Oktober 21st, 2017 by Silversurger

Seit einigen Tagen macht das Gerücht die Runde, die MLB könnte in absehbarer Zeit von 30 auf 32 Teams vergrößert und bei der Gelegenheit einer massiven Umstrukturierung unterzogen werden. Den medialen Stein ins Rollen gebracht hat offenbar ein Artikel von Tracy Ringolsby auf Baseball America. Ringolsby beruft sich auf einen „wachsenden Konsens innerhalb der MLB“, dass eine Erweiterung um zwei Teams stattfinden soll. Die wahrscheinlichsten Kandidatenstädte dafür stehen demnach auch schon fest: Montreal und Portland. In beiden Städten gibt es eine breite Basis privater und öffentlicher Unterstützer des Wunsches nach einem MLB-Team. Auch MLB-Commissioner Rob Manfred hat Montreal und Portland bereits – neben Charlotte und Mexiko City – als mögliche Standorte für neue Teams genannt.

Klar ist, dass mit einer Erweiterung auf 32 Teams auch eine Umstruktierung verbunden wäre, denn die derzeitige Verteilung auf zwei Teilligen mit je drei Divisionen á fünf Teams würde dann nicht mehr aufgehen. Rechnerisch läge auf der Hand, entweder acht Divisionen mit je vier Teams oder vier Divisionen mit je acht Teams zu bilden. Die von Ringolsby vorgestellte Möglichkeit besteht darin, sich komplett von der Trennung in National League und American League zu verabschieden und vier regional bestimmte Divisionen zu bilden. Mit zwölf Spielen gegen jeden Divisionsrivalen und drei Spielen gegen jedes andere MLB-Team käme man auf einen Spielplan von 156 Spielen je Team – sechs weniger als momentan. Bei gleichbleibender Saisondauer wäre dann für jede Mannschaft ein freier Tag pro Woche möglich. Die Reisekosten wären deutlich geringer als in der derzeitigen Struktur und die Teams hätten mehr Spiele innerhalb der eigenen Zeitzone.

Auch die Struktur der Playoffs käme im Rahmen eines so erheblichen Umbruchs logischerweise auf den Prüfstand. Man könnte die vier Divisionssieger und die beiden besten restlichen Teams direkt in die Divisional Series einziehen und vier weitere Teams zwei Wild-Card-Spiele ausspielen lassen, was weitgehend den bisherigen Playoffs entsprechen würde. Denkbar wäre aber auch, um die Spannung für mehr Teams länger aufrecht zu erhalten, die Playoffs auf zwölf Teams zu erweitern. Dann wären nur die Divisionssieger direkt für die Divisionals gesetzt und die nächstbesten acht würden in vier Wild-Card-Spielen deren Gegner ausspielen.

Was ist dran an den Gerüchten? Aus dem erwähnten Artikel und den zahlreichen Reaktionen aus den letzten Tagen habe ich den Eindruck gewonnen, dass der erste Teil – die Erweiterung der MLB um zwei Teams – eine sehr wahrscheinliche Entwicklung ist. Der zweite Teil – die Neueinteilung der Divisionen, die Anzahl der Spiele, die Organisation der Playoffs etc. – scheint mir eher in den Bereich der Spekulation zu fallen. Das vorgestellte Modell dürfte allenfalls eine von diversen Möglichkeiten darstellen, wie die Dinge kommen könnten, sobald die neue Teamanzahl eine Umstrukturierung erforderlich macht.

Der geschilderte Vorschlag hat in meinen Augen jedenfalls einen gewissen Charme: Zu den schon genannten Vorteilen käme hinzu, dass so manche regionale Rivalität (z. B. Yankees vs. Mets, White Sox vs. Cubs etc.) intensiver ausgelebt werden könnte als bisher. Zu klären wäre bei einem Abschied von AL und NL allerdings die 44 Jahre alte Regeldifferenz zwischen den beiden Ligenteilen: Spielt man in einer „vereinigten“ MLB mit oder ohne Designated Hitter? Man kann darüber mühsam diskutieren und unzählige Argumente gegeneinander abwägen, aber ganz ehrlich: Welcher Baseballfan möchte ernsthaft behaupten, die Geschichte dieses fantastischen Sports wäre nicht deutlich ärmer ohne diesen Moment?

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