Februar 1st, 2018 by Silversurger

Wieder ist die neue MLB-Saison ein Stück näher gerückt und wieder war es eine relativ ereignisarme Offseason-Woche – abgesehen von den Aktivitäten der Brewers kurz nach dem letzten Grand Slam am Donnerstag. Ich weiß, dass ich mich Woche für Woche wiederhole, aber noch immer ist ein Großteil der interessantesten Free Agents ohne Vertrag für 2018. Ein Ende der Hängepartie ist nicht in Sicht, der Trainingsauftakt der meisten Teams aber nur noch zwölf Tage entfernt. Kein Wunder, dass inzwischen offenbar viele der verbleibenden Free Agents darüber nachdenken, sich zu einem eigenen Trainingslager zu treffen, damit sie von ihrem Fitnessstand her nicht ins Hintertreffen geraten gegenüber den unter Vertrag stehenden Spielern.

Brewers verstärken sich mit Yelich und Cain
Die Milwaukee Brewers haben einen Doppelschlag gelandet und damit alle Welt wissen lassen, dass mit ihnen dieses Jahr zu rechnen sein wird: Innerhalb von nur einer Stunde haben sie ihr Outfield gewaltig aufgerüstet, indem in der Nacht von Donnerstag auf Freitag zuerst ein Trade für Christian Yelich und dann die Verpflichtung von Lorenzo Cain bekannt wurden.

Beide Maßnahmen haben sich die Brewers ordentlich was kosten lassen: Cain erhält einen Fünfjahresvertrag über 80 Millionen Dollar. Das ist MLB-weit mit Abstand der hochwertigste Kontrakt der bisherigen Offseason. Yelich kommt zwar mit einem relativ teamfreundlichen Vertrag (43,25 Millionen für die nächsten vier Jahre plus Teamoption für 2022), doch mussten die Brewers für ihn ein Paket von vier Prospects nach Miami schicken: OF Lewis Brinson, OF Monte Harrison, INF Isan Diaz und RHP Jordan Yamamoto werden die Marlins spürbar voran bringen mit ihrem Rebuilding-Projekt. Insbesondere Brinson und Diaz gelten als große Talente auf ihrer jeweiligen Position; Brinson wird möglicherweise schon ab Saisonbeginn das Centerfield der Marlins übernehmen.

Die Brewers haben sich außerdem für 5 Millionen Dollar und zwei Jahre die Dienste von Reliever Matt Albers gesichert und nach allem, was sich vernehmen lässt, sind sie noch nicht fertig damit, sich für einen Angriff auf die NL Central zu rüsten: Mindestens ein hochwertiger Starter soll noch her, unter anderem sind die Brewers wohl noch im Rennen um Top-Free-Agent Yu Darvish.

Mets behalten Reyes, traden Smoker
Auch die New York Mets sind noch auf der Suche nach einem Starting Pitcher, allerdings eher nach einer preiswerten Option für die Mitte der Rotation. Priorität hat bei den Mets vermutlich aber ein erfahrener Second oder Third Baseman. Aktuell stünden für diese Posten mit Asdrubal Cabrera, Wilmer Flores und dem frisch für ein weiteres Jahr und 2 Millionen Dollar verpflichteten José Reyes drei Utility-Spieler zur Verfügung, die allesamt zu soliden Battingleistungen fähig, defensiv aber eher als Fragezeichen einzustufen sind. Um im Roster Platz für Reyes zu schaffen, wurde der linkshändige Reliever Josh Smoker designated for assignment. Für ihn fand sich prompt ein Interessent in den Pittsburgh Pirates, die im Gegenzug für Smoker Lefty-Prospect Daniel Zamora und etwas Geld nach New York schicken.

Trade zwischen Athletics und Royals
Einen weiteren Trade gab es zwischen den Oakland Athletics und den Kansas City Royals: Die A’s senden die beiden Pitcher Jesse Hahn und Heath Fillmyer nach Kansas City, dafür erhalten sie DH Brandon Moss, RP Ryan Buchter und 3,25 Millionen Dollar. Moss ist der bekannteste Name in diesem Trade, doch bei seiner Rückkehr nach Oakland geht es vermutlich eher um die Übernahme eines Großteils seines Gehalts von 8,25 Millionen Dollar, denn die Royals sind nach wie vor bemüht, das Geld für einen langfristigen Kontrakt mit 1B Eric Hosmer zusammenzukratzen. Neben diesen finanziellen Erwägungen ist der Kern des Trades, dass die Athletics einen dringend benötigten linkshändigen Reliever für ihren Bullpen bekommen haben und die Royals zwei günstige Ergänzungen für ihre alternde Rotation.

Noch ein Reliever für die Diamondbacks
Die Arizona Diamondbacks setzen derweil ihre letzte Woche begonnene Strategie fort, schwächelnde Reliever mit Minor-League-Verträgen anzuhäufen in der Hoffnung, dass ein paar davon zurück in die Erfolgsspur finden. Nach Antonio Bastardo, Fernando Salas, Kris Medlen und Michael Blazek reiht sich nun auch Neftali Feliz in die Reihe der Hoffnungsvollen ein. Feliz begann letzte Saison als Closer der Brewers, wurde aber nach schwachen Leistungen (6.0 ERA) im Juni entlassen und überzeugte auch nach der Aufnahme durch die Royals nicht, die ihn schließlich am 1. September ebenfalls aus dem Kader strichen.

Machado wechselt die Position
Manny Machado galt in dieser Offseason lange als Kandidat für einen Trade, da sein Vertrag zum Ende der Saison ausläuft, die Ziele der Baltimore Orioles wie fast jedes Jahr ein Rätsel sind und Machado selbst keinen Hehl daraus machte, dass er unzufrieden mit seiner primären Verwendung als Third Baseman ist. Nun sieht alles danach aus, dass Machado zumindest bis zur Trade Deadline Ende Juli in Baltimore bleiben wird. Um ihm dies schmackhaft zu machen und vielleicht auch, um seinen Tradewert noch etwas nach oben zu treiben, wird ihm sein Wunsch gewährt, dieses Jahr auf seiner Lieblingsposition als Shortstop zu spielen. Voraussichtlich wird er dafür schlicht die Rollen mit dem bisherigen SS Tim Beckham tauschen. Natürlich mühen sich nun alle Verantwortlichen zu betonen, dass diese Umstellung eine rein sportliche Entscheidung zum Besten des Teams ist – man darf sich aber schon fragen, warum man dann erst jetzt auf diese Idee gekommen ist…

Chief Wahoo hat ausgedient
Nach langer Diskussion, zu der ich vor einem Dreivierteljahr schon mal meinen Senf abgegeben hatte, ist nun endlich eine Entscheidung gefallen: Chief Wahoo, die von vielen als rassistisch empfundene Indianerkarikatur auf den Uniformen der Cleveland Indians, wird 2018 seine Abschiedssaison geben. Ab 2019 leistet Chief Wahoo dem Sarotti-Mohr und dem Affenpullover von H&M Gesellschaft im längst überfälligen Ruhestand. Ich finde, über Teamnamen wie Braves oder Indians kann man durchaus geteilter Meinung sein und man muss nicht gleich in allem einen Angriff oder eine Beleidigung sehen. Aber die debil grinsende knallrote Fratze mit Hakennase liegt für mich jenseits der Grenze von Geschmacks- oder Interpretationsfragen und ich bin froh, dass sie bald weg ist.

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Februar 2nd, 2017 by Silversurger

Dafür, dass noch einige interessante Leute wie Catcher Matt Wieters, 1B/DH Mike Napoli, 1B Chris Carter oder die Reliever Sergio Romo, Boone Logan, Fernando Salas und Jerry Blevins ohne Vertrag sind, ist es auf dem Free-Agent-Markt knapp zwei Wochen vor dem offiziellen Trainingsauftakt der Teams erstaunlich ruhig geworden. Carter überlegt wohl sogar schon ernsthaft, nach Japan zu wechseln. Die größte MLB-Schlagzeile der letzten Tage war unterdessen eine Geschichte, die mit Sport nur indirekt zu tun hat. Hier die wichtigsten Neuigkeiten seit dem letzten Grand Slam am Donnerstag:

Cardinals für Hackerangriff bestraft
Es klingt nach Stoff für ein Buch oder einen Film, ist aber tatsächlich so passiert: Ein hochrangiger Mitarbeiter der Scouting-Abteilung der St. Louis Cardinals hat sich über Jahre hinweg in die Datenbanken der Houston Astros eingehackt, um Erkenntnisse über Talente zu stehlen. Laut einem schon letztes Jahr ergangenen Urteil gegen den geständigen Mitarbeiter, Chris Correa, hat dieser sich 48-mal innerhalb von zweieinhalb Jahren Zugang zum Netzwerk der Astros verschafft und dabei fünf verschiedene Accounts von Astros-Mitarbeitern missbraucht. Correa wurde nach Bekanntwerden der Vorwürfe von den Cardinals entlassen und sitzt nun eine 46-monatige Haftstrafe ab.
Die MLB hat sich mit der Entscheidung über ihre eigenen Disziplarmaßnahmen gegenüber dem Team Zeit gelassen, weil man auf den Inhalt gerichtlicher Dokumente wartete. Diese sollten Aufschluss darüber geben, ob Correa allein und in eigener Verantwortung gehandelt hat. Tatsächlich scheint dies nach allen vorhandenen Erkenntnissen der Fall gewesen zu sein, sodass die nun verkündete Strafe für die Cardinals einigermaßen glimpflich ausfällt: 2 Millionen Dollar und ihre beiden höchsten Draftpicks müssen sie abgeben und zwar direkt an den Geschädigten, also die Houston Astros.

Rekordvertrag für Carlos Martinez
Den Gürtel deutlich enger schnallen müssen die Cardinals aufgrund der Strafe offensichtlich nicht: Mit dem 25-jährigen Starter hat man sich mehreren Berichten zufolge auf eine Vertragsverlängerung um fünf Jahre geeinigt, für die Martinez etwas mehr als 50 Millionen Dollar erhalten soll. Das ist an sich kein ungewöhnlicher Vertrag für einen vielversprechenden Pitcher, der schon zwei gute MLB-Saisons gespielt hat – bemerkenswert ist der Deal aber deshalb, weil Martinez noch für drei der fünf Jahre arbitration-eligible gewesen wäre, d. h. die Cardinals hätten ihn in diesen drei Jahren über das in der MLB übliche Schiedsverfahren voraussichtlich deutlich günstiger beschäftigen können. Für einen Spieler im ersten Arbitration-Jahr stellt der neue Vertrag, wenn er so zustande kommt, einen Rekord dar. Die Cardinals greifen also tief in die Tasche, um sich Martinez als einen Eckpfeiler des Teams bis 2022 zu sichern. Voraussichtlich wird der Vertrag noch ein bis zwei optionale Jahre enthalten; das würde ihn jedenfalls aus Teamsicht verständlicher machen.

Brandon Moss zu den Royals
Eine der wenigen relevanten Free-Agent-Verpflichtungen der letzten Tag ist Brandon Moss, der bei den Kansas City Royals für zwei Jahre und 12 Millionen Dollar unterschreiben soll. Moss ist Outfielder, allerdings kein besonders guter Defender, daher wird er wohl hauptsächlich als DH auflaufen. Mit einer Karriere-Slashline von .241/.319/.455 ist Moss in erster Linie ein Power-Hitter und hat als solcher sicher seinen Wert, aber gegenüber seinem nach Toronto abgewanderten Vorgänger Kendrys Morales stellt er eine klare Verschlechterung dar.

Blue Jays holen Lefty J. P. Howell
Apropos Toronto: Die Blue Jays haben meiner bescheidenen Ansicht nach eine nicht überragende, aber doch ganz ordentliche Offseason: Mit den Neuverpflichtungen Morales und Steve Pearce sowie der Weiterbeschäftigung von Jose Bautista wurde sichergestellt, dass sich das Lineup gegenüber dem letzten Jahr zumindest nicht verschlechtert. Der größte bisher noch ausstehende Bedarf war ein linkshändiger Reliever und auch der wurde in Person von J. P. Howell nun an Land gezogen. Howell hatte 2016 bei den Dodgers ein schwaches Jahr (4.09 ERA) und wirft insofern die Frage auf, ob er in der Lage ist, an seine deutlich erfolgreichere Zeit von 2013 bis 2015 (1.97 ERA) anzuknüpfen. Für einen Einjahresvertrag über 3 Millionen Dollar ist das Risiko jedenfalls überschaubar und diese Zahlen unterstreichen, dass es für die Blue Jays vernünftig war, nicht in ein Wettbieten um den bisherigen Jobinhaber Brett Cecil einzusteigen. Dieser ist den Statistiken nach nicht wirklich besser als Howell, räumte aber bei den St. Louis Cardinals einen meiner Ansicht nach absurden Vierjahresvertrag über 30,5 Millionen Dollar ab.

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