Mai 23rd, 2019 by Silversurger

Die Spreu trennt sich vom Weizen: Erstmals in dieser Saison liegen bei meiner wöchentlichen Bilanz in drei der sechs Divisionen die führenden Teams jeweils sechs oder mehr Spiele vor den Verfolgern. In zwei Fällen – Astros und Dodgers – ist das keine große Überraschung. Anders sieht es mit den Minnesota Twins aus, die nicht nur die AL Central dominieren, sondern mit doppelt so vielen Siegen wie Niederlagen zurzeit das beste Team im Baseball sind. So leid es mir für die Fans der Cleveland Indians tut – ich freue mich über den Erfolg der Twins, zum einen weil sie bei mir immer noch einen gewissen Underdog-Bonus genießen, zum anderen natürlich wegen Max Kepler. Der hatte eine schwache erste Maihälfte, doch er scheint wieder heißzulaufen: In jedem der letzten fünf Spiele hatte er mindestens einen Hit, zuletzt zweimal zwei bei den Los Angeles Angels.

American League
Die New York Yankees (31-17) haben am zweiten Wochenende in Folge eine Serie gegen die Tampa Bay Rays (28-18) gewonnen und dadurch den Spitzenplatz in der American League East erobert. Da die Yankees es zurzeit mit den Baltimore Orioles (15-34) und anschließend mit den Royals zu tun haben, den beiden schwächsten Teams der AL, stehen die Chancen gut, die Führung noch auszubauen. Die Rays und die Boston Red Sox (26-23) haben derweil in Cleveland bzw. Houston vermutlich schwierigere Aufgaben zu meistern.

In den letzten Tagen präsentierten sich die Cleveland Indians (25-23) allerdings nicht allzu sehr als schwierige Aufgabe. Jedenfalls ließen sie sich relativ trostlos zu Hause von den Athletics sweepen. Die willkommene Schützenhilfe nahmen die Minnesota Twins (32-16) gerne an, um ihren Vorsprung in der AL Central auf sieben Spiele auszubauen. Selbst den ungeliebten Westküsten-Trip nach Seattle und Los Angeles haben die Twins mit bislang fünf Siegen in sechs Spielen erfolgreich gestaltet und dürfen sich auf die morgige Heimkehr mit einer Serie gegen die Chicago White Sox (22-26) freuen. Am Ende der Tabelle liefern sich die Kansas City Royals (17-32) ein Schneckenrennen um den letzten Platz der Division mit den Detroit Tigers (18-28). Die Tigers haben neun der letzten zehn Spiele verloren und treffen als nächstes auf die Marlins – ein weiteres Schneckenrennen, in dem Fall um die schwächste Bilanz der gesamten Liga.

Ähnlich klare Verhältnisse wie in der AL Central herrschen auch in der AL West. Der Vorsprung der Houston Astros (33-17) wächst von Woche zu Woche, während alle anderen Teams der Division vor allem durch mangelnde Konstanz auffallen. Zurzeit haben die Texas Rangers (24-23) und die Oakland Athletics (25-25) einen Lauf, zu Saisonbeginn waren es die Seattle Mariners (23-29) und dazwischen auch mal die Los Angeles Angels (22-26), aber im Endeffekt dürften alle vier zu schwach sein, um auch nur an einen Wild-Card-Platz zu denken. Zum zweiten Mal in Folge steht am Wochenende das Duell der beiden letzten Champions an. Dieses Mal hat Houston Heimrecht gegen die Red Sox. Letzte Woche entführten die Astros zwei von drei Spielen aus Boston; dazwischen gelang es den Red Sox immmerhin, eine Zehn-Siege-Serie der Astros zu stoppen.

National League
Die National League East sah in den vergangenen zwei Wochen gelegentlich so aus, als könnte sich mit den Philadelphia Phillies (28-21) auch in dieser Division ein Team vom Rest des Feldes absetzen. Doch zum Glück für die Spannung kam es dazu bislang nicht. Die Atlanta Braves (27-23) haben ihren Durchhänger überwunden und sich auf eineinhalb Spiele an die Phillies herangekämpft, während diese zuletzt zweimal gegen die Cubs verloren. Auch die New York Mets (23-25) scheinen noch zu atmen, nachdem viele dieses Team bereits togesagt hatten, als es letzte Woche fünf Niederlagen in Folge kassierte, darunter ein Sweep durch die Miami Marlins (15-31). Drei konzentrierte Leistungen gegen die Washington Nationals (19-30) haben die Mets zumindest ansatzweise zurück ins Rennen gebracht, aus dem die Nationals ihrerseits so gut wie ausgeschieden sind.

In der NL Central ist noch niemand wirklich aus dem Rennen. Selbst die Cincinnati Reds (22-27) mit einem Rückstand von acht Spielen auf die Chicago Cubs (29-18) lassen gute Ansätze erkennen: Ihr Run Differential von +25 ist deutlich positiv, letzte Woche haben sie eine Serie 2:1 gegen die Cubs gewonnen und gegen die Milwaukee Brewers (29-22) gelang ihnen ein Split. Am Wochenende reisen die Reds nach Chicago, sicher mit dem Vorsatz, für eine weitere Überraschung zu sorgen. Eine Überraschung ist übrigens auch, dass die Pittsburgh Pirates (24-22) einen positiven Record aufweisen und Platz drei belegen – mit einem Run Differential von -50, verursacht durch die schlechteste Offense der NL, ist das geradezu ein Kunststück.

Ob die Bilanz der Pirates nach dem Wochenende immer noch positiv ist, darf man getrost bezweifeln, denn sie müssen nun dreimal gegen das Über-Team der NL West, die Los Angeles Dodgers (32-18), ran. Die Dogers haben mittlerweile sechs Spiele Vorsprung und können sich relativ entspannt anschauen, wie die San Diego Padres (26-24) und die Arizona Diamondbacks (25-25) um Platz zwei ringen. Die Padres haben in dieser Hinsicht gerade knapp die Nase vorn, nachdem ihnen in drei knappen Partien gegen die Diamondbacks ein Sweep gelungen ist. Sie müssen sich nun allerdings auf eine anstrengende Reise ganz ans andere Ende der MLB-Landkarte begeben mit Spielen in Toronto und bei den Yankees. Das könnte für die Diamondbacks die Chance bedeuten, in ihren Spielen gegen die San Francisco Giants (21-27) und die Colorado Rockies (22-25) Boden gut zu machen.

Szene der Woche
Die White Sox haben gestern die Astros mit 9:4 geschlagen. Zu verdanken haben sie den Sieg zum einen dem Grand Slam, den Charlie Tilson mit seinem ersten Homerun in der MLB erzielte. Meine Szene der Woche gehört jedoch der White-Sox-Defense, die mindestens ebenso großen Anteil an dem überraschenden Erfolg hatte. In den ersten beiden Innings hatte sie bereits zwei Double Plays geschafft, bevor ihr im dritten Inning der seltene Triumph eines Triple Plays gelang. Mit Robinson Chirinos und Tony Kemp als Runner auf der ersten und zweiten Base schlug Jake Marisnick einen Aufsetzer zum Third Baseman Yoan Moncada. Moncada trat selbst auf die dritte Base (erstes Out), warf zu Second Baseman Yolmer Sánchez an die zweite Base (zweites Out) und dieser schließlich zu First Baseman José Abreu an die erste Base (drittes Out). Es war das erste Triple Play der laufenden MLB-Saison.

Statistik der Woche 
0.00. Das ist der ERA von Ryan Pressly, Relief Pitcher der Houston Astros, nach bislang 19 Spielen in dieser Saison. Seine Serie von Auftritten ohne gegnerische Runs reicht noch deutlich weiter zurück, genau gesagt bis 10. August 2018. Seitdem wurde er 40-mal eingesetzt und hat keinen einzigen Run mehr zugelassen. Es ist die längste Serie von aufeinanderfolgenden Einsätzen ohne erlaubten Run. Der bisherige Rekordhalter war Craig Kimbrel mit 38 im Jahr 2011 für die Atlanta Braves.

Spiel der Woche
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Bei dem Matchup zwischen den Brewers und den Reds am Mittwoch war eigentlich mit einem Pitcher-Duell zu rechnen. Immerhin standen sich zwei Starter gegenüber, die den zweit- und den viertbesten ERA der gesamten MLB mitbrachten. Doch sowohl Zach Davies als auch Luis Castillo kamen nicht über das dritte Inning hinaus in einem Spiel, das in erster Linie von den Offenses geprägt wurde. Die Reds sahen lange wie der Sieger aus, führten 5:0, 6:1 und 8:6. Doch im sechsten Inning glich ein Homerun von Yasmani Grandal die Partie aus, bevor Hernan Perez mit seinem dritten Hit des Tages die Führung für die Brewers brachte. Dafür, dass diese im siebten Inning bestehen blieb und Milwaukee schließlich 11:9 gewann, war das folgende kuriose Double Play verantwortlich:

Mein Einschalttipp
Auch an diesem Wochenende steht wieder eine Serie zwischen den Houston Astros und den Boston Red Sox an. Dieses Matchup hat an seinem Reiz nichts verloren, insofern gilt die Empfehlung von letzter Woche weiterhin. Da ich aber nicht mit dem immer gleichen Tipp langweilen will, habe ich noch eine andere Empfehlung: Die Serie zwischen den Philadelphia Phillies und den Milwaukee Brewers wird sicher ebenfalls sehr interessant. Beide Teams befinden sich in engen Rennen um die jeweilige Divisionsspitze, beide schwankten in ihren Leistungen zuletzt zwischen Licht und Schatten. Am Samstag und am Sonntag laufen die Partien zu europafreundlichen Zeiten – leider nur auf mlb.tv, DAZN hat die Serie nicht im Programm.

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Juli 20th, 2017 by Silversurger

Willkommen in der Trade Season: Ab Mitte Juli bis zur Trade Deadline am 31. Juli ist traditionell die Zeit, in der sich die Clubs der MLB auf diverse Spielerwechsel einigen. Die Teams, die sich Chancen auf einen Playoff-Run ausrechnen, rüsten ihren Kader auf; die aktuell schwächeren Teams entledigen sich guter, aber oft teurer Spieler, die meist sowieso nicht mehr lange unter Vertrag stehen, und lassen sich dafür mit Talenten entschädigen, die ihnen langfristig weiterhelfen. Die bislang interessantesten Trades dieses Jahres fanden zwischen den New York Yankees und den Chicago White Sox (IF Tod Frazier, RP David Robertson und RP Tommy Kahnle für drei Prospects und RP Tyler Clippard), den Chicago Cubs und den Chicago White Sox (SP Jose Quintana für vier Prospects) sowie zwischen den Washington Nationals und den Oakland Athletics (RP Sean Doolittle und RP Ryan Madson für zwei Prospects und RP Blake Treinen) statt. Einmal mehr sehen die White Sox nach dem großen Gewinner unter den Rebuilding-Teams aus. Inzwischen haben sie 10 der 70 besten Prospects laut der Liste von mlb.com unter Vertrag – allen voran Prospect Nummer eins, 2B Yoan Moncada, der gestern Abend sein MLB-Debüt feierte.

Noch ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Ich bin die nächsten gut zwei Wochen im Urlaub. Mein Plan ist, auch in dieser Zeit den Grand Slam am Donnerstag regelmäßig zu schreiben und zu veröffentlichen. Aber wundert euch bitte nicht, wenn er mal etwas später kommt oder kürzer ausfällt als gewohnt und wenn ich wenige oder gar keine zusätzlichen Artikel schreibe.

American League
In der American League East liegen nach vor die Boston Red Sox (54-42) vorne, doch das bemerkenswerteste an der Rangliste ist Platz zwei, der inzwischen von den Tampa Bay Rays (51-45) belegt wird. Die Rays sicherten sich beide Serien, die sie seit dem All-Star-Break zu absolvieren hatten, während die New York Yankees (48-45) über einen Split gegen Boston und ein 1-2 gegen Minnesota nicht hinauskamen. Von ihrem Run Differential (+96) sind die Yankees nach wie vor ein Top-Team, doch sie haben mittlerweile zehn Serien hintereinander nicht für sich entscheiden können. Noch belegt New York einen Wild-Card-Platz, doch der Vorsprung ist auf nur noch ein halbes Spiel vor Minnesota, eineinhalb vor Seattle und zwei vor Kansas City zusammengeschmolzen. Und es steht nun ausgerechnet eine Vier-Spiele-Serie in Seattle an.

Die AL Central ist an der Spitze sehr eng beisammen, nur eine einzige Niederlage trennt die Cleveland Indians (48-45) und die Minnesota Twins (48-46). Auch die Kansas City Royals (46-47) haben noch alle Chancen, wenngleich sie mit vier Niederlagen aus sechs Spielen gegen Gegner, die allesamt eine schlechtere Bilanz aufwiesen, schwach in die zweite Saisonhälfte gestartet sind. Den Royals stehen nun sieben weitere Spiele gegen die beiden Kellerkinder der Division, die Detroit Tigers (43-50) und die Chicago White Sox (38-54), bevor. Die müssen sie positiv bestreiten, wenn sie im Kampf um den Divisionssieg weiterhin mitmischen wollen.

Die Houston Astros (63-32) müssen sich schon lange keine Sorgen mehr um den Divisionssieg in der AL West machen. Dieser ist so sicher wie er sein kann und die Astros können den Rest der Saison gelassen angehen. Der Terminplan ist derzeit ebenfalls freundlich zu ihnen, denn sie spielen nun neun Spiele gegen Gegner mit negativer Bilanz. Keine negative Bilanz mehr haben die Seattle Mariners, die sich durch eine 2-1 gewonnene Serie gegen die Astros auf 48-48 hochgearbeitet haben und zwar 15.5 Spiele hinter Houston, aber nur 1.5 Spiele hinter der Wild Card stehen. Die Texas Rangers (45-49) sind derweil durch vier Niederlagen hintereinander deutlich in den negativen Bereich und gleichzeitig hinter die Los Angeles Angels (47-50) gerutscht.

National League
Nachdem die Washington Nationals (57-37) nun auch ihre eine große Schwäche, den Bullpen, aufgerüstet haben, ist der Abstand zwischen ihnen und dem Rest der National League East noch größer geworden. Keines der anderen Teams ist konkurrenzfähig, weder in der Division noch in Bezug auf die Wild Cards. Das hat durchaus auch Vorteile für die Atlanta Braves (45-48), die New York Mets (43-50), die Miami Marlins (42-51) und die Philadelphia Phillies (32-61). Im Gegensatz zu vielen anderen Teams in der Liga müssen sie sich keine Gedanken machen, ob man zur Trade Deadline noch irgendwelche Ambitionen für die laufende Saison hat. Sie können alle vier beruhigt als Seller auftreten und an ihren Plänen für eine bessere Zukunft arbeiten.

Das beste Gegenbeispiel dazu ist die NL Central, in der einzig die Cincinnati Reds (40-55) schon klar aus dem Rennen sind. Die Milwaukee Brewers (52-46), das Überraschungsteam der ersten Saisonhälfte, hat derzeit fünf Spiele in Folge verloren, darunter ein Vier-Spiele-Sweep durch die Pittsburgh Pirates (48-48). Schon vor Wochen war Pittsburgh eigentlich komplett abgeschrieben, jetzt beträgt der Abstand auf die Spitze nur noch drei Spiele. Zwischen den Pirates und den Brewers steht noch Titelverteidiger Chicago Cubs (49-45), der seit dem Ende des All-Star-Breaks ebenfalls auf einer Erfolgswelle reitet. Diese könnte durchaus noch eine Weile anhalten, denn mit den St. Louis Cardinals (46-49) und dem Stadtrivalen Chicago White Sox (38-54) stehen zwei Serien gegen deutlich angezählte Gegner bevor und anschließend kommt es gegen Milwaukee möglicherweise zu einem Showdown um die Divisionsführung.

Die NL West, nein: die ganze Liga wird zurzeit klar von den Los Angeles Dodgers (66-29) dominiert. Ich gehe weiter unten bei der Statistik noch ein bisschen näher darauf ein, was für unglaubliche Zahlen die Dodgers zurzeit produzieren. Vor nicht allzu langer Zeit war in dieser Division noch ein Dreikampf zugange, doch inzwischen haben die Dodgers einen genauso großen Abstand vor dem Rest des Feldes wie die Nationals in der NL East. Im Gegensatz zu den East-Teams stehen die Colorado Rockies (56-41) und die Arizona Diamondbacks (55-40) aber immer noch in einer sehr guten Position, was die Wild-Card-Plätze angeht. Nach wie vor abgeschlagen sind die San Diego Padres (40-54) und die San Francisco Giants (37-59), die nun zu allem Überfluss viermal gegeneinander antreten müssen.

Szene der Woche
Die Woche brachte eine ganze Reihe großartiger Szenen hervor. Da wäre zum einen der spektakuläre Homerun-Klau von Jackie Bradley Jr. gegen Aaron Judge im achten Inning eines 3:0-Sieges der Red Sox über die Yankees am Sonntag. Dann natürlich die vier Hits von Cody Bellinger zum ersten Cycle eines Rookies in der Geschichte der Dodgers. Nicht zu vergessen der erste Homerun in der Karriere von Seth Lugo einschließlich der coolen Reaktion seiner Teamkameraden und des Mets-Pitchers selbst. Mein Lieblingsmoment dieser MLB-Woche jedoch stammt von Derek Holland: Der White-Sox-Pitcher fängt einen Aufsetzer hinter dem Rücken, stellt fest, dass der Ball im kaputten Netz des Handschuhs feststeckt – und wirft daraufhin einfach den kompletten Handschuh mitsamt Ball zum Force Out an der First Base durch Jose Abreu.

Statistik der Woche 
44. So viele Spiele haben die Los Angeles Dodgers hintereinander gewonnen, wenn sie an irgendeinem Punkt des Spiels in Führung gegangen sind. Das ist die längste solche Serie, die es je in der MLB gegeben hat. Ebenfalls beeindruckend: Die Dodgers haben derzeit elf Spiele hintereinander gewonnen und 31 von den letzten 35. Mit ihren bislang 66 Siegen in dieser Saison sind sie momentan auf Kurs für 113 Siege. Das wären die zweitmeisten seit den Seattle Mariners von 2001.

Spiel der Woche
Endlich kann ich mal ruhigen Gewissens behaupten, dass mein Einschalttipp im letzten Grand Slam sich tatsächlich als das interessanteste Spiel der Woche herausgestellt hat. Das Aufeinandertreffen der Yankees und der Red Sox Freitagnacht hatte es gewaltig in sich. Hier nur ein paar der zahlreichen Highlights dieses Spiels: Zunächst mal gab es hervorragendes Pitching zu sehen. Red-Sox-Starter Chris Sale absolvierte 7 2/3 Innings mit 13 Strikeouts, ließ nur drei Hits zu und keinen Run. Auf der anderen Seite hielt Luis Severino sieben Innings durch, in denen er vier Hits und einen Run erlaubte. Anschließend teilten sich sieben Reliever der Yankees die restlichen neun Innings und ließen keinen weiteren Run zu. Dass es überhaupt so viele Innings gab, haben die Yankees Matt Holliday zu verdanken, der im neunten Inning gegen Closer Craig Kimbrel per Solo-Homerun den 1:1-Ausgleich besorgte. Zwei Innings später stand Holliday erneut im Mittelpunkt, dieses Mal mit einer sehr seltsamen Baserunning-Aktion: Holliday geriet nach einem Schlag von Jacoby Ellsbury auf dem Weg von der ersten zur zweiten Base in ein Force Out, doch statt den Lauf einfach abzubrechen, drehte er um, rannte zurück, slidete zur ersten Base und behinderte dort Mitch Moreland beim Versuch, den Ball zum Double Play zu fangen. Ellsbury wurde von den Umpires save an der ersten Base gegeben, was zu vergeblichen Beschwerden der Red Sox führte. Boston spielte daraufhin unter Protest weiter, doch die Szene erwies sich als nicht spielentscheidend, denn das Inning war kurz darauf beendet. Erst nach 16 Innings, 5:50 Stunden und 512 Pitches endete das umkämpfte Spiel mit einem 4:1-Sieg der Yankees. Es war das längste Spiel zwischen Boston und New York im Fenway Park seit 1966.

Spiel der kommenden Woche
Generell empfiehlt es sich zurzeit, die Spiele der Los Angeles Dodgers anzuschauen – zum einen, weil man sie auf dem atemberaubenden Trip, auf dem sie sich gerade befinden, mal gesehen haben sollte, zum anderen weil man natürlich auch gerne dabei sein möchte, wenn die Serie irgendwann mal endet. Davon abgesehen erscheint mir die heute Nacht beginnende Vier-Spiele-Serie zwischen den New York Yankees und den Seattle Mariners die interessanteste der kommenden Tage zu sein. Beide stehen gerade am Scheideweg dieser Saison, die Mariners eineinhalb Spiele hinter den Yankees im Wild-Card-Rennen, aber dafür mit deutlich mehr Rückenwind aus den letzten Spielen. Mein Einschalttipp ist das Serienfinale am Sonntag – aus dem pragmatischen Grund, dass man es ab 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit ohne allzu viel Schlafentzug anschauen kann.

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Dezember 8th, 2016 by Silversurger

Der Knoten ist geplatzt. Wodurch genau, darüber kann man nur spekulieren. War es der Abschluss des neuen Collective Bargaining Agreements, der die Abwartehaltung einiger Teams aufgebrochen hat? War es das erste große Free-Agent-Signing von Yoenis Cespedes, das den Domino-Effekt auslöste? Oder liegt es einfach daran, dass momentan die Winter Meetings stattfinden, die jährliche Konferenz von Vertretern der MLB und aller Teamführungen, bei der traditionell viele Trades und Transaktionen besprochen werden? Fakt ist jedenfalls, dass in dieser Woche haufenweise Meldungen über neue Verträge und Geschäft eingingen und somit richtig Bewegung in die Offseason gekommen ist. Gut, dass heute Grand-Slam-Tag ist und damit Gelegenheit, die wichtigsten Entwicklungen der letzten Tage zusammenzufassen:

Die White Sox traden Sales und Eaton für massenweise Talente
Gestern Morgen wurde der erste echte Blockbuster-Trade bekannt: Die Boston Red Sox erhalten in Chris Sale das lange gesuchte Pitching-Ass – mit 27 im besten Alter und mit einem relativ teamfreundlichen Vertrag über noch drei Jahre und 38 Millionen Dollar. Mit Sale, David Price und Rick Porcello haben die Red Sox nun ein mehr als respektables Triumvirat in der Rotation und dürfen sich, da trotz des Abschieds von David Ortiz auch offensive Feuerkraft noch reichlich vorhanden ist, zu den frühen Favoriten der kommenden Saison zählen.

Der für Sale an die White Sox zu zahlende Preis ist hoch, auch wenn er „nur“ aus Prospects besteht: Das Kernstück dieser Seite des Trades ist Infielder Yoan Moncada, nach verbreiteter Einschätzung das Top-Prospect der Liga. Dazu kommen mit Michael Kopech ein 20-jähriger Flamethrower, der schon mit 18 bis zu 105 mph schnelle Fastballs geworfen hat, und als Beigabe noch OF Luis Alexander Basabe und RHP Victor Diaz. Wenn Moncada und Kopech die erhoffte Entwicklung nehmen, war es ein hervorragender, zukunftsweisender Trade für die White Sox, die für mich auf den ersten Blick als Gewinner des Deals dastehen. Natürlich muss man auch sehen, dass das scheinbare Ungleichgewicht aufgewogen wird durch das Risiko, dass unfertige Spieler manchmal nicht das werden, was man erwartet. Moncada hatte dieses Jahr 24,2% Strikeouts in den Minor Leagues und weitere 12 in 20 Plate Appearances für die Red Sox. Kopech hat eine Doping-Vorgeschichte und Anfang des Jahres brach er sich die Hand bei einer Prügelei mit einem Teamkameraden. Das alles muss nicht heißen, dass Moncada und Kopech keine glänzende MLB-Zukunft vor sich haben, aber die Möglichkeit, dass es anders kommt, muss man bei diesem Trade mitdenken. Deshalb finde ich ihn auf den zweiten Blick doch ziemlich ausgeglichen.

Wie ernst die White Sox es damit meinen, ihren Talentpool aufzurüsten, zeigt sich daran, dass sie ein paar Stunden später den nächsten Blockbuster vermelden konnten: Outfielder Adam Eaton verstärkt ab sofort die Washington Nationals und wieder besteht der Preis in einem attraktiven Paket von Prospects. Allen voran wechselt Pitcher Lucas Giolito nach Chicago – damit haben die White Sox innerhalb eines Tages sowohl das beste Batting-Prospect (Moncada) als auch das beste Pitching-Prospect der Liga an Land gezogen. Giolito dürfte in seiner Entwicklung weit genug sein, um bereits 2017 zu starten, möglicherweise auch schon gemeinsam mit Reynaldo Lopez, dem zweiten Teil des Trades. Dazu kommt mit Dane Dunning noch ein dritter junger Pitcher, der allerdings etwas mehr Zeit brauchen wird, bevor die MLB für ihn infrage kommt. Meine Bewertung dieses Trades gleicht der des ersten: Wenn die Prospects das halten, was sie versprechen, sitzen die White Sox am besseren Ende des Geschäfts.

Man darf gespannt sein, ob die White Sox nun auch noch SP Jose Quintana versilbern und was sie für ihn herauszuholen im Stande sind.

Die Cubs haben ihren Closer
Auch beim dritten „großen“ Trade der Woche führt eine Spur nach Chicago, in dem Fall allerdings in den Norden der Stadt zu den Cubs. Die haben gerade eine Meisterschaftssaison hinter sich mit einem Team, das auf Jahre hinaus vielversprechende Aussichten bietet. Eine Lücke gab es aber, da der Vertrag des erst im Juli ertradeten Closers Aroldis Chapman ausgelaufen war. Diese Lücke wurde nun hochkarätig besetzt mit Wade Davis von den Kansas City Royals. Davis bringt einen hervorragenden ERA von 1.18 in 185 Auftritten innerhalb der letzten drei Jahre mit und ließ in dieser Zeit lediglich drei Homeruns zu. Einziger Wermutstropfen aus Sicht der Cubs ist, dass der 31-Jährige mit nur einem Jahr Vertrag zu ihnen wechselt, es für sie also nach wie vor keine Langzeitlösung für die Position gibt. Aber für 2017 macht er den amtierenden World Champion sicher nicht schlechter. Für Davis geht in einem 1:1-Tausch Outfielder Jorge Soler nach Kansas City. Von ihm haben die Royals voraussichtlich auf lange Sicht etwas, denn Soler ist talentiert, nur 24 Jahre alt und hat noch vier Jahre eines sehr bezahlbaren Vertrags vor sich. Klingt für mich nach einem klassischen Win-Win-Geschäft für die beiden beteiligten Teams.

Rekordverträge für Reliever
Nicht nur an dem Trade für Wade Davis sieht man, dass Relief Pitcher dieses Jahr sehr gefragt sind, sondern auch an einigen frisch abgeschlossenen Verträgen mit Free Agents. Am Montag wurde sich Mark Melancon mit den San Francisco Giants einig. 62 Millionen Dollar für vier Jahre waren eine neue Rekordsumme; bisher war Jonathan Papelbon mit einem 50-Millionen-Vertrag der teuerste Reliever aller Zeiten gewesen. Melancons Rekord hielt allerdings nur zwei Tage, dann einigten sich die New York Yankees mit Aroldis Chapman auf dessen Rückkehr, die sie ihm mit stolzen 86 Millionen Dollar für fünf Jahre versüßen. Bei der Gelegenheit muss man sich mal in Erinnerung rufen, was die Yankees beim Trade im Juli alles bekommen haben für Chapman, der nun wieder da ist und (außer der Masse Geld für den neuen Vertrag, der so oder so angestanden hätte) nichts gekostet hat.

Weitere Free-Agent-Signings
Angesichts der Masse an hochkarätigen Trades und Verpflichtungen der vergangenen Tage liste ich die folgenden nur in aller Kürze auf. In ruhigeren Wochen wäre jeder einzelne von ihnen eine ausführliche Meldung wert gewesen:

Starting Pitcher Rich Hill bleibt bei den Los Angeles Dodgers. Für einen 37-Jährigen Spätentwickler ist ein Dreijahresvertrag über 48 Millionen Dollar ein stolzer Preis, aber Hill war der beste Free-Agent-Starter dieser Offseason und das spiegelt der Vertrag wider.

Outfielder Carlos Gomez bleibt bei den Texas Rangers. Sein neuer Vertrag bringt ihm 11,5 Millionen Dollar für ein Jahr, danach kann der 31-Jährige erneut den Free-Agent-Markt testen.

OF/DH Carlos Beltran kehrt mit einem Einjahresvertrag zurück zu den Houston Astros. Da er im April 40 Jahre alt wird, wird zweifellos die Frage aufkommen, ob er nach der Saison aufhört, aber noch hat er sich nicht in diese Richtung geäußert. Warum auch, solange seine Dienste einem MLB-Team noch 16 Millionen Dollar Jahresgehalt wert sind?

Catcher Wilson Ramos geht für zwei Jahre und leistungsabhängig 12,5 bis 18,25 Millionen Dollar zu den Tampa Bay Rays. Diese Verpflichtung leuchtet mir nicht ganz ein, vor allem angesichts der Vertragsdauer. In meinen Augen sind die Rays mindestens zwei Jahre davon entfernt, in der AL East konkurrenzfähig zu werden. Warum gibt man für diesen Zeitraum Geld für einen Top-Catcher aus, dessen Vertrag genau dann ausläuft, wenn man ihn vielleicht wirklich brauchen könnte? Ganz davon abgesehen, dass Ramos frisch operiert ist und voraussichtlich erst in der zweiten Saisonhälfte 2017 wieder spielen kann.

Allrounder Steve Pearce geht für zwei Jahre und 12,5 Millionen Dollar zu den Toronto Blue Jays. Das verstärkt den Eindruck, dass die Blue Jays sich zunehmend damit abfinden, die eigenen Free Agents Edwin Encarnacion und Jose Bautista nicht an sich binden zu können.

Ian Desmond, bei den Rangers erst kürzlich von Shortstop auf Center Fielder umgeschult, hat bei den Colorado Rockies einen Fünfjahresvertrag über 70 Millionen Dollar unterschrieben und soll dort wohl hauptsächlich als Firstbaseman eingesetzt werden.

RP Fernando Rodney hat in den Arizona Diamondbacks sein achtes MLB-Team gefunden. Der zum Saisonstart 40-Jährige kommt für ein Jahr und 2,75 Millionen Dollar plus leistungsbezogene Bestandteile. Rodney wird wohl als Closer antreten und könnte eine gute Gelegenheit für die Diamondbacks sein, zur Trade-Deadline etwas Gewinn abzuschöpfen, wenn sie wie erwartet aus dem Rennen sind und ein anderes Team für die Schlussphase der Saison einen erfahrenen Reliever braucht.

OF/DH Matt Holliday wird für ein Jahr und 13 Millionen Dollar bei den Yankees spielen. Holliday wird nächsten Monat 37 Jahre und soll ein Team mit vielen jungen Spielern mit seiner Erfahrung bereichern.

Die Miami Marlins haben SP Jeff Locke und Catcher A. J. Ellis mit Ein-Jahres-Verträgen ausgestattet. Die Marlins sind recht aktiv in dieser Offseason, allerdings auf einem Niveau, das 2017 eher als Übergangsjahr ohne große Pläne aussehen lässt – zumindest solange sich nicht das Gerücht bewahrheitet, dass sie ein hochdotiertes Angebot an RP Kenley Jansen gemacht haben.

Under Armour wird neuer Trikotausrüster 
Bis 2020 ist es noch eine Weile hin, aber die MLB hat sich diese Woche mit dem Sportartikelhersteller Under Armour geeinigt, dass dieser ab dann für zehn Jahre die Trikots aller 30 Mannschaften produzieren wird. Under Armour löst damit den bisherigen Ausrüster Majestic ab.

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