Juni 25th, 2020 by Silversurger

Die wichtigste Nachricht der Woche – ach was, des Jahres! – habe ich gestern schon kurz verkündet: Es wird eine MLB-Saison 2020 geben. Die Grundlage dafür wurde durch die zunächst einseitige Festlegung der Ligaleitung gelegt, eine 60-Spiele-Saison auf Basis der Vereinbarung vom März durchzuführen. Die Spielergewerkschaft MLBPA hat diesem Plan zugestimmt, sodass der Saisonstart in rund einem Monat in trockenen Tüchern ist. Noch sind nicht alle Details geklärt, aber was schon bekannt ist, fasse ich in diesem Artikel zusammen.

Wann geht es los?
Die Spieler melden sich bis spätestens 1. Juli in den Trainingscamps ihrer Teams. Am 23. oder 24. Juli beginnt die reguläre Saison.

Wo wird gespielt?
Es soll in den regulären Heimstadien der Teams gespielt werden. Die meisten Teams halten auch ihr Vorbereitungscamp auf dem eigenen Gelände in ihrer Heimatstadt ab. Unklar ist die Situation der Toronto Blue Jays: Derzeit gelten noch strikte Reisebeschränkungen zwischen Kanada und den USA. Die MLB hat bei der kanadischen Regierung nach einer Ausnahmegenehmigung für die Blue Jays und die gegnerischen Teams ersucht. Falls diese nicht erteilt wird, müssen die Blue Jays für ihre Heimspiele voraussichtlich auf ihre Spring-Training-Einrichtung in Florida oder den Ballpark eines ihrer Minor-League-Teams ausweichen.

Wie sehen die Spielpläne aus?
Die konkreten Termine werden zurzeit noch abgestimmt. Jedes Team soll 60 Spiele absolvieren, darunter je 10 gegen die Konkurrenten aus der eigenen Division und je 4 gegen die Teams aus der geographisch entsprechenden Division der anderen Liga. Ein Team der NL East zum Beispiel trifft somit 40-mal auf Gegner der NL East und 20-mal auf Teams aus der AL East.

In welchem Format werden die Playoffs gespielt?
Es wurde lange über ein erweitertes Playoff-Feld verhandelt, aber nun bleibt doch alles beim Alten: Jede Teilliga schickt fünf Teams ins Rennen, die drei Divisionssieger und zwei Wild-Card-Teams. Letztere absolvieren ein einzelnes Wild-Card-Game, danach folgen die Divisional Series (best-of-5), die League Championship (best-of-7) und die World Series (best-of-7).

Wann ist die Trade-Deadline?
Die normalerweise am 31. Juli geltende Frist, bis zu der Trades möglich sind, wird auf den 31. August verschoben. Für den Einsatz in der Postseason gilt, dass die Spieler spätestens am 15. September Teil des Kaders sein müssen.

Welche Regeländerungen gelten?
Die wichtigste Änderung, jedenfalls für die Teams der National League, ist die universelle Anwendung der DH-Regel. Jedes Team darf dieses Jahr in jedem Spiel einen Designated Hitter bestimmen, der im Batting Lineup die Stelle des Pitchers übernimmt.
Eine weitere Besonderheit in diesem Jahr besteht darin, dass zu Beginn jedes Extra-Innings automatisch ein Runner auf der zweiten Base stehen wird. Der Runner wird jeweils der Spieler sein, der im vorherigen Inning das letzte Out erlitt (oder ein für ihn eingewechselter Spieler).
In normalen Jahren werden Spiele, die nach weniger als fünf Innings wetterbedingt abgebrochen werden, zu einem späteren Zeitpunkt von Beginn an wiederholt. Dieses Jahr gilt, dass solche Spiele an der Stelle des Abbruchs wieder aufgenommen werden.
Die Rostergrößen werden für die ersten beiden Wochen der Saison auf 30 erhöht, für die nächsten beiden Wochen liegen sie bei 28 und für den Rest der Saison bei den sonst üblichen 26. Insgesamt darf jedes Team 60 Spieler benennen, die während der Saison zum Einsatz kommen können.

Was wird gegen die Verbreitung des Coronavirus getan?
Alle Spieler, Trainer und Betreuer werden jeden zweiten Tag auf Corona getestet. Zweimal täglich wird bei den Spielern Fieber gemessen, einmal monatlich erfolgt zudem ein Antikörpertest.
Während des Spiels soll in möglichst vielen Situationen ein Abstand von 6 Fuß (ca. 1,80m) gehalten werden. Zu diesem Zweck werden Spieler, die nicht im Einsatz sind, sowie Trainer und sonstige Mitwirkende nicht im Dugout sitzen, sondern verteilt auf den Zuschauerplätzen. Wer sich dem Umpire oder jemandem vom gegnerischen Team nähert, um zu diskutieren oder zu streiten, soll konsequent des Platzes verwiesen werden.
Körperkontakte zum Begrüßen, Feiern usw. sind untersagt, ebenso jegliches Spucken oder Fingerlecken. Pitcher dürfen einen nassen Lappen am Hosenbund tragen, um zwischendurch die Hand zu befeuchten. Der Lappen darf keine Substanzen außer Wasser enthalten. Der Ball wird jedes Mal ausgetauscht, sobald er von mehreren Spielern angefasst wurde.

Was passiert, wenn ein Spieler positiv getestet wird?
Es gab in den letzten Tagen mehrere Meldungen über Spieler zum Beispiel der Phillies, der Rockies und der Blue Jays, die positiv auf das Virus getestet wurden. Das wird auch während der Saison nicht ausbleiben. In dem Fall landen die betroffenen Spieler auf einer speziellen Verletztenliste. Diese hat anders als die anderen Listen keine Minimal- oder Maximaldauer. Positiv getestete Spieler dürfen wieder eingesetzt werden, sobald sie zweimal negativ getestet wurden.

Wird es Zuschauer in den Stadien geben?
Man sollte meinen, die klare Antwort auf diese Frage laute nein. Tatsächlich sind Zuschauer aber nicht ausdrücklich verboten. Die Liga überlässt es den Teams und den lokalen Behörden, individuell über die Zulassung von Ballpark-Besuchern zu entscheiden. Laut NBC erwägen mindestens die Texas Rangers, die Miami Marlins, die Chicago White Sox und die Chicago Cubs, eine begrenzte Anzahl von Zuschauern zuzulassen. Ich halte es offen gesagt für ziemlichen Irrsinn, diese Überlegungen ausgerechnet in Texas und Florida anzustellen, zwei aktuellen Hotspots des Infektionsgeschehens. Auf den offensichtlichen Witz bezüglich der Marlins-Fans und ihrer jahrelangen Erfahrung mit Social Distancing verzichte ich an dieser Stelle.

Was ist mit dem Field of Dreams?
Das wohl meist ersehnte Spiel der MLB-Saison 2020 war ursprünglich für den 13. August vorgesehen. Am Drehort des Films „Field of Dreams“ in Iowa sollte durch ein Match zwischen den New York Yankees und den Chicago White Sox der Traum von Ray Kinsella wahr werden. Ob es dazu noch kommen wird, ist fraglich. In die oben beschriebene Spielplanstruktur passt eine Partie zwischen den Yankees (AL East) und den White Sox (AL Central) jedenfalls nicht. Zudem hat die besondere Aktion vermutlich wenig Sinn, wenn der für 8.000 Besucher ausgelegte Ballpark leer bleibt. Andererseits wäre vom Thema das Films her ein „Geisterspiel“ vielleicht gar kein so unpassender Rahmen…

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Juni 24th, 2020 by Silversurger

Der Durchbruch in den unendlich scheinenden Verhandlungen ist endlich erzielt: Wir werden eine MLB-Saison 2020 bekommen! Die Spieler haben dem Plan der Liga zugestimmt, bis 1. Juli ein zweites Spring Training aufzunehmen. Am 23. oder 24. Juli soll die reguläre Saison beginnen.

Der Kern der Vereinbarung ist, dass die Saison 60 Spiele je Team umfassen wird bei voller anteilsmäßiger Bezahlung der Spieler. Es wird universell mit Desginated Hitter gespielt, Extra-Innings werden mit automatisch vorhandenen Baserunnern begonnen. Erwartungsgemäß werden keine Zuschauer in den Stadien zugelassen sein und es gilt ein umfangreiches Hygienekonzept zum Umgang mit dem Coronavirus.

Weitere Details werden wohl im Laufe des Tages bekannt gegeben, vielleicht auch schon ein Spielplan. Ich werde morgen Nachmittag im Grand Slam am Donnerstag ausführlich berichten.

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Juni 18th, 2020 by Silversurger

„Tell us when and where.“ Dieses starke Statement machten sich in den letzten Tagen zahlreiche MLB-Spieler in den sozialen Netzwerken zu eigen. Sie reagierten damit auf Drohungen der Team-Owner, einseitig die Rahmenbedingungen für die MLB-Saison 2020 festzulegen, wenn es zu keiner Einigung kommt. Die Botschaft der Spieler ist klar: Wir lassen uns nicht einschüchtern, wir wollen endlich spielen, und wenn die Owner sich für eine Minimalzahl von Spieltagen entscheiden, dann sind sie diejenigen, die gegenüber den Fans dafür gerade zu stehen haben.

Widersprüchliche Botschaften vom Commissioner
Während die Spieler somit den Schwarzen Peter geschickt zurück an die Liga gespielt haben, macht MLB-Commissioner Rob Manfred in der aktuellen Situation keine gute Figur. Vor einer Woche erklärte er noch vollmundig: „We’re going to play baseball in 2020 – 100 percent“. Am Montag sprach er gegenüber ESPN erneut von 100 Prozent, aber die Botschaft war plötzlich eine andere: „The owners are a hundred percent committed to getting baseball back on the field. Unfortunately, I can’t tell you that I’m a hundred percent certain that’s gonna happen.” Am Dienstag wiederum machte aus mehreren seriösen Quellen – unter anderem SNY und The Athletic – das Gerücht die Runde, dass sechs bis acht Owner sich gegen eine MLB-Saison 2020 positioniert hätten – was wiederum Manfreds Aussage vom Vortag konterkariert.

Produktives Treffen gestern
Einen Hoffnungsschimmer immerhin gibt es seit gestern Abend: Manfred und der Chef der Spielergewerkschaft MLBPA, Tony Clark, hatten ein eigenen Aussagen zufolge „produktives“ persönliches Treffen. Eine Einigung über die Länge der Saison und über die Berechnung der Spielergehälter gibt es zwar nach wie vor nicht, aber zumindest reden die beiden Seiten nun wieder mit- statt übereinander.

Fauci empfiehlt frühes Saisonende
Bei dem aufreibenden Hin und Her um finanzielle und organisatorische Fragen der möglichen MLB-Saison könnte man fast vergessen, dass die wichtigste Rahmenbedingung nach wie vor die Corona-Pandemie ist. Die Behörden in fast allen US-Bundesstaaten geben schon seit einiger Zeit grünes Licht für Geisterspiele. Nur die Blue Jays müssten sich vermutlich einen Ausweich-Standort suchen, da Reisen zwischen Kanada und USA nach wie vor mit 14 Tagen Quarantäne verbunden sind. Auch Dr. Anthony Fauci, der prominenteste Corona-Experte der USA, hält eine Durchführung der Saison für vertretbar. Er trifft allerdings eine wichtige Einschränkung: Sein Rat ist, die Saison auf die Sommermonate zu beschränken und die Playoffs nicht wie üblich bis Ende Oktober dauern zu lassen, wenn des kälteren Wetters wegen eine neue Infektionswelle droht. Ein Argument mehr dafür, endlich mal anzufangen…

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Juni 11th, 2020 by Silversurger

Das unwürdige Tauziehen um die MLB-Saison 2020 geht weiter – längst geht es dabei kaum noch um die Pandemie, stattdessen vor allem um Geld und um Gesichtswahrung. Ein Hauch von Normalität wehte immerhin letzte Nacht, als die erste Runde der MLB-Draft 2020 durchgeführt wurde.

Tigers wählen Torkelson an Nummer 1
Der Top-Pick der diesjährigen Draft war wie erwartet 1B Spencer Torkelson. Die Detroit Tigers sicherten sich den Power-Hitter von der Arizona State University. Hoch gehandelt wurde vor der Draft auch der vielseitige IF/OF Austin Martin von Vanderbilt, der letztlich aber erst an Nummer 5 zu den Toronto Blue Jays ging. Die Baltimore Orioles, die als zweite an der Reihe waren, entschieden sich etwas überraschend für OF Heston Kjerstad aus Arkansas. Kjerstad war zwar als First-Rounder erwartet worden, aber eher in der Mitte oder zweiten Hälfte der Runde. Ebenfalls eine kleine Überraschung war die Wahl von Pitcher Max Meyer aus Minnesota durch die Miami Marlins an Nummer 3. Als Top-Pitcher der Draft hatten die meisten Experten eigentlich Linkshänder Asa Lacy (Texas A&M) erwartet, den sich die Kansas City Royals als Pick 4 sicherten. Die größte Überraschung des Abends dürfte allerdings der Pick der Boston Red Sox gewesen sein. Sie verwendeten ihr Wahlrecht an Nummer 17 auf Nick Yorke, einen Middle-Infielder aus einer kalifornischen Highschool. Ihn hatte kaum jemand in der ersten Runde erwartet. Aber da die Red Sox dieses Jahr keinen Zweitrundenpick haben, waren sie wohl bereit, für ihren Wunschspieler etwas zu reachen.

Heute geht es ab 22 Uhr mitteleuropäischer Zeit weiter mit dem Rest der Draft, zu sehen auf ESPN, MLB Network oder am einfachsten direkt auf der Homepage mlb.com. Wegen der Corona-Situation gibt es dieses Jahr nur fünf Runden statt der sonst üblichen 40. Von den danach verbleibenden Nachwuchsspielern können die Clubs beliebig viele für jeweils bis zu 20.000 Dollar unter Vertrag nehmen.

Kein Ende in Sicht
In Bezug auf eine mögliche MLB-Saison 2020 finden die Teambesitzer und die Spielergewerkschaft MLBPA einfach keinen gemeinsamen Nenner. Es fühlt sich an, als ob ich hier jede Woche dasselbe schreiben muss: Die Liga legt einen Vorschlag vor, die MLBPA lehnt ihn ab und kontert mit einem Gegenvorschlag, den wiederum die Liga ablehnt. Die neuesten Angebote bestanden darin, dass die Liga die vorgeschlagene Anzahl der Saisonspiele von 48 auf 76 erhöhte und die Spielergewerkschaft von 114 Spielen auf 89 reduzierte. Das sieht auf den ersten Blick so aus, als käme man sich näher. Doch der Teufel steckt im Detail und in diesem Fall ist das entscheidende Detail, dass die Spieler nach wie vor darauf bestehen, ihre Gehälter anteilig nach der Zahl der Spiele zu erhalten – im aktuellen Vorschlag also 89 durch 162 vom normalen Jahresgehalt. Die Klubs hingegen wollen nur – je nach Playoff-Format – 50 bis 75 Prozent von dem derart errechneten Anteil bezahlen. Eine Einigung scheint derzeit in weiter Ferne – und damit auch die einstige Hoffnung, in der ersten Julihälfte in den Spielbetrieb einzusteigen.

DBV lässt Vereine wählen
Noch keine Entscheidung, aber eine halbwegs klare Marschroute gibt es im Hinblick auf den Baseball-Spielbetrieb in Deutschland: Der Ausschuss für Wettkampfsport des Deutschen Baseball- und Softballverbandes (DBV) hat festgelegt, dass es in diesem Jahr in seinen Ligen keinen Auf- und Abstieg geben wird. Alle für 2020 gemeldeten Teams können sich auch 2021 für dieselbe Liga anmelden. Sollten Plätze frei werden, wird gegebenenfalls über Nachrücker entschieden. Sofern 2020 noch ein Spielbetrieb stattfindet, wird die Beteiligung daran auf freiwilliger Basis sein. Die Vereine können wählen, ob sie am Spielbetrieb teilnehmen möchten und ob sie dazu auch bereit sind, wenn er ohne Zuschauer stattfinden muss. Für jede Gruppe der 1. und 2. Baseball-Bundesliga wird nach Mehrheit der jeweiligen Vereine entschieden, ob und in welchem Spielmodus eine Saison 2020 durchgeführt wird. Die Deadline für die Meldungen ist der 15. Juli. Bis zu diesem Termin soll auch entschieden werden, ob Deutsche Meisterschaften und Länderpokale im Nachwuchsbereich stattfinden.

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Juni 4th, 2020 by Silversurger

Seit rund vier Wochen verhandeln und streiten die Klubs und die Spieler um finanzielle Fragen, die einer MLB-Saison 2020 im Wege stehen – ein Ende dieses ziemlich unwürdigen Gezerres ist leider nicht in Sicht. Immerhin ein kleines Highlight für die Fans gibt es kommende Woche durch das Stattfinden der Draft. Derweil ist für viele Spieler der Minor Leagues der Traum von der MLB-Karriere letzte Woche geplatzt – und für alle Spieler im System der Oakland Athletics der Traum, dass sie ihrem Verein etwas wert sind. Aber lest selbst:

Am Mittwoch wird gedraftet
Die MLB-Draft wird nächste Woche stattfinden, allerdings nicht so wie gewohnt. Zum einen wird das Event wegen der Corona-Krise komplett virtuell vollzogen, zum anderen wird es sehr viel kürzer sein als sonst. Anstelle der üblichen 40 Runden gibt es dieses Mal nur 5 Durchgänge zur Auswahl von Spielern aus den Colleges und Highschools. Den Teams wird dadurch der Zwang genommen, in dieser Zeit der Unsicherheit zusätzliche Gehaltsempfänger verpflichten zu müssen. Anschließend an die 5 Draftrunden haben alle Klubs die Möglichkeit, unbegrenzt viele weitere Spieler für jeweils bis zu 20.000 Dollar unter Vertrag zu nehmen.

Pick Nummer eins haben dieses Jahr die Detroit Tigers, gefolgt von den Baltimore Orioles und den Miami Marlins. Die Houston Astros sind als Strafe für den Sign-Stealing-Skandal von der ersten und zweiten Draftrunde ausgeschlossen.

Der Favorit, als erstes vom Board zu gehen, ist 1B Spencer Torkelson (Arizona State), ein Powerhitter mit exzellenter Plate-Discipline. Außenseiterchancen, anstelle von Torkelson gewählt zu werden, hat der vielseitige IF/OF Austin Martin (Vanderbilt). Die am höchsten gehandelten Pitcher sind Linkshänder Asa Lacy (Texas A&M) und Rechtshänder Emerson Hancock (Georgia). Nicht ganz so hoch gerankt, aber schlagzeilenträchtig allein wegen seines Namens ist 3B/RHP Jaden Agassi. Der 18-jährige Sohn der Tennis-Legenden Steffi Graf und Andre Agassi hat frisch die Highschool abgeschlossen und gilt als talentiert genug, in einer der späteren Runden gewählt zu werden. Als wahrscheinlicher gilt aber, sowohl aufgrund der verkürzten Draft als auch weil Agassi sich noch von einer Tommy-John-Surgery am Wurfarm erholt, dass er die Profi-Karriere ein paar Jahre hinausschiebt und zunächst seine Einschreibung an der University of South California wahrnimmt.

Die Draft beginnt in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag um 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Sie wird live auf ESPN und MLB Network übertragen; Letzteres ist Teil des Pakets von DAZN.

Streit um Gehälter dauert an
Wie eingangs schon erwähnt, zeichnet sich im Gehälterstreit zwischen den Klubs und den Spielern leider kein Kompromiss ab. Die Teambesitzer beharren auf ihrer Forderung nach stärkeren Gehaltskürzungen. Die Spielergewerkschaft MLBPA hat am letzten Wochenende ihren Gegenvorschlag vorgelegt, in dem sie eine 114-Spiele-Saison mit anteiligen Gehältern und einen Aufschub von Teilen der Gehaltszahlungen anbietet. Dies wurde von den Ownern erwartungsgemäß abgelehnt. Von ihrer Seite steht bislang kein neues Angebot, sondern eine Drohung im Raum: Wenn die MLBPA den angestrebten Kürzungen nicht zustimmt, könnte die Liga im Alleingang beschließen, dass eine ultrakurze Saison mit nur 48 bis 54 Saisonspielen gespielt wird. Auf diese Art würden die Gehälter automatisch drastisch sinken, da sie sich nach der bisherigen Regelung anteilig an der Zahl der durchgeführten Spiele bemessen. Theoretisch hat die MLB diese Möglichkeit, praktisch würde ein solches Vorgehen vermutlich zu einem Streik der Spieler führen.

Kein Dissens über Umstrukturierung
Ein Punkt, in dem sich die Liga und die Spieler offenbar geeinigt haben, ist die vorübergehende Umstrukturierung der Divisionen für die Saison 2020. Um lange Reisen zu vermeiden, soll die AL East mit der NL East zu einer Division aus 10 Teams zusammengelegt werden, ebenso die beiden Central-Divisonen und die beiden West-Divisionen. Alle oder fast alle regulären Saisonspiele sollen innerhalb der jeweiligen Division ausgetragen werden. Als Spielorte werden nach diesem Plan die gewohnten Heimstadien der Teams genutzt, die Designated-Hitter-Regel gilt bei allen Spielen. Auch bezüglich einer Erweiterung der Playoffs auf 14 Teams scheint man sich relativ einig zu sein, wenngleich das genaue Format der Postseason noch unklar ist.

Zahlreiche Minor Leaguer entlassen, Athletics stellen Zahlungen ein
Die MLB-Spieler jammern über die Winkelzüge der Owner zwar mit einigem Recht, aber immer noch auf hohem Niveau – um seine Existenz muss von ihnen jedenfalls niemand fürchten. Ganz anders sieht es derweil in den Minor Leagues aus. Im Unterbau des professionellen Baseballs herrscht weitreichende Unsicherheit: Wird es eine Saison 2020 geben? Wenn nein, bekommen die Spieler ihre ohnehin sehr niedrigen Gehälter trotzdem weiter? Wird zudem der schon vor Corona bestehende Plan umgesetzt, 42 Minor-League-Teams komplett einzusparen?

Letzte Woche gab es eine Entlassungswelle, bei der Hunderte Minor-League-Spieler von den Klubs freigesetzt wurden. Das war zwar eine unpopuläre und in vielerlei Hinsicht bedauerliche Maßnahme. Allerdings muss man sich dabei klar machen, dass solche Entlassungswellen jedes Jahr zum Ende des Spring Trainings üblich sind und somit erwartbar war, dass es auch dieses Jahr irgendwann dazu kommen würde.

Immerhin haben inzwischen fast alle MLB-Franchises entschieden, ihren verbleibenden Minor Leaguern zumindest die 400 Dollar pro Woche weiter zu bezahlen, auf die die Klubs sich ursprünglich bis 31. Mai geeinigt hatten. Auch die Washington Nationals, die die Zahlungen zunächst auf 300 Dollar reduzieren wollten, besannen sich schnell eines besseren, nachdem mehrere ihrer MLB-Spieler ankündigten, die Gehälter der Minor-League-Kollegen zur Not aus eigener Tasche aufstocken zu wollen. Der meines Wissens einzige Verein, der sich entschieden hat, sämtliche Minor Leaguer ab 1. Juni in unbezahlten Urlaub zu schicken, sind die Oakland Athletics. Die Entscheidung der A’s bedeutet, dass ihre Minor-League-Spieler nun erstens ohne Einkommen sind und sich zweitens noch nicht mal arbeitslos melden können, weil sie formal noch bei dem Klub angestellt sind. Um es deutlich zu sagen: Das ist eine Schande und beraubt in meinen Augen die Athletics sämtlicher Sympathien, die ich bisher für sie hatte.

Chris Archer fällt lange aus
Chris Archer, Pitcher der Pittsburgh Pirates, musste sich am Dienstag einer Operation zur Behandlung eines Thoracic-outlet-Syndroms unterziehen. Ob Archer überhaupt noch mal für die Pirates spielt, ist fraglich. Für 2020 fält er in jedem Fall aus, und für 2021 muss der Verein entscheiden, ob er die Option zur Vertragsverlängerung für 11 Millionen Dollar zieht. Ich rechne eher nicht damit, denn Archers Leistungen in Pittsburgh waren, nachdem er 2018 per Trade von den Tampa Bay Rays kam, bislang weitgehend enttäuschend. Hinzu kommt, dass nach dieser Art von OP, bei der üblicherweise eine Rippe ganz oder teilweise entfernt wird, um dem betroffenen Nerv Raum zu verschaffen, viele Pitcher – z. B. Matt Harvey, Tyler Thornburg, Tyson Ross – nicht mehr zur vollen Form gefunden haben.

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April 2nd, 2020 by Silversurger

Der Baseball befindet sich weiterhin im Shutdown und angesichts der Bilder aus New York, Kalifornien und anderen Gegenden der USA fällt es schwer zu glauben, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird. Statt um Sport geht es deshalb im heutigen Grand Slam am Donnerstag ein weiteres Mal um den Umgang der MLB mit der Corona-Krise.

Einigungen mit der Spielergewerkschaft
Die Liga und die Spielergewerkschaft MLBPA haben diverse Richtlinien vereinbart, wie man mit den Einschränkungen und Unwägbarkeiten durch die Corona-Situation umgehen wird. Hier die wichtigsten Punkte daraus:

  • Die Kader der MLB-Teams wurden eingefroren, das heißt es werden bis auf Weiteres weder Spieler entlassen noch neu eingestellt.
  • Die Kernforderung von Seiten der Spieler wird erfüllt: Ihnen wird für 2020 die volle „Service-Time“ angerechnet, egal ob und in welchem Ausmaß die Saison stattfindet. Das bedeutet unter anderem, dass sich Verträge nicht automatisch verlängern, sondern die Spieler mit auslaufendem Kontrakt – zum Beispiel Mookie Betts, J. T. Realmuto und Marcus Stroman – im Winter Free Agents werden.
  • Im Gegenzug müssen die Spielervertreter die Kröte schlucken, dass, wenn die Saison 2020 gekürzt wird, auch ihre Gehälter gekürzt werden. Sollte die Saison ganz abgesagt werden, werden an Gehaltszahlungen nur 170 Millionen Dollar ausgeschüttet, die die Franchises als garantierte Vorauszahlung bereit stellen.
  • Die Schwelle, ab der Teams Luxury Tax für überhöhte Spielergehälter zahlen müssen, wird sich für 2020 nicht an den tatsächlichen Gehaltszahlungen bemessen, sondern an den Zahlungen, die bei einer vollumfänglichen MLB-Saison angefallen wären. Somit werden die betreffenden Teams nicht von der Luxury Tax befreit, nur weil weniger Spiele stattfinden. Die Höhe der zu zahlenden Tax wird sich aber an den gekürzten Gehältern orientieren.
  • Die Verlierer der Vereinbarung sind Amateurspieler, die zurzeit noch in der Highschool oder im College aktiv sind. Um Kosten zu sparen, wird die Draft zur Auswahl dieser Spieler dieses und nächstes Jahr deutlich gekürzt. Statt der üblichen 40 Runden wird sie 2020 mindestens 5 und 2021 mindestens 20 Runden umfassen. Die konkrete Anzahl der Draftrunden legt der MLB-Commissioner fest, abhängig davon, ob und wie viele Spiele dieses Jahr stattfinden. Auch die Einstiegszahlungen für die gedrafteten Spieler werden reduziert.

Weitere Unterstützung für die Minor Leagues
Kurz nach den aufgezählten Vereinbarungen hat die MLB weitere Maßnahmen bekannt gegeben, um den von wirtschaftlicher Unsicherheit besonders betroffenen Spielern der Minor Leagues unter die Arme zu greifen. Jeder Spieler soll bis vorerst Ende Mai mit 400 Dollar pro Woche unterstützt werden. Das ist weniger als der während der Saison übliche Verdienst in den höheren Klassen, aber etwas mehr als das normale Gehalt in den niedrigeren Ligen. Außerhalb der Saison erhalten die Minor Leaguer von den Klubs sonst in der Regel überhaupt kein Gehalt.
OF/DH Shin-Soo Choo von den Texas Rangers hat unterdessen angekündigt, jedem der 190 Minor Leaguer im System der Rangers 1000 Dollar von seinem eigenen Geld abzugeben. Das ist eine großartige solidarische Geste und findet hoffentlich Nachahmer unter vielen anderen MLB-Spielern mit Millionenverträgen.

Wie geht es weiter?
Es weiß natürlich niemand, wann und wie es mit dem Baseball weiter geht in diesem Jahr. Aber vielleicht findet ihr ja interessant, wie die Erwartungen und Vermutungen in der Baseball-Community aussehen. Meine Lieblings-Statistikseite Fangraphs hat dazu eine Umfrage durchgeführt, an der sich über 1.000 Leute beteiligt haben (Selbstrekrutierung, also nicht-repräsentativ). Demnach gehen über 70% der Teilnehmenden davon aus, dass es im Jahr 2020 noch MLB-Baseball geben wird. Eine große Mehrheit rechnet damit, dass die Saison im Juni oder Juli beginnt und statt der üblichen 162 Spiele nicht mehr als 100 Partien pro Team umfassen wird. Es wird davon ausgegangen, dass keine oder nur wenige Spiele ohne Zuschauer stattfinden. Mit der Durchführung und dem Abschluss der Playoffs rechnen die meisten für November. Die Hälfte der Befragten glaubt an Playoffs im normalen Umfang, die anderen sagen teils eine Verkürzung, teils eine Ausweitung der Playoffs voraus.

London-Serie abgesagt
Eine endgültige Absage gibt es bereits: Die internationalen Serien der MLB werden dieses Jahr nicht stattfinden. Am 13. und 14. Juni sollten die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals zwei Spiele im London Stadium austragen. Auf diese Reise wird nun in jedem Fall verzichtet, ebenso wie auf die Spiele der San Diego Padres gegen die Arizona Diamondbacks in Mexiko-Stadt und auf die der New York Mets gegen die Miami Marlins in Puerto Rico. Alle Spiele werden, sofern die Saison noch stattfindet, als normale Heimspiele der jeweiligen Teams ausgetragen. Bereits verkaufte Tickets werden zurückerstattet. Ob die Serien nächstes Jahr nachgeholt werden, ist noch nicht bekannt.

Keine Tommy-John-Surgeries bei Dr. Andrews
Angesichts der Corona-Krise besteht auch in den USA die Anweisung, derzeit auf nicht dringend notwendige und verschiebbare Operationen zu verzichten, um Hygienekleidung und Krankenhauskapazitäten zu sparen. Das wirkt sich auch auf den Baseball aus, denn zum Beispiel die berühmte Tommy-John-Surgery (TJS) ist zwar für die Karriere der betroffenen Spieler enorm wichtig, aber es entsteht kein körperlicher Schaden, wenn man sie ein paar Monate später durchführt. Aus diesem Grund haben der führende TJS-Spezialist Dr. James Andrews und einige weitere Ärzte nun angekündigt, vorerst keine solchen OPs mehr auszuführen. Chris Sale, Noah Syndergaard und Tyler Beede, die jeweils in den vergangenen beiden Wochen operiert wurden, waren somit wohl die vorerst letzten Tommy-John-Patienten.

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März 7th, 2019 by Silversurger

Dass Bryce Harper in Philadelphia gelandet ist, ist ja mittlerweile ein alter Hut – ich bekomme langsam den Eindruck, dass die MLB die großen Nachrichten immer bis Donnerstagnachmittag aufhebt, um sie direkt nach meinem wöchentlichen Überblicksartikel zu veröffentlichen. Aber so wichtig, dass er zum Fixpunkt einer Verschwörungstheorie taugte, ist mein Blog dann wohl doch nicht. Ich bleibe jedenfalls beim gewohnten Termin für den Grand Slam am Donnerstag und wenn der gute Herr Harper sich nicht danach richten mag, kann er eben erst eine Woche später lesen, was ich von seinem Rekordvertrag halte und was sich in der MLB diese Woche sonst noch getan hat. Das hat er jetzt davon.

330 Millionen für Harper
Glaubt man seinem Agenten Scott Boras, so hatte Bryce Harper „ein volles Büffet“ an Angeboten. Er hätte zum Beispiel von einem ungenannten Team 45 Millionen Dollar Jahresgehalt für einen kürzeren Vertrag haben können oder von den San Francisco Giants einen Zehnjahresvertrag für 310 Millionen. Letzten Endes hat er sich für das Angebot der Philadelphia Phillies entschieden, das mit 330 Millionen das größte Gesamtvolumen und mit 13 Jahren die längste Laufzeit aufwies. Dass das im Durchschnitt ein Jahresgehalt von „nur“ knapp über 25 Millionen ist, ließ Harper sich durch einige Annehmlichkeiten versüßen. So hat er sich den Anspruch auf eine eigene Loge im Citizens Bank Park festschreiben lassen sowie das Recht, auf Auswärtsreisen eine Suite statt eines normalen Hotelzimmers zu bewohnen. In jedem Jahr kann Harper bis zu 800.000 Dollar an Bonuszahlungen hinzuverdienen, indem er bestimmte Einzelauszeichnungen wie All-Star-Berufungen oder MVP-Titel erreicht. Der Vertrag enthält übrigens keinerlei Opt-Out-Klauseln, Optionsjahre oder Zahlungen, die auf spätere Zeiträume verschoben werden. Festgeschrieben ist allerdings eine volle No-Trade-Klausel, das heißt die Phillies können Harper nicht ohne sein Einverständnis zu einem anderen Team traden. Kurz gesagt: Dieser Vertrag ist aus Spielersicht ein wahrer Traum.
Aus Sicht des Vereins sieht die Sache für mich etwas anders aus, auch wenn die Phillies natürlich überzeugt sind, einen guten Deal gemacht zu haben. Ich persönlich finde es völlig absurd, sich irgendeinen Spieler für 13 Jahre mit garantiertem zweistelligen Millionengehalt ans Bein zu binden. Dass es dabei um Harper geht – einen sehr guten, aber bisher nur in einer Saison (2015) wirklich überragenden Spieler mit durchaus schwankenden Leistungen und wohl nicht ganz einfachem Charakter –, macht die Sache nur um so irrsinniger. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, wie die Phillies in sechs oder sieben Jahren über diesen Vertrag denken.

Blue Jays verpflichten Buchholz
Für vergleichsweise kleines Geld haben die Toronto Blue Jays Pitcher Clay Buchholz verpflichtet. Er erhält einen Einjahresvertrag über 3 Millionen Dollar und kann abhängig von absolvierten Innings bis zu 2,25 Millionen dazuverdienen. Der 34-Jährige war in den letzten zwei Jahren durch Verletzungen eingeschränkt, brachte es 2018 in seinen 16 Einsätzen für die Arizona Diamondbacks aber auf starke Werte mit 2.01 ERA und 3.47 FIP.

Severino verpasst Opening Day, Perez die ganze Saison
Es gibt kaum etwas Ärgerlicheres als eine ernsthafte Verletzung im Spring Training. Richtig übel erwischt hat es Salvador Perez: Der Catcher der Kansas City Royals hat sich das UCL-Band im rechten Ellenbogen gerissen und wer regelmäßig Baseball verfolgt, weiß was das bedeutet: Tommy-John-Surgery, Saison gelaufen. Auch Bobby Wahl, Reliever bei den Milwaukee Brewers, mit einer Knieverletzung und Padres-Outfielder Travis Jankowski mit gebrochenem Handgelenk werden für mehrere Monate und möglicherweise die gesamte Saison ausfallen. Mit kleineren Verletzungen werden unter anderem Minnesotas Miguel Sano, Dodgers-Ass Clayton Kershaw sowie die Yankees-Starter Luis Severino und C. C. Sabathia den Saisonbeginn verpassen. Die Rotation der Yankees wird somit schon sehr früh sehr dünn und es mehren sich Spekulationen, dass sie noch mal auf dem Free-Agent-Markt tätig werden. Dallas Keuchel oder Gio Gonzalez könnten attraktive Optionen sein, doch bislang lässt der Klub verlauten, dass man auf interne Lösungen wie Domingo German, Jonathan Loaisiga, Luis Cessa, oder Chance Adams setzt.

80 Spiele Sperre für Dopingsünder Wright
Leider hat die Saison 2019 auch schon ihrern ersten Dopingfall: Pitcher Steven Wright von den Boston Red Sox wurde der Nutzung des Wachstumshormons GHRP-2 überführt. Der Knuckleballer bestreitet, das Mittel bewusst eingenommen zu haben, konnte aber bislang keine entlastenden Beweise oder Erklärungen vorlegen. Die Liga hat daher entschieden, dass er das übliche Strafmaß für Ersttäter erhält: eine Sperre für die ersten 80 Spiele der Saison sowie für die Playoffs.

Roster werden wohl 2020 größer
Ich hatte hier mal einige Vorschläge der Ligaleitung und/oder der Spielergewerkschaft MLBPA für Regeländerungen aufgelistet. Die meisten davon werden vorerst nicht umgesetzt werden, doch in einem Punkt scheinen die beiden Verhandlungspartner kurz vor einer Einigung zu stehen: Die Größe des aktiven Kaders für die reguläre Saison bis 31. August sowie für die Postseason soll ab 2020 von 25 auf 26 Spieler erhöht werden. Gleichzeitig wird voraussichtlich die Kadergröße für den Zeitraum ab 1. September von 40 auf 28 gesenkt. Die Erhöhung auf 26 ist ein Wunsch der MLBPA – sie bedeutet 30 neue Arbeitsplätze für MLB-Spieler. Die Absenkung auf 28 geht eher von der Liga aus. Sie möchte weg von den aufgeblähten Rostern im letzten Saisonmonat, die einerseits zu häufigeren Pitcherwechseln während des Spiels führen und andererseits zu einer gewissen Wettbewerbsverzerrung, wenn ohnehin schon schwache Teams in der Endphase der Saison mit einem Haufen Minor Leaguer antreten.

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November 29th, 2018 by Silversurger

Wenn es so etwas wie eine Saure-Gurken-Zeit in der MLB gibt, dann dürfte sie jetzt angebrochen sein. Es ist die Zeit, in der es immer mal wieder eine interessante Neuverpflichtung oder gar einen Trade gibt, bei dem man die Namen der Spieler schon mal gehört hat. Das meiste, was man hört, sind aber Spekulationen und Gerüchte. Traden die Giants Madison Bumgarner? Holen die Phillies sich Harper und Machado? Bauen die Athletics endlich ihr neues Stadion? Ich kann keine dieser Fragen beantworten, aber ich kann zumindest einen kleinen Überblick geben, was sich in den letzten Tagen in der MLB getan hat.

Tony Clark bleibt Kopf der Gewerkschaft
Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass die Teambesitzer der MLB den Vertrag mit Rob Manfred als Commissioner der Liga um fünf Jahre verlängert haben. Sein wichtigster Gegenpart, Tony Clark, wurde nun in seinem Amt als Vorsitzender der Spielergewerkschaft MLBPA ebenfalls bestätigt. Der Vertrag des früheren First Basemans wird bis 2022 verlängert. Damit ist nun klar, dass Clark und Manfred erneut die jeweiligen Verhandlungsführer sein werden, wenn das Collective Bargaining Agreement (CBA), quasi der Rahmentarifvertrag zwischen der Liga und den Spielern, neu diskutiert wird. Das aktuelle Vertragswerk läuft bis 2021.

Braves rüsten auf mit Donaldson und McCann
Die größten Free-Agent-Verpflichtungen dieser Woche gehen eindeutig auf das Konto der Atlanta Braves. Third Baseman Josh Donaldson, in meiner Liste der wichtigsten Free Agents immerhin auf Platz acht, erhält einen Einjahresvertrag über 23 Millionen Dollar. Ebenfalls für ein Jahr, wenngleich für „nur“ 2 Millionen Dollar unterschreibt Catcher Brian McCann. Die Braves haben dieses Jahr etwas überraschend die NL East gewonnen. Auf diesem Erfolg will man offensichtlich aufbauen, indem man das sehr junge, sehr talentierte Team um zwei erfahrene Veteranen ergänzt. Donaldson hat das Zeug zum Leistungsträger, sofern es ihm gelingt, gesund zu bleiben. Der 35-jährige McCann ist eher als Ergänzungsspieler zu sehen, aber er dürfte hochmotiviert ans Werk gehen, denn ihm wurde mit dem Wechsel nach Atlanta ein persönlicher Traum erfüllt. McCann wurde in einem Vorort von Atlanta geboren und spielte bereits von 2005 bis 2013 sehr erfolgreich für die Braves.

Ein paar weitere Neuverpflichtungen
Neben den Braves sicherten sich diese Woche ein paar weitere Teams Neuzugänge, die alle eher die zweite Reihe der MLB-Profis betrafen. Die aus meiner Sicht erwähnenswertesten möchte ich zumindest kurz aufgezählt haben: 1B C. J. Cron geht zu den Twins, 1B Jordan Patterson zu den Mets, OF Lonnie Chisenhall zu den Pirates, RP Adam McCreery zu den Dodgers, SP Ricardo Sanchez zu den Mariners, SP Matt Moore zu den Tigers, IF Ronald Torreyes zu den Cubs, RP Jesse Chavez zu den Rangers und SP Henderson Alvarez zu den Nationals.

Das nächste große Talent aus Japan
Die große Geschichte der letzten Offseason war das japanische Supertalent Shohei Ohtani. Ohtani landete letzten Endes bei den Los Angeles Angels und schaffte quasi aus dem Stand den Durchbruch in der MLB – aufsehenerregenderweise sowohl als Pitcher wie auch als Batter. Trotz einer Verletzung, die ihn seit Juni weitgehend am Pitchen hinderte, wurde er zum Rookie des Jahres in der AL gewählt. Nun scheint das nächste Talent aus Japan vor dem Sprung nach Amerika zu stehen: Yusei Kikuchi von den Seibu Lions wird wohl Anfang nächster Woche offiziell zur Verpflichtung durch einen MLB-Klub freigegeben. Der linkshändige Pitcher ist 27 Jahre alt und spielt bereits seit sieben Jahren in der japanischen Profiliga NPB. Er bringt es dort auf einen Karriere-ERA von 2.77. Bereits als Schüler war 2009 eine ganze Reihe von MLB-Teams an einer Verpflichtung Kikuchis interessiert, doch er entschied sich damals, in Japan zu bleiben. Jetzt ist er offenbar bereit, den Schritt über den großen Teich zu wagen, und er könnte ohne Weiteres zu einem der begehrtesten Free Agents  dieser Offseason werden. Bei seinem letzten Spiel in der NPB waren Scouts der Yankees, Giants, Red Sox, Dodgers, Phillies, Brewers und Rangers anwesend und wahrscheinlich haben auch alle anderen Teams Kikuchi im Laufe des Jahres beobachten lassen. Sobald die Freigabe seitens der Seibu Lions erfolgt ist, haben die MLB-Teams 30 Tage Zeit, sich mit dem Spieler auf einen Vertrag zu einigen.

Ein neuer Ballpark für die Athletics?
Dass die Athletics gern einen neuen Ballpark hätten – idealerweise in Oakland, zur Not irgendwo anders – ist seit Jahren geradezu ein Running Gag in der MLB. Vielleicht tut sich nun aber wirklich etwas. Jedenfalls wurden am Mittwoch konkrete Pläne für einen Neubau offiziell veröffentlicht und ich muss sagen: Das rundherum begrünte, direkt am Wasser gelegene Stadion sieht auf den Zeichnungen sensationell schön aus. 2023 soll es eröffnet werden und obwohl Team-Präsident Dave Kaval keine Details zur Finanzierung verriet, soll auch diese weitgehend gesichert und mit der Stadt Oakland abgestimmt sein. Dass der Ballpark tatsächlich gebaut wird, glaube ich allerdings frühestens, wenn der erste Spatenstich erfolgt ist.

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