November 19th, 2019 by Silversurger

Vielen Dank für die die zahlreichen Rückmeldungen zur Liste meiner Lieblings-Baseballfilme! Das hat mich noch mal besonders motiviert, einen ähnlichen Artikel hinterher zu schieben, in dem ich getreu dem Wunsch von Leser Marcus auch meine bevorzugten Baseball-Romane vorstelle. Es handelt sich wieder um eine extrem subjektive Auswahl von mir. Genau wie bei den Filmen gibt es sicherlich auch bei den Büchern einige Perlen, die ich bisher noch gar nicht kenne. Ich bin sehr gespannt auf eure Ergänzungen!

  1. Chad Harbach: Die Kunst des Feldspiels (Original: The Art of Fielding)
    Erstveröffentlichung 2012. Verlag der deutschen Taschenbuchausgabe: DuMont. Übersetzer: Stephan Kleiner, Johann Christoph Maass. 608 Seiten. 9,99 Euro.
    Als Chad Harbach vor ein paar Jahren seinen Debütroman vorlegte, überschlugen sich die Kritiker geradezu vor Begeisterung. Und das mit Recht, denn kein Wort des Lobes ist zu viel für dieses wunderbar lustige, ernste, feinsinnige, intelligente Buch über Baseball, das Erwachsenwerden, Liebe, Freundschaft, Siegen, Scheitern – ach, eben über das Leben an sich. Hier habe ich vor drei Jahren ein paar Sätze mehr über „Die Kunst des Feldspiels“ verloren. Wenn ihr es noch nicht kennt, dann rate ich euch an dieser Stelle, meinen Blog links liegen zu lassen und stattdessen erst mal diesen Roman zu lesen.
  2. Philipp Roth: The Great American Novel (Original: The Great American Novel)
    Erstveröffentlichung 1973. Verlag der deutschen Taschenbuchausgabe: Rowohlt. Übersetzer: Werner Schmitz. 448 Seiten. 9,99 Euro.
    Auf Platz zwei meiner Rangliste vereinigt sich ein bedeutender Autorenname – der des großartigen Philipp Roth – und ein bedeutender Titel – der eines Zielbildes, das von vielen Schriftstellern und von noch mehr Kritikern bemüht wurde auf der Suche nach dem amerikanischen Roman, eben „The Great American Novel“. Im vorliegenden Fall ist dieser Titel eher satirischer Natur und das Buch, das sich dahinter verbirgt, leider eines der weniger bekannten von Roth. Es erzählt aus der Sicht des fiktiven Sportreporters Word Smith die Geschichte der fiktiven Port Ruppert Mundys in der ebenfalls fiktiven Patriot League. Die Mundys werden zum ersten dauerhaften Auswärtsteam der Liga, weil sie ihr Stadion während des Zweiten Weltkriegs dem Militär überlassen müssen. Später wird die Existenz der gesamten Liga aufgrund einer kommunistischen Verschwörung komplett aus der Geschichtsschreibung getilgt. Hört sich abgedreht an? Es ist noch viel abgedrehter. Aber gut. Und witzig. Vor allem aber bissig.
  3. Stephen King: Das Mädchen (Original: The Girl Who Loved Tom Gordon)
    Erstveröffentlichung 1999. Verlag der deutschen Taschenbuchausgabe: Knaur. Übersetzer: Wulf Bergner. 304 Seiten. 9,99 Euro.
    Angesichts des deutschen Titels dürfte man kaum auf die Idee kommen, dass es sich bei Stephen Kings „Das Mädchen“ um einen Baseball-Roman handelt. Das ist es auch nicht direkt, aber Baseball und vor allem ein ganz bestimmter Spieler – der Reliever Tom Gordon, damals bei den Red Sox – bilden ein Leitmotiv, das sich durch die gesamte Handlung zieht. Gordon ist das Idol der neunjährigen „Trisha“ McFarland, die sich bei einer Wanderung von ihrer Familie entfernt und im Wald verläuft. Mit nur wenigen Vorräten und einem Batterieradio bestückt, irrt Trisha tagelang durch den Wald, wird krank und beginnt vor Angst und Elend zu fantasieren. Ihren Kampfgeist erhält sie aufrecht durch gedankliche Gespräche mit Tom Gordon und durch die Radioübertragungen der Red-Sox-Spiele. Es ist ein sehr fesselndes Buch, das man ohne Weiteres in einem Rutsch durchlesen kann. King schreibt darin sehr realitätsnah und kommt ohne übernatürliche Horrorelemente aus.
  4. John Grisham: Home Run (Original: Calico Joe)
    Erstveröffentlichung 2012. Verlag der deutschen Taschenbuchausgabe: Heyne. Übersetzer: Bea Reiter. 288 Seiten. 8,99 Euro.
    Zu diesem Buch habe ich eine sehr persönliche Bindung, denn es hat  mich zum Baseball gebracht. Ich bekam es damals eher zufällig in die Finger und war zunächst etwas enttäuscht, dass es sich nicht als der Justiz-Thriller entpuppte, den man von Grisham gewohnt ist. Doch ich gab dem Buch eine Chance und das war gut so, denn die anrührende Geschichte von einer zerrütteten Vater-Sohn-Beziehung hat mein Interesse geweckt, mich näher mit der Sportart zu beschäftigen, die ich bis dahin nur ganz nebenbei wahrgenommen hatte. Es ist übrigens eines der wenigen Bücher, bei dem der übersetzte Titel meiner Ansicht nach deutlich besser gelungen ist als der Originaltitel – denn während „Calico Joe“ für sich genommen kaum etwas aussagt, ist „Home Run“ gleich doppelt passend, weil es einerseits um Baseball und andererseits um eine Heimkehr geht. Auch über dieses Buch habe ich vor ein paar Jahren schon mal einen ausführlicheren Artikel geschrieben.
  5. Troy Soos: Murder at Fenway Park (nur englisch)
    Erstveröffentlichung 1994. Verlag: Kensington. 252 Seiten. Preis variiert.
    Die vier Bücher, die ich oben vorgestellt habe, haben eines gemeinsam: Sie alle liegen in deutschen Übersetzungen vor und zwar in solchen, die man gut lesen kann – was gerade bei Büchern, in denen es um amerikanische Sportarten geht, leider keine Selbstverständlichkeit ist. Für meine Nummer 5, „Murder at Fenway Park“ von Troy Soos, gibt es bislang leider keine Übersetzung. Ich empfehle es trotzdem gerne, denn es ist in einem auch für Nicht-Muttersprachler leicht verständlichen Englisch geschrieben – zumindest wenn man eine Grundkenntnis von Baseballbegriffen mitbringt. Es handelt sich um eine Kombination aus historischem Roman und Krimi. Im Mittelpunkt sowohl dieses Buches als auch der mittlerweile sieben Fortsetzungen steht Mickey Rawlings, ein mittelmäßig erfolgreicher Baseballspieler im frühen 20. Jahrhundert. Rawlings spielt im Laufe der Jahre für diverse Teams und gerät immer wieder unfreiwillig in die Lage, Zeuge oder Opfer krimineller Machenschaften zu werden.  Hier habe ich das Buch ausführlicher vorgestellt.

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