Januar 28th, 2021 by Silversurger

Keine Woche ohne einen verstorbenen Hall of Famer – so sieht der Start in das lang ersehnte Jahr 2021 bisher leider aus. Diese Woche steht die Trauermeldung nicht am Ende, sondern am Anfang des Grand Slams, denn mit Hank Aaron ist einer der ganz Großen des Baseballs von uns gegangen.
Viel Zeit zum Innehalten bleibt leider nicht, denn der Countdown zur neuen Saison läuft und die MLB-Teams sind eifrig dabei, letzte Hand an ihre Kader zu legen. Den größten Deal landeten diese Woche die Phillies. Sie wurden sich mit J. T. Realmuto einig, dem Top-Free-Agent dieser Offseason nach meiner Rangliste vom November. 

Abschied von Hank Aaron
Die Baseballwelt trauert um einen der größten Slugger aller Zeiten: Henry „Hank“ Aaron ist am Freitag im Alter von 86 Jahren gestorben. Aaron schlug in seiner Karriere 755 Homeruns und war damit lange Rekordhalter, bevor ihn Barry Bonds im Jahr 2007 überholte. Angesichts der Rolle von Bonds in der Steroid-Ära gilt Aaron Vielen bis heute als der wahre Homerun-Champion der MLB-Geschichte. In seiner 23 Jahre langen Karriere mit den Milwaukee/Atlanta Braves und den Milwaukee Brewers wurde er 21-mal ins All-Star-Team berufen, gewann zwei Batting-Titel, drei Gold Gloves und die World Series 1957. Die Zeit seines größten Erfolges war für ihn zugleich die schwerste seines Lebens, denn das Übertreffen des Homerun-Rekords von Babe Ruth im Jahr 1974 wurde von massiven rassistischen Anfeindungen und Morddrohungen begleitet. Aaron ertrug den blinden Hass mit Mut und Gelassenheit. Für seine Rolle als Vorbild und sein auch nach der Karriere fortgesetztes gesellschaftliches Engagement wurde er 2002 mit der Presidential Medal of Freedom ausgezeichnet. Seit 1982 ist er Mitglied der Baseball Hall of Fame, in die er im ersten Jahr der Wählbarkeit mit 98% der Stimmen aufgenommen wurde.

Niemand in die Hall of Fame gewählt
Apropos Hall of Fame: Die diesjährige Wahl zur Aufnahme in die Ehrenhalle ist vorbei und zum ersten Mal seit 2013 erreichte niemand die nötige Mehrheit von 75% Zustimmung der 401 wahlberechtigten Baseball-Journalisten. 14 Wahlberechtigte gingen sogar so weit, einen leeren Wahlzettel abzugeben.
Die höchsten Werte erzielten Curt Schilling (71,1%), Barry Bonds (61,8%) und Roger Clemens (61,6%). Diese drei wären von ihren Karriereleistungen her eigentlich allesamt sichere Hall-of-Fame-Kandidaten, doch wegen Dopingvorwürfen und Charakterfragen wird ihnen schon seit neun Jahren regelmäßig die nötige Mehrheit verweigert. Nächstes Jahr stehen sie zum zehnten und letzten Mal auf dem Wahlschein – ihre letzte Chance wird vermutlich ihre beste sein, weil es einige der Wahlberechtigten wohl als ausreichenden Denkzettel ansehen werden, sie so lange wie möglich schmoren zu lassen und sie dann doch noch in die Halle zu wählen. Schilling hat auf dieses Spiel keine Lust mehr und bat in einem Brief darum, nächstes Mal nicht mehr zur Wahl gestellt zu werden. Voraussichtlich wird die Hall of Fame diesem Wunsch nicht entsprechen, da die Regeln eine freiwillige Aufgabe der Wählbarkeit nicht vorsehen.
Die Spieler, die dieses Jahr zum ersten Mal wählbar waren, galten bereits im Vorfeld als wenig aussichtsreiche Gruppe. Mark Buehrle erhielt von ihnen die meisten Stimmen, ist aber mit 11,0% weit von einer Berufung entfernt. Mit weniger als 5% der Stimmen sind Aramis Ramirez, LaTroy Hawkins, Barry Zito, A.J. Burnett, Michael Cuddyer, Dan Haren, Nick Swisher und Shane Victorino bei zukünftigen Wahlrunden nicht mehr dabei.

Saisonstart: Cactus League bittet um Verschiebung
Der Zeitplan bis zum Start der MLB-Saison am 1. April ist nach wie vor in Kraft, aber Verzögerungen durch Corona sind längst nicht vom Tisch. In einem Brief an Commissioner Rob Manfred hat nun die Cactus League – also der in Arizona basierte Teil der Spring-Training-Einrichtungen – darum gebeten, den Beginn des Spring Trainings zu verschieben. Als Grund werden die zurzeit hohen Infektionszahlen in Maricopa County angegeben.
Die Entscheidung über eine Verschiebung können die Cactus League und die MLB nur gemeinsam mit der Spielergewerkschaft MLBPA treffen. Die MLBPA hat derweil bereits sehr deutlich gemacht, dass sie einen späteren Start des Spring Trainings sehr kritisch sieht. Der Grund dafür aus Sicht der Spieler liegt auf der Hand: Ein verspätetes Spring Training würde wahrscheinlich auch einen verspäteten Saisonstart und im Endeffekt eine erneut verkürzte Saison bedeuten – und damit Gehaltseinbußen, da die Spielergehälter sich anteilsmäßig reduzieren, wenn weniger Spiele stattfinden.  

Zahltag für Realmuto
Schon seit sie J. T. Realmuto im Februar 2019 von den Miami Marlins ertradeten, waren die Philadelphia Phillies erklärtermaßen an einer langfristigen Zusammenarbeit mit dem Catcher interessiert. Die Verhandlungen zogen sich jedoch lange hin, der Vertrag lief aus und es mehrten sich die Gerüchte, dass der zweimalige All-Star sich anderweitig orientieren könnte. Nun haben beide Seiten doch noch zu einem Abschluss gefunden und sich auf eine Zusammenarbeit für weitere fünf Jahre geeinigt. Der Deal hat ein Volumen von 115,5 Millionen Dollar. Das entspricht einem jährlichen Durchschnitt von 23,1 Millionen und stellt in dieser Hinsicht den teuersten Vertrag da, den je ein Catcher bekommen hat. Es war offenbar ein zentraler Verhandlungspunkt für Realmuto, den Gehaltsschnitt von Joe Mauer zu übertreffen, der 2010 bei den Minnesota Twins einen Achtjahresvertrag über 184 Millionen (23 Millionen pro Jahr) erhielt.

Yankees ertraden Taillon 
Die New York Yankees arbeiten weiter daran, ihre Starting Rotation aufzuwerten und gleichzeitig 2021 unter der 210-Millionen-Grenze für Spielergehälter zu bleiben, ab welcher Strafzahlungen fällig wären. Vor diesem Hintergrund ist der Move zu sehen, von den Pittsburgh Pirates James Taillon zu holen. Der 29-Jährige ist ein solider Starter mit einem Karriere-ERA von 3.67 und hat für dieses Jahr einen Vertrag über relativ überschaubare 2,5 Millionen. Das Fragezeichen, das Taillon mitbringt, ist eine Tommy-John-Surgery vom August 2019, wegen der er die gesamte Saison 2020 pausieren musste. Als Gegenleistung für Taillon schicken die Yankees vier Prospects nach Pittsburgh: die Pitcher Miguel Yajure und Roansy Contreras, Infielder Maikol Escotto und Outfielder Canaan Smith werden Teil des Rebuilds der Pirates. 
Ein langjähriges Mitglied der Yankees-Rotation wird 2021 nicht mehr an Bord sein: Masahiro Tanaka gab heute bekannt, dass er zurück nach Japan geht und sich dort den Rakuten Eagles anschließt.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Da die Signings gerade massenweise einprasseln, liste ich den Rest wieder im Telegrammstil auf. Neue MLB-Verträge gab es diese Woche für: IF/OF Jurickson Profar (San Diego Padres, 3 Jahre plus beidseitige Option, 21 Millionen Dollar), SS Marcus Semien (Blue Jays, 1 Jahr, 18 Millionen), IF/OF Enrique Hernandez (Boston Red Sox, 2 Jahre, 14 Millionen), SS Andrelton Simmons (Minnesota Twins, 1 Jahr, 10,5 Millionen), RP Brad Hand (Washington Nationals, 1 Jahr, 10,5 Millionen), SP Garrett Richards (Boston Red Sox, 1 Jahr plus Kluboption, 10 Millionen), 2B Cesar Hernandez (Cleveland Indians, 1 Jahr plus Kluboption, 5 Millionen), RP Anthony Bass (Miami Marlins, 2 Jahre plus Kluboption, 5 Millionen), C Wilson Ramos (Detroit Tigers, 1 Jahr, 2 Millionen), C Austin Romine (Chicago Cubs, 1 Jahr, 1,5 Millionen), SS Freddy Galvis (Baltimore Orioles, 1 Jahr, 1,5 Millionen), 1B Ryan Zimmerman (Washington Nationals, 1 Jahr, 1 Million), IF Tommy La Stella (San Francisco Giants, 3 Jahre, Gehalt unbekannt), RP Aaron Loup (New York Mets, 1 Jahr, Gehalt unbekannt). 

Zudem gab es noch zwei kleinere Trades: Die New York Mets schicken SP/RP Steven Matz nach Toronto und erhalten dafür die drei Pitching-Prospects Josh Winckowski, Sean Reid-Foley und Yennsy Diaz aus dem Farmsystem der Blue Jays. Die New York Yankees geben RP Adam Ottavino sowie Minor-League-Pitcher Frank German für einen noch zu benennenden Spieler und/oder eine Ablösezahlung an die Boston Red Sox ab. Das Bemerkenswerte an letzterem Trade ist, dass er der erste zwischen den Erzrivalen Yankees und Red Sox seit sechseinhalb Jahren ist.

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Juli 19th, 2018 by Silversurger

Das Tauziehen ist beendet: Die Zukunft von Baltimores Star-Infielder Manny Machado beherrschte in den letzten Tagen geradezu penetrant die Berichterstattung um die MLB, selbst die All-Star-Events wurden davon ein Stück weit zur Seite gedrängt. Unter anderem die Yankees, die Brewers und die Phillies sollen sich sehr um einen Deal bemüht haben, aber nun ist die Sache endlich entschieden und Machado wird für den Rest der Saison die Los Angeles Dodgers verstärken. Im Gegenzug wechselt ein Paket von fünf Prospects, darunter Outfielder Yusniel Diaz, zu den Orioles.

Ebenfalls beendet ist die Zeit von Mike Matheny als Manager der St. Louis Cardinals. Matheny war sechseinhalb Jahre für den Klub tätig. In den ersten vier Jahren unter seiner Verantwortung erreichten die Cardinals jedes Mal die Playoffs. 2016 und 2017 verpassten sie diese, und nachdem es auch in diesem Jahr zur Saisonmitte nicht allzu vielversprechend aussieht, entschied man sich, den Wechsel einzuleiten. Der bisherige Bench-Coach Mike Shildt übernimmt vorerst als Interims-Manager und hat die Chance, sich als dauerhafte Besetzung zu empfehlen.

Da wegen des All-Star-Breaks seit letzter Woche nur wenige MLB-Spiele stattgefunden haben, verzichte ich dieses Mal auf die Einzelbetrachtung der Divisionen und lege den Fokus des Grand Slams auf die drei Hauptevents der All-Star-Woche – ergänzt um einen egoistischen Einschalttipp.

MLB Futures Game 
Den Auftakt der All-Star-Woche bildete wie üblich das Futures Game. Dieses Stelldichein der vielversprechendsten Talente erfährt leider nicht die Beachtung, die es verdient. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es immer schon am Sonntag gleichzeitig mit der letzten Runde der MLB-Spiele vor dem Break stattfindet. Traditionell treten die US-amerikanischen Talente gegen die aus dem Rest der Welt an. Dieses Mal gewannen die USA 10:6, wobei das meiste Aufsehen einem Spieler des Welt-Teams zukam: Yusniel Diaz gelang es als zweiter Spieler in der Geschichte des Futures Games, in der Partie zwei Homeruns zu erzielen. Dieser Auftritt kann durchaus direkten Einfluss darauf gehabt haben, dass Diaz drei Tage später zum Kernstück des Machado-Trades wurde. Auf der anderen Seite machte der erst 18-jährige Pitcher Hunter Greene auf sich aufmerksam. Der letztjährige #2-Draftpick der Cincinnati Reds warf 27 Pitches, darunter 19 Fastballs, von denen jeder Geschwindigkeiten zwischen 100,0 und 103,1 Meilen pro Stunde erreichte. Einen davon, 102,3 mph schnell, ließ er allerdings von Luis Alexander Basabe (White Sox) über den Zaun schlagen.

Homerun-Derby
221 Homeruns wurden im diesjährigen Homerun-Derby geschlagen, mehr als je zuvor. Die meisten (55) gingen auf das Konto von Kyle Schwarber (Chicago Cubs). 21 Bälle über den Zaun gelangen Schwarber allein im Halbfinale gegen Rhys Hoskins (Philadelphia Phillies). Gewonnen hat das Derby letzten Endes aber nicht Schwarber, sondern Bryce Harper (Washington Nationals). In seinem Heimstadion behielt Harper im Finale dank eines atemberaubenden Comebacks in der letzten Minute seiner Zeit mit 19:18 die Oberhand. Ob dabei alles mit rechten Dingen zuging, ist zumindest umstritten. Denn einige der Pitches, die Harpers Papa ihm zuwarf, kamen zu früh, noch bevor der vorherige Ball gelandet war. Das entspricht nicht den Regeln, aber den Titel wird man Harper nicht aberkennen. Denn zum einen versäumten die Offiziellen, in der Situation direkt einzugreifen und zum anderen dürfte der erzielte Vorteil minimal sein, zumal Harper am Ende noch 22 Sekunden übrig hatte.

All-Star-Game
Zum sechsten Mal hintereinander hat die American League das All-Star-Game gewonnen. Das hört sich nach dauerhafter Dominanz an, doch ganz so klar ist die Sache nicht. Langfristig gesehen hat die AL erst seit dem diesjährigen Spiel genau einen Sieg Vorsprung mit 44:43 gewonnenen All-Star-Games. Und es hätte am Dienstag ohne Weiteres auch andersherum ausgehen können, denn das Spiel war durchweg knapp und wurde erst im zehnten Inning entschieden. Die Zuschauer erlebten mehr oder weniger ein zweites Homerun-Derby, denn fast alle der 8:6 Zähler fielen durch lange Bälle. Zehnmal ging der Ball über den Zaun, ein neuer All-Star-Game-Rekord. Die Entscheidung im Extra-Inning brachten Back-to-back-Homeruns der Astros-Teamkollegen Alex Bregman und George Springer.

Mein Einschalttipp
Mein USA-Urlaub neigt sich dem Ende zu, doch am Samstag steht noch der hoffentlich krönende Abschluss mit dem Derby der New York Yankees gegen meine Mets an. Das Schöne als Fan eines solchen Teams ist, dass man in das Spiel ohne jede Erwartungshaltung gehen kann. Wenn man überrascht wird, dann ausschließlich positiv, denn schlimmer als vor zwei Wochen beim 0:9 gegen die Rays kann es kaum werden. Das einzige, was meine Freude auf das Spiel trüben könnte, wäre ein Rainout, weswegen ich ständig den Wetterbericht beobachte. Momentan steht die Vorhersage bei 50% Regenwahrscheinlichkeit, also bitte Daumen drücken. Aller Voraussicht nach wird Yoenis Cespedes nach seiner Verletzung zumindest als DH zur Verfügung stehen und auch das Pitching-Matchup klingt vernünftig: Zwar werden deGrom und Severino nach ihren All-Star-Einsätzen wohl einen Tag länger geschont werden, aber Steven Matz (3.38 ERA, 4.81 FIP) und Sonny Gray (5.46 ERA, 4.34 FIP) waren nach ein paar holprigen Starts zuletzt gut drauf und dürften für ein interessantes Spiel sorgen. Matz schätze ich dabei etwas stärker ein, dafür haben die Yankees die deutlich bessere Offense am Start. Wenn ihr reinschauen wollt, schaltet ab 19:05 mitteleuropäischer Zeit auf mlb.tv oder DAZN ein. Ich sitze übrigens auf Höhe des vorderen linken Außenfelds – der Typ mit der Metskappe. 😉

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