Oktober 25th, 2018 by Silversurger

Der Grand Slam am Donnerstag meldet sich zur ersten Reisepause der World Series und derzeit sieht es so aus, als könnte die Meisterschaft dieses Jahr recht schnell entschieden sein. Die ersten beiden Spiele gingen an die Boston Red Sox, welche damit schon die halbe Miete eingefahren haben. Die Los Angeles Dodgers müssen ihre Hoffnung darauf setzen, dass es in den anstehenden Heimspielen besser läuft als in den Auftaktpartien in Fenway Park.

Da in diesen Tagen sowieso jedes Spiel interessant und wichtig ist, verzichte ich heute auf die Kategorien „Spiel der Woche“ und „Einschalttipp“. Stattdessen werfe ich am Ende des Artikels einen Blick darauf, was sich neben der Finalserie im Rest der Liga tut. Schließlich schlafen auch die 28 bereits ausgeschiedenen Teams nicht und einige von ihnen haben in den letzten Tagen entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt.

Die World Series
Spiel eins war die nahtlose Fortsetzung der bisherigen Postseason der Boston Red Sox: Genau wie die Spiele der ALCS – und auch die meisten der ALDS – war es eine spannende, lange offene Partie, in der die Red Sox in den entscheidenden Momenten die besseren Entscheidungen trafen und so den Sieg sicherten. Das erwartete Pitcherduell zwischen Clayton Kershaw und Chris Sale war schnell Makulatur, denn beide hielten nur vier Innings durch. Kershaw kehrte nach einem starken Auftritt gegen die Brewers zurück in seinen alten Postseasontrott, in dem er nicht derselbe Pitcher ist, den man aus der regulären Saison kennt. 4.0 Innings, 7 Hits, 3 Walks, 5 Earned Runs lautete seine Bilanz. Chris Sale ließ in ebenso vielen Innings 5 Hits, 2 Walks, 3 Runs zu und konnte die bestehenden Zweifel an seinem Gesundheitszustand nicht ausräumen. So mussten beide Teams frühzeitig ihren Bullpen strapazieren. Die Red Sox brachten für ein Inning sogar Nathan Eovaldi, obwohl der ursprünglich als Starter in Spiel drei vorgesehen war. Eovaldi rechtfertigte die Entscheidung mit einem perfekten Outing und nährte damit die verbreitete Wahrnehmung, dass Red-Sox-Manager Alex Cora derzeit nicht in der Lage ist, irgendetwas falsch zu machen. Das gilt auch für die Wahl von Eduardo Nunez als Pinch Hitter. Der Infielder, der sonst regelmäßig gegen Linkshänder startet, begann das Spiel wider Erwarten auf der Bank, durfte dann aber im siebten Inning gegen Linkshänder Alex Wood ran. Seinen Frust über den entgangenen Start legte er wohl komplett in den Schwung, mit dem er den Ball zum 3-Run-Homerun über das grüne Monster drosch und damit eine Vorentscheidung herbeiführte.

Apropos Linkshänder: Auf Seiten der Dodgers war interessant zu beobachten, wie konsequent Manager Dave Roberts das Matchup-Spiel durchzog. Er ließ gegen Linkshänder Sale in Spiel eins und Linkshänder David Price in Spiel zwei keinen einzigen linkshändigen Batter starten, noch nicht mal den NLCS-MVP Cody Bellinger. Im Laufe der Partien reagierte er dann immer wieder auf neue Pitcher, nutzte alle Positionsspieler seines Dugouts für Auswechslungen und Verschiebungen. In jedem der beiden Spiele fanden sich am Ende nur drei Spieler noch auf der Position wieder, auf der sie begonnen hatten.

Auch Spiel zwei in der vergangenen Nacht folgte dem Muster, nach dem die Red Sox zurzeit ihre Siege einzufahren pflegen: im Duell der Starter hält man das Spiel offen, den Rest besorgen ein fantastisch aufgelegter und organisierter Bullpen sowie täglich ein anderer Held, der den entscheidenden Hit beisteuert. Dieses Mal kam diese Rolle J. D. Martinez zu, der im fünften Inning bei geladenen Bases ins Rightfield singelte und zwei Runs zur Führung über die Platte brachte – natürlich in einer Situation mit zwei Outs, denn auch das ist inzwischen fast schon eine Bostoner Tradition. Der Bullpen der Red Sox hat in den beiden Partien insgesamt acht Innings gepitcht und dabei lediglich drei Hits und nur einen einzigen Run zugelassen. Auch im zweiten Spiel wurde Eovaldi für ein exzellentes Relief-Inning eingesetzt, was seinen eigenen Start auf Spiel vier verschieben dürfte – vorausgesetzt, er wird nicht auch in Spiel drei wieder aus dem Bullpen gebraucht. Für die Red Sox war es übrigens das hundertste gewonnene Postseason-Spiel der Vereinsgeschichte.

Ab Freitagnacht gastiert die World Series für mindestens zwei Tage in Los Angeles (drei, sofern die Dodgers zumindest einmal gewinnen). Der wichtigste Unterschied zu den Spielen im Fenway Park ist, dass die Partien in Dodger Stadium ohne Designated Hitter gespielt werden und stattdessen die Pitcher Teil des Batting-Lineups sind. Das dürfte ein kleiner Vorteil für die Dodgers sein, die das aus ihrem Alltag in der National League gewohnt sind. Auch sonst gibt es Unterschiede zwischen den Ballparks: Dodger Stadium gilt als ein eher pitcherfreundliches Stadion, während Fenway Park ein angenehmes Pflaster speziell für rechtshändige Batter ist.

Als Starting Pitcher werden in Spiel drei Walker Buehler für die Dodgers und Rick Porcello fur die Red Sox antreten. Es wird das erste Rechtshänder-Duell der Serie, sodass in den Lineups beider Teams einige Umstellungen in Reaktion darauf zu erwarten sind.

Vorsicht beim Weckerstellen: Zwar beginnen nach amerikanischer Zeit auch die restlichen Partien der World Series jeweils ein paar Minuten nach 20 Uhr Eastern Time, aber weil wir in Europa am Wochenende die Uhr um eine Stunde zurück stellen, ergibt sich ab dem möglichen Spiel fünf für uns eine Änderung: Freitagnacht und Samstagnacht geht es jeweils um kurz nach 2 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit los, Sonntagnacht um kurz nach 1 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit.

Szene der Woche
Hier muss ich noch einmal auf die NLCS zurück kommen, denn das entscheidende Spiel sieben zwischen den Dodgers und den Brewers habe ich in meinem Blog noch gar nicht gewürdigt. Die Dodgers gewannen 5:1 und für mich gab es zwei Szenen in dem Spiel, die haften geblieben sind. Die erste war ein Bunt von Manny Machado im zweiten Inning, mit dem er das Infield der Brewers komplett auf dem falschen Fuß erwischte. Das war kein Wunder, denn es war eine Situation, in der niemand ernsthaft mit einem Bunt rechnet: bei einem Full Count und ohne vorhandene Baserunner. Tatsächlich war es der erste Bunt-Hit bei einem 3-2-Count in der MLB seit über vier Jahren. Für die Dodgers war die Aktion Gold wert, denn Machado scorte kurz darauf bei Cody Bellingers Homerun, durch den der frühe 0:1-Rückstand in eine 2:1-Führung gedreht wurde. 2:1 stand es auch noch im fünften Inning, als Chris Taylor die zweite denkwürdige Szene der Partie gelang: Nach einem Double von Lorenzo Cain schien ein Linedrive von Christian Yelich auf dem besten Weg, dem Spiel eine erneute Wende zu geben. Doch Taylors unfassbar athletische Rettungstat auf dem Warning Track machte Milwaukees Comebackhoffnung zunichte und ermöglichte seinem eigenen Team, das Spiel sicher nach Hause zu bringen.

Statistik der Woche
6 von 6. Familie Bellinger – Cody und sein Papa Clay – haben insgesamt an sechs MLB-Saisons teilgenommen und in jeder einzelnen davon mit ihrem Team die World Series erreicht. Das dürfte mal wieder eine komplett einzigartige, nicht kopierbare Leistung sein. Clay war von 1999 bis 2001 bei den New York Yankees aktiv und 2002 bei den Los Angeles Angels. Er kam zwar nie über den Status eines Ergänzungsspielers hinaus, aber seinen Klubs brachte er offenbar Glück. Sohnemann Cody schaffte letztes Jahr den Sprung in die Major League und eifert seinem Vater nun schon im zweiten Jahr hintereinander nach.

Der Rest der Liga
Alle Welt schaut nach Boston und Los Angeles und das ist auch gut so. Ein paar interessante Entwicklungen bei den anderen MLB-Teams möchte ich aber nicht unerwähnt lassen:

Den bislang größten Coup in Sachen Neuverpflichtungen haben die Miami Marlins gelandet, indem sie die beiden kubanischen Brüder mit den originellen Namen Victor Victor Mesa und Victor Mesa Jr. verpflichteten. Der 22-jährige Outfielder Victor Victor gilt als aktuell größtes internationales Baseballtalent und soll möglichst schnell fit für die MLB gemacht werden. Sein Bruder Victor Jr. ist nicht weniger talentiert, mit seinen 17 Jahren aber vermutlich noch ein paar Jahre von Major-League-Reife entfernt. Der Move war von langer Hand vorbereitet worden, indem die Marlins in den letzten Wochen diverse kleine Trades einfädelten, bei denen sie sich mit Budgetraum für internationale Verpflichtungen bezahlen ließen. Laut dem Mitbesitzer des Klubs, Derek Jeter, ist das Engagement der Mesa-Brüder der Auftakt zu einer langfristigen Schwerpunktsetzung. Die Marlins wollen Anlaufstelle Nummer eins für Talente aus Lateinamerika werden, nicht zuletzt um die Bindung der in Miami besonders großen hispanischen Bevölkerung an den Verein zu intensivieren.

Von den Teams, die auf der Suche nach einem neuen Manager waren, sind die Cincinnati Reds die ersten, die Vollzug gemeldet haben: David Bell wird der neue sportlich Verantwortliche der Reds sein. Der 46-jährige Bell ist als MLB-Manager ein Neuling, aber ansonsten ist er ein Baseball-Urgestein. Zwölf Jahre lang hat er als Third Baseman in der höchsten Liga gespielt, vier Jahre lang Teams im Minor-League-System der Reds gemanagt, zuletzt war er Vizepräsident für Spielerentwicklung bei den San Francisco Giants. Bell war auch in Texas und Toronto im Gespräch, doch die Reds waren sein Wunscharbeitgeber. Zwar hat er selbst nie für Cincinnati gespielt, aber er wurde dort geboren und sowohl sein Vater Buddy als auch sein Großvater Gus haben das Reds-Trikot getragen.

Auch die Los Angeles Angels haben sich für einen neuen Manager entschieden: Brad Ausmus folgt auf die langjährige Regentschaft von Mike Scioscia. Ausmus bringt vier Jahre Joberfahrung bei den Detroit Tigers sowie eine 18-jährige Karriere als Spieler mit. Er war letztes Jahr bereits als Assistent des General Managers Billy Eppler für die Angels tätig, daher dürften beide Seiten recht gut wissen, worauf man sich miteinander einlässt. Ausmus gilt als analytisch vorgehender Manager, was ihn von dem eher old-school-orientierten Scioscia deutlich unterscheidet. Seine Zeit in Detroit war nur im ersten Jahr von Erfolg gekrönt, als die Tigers 2014 mit 90 Siegen die AL Central gewannen. Insgesamt brachte Ausmus es dort auf eine Bilanz von 314 Siegen und 332 Niederlagen.

Quasi in letzter Sekunde vor der Veröffentlichung dieses Artikels erfahre ich noch, dass auch die Minnesota Twins ihren neuen Manger ausgewählt haben: Der Mann heißt Rocco Baldelli, war bisher Field Coordinator der Rays und galt schon seit einer Weile als heißer Kandidat für eine der freien Managerstellen. Es wird für den 37-Jährjgen das erste Engagement in dieser Rolle sein. Vorerfahrungen hat er drei Jahre lang als First Base Coach der Rays gesammelt sowie in seinem bisherigen Job, der eine Art Zwischenfunktion als Assistent des Managers und Talententwickler darstellte.

Nach wie vor im Auswahlprozess für einen neuen Manager befinden sich die Baltimore Orioles, die Texas Rangers und die Toronto Blue Jays.

Ebenfalls noch nicht entschieden ist, wer neuer General Manager der New York Mets wird. Die Kandidatenliste wurde mittlerweile auf drei Personen eingegrenzt und das ist vor allem deshalb interessant, weil es sich um drei Leute mit sehr unterschiedlichen Hintergründen und Herangehensweisen handelt. Da ist zum einen der 35-jährige Chaim Bloom, zurzeit Vizepräsident für Baseball Angelegenheiten bei den Rays. Er vertritt einen analytischen, auf Sabermetrics basierenden Ansatz. Der nächste Kandidat ist der frühere GM und derzeitige Berater der Brewers, Doug Melvin (66), der als eher traditioneller Funktionär gilt. Und dann ist da noch Brodie Van Wagenen, ein prominenter Spielervermittler, der zum Beispiel Jacob deGrom, Noah Syndergaard und Yoenis Cespedes vertritt. Der Wechsel des verhandlungserprobten 44-Jährigen auf die „andere Seite“ dürfte sicher für einiges Aufsehen sorgen, im positiven wie im negativen Sinne. Kurz gesagt: Unterschiedlicher könnten die Kandidaten kaum sein. Man kann sagen, die Owner der Mets, Fred und Jeff Wilpon, wählen bei ihrer Suche einen sehr breiten und offenen Ansatz. Man kann aber auch sagen – und das halte ich für die zutreffendere Variante -, sie haben anscheinend kurz vor der anstehenden Entscheidung keine Ahnung, was für eine Art von GM sie überhaupt suchen.

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September 27th, 2018 by Silversurger

Für zehn Teams geht die MLB-Saison nächste Woche weiter und bis auf eine Ausnahme wissen wir, welche zehn es sein werden. Mit diesen Teams beschäftige ich mich im Hauptteil dieses Artikels.

Alle anderen sind längst dabei, die Weichen für das nächste Jahr und darüber hinaus zu stellen. Einige Klubs haben bereits bekannt gegeben, dass sie verantwortliche Personen in der sportlichen Leitung austauschen werden. Die Rangers sowie aller Voraussicht nach die Angels und die Orioles werden den Manager wechseln, während die Mets und die Giants nach einem neuen General Manager suchen (zur Erinnerung: der Manager ist in der MLB das, was man woanders den Cheftrainer nennt; der General Manager ist der, der den Kader zusammenstellt)

Für eine ganze Reihe von Spielern wird diese Saison die letzte gewesen sein. Victor Martinez von den Tigers hat sein Abschiedsspiel bereits hinter sich, David Wright von den Mets wird seines am Samstag bekommen (siehe „Einschalttipp“), das von Ichiro Suzuki wird wohl Anfang nächsten Jahres in Tokio stattfinden. Adrian Beltre von den Texans könnte ein weiterer prominenter Neurentner werden, er hat eine Entscheidung zum Saisonende angekündigt. Unterdessen hat Bartolo „Big Sexy“ Colon, mit 45 Jahren der älteste Spieler der Liga, bereits bekannt gegeben, dass er gerne noch ein Jahr dranhängen möchte. Das ist doch mal eine gute Nachricht.

Eine weitere gute Nachricht gibt es für alle, die kein mlb.tv-Abo haben: An den drei letzten Tagen der Saison – Freitag bis Sonntag – sind über den Streaming-Dienst der MLB alle Spiele kostenfrei zu empfangen.

American League
Die Playoff-Paarungen waren eigentlich schon eine ganze Weile klar, inzwischen stehen sie offiziell fest: Die Houston Astros (100-58) treffen in der American League Divisional Series (ALDS) auf die Cleveland Indians (89-69) und die Boston Red Sox (107-52) auf den Sieger des Wild-Card-Spiels der New York Yankees (97-61) gegen die Oakland Athletics (96-63).

Das Wild-Card-Spiel wird am 3. Oktober stattfinden, der Ort ist allerdings nach wie vor ungeklärt. Die Yankees haben derzeit einen Vorsprung von 1,5 Spielen und es selbst in der Hand, diesen heute Abend in Tampa Bay auf 2 Spiele auszubauen. Die Athletics greifen erst von Freitag bis Sonntag wieder ins Geschehen ein und haben dann die Chance, mit einer guten Serie bei den Los Angeles Angels den Yankees den Heimvorteil noch abzujagen. Diese bekommen es in den letzten drei Spielen noch einmal mit den Red Sox zu tun, welche sicher nichts dagegen hätten, ihrem Erzrivalen kurz vor den Playoffs noch mal in die Suppe zu spucken.

Sollten die Yankees und die Athletics die Saison mit einer identischen Bilanz abschließen, so werden für die Entscheidung des Heimvorteils zunächst die Ergebnisse der direkten Spiele zwischen diesen beiden herangezogen. Dieser Vergleich ist aber 3:3 ausgegangen und somit keine Hilfe. Als nächstes entscheidet die Bilanz innerhalb der eigenen Division. Hier stehen die Yankees bei 41-31 und die Athletics bei 37-36. Das können die A’s nicht mehr einholen, also müssen sie die Yankees zwingend überholen, wenn sie das Wild-Card-Spiel im eigenen Stadion spielen wollen.

National League
Wie schon das ganze Jahr über, geht es auch in den letzten Tagen der Saison in der National League äußerst eng zu. Die Atlanta Braves (89-69) haben als einzige schon den Sieg in ihrer Division sicher. Ebenfalls sicher ist, dass die Chicago Cubs (92-66) und die Milwaukee Brewers (92-67) an den Playoffs teilnehmen. Wer von den beiden Divisionssieger wird und wer ins Wild-Card-Spiel muss, bleibt spannend bis zum Schluss. Die Cubs haben noch ein Spiel weniger, das sie heute Nacht gegen die Pittsburgh Pirates absolvieren. Anschließend müssen sie eine sicher schwierige Serie gegen die St. Louis Cardinals (87-72) spielen, welche ihrerseits um den zweiten Wild-Card-Platz kämpfen. Die Brewers haben die vermutlich leichtere Aufgabe, sie schließen die reguläre Saison mit drei Spielen gegen die Detroit Tigers ab.

Zusätzlich zum schweren Restprogramm werden die Cubs derzeit mit der Geschichte um Addison Russell belastet. Der Shortstop wird von seiner Ex-Frau beschuldigt, sie sowohl köperlich als auch verbal misshandelt zu haben. Natürlich gilt für ihn wie für jeden Angeklagten die Unschuldsvermutung. Doch die MLB ermittelt schon seit 15 Monaten wegen der Vorwürfe und diese wiegen offenbar so schwer, dass Russell nun von der Liga vorerst beurlaubt wurde – das heißt, bis zu einer erneuten Entscheidung erhält er weiter sein Gehalt, darf aber nicht spielen.

Zurück zum Sport: In der NL West ist das Rennen ebenso offen wie in der NL Central. Die Colorado Rockies (88-70) haben letzte Nacht mit ihrem sechsten Sieg in Folge die Spitze von den Los Angeles Dodgers (88-71) zurück erobert. Die Dodgers haben zuletzt zweimal gegen die Arizona Diamondbacks verloren und müssen heute Nacht tatenlos zusehen, ob die Rockies ein weiteres Spiel gegen die Philadelphia Phillies gewinnen, um ihre Führung auf ein volles Spiel auszubauen. Das Restprogramm der Dodgers und der Rockies dürfte ungefähr gleich schwer sein: Die Rockies treffen auf die Washington Nationals, die Dodgers auf die San Francisco Giants. Das sind beides Teams, die mit großen Playoff-Hoffnungen in die Saison gestartet waren, diesen aber nicht gerecht geworden sind. Beide werden versuchen, dem Jahr ein versöhnliches Ende zu geben – wobei bei den Giants die Motivation noch etwas höher sein könnte, da sie immerhin gegen ihren Erzrivalen antreten.

Bevor die Playoffs der NL beginnen können, muss noch einer aus dem Trio Dodgers/Rockies/Cardinals die Segel streichen und es muss eindeutig feststehen, wer Divisionssieger und wer Teilnehmer des Wild-Card-Spiels ist. Anders als wenn es (wie in der AL zwischend den Yankees und den Athletics) „nur“ um den Heimvorteil geht, treten bei einem Gleichstand in Bezug auf die Playoff-Teilnahme keine Tie-Break-Regeln in Kraft. Stattdessen kommt es zu einem Entscheidungsspiel, das noch zwischen das Ende der regulären Saison und das Wild-Card-Spiel gequetscht werden muss. Es können dieses Jahr drei Fälle auftreten:

a) An der Spitze einer Division stehen zwei Teams mit gleicher Bilanz. Das könnte die Brewers und die Cubs und/oder die Dodgers und die Rockies betreffen. In dem Fall gibt es ein Entscheidungsspiel um Platz eins.

b) Zwei Teams, die um den zweiten Wild-Card-Platz konkurrieren, haben die gleiche Bilanz. Das könnte die Cardinals sowie entweder die Dodgers oder die Rockies betreffen. Zwischen diesen beiden Teams würde ebenfalls ein Entscheidungsspiel stattfinden.

c) Die Fälle a) und b) treten gleichzeitig ein. Das heißt, die Cardinals, die Rockies und die Dodgers schließen mit der gleichen Bilanz ab. Dann würde zuerst ein Entscheidungsspiel zwischen den Rockies und den Dodgers um den Divisionssieg stattfinden, anschließend ein weiteres Entscheidungsspiel des Verlierers gegen die Cardinals um die Wild Card und dann erst das Wild-Card-Spiel.

Szene der Woche
Eine Eigenheit, die ich am Baseball besonders mag, ist dass es trotz seiner langen und bewegten Geschichte und trotz der sehr hohen jährlichen Anzahl von Spielen fast jede Woche wieder irgendetwas gibt, das so noch nie passiert ist. Das jüngste Beispiel dafür ist Francisco Arcia. Er schrieb in einem ansonsten katastrophal schlechten Spiel seiner Los Angeles Angels gegen die Oakland Athletics Geschichte, indem er als erster Major Leaguer überhaupt im selben Spiel pitchte, catchte und einen Homerun schlug. Arcia startete das Spiel hinter der Platte und übernahm im siebten Inning den Mound, um die Pitcher des Teams zu schonen, nachdem man bereits mit 16 Runs zurück lag. Der 29-jährige Rookie schlug sich nicht schlecht in der ungewohnten Rolle: Zwar erlaubte er zunächst zwei Homeruns, pitchte dann aber ein sauberes achtes Inning. Im neunten Inning blieb er als Batter im Spiel und erzielte gegen Chris Hatcher den Solo-Homerun zum 3:21-Endstand, womit er seinen historischen Nachmittag vervollständigte.

Statistik der Woche
23-31. So lautet die Bilanz der Cleveland Indians gegen Mannschaften, die bei einer Siegquote von .500 oder besser stehen. Das ist erschreckend wenig für ein Team, das insgesamt eine Bilanz von 89-69 aufweist und das vor knapp zwei Wochen als erstes in der ganzen MLB den Gewinn seiner Division perfekt gemacht hat. Die Zahlen nähren die Zweifel daran, dass die Indians so gut sind wie sie in der Tabelle dastehen. Mit diesen Zweifeln müssen sie das ganze Jahr schon leben, weil sie in ihrer AL Central auf keine echten Prüfsteine getroffen sind und ihnen der Gruppensieg quasi in den Schoß gefallen ist. Ob sie in den Playoffs mit den weniger umstrittenen Top-Teams mithalten können, muss sich auf dem Platz zeigen. Die Houston Astros, der Gegner der Indians in der ALDS, haben eine Bilanz von 41-38 gegen Teams, die bei mindestens .500 stehen. Führend in dieser Statistik sind übrigens die Los Angeles Dodgers mit einer Bilanz von 50-38.

Spiel der Woche
Über die Toronto Blue Jays konnte man dieses Jahr nicht viel Positives berichten, aber gegen die Tampa Bay Rays haben sie Donnerstagnacht ein ganz fantastisches Spiel oder sagen wir besser: ein ganz fantastisches neuntes Inning hingelegt. Am Anfang der Partie waren sie auch nicht schlecht, immerhin hielten sie die Rays drei Innings lang ohne Hit und gingen durch einen 2-Run-Homerun von Rowdy Tellez in Front. Doch im vierten Inning glich Tampa Bay aus, holte sich im sechsten Durchgang die Führung und zog im siebten mit fünf Runs auf ein scheinbar vorentscheidendes 8:2 davon. Nun war es an dem jungen Blue-Jays-Team – sechs der neun Spieler hatten den größten Teil der Saison in der Minor League verbracht –, Charakter zu zeigen und genau das tat es. Sieben Runs markierten das höchste Comeback im letzten Inning in Torontos 42-jähriger Teamgeschichte. Die entscheidenden Hits zum Ausgleich – Doubles von Dwight Smith und Rowdy Tellez, Homeruns von Danny Jansen und Lourdes Gurriel Jr. – wurden allesamt von Rookies beigesteuert. Der finale Akt war dem Routinier Justin Smoak vorbehalten. Er schlug direkt den nächsten Pitch nach Gurriels Homerun zum Walkoff über den Zaun, weil, so Manager John Gibbons, „wir keine Extra-Innings spielen wollten“.

Mein Einschalttipp
Sicher, es stehen an diesem Abschlusswochende der regulären Saison wichtigere Spiele an als eine Partie der New York Mets gegen die Miami Marlins. Genauer gesagt ist das schon seit Monaten eine der unbedeutendsten Paarungen der Liga, weil beide Teams schon sehr lange jede Hoffnung auf eine erfolgreiche Saison verspielt haben. Trotzdem wird das Spiel dieser beiden Teams Samstagnacht ab 1:10 Uhr ein ganz besonderes. Es ist das Abschiedsspiel für einen der großen Spieler seiner Zeit, dessen Karriere leider viel zu früh endet. David Wright, jahrelang Team Captain sowohl der Mets als auch der US-Nationalmannschaft, wird nach über zwei Jahren Verletzungspause noch einmal das Trikot anziehen und als Third Baseman in der Startformation stehen. Damit wird der siebenfache All-Star, zweifache Gold-Glove- und zweifache Silver-Slugger-Gewinner seine aktive Laufbahn abschließen, weil nach zahlreichen Versuchen und Bemühungen um sein Comeback klar geworden ist, dass der Körper – insbesondere der Rücken – einfach nicht mehr mitspielt. Das ist traurig, aber es ist ein Trost für Wright und seine zahlreichen Fans, dass er die Gelegenheit erhält, sich am Samstag in würdigem Rahmen vor ausverkauftem Haus zu verabschieden. Auf DAZN kommt das Spiel zwar nicht, aber dank der eingangs erwähnten Wochenend-Aktion von mlb.tv kann jeder es sehen.

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September 20th, 2018 by Silversurger

Neun bis elf Spiele noch, dann ist für alle Teams die reguläre Saison der MLB beendet. Mit Spannung bis zum Schluss ist durchaus zu rechnen, allerdings bezieht sich diese auf nur noch eine Handvoll offener Fragen im Hinblick auf das Playoff-Bild. In der American League stehen die Teilnehmer an der Postseason schon lange fest, inzwischen lassen sich auch die konkreten Paarungen der ersten Runde so gut wie sicher absehen. In der National League stehen noch ein paar mehr Entscheidungen aus, aber zumindest was die reine Teilnahme an den Playoffs angeht, sind es realistisch betrachtet nur noch zwei Teams, die sich um den letzten freien Platz in der Meisterschaftsrunde streiten. Der Grand Slam am Donnerstag konzentriert sich daher heute ganz auf das Playoff-Bild und die noch offenen Fragen.

National League
Als Sieger der National League East werden die Atlanta Braves (84-68) in die Playoffs einziehen. Dabei haben sie Glück, dass die Konkurrenz innerhalb der Division recht schwach ist, denn in jeder anderen Division wären sie mit ihrer Bilanz bestenfalls Zweiter. In der ersten Playoff-Runde, der National League Divisional Series (NLDS), werden die Braves aller Voraussicht nach auf den Sieger der NL West treffen. Das wären nach derzeitigem Stand die Los Angeles Dodgers (85-68). Die Dodgers haben über die letzten drei Tage die Colorado Rockies (82-70) gesweept und damit wohl den entscheidenden Big Point gelandet, um nach einer turbulenten Saison wahrscheinlich doch noch den Divisionssieg einzufahren (siehe „Spiel der Woche“).

Die Rockies laufen derweil Gefahr, am Ende mit leeren Händen dazustehen, denn sowohl in der Division als auch im Wild-Card-Ranking hätten sie momentan das Nachsehen. Ihre größte Hoffnung dürfte darin bestehen, die St. Louis Cardinals (84-69) noch abzufangen. Diese haben zurzeit noch eineinhalb Spiele Vorsprung. Das halbe der eineinhalb Spiele entzieht sich allerdings ihres Einflusses, denn es rührt daher, dass die Rockies noch eine Partie mehr zu absolvieren haben als die Cardinals. Beide Teams haben ein schwieriges Restprogramm: Die Rockies treffen noch auf die Arizona Diamondbacks (79-74), die Philadelphia Phillies (78-73) und die Washington Nationals (77-75) – drei Clubs, die alle so gut wie sicher aus dem Rennen sind, aber wohl mit dem Mute der Verzweiflung um ihre letzte theoretische Chance kämpfen werden. Die Cardinals haben zwar erstmal „nur“ die San Francisco Giants (72-81) vor sich, müssen aber zum Abschluss Serien gegen die Chicago Cubs (89-63) und die Milwaukee Brewers (87-66) spielen (siehe „Einschalttipp“).

Die Cubs und die Brewers wetteifern noch um die NL Central, der Unterlegene wird ziemlich sicher im Wild-Card-Spiel stehen. Nach derzeitigem Stand würde die NL Central quasi ihre eigenen Playoffs spielen: Zuerst träfen die Brewers und die Cardinals in der Wild-Card-Runde aufeinander. Anschließend würde der Sieger auf das beste NL-Team der regulären Saison treffen, was derzeit die Cubs sind.

American League
Die Boston Red Sox (103-49) haben zuletzt zwei Niederlagen gegen die New York Yankees (93-58) einstecken müssen, aber ihre Magic Number für den Divisionssieg liegt nur noch bei 2. Mit einem Sieg im heutigen dritten Spiel gegen die Yankees können sie die letzten Zweifel beseitigen und selbst wenn dieser nicht gelingt, wird ihnen niemand mehr die American League East ernsthaft streitig machen. Auch dass die Red Sox am Ende die beste Bilanz der gesamten AL haben werden, darf als sicher gelten und somit, dass sie in der ALDS auf den Gewinner des Wild-Card-Spiels treffen.

Das Wild-Card-Spiel tragen die Yankees und die Oakland Athletics (91-61) untereinander aus, auch das steht quasi fest. Die einzige offene Frage vor den Playoffs der AL ist, wer in diesem Spiel Heimrecht haben wird. Das ist keine unerhebliche Frage, denn die beiden Teams stammen von entgegengesetzten Enden der USA und das Gastteam muss eine Anreise von Küste zu Küste auf sich nehmen. Die Trümpfe liegen derzeit klar bei den Yankees: Sie haben zweieinhalb Spiele Vorsprung auf die Athletics und noch ein Spiel mehr zu absolvieren. Daher müssen die A’s sich wohl darauf einrichten, dass die Partie um die Wild Card im Yankee Stadium stattfinden wird. Wenigstens können sie sich mit dem Gedanken trösten, dass die Reise an die Ostküste bei einem erfolgreichen Playoff-Run früher oder später ohnehin nötig geworden wäre; denn wenn die Athletics die Yankees überwinden, geht es anschließend nach Boston.

In der AL Central stehen die Cleveland Indians (85-66) schon lange als Divisionssieger fest – übrigens mit exakt der gleichen aktuellen Bilanz wie sie die Tampa Bay Rays (85-66) haben, die in der AL East keine Chance auf die Postseason haben. In der ALDS-Runde treffen die Indians aller Voraussicht nach auf den Titelverteidiger, die Houston Astros (95-57). Die Astros haben in Bezug auf die AL West noch eine Magic Number von 7, aber ich sehe kein ernsthaftes Szenario, in dem sie sich den Divisionssieg nehmen lassen. Mit den Los Angeles Angels (75-77), den Toronto Blue Jays (69-83) und am Schluss viermal den Baltimore Orioles (44-108) haben die Astros ein Restprogramm, das man bei allem Respekt für die Gegner als bequem bezeichnen darf.

Szene der Woche
Die Szene der Woche besteht aus vier Teilen – der Baseballkenner ahnt schon, was das bedeutet: Es gab mal wieder einen Cycle in der MLB, also einen Single, einen Double, einen Triple und einen Homerun durch einen Spieler im gleichen Spiel. Das ist ein seltenes Ereignis, in diesem Jahr kam es erst dreimal vor. Entsprechend noch viel seltener kommt es vor, dass ein Spieler seinen zweiten Cycle innerhalb einer Saison schlägt. Christian Yelich von den Milwaukee Brewers gelang dies am Montag als erst dritter Spieler in der Geschichte der Liga. Eines schaffte er sogar als Allererster: Noch nie zuvor hatte ein Spieler zwei Cycles in einer Saison gegen dasselbe Team erzielt. Yelich hat es geschafft und sich damit bei den Cincinnati Reds sicher nicht beliebt gemacht.

Statistik der Woche 
0. So viele Plate Appearances von Pitchern gab es letzten Samstag im Spiel der Miami Marlins gegen die Philadelphia Phillies (4:5). Beide Teams wechselten ihre Pitcher konsequent gegen Pinch Hitter aus, sobald sie am Schlag gewesen wären. Insgesamt kamen 15 Pitcher zum Einsatz, sieben für die Marlins und acht für die Phillies. Es war das erste MLB-Spiel seit mindestens dem Jahr 1900, in dem weder ein Pitcher noch ein Designated Hitter an den Schlag ging.

Spiel der Woche
Die Partie letzte Nacht zwischen den Los Angeles Dodgers und den Colorado Rockies war vermutlich die entscheidende um den Gruppensieg in der NL West. Die Rockies waren als Tabellenführer in die Serie gegangen, hatten jedoch nach Niederlagen in den ersten beiden Spielen den Spitzenrang räumen müssen. Nun galt es im dritten Spiel der Serie, das Schlimmste zu verhindern und den Abstand zu den Dodgers knapp zu halten. Mit zwei Runs gegen Walker Buehler, den starken Rookie der Dodgers, erwischten die Rockies einen guten Start. Doch Buehler fing sich und brachte es letztlich auf sechs Innings, keine weiteren Runs und 12 Strikeouts. Ein Solo-Homerun von Matt Kemp sowie ein RBI-Double von Brian Dozier gegen Colorados Starter Tyler Anderson glichen die Partie aus und alles war wieder offen – bis zum großen Auftritt von Yasiel Puig. Puig kam im siebten Inning als Pinch-Hitter und sah in dem Spiel nur zwei Pitches. Den zweiten schlug er in hohem Bogen über das linke Centerfield zu einem Drei-Run-Homerun, der letztendlich den Unterschied zwischen den beiden Teams bedeutete. Man beachte beim Anschauen der Szene auch, wie Puig in ebenso hohem Bogen seinen Schläger hinterher wirft. Durch den 5:2-Sieg haben die Dodgers nun zweieinhalb Spiele Vorsprung, die schwer aufzuholen sein dürften.

Mein Einschalttipp
Da in der AL nahezu alles klar ist, muss der Blick des allgemein interessierten MLB-Fans sich diese Woche auf die NL richten. Eine besonders interessante Serie spielen von Montag bis Mittwoch die Brewers gegen die Cardinals. Für die Cardinals geht es in jedem Fall um den Wild-Card-Platz, für die Milwaukee Brewers vielleicht um noch mehr: Je nachdem, wie die Spiele der Brewers gegen die Pirates (und die der Cubs gegen die White Sox) am Wochenende laufen, haben die Brewers vielleicht noch Chancen, die NL Central zu gewinnen. Vielleicht müssen sie aber auch um das Heimrecht bangen, das sie zurzeit im Wild-Card-Spiel hätten. Die Cardinals würden in den drei Heimspielen der Serie dann sicher alles dafür geben, eine Woche später an gleicher Stelle gegen den gleichen Gegner spielen zu dürfen. Leider wird es einem in Deutschland nicht leicht gemacht, dieser wichtigen und interessanten Serie zu folgen: Erstens finden alle Spiele nach unserer Zeit mitten in der Nacht statt, zweitens wird die Serie von DAZN komplett ignoriert. Erfreulicherweise wird aber die erste Partie (Montagnacht ab 2:15 Uhr) das kostenlose Spiel des Tages auf mlb.tv sein. Als Pitcher werden voraussichtlich Chase Anderson (3.93 ERA, 5.21 FIP) für Milwaukee und Austin Gomber (3.63 ERA, 3.71 FIP) für St. Louis auflaufen.

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August 16th, 2018 by Silversurger

Baseball-Fan zu sein ist ein wunderbares Hobby. Aber manchmal macht es mich auch richtig wütend. Ich meine nicht, wenn mein Team verliert – das ärgert mich natürlich auch, aber das ist in Ordnung, das gehört zum Sport dazu. Was mir wirklich sauer aufstößt, weil es eben nichts mit Sport zu tun hat, sind Szenen wie die der vergangenen Nacht. Da ist ein junger Spieler wie Ronald Acuna Jr., der sich nichts Übleres zu Schulden kommen lässt als das Spiel zu spielen, das wir alle lieben. Er spielt es gut, in den letzten Tagen spielte er es sogar so gut, dass er unter anderem acht Homeruns in acht Spielen zum Erfolg seiner Atlanta Braves beitrug. Die letzten drei davon waren Leadoff-Homeruns in aufeinander folgenden Partien gegen die Miami Marlins. Als Acuna letzte Nacht im vierten Spiel der Serie erneut als erster Schlagmann an die Platte trat, warf Marlins-Pitcher Jose Urena ihm gleich den ersten Pitch hart an den Ellenbogen. Es war der schnellste Pitch, den Urena im ganzen Jahr geworfen hat. Natürlich behauptete er hinterher, es sei keine Absicht gewesen, aber das zu glauben fälllt unter den gegebenen Umständen extrem schwer. Die Umpires glaubten es jedenfalls nicht und erteilten Urena einen Platzverweis. Mit einem einzigen Pitch war es der kürzeste Start des Jahres. Acuna spielte zunächst weiter, musste sich aber im zweiten Inning mit Schmerzen auswechseln lassen. Nach ersten Erkenntnissen scheint nichts gebrochen zu sein, weitere Untersuchungen stehen noch aus – ebenso wie die Entscheidung der MLB, ob Urena mit einer Sperre rechnen muss.

American League
Zum Glück gab es diese Woche nicht nur solche unschönen Szenen, sondern auch eine Menge sehenswerten Baseball. Zum Beispiel von den Boston Red Sox (86-36), die von ihren letzten 18 Spielen 15 gewonnen haben. Zudem haben sie für den ersten Cycle dieser Saison gesorgt, also einen Single, einen Double, einen Triple und einen Homerun durch einen Spieler innerhalb eines Spiels: Mookie Betts ist dieses Kunststück am Donnnerstag in Toronto gelungen, allerdings ausgerechnet bei einer der seltenen Niederlagen der Red Sox. In der American League East ist der Vorsprung der Red Sox vor den New York Yankees (75-45) mittlerweile auf zehn Spiele angewachsen. Das ist die zweitdeutlichste Führung innerhalb der MLB und schon ein bisschen verrückt, denn schließlich sind die Yankees mit ihrer Bilanz das zweitbeste Team der ganzen Liga und selbst auf Kurs für 100 oder mehr Siege.

Noch größer als der Vorsprung der Red Sox ist nur der der Cleveland Indians (69-51) in der AL Central. Die Indians fahren weiterhin stabil ihre Siege ein, zuletzt sogar fünf hintereinander, während der Rest der Division längst einen Haken unter die Saison gemacht hat. Immerhin eine gute Nachricht von den Minnesota Twins (56-63) gibt es aus deutscher Sicht zu vermelden: Max Kepler hat nach seiner ausgedehnten Schwächephase im Mai und Juni inzwischen wieder voll in die Spur gefunden. Mit Slashlines von .358/.350/.494 im Juli und .268/.362/.488 im bisherigen August hat der Rightfielder wieder seinen Platz als einer der Leistungsträger seines Teams eingenommen.

Es ist ein bisschen schade, dass die East und die Central dieses Jahr so früh komplett entschieden scheinen. Dafür hat es die dritte Division der AL, die AL West, richtig in sich: Die Houston Astros (74-47) stehen zwar immer noch vorne, doch sicher können sie sich an der Spitze längst nicht mehr fühlen. Dazu trug insbesondere eine Reihe von fünf Niederlagen bei, vier davon beigebracht durch die Seattle Mariners (70-52). Die Oakland Athletics (72-49) stehen nun nur noch zwei Spiele hinter den Astros und die Mariners selbst sind ebenfalls nah herangerückt. Die meiste Zeit spielt man in der MLB ja Fernduelle, aber zurzeit trägt der Spielplan massiv dazu bei, den Dreikampf mit direkten Aufeinandertreffen zu befeuern: Nach den Serien Astros-Mariners und Athletics-Mariners in der letzten Woche stehen nun Athletics-Astros und anschließend Mariners-Astros an sowie eine Woche später Astros-Athletics und dann Athletics-Mariners.

National League
Die National League East hat sich in den letzten Tagen deutlich ausdifferenziert. Vor einer Woche noch standen die Atlanta Braves (68-51) und die Philadelphia Phillies (66-53) quasi gleichauf an der Spitze, die Washington Nationals (60-61) waren guter Hoffnung, eine Aufholjagd starten zu könnnen, und am Ende der Tabelle spürten die New York Mets (51-67) den Atem von Schlusslicht Miami Marlins (48-75) im Nacken. Inzwischen haben die Braves einen Vorsprung von zwei Spielen vor den Phillies, die Nationals sind mit neun Spielen Rückstand wohl endgültig aus dem Rennen und die Mets haben den vierten Platz gegenüber den Marlins deutlich gefestigt. Mal sehen, wie lange die Klarheit Bestand hat – die Braves haben übers Wochenende eine schwere Serie gegen die Rockies zu bestreiten, während die Phillies gleich fünfmal gegen die Mets antreten dürfen.

In der NL Central behaupten die Chicago Cubs (69-50) ihren Spitzenplatz vor den Milwaukee Brewers (68-55), doch die eigentliche Nachricht in dieser Division sind die St. Louis Cardinals (66-55). Acht Spiele in Folge haben die Cardinals gewonnen und zehn der letzten elf. Damit sind sie wieder dick im Rennen sowohl um die Division als auch um eine Wild Card. Damit beweisen die Cardinals mal wieder ihr legendäres Talent, immer dann aufzutrumpfen, wenn sie gerade allseits abgeschrieben wurden. Der Wechsel zu einem Interims-Manager in der Saisonmitte, der Verzicht auf Verstärkungen zur Trade-Deadline – alles sah danach aus, dass man die laufende Saison unspektakulär ausklingen lassen wollte. Doch nun steht man plötzlich nur noch ein Spiel hinter dem derzeitigen Wild-Card-Inhaber, den Brewers – und erwartet ausgerechnet diese Brewers am Wochenende zu einer Drei-Spiele-Serie. Den entgegengesetzten Weg sind derweil die Pittsburgh Pirates (61-60) gegangen. Sie hatten zur Deadline mit Starter Chris Archer und Reliever Keone Kela aufgerüstet, doch es sieht derzeit nicht danach aus, als könnten sie den Anschluss an die Playoff-Plätze noch mal herstellen. Die anstehende Vier-Spiele-Serie gegen die Cubs dürfte dafür bereits die letzte realistsiche Chance sein.

Bleibt noch die NL West, nach wie vor die knappste Division der Liga mit weniger als zwei Spielen Abstand zwischen drei Teams. Die Arizona Diamondbacks (66-55) stehen noch vorne, konnten zuletzt aber nicht überzeugen: In Cincinnati verlor man die Serie 1:2, in Texas reichte es nur zu einem 1:1-Split. Das öffnete der Konkurrenz die Tür und vor allem die Colorado Rockies (64-56) nutzten die Chance, um sich zurück in die Spitzengruppe zu spielen. Entscheidend dafür war, dass die Rockies die Serie gegen die Los Angeles Dodgers (65-57) 3:1 für sich entschieden. Die Dodgers verloren nach den drei Spielen in Colorado noch zwei weitere gegen die San Francisco Giants (61-61), bevor sie letzte Nacht die Bremse fanden und einen Walk-off-Sieg über die Giants im zwölften Inning einfuhren. Die Dodgers könnten gerade gut einen Aufbaugegner gebrauchen, aber den bekommen sie nicht: Mit Seattle und St. Louis erwarten sie Teams, die selbst gerade jeden Sieg benötigen, um in Contention zu bleiben.

Szene der Woche
Wer die Liga über mlb.tv verfolgt, hat bestimmt schon zigmal die Szene gesehen, in der Yoenis Cespedes (damals noch bei den Athletics) aus dem Leftield heraus Howie Kendrick an der Homeplate auswirft. Das war 2014 und es wird bis heute immer wieder als Pausenfüller eingespielt, weil es so ein großartiges Play war. Nun gibt es einen würdigen Nachfolger für diese Szene und die Hauptperson trägt ebenfalls das Trikot der Athletics: Rookie Ramon Laureano komplettierte ein traumhaftes Doubleplay gegen die Angels, als er am Samstag einen Flyball ins linke Centerfield mit einem für sich allein schon sehenswerten Catch eroberte und dann einen unglaublichen Wurf 321 Fuß (98 Meter) weit perfekt an die erste Base feuerte, bevor Eric Young es dorthin zurück schaffen konnte.

Statistik der Woche 
3. So viele Homeruns schlug der Rookie-First-Baseman der Toronto Blue Jays, Ronald Guzman, am Freitag beim 12:7-Sieg über die Yankees. Guzman ist der erste Rookie, dem dies jemals in einem Spiel gegen die Yankees gelungen ist, und die Yankees dürften auch sonst sein Lieblingsgegner sein: In 17 At-Bats gegen die New Yorker hat Guzman dieses Jahr 6 Homeruns erzielt. Gegen den Rest der MLB waren es insgesamt 7 in 271 At-Bats.

Spiel der Woche
Die Nationals sind diese Woche faktisch aus dem Playoff-Rennen ausgeschieden und wenn man später zurückblickt, wird man möglicherweise ein Spiel als den entscheidenden Knackpunkt der Saison ausmachen: In der bis dahin unentschiedenen Serie zwischen den Nationals und den Cubs trafen am Sonntagabend Cole Hamels und Max Scherzer aufeinander. Beide Pitcher hatten einen hervorragenden Tag und hielten je 7 Innings durch, in denen Scherzer nur drei, Hamels sogar nur einen Hit erlaubten. Mit Glück und Geschick hatten die Nationals aus diesem einen Hit im zweiten Inning eine 1:0-Führung gezaubert (Walk, Single, Sacrifice Fly) und als ihnen im neunten Inning gegen ihren Ex-Teamkameraden Brandon Kintzler durch zwei weitere Hits zwei weitere Runs gelangen, schien das Spiel so gut wie gewonnen. Ryan Madson übernahm den Mound als Closer, bekam den Job aber nicht erledigt: Durch einen Single und zwei Hit-by-Pitches lud er die Bases und bei zwei Outs kam Pinch Hitter David Bote an die Platte. Der war zwar nur einen Strike vom dritten Aus entfernt, schlug aber den kniehohen Fastball weit übers Centerfield zum Walkoff-Grand-Slam. Man nennt so etwas – einen Homerun mit Bases Loaded und drei Runs Rückstand im unteren neunten oder Extra-Inning – auch einen „Ultimate Grand Slam“. Ein solcher kam bislang erst 27-mal vor und ist damit ähnlich selten wie das perfekte Spiel eines Pitchers.

Mein Einschalttipp
Ich habe ja oben schon erwähnt, dass es zurzeit vor allem in der AL West richtig rund geht, was direkte Duelle um die Playoff-Plätze angeht. Dort lohnt es sich auf jeden Fall, täglich reinzuschauen. Aber da mein letzter Einschalttipp schon diese Division betraf, gibt es eine andere Empfehlung: Die Atlanta Braves und die Colorado Rockies haben beide zurzeit einen Lauf und es wird interessant zu sehen sein, ob und wie sich das fortsetzt, wenn sie es von heute bis Sonntag miteinander zu tun bekommen. Das attraktivste Matchup gibt es Freitagnacht ab 1:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit zwischen Colorados Kyle Freeland (3.02 ERA, 3.95 FIP) und Atlantas Sean Newcomb (3.40 ERA, 4.15 FIP). Wer nachts lieber schläft, kann das letzte Spiel der Serie am Sonntag ab 19:35 Uhr unserer Zeit anschauen. Pitchen werden dann vermutlich German Marquez (4.51 ERA, 4.07 FIP) und Anibal Sanchez (3.07 ERA, 3.77 FIP).

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Juli 12th, 2018 by Silversurger

Im USA-Urlaub die MLB zu verfolgen, ist gar nicht so leicht. Klingt komisch, ist aber so. Das liegt zum einen an mir selbst, weil ich den Tag über meist unterwegs oder am Strand bin und die Spiele hier – für mich völlig ungewohnt – zu „normalen“ Zeiten laufen. Es liegt aber auch daran, dass die meisten Fernsehübertragungen nur empfangbar sind, wenn man den entsprechenden lokalen Sender abonniert hat. In den Hotels ist das oft nicht der Fall. WLAN hat man zwar fast immer, aber erstens ist es nicht immer stark genug, um damit mlb.tv zu streamen und zweitens wird man bei mlb.tv automatisch geblockt, wenn man sich im Einzugsbereich eines der beteiligten Teams aufhält – ein Ärgernis, das einem als Fan im Ausland zum Glück unbekannt ist.

Genug gejammert, die wesentlichen News und Szenen bekommt man natürlich auch hier mit und so hat es zumindest für eine kurze Urlaubsfassung des Grand Slam am Donnerstag gereicht. Viel Spaß damit:

American League
Die Boston Red Sox (65-29) haben ihre letzten neun Spiele allesamt gewonnen. Damit sind sie das aktuell beste Team im Baseball und haben sich  im Rennen um die American League East um dreieinhalb Spiele von den New York Yankees (60-31) absetzen können. Letztere haben gegen die Baltimore Orioles (26-67) nur einen Split zu Stande gebracht und müssen nun zum Abschluss des ersten Saisonteils bei den Indians antreten.

Die Cleveland Indians (50-41) könnten ihrerseits ein Erfolgserlebnis gut gebrauchen, nachdem sie gerade Serien gegen die Athletics und die Reds abgegeben haben. In der schwachen AL Central bleiben die Indians dennoch unangefochten. Mit sechs Siegen aus den letzten sieben Spielen zeigt die Kurve bei den Minnesota Twins (41-49) zwar deutlich nach oben und sie haben den zweiten Platz in der Division zurück erobert, aber der Abstand zu den Indians ist immer noch enorm.

In der AL West haben die Houston Astros (62-33) zuletzt zwei von drei Spielen gegen die Oakland Athletics (52-41) verloren und müssen heute darum kämpfen, die Serie wenigstens noch zu splitten. Mit 15 Siegen aus den letzten 20 Spielen sind die Athletics das erfolgreichste Team der MLB in diesem Zeitraum. Ihre Bilanz ist inzwischen besser als die, mit der die Indians die AL Central anführen, doch in der AL West reicht es nur für Platz drei hinter den Seattle Mariners (58-35).

National League
In der National League East gab es diese Woche einen Führungswechsel: Die Atlanta Braves (51-40) verloren sechs der letzten acht Spiele und rutschten zwischenzeitlich hinter die Philadelphia Phillies (51-40) auf Rang zwei ab. Durch den gestrigen Sieg der Braves über Toronto und die gleichzeitige Niederlage der Phillies bei den New York Mets (37-53) stehen die beiden jetzt exakt gleichauf. Die Washington Nationals (46-46) stehen nur bei .500 und treten nun in New York zum Duell der Enttäuschten an.

Die beste Mannschaft der National League sind entweder die Milwaukee Brewers (55-38), wenn man nach Siegen geht, oder die Chicago Cubs (51-38), wenn man sich an ihrem Run Differential von +105 orientiert. Die beiden liefern sich ein enges Rennen um die NL Central und haben in den letzten Tagen exakt im Gleichschritt gewonnen und verloren. Die St. Louis Cardinals (47-44) sind inzwischen einige Spiele hinter das Führungsduo zurückgefallen.

In der NL West wird es eng für die Arizona Diamondbacks (51-42), die nur noch ein halbes Spiel vor den Los Angeles Dodgers (50-42) liegen. Gestern setzte es ein deftiges 2:19 gegen die Colorado Rockies (47-45), bei denen die Diamondbacks heute noch einmal antreten müssen. Danach geht es nach Atlanta, während die Dodgers ihren Part des Fernduells in Form einer weiteren Derbyserie gegen die Angels absolvieren.

Szene der Woche
Für mich war die größte Szene dieser Woche ein Single von Brandon Nimmo. Der Outfielder der Mets beendete damit im siebten Inning der Partie am Sonntag das Perfect Game, welches Rays-Starter Nathan Eovaldi bis dahin am Laufen hatte. Es war die einzige Gelegenheit während der neun Innings, mal herzlich zu jubeln über eine Aktion der Mets, die ansonsten eine erschreckend schwache und kampflose Vorstellung boten. Ein 0:9 war sicher nicht das, was ich mir von meinem ersten Besuch im Citi Field seit drei Jahren erhofft hatte. Aber als Fan dieses Klubs hat man längst gelernt, für die kleinen Dinge dankbar zu sein – an diesem Tag eben dafür, dass ich wenigstens kein perfektes Spiel gegen das eigene Team mit ansehen musste.

Statistik der Woche 
9. So viele Runs Rückstand hatten die Nationals letzten Donnerstag im vierten Inning auf die Marlins. Doch angeführt von Trea Turner, der allein für zwei Homeruns und 8 RBI verantwortlich zeichnete, kam Washington zurück ins Spiel und gewann schließlich 14:12. Es war das höchste Comeback der Franchise-Geschichte.

Spiel der Woche
Die Oakland Athletics sind zurzeit verblüffend gut drauf, die spannendste Partie der Woche mussten sie aber letzten Endes verloren geben: Gegen die Houston Astros lagen die A’s am Dienstag bis ins neunte Inning 0:4 hinten, bevor sie die Aufholjagd starteten. Genau wie am Vortag gegen Gerrit Cole hatten sie auch gegen Justin Verlander kein Land gesehen, kamen aber mit dem Bullpen der Astros gut zurecht. Ken Giles brachte kein Out zu Stande, musste nach drei Singles Platz für Hector Rondon machen, der aber den Ausgleich durch einen Double von Marcus Semien auch nicht verhindern konnte. Es ging in die Extra-Innings und ein Solo-Shot von Stephen Piscotty im elften Inning schien das Spiel endgültig zu Gunsten der A’s zu drehen. Doch die Freude währte nicht lange, denn die Astros kamen zurück und gewannen das Spiel per Walkoff durch einen kuriosen Error: Alex Bregman traf den Ball schwach und dachte, es wäre ein Foulball. Der Ball rollte aber doch ins Spielfeld und A’s-Catcher Jonathan Lucroy versuchte, Bregman zu taggen. Dieser wich aus und rannte Richtung erste Base, als er sah, dass Lucroy den Ball fallen ließ. Beim Versuch, zur Base zu werfen, traf Lucroy Bregman am Helm, von wo der Ball ins Rightfield prallte und Kyle Tucker erlaubte, den siegbringenden Run zu scoren. Muss man gesehen haben.

Mein Einschalttipp
Ich bin kein großer Fan des All-Star-Games, da es sportlich nicht mehr als eine Spaßveranstaltung ist. Aber es ist eine Gelegenheit, die größten Stars der MLB (fast) alle auf einmal zu sehen und erfreulicherweise gibt es diese Gelegenheit dieses Jahr umsonst: Außer über mlb.tv und DAZN kann man das Spiel auch in einem kostenlosen Livestream auf spox.com sehen. Die Partie findet statt am Dienstag bzw. nach mitteleuropäischer Zeit am Mittwochmorgen ab 2 Uhr. Die kompletten All-Star-Roster beider Ligateile könnt ihr hier nachlesen.

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Juli 5th, 2018 by Silversurger

Wer hätte vor der Saison darauf gewettet, dass am 5. Juli die Washington Nationals und die New York Mets bei einer negativen Bilanz stehen? Ich beschäftige mich nicht wirklich mit Sportwetten, aber wahrscheinlich hätte man mit diesem Tipp sehr reich werden können. Generell finde ich die National League dieses Jahr besonders interessant, denn im Gegensatz zur American League steht in keiner Division das Team an der Spitze, das eine Mehrheit dort erwartet hätte. In beiden Ligen gleichermaßen erfreulich finde ich, dass mit nur einer Ausnahme in allen Divisionen das Rennen so spannend ist, dass höchstens eineinhalb Spiele zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten liegen. So kann es meinetwegen gerne noch lange nach dem bevorstehenden All-Star-Break bleiben. Auch in den unteren Regionen der Tabellen wird es in den kommenden Wochen spannend: Für die dort feststeckenden Teams beginnt jetzt die heiße Phase, in der sie versuchen werden, möglichst viele Spieler, die wegen Alter oder Vertragsdauer ohnehin keine lange Zukunft mehr im Verein haben, bei den konkurrenzfähigen Teams gegen Nachwuchstalente einzutauschen. Manny Machado, Jacob deGrom und Mike Moustakas sind nur drei von vielen Namen, die derzeit als Kandidaten für solche Trades kursieren.

National League
In der National League East gibt es momentan viel Bewegung, nur an Rang eins für die Atlanta Braves (49-36) hat sich schon seit geraumer Zeit nichts mehr geändert. Das muss nicht so bleiben, denn nach zwei Niederlagen gegen die Yankees müssen die Braves nun zu einer schwierigen Serie nach Milwaukee und die Philadelphia Phillies (47-37) sind ihnen bereits dicht auf den Fersen, nachdem sie zuletzt unter anderem drei Siege gegen die Washington Nationals (42-43) eingefahren haben. Die Nationals, die eigentlich angetreten waren, um diese Division erneut zu gewinnen, haben 17 der letzten 22 Spiele verloren, sind nun sogar unter die .500-Marke gerutscht und damit weit hinter die Phillies und die Braves zurückgefallen. Noch viel weiter zurück sind die New York Mets (34-49) und die Miami Marlins (36-52), die zumindest dadurch für Spannung sorgen, dass sie sich momentan fast täglich auf dem letzten Platz abwechseln.

Auch die NL Central wird momentan nicht von dem ursprünglichen Favoriten angeführt, doch die bislang zu unkonstanten Chicago Cubs (49-35) befinden sich gerade wieder mal in einem Ansturm auf die Spitze. Sechs Partien in Folge haben sie gewonnen und liegen jetzt nur noch ein Spiel hinter den Milwaukee Brewers (51-35). Die Brewers spielen an den nächsten Tagen wie schon erwähnt ein Duell der Überraschungsteams gegen die Braves, während die Cubs mit den Cincinnati Reds (38-49) eine scheinbar einfachere Aufgabe vor sich haben. Nicht vergessen sollte man die St. Louis Cardinals (44-41), die sich an ihrer bevorzugten Stelle halten: im Windschatten. Eine frisch gewonnene Serie gegen die Diamondbacks zeigt, dass mit den Cardinals nach wie vor zu rechnen ist – anders als mit den Pittsburgh Pirates (40-46), deren starker Start in die Saison längst vergessen ist und die bis zum All-Star-Break noch ein schweres Restprogramm (Phillies, Nationals, Brewers) vor sich haben.

Die Los Angeles Dodgers (47-39) finde ich dieses Jahr besonders schwer einzuschätzen. Immer wieder kämpfen sie sich in der NL West an die Spitze heran, um dann plötzlich ganz stark nachzulassen. Zurzeit zeigt die Konjunkturkurve nach vier Siegen hintereinander wieder nach oben. In den restlichen zehn Spielen bis zur Pause sind sechsmal die Stadtrivalen Los Angeles Angels der Gegner der Dodgers. Die Arizona Diamondbacks (48-39), zurzeit im Fernduell noch ein halbes Spiel vor den Dodgers, wirken angeschlagen, haben fünf der letzten sechs Spiele verloren. Darunter war ein Sweep durch die San Francisco Giants (45-43), die dadurch ebenfalls nah an die Spitze gerückt sind – das haben sie aber gleich wieder verspielt, indem sie sich ihrerseits von den Colorado Rockies (44-43) sweepen ließen. Um das aktuelle Bild der NL West zusammenzufassen: Keines der Teams kann bislang mit Klasse und Konstanz überzeugen, aber gerade das macht die Division zu einer der spannendsten der Liga.

American League
Extrem spannend ist auch die American League East, allerdings nur was den Zweikampf um die Spitze angeht. Am letzten Wochenende verloren die Boston Red Sox (59-29) das direkte Duell gegen die New York Yankees (56-28) zwar mit 1:2, aber die Tabellenführung konnten sie trotzdem behaupten, weil sie in den letzten zehn Spielen außer diesen beiden Niederlagen alles gewannen. Gegen die Royals, die Rangers und die Toronto Blue Jays (40-46) dürfte die Wahrscheinlichkeit nicht schlecht stehen, auch die restlichen Spiele bis zum All-Star-Break deutlich positiv zu gestalten. Das gilt allerdings auch für die Yankees, die es ebenfalls mit den Blue Jays sowie mit den Baltimore Orioles (24-61) zu tun bekommen. Ein Härtetest dürfte höchstens die Serie bei den Indians Ende nächster Woche werden.

Jene Cleveland Indians (48-37) haben in der AL Central gerade die Pflichtaufgabe gegen die Kansas City Royals (25-61) souverän erledigt und bleiben für mich weiterhin der langweiligste aller Tabellenführer – langweilig, weil sie auf Platz eins ihrer Division völlig unangefochten sind, aber auch weil ihnen dafür Leistungen reichen, die man wohl als gehobenes Mittelmaß bezeichnen darf. Wer gehofft hatte, dass entweder die Detroit Tigers (38-50) oder die Minnesota Twins (35-48) noch mal etwas Spannung reinbringen könnten, der wird enttäuscht sein: Beide haben je elf ihrer letzten dreizehn Spiele verloren und können sich getrost auf die Pläne konzentrieren, welche Veteranen man zur Trade Deadline einigermaßen gewinnbringend loswerden kann. Auch für die Chicago White Sox (30-56) und die Kansas City Royals (25-61) geht es natürlich schon lange um nichts anderes mehr.

Sehr viel lieber als in die AL Central schaut man als interessierter und halbwegs neutraler MLB-Fan zurzeit in die AL West. Dort gibt es zum einen die Houston Astros (57-31), in meinen Augen immer noch das stärkste Team der Liga, auch wenn der spektakuläre Fight zwischen den Yankees und den Red Sox die Aufmerksamkeit ein bisschen von ihnen weglenkt. Komisch eigentlich, denn schließlich gibt es auch die Seattle Mariners (55-32), durch die auch in dieser Division der Sieg alles andere als ein Selbstläufer ist. Ein bisschen leid tut es mir um die Oakland Athletics (48-39), denn auch die spielen bislang eine richtig starke Saison, haben aber angesichts der Kräfteverhältnisse in der American League trotzdem kaum Aussichten auf einen Playoff-Platz. Die einzige Hoffnung, daran etwas zu ändern, wäre ein Einbruch der Mariners. Der kann durchaus kommen, auch wenn zurzeit nicht viel darauf hindeutet und ich es ihnen nicht wünsche.

Szene der Woche
Wahrscheinlich haben wir diese Woche den Homerun-Raub des Jahres gesehen, aber ich kann mich einfach nicht entscheiden, welcher es war: Der von Torontos Kevin Pillar gegen Nick Castellanos oder der von Milwaukees Keon Broxton gegen Brian Dozier? Seht sie euch an und entscheidet selbst!

Statistik der Woche 
17:1. Das war der Endstand zwischen den Los Angeles Dodgers und den Pittsburgh Pirates am Montag. Das Besondere daran ist, dass Dodgers-Reliever Caleb Ferguson sich in diesem Spiel einen Save verdient hat. Das klingt kaum zu glauben, denn normalerweise besteht ein Save darin, dass man eine Führung von höchstens drei Runs verteidigt oder aber eine Führung, die durch vorhandene Baserunner auf der Kippe steht. Relativ unbekannt ist die Regelung, dass ein Save auch darin bestehen kann, als Reliever mindestens drei Innings bis zum letzten Out des Spiels zu pitchen. In dem Fall spielt der konkrete Spielstand keine Rolle und so kam es, dass Ferguson einen 16-Run-Save verbuchen konnte.

Spiel der Woche
Die Spiele der Miami Marlins und der Tampa Bay Rays sind selten für Schlagzeilen gut, aber am Mittwoch haben die beiden sich ein richtig gutes Lokalderby geliefert. Fünfeinhalb Stunden dauerte es, bis nach 16 Innings die Rays als Sieger feststanden. Vorangegangen waren ein schneller Start der Rays, die nach eineinhalb Innings 4:0 in Front lagen, sowie eine erfolgreiche Aufholjagd der Marlins, die im fünften Inning auf 4:4 ausglichen. Fast wären sie sogar in Führung gegangen, doch Defensiv-Ass Kevin Kiermaier gelang es, nach einem gefangenen Flyball Brian Anderson an der Homeplate auszuwerfen. Es folgten zehn scorelose Innings, bevor den Rays im 16. Durchgang nach dem zweiten Out fünf Runs gelangen. Angesichts der daraus resultierenden 9:4-Führung entschied Rays-Manager Kevin Cash, seinen Bullpen zu schonen und Backup-Catcher Jesus Sucre pitchen zu lassen. Das ging fast schief, denn Sucre ließ drei Singles und einen Sacrifice Fly zu, bevor Cash ein Einsehen hatte und Jose Alvarado brachte, um die letzten zwei Outs einzufahren.

Mein Einschalttipp
Wenn am Sonntag ab 19:10 Uhr europäischer Zeit die New York Mets auf die Tampa Bay Rays treffen, dann wird das vermutlich keine Sternstunde des Baseballs werden. Die Mets befinden sich in einem desolatem Zustand und im heimischen Citi Field sind sie vor allem offensiv noch eine viel größere Katastrophe als auswärts. Starting Pitcher wird am Sonntag irgendein Minor Leaguer sein, der vom Klub bislang noch nicht mal benannt wurde. Das liegt daran, dass Jacob deGrom, Steven Matz und Zack Wheeler momentan die einzigen sind, die von der Rotation der Mets noch übrig sind. Jason Vargas und Noah Syndergaard sind nach Verletzungen im Aufbautraining und so lange überbrückt man mit Spot-Startern. Syndergaard wird sogar am gleichen Tag einen Rehab-Start im Single-A-Team in Brooklyn absolvieren – er steht also nur wenige Kilometer entfernt auf dem Minor-League-Mound, während die Zuschauer im Citi Field einen nicht zu beneidenden Lückenbüßer kennenlernen dürfen. Der Gegner sind die Rays, die eine für ihre Verhältnisse ordentliche Saison spielen, aber weit entfernt von den zwei übermächtigen Konkurrenten im Niemandsland der AL East dümpeln – ein rundum mittelmäßiges Team um den ebenso mittelmäßigen Starter Nathan Eovaldi (3.92 ERA, 4.75 FIP). Warum um alles in der Welt empfehle ich euch ausgerechnet dieses Spiel? Nun, ich habe „leider“ schon lange Tickets für die Partie und wenn ich sie mir schon anschauen muss, könnt ihr es doch aus Solidarität auch tun, oder? DAZN hat das Spiele aus unerfindlichen Gründen nicht im Programm, aber auf mlb.tv könnt ihr es live, in Farbe und in voller Länge genießen.

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Mai 24th, 2018 by Silversurger

Haufenweise spannende Spiele, einige Führungswechsel an den Divisionsspitzen, leider aber auch schon wieder ein Dopingfall – die vergangene Woche in der MLB bot quasi einen Querschnitt der bisherigen Saison. Negativ aus diesem Bild heraus fallen die Arizona Diamondbacks, die nach großartigem Saisonbeginn derzeit kaum wiederzuerkennen sind. Auf der anderen Seite sind die Milwaukee Brewers in meinen Augen das Team der Stunde und haben mittlerweile den besten Record in der generell recht ausgeglichenen National League. Nicht ganz so ausgeglichen ist die American League, aus der nach wie vor die Boston Red Sox, die Houston Astros und die New York Yankees deutlich herausragen.

National League
Die beiden jungen Überraschungsteams der National League East haben in den letzten Tagen eine Drei-Spiele-Serie gegeneinander gespielt. Das Resultat ist nicht etwa mehr Klarheit an der Spitze der Division, sondern durch den 2:1-Erfolg der Phillies sind Philadelphia (28-19) und die Atlanta Braves (29-19) nur noch näher aneinander heran gerückt. Ein Stück dahinter, aber auch nur drei bzw. dreieinhalb Spiele zurück sind die Washington Nationals (26-22) und die New York Mets (24-21). Beide hatten sicher mehr von der Saison erwartet als nach zwei Monaten auf den Plätzen drei und vier zu stehen, doch wenn man sich ihre Bilanzen anschaut, sehen diese eigentlich durchaus so aus, wie man sie sich vor der Saison vorstellen konnte – nur dass man zu diesem Zeitpunkt die Braves und die Phillies nicht derart stark auf der Rechnung hatte. Die Braves werden in den kommenden Tagen alle Hände voll zu tun haben, ihren Spitzenplatz zu verteidigen: Sie müssen zunächst nach Boston zum bislang stärksten Team der Liga und dann für vier Spiele zu den extrem schwer einzuschätzenden Mets. Vielleicht sind die Mets in zwei Wochen besser einzuschätzen, denn dann haben sie zwölf aufeinander folgende Spiele gegen Top-Teams – viermal Braves, viermal Brewers, viermal Cubs – hinter sich.

Es ist immmer wieder erstaunlich, wie schnell es in der MLB gehen kann: Wochenlang war die NL Central die spannendste Division, weil zwischen den besten vier Teams nie mehr als zwei Spiele lagen. Aber kaum, dass mal eines der Teams eine Siegesserie einlegt, bei der die anderen nicht mitziehen, sieht es schon anders aus. Immerhin drei Spiele Vorsprung haben die Milwaukee Brewers (31-19) auf den Rest des Feldes, nachdem sie zuletzt acht von zehn gewonnen haben. Dahinter stehen die Pittsburgh Pirates (27-21), die St. Louis Cardinals (26-21) und die Chicago Cubs (25-21) weiterhin sehr eng beisammen. Die kommende Woche wird heiß, denn es kommt zu zahlreichen direkten Duellen der vier Teams. Mal sehen, ob wir dann schlauer sind.

In der NL West gab es einen Führungswechsel, der sich schon eine Weile angedeutet hatte, denn die Arizona Diamondbacks (25-24) – vor drei Wochen noch das Top-Team der NL – befinden sich im freien Fall. Sechs Niederlagen, ein einzelner Sieg und dann weitere sieben Niederlagen sind die niederschmetternde Bilanz der letzten vierzehn Spiele. Nutznießer sind die Colorado Rockies (26-24), die sich trotz mittelmäßiger Leistungen und einem deutlich negativen Run Differential (-28) plötzlich an der Spitze der Division wiederfinden. Der Schwäche der Konkurrenz ist es zu verdanken, dass sowohl die San Francisco Giants (24-26) als auch die Los Angeles Dodgers (22-27) noch gute Chancen haben, Anschluss nach ganz oben zu finden. Gerade die Dodgers haben nach ihrem enttäuschenden Saisonstart zuletzt deutliche Lebenszeichen von sich gegeben, indem ihnen ein Sweep gegen die Nationals und eine 2:1-Serie gegen die Rockies gelangen. Darauf lässt sich in den kommenden drei Heimspielen gegen die San Diego Padres (21-30) aufbauen.

American League
Auch in der American League East hat die Führung gewechselt, zurzeit haben die Boston Red Sox (34-15) wieder die Nase vor den Yankees und auch vor dem Rest der gesamten Liga. Nach ein paar schwächeren Auftritten der Red Sox erwiesen sich die Baltimore Orioles (15-34) und die Tampa Bay Rays (22-25) als dankbare Aufbaugegner, während die New York Yankees (31-15) zuletzt zweimal gegen die Rangers verloren und nun mit den Angels und den Astros zwei schwere Gegner vor sich haben. Den Rest der Division kann man wohl getrost abhaken, denn außer den Rays und den Orioles sind auch die Toronto Blue Jays (23-26) nach acht Niederlagen aus den letzten zehn Spielen inzwischen so weit abgeschlagen, dass ihre Playoff-Chancen auf ein Minimum gesunken sind. Elf Spiele beträgt in der AL East mittlerweile der Abstand zwischen Platz eins und drei, in keiner anderen Division sind es mehr als viereinhalb.

Wenn die Cleveland Indians (24-23) in der AL East zu Hause wären, hätten sie dort übrigens auch schon neun Spiele Rückstand auf Platz eins. Da sie aber in der AL Central und damit in der wohl schwächsten Division der Liga sind, stehen sie nach wie vor ganz vorne – immerhin jetzt wieder mit knapp positivem Record. Die Minnesota Twins (21-24) bleiben dran, auch wenn „unser“ MLB-Star Max Kepler leider immer noch einen sehr schwachen Mai hat, in dem er bislang nur .186/.310/.343 schlägt. Best of the rest sind die Detroit Tigers (21-28), mit weiterem Abstand folgen die Chicago White Sox (15-31) und die Kansas City Royals (16-33). Als ob die White Sox nicht schon genug Probleme hätten, hat sich nun auch noch ihr Stamm-Catcher Wellington Castillo beim Gebrauch leistungssteigernder Mittel erwischen lassen. Er erhält die übliche Ersttäter-Strafe von 80 Saisonspielen Sperre zuzüglich All-Star-Game und Playoffs.

Völlig unbeeindruckt vom letztwöchigen Dopingfall Robinson Cano, der mit der gleichen Sperre geahndet wurde wie Castillo, zeigen sich bislang die Seattle Mariners (29-19) und das, obwohl sie inzwischen auch auf Canos Vertreter als Second Baseman, Dee Gordon, verletzungsbedingt verzichten müssen. Mit derzeit fünf Siegen am Stück waren die Mariners das erfolgreichste Team der Woche und bleiben dran am Titelverteidiger Houston Astros (32-18), der die AL West weiterhin anführt. Die Astros sind übrigens das erste Team in diesem Jahr, das beim Run Differential die Schwelle von +100 überschritten hat. Dazu beigetragen hat die fünftbeste Offensive und die mit großem Abstand beste Defensive der Liga. Nur 126 kassierte Runs in 50 Spielen sind eine enorme Leistung – man sieht es daran, dass Platz zwei von den Nationals und den Cubs geteilt wird mit jeweils glatt 50 Runs mehr. Mit den Los Angeles Angels (27-22) und mit Abstrichen den Oakland Athletics (25-24) hat die AL West zwei weitere konkurrenzfähige Teams, was die Division deutlich interessanter macht als im letzten Jahr.

Szene der Woche
Wie nah kann man einem Homerun kommen, ohne einen Homerun zu schlagen? Vermutlich nicht viel näher als Twins-2B Brian Dozier im gestrigen Spiel gegen die Tigers. Sein Leadoff-Hit im ersten Inning flog hoch über das Centerfield und viele Zuschauer hielten ihn ebenso wie Dozier selbst zunächst für einen Homerun. Doch der Ball traf auf das obere Ende der Outfield-Wand oder dort genau in eine Fuge der Polsterung, in welcher er stecken blieb. Auch wenn ihm in dieser Szene ein paar Zentimeter zum Glück fehlten, musste Dozier sich nicht lange ärgern, denn nach seinem Ground-Rule-Double brachte ihn ein Single von Eddie Rosario doch noch zur 1:0-Führung nach Hause. Am Ende gewannen allerdings die Tigers 4:1.

Statistik der Woche 
45. Das ist übrigens genau die gleiche Zahl wie letzte Woche, obwohl es dieses Mal um eine komplett andere Statistik geht. Nach 45 Spielen, darunter jedes bisherige Spiel der laufenden Saison, endete am Sonntag für Phillies-Outfielder Odubel Herrera die Serie von Partien, in denen er mindestens einmal auf Base kam. So jedenfalls die offizielle Lesart der MLB, über die man durchaus geteilter Meinung sein kann: Bei seiner letzten Gelegenheit, während des 1:5 bei den Cardinals im neunten Inning die Strecke doch noch am Leben zu erhalten, erreichte Herrera nämlich durchaus die erste Base. Es war zwar ein Strikeout, doch Catcher Francisco Pena fing den Pitch von Jordan Hicks nicht und so durfte Herrera Richtung Base rennen und kam dort sicher an. Er kam somit regulär auf Base, für die Serie wird das aber nicht gewertet. Schade und meinen Augen nicht ganz fair. Übrigens kam Herrera in den drei zwischenzeitlichen Spielen ebenfalls immer auf Base, ohne die fragwürdige Regel stünde der Zähler nun also bei 49.

Spiel der Woche
Es war womöglich das Comeback des Jahres: Bis tief ins neunte Inning waren die Miami Marlins am Sonntag auf dem Weg, einen Sieg aus Atlanta zu entführen. 9:4 lagen die Marlins vorne und das 9:5 bei einem Sacrifice Fly von Ronald Acuna schien nur Ergebniskosmetik zu sein. Immerhin war das schon das zweite Out im letzten Durchgang und es fehlte nur ein weiteres, um den Deckel auf das Spiel zu machen. Doch dieses eine Out wollte einfach nicht gelingen. Closer Brad Ziegler musste weichen, nachdem er einen Walk und drei Singles zugelassen hatte, die Führung nur noch 9:7 betrug und mit einem Runner auf Base der Ausgleich am Schlag stand. Tayron Guerrero übernahm den Mound, aber nicht das Kommando: Kaum ein Pitch landete in der Strikezone und nach zwei Walks, einem Hit und keinem Aus besorgte Dansby Swanson mit seinem 2-RBI-Single den Walkoff-Sieg für die Braves.

Mein Einschalttipp
Wenn am Wochenende die New York Yankees und die Los Angeles Angels aufeinandertreffen, dann wird das schon deshalb interessant, weil es zwei gute und interessante Teams sind. Besondere Würze bringt aber das voraussichtliche Matchup am Sonntag, das als Showdown der beiden japanischen Pitcher Masahiro Tanaka (Yankees) und Shohei Ohtani (Angels) inszeniert wird. Tanaka war bis zu seinem Wechsel in die MLB 2014 der Superstar der japanischen Profiliga NPB, Ohtani sein Nachfolger als solcher, bevor es ihn vor dieser Saison ebenfalls nach Amerika zog. Ohtani erlebt bislang einen glänzenden Start in seine MLB-Karriere mit 3.35 ERA, 3.25 FIP und nebenbei hervorragenden Batting-Leistungen an den Tagen, an denen er als Pitcher pausiert. Tanaka (4.95 ERA, 4.82 FIP) hat bis dato ein eher schwaches Jahr und wird froh sein, dass er in der American League spielt, sodass Ohtani ihm wenigstens als Hitter erspart bleibt.

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April 5th, 2018 by Silversurger

Sieben Tage MLB liegen hinter uns, jedes Team hat schon mal gewonnen, jedes Team hat schon mal verloren und ganz vorne stehen – von wegen World-Series-Hangover! – die Houston Astros. Die neue Saison hat gut angefangen, nur das Wetter spielte leider vielerorts nicht mit. Eine Menge Spiele mussten wegen Regens, Schnees und eines Sturms verlegt werden, darunter allein drei mit Beteiligung der Detroit Tigers. Man könnte die vielen Spielausfälle als Argument gegen den dieses Mal besonders frühen Saisonstart anführen, aber im Endeffekt ist es wohl einfach Pech, dass der Frühling in den USA genau wie bei uns in diesem Jahr noch nicht so recht in die Gänge kommt. Der Grand Slam am Donnerstag fast das Geschehen der vergangenen sieben Tage zusammen, heute erstmals wieder in der Saison-Variante – los geht’s.

American League
In der American League East stehen die beiden Teams vorne, die man genau dort erwartet hatte: die Boston Red Sox (5-1) und die New York Yankees (4-2). Die Red Sox begannen das Jahr zwar mit einer Niederlage in Tampa Bay, ließen dieser aber fünf Siege folgen und gehen selbstbewusst in die erste Heimserie. In dieser geht es erneut gegen die Rays (1-5), welche nach fünf Niederlagen hintereinander ebenso einen Fehlstart hingelegt haben wie die Baltimore Orioles (1-5). Die Fans der Yankees machten übrigens in ihrem Home Opener sehr deutlich, dass sie dieses Jahr nicht bereit sind, Geduld walten zu lassen: Neuverpflichtung Giancarlo Stanton, der einen schlechten Tag erwischt hatte und fünf Strikeouts kassierte, wurde von einem Teil der Zuschauer gnadenlos ausgebuht – ungeachtet der Tatsachen, dass die Yankees das Spiel deutlich gewannen und dass Stanton bei seinem Debüt für den neuen Klub ein paar Tage vorher zwei Homeruns in Toronto geschlagen hatte. Die Blue Jays (4-3) hatten übrigens ebenfalls einen guten Start, ließen einem Split gegen die Yankees, eine 2:1 gewonnene Serie gegen die White Sox folgen.

Trotz der verlorenen Serie gegen die Blue Jays finden die Chicago White Sox (3-2) sich derzeit an völlig ungewohnter Stelle wieder, nämlich an der Spitze der AL Central. Das liegt vor allem daran, dass sie die Eröffnungsserie gegen die Kansas City Royals (1-3) mit 2:0 gewonnen haben und dass die in der Division favorisierten Cleveland Indians (2-4) etwas holprig in die Saison gestartet sind – sowohl gegen die Seattle Mariners als auch gegen die Los Angeles Angels setzte es verlorene Serien. Die Minnesota Twins (3-2) hingegen hatten einen guten Start mit drei deutlichen Siegen bei zwei knappen Niederlagen. Max Kepler ist ebenfalls gut drauf: Er stand in allen fünf Spielen in der Startformation, kam mindestens einmal pro Spiel auf Base und schlug am Samstag gegen Baltimore seinen ersten Homerun der Saison. Die schlechteste Bilanz in der AL haben bislang die Detroit Tigers (1-4) – das sollte man allerdings noch nicht zu hoch bewerten, denn angesichts von drei Spielverlegungen ist es nicht einfach, in Tritt zu kommen, und ein Run Differential von -2 zeigt, dass die Tigers bei den bisherigen Resultaten wohl auch ein bisschen Pech hatten.

In der AL West cruisen die Houson Astros (6-1) schon wieder überlegen an der Spitze. Nach einer 3:1-Serie gegen die Texas Rangers (2-5) wurden die Baltimore Orioles 3:0 gesweept und die in der Offseason oft gehörte Frage „Wer soll dieses Team aufhalten?“ harrt weiterhin einer Antwort. Aber vielleicht ist diese Antwort gar nicht weit weg, denn die Los Angeles Angels (5-2) machen bislang ebenfalls einen guten Eindruck. Sie haben ihre Serien gegen die Oakland Athletics (3-4) sowie gegen Cleveland gewonnen und Shohei Ohtani scheint tatsächlich das Zeug zu dem Doppel-Star zu haben, als der er angepriesen wurde: Sein erstes Outing als Pitcher (6 IP, 3 H, 3 R, 6 SO) war mindestens solide, als Designated Hitter war er noch besser mit 6 Hits in 14 At Bats, darunter zwei Homeruns. Die Seattle Mariners (3-2) sind eigentlich auch gut in die neue Saison gekommen, machen aber gleichzeitig ihrem Ruf als einer der Pechvogel-Klubs der Liga wieder mal Ehre: Ausgerechnet auf dem Weg von einem Homerun zurück in den Dugout knickte DH Nelson Cruz um und steht jetzt erst mal auf der Verletztenliste.

National League
Die Tabelle der National League East möchte ich als Fan der New York Mets (4-1) am liebsten für den Rest des Jahres einfrieren, aber sie ist natürlich nur eine Momentaufnahme und neben den Mets haben auch die Atlanta Braves (4-2) und die Washington Nationals (4-2) bereits vier Siege auf dem Konto. Ensprechend gespannt darf man auf die ab heute anstehende Serie der Nationals gegen die Mets sein. Nach dem Wochenende kann man vermutlich etwas besser einschätzen, wie die Kräfteverhältnisse zwischen diesen beiden in diesem Jahr aussehen. Die Miami Marlins (2-4) stehen nach der ersten Woche wie erwartet bei einer negativen Bilanz; die beiden Siege gegen die Chicago Cubs sind schon mehr als man ihnen zugetraut hätte angesichts des schweren Anfangsprogramms mit den Cubs und den Red Sox. Das Ende der Tabelle zieren die Philadelphia Phillies (1-4), die kurz nach Saisonbeginn schon mit ihrem neuen Manager Gabe Kapler hadern. Kapler leistete sich in den ersten Spielen einige seltsame Entscheidungen, wechselte zum Beispiel am Samstag nach drei Innings Starter Vince Velasquez aus, ohne dass sich jemand im Bullpen aufgewärmt hatte, und schickte später im Spiel ohne erkennbare Not einen Positionsspieler auf den Mound. Nach dem Spiel entschuldigte er sich für seine Fehler und versprach gleichzeitig, die Phillies würden dieses Jahr die Playoffs erreichen. Übrigens treffen auch die Marlins und die Phillies ab heute direkt aufeinander.

Den besten Start in der NL Central hatten überraschenderweise die Pittsburgh Pirates (4-1), sie waren bis gestern sogar noch das einzige ungeschlagene Team der Liga. Auch die Milwaukee Brewers (4-2) sind gut aus den Startlöchern gekommen, wobei die Bilanz ihnen etwas schmeichelt, denn alle vier Siege waren sehr knapp. Drei klare Siege, aber auch drei Niederlagen haben die St. Louis Cardinals (3-3) auf dem Konto. Die Cardinals haben sich übrigens letzten Donnerstag, kurz nach meinem letzten Grand Slam, des letzten wichtigen Free Agents erbarmt und Closer Greg Holland unter Vertrag genommen. Holland erhält 14 Millionen Dollar für einen Einjahresvertrag und wird voraussichtlich Anfang nächster Woche bereit für seine ersten Einsätze sein. Die Chicago Cubs (2-3) müssen ihre Auftaktwoche als Fehlstart verbuchen – ein Split gegen das wohl schwächste Team der Liga, die Marlins, sowie eine Niederlage gegen die bis dahin sieglosen Cincinnati Reds (1-3) sind definitiv zu wenig für ein Team mit höchsten Ansprüchen an sich selbst.

Einen Fehlstart haben auch die Los Angeles Dodgers (2-5) hingelegt, die vor der Saison als übergroßer Favorit auf den Gewinn der NL West galten. Der Favorit sind sie immer noch, aber nach zwei Niederlagen gegen den Erzrivalen San Francisco Giants (3-3) zum Auftakt sowie nach einem Sweep durch die Arizona Diamondbacks (5-1) hat die Euphorie erst mal einen deutlichen Dämpfer bekommen. Anders sieht es bei den Colorado Rockies (3-3) aus: Deren Start war zwar auch nur durchwachsen, aber ihre Schlagzeile der Woche ist die Vertragsverlängerung mit Star-Outfielder Charlie Blackmon. Für 108 Millionen Dollar bindet der 31-Jährige sich für die nächsten sechs Jahre an Colorado und wird somit langfristig das Gesicht der Franchise bleiben.

Szene der Woche
Die Saison ist gerade erst eine Woche alt, hat aber schon so viele tolle Momente zu bieten, dass die Entscheidung an dieser Stelle mal wieder schwer fällt. In die nähere Auswahl gehören ganz sicher die Aktionen von Edwin Encarnacion, der eigentlich viel zu langsam für einen Inside-the-Park-Homerun, und von Ichiro Suzuki, der eigentlich viel zu alt für so einen Catch ist. Die Szene der Woche ist für mich aber dennoch der Homerun von Ian Happ beim allerersten Pitch der MLB-Saison 2018. Besser als mit einem solchen Paukenschlag kann man das Jahr nicht eröffnen.

Statistik der Woche 
3. So viele Homeruns hat Joe Panik dieses Jahr schon für die San Francisco Giants geschlagen. Das ist eine ganze Menge für jemanden, der bislang nie mehr als zehn Homeruns in einem ganzen Jahr geschafft hat. Das Interessante an diesen drei Homeruns ist, dass es die drei ersten Runs waren, die die Giants in diesem Jahr zustande gebracht haben. Die drei ersten Runs eines Teams in einer Saison alle per Solo-Homerun durch denselben Spieler, das hatte es bisher noch nie gegeben. Dass ein Team seine ersten beiden Spiele mit 1:0 gewinnt und beide durch einen Homerun desselben Spielers, ist übrigens ebenfalls ein historisches Novum.

Spiel der Woche
Angesichts der Tatsache, dass die Chicago Cubs allgemein als eines der besten Teams dieser Saison eingeschätzt werden und die Miami Marlins als eines der schlechtesten, kam es recht überraschend, dass ausgerechnet diese beiden sich Freitagnacht die erste epische 17-Inning-Schlacht der Saison lieferten: Je ein Run auf jeder Seite im dritten Inning waren die einzigen Scores bis zum Walkoff der Marlins, den nach 5 Stunden und 18 Minuten drei 2-Out-Singles von Brian Anderson, Cameron Maybin und Miguel Rojas besiegelten. Zuvor durften die tapfer ausharrenden Zuschauer 34 Strikeouts, 33 gestrandete Baserunner und eine ganze Menge sehenswerter Szenen, insbesondere in der Defensive, bewundern.

Mein Einschalttipp
Wie schon erwähnt werden sich ab heute drei Spiele lang die Washington Nationals und die New York Mets gegenüber stehen. Diese Partien werden einen Eindruck davon geben, ob dieses Jahr mit mehr Spannung in der NL East zu rechnen ist als im letzten. Besonders sehenswert dürfte das erste Spiel der Serie sein, denn mit Stephen Strasburg gegen Jacob deGrom kündigt sich eines der Premium-Pitcherduelle der Liga an. Obendrein läuft das Spiel am heutigen Donnerstag zur besten europäischen Sendezeit ab 19:10 Uhr MESZ, live zu sehen auf DAZN und natürlich über mlb.tv. Übrigens: Wusstet ihr schon, dass deGrom mit einem ERA von 1.98 (bei mind. 100 IP) der erfolgreichste Pitcher der MLB-Geschichte in Mittagsspielen ist? Muss wohl ein Morgenmensch sein.

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März 22nd, 2018 by Silversurger

Der Saisonstart ist nur noch ein glatte Woche entfernt, aber seit ein paar Tagen haben viele europäische Baseball-Fans einen neuen, deutlich weiter entfernten Termin, auf den sie hinfiebern. Unterdessen stellen die MLB-Klubs derzeit die letzten Weichen, bevor es ernst wird: Einige Free Agents haben gerade noch rechtzeitig einen neuen Arbeitgeber gefunden, ein paar Verträge wurden vorzeitig verlängert und leider müssen einige Spieler zumindest zeitweise ersetzt werden, weil sie sich ungünstierweise kurz vor der Saison eine Verletzung zugezogen haben.

Yankees und Red Sox kommen nach London 
Relativ überraschend kam vor ein paar Tagen die Nachricht, dass die MLB schon 2019 zum ersten Mal überhaupt ein reguläres Saisonspiel in Europa anberaumen will. Und es kommt nicht irgendwer, es kommen die beiden populärsten Baseball-Teams der Welt, die New York Yankees und die Boston Red Sox. Geplant ist eine Zwei-Spiele-Serie Ende Juni 2019, die voraussichtlich im London Stadium (dem ehemaligen Olympiastadion) stattfinden wird. Formal werden es Heimspiele der Red Sox sein. Das Stadion wird hauptsächlich für Fußballspiele des Premier-League-Klubs West Ham United genutzt, aber da es auch für Leichtathletikveranstaltungen gebaut wurde und dementsprechend über eine Laufbahn verfügt, sind die Voraussetzungen wohl einigermaßen günstig, die für europäische Verhältnisse ungewohnten Ausmaße eines Baseballfeldes darin unterzubringen.

Cobb unterschreibt bei den Orioles 
Mit SP Alex Cobb ist der vorletzte „große“ Free Agent dieses Jahres endlich bei einem neuen Klub untergekommen. Anders als viele Kollegen, die sich letzte Woche mit kleineren Brötchen zufrieden geben mussten, hatte Cobb mit seiner Strategie des Abwartens offensichtlich Erfolg: Er erhält einen Vierjahresvertrag über 60 Millionen Dollar bei den Baltimore Orioles und hat damit sehr viel mehr herausgeholt als beispielsweise der gleich alte und etwa gleich starke Lance Lynn, der sich letzte Woche mit einem Einjahresvertrag über 12 Millionen bei den Twins zufrieden geben musste. Cobb verpasste nach einer Tommy-John-Surgery den Großteil der Saison 2016, war aber 2017 wieder ganz der Alte und brachte es für die Tampa Bay Rays auf einen ERA von 3.66 in knapp 180 Innnings. In Baltimore wird Cobb die bislang schlechteste Starting Rotation der Liga verstärken.

Ein paar weitere Free-Agent-Verpflichtungen
Außer Cobb gab es diese Woche nur ein paar nachrangige Free-Agent-Signings. Ich zähle hier nur diejenigen auf, bei denen ich mir am ehesten vorstellen kann, dass die Akteure dieses Jahr eine Rolle in den Major Leagues spielen könnten. Der relevanteste Spieler, der immer noch keinen neuen Vertrag hat, ist übrigens RP Greg Holland.

Die Washington Nationals haben Pitcher Jeremy Hellickson über einen Minor-League-Vertrag geholt. Hellickson hatte mit einem ERA von 5.77 für die Phillies und die Orioles 2017 das schwächste Jahr seiner Karriere und bewirbt sich bei den Nationals mit mehreren Konkurrenten um den fünften Spot der Rotation.

Ebenfalls um einen Platz in der Rotation wird sich Trevor Cahill bewerben, der zu den Oakland Athletics zurückkehrt, dem Team, das ihn 2006 gedraftet und bei dem er 2009 bis 2011 seine ersten MLB-Saisons verbracht hatte. Der 30-Jährige hatte in den letzten Jahren mit Verletzungen und Leistungsschwankungen zu kämpfen, die ihm zeitweise eine Versetzung in den Bullpen einbrachten. Bei den dünn besetzten A’s, die ihm 1,5 Millionen Dollar für ein Jahr bezahlen, könnte er die Chance haben zu starten.

Der dritte im Bunde der Pitcher, die auf eine Wiederbelebung ihrer Karriere hoffen, ist Clay Buchholz. Der zweimalige All-Star, der fast das gesamte letzte Jahr wegen einer Operation am Wurfarm verpasste, erhält bei den Kansas City Royals zunächst einen Minor-League-Vertrag. Dieser wird zu einem MLB-Vertrag über 1,5 Millionen Dollar, wenn und sobald Buchholz ins 40-Mann-Roster aufgenommen wird.

Die Toronto Blue Jays haben mit einem Minor-League-Vertrag für Danny Espinosa die Tiefe ihres Infields verstärkt. Espinosa war letzte Woche von den Yankees entlassen worden, nachdem diese Free Agent Neil Walker geholt hatten.

Neue Verträge für Altuve und Suarez
Der World-Series-Champion Houston Astros hat den ersten und wichtigsten Schritt getan, den Kern des Meisterteams langfristig zusammenzuhalten: 2B José Altuve unterschreibt einen neuen Vertrag, der ihn für die kommenden sieben Jahre an die Astros bindet. Die Einigung bringt ihm 151 Millionen Dollar für die Jahre 2020 bis 2024 ein, zusätzlich zu den 12,5 Millionen aus dem bestehenden Vertrag für 2018 und 2019. Das ist eine Menge Geld – das meiste, das die Astros je für einen Spieler ausgegeben haben –, aber jeder Cent davon ist gerechtfertigt. Altuve ist der amtierende MVP der American League, welche er seit vier Jahren hintereinander in Hits anführt, und er ist der unumstrittene Dreh- und Angelpunkt des Erfolgs der Astros.

Auch die Cincinnati Reds haben sich mit einem ihrer Leistungsträger auf eine langfristige Zusammenarbeit geeinigt: 3B Eugenio Suarez erhält einen Siebenjahresvertrag mit Option auf ein achtes Jahr. Der 26-Jährige hatte 2017 seine Breakout-Saison mit Schlagleistungen von .260/.367/.461 und obendrein starkem Defensivspiel. In den kommenden sieben Jahren wird Suarez 66 Millionen Dollar verdienen.

Turner, Phelps und weitere Verletzte
Schon im Spring Training so schwer verletzt zu werden, dass man die bevorstehende Saison verpasst, ist besonders bitter. Auch dieses Jahr hat es schon wieder eine ganze Reihe von Spielern erwischt: Nach den Pitching-Talenten Brent Honeywell und José de Leon von den Rays müssen nun auch SP Jharel Cotton (Athletics), RP David Phelps (Mariners) und OF Alex Dickerson (Padres) sich der berüchtigten Tommy-John-Surgery unterziehen.

3B Justin Turner von den Dodgers und SP Jason Vargas von den Mets haben unterdessen wohl Glück im Unglück: Turner hat sich das linke Handgelenk, Vargas seine rechte Hand gebrochen. Beide verpassen damit natürlich den Saisonstart, dürfen aber darauf hoffen, in ein paar Wochen wieder einsatzfähig zu sein.

Und schon wieder eine Dopingsperre
Leider kommt auch diese Woche nicht ohne einen neuen Dopingfall aus: Jorge Polanco, Shortstop der Minnesota Twins, wurde positiv auf das Steroid Stanozolol getestet. Wie im Falle eines ersten Verstoßes gegen die Dopingregeln der MLB üblich, wird Polanco für 80 Spiele, also rund die Hälfte der Saison gesperrt. Ob auf den 24-Jährigen nach Rückkehr aus der Zwangspause noch sein alter Job wartet, ist fraglich. Er war für die Startformation eigentlich gesetzt, doch nun wird Eduardo Escobar eine neue Chance erhalten, den Posten dauerhaft zurück zu gewinnen.

Die ultimative Rache des Mike Perez 
Wer erinnert sich noch an die skurrilste Verletzung des vergangenen Jahres? Martin Perez, Pitcher bei den Texas Rangers, war im Dezember gestürzt, als er auf seiner Farm vor einem Bullen davon lief. Wie die Sache für Perez endete, ist bekannt: Er brach sich den Ellenbogen seiner Handschuh-Hand, musste operiert werden und verpasste einen Großteil der Vorbereitung auf die neue Saison. Letzten Sonntag stand er zum ersten Mal im Spring Training auf dem Mound und absolvierte fünf solide Innings. Für den Bullen ging die Sache nicht ganz so glimpflich aus: „I killed him and I ate him,” verriet Perez nach dem Spiel. “It was good meat. No more bull.“ Dann wäre das also auch geklärt.

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Februar 26th, 2018 by Silversurger

Vor ziemlich genau einem Jahr begann sich abzuzeichnen, dass der ungeliebte Teambesitzer Jeffrey Loria die Marlins verkaufen würde. Ich schrieb damals, dass der neue Eigentümer sich entscheiden muss, ob er zusätzlich zu dem vorhandenen Power-Lineup in eine wettbewerbsfähige Pitcher-Rotation investiert oder ein radikales Rebuilding angeht. Diese Entscheidung hat die neue Eignergruppe um den ehemaligen Star-Shortstop der Yankees, Derek Jeter, nach der Übernahme der Franchise sehr schnell und mit aller Konsequenz getroffen: Mit eisernem Besen wurden fast alle Leistungsträger gegen talentierten Nachwuchs eingetauscht – allen voran das komplette Outfield mit MVP Giancarlo Stanton, Christian Yelich und Marcell Ozuna, zudem Leadoff-Hitter Dee Gordon. Die Marlins haben also wieder mal die Reset-Taste gedrückt und sich wohl auf absehbare Zeit im Keller der Major League eingerichtet. Die positive Nachricht ist, dass sie durch die Moves ihre Farm deutlich aufgewertet und sich einer Menge finanzieller Verpflichtungen entledigt haben. Erste Schritte des Neuaufbaus werden schon dieses Jahr sichtbar werden, wenn Talente wie die Outfielder Lewis Brinson und Braxton Lee die Chance erhalten, sich ihre Sporen in der MLB zu verdienen. Ob das neue Rebuilding-Projekt erfolgreicher wird als das alte, wird man frühestens in drei, vier Jahren beurteilen können. Für die Saison 2018 wäre in meinen Augen alles, was besser ist als eine dreistellige Zahl von Niederlagen, bereits eine Überraschung.

Voraussichtliches Lineup
C J. T. Realmuto
1B Justin Bour
2B Starlin Castro
SS J. T. Ridddle
3B Martin Prado
LF Derek Dietrich
CF Lewis Brinson
RF Braxton Lee

Voraussichtliche Rotation
SP Dan Straily
SP Wei-Yin Chen
SP Jose Urena
SP Dillon Peters
SP Adam Conley
Closer Brad Ziegler

Wichtigster Zugang
OF Lewis Brinson (Milwaukee Brewers)

Wichtigster Abgang
RF Giancarlo Stanton  (New York Yankees)

Bestes Prospect
OF Lewis Brinson

Größte Stärke
Die fehlende Erwartungshaltung: Von diesem Team erwartet dieses Jahr wirklich niemand irgend etwas. Man kann sich ganz darauf konzentrieren, die jungen Spieler mit der Big League vertraut zu machen. Niederlagen werden als normal akzeptiert und über jeden Sieg kann man sich umso mehr freuen.

Größte Schwäche
Die Stimmung ist am Boden: Jeter und seine Owner-Kollegen haben viel Porzellan zerschlagen, nicht nur durch das radikale Team-Management, sondern auch durch unnahbares Auftreten gegenüber den Fans und unpopuläre Personalentscheidungen quer durch die ganze Franchise.

Spannendste Frage
Geht der Ausverkauf noch weiter? Mehrere der verbleibenden Veteranen – allen voran J. T. Realmuto und der von den Yankees geholte Starlin Castro – gelten als Kandidaten, die das längst gesunkene Schiff noch verlassen sollen und wollen. Ich schätze, spätestens zur Trade-Deadline im Juli wird dieser Wunsch in Erfüllung gehen.

Prognose
Platz 5 in der NL East

Hier geht’s zum Power-Ranking und allen bisher erschienenen Previews.

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