Februar 14th, 2019 by Silversurger

Die Pitcher und Catcher aller MLB-Teams befinden sich mittlerweile schon mitten in der Saisonvorbereitung. Die restlichen Spieler steigen innerhalb der nächsten Tage offiziell ins Training ein, tatsächlich sind die meisten von ihnen bereits an den Spring-Training-Stützpunkten in Florida und Arizona eingetroffen. Eine handvoll hochgelobter Free Agents hat allerdings nach wie vor kein neues Team gefunden: Bryce Harper, Manny Machado, Dallas Keuchel, Craig Kimbrel und Mike Moustakas warten allesamt entweder noch auf das richtige Angebot oder sie versuchen, die interessierten Klubs gegeneinander auszuspielen. Wenigstens eine der unendlichen Geschichten dieser Offseason hat letzte Woche – stilgerecht eine Stunde nach Veröffentlichung des letzten Grand Slam am Donnerstag – ein Ende gefunden: J. T. Realmuto wurde von den Miami Marlins zu den Philadelphia Phillies getradet.

Phillies traden für Realmuto
Die Marlins haben die gesamte Offseason über nach einem Tradepartner für ihren wechselwilligen Star-Catcher gesucht. Dabei haben sie hoch gepokert und mit ihren Forderungen vermutlich auch einige Teams abgeschreckt. Die Mets, die Dodgers, die Yankees, die Padres, die Reds, die Braves und die Astros waren allesamt mehr oder weniger stark interessiert, fanden aber keinen gemeinsamen Nenner mit den Marlins. Diese wollten gerüchteweise zum Beispiel Cody Bellinger von den Dodgers, Ozzie Albies von den Braves, Amed Rosario und Brandon Nimmo von den Mets oder Miguel Andujar und Gary Sanchez von den Yankees, jeweils im Paket mit zusätzlichen Prospects. Im Endeffekt einigte man sich mit den Phillies auf einen Preis, der recht vernünftig und ausgewogen erscheint: Für Realmuto wechseln Catcher Jorge Alfaro, Top-Pitching-Prospect Sixto Sanchez, Lefty-Pitcher Will Stewart und 250.000 Dollar internationales Bonus-Budget nach Miami.

Nola verlängert für vier Jahre
Die Phillies waren in den letzten Tagen fleißig: Sie haben nicht nur den Trade für Realmuto ausgehandelt und weiter um die Dienste von Bryce Harper und/oder Manny Machado gebuhlt, sondern auch das Ass ihrer Rotation für die nächsten vier Jahre gesichert. Aaron Nola unterschreibt einen Vertrag bis 2022, für den er insgesamt 45 Millionen Dollar erhält. Darüber hinaus haben die Phillies die Option, Nola für weitere 11,75 Millionen auch in der Saison 2023 in Philadelphia spielen zu lassen. Der Deal erscheint aus Sicht des Klubs sehr günstig – das ist er auch, wobei man nicht übersehen darf, dass Nola für drei von den vier bis fünf Jahren der Vertragslaufzeit ohnehin noch an die Phillies gebunden gewesen wäre.

Marlins verpflichten Romo
Relief Pitcher Sergio Romo hat sich mit den Marlins auf einen Einjahresvertrag über 2,5 Millionen Dollar plus Leistungsboni geeinigt. Der bei Saisonstart 36-Jährige wird in dem jungen Team als erfahrener Mentor dienen und zur Mitte der Saison vermutlich ein Kandidat für einen Deadline-Trade sein, um weitere Talente an Land zu ziehen. Zudem gilt Romo als Favorit auf die Rolle des Closers – wenngleich es bei den wenig konkurrenzfähigen Marlins vermutlich nicht allzu viele Save-Gelegenheiten geben wird.

Murray: Athletics schauen in die Röhre
College-Star Kyler Murray hat nun offiziell verlautbaren lassen, was im Laufe der letzten Wochen immer wahrscheinlicher geworden war: Der 21-jährige Baseball-Outfielder und Football-Quarterback sucht sein Glück in der NFL, nicht in der MLB. Letztes Jahr hatte er den Oakland Athletics noch das Gegenteil zugesagt, sich in der ersten Draftrunde von ihnen auswählen lassen und einen Vertrag über einen Signing-Bonus von 4,66 Millionen Dollar unterschrieben. Das Geld muss er nun größtenteils zurückzahlen, aber immerhin 210.000 Dollar bleiben ihm dafür, dass die A’s weiterhin die Transferrechte in Sachen Baseball an ihm besitzen. Von diesen eher theoretischen Rechten abgesehen ist der Draftpick aus Sicht der Athletics verschenkt. Murray wird Ende April an der NFL-Draft teilnehmen und gilt auch dort als Kandidat für einen Pick in der ersten Runde.

Anderson und Grossman unterschreiben in Oakland
Angesichts der Geschichte um Kyler Murray kann man den Athletics nur wünschen, dass sie mit ihren anderen Vertragspartnern mehr Glück haben. Die zwei neuesten davon sind Brett Anderson und Robbie Grossman. Der linkshändige Pitcher Anderson kehrt für ein Jahr und ein Salär von 1,5 Millionen Dollar zu den A’s zurück und ergänzt die Starting Rotation. Outfielder Grossman unterschreibt ebenfalls für ein Jahr und erhält dafür 2 Millionen. Beide können ihr Gehalt noch durch leistungsbezogene Bestandteile aufbessern.

Lindor zum Saisonstart fraglich
Die Saison 2019 hat ihr erstes Verletzungsopfer: Shortstop Francisco Lindor von den Cleveland Indians hat sich bei einem privaten Training eine Zerrung in der rechten Wade zugezogen und wird rund zwei Monate lang ausfallen. Er fehlt den Indians somit in der kompletten Saisonvorbereitung und möglicherweise für die ersten ein, zwei Wochen der regulären Saison.

Kein DH in der NL bis mindestens 2021
Die Fans von Teams aus der National League können aufatmen: MLB-Commissioner Rob Manfred hat klargestellt, dass die Einführung eines Designated Hitters (DH) in die NL bis mindestens 2021 kein Thema sein wird. Letzte Woche war bekannt geworden, dass die Spielergewerkschaft MLBPA einen entsprechenden Vorschlag eingebracht hat. Für Manfred genießt die Ausweitung der in der AL seit 1973 existierenden DH-Regel aber keine Priorität. Nach seiner Aussage wird sie erst dann ein Thema, wenn die MLBPA sie in die Vertragsverhandlungen über ein neues Collective Bargaining Agreement (CBA) einbringt. Das aktuelle CBA läuft von 2017 bis 2021, die Neuverhandlung steht also für die Saisonpause 2021/2022 an.

Mets vs. Nationals oder Cubs vs. Cardinals in London?
Ende Juni steht in London die erste MLB-Serie auf europäischem Boden an. Das Matchup der Yankees gegen die Red Sox setzt hohe Maßstäbe für zukünftige Gastspiele und es sieht danach aus, dass die Liga auch für die kommenden Jahre mit echten Leckerbissen aufwarten will: Für 2020 ist derzeit im Gespräch, dass entweder eine Serie der New York Mets gegen die Washington Nationals oder eine zwischen den Chicago Cubs und den St. Louis Cardinals nach London verlegt werden soll. Eine offizielle Entscheidung wird erst nach dem Opening Day der anstehenden Saison bekannt gegeben werden, also Ende März oder Anfang April.

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Februar 5th, 2019 by Silversurger

Willie Mays ist der Hauptdarsteller der wahrscheinlich berühmtesten Feldspielszene aller Zeiten: Im achten Inning des ersten Spiels der World Series 1954 schlug Vic Wertz einen Ball weit in das sehr tiefe Centerfield der Polo Grounds. Der Ball schien unerreichbar für Mays und doch gelang es ihm, ihn in vollem Lauf mit dem Rücken zum Feld über der eigenen Schulter aus der Luft zu pflücken. Die Aktion bewahrte die New York Giants vor einem Rückstand und legte damit den Grundstein, das Spiel und schließlich auch die World Series gegen die Cleveland Indians zu gewinnen. Sie ist bis heute als “The Catch” bekannt.

Man wird dem Baseballer Willie Mays allerdings nicht gerecht, wenn man ihn auf “The Catch” beschränkt. Mays war nicht nur der wohl beste Outfielder der Baseballgeschichte, sondern geradezu der Prototyp eines sogenannten Five-Tool-Players. Gemeint ist damit ein Spieler, der alle fünf Kernkompetenzen des Spiels in sich vereint: den Ball oft treffen, den Ball hart treffen, schnelles Baserunning, sicheres Fangen sowie hartes und präzises Werfen. Willie Mays schlug einen Karriere-Average von .302, hat mit 660 Homeruns die fünftmeisten aller Zeiten erzielt und 338 Bases gestohlen. Die 7.095 Outs, die er als Outfielder produziert hat, führen bis heute die Allzeit-Rangliste an.

In den Zählstatistiken hätte Mays noch besser aussehen können – er hätte wahrscheinlich sogar Babe Ruths Homerun-Rekord gebrochen –, wenn er nicht den größten Teil der Saison 1952 und die gesamte Saison 1953 verpasst hätte, weil er zum Korea-Krieg eingezogen wurde. 1954 war der Rookie of the Year von 1951 zurück in der Liga und legte direkt eine überragende Saison hin, an deren Ende er mit den Giants die World Series gewann und zum wertvollsten Spieler gewählt wurde. Er wurde zudem zum ersten Mal in das All-Star-Game berufen, was ihm ab da in jedem einzelnen Jahr gelingen sollte, bis er 1973 im Alter von 42 Jahren seine Karriere beendete.

Willie Mays 1961 (1)

Mays verbrachte fast seine ganze Karriere bei den Giants, mit denen er 1958 von New York nach San Francisco umzog. Ganz am Ende kehrte er für eineinhalb Jahre zurück nach New York und erreichte mit den Mets noch einmal die World Series. Diese ging in sieben Spielen an die Oakland Athletics. Mays hatte als Pinch-Hitter in Spiel drei den letzten Auftritt seiner Karriere.

1979 wurde Willie Mays bei erster Gelegenheit mit 95% Zustimmung in die Hall of Fame gewählt. Er blieb auch nach seiner aktiven Zeit eine engagierte und beliebte öffentliche Persönlichkeit. 2015 verlieh Barack Obama ihm die “Presidential Medal of Freedom”. In der Lobrede dankte er Mays für sein zivilgesellschaftliches Engagement, mit dem er dazu beigetragen habe, dass jemand wie er – Obama – überhaupt daran denken durfte, für das Präsidentenamt zu kandidieren.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Manny’s Baseball Land (PD-US)

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Januar 31st, 2019 by Silversurger

Bryce Harper, Manny Machado, J. T. Realmuto. Ich wollte die Namen nur mal wieder genannt haben, weil die ganze MLB-Offseason sich um sie zu drehen scheint. Das war auch diese Woche nicht anders, obwohl es in Bezug auf die Drei nichts wirklich Neues gibt: Favoriten sind nach wie vor die Phillies für Harper und die White Sox für Machado, während die Marlins für Realmuto offenbar nach wie vor Mondpreise verlangen, sodass auch mit den neuesten Interessenten – den Reds und den Padres – bisher noch keine Vereinbarung zu erzielen war. Ganz ereignislos war die Woche aber nicht. Hier sind die neuesten Entwicklungen aus der MLB sowie ein TV-Tipp von ganz woanders:

Dodgers holen A. J. Pollock
Der hochwertigste Free-Agent-Move der Woche ist leider so alt, wie er in diesem Artikel nur sein kann: Keine Stunde nach Veröffentlichung des letzten Grand Slam am Donnerstag wurde bekannt gegeben, dass Outfielder A. J. Pollock sich mit den Los Angeles Dodgers einig geworden ist. Pollock erhält einen Vierjahresvertrag über 50 Millionen Dollar sowie die Option, den Vertrag von seiner Seite aus um ein Jahr zu verlängern. Dafür würde er abhängig von seinen vorherigen Leistungen weitere 10 bis 20 Millionen erhalten. Pollock kann im Feld ruhigen Gewissens auf allen Outfield-Positionen eingesetzt werden und ist am Schlag eine verlässliche rechtshändige Ergänzung für das linkshänderlastigen Lineup der Dodgers. Dadurch, dass die Dodgers sich mit Pollock den zweitumworbensten Outfielder der diesjährigen Free Agency gesichert haben, dürfte es so gut wie sicher sein, dass sie sich nicht mehr am Ringen um die Dienste von Bryce Harper beteiligen.

Marco Estrada zu den Athletics
Die Oakland Athletics bauen weiter an ihrer Starting Rotation und haben nun nach Mike Fiers und Joakim Soria auch Marco Estrada verpflichtet. Der 35-Jährige hatte in Toronto zuletzt zwei eher schwache Jahre, doch die A’s hoffen, dass er nach überstandenen Rückenproblemen zu früheren Leistungen zurückfindet. Estrada erhält einen Einjahresvertrag über 4 Millionen Dollar.

Blue Jays verpflichten Freddy Galvis
Estradas früherer Klub, die Toronto Blue Jays, gönnt sich derweil einen neuen Shortstop. Freddy Galvis ist ein solider Feldspieler und ein eher unterdurchschnittlicher Batter, aber immerhin ein Muster an Durchhaltevermögen: Er hat als ein einziger MLB-Spieler sowohl 2017 (für die Phillies) als auch 2018 (für die Padres) alle 162 Spiele der jeweiligen Saison absolviert. Galvis erhält einen Einjahresvertrag, der ihm 5 Millionen Dollar garantiert und eine Kluboption für ein weiteres Jahr und 4,5 Millionen enthält.

Neil Walker wird ein Marlin
Die Miami Marlins versuchen auch 2019, mit möglichst geringen Gehaltszahlungen durch eine weitere Aufbausaison zu kommen. Aber den einen oder anderen erfahrenen Spieler braucht man dann doch auf dem Feld und mit Infielder Neil Walker dürfte man einen recht guten Deal gemacht haben. Der 33-jährige, zuletzt für die Yankees aktive Switch-Hitter unterschreibt für ein Jahr und 2 Millionen Dollar.

Diverse Reliever finden ein neues Zuhause
Besonders aktiv war diese Woche der Markt für Relief Pitcher. Die relevanteste Neuverpflichtung war Linkshänder Justin Wilson, der für 10 Millionen Dollar einen Zweijahresvertrag bei den New York Mets unterschrieben hat. Wilsons alter Klub, die Chicago Cubs, wurde sich derweil mit Brad Brach einig. Brach erhält 4,35 Millionen für ein Jahr, danach gibt es eine beidseitige Option, durch die der Vertag sich auf zwei Jahre und bis zu 9,5 Millionen erstrecken würde. Greg Holland geht zu den Diamondbacks und wird dort für ein Jahr leistungsabhängig 3,5 bis 7 Millionen bekommen. Oliver Perez bleibt bei den Cleveland Indians. Sein Vertrag bringt ihm 2,5 Millionen für ein Jahr und verlängert sich automatisch, wenn der 37-Jährige 2019 in mindestens 55 Spielen auftaucht. Für die Seattle Mariners wird Hunter Strickland vermutlich besonders motiviert auftreten, denn er kann das Volumen seines Vertrages leistungsabhängig von 1,3 Millionen auf 2,6 Millionen verdoppeln. Er käme damit in die Größenordnung des Grundgehalt von Shawn Kelley, welcher sich mit den Texas Rangers auf 2,5 Millionen für ein Jahr plus Option auf ein zweites Jahr geeinigt hat, ebenfalls mit leistungsbezogenen Bonusmöglichkeiten.

Royals verlängern mit Merrifield
Preisfrage: Welcher MLB-Spieler führte 2018 sowohl mit den meisten Hits (192) als auch mit den meisten Stolen Bases (45) die gesamte Liga an? Ganz ehrlich, ich wäre im Leben nicht darauf gekommen, dass es 2B Whit Merrifield von den Kansas City Royals war. Im Gegensatz zu mir scheinen die Royals sehr genau zu wissen, was sie an ihm haben, deshalb haben sie ihm eine Vertragsverlängerung bis 2023 zukommen lassen. Die Konditionen von 16,25 Millionen Dollar Garantiegehalt und bis zu 2 Millionen Leistungsboni für die vierjährige Laufzeit klingen geradezu unverschämt günstig. Das relativiert sich, wenn man berücksichtigt, dass der Spätentwickler Merrifield – er spielte seine erste volle MLB-Saison 2017 im Alter von 29 Jahren – ohnehin noch bis 2022 unter Teamkontrolle gewesen wäre und 2019 für das Mindestgehalt hätte spielen müssen. Der Vertrag verlängert diese Zeit somit nur um ein Jahr und gibt dem Spieler im Gegenzug eine ordentliche finanzielle Sicherheit.

Lovullo bleibt bis 2021 in Arizona
Auch die Arizona Diamondbacks und Torey Lovullo haben sich auf eine Verlängerung ihrer Zusammenarbeit geeinigt: Der Vertrag des Managers, der Ende 2019 ausgelaufen wäre, wird bis 2021 verlängert. Lovullo hatte die Diamondbacks in seinem ersten Jahr 2017 zu einer überraschenden Bilanz von 93-69 und in die Playoffs geführt. 2018 hatten sie eine schwächere, aber immer noch solide Saison mit 82 Siegen und 80 Niederlagen.

Lust auf auf Live-Baseball? 
Baseball live, am Februar-Wochenendmorgen gemütlich ans Bett serviert – gibt’s nicht? Gibt’s doch! In Australien steht die Serie um die Meisterschaft der ABL an und ABL.TV streamt die Best-of-3-Serie kostenlos in die ganze Welt. Die Kontrahenten sind die Brisbane Bandits und Perth Heat. Beide haben ihre Division gewonnen und sich im Playoff-Halbfinale verdient durchgesetzt.

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Januar 17th, 2019 by Silversurger

Die Free Agency der MLB entwickelt sich, wenn auch langsam und in kleinen Schritten. Nachdem letzte Woche vor allem Catcher und Reliever gefragt waren, haben nun die besten verfügbaren Second Basemen ihre neuen Arbeitgeber gefunden. Brian Doziers Anheuern in Washington hatte es in letzter Sekunde noch in den letzten Grand Slam geschafft. In den Tagen darauf entschieden sich Jed Lowrie und D.J. LeMahieu, dass es sie beide nach New York zieht. Die größten Schlagzeilen machte derweil ein junger Sportler, der vielleicht nie in der MLB spielen wird.

Murray meldet sich zur NFL-Draft
Die Posse um Kyler Murray geht weiter: Der 21-Jährige ist ein Top-Talent sowohl als Baseball-Outfielder wie auch als Football-Quarterback und er kann sich offenbar nicht zwischen den beiden Sportarten entscheiden. Letztes Jahr gab er den Oakland Athletics, die ihn in der ersten Draftrunde wählten, eine feste Zusage, zum diesjährigen Spring Training eine Profikarriere im Baseball zu beginnen. Nun hat er sich allerdings am letztmöglichen Tag auch für die NFL-Draft im April angemeldet, für die er ebenfalls als Kandidat für die erste Runde gilt. Von dem knapp 5 Millionen Dollar schweren Vertrag mit den A’s ist Murray offiziell noch nicht zurück getreten. Man muss aber wohl davon ausgehen, dass die Verantwortlichen der NFL-Teams eine klare Entscheidung von ihm verlangen, bevor sie einen hohen Draftpick in ihn investieren.

Lowrie und LeMahieu gehen nach New York
Die Parallelen sind unübersehbar: Beide New Yorker Teams haben sich die Unterschriften von etablierten Second Basemen gesichert, beide haben dafür Zweijahresverträge vergeben und die finanzielle Größenordnung ist ebenfalls ähnlich: Jed Lowrie erhält von den Mets 20 Millionen Dollar, D.J. LeMahieu 24 Millionen von den Yankees. Gemeinsam ist beiden Verpflichtungen auch, dass sie relativ überraschend kamen. Denn die Yankees haben an der zweiten Base Gleyber Torres und die Mets verstärkten die Position erst vor wenigen Wochen mit Robinson Cano. LeMahieu ist wohl flexibel genug, an allen drei Bases zu spielen und die Rolle eines Super-Ersatzspielers einzunehmen, der auch ohne echten Stammplatz fast täglich zum Einsatz kommt. Lowrie hingegen spielte in seiner Karriere bisher fast ausschließlich als Second Baseman. Realistische Optionen der Mets mit Lowrie auf 2B könnten darin bestehen, Cano Einsatzzeit an der ersten Base zu geben und Jeff McNeill im Outfield zu testen.

Flores zu den Diamondbacks
Keine Verwendung mehr hatten die Mets angesichts ihres gut gefüllten Infields für Wilmer Flores. Er erhielt kein Arbitration-Angebot und konnte sich einen neuen Klub suchen, den er nun in den Arizona Diamondbacks gefunden hat. Der 27-Jährige erhält einen Vertrag über 4,25 Millionen Dollar im ersten Jahr plus Verlängerungsoption für den Verein, die Flores im zweiten Jahr weitere 5,5 Millionen einbringen würde. Flores kann auf sämtlichen Infield-Positionen spielen und hatte – außer im vergangenen Jahr – immer deutlich bessere Zahlen gegen Linkshänder als gegen Rechtshänder. Damit könnte er in Arizona vor allem für Jake Lamb an der ersten Base ein sinnvoller Platoon-Partner sein.

Dodgers ertraden neuen alten Catcher
Nach dem Abgang von Yasmani Grandal waren die Los Angeles Dodgers händeringend auf der Suche nach einem neuen Catcher. Wie vielen anderen Klubs waren auch ihnen die Forderungen, die die Miami Marlins für J.T. Realmuto stellen, offenbar zu hoch. Deswegen haben sie sich nun zumindest vorerst mit einer günstigeren Tradeoption begnügt: Russell Martin kommt von den Toronto Blue Jays im Austausch gegen die Minor Leaguer SS Ronny Brito und RHP Andrew Sopko. Die Blue Jays übernehmen rund 16,4 Millionen Dollar von Martins Gehalt im finalen Vertragsjahr 2019, sodass die Dodgers ihm nur 3,6 Millionen zahlen müssen. Für dieses relativ überschaubare Geld haben sie nun einen in Kürze 36-jährigen Catcher mit unverändert guter Defense, dessen Offensivleistungen jedoch in den letzten Jahren spürbar nachgelassen haben. Martin war 2002 von den Dodgers gedraftet worden und hatte bereits von 2006 bis 2010 für sie gespielt.

Giants und Blue Jays ergänzen Pitching-Staff
Die San Francisco Giants haben sich mit Pitcher Derek Holland auf einen Einjahresvertrag geeinigt. Der Linkshänder erhält 7 Millionen Dollar und kann dieses Gehalt in Abhängigkeit von der Anzahl seiner Starts auf bis zu 9 Millionen steigern. Zudem haben die Giants die Option auf ein weiteres Vertragsjahr. Holland hatte seine durch Verletzungen beeinträchtigte Karriere letztes Jahr in San Francisco erfolgreich wiederbelebt und es auf einen ERA von 3.57 in 30 Starts mit 171.1 Innings gebracht. Auch die Toronto Blue Jays haben ihr Pitching-Personal ergänzt: David Phelps, der die letzte Saison durch eine Tommy-John-Surgery verpasst hat, unterschreibt einen Einjahresvertrag plus Kluboption für 2020. Phelps wird mindestens 2,5 Millionen Dollar verdienen, hinzu kommen mehrere leistungsbezogene Boni. Der ehemalige Starter war von den Seattle Mariners 2016 zum Reliever umfunktioniert worden und hatte in dieser Rolle starke Leistungen gebracht, bevor die Verletzung ihn ausbremste.

Ein neuer Outfielder für die Rays
Die Tampa Bay Rays haben ebenfalls noch ein Puzzlestück hinzugefügt: Zu ihnen kommt Outfielder Avisail Garcia, der von den Chicao White Sox keinen neuen Vertrag erhalten hatte. Garcia bekommt für einen Einjahreskontrakt leistungsabhängig zwischen 3,5 und 6 Millionen Dollar. Die starke Leistungsbezogenheit des Vertrages erscheint logisch, denn Garcias bisherige Karriere war ein ziemliches Auf und Ab. Die Rays wollen offenbar sicher gehen, dass sie nicht zu viel bezahlen, falls sie nicht wie erhofft den Avisail Garcia von 2017 erhalten, sondern eher den von 2018.

Harper und Machado lassen sich weiterhin Zeit
Nicht viel Neues gibt es derweil im Hinblick auf die beiden begehrtesten Free Agents dieser Offseason, Bryce Harper und Manny Machado, zu vermelden – ganz ohne diese beiden Namen kommt ein Grand Slam am Donnerstag zurzeit aber auch nicht aus. Die Erkenntnisse der letzten Tage sind: Die Philadelphia Phillies gelten als Favorit, entweder Harper oder Machado – jedoch nicht beide – an Land zu ziehen. Die Chicago White Sox sind ebenfalls an beiden interessiert, werben aber vor allem um Machado. Sie haben ihm wohl schon vor einigen Wochen ein Angebot in der Größenordnung von sieben Jahren und 175 Millionen Dollar unterbreitet – was zwar eine Menge Geld ist, aber weniger als das, was von den meisten Experten als sein Marktwert angesehen wird. Bezüglich Harper sind auch die Washington Nationals noch im Rennen, obwohl die Gerüchte um eine Rückkehr ihres Superstars seit letzter Woche wieder deutlich abgekühlt sind. Über die New York Yankees hieß es schon mehrmals, sie seien in Bezug auf Machado und/oder Harper aus dem Rennen, aber sie scheinen mindestens noch mit einem Auge darauf zu schielen, wie sich die Sache entwickelt.

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Januar 10th, 2019 by Silversurger

Das wichtigste zuerst: Bryce Harper und Manny Machado haben sich immer noch nicht entschieden, wo sie dieses Jahr – und voraussichtlich für einige weitere Jahre – spielen werden. Bei Machado gelten die Yankees als Favorit, im Ringen um Harper haben sich überraschenderweise die Nationals mit einem wohl deutlich verbesserten Angebot zurück gemeldet. Um beide Top-Free-Agents buhlen außerdem die White Sox und die Phillies. Die Hoffnung rund um die Liga ist, dass eine Art Domino-Effekt auf dem Free-Agent-Markt einsetzt, sobald Harper und Machado ihre Wahl getroffen haben. Bereits spürbar gelichtet haben sich die Märkte für Catcher und hochwertige Reliever, nachdem in den letzten Tagen Yasmani Grandal, Zach Britton und David Robertson neue Verträge unterschrieben haben.

Grandal zu den Brewers
Die Milwaukee Brewers haben sich die Dienste von Yasmani Grandal gesichert. Er erhält einen Einjahresvertrag über 18,25 Millionen Dollar – ein überraschend kurzer und überraschend günstiger Deal für den besten Catcher, der als Free Agent verfügbar war. Angesichts dieses relativen Schnäppchens können die Brewers leicht verschmerzen, dass sie zudem ihren dritthöchsten Draftpick an die Los Angeles Dodgers abgeben müssen, nachdem Grandal bei seinem Ex-Klub ein Qualifying Offer abgelehnt hatte. Dieses war mit 17,9 Millionen übrigens nur unwesentlich niedriger als das Gehalt, das Grandal nun in Milwaukee akzeptiert hat. Es sieht ein bisschen danach aus, dass er sich bezüglich seines eigenen Marktwertes überschätzt hatte und nun den kurzen Vertrag angenommen hat, um in der nächsten Offseason einen neuen Anlauf auf einen noch lukrativeren Kontrakt zu nehmen.

Phillies verpflichten Robertson
Die Philadelphia Phillies haben sich erfolgreich um David Robertson bemüht. Der 33-Jährige ist einer der konstantesten Relief Pitcher der letzten Jahre und soll laut den Vorstellungen von Phillies-Manager Gabe Kapler ohne starr zugewiesene Rolle immer dann zum Einsatz kommen, wenn die wichtigsten Outs benötigt werden. Robertson hat sich bei der Klubsuche und den Vertragsverhandlungen in dieser Offseason selbst vertreten – eine Seltenheit in der MLB. Das von ihm erzielte Resultat kann sich durchaus sehen lassen: Er erhält 23 Millionen Dollar für zwei Jahre, für weitere 12 Millionen kann der Klub den Vertrag um ein dritte Jahr verlängern.

Britton bleibt bei den Yankees
Durch Robertsons Entscheidung, die New York Yankees zu verlassen, waren diese unter Zugzwang, wenigstens den anderen ihrer beiden Top-Reliever mit ausgelaufenem Vertrag zu halten. Das ist gelungen, indem man Zach Britton einen Dreijahresvertrag über 39 Millionen Dollar plus Klub-Option auf ein viertes Jahr für 14 Millionen Dollar anbot. Die Weiterverpflichtung des Linkshänders galt den Yankees als hohe Priorität, für die sie möglicherweise etwas überbezahlt haben. Sie sind nach wie vor daran interessiert, den Bullpen noch weiter zu verstärken. Ein Kandidat dafür ist Adam Ottavino.

Dozier geht nach Washington
2B Brian Dozier hatte 2018 sowohl in der Offensive als auch als Feldspieler ein schwaches Jahr und war für die Dodgers nicht die erhoffte Verstärkung zur Trade Deadline. Die Washington Nationals setzen darauf, dass der All-Star von 2015 und Gold-Glove-Gewinner von 2017 zu seiner Normalform aus den Vorjahren zurückkehrt. Sie bezahlen dem 31-Jährigen dafür 9 Millionen Dollar im Rahmen eines Einjahresvertrages. Dozier stellt vermutlich eine Übergangslösung dar, während die Nationals ihre Prospects Carter Kieboom und Luis Garcia entwickeln.

Rangers hoffen auf Miller
Shelby Miller erhält eine neue Chance, seine bislang enttäuschende Karriere zurück in die Erfolgsspur zu führen: Er wird die Rotation der Texas Rangers ergänzen. Bei 2 Millionen Dollar für einen Einjahresvertrag ist das Riskio, das die Rangers mit seiner Verpflichtung eingehen, überschaubar. Miller war einer der vielversprechendsten jungen Pitcher der Liga, bevor er 2015 zur Hauptperson eines der legendärsten Fehleinkäufe der MLB-Geschichte wurde. Ender Inciarte, Dansby Swanson and Aaron Blair schickten die Arizona Diamondbacks damals für ihn zu den Atlanta Braves. Das galt schon zum Zeitpunkt des Abschlusses als ein schlechtes Geschäft für die Diamondbacks und erwies sich endgültig als Katastrophe, als Miller in den Saisons 2015 und 2016 einen massiven Leistungseinbruch erlitt. Durch eine Tommy-John-Surgery und weitere Ellenbogenprobleme verpasste er die Saisons 2017 und 2018 fast komplett.

Zwei Ergänzungen für die White Sox
Auch die Chicago White Sox haben ihrem Kader zwei weitere Puzzlestücke hinzugefügt: Reliever Kelvin Herrera kommt für zwei Jahre und 18 Millionen Dollar, Outfielder Jon Jay für ein Jahr und vier Millionen. Wie die Zahlen bereits signalisieren, ist Herrera die deutlich relevantere Verstärkung für das Team. Gleichwohl könnte die Verpflichtung von Jay sich als großer Schachzug erweisen: Die White Sox ringen bekanntlich eifrig um die Gunst von Manny Machado. Vor ein paar Wochen hatten sie bereits für dessen Schwager Yonder Alonso getradet, mit Jay kommt nun ein weiterer guter Freund von ihm nach Chicago. Jay, Alonso und Machado trainieren in den Offseasons regelmäßig gemeinsam in Florida.

Tradereiches Wochenende bei den Mets
Gleich drei Trades vermeldeten die New York Mets im Laufe des vergangenen Wochenendes: Aus Milwaukee kommt CF Keon Broxton für RP Bobby Wahl und die Prospects P Adam Hill und IF Felix Valerio; aus Houston kommen Corner-IF/OF J.D. Davis und IF-Prospect Cody Bohanek für OF Ross Adolph, 2B Luis Santana und C Scott Manea; aus Cleveland wechseln P Walker Lockett und IF Sam Haggert für C Kevin Plawecki nach New York. Die Strategie der Mets hinter diesen Moves scheint darin zu bestehen, Ergänzungsspieler eher über die Abgabe von Talenten zu holen als über die Free Agency und dadurch die Gehälter niedrig zu halten. Als Anhänger der Mets hinterlässt einen dieses Vorgehen etwas unschlüssig: Steckt dahinter ein neues Spardiktat der notorisch knausrigen Owner Fred und Jeff Wilpon oder erhält sich GM Brodie Van Wagenen damit den Spielraum für noch eine oder zwei echte Verstärkungen? Das Handeln der Mets innerhalb der kommenden Wochen wird diese Frage beantworten.

Geht Murray doch in die NFL?
Kyler Murray, Collegestar in zwei Sportarten, wurde letztes Jahr in der ersten Draftrunde von den Oakland Athletics ausgewählt. Die A’s entschieden sich für ihn, obwohl zu dem Zeitpunkt unklar schien, ob Murray sein Glück als Profi tatsächlich im Baseball oder nicht doch eher als Football-Quarterback versuchen wird. Hinterher wurde bekannt, dass Klub und Spieler offenbar zuvor eine Absprache getroffen hatten: Murray würde noch einen Winter lang College-Football für die Oklahoma Sooners spielen – was er sehr erfolgreich getan hat – und zum Spring Training seinen knapp 5 Millionen Dollar teuren Vertrag bei den Athletics antreten. Nun ist der junge Mann aber offenbar doch noch mal ins Zweifen geraten. Diversen Quellen zufolge erwägt er, sich für die NFL-Draft im April anzumelden, nachdem ihm von mehreren Experten das Potenzial attestiert wurde, auch dort in der ersten Runde gewählt zu werden. Ob Murray wie geplant Mitte Februar im Trainingslager der Athletics auftaucht, muss nun wieder als völlig offen gelten.

Das kleinste Stadion der MLB wird noch kleiner
Einen Monat, nachdem bekannt wurde, dass die Hoffnungen der Tampa Bay Rays auf einen neuen Ballpark sich vorerst zerschlagen haben, kündigte das Team nun Renovierungs- und Umbaumaßnahmen an seinem alten Stadion an. Insbesondere ist geplant, das komplette Oberdeck zu schließen. Tropicana Field hat mit 31.042 Plätzen bereits das geringste Fassungsvermögen aller MLB-Stadien, welches allerdings regelmäßig nicht mal zur Hälfte ausgeschöpft wird. Durch die Maßnahmen wird sich die Kapazität noch einmal um 5.000 Plätze reduzieren. Das Ziel ist, durch das engere Zusammenrücken der wenigen Zuschauer mehr Atmosphäre zu schaffen. Mittelfristig gelten die Rays aufgrund des geringen Zuspruchs als Kandidat für eine Verlegung der Franchise. Dem steht allerdings ein bis 2027 laufender Vertrag mit der Stadt St. Petersburg über die Stadionnutzung entgegen. Falls die Rays ohne Zustimmung der Stadt vorher umziehen wollten, würde es voraussichtlich zu einem Rechtsstreit um hohe Strafzahlungen kommen.

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Dezember 20th, 2018 by Silversurger

Einen echten Paukenschlag gab es gestern in Bezug auf die Transferpolitik zwischen Kuba und der MLB, die deshalb heute erstes Thema im Grand Slam am Donnerstag ist. Was den Trade- und Free-Agent-Markt angeht, so war die Woche nach den Winter Meetings eher ruhig. Die wichtigsten Neuverpflichtungen, die getätigt wurden, sind Outfielder Michael Brantley, den es zu den Astros zieht, und Catcher Wilson Ramos, der sich mit den Mets geeinigt hat. Von meiner Liste der 20 wichtigsten Free-Agents dieser Offseason hat damit nun genau die Hälfte einen neuen Job gefunden, die anderen zehn sind noch am Suchen und Verhandeln – allen voran die beiden Top-Targets Bryce Harper und Manny Machado.

Legale Wechsel aus Kuba bald möglich?
Baseball ist Nationalsport in Kuba und kubanische Spieler wie Aroldis Chapman, Yoenis Cespedes oder Yasiel Puig sind aus der MLB nicht wegzudenken. Bislang war der Weg zum US-Profi allerdings ein schwieriges und gefährliches Unterfangen für die Spieler, denn ihre einzige Chance bestand in einer Flucht aus dem Heimatland. Das könnte nun endlich der Vergangenheit angehören: Die MLB, die Spielergewerkschaft MLBPA und die Cuban Baseball Federation haben sich auf ein Verfahren geeinigt, nach dem künftig normale Transfers aus der kubanischen Liga möglich sind. Ähnlich wie Spieler aus Japan oder Südkorea können kubanische Profis künftig einen Wechsel in die USA anstreben und je nach Alter und Erfahrung entweder einen Minor-League-Vertrag oder direkt einen MLB-Kontrakt erhalten. An den kubanischen Verband fließt jeweils eine Ablösesumme. Noch ist die Sache aber nicht in trockenen Tüchern, denn es steht noch die Zustimmung der US-Regierung zu dem Deal aus. Die MLB beruft sich darauf, dass das Außenministerium sein Einverständnis signalisiert habe, aber Präsident Trump hat sich noch nicht geäußert. Trump gilt als Kritiker der Entspannungspolitik gegenüber Kuba, durch die sein Vorgänger Obama die Verhandlungen der Baseballverbände erst ermöglicht hatte.

Dreieck-Trade um Santana und Encarnacion
Letzten Donnerstag, kurz nach Fertigstellung meines letzten Grand-Slam-Artikels, kam es zu einem etwas unübersichtlichen Trade, in den nicht wie üblich zwei, sondern gleich drei Teams involviert waren. Kern des Trades ist, dass 1B/DH Carlos Santana von den Seattle Mariners zu den Cleveland Indians wechselt und 1B/DH Edwin Encarnacion aus Cleveland nach Seattle. Außerdem gehen 1B Jake Bauers von den Tampa Bay Rays zu den Indians, 5 Millionen Dollar von den Rays zu den Mariners, 6 Millionen von den Mariners zu den Indians, ein Pick in der nächsten Draft von den Indians zu den Mariners und 3B Yandy Diaz sowie RP Cole Sulser von den Indians zu den Rays. Von den beiden bekannten Namen abgesehen heißt das: Die Mariners sparen Gehaltszahlungen und bekommen einen Draftpick, die Indians sparen für 2019 ebenfalls, legen 2020 aber etwas drauf, und die Rays bekommen junge Spieler, die ihnen besser gefallen als der junge Spieler, den sie abgeben.

White Sox ertraden Alonso
An dem anderen nennenswerten Trade der letzten Tage waren erneut die Indians beteiligt und auch dieser dient vor allem der Entlastung ihrer Gehaltsliste: 1B Yonder Alonso wird zu den Chicago White Sox geschickt, im Gegenzug wechselt Minor-League-Outfielder Alex Call nach Cleveland. Ein interessantes Detail am Rande: Alonso ist ein Schwager und guter Freund von Manny Machado, an dem die White Sox ebenfalls interessiert sind. Möglicherweise hofft man in Chicago, mit ihm als Köder bessere Chancen auf eine Verpflichtung von Machado zu haben.

Brantley unterschreibt bei den Astros
Der wohl beste Outfielder der diesjährigen Free-Agent-Klasse außer Bryce Harper ist vom Markt: Michael Brantley hat sich mit den Houston Astros auf einen Zweijahresvertrag geeinigt. Der 31-jährige Linkshänder hatte 2016 und 2017 mit Verletzungen zu kämpfen, legte aber 2018 eine so starke Saison mit den Indians hin, dass er zum Comeback Player des Jahres in der American League gewählt wurde. Brantley erhält für die zwei Jahre in Houston 32 Millionen Dollar.

Ramos neuer Catcher der Mets
Die New York Mets haben ihren Catcher gefunden. Nach den Gerüchten und Spekulationen der letzten Wochen ist es etwas überraschend, dass dieser weder J. T. Realmuto noch Yasmani Grandal heißt. Mit dem frisch verpflichteten Wilson Ramos fahren sie vermutlich besser, denn von den Leistungswerten her spielen die drei auf Augenhöhe, aber für die beiden anderen hätte man deutlich mehr hergeben müssen. Die Miami Marlins scheinen um einen möglichen Trade von Realmuto sehr hoch zu pokern und erwarteten dem Vernehmen nach mindestens zwei junge, etablierte MLB-Spieler als Gegenleistung. Grandal ist zwar Free Agent wie Ramos, doch er hat dieses Jahr ein Qualified Offer der Dodgers abgelehnt, sodass ein Team, das ihn verpflichtet, als Kompensation einen hohen Draftpick abgeben müsste. Ramos kommt zu relativ günstigen Kondition: Für die kommenden zwei Jahre erhält er 19 Millionen Dollar, zudem haben die Mets die Option auf ein drittes Jahr für 10 Millionen.

McCann zu den White Sox
Auch die White Sox haben auf der Position des Catchers nachgerüstet: James McCann, der die letzten fünf Jahre beim Divisionsrivalen Detroit Tigers aktiv war, unterschreibt für ein Jahr in Chicago. McCann bekommt 2,5 Millionen Dollar für einen Vertrag über ein Jahr und wird voraussichtlich als Backup hinter Welington Castillo dienen.

Der Dark Knight ist jetzt ein Angel
Pitcher Matt Harvey unternimmt einen neuen Versuch, seine bei den Mets großartig begonnene Karriere zu retten, nachdem dies in Folge diverser Verletzungen und anderer Krisen in New York immer unwahrscheinlicher geworden war. Ein Gastspiel in Cincinnati während der zweiten Saisonhälfte 2018 verlief zwar auch nicht traumhaft, weckte aber zumindest ein bisschen Hoffnung, dass Harvey wieder ein solider Starter werden kann. Die Los Angeles Angels scheinen auf diese Hoffnung zu setzen. Sie statten Harvey mit einem recht großzügigen Einjahresvertrag über 11 Millionen Dollar aus.

Padres verpflichten Kinsler
Die San Diego Padres überraschen mit der Verpflichtung eines Second Basemans: Ian Kinsler kommt für zwei Jahre und 8 Millionen Dollar. Auf seiner Position sollte eigentlich der junge Luis Urias spielen, doch der wird nun voraussichtlich erst mal als Shortstop eingesetzt. Dort soll mittelfristig Top-Prospect Fernando Tatis Jr. sein MLB-Debüt geben. Mit der neu erworbenen Flexibilität können die Padres nun besser abwarten, bis der 19-Jährige wirklich so weit ist.

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Dezember 13th, 2018 by Silversurger

Die Winter-Meetings der Teamverantwortlichen in Las Vegas sind heute noch in vollem Gange und alles wartet auf die großen Trades – Realmuto, Syndergaard, Kluber, Andujar sind nur ein paar der Namen, die offenbar heiß gehandelt werden, aber noch keine Abschlüsse hervorgebracht haben. Eine Menge Abschlüsse gab es diese Woche hingegen bereits auf dem Free-Agent-Markt. Charlie Morton, Andrew McCutchen, Jeurys Familia und einige mehr haben ein neues Zuhause gefunden. Leider gab es auch eine sehr traurige Nachricht, die ich ganz am Ende des Artikels aufgreife.

Die Orioles haben einen neuen Manager
Die Entscheidung der Baltimore Orioles für einen neuen Manager kommt relativ spät in der Offseason. Das erklärt sich dadurch, dass sie bei ihrem kompletten Neustart erst vor wenigen Wochen einen neuen General Manager, Mike Elias, eingestellt haben. Die eigentliche Suche nach einem Nachfolger für Buck Showalter ging danach durchaus zügig vonstatten. Brandon Hyde galt schnell als wahrscheinlicher Kandidat und wurde gestern offiziell als Manager der Orioles vorgestellt. Der 45-Jährige bringt bereits 14 Jahre Coaching-Erfahrung mit, war Minor-League-Manager und Bench Coach bei den Miami Marlins und zuletzt Bench Coach der Chicago Cubs. Hyde war bereits bei den Blue Jays, den Twins und den Angels in der engeren Auswahl gewesen, als diese früher in der Offseason ihre Managerposten neu besetzten. In Baltimore übernimmt er ein Team in ziemlich katastrophalem Zustand, aber solch eine Situation ist für einen Neuling ja immer auch eine Chance.

Morton, Familia und weitere Free-Agent-Verpflichtungen
Drei Pitcher aus meiner Top-20-Liste der diesjährigen Free Agents haben sich mit neuen oder alten Teams geeinigt. Charlie Morton, bisher bei den Astros, unterschreibt für zwei Jahre bei den Tampa Bay Rays. Mit einer Gehaltszusage von 30 Millionen Dollar haben sich die Rays für ihre Verhältnisse weit aus dem Fenster gelehnt. J. A. Happ bleibt unterdessen bei den New York Yankees; er unterschreibt ebenfalls für zwei Jahre und erhält dafür 34 Millionen Dollar. Darüber hinaus haben die Yankees die Option auf ein drittes Jahr für weitere 17 Millionen. Auch die New York Mets sichern sich die Dienste eines alten Bekannten: Reliever Jeurys Familia kehrt von seinem kurzen Ausflug nach Oakland für drei Jahre und 30 Millionen Dollar zurück nach Queens.

Einen weiteren hochkarätigen Free Agent haben die Philadelphia Phillies mit Outfielder Andrew McCutchen an Land gezogen. Der 32-Jährige erhält 50 Millionen Dollar für die nächsten drei Jahre, ein viertes Jahr ist optional für den Klub.

Weitere nennenswerte Verpflichtungen dieser Woche waren: Reliever Joe Kelly (3 Jahre, 25 Millionen) zu den Dodgers; Starting Pitcher Lance Lynn (3 Jahre, 30 Millionen) zu den Rangers; Outfielder Billy Hamilton (1 Jahr, 5,25 Millionen plus Option) zu den Royals; First Baseman Justin Bour (1 Jahr, 2,5 Millionen) zu den Angels; Shortstop Jordy Mercer (1 Jahr, 5,25 Millionen) zu den Tigers.

Roark von Washington nach Cincinnati
Der Vorname Tanner ist meines Wissens gar nicht so häufig, aber den Washington Nationals und den Cincinnati Reds ist es gelungen, einen Trade einzufädeln, bei dem ein Tanner (Roark) gegen einen anderen Tanner (Rainey) getauscht wird. Der 32-jährige Roark soll in Cincinnati als Mentor einer jungen Rotation dienen. Rainey ist ein Talent als Reliever, auch wenn er das bei seinen ersten acht MLB-Einsätzen, die ihm einen ERA von 24.43 einbrachten, noch nicht zeigen konnte.

White Sox ertraden Nova 
Auch die Chicago White Sox haben per Trade eine Lücke in ihrer Starting Rotation gefüllt. Ivan Nova kommt aus Pittsburgh im Austausch gegen das 19-jährige Prospect Yordi Rosario und 500.000 Dollar internationales Bonusbudget.

Phillies und Angels traden Reliever
Die Phillies und die Angels haben einen Trade durchgeführt, der mich etwas verwundert zurück lässt: Getauscht wurden die Reliever Jose Alvarez und Luis Garcia. Beide stehen noch zwei Jahre unter Teamkontrolle, beide werden 2019 ungefähr 1,7 Millionen Dollar verdienen. Allerdings brachte der 31-jährige Garcia es 2018 in Philadelphia auf einen sehr schwachen ERA von 6.07, während der 29-jährige Alvarez mit einem ERA von 2.71 der beste Reliever der Angels und obendrein ihr einziger Linkshänder war. Gut, wenn man tiefer in die Zahlen eintaucht, finden sich Hinweise, dass Garcias Werte von Pech und schlechtem Fielding seiner Mitspieler nach unten gezogen wurden. Das Bild von einem Trade, bei dem ein jüngerer, besserer Spieler gegen einen älteren, schlechteren 1:1 getauscht wird, bleibt dennoch bestehen.

Indians planen mit Carrasco – Kluber oder Bauer im Angebot
Carlos Carrasco bleibt noch lange bei den Cleveland Indians: Nachdem der Klub zum 30. Oktober bereits die Vertragsoption für 2019 gezogen hatte, einigte man sich nun auf einen neuen Vertrag, der ihm bis 2022 insgesamt 44 Millionen Dollar einbringt und weitere 14 Millionen, wenn die Indians die Option auf die Saison 2023 ausüben. Damit ist ein Pfeiler in der Indians-Rotation für die nächsten Jahre gesetzt, während zwei andere sich in der Schwebe befinden: Sowohl Corey Kluber als auch Trevor Bauer wurden in den letzten Tagen für mögliche Trades ins Gespräch gebracht, mit denen die Indians ihre Basis an Talenten verbreitern möchten.

Tulowitzki auf Teamsuche
Eine überraschende Entlassung haben am Dienstag die Toronto Blue Jays vorgenommen: Troy Tulowitzki wurde aus dem Kader gestrichen und ist frei, sich ein neues Team zu suchen. In Anbetracht dessen, dass die Blue Jays derzeit nicht konkurrenzfähig sind und sich um Verjüngung bemühen, ist die Trennung von einem 34-jährigen Shortstop verständlich. Allerdings bleiben sie dabei auf 38 Millionen Dollar sitzen, die sie Tulowitzki für die nächsten zwei Jahre vertraglich garantiert haben. Für ein anderes Team winkt nun ein Schnäppchen, denn wer Tulowitzki aufnimmt, muss ihm lediglich das Mindestgehalt von 555.000 Dollar bezahlen; um den Rest kümmern sich wohl oder übel die Blue Jays.

Napoli beendet Karriere
Noch ein paar Jahre älter als Tulowitzki ist Mike Napoli. Der 37-Jährige First Baseman – früher auch Catcher – hat nun verkündet, seine MLB-Karriere nach 13 Jahren offiziell zu beenden. Napoli stand letztes Jahr bei den Indians unter Vertrag, kam aber wegen einer Knieverletzung nicht zum Einsatz.

Top-Pick der Athletics in anderem Sport geehrt
Die Profikarriere noch vor sich hat Kyler Murray – die Frage ist allerdings noch, in welcher Disziplin. Der letztjährige Pick der Oakland Athletics in Runde 1 der Draft ist ein hochtalentierter Outfielder, allerdings auch ein ebenso hervorragender Quarterback für die Oklahoma Sooners. Als solcher wurde er nun mit der Heisman Trophy ausgezeichnet, dem Award für den besten College-Footballer des Jahres. Trotz dieser hohen Anerkennung bleibt Murray aber bislang bei seiner Ankündigung, ab nächstem Jahr Baseball für die Athletics spielen zu wollen.

Zwei Ex-MLB-Spieler bei Raubüberfall getötet
Zum Schluss noch die angekündigte Trauermeldung: Die beiden ehemaligen MLB-Profis Luis Valbuena und Jose Castillo sind letzte Woche in ihrer Heimat Venezuela bei einem Autounfall gestorben. Das wäre allein schon tragisch genug, doch wie inzwischen bekannt wurde, handelte es sich um einen absichtlich herbeigeführten Unfall. Straßenräuber hatten ein Hindernis auf der Fahrbahn platziert, um die Insassen des Fahrzeugs auszurauben. Valbuena und Castillo waren gemeinsam mit einem Teamkameraden auf der Rückfahrt von einem Spiel in der venezolanischen Winterliga gewesen. Die Führung der Liga sagte nach den schrecklichen Ereignissen den folgenden Spieltag ab und denkt nun über ein generelles Verbot von privaten Fahrten zu den Spielen nach, da Überfälle wie dieser in dem Land wohl kein Einzelfall sind.

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Dezember 6th, 2018 by Silversurger

Es ist mir jetzt fast ein bisschen peinlich, dass ich letzte Woche an dieser Stelle von „Saure-Gurken-Zeit“ gesprochen habe. Damit lag ich völlig daneben, denn auf dem Trade- und Free-Agent-Markt der MLB haben sich in den letzten Tagen die Ereignisse geradezu überschlagen. Dabei haben noch nicht mal die Winter Meetings angefangen. Das jährliche Treffen von Repräsentanten aller 30 Teams findet ab dem kommenden Samstag für vier Tage in Las Vegas statt. Traditionell ist das die Gelegenheit, bei der die großen Deals besprochen werden. Dieses Jahr hat sich einiges schneller entwickelt, zu einem guten Teil angetrieben durch Jerry Dipoto, den trade-eifrigen General Manager der Seattle Mariners. Man darf gespannnt sein, ob es auf den Meetings so handlungsfreudig weitergeht oder ob mit den bereits durchgezogenen Deals das Vehandlungspulver schon weitgehend verschossen ist.

Paul Goldschmidt zu den Cardinals
Ich fange mal an mit dem bisher einzigen Blockbuster-Trade des Jahres, an dem Dipoto und die Mariners nicht beteiligt waren: Paul Goldschmidt, bislang Dreh- und Angelpunkt der Offensive der Arizona Diamondbacks, geht zu den St. Louis Cardinals. Im Gegenzug wechseln Pitcher Luke Weaver, die beiden Minor Leaguer Catcher Carson Kelly und Infielder Andrew Young sowie ein Draftpick für 2019 nach Arizona. Goldschmidt ist eine deutliche Verstärkung für die Cardinals – das wäre er für jedes Team – und wird mit Matt Carpenter ein furchterregendes Duo an den Ecken des Infields bilden. Während St. Louis somit klar den Angriff auf die Spitze der NL Central wagt, scheint man sich bei den Diamondbacks eher in Richtung Neuaufbau zu orientieren. Goldschmidt ist weg, Patrick Corbin (siehe unten) ebenfalls und auch A. J. Pollocks ausgelaufener Vertrag wird wohl nicht verlängert werden.

Mets ertraden Cano und Diaz
Angefangen hatte die Woche mit dem ersten großen Trade der Seattle Mariners seit James Paxton, also seit rund zwei Wochen. Die New York Mets verstärken sich mit Second Baseman Robinson Cano und Closer Edwin Diaz. Dafür gehen Outfielder Jay Bruce, Reliever Anthony Swarzak sowie die drei Pitcher-Talente Jarred Kelenic, Justin Dunn und Gerson Bautista nach Seattle. Cano ist auf seiner Position einer der besten Spieler aller Zeiten, allerdings ist er schon 36 Jahre alt, saß dieses Jahr eine Dopingsperre ab und bringt noch fünf Jahre Vertragslaufzeit über 120 Millionen Dollar mit. Um die Kosten und das Risiko stemmen zu können, waren die Mets froh, mit Bruce und Swarzak zwei Spieler abgeben zu dürfen, die ebenfalls relativ teure Verträge haben und zuletzt die Erwartungen nicht erfüllen konnten. Zudem übernehmen die Mariners noch 20 Millionen Dollar von Canos Gehalt. Die drei Prospects, vor allem Kelenic, dürften den Mets mehr weh getan haben als Bruce und Swarzak. Immerhin erhalten sie dafür mit Diaz den zurzeit besten Closer der Liga, der zudem erst 24 Jahre alt ist und noch vier Jahre unter Teamkontrolle steht.

Phillies sichern sich Segura
Nachdem sich letzte Woche die Atlanta Braves mit Josh Donaldson und Brian McCannn und diese Woche die Mets mit Cano und Diaz verstärkt hatten, wollten die Philadelphia Phillies nicht zurück stehen. Sie haben daraufhin ebenfalls einen Deal mit Seattle eingefädelt, der ihnen All-Star-Shortstop Jean Segura sowie die beiden Reliever Juan Nicasio und James Pazos einbringt. Die Mariners erhalten dafür First Baseman Carlos Santana und Shortstop J. P. Crawford. Aus sportlicher Sicht ergibt dieser Trade kaum Sinn für die Mariners – es geht für sie letztlich einzig um gesparte Gehälter. Wenn man den Vertrag von Santana gegenrechnet, ergibt sich für Seattle eine Ersparnis von über 30 Millionen Dollar.

Colome zu den White Sox getradet
Und gleich noch einer, der von der Gehaltsliste der Mariners gestrichen werden kann: Reliever Alex Colome geht von Seattle zu den Chicago White Sox. Für ihn bekommen die Mariners Catcher Omar Narvaez. Narvaez ist ein Ergänzungsspieler, der noch bis 2022 unter Teamkontrolle steht und 2019 das Mindestgehalt der MLB verdienen wird – es handelt sich also um einen weiteren Trade, der von Seattles Seite primär der Kostenreduktion dient.

Nationals holen Corbin und Gomes
Im Windschatten der aufsehenerregenden Trades dieser Woche haben die Washington Nationals sich das bisher größte Free-Agent-Signing der Offseason geleistet. Der linkshändige Starting Pitcher Patrick Corbin, in meinem Free-Agent-Ranking auf Platz drei, unterschreibt einen Sechsjahresvertrag über 140 Millionen Dollar. Die Nationals überraschen mit diesem Move. Eigentlich hatten einige Anzeichen dafür gesprochen, dass sie zu einem Rebuilding tendieren und in der NL East für die nächsten zwei, drei Jahre den Braves, den Phillies und vielleicht den Mets das Feld überlassen. Die Verpflichtung von Corbin spricht eine andere Sprache und ebenso, dass die Nationals zudem Catcher Yan Gomes für zwei Prospects von den Cleveland Indians ertradet haben. Mit vier Teams, die an die Spitze streben, könnnte die NL East die interessanteste Division der kommenden Saison werden.

Ein neuer Catcher für die Astros
Auch die Houston Astros haben sich einen neuen Catcher gegönnnt: Robinson Chirinos erhält einen Vertrag über ein Jahr und 5,75 Millionen Dollar. Chirinos ist als mittelmäßiger Batter und defensiv unterdurchschnittlicher Catcher eher der Typ Ergänzungsspieler. Für den Moment darf er sich als Teil der Startaufstellung fühlen, denn die Catcher aus dem letzten Jahr – Brian McCann, Martin Maldonado und Evan Gattis – wurden allesamt nicht weiter verpflichtet.

Garrett Richards zu den Padres
Die San Diego Padres investieren für das Jahr 2020, indem sie Pitcher Garrett Richards (bisher bei den Los Angeles Angels) einen Zweijahresvertrag über 15 Millionen Dollar geben. Das ist eine Menge Geld für einen 30-Jährigen mit ausführlicher Verletzungsgeschichte, der 2019 voraussichtlich kein Spiel absolvieren wird, nachdem er im Juli eine Tommy-John-Surgery hatte. Es ist eine Verpflichtung mit hohem Risiko, aber auch mit hohen Chancen. Denn immer wenn Richards gesund war, hat er gezeigt, dass er ein sehr guter Pitcher ist, der einem Team weiterhelfen kann.

Einige neue Free Agents
Üblicherweise steht man als Spieler in den ersten sechs Jahren seiner MLB-Karriere unter Teamkontrolle. Drei Jahre lang verdient man in der Regel das Minimum, danach wird das Gehalt im sogenannten Arbitration-Verfahren ausgehandelt – es sei denn, der Verein hat kein Interesse, den Spieler weiter zu beschäftigen. Letzten Freitag endete der Zeitraum, in dem die Teams entscheiden mussten, welchen Spielern im vierten bis sechsten Jahr sie einen Vertrag anbieten. Jene, die kein Angebot bekommen haben, sind nun Teil des Free-Agent-Marktes. Unter ihnen sind keine ganz große Namen, aber doch ein paar Überraschungen. 2B Jonathan Schoop (zuletzt Brewers), OF Billy Hamilton (Reds), IF Yangervis Solarte (Blue Jays), IF Wilmer Flores (Mets), P Mike Fiers (Athletics) und 1B Justin Bour (Phillies) sind die bekanntesten unter den „non-tendered“ Free Agents, die nun auf der Suche nach einem neuen Team sind.

Dodgers verlängern mit Dave Roberts
Nach der zweiten verlorenen World Series hintereinander waren Zweifel aufgekommen, ob die Los Angeles Dodgers an ihrem Manager Dave Roberts festhalten würden. Die Dodgers zogen dann aber doch zunächst die Option auf ein weiteres Jahr und nun haben sie sich mit Roberts auf eine langfristige Fortsetzung der Zusammenarbeit geeinigt: Vier Jahre, also bis einschließlich zur Saison 2022, soll der 46-Jährige im Amt bleiben. Die finanziellen Konditionen der Einigung wurden bisher nicht bekannt.

Eovaldi bleibt in Boston
Quasi in letzter Sekunde erfahre ich gerade, dass auch die Nummer sieben meiner Free-Agent-Liste, Nathan Eovaldi, einen neuen Vertrag in der Tasche hat. Der Pitcher bleibt bei den Boston Red Sox, mit denen er gerade die World Series gewonnen hat. Der Vertrag läuft wohl über vier Jahre und 67,5 Millionen Dollar.

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November 15th, 2018 by Silversurger

Diese Woche steht der Grand Slam ganz im Zeichen der offiziellen MLB-Awards für die Saison 2018. Die besten Rookies, die besten Manager und die besten Pitcher des Jahres wurden in den letzten Tagen bekannt gegeben. Nun richtet sich die Spannung auf die wichtigste Einzelauszeichnung, den Most Valuable Player (MVP) in beiden Teilligen. Die wichtigsten sonstigen Nachrichten der Woche sind, dass in Baltimore eine GM-Karriere neu beginnt, in Minnesota eine bedeutende Spielerkarriere endet und die Karriere des Spitzenfunktionärs der MLB um fünf Jahre verlängert wird.

Cy-Young-Awards für Snell und deGrom
Die beiden herausragenden Pitcher des Jahres sind Blake Snell von den Tampa Bay Rays in der American League und Jacob deGrom von den New York Mets in der National League. In der AL war es ein relativ knappes Rennen zwischen Snell und Houstons Justin Verlander. Snell setzte sich am Ende mit 17 ersten Plätzen auf den 30 Wahlzetteln und mit insgesamt 169 Punkten durch, während Verlander die restlichen 13 Erstplatzierungen und 154 Gesamtpunkte hatte. Für deGrom war es eine sehr viel deutlichere Angelegenheit: 29 von 30 Erststimmen und 207 Gesamtpunkte entfielen auf ihn, der Abstand auf Washingtons Max Scherzer mit einem einzigen ersten Platz und 123 Punkten war riesig. Im Endeffekt haben sich also die Pitcher durchgesetzt, die in der populärsten Statistik – dem Earned Run Average – vorne lagen. 1.70 ERA von deGrom und 1.89 ERA von Snell ergeben das erste Mal in der über 50-jährigen Geschichte des Awards, dass die Preisträger in beiden Ligen einen Wert von unter 1.90 aufweisen.

Ohtani und Acuna die besten Rookies
Die Wahlen zum besten Neuling des Jahres gingen in beiden Ligen eindeutig aus. In der NL landete Outfielder Ronald Acuna Jr. von den Atlanta Braves mit 27 ersten Plätzen deutlich vor Washingtons Juan Soto und Walker Buehler von den Dodgers. Das war einigermaßen erwartbar, im Gegensatz zum Ergebnis der AL: Shohei Ohtani, Two-Way-Star als Pitcher und Batter für die Los Angeles Angels, landete auf 25 von 30 Wahlscheinen ganz vorne und ließ die Yankees-Infielder Miguel Andujar und Gleyber Torres abgeschlagen auf den Plätzen zwei und drei landen. Andujar galt vorher als Mitfavorit auf Augenhöhe, aber am Ende führte dann für eine Mehrzahl der Wahlberechtigten trotz Verletzung offensichtlich kein Weg vorbei an dem spektakulären Multitalent aus Japan.

Manager des Jahres sind Melvin und Snitker
Mit Bob Melvin von den Oakland Athletics und Brian Snitker von den Atlanta Braves gewannen zwei Manager die jährliche Auszeichnung, die ihre jeweiligen Teams zu überraschend starken Saisons gecoacht haben. Melvin gelang es, mit den Athletics und ihrem Low-Budget-Kader 97 Siege zu erzielen und bis in die Wild-Card-Runde der AL vorzudringen. Für diese Leistung erhielt er 18 von 30 Erststimmen. Auf Platz zwei landete Alex Cora vom World-Series-Sieger Boston Red Sox. Snitker brachte es mit seinem jungen Team auf eine Bilanz von 90-72, was genau der Kehrwert der vorherigen Saison der Braves war und für den Gewinn der NL East reichte. Bei der Wahl zum NL-Manager des Jahres kam er 17-mal auf den ersten Platz und gewann den Award knapp von Craig Counsell von den Milwaukee Brewers. Man muss an dieser Stelle noch mal herausstellen, dass alle Awards, die diese Woche vergeben wurden und noch werden, sich ausdrücklich auf die reguläre Saison beziehen. Die Wahl durch die Journalistenvereinigung BBWA fand direkt vor dem Start der Postseason statt und somit ohne Berücksichtigung von Erfolgen oder Misserfolgen in den Playoffs.

MVP-Awards folgen heute Nacht
Heute Nacht, zwischen 0 und 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit, werden die höchsten Auszeichnungen vergeben, die man als Spieler in einer Saison erreichen kann. Genau wie für die anderen Awards wurden vorher jeweils drei Finalisten bekannt gegeben. In beiden Ligen gibt es klare Favoriten und es wäre eine große Überraschung, wenn nicht Mookie Betts in der AL und Christian Yelich in der NL die begehrte Trophäe erhielten. Die anderen Finalisten – José Ramirez und Mike Trout in der AL, Nolan Arenado und Javier Báez in der NL – stehen alle mit Recht auf dem Treppchen, aber an Betts und Yelich dürfte dieses Jahr kein Weg vorbei führen. Beide dominieren sowohl die traditionellen als auch die fortgeschrittenen Statistiken und beide haben auch ihr Team zu hervorragenden Saisons geführt.

Die Orioles haben einen neuen General Manager
Den Baltimore Orioles steht nach einer katastrophalen Saison und dem Abgang diverser Topspieler ein umfassendes Rebuilding ins Haus. Die Verantwortung für dessen Umsetzung wird in die Hände von Mike Elias gelegt, der den Posten des General Managers übernimmt. Der 35-jährige Elias war bisher Assistenz-GM bei den Houston Astros und dort vor allem für Spielerverpflichtungen verantwortlich. Diesen Job hat er offensichtlich nicht ganz schlecht gemacht, denn die Astros haben unter seiner Mitwirkung die World Series 2017 gewonnen und waren auch dieses Jahr eines der stärksten Teams der Liga. Für das 115-Niederlagen-Team Baltimore ist es bis dahin noch ein weiter Weg, aber von den Astros zu lernen ist sicher kein schlechtes Rezept.

Alex Cora bleibt länger
Die Boston Red Sox hatten ihren vor der Saison neu verpflichteten Manager Alex Cora zunächst mit einem Vertrag bis 2020 plus Cluboption für 2021 ausgestattet. Nach Coras extrem erfolgreichen ersten Jahr mit der gewonnenen World Series und dem zweiten Platz als Manager des Jahres wurde er nun damit belohnt, dass sein Vertrag um ein Jahr verlängert wurde. Er läuft nun fest bis 2021, anschließend hat unverändert der Verein die Option auf ein weiteres Jahr.

Joe Mauer beendet seine Karriere
Nach 15 Jahren in der MLB, alle für die Minnesota Twins, beendet Catcher Joe Mauer seine Karriere. Mauer war für lange Zeit das Gesicht der Twins-Franchise. Er wuchs als Fan der Twins in St. Paul auf und wurde von diesen im Jahr 2001 als Nummer-1-Pick gedraftet. Er erreichte sechsmal das All-Star-Team und war 2009 MVP der Liga. 2006, 2008 und 2009 führte er die AL mit dem höchsten Batting Average an – damit war er der erste Catcher in der AL, der einen Batting-Titel gewann und der erste Catcher in der gesamten MLB, dem dies dreimal gelang. Langweilig dürfte es für Mauer zu Hause so schnell nicht werden, denn wenige Tage nach dem Verkünden seines Ruhestands wurden er und seine Frau Eltern ihrer dritten Tochter.

Fünf weitere Jahre für Manfred
In Atlanta findet derzeit ein Treffen der Teambesitzer statt. Wichtigster Tagesordnungspunkt: Der Vertrag von Rob Manfred als Commissioner der MLB wird um fünf Jahre verlängert. Formal handelt es sich um eine Abstimmung, aber ist ganz stark zu erwarten, dass diese einstimmig zu Gunsten von Manfred ausfallen wird. Der 60-Jährige steht der Liga seit 2015 vor. In seiner Amtszeit wurden Rekordumsätze erzielt und es wurde ein neuer Rahmenvertrag mit der Spielergewerkschaft ausgehandelt, der allgemein als sehr günstig für die Teambesitzer gilt. Vor diesem Hintergrund gibt es aus Sicht der Vereine kaum etwas, das gegen eine Verlängerung seiner Amtszeit spricht.

Nur Ryu akzeptiert das Qualifying Offer
Sieben Spieler mit auslaufendem Vertrag hatten vor 14 Tagen von ihrem Team ein sogenanntes Qualifying Offer über 17,9 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr erhalten. Bryce Harper, Dallas Keuchel, Patrick Corbin, A. J. Pollock, Yasmani Grandal und Craig Kimbrel haben dieses Angebot allesamt abgelehnt. Das war zu erwarten, aber als Formsache mussten die Teams das Angebot unterbreiten. Damit sicherten sie sich die Chance, einen hohen Draftpick als Kompensation zu erhalten, wenn die Spieler woanders unterschreiben. Der einzige, der das Angebot angenommen hat, ist Hyun-Jin Ryu. Der südkoreanische Linkshänder bleibt somit den Los Angeles Dodgers für 2019 als Starting Pitcher erhalten. Der 31-Jährige schloss die Saison 2018 mit einem ERA von 1.97 und 3.00 FIP ab.

James Paxton auf dem Tradeblock?
Die Offseason ist immer auch die Zeit der Trade-Spekulationen. Dass gerade die Seattle Mariners unter GM Jerry Dipoto einem guten Deal (oder einem, den sie dafür halten) nie abgeneigt sind, ist ebenfalls bekannt. Von daher kann es gut sein, dass sich das aktuell heißeste Gerücht bewahrheitet: James Paxton, das aktuelle Ass der Mariners, soll für einen Trade zur Verfügung stehen. Angesichts des relativ dünnen Free-Agent-Marktes für Starting Pitcher dürfte sich eine ganze Reihe von Interessenten finden, allen voran vermutlich die Yankees und die Astros.

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November 1st, 2018 by Silversurger

Seit vier Tagen ist die MLB-Saison 2018 Geschichte. Die Boston Red Sox sind noch mitten in den redlich verdienten Feierlichkeiten nach der souverän gewonnenen World Series, alle anderen machen sich mehr oder weniger intensiv Gedanken, wie man den Bostonern im nächsten Jahr das Leben schwerer machen kann als in diesem. Das gilt ganz besonders für die Los Angeles Dodgers, bei denen nach der verlorenen Finalserie zwei wichtige Personalentscheidungen anstehen.

Hier auf dem Baseblog ist die Offseason traditionell die Zeit, in der ich mich neben dem aktuellen Geschehen verstärkt mit Hintergrundthemen wie  Taktiken, Geschichte, Ballparks und so weiter beschäftige. Es wird dazu wieder das beliebte Wunschkonzert geben, das ich mit einem Artikel am kommenden Wochenende starten werde. Also haltet die Augen offen, denn es lohnt sich, beim Wünschen schnell zu sein.

Die World Series
Die World Series ist nun schon ein paar Tage her und ich fange jetzt nicht noch mal damit an, jedes einzelne Spiel durchzugehen. Stattdessen stelle ich die Frage, was von dieser Finalserie in Erinnerung bleiben wird. Mir fällt dazu Folgendes ein:

  • Das längste Spiel der World-Series-Geschichte (siehe „Statistik der Woche“).
  • Nathan Eovaldi, dessen Einsatz als Starting Pitcher dreimal vorgesehen war, aber nie zustande kam, weil er stattdessen im Dienst der Mannschaft immer wieder in kritischen Situationen Relieve-Aufgaben übernahm.
  • Die große Ausgewogenheit des Bostoner Lineups, das sowohl Homeruns als auch Smallball beherrscht und aus dem sich quasi in jedem Spiel ein neuer Held in den Vordergrund schiebt, auch wenn es für die drei, vier Top-Hitter mal nicht rund läuft.
  • David Price, der mit zwei hervorragenden Starts wohl endgültig den Ruf hinter sich gelassen hat, kein guter Playoff-Pitcher zu sein.
  • Clayton Kershaw, der genau das nicht geschafft hat – zwei World-Series-Starts mit einem ERA von 7.36 sind nicht das, was man von einem der – wenn nicht sogar dem – besten Pitcher der Welt erwartet.
  • Kenley Jansen, der als Closer das ist, was Kershaw als Starter ist: Weltspitze, aber in der World Series zum zweiten Mal hintereinander eine herbe Enttäuschung.
  • Ein eiskaltes Batting-Lineup der Dodgers, das es in der World Series auf einen Batting Average von nur .180 brachte. Das ist indiskutabel zu wenig; auch für ein Team, das von seiner Grundanlage her mehr auf Homeruns als auf einen hohen Average ausgerichtet ist.
  • Die Red Sox haben ihren Titelgewinn gestern in Boston mit einer großen Parade gefeiert und können sich nach nunmehr vier gewonnenen World Series innerhalb von 15 Jahren mit Fug und Recht das Team des bisherigen Jahrtausends nennen. 2004, 2007, 2013 und nun 2018 sind die Jahreszahlen der Meisterschaften des erfolgreichsten MLB-Teams seit dem Hattrick der New York Yankees von 1998 bis 2000. Das war damals übrigens auch das bisher letzte Mal, dass ein Team seinen World-Series-Titel verteidigen konnte. Die Red Sox scheinen nach dem überragenden Jahr mit 108 Saisonsiegen und einer durchweg dominanten Postseason ein heißer Kandidat, dieses Kunststück vollbringen zu können. Dafür spricht nicht zuletzt, dass aller Wahrscheinlichkeit nach die Meistermannschaft größtenteils beisammen gehalten werden kann. Craig Kimbrel, Nathan Eovaldi und Joe Kelly sind die hochkarätigsten Free Agents, alle anderen Leistungsträger haben noch Verträge.

    Für die Dodgers stellt sich unterdessen nach der zweiten verlorenen World Series hintereinander die Frage, ob und wie man die Kraft für einen dritten Anlauf findet. Vieles wird an der Frage hängen, ob Superstar Clayton Kershaw sich entscheidet, in Los Angeles zu bleiben. Sein Siebenjahresvertrag mit den Dodgers, von dem noch zwei Jahre ausstehen, enthält eine einseitige Ausstiegsklausel, die er innerhalb von drei Tagen nach Saisonende hätte ziehen können. Das hat er bisher nicht getan, aber er hat sich mit dem Verein auf eine Fristverlängerung bis Freitagnachmittag geeinigt. Das scheint dafür zu sprechen, dass er sich die Entscheidung nicht leicht macht. Viel mehr Geld wird woanders allerdings kaum zu verdienen sein: Mit einem Jahresgehalt von 33 Millionen Dollar ist Kershaw bereits der bestbezahlte Pitcher und der zweitbestbezahlte Baseballspieler der Welt.

    Neben Kershaws Zukunft ist auch die von Manager Dave Roberts ungeklärt. Sein Vertrag läuft aus und bislang haben die Dodgers öffentlich keine klaren Signale gesendet, ob man an einer Verlängerung interessiert ist. Während seiner bislang drei Jahre im Amt hat Roberts 287 Spiele gewonnen und 200 verloren. Er hat sein Team in jedem Jahr an die Spitze der NL West und zweimal hintereinander bis in die World Series geführt. Das ist eine beeindruckende Bilanz, aber man muss auch erwähnen, dass Roberts während der Playoffs mehrfach Kritik für sein Lineup- und Bullpen-Management einstecken musste. Soweit ich es einschätzen kann, gilt Roberts Verbleib als völlig offen.

    Szene der Woche
    Hätte irgend jemand ein Drehbuch zur World Series geschrieben, er hätte wohl keine bessere Schlussszene erfinden können als die, die sich am Sonntag ereignet hat. Auf dem Mound stand Chris Sale, der Top-Pitcher der Red Sox. Er hätte zur tragischen Figur der Postseason werden können, weil er nach einer hervorragenden regulären Saison von einer Magenerkrankung geplagt war und seine Leistung nicht so abrufen konnnte wie gewohnt. Doch das Ende war für ihn mehr als versöhnlich: Er pitchte das neunte Inning des entscheidenden Spiels und schickte alle drei Batter per Strikeout von der Platte. Beim dritten Aus war ausgerechnet Manny Machado am Schlag. Der kurz vor der Trade-Deadline verpflichtete Shortstop der Dodgers hatte während der Playoffs kräftig an seinem Badboy-Image gearbeitet mit mehreren schlecht verdeckten Fouls und mit höhnischem Grinsen über die Buhrufe, die er für seine Aktionen erhielt. Die letzte Szene der Saison also war ein Strikeout von Sale gegen Machado. Nicht irgendein Strikeout, sondern ein perfekter Slider, der Machado so hart daneben schwingen ließ, dass er dabei auf die Knie ging. Baseball kann so schön sein.

    Statistik der Woche
    7:05. So viele Stunden dauerte – nein, nicht Spiel drei der World Series 2018. Das dauerte 7:20 Stunden und somit eine glatte Viertelstunde länger als die gesamte World Series 1939. Auch damals gab es schon den Modus „Best of 7“, also vier Siege bis zum Gewinn der Championship. Die New York Yankees schlugen damals die Cincinnati Reds in 4:0 Spielen.

    Der Rest der Liga
    Beginnen wir mit der traurigsten Nachricht dieser Baseballwoche: Willie McCovey ist tot. Der legendäre First Baseman der San Franciso Giants starb gestern im Alter von 80 Jahren. McCovey spielte von 1959 bis 1980 in der MLB, den größten und erfolgreichsten Teil davon für die Giants. Sein Name wird unsterblich bleiben, nicht nur weil McCovey 1986 in die Hall of Fame gewählt wurde und weil die Giants seine Nummer 44 retired haben, sondern vor allem weil die Bucht hinter der Rightfield-Tribüne von AT&T-Park – das Ziel der berühmten Splash-Hits – im Gedenken an den linkshändigen Slugger allseits als „McCovey Cove“ bekannt ist.

    In den MLB-Franchises geht es ab sofort und für die nächsten Monate vor allem um die Kaderzusammenstellung zur kommenden Saison 2019. Bei den New York Mets musste dafür erst mal ein neuer Verantwortlicher gesucht werden, nachdem General Manager Sandy Alderson während der Saison zurückgetreten war. Die Entscheidung fiel auf Brodie Van Wagenen, einen bisherigen Spieleragenten. Als solcher war Van Wagenen sehr einflussreich, hatte viele namhafte Klienten. Zu selbigen gehörten zum Beispiel die Mets Jacob deGrom, Noah Syndergaard, Yoenis Cespedes und Brandon Nimmo sowie von anderen Teams Robinson Cano, Ryan Zimmerman und Ryan Howard. Der 44-jährige Van Wagenen ist ein Verhandlungsprofi und gilt als guter Analytiker. Interessant wird sein, wie sich sein Wechsel von der Seite der Spieler- zur Seite der Klubvertreter auswirkt. Schließlich hat er nun die Macht und die Verantwortung, seinen Ex-Klienten zu erklären, ob sie aus Sicht des Vereins wirklich die Verträge verdienen, die er als Agent vor Kurzem noch für sie gefordert hat.

    Auch die Toronto Blue Jays sind auf der Suche nach einem neuen leitenden Angestellten fündig geworden. Bei ihnen war es der Posten des Managers, der zu besetzen war. Zur Erinnerung: Das ist im Gegensatz zum General Manager das, was man in anderen Sportarten als Headcoach bezeichnet. Diese Stelle wird ab sofort Charlie Montoyo ausfüllen. Montoyo hat als Spieler nur sehr kurz in die MLB hinein schnuppern dürfen, als Manager dürfte er aber nach 18 Jahren im Minor-League-System sowie drei Jahren als Third-Base-Coach und einem Jahr als Bench-Coach der Tampa Bay Rays wissen, was auf ihn zukommt. Die Coaches der Rays sind dieses Jahr heiß begehrt: Letzte Woche wurde schon Rocco Baldelli als neuer Manager der Twins vorgestellt und Matt Quatraro galt ebenfalls als Kandidat für einen höheren Posten. Den erhält er jetzt bei den Rays, indem er nach Montoyos Wechsel vom Third-Base-Coach zum Bench Coach aufsteigt.

    Kein neues Personal gibt es bei den Oakland Athletics, hier setzt man stattdessen auf Kontinuität: Vizepräsident Billy Beane, General Manager David Forst und Manager Bob Melvin erhielten allesamt frühzeitig neue Verträge, bevor die alten in einem Jahr ausgelaufen wären. Das ist ein klarer Vertrauensbeweis der Klubführung, den das Trio sich durch die sensationell starke Saison ihres Low-Budget-Teams redlich verdient hat.

    Eine der ersten Entscheidungen, die sämtliche General Manager in der Offseason zu treffen haben, ist die über sogenannte Qualifying Offers an Spieler. Ein Qualifying Offer ist ein Vertragsangebot über einen ligaweit einheitlichen Betrag – derzeit rund 17,9 Millionen Dollar – für einen Einjahresvertrag. Dieses Angebot kann man einem Spieler mit auslaufendem Vertrag machen, wenn er a) noch nie in seiner Karriere ein solches Angebot erhalten hat und b) die gesamte abgelaufende Saison im Kader des Vereins verbracht hat. Wahrscheinliche Kandidaten für ein Qualifying Offer sind dieses Jahr zum Beispiel Bryce Harper, Patrick Corbin, Dallas Keuchel und Craig Kimbrel – und auch Clayton Kershaw, falls er die oben erwähnte Option zieht. Wer so ein Angebot erhält, hat eine Woche Zeit, es anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation.

    Neben dem allgemein geregelten Verfahren der Qualifying Offers stehen dieser Tage zahlreiche Entscheidungen über Optionen an, auf die sich die Klubs und die Spieler in den einzelnen Verträgen geeinigt haben. Um nur ein paar der schon ausgeübten oder abgelehnten Optionen zu nennen: Die Diamondbacks haben die Option für Paul Goldschmidt (14,5 Millionen) gezogen, die Giants die für Madison Bumgarner (12 Millionen) und die für Pablo Sandoval (550.000), die Red Sox die für Chris Sale (16 Millionen) und die Indians die für Carlos Carrasco (9 Millionen); abgelehnt wurden hingegen die Möglichkeiten, James Shields für 16 Millionen bei den White Sox, Ervin Santana für 14 Millionen bei den Twins und Gerardo Parra für 12,5 Millionen bei den Rockies zu halten. Diese Spieler werden nun ebenso Free Agents wie Mike Moustakas (15 Millionen) und Joakim Soria (10 Millionen), die sich selbst dagegen entschieden, ihre Verlängerungsoption bei den Brewers zu ziehen. David Price hingegen hat seine Option genutzt und sich damit vier weitere Jahre bei den Red Sox für insgesamt 127 Millionen Dollar gesichert.

    Keine formell vereinbarten Optionen hat J. T. Realmuto, der Catcher und letzte verbliebene Star der Miami Marlins. Sein Erstvertrag läuft noch für zwei Jahre und die muss er, wenn der Klub darauf besteht, bei den Marlins verbringen. Das Tischtuch zwischen den beiden Seiten scheint allerdings zerschnitten, denn Realmuto und sein Agent Jeff Berry ließen bereits öffentlich verlauten, er werde „zum Start des Spring Trainings definitiv ein anderes Trikot tragen“. Mit anderen Worten: Realmuto will kein Teil von Miamis Rebuilding-Projekt sein und verlangt einen Trade. Das könnte eine der interessanten Geschichten dieser Offseason werden.


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