Januar 2nd, 2018 by Dominik

Zum Abschluss der Serie über Baseball auf der ganzen Welt werfe ich einen Blick auf Wettbewerbe der Nationalmannschaften. Traditionell haben im Baseball – genau wie in den anderen US-Sportarten – Nationalteams bei weitem nicht die Bedeutung wie zum Beispiel im Fußball. Doch es gibt die internationalen Turniere seit Jahrzehnten und gerade für Spieler aus „kleinen“ Baseballnationen ist die Gelegenheit, sich auf höherem Niveau zu messen, etwas ganz Besonderes.

Organisiert wird Baseball auf internationaler Ebene von der World Baseball Softball Confederation (WBSC), die 2013 aus der Fusion der seit 1938 bestehenden International Baseball Federation (IBAF) und der International Softball Federation (ISF) entstand. Die WBSC führt eine Weltrangliste. An deren Spitze steht zurzeit Japan, dicht gefolgt vom aktuellen Weltmeister USA. Bei der Ermittlung der Punktwerte fließen Ergebnisse der letzten vier Jahre ein – übrigens nicht nur die der Senioren-Nationalmannschaften, sondern auch die der Jugendmannschaften ab U12. In der Liste geführt werden momentan 122 Baseball-Nationalteams – von Afghanistan bis Zypern.

Weltmeisterschaften: Vom World Cup zum World Baseball Classic
Die erste Baseball-Weltmeisterschaft und gleichzeitig das erste offizielle Baseball-Länderspiel fand 1938 statt. Das „Turnier“ umfasste lediglich zwei Teilnehmer, die USA und Großbritannien. Großbritannien wurde erster Baseball-Weltmeister durch 4:1 Siege in einer Best-of-7-Serie. Kurioserweise schaffte es Großbritannien nach diesem Erfolg über 70 Jahre lang nicht mehr, sich überhaupt für eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft zu qualifizieren.

Der Baseball World Cup (BWC), zunächst bekannt als Amateur World Series, fand ab 1938 bis 1953 mit wenigen Ausnahmen jährlich statt, dann bis Ende der 1960er Jahre nur noch unregelmäßig. Der Teilnehmerkreis rekrutierte sich in diesem Zeitraum meistens nahezu ausschließlich aus Süd- und Mittelamerika. Das änderte sich, als ab 1969 die USA nach 27 Jahren Pause wieder mitmachten und in den Jahren darauf asiatische (Japan, Südkorea) und europäische (Niederlande, Italien) Vertreter dazustießen. Ab 1974 bis 1990 wurde das Turnier alle zwei Jahre ausgespielt, dann im vierjährlichen und ab 2001 wieder im zweijährlichen Rhythmus. 2011 fand der letzte BWC statt – ausgerechnet in diesem letzten Turnier siegte erstmals seit 1938 wieder eine europäische Mannschaft, nämlich die Niederlande.

Zu diesem Zeitpunkt hatte allerdings bereits ein anderes internationales Turnier dem BWC den Rang abgelaufen. Die Regeln des BWC hatten bis 1998 vorgesehen,  dass nur Amateurspieler teilnehmen durften. Ab 1998 waren Minor-League-Profis erlaubt, jedoch keine Major-League-Spieler. Dies war der entscheidende Unterschied zum 2006 in Kooperation mit der MLB aus der Taufe gehobenen World Baseball Classic (WBC). Bei diesem Turnier durften erstmals Profis aus den Major Leagues eingesetzt werden, sodass man eigentlich nur den WBC als echte Weltmeisterschaft bezeichnen kann. Dem Interesse sowohl der Zuschauer als auch der teilnehmenden Verbände folgend, konzentrierte man sich nach zwei erfolgreichen Durchführungen auf den WBC und stellte den BWC ein.

Für die ersten WBCs 2006 und 2009 wurde durch den Verband ein in beiden Turnieren identisches Teilnehmerfeld aus 16 Mannschaften festgelegt. Japan gewann beide Male, 2006 im Finale gegen Kuba und 2009 gegen Südkorea. Im Vorfeld des WBC 2013 fand erstmals ein Qualifikationswettbewerb statt, an dem die vier schwächsten Teams der letzten Runde sowie zwölf Teams, die beim letzten Mal nicht dabei gewesen waren, teilnahmen. So schafften es Brasilien und Spanien, die Plätze von Südafrika und Panama zu erobern. Den Titel holte die Dominikanische Republik im Finale gegen Puerto Rico.

World Baseball Classic 2017 im Dodger Stadium1

Der Qualifikationsmodus blieb für den WBC 2017 unverändert. Dieses Mal kamen Kolumbien und Israel erstmals ins Turnier. Insbesondere Israel sorgte auch in der Hauptrunde für einen Achtungserfolg, indem es in einer Gruppe mit Südkorea, Taiwan und den Niederlanden ungeschlagen die zweite Runde erreichte – das Team bestand allerdings fast ausschließlich aus jüdisch-amerikanischen Major- oder Minor-League-Profis. Erstmals seit Beginn der WBC-Turniere überzeugten auch die bislang stets enttäuschenden USA und holten sich am Ende den Titel im Endspiel gegen Puerto Rico. Im Gegensatz zu früheren Turnieren war die öffentliche Aufmerksamkeit für den WBC in Amerika dieses Mal größer und es fanden sich deutlich mehr namhafte Spieler als früher bereit, für ihr Nationalteam anzutreten. Bis dahin war man gewohnt, dass für die anderen Nationen fast alle MLB-Stars aus dem jeweiligen Land in der Nationalmannschaft spielten, während die meisten US-Profis das Interesse daran vermissen ließen. Dieses Mal waren für die USA zum Beispiel Chris Archer, Marcus Stroman, Andrew Miller, Eric Hosmer, Daniel Murphy, Paul Goldschmidt und Giancarlo Stanton im Einsatz und prompt reichte es zur ersten Meisterschaft.

Das deutsche Team war von 1972 bis 2011 fünfmal beim BCW dabei und landete immer auf einem der hinteren Plätze. An den Qualifikationsrunden zu den WBCs 2013 und 2017 nahm Deutschland teil, scheiterte aber jeweils.

Baseball bei Olympia
Das Bestreben, Baseball zu einer olympischen Sportart zu machen, ist fast so alt wie die Olympischen Spiele der Neuzeit selbst: Schon 1904 fand während der Spiele in St. Louis ein inoffizielles Baseballturnier statt. 1912 in Stockholm war Baseball erstmals als offizielle Demonstrationssportart vertreten, was sich 1936, 1956, 1964, 1984 und 1988 wiederholte. Von 1992 bis 2008 war Baseball dann fünfmal vollwertige Medaillensportart. Dabei durften zunächst nur Amateuerspieler antreten, ab 2000 dann auch Profis. Dennoch musste sich das Turnier mit Spielern aus der dritten Reihe oder bestenfalls Prospects zufrieden geben, denn die Olympischen Sommerspiele fielen zeitlich immer mitten in die MLB-Saison und die Prioritäten der Teams und der Liga waren eindeutig: Spieler aus den aktuellen 25-Mann-Kadern wurden nicht freigestellt. Schaut man auf die Kader des bislang letzten olympische Baseballturniers im Jahr 2008 zurück, so stößt man dennoch auf einige aus heutiger Sicht illustre Namen: Zum Beispiel traten Jake Arrieta, Stephen Strasburg und Dexter Fowler für die USA an, Masahiro Tanaka und Yu Darvish für Japan, Hyun-Jin Ryu und Dae-Ho Leee für Südkorea und Yuliesky Gurriel für Kuba.

Olympia 2008 in Beijing: Die Teams China und USA mit US-Präsident George W. Bush2

Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Baseball ab 2012 wieder aus dem Programm zu nehmen, hing mit Sicherheit stark damit zusammen, dass es die Verantwortlichen der MLB nicht überzeugen konnte, die besten Spieler zu Olympia zu schicken – anders als beispielsweise die NBA seit 1992 und die NHL seit 1998. Seither gab es drei Abstimmungen über eine Wiederaufnahme, von denen die ersten beiden verloren gingen:  2016 wurden Golf und Rugby neu aufgenommen und für 2020 das ursprünglich schon als Streichkandidat festgelegte Ringen doch als olympische Sportart erhalten. In der dritten Abstimmung wurde auf Vorschlag des japanischen Organisationskomitees beschlossen, Baseball (männliche Athleten) und Softball (weibliche Athleten) für Tokio 2020 zumindest einmalig aufzunehmen. Die Entscheidung dürfte insofern leicht gefallen sein, als diese Sportarten in Japan sehr populär und zahlreiche geeignete Wettkampfstätten vorhanden sind. Für Paris 2024 wird neu entschieden und ich fürchte, die Aussichten für den Baseball sind dann nicht mehr so gut.

Die Bereitschaft der MLB, die Top-Spieler für Olympia freizustellen, wäre sicher ein gutes Argument, Baseball wieder dauerhaft bei den Spielen zu etablieren. Allerdings wäre das ein gravierender Eingriff in den Spielplan, dessen einzige längere Unterbrechung bislang der All-Star-Break von vier bis fünf Tagen darstellt. Eine Olympia-Pause würde rund 14 Tage Ende Juli / Anfang August in Anspruch nehmen und müsste von den Teambesitzern sowie von der Spielergewerkschaft abgesegnet werden.

Bei den fünf bisherigen olympischen Baseball-Turnieren war Kuba mit drei Gold- und zwei Silbermedaillen die dominierende Mannschaft. Die nicht von Kuba gewonnenen Turniere gingen im Jahr 2000 an die USA und 2008 an Südkorea. Deutschland qualifizierte sich bislang nie für die Olympia-Teilnahme.

Europa- und sonstige Kontinentalmeisterschaften
Der internationale Verband WBSC gliedert sich in vier Kontinentalverbände. Einer davon ist die Confederation of European Baseball (CEB), die seit 1954 die Baseball-Europameisterschaft ausrichtet.

Die Europameisterschaft fand zunächst jährlich statt, seit 1959 hat sie einen zweijährlichen Rhythmus. In Ausnahmefällen wurde der Abstand zwischen zwei Turnieren auf drei Jahre ausgedehnt, um das Ergebnis für die Qualifikation einer Weltmeisterschaft oder eines olympischen Turniers mitzunutzen. Spanien 1955 und Belgien 1967 sind die einzigen beiden Länder, die die Dominanz der Niederlande (22 EM-Titel) und Italiens (10) kurz unterbrechen konnten. Deutschland ist regelmäßiger Teilnehmer der Turniere, erreichte aber nur 1957 einmal das Finale, das man gegen die Niederlande verlor. Bei der letzten EM 2016 wurde Deutschland Vierter hinter den Niederlanden, Spanien und Italien. Die nächste Europameisterschaft findet 2019 in Bonn und Solingen statt.

Die Baseball Federation of Asia führt seit 1954 die Asia Baseball Championship durch, seit 1983 findet sie regelmäßig alle zwei Jahre statt. Mit 18 Titeln aus 27 Turnieren ist Japan Rekordmeister, regelmäßig auf dem Treppchen stehen zudem Südkorea und Taiwan. Diese drei Teams haben 2017 ein neues, zusätzliches Turnier ins Leben gerufen: die Asia Professional Baseball Championship. Es richtet sich hauptsächlich an Spieler unter 24 oder mit weniger als drei Profijahren; jedes Team darf aber drei Spieler einsetzen, die diesen Kriterien nicht entsprechen. Das erste Turnier fand im November statt und wurde von Japan durch drei Siege in drei Spielen gewonnen.

Japan und Südkorea vor dem allerersten Spiel der Asia Professional Baseball Championship3

Die African Baseball and Softball Association scheint derzeit keine regelmäßige Kontinentalmeisterschaft zu veranstalten. In den 1990er und den frühen 2000er Jahren gab es ein paarmal die Africa Cup Baseball Championship und zweimal (1999 und 2003) war Baseball eine Disziplin bei den Africa Games. Beide Wettbewerbe wurden offenbar nicht fortgesetzt, jedenfalls habe ich nichts darüber gefunden. Was man sicher sagen kann ist, dass im afrikanischen Baseball eine große Kluft zwischen dem übermächtigen Südafrika und den restlichen Nationalmannschaften des Kontinents besteht.

Auch im Gebiet der Baseball Confederation of Oceania finden mangels Konkurrenz derzeit keine Meisterschaften statt. Die beiden bislang letzten Anläufe wurden 2004 und 2007 unternommen, als der jeweils einzige gemeldete Gegner für Australien – 2004 Guam und 2007 Neuseeland – seine Teilnahme zurückzog, sodass Australien kampflos zum Sieger erklärt wurde.

Die Pan American Baseball Confederation umfasst die Länder der kompletten amerikanischen Kontinente. Eine eigenständige panamerikanische Meisterschaft existiert nicht, aber Baseball ist eine Disziplin der Pan American Games seit deren Einführung 1951. Die Spiele finden alle vier Jahre statt. Prinzipiell sind auch Profispieler erlaubt, es haben aber bislang noch nie MLB-Spieler an dem Turnier teilgenommen. Kuba hat die bisher 18 Turniere mit 12 Goldmedaillen deutlich dominiert. Zuletzt hat allerdings 2011 und 2015 zweimal hintereinander Kanada gewonnen und Kuba auf Platz drei hinter den USA verwiesen.

Südamerika hat zudem noch eine eigene Meisterschaft, die South American Baseball Championship. Es gibt die Veranstaltung seit 1957, allerdings mit Unterbrechungen zwischen 1973 und 2004 sowie zwischen 2005 und 2011. Das Turnier fand bisher meistens alle zwei Jahre statt, manchmal aber auch jährlich und 2016 sogar zweimal in einem Jahr. Häufigster Titelträger und auch amtierender Champion ist Brasilien.

Wer darf in welcher Mannschaft spielen? 
Die Antwort auf diese Frage scheint eigentlich auf der Hand zu liegen, aber die Spielberechtigung für Baseball-Nationalmannschaften orientiert sich nicht am Staatsbürgerschaftsrecht und ist für Außenstehende mitunter schwer durchschaubar. Generell scheint die Auslegung des WBSC recht großzügig zu sein. So können zum Beispiel die Niederlande regelmäßig auf Spieler aus ihren ehemaligen Überseegebieten zurückgreifen (mehr dazu im Artikel über die Niederlande) und oft treten astreine US-Amerikaner für ein Land an, in dem ihre Vorfahren gewohnt haben oder zu dem sich irgendein anderer Bezug herstellen lässt. So sind beispielsweise die beiden Mets-Outfielder Brandon Nimmo aus Wyoming und Michael Conforto aus Seattle für Italien spielberechtigt, das fast komplett amerikanische Team Israel habe ich oben schon erwähnt und auch Deutschland hatte schon „Gastspieler“ wie Bruce Maxwell oder Will Ohman.

Wie kann man die internationalen Turniere verfolgen? 
Um das weltweite Interesse an internationalem Baseball zu befördern, sollte es im digitalen Zeitalter eigentlich selbstverständlich sein, dass man die Spiele zumindest im Internet live verfolgen kann. Tatsächlich ist die Lage in dieser Hinsicht leider sehr uneinheitlich und instabil. Bei jedem Turnier ist es wieder eine spannende und oft erst kurzfristig zu klärende Frage, ob und wie man an aktuelle Informationen oder gar bewegte Bilder kommt. Beim WBC 2017 zum Beispiel gab es zwar einen Videostream von mlb.tv, den man aber trotz Abo außerhalb der USA nicht empfangen konnte. Auch von der Europameisterschaft 2016 gab es leider keine Livebilder, aber immerhin konnte man dank des Engagements von meinsportradio.de zumindest die Spiele mit deutscher Beteiligung als Audioübertragung verfolgen.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: redlegsfan21 (CC BY 2.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: Eric Draper (Public Domain)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: civitatis94/Garam (CC BY 2.0 KR)

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Oktober 12th, 2017 by Dominik

Nur noch fünf Teams sind in Rennen um die World Series 2017: Die Yankees, die Astros und die Dodgers sind bereits für die Championship-Serien der beiden Ligen qualifiziert; als letztes Überbleibsel der Divisional-Runde tragen heute Nacht noch die Chicago Cubs und die Washington Nationals das fünfte und entscheidende Spiel ihres NLDS-Duells aus. Im Grand Slam am Donnerstag gibt es heute eine kleine Vorschau zu diesem Spiel und schon mal das wichtigste über die ALCS und die NLCS.

American League
Wie schon in den ersten beiden Runden legt auch in den Championship-Serien die American League vor: Freitagnacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los mit der ALCS zwischen den Houston Astros und den New York Yankees.

Die Astros entschieden die Serie gegen die Boston Red Sox mit 3:1 für sich, indem sie nach zwei deutlichen Heimsiegen und einer ebenso deutlichen Auswärtsniederlage Spiel vier in Boston mit 5:4 gewannen. Beide Teams hatten alles in die Waagschale geworfen, was sie hatten, und aus dem ursprünglichen Matchup von Charlie Morton gegen Rick Porcello nach wenigen Innings ein Duell der Asse Justin Verlander gegen Chris Sale gemacht.

Noch spannender ging es in der anderen ALDS zu, in der die Yankees gegen die Cleveland Indians einen Rückstand von 0:2 Spielen noch in eine 3:2-Serie drehten. Beide Teams gewannen zunächst ihre Heimspiele, bevor in der entscheidenden fünften Partie die Yankees in Cleveland triumphierten. Held des Tages beim 5:2-Sieg war New Yorks Shortstop Didi Gregorius, der Indians-Star Corey Kluber zwei Homeruns einschenkte.

In die ALCS gehen die Astros als klarer Favorit, nachdem sie die bessere reguläre Saison und die dominantere Divisional-Serie hatten und sich dadurch zwei zusätzliche Ruhetage und das günstigere Heimrecht (Spiele 1, 2, 6, 7) verdient haben. Dass die Yankees mit der Rolle des Außenseiters gut umgehen können, haben sie dieses Jahr aber auch schon oft genug bewiesen. Dallas Keuchel (2.90 ERA, 3.79 FIP) wird das erste Spiel der Best-of-Seven-Serie für die Astros starten, bei den Yankees läuft es vermutlich auf Masahiro Tanaka (4.74 ERA, 4.34 FIP) hinaus.

National League
In der National League warten die Los Angeles Dodgers schon seit Montag auf einen Gegner. Sie selbst entledigten sich der Arizona Diamondbacks – in der regulären Saison noch der Angstgegner der Dodgers – souverän mit 3:0 Siegen.

Zwischen den Chicago Cubs und den Washington Nationals ist derweil noch nichts entschieden. Zweimal haben die Cubs vorgelegt, zweimal haben die Nationals ausgeglichen. Washington kam dabei zugute, dass Spiel vier wegen Regens um einen Tag von Dienstag auf Mittwoch verschoben werden musste. Der zusätzliche Ruhetag ermöglichte den Nationals, Stephen Strasburg starten zu lassen, der an den Tagen zuvor unter „grippeähnlichen Symptomen“ gelitten hatte. Von diesen war bei seinem Auftritt über sieben dominante Innings, in denen er nur drei Hits und keine Runs zuließ, nichts zu spüren. 5:0 siegten die Nationals und holten damit die Serie zurück nach Washington, wo heute Nacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit das fünfte und letzte Spiel der Serie stattfindet (siehe „Spiel der kommenden Woche“).

Den Sieger des entscheidenden Spiels empfangen die Dodgers Samstagnacht um 2 Uhr zum ersten Spiel der NLCS in Los Angeles.

Szene der Woche
Das Thema „Homeruns mit freundlicher Unterstützung“ hatten wir dieses Jahr schon einmal. Jackie Bradley Jr. hat in Spiel drei gegen die Astros ein weiteres Exemplar beigesteuert: Sein Drei-Run-Homer im siebten Inning, der die Partie endgültig zum 10:3-Sieg der Red Sox entschied, war eigentlich einen halben Meter zu kurz. Ein missglückter Catch von Astros-Outfielder Josh Reddick beförderte den Ball aber doch aus dem Spielfeld und die ALDS in ein viertes Spiel. 

Statistik der Woche 
432-378. Das ist die Bilanz von John Farrell aus fünf Jahren als Manager der Boston Red Sox. Das entspricht einer Siegesquote von .533, die noch ansehnlicher dadurch wird, dass in Farrells Zeit der Gewinn der World Series 2013 sowie zwei Divisionssiege hintereinander 2016 und 2017 fallen. Nachdem die Red Sox nun allerdings auch zweimal hintereinander in der ALDS ausgeschieden sind, musste Farrell ein Jahr früher als vertraglich vorgesehen seinen Hut nehmen.

Spiel der Woche
Die spannendste der diesjährigen Divisional-Serien war die zwischen den Cleveland Indians und den New York Yankees. Dieser Serie entstammt auch das spannendste Einzelspiel der Runde: In Spiel zwei des Duells legten die Yankees per Homerun von Gary Sanchez zwei Runs im ersten Inning vor, die von den Indians prompt ausgeglichen wurden. Bis zum fünften Inning zogen die Yankees dann aber, unter anderem durch Homeruns von Aaron Hicks und Greg Bird, auf 8:3 davon. Spiel gelaufen? Mitnichten, denn im sechsten Inning brachte Francisco Lindor die Indians mit einem Grand Slam an den Foul Pole zurück ins Rennen. Jay Bruce, der schon im ersten Spiel der Held gewesen war, vollendete die Aufholjagd durch seinen Homerun zum 8:8. In den Extras waren noch einmal die Yankees nah am Sieg, doch Indians-Catcher Yan Gomes erstickte im elften Inning durch einen Pickoff-Throw an die zweite Base die Hoffnung der New Yorker auf Punkte im Keim. Ausgerechnet Gomes war es schließlich im dreizehnten Inning, dessen Single Austin Jackson nach Hause brachte und damit das Spiel doch noch zugunsten von Cleveland entschied.

Spiel der kommenden Woche
Wie jeder MLB-Fan fiebere ich den Championship-Serien entgegen, aber vorher steht heute Nacht um 2 Uhr noch das Entscheidungsspiel um den letzten Startplatz im Finale der National League an: Die Washington Nationals empfangen den Titelverteidiger Chicago Cubs. Als Starter werden aller Voraussicht nach Kyle Hendricks (3.03 ERA, 3.88 FIP) für Chicago und entweder  Tanner Roark (4.67 ERA, 4.13 FIP) oder Gio Gonzalez (2.96 ERA, 3.93 FIP) für Washington antreten. Nach Hendricks‘ sehr starkem Auftritt aus Spiel eins kann man die Cubs mit ihm als leichte Favoriten sehen – allerdings müssen sie dazu auch ihre mit nur acht Runs aus den ersten vier Partien zu harmlose Offensive in Schwung bekommen. Wenn es hart auf hart kommt, könnten übrigens die beiden Starter aus Spiel drei – Jose Quintana und Max Scherzer – als Reliever zum Einsatz kommen.

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September 12th, 2016 by Dominik

Im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten (dazu später mehr) verfolge ich aufmerksam die Baseball-EM im niederländischen Hoofddorp. Nach den ersten zweieinhalb Spieltagen war ich relativ enttäuscht, weil sämtliche Spielverläufe und –resultate sehr vorhersehbar ausfielen: In jeder der beiden Gruppen gibt es mit den Niederlanden respektive Italien ein quasi unschlagbares Team, dahinter je zwei Teams, die mit diesen beiden nicht mithalten können, allen anderen jedoch ebenfalls klar überlegen sind. Das führte dazu, dass die Spiele von Freitag bis Sonntagmittag mehr oder weniger komplett frei von jeder Spannung waren und allesamt den ohne hellseherische Fähigkeiten erwartbaren Ausgang nahmen – Deutschlands Sieg gegen Schweden und die Niederlage gegen die Niederlande eingeschlossen.

Seit gestern Nachmittag hat sich das zum Glück etwas geändert: Sowohl das Spiel von Deutschland gegen Großbritannien (3:2) als auch das der Niederlande gegen Russland (3:1) endeten zwar letztlich mit Favoritensiegen, doch diese fielen deutlich knapper aus als erwartet und man hatte erstmals das Gefühl, dass in diesem Turnier auch mal eine Überraschung möglich ist. Hinzu kommt, dass die Ersteller des Spielplans es offenbar gezielt darauf abgesehen haben, die Spannung im Laufe der Vorrunde zu steigern: Heute treffen bei den Partien Italien – Spanien und Niederlande – Tschechien die beiden Favoriten auf ihre mutmaßlich ernsthaftesten Verfolger, morgen folgen mit Spanien – Frankreich und Deutschland – Tschechien vermutlich direkte Endspiele um Platz zwei in jeder Gruppe. So nimmt das Turnier langsam Fahrt auf und spätestens wenn nach dem morgigen Ende der Vorrunde das Teilnehmerfeld in eine Meisterschafts- und eine Abstiegsrunde aufgeteilt wird, dürfte es mit der Langeweile der ersten Tage vorbei sein.

Für die deutsche Nationalmannschaft ist der Einzug in die Meisterschaftsrunde übrigens seit heute sicher, von Platz drei in Gruppe A dürfte sie auch bei ungünstigstem Verlauf der restlichen Vorrunde nicht mehr zu verdrängen sein.

Zwei Dinge möchte ich noch ansprechen: zum einen dass der Mainzer 1B/DH Max Boldt ein überragendes Turnier spielt. Von neun Runs, die die Deutschen in den ersten drei Spielen erzielten, gingen fünf auf das RBI-Konto von Boldt, einen weiteren brachte er selbst zur Platte. Damit war er der Motor, der die Offensive seines Teams am Laufen hielt, bevor sich heute gegen Russland die gesamte Mannschaft in Schlaglaune zeigte und mit 16 Runs in sechs Innings so explodierte, dass das Spiel per Mercy Rule beim Stand von 16:4 beendet wurde – dabei gingen drei weitere RBI und ein Run von Max Boldt aus.

Zum anderen möchte ich noch mal erwähnen, auf welchen Wegen man die Spiele der EM verfolgen kann: Einen Videostream gibt es nicht, lediglich die Spiele der Gastgeber und das Finale werden von einem niederländischen Bezahlsender gezeigt. Es gibt aber einen hervorragenden englischsprachigen Radiostream auf meinsportradio.de und zwar für alle Spiele von Deutschland und täglich ein weiteres Spiel. Von diesen Spielen werden im Nachhinein auch Highlightvideos auf eurobaseballtv.com bereit gestellt. Alle Spiele kann man im Liveticker auf der Turnier-Homepage verfolgen. Und dann gibt es noch täglich am späten Abend einen ca. halbstündigen deutschsprachigen Podcast von justbaseball.de mit vielen Informationen und Interviews, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

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September 6th, 2016 by Dominik

Am Freitag geht es los mit der Baseball-Europameisterschaft im niederländischen Hoofddorp. In einem zehntägigen Turnier spielen dann zwölf Nationalmannschaften den Titel unter sich aus. Auch die deutsche Mannschaft ist dabei und hofft, eine ordentliche Rolle spielen zu können. Die Favoriten sind aber andere: Das Turnier wurde bislang 33-mal ausgetragen und mit Spanien 1955 und Belgien 1967 gab es nur zweimal einen Titelträger, der nicht Italien oder Niederlande hieß. Die restlichen Titel teilten die beiden Großen des europäischen Baseballs unter sich auf, 21 gingen an die Niederlande und 10 an Italien. Auch dieses Mal wäre es schon eine massive Überraschung, wenn jemand anderes ins Finale vorstößt als diese beiden.

Der Turniermodus funktioniert etwas anders als man ihn beispielsweise von der Fußball-EM oder aus den Playoffs der MLB oder der Baseball-Bundesliga kennt: Zwar gibt es auch bei der Baseball-EM zunächst eine Vorrunde, die in zwei Gruppen á sechs Mannschaften abläuft und in der je Gruppe jeder einmal gegen jeden spielt. Danach gibt es aber keine K.O.-Runde sondern eine neue Gruppenaufteilung in eine Meisterschaftsgruppe, bestehend aus den ersten drei Teams jeder Vorrundengruppe, sowie in eine Abstiegsrunde, in der die Fünft- und Sechstplatzierten antreten. Innerhalb dieser neuen Gruppen spielen nur die Teams gegeneinander, die nicht schon in der Vorrunde aufeinander getroffen sind. Nur für die Viertplatzierten der beiden Vorrundengruppen endet das Turnier frühzeitig: Sie spielen nach der Vorrunde noch Platz sieben gegeneinander aus und müssen dann nach Hause fahren. Ganz am Schluss, am 9. September, gibt es ein echtes Endspiel, in dem der Erste gegen den Zweiten der Meisterschaftsgruppe antritt. Auf der Wikipedia-Seite des Turniers kann man sich das alles übersichtlich anschauen.

Das deutsche Team hat die Ehre, das Eröffnungsspiel zu bestreiten: Am Freitag um 11 Uhr vormittags beginnt die EM mit der Partie Deutschland gegen Schweden. Das Minimalziel für die deutsche Mannschaft dürfte darin bestehen, es auf Platz drei ihrer Gruppe und damit in die Meisterschaftsrunde zu schaffen. Das ist ein realistisches Ziel: In Gruppe A gibt es mit Rekordmeister und Gastgeber Niederlande einen großen Favoriten, dahinter kann man wohl Tschechien und Deutschland als ungefähr gleich stark einstufen, während Großbritannien, Russland und Schweden die Gegner sind, gegen die Gewinnen quasi Pflicht ist. In Gruppe B ist natürlich Italien favorisiert, dahinter könnte es zwischen Spanien, Belgien und Frankreich spannend werden, während Griechenland und Kroatien wohl eher in Richtung Abstiegsrunde blicken müssen.

Zur Vorbereitung auf das Turnier gab es in den letzten Tagen schon einige Freundschaftsspiele und Vorturniere. Deutschland spielte bei der Yoshida Challenge mit und zeigte sich bereits in guter Form mit zwei Siegen gegen Frankreich, einem Sieg gegen ein internationales Auswahlteam sowie einer deutlichen und einer nur knappen Niederlage gegen die Niederlande. Die Vorbereitungsspiele sollte man aber nicht zu sehr als Gradmesser für die EM ansehen, denn die Roster der Mannschaften waren noch nicht komplett; unter anderem fehlten noch fast alle in Amerika aktiven Spieler.

Neben dem Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bin ich gespannt, welche anderen Stars der Baseball-Bundesliga dem Turnier ihren Stempel aufdrücken können; infrage kommen dafür beispielsweise die beiden Mainzer Offensivwaffen Thomas de Wolf (Belgien) und Peter Johanessen (Schweden) oder die Regensburger Pitcher Jan Tomek (Tschechien) und Mike Bolsenbroek (Niederlande), um nur ein paar zu nennen.

Zum anderen ziehen natürlich immer vor allem die Akteure erhöhte Aufmerksamkeit auf sich, die schon mal MLB-Erfahrung gesammelt haben oder aber auf dem Sprung dorthin stehen. Aktuelle Major Leaguer wie Didi Gregorius, Jonathan Schoop, Xander Bogaerts (alle Niederlande) oder Max Kepler (Deutschland) wird man natürlich vergeblich suchen, schließlich läuft die MLB-Saison auf Hochtouren und geht in jedem Fall vor. Dabei sein werden aber einige Minor Leaguer, darunter voraussichtlich die Catcher Chris Berset (Großbritannien, AAA-Reds) und Andy Paz (Frankreich, AA-Athletics). Ob auch die deutschen MiLB-Hoffnungen Donald Lutz, Nadir Ljatifi und Sven Schüller anreisen werden, konnte ich bisher leider nicht herausfinden, der DBV hat das endgültige Roster noch nicht bekannt gegeben.* Den Träger des größten Namens wird man abseits des Spielfeldes antreffen: Trot Nixon, der zehn Jahre lang in der MLB spielte und entscheidenden Anteil am Gewinn der World Series 2004 durch die Red Sox hatte, fungiert als Bench Coach der tschechischen Mannschaft.

Bewegte Livebilder wird es von der EM meines Wissens leider nicht geben, aber immerhin wird meinsportradio.de zwei Spiele täglich (darunter alle Spiele der Deutschen) zum Hören anbieten mit englischsprachigem Kommentar von Tim Collins und Ty Eriksen. Außerdem sind Axel und Andreas von meinem Lieblingspodcast Just Baseball vor Ort und planen, täglich eine Sendung aufzunehmen. Ich freue mich darauf.

 

*Update: Der Kader der deutschen Nationalmannschaft wurde nun bekanntgegeben. Ljatifi und Schüller sind dabei, Lutz verletzungsbedingt nicht, Markus Solbach kommt vielleicht während des Turniers noch dazu.

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Juli 8th, 2016 by Dominik

Nein, die Überschrift ist kein Druckfehler. Ich muss vielmehr gestehen: Dass ich diesen Beitrag schreibe, liegt auch ein bisschen daran, dass ich heute große Lust auf genau diese Schlagzeile hatte.

Die Rede ist nicht von der Fußballnationalmannschaft, die gestern im Halbfinale der Europameisterschaft dem Gastgeber Frankreich unterlag. Auf Baseblog.de geht es natürlich immer um Baseball und in diesem Fall um den hoffnungsvollen Nachwuchs, genauer gesagt die U12-Nationalmannschaft. Die Jungs spielen gerade bei der EM im tschechischen Trebic ihr erstes großes Turnier und das tun sie mit derart durchschlagendem Erfolg, dass sie es verdient haben, hier mal erwähnt zu werden.

In der Gruppenphase, an die das Finale und weitere Platzierungsspiele direkt anschließen, wurden alle Spiele gewonnen und keines davon war knapp: 11:1 gegen Russland, 18:3 gegen Frankreich, 29:0 gegen Litauen, 26:0 gegen die Ukraine und 35:2 gegen Rumänien lauten die Ergebnisse; aufgrund der Abbruchregeln erreichte kein Spiel die vorgesehenen sieben Innings. Stärkster Batter auf Seiten der Deutschen ist Kalle Michel mit einer außerirdischen Slashline von .929/.944/1.357 (14 At-Bats, 13 Hits, 1 HR, 4 Walks). Der bisher erfolgreichste Pitcher ist Luca Horger, der es auf 3.0 hit- und scorelose Innings mit 7 Strikeouts brachte.

Im Finale wartet nun am morgigen Samstag Gastgeber Tschechien als ebenfalls ungeschlagener Sieger der anderen Gruppe. Das Spiel findet um 16 Uhr statt. Ich werde zu der Zeit zwar damit beschäftigt sein, die Mainz Athletics gegen Regensburg anzufeuern, aber ich drücke den Jungs die Daumen und schaue ab und zu in den Liveticker auf der Seite des Turniers, auf der man auch sämtliche Boxscores und Statistiken abrufen kann.

Übrigens stehen in nächster Zeit noch ein paar weitere Baseball-Europameisterschaften an: Die U18-EM findet nächste Woche (11. bis 17. Juli) im spanischen Gijon statt; es folgt die U15-EM in Frankreich (Chartres und Rouen) vom 19. bis 23. Juli und vom 9. bis zum 18. September sind dann die Erwachsenen im niederländischen Hoofddorp/Haarlemmermeer dran.

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