Juli 25th, 2019 by Silversurger

Für die MLB-Teams, die mit den Playoffs nichts zu tun haben, wird es diese Woche zum letzten Mal in dieser Saison richtig spannend, wenngleich nur jenseits des Platzes: Die Trade-Deadline steht an und somit die Chance, den einen oder anderen Spieler mit auslaufendem Vertrag an konkurrenzfähige Teams abzugeben und im Gegenzug möglichst vielversprechende Nachwuchstalente zu erhalten. Nach einer Regeländerung gilt die Deadline am 31. Juli dieses Jahr erstmals ohne Wenn und Aber. Während früher anschließend noch einen weiteren Monat lang die Möglichkeit bestand, über formale Umwege Trades einzufädeln, ist nun klar, dass es nach dem 31. Juli keine Wechsel mit Auswirkung auf die laufende MLB-Saison mehr geben wird. In der American League ist für die meisten Teams klar absehbar, ob sie zur Deadline als „Buyer“ oder „Seller“ auf dem Plan stehen, denn die Karten im Hinblick auf die Playoffs sind schon relativ eindeutig verteilt. In der National League ist das Bild weniger klar, da sich 14 von 15 Teams zumindest noch Außenseiterchancen auf die Postseason ausrechnen können.

National League
In der National League East sind mindestens drei Teams als potenzielle Käufer einzustufen. Die Atlanta Braves (60-43) haben keine offensichtlichen Lücken im Kader, scheinen aber auch nicht abgeneigt, noch einen Top-Spieler an Land zu holen. Ein Starting Pitcher dürfte das wahrscheinlichste Ziel sein. Auf dem Pitching-Markt werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch die Washington Nationals (55-46) tätig werden, um mit ein, zwei neuen Relievern ihre Schwachstelle anzugehen. Die Philadelphia Phillies (54-48) hatten bereits eine sehr aktive Offseason und werden ihren Trend zum Aufrüsten fortsetzen. Auf ihrer Wunschliste stehen vor allem Spieler, die noch ein, zwei Jahre Vertragsdauer mitbringen und nicht nur die wenigen Monate bis Saisonende. Die New York Mets (46-55) sind zwar noch nicht endgültig aus dem Rennen, aber sie werden wohl realistisch genug sein, dieses Jahr abzuhaken und zu schauen, ob und wie sich die auslaufenden Verträge von Zack Wheeler, Todd Frazier und Jason Vargas versilbern lassen. Auch um Noah Syndergaard, der noch bis 2022 an den Klub gebunden ist, gibt es immer wieder Gerüchte. Der Preis für ihn dürfte allerdings hoch sein – während der für Wheeler durch dessen aktuelle Verletzung vermutlich deutlich gefallen ist. Die Miami Marlins (38-62) sind der eindeutigste Seller der NL. Veteranen wie Curtis Granderson, Neil Walker und Sergio Romo können Gegenwerte bringen, die das Rebuilding der Marlins voranbringen.

Die NL Central ist weit offen, daher wird hier wohl kein Team nennenswert als Seller auftreten. Die Chicago Cubs (55-47), die St. Louis Cardinals (54-47) und die Milwaukee Brewers (54-50) sind allesamt auf der Suche nach Relievern. Die Brewers hätten zudem nach der Verletzung von Brandon Woodruff gern einen weiteren Starter, während die Cubs nach einem guten rechtshändigen Batter Ausschau halten. Die Cincinnati Reds (46-54) und die Pittsburgh Pirates (46-55) befinden sich in uneindeutigen Situationen – nicht direkt im Playoffrennen, aber auch nicht abgeschlagen genug, um aufzugeben. In ihrer Situation ist damit zu rechnen, dass sie zur Trade-Deadline weder in die eine noch in die andere Richtung sonderlich aktiv werden.

Die Los Angeles Dodgers (67-37) gewinnen die NL West locker ohne weitere Verstärkungen, aber wie in den vergangenen Jahren werden sie auch dieses Mal versuchen, das eine oder andere Puzzlestück im Hinblick auf das große Ziel eines World-Series-Gewinns hinzuzufügen. Der Schwerpunkt dürfte klar auf Hilfe für den Bullpen liegen. Die restlichen Teams der Division können allesamt noch auf eine Wild Card spekulieren. Die Arizona Diamondbacks (52-51), die ohnehin bereits ein halbes Rebuilding-Projekt darstellen, könnten sich entscheiden, Leute wie Adam Jones und Zack Greinke auf den Markt zu werfen. Greinke steht noch bis 2021 unter Vertrag, ist mit 80 Millionen Dollar an garantiertem Gehalt aber auch extrem teuer. Die Colorado Rockies (47-55) und die San Francisco Giants (52-51) sehe ich als Kandidaten für eine eher untätige Herangehensweise an die Deadline. Das ist in beiden Fällen eine erstaunliche Entwicklung. Die Rockies sahen vor der Saison nach sicheren Contendern aus, konnten die Erwartungen aber bisher nicht erfüllen. Umgekehrt sind die Giants erst in den letzten paar Wochen quasi aus dem Nichts empor gekommen und plötzlich sieht es so aus, dass einst heiße Trade-Kandidaten wie Madison Bumgarner, Will Smith oder Sam Dyson womöglich gar nicht zum Verkauf stehen. Für die San Diego Padres (48-53) ist ebenfalls unklar, ob sie eher kaufen oder verkaufen wollen. Gebrauchen könnten sie einen Starter, idealerweise mit etwas längerem Vertrag als nur bis Saisonende. Guten Gegenwert würden sie für ihren Closer Kirby Yates erzielen.

American League
Die New York Yankees (66-35) gehören zu den klaren Favoriten, einen der verfügbaren Top-Starter zu akquirieren – jemanden wie Zack Wheeler, Mike Minor oder Marcus Stroman. Genau wie die Yankees haben auch die Tampa Bay Rays (58-47) genug Tradematerial in der Farm, um sich ordentlich zu verstärken. Sie dürften vor allem an einem rechtshändigen Batter interessiert sein, aber auch ein starker Reliever würde ihnen weiterhelfen. Die Boston Red Sox (56-47) befinden sich zurzeit im Niemandsland der American League East und sind auch von der Wild Card ein Stück entfernt. Die Ergebnisse der nächsten Tage werden ihre Herangehensweise an die Deadline beeinflussen. Wenn sie sich zum Aufrüsten entscheiden, dürfte ihr Fokus auf Hilfe für den Bullpen liegen, nachdem sie die Rotation bereits vor knapp zwei Wochen durch Andrew Cashner ergänzt haben. Die Toronto Blue Jays (39-65) sind gut bestückt mit dem, was viele suchen: Ihre Reliever Daniel Hudson und Ken Giles sowie Starter Marcus Stroman dürften zu den begehrtesten Trade-Chips der Liga gehören. Auch die Baltimore Orioles (32-69) sind klar in der Situation eines Sellers. Mindestens Closer Mychal Givens und Infielder Jonathan Villar werden in den nächsten Tagen gegen Talente eingetauscht werden.

Die Minnesota Twins (61-40) könnten einen Top-Starter sowie einen verlässlichen Reliever gebrauchen. Das ist allerdings das gleiche, was sehr viele suchen und man darf bezweifeln, ob die Twins zum Zahlen hoher Preise in Form guter und/oder zahlreicher Talente bereit sind. Ihr einziger Konkurrent in der AL Central, die Cleveland Indians (59-42), wird voraussichtlich wenige bis keine Trade-Aktivitäten entfalten. Die Gerüchteküche in Cleveland drehte sich in den letzten Wochen weniger um Verstärkungen als darum, ob man Starter Trevor Bauer auf den Markt wirft. Nachdem die Indians sich sowohl in der Division als auch im Wild-Card-Rennen eine stark verbesserte Position erarbeitet haben, dürfte das aber vorerst vom Tisch sein. Die Chicago White Sox (45-54) haben im Zuge ihres Neuaufbaus in den letzten Jahren ein Team mit jungen Spielern und langfristigen Verträgen zusammengestellt und werden ebenfalls wenig Interesse an Trades haben. Ein Wechselkandidat könnte allenfalls noch Veteran José Abreu sein, doch sowohl der Klub als auch der Spieler haben signalisiert, über den auslaufenden Vertrag hinaus miteinander arbeiten zu wollen. Die Kansas City Royals (39-64) werden sicher schon einige Angebote für Infielder Whit Merrifield prüfen. Zudem stehen Outfielder Billy Hamilton sowie die Reliever Jake Diekman, Wily Peralta und Ian Kennedy im Schaufenster. Auch bei den Detroit Tigers (30-67) können verstärkungswillige Teams fündig werden: Outfielder Nicholas Castellanos und Closer Shane Green werden in einer Woche wahrscheinlich einen neuen Arbeitgeber haben.

Die Houston Astros (66-38) schwimmen mit in dem Trend, in erster Linie nach Pitching Ausschau zu halten. Mindestens ein weiterer Starter soll her, vielleicht auch zwei angesichts der Verletzungsmisere in Houstons Rotation, dazu gerne ein Linkshänder für den Bullpen. Die Hauptkonkurrenten in der AL West, die Oakland Athletics (58-45), sind bereits einen Schritt weiter, denn sie haben schon Starting Pitcher Homer Bailey von den Royals an Land gezogen. Auch die A’s sind aber weiterhin an Pitchern interessiert, genauso wie die Los Angeles Angels (54-49), die vor wenigen Wochen noch nach Sellern aussahen, aber nun so gut dastehen, dass sie wohl kaufen werden. Trotz der jüngsten Erfolge sind die Schwächen in der Rotation schon länger unübersehbar, und durch den Tod von Tyler Skaggs und die Entlassung von Matt Harvey sind sie noch akuter geworden. Die Texas Rangers (51-51) befinden sich seit dem All-Star-Break im freien Fall und werden wohl als Seller auftreten. Starting Pitcher Mike Minor, Outfielder Hunter Pence und Reliever Chris Martin könnten interessante Optionen für andere Teams sein. Auf gar keinen Fall wird die Deadline verstreichen, ohne dass der tradefreudigste General Manager der Liga, Jerry Dipoto von den Seattle Mariners (42-63), aktiv geworden ist. Sicher vor einem Trade ist unter Dipoto niemand, als wahrscheinlichste Kandidaten für einen Arbeitsplatzwechsel gelten Starter Mike Leake und – trotz aktueller Verletzung – Second Baseman Dee Gordon.

Szene der Woche 
Auf dem Feld gab es in den letzten Tagen ein Triple-Play der Twins, einen Cycle von Trea Turner und Spiele von Robinson Cano sowie von Paul DeJong mit jeweils 4 Hits und 3 Homeruns. Meine Szene der Woche war aber die Aufnahmezeremonie der Baseball Hall of Fame. Mariano Rivera als erster einstimmig Gewählter aller Zeiten, zudem Roy Halladay, Edgar Martinez, Mike Mussina, Harold Baines und Lee Smith empfingen die ehrenvolle Aufnahme in den Kreis der Besten ihres Sports. Für den 2017 bei einem Flugzeugabsturz gestorbenen Halladay nahm seine Witwe Brandy an der Ehrung teil. Wenn ihr an einer etwas ausführlicheren Vorstellung der Hall-of-Fame-Klasse 2019 interessiert seid, werft doch mal einen Blick auf den Artikel, den ich früher im Jahr dazu geschrieben habe.

Statistik der Woche 
11. Am Jahrestag der Mond-Mission Apollo 11 haben die Astros 11 Runs gegen die Athletics erzielt und 11:1 gewonnen. Der 11. Run wurde mit dem 11. Hit der Astros durch den 11. Batter erzielt, den sie im dritten Inning an den Schlag brachten. Rookie-Phänomen Yordan Alvarez trug seinen Teil bei, unter anderem mit dem 11. Homerun seiner jungen Karriere. Starter Gerrit Cole warf 11 Strikeouts auf dem Weg zu seinem 11. Win des Jahres.

Spiel der Woche
Die New York Yankees und die Minnesota Twins sind zwei Schwergewichte der American League. Der Fight, den sie sich Dienstagnacht lieferten, war diesem Status mehr als würdig. Wie zwei Schwergewichtsboxer hauten sie sich in den späten Innings der Partie die scheinbar entscheidenden Schläge um die Ohren, immer wieder rappelte der Gegner sich hoch und schlug zurück. Aaron Hicks, Didi Gregorius, Miguel Sano und Gleyber Torres ließen sich allesamt zu früh für den vermeintlichen Knockout feiern, bevor es am Ende dann doch wieder Hicks war, der den Schlusspunkt setzte – nicht mit einem Schlag, sondern mit einem spektakulären Catch, der gegen den Flyball von Max Kepler im zehnten Inning bei zwei Outs und geladenen Bases ein neuerliches Comeback der Twins verhinderte und den 14:12-Erfolg der Yankees besiegelte.

Mein Einschalttipp
Da dieser Grand Slam am Donnerstag im Zeichen der Trade-Deadline steht, habe ich auch einen dazu passenden Einschalttipp: Die San Diego Padres treffen am Wochenende dreimal auf die San Francisco Giants. Für beide Klubs können der Verlauf und der Ausgang dieser Serie die Richtung weisen, wie sie an die Deadline herangehen. In der Partie am Sonntag treffen als Starting Pitcher voraussichtlich Chris Paddack (2.84 ERA, 4.02 FIP) für die Padres und Madison Bumgarner (3.66 ERA, 3.62 FIP) für die Giants aufeinander. Für Bumgarner geht es buchstäblich um seinen Job, denn sein Vertrag läuft zum Saisonende aus, und falls die Giants sich zum Verkaufen entschließen, wird er wohl der wahrscheinlichste Trade-Kandidat seines Klubs sein. Das Spiel läuft ab 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf mlb.tv.

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Januar 26th, 2019 by Silversurger

Vor einigen Tagen hat die Baseball Writers Association of America (BBWA) bekannt geben, welche ehemaligen Spieler zur diesjährigen Aufnahme in die Baseball Hall of Fame in Cooperstown gewählt wurden. Mariano Rivera hat dabei Geschichte geschrieben, denn er wurde als erster Spieler überhaupt mit einem einstimmigen Ergebnis gewählt. Gemeinsam mit ihm erhielten Roy Halladay, Edgar Martinez und Mike Mussina die nötige Dreiviertelmehrheit. Zudem kommen Harold Baines und Lee Smith auf Entscheidung des Era Committees in die Ruhmeshalle.

Bevor ich jeden der geehrten Spieler kurz vorstelle, bringe ich noch mal das Wahlsystem in Erinnerung: Die „normale“ Hall-of-Fame-Wahl wird durchgeführt von der Journalistenvereinigung BBWA. Wahlberechtigt sind deren Mitglieder, sofern sie der BBWA seit mindestens zehn Jahren angehören und in dieser Zeit durchgehend an der Berichterstattung über die MLB beteiligt gewesen sind. Jeder von ihnen darf für bis zu zehn Spieler stimmen. Gewählt werden können Spieler, die zehn oder mehr Jahre in der MLB aktiv waren und seit mindestens fünf Jahren ihre Karriere beendet haben. Wer in einem Jahr auf 75% oder mehr der Stimmzettel landet, wird in die Hall of Fame aufgenommen. Wer in einem Jahr weniger als 5% der Stimmen erhält oder in zehn Versuchen nie die 75% erreicht, scheidet aus; alle anderen haben im nächsten Jahr erneut die Chance, gewählt zu werden. Üblicherweise sind nach diesem Verfahren jährlich 25 bis 40 Spieler wählbar.

In diesem Jahr durften 425 Wahlberechtigte über 35 Spieler abstimmen. Gewählt wurden die genannten vier Spieler. 16 kamen auf unter 5% und sind nächstes Jahr nicht mehr wählbar, ebenso wie Fred McGriff, der es beim zehnten Versuch nur auf 39,1% brachte. Spannende Fälle sind Curt Schilling (60,9%), Roger Clemens (59,5%), Barry Bonds (59,1%) und Larry Walker (54,6%). Walker war zum neunten Mal dabei und kann sich für nächstes Jahr gute Hoffnung machen. Denn typischerweise bekommen Spieler im letzten Jahr der Wählbarkeit noch einmal einen wohlwollenden Schub an Stimmen. Schilling, Clemens und Bonds waren zum siebten Mal dabei und werden wohl frühestens beim zehnten Versuch 2022 reinkommen. Zwar gehören gerade Clemens und Bonds unbestreitbar zu den besten Baseballspielern aller Zeiten, doch bei der Wahl werden sie regelmäßig abgestraft für ihren sehr wahrscheinlichen Doping-Missbrauch. Auch Schillings Leistungen waren ohne Weiteres gut genug für die Hall of Fame; bei ihm spielen charakterliche Defizite und radikale politische Äußerungen eine große Rolle dabei, dass die Wähler ihn noch schmoren lassen. Das komplette Wahlergebnis findet sich hier.

Neben dem „normalen“ Verfahren der Wahl durch die BBWA gibt es noch einen zweiten Weg in die Hall of Fame des Baseballs: Die sogenannten Era Committees (früher bekannt als Veterans Committee) sind vier vom Direktorat der Hall of Fame eingesetzte Expertengruppen, die sich auf verschiedene historische Zeiträume des Baseballsports spezialisiert haben. Die Era Committees tagen im jährlichen Wechsel und entscheiden gemeinsam (ebenfalls mit Dreiviertelmehrheiten) über die Aufnahme von Trainern, Schiedsrichtern und Funktionären sowie von durch die BBWA nicht mehr wählbaren Spielern in die Hall of Fame. Dieses Jahr war das „Today’s Game Committee“ dran und hat während der Winter Meetings im Dezember Harold Baines und Lee Smith gewählt.

Mariano Rivera
Dass Mariano Rivera eine der großartigsten MLB-Karrieren aller Zeiten haben würde, war erst spät abzusehen: Er debütierte 1995 als 25-Jähriger für die New York Yankees und gab mit 5.51 ERA bei zehn Starts und neun Relief-Auftritten wenig Anlass für hochtrabende Erwartungen. Doch der Umstieg zum reinen Relief Pitcher brachte ihm den Durchbruch. 1997 wurde er von den Yankees zum Closer erklärt und hielt diese Rolle fortan Jahre lang fest im Griff. Mariano führt die Allzeit-Ranglisten mit den meisten Saves (652) und den meisten beendeten Spielen (952) an und schaffte es 13-mal ins All-Star-Team. Trotz überragender Saisonleistungen gelang es ihm regelmäßig, in den Playoffs noch eine Schippe draufzulegen. Sein Postseason-ERA von 0.70 in 141 Innings und seine 42 Saves in Playoff-Spielen sind mit großem Abstand führend in der MLB-Geschichte. Rivera war einer der ganz großen Faktoren dafür, dass die Yankees in seiner aktiven Zeit siebenmal die World Series erreichten und sie fünfmal gewannen.

Roy Halladay
Mit einem beachtlichen Ergebnis von 85,4% hat ein weiterer Pitcher es gleich im ersten Jahr seiner Wählbarkeit in die Hall of Fame geschafft. Tragischerweise war es Roy Halladay nicht vergönnt, diese Ehrung zu erleben, denn Halladay starb im November 2017 mit 40 Jahren bei einem Flugzeugabsturz. Halladay war ein dominanter Starter in den 2000er Jahren und gewann mit jedem seiner beiden Teams einen Cy-Young-Award: 2003 mit den Toronto Blue Jays in der AL, 2010 mit den Philadelphia Phillies in der NL. Er pitchte in der Blüte seiner Karriere nicht nur sehr gut, sondern auch sehr ausdauernd. Achtmal brachte er es auf 220 oder mehr Innings in einem Jahr, 2003 sogar auf seitdem unerreichte 266. Man kann vermuten, dass es für Halladay ohne die tragischen Umstände knapp geworden wäre, die 75% im ersten Anlauf zu erreichen. Aber auch wenn es sonst vielleicht zwei oder drei Wahlgänge gebraucht hätte, hat er die Aufnahme in die Ruhmeshalle zweifellos verdient.

Edgar Martinez
Edgar Martinez, der seine gesamte Karriere bei den Seattle Mariners verbrachte, erlebte bei der Wahl 2019 den typischen Aufschwung des zehnten Jahres – nach neun vergeblichen Anläufen nahm er die 75%-Hürde dieses Mal mit 85,4% ganz locker. Offenbar waren nun doch viele der BBWA-Mitglieder der Ansicht, dass man den siebenfachen All-Star mit einer Karriere-Slashline von .312/.418/.515 nicht dauerhaft ignorieren darf. Martinez hatte es schwerer als viele andere, sich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu spielen. Das lag zum einen daran, dass er fast ausschließlich als DH spielte, und zum anderen daran, dass er – gerade für einen DH – vergleichsweise wenige Homeruns schlug. Bei Letzterem muss man Martinez zugute halten, dass er im Gegensatz zu fast allen großen Sluggern seiner Generation nie mit verbotenen Substanzen in Verbindung gebracht wurde.

Mike Mussina
Der Vierte im Bunde der frisch Gewählten ist Mike Mussina. Er übertraf mit 76,7% im sechsten Anlauf gerade so die Schwelle. Der Pitcher, dessen 18 Jahre lange Karriere sich auf die Baltimore Orioles und die New York Yankees aufteilte, gewann nie einen Cy-Young-Award und nie eine World Series. Er überzeugte generell weniger mit einzelnen herausragenden Auftritten und Statistiken als durch Konstanz und Durchhaltevermögen. Alles in allem brachte er es dadurch auf 83.0 WAR und somit auf Rang 58 der Rangliste aller Spieler der MLB-Historie – übrigens weit vor allen anderen Spielern, die dieses Jahr mit ihm in die Hall of Fame einziehen. Ich muss zugeben, dieser Wert hat mich überrascht – und meine anfängliche Skepsis zerstreut, ob Mussina wirklich in die Halle gehört.

Harold Baines
Komplett unzerstreut bleibt meine Skepsis, dass Harold Baines, einer der beiden durch das Era Committe bestimmten Spieler, etwas in der Hall of Fame zu suchen hat. Baines hatte eine lange und produktive Karriere, brachte es auf fünf All-Star-Berufungen und war in den meisten seiner 21 MLB-Jahre zweifellos ein überdurchschnittlicher Spieler. Das ist gut und aller Ehren wert, aber mehr auch nicht. Schließlich reden wir von der Hall of Fame, nicht von der Halle der Überdurchschnittlichen. Das mag hart klingen, aber die Wähler der BBWA sahen es offenbar genauso wie ich: Baines brachte es in den Wahlen auf einen Höchstwert von 6,1% im Jahr 2010 und fiel 2011 im fünften Jahr seiner Wählbarkeit unter die 5%-Hürde. Dass und wie er nun über das Era Committee berufen wurde, hat mehr als ein gewisses Geschmäckle: Dem Gremium gehörten unter anderem Jerry Reinsdorf an, der Owner der Chicago White Sox, sowie Tony La Russa, der ehemalige General Manager der White Sox. Baines spielte 14 Jahre lang für die White Sox und als er seine Karriere dort begann, waren die beiden entscheidenden Führungspersonen – Reinsdorf und La Russa.

Lee Smith
Während die Entscheidung über die Aufnahme von Baines innerhalb des Era Committees äußerst knapp fiel, bestand im Hinblick auf Lee Smith Einigkeit in dem Gremium. Smith war ebenfalls in der BBWA-Wahl nicht zum Zuge gekommen. Er stand für die (damalige) Höchstzahl von 15 Wahlgängen zur Wahl, brachte es jedoch nie über 50,6%. Als Relief Pitcher – so sagte man jedenfalls bis zu Riveras 100%-Wahl – hat man es generell relativ schwer, die nötigen Zustimmungsraten zu erhalten. Nachdem letztes Jahr bereits Trevor Hoffman (601 Saves) in die Halle gewählt wurde, sind dort nun mit ihm, Rivera (652) und Smith (478) die Top-3 Spieler mit den meisten Karriere-Saves der MLB-Geschichte vertreten. Smith war von 1993 bis 2006 Rekordhalter in dieser Kategorie.

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Januar 24th, 2019 by Silversurger

Die Meldung der letzten Tage war die Bekanntgabe der Resultate der Wahl zur Hall of Fame. Closer-Legende Mariano Rivera wurde als Erster überhaupt mit einem einstimmigen Ergebnis in die Ehrenhalle gewählt. Außer ihm werden auch Edgar Martinez, Mike Mussina und der 2017 verstorbene Roy Halladay einen Platz in Cooperstown bekommen. Ich werde über die Hall-of-Fame-Klasse 2019 am Wochenende einen eigenen Artikel schreiben. Hier und heute gibt es erst mal die übliche Zusammenfassung der anderen interessanten Ereignisse rund um die MLB aus den letzten sieben Tagen.

Yankees verpflichten Ottavino und Farquhar, traden Gray
Die New York Yankees arbeiten weiter daran, einen starken Bullpen in die Saison 2019 zu schicken: Unter anderem sind Aroldis Chapman und Dellin Betances nach wie vor da, Zach Britton erhielt vor wenigen Wochen einen neuen Vertrag und nun kommt auch noch Adam Ottavino hinzu. Der 33-jährige Rechtshänder unterschreibt für drei Jahre und 27 Millionen Dollar. Er füllt die Lücke, die der Abgang von David Robertson zu den Phillies hinterlassen hatte.

Ein weiterer Reliever erhält zwar zunächst nur einen Minor-League-Vertrag, aber dass es überhaupt so weit gekommen ist, ist schon eine kleine Sensation: Es handelt sich um Danny Farquhar – jenen früheren White-Sox-Reliever, der im April letzten Jahres während eines Spiels mit einer Gehirnblutung zusammengebrochen war. Es war damals völlig offen, ob Farquhar die Sache überlebt und inwiefern er mit bleibenden Schäden zu rechnen hat. Nach weniger als einem Jahr hat der Junge sich erfreulicherweise so weit erholt, dass er seinen Traum von der MLB-Karriere weiter verfolgen kann. Ich drücke ihm die Daumen.

Keine Zukunft in New York hat derweil Starting Pitcher Sonny Gray. Die Yankees hatten bereits seit Ende der Saison offen nach einem Tradepartner gesucht, nachdem Gray bei ihnen nie die Leistungen abrufen konnte, die man aus seiner Zeit in Oakland gewohnt war. Manchmal hilft in solchen Fällen eine neue Umgebung und die bekommt Gray nun in Cincinnati bei den Reds. Im Gegenzug wechselten zunächst 2B-Prospect Shed Long und ein Draftpick zu den Yankees. Long wurde allerdings direkt an die Seattle Mariners weitergereicht im Tausch gegen CF-Prospect Josh Stowers. Zu einer Voraussetzung für den Trade hatten die Reds gemacht, dass sie sich mit Gray auf einen längerfristigen Kontrakt einigen können. Diese Einigung haben sie erzielt und Gray steht nun bis einschließlich 2022 für insgesamt 38 Millionen Dollar unter Vertrag. Zusätzlich haben die Reds für weitere 12 Millionen eine Option auf die Saison 2023.

Markakis bleibt bei den Braves
Die Atlanta Braves halten ihren Rightfielder Nick Markakis für 2019. Für 6 Millionen Dollar plus Option für ein weiteres Jahr zum selben Preis ist Markakis ein relatives Schnäppchen: Sein letzter Vertrag in Atlanta brachte ihm 44 Millionen in vier Jahren ein und 2018 war ein starkes Jahr für ihn mit einer Slashline von .297/.366/.440 und seiner ersten Allstar-Berufung. Der 35-Jährige wollte unbedingt bei den Braves bleiben und ließ dafür höhere Angebote sausen. Seine Begründung, sich mit dem Deal zufrieden zu geben, klingt sympatisch: „Ich spiele ein Kinderspiel und bekomme dafür eine Menge Geld. Wie könnte ich darüber enttäuscht sein?“

Zwei Neue für die Rangers
Die Texas Rangers haben zwei Ergänzungen für ihren Kader an Land gezogen: Asdrubal Cabrera erhält einen Einjahresvertrag über 3,5 Millionen Dollar. Der 33-Jährige ist defensiv nicht mehr so stark, dass er auf Dauer seine alte Rolle als Shortstop ausfüllen könnte, aber er kann auf allen Infieldpositionen spielen und wird dies für die Rangers wohl vor allem als Third Baseman tun. Dort hatte der Wechsel von Adrian Beltre in den Ruhestand eine große Lücke hinterlassen. Eine weitere Neuverpflichtung ist Zach McAllister. Der Reliever hatte in Cleveland einige gute Jahre, zuletzt aber ein ziemlich schlechtes. Bei den Rangers erhält er die Chance zu zeigen, dass das nur ein Ausrutscher war. Er bekommt ein Grundgehalt von einer Million Dollar, das er durch leistungsbezogene Bestandteile aufbessern kann.

Allen zu den Angels
Cody Allen befindet sich in einer ganz ähnlichen Situation wie McAllister: Auch er kommt aus Cleveland, auch er hatte dort sehr gute Jahre – noch deutlich bessere als McAllister – und auch für ihn war das Jahr 2018 eher zum Vergessen. Die Los Angeles Angels hoffen, dass ein wiedererstarkter Allen ihnen als Closer dienen kann, und statten ihn dafür mit einem Einjahresvertrag über 8,5 Millionen Dollar aus. Bis zu 2 Millionen kann er noch zusätzlich verdienen, wenn er bestimmte Anzahlen von beendeten Spielen erreicht.

Giants signen Pomeranz
Auch Starting Pitcher Drew Pomeranz erhält einen leistungsbezogenen Vertrag. Der Linkshänder ist zwar frischgebackener World Champion mit den Boston Red Sox, doch sein Beitrag dazu war mit nur 74 gepitchten Innings und einem ERA von 6.08 eher mager. Er ist nun bei den San Francisco Giants untergekommen, die ihm für 2019 je nach Anzahl der absolvierten Starts zwischen 1,5 und 5 Millionen Dollar bezahlen.

Perez wird ein Twin
Martin Perez hatte ebenfalls ein schwaches Jahr. Für die Rangers brachte er es auf 85.1 Innings und 6.22 ERA. Das sind Resultate, genau wie die von McAllister und Pomeranz, unter Replacement Level, also mit negativen Wins Above Replacement (Allen brachte es immerhin auf 0.0 WAR). Die Minnesota Twins haben in Perez offenbar trotzdem etwas entdeckt, was ihnen gefällt, denn sie statten ihn mit einem Vertrag über 3,5 Millionen Dollar für ein Jahr plus Kluboption für ein weiteres Jahr aus.

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