB-Teams auf die Saison 2021 laufen auf Hochtouren – wann und in welcher Form diese angesichts der Pandemielage stattfinden wird, ist allerdings noch offen. Die Meldungen, die dazu bisher durchgedrungen sind, lassen auf Uneinigkeit zwischen der Ligaleitung und der Spielergewerkschaft schließen: Die MLB denkt offenbar darüber nach, den Saisonstart vom 1. April auf Mai zu verschieben und den Spielplan entsprechend zu kürzen. Die MLBPA hingegen besteht auf einer vollen 162-Spiele-Saison, die nach ihrer Ansicht unter den Sicherheits- und Hygieneregeln der vergangenen Saison zu verantworten wäre. Diese gerade erst begonnene Diskussion wird uns in den nächsten Wochen sicher noch beschäftigen. Bis auf Weiteres sind die Teams angewiesen, sich auf einen pünktlichen Start des Spring Trainings Ende Februar einzustellen.

Die Indianer von Cleveland sind Geschichte
Für ein Team wird 2021 die letzte MLB-Saison werden, jedenfalls unter dem aktuellen Namen: Nach jahrelangen Diskussionen um den rassistischen Gehalt der Bezeichnung „Indians“ hat der Klub aus Cleveland entschieden, diese abzulegen. Anders als das „Washington Football Team“, das sich von einem Tag auf den anderen vom Wort „Redskins“ trennte, werden die Indians mit dem in Ungnade gefallenen Titel noch ein Jahr lang auf Abschiedstournee gehen. Bis 2022 soll ein neuer Teamname gefunden werden. Als früher Favorit gilt „Cleveland Spiders“, der Name eines von 1889 bis 1899 bestehenden National-League-Klubs.

MLB zollt Negro Leagues Anerkennung
Apropos Rassismus: Die MLB gab gestern einen bedeutenden symbolischen Schritt im Zuge der eigenen Vergangenheitsbewältigung bekannt. Sieben sogenannte Negro Leagues der Jahre 1920 bis 1948 werden im Nachhinein offiziell als Major Leagues anerkannt. Das bedeutet, dass die 3.400 Spieler dieser Ligen mit all ihren Leistungen, Statistiken und Rekorden nun offiziell als Major Leaguer gelten. Die MLB hatte jahrzehntelang per Absprache unter den Ownern dunkelhäutige Spieler vom professionellen Baseball ausgeschlossen und diese in den finanziell und infrastrukturell benachteiligten Negro Leagues abgesondert. Erst 1947 endete mit dem Einsatz von Jackie Robinson für die Los Angeles Dodgers die Rassentrennung im US-Baseball.

Phillies engagieren Dombrowski
Die Philadelphia Phillies haben zum ersten Mal einen President of Baseball Operations. Für den neu geschaffenen Posten wurde Dave Dombrowski gewonnen, der damit im Wesentlichen die Nachfolge des zurückgetretenen General Managers Matt Klentak antritt. Der 64-jährige Dombrowski bringt 31 Jahre Erfahrung auf verantwortungsvollen Posten in diversen MLB-Franchises mit. Er ist der einzige General Manager, der drei verschiedene Klubs – die Marlins, die Red Sox und zweimal die Tigers – in die World Series geführt hat. Gewonnen hat er diese 1997 mit Miami und 2018 mit Boston. Dass Dombrowski den Job in Philadelphia angenommen hat, kommt etwas überraschend, denn ursprünglich hatte er nach seinem Rauswurf in Boston 2019 angekündigt, an einem weiteren MLB-Job nur dann interessiert zu sein, wenn er die Verantwortung für ein neu zu gründendes Team in Nashville übernehmen kann. Offenbar änderte er seine Meinung, nachdem die Liga deutlich machte, dass eine Erweiterung für die nächsten zwei Jahre kein Thema ist.

Neuer GM und neuer Catcher für die Mets
Auch die New York Mets haben einen neuen Funktionär am Start: Jared Porter wird General Manager in Queens und damit die rechte Hand von Sandy Alderson im neu strukturierten Front Office der Mets. Porter war zuletzt Assistenz-GM bei den Arizona Diamondbacks und zuvor in verschiedenen Rollen rund um die Spielerbeobachtung und -entwicklung bei den Chicago Cubs und den Boston Red Sox tätig gewesen.
Auch auf dem Feld konnten die Mets eine Lücke schließen: Catcher James McCann wird die nächsten vier Jahre in New York spielen. Der 30-Jährige galt als zweitbester Catcher der diesjährigen Free-Agent-Klasse hinter J. T. Realmuto und dürfte für die Mets eine deutliche Verstärkung sein. Die Unterschrift unter den Vertrag ist für ihn 40,6 Millionen Dollar wert.

Weitere Neuverpflichtungen
Außer McCann haben auch die folgenden MLB-Spieler diese Woche einen neuen Arbeitgeber gefunden: SP Anthony DeSclafani (San Francisco Giants, 1 Jahr, 6 Millionen Dollar), C Mike Zunino (Tampa Bay Rays, 1 Jahr plus Vereinsoption, 3 Millionen), OF Hunter Renfroe (Boston Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen), OF David Dahl (Texas Rangers, 1 Jahr, 3 Millionen), RP Greg Holland (Kansas City Royals, 1 Jahr, 2,75 Millionen), RP Keynan Middleton (Seattle Mariners, 1 Jahr, 800.000).

Zudem gab es zwei kleine Trades, beide mit Beteiligung der Texas Rangers: RP Rafael Montero wechselt im Austausch gegen zwei Minor-League-Prospects von Texas zu den Seattle Mariners. In einem Handel mit den Tampa Bay Rays, in den auf beiden Seiten mehrere Minor Leaguer involviert sind, kommt C Nate Lowe zu den Rangers. 

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Dezember 10th, 2020 by Silversurger

Obwohl die Ligaleitung, Vereinsvertreter, Spieleragenten und andere Interessengruppen rund um die MLB derzeit ihre – dieses Jahr virtuellen – Winter Meetings abhalten, gab es in den letzten Tagen nur wenige Trades und Neuverpflichtungen zu vermelden. Am aktivsten waren die Chicago White Sox, die ihren Kader an zwei Stellen ergänzten. Die Rangers überraschten mit einem Wechsel im Front Office, während die Angels offenbar Gefallen an einem bestimmten Namen gefunden haben.

NL-Teams planen 2021 ohne DH
Von allen besonderen Regeln der Coronasaison 2020 – 7-Inning-Doubleheader, beschleunigte Extrainnings, größere Kader, erweiterte Playoffs – schien die Anwendung des Designated Hitters in der gesamten MLB die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit zu sein, auf Dauer zu bleiben. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, aber es sieht inzwischen danach aus, dass man für 2021 zum alten Zustand zurückkehrt, der da lautet: Die American League spielt mit DH, die National League ohne. Darauf deutet jedenfalls ein Schreiben hin, das die Ligaleitung den Klubs letzte Woche zugestellt hat. Den NL-Teams wird darin empfohlen, bei ihrer Kaderplanung davon auszugehen, dass es keinen DH geben wird.
Generell gilt die Einführung der ligaweiten DH-Regel schon seit Jahren eher als eine Frage des „wann“ als des „ob“. Vermutlich wird dieses Thema aber nun in die Verhandlungen des neuen Rahmenvertrages (CBA) zwischen der Liga und den Spielern verschoben, die Ende 2021 anstehen.

Neuer GM bei den Rangers
Die Texas Rangers haben die Verpflichtung von Chris Young als neuen General Manager bekannt gegeben. Das kam sehr überraschend, denn es hatte vorher keine Hinweise darauf gegeben, dass sie überhaupt auf der Suche waren. Jon Daniels hatte den Job seit 15 Jahren inne und wird als „President of Baseball Operations“ weiterhin an Bord bleiben. Sein Nachfolger Young übernimmt zum ersten Mal Verantwortung in einem Front Office. Der 41-jährige war von 2004 bis 2017 als Starting Pitcher für die Rangers und vier andere MLB-Klubs aktiv gewesen; seit 2018 beaufsichtigte er als Vizepräsident der Liga den Spielbetrieb. Unter Daniels haben die Rangers fünfmal die Playoffs erreicht und zweimal die American League gewonnen. Seit 2016 hatten sie aber keine Saison mit mehr Siegen als Niederlagen, und für 2021 planen sie, die Ausgaben für Spielergehälter zu reduzieren. Das wird kein leichter Job für Young, der auch bei den Mets im Gespräch war, sich aber seiner in Dallas lebenden Familie wegen für die Rangers entschied. 

White Sox holen Lynn und Eaton
Gleich die erste spürbare Amtshandlung des neuen Rangers-GM trägt zum Ziel bei, Kosten zu sparen: Pitcher Lance Lynn, in den letzten beiden Jahren die verlässlichste Größe in der Rotation der Rangers, wurde zu den Chicago White Sox getradet.  Der 33-Jährige nimmt seinen Vertrag mit nach Chicago, der noch ein Jahr lang läuft und ihm 8 Millionen Dollar einbringt. Als Gegenleistung schicken die White Sox zwei Nachwuchspitcher nach Texas: den 25-jährigen Rechtshänder Dane Dunning und den 23-jährigen Lefty Avery Weems.
Außer der Rotation verstärken die White Sox auch ihr Outfield und zwar mit einem alten Bekannten: Adam Eaton kehrt nach vier Jahren in Washington als Free Agent zurück nach Süd-Chicago. Der 32-Jährige unterschreibt für ein Jahr und 7 Millionen Dollar mit einer Kluboption für ein weiteres Jahr zum Preis von 8,5 Millionen. Eaton hatte 2020 eine schwache Saison. Bei den White Sox setzt man darauf, dass er zu alter Stärke findet und den Mangel an linkshändigen Hittern im Lineup behebt.

Angels traden (schon wieder) für Iglesias
Letzte Woche berichtete ich an dieser Stelle, dass die Los Angeles Angels Shortstop José Iglesias von den Baltimore Orioles ertradet haben. Diese Woche kommt Relief Pitcher Raisel Iglesias hinzu, den die Angels im Austausch gegen Reliever Noe Ramirez und einen noch nicht benannten Spieler von den Cincinnati Reds holen. Dass die beiden Neuzugänge denselben Nachnamen tragen, aus Kuba stammen und obendrein an aufeinander folgenden Tagen geboren wurden, ist ein origineller Zufall, miteinander verwandt sind sie aber nicht. „Dafür sehe ich zu gut aus“, antwortete José, als er letztes Jahr in einem Interview danach gefragt wurde.

Weitere Neuverpflichtungen
Zwei weitere Spieler haben in den letzten Tagen einen neuen MLB-Vertrag unterschrieben: First Baseman Carlos Santana erhält von den Kansas City Royals 17,5 Millionen Dollar für zwei Jahre plus leistungsbezogene Boni von bis zu einer weiteren Million.
Die Seattle Mariners sichern sich die Dienste von Pitcher Chris Flexen für zwei Jahre und 4,75 Millionen Dollar plus mehrere leistungsbezogene Erhöhungs- und Verlängerungsoptionen. Flexen war einst ein Wackelkandidat bei den New York Mets, der deren Fans viele Nerven kostete. Im letzten Winter wechselte er zu den Doosan Bears nach Südkorea, wo er sich mit einer starken Saison für das MLB-Comeback empfahl.
Die Mets gelten übrigens nach wie vor als Favoriten für eine baldige Verpflichtung von Outfielder George Springer und Catcher James McCann, mit beiden wurde allerdings noch kein Vollzug gemeldet.

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September 17th, 2020 by Silversurger

Wenn man den Fans der Texas Rangers im Februar verraten hätte, dass ihr nagelneuer Ballpark Globe Life Field gleich im ersten Jahr eine World Series bekommen würde, hätte die Begeisterung wohl keine Grenzen gekannt. Nun wird es tatsächlich so kommen, aber sicher anders als sie es sich vorgestellt hatten. Denn während die Rangers längst keine Chance mehr auf die Playoffs haben, hat die MLB diese Woche festgelegt, dass Globe Life Field in Arlington als neutraler Ort für die Finalserie um die Meisterschaft dienen wird. Auch die vorhergehenden Playoff-Runden werden an festen Orten stattfinden, um angesichts der Pandemielage die Reiseaktivitäten zu minimieren: die Wild-Card-Serien steigen jeweils komplett im Heimstadion des höher gesetzten Teams, die weiteren Serien der NL in Texas (Arlington, Houston) und die der AL in Kalifornien (San Diego, Los Angeles). Letzteres steht noch unter dem Vorbehalt, dass die Luft an den Spielorten nicht zu sehr durch die verheerenden Waldbrände belastet ist, die derzeit entlang der Westküste wüten. Zur Not würden die betreffenden Spiele nach Phoenix, Arizona, verlegt. Bevor es losgeht mit der Postseason, stehen noch 11 Tage der regulären Saison an, in denen vor allem in der NL noch einige Entscheidungen herbeizuführen sind.

American League
Das Playoff-Feld der American League steht schon seit einiger Zeit weitgehend fest. Der einzige Platz, der auf der Zielgeraden ernsthaft am Wackeln ist, ist der der Houston Astros (24-25). Die Astros haben von ihren letzten 13 Spielen zehn verloren, darunter vier von fünf gegen die Oakland Athletics (31-19). Die Athletics haben dadurch ihren ersten Platz in der AL West zementiert, während die Astros mit negativer Bilanz auf Platz zwei stehen und von Glück sagen können, dass der Rest ihrer Division noch schlechter ist. Allerdings beträgt der Abstand zu den Seattle Mariners (22-27) inzwischen nur noch zwei Spiele. Nächste Woche von Montag bis Mittwoch treffen Houston und Seattle direkt aufeinander (siehe „Einschalttipp“).

In der AL East haben sich die New York Yankees (28-21) aus ihrer Schwächephase befreit und sieben Siege hintereinander gegen die beiden direkten Konkurrenten im Kampf um die Plätze zwei und drei gewonnen. Damit haben sie nicht nur die zarten Playoff-Hoffnungen der Baltimore Orioles (22-27) begraben, sondern auch die Toronto Blue Jays (26-22) überholt. Die Blue Jays und die Yankees treffen in den nächsten Tagen noch fünfmal aufeinander und können somit ihre Reihenfolge in der Tabelle im direkten Duell ausspielen. Unabhängig davon werden beide Teams in den Playoffs dabei sein, ebenso wie die Tampa Bay Rays (31-18) als Spitzenreiter der Division. 

Auch die AL Central darf sicher davon ausgehen, drei Vertreter in die Playoffs zu schicken. Um die ersten beiden Plätze streiten sich noch die Chicago White Sox (32-17) und die Minnesota Twins (31-20), während den Cleveland Indians (26-23) im ehemaligen Dreikampf offensichtlich die Luft ausgegangen ist. Acht Niederlagen in Folge setzte es für sie zuletzt, wobei man ihnen zugute halten muss, dass die letzten beiden gegen die Cubs nur äußerst knapp und unglücklich verloren gingen. Den Wild-Card-Platz haben die Indians trotzdem noch so gut wie sicher. 

National League
Der National League steht ein extrem spannendes Finish ins Haus: Eineinhalb Wochen vor Schluss sind nur vier von acht Startplätzen für die Postseason quasi sicher vergeben. Die Los Angeles Dodgers (35-15), die San Diego Padres (32-19), die Chicago Cubs (30-20) und die Atlanta Braves (29-21) werden aller Voraussicht nach die Gastgeberteams der Wild-Card-Runde sein. Darauf, in dieser Runde als Auswärtsteam dabei zu sein, machen sich von den restlichen elf Teams der NL noch acht berechtigte Hoffnungen. Aus dem Rennen sind lediglich die Pittsburgh Pirates (14-34), die Arizona Diamondbacks (19-31) und Titelverteidiger Washington Nationals (18-29).

Die beste Ausgangsposition auf einen der noch zu vergebenden Playoff-Plätze hat das Überraschungsteams des Jahres: Die Miami Marlins (25-22) haben übers Wochenende fünf von sieben Spielen gegen die Philadelphia Phillies (24-24) gewonnen und sich damit derzeit Platz zwei der NL East gesichert. Allerdings erwartet die Marlins noch ein bockelhartes Restprogramm: am Wochenende fünf Spiele in drei Tagen gegen die Nationals und dann zum Abschluss der regulären Saison Serien gegen die Braves und die Yankees.

Die Phillies und die San Francisco Giants (24-24) aus der NL West belegen momentan exakt gleichauf die beiden Wild-Card-Plätze. Die größte Konkurrenz um selbige ist wohl aus der NL Central zu erwarten, in der die Lage hinter den Cubs extrem unübersichtlich ist: Die Cincinnati Reds (25-26), die St. Louis Cardinals (22-23) und die Milwaukee Brewers (23-26) weisen zwar allesamt negative Bilanzen auf, aber keines der Teams trennt mehr als 1,5 Spiele von einem Playoff-Platz. Vor allem die Cardinals sind kaum einzuschätzen, da sie noch einen Berg von Nachholspielen vor sich herschieben. Wenn sie ihrer Favoritenrolle in den anstehenden acht Spielen – fünf gegen die Pirates, drei gegen die Royals – gerecht werden, haben sie beste Chancen, die Division auf Platz zwei abzuschließen. Dass die Reds und die Brewers in dieser Zeit dreimal gegeneinander spielen, dürfte den Cardinals ebenfalls gelegen kommen.

Szene der Woche
Die Los Angeles Angels haben dieses Jahr als Team nicht viele Highlights zu feiern, aber zumindest können sie sich an einigen herausragenden Einzelleistungen erfreuen. Letzte Woche war es der 300. Homerun von Mike Trout, diese Woche der sage und schreibe 660. Homerun von Albert Pujols. Der 40-jährige Slugger führt schon seit Jahren die Rangliste der noch aktiven Spieler mit den meisten Homeruns an. Mit Nummer 660, erzielt am Sonntag gegen die Colorado Rockies, hat er einen weiteren Meilenstein erreicht: Er zog auf der Allzeitliste mit Willie Mays auf Rang 5 gleich. Mehr Homeruns als Albert Pujols sind in der Geschichte der MLB nur Barry Bonds (762), Hank Aaron (755), Babe Ruth (714) und Alex Rodriguez (696) gelungen.

Statistik der Woche 
2,475 Milliarden. So viele Dollars lässt Steve Cohen sich den Kauf der New York Mets kosten. Die bisherigen Owner, die Familien Katz und Wilpon, haben sich mit Cohen auf diesen Betrag geeinigt, für den der neue Mehrheitseigner 95% der Anteile an der Franchise erhält. Das Gesamtvermögen des 64-jährigen Hedgefonds-Unternehmers und Kunstsammlers wird auf 14 Milliarden Dollar geschätzt. Cohen wird damit der reichste Team-Owner der Liga sein – genauer gesagt ist er reicher als die drei bislang vermögendsten Owner Ted Lerner (Nationals), Christopher Ilitch (Tigers) und Greg Johnson (Giants) zusammen. Dies sowie die Tatsache, dass Cohen bekennender Fan der Mets ist, lässt die Anhänger des Vereins darauf hoffen, dass die Tage vorbei sind, in denen ihr Club in einem der größten Märkte der USA geführt wurde wie ein Small-Market-Club. Was diese Hoffnung wert ist, wird sich zeigen. Vor dem Beginn der neuen Zeitrechnung steht zum Abschluss des Team-Kaufs noch die Zustimmung von mindestens 23 der 29 anderen Team-Eigner der MLB aus. Diese wird vermutlich bei den Owner-Meetings im November erfolgen. 

Spiel der Woche
Zum zweiten Mal in diesem Jahr durften wir einen No-Hitter bewundern, zum zweiten Mal gelang er einem Team aus Chicago. Nach Lucas Giolito mit den White Sox vollbrachte nun auch Alec Mills mit den Cubs das Meisterstück, nach dem sich jeder Pitcher sehnt: 27 Outs ohne einen einzigen zugelassenen Basehit. Wenn ihr euch jetzt fragt: „Alex wer?“, dann seid ihr damit nicht allein. Für Mills war es erst der 15. Start in einer bislang eher unauffälligen Karriere. Bei näherer Betrachtung erweist sich diese als eine schöne Underdog-Geschichte: Mills wurde nach der Highschool von keinem College angeworben, stattdessen tauchte er eines Tages beim Team der University of Tennessee-Martin auf und bat um ein Probetraining. Er durfte sein Können zeigen, schaffte es ins Team und wurde bei der MLB-Draft 2012 in Runde 22 von den Kansas City Royals ausgewählt. Seitdem war er zunächst für die Royals und ab 2017 für die Cubs meistens in den Minor Leagues aktiv, durfte nur gelegentlich als Notnagel in der MLB ran. So schien es auch vor sechs Wochen, als er wegen einer Verletzung von Jose Quintana in die Rotation der Cubs aufrückte. Seitdem schlug er sich so solide, dass er regelmäßig zum Einsatz kam – und am Sonntag die Gelegenheit hatte, sich in das Geschichtsbuch der MLB einzutragen.  

Mein Einschalttipp
Letzte Woche habe ich an dieser Stelle eine Serie empfohlen, in der ein Außenseiterteam – die Orioles – die Chance erhielt, einem Favoriten – den Yankees – den Playoff-Platz abzujagen. Die Sache ging aus Sicht der Orioles bekanntlich schief. Diese Woche ist die Konstellation eine ganz ähnliche, denn die Seattle Mariners haben sich in der AL East alarmierend nah an die Houston Astros herangearbeitet. Ab Montag der kommenden Woche empfangen die Mariners die Astros zu einer 3-Spiele-Serie. Wenn ihr sie sehen wollt, so gilt es, am Dienstag oder Mittwoch (jeweils ab 3:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit) früh aufzustehen und/oder am Mittwoch lange aufzubleiben für die Partie ab 0:40 Uhr. 

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Mai 12th, 2020 by Silversurger

Nach dem Besuch in Detroit geht in meiner Ballparks-Serie die Reise noch ein Stück weiter nach Norden. Genauer gesagt ist Seattle der nördlichste und der zweitwestlichste Standort der MLB. Rund 70.000 Kilometer legen die Spieler der Mariners jährlich auf ihren Auswärtsreisen zurück, weit mehr als die jedes anderen Teams. Heute aber geht es um ihre Heimstätte: T-Mobile Park.

Geschichte
Die Seattle Mariners nahmen den Spielbetrieb als Erweiterungsteam 1977 im ein Jahr zuvor erbauten Kingdome auf. Die Mehrzweckarena teilten sie sich mit den Seahawks (Football), den Sounders (Fußball) und den SuperSonics (Basketball). Der Kingdome galt zu seiner Eröffnung als hoch entwickeltes, topmodernes Stadion, doch er war ganz offensichtlich nicht für die Ewigkeit geschaffen. Das Dach machte immer wieder Probleme, unter anderem fielen 1994 kurz vor einem Spiel der Mariners mehrere Teile auf die Zuschauerränge herab – zum Glück wurde niemand verletzt. Zudem gab es mehrere kritische Gutachten im Hinblick auf mangelnde Erdbebensicherheit. Sowohl die Mariners als auch die Seahawks drohten letztlich der Stadt mit Wegzug, falls sie kein neues Stadion bekommen.

Nach drei Jahren mit einigem politischen Hin und Her wegen der Finanzierung begannen 1997 die Bauarbeiten für den neuen Mariners-Ballpark gleich gegenüber vom alten Dome. Letzterer wurde übrigens im Jahr 2000 abgerissen und durch ein neues Footballstadion ersetzt.

Mit Kosten von 517 Millionen Dollar war der Bau des Ballparks zum damaligen Zeitpunkt der teuerste der US-Geschichte. Gleichzeitig war es mit 27 Monaten Bauzeit auch der schnellste Bau eines Stadions mit verschließbarem Dach. Die Mariners hatten es so eilig, aus dem Kingdome heraus zu kommen, dass der Umzug mitten in der Saison stattfand: Am 15. Juli 1999 stieg das Eröffnungsspiel, welches mit 2:3 gegen die San Diego Padres verloren ging.

T-Mobile Park, dahinter das Stadion der Seahawks und die Skyline (1)

Der Ballpark hieß bei seiner Eröffnung und für die folgenden 20 Jahre übrigens Safeco Field, benannt nach einem Versicherungsunternehmen. Seit 2019 ist Mobilfunkanbieter T-Mobile neuer Inhaber der Namensrechte.

Safeco Field war 2000 und 2001 Austragungsort von Playoff-Spielen. In beiden Jahren unterlagen die Mariners in der American League Championship Series den New York Yankees. Seitdem mühen sich die Mariners bislang vergeblich um eine erneute Postseason-Qualifikation – länger als jedes andere Profi-Sportteam der USA. 2001 fand auch das All-Star-Spiel der MLB in Safeco Field statt.

Eine Besonderheit für Freunde dominanten Pitchings war das Jahr 2012: Am 21. April pitchte Philip Humber für die Chicago White Sox ein perfektes Spiel gegen die Mariners, am 15. August gelang Mariners-Pitcher Felix Hernandez gegen die Tampa Bay Rays ebenfalls ein Perfect Game. Das war bisher das einzige Mal in der Geschichte, dass es zwei perfekte Spiele in einem Jahr im selben Ballpark gab. Obendrein warfen am 8. Juni desselben Jahres sechs Pitcher der Mariners einen gemeinsamen No-Hitter gegen die Los Angeles Dodgers.

T-Mobile Park von außen mit Mount Rainier im Hintergrund (2)

Architektonische Auffälligkeiten
T-Mobile Park reiht sich ein in den retro-modernen Stil, dem viele seit den 1990er Jahren erbaute Ballparks folgen: Außen Klinker und Stahl, innen mehrstufige Tribünen, ein asymmetrisches Outfield und eine schöne Aussicht auf die Skyline von Seattle. Das größte unverwechselbare Feature von T-Mobile Park ist die Dachkonstruktion. Es handelt sich um ein verschließbares Dach, welches im Gegensatz zu anderen verschließbaren Dächern der MLB – z. B. in Houston oder Milwaukee – nur gegen Sonne und Regen schützt, aber keine Vollklimatisierung des Stadions erlaubt. Die ist in der Regel auch nicht nötig, da Seattle ein recht mildes Klima hat, aber eben viel Niederschlag. Das Dach kann und darf auch während des laufenden Spiels geöffnet oder geschlossen werden. Wenn man mit dem Flugzeug über den Ballpark fliegt, fällt der große magentafarbene Schriftzug „Welcome to T-Mobile Park, Seattle“ ins Auge, der sowohl bei offenem als auch bei geschlossenem Dach sichtbar ist.

Ein Hingucker im Inneren des Stadions ist die riesige Video-Anzeigetafel über dem Centerfield. Mit 1.070 m² ist es die zweitgrößte in der MLB, übertroffen nur von der in Cleveland.

In das Stadion integriert, hinter den Blöcken 135-141, ist das „Baseball Museum of the Pacific Northwest“. Wenn man genug Zeit mitbringt, kann man sich hier vor dem Spiel über die Baseball-Teams informieren, die es im Nordwesten der USA vor der Gründung der Mariners 1977 gab. Außerdem befindet sich dort die „Mariners Hall of Fame“ mit Informationen und Ausstellungsstücken über die Größen des Klubs wie Edgar Martinez oder Ken Griffey Jr.

T-Mobile Park (damals noch Safeco Field) mit geschlossenem Dach (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Mit Felddimensionen von 401 Fuß (122m) im Centerfield, 331 Fuß (101m) an der Leftfield- und 326 Fuß (99m) an der Rightfieldlinie liegt T-Mobile Park ziemlich im Durchschnitt der MLB. Trotzdem gilt der Park als eine der pitcherfreundlichsten Umgebungen der Liga. Die Parkfaktoren zeigen regelmäßig unterdurchschnittliche Bedingungen für Runs, Homeruns und Extrabase-Hits, dafür erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Strikeouts. Zu erklären ist dies durch den „Marine Layer“, eine für die Gegend typische, dichte Luftschicht die durch das Auftreffen von warmer Luft auf den kalten Ozean entsteht. Der Marine Layer verursacht in Seattle den gegenteiligen Effekt der dünnen Luft, die Coors Field in Denver zum Paradies für Hitter macht.

Das Dach von T-Mobile Park ist so hoch, dass es sehr selten von geschlagenen Bällen getroffen wird. Falls es doch vorkommt, bestimmen die Ground Rules, dass
– ein Ball nach dem Berühren des Daches weiterhin zum Flyout gefangen werden kann;
– ein Ball, der das Dach im Foul Territory berührt, in jedem Fall als Foulball gewertet wird;
– ein Ball, der das Dach im Fair Territory berührt, je nach Ort seiner Landung als fair oder foul gewertet wird.

Wo sitzt man am besten?
Die durchschnittliche Auslastung des knapp 48.000 Zuschauer fassenden T-Mobile Park lag in den letzten Jahren regelmäßig unter 60 Prozent. Es ist daher normalerweise kein Problem, auch kurzfristig noch an Tickets heranzukommen. Die Preise liegen im Mittelfeld der MLB.

Wie in jedem Ballpark bieten die beste Sicht die Plätze hinter der Homeplate für ein paar hundert Dollar. Für 60 bis 70 Dollar bekommt man aber auch schon sehr gute Plätze um das Infield herum in den Terrace Club Sections 220-240. Auf den Outfield-Tribünen kommt man für unter 20 Dollar unter. Man ist dort natürlich sehr weit weg und sieht vor allem im Centerfield die Anzeigetafel nur, wenn man den Kopf dreht.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Sean O’Neill (CC BY-ND 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: Tiffany Von Arnim (CC BY 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: albedo20 (CC BY-NC-ND 2.0)

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Februar 28th, 2020 by Silversurger

In den letzten Jahren ging es an dieser Stelle immer um den hyperaktiven Spielerhandel, den Jerry Dipoto, der General Manager der Seattle Mariners, betrieb. Doch „Trader Jerry“ scheint zur Ruhe gekommen zu sein. In der aktuellen Offseason gab es bei den Mariners relativ wenige Rostermoves, größtenteils in Form von Ergänzungen des Pitching-Personals. Für mehr Umbruch bestand kein Bedarf: Der Kader der Mariners wird einer der jüngsten der Liga sein und er wird noch jünger werden, wenn der Plan aufgeht, Leute wie Kyle Seager und Dee Gordon zur Trade-Deadline bei konkurrenzfähigen Teams gegen Talente einzutauschen. Die Mariners selbst werden nicht konkurrenzfähig sein. Sie befinden sich mitten im Rebuild und dürften sich kaum Hoffnungen machen, ihre seit 18 Jahren währende Durststrecke ohne Playoff-Qualifikation in diesem Jahr zu überwinden – geschweige denn ihren Status als einziges MLB-Team, das noch nie in der World Series stand. Erste Lichtblicke sind jedoch unübersehbar. Talente wie Evan White, Kyle Lewis und Justus Sheffield sind in der MLB angekommen oder stehen kurz davor; mit Jarred Kelenic klopft ein weiterer potenzieller Star schon unüberhörbar an, auch wenn er die Saison sicher in den Minor Leagues beginnen wird; Marco Gonzales überzeugte letztes Jahr als Starter und erhielt prompt eine Vertragsverlängerung bis 2024. Meine Prognose: Wenn die Mariners den eingeschlagenen Weg konsequent weiter verfolgen, wird mit ihnen in zwei Jahren zu rechnen sein.

Voraussichtliches Lineup
C Tom Murphy
1B Evan White
2B Shed Long
SS J. P. Crawford
3B Kyle Seager
LF Kyle Lewis
CF Mallex Smith
RF Mitch Haniger
DH Daniel Vogelbach

Voraussichtliche Rotation
LHP Marco Gonzales
LHP Yusei Kikuchi
RHP Kendall Graveman
LHP Justus Sheffield
RHP Taijuan Walker
Key Reliever: Matt Magill

Wichtigster Zugang
RHP Kendall Graveman (Chicago Cubs)

Wichtigster Abgang
RHP Felix Hernandez (Atlanta Braves)

Bestes Prospect
OF Jarred Kelenic

Größte Stärke
Jugend: Das Roster der Mariners strotzt nur so vor Unerfahrenheit. Es wird eine Saison mit Wachstumsschmerzen und mit viel Lernen aus Fehlern werden. Das Gute ist, dass man sich das erlauben kann, weil sämtliche Ziele und Erwartungen auf die kommenden Jahre gerichtet sind und das Team sowie die einzelnen Spieler reichlich Zeit haben, sich selbst zu finden.

Größte Schwäche
Teure Verträge: Die Mariners schulden Kyle Seager in den nächsten drei Jahren noch über 50 Millionen Dollar, Dee Gordon bekommt für dieses Jahr noch 13,8 Millionen, bevor der Klub gegen Zahlung einer weiteren Million aus dem Vertrag für 2021 aussteigen kann. Diese vertraglichen Altlasten wäre man am liebsten schon vor der Saison losgeworden. Wahrscheinlich wird man bis zur Trade-Deadline abwarten und hoffen müssen, dass Seager und Gordon bis dahin erstens ordentliche Leistungen zeigen und dann zweitens ein Team im Playoff-Rennen so verzweifelt ist, dass es bereit ist, den teuren Preis für ihre Hilfe zu zahlen.

Spannendste Frage
Wie geht es weiter mit Mitch Haniger? Der Outfielder war einer der wenigen zuverlässigen Leistungsträger 2017 und 2018. 2019 verpasste er die halbe Saison wegen eines Hodenrisses, jetzt musste er innerhalb weniger Wochen zwei OPs am Magen und am Rücken über sich ergehen lassen. Wann er ins Lineup zurückkehren kann, ist unklar.

Meine Prognose
Platz 5 in der AL West

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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Februar 6th, 2020 by Silversurger

Blockbuster-Alarm: Eine Woche vor dem Start des Spring Trainings gibt es noch mal einen richtig dicken Trade. Kernstück des Handels, an dem drei Teams, fünf Spieler und etliche Millionen Dollar beteiligt sind, ist Star-Outfielder Mookie Betts. Allerdings ist das Geschäft noch nicht endgültig besiegelt, da die damit verbundenen medizinischen Untersuchungen wohl Zweifel in Bezug auf einen der involvierten Nachwuchsspieler aufgeworfen haben.

Betts zu den Dodgers per 3-Team-Trade
Die wochenlangen Gerüchte, dass die Boston Red Sox einen Tradepartner für Mookie Betts suchen, haben sich bewahrheitet in Form eines aufsehenerregenden 3-Team-Trades. Die Los Angeles Dodgers verstärken sich mit Betts und obendrein mit Starting Pitcher David Price. Dafür geben sie ihren jungen Outfielder Alex Verdugo an die Red Sox ab und schicken Starter Kenta Maeda zu den Minnesota Twins. Die Twins wiederum reichen dafür ihr Top-Pitching-Prospect Brusdar Graterol weiter nach Boston. Graterol ist das eingangs erwähnte Fragezeichen, dessentwegen der Trade noch nicht offiziell ist. Die medizinische Freigabe ist in seinem Fall nur eingeschränkt erfolgt. Möglicherweise läuft es darauf hinaus, dass er wegen seiner Vorgeschichte mit einer Tommy-John-Surgery und mehreren anderen Verletzungen nicht mehr als zukünftiger MLB-Starter, sondern nur noch als Reliever eingestuft wird. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der Trade trotzdem stattfindet, aber wahrscheinlich werden die Twins nun noch etwas drauflegen müssen.
Es erscheint auf den ersten Blick wenig verständlich, dass die Red Sox einen ihrer talentiertesten und beliebtesten Spieler im besten Alter abgeben (nebenbei bemerkt fast genau 100 Jahre nach dem legendär katastrophalen Trade von Babe Ruth zu den Yankees). Aber eine Vertragsverlängerung für Betts über 2020 hinaus passte nicht in den Kostenrahmen des Klubs für die nächsten Jahre. So entschied man sich, Betts lieber jetzt gegen einen ordentlichen Gegenwert abzugeben, statt ihn nächstes Jahr quasi umsonst gehen zu lassen. Mit Verdugo und Graterol konnte man zwei mögliche Eckpfeiler für ein kleines Rebuilding an Land ziehen – um den Preis, sich für die bevorstehende Saison gegenüber den übermächtig erscheinenden Yankees in der AL East ziemlich sicher aus dem Spiel zu nehmen.
Die Dodgers sehen derzeit wie der klare Gewinner des Trades aus – mit Betts erhalten sie einen offensiv wie defensiv überragenden Spieler, der angesichts seines Alters von 27 Jahren noch viele gute Jahre vor sich hat. Die Absicht des Klubs ist erklärtermaßen, ihn langfristig an sich zu binden. Hinzu kommt David Price, der zwar schon 35 ist und letztes Jahr durch eine Verletzung beeinträchtigt war, in der Rotation aber dennoch ein Upgrade gegenüber Maeda darstellen sollte. Weniger erfreulich ist, dass Price noch 96 Millionen Dollar aus einem 2016 mit den Red Sox geschlossenen Siebenjahresvertrag erwartet. Das wird aber dadurch abgemildert, dass die Red Sox sich im Zuge des Trades verpflichtet haben, rund die Hälfte dieser Summe zu tragen.
Der Part des Trades, der für mich nicht wirklich Sinn ergibt, ist der der Twins. Sie geben mit Graterol ihr Top-Pitching-Prospect her für einen 31-jährigen bestenfalls soliden Starter, der in der MLB noch in keinem Jahr mehr als 175.2 Innings geworfen hat. Für mich sieht das nach einem allzu optimistischen und kurzsichtigen Versuch eines Win-Now-Moves aus. Oder die Twins wussten schon, was bei der medizinischen Beurteilung herauskommt. Nach dieser werden sie wohl einen zusätzlichen Spieler oder Geld abgeben müssen, um den Deal abzuschließen.

Pederson bleibt in der Gegend
Im Windschatten des Betts-Trades haben die Dodgers Mittwochnacht einen weiteren Deal angebahnt: Joc Pederson soll nach Anaheim zu den Los Angeles Angels wechseln. Damit bauen die Dodgers das entstandene Überangebot im Outfield ab und sparen die 7,75 bis 9,5 Millionen Dollar, die sie Pederson dieses Jahr geschuldet hätten. Die Angels erhalten in Pederson einen überdurchschnittlichen Hitter für ihr allerdings ebenfalls überbevölkertes Outfield. Neben Mike Trout und Justin Upton war bislang Brian Goodwin für die Startformation vorgesehen, Letzterer als Platzhalter für das Top-Prospect Jo Adell.
Außer Pederson werden die Angels voraussichtlich auch OF-Talent Andy Pages und Pitcher Ross Stripling bekommen, im Gegenzug werden IF Luis Renfigo und ein oder zwei weitere Prospects zu den Dodgers wechseln. Der Deal wurde bisher noch nicht finalisiert, weil die Dodgers ihn vom Abschluss des Trades um Mookie Betts abhängig machen.

Mariners verlängern mit Gonzales
Um die Seattle Mariners war es in dieser Offseason ungewohnt ruhig. Ihr sonst so trade- und wechselfreudiger General Manager Jerry Dipoto scheint zurzeit mehr auf Kontinuität zu setzen. Dafür spricht der Sechsjahresvertrag, mit dem im November 1B-Prospect Evan White ausgestattet wurde, und dafür spricht auch der Kontrakt, den nun Pitcher Marco Gonzales erhielt. Der in Kürze 28-Jährige wird für 30 Millionen Dollar bis 2024 an den Klub gebunden, zudem haben die Mariners die Option, für 15 Millionen Dollar noch ein Jahr dranzuhängen.

Neue Teams für Flores und Riddle
Sowohl die San Francisco Giants als auch die Pittsburgh Pirates haben sich mit einem Infielder ergänzt. Die Giants statten Wilmer Flores mit einem Zweijahresvertrag über 6 Millionen Dollar aus. Flores lieferte letztes Jahr bei den Arizona Diamondbacks starke Ergebnisse (.317/.361/.487), wenngleich er wegen einer zwischenzeitlichen Fußverletzung nur 89 Spiele absolvierte. J. T. Riddle war bei den Miami Marlins nicht ganz so erfolgreich, vielmehr brachte er es bei einer Slashline von .189/.230/.371 auf negative -0.6 WAR und wurde nach der Saison entlassen. Dass er bei den Pirates einen MLB-Vertrag über immerhin 850.000 Dollar bekommt, finde ich daher überraschend.

Click neuer General Manager der Astros
Die Führungsmannschaft der Houston Astros ist wieder komplett: Eine Woche nach der Verpflichtung von Dusty Baker als Field Manager wurde nun James Click als neuer General Manager des skandalgeschüttelten Klubs vorgestellt. Der 42-Jährige war zuvor seit 2006 für die Tampa Bay Rays tätig, zuletzt als „Vice President for Baseball Operations“ – sozusagen als Assistent des General Managers. Click ist schon der zweite hochrangige Funktionär, den die Rays in dieser Offseason an die Konkurrenz verlieren: Ende Oktober hatten die Boston Red Sox Chaim Bloom zu ihrem General Manager gemacht.

Mets-Verkauf vorerst geplatzt
Hiobsbotschaft für die Fans der New York Mets: Der im Dezember angekündigte und von vielen herbeigesehnte Verkauf der Franchise wird möglicherweise nicht stattfinden. Nach allem, was bisher durchgesickert ist, sollen es mal wieder die aktuellen Teambesitzer Fred und Jeff Wilpon verbockt haben, indem sie in letzter Sekunde neue Forderungen auf den Tisch brachten. Es soll dabei vor allem darum gehen, wie lange und in welcher Form die Wilpons noch Einfluss auf die Franchise nehmen wollen. Der ursprünglich kaufwillige Multimilliardär Steve Cohen, der eine 80-Prozent-Mehrheit des Klubs übernehmen wollte, hat sich davon offenbar abschrecken lassen. Man darf gespannt sein, ob die Verhandlungen noch mal aufgenommen werden oder ob es das vorerst war mit den Hoffnungen, das ungeliebte Vater-Sohn-Gespann an der Vereinsspitze bald los zu sein.

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November 28th, 2019 by Silversurger

Happy Thanksgiving allerseits! Für die USA im Allgemeinen und für NFL-Football im Speziellen ist heute ein bedeutender Feiertag. In der MLB wird sich heute eher nichts tun, die Spieler und sonstigen Akteure verbringen den Tag entweder mit der Familie oder mit sozialem Engagement. Für mich ist das eine gute Gelegenheit, in Ruhe darauf zurück zu blicken, was sich rund um die Liga in den vergangenen sieben Tagen getan hat – angefangen mit der Verpflichtung von Yasmani Grandal, die die White Sox frecherweise wenige Minuten nach dem letzten Grand Slam am Donnerstag öffentlich machten.

Die White Sox investieren in Grandal und Abreu
Das Rebuiling-Projekt der Chicago White Sox ist wohl offiziell abgeschlossen: Zwei Deals innerhalb weniger Tage über zusammen mehr als 120 Millionen Dollar signalisieren klar, dass der Klub ab sofort wieder eine Rolle spielen möchte in der AL Central und darüber hinaus. Das Geld bekommen zwei Spieler, die als erfahrene Eckpfeiler dabei helfen sollen, das junge, talentierte Team zu führen, welches die White Sox sich im Laufe der letzten Jahre aufgebaut haben.
Yasmani Grandal kommt für für vier Jahre und 73 Millionen Dollar nach Chicago. Der 31-Jährige war in der zweiten Offseason hintereinander der beste Catcher unter den Free Agents. Er hatte letztes Jahr damit überrascht, dass er sich mit einem Einjahresvertrag über 18,25 Millionen bei den Milwaukee Brewers zufrieden gab und ein Angebot der Mets über vier Jahre und 60 Millionen ausschlug. Der Vertrag, den er jetzt erzielt hat, spricht dafür, dass Grandals Taktik der Wette auf sich selbst aufgegangen ist. Gelungen ist ihm das durch die stärkste Saison seiner Karriere, in der er es auf 5.2 fWAR brachte mit einer Slashline von .246/.380/.468, 28 Homeruns in 632 Plate Appearances und einer soliden Defense.
Weitere 50 Millionen lassen die White Sox sich die Dienste von First Baseman Jose Abreu in den kommenden drei Jahren kosten. Der 32-jährige Slugger hatte letzte Woche einem Qualifying Offer der White Sox zugestimmt, nun konnten sich beide Seiten doch noch auf eine längerfristige Zusammenarbeit einigen. Abreus Saison 2019 (1.9 fWAR, .284/.330/.503, 33 Homerun) war gut, aber doch weit entfernt von den Leistungen, die er von 2014 bis 2017 gezeigt hat. Der Vertrag, den die White Sox ihm nun geben, wirkt in diesem Lichte recht großzügig, aber Abreus Wert als Führungsspieler dürfte für das Team deutlich über die zahlenmäßige Produktion hinaus gehen.

Trade zwischen den Brewers und den Padres
Keinen Blockbuster, aber einen interessanten Tausch einiger junger Spieler haben die Milwaukee Brewers und die San Diego Padres vereinbart: OF Trent Grisham und RHP Zach Davies gehen nach San Diego, dafür wechseln IF Luis Urias und LHP Eric Lauer zu den Brewers. Die Brewers erhalten darüber hinaus noch einen „Player to be named later“. Grisham und Urias sind beide frühere Top-Prospects, die die in sie gesetzten Erwartungen 2019 (noch?) nicht voll erfüllen konnten. Ein Tapetenwechsel hin zu einem Team, in dem die Konkurrenz auf den jeweiligen Positionen geringer ist als im bisherigen Klub, klingt in beiden Fällen nach einer guten Idee. Die in den Trade involvierten Pitcher sind Material für Mitte bis Ende einer Starting Rotation, wobei der 26-jährige Davies die etabliertere Größe ist, während der 24-jährige Lauer etwas mehr Entwicklungspotenzial bietet.

Mariners verlängern mit Rookie
Auch die Seattle Mariners haben ihren Posten an der ersten Base langfristig vergeben: Sie haben sich mit Evan White auf einen Sechsjahresvertrag über 24 Millionen Dollar geeinigt. Der Vertrag enthält zudem drei Verlängerungsoptionen für den Klub, durch die er sich letztlich auf neun Jahre und 55,5 Millionen belaufen kann. Der 23-Jährige White hat bisher noch kein MLB-Spiel absolviert. Die Saison 2019 verbrachte er bei den Arkansas Travelers, dem AA-Minor-League-Team der Mariners. Die frühzeitige und langfristige Verpflichtung erinnert stark an den Vertrag zwischen den Philadelphia Phillies und Scott Kingery, der damals – kurz vor der Saison 2018 – ebenfalls vor seinem ersten MLB-At-Bat für 24 Millionen und sechs Jahre unterschrieb. Interessanter Fakt am Rande: White ist derzeit der einzige Spieler im Roster der Mariners mit einem garantierten Vertrag, der über 2021 hinaus reicht.

Ein paar weitere Signings
Auf dem Free-Agent-Karussell der MLB standen diese Woche vor allem Catcher hoch im Kurs. Neben Grandal fanden auch Travis d’Arnaud (Atlanta Braves für 2 Jahre, 16 Millionen), Yan Gomes (Washington Nationals, 2 Jahre, 10 Millionen), Stephen Vogt (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 3 Millionen), Mike Zunino (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 4,5 Millionen plus Klub-Option) und Dustin Garneau (Houston Astros, 1 Jahr, 650.000) neue Engagements für ihre Tätigkeit hinter der Homeplate.
RHP Kyle Gibson einigte sich mit den Texas Rangers auf einen Dreijahresvertrag über 30 Millionen Dollar. Auch LHP Drew Pomeranz (San Diego Padres, 4 Jahre, 34 Millionen), RHP Kendall Graveman (Seattle Mariners, 1 Jahr, 2 Millionen plus Klub-Option) und RHP Carl Edwards Jr. (Seattle Mariners, 1 Jahr, 950.000) haben neue Jobs gefunden.

Koreanischer Pitcher auf dem Sprung
Letzte Woche habe ich einige interessante Spieler aus der japanischen NPB aufgelistet, die sich in dieser Offseason um einen Wechsel in die MLB bewerben. Mindestens ebenso großes Interesse zieht derzeit der Koreaner Kwang-hyung Kim auf sich. Der linkshändige Pitcher von den SK Wyverns soll bereits Anfragen von den Mets, den Royals, den Dodgers, den Diamondbacks und den Cubs erhalten haben. In der KBO wurde der 30-Jährige in der Regel als Starter eingesetzt. Ob er in der MLB ebenfalls starten oder zum Reliever umfunktioniert werden soll, ist noch unklar – möglicherweise wird das auch ein Punkt in den anstehenden Verhandlungen mit den interessierten Vereinen sien.

Yankees streiten mit Ellsbury
Die New York Yankees waren in den letzten Jahren von außergwöhnlich zahlreichen Verletzungen geplagt. Von zwei besonders häufig verletzten Spielern, First Baseman Greg Bird und Outfielder Jacoby Ellsbury, hat man sich nun getrennt. Ein Schlussstrich ist damit, zumindest was Ellsbury betrifft, noch nicht gezogen. Ihm schulden die Yankees nämlich noch rund 26 Millionen Dollar aus einem 2014 geschlossenen Siebenjahresvertrag – 21 Millionen für die Saison 2020 sowie 5 weitere Millionen als Buyout, damit sich der Vertrag nicht automatisch bis 2021 verlängert. Die Yankees weigern sich bislang, dieses Geld zu bezahlen. Ihr Vorwurf lautet, Ellsbury habe sich ohne Absprache von einem Arzt außerhalb der Organisation behandeln lassen und damit seine Genesung beeinträchtigt. Die Spielergewerkschaft MLBPA hat bereits erklärt, Ellsbury zu unterstützen in dieser Auseinandersetzung, die zu einem interessanten Präzedenzfall werden kann.

Neuer Eigentümer für die Royals
Die Kansas City Royals haben einen neuen Owner: Der Unternehmer John Sherman hat den Klub für rund eine Milliarde Dollar gekauft. Er und der bisherige Eigentümer, David Glass, hatten sich vor drei Monaten auf den Handel geeinigt. Letzte Woche erfolgten die notwendigen Zustimmungen der anderen MLB-Teambesitzer, sodass der Verkauf vorgestern offiziell bekannt gegeben werden konnte. Sherman ist schon länger im Baseball-Geschäft aktiv. Bevor er nun das Team seiner Heimatstadt erwarb, hielt er bereits einige Jahre lang Minderheitenanteile an den Cleveland Indians. Für Glass waren die Royals ein glänzendes Geschäft: Er hatte den Klub im Jahr 2000 für 96 Millionen Dollar erworben.

Wahl zum ersten All-MLB-Team läuft
Seit 1933 gibt es in der MLB das All-Star-Spiel. Das Verfahren, nach dem die Spieler für die All-Star-Roster ausgewählt werden, hat sich seitdem mehrfach geändert, doch zwei Dinge sind immer gleich geblieben: erstens dass es je ein Team für die American League und die National League gibt, zweitens dass das Spiel ungefähr zur Mitte der Saison stattfindet und somit bei der Spielerauswahl nur die Leistungen aus der ersten Saisonhälfte berücksichtigt werden. Das wird sich in absehbarer Zeit nicht ändern, aber es brachte die MLB auf die Idee, ab diesem Jahr zusätzlich die Wahl eines All-MLB-Teams einzuführen. Dieses Team wird nicht nach Ligen getrennt sein und es wird erst nach Abschluss der Saison gewählt. Die Auswahl erfolgt mit einem Gewicht von je 50 Prozent durch die Fans und durch ein Expertengremium. Die Fanwahl läuft seit Dienstag dieser Woche bis Dienstag nächster Woche (3. Dezember). In diesem Zeitraum könnt ihr hier eure Stimmen abgeben, bei Bedarf auch mehrmals im Abstand von 24 Stunden. Das Ergebnis wird am 10. Dezember während der Winter Meetings der MLB bekannt gegeben.

Dämliche Verletzungen gesucht!
Auch hier im Blog gibt es in Kürze wieder eine Wahl – zum zweiten Mal werde ich den MRI-Award für die dämlichste Verletzung (Most Ridiculous Injury) des Jahres vergeben. Ich habe bereits ein paar sehr aussichtsreiche Kandidaten auf dem Zettel, aber bevor ich die Abstimmung starte, möchte ich hier erstmal zu weiteren Nominierungen aufrufen. Teilt mir eure Kandidaten einfach als Kommentar unter diesem Artikel mit – bitte mit der dazugehörigen Geschichte, egal ob als Link oder in euren eigenen Worten.
Für alle, die den Award nicht schon vom letzten Jahr kennen: Es handelt sich um eine nicht bierernst gemeinte Auszeichnung für einen Spieler, der sich bei einer möglichst lächerlichen Aktion verletzt hat. Hier könnt ihr die Nominierungen und das Abstimmungsergebnis aus dem letzten Jahr nachlesen, hier die Laudatio auf den ersten Preisträger Chris Martin.

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