Januar 28th, 2020 by Silversurger

Zum fünzehnten Mal stelle ich heute ein MLB-Stadion vor, die Hälfte aller aktuellen Ballparks findet sich also mittlerweile in meiner Serie wieder. Auf Anregung das Baseblog-Lesers Sielk ist dieses Mal der Arbeitsplatz „unseres“ deutschen MLB-Stars Max Kepler an der Reihe: Target Field in Minneapolis, Minnesota.

Geschichte
Target Field ist der dritte Ballpark der Minnesota Twins seit dem Umzug und der Umbenennung der ehemaligen Washington Senators. Ihre ersten 21 Saisons in Minneapolis hatten die Twins im Metropolitan Stadium gespielt, die nächsten 28 im Hubert H. Humphrey Metrodome. Beide Stadien teilten sie sich mit den NFL-Footballern der Minnesota Vikings, den Metrodome zudem mit dem College-Football-Team der University of Minnesota.

Das Streben nach einem neuen, primär auf Baseball ausgerichteten Ballpark in Minneapolis war eine lange und hindernisreiche Geschichte: 16 Jahre vergingen von ersten entsprechenden Bemühungen des Teambesitzers im Jahr 1994 bis zur Eröffnung von Target Field 2010. In der Zwischenzeit kamen und gingen diverse Finanzierungspläne, potenzielle Standorte, Pro- und Kontraentscheidungen verschiedener kommunaler und regionaler Parlamente und Regierungen, Drohungen mit Wegzug oder Einstellung der Franchise und einiges mehr. 2006 kamen endlich fast alle nötigen Planungs- und Finanzierungsentscheidungen zusammen, doch dann legte ein Disput um den inzwischen gestiegenen Preis des zu kaufenden Landes das Projekt noch einmal ein volles Jahr lang auf Eis. Erst im Mai 2007 konnten die ersten Bauarbeiten beginnen, knapp drei Jahre später war das Stadion fertig. Die Namensrechte wurden an das in Minneapolis ansässige Einzelhandelsunternehmen Target Corporation verkauft.

Target Field und die Skyline von Minneapolis (1)

Das erste Spiel in Target Field trugen am 27. März 2010 die College-Teams der University of Minnesota und Louisiana Tech aus. Nach zwei Preseason-Partien der Twins gegen die St. Louis Cardinals stand am 12. April das offizielle Eröffnungsspiel gegen die Boston Red Sox an, das die Twins 5:2 gewannen. Das Fassungsvermögen des Stadions wurde zur Eröffnung mit 39.504 Zuschauern angegeben, nach kleineren Anpassungen liegt es derzeit offiziell bei 38.544.

2014 beherbergte Target Field das All-Star-Spiel der MLB. Die Twins durften in ihrem Ballpark bislang keine ganz großen Momente feiern. Zwar gewannen sie sowohl im Jahr der Stadioneröffnung 2010 als auch in der gerade vergangenen Saison 2019 ihre Division, die AL Central, und erreichten zudem 2017 die Playoffs per Wild Card. Leider verloren die Twins aber jedes einzelne Playoff-Spiel in diesem Zeitraum – und zwar immer gegen die New York Yankees.

Architektonische Auffälligkeiten
Wie ein Großteil der modernen MLB-Stadien wurde Target Field vom Architekturbüro Populous, bis 2009 unter Namen HOK Sport Venue Event bekannt, entworfen. Trotz der „Massenproduktion“ gelingt es Populous immer wieder, keine Ballparks-Klone von der Stange entstehen zu lassen, sondern jedem Stadion ein eigenes, unverwechselbares Flair zu geben. Kennzeichnend für Target Field sind die Fassadengestaltung mit für die Gegend typischem Kalkstein sowie die Dekoration mit Blumen, Bäumen und Büschen aus der Region.

Außenansicht von Target Field (2)

Target Field wurde so gestaltet und platziert, dass man von fast allen Plätzen eine hervorragende Aussicht genießt – nicht nur auf das Feld, sondern auch auf die Umgebung mit der Skyline von Minneapolis. Eine weitere angenehme Eigenheit ist, dass die Sitzplätze in Target Field durchschnittlich näher am Feld sind als in den meisten anderen Ballparks. Rund die Hälfte der knapp 40.000 Sitze befindet sich auf den unteren Ebenen der Tribünen, ca. 18.500 Plätze sind um das Infield herum angelegt.

Abgesehen von einer Teilüberdachung des Oberdecks hat der Ballpark kein Dach. In früheren Entwürfen war ein ausfahrbares Dach vorgesehen, das man dann aber aus Kostengründen wegließ. Angesichts des Klimas im Norden der USA wird die Planung von Spielbesuchen dadurch insbesondere im Frühjahr und im Herbst ein bisschen zum Glücksspiel. Um die Wettereinflüsse wenn schon nicht von oben, dann wenigstens von unten etwas zu reduzieren, sind sowohl die Zuschauerplätze als auch das Spielfeld beheizt.

Außergewöhnlich ist die Lage der Bullpens in Target Field: Diese sind im linken Centerfield hintereinander angeordnet – der für die Gäste näher am Feld, der für die Twins direkt dahinter.

Schräg hinter den Bullpens, über dem Centerfield thront eine Installation, die das alte Twins-Logo mit „Minnie und Paul“ darstellt. Es zeigt zwei Spieler in den Uniformen der Minor-League-Teams der Twin-Cities, die der Ankunft der Twins vorausgingen: der Minneapolis Millers und der St. Paul Saints. Das Logo besteht aus diversen blinkenden Elementen und ist von einem Lichterkranz umgeben. Je nach Ereignis – Home Run, sonstiger Run, Strikeout etc. für die Twins – zeigt das Logo unterschiedliche Lichtzeichen und Animationen.

Minnie and Paul (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Die vorherigen Stadien der Twins, Metropolitan Stadium und der Metrodome, waren als hitterfreundlich bekannt. Beim Neubau war es ein erklärtes Ziel des Teams, das zu ändern und Target Field als neutralen Ballpark zu gestalten, der weder Pitcher noch Batter bevorteilt. Obwohl die Felddimensionen mit 339 Fuß (103m) Leftfield-Line, 404 Fuß (123m) Centerfield und 328 Fuß (100m) Rightfield-Line fast identisch mit denen des Metrodomes sind, wurde dieses Ziel erreicht. Tatsächlich beschwerten sich während und nach der ersten Saison sogar Batter wie der damalige Twins-Star Justin Morneau, dass der neue Ballpark zu pitcherfreundlich sei. Statistiken aus jenem ersten Jahr untermauerten diesen Eindruck, der sich aber hinterher als Ausreißer herausstellte. Wäre Target Field ein Pitcher-Stadion, wären die Twins wohl kaum in der vergangenen Saison in der Lage gewesen, einen neuen Rekord mit 307 Homeruns in einer Saison aufzustellen – auch wenn davon „nur“ 137 im eigenen Ballpark gelangen.

Wo sitzt man am besten?
Auch in Target Field gilt grundsätzlich, dass für jeden Geldbeutel etwas dabei ist und dass die Preise sich nicht nur nach Lage der Plätze, sondern auch nach Tageszeit, Wochentag und der Attraktivität des jeweiligen Gegners unterscheiden. Im Durchschnitt kostete 2019 ein Ticket in Target Field 57 Dollar, was leicht unter dem MLB-Mittel lag.

Besonders komfortable Plätze hat man auf den Club Seats des Champions Clubs direkt hinter der Homeplate oder auf denen des Legends Clubs ein bisschen höher. Tickets für den Champions Club sind schwer zu bekommen und kosten in der Regel mehrere hundert Dollar; im Legends Club findet man mitunter auch welche für unter hundert. Beide Club-Bereiche enthalten Zugang zu besonderen Lounge-Bereichen, von denen aus man das Spiel bei Bedarf in klimatisierter Umgebung verfolgen kann.

Wenn man nicht so viel ausgeben, aber trotzdem vor Sonne und Regen geschützt sein will, so empfehlen sich Plätze auf der oberen Ebene unter dem Dach. Ein Ticket kostet dort meistens nicht über 20 Dollar, dafür sitzt man aber auch relativ weit weg vom Spielgeschehen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Ballparks hat Target Field noch eine echte Organistin. Wer Sue Nelson in den Spielpausen bei der Ausübung ihrer Tätigkeit zuschauen, vielleicht auch ein paar Worte mit ihr wechseln und für ein Foto posieren will, der sollte sich Plätze in den Blöcken 217 oder 218 sichern. Für rund 30 Dollar pro Ticket sitzt man dort leicht links von der Homeplate auf mittlerer Höhe, gleich über den Legends-Club-Sitzen – und direkt neben dem „2 Gingers“-Pub, in dem Nelson an ihrem Instrument sitzt.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Schwerdf (CC BY 4.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: Jimmy Emerson (CC BY-NC-ND 2.0)
(3) Quelle: Wikimedia, Urheber: Terry Foote (CC BY-SA 4.0)

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