Juli 22nd, 2021 by Silversurger

Die heiße Phase vor der Trade-Deadline ist noch eine Woche entfernt, doch einen nennenswerten Deal gab es schon vor ein paar Tagen: Outfielder Joc Pederson wurde im Tausch gegen First-Base-Prospect Bryce Ball von den Chicago Cubs zu den Atlanta Braves geschickt. Die Braves waren unter Zugzwang nach der Verletzung von Ronald Acuna Jr., die Cubs hatten sich dieses Jahr schon früh mit der Seller-Rolle angefreundet.

So friedlich-kooperativ wie zwischen den Cubs und den Braves geht es leider nicht überall in der Liga zu. Zwischen den Red Sox und den Yankees herrscht mal wieder dicke Luft: Red-Sox-Manager Alex Cora beschuldigt die Erzrivalen öffentlich des Sign Stealings, auf den Rängen gab es während der Serie in Yankee Stadium mehrere Rangeleien, ein Spiel musste wegen eines Ballwurfs unterbrochen werden (siehe „Szene der Woche“).

Second Baseman Starlin Castro von den Washington Nationals wurde am Freitag beurlaubt, weil ihm ein Fall von häuslicher Gewalt vorgeworfen wird. Dieser Fall wird nun ebenso untersucht wie die Vorfälle um die ebenfalls noch beurlaubten Marcell Ozuna (Braves) und Trevor Bauer (Dodgers). 

Für einen freiwilligen Abgang hat sich derweil Yermin Mercedes entschieden. Der 28-Jährige war für die White Sox in den ersten Wochen der Saison mit starken Leistungen zum Shooting-Star geworden. Anfang Juli wurde er ins Triple-A-Team der White Sox zurückgestuft. Darüber ärgerte er sich offenbar so sehr, dass er gestern per Social-Media-Posts seinen Rücktritt vom Baseball verkündete.

American League
Die Boston Red Sox (58-38) haben sich rund um den All-Star-Break einen Durchhänger erlaubt mit drei verlorenen Serien hintereinander. Mit zwei Siegen gegen die Toronto Blue Jays (48-44) scheint der Spitzenreiter der AL East aber nun zurück in die Erfolgsspur gefunden zu haben. Für die Red Sox geht es in den kommenden 28 Spielen noch 22-mal gegen Toronto, die Tampa Bay Rays (57-39) oder die New York Yankees (50-44). 

Die AL Central ist in diesem Jahr die erste Division, über die ich mich zu sagen traue: Hier ist alles gelaufen. Die Chicago White Sox (58-38) werden Erster, die Cleveland Indians (48-45) haben sich aus dem Rennen verabschiedet und werden auch im Hinblick auf einen Wild-Card-Platz wenig mitzureden haben. Das gilt erst recht für den Rest der Division. Dennoch möchte ich den starken Run der Detroit Tigers (46-51) nicht unerwähnt lassen. Sie sind mit sechs Siegen hintereinander aus dem All-Star-Break gekommen und somit als einziges Team der MLB im zweiten Teil der Saison noch ungeschlagen.

Noch lange nicht durch sind die Houston Astros (58-39) in der AL West, ihr Vorsprung auf die Oakland Athletics (55-42) ist zuletzt ein bisschen kleiner geworden. Das könnte sich in den nächsten Tagen wieder ändern, denn die Astros empfangen die Texas Rangers (35-61), welche sich auf einer Strecke von bislang acht Niederlagen hintereinander befinden. Die Athletics müssen derweil zum Verfolgerduell  bei den Seattle Mariners (51-45) antreten. Die Mariners sind nach wie vor voll im Rennen um eine Wild Card. Die Los Angeles Angels (46-48) haben sich aus diesem Rennen relativ sicher verabschiedet.

National League
In der NL East halten sich die New York Mets (50-43) trotz Rückschlägen und Verletzungssorgen (siehe „Spiel der Woche“) als einziges Team mit positivem Record an der Spitze. Zwar sind die Philadelphia Phillies (47-47), die Atlanta Braves (46-48) und die Washington Nationals (45-50) allesamt nur ein paar gute Serien entfernt, aber die müssten sie dann auch irgendwann mal abliefern.

Um die NL Central gab es am letzten Wochenende ein vorentscheidendes Duell: Die Milwaukee Brewers (56-41) sweepten die Cincinnati Reds (49-47) in drei Spielen und zementieren damit ihren Führungsanspruch. Nachdem die Reds auch die folgende Serie gegen die Mets 1-2 verloren, geht es für sie und die St. Louis Cardinals (48-48) im anstehenden Aufeinandertreffen schon darum, für welches der beiden Teams sich der Blick nach oben überhaupt noch lohnt.

In der NL West sind drei Teams auf Playoff-Kurs und zwei von ihnen streiten sich gerade im direkten Vergleich um die Spitze. Genauer gesagt ist der Vergleich zumindest für den Moment schon entschieden. Denn die San Francisco Giants (60-35) haben schon zwei von drei Spielen gegen die Los Angeles Dodgers (59-38) gewonnen und behaupten somit die Spitze unabhängig vom Ausgang der vierten Partie. Die San Diego Padres (56-41) halten in den letzten Wochen nicht ganz Schritt mit dem Führungsduo, sitzen aber auf einem beruhigenden 6-Spiele-Vorsprung für eine Wild Card. Ein erfreuliches Lebenszeichen geben die Arizona Diamondbacks (30-68) von sich: Sie sind zwar noch immer das schwächste Team der MLB, aber vier Siege für sie in Folge zeigen, dass es in dieser Liga keine Selbstläufer gibt.

Szene(n) der Woche
Gleich zwei hässliche Szenen, die mit Sport nichts zu tun haben, sorgten am vergangenen Baseballwochenende für Aufregung. Das Spiel der Yankees gegen die Red Sox am Samstag musste zeitweise unterbrochen werden, als ein Yankees-Fan einen Ball nach Red-Sox-Outfielder Alex Verdugo warf. Der Übeltäter konnte von der Security identifiziert werden und erhielt lebenslanges Stadionverbot in allen MLB-Ballparks. 

Noch übler waren die Vorgänge in Washington. Mitten im sechsten Inning der Partie gegen die Padres waren mehrere Schüsse zu hören. Weder die Spieler auf dem Feld noch die 33.000 Zuschauer konnten einordnen, ob diese von innerhalb oder außerhalb des Stadions kamen. Verständlicherweise brach für einige Minuten Furcht und Chaos aus, bis geklärt war, dass die Schießerei draußen zwischen den Insassen zweier Fahrzeuge stattgefunden hatte. Die Zuschauer verließen den Ballpark kontrolliert über Ausgänge auf der anderen Seite, das Spiel wurde am Sonntag zuende gespielt. 

Statistik der Woche 
37 Jahre, 193 Tage. Jon Lester von den Washington Nationals wurde am Montag gegen die Marlins zum ältesten Pitcher, der einen Homerun schlug, seit dem legendären Bartolo Colon (damals 42 Jahre, 348 Tage) am 7. Mai 2016.

Spiel der Woche
Als Fan der New York Mets ist man gewohnheitsmäßig Pessimist und Zyniker. Diese Ader möchte ich hier nicht zu sehr ausleben, aber wenn die bislang erfolgreiche Saison der Mets noch den Bach runtergehen sollte, dann war der entscheidende Knackpunkt wohl der vergangene Samstag. An diesem Tag wurde bekannt, dass die beiden Top-Stars des Teams, Shortstop Francisco Lindor und Pitcher Jacob deGrom, für mehrere Wochen verletzt ausfallen, und dann setzte es auch noch eine herzzerreißende Niederlage gegen die Pittsburgh Pirates: Tyler Megill pitchte sechs Shutout-Innings, New York führte 6:0 nach sieben Innings und immerhin noch 7:5 mit zwei Outs im neunten, bevor Pittsburghs Jacob Stallings durch einen Grand Slam gegen Edwin Diaz den desaströsen Tag für die Mets perfekt machte. 

Mein Einschalttipp
Auch wenn die Mets noch lange nicht sicher sind in der NL East, hat sich unter den anderen Teams bislang kein ernsthafter Verfolger herauskristallisiert. Eine Möglichkeit dazu bietet die Wochenendserie zwischen den Phillies und den Braves. Ab heute Nacht treffen die beiden viermal aufeinander beim Versuch, die zarten Playoffhoffnungen mindestens am Leben zu erhalten oder ihnen mit einem deutlichen Erfolg gar einen kräftigen Schub zu geben. Das zeitlich günstigste Spiel ist wie so oft das am Sonntag. Der erste Pitch fliegt um 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

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Juli 1st, 2021 by Silversurger

Halbzeit in der MLB: Bis zum All-Star-Break sind zwar noch eineinhalb Wochen zu spielen, doch die meisten Teams haben bereits die Hälfte ihrer 162 Saisonspiele absolviert. Offiziell ist noch lange nichts entschieden, aber für viele Klubs ist die Saison trotzdem schon mehr oder weniger gelaufen. Laut den Playoff-Wahrscheinlichkeiten von Fangraphs liegen jedenfalls für 17 von 30 Teams die Hoffnungen auf eine Endrundenteilnahme inzwischen bei unter 15%. Ich werde im heutigen Überblick mal verstärkt auf diese Wahrscheinlichkeiten schauen. Wie diese zustande kommen, erkläre ich ganz am Ende dieses Artikels.

Von den Chancen, die sich die Klubs selbst für den Rest des Jahres ausrechnen, wird auch abhängen, ob und in welcher Art sie vor der Trade Deadline am 31. Juli noch mal auf dem Spielermarkt tätig werden. Die meisten Trades finden traditionell kurz vor der Deadline statt, aber die Blue Jays und die Marlins haben schon mal vorgelegt: Toronto sicherte sich in dem vorgestern eingefädelten Deal Reliever Adam Cimber und Outfielder Corey Dickerson, Miami erhält Infielder Joe Panik und Minor-League-Pitcher Adam McInvale. Das Kernstück des Trades dürfte Cimber sein, der eine dringend benötigte Aufwertung des Bullpens der Blue Jays darstellt. Ihn lassen sie sich ein Stück Zukunft in Form von McInvale kosten sowie das Geld, welches mit dem Tausch eines teuren mittelmäßigen Spielers (Dickerson) gegen einen günstigen mittelmäßigen Spieler (Panik) verbunden ist.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die aktuellen Vorkommnisse um Trevor Bauer, auch wenn es für eine faire Beurteilung wohl noch zu früh ist: Eine Frau wirft dem Pitcher der Dodgers vor, an ihr gegen ihren Willen entwürdigende und gewalttätige Sexualpraktiken vorgenommen zu haben. Bauer streitet die Praktiken nicht ab, stellt sie aber im Gegensatz zu der Frau als einvernehmlich dar. Wie in solchen Fällen üblich, wird die MLB eine eigene Untersuchung anstellen und über mögliche Konsequenzen entscheiden.

National League
In der NL East werden laut Fangraphs den New York Mets (41-35) mit 76,1% die größten Playoff-Chancen zugetraut. Alle anderen Teams der Divison rangieren unter 15%. Den Atlanta Braves (38-41, 14,6%) werden dabei noch etwas bessere Chancen zugerechnet als den Washington Nationals (40-38), obwohl diese zurzeit in der Tabelle vor den Braves stehen und nur noch zwei Spiele hinter den unübersehbar schwächelnden Mets rangieren. Die Mets haben ihre letzten 15 Spiele allesamt gegen Divisionskonkurrenten bestritten, dabei nur 6 Siege erzielt und nur ein einziges Mal mehr als 5 Runs gescort. Gestern setzte es eine 2:20-Packung gegen die Braves, nach der die Mets interessanterweise trotzdem noch die wenigsten Runs der Liga kassiert (aber gleichzeitig auch die wenigsten gescort) haben. Die Philadelphia Phillies (37-41, 6,9%) sind laut Fangraphs so gut wie aus dem Rennen um die Playoffs, die Miami Marlins (34-45, 0,1%) sowieso.

An der Spitze der NL Central hat sich in den letzten Tagen ein regelrechter Erdrutsch vollzogen: Die Milwaukee Brewers (48-33) haben die Chicago Cubs (42-39) in drei Spielen gesweept, und nachdem die Brewers jetzt acht Spiele in Folge gewonnen, die Cubs hingegen sechs hintereinander verloren haben, findet sich Milwaukee mit einem komfortablen Vorsprung an der Tabellenspitze wieder. Das schlägt sich auch in den Playoff-Wahrscheinlichkeiten nieder, die für die Brewers nun bei 86,0% liegen, für die Cubs hingegen nur noch bei 14,5%. Die St. Louis Cardinals (40-41) haben sich durch einen Sweep gegen Arizona wieder nahe an die Cubs und eine ausgeglichene Bilanz herangearbeitet. Fangraphs traut den Cards dennoch mit 4,2% noch geringere Playoff-Chancen zu als den Cincinnati Reds (39-40, 8,6%). Die Chancen der Pittsburgh Pirates (29-50) werden mit 0,0% beziffert. Interessant ist übrigens auch, dass sowohl in der NL East als auch in der NL Central die Playoff-Wahrscheinlichkeiten fast vollständig in der Chance bestehen, die jeweilige Division zu gewinnen. Die Chancen auf eine Wild Card liegen für alle Teams dieser Divisionen jeweils unter 6%.

Der Grund dafür ist natürlich in der NL West zu suchen und zu finden. Hier gibt es drei Teams mit sehr hohen Playoff-Chancen. Allen voran wird den Los Angeles Dodgers (49-31) eine Wahrscheinlichkeit von 99,3% zugerechnet, die sich zusammensetzt aus 64,3% für den Divisionssieg und weiteren 35% für eine Wild Card. Das Gegenstück dazu sind die San Diego Padres (49-32), die mit einer 29,2%-Chance auf die Division und einer 68,2%-Chance auf die Wild Card insgesamt 97,3% erreichen. Jetzt fragt man sich zurecht, was mit den San Francisco Giants (50-29) ist, die als bislang erfolgreichstes MLB-Team der Saison die Divisionstabelle anführen, auch nach zuletzt zwei Niederlagen gegen die Dodgers. Vom anhaltenden Erfolg der Giants ist Fangraphs noch nicht ganz überzeugt, schreibt ihnen aber immerhin eine 79,9%-Chance auf eine Playoff-Teilnahme zu (73,4% davon in Form einer Wild Card). Die Chancen der Colorado Rockies (34-47) und der Arizona Diamondbacks (22-60) stehen wenig überraschend bei 0,0%.

American League
Von den Wild Cards der American League dürfte mindestens eine in die AL East gehen. Die Boston Red Sox (50-31) sind mit 60,2% Favorit auf den Divisionssieg und zu 86,9% in den Playoffs. Dass ihre bislang überraschend starke Saison kein Zufall ist, konnten sie gerade erst wieder untermauern, indem sie zum zweiten Mal in Folge die New York Yankees (41-39) gesweept haben. Die Yankees haben mit 41,6% noch realistische Playoff-Chancen, optimistischer ist Fangraphs aber für die Tampa Bay Rays (47-34, 53,3%) und die Toronto Blue Jays (41-37, 46,2%). Die Baltimore Orioles (27-54) haben gerade mit einem 3-Spiele-Sweep in Houston ein beeindruckendes Lebenszeichen von sich gegeben, sind aber längst so weit abgeschlagen, dass 0,0% ein realistisches Maß für ihre Playoff-Hoffnungen sind.

Für sehr unwahrscheinlich hält Fangraphs, dass die AL Central eine Wild Card abbekommt. In den Playoffs ist vor allem mit den Chicago White Sox (47-32) zu rechnen, die zu 89,5% dabei sind und zwar höchstwahrscheinlich (87,1%) als Divisionssieger. Die Cleveland Indians (42-35) sind mit Playoff-Chancen von 18,2% nur Außenseiter und könnten es am ehesten schaffen, indem sie den White Sox den Divisionssieg abjagen (11,4%). Trotz der klaren Zweiteilung der Division ist es laut den Playoff-Odds übrigens noch nicht sicher, dass die AL Central sich zwischen den White Sox und den Indians entscheidet: Die Minnesota Twins (33-45) haben demnach immerhin noch eine 1,3%-ige Chance auf den Gruppensieg und selbst Schlusslicht Kansas City Royals (33-46) bringt es nach zuletzt acht Niederlagen in Folge noch auf 0,2%. Allein die Detroit Tigers (36-45), in der Tabelle immerhin Dritter und gerade zweimal siegreich gegen die Indians, bekommt von Fangraphs keine Liebe und steht bei 0,0%.

In der AL West stehen zwei Teams bei 48 Siegen und beiden rechnet Fangraphs gute Chancen zu, die Playoffs zu erreichen. Trotz des peinlichen Rückschlags gegen die Orioles stehen die Houston Astros (48-33) knapp vorne und haben mit 90,5% die höchste Wahrscheinlichkeit für die Postseason, davon 74,4% für den Gruppensieg. Die Astros weisen übrigens mit 13,5% auch die besten Chancen aller AL-Teams auf, die World Series zu gewinnen. Höher eingestuft ist nur der Titelverteidiger aus der NL, die Dodgers mit 16,4%. Die Oakland Athletics (48-34) gewinnen mit einer Wahrscheinlichkeit von 23,0% die Division und haben ansonsten gute Chancen (36,7%) auf einen Wild-Card-Platz. Dahinter wird es recht dünn: Die Chancen der Los Angeles Angels (39-41), Shohei Ohtani und Mike Trout eine Playoff-Bühne zu bieten, liegen bei nur 10,6%; den Seattle Mariners (42-39) traut Fangraphs trotz der besseren Bilanz nur zu 1,6% die Postseason zu. Die Texas Rangers (31-49) sind mit 0,0% draußen und können sich ganz darauf konzentrieren, wenigstens die Trade-Deadline erfolgreich zu gestalten. 

Szene der Woche
Die Kampagne der MLB gegen den Gebrauch klebriger Substanzen hat ihr erstes Opfer, besser gesagt ihren ersten Täter gefunden: Hector Santiago von den Seattle Mariners erhielt am Sonntag in der Mitte des fünften Innings der Partie gegen die White Sox einen Platzverweis, nachdem die Umpires seinen Handschuh kontrolliert hatten. Santiago beteuerte hinterher, er habe lediglich Harzpulver benutzt, das zum Trocknen der Wurfhand erlaubt ist. In Verbindung mit Schweiß habe es sich möglicherweise zu einer schmierigen Masse entwickelt. Mit der Argumentation kam er offenbar nicht durch, denn die Liga bestätigte am Dienstag nach einer weiteren Prüfung des beschlagnahmten Handschuhs Santiagos Sperre für zehn Spiele. Den Spieler kostet das mindestens einen Start, das Team kostet es den Rosterplatz, den es während der Sperre nicht anderweitig besetzen darf.

Statistik der Woche 
10. So viele hintereinander erzielte Strikeouts durch einen Pitcher in einem Spiel sind MLB-Rekord. Aufgestellt hat diese Marke der legendäre Tom Seaver im Jahr 1970 für die New York Mets. Seit Freitag teilt Seaver sich den Rekord mit Aaron Nola von den Philadelphia Phillies. Verrückterweise gelang Nola diese besondere Leistung ausgerechnet gegen die Mets – jedes seiner zehn Strikeout-Opfer trug Seavers Nummer 41 am Ärmel, zum Gedenken an den letztes Jahr mit Covid-19 verstorbenen Hall-of-Famer. Ort des Geschehens war Citi Field, der Nachfolge-Ballpark von Shea Stadium, in dem Seaver vor 51 Jahren die Bestleistung aufgestellt hatte. Die Adresse von Citi Field lautet übrigens Seaver Way 41. Das Spielergebnis war sowohl am 22. April 1970 als auch am 25. Juni 2021 dasselbe: 2:1 für die Mets.

Spiel der Woche
Nach einer Flut von No-Hittern zu Saisonbeginn hat es ein paar Wochen gedauert, doch nun hat die MLB-Saison 2021 ihr siebtes Spiel, in dem eine Mannschaft ohne Hit blieb. Die Chicago Cubs vollbrachten das Kunststück gegen den amtierenden World Champion Los Angeles Dodgers. Es war der 17. No-Hitter in der Geschichte der Cubs, aber der erste, an dem mehrere Pitcher beteiligt waren. Zach Davies benötigte für die ersten sechs Innings 94 Pitches, in denen er fünf Walks zuließ und durch einige starke Defensivaktionen an der dritten Base von Kris Davis unterstützt wurde. Das war ein guter, aber kein überragender Start, der sich für die Cubs selbst offenbar nicht so recht nach einem No-Hitter anfühlte. Jedenfalls hatte Closer Craig Kimbrel, der nach sauberen Innings von Ryan Tepera und Andrew Chafin die letzten drei Outs besorgte, zunächst keine Ahnung, dass er gerade nicht nur einen 4:0-Sieg, sondern einen No-Hitter vollendet hatte.

Mit sieben No-Hittern ist der moderne MLB-Rekord von 1990, 1991, 2012 und 2015 schon zur Saisonmitte eingestellt. Der Allzeit-Rekord von acht No-Hittern stammt aus dem Jahr 1884, noch bevor der Mound 1893 auf seine bis heute gültige Entfernung festgelegt wurde. Die Chancen stehen gut, dass beide Marken dieses Jahr noch fallen. In drei weiteren Spielen der letzten Tage roch es ebenfalls nach No-Hitter: Für die Red Sox hatte Nick Pivetta am Donnerstag gegen die Rays 6.2 No-Hit-Innings, bevor man ihn nach 100 Pitches auswechselte und Darwinson Hernandez im nächsten Inning den ersten Hit abgab. Pirates-Rookie Max Kranick feuerte in seinem MLB-Debüt am Sonntag fünf perfekte Innings. Er benötigte dafür nur 50 Pitches, musste aber ausgewechselt werden, als sein Lauf durch eine einstündige Regenpause unterbrochen wurde. Am Dienstag waren die Pirates auf der anderen Seite eines Beinahe-No-Hitters, als German Marquez für die Rockies in einem Complete-Game-Shutout acht No-Hit-Innings schaffte, bevor er beim zweiten Pitch im neunten Inning den ersten und einzigen Treffer durch Pittsburghs Ka’Ai Tom zuließ.

Mein Einschalttipp
Das Derby zwischen den New York Yankees und den New York Mets, allgemein als Subway Series bekannt, geht am Wochenende in die erste Runde. Die MLB hat dieses Jahr geschichtsträchtige Daten für das Stadtduell ausgewählt: Die Hinserie in Yankee Stadium umfasst den 4. Juli, die Rückserie in Citi Field den 11. September. Wenn man Fan eines der beiden Teams ist, sind die drei Spiele von Freitag bis Sonntag quasi Pflicht, auch wenn das zwei Nachtschichten bedeutet. Für alle anderen bietet sich an, in das Samstagspiel ab 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit reinzuschauen. Starting Pitcher dieser Partie werden voraussichtlich Michael King (4.06 ERA, 4.65 FIP) für die Yankees und Marcus Stroman (2.44 ERA, 3.59 FIP) für die Mets sein. Falls ihr kein mlb.tv-Abo habt, müsst ihr auch nicht leer ausgehen, denn das Freitagsspiel ist das „Free Game of the Day“.

Erläuterung zu den Playoff-Wahrscheinlichkeiten
Die sogenannten Playoff-Odds, mit denen ich in der heutigen Übersicht hantiert habe, stammen von der Statistikseite fangraphs.com. Das Verfahren von Fangraphs besteht darin, den Ausgang jedes einzelnen verbleibenden Spiels der MLB-Saison mit einer Wahrscheinlichkeit zu versehen. Diese Wahrscheinlichkeit orientiert sich daran, über welche Spieler die jeweiligen Teams verfügen und welche Einsatzzeiten und zählbaren Leistungen dieser Spieler für den Rest des Jahres prognostiziert werden. Anhand der Wahrscheinlichkeiten für die einzelnen Spielausgänge wird im nächsten Schritt der Rest der Saison einschließlich Playoffs simuliert und zwar 10.000-mal. Aus den 10.000 simulierten Saisonausgängen werden schlussendlich die Chancen der einzelnen Teams auf den Divisionssieg, einen Wild-Card-Platz usw. bis hin zum Erreichen und Gewinn der World Series abgeleitet. Wenn also Team X in den 10.000 Simulationen 5.000-mal in die Playoffs kommt und davon 300-mal World-Series-Sieger wird, dann hat es eine Playoff-Chance von 50% und eine World-Series-Chance von 3%.

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Juni 10th, 2021 by Silversurger

Kleber ist ja eigentlich dafür da, Dinge zusammenzufügen, aber in der MLB haben klebrige Substanzen gerade den gegenteiligen Effekt: Sie verursachen einen tiefen Riss zwischen jenen, die den Gebrauch solcher Hilfsmittel durch Pitcher als ein Problem ansehen und jenen, die das in Ordnung finden. Die reine Tatsache, dass Mittel wie Pinienteer, Tyrus Sticky Grip oder Spider Tack unter Pitchern verbreitet sind, um einen besseren Griff an den Ball zu bekommen und dessen Rotation zu erhöhen, bestreitet so gut wie niemand. Es gibt nur auf der einen Seite Spieler wie Josh Donaldson, die sich darüber öffentlich beschweren, und auf der anderen Seite solche wie Aaron Judge oder Pete Alonso, die das Thema als eine Art Kavaliersdelikt darstellen, bei dem Chancengleichheit dadurch entsteht, dass es quasi jeder macht. Interessanterweise sind es fast ausschließlich Batter, die sich zu der Situation äußern. Pitcher wie Cy-Young-Kandidat Gerrit Cole neigen dazu, ausweichend auf klebrige Fragen zu antworten – wohl auch vor dem Hintergrund, dass die MLB angekündigt hat, die bestehenden Regeln von jetzt an konsequenter umzusetzen. Ein erster Warnschuss wurde diese Woche abgegeben, indem mindestens vier Minor-League-Pitcher für jeweils zehn Spiele gesperrt wurden. Das Thema wird die laufende Saison wohl noch für eine Weile begleiten. Jetzt aber erst mal zum aktuellen sportlichen Geschehen:

American League
Die Tampa Bay Rays (39-24) zeigen nach wie vor keine Spur von World-Series-Hangover. Mit ihrer Bilanz sind sie bislang das stärkste Team sowohl der AL East als auch der gesamten MLB. Der Erfolg der Rays basiert, wie man es von ihnen gewohnt ist, nicht auf großen Namen, sondern auf einem ausgewogenen Kader, bei dem alle kleinen Rädchen ineinander greifen und jedes davon bei Bedarf ausgetauscht werden kann. Mit diesem Erfolgsrezept bringen sie es in der bisherigen Saison auf die zweitmeisten erzielten und die zweitwenigsten kassierten Runs der AL. Ihre Rolle als Verfolger Nummer eins der Rays haben die Boston Red Sox (37-25) gefestigt, indem sie am vergangenen Wochenende mit einem 3-Spiele-Sweep die New York Yankees (33-29) in deren eigenem Ballpark abfertigten – übrigens zum ersten Mal seit zehn Jahren. Mitte nächster Woche kommt es in Buffalo zu einem interessanten Duell zwischen den Toronto Blue Jays (31-28) und den Yankees. Ein klarer Ausgang dieser Serie könnte für das unterlegene Team bedeuten, dass man das Rennen um die Playoff-Plätze vorerst abhaken kann. 

Die AL Central bietet zurzeit von allen Divisionen das eindeutigste Bild. Die Chicago White Sox (37-24) führen klar mit vier Spielen Vorsprung vor den Cleveland Indians (32-27). Dass dieser Abstand kein Zufall, sondern eher noch schmeichelhaft für die Indians ist, zeigt der Blick auf die Run Differentials: Die White Sox haben mit +86 das beste Runverhältnis der gesamten Liga, während die Indians (-12) genau wie alle anderen Teams der Division im negativen Bereich rangieren. Die Detroit Tigers (25-36) und die Minnesota Twins (24-37) sind in der Division längst abgeschlagen; nur was ich von den Kansas City Royals (29-31) halten soll, weiß ich nicht so recht. Einem bärenstarken Saisonbeginn im April folgte der freie Fall in der ersten Maihälfte. Dann arbeiteten sich die Royals langsam wieder hoch, bevor sie zuletzt fünf Spiele in Folge verloren. Angesichts einer anstehenden Vier-Spiele-Serie in Oakland könnte es schwer werden, diesen Negativtrend zeitnah zu stoppen.

Im Gegensatz zu den Royals zeigen die Oakland Athletics (37-26) nämlich eine beeindruckende Konstanz. Ignoriert man ihren mit sechs Niederlagen verschlafenen Start in die Saison, weisen sie seitdem die beste Bilanz der gesamten MLB auf. So reicht es immerhin zur Führung in der AL West, wenn auch nur knapp vor den Houston Astros (35-26). Die Astros haben acht ihrer letzten zehn Spiele gewonnen, allesamt gegen starke Gegner wie die Padres, die Red Sox und die Blue Jays. Das Rennen zwischen ihnen und den A’s dürfte auf absehbare Zeit interessant bleiben, während die Seattle Mariners (31-32) langsam aber sicher den Anschluss an das Spitzenduo verlieren. Einen klaren Aufwärtstrend zeigten zuletzt die Los Angeles Angels (30-32) mit fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen. Auch ihnen traue ich eher nicht zu, noch ernsthaft ins Rennen einzugreifen. Sie können mich gerne eines Besseren belehren, indem sie Mitte nächster Woche ein paar Spiele gegen die Athletics gewinnen.

National League
In der NL East halten sich die New York Mets (30-24) trotz widriger Umstände wie Verletzungen, Offensiv-Slumps und Spielausfällen nach wie vor wacker auf Platz eins. Das liegt nicht zuletzt an der schwachen Konkurrenz, denn die Atlanta Braves (29-30), Philadelphia Phillies (29-31), Washington Nationals (25-33) und Miami Marlins (26-35) stehen durch die Bank bei negativen Bilanzen und negativen Run Differentials – mit Ausnahme der Braves, deren Run Differential bei null steht. Ob die Mets sich auf Dauer da oben einrichten können, werden die anstehenden vier Wochen der Wahrheit weisen, vor die sie der Spielplan stellt: 3-mal gegen die Padres, 4-mal gegen die Cubs, 5-mal gegen die Nationals, 7-mal gegen die Braves, 4-mal gegen die Phillies, 3-mal gegen die Yankees und 3-mal gegen die Brewers lautet das bockelharte Programm. Falls die Mets dann, nach gut der Hälfte der Saison, noch vorne stehen sollten, darf man sich wirklich fragen, wer sie noch stoppen soll. 

Eine Woche der Wahrheit steht auch in der NL Central an. Das betrifft zum einen das bevorstehende Duell der Chicago Cubs (35-27) und der St. Louis Cardinals (32-30). Die Cubs befinden sich seit Wochen im Aufwärtstrend, in dessen Zuge sie die Cardinals als Tabellenführer entthront haben. Diese hingegen scheinen völlig von der Rolle, haben zuletzt acht von zehn Spielen verloren, darunter alle vier Partien einer Heimserie gegen die Cincinnati Reds (29-30). Wenn die drei Spiele in Chicago von Freitag bis Samstag nicht die Wende bringen, rückt die Divisionsspitze für St. Louis in weite Ferne. Hinzu kommt, dass mit den Milwaukee Brewers (34-27) ein weiteres Team in der Division einen starken Lauf und sich mittlerweile schon zwischen die Cubs und die Cardinals geschoben hat. Zehn der letzten zwölf Spiele haben die Brewers für sich entschieden. In den kommenden Tagen geht es für sie viermal gegen die Reds und dreimal gegen die Pittsburgh Pirates (23-37) – Gelegenheit genug, um sich von diesen Teams aus der unteren Tabellenhälfte weiter abzusetzen und Kapital daraus zu ziehen, dass die Cubs und die Cardinals sich gegenseitig Punkte abnehmen.

In der NL West finden wir das beste Team der NL und obwohl das schon seit Wochen so ist, bin ich bei jedem Blick auf die Tabelle wieder überrascht, dass es sich weder um die Los Angeles Dodgers (36-25) noch um die San Diego Padres (37-27) handelt, sondern um die San Francisco Giants (38-23). Natürlich sind noch hundert Spiele zu spielen, aber die Saison ist schon weit genug vorangeschritten, um sagen zu können, dass die Giants offensichtlich „for real“ sind. Nach den Dodgers am vorletzten Wochenende haben sie auch die Cubs am letzten Wochenende 3-1 geschlagen und damit gezeigt, dass sie gegen die Spitzenteams bestehen können. Nun warten erstmal vermeintlich leichtere Aufgaben in Form der Nationals und der Arizona Diamondbacks (20-43). Letztere zeigen sich seit Wochen in einem desolaten Zustand. Seit Mitte Mai haben sie unglaubliche 21 von 23 Spielen verloren, weisen mittlerweile die schlechteste Bilanz der gesamten Liga auf. Falls hier Fans der Diamondbacks mitlesen – schaut euch lieber nicht den Restspielplan bis zum All-Star-Break an…

Szene der Woche 
Eines der vielen schönen Dinge am Baseball ist, dass man auch in Misserfolgen und Niederlagen immer wieder besondere Teil- und Einzelleistungen findet, an denen man sich erfreuen kann. Die Yankees hatten so einen Moment am Freitag, als ihr Starter Michael King im vierten Durchgang gegen die Red Sox ein immaculate Inning warf. Von einem solchen „makellosen“ Inning spricht man, wenn es aus drei Strikeouts besteht und der Pitcher dafür nur die Mindestanzahl von neun Pitches benötigt. In der MLB-Historie gab es bislang 103 immaculate Innings. Zum Vergleich: No-Hitter kamen mehr als dreimal so oft vor, nämlich 311-mal. Richtig freuen konnte King sich über seinen Eintrag in die Geschichtsbücher aber nicht: „Ich würde lieber ein Spiel gewinnen statt ein immaculate Inning zu werfen,“ war sein Fazit nach der 2:5-Niederlage seines Teams.

Statistik der Woche 
2765. So viele Spiele hat Tony La Russa als MLB-Manager gewonnen. Mit Sieg Nummer 2764 überholte der Cheftrainer der Chicago White Sox am Sonntag John McGraw in der ewigen Rangliste. An Platz eins wird der 76-Jährige wohl nicht mehr herankommen, denn dort steht Connie Mack mit unglaublichen 3731 Wins. Dabei möchte ich nicht verschweigen, dass Mack die Niederlagentabelle noch deutlicher anführt als die mit den Siegen. Hinter seinen 3948 verlorenen Spielen belegt auch hier La Russa den zweiten Platz mit 2389.

Spiel der Woche
Pleiten, Pech und Pannen lautete das Motto in der Partie der Phillies gegen die Nationals am Sonntag. Im ersten Inning gab es eine Unterbrechung, weil Brian O’Nora einen Foulball an die Gesichtsmaske bekam und das Spiel verlassen musste. Im dritten Inning wurde das Spiel unterbrochen, weil Nationals-Pitcher Austin Voth einen Fastball von Vince Velasquez ins Gesicht bekam und sich die Nase brach. Die nächste und längste Unterbrechung kam im achten Inning, als das Schutznetz entlang des Infields herunterfiel und vom engagierten Stadionpersonal wieder aufgehängt werden musste. Baseball wurde zwischendurch auch noch gespielt. Die Phillies gewannen 12:6, unter anderem mit dem 100. Homerun in der Karriere von Catcher J. T. Realmuto.

Mein Einschalttipp
Die Padres und die Mets lieferten sich schon am letzten Wochenende in New York eine sehenswerte Serie, in der sie sich letztlich die Siege 2-2 teilten. Zwei der Spiele waren geprägt durch überragendes Pitching: das 2:0 der Padres vom Freitag mit sieben Innings (1 H, 0 ER, 10 K) von Blake Snell sowie das 4:0 der Mets vom Samstag mit sieben Innings (3 H, 0 ER, 11 K) von Jacob deGrom. Dieses Wochenende treffen die beiden Teams wieder aufeinander, und voraussichtlich wird es gleich am Freitag zum potenziell epischen Duell zwischen Snell und deGrom kommen. Sofern ihr euch an Baseball auch dann erfreuen könnt, wenn Hits und Runs Seltenheitswert haben, dann schaltet morgen Nacht um 1:10 Uhr unserer Zeit mlb.tv ein – auch ohne Abo, denn die Partie ist das „Free Game of the Day“.

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April 15th, 2021 by Silversurger

Die MLB-Saison 2021 hat es in sich: Gleich zwei No-Hitter gab es in den letzten Tagen zu bestaunen. Zudem sorgte ein ausgefahrener Ellenbogen für Schlagzeilen und Diskussionen. Leider spielt allen Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz auch Corona immer noch eine Rolle in Form kleiner und großer Ausbrüche innerhalb mehrerer Teams. 

American League
Wer sich vor einer Woche verwundert die Augen rieb, weil die Baltimore Orioles (5-6) die AL East anführten, hat nun erneut Grund zum Staunen – nicht, weil die Orioles zurück auf Normalmaß geschrumpft sind, sondern weil sie an der Spitze der Division von einer weiteren Überraschungsmannschafg abgelöst wurden. Mit 0-3 (gegen die Orioles) waren die Boston Red Sox scheinbar desolat in die Saison gestartet, doch seitdem gewannen sie jedes einzelne Spiel und stehen nun mit 9-3 ganz vorne. Dahinter stehen die Toronto Blue Jays (6-6) zwar bisher nur bei einer ausgeglichenen Bilanz, haben aber bereits zwei gewonnene Serien gegen die New York Yankees (5-7) auf dem Konto, welche sich den letzten Platz mit den Tampa Bay Rays (5-7) teilen. 

Auch in der AL Central ist mit den Kansas City Royals (6-4) ein Team vorne, von dem man das nicht erwartet hätte. Zwei Siege gegen die Angels haben den Royals einen kleinen Vorsprung vor dem Rest des Feldes eingebracht, in dem die Cleveland Indians (6-5), Chicago White Sox (6-6) und Detroit Tigers (6-6) fast gleichauf stehen. Auch die Minnesota Twins (5-7) sind nicht weit weg, aber fünf Niederlagen am Stück gegen die Mariners und die Red Sox haben Max Kepler & Co. einen empfindlichen Dämpfer verpasst. 

In der AL West ging die Schere in der ersten Saisonwoche bereits recht weit auseinander, doch dann steckten die Houston Astros (6-6) nach ihrem 6-1-Start fünf Niederlagen in Folge ein, während die Oakland Athletics (5-7) viermal hintereinander gewannen, und schon ist die Division wieder eng beisammen. Ganz vorne stehen zurzeit die Los Angeles Angels (7-5), gefolgt von den Seattle Mariners (6-5). Beide Teams haben aber auch schlechte Nachrichten zu verdauen: Bei den Angels fällt Outfielder Dexter Fowler nach einer Knieoperation für die gesamte Saison aus; genauso geht es Mariners-Pitcher James Paxton, der eine Tommy-John-Surgery benötigt. Die Astros haben möglicherweise einen Corona-Ausbruch im Team. Jose Altuve, Martin Maldonado, Yordan Alvarez, Alex Bregman und Robel Garcia wurden gestern auf die Covid-19-Verletztenliste gesetzt, nähere Informationen hat der Klub bisher nicht herausgegeben. 

National League
In der NL East hatten zunächst die Philadelphia Phillies (6-6) den besten Start, doch durch drei Siege innerhalb von zwei Tagen haben die New York Mets (5-3) den Phillies inzwischen den Rang abgelaufen. Dasselbe kann man über die Miami Marlins (5-6) und die Atlanta Braves (4-8) sagen – auch hier haben drei Spiele das Bild gedreht. In beiden Serien ist es übrigens (noch) kein Sweep, denn sowohl zwischen den Mets und den Phillies als auch den Marlins und den Braves steht heute noch eine vierte Partie an. Die Washington Nationals (3-6) sind schwach in die Saison gestartet, konnten nun aber gegen die Cardinals immerhin zwei von drei Spielen gewinnen. Die noch bessere Nachricht ist, dass von den zahlreichen Covid-19-Betroffenen der Nationals aus der ersten Saisonwoche inzwischen wieder fast alle an Bord sind. Einzig Pitcher Jon Lester wurde noch ein Aufbautraining am alternativen Trainingsstandort verordnet. 

Auch in der NL Central verursacht Corona Sorgen: Bei den Chicago Cubs (5-7) wurden zwei Coaches positiv auf das Virus getestet. Infektionen bei Spielern wurden bisher nicht festgestellt, doch drei Reliever sind vorsorglich in Quarantäne. Sportlich läuft es auch nicht toll für die Cubs: Drei Serien hintereinander gingen verloren, zwei davon gegen die Milwaukee Brewers (7-5), welche sich dadurch an die Spitze der Division gesetzt haben. Die teilen sie sich bislang noch mit den Cincinnati Reds (7-5), obwohl diese nach ihrem starken Auftakt zuletzt Serien gegen die Diamondbacks und die Giants verloren. 

Die Los Angeles Dodgers (10-2) machen genau da weiter, wo sie letztes Jahr aufgehört haben. Mit fünf Siegen am Stück und neun aus den letzten zehn sind sie in der NL West schon wieder eine Klasse für sich. Auch das Run Differential der Dodgers von +32 ist einsame Spitze in der MLB. Noch bricht aber zum Glück keine Langeweile in der Division aus, denn mit den San Francisco Giants (8-4) und den San Diego Padres (8-5) spielen zwei Teams so weit oben mit, dass sie derzeit beide Wild Cards der NL abbekämen. Am Wochenende können die Padres erstmals zeigen, ob sie in der Lage sind, den Dodgers im Kampf um die Division gefährlich zu werden (siehe „Einschalttipp“). 

Szene der Woche
Ich muss zugeben, dass ich mich über den 3:2-Sieg im Home Opener der Mets gegen die Marlins am letzten Donnerstag gefreut habe. „A win is a win“, so fasste es Mets-Outfielder Michael Conforto später zusammen. Eben jener Conforto war allerdings verantwortlich dafür, dass die Freude über den Sieg nicht ganz ungetrübt war, denn so gewinnt man eigentlich nicht gern. Die Mets hatten im neunten Inning einen Rückstand ausgeglichen und anschließend die Bases geladen, unter anderem durch einen Intentional Walk für Francisco Lindor. Conforto kam mit einem Out an die Platte und gab schnell zwei Strikes an Marlins-Reliever Anthony Bass ab. Bei einem 1-2-Count schien der dritte Strike die Zone zu durchqueren, doch der Ball streifte Confortos Arm und der Umpire entschied auf Hit-by-Pitch. Wegen der geladenen Bases brachte das den siegbringenden Run für die Mets nach Hause. Was die Szene streitbar machte, war die Bewegung von Conforto während des Pitches. Er wich dem Ball nicht nur nicht aus, sondern lehnte sich ihm regelrecht entgegen. In dem Fall hätte der Umpire, wie er später selbst feststellte, eigentlich auf Strike entscheiden müssen. Doch die Tatsachenentscheidung blieb bestehen, obwohl es noch ein Video-Review gab. Bei diesem durfte den Regeln nach nur überprüft werden, ob der Pitch wirklich den Arm berührt hatte, aber nicht das Ermessen des Umpires, inwiefern der Batter den Hit-by-Pitch billigend in Kauf nahm oder gar absichtlich herbeiführte. 

Statistik der Woche 
8. So viele Spiele hintereinander hat Red-Sox-Slugger J. D. Martinez zum Saisonstart absolviert, in denen er jeweils mindestens einen Extra-Base-Hit erzielte. Er stellte damit einen MLB-Rekord ein, welchen er nun gemeinsam mit Sandy Alomar Jr. (1997) und Alex Rodriguez (2007) hält. Der alleinige Rekord blieb Martinez versagt: In der Partie gegen die Twins am Dienstag gelang ihm zum ersten Mal in diesem Jahr kein einziger Hit. 

Spiel(e) der Woche
Die San Diego Padres waren das letzte MLB-Team, das noch nie einen No-Hitter erzielt hatte. Das änderte sich letzten Freitag, als Joe Musgrove das Kunststück beim 3:0-Sieg gegen die Texas Rangers gelang. Dass ausgerechnet Musgrove diesen Meilenstein der Teamgeschichte erzielte, scheint einem fast schon zu kitschigen Drehbuch entnommen. Der 28-Jährige spielt zwar erst seit diesem Jahr für San Diego, aber er wuchs unweit des Ballparks als Fan der Padres auf. Um ein Haar hätte es gegen die Rangers sogar zum Perfect Game gereicht: Ein Hit-by-Pitch gegen Joey Gallo im vierten Inning erlaubte den einzigen Baserunner für Texas, ansonsten stand sowohl in der Spalte für Hits als auch in der für Walks eine fette Null. 

Auch der zweite No-Hitter in dieser noch jungen Saison ging nur knapp am Perfect Game vorbei. Acht Innings lang ließ White-Sox-Lefty Carlos Rodon letzte Nacht keinen Baserunner der Cleveland Indians zu. Zu Beginn des neunten wurde es gleich zweimal brenzlig: Zuerst gelang First Baseman Jose Abreu um Haaresbreite ein Groundout gegen Josh Naylor, um das perfekte Spiel seines Pitchers intakt zu halten. Im folgenden At-Bat traf dieser mit einem Slider den Fuß von Roberto Perez. Das Perfect Game war damit passé, aber Rodon behielt die Nerven und brachte mit den letzten beiden Outs den No-Hitter und den 8:0-Sieg nach Hause. 

Mein Einschalttipp
Zurück zu den Padres: Am Wochenende steht zum ersten Mal in diesem Jahr das mit Spannung erwartete Duell der beiden Favoriten in der NL West an. Dreimal hintereinander sind die Los Angeles Dodgers zu Gast in Petco Park. Frühaufsteher haben vielleicht Lust, am Samstagmorgen ab 4:10 Uhr beim ersten Spiel der Serie reinzuschauen. Meine Empfehlung ist die dritte Partie am Sonntagabend ab 22:10 Uhr – nicht nur wegen der günstigen Startzeit, sondern auch wegen des Pitcherduells zwischen Blake Snell und Trevor Bauer. 

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April 1st, 2021 by Silversurger

Update: Wenige Minuten nach Veröffentlichung dieses Artikels gaben die Nationals bekannt, dass sie wegen ihres Covid-Falls und wegen der noch andauernden Kontaktnachverfolgung das heutige Spiel gegen die Mets abgesagt haben.

Endlich! Endlich! Endlich! Der Opening Day der MLB ist da, dank Feiertag steht einem Nachtschicht-Bingewatching nichts im Wege, und als wäre das noch nicht genug Grund zur Freude, hat mein Lieblingsteam letzte Nacht die lang ersehnte Vertragsverlängerung mit Francisco Lindor unter Dach und Fach gebracht. Was für ein wunderbarer Tag für den garantiert letzten Grand Slam am Donnerstag vor Beginn der Saison 2021.

Das Programm am Opening Day
Wer sich zur Saisoneröffnung die volle Baseball-Breitseite geben möchte – und das nötige Abo von mlb.tv hat – kann heute Abend und Nacht 12 Stunden am Stück MLB-Baseball sehen. Um 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los mit den Yankees gegen die Blue Jays, fünf Minuten später starten die Tigers gegen die Indians. Bis 22:10 Uhr kommen stündlich Spiele dazu. Ab 1:09 Uhr kann man sich ganz auf Lindors erstes Spiel mit den Mets gegen die Nationals und das aufregende Pitching-Matchup deGrom vs. Scherzer konzentrieren, bevor ab kurz nach 4 Uhr noch drei Spiele an der Westküste laufen. Für alle, die kein mlb.tv-Abo haben: DAZN wird wohl täglich ein Spiel übertragen, am Opening Day ist es Yankees vs. Blue Jays. Auf mlb.tv gibt es normalerweise auch wieder jeden Tag ein „Free Game of the Day“, für heute wurde allerdings bisher keines bekannt gegeben. 
Die Fans der Red Sox und der Orioles müssen sich leider noch einen Tag länger gedulden: Die Partie in Boston wurde um einen Tag verschoben, weil in der Region starke Regenfälle erwartet werden.

Zuschauer in allen Stadien
Bei allen Spielen der MLB werden von Saisonbeginn an Zuschauer erlaubt sein. Die dafür freigegebene Kapazität gestaltet sich sehr unterschiedlich. Für die meisten Ballparks ist eine Auslastung von 20 bis 25% vorgesehen. In Fenway Park und Nationals Park ist man deutlich vorsichtiger, dort werden nur 12% der Plätze belegt. Coors Field und Chase Field hingegen sind zu über 40% freigegeben. Die Texas Rangers sind die einzigen, die ihr neues Stadion Globe Life Field am Opening Day komplett nutzen wollen und dürfen: 40.518 Fans werden die Ränge füllen. Entgegen dem Rat der örtlichen Gesundheitsbehörden hat der texanische Gouverneur Greg Abbott sogar die Maskenpflicht aufgehoben. Die Rangers schreiben allerdings auf eigene Faust das Tragen einer Maske im Stadion vor.

Quarantänefälle bei den Nationals
Dass die Pandemie auch in dieser Saison ein Faktor ist, sieht man nicht nur an den fast überall geltenden Zuschauerbeschränkungen. Schon am Opening Day gibt es die ersten coronabedingten Spielerausfälle:  Ein Mitglied der Washington Nationals wurde positiv getestet, vier weitere Spieler und ein Angestellter gelten als enge Kontaktpersonen und sind deshalb ebenfalls in Quarantäne. Um welche Spieler es sich handelt, wurde bislang nicht bekannt.

341 Millionen für Lindor 
Seit dem spektakulären Trade mit den Cleveland Indians war eigentlich klar, dass sich dieser für die New York Mets nur dann richtig lohnt, wenn man Francisco Lindor über die Saison 2021 hinaus an sich binden kann. Lindor zeigte sich offen dafür, machte aber zur Bedingung, dass er nicht bis in die Saison hinein verhandeln möchte. Entsprechend hektisch wurde es im Umfeld, als bis in die späten Abendstunden am Vortag der Saisoneröffnung immer noch kein Deal in Sicht war. Doch gegen 23 Uhr Ortszeit zog endlich weißer Rauch durch die sozialen Netzwerke: Lindor und die Mets haben sich geeinigt, der Star-Shortstop unterschreibt für zehn Jahre von 2022 bis 2031. Er erhält dafür insgesamt 341 Millionen Dollar, verteilt auf ein Handgeld von 21 Millionen und auf zehn Gehälter á 32 Millionen. Der Vertrag enthält keine Ausstiegsoptionen und eine No-Trade-Klausel in Bezug auf 15 Teams. Der große Gewinner der Einigung neben Lindor ist Steve Cohen. Der neue Teameigner hatte angekündigt, die Mets als Big-Market-Franchise zu führen, und mit diesem Vertrag lässt er Worten Taten folgen. Es ist der langfristigste Spielervertrag der Vereinsgeschichte und mit großem Abstand der teuerste. Zudem ist es der höchste Vertrag, den je ein Shortstop bekommen hat. Er übertrifft den 14-Jahresvertrag von Fernando Tatis Jr. mit den Padres vermutlich nicht zufällig um genau eine Million.  

Twins verlängern mit Dobnak
Randy Dobnak hat sich mit den Minnesota Twins auf einen neuen Vertrag geeinigt. Der Pitcher bleibt dem Team für mindestens fünf Jahre erhalten und bekommt dafür 9,25 Millionen Dollar. Das ist für MLB-Verhältnisse keine spektakuläre Summe, doch die Geschichte dahinter ist ziemlich originell: Dobnak verließ 2017 mit 22 Jahren das College, ohne von einem MLB-Team gedraftet zu werden, und schloss sich dem Independent-Team Utica Unicorns an. Die Scouts der Twins entdeckten ihn über Youtube-Videos und verpflichteten ihn für ein Handgeld von 500 Dollar in ihr Minor-League-System, ohne ihn je persönlich gesehen zu haben. Während er seinen Lebensunterhalt als Uber-Fahrer verdiente, arbeitete Dobnak sich innerhalb von zwei Jahren durch die Minor Leagues und debütierte 2019 erfolgreich in der MLB. Die Twins setzen ihn sowohl als Starter als auch im Bullpen ein. Der Klub hat sich für 2026 bis 2028 Verlängerungsoptionen gesichert, mit denen der Vertrag auf insgesamt acht Jahre und bis zu 29,75 Millionen Dollar ausgedehnt werden kann.

Ein paar Verletzungs-News
Keine Woche ohne Tommy-John-Surgery: Jose Leclerc, bislang Closer der Texas Rangers, ist der nächste Kandidat, der sich der ungebliebten Prozedur unterziehen muss und bis ins nächste Jahr hinein ausfällt. In seiner Abwesenheit werden voraussichtlich Ian Kennedy und/oder Matt Bush die Save-Aufgaben bei den Rangers übernehmen.
Rockies-Reliever Scott Oberg benötigt schon zum vierten Mal in seiner Karriere eine Operation, weil sich bei ihm immer wieder Blutgerinnsel im Ellenbogen seines Wurfarms bilden. Ob er nach dem neuerlichen Eingriff noch einmal Profisport betreiben darf oder seine Karriere beenden muss, ist noch unklar.
Das prominenteste Verletzungsopfer der Woche ist Eloy Jimenez von den Chicago White Sox. Ein gerissener Brustmuskel beim Versuch, einen Homerun zu verhindern, setzt den Leftfielder für vier bis fünf Monate, also für einen Großteil der Saison außer Gefecht. Einen offensichtlichen Ersatzmann für seinen Posten haben die White Sox bisher nicht, aber es gibt ein paar Ideen für Notlösungen (siehe weiter unten).
Nick Anderson, ein wichtiger Teil des Bullpens der Tampa Bay Rays, hat sich ein Band im Ellenbogen teilweise gerissen und fällt voraussichtlich bis nach dem All-Star-Break aus.
Auch den New York Yankees bleibt das Verletzungspech treu: First Baseman Luke Voit muss wegen eines Meniskusrisses operiert werden. Er wird den Yankees für ein bis zwei Monate fehlen.

Lamb zu den White Sox
Jake Lamb wurde vor einigen Tagen von den Atlanta Braves entlassen, nachdem diese sich entschieden, an seiner Stelle Pablo Sandoval einen Platz im Roster zu geben. Lamb war nicht lange arbeitslos, denn den Chicago White Sox kam er nach der Verletzung von Leftfielder Eloy Jimenez wie gerufen. Lamb hat zwar keine Erfahrung im Leftfield und wird dort wohl auch nicht zum Einsatz kommen. Aber er gibt den White Sox neue Flexibilität. Yoan Monacada, der Inhaber des Stammplatzes auf Lambs Position an der dritten Base, hatte in der Vergangenheit schon signalisiert, falls nötig auch im Outfield zu spielen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass der frisch ins MLB-Team berufene Rookie Andrew Vaughn sich im Leftfield versucht, während Lamb als Designated Hitter einsteigt.

Rockies verpflichten Chacin
Quasi in allerletzter Sekunde sind die Colorado Rockies doch noch tätig geworden. Als einziges MLB-Team hatten sie in der bisherigen Offseason auf jegliche Neuverpflichtung eines Free Agents verpflichtet. Das hat sich nun geändert, indem sie Pitcher Jhoulys Chacin unter Vertrag genommen haben. Der Rechtshänder hatte den größten Teil des Spring-Trainings unter einem Minor-League-Vertrag bei den Yankees verbracht. Nachdem diese ihn Anfang der Woche ziehen ließen, wurde er sich mit den Rockies einig, bei denen seine Karriere einst begonnen hatte.

Ein Catcher für die Cubs
Auch die Chicago Cubs haben noch eine Ergänzung an Land gezogen. Catcher Tony Wolters unterschreibt einen Einjahresvertrag, nachdem er die Ausstiegsoption aus einem Minor-League-Kontrakt mit den Pirates gezogen hatte. Die Cubs hatten im Dezember ihren Ersatzcatcher Victor Caratini zusammen mit Yu Darvish zu den Padres getradet und waren seitdem auf der Suche nach einem neuen Backup für Willson Contreras.

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März 28th, 2021 by Silversurger

Die New York Mets stehen am Beginn einer neuen Zeitrechnung. Für 2,475 Milliarden Dollar erwarb Hedgefond-Milliardär Steve Cohen Ende letzten Jahres die Mehrheitsanteile an der Franchise von der bisherigen Eingentümergruppe um Fred und Jeff Wilpon. Für die meisten Fans der Mets ging damit ein Traum in Erfüllung, denn im Gegensatz zu den als ebenso geizig wie inkompetent eingestuften Wilpons wird Cohen als regelrechter Heilsbringer angesehen. Der Mann ist nicht nur überaus reich, er gilt auch als sehr umgänglich und als geneigt, sich mit kompetentem Personal zu umgeben. Zudem schadet es sicher nicht, dass er selbst lebenslanger Metsfan ist. Wer gehofft hatte, dass Cohen nun einfach die Schatulle öffnet und auf große Free-Agent-Einkaufstour geht, wurde möglicherweise enttäuscht. Auf der Suche nach einem Starting Pitcher, einem Catcher und einem Centerfielder wurde verhandelt mit Trevor Bauer, J. T. Realmuto und George Springer – verpflichtet wurden Taijuan Walker, James McCann und Kevin Pillar. Das sind keine aufregenden, sondern „nur“ solide Moves, die den Kader sinnvoll ergänzen. Doch während in der Free Agency ein echter Knaller ausblieb, knallte der Trade mit den Cleveland Indians umso lauter: Im spektakulärsten Deal dieser Offseason lotsten die Mets Star-Shortstop Francisco Lindor sowie Starter Carlos Carrasco nach Queens. Im Gegenzug schickten sie ihre beiden bisherigen Shortstops sowie zwei nachrangige Prospects nach Cleveland, was ein sehr überschaubarer Preis ist. Der einzige Wermutstropfen bei dem Geschäft ist, dass Lindor nur für ein Jahr unter Vertrag steht. Eine Verlängerung mit ihm wird angestrebt, ebenso wie mit Michael Conforto und Noah Syndergaard, die sich ebenfalls im letzten Vertragsjahr befinden. Alle drei zu halten wäre ein ganz starkes Signal, dass Cohen es ernst damit meint, die Mets zu einem dauerhaften Contender zu machen. „If I don’t win a World Series in the next three to five years – I’d like to make it sooner – I would consider that slightly disappointing“, so die Marschrichtung, die er bei seiner ersten Pressekonferenz als Teambesitzer ausgab. Ob die Mets schon dieses Jahr die Chance zum ganz großen Wurf haben, hängt auch davon ab, ob sie von weiteren Verletzungen verschont bleiben – dass sie zu Beginn der Saison auf Carrasco, Syndergaard und Seth Lugo verzichten müssen, ist möglicherweise der erste Stolperstein beim Start in die neue Zeitrechnung. 

Voraussichtliches Lineup
C James McCann
1B Pete Alonso
2B Jeff McNeil
SS Francisco Lindor
3B J. D. Davis
LF Dominic Smith
CF Brandon Nimmo
RF Michael Conforto

Voraussichtliche Rotation
RHP Jacob deGrom
RHP Marcus Stroman
RHP Carlos Carrasco
RHP Taijuan Walker
LHP David Peterson
(RHP Noah Syndergaard; verletzt bis ca. Saisonmitte)
Key Relievers: Edwin Diaz, Trevor May

Wichtigster Zugang
SS Francisco Lindor (Cleveland Indians)

Wichtigster Abgang
LHP Steven Matz (Toronto Blue Jays)

Bestes Prospect
C Francisco Alvarez

Größte Stärke
Die Rotation: Angesichts der Unendlichkeit des Universums erscheint es wahrscheinlich, dass es irgendwo einen besseren Pitcher als Jacob deGrom gibt; innerhalb meines bescheidenen Erdlingshorizonts ist mir aber keiner bekannt. Mit Marcus Stroman, Carlos Carrasco und Taijuan Walker bildet er eine hervorragende Starting-Rotation, die von David Peterson vervollständigt wird, sofern dieser die vielversprechenden Ansätze seiner Rookiesaison bestätigt. Mitte der Saison kommt zudem Noah Syndergaard von der Tommy-John-Surgery zurück. Joey Lucchesi und Jordan Yamamoto sorgen dafür, dass auch über die Top-5 hinaus mehr Flexibiliät und Tiefe vorhanden ist als in den letzten Jahren.

Größte Schwäche
Outfield-Defense: Dass dieses Jahr in der National League wieder ohne Designated Hitter gespielt wird, dürfte kaum einem Team so weh tun wie den Mets. Auf die Bats von Dominic Smith und Pete Alonso kann und will man nicht verzichten. Das läuft zwingend darauf hinaus, Smith auf der suboptimalen Position im Leftfield einzusetzen. Dort wiederum wäre Brandon Nimmo besser aufgehoben, der mangels Alternative weiterhin das Centerfield bearbeiten muss.

Spannendste Frage
Wann bekommen die Mets einen neuen General Manager? Eigentlich wollte Sandy Alderson sich auf die Rolle des staatsmännischen Lenkers beschränken, als er sich von Steve Cohen überreden ließ, zum zweiten Mal in seiner Karriere bei den Mets anzuheuern und dort „President of Baseball Operations“ zu werden. Für das alltägliche Front-Office-Geschäft wurde Jared Porter als GM verpflichtet, doch der war seinen Job schon nach wenigen Wochen wieder los. Gegen ihn waren Vorwürfe sexueller Belästigung aus seiner Zeit bei den Cubs bekannt geworden, woraufhin Cohen ihm umgehend die Tür wies. Der 73-jährige Alderson ist seitdem doch wieder für das Tagesgeschäft verantwortlich, unterstützt von Assistent Zack Scott. Mit einer Neueinstellung wollen die Mets sich Zeit lassen, möglicherweise bis nach der Saison.

Meine Prognose
Platz 1 in der NL East

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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März 18th, 2021 by Silversurger

Zum vorletzten Mal vor dem Opening Day meldet sich der Grand Slam am Donnerstag mit einem kurzen Update über die wichtigsten Ereignisse rund um die MLB. Den Schwerpunkt meiner Blog-Aktivitäten bildet zurzeit die Serie von Vorschauartikeln zur kommenden Saison. Jeden Nachmittag um 17 Uhr kommt ein weiteres Preview dazu, also schaut bitte regelmäßig rein! 

Szene der Woche
Diese Kategorie pflege ich eigentlich nur während der Saison, aber für besonders Sehenswertes gibt es eine Ausnahme: Luis Guillorme von den New York Mets lieferte sich am Sonntag mit Cardinals-Pitcher Jordan Hicks ein wahrhaft episches Duell. Für Hicks war es der erste Einsatz nach fast zwei Jahren Verletzungspause. Mit zwei schnellen Strikes hatte er Guillorme am Rande eines Outs, doch der kämpfte. Mit einem Foulball nach dem anderen wehrte der Infielder das Ende des At-Bats ab, hin und wieder ließ er einen Ball durch, sodass nach 12 Pitches der Count voll war. Nach neun weiteren Foulballs – einige davon über 101 mph schnell – ließ Guillorme einen tiefen Slider passieren und holte so einen 22-Pitch-Walk heraus. Da das Ganze in einem Spring-Training-Spiel passierte, fließt es nicht in die offizielle Statistik ein. Andernfalls wäre es MLB-Rekord gewesen: Die längste Plate Appearance in einem regulären Spiel hatte Brandon Belt von den San Francisco Giants, der 2018 nach 21 Pitches gegen Jaime Barria von den Los Angeles Angels in ein Flyout schlug.

Cahill und Franco finden neue Teams
Zwei mutmaßlich nicht konkurrenzfähige Teams ergänzen kurz vor Saisonbeginn ihre Roster: Die Pittsburgh Pirates gönnen sich für 1,5 Millionen Dollar einen Einjahresvertrag mit Pitcher Trevor Cahill. Der 33-Jährige machte in den 25 Innings, die er letztes Jahr für die Giants warf, einen guten Eindruck (3.24 ERA, 4.19 FIP) und dürfte bei den Pirates einen Platz in der Rotation erhalten.
Für ein Garantiegehalt von 800.000 Dollar heuert Third Baseman Maikel Franco bei den Baltimore Orioles an. Das frühere Top-Prospect der Phillies erfüllte nie die hohen Erwartungen an seine MLB-Karriere, ist für die Orioles aber definitiv ein Upgrade auf einer bislang vakanten Position.

Markakis beendet seine Karriere
Nach 15 Jahren in der Major League zieht Nick Markakis einen Schlussstrich. Die Entscheidung hatte der 37-Jährige seinen Angaben zufolge bereits kurz nach dem Ende der letzten Saison getroffen. Der Outfielder wurde 2003 in der ersten Runde von Baltimore Orioles gedraftet, für die er 2006 sein Debüt gab und prompt zum Rookie of the Year gewählt wurde. Der zweite Verein in Markakis‘ Karriere waren die Atlanta Braves in seinem Heimatstaat Georgia, für die er von 2015 bis 2020 spielte. In seiner gesamten MLB-Karriere schlug er 288/.357/.423 in 9.321 Plate Appearances. Er erzielte 2.388 Hits, darunter 189 Homeruns, 514 Doubles und 22 Triples, zudem stahl er 66 Bases.

Regelexperimente in den Minor Leagues
Wie schon mehrfach in den vergangenen Jahren, hat die MLB auch für die kommende Saison wieder einige mögliche Regeländerungen ausgewählt, die testweise in verschiedenen Minor Leagues eingeführt werden. Die übergeordneten Ziele sind eine Reduzierung der Spieldauer, mehr geschlagene Bälle im Spiel und ein dadurch erhöhtes Zuschauerinteresse. Im Einzelnen werden folgende Änderungen getestet:

  • Größere Bases (Triple-A): Eine Vergrößerung der Bases von einem Quadrat mit 15 Zoll (38,1cm) auf eines mit 18 Zoll (45,7cm) Seitenlänge soll vor allem Verletzungen durch Kollisionen reduzieren. Zudem reduziert sie leicht den Weg zwischen den Bases, was einen kleinen Vorteil beim Erreichen der Base während eines Groundballs oder eines Steals bedeutet.
  • Begrenzung des defensiven Stellungsspiels (Double-A): Vier Infielder müssen zu Beginn eines Spielzuges mit beiden Füßen auf dem Infield-Dirt stehen. Die Regel könnte zu einem späteren Zeitpunkt dahingehend verschäft werden, dass je zwei Infielder auf beiden Seiten der Second Base stehen müssen, sodass echte Shifts verboten wären.
  • Erschwerte Pickoffs (High-A): Pitcher müssen sich vom Rubber wegbewegen, bevor sie zu einer Base werfen. Dies soll die Anzahl und den Erfolg von Stealversuchen erhöhen.
  • Mehrere Maßnahmen in Low-A: Auch hier sollen Steals gefördert werden, in dem Fall durch eine Begrenzung von Pickoff-Versuchen auf zwei pro Plate Appearance. Ein dritter Versuch ist erlaubt, wenn er er erfolgreich ist, andernfalls wird er als Balk gewertet. Vorerst nur in der Low-A-Southeast League wird die Unterstzützung der Umpires durch ein automatisches Ball-Strike-System (ABS) getestet. In den Low-A-West Leagues wird der Effekt einer Uhr getestet, die die Zeit zwischen Pitches, zwischen Innings und während Pitcherwechseln begrenzt.

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März 11th, 2021 by Silversurger

Die MLB-Saison ist nur noch drei Wochen entfernt, das Spring-Training läuft auf Hochtouren und endlich haben auch die beiden letzten „großen“ Free Agents Jackie Bradley Jr. und Jake Odorizzi ihr neues Team gefunden. Leider gab es diese Woche auch wieder ein paar Verletzungen, durch die die Saison für die betreffenden Spieler ganz oder teilweise gelaufen ist, bevor sie richtig begonnen hat. Dank des deutschen Corona-Flickenteppichs gibt es etwas verwirrende Neuigkeiten in Bezug auf die Baseball-Bundesliga – mehr dazu am Ende dieses Artikels.

Bradley Jr. zu den Brewers
Die Milwaukee Brewers haben sich die Dienste von Jackie Bradley Jr. gesichert. Das kam etwas überraschend, denn im Centerfield der Brewers ist bereits Lorenzo Cain als Stammspieler gesetzt. Dasselbe gilt für das Leftfield mit Christian Yelich, sodass für Bradley Jr. voraussichtlich die etwas größeren Anteile eines Platoons mit Avisail Garcia im Rightfield bleiben. Der in Kürze 31-Jährige erhält einen Zweijahresvertrag, der ihm 13 Millionen Dollar im ersten und 11 Millionen im zweiten Jahr garantiert. Eine Option ermöglicht dem Spieler, nach dem ersten Jahr einseitig aus dem Vertrag auszusteigen. 

Astros verpflichten Odorizzi
Auch Jake Odorizzi hat einen neuen Job. Der Starting Pitcher unterschreibt für zwei Jahre bei den Houston Astros. Dafür erhält er ein garantiertes Gehalt von 23,5 Millionen Dollar und die Verlängerungsoption für ein weiteres Jahr. Odorizzi hatte 2019 ein starkes Jahr für die Minnesota Twins mit 3.51 ERA und 3.36 FIP in 30 Starts. 2020 konnte er wegen mehrerer Verletzungen nur 13.2 Innings pitchen. Die Astros sahen sich offenbar gezwungen, noch eine Verstärkung an Land zu ziehen, nachdem Framber Valdez sich an seinem letzte Woche gebrochenen Finger operieren lassen muss und möglicherweise für die gesamte Saison ausfällt. Zudem steht seit gestern fest, dass Pitching-Prospect Forrest Whitley sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen muss, womit für ihn die Saison gelaufen ist. 

Castillo, Martinez, Britton, Votto fallen aus
Auch für Jose Castillo, Relief Pitcher der San Diego Padres, ist die Saison bereits beendet. Der 25-jährige Linkshänder benötigt ebenfalls eine Tommy-John-Surgery und wird erst irgendwann im nächsten Jahr wieder spielen können.
Nur unwesentlich besser ergeht es Yankees-Reliever Zack Britton, dem in einer arthroskopischen Operation Knochensporne entfernt werden müssen. Sein Arm muss danach sechs Wochen komplett ruhen, danach schließen sich drei bis vier Monate Reha bis zur Einsatzfähigkeit an.
Rund vier Monate wird auch Jose Martinez ausfallen. Der Corner-Infielder/Outfielder schien auf gutem Weg, einen Platz auf der Bank der New York Mets zu ergattern, bevor er in einem Spring-Training-Spiel mit einem Umpire zusammenprallte und einen Meniskusriss erlitt.
Leider gibt es auch schon den ersten prominenten Covid-19-Fall der Saison: Joey Votto wurde positiv getestet. Der First Baseman der Cincinnati Reds muss sich für mindestens zehn Tage isolieren. Ob und in welcher Stärke er unter Symptomen leidet, ist bislang nicht bekannt. 

Lou Gehrig Day am 2. Juni
Ab diesem Jahr wird in der MLB regelmäßig am 2. Juni ein Lou Gehrig Day begangen. An diesem Tag wird dem legendären First Baseman der Yankees gedacht werden, vor allem aber soll er an die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) erinnern, die auch als Lou-Gehrig-Syndrom bekannt ist. Gehrig starb am 2. Juni 1941 im Alter von 37 Jahren an ALS – am selben Datum, an dem er 16 Jahre früher eine Rekordstrecke von 2.130 Einsätzen hintereinander gestartet hatte. Lou Gehrig ist der dritte Spieler nach Jackie Robinson (15. April) und Roberto Clemente (9. September), dem die MLB jährlich einen eigenen Tag widmet.

Bundesliga startet versetzt
Am 1. April ist Opening Day – das gilt nicht nur für die MLB, sondern auch für die Baseball-Bundesliga. Allerdings nur für den Süden, denn die Nordgruppe der höchsten deutschen Spielklasse startet erst über einen Monat später und absolviert mit 7 Spieltagen nur halb so viele Partien wie die Bundesliga Süd. Der Hintergrund ist, dass die an der Südgruppe beteiligten Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die Liga als Teil des Spitzensports anerkennen, die nördlichen Bundesländer hingegen nicht. Das hört sich an wie ein verfrühter Aprilscherz, ist aber kuriose und bittere Realität. Aber vielleicht sollte man es nicht zu negativ sehen und lieber froh sein, dass es in Baseball-Deutschland zur Coronazeit nur zwei unterschiedliche Regelungen gibt und nicht 16…

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Februar 18th, 2021 by Silversurger

Der Frühling ist da! Das ist zwar weder astronomisch noch meteorologisch korrekt, aber für den Baseballfan beginnt diese Jahreszeit eben mit dem Spring Training, und das haben in dieser Woche sämtliche MLB-Teams aufgenommen. Rund zwei Wochen nehmen sich die Akteure, um erstmal den gröbsten Rost abzuschütteln und eine Wellenlänge mit neuen Mitspielern und Coaches zu finden. Am 28. Februar geht es dann los mit den öffentlichen Testspielen, in denen die Teams sich auf den Start der echten Saison am 1. April vorbereiten.

Angepasste Spring-Training-Spielpläne
Coronabedingt wurden für dieses Jahr die Spielpläne der Vorbereitungsspiele umgestellt: Die Teams sollen möglichst wenig reisen und auf nicht zu viele unterschiedliche Gegner treffen. So spielen zum Beispiel die Mets, die Astros, die Marlins, die Cardinals und die Nationals, deren Trainingslager an der Ostküste von Florida liegen, ausschließlich untereinander. Die vollständigen Spielpläne findet ihr hier. Wie gewohnt werden nicht alle, aber viele der Testspiele auf mlb.tv übertragen.

Blue Jays starten Saison in Florida
Wenn Ende März die anderen Teams zurück in ihre Heimatstädte fliegen, bleiben nicht nur die Miami Marlins und die Tampa Bay Rays, sondern auch die Toronto Blue Jays in Florida zurück. Wegen der Pandemie bestehen nach wie vor rechtliche und logistische Hürden beim Grenzübertritt zwischen den USA und Kanada, daher trägt das einzige kanadische Team der MLB seine Heimspiele auch in diesem Jahr zumindest während der ersten Saisonwochen in einem Ausweichquartier aus. Letztes Jahr nutzten die Blue Jays dafür das Stadion ihrer AAA-Filiale in Buffalo, dieses Mal bleiben sie in ihrem Spring-Training-Komplex in Dunedin, gleich westlich von Tampa.

340 Millionen für Tatis Jr.
Fernando Tatis Jr. ist erst 22 Jahre alt, gilt aber bereits als einer der besten Shortstops der Liga. Damit sie an ihm noch lange Freude haben, nehmen die San Diego Padres eine enorme Menge Geld in die Hand. 340 Millionen Dollar bezahlen sie dem Jungstar dafür, dass er sich für die nächsten 14 Jahre dem Verein verschreibt. Da Tatis im Rahmen seines Rookievertrags ohnehin noch bis 2025 an die Padres gebunden gewesen wäre, kommt die Verlängerung überraschend frühzeitig. Aus Vereinssicht ist der Vertrag eine teure Wette darauf, dass Tatis sein hohes Leistungsniveau auf Dauer hält. Solange das der Fall ist, haben sicher beide Seiten ein gutes Geschäft gemacht. Sollte der Junge im Laufe der Zeit durch eine Verletzung oder andere Umstände aus der Bahn geworfen werden, hätte man sich allerdings einen heftigen Klotz ans Bein gebunden. 

Turner bleibt bei den Dodgers
Auch das letzte Mitglieder meiner Top-10 der diesjährigen Free Agents hat sein neues Zuhause gefunden; in diesem Fall ist es zugleich das alte: Justin Turner bleibt für zwei weitere Jahre bei den Los Angeles Dodgers. Der 36-jährige Third Baseman erhält für seine Unterschrift 34 Millionen Dollar, zudem kann der Klub für weitere 14 Millionen die Option auf ein drittes Jahr ziehen, und ein paar leistungsbezogene Extras kommen noch obendrauf.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Hier die weiteren Free-Agent-Abschlüsse dieser Woche, wie immer beschränkt auf MLB-Verträge: RP Trevor Rosenthal (Oakland Athletics, 1 Jahr, 11 Millionen Dollar), SP James Paxton (Seattle Mariners, 1 Jahr, 8,5 Millionen plus Leistungsboni), SP Jake Arrieta (Chicago Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 6 Millionen), SP Aaron Sanchez (San Francisco Giants, 1 Jahr, 4,5 Millionen plus Leistungsboni), CF Kevin Pillar (New York Mets, 1 Jahr plus beidseitige Option, 3,6 Millionen), IF/OF Brad Miller (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 3,5 Millionen), IF/OF Marwin Gonzalez (Boston Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen plus Leistungsboni), RP Mark Melancon (San Diego Padres, 1 Jahr plus beidseitige Option, 3 Millionen), RP Yusmeiro Petit (Athletics, 1 Jahr, 2,55 Millionen plus Leistungsboni), SP Rich Hill (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 2,5 Millionen), SP Tyler Anderson (Pittsburgh Pirates, 1 Jahr, 2,5 Millionen), RP Sergio Romo (Athletics, 1 Jahr, 2,25 Millionen), SP Matt Shoemaker (Minnesota Twins, 1 Jahr, 2 Millionen plus Leistungsboni), SP Collin McHugh (Rays, 1 Jahr, 1,8 Millionen), IF Asdrubal Cabrera (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), RP David Phelps (Toronto Blue Jays, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), OF Nomar Mazara (Detroit Tigers, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), RP Brandon Workman (Cubs, 1 Jahr, 1 Million plus Leistungsboni), RP Oliver Drake (Rays, 1 Jahr, 775.000), RP Justin Wilson (New York Yankees, 1 Jahr, Finanzen unbekannt), RP Ken Giles (Mariners, 2 Jahre, Finanzen unbekannt).

Zudem gab es zwei kleine Trades, jeweils unter Beteiligung der Tampa Bay Rays: Von den Boston Red Sox bekommen sie die beiden Pitcher Chris Mazza und Jeffrey Springs im Austausch gegen die Prospects Catcher Ronaldo Hernandez und Pitcher Nick Sogard. Im zweiten Trade schicken die Rays Pitcher John Curtiss zu den Miami Marlins und bekommen dafür Minor-League-1B Evan Edwards.

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Februar 11th, 2021 by Silversurger

Das Warten ist fast zuende: In nicht mal einer Woche – am 16. und 17. Februar – starten die Pitcher und Catcher der MLB-Teams in die Spring-Training-Camps, die restlichen Spieler folgen wenige Tage später. Gerade noch rechtzeitig haben sich die Vertreter der Liga und der Spieler auf zentrale Punkte zum Umgang mit der Coronasituation geeinigt.
Die Free Agency geht derweil in den Endspurt. Mit Trevor Bauer und Marcell Ozuna haben die zwei dicksten Fische, die noch auf dem Markt waren, ihre Teamwahl getroffen – in Bauers Fall springt sogar ein Rekordgehalt heraus.

Kompromiss über Corona-Maßnahmen
Dass die MLB und die Spielergewerkschaft MLBPA sich überhaupt mal auf etwas einigen können, ist nach den konfliktreichen letzten Wochen und Monaten für sich allein schon eine erfreuliche Neuigkeit. Die beiden Seiten haben am Montag eine Reihe von Maßnahmen verabredet, unter denen das Spring Training ab nächster Woche und die Saison ab 1. April so regulär wie möglich stattfinden sollen.

Die wichtigsten Regelanpassungen bestehen darin, dass wie in der Kurzsaison 2020 Doubleheader wieder über zweimal sieben Innings gespielt und Extra-Innings in allen Spielen mit einem automatischen Baserunner begonnen werden. Beide Maßnahmen haben den Sinn, die Spieler vor Überlastungen zu schützen, wenn es wieder dazu kommt, dass durch coronabedingte Verschiebungen mehrere Spiele innerhalb kurzer Zeiträume zu absolvieren sind. Ferner wurde vereinbart, dass jeder Spieler bei Bedarf als Pitcher eingesetzt werden kann – es muss also kein bestimmtes Inning oder eine bestimmte Höhe des Rückstands erreicht sein, bevor ein Positionsspieler pitchen darf. Unsportliches Verhalten, das die Abstandsgebote verletzt – Prügeleien, Anschreien der Umpires aus kurzer Distanz – soll konsequent geahndet werden. Eine Maskenpflicht besteht für alle Beteiligten mit Ausnahme der Spieler auf dem Feld. Spieler, die Kontakt mit einem bestätigten Covid-19-Fall haben, müssen für eine Woche in Quarantäne und sich am fünften Tag testen lassen. Wird ein Spieler selbst positiv getestet, dauert die Quarantäne mindestens zehn Tage. Im Falle eines Covid-Ausbruchs dürfen die Teams in einem vereinfachten Verfahren den Kader aus den Minor Leagues auffüllen und die betreffenden Spieler danach wieder zurückschicken.

Interessant ist auch, was nicht beschlossen wurde: Die Designated-Hitter-Regel wurde nicht erneut auf die National League ausgedehnt. Sie gilt jetzt wieder wie vor 2020 ausschließlich in der American League. Auch ein Beschluss über erweiterte Playoffs wurde bisher nicht gefasst. Sofern es dazu nicht wieder eine Last-Minute-Entscheidung wie im letzten Jahr gibt, findet die Postseason dieses Jahr im alten Format mit zehn Teams statt. In der regulären Saison soll der Spielplan umgesetzt werden wie geplant, also mit 162 Spielen pro Team und ohne die geographische Umsortierung, mit deren Hilfe letztes Jahr Reiseaktivitäten minimiert wurden.

Rekordvertrag für Bauer
Um keinen der diesjährigen Free Agents wurde so viel Aufheben gemacht wie um Trevor Bauer. Der Cy-Young-Gewinner befeuerte den Hype durch seine gewohnt hohe Social-Media-Präsenz, indem er öffentlich mit dem Interesse beispielsweise der Toronto Blue Jays und der New York Mets kokettierte. Seine Entscheidung, bei welchem Team er unterschreibt, gab er schließlich am Ende eines zweieinhalbminütigen Highlight-Videos bekannt – für meinen Geschmack ein bisschen zu viel Selbstinszenierung. Ich muss aber zugeben, dass ich Bauer schon vorher nicht mochte und daher einfach nur froh war, dass seine Wahl nicht auf die Mets fiel. Der 30-Jährige kehrt stattdessen zurück in seine südkalifornische Heimat und schließt sich dort dem amtierenden World Champion Los Angeles Dodgers an. Er erhält von den Dodgers einen Dreijahresvertrag über 102 Millionen Dollar mit Ausstiegs-Optionen sowohl nach dem ersten als auch nach dem zweiten Jahr. Die Zahlungen sind so strukturiert, dass Bauer sowohl dieses Jahr mit 40 Millionen als auch nächstes Jahr mit 45 Millionen jeweils einen neuen Rekord für das höchste Jahresgehalt eines MLB-Spielers aufstellt.

Ozuna bleibt in Atlanta
Als zweiter Hochkaräter in dieser Woche hat auch Marcell Ozuna einen neuen Vertrag unterschrieben. Der Outfielder bleibt für vier weitere Jahre bei den Atlanta Braves. Er erhält dafür 65 Millionen Dollar, zu denen weitere 15 Millionen hinzukommen, falls die Braves ihre Option auf ein fünftes Vertragsjahr ziehen. Für Ozuna ist damit die Taktik voll aufgegangen, sich letztes Jahr mit einem Einjahresvertrag über 18 Millionen zu begnügen. Nachdem er 2020 seine bislang stärkste Saison ablieferte, erhält der 30-Jährige nun die Belohnung in Form des ersehnten hochdotierten Dauervertrags.

5-Spieler-Deal zwischen Rangers und Athletics
Die Texas Rangers und die Oakland Athletics haben sich auf einen umfangreichen Trade geeinigt: Die Rangers senden SS Alvis Andrus, Prospect-Catcher Aramis Garcia und 13,5 Millionen Dollar nach Oakland, dafür erhalten sie OF/DH Khris Davis sowie die Prospects C Jonah Heim und RHP Dane Acker. Der Move sieht in erster Linie danach aus, dass die Athletics wieder mal Kosten sparen wollen. Allerdings ist das eine Rechnung, die nur für dieses Jahr aufgeht: Die Rangers übernehmen die 30,5 Millionen Dollar, die Davis in seinem letzten Vertragsjahr zustehen, sowie durch die Barzahlung im Zuge des Transfers auch fast die vollen 14 Millionen, die Andrus dieses Jahr verdient. Für 2022 sind die Rangers damit alle Verpflichtungen los. Die A’s hingegen müssen Andrus nächstes Jahr noch einmal 14 Millionen bezahlen, und bei genügend Einsätzen aktiviert sich für ihn sogar die Option, bis 2023 einseitig für weitere 15 Millionen zu verlängern.
Von den Leistungen her waren zuletzt weder Davis noch Andrus für ihre Teams eine große Hilfe, beide landeten 2020 bei negativen Wins Above Replacement. Neben den finanziellen Implikationen steht hinter dem Trade wohl auch der Gedanke, dass beiden ein Tapetenwechsel gut tun könnte. 

Dreiecks-Trade bringt Benintendi zu den Royals
Zwischen den Kansas City Royals, den Boston Red Sox und den New York Mets gibt es einen Dreicks-Trade. Dessen wesentliche Auswirkung auf die MLB-Roster besteht darin, dass Outfielder Andrew Benintendi aus Boston zu den Royals wechselt. Als Gegenleistung erhalten die Red Sox OF Ranchy Cordero sowie zwei später zu benennende Spieler von den Royals und RHP Josh Winckowski sowie einen weiteren noch zu benennenden Spieler von den Mets. Die Mets bekommen OF-Prospect Khalil Lee von den Royals.
Benintendi ist bis einschließlich 2022 unter Teamkontrolle. Die Royals setzen darauf, dass er an frühere Leistungen anknüpfen kann, nachdem er letzte Saison unter Form- und Verletzungsproblemen litt. Aus Sicht der Mets ist das Geschäft, dass sie mit Lee ein Prospect bekommen, von dem sie mehr erwarten als von Winckowski (und der noch ausstehenden Beigabe). Auf Seiten der Red Sox sieht es danach aus, dass sie sich mit Masse statt Klasse bezahlen lassen, aber das ist nur mein persönlicher Eindruck.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Hier die weiteren Free-Agent-Abschlüsse dieser Woche, wie immer beschränkt auf MLB-Verträge: C Yadier Molina (St. Louis Cardinals, 1 Jahr, 9 Millionen), RP Jake McGee (San Francisco Giants, 2 Jahre, 7 Millionen), OF Adam Duvall (Miami Marlins, 1 Jahr plus Vereinsoption, 5 Millionen), 2B Jonathan Schoop (Detroit Tigers, 1 Jahr, 4,5 Millionen), SP Chase Anderson (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 4 Millionen), IF Jonathan Villar (New York Mets, 1 Jahr, 3,55 Millionen plus Boni), SP Mike Fiers (Oakland Athletics, 1 Jahr, 3,5 Millionen), SP Mike Foltynewicz (Texas Rangers, 1 Jahr, 2 Millionen plus Boni), OF Jake Marisnick (Chicago Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 1,5 Millionen), OF Albert Almora (Mets, 1 Jahr, 1,25 Millionen plus Boni). 

Mit zwei kleineren Trades ergänzen die Los Angeles Angels ihren Kader:  Von den St. Louis Cardinals kommt OF Dexter Fowler; die Cardinals legen bei dem Deal 12,75 Millionen Dollar und damit einen Großteil von Fowlers 14 Millionen Jahresgehalt drauf, um den Platz im Kader frei zu bekommen.  Von den Tampa Bay Rays erhalten die Angels RP Aaron Slegers im Austausch gegen einen später zu benennenden Spieler. Mit SP/OF Shohei Ohtani erzielten die Angels zudem eine vorzeitige Vertragsverlängerung, durch die beide Seiten das Arbitration-Verfahren abwenden. Ohtani erhält 3 Millionen Dollar für 2021 und 5,5 Millionen für 2022.

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