Juli 8th, 2021 by Silversurger

Über das Wochenende wird noch gespielt, dann ist erstmal ein paar Tage Pause in der MLB. Kurz vor dem All-Star-Break haben sich zwei ehemalige Contender, die Chicago Cubs und die Cleveland Indians, durch längere Niederlagenserien aus dem Kreis der Playoffanwärter wahrscheinlich verabschiedet.
Während der nächsten Woche werden das Home Run Derby und das All-Star-Game im Mittelpunkt des Interesses stehen. Beide Veranstaltungen sind zwar in erster Linie Show-Events ohne direkte Bedeutung für die Saison, aber die Erfahrung zeigt, dass auch diese Pausenfüller immer wieder für interessante Geschichten sorgen. Eine davon ist in diesem Jahr Shohei Ohtani. Er wird aller Voraussicht nach der erste Spieler sein, der in einem All-Star-Game sowohl als Pitcher als auch als Batter zum Einsatz kommt.

American League
Die AL East stellt sich zur Pause als 3-Klassen-Gesellschaft dar. Die Boston Red Sox (54-34) halten den Spitzenplatz, gefolgt von den Tampa Bay Rays (51-36), die den Abstand in den letzten Tagen auf 2,5 Spiele verkleinern konnten, weil die Red Sox zweimal gegen die Angels patzten. In der Mitte der Division kämpfen die Toronto Blue Jays (44-40) und die New York Yankees (44-41) mit der .500-Schwelle, mit enttäuschten Erwartungen und um die Restchance auf einen Platz in den Playoffs. Das alles haben die Baltimore Orioles (28-58) als schwächstes Team der AL längst hinter sich. 

In der AL Central ziehen die nächsten Gegner der Orioles, die Chicago White Sox (51-35), immer einsamer ihre Kreise. In ihren Serien gegen die Minnesota Twins (35-50) und die Detroit Tigers (40-47) brachten sie es diese Woche zwar nur auf eine 3-3-Bilanz. Aber das ist schon mehr als genug, um die Cleveland Indians (42-42) abzuhängen, da diese ihre letzten neun Spiele allesamt verloren haben. Wenn die Pleitenserie auch in den anstehenden Spielen gegen die Kansas City Royals (36-50) anhält, müssen die Indians ihren zweiten Platz womöglich schon bald an die Tigers abgeben, die seit ein paar Wochen eine beeindruckende Form aufweisen. Mit den Playoffs dürfte in dieser Division so oder so niemand außer den White Sox etwas zu tun haben. 

Die Houston Astros (54-33) haben den peinlichen Sweep durch die Orioles am vorletzten Wochenende offenbar als Weckruf angenommen. Jedenfalls hat der Spitzenreiter der AL West seitdem alle sechs Spiele gewonnen, auch und vor allem die beiden letzten gegen den direkten Konkurrenten, die Oakland Athletics (49-39). Die Astros sind sowohl mit ihrer Bilanz als auch mit ihrem Run Differential von +141 das stärkste Team der AL. Die Athletics hingegen müssen sich nach zwölf Niederlagen aus den letzten 17 Spielen fragen, wohin der Blick in den nächsten Wochen gehen soll – nach oben, wo der Abstand zu den Astros inzwischen 5,5 Spiele beträgt, oder nach unten, wo den Seattle Mariners (45-42) und den Los Angeles Angels (44-42) nur noch 3,5 bzw. 4 Spiele auf die A’s und damit auf einen Wild-Card-Platz fehlen. Wenn sie den All-Star-Break nicht im Panik-Modus verbringen wollen, benötigen die Athletics dringend Erfolge im letzten Spiel der Serie gegen die Astros sowie im darauf folgenden Duell mit den abgeschlagenen Texas Rangers (34-53).

National League
Die NL East ist nach wie vor die schwächste Division der MLB – zumindest in der Hinsicht, dass sie die einzige ist, in der vier Teams bei einer Bilanz von unter .500 stehen. Die New York Mets (45-38) führen dadurch recht souverän die Tabelle an, obwohl ihre Siegquote von .542 in jeder anderen Division nur für Rang zwei bis vier reichen würde. Nach einigen schwachen Serien gegen die direkten Konkurrenten zeigten die Leistungen der Mets zuletzt bei 2-1-Erfolgen gegen die Yankees und die Brewers wieder nach oben. Angesichts der schwachen Pirates als letzter Gegner vor und erster Gegner nach der Pause besteht eine gute Chance, mit hohem Selbstvertrauen in selbige hinein und aus hier heraus zu gehen. Hinter den Mets geht es zwischen den Washington Nationals (42-43), Atlanta Braves (42-44) und Philadelphia Phillies (41-43) sehr eng zu. Die Miami Marlins (38-47) haben auf dieses Trio ein paar Spiele Rückstand, siegten aber immerhin gerade dreimal gegen die Dodgers und sind der beste Tabellenletzte der Liga – mit acht Spielen auf die Mets sind sie näher an der Spitze als beispielsweise die Yankees, die Cubs oder die Mariners. 

Apropos Cubs: Das Team aus Chicago (43-44) war vor zwei Wochen noch voll im Rennen um die NL Central und ließ damals mit einem No-Hitter gegen die Dodgers aufhorchen. Seit diesem denkwürdigen Spiel verloren sie jedoch erschreckende elf Spiele hintereinander. Gestern Abend stand zwar gegen die Phillies endlich mal wieder ein Sieg zu Buche, aber der Anschluss an die Milwaukee Brewers (52-36) ist längst weg und selbst die Cincinnati Reds (45-41) haben sich inzwischen an den Cubs vorbei geschoben. Dass sowohl die Cubs als auch die St. Louis Cardinals (43-45) bereits einen Strich unter die Saison machen können, dürfte vor allem im Hinblick auf die in drei Wochen anstehende Trade-Deadline interessante Optionen für die ambitionierteren Teams eröffnen.

Die NL West ist und bleibt der klare Favorit, beide Wild-Card-Plätze der NL einzusacken. Es wäre auch tatsächlich ein Jammer, auf ein Team aus dem Trio San Francisco Giants (54-32), Los Angeles Dodgers (53-34) und San Diego Padres (51-38) in den Playoffs verzichten zu müssen. In den letzten Tagen hatten sie allerdings einen gemeinsamen Durchhänger: Die Giants verloren zwei Spiele gegen die Cardinals, die Padres zwei gegen die Nationals, die Dodgers sogar drei gegen die Marlins. An diesem Wochenende dürfen alle drei nochmal zu Hause gegen lösbare Gegner antreten: die Dodgers gegen die Arizona Diamondbacks (25-63), die Padres gegen die Colorado Rockies (37-50) und die Giants gegen die Nationals.

Szene der Woche
Es muss nicht immer Ohtani sein: Neben dem (mit Recht) gehypten 2-Way-Star der Angels gibt es in der MLB durchaus noch andere Pitcher, die ordentlich hitten. Man denke an Jacob deGrom, der selbst einen Batting Average von .364 aufweist, während er den Gegnern der Mets in seinen Starts einen Average von gerade mal .126 erlaubt. Oder an Max Fried von den Braves, der ebenfalls eine solide Keule schwingt und seinem Team am Sonntag damit den Sieg brachte. Die ungewöhnliche Entscheidung, im zehnten Inning einen Pitcher als Pinch-Hitter zu bringen, war nötig geworden, weil die Braves bei ihrem 4-Run-Comeback im neunten Inning gegen die Marlins ihre gesamte Bank aufgebraucht hatten. Die Marlins luden sich sogar absichtlich die Bases mit einem Intentional Walk für Backup-Catcher Kevan Smith, um Fried an die Platte zu bringen. Das erwies sich als Fehler, denn Frieds 2-Out-Single brachte den Walkoff-Sieg für die Braves.

Statistik der Woche 
1. So viele Pitches warf Marlins-Starter Pablo Lopez in Spiel eins der eben schon erwähnten Serie gegen die Braves, bevor er des Platzes verwiesen wurde. Es ging dabei nicht, wie man vermuten könnte, um den aktuellen Kampf der Liga gegen den Gebrauch von Klebemitteln, sondern um einen abgeworfenen Batter. Der erste Pitch des Spiels traf Ronald Acuna Jr. am Oberarm. Nach kurzer Diskussion und einer lauthals vorgetragenen Beschwerde von Braves-Manager Brian Snitker stuften die Umpires die Aktion als absichtlich ein und sprachen die Ejection gegen Lopez aus. Manager Don Mattingly und Pitching-Coach Mel Stottlemyre Jr., die ihrem Pitcher beisprangen, flogen ebenfalls vom Platz. Zwischen Acuna und den Marlins gibt es eine von wenig gegenseitiger Liebe geprägte Vorgeschichte seit Acunas Rookiesaison 2018. Acuna wurde seitdem sechsmal von Marlins-Pitchern abgeworfen, dreimal davon mit dem ersten Pitch.

Spiel der Woche
Die Saison der Kansas City Royals ist arm an Highlights, aber hier ist eines: Gegen die Cincinnati Reds gelang es am Dienstag, einen 1:6-Rückstand innerhalb der letzten beiden Innings zu drehen. Den entscheidenden Walkoff-Single erzielte Catcher Salvador Perez, einer der wenigen Stars der Royals. Es war Perez‘ dritter Walkoff-Hit in diesem Jahr – bei insgesamt nur vier Walkoff-Siegen der Royals.

Mein Einschalttipp
Ich weiß, die Konkurrenz am Sonntagabend ist groß, sowohl durch den laufenden MLB-Spielbetrieb als auch durch das Finale der Fußball-EM. Aber ich rühre immer wieder gern die Werbetrommel für das MLB Futures Game. Zum Auftakt der All-Star-Woche treffen sich die potenziellen Stars von morgen zu einem Freundschaftsspiel und ermöglichen so, in konzentrierter Form einen Blick auf die Namen und Gesichter zu werfen, die die MLB in wenigen Jahren prägen werden. Unter den 50 nominierten Teilnehmern sind sechs der acht Top-Prospects der MLB: Orioles-Catcher Adley Rutschman, Tigers-Infielder Spencer Torkelson, die Mariners-Outfielder Jarred Kelenic und Julio Rodriguez, Royals-Shortstop Bobby Witt Jr. und Padres-Shortstop CJ Abrams. Rutschman und Torkelson waren die Nummer-1-Picks der letzten beiden Drafts. Das Spiel beginnt um 21 Uhr mitteleuropäischer Zeit und wird auf mlb.com gestreamt. 

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März 7th, 2021 by Silversurger

Die Miami Marlins waren die große Überraschung der Saison 2020. Allen negativen Prognosen zum Trotz schafften sie es auf Platz zwei der NL East und zum ersten Mal seit 2003 in die Playoffs der MLB. Dafür reichte ihnen eine Bilanz von nur einem Sieg über .500, befördert von der einmaligen Erweiterung des Playoff-Felds und wohl auch von etwas Glück: Anhand der erzielten und kassierten Runs wäre eine Bilanz von 26-34 realistisch gewesen statt der tatsächlich erreichten 31-29. Das soll die Leistung des jungen Underdog-Teams nicht schmälern, das ganz nebenbei auch einen massiven COVID-19-Ausbruch wegsteckte. Dieser betraf das halbe Team, zwang erst zu Spielausfällen und anschließend zu einem engen Spielplan mit vielen Nachholspielen. Dass die Marlins alle Widerstände und Wahrscheinlichkeiten überwanden und bis in die Divisional-Runde der National League stürmten, zeigt, dass sie nicht mehr das Kanonenfutter der Liga sind. Aber können sie eine Saison wie die letzte wiederholen, auch über die reguläre Dauer von 162 Spielen? Da bin ich noch sehr skeptisch, und die Marlins selbst sind es wohl auch: Würden sie ernsthaft mit einem erneuten Playoff-Run rechnen, hätten sie in der Offseason sicher aktiver daran gearbeitet, mit dem einen oder anderen Free Agent ihr Lineup aufzuwerten. Stattdessen deuten die zurückhaltenden Moves darauf hin, dass man ungerührt den langfristigen Aufbauplan fortsetzt, den Derek Jeter und seine Partner seit der Übernahme des Teams im Jahr 2017 verfolgen.

Voraussichtliches Lineup
C Jorge Alfaro
1B Jesus Aguilar
2B Isan Diaz
SS Miguel Rojas
3B Brian Anderson
LF Corey Dickerson
CF Starling Marte
RF Adam Duvall

Voraussichtliche Rotation
RHP Sandy Alcantara
RHP Pablo Lopez
RHP Sixto Sanchez
RHP Elieser Hernandez
LHP Trevor Rogers
Key Relievers: Anthony Bass, Yimi Garcia

Wichtigster Zugang
RP Anthony Bass (Toronto Blue Jays)

Wichtigster Abgang
RP Ryne Stanek (Houston Astros)

Bestes Prospect
RHP Sixto Sanchez

Größte Stärke
Die Rotation: Zumindest auf den ersten drei bis vier Plätzen sind die Marlins sehr solide besetzt. Alcantara, Lopez und Hernandez übertrafen letztes Jahr alle Prognosen und waren der Hauptfaktor für die überraschend starke Saison der Marlins. Sanchez hat bei seinen ersten MLB-Einsätzen das Potenzial gezeigt, das Ass des Teams zu werden.

Größte Schwäche
Die Konkurrenz: Die NL East ist die einzige Division, in der gleich vier Teams in der Offseason investiert haben und mit der klaren Erwartung in die Saison gehen, die Playoffs zu erreichen. Für die Marlins dürfte da kaum mehr übrig bleiben als Platz fünf. Andererseits dachte man das letztes Jahr auch.

Spannendste Frage
Was ist von der neuen General Managerin zu erwarten? Die Verpflichtung von Kim Ng als Nachfolgerin von Michael Hill hat für reichlich Schlagzeilen gesorgt. Darin ging es vor allem darum, dass sie in der Geschichte der MLB sowohl die erste Frau in einem solchen Amt als auch der erste GM asiatischer Abstammung ist. Doch Ng ist alles andere als eine Quotenfrau. Die 51-Jährige bringt 30 Front-Office-Erfahrung mit, unter anderem bei den Dodgers und den Yankees, mit denen sie an drei World-Series-Siegen beteiligt war. Mit dem heutigen Teambesitzer Derek Jeter und Manager Don Mattingly hat sie auf früheren Karrierestationen bereits zusammengearbeitet, was den Einstieg der von mehreren Teams umworbenen Ng bei den Marlins erleichtern dürfte.

Meine Prognose
Platz 5 in der NL East

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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Februar 18th, 2021 by Silversurger

Der Frühling ist da! Das ist zwar weder astronomisch noch meteorologisch korrekt, aber für den Baseballfan beginnt diese Jahreszeit eben mit dem Spring Training, und das haben in dieser Woche sämtliche MLB-Teams aufgenommen. Rund zwei Wochen nehmen sich die Akteure, um erstmal den gröbsten Rost abzuschütteln und eine Wellenlänge mit neuen Mitspielern und Coaches zu finden. Am 28. Februar geht es dann los mit den öffentlichen Testspielen, in denen die Teams sich auf den Start der echten Saison am 1. April vorbereiten.

Angepasste Spring-Training-Spielpläne
Coronabedingt wurden für dieses Jahr die Spielpläne der Vorbereitungsspiele umgestellt: Die Teams sollen möglichst wenig reisen und auf nicht zu viele unterschiedliche Gegner treffen. So spielen zum Beispiel die Mets, die Astros, die Marlins, die Cardinals und die Nationals, deren Trainingslager an der Ostküste von Florida liegen, ausschließlich untereinander. Die vollständigen Spielpläne findet ihr hier. Wie gewohnt werden nicht alle, aber viele der Testspiele auf mlb.tv übertragen.

Blue Jays starten Saison in Florida
Wenn Ende März die anderen Teams zurück in ihre Heimatstädte fliegen, bleiben nicht nur die Miami Marlins und die Tampa Bay Rays, sondern auch die Toronto Blue Jays in Florida zurück. Wegen der Pandemie bestehen nach wie vor rechtliche und logistische Hürden beim Grenzübertritt zwischen den USA und Kanada, daher trägt das einzige kanadische Team der MLB seine Heimspiele auch in diesem Jahr zumindest während der ersten Saisonwochen in einem Ausweichquartier aus. Letztes Jahr nutzten die Blue Jays dafür das Stadion ihrer AAA-Filiale in Buffalo, dieses Mal bleiben sie in ihrem Spring-Training-Komplex in Dunedin, gleich westlich von Tampa.

340 Millionen für Tatis Jr.
Fernando Tatis Jr. ist erst 22 Jahre alt, gilt aber bereits als einer der besten Shortstops der Liga. Damit sie an ihm noch lange Freude haben, nehmen die San Diego Padres eine enorme Menge Geld in die Hand. 340 Millionen Dollar bezahlen sie dem Jungstar dafür, dass er sich für die nächsten 14 Jahre dem Verein verschreibt. Da Tatis im Rahmen seines Rookievertrags ohnehin noch bis 2025 an die Padres gebunden gewesen wäre, kommt die Verlängerung überraschend frühzeitig. Aus Vereinssicht ist der Vertrag eine teure Wette darauf, dass Tatis sein hohes Leistungsniveau auf Dauer hält. Solange das der Fall ist, haben sicher beide Seiten ein gutes Geschäft gemacht. Sollte der Junge im Laufe der Zeit durch eine Verletzung oder andere Umstände aus der Bahn geworfen werden, hätte man sich allerdings einen heftigen Klotz ans Bein gebunden. 

Turner bleibt bei den Dodgers
Auch das letzte Mitglieder meiner Top-10 der diesjährigen Free Agents hat sein neues Zuhause gefunden; in diesem Fall ist es zugleich das alte: Justin Turner bleibt für zwei weitere Jahre bei den Los Angeles Dodgers. Der 36-jährige Third Baseman erhält für seine Unterschrift 34 Millionen Dollar, zudem kann der Klub für weitere 14 Millionen die Option auf ein drittes Jahr ziehen, und ein paar leistungsbezogene Extras kommen noch obendrauf.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Hier die weiteren Free-Agent-Abschlüsse dieser Woche, wie immer beschränkt auf MLB-Verträge: RP Trevor Rosenthal (Oakland Athletics, 1 Jahr, 11 Millionen Dollar), SP James Paxton (Seattle Mariners, 1 Jahr, 8,5 Millionen plus Leistungsboni), SP Jake Arrieta (Chicago Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 6 Millionen), SP Aaron Sanchez (San Francisco Giants, 1 Jahr, 4,5 Millionen plus Leistungsboni), CF Kevin Pillar (New York Mets, 1 Jahr plus beidseitige Option, 3,6 Millionen), IF/OF Brad Miller (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 3,5 Millionen), IF/OF Marwin Gonzalez (Boston Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen plus Leistungsboni), RP Mark Melancon (San Diego Padres, 1 Jahr plus beidseitige Option, 3 Millionen), RP Yusmeiro Petit (Athletics, 1 Jahr, 2,55 Millionen plus Leistungsboni), SP Rich Hill (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 2,5 Millionen), SP Tyler Anderson (Pittsburgh Pirates, 1 Jahr, 2,5 Millionen), RP Sergio Romo (Athletics, 1 Jahr, 2,25 Millionen), SP Matt Shoemaker (Minnesota Twins, 1 Jahr, 2 Millionen plus Leistungsboni), SP Collin McHugh (Rays, 1 Jahr, 1,8 Millionen), IF Asdrubal Cabrera (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), RP David Phelps (Toronto Blue Jays, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), OF Nomar Mazara (Detroit Tigers, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), RP Brandon Workman (Cubs, 1 Jahr, 1 Million plus Leistungsboni), RP Oliver Drake (Rays, 1 Jahr, 775.000), RP Justin Wilson (New York Yankees, 1 Jahr, Finanzen unbekannt), RP Ken Giles (Mariners, 2 Jahre, Finanzen unbekannt).

Zudem gab es zwei kleine Trades, jeweils unter Beteiligung der Tampa Bay Rays: Von den Boston Red Sox bekommen sie die beiden Pitcher Chris Mazza und Jeffrey Springs im Austausch gegen die Prospects Catcher Ronaldo Hernandez und Pitcher Nick Sogard. Im zweiten Trade schicken die Rays Pitcher John Curtiss zu den Miami Marlins und bekommen dafür Minor-League-1B Evan Edwards.

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Februar 11th, 2021 by Silversurger

Das Warten ist fast zuende: In nicht mal einer Woche – am 16. und 17. Februar – starten die Pitcher und Catcher der MLB-Teams in die Spring-Training-Camps, die restlichen Spieler folgen wenige Tage später. Gerade noch rechtzeitig haben sich die Vertreter der Liga und der Spieler auf zentrale Punkte zum Umgang mit der Coronasituation geeinigt.
Die Free Agency geht derweil in den Endspurt. Mit Trevor Bauer und Marcell Ozuna haben die zwei dicksten Fische, die noch auf dem Markt waren, ihre Teamwahl getroffen – in Bauers Fall springt sogar ein Rekordgehalt heraus.

Kompromiss über Corona-Maßnahmen
Dass die MLB und die Spielergewerkschaft MLBPA sich überhaupt mal auf etwas einigen können, ist nach den konfliktreichen letzten Wochen und Monaten für sich allein schon eine erfreuliche Neuigkeit. Die beiden Seiten haben am Montag eine Reihe von Maßnahmen verabredet, unter denen das Spring Training ab nächster Woche und die Saison ab 1. April so regulär wie möglich stattfinden sollen.

Die wichtigsten Regelanpassungen bestehen darin, dass wie in der Kurzsaison 2020 Doubleheader wieder über zweimal sieben Innings gespielt und Extra-Innings in allen Spielen mit einem automatischen Baserunner begonnen werden. Beide Maßnahmen haben den Sinn, die Spieler vor Überlastungen zu schützen, wenn es wieder dazu kommt, dass durch coronabedingte Verschiebungen mehrere Spiele innerhalb kurzer Zeiträume zu absolvieren sind. Ferner wurde vereinbart, dass jeder Spieler bei Bedarf als Pitcher eingesetzt werden kann – es muss also kein bestimmtes Inning oder eine bestimmte Höhe des Rückstands erreicht sein, bevor ein Positionsspieler pitchen darf. Unsportliches Verhalten, das die Abstandsgebote verletzt – Prügeleien, Anschreien der Umpires aus kurzer Distanz – soll konsequent geahndet werden. Eine Maskenpflicht besteht für alle Beteiligten mit Ausnahme der Spieler auf dem Feld. Spieler, die Kontakt mit einem bestätigten Covid-19-Fall haben, müssen für eine Woche in Quarantäne und sich am fünften Tag testen lassen. Wird ein Spieler selbst positiv getestet, dauert die Quarantäne mindestens zehn Tage. Im Falle eines Covid-Ausbruchs dürfen die Teams in einem vereinfachten Verfahren den Kader aus den Minor Leagues auffüllen und die betreffenden Spieler danach wieder zurückschicken.

Interessant ist auch, was nicht beschlossen wurde: Die Designated-Hitter-Regel wurde nicht erneut auf die National League ausgedehnt. Sie gilt jetzt wieder wie vor 2020 ausschließlich in der American League. Auch ein Beschluss über erweiterte Playoffs wurde bisher nicht gefasst. Sofern es dazu nicht wieder eine Last-Minute-Entscheidung wie im letzten Jahr gibt, findet die Postseason dieses Jahr im alten Format mit zehn Teams statt. In der regulären Saison soll der Spielplan umgesetzt werden wie geplant, also mit 162 Spielen pro Team und ohne die geographische Umsortierung, mit deren Hilfe letztes Jahr Reiseaktivitäten minimiert wurden.

Rekordvertrag für Bauer
Um keinen der diesjährigen Free Agents wurde so viel Aufheben gemacht wie um Trevor Bauer. Der Cy-Young-Gewinner befeuerte den Hype durch seine gewohnt hohe Social-Media-Präsenz, indem er öffentlich mit dem Interesse beispielsweise der Toronto Blue Jays und der New York Mets kokettierte. Seine Entscheidung, bei welchem Team er unterschreibt, gab er schließlich am Ende eines zweieinhalbminütigen Highlight-Videos bekannt – für meinen Geschmack ein bisschen zu viel Selbstinszenierung. Ich muss aber zugeben, dass ich Bauer schon vorher nicht mochte und daher einfach nur froh war, dass seine Wahl nicht auf die Mets fiel. Der 30-Jährige kehrt stattdessen zurück in seine südkalifornische Heimat und schließt sich dort dem amtierenden World Champion Los Angeles Dodgers an. Er erhält von den Dodgers einen Dreijahresvertrag über 102 Millionen Dollar mit Ausstiegs-Optionen sowohl nach dem ersten als auch nach dem zweiten Jahr. Die Zahlungen sind so strukturiert, dass Bauer sowohl dieses Jahr mit 40 Millionen als auch nächstes Jahr mit 45 Millionen jeweils einen neuen Rekord für das höchste Jahresgehalt eines MLB-Spielers aufstellt.

Ozuna bleibt in Atlanta
Als zweiter Hochkaräter in dieser Woche hat auch Marcell Ozuna einen neuen Vertrag unterschrieben. Der Outfielder bleibt für vier weitere Jahre bei den Atlanta Braves. Er erhält dafür 65 Millionen Dollar, zu denen weitere 15 Millionen hinzukommen, falls die Braves ihre Option auf ein fünftes Vertragsjahr ziehen. Für Ozuna ist damit die Taktik voll aufgegangen, sich letztes Jahr mit einem Einjahresvertrag über 18 Millionen zu begnügen. Nachdem er 2020 seine bislang stärkste Saison ablieferte, erhält der 30-Jährige nun die Belohnung in Form des ersehnten hochdotierten Dauervertrags.

5-Spieler-Deal zwischen Rangers und Athletics
Die Texas Rangers und die Oakland Athletics haben sich auf einen umfangreichen Trade geeinigt: Die Rangers senden SS Alvis Andrus, Prospect-Catcher Aramis Garcia und 13,5 Millionen Dollar nach Oakland, dafür erhalten sie OF/DH Khris Davis sowie die Prospects C Jonah Heim und RHP Dane Acker. Der Move sieht in erster Linie danach aus, dass die Athletics wieder mal Kosten sparen wollen. Allerdings ist das eine Rechnung, die nur für dieses Jahr aufgeht: Die Rangers übernehmen die 30,5 Millionen Dollar, die Davis in seinem letzten Vertragsjahr zustehen, sowie durch die Barzahlung im Zuge des Transfers auch fast die vollen 14 Millionen, die Andrus dieses Jahr verdient. Für 2022 sind die Rangers damit alle Verpflichtungen los. Die A’s hingegen müssen Andrus nächstes Jahr noch einmal 14 Millionen bezahlen, und bei genügend Einsätzen aktiviert sich für ihn sogar die Option, bis 2023 einseitig für weitere 15 Millionen zu verlängern.
Von den Leistungen her waren zuletzt weder Davis noch Andrus für ihre Teams eine große Hilfe, beide landeten 2020 bei negativen Wins Above Replacement. Neben den finanziellen Implikationen steht hinter dem Trade wohl auch der Gedanke, dass beiden ein Tapetenwechsel gut tun könnte. 

Dreiecks-Trade bringt Benintendi zu den Royals
Zwischen den Kansas City Royals, den Boston Red Sox und den New York Mets gibt es einen Dreicks-Trade. Dessen wesentliche Auswirkung auf die MLB-Roster besteht darin, dass Outfielder Andrew Benintendi aus Boston zu den Royals wechselt. Als Gegenleistung erhalten die Red Sox OF Ranchy Cordero sowie zwei später zu benennende Spieler von den Royals und RHP Josh Winckowski sowie einen weiteren noch zu benennenden Spieler von den Mets. Die Mets bekommen OF-Prospect Khalil Lee von den Royals.
Benintendi ist bis einschließlich 2022 unter Teamkontrolle. Die Royals setzen darauf, dass er an frühere Leistungen anknüpfen kann, nachdem er letzte Saison unter Form- und Verletzungsproblemen litt. Aus Sicht der Mets ist das Geschäft, dass sie mit Lee ein Prospect bekommen, von dem sie mehr erwarten als von Winckowski (und der noch ausstehenden Beigabe). Auf Seiten der Red Sox sieht es danach aus, dass sie sich mit Masse statt Klasse bezahlen lassen, aber das ist nur mein persönlicher Eindruck.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Hier die weiteren Free-Agent-Abschlüsse dieser Woche, wie immer beschränkt auf MLB-Verträge: C Yadier Molina (St. Louis Cardinals, 1 Jahr, 9 Millionen), RP Jake McGee (San Francisco Giants, 2 Jahre, 7 Millionen), OF Adam Duvall (Miami Marlins, 1 Jahr plus Vereinsoption, 5 Millionen), 2B Jonathan Schoop (Detroit Tigers, 1 Jahr, 4,5 Millionen), SP Chase Anderson (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 4 Millionen), IF Jonathan Villar (New York Mets, 1 Jahr, 3,55 Millionen plus Boni), SP Mike Fiers (Oakland Athletics, 1 Jahr, 3,5 Millionen), SP Mike Foltynewicz (Texas Rangers, 1 Jahr, 2 Millionen plus Boni), OF Jake Marisnick (Chicago Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 1,5 Millionen), OF Albert Almora (Mets, 1 Jahr, 1,25 Millionen plus Boni). 

Mit zwei kleineren Trades ergänzen die Los Angeles Angels ihren Kader:  Von den St. Louis Cardinals kommt OF Dexter Fowler; die Cardinals legen bei dem Deal 12,75 Millionen Dollar und damit einen Großteil von Fowlers 14 Millionen Jahresgehalt drauf, um den Platz im Kader frei zu bekommen.  Von den Tampa Bay Rays erhalten die Angels RP Aaron Slegers im Austausch gegen einen später zu benennenden Spieler. Mit SP/OF Shohei Ohtani erzielten die Angels zudem eine vorzeitige Vertragsverlängerung, durch die beide Seiten das Arbitration-Verfahren abwenden. Ohtani erhält 3 Millionen Dollar für 2021 und 5,5 Millionen für 2022.

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Januar 28th, 2021 by Silversurger

Keine Woche ohne einen verstorbenen Hall of Famer – so sieht der Start in das lang ersehnte Jahr 2021 bisher leider aus. Diese Woche steht die Trauermeldung nicht am Ende, sondern am Anfang des Grand Slams, denn mit Hank Aaron ist einer der ganz Großen des Baseballs von uns gegangen.
Viel Zeit zum Innehalten bleibt leider nicht, denn der Countdown zur neuen Saison läuft und die MLB-Teams sind eifrig dabei, letzte Hand an ihre Kader zu legen. Den größten Deal landeten diese Woche die Phillies. Sie wurden sich mit J. T. Realmuto einig, dem Top-Free-Agent dieser Offseason nach meiner Rangliste vom November. 

Abschied von Hank Aaron
Die Baseballwelt trauert um einen der größten Slugger aller Zeiten: Henry „Hank“ Aaron ist am Freitag im Alter von 86 Jahren gestorben. Aaron schlug in seiner Karriere 755 Homeruns und war damit lange Rekordhalter, bevor ihn Barry Bonds im Jahr 2007 überholte. Angesichts der Rolle von Bonds in der Steroid-Ära gilt Aaron Vielen bis heute als der wahre Homerun-Champion der MLB-Geschichte. In seiner 23 Jahre langen Karriere mit den Milwaukee/Atlanta Braves und den Milwaukee Brewers wurde er 21-mal ins All-Star-Team berufen, gewann zwei Batting-Titel, drei Gold Gloves und die World Series 1957. Die Zeit seines größten Erfolges war für ihn zugleich die schwerste seines Lebens, denn das Übertreffen des Homerun-Rekords von Babe Ruth im Jahr 1974 wurde von massiven rassistischen Anfeindungen und Morddrohungen begleitet. Aaron ertrug den blinden Hass mit Mut und Gelassenheit. Für seine Rolle als Vorbild und sein auch nach der Karriere fortgesetztes gesellschaftliches Engagement wurde er 2002 mit der Presidential Medal of Freedom ausgezeichnet. Seit 1982 ist er Mitglied der Baseball Hall of Fame, in die er im ersten Jahr der Wählbarkeit mit 98% der Stimmen aufgenommen wurde.

Niemand in die Hall of Fame gewählt
Apropos Hall of Fame: Die diesjährige Wahl zur Aufnahme in die Ehrenhalle ist vorbei und zum ersten Mal seit 2013 erreichte niemand die nötige Mehrheit von 75% Zustimmung der 401 wahlberechtigten Baseball-Journalisten. 14 Wahlberechtigte gingen sogar so weit, einen leeren Wahlzettel abzugeben.
Die höchsten Werte erzielten Curt Schilling (71,1%), Barry Bonds (61,8%) und Roger Clemens (61,6%). Diese drei wären von ihren Karriereleistungen her eigentlich allesamt sichere Hall-of-Fame-Kandidaten, doch wegen Dopingvorwürfen und Charakterfragen wird ihnen schon seit neun Jahren regelmäßig die nötige Mehrheit verweigert. Nächstes Jahr stehen sie zum zehnten und letzten Mal auf dem Wahlschein – ihre letzte Chance wird vermutlich ihre beste sein, weil es einige der Wahlberechtigten wohl als ausreichenden Denkzettel ansehen werden, sie so lange wie möglich schmoren zu lassen und sie dann doch noch in die Halle zu wählen. Schilling hat auf dieses Spiel keine Lust mehr und bat in einem Brief darum, nächstes Mal nicht mehr zur Wahl gestellt zu werden. Voraussichtlich wird die Hall of Fame diesem Wunsch nicht entsprechen, da die Regeln eine freiwillige Aufgabe der Wählbarkeit nicht vorsehen.
Die Spieler, die dieses Jahr zum ersten Mal wählbar waren, galten bereits im Vorfeld als wenig aussichtsreiche Gruppe. Mark Buehrle erhielt von ihnen die meisten Stimmen, ist aber mit 11,0% weit von einer Berufung entfernt. Mit weniger als 5% der Stimmen sind Aramis Ramirez, LaTroy Hawkins, Barry Zito, A.J. Burnett, Michael Cuddyer, Dan Haren, Nick Swisher und Shane Victorino bei zukünftigen Wahlrunden nicht mehr dabei.

Saisonstart: Cactus League bittet um Verschiebung
Der Zeitplan bis zum Start der MLB-Saison am 1. April ist nach wie vor in Kraft, aber Verzögerungen durch Corona sind längst nicht vom Tisch. In einem Brief an Commissioner Rob Manfred hat nun die Cactus League – also der in Arizona basierte Teil der Spring-Training-Einrichtungen – darum gebeten, den Beginn des Spring Trainings zu verschieben. Als Grund werden die zurzeit hohen Infektionszahlen in Maricopa County angegeben.
Die Entscheidung über eine Verschiebung können die Cactus League und die MLB nur gemeinsam mit der Spielergewerkschaft MLBPA treffen. Die MLBPA hat derweil bereits sehr deutlich gemacht, dass sie einen späteren Start des Spring Trainings sehr kritisch sieht. Der Grund dafür aus Sicht der Spieler liegt auf der Hand: Ein verspätetes Spring Training würde wahrscheinlich auch einen verspäteten Saisonstart und im Endeffekt eine erneut verkürzte Saison bedeuten – und damit Gehaltseinbußen, da die Spielergehälter sich anteilsmäßig reduzieren, wenn weniger Spiele stattfinden.  

Zahltag für Realmuto
Schon seit sie J. T. Realmuto im Februar 2019 von den Miami Marlins ertradeten, waren die Philadelphia Phillies erklärtermaßen an einer langfristigen Zusammenarbeit mit dem Catcher interessiert. Die Verhandlungen zogen sich jedoch lange hin, der Vertrag lief aus und es mehrten sich die Gerüchte, dass der zweimalige All-Star sich anderweitig orientieren könnte. Nun haben beide Seiten doch noch zu einem Abschluss gefunden und sich auf eine Zusammenarbeit für weitere fünf Jahre geeinigt. Der Deal hat ein Volumen von 115,5 Millionen Dollar. Das entspricht einem jährlichen Durchschnitt von 23,1 Millionen und stellt in dieser Hinsicht den teuersten Vertrag da, den je ein Catcher bekommen hat. Es war offenbar ein zentraler Verhandlungspunkt für Realmuto, den Gehaltsschnitt von Joe Mauer zu übertreffen, der 2010 bei den Minnesota Twins einen Achtjahresvertrag über 184 Millionen (23 Millionen pro Jahr) erhielt.

Yankees ertraden Taillon 
Die New York Yankees arbeiten weiter daran, ihre Starting Rotation aufzuwerten und gleichzeitig 2021 unter der 210-Millionen-Grenze für Spielergehälter zu bleiben, ab welcher Strafzahlungen fällig wären. Vor diesem Hintergrund ist der Move zu sehen, von den Pittsburgh Pirates James Taillon zu holen. Der 29-Jährige ist ein solider Starter mit einem Karriere-ERA von 3.67 und hat für dieses Jahr einen Vertrag über relativ überschaubare 2,5 Millionen. Das Fragezeichen, das Taillon mitbringt, ist eine Tommy-John-Surgery vom August 2019, wegen der er die gesamte Saison 2020 pausieren musste. Als Gegenleistung für Taillon schicken die Yankees vier Prospects nach Pittsburgh: die Pitcher Miguel Yajure und Roansy Contreras, Infielder Maikol Escotto und Outfielder Canaan Smith werden Teil des Rebuilds der Pirates. 
Ein langjähriges Mitglied der Yankees-Rotation wird 2021 nicht mehr an Bord sein: Masahiro Tanaka gab heute bekannt, dass er zurück nach Japan geht und sich dort den Rakuten Eagles anschließt.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Da die Signings gerade massenweise einprasseln, liste ich den Rest wieder im Telegrammstil auf. Neue MLB-Verträge gab es diese Woche für: IF/OF Jurickson Profar (San Diego Padres, 3 Jahre plus beidseitige Option, 21 Millionen Dollar), SS Marcus Semien (Blue Jays, 1 Jahr, 18 Millionen), IF/OF Enrique Hernandez (Boston Red Sox, 2 Jahre, 14 Millionen), SS Andrelton Simmons (Minnesota Twins, 1 Jahr, 10,5 Millionen), RP Brad Hand (Washington Nationals, 1 Jahr, 10,5 Millionen), SP Garrett Richards (Boston Red Sox, 1 Jahr plus Kluboption, 10 Millionen), 2B Cesar Hernandez (Cleveland Indians, 1 Jahr plus Kluboption, 5 Millionen), RP Anthony Bass (Miami Marlins, 2 Jahre plus Kluboption, 5 Millionen), C Wilson Ramos (Detroit Tigers, 1 Jahr, 2 Millionen), C Austin Romine (Chicago Cubs, 1 Jahr, 1,5 Millionen), SS Freddy Galvis (Baltimore Orioles, 1 Jahr, 1,5 Millionen), 1B Ryan Zimmerman (Washington Nationals, 1 Jahr, 1 Million), IF Tommy La Stella (San Francisco Giants, 3 Jahre, Gehalt unbekannt), RP Aaron Loup (New York Mets, 1 Jahr, Gehalt unbekannt). 

Zudem gab es noch zwei kleinere Trades: Die New York Mets schicken SP/RP Steven Matz nach Toronto und erhalten dafür die drei Pitching-Prospects Josh Winckowski, Sean Reid-Foley und Yennsy Diaz aus dem Farmsystem der Blue Jays. Die New York Yankees geben RP Adam Ottavino sowie Minor-League-Pitcher Frank German für einen noch zu benennenden Spieler und/oder eine Ablösezahlung an die Boston Red Sox ab. Das Bemerkenswerte an letzterem Trade ist, dass er der erste zwischen den Erzrivalen Yankees und Red Sox seit sechseinhalb Jahren ist.

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November 19th, 2020 by Silversurger

Von Live-Baseball sind wir zwar weit entfernt, aber in der MLB herrscht in diesem Herbst alles andere als Langeweile. Unter den Neuigkeiten dieser Woche habe ich zum Beispiel die erste weibliche Führungskraft in einem MLB-Klub, den Rücktritt eines populären Funktionärs, sowohl den ersten Dopingfall als auch die erste Tommy-John-Surgery dieser Offseason sowie ganz nebenbei noch die Auszeichnung der besten Spieler der Saison 2020 im Angebot. Was wollt ihr demnächst gerne lesen? Lasst es mich bitte als Kommentar im Wunschkonzert wissen! 

Abreu und Freeman sind die MVPs
Letzte Woche musste ich den Höhepunkt der Award-Verleihungen schuldig bleiben, weil die wertvollsten Spieler erst Donnerstagnacht ausgezeichnet wurden. In beiden Teilen der MLB fiel die Wahl auf einen First Baseman.
In der AL geht der MVP-Titel an Jose Abreu von den Chicago White Sox. Der 33-Jährige füllte die Rolle als erfahrener Führungsspieler des jungen Teams perfekt aus und ging mit einer Slashline von .317/.370/.617 auf dem Weg zur ersten Playoff-Teilnahme seines Klubs seit 2008 voran. Abreu erhielt 21 von 30 möglichen Erststimmen und ließ damit 3B Jose Ramirez (Indians) und 2B DJ LeMahieu (Yankees) klar hinter sich.
Die Wahl der NL entschied Freddie Freeman von den Atlanta Braves für sich. Das ist eine großartige Comebackstory, nachdem Freeman kurz vor Saisonbeginn an Covid-19 erkrankt war, mit durchaus heftigen Symptomen. Doch er kam danach schnell zurück in Form und spielte seine bisher beste Saison (.341/.462/.640) für die Braves, die zum dritten Mal in Folge die NL East gewannen. Mit 28 von 30 Erststimmen war die Wahl mehr als eindeutig. Die anderen beiden Stimmen gingen an OF Mookie Betts (Dodgers). 

Theo Epstein tritt zurück
Der bisherige „President of Baseball Operations“ der Chicago Cubs, Theo Epstein, hat seinen Rücktritt erklärt. Nach neun Jahren in Chicago sieht der 46-Jährige, der sowohl für die Cubs als auch davor für die Boston Red Sox jahrzehntelange Titelträume wahr gemacht hat, die Zeit für eine neue Herausforderung gekommen. Fans der Phillies und der Mets, die beide gerade passende Stellen anzubieten haben, sollten sich allerdings nicht zu früh die Hände reiben: Laut Jon Morosi von MLB Network neigt Epstein wohl dazu, sich erstmal eine Auszeit von einem Jahr zu gönnen. Epsteins Nachfolge bei den Cubs übernimmt Jed Hoyer, sein bisher engster Mitarbeiter als General Manager.

Kim Ng wird General Mangerin der Marlins
Die Miami Marlins haben eine Nachfolgerin für ihren bisherigen General Manger Michael Hill gefunden, dessen ausgelaufener Vertrag nicht verlängert wurde. Kim Ng wird die erste Frau auf einem hochrangigen Posten eines MLB-Teams und gleichzeitig der erste GM asiatischer Abstammung. Ng ist in dieser Rolle alles andere als ein PR-Stunt; sie ist vielmehr eine langjährige ausgewiesene Fachfrau, die in den letzten Jahren schon bei mehreren GM-Besetzungen im Gespräch war. Die 51-Jährige begann ihre Karriere vor rund 30 Jahren als Praktikantin bei den White Sox, war Assistenz-GM bei den Yankees und den Dodgers, bevor sie 2011 Senior Vice President of Baseball Operations der MLB wurde. Marlins-Owner Derek Jeter, der Ng aus der gemeinsamen Zeit bei den Yankees kennt, baut darauf, dass sie aus dem vielversprechenden jungen Team der Marlins einen dauerhaften Contender macht.

Neuer GM auch bei den Angels
Die Los Angeles Angels haben ebenfalls einen neuen GM ausgewählt. Den Posten des zum Saisonende gefeuerten Billy Eppler erhält Perry Minasian, bislang Assistenz-GM bei den Braves. Angels-Owner Arte Moreno setzt damit nach Tony Reagins, Jerry Dipoto und Eppler erneut auf einen Neuling in der Führungsrolle. Ähnlich wie die neue GM der Marlins, Kim Ng, galt Minasian schon seit einigen Jahren immer wieder als Kandidat, wenn irgendwo in der Liga eine entsprechende Stelle zu vergeben war. Minasian erbt mit den Angels ein Team, dem dank herausragender Einzelspieler wie Mike Trout, Anthony Rendon und Shohei Ohtani regelmäßig eine Favoritenrolle zugedacht wird, die es bisher jedoch nie erfüllen konnte.

Dopingsünder Cano gesperrt
Apropos unerfüllte Erwartungen: Second Baseman Robinson Cano von den New York Mets wurde zum zweiten Mal in seiner Karriere des Dopings überführt. Getreu den Anti-Doping-Richtlinien der MLB wird er als Wiederholungstäter für 162 Spiele, also die gesamte Saison 2021, gesperrt. Cano war nach seiner ersten Dopingsperre 2018 von den Seattle Mariners zu den Mets getradet worden. Dort hatte er 2019 ein eher schwaches Jahr, doch 2020 gelang dem 38-jährigen Dominikaner ein beeindruckendes Comeback. Dieses erscheint nun unter einem anderen Licht, da es offenbar nur mit Hilfe des synthetischen Steroids Stanozolol zustande kam.
Für die Mets dürfte der Verlust zu verkraften sein: Da Cano während der Sperre keinen Gehaltsanspruch hat, spart der Verein 24 Millionen Dollar, die sich vermutlich besser einsetzen lassen als für einen schummelnden Altstar.

Clevinger verlängert Vertrag und fällt erstmal aus 
Die Saison 2021 wird nicht nur ohne Cano, sondern auch ohne Mike Clevinger stattfinden. Der Starting Pitcher der San Diego Padres musste sich am Dienstag einer Tommy-John-Surgery unterziehen, was üblicherweise mindestens ein Jahr Pause bedeutet. Die Padres hatten Clevinger zur Trade Deadline Ende August von den Cleveland Indians geholt. Dort war er in Ungnade gefallen, nachdem er mit einer privaten Kneipentour die Corona-Auflagen missachtet und dies dem Team verschwiegen hatte. Davon abgesehen hatte er sportlich ein sehr starkes Jahr und war einer der Verantwortlichen für den furiosen Run der Padres in die Playoffs. Kurz vor seiner OP einigten die Padres sich mit ihm auf eine Vertragsverlängerung bis 2022. Clevinger verdient in den beiden Jahren insgesamt 11,5 Millionen Dollar – das schien auf den ersten Blick etwas wenig für einen Spieler seiner Klasse, doch nach der kurz darauf erfolgten Nachricht über seine Verletzung ist klar, dass es sich im Prinzip um das Gehalt für 2022 handelt. 

Braves verpflichten Smyly
Auch die Atlanta Braves vermelden einen Vertragsabschluss: Der linkshändige Starter Drew Smyly wurde für ein Jahr verpflichtet. Er erhält dafür 11 Millionen Dollar. Der 31-Jährige spielte schon bei den Tigers, Rays, Rangers, Phillies und Giants. Seine Leistungen waren meistens solide, er war aber auch oft verletzt und benötigte dann etwas Anlauf, um wieder zu seiner Form zu finden. 2020 brachte er es für die Giants auf einen ERA von 3.45 über 26.1 Innings. Das ist eine relativ kleine Stichprobe, aber für die Braves offenbar genug, um ihm einen recht großzügigen Vertrag anzubieten. 

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Oktober 8th, 2020 by Silversurger

Hochspannung in den MLB-Playoffs: Noch keines der Divisional-Duelle ist entschieden, aber in allen vier Serien kann es  schon heute soweit sein. Vor der Zusammenfassung des sportlichen Geschehens der letzten Tage noch kurz zwei Neuigkeiten von außerhalb der Playoff-Bubble: Neben den Los Angeles Angels sind nun auch die Philadelphia Phillies auf der Suche nach einem neuen General Manager. Matt Klentak hat nach fünf weitgehend erfolglosen Jahren – ohne Winning Season, ohne Playoff- Teilnahme – seinen Rücktritt erklärt. Und auch bei den Cincinnati Reds ist eine Stelle offen: Dick Williams hat gestern erklärt, seinen Posten als „President of Baseball Operations“ abgeben zu wollen. 

National League
Da in den NLDS-Duellen erst je zwei Spiele absolviert wurden, konnte noch keine der Best-of-5-Serien entschieden werden. Allerdings stehen sowohl die Atlanta Braves als auch die Los Angeles Dodgers mit einem Bein in der nächsten Runde. 

Die Braves haben die ersten Spiele gegen die Miami Marlins 9:5 und 2:0 gewonnen. Wie schon in der Wild-Card-Runde gegen die Cincinnati Reds überzeugen die Braves bislang vor allem mit starkem Pitching, ihrer ursprünglich angenommenen Schwachstelle. Die Braves haben nun drei Matchbälle für den letzten nötigen Sieg, um in die Championship-Serie der NL einzuziehen. 

Dasselbe gilt für die Dodgers, die mit 5:1 und 6:5 beide Partien gegen die San Diego Padres für sich entschieden haben. Im ersten Spiel war Geduld gefragt, denn die Dodgers blieben fünf Innings ohne Hit und lagen 0:1 zurück, bevor im sechsten Durchgang der Knoten platzte und sie gleich vier Runs aufs Scoreboard brachten. Auch im zweiten Spiel überkamen sie einen frühen Rückstand und wehrten im neunten Inning ein Comeback des Gegners ab, um sich die vielversprechende Ausgangslage vor Spiel drei zu sichern. 

American League
In der AL gibt es nach drei Spielen ebenfalls noch keine Entscheidung. Nah dran waren die Houston Astros, die mit 10:5 und 5:2 die ersten Spiele gegen die Oakland Athletics gewannen. In der dritte Partie nahmen sie den Athletics zweimal die Führung ab, mussten sich am Ende aber doch geschlagen geben (siehe „Spiel der Woche“). 

Die New York Yankees landeten mit 9:3 den ersten Erfolg in der Serie gegen die Tampa Bay Rays, doch die Spiele zwei und drei gingen mit 7:5 und 8:4 an den Gegner. War vor der Serie noch die Frage, ob das formidable Pitching der Rays die Homerun-Power der Yankees unter Kontrolle halten kann, so sieht es nun eher danach aus, dass die Rays die Yankees mit deren eigenen Waffen schlagen: Vier Homeruns am Dienstag, drei Homeruns am Mittwoch waren der maßgebliche Faktor, dass die Rays nur noch einen Sieg vom Einzug in die Championship-Serie entfernt sind.

Szene der Woche
Der Endstand von 9:3 für die Yankees klingt nach einer klaren Angelegenheit, aber tatsächlich war die Partie gegen die Rays am Montag ein enorm spannendes Spiel mit mehreren Führungswechseln. Die Entscheidung zugunsten der Bronx-Bomber brachte erst der Paukenschlag im neunten Inning, der folgende Grand Slam von Giancarlo Stanton. Als Szene der Woche steht er auch stellvertretend für insgesamt sechs Homeruns durch Stanton in den bisherigen fünf Playoff-Spielen. 

Statistik der Woche 
18. Das ist die gleiche Zahl wie letzte Woche an dieser Stelle, aber eine ganz andere Statistik: 18 Strikeouts erzielten die Pitcher der Rays am Dienstag beim 7:5 gegen die Yankees und stellten damit einen neuen Rekord für 9-Inning-Playoffspiele auf. 10 davon gingen auf das Konto von Starter Tyler Glasnow, der die ersten fünf Innings pitchte.

Spiel der Woche
Das offizielle Homerun-Derby der MLB musste dieses Jahr coronabedingt ausfallen, aber die Oakland Athletics und die Houston Astros taten gestern alles, um die Fans von weiten Schlägen für den Verlust zu entschädigen. Siebenmal ging der Ball in der heiß umkämpften Partie über den Zaun. Entscheidend waren am Ende ironischerweise zwei Bälle, die zwar etwas zu kurz gerieten, jedoch als Sacrifice-Flys den Athletics die Runs zum 8:7 und 9:7 brachten. 

Mein Einschalttipp
Die MLB-Saison ist längst in der Phase angelangt, in der jedes Spiel, das sich zeitlich und vom Schlafbedarf her einrichten lässt, Pflichtprogramm ist. Das gilt erst recht für die Baseball-Bundesliga, in der an den beiden kommenden Wochenenden das Finale um die Deutsche Meisterschaft zwischen den Bonn Capitals und den Heidenheim Heideköpfen ansteht. Am Samstag ab 15 Uhr und am Sonntag ab 14 Uhr gibt es vermutlich zum letzten Mal in diesem Jahr die Chance, deutschen Spitzenbaseball per Livestream zu verfolgen. Die Partien aus Bonn werden wie üblich auf sportdeutschland.tv gesendet. Die weiteren Spiele der Best-of-5-Serie finden am folgenden Wochenende in Heidenheim statt, von wo es leider in der Regel keine Liveübertragung gibt. 

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Oktober 3rd, 2020 by Silversurger

Nach der viertägigen Wild-Card-Runde lässt sich deren Ergebnis in wenigen Worten zusammenfassen: Alle sieben Teams aus den Central-Divisionen sowie die Toronto Blue Jays sind ausgeschieden, sämtliche Erst- und Zweitplatzierten der East- und West-Divisionen haben es in die nächste Runde geschafft. Wie es sich ergeben hat, treffen in dieser nächsten Runde, den Divisional Series, alle Mannschaften auf Konkurrenten aus der eigenen Division. 

Die Divisionals werden wie geplant in neutralen Ballparks ausgetragen. Am Montag beginnen die beiden ALDS, die NLDS kommen am Dienstag dazu. Gespielt wird dann wieder täglich ohne Pausentage bis zur Entscheidung im Best-of-5-Format. 

American League Divisional Series 
Tampa Bay Rays vs. New York Yankees (in San Diego) 
Vor der Saison waren die Yankees der Top-Favorit und die Rays der Geheimfavorit der AL. Das hat sich ein bisschen geändert, nachdem die Rays sowohl in der Gesamtabrechnung die Yankees klar hinter sich ließen als auch die direkten Duelle mit acht zu zwei Siegen dominierten. Kein anderes Team hatte die Yankees dieses Jahr so souverän und konsistent unter Kontrolle wie die Rays, welche der stärksten Offense der Liga nur 34 Runs in zehn Spielen erlaubten. Man muss allerdings dazu sagen, dass die Yankees selten in Bestbesetzung antreten konnten – DJ LeMahieu, Aaron Judge und Giancarlo Stanton verpassten jeweils einen großen Teil der Spiele gegen die Rays. Dieses Mal sind sie allesamt an Bord beim Versuch, den Angstgegner zu überwinden. 

Oakland Athletics vs. Houston Astros (in Los Angeles) 
Wenn man nach der regulären Saison geht, sehen die Vorzeichen für dieses Duell ziemlich einseitig aus: Die Athletics spielten eine dominante 36-24-Saison, die Astros hingegen hatten Glück, mangels Konkurrenz mit einer negativen Bilanz von 29-31 noch einen Platz in den Playoffs zu ergattern. Der Unterschied zwischen beiden Teams wurde nicht zuletzt in den zehn direkten Vergleichen erspielt, von denen die Athletics sieben gewannen. In der Wild-Card-Runde waren allerdings die Astros überzeugender. Sie sweepten routiniert die Minnesota Twins, während die Oakland Athletics sich zu einem knappen 2-1 über die Chicago White Sox mühten.

National League Divisional Series
Los Angeles Dodgers vs. San Diego Padres (in Arlington) 
Für neutrale Zuschauer dürfte dies das am heißesten erwartete Duell der Divisional-Runde sein. Die Dodgers weisen aus der regulären Saison die beste Bilanz der MLB auf, die Padres haben die zweitmeisten Siege der NL auf dem Konto – und das, obwohl sie zehnmal gegen das Überteam aus LA antreten mussten. Die Dodgers behielten in diesen Spielen knapp mit 6-4 die Oberhand. In der Wild-Card-Runde machten die Dodgers kurzen Prozess mit den Brewers, während die Padres gegen die St. Louis Cardinals drei Spiele brauchten. Sorgen bereitet nach wie vor das Starting-Pitching der Padres. Ob die Asse Dinelson Lamet und Mike Clevinger bis zur NLDS fit werden, ist fraglich. Gestern Nacht war es der Bullpen der Padres, der in einem gemeinsamen Kraftakt die Kastanien aus dem Feuer holte: Neun verschiedene Pitcher hielten den Gegner über neun Innings ohne Run – das hatte es bisher noch nie gegeben. 

Atlanta Braves vs. Miami Marlins (in Houston) 
Diese beiden Teams haben es allen Kritikern gezeigt. Die Braves waren als das Playoff-Team mit dem schwächsten Pitching eingestuft gewesen. Als Antwort darauf ließen sie gegen die Cincinnati Reds in zwei Spielen über insgesamt 22 Innings keinen einzigen Run zu. Nun geht es gegen die Miami Marlins, die aus dem „Bottom Feeder“, zu dem sie vor der Saison abgestempelt waren, ein trotziges Motto gemacht haben. Auch sie benötigten nur zwei Spiele, um gegen die Chicago Cubs souverän das Weiterkommen zu sichern. In der regulären Saison gewannen die Braves sechs von zehn gegen die Marlins, darunter ein spektakuläres 29:9. Die Braves gehen als klarer Favorit in die NLDS, aber die Marlins fühlen sich bekanntlich pudelwohl in der Außenseiterrolle. 

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Oktober 1st, 2020 by Silversurger

Die Baseball-Nacht des Jahres liegt hinter uns: Acht Playoff-Spiele an einem Tag hatte es noch nie gegeben und wird es auch auf absehbare Zeit nicht mehr geben. Denn in der American League sind bereits drei von vier Duellen der Wild-Card-Runde entschieden. Somit müssen heute nur die Oakland Athletics und die Chicago White Sox zum entscheidenden dritten Spiel antreten, während in den Serien der National League Spiel zwei ansteht.

In den Teams, die sich nicht für die Postseason qualifizieren konnten, werden derweil schon erste Weichen für das kommende Jahr gestellt: Die Boston Red Sox trennen sich nach nur einem Jahr von Manager Ron Roenicke, die Los Angeles Angels entlassen General Manager Billy Eppler. Auch bei den New York Mets steht die Ablösung von GM Brodie van Wagenen so gut wie fest, sobald der Verkauf der Franchise an Steve Cohen offiziell ist. Zwei langjährige und beliebte MLB-Spieler werden wir nicht mehr auf dem Spielfeld sehen: Hunter Pence (Giants) und Alex Gordon (Royals) haben das Ende ihrer Karrieren verkündet. 

American League
Die erste Divisional-Serie der AL steht bereits fest. Die Tampa Bay Rays treffen ab Montag in einer Best-of-5-Serie auf die New York Yankees. Die Rays entledigten sich ihrer Wild-Card-Aufgabe gegen die Toronto Blue Jays souverän mit 3:1 und 8:2. Souverän waren auch die Yankees in Spiel 1 gegen die Cleveland Indians. Sie verschafften Cy-Young-Kandidat Shane Bieber einen rabenschwarzen Tag und gewannen das Spiel 12:3. Die zweite Partie war deutlich spannender, doch nach Comebacks im vierten und im neunten Inning behielten die Yankees auch hier die Oberhand und sicherten sich mit einem 10:9 den Sweep über die Indians. Die Serie zwischen den Rays und den Yankees wird in San Diego stattfinden.

Für die andere Divisional-Serie haben sich als erstes Team die Houston Astros qualifiziert. Das ist die erste große Überraschung dieser Playoffs, denn mit ihrer negativen Saisonbilanz (29-31) und als Auswärtsteam reisten die Astros als klarer Außenseiter nach Minnesota. Doch die Twins konnten ihre Playoff-Schwäche (siehe „Statistik der Woche“) nicht ablegen, während die Astros routiniert ihre Postseason-Erfahrung ausspielten und die Partien mit 4:1 und 3:1 nach Hause brachten.

Der Gegner der Astros in der ALDS in Dodger Stadium werden entweder die Oakland Athletics oder die Chicago White Sox sein. Die beiden Teams haben sich als bisher einzige die Siege in den Spielen eins und zwei geteilt. Beim 4:1-Sieg der White Sox feuerte Lucas Giolito sechs perfekte Innings, bevor er im siebten Durchgang den ersten Hit und im achten den einzigen Run abgab. Tags darauf kam die Offense der Athletics schneller und besser ins Spiel. Die Aufholjagd der White Sox kam zu spät und endete mit einer 3:5-Niederlage.  

National League
Die NL hatte letzte Nacht ihren ersten Wild-Card-Spieltag, daher konnte logischerweise noch keine der Best-of-3-Serien entschieden werden. Die Los Angeles Dodgers wurden im ersten Spiel ihrer Favoritenrolle gerecht und schlugen die Milwaukee Brewers 4:2. Der Sieger dieses Duells trifft in der nächsten Runde in Arlington auf San Diego oder St. Louis. St. Louis setzte sich etwas überraschend im ersten Spiel mit 7:4 durch. Den Padres könnten Pitching-Probleme zum Verhängnis werden: Die Asse Dinelson Lamet und Mike Clevinger sind verletzt und Chris Paddack erwischte gestern einen richtig miesen Tag, was nicht nur die Niederlage, sondern auch viel Arbeit für den Bullpen verursachte.

Die spannendste Partie der bisherigen Playoffs war eindeutig die erste Begegnung zwischen den Atlanta Braves und den Cincinnati Reds. Mehr dazu weiter unten beim „Spiel der Woche“. Einen veritablen Upset gab es in Chicago, wo den Miami Marlins ein einziges starkes Offensiv-Inning reichte, um beim 5:1 gegen die Cubs das neueste Kapitel ihrer Cinderella-Story zu schreiben. Die Gewinner der beiden Serien treffen ab Dienstag zur NLDS in Houston aufeinander. 

Szene der Woche
Wir sind zwar schon mitten in der Postseason, aber das Triple Play der Brewers vom letzten Tag der regulären Saison möchte ich euch nicht vorenthalten:

Statistik der Woche 
18. So viele Playoff-Spiele haben die Minnesota Twins nun hintereinander verloren. Der traurige Rekord reicht zurück bis in die ALDS 2004, in der die Twins die Spiele zwei bis vier gegen die Yankees abgaben. Es folgten ein 0-3-Sweep gegen die Athletics 2006 und dann 2009, 2010, 2017 und 2019 immer wieder Niederlagen gegen die Yankees. Entsprechend groß war die Begeisterung, dass es dieses Jahr in Runde 1 endlich mal nicht gegen die Yankees ging, doch auch gegen die Astros war für das Team von Max Kepler nichts zu holen.

Spiel der Woche
Alle Freunde des gepflegten Defensivspiels, die am Dienstag von Bieber vs. Cole enttäuscht wurden, folgte die Entschädigung einen Tag später in Form einer epischen Pitchingschlacht zwischen Max Fried und Trevor Bauer sowie den jeweiligen Bullpens der Atlanta Braves und der Cincinnati Reds. Es war das erste Playoffspiel seit 1997, das mit 0:0 in die Verlängerung ging, und es war das erste überhaupt, bei dem auch nach elf und zwölf Innings keine Runs auf dem Scoreboard auftauchten. Erst in der unteren Hälfte des 13. Innings gelang den Braves bei einem Single von Freddie Freeman der erste Zähler und damit der Walk-Off-Sieg. Noch ein Rekord: 37 Strikeouts von beiden Teams zusammen hatte es in einem Playoffspiel bisher nie gegeben.

Mein Einschalttipp
In den Playoffs ist natürlich jedes Spiel ein Einschalttipp, aber heute lege ich euch ganz besonders die Partie der Oakland Athletics gegen die Chicago White Sox ans Herz. Zur besten mitteleuropäischen Sendezeit um 21:10 Uhr beginnt das entscheidende dritte Spiel um den Einzug in die ALDS. 

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September 28th, 2020 by Silversurger

Es lief längst nicht alles glatt in der wegen Corona verkürzten MLB-Saison 2020, aber der erste große Meilenstein ist erreicht: Die reguläre Saison wurde wettbewerbsgerecht durchgeführt und abgeschlossen, sodass jetzt die Playoffs folgen können. Um die Teilnehmerplätze wurde vor allem in der National League bis zum letzten Tag gerungen. Auf der Zielgeraden war es eher ein Schneckenrennen, denn die Brewers verloren zwar ihr letztes Spiel, profitierten aber davon, dass sowohl die Giants als auch die Phillies es ihnen gleichtaten. Anscheinend war niemand besonders wild darauf, bei den Dodgers antreten zu müssen…

Die Best-of-3-Serien der Wild-Card-Runde finden komplett im Stadion des höher gesetzten Teams statt und werden ohne Pausentag durchgezogen. Den Anfang machen die Teams der American League, die am Dienstag, Mittwoch und (sofern das dritte Spiel nötig ist) am Donnerstag spielen. Die Serien der National League laufen von Mittwoch bis Freitag. Die nächste Runde der Playoffs, die Divisional-Series, beginnt nächste Woche am Montag (AL) bzw. Dienstag (NL).

American League
Tampa Bay Rays vs. Toronto Blue Jays
Das Duell der Nr. 1 gegen die Nr. 8 der AL ist das einzige zwischen zwei Teams, die sich schon während der regulären Saison gesehen haben. In diesen Spielen behielten die Rays mit 6:4 Siegen die Oberhand, und natürlich gehen sie auch in die Playoffs als Favorit. Für die Blue Jays ist es bereits ein Riesenerfolg, so weit gekommen zu sein in einem Jahr, in dem sie wegen Coronaauflagen kein einziges Spiel in ihrem eigenen Stadion absolvieren durften.

Oakland Athletics vs. Chicago White Sox
Das junge Team der White Sox schien auf dem besten Weg, die AL Central zu gewinnen, doch auf der Zielgeraden geriet es spürbar ins Stolpern mit nur noch zwei Siegen aus den letzten acht Spielen. Damit haben sie sich eingehandelt, bei den Athletics antreten zu müssen, die die AL West in diesem Jahr massiv dominiert haben.

Minnesota Twins vs. Houston Astros
Die Twins haben in den letzten Spielen alles dafür gegeben, nicht wieder gegen die Yankees antreten zu müssen, gegen die ihre letzten vier Playoffteilnahmen allesamt in der ersten Runde endeten. Das ist gelungen, indem das Kepler-Team sich den Divisionssieg und damit Rang 3 auf der Setzliste sicherte. Nun dürfen sie zu Hause antreten gegen die Houston Astros, das ehemalige Spitzenteam, welches nach dem Sign-Stealing-Skandal und einer negativen Saisonbilanz seinen Schrecken weitgehend verloren hat.

Cleveland Indians vs. New York Yankees
Auch eine interessante Paarung: Das Team mit der stärksten Offense der AL – die Yankees mit 315 erzielten Runs – trifft auf das Team mit der besten Defense der MLB – die Indians mit nur 209 zugelassenen Runs. Sowohl die Indians als auch die Yankees hatten in der ersten Septemberhälfte einen Durchhänger und gerieten in Gefahr, die Playoff-Teilnahme zu verspielen. Beide haben sich dann wieder gefangen und spielen nun die Teilnahme an der Divisional-Runde untereinander aus.

National League
Los Angeles Dodgers vs. Milwaukee Brewers
Die Dodgers waren vor der Saison der große Favorit, und bisher sind sie allen Erwartungen gerecht geworden: Zum achten Mal in Folge haben sie die NL West gewonnen und das mit einer Winning Percentage von 71,7%  und somit der besten MLB-Saison eines Teams seit 1954. Die Brewers sind trotz einer negativen Bilanz gerade noch ins Playoff-Feld gerutscht und somit krasser Außenseiter gegen das Über-Team aus Los Angeles.

Atlanta Braves vs. Cincinnati Reds
Während die drei Mit-Favoriten in der vermeintlich starken NL East enttäuschten, sicherten die Braves sich souverän den dritten Divisionssieg in Folge. Nun wollen sie endlich mal über die erste Playoff-Runde hinauskommen, was ihnen die letzten neun Male verwehrt blieb. Die Reds haben es zum ersten Mal seit sieben Jahren in die Postseason geschafft. Nicht zuletzt wegen der überragenden Form von Cy-Young-Kandidat Trevor Bauer könnten sie für eine weitere Überraschung gut sein.

Chicago Cubs vs. Miami Marlins
Die Cubs hatten unter ihrem neuen Manager David Ross einen sehr starken Start in die Saison und cruisten den Rest des Weges mit wechselhaften Leistungen zum Divisionssieg. Vor dem Überraschungsteam aus Miami sollten sie gewarnt sein: Die Marlins haben bisher noch nie eine Playoff-Serie verloren. Bei ihren beiden bislang einzigen Teilnahmen, 1997 und 2003, holten sie immer gleich die World Series.

San Diego Padres vs. St. Louis Cardinals
Als Divisionszweiter ist „Slam Diego“ zwar nur an Nummer 4 gesetzt, aber nach Siegen und Run Differential sind die Padres das zweitstärkste Team der NL. In der Heimserie gegen St. Louis sehe ich sie als deutlichen Favoriten. Andererseits haben die Cardinals dieses Jahr schon unter Beweis gestellt, dass sie in der Lage sind, widrigsten Umständen zu trotzen – man denke nur an ihre 16-tägige Pause wegen Coronafällen und an die vielen, vielen Doubleheader, die sie deswegen den Rest der Saison über spielen mussten.

 

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