Januar 14th, 2021 by Silversurger

Die MLB-Saison 2021 naht mit großen Schritten. Wenn alles wie geplant läuft, beginnen in gut einem Monat die Trainingslager mit dem Reporting der Pitcher und Catcher. Zwei Wochen später, Ende Februar, geht es dann auch schon los mit den Vorbereitungsspielen und am 1. April ist Opening Day. Bis dahin muss in Sachen Free Agency noch viel passieren, denn von den 20 Top-Free-Agents dieses Jahres sind sage und schreibe 17 noch ohne Vertrag. Das dürfte zu einem großen Teil der Unsicherheit im Angesicht der Coronalage geschuldet sein, aber da die MLB nach wie vor von einem pünktlichen Start ausgeht, müsste sich jetzt doch so langsam mal etwas tun auf dem Markt um Trevor Bauer, J. T. Realmuto, George Springer, D. J. LeMahieu usw.
Vielleicht zeigt mein Jammern ja wieder Wirkung. Letzte Woche hat es jedenfalls funktioniert: Gerade mal eine Stunde nach Veröffentlichung des Grand Slams am Donnerstag, dessen Hauptmeldung daraus bestand, dass es wenig zu vermelden gibt, kam es zu einem Blockbuster-Trade zwischen den Indians und den Mets.

Die Mets rüsten auf
Die neue Ära in der Teamgeschichte der New York Mets, eingeleitet mit dem den Kauf der Franchise durch Multimilliardär Steve Cohen, hat ihren ersten großen Deal: Shortstop Francisco Lindor und Starting Pitcher Carlos Carrasco wechseln von den Cleveland Indians nach Queens. Für die Mets sind das zwei deutliche Upgrades, die gemeinsam mit dem neuen Catcher James McCann und einem noch gesuchten neuen Centerfielder (Wunschkandidat: George Springer) den Anspruch untermauern, in diesem und den kommenden Jahren um einen Titel mitzuspielen. Der Preis für die beiden Verstärkungen ist aus Sicht der Mets recht überschaubar. Sie geben an Cleveland Amed Rosario und Andres Gimenez ab – zwei talentierte, aber weit unterhalb der All-Star-Klasse eines Lindor angesiedelte Shortstops – sowie die beiden noch weit von MLB-Reife entfernten Prospects Josh Wolf und Isaiah Greene. Das einzige, was mir als Metsfan an dem Trade nicht gefällt, ist, dass Lindor nur für ein Jahr unter Vertrag steht. Aber es laufen wohl schon Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung.
Auf Seiten der Indians passt der Trade in das Bild des Re-Toolings, das sie seit ein, zwei Jahren betreiben: Auch Mike Clevinger, Trevor Bauer und Corey Kluber wurden gegen eine Kombination junger MLB-Spieler und noch jüngerer Prospects abgegeben. Damit schwächen die Indians auf kurze Sicht ihr Team, sparen aber Geld ein und verhindern gleichzeitig, dass man in absehbarer Zeit in ein vollständiges Rebuilding-Projekt einsteigen müsste. 

Closer Hendriks zu den White Sox 
Die vom finanziellen Volumen her bislang größte Free-Agent-Verpflichtung dieser Offseason haben sich die Chicago White Sox geleistet: 54 Millionen Dollar lassen sie sich die Dienste von Closer Liam Hendriks bis 2024 kosten. Die gewählte Vertragskonstruktion ist interessant und meines Wissens in der MLB bisher noch nicht dagewesen. Es handelt sich formal um einen Dreijahresvertrag über 39 Millionen plus eine Klub-Option für 2024 über 15 Millionen. Wenn der Klub die Option nicht zieht, bekommt Hendriks die 15 Millionen aber trotzdem, mit dem Unterschied, dass die Zahlung über zehn Jahre gestreckt wird. Das nenne ich mal eine nette Altersvorsorge.

Nationals signen Schwarber
Kyle Schwarber galt vor wenigen Jahren noch als kommender Superstar, inzwischen ist er aufgrund stark schwankender Leistungen eher als ewiges Talent verschrien. Nachdem die Chicago Cubs die Geduld mit dem Outfielder und Catcher verloren und ihm gekündigt haben, haben nun die Washington Nationals zugegriffen. Sie bezahlen dem 27-Jährigen 10 Millionen Dollar für ein Jahr plus beidseitige Option auf ein weiteres Jahr, die ihm weitere 8 Millionen einbringen würde.

Late-Inning-Hilfe für die Astros 
Die Houston Astros bessern ihren Bullpen mit zwei neuen Relievern auf. Das prominentere der neuen Gesichter ist Pedro Baez. Der 32-Jährige verbrachte seine gesamte bisherige Karriere bei den Los Angeles Dodgers und kam dort in sieben Jahren auf starke 3.03 ERA. Bei den Astros erhält Baez einen Zweijahresvertrag plus Kluboption, der ihm 12 Millionen Dollar garantiert und dazu noch ein paar Leistungsboni vorsieht. Zudem kommt der Rechtshänder Ryne Stanek nach Houston. Er bekommt 1,1 Millionen für einen Einjahresvertrag.

Neuer Infielder bei den Brewers  
Die Milwaukee Brewers sind bekannt dafür, im Infield auf Flexibilität zu setzen mit zahlreichen Utility-Spielern, die je nach Matchup und Spielsituation zwischen den einzelnen Posten rotieren. Dieser Strategie bleiben sie offenbar treu, jedenfalls passt Neuverpflichtung Daniel Robertson genau ins Bild. Auf seinen bisherigen Stationen in Tampa Bay und San Francisco ist der 26-Jährige meistens als Second Baseman, Third Baseman oder Shortstop aufgelaufen und hat auch schon auf jeder anderen Position außer Catcher gespielt. Robertson erhält einen Einjahresvertrag über 900.000 Dollar, der ihm leistungsabhängig noch bis zu 400.000 Dollar mehr einbringen kann.

Tommy Lasorda ist tot 
Zum Abschluss eine traurige Nachricht: Tommy Lasorda ist tot. Der langjährige Manager der Los Angeles Dodgers starb Donnerstagnacht im Alter von 93 Jahren. Lasorda leitete das Team von 1976 bis 1996, gewann mit ihm viermal die National League und zweimal die World Series. Unmittelbar nachdem er seine Karriere beendet hatte, wurde er 1997 in die Hall of Fame aufgenommen und die Dodgers retireten sein Trikot mit der Nummer 2. Im Jahr 2000 unterbrach er seinen Ruhestand, um die US-Nationalmannschaft zur Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Sydney zu führen.

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Dezember 31st, 2020 by Silversurger

Nur ein paar Stunden noch, dann haben wir dieses dämliche Jahr hinter uns. Die meisten MLB-Teams befinden sich, was relevante Neuigkeiten angeht, im zwischenjährlichen Tiefschlaf. Allein im sonnigen Südkalifornien will man von Winterruhe nichts wissen – von Böllerverbot offenbar auch nicht, denn sonst hätten die San Diego Padres das Jahr wohl kaum mit derartigen Paukenschlägen beendet wie den Trades für Blake Snell und Yu Darvish.  

Die Padres gehen auf’s Ganze
Die Saison 2020 war das Breakout-Jahr für ein hochtalentiertes Padres-Team, das sich sowohl in der NL West als auch in den Playoffs lediglich dem späteren World Champion Los Angeles Dodgers unterordnen musste. Mangelnde Tiefe der Pitching-Rotation war die einzige größere Schwäche der Padres, insbesondere nachdem Mike Clevinger zum Ende der Saison eine Tommy-John-Surgery benötigte. Doch diese Schwäche dürfte nach dem Trade-Doppelschlag von Anfang der Woche nun auch Geschichte sein.
Im ersten spektakulären Move lotsten sie am Sonntag Blake Snell von den Tampa Bay Rays nach San Diego. Der Cy-Young-Gewinner von 2018 ist einer der Top-Pitcher der Liga mit einem ERA von 2.85 über die letzten drei Jahre. Die Rays erhalten als Gegenwert ein dickes Paket hochkarätiger Talente, bestehend aus den Catchern Francisco Mejia (25) und Blake Hunt (22) sowie den Pitchern Luis Patino (21) und Cole Wilcox (21).
Am Montag folgte der nächste Kracher in Form eines Trades mit den Chicago Cubs. Die Cubs geben mit Cy-Young-Finalist Yu Darvish den besten Starting Pitcher ihres Teams her und mit Victor Caratini einen soliden Catcher. Für Chicago stellt sich so langsam die Frage, ob die Cubs unter ihrem neuen Front Office in eine Art Rebuild gehen, nachdem vor Darvish und Caratini bereits Kyle Schwarber und Albert Almora weggeschickt wurden und sich um Kris Bryant und Willson Contreras hartnäckig Trade-Spekulationen ranken. Die Gegenleistung der Padres an die Cubs besteht außer Rechtshänder Zach Davies aus Hoffungssträgern für die relativ ferne Zukunft mit den Shortstops Reginald Preciado (17) und Yeison Santana (20) sowie den Outfieldern Owen Caissie (20) und Ismael Mena (18).
Als wäre die Aufrüstung mit Snell, Darvish und Caratini innerhalb von 24 Stunden nicht schon beeindruckend genug, haben die Padres im selben Zeitfenster auch noch eine internationale Neuverpflichtung klar gemacht: Von den koreanischen Kiwoom Heroes holen sie Infielder Ha-Seong Kim. Der 25-Jährige bekommt einen Vierjahresvertrag über 25 Millionen Dollar, zudem fließen 5 Millionen Ablöse an den abgebenden Verein. Mit einer Slashline von .307/.393/.500 und 49 Homeruns in den letzten beiden Jahren war Kim einer der Top-Hitter der KBO. Er soll für die Padres voraussichtlich an der zweiten Base spielen.

Josh Bell zu den Nationals 
Die Washington Nationals waren am Weihnachtsabend noch shoppen, um sich einen neuen First Baseman zu gönnen. Josh Bell kommt von den Pittsburgh Pirates im Austausch gegen die beiden Minor-League-Pitcher Wil Crowe und Eddie Yean. Wie nahezu das gesamte Pirates-Lineup hatte Bell in der Kurz-Saison 2020 eine schwierige Zeit (.226/.305/.364), davon abgesehen war der 28-Jährige Switch-Hitter in den letzten Jahren eine verlässliche Größe. Der All-Star von 2019 geht in sein zweites Arbitration-Jahr, das heißt die Nationals haben ihn 2021 und 2022 für relativ überschaubares Geld unter Kontrolle.
Ob die Gegenleistung, die die Pirates bekommen, die Abgabe von Bell wert ist, wird sich erst im Laufe der Jahre zeigen. Der 26-jährige Crowe galt lange als eines der besseren Prospects der Nationals, aber er brauchte viel Zeit in den niedrigeren Minor Leagues und konnte bei seinen wenigen AAA- und MLB-Einsätzen nicht überzeugen. Die größeren Hoffnungen ruhen auf Yean, der allerdings erst 19 Jahre alt ist und noch ein paar Jahre benötigen wird, um sein Arsenal rund um einen 97mph-Fastball zur Major-League-Reife zu verfeinern.

Japanischer Hoffnungsträger für die Rangers 
Weihnachtsgeschenke gibt es in den USA üblicherweise am 25. Dezember. Dieses Jahr waren an dem Tag die Texas Rangers die einzigen, die sich ein solches in Form eines neuen Spielers gemacht haben. Der 28-jährige Pitcher Kohei Arihara kommt von den Hokkaido Nippon Ham Fighters aus der japanischen NPB. Der Rechtshänder erhält 6,2 Millionen Dollar für einen Zweijahresvertrag, zudem müssen die Rangers eine Ablöse von 1,24 Millionen nach Japan überweisen. Arihara hat in den vergangenen sechs Jahren 836 Innings mit einem ERA von 3.74 absolviert. 2019 hatte er sein bislang bestes Jahr mit einem ERA von 2.46. Seine Hauptpitches sind ein Fastball in den niedrigen 90ern, ein Changeup und ein Slider. Zudem hat er vier weitere Pitches im Arsenal – eine ungewöhnlich breite Auswahl, die ihn für gegnerische Hitter schwer berechenbar macht.

Reliever finden ein Zuhause
Zwei kleine Neuverpflichtungen habe ich noch zu melden: Die Minnesota Twins haben sich mit Relief Pitcher Hansel Robles auf einen Einjahresvertrag geeinigt. Der Rechtshänder erhält dafür 2 Millionen Dollar, die er durch leistungsbezogene Bestandteile um weitere 0,5 Millionen aufstocken kann. Auch die Philadelphia Phillies bekommen Hilfe für den Bullpen: Durch einen Dreieckstrade mit den Rays und den Dodgers, in dessen Zuge mehrere Minor Leaguer getauscht wurden, erhalten sie den linkshändigen Reliever José Alvarado

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Juli 23rd, 2020 by Silversurger

Opening Day! Nach langem Warten geht es heute Nacht endlich los mit der neuen MLB-Saison. Geprägt vom längst noch nicht besiegten Coronavirus wird es eine Saison wie keine andere. Aber wenn es gelingt, die 60 Spieltage plus Playoffs wie geplant durchzuziehen, ist das schon ein Erfolg und eine schöne Ablenkung von der bedrückenden Gesamtsituation. Auch vom deutschen Baseball gibt es übrigens gute Nachrichten – mehr dazu am Ende dieses Artikels.

Das Wichtigste zum ersten Spieltag
Den Saisonauftakt bestreiten heute Nacht ab 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Washington Nationals gegen die New York Yankees. Passender konnte man das Eröffnungsspiel nicht wählen als mit diesem Aufeinandertreffen des Titelverteidigers auf der einen und des Rekordmeisters und Top-Favoriten auf der anderen Seite. Zudem ist das Pitching-Matchup von Max Scherzer gegen Gerrit Cole eine Neuauflage aus der letzten World Series, als Cole noch für die Houston Astros spielte. Im Anschluss, nach unserer Zeit um 4 Uhr morgen früh, treffen noch die Los Angeles Dodgers mit Clayton Kershaw auf die San Francisco Giants mit Johnny Cueto. Die Dodgers sind der andere Top-Favorit neben den Yankees, die Giants ihr historischer Erzrivale. Beide Spiele könnt ihr auf mlb.tv sehen, das dieses Jahr zum Preis von 60 Dollar für die gesamte Saison zu haben ist. DAZN zeigt wie im letzten Jahr ausgewählte Spiele, darunter die Eröffnungspartie Yankees-Nationals heute Nacht sowie den Opener der Mets gegen die Braves morgen Abend ab 22:10 unserer Zeit.

Blue Jays noch ohne Stadion
Die größte offene Frage kurz vor dem Auftakt ist immer noch, wo die Toronto Blue Jays ihre Heimspiele austragen werden. Um die Partien in Toronto stattfinden zu lassen, hätten die Heim- und Auswärtsteams eine Ausnahmegenehmigung der kanadischen Behörden von den bestehenden Reisebeschränkungen benötigt. Diese Genehmigung wurde nicht erteilt. Die Blue Jays sind nun auf der Suche nach einer anderen Heimstätte, die bis zum ersten Heimspiel am 29. Juli gefunden werden muss. Möglichkeiten bestehen in den Minor-League-Einrichtungen des Klubs in Buffalo (New York) und in Dunedin (Florida). Beide Ballparks sehen die Verantwortlichen aber als nur eingeschränkt geeignet an, lieber möchten sie in einem MLB-Stadion spielen. Gestern sah es kurz so aus, als gäbe es dazu eine Einigung mit den Pittsburgh Pirates, dass die Blue Jays während deren Auswärtsserien PNC Park nutzen können. Doch die Behörden von Pennsylvania signalisierten umgehend Ablehnung, sodass diese Option bereits vom Tisch ist. Geprüft wird derzeit noch eine gemeinsame Nutzung von Camden Yards mit den Baltimore Orioles. Sollte auch das nicht klappen, bleiben wohl doch nur die Minor-League-Ballparks oder aber die Lösung, dass die Blue Jays in diesem Jahr alle ihre Spiel im Stadion des Gegners austragen. Das gab es bisher nur bei den Ruppert Mundys im Roman „The Great American Novel“ von Philip Roth.

Langzeitvertrag für Betts
Den großen Knaller kurz vor Saisonbeginn ließen gestern die Los Angeles Dodgers platzen: Der in dieser Offseason von den Boston Red Sox geholte Star-Outfielder Mookie Betts erhält einen neuen Megavertrag. Es ist ein Zwölfjahresvertrag über rund 365 Millionen Dollar. Zusammen mit der noch einjährigen Laufzeit des bisherigen Vertrages ist Betts nun bis zur Saison 2032 an die Dodgers gebunden und erhält in dieser Zeit 392 Millionen Dollar. Es ist der zweitgrößte Vertrag in der Geschichte des Baseballs, übertroffen nur vom 426-Millionen-Kontrakt, den Mike Trout letztes Jahr bei den Los Angeles Angels unterschrieb. Betts wird bei Vertragsende 40 Jahre alt sein.

Puig weiterhin arbeitslos
Yasiel Puig war einst ebenfalls im Outfield der Dodgers aktiv und galt als Megatalent. Doch er wurde den Erwartungen nie ganz gerecht und kann von einem Vertrag, wie Betts ihn bekommen hat, nur träumen. Tatsächlich wäre er froh, überhaupt wieder einen MLB-Vertrag zu bekommen. Letzte Woche vermeldete ich hier noch, dass Puig von den Atlanta Braves verpflichtet wurde. Doch unmittelbar vor der Unterschrift wurde er positiv auf Covid-19 getestet, was die Braves von dem Engagement zurückschrecken ließ. Ob er den Job in Atlanta oder irgendwo anders bekommt, sobald er die Erkrankung überstanden hat, ist nun wieder komplett offen.

Auch die Bundesliga kommt wieder
Eine Entscheidung über die Saison 2020 der Baseball-Bundesliga ließ lange auf sich warten, doch nun ist es offiziell: Auch die höchste deutsche Liga wird dieses Jahr spielen. Schon in zweieinhalb Wochen, am 8./9. August beginnt die verkürzte Bundesligasaison. Sie soll aus einer siebenwöchigen Hauptrunde bestehen, gefolgt von Halbfinalspielen zwischen den ersten beiden Teams der Nord- und Südstaffel und einer Best-of-3-Finalserie, die am 17./18. Oktober enden soll. Zuschauer und Catering sind in begrenztem Ausmaß erlaubt, die konkreten Auflagen werden von den örtlichen Behörden festgelegt. Der Spielbetrieb dieses Jahr ist freiwillig, aber es haben alle 16 Mannschaften zugesagt. Absteiger wird es nicht geben. Den kompletten Spielplan findet ihr auf der Website der Baseball-Bundesliga.

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Juni 4th, 2020 by Silversurger

Seit rund vier Wochen verhandeln und streiten die Klubs und die Spieler um finanzielle Fragen, die einer MLB-Saison 2020 im Wege stehen – ein Ende dieses ziemlich unwürdigen Gezerres ist leider nicht in Sicht. Immerhin ein kleines Highlight für die Fans gibt es kommende Woche durch das Stattfinden der Draft. Derweil ist für viele Spieler der Minor Leagues der Traum von der MLB-Karriere letzte Woche geplatzt – und für alle Spieler im System der Oakland Athletics der Traum, dass sie ihrem Verein etwas wert sind. Aber lest selbst:

Am Mittwoch wird gedraftet
Die MLB-Draft wird nächste Woche stattfinden, allerdings nicht so wie gewohnt. Zum einen wird das Event wegen der Corona-Krise komplett virtuell vollzogen, zum anderen wird es sehr viel kürzer sein als sonst. Anstelle der üblichen 40 Runden gibt es dieses Mal nur 5 Durchgänge zur Auswahl von Spielern aus den Colleges und Highschools. Den Teams wird dadurch der Zwang genommen, in dieser Zeit der Unsicherheit zusätzliche Gehaltsempfänger verpflichten zu müssen. Anschließend an die 5 Draftrunden haben alle Klubs die Möglichkeit, unbegrenzt viele weitere Spieler für jeweils bis zu 20.000 Dollar unter Vertrag zu nehmen.

Pick Nummer eins haben dieses Jahr die Detroit Tigers, gefolgt von den Baltimore Orioles und den Miami Marlins. Die Houston Astros sind als Strafe für den Sign-Stealing-Skandal von der ersten und zweiten Draftrunde ausgeschlossen.

Der Favorit, als erstes vom Board zu gehen, ist 1B Spencer Torkelson (Arizona State), ein Powerhitter mit exzellenter Plate-Discipline. Außenseiterchancen, anstelle von Torkelson gewählt zu werden, hat der vielseitige IF/OF Austin Martin (Vanderbilt). Die am höchsten gehandelten Pitcher sind Linkshänder Asa Lacy (Texas A&M) und Rechtshänder Emerson Hancock (Georgia). Nicht ganz so hoch gerankt, aber schlagzeilenträchtig allein wegen seines Namens ist 3B/RHP Jaden Agassi. Der 18-jährige Sohn der Tennis-Legenden Steffi Graf und Andre Agassi hat frisch die Highschool abgeschlossen und gilt als talentiert genug, in einer der späteren Runden gewählt zu werden. Als wahrscheinlicher gilt aber, sowohl aufgrund der verkürzten Draft als auch weil Agassi sich noch von einer Tommy-John-Surgery am Wurfarm erholt, dass er die Profi-Karriere ein paar Jahre hinausschiebt und zunächst seine Einschreibung an der University of South California wahrnimmt.

Die Draft beginnt in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag um 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Sie wird live auf ESPN und MLB Network übertragen; Letzteres ist Teil des Pakets von DAZN.

Streit um Gehälter dauert an
Wie eingangs schon erwähnt, zeichnet sich im Gehälterstreit zwischen den Klubs und den Spielern leider kein Kompromiss ab. Die Teambesitzer beharren auf ihrer Forderung nach stärkeren Gehaltskürzungen. Die Spielergewerkschaft MLBPA hat am letzten Wochenende ihren Gegenvorschlag vorgelegt, in dem sie eine 114-Spiele-Saison mit anteiligen Gehältern und einen Aufschub von Teilen der Gehaltszahlungen anbietet. Dies wurde von den Ownern erwartungsgemäß abgelehnt. Von ihrer Seite steht bislang kein neues Angebot, sondern eine Drohung im Raum: Wenn die MLBPA den angestrebten Kürzungen nicht zustimmt, könnte die Liga im Alleingang beschließen, dass eine ultrakurze Saison mit nur 48 bis 54 Saisonspielen gespielt wird. Auf diese Art würden die Gehälter automatisch drastisch sinken, da sie sich nach der bisherigen Regelung anteilig an der Zahl der durchgeführten Spiele bemessen. Theoretisch hat die MLB diese Möglichkeit, praktisch würde ein solches Vorgehen vermutlich zu einem Streik der Spieler führen.

Kein Dissens über Umstrukturierung
Ein Punkt, in dem sich die Liga und die Spieler offenbar geeinigt haben, ist die vorübergehende Umstrukturierung der Divisionen für die Saison 2020. Um lange Reisen zu vermeiden, soll die AL East mit der NL East zu einer Division aus 10 Teams zusammengelegt werden, ebenso die beiden Central-Divisonen und die beiden West-Divisionen. Alle oder fast alle regulären Saisonspiele sollen innerhalb der jeweiligen Division ausgetragen werden. Als Spielorte werden nach diesem Plan die gewohnten Heimstadien der Teams genutzt, die Designated-Hitter-Regel gilt bei allen Spielen. Auch bezüglich einer Erweiterung der Playoffs auf 14 Teams scheint man sich relativ einig zu sein, wenngleich das genaue Format der Postseason noch unklar ist.

Zahlreiche Minor Leaguer entlassen, Athletics stellen Zahlungen ein
Die MLB-Spieler jammern über die Winkelzüge der Owner zwar mit einigem Recht, aber immer noch auf hohem Niveau – um seine Existenz muss von ihnen jedenfalls niemand fürchten. Ganz anders sieht es derweil in den Minor Leagues aus. Im Unterbau des professionellen Baseballs herrscht weitreichende Unsicherheit: Wird es eine Saison 2020 geben? Wenn nein, bekommen die Spieler ihre ohnehin sehr niedrigen Gehälter trotzdem weiter? Wird zudem der schon vor Corona bestehende Plan umgesetzt, 42 Minor-League-Teams komplett einzusparen?

Letzte Woche gab es eine Entlassungswelle, bei der Hunderte Minor-League-Spieler von den Klubs freigesetzt wurden. Das war zwar eine unpopuläre und in vielerlei Hinsicht bedauerliche Maßnahme. Allerdings muss man sich dabei klar machen, dass solche Entlassungswellen jedes Jahr zum Ende des Spring Trainings üblich sind und somit erwartbar war, dass es auch dieses Jahr irgendwann dazu kommen würde.

Immerhin haben inzwischen fast alle MLB-Franchises entschieden, ihren verbleibenden Minor Leaguern zumindest die 400 Dollar pro Woche weiter zu bezahlen, auf die die Klubs sich ursprünglich bis 31. Mai geeinigt hatten. Auch die Washington Nationals, die die Zahlungen zunächst auf 300 Dollar reduzieren wollten, besannen sich schnell eines besseren, nachdem mehrere ihrer MLB-Spieler ankündigten, die Gehälter der Minor-League-Kollegen zur Not aus eigener Tasche aufstocken zu wollen. Der meines Wissens einzige Verein, der sich entschieden hat, sämtliche Minor Leaguer ab 1. Juni in unbezahlten Urlaub zu schicken, sind die Oakland Athletics. Die Entscheidung der A’s bedeutet, dass ihre Minor-League-Spieler nun erstens ohne Einkommen sind und sich zweitens noch nicht mal arbeitslos melden können, weil sie formal noch bei dem Klub angestellt sind. Um es deutlich zu sagen: Das ist eine Schande und beraubt in meinen Augen die Athletics sämtlicher Sympathien, die ich bisher für sie hatte.

Chris Archer fällt lange aus
Chris Archer, Pitcher der Pittsburgh Pirates, musste sich am Dienstag einer Operation zur Behandlung eines Thoracic-outlet-Syndroms unterziehen. Ob Archer überhaupt noch mal für die Pirates spielt, ist fraglich. Für 2020 fält er in jedem Fall aus, und für 2021 muss der Verein entscheiden, ob er die Option zur Vertragsverlängerung für 11 Millionen Dollar zieht. Ich rechne eher nicht damit, denn Archers Leistungen in Pittsburgh waren, nachdem er 2018 per Trade von den Tampa Bay Rays kam, bislang weitgehend enttäuschend. Hinzu kommt, dass nach dieser Art von OP, bei der üblicherweise eine Rippe ganz oder teilweise entfernt wird, um dem betroffenen Nerv Raum zu verschaffen, viele Pitcher – z. B. Matt Harvey, Tyler Thornburg, Tyson Ross – nicht mehr zur vollen Form gefunden haben.

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März 22nd, 2020 by Silversurger

Was für ein Kraftakt: Zuerst rollten die Washington Nationals nach einem schwachen Start in die reguläre Saison 2019 das Feld von hinten auf und ergatterten auf der Zielgeraden eine Wild Card in die Playoffs. In der Postseason waren sie dann sage und schreibe fünfmal in der Situation, dass eine Niederlage das Ausscheiden bedeutet hätte – angefangen mit dem Wild-Card-Spiel und bis hin zu Spiel 7 der World Series. In jedem dieser Spiele gerieten sie mindestens einmal in Rückstand und jedes dieser Spiele gewannen sie am Ende. Als Mets-Fan sage ich es nicht gern, aber: Dieses Team hat sich die World Championship hart erarbeitet und redlich verdient. Zum Unternehmen Titelverteidigung wurde der Kern der Truppe weitgehend beisammen gehalten, doch eine schwere Entscheidung musste getroffen werden: Für zwei Eckpfeiler des Erfolgs, Starting Pitcher Stephen Strasburg und Third Baseman Anthony Rendon, standen neue Verträge an, der Klub konnte sich aber nur einen davon leisten. Die Wahl fiel auf Strasburg, der für sieben Jahre und 245 Millionen Dollar unterschrieb, während Rendon zu identischen Konditionen in Los Angeles bei den Angels anheuerte. An der dritten Base ergibt sich dadurch die Gelegenheit für Top-Prospect Carter Kieboom, seine Major-League-Reife unter Beweis zu stellen. Letztes Jahr gelang ihm das während eines kurzen Call-ups noch nicht (.128/.209/.282).

Voraussichtliches Lineup
C Yan Gomes
1B Eric Thames
2B Starlin Castro
SS Trea Turner
3B Carter Kieboom
LF Juan Soto
CF Victor Robles
RF Adam Eaton

Voraussichtliche Rotation
RHP Max Scherzer
RHP Stephen Strasburg
LHP Patrick Corbin
RHP Anibal Sanchez
RHP Joe Ross
Key Relievers: Will Harris, Sean Doolittle

Wichtigster Zugang
2B Starlin Castro (Miami Marlins)

Wichtigster Abgang
3B Anthony Rendon (Los Angeles Angels)

Bestes Prospect
IF Carter Kieboom

Größte Stärke
Die Rotation: Max Scherzer, Stephen Strasburg, Patrick Corbin – das sind die Top-3, die sich mit einigem Recht als Hauptverantwortliche des Titelgewinns und als das beste Starter-Trio der Liga fühlen dürfen. Die Frage, die man sich gleichwohl stellen muss, ist, wie gut sie in der Lage sind, die körperliche Belastung des langen Oktobers wegzustecken.

Größte Schwäche
Die Farm: Prospect-Guru Keith Law von „The Athletic“ führt das Nachwuchssystem der Nationals auf Platz 29 von 30. Das ist keine tolle Aussicht für die Zukunft, aber es ist erklärbar, nachdem die Nationals die Früchte jahrelanger Arbeit abgeerntet und den erhofften Erfolg erzielt haben. Oder wie Law selbst es formuliert: „You don’t care, right, Nats fans? You got a ring! That’s what the farm is for, and Mike Rizzo and company worked the heck out of their system to get to that World Series.“

Spannendste Frage
Schlägt der Hangover zu? Seit 19 Jahren hat kein Team den höchsten Baseballtitel verteidigt. Neben der schon erwähnten körperlichen Anstrengungen einer World-Series-Saison sind auch die mentalen Effekte nicht zu vernachlässigen. Nach einem so hart erarbeiteten Erfolg fällt es wohl jedem ein bisschen schwer, jegliche Selbstzufriedenheit abzuschütteln und den gleichen großen Willen aufzubringen wie die noch hungrigen Konkurrenten.

Meine Prognose
Platz 3 in der NL East, Wild Card

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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Januar 30th, 2020 by Silversurger

Da war es nur noch einer: Outfielder Yasiel Puig ist von den diesjährigen Top-Free-Agents der letzte, der noch kein neues Team gefunden hat. Sein vorletzter Klub, die Cincinnati Reds, hat derweil mit Nicholas Castellanos gerade Puigs Nachfolger verpflichtet. Auch von den Managerposten, die im Zuge der Sign-Stealing-Affäre frei geworden waren, ist nur noch einer übrig. Nachdem sich letzte die Woche die New York Mets mit Luis Rojas einig wurden und diese Woche die Houston Astros mit Dusty Baker, sind nun allein die Boston Red Sox noch auf der Suche nach einem neuen Teamchef.

Dusty Baker neuer Manager der Astros
Die Houston Astros haben immer noch einen der stärksten Kader der Liga, doch es bleibt abzuwarten, wie das Team und sein Umfeld mit den Nachwirkungen des Sign-Stealing-Skandals umgehen. Den passenden Manager für diese Aufgabe dürften sie jedenfalls gefunden haben: Der 70-jährige Dusty Baker bringt jede Menge Routine und Erfahrung mit und ist zudem besonders dafür bekannt, einen guten Draht zu den Spielern sowie zu den Medien zu pflegen. Baker war zuletzt von 2016 bis 2017 bei den Washington Nationals tätig und führte diese zu starken Saisons mit 95 und 97 Siegen. Beide Male schieden die Nationals frühzeitig in den Playoffs aus, weshalb Bakers Vertrag nicht verlängert wurde. Jetzt kommt es zu einer interessanten Konstellation im Spring Training, denn Bakers alter und sein neuer Klub teilen sich einen gemeinsamen Trainingskomplex in West Palm Beach. Die Entscheidung für den neuen Manager wurde von Astros-Owner Jim Crane quasi im Alleingang getroffen, denn die Suche nach einem Nachfolger für Jeff Luhnow als General Manager läuft noch.

Diamondbacks machen das Rennen um Marte
Die Pittsburgh Pirates haben fast die ganze Offseason über geworben und verhandelt, um ihren Centerfielder Starling Marte möglichst gewinnbringend loszuwerden. Die Arizona Diamondbacks haben nun zugeschlagen und sich die Dienste des 31-Jährigen gesichert. Als Gegenleistung schicken sie die beiden Talente Liover Peguero und Brennan Malone sowie 250.000 Dollar ihres Budgets für internationale Spielerverpflichtungen nach Pittsburgh. Beide Teams geben mit diesem Deal ein klares Statement ab: die Diamondbacks, dass sie sich im Win-Now-Modus sehen – dafür sprachen bereits die Verpflichtung von Madison Bumgarner und der Nicht-Trade von Robbie Ray –, und die Pirates, dass sie sich auf ein langfristiges Rebuilding einstellen. Beide Spieler, die sie in dem Trade erhalten, gelten als sehr vielversprechende Prospects, sind aber erst 19 Jahre alt und somit noch ein ganzes Stück von einer Major-League-Karriere entfernt.

Reds holen Castellanos
Die Cincinnati Reds sind eines der am stärksten aufgerüsteten Teams dieser Offseason. Nach Trevor Bauer schon während der vergangenen Saison, Mike Moustakas, Wade Miley und Shogo Akiyama ist Nicholas Castellanos die nächste hochkarätige Neuverpflichtung. Man scheint es ernst zu meinen mit dem Ziel, zum ersten Mal seit sieben Jahren eine Saison mit positiver Bilanz und idealerweise die Playoffs zu erreichen. Der Vertrag mit Castellanos läuft vier Jahre lang mit einer beidseitigen Option auf ein fünftes Jahr. Das garantierte Gehalt beträgt 64 Millionen Dollar, für das optionale fünfte Jahr kämen noch mal 18 Millionen dazu. Zwei Ausstiegsklauseln ermöglichen Castellanos, nach den Saisons 2020 oder 2021 vorzeitig den Vertrag zu beenden.

Weitere Spielerverpflichtungen
Der Free-Agent-Markt ist inzwischen so weit abgegrast, dass jeder Spieler, der jetzt noch keinen MLB-Vertrag für die neue Saison hat – Yasiel Puig ausgenommen –, sich so langsam Sorgen machen beziehungsweise über Alternativen wie ein Minor-League-Engagement nachdenken muss. Folgende Akteure haben solche Sorgen im Laufe der letzten Tage hinter sich gelassen: RP Brandon Kintzler (Miami Marlins, 1 Jahr, 3,25 Millionen Dollar plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), 1B Mitch Moreland (Boston Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), 1B Ryan Zimmerman (Washington Nationals, 1 Jahr, 2-5 Millionen leistungsabhängig), RP David Phelps (Milwaukee Brewers, 1 Jahr, 1,5-3,4 Millionen plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), OF Steven Souza (Chicago Cubs, 1 Jahr, 1-3 Millionen), RP Jeremy Jeffress (Cubs, 1 Jahr, 850.000), OF Matt Joyce (Marlins, Vertragsdetails nicht veröffentlicht).

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Januar 21st, 2020 by Silversurger

Ihr wollt sie, ihr bekommt sie: Ich wurde mehrfach gefragt, ob es eine Fortsetzung der Serie über MLB-Stadien aus den letzten beiden Offseasons geben wird, und deshalb gibt es sie jetzt. Den Anfang für dieses Jahr macht der Ballpark des amtierenden World-Series-Champions Washington Nationals. Er trägt den nicht allzu phantasievollen Namen Nationals Park.

Geschichte
Die Entscheidung, die Montreal Expos nach Washington zu verlegen und die Franchise dort unter dem Namen Nationals fortzuführen, fiel Ende 2004, ein halbes Jahr vor dem Beginn der ersten Saison am neuen Standort. Zur gleichen Zeit begann auch die Planung für ein eigenes Stadion, das natürlich nicht innerhalb weniger Monate aus dem Boden zu stampfen war. Als Übergangslösung diente von 2005 bis 2007 das Robert-F.-Kennedy-Stadion, das in den 60er-Jahren schon Heimat der Washington Senators gewesen war.

Ein Bauplatz für den neuen Ballpark im Süden der Stadt am Fluss Anacostia wurde 2004 sehr schnell gefunden. Baubeginn war dennoch erst im Mai 2006, weil sich die Verhandlungen um die Finanzierung zwischen der Stadt, der Liga und der Deutschen Bank als wichtigstem Kreditgeber lange hinzogen. Der eigentliche Bau ging dann wiederum recht zügig vonstatten. Nach nicht mal zwei Jahren konnten die Nationals wie geplant in die neue Heimstatt einziehen.

Nationals Park während eines Spiels gegen die Giants 2011 (1)

Die Ehre des ersten Spiels im neuen Ballpark hatten am 22. März 2008 nicht die Nationals, sondern die College-Teams der George Washington University und der Saint Joseph’s University. Eine Woche später testeten die Nationals bei einem Freundschaftsspiel gegen die Baltimore Orioles zum ersten Mal ihr neues Feld, bevor am Tag danach, dem 30. März, das offizielle Eröffnungsspiel gegen die Atlanta Braves stattfand. Der damalige Präsident George W. Bush warf vor 39.389 Zuschauern den ersten Pitch. Den letzten Pitch des Spiels schlug Ryan Zimmerman im neunten Inning zum Walkoff-Homerun, durch den die Nationals 3:2 gewannen.

Kurz nach der Eröffnung, am 17. April 2008, besuchte der damalige Papst Benedikt XVI. den Ballpark. Er gönnte sich allerdings kein Spiel der Nationals, sondern hielt vor 47.000 Gläubigen seine eigene Veranstaltung ab. Sportliche Highlights der Stadiongeschichte waren das All-Star-Spiel 2018 und natürlich die drei Spiele der World Series 2019.

Architektonische Auffälligkeiten
Das Design des Stadions verantwortet Joe Spear, einer der Gründer des auf Ballparks spezialisierten Architekturbüros Populous. Spears erste Amtshandlung bestand darin, dem geplanten Bau eine komplett andere Richtung zu geben: Statt wie zunächst vorgesehen zum Fluss ließ er Nationals Park zur Stadt hin ausrichten, sodass man von den Zuschauerrängen in Richtung Kapitol schaute. Diese Aussicht ist mittlerweile allerdings weitgehend verbaut, nur aus einigen Ecken erheischt man noch einen Blick auf das Kapitol sowie auf das Washington Monument und die National Cathedral.

Nationals Park von oben (2)

Das Gebäude selbst ist ein modernes, relativ schnörkelloses Baseballstadion, dessen Außenfront an den Ostflügel der National Gallery of Art erinnern soll – ich muss zugeben, dass es mir schwerfällt, diese Ähnlichkeit zu erkennen. Weitere Anspielungen auf die Region und auf Washingtons Baseballgeschichte wurden dezent im Design untergebracht. Zum Beispiel ist der Backstop, also die Wand hinter der Homeplate, aus Blaustein gefertigt, einem für die Gegend typischen Baumaterial. Eine rechtwinklinge Zacke im rechten Teil des Centerfields erinnert an Griffith Field, das einstige Stadion der Washington Senators, welches damals um fünf Häuser und einen Baum herum gebaut werden musste.

Das Stadion wurde außergewöhnlich tief eingegraben, sodass das Spielfeld rund acht Meter unterhalb der Straßenebene der Umgebung liegt. Dadurch ist es möglich, dass mehr als die Hälfte der Zuschauer ihre Sitze erreichen kann, ohne Treppen, Aufzüge oder Rampen benutzen zu müssen.

Eine weitere Besonderheit von Nationals Park ist das 2011 angebrachte Schiffshorn – genauer gesagt handelt es sich um das Tauchhorn eines U-Boots –, das bei jedem Homerun und jedem Sieg der Nationals ertönt und an die Nachbarschaft des Stadions zur Marinewerft erinnert.

Spielbezogene Eigenheiten
Nationals Park ist hinsichtlich der Freundlichkeit gegenüber Pitchern oder Battern ein eher neutrales Stadion mit allenfalls leichter Tendenz zur Benachteiligung rechtshändiger Schlagmänner. Dass diese in Washington etwas seltener Homeruns schlagen als in durchschnittlichen MLB-Ballparks ist die einzige kleine Auffälligkeit in der Analyse der Parkfaktoren der Jahre 2014 bis 2018.

Eine Kuriosität stellt eine vermeintliche zweite Foullinie an der Wand links vom linken Foulpost des Stadions dar. Diese Linie markiert eine Stelle, an der zwischen dem Spielfeld und der Tribüne eine Lücke besteht. Die damit verbundene Groundrule besagt, dass ein Ball, der zuerst im Spielfeld und von dort zwischen der Foullinie und der zweiten Linie aufprallt, als „out of play“ und somit automatisches Double gewertet wird. Ein Ball, der aus dem Fair Territory auf die Linie oder links davon prallt, bleibt hingegen im Spiel.

Rechts im Bild die ungewöhnliche „zweite Foullinie“ links neben dem Foulpost. (3)

Wo sitzt man am besten?
Wie in jedem MLB-Stadion gibt es in Nationals Park zahlreiche verschiedene Preiskategorien sowie variierende Ticketpreise in Abhängigkeit von Tageszeit, Wochentag und natürlich der Attraktivität des Gegners.

Das Premium-Erlebnis bieten die Club-Seats in den Bereichen A bis D. Für je nach Spiel 300 bis weit über 1000 Dollar je Ticket bekommt man eine hervorragende Sicht von hinter der Homeplate inklusive Zugang zu einem opulenten Büffet sowie Getränken mit und ohne Alkohol.

Eine familienfreundliche Alternative sind die Blöcke 140 bis 143. Es handelt sich um Plätze ab ca. 30 Dollar im unteren Bereich der Tribüne des Rightfields, nah an der Family-Fun-Area und vielen Verpflegungsständen.

Ein wichtiges Kriterium beim Besuch von Nachmittagsspielen im Sommer ist die Frage, wo man am ehesten vor der prallen Sonne geschützt ist. Auf der Third-Base-Seite hat man am frühesten Schatten und muss nicht in die Sonne schauen. Es empfehlen sich hier insbesondere die günstigeren Plätze auf Ebene 400 oder die besseren auf Ebene 200 Höhe Infield.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Something Original (CC BY 3.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Carol M. Highsmith (Public Domain)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: baseballoogie (CC BY NC 2.0)

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Januar 9th, 2020 by Silversurger

Die besinnliche Zeit des Jahreswechsels ist offensichtlich vorbei, denn in den letzten sieben Tagen gab es wieder haufenweise Neuigkeiten aus der MLB, insbesondere in Form von Spielerverpflichtungen. Vor allem die Nationals waren sehr aktiv dabei, ihren Kader für das Projekt Titelverteidigung zu ergänzen.

Der Champion kauft ein
Die Washington Nationals scheinen sich angewöhnt zu haben, Verträge immer gleich in Bündeln auszugeben. Im Dezember waren es Stephen Strasburg, Yan Gomes und Howie Kendrick, die innerhalb von zwei Tagen neue Kontrakte mit ihrem Klub unterschrieben. Nach vier Wochen Funkstille gaben die Nationals nun gleich fünf weitere Verpflichtungen bekannt. Der Bullpen wird durch Rückkehrer Daniel Hudson (2 Jahre, 11 Millionen Dollar) sowie durch Will Harris (3 Jahre, 24 Millionen) gefestigt. Für das Middle Infield kommen Starlin Castro (2 Jahre, 12 Millionen) und Asdrubal Cabrera (1 Jahr, 2,5 Millionen) und als First Baseman wird Eric Thames (1 Jahr, 4 Millionen plus beidseitige Option für ein zweites Jahr) sich voraussichtlich die Rolle mit einem weiteren Spieler – evtl. Nats-Urgestein Ryan Zimmerman – teilen.

White Sox verlängern mit Robert, holen Cishek
Die Chicago White Sox sind nicht nur in dieser Woche, sondern schon in der gesamten Offseason sehr aktiv. Sie scheinen sich fest vorgenommen zu haben, in diesem Jahr den Schritt aus dem Rebuilding in die Konkurrenzfähigkeit zu vollziehen. Der neueste Helfer auf diesem Weg ist Reliever Steve Cishek. Der 33-Jährige Sidearm-Pitcher kommt vom Stadtrivalen Cubs und verstärkt den Bullpen der White Sox für die späten Innings. Sein Vertrag läuft zunächst ein Jahr und bringt ihm 6 Millionen Dollar ein, für die gleiche Summe kann der Klub die Option für ein weiteres Jahr ziehen.
Eine langfristige Investition tätigen die White Sox in ihr Centerfield-Prospect Luis Robert. Der 22-Jährige bindet sich für sechs Jahre an den Verein und bekommt dafür 50 Millionen; weitere 38 Millionen können hinzukommen, wenn die White Sox die Option für zwei zusätzliche Jahre in Anspruch nehmen. Es handelt sich um den höchstdotierten Vertrag, den je ein Spieler bekommen hat, bevor er in einem MLB-Spiel aufgetaucht ist. Ermutigt hat die White Sox vermutlich die Erfahrung mit Eloy Jimenez, der letztes Jahr ebenfalls außergewöhnlich früh einen langfristigen Vertrag bekommen und anschließend eine starke Rookie-Saison hingelegt hatte.

Weitere Spielerverpflichtungen
Neue MLB-Verträge haben außer den oben Genannten auch folgende Spieler bekommen: Relief Pitcher Craig Stammen (San Diego Padres, 2 Jahre, 9 Millionen Dollar plus 1 Jahr Klub-Option), Catcher Jason Castro (Los Angeles Angels, 1 Jahr, 6,8 Millionen), Catcher Robinson Chirinos (Texas Rangers, 1 Jahr, 6,75 Millionen plus 1 Jahr Klub-Option), Relief Pitcher Hector Rondon (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 4-5 Millionen einsatzabhängig plus 1 Jahr Klub-Option), Shortstop Jose Iglesias (Baltimore Orioles, 1 Jahr, 3 Millionen plus 1 Jahr Klub-Option), Starter/ Reliever Jimmy Nelson (Los Angeles Dodgers, 1 Jahr, 1,25-4,75 Millionen leistungsabhängig plus 1 Jahr beidseitige Option), Catcher Kevin Plawecki (Boston Red Sox, 1 Jahr, 900.000).

81 Spiele Sperre für Domingo German
Die New York Yankees werden noch lange auf Domingo German verzichten müssen. Der Starter wurde für 81 Spiele gesperrt, rückwirkend ab September 2019. Davon bleiben noch 63 Spiele Sperre zu Beginn der Saison 2020. Der 27-Jährige wird damit von der Liga für einen Fall von häuslicher Gewalt gegenüber seiner Lebensgefährtin bestraft. German hat die Sperre bereits akzeptiert, gerichtlich wird gegen ihn allerdings keine Anklage erhoben.

Neues zum Thema Sign Stealing
Im Hinblick auf die Vorwürfe gegen die Houston Astros, während der Meisterschaftssaison mit unerlaubten Mitteln Zeichen der gegnerischen Spieler ausspioniert zu haben, soll es bald zu einer Entscheidung der Liga kommen. Nach allem, was man hört, wird es wohl keine persönlichen Strafen geben, aber möglicherweise eine hohe Geldstrafe gegen den Klub und vielleicht noch weitere Konsequenzen wie den Verlust von Draftpicks.
Unterdessen wurden neue Vorwürfe laut, dieses Mal gegen die Boston Red Sox. Sie sollen 2018, also ebenfalls in ihrer Meisterschaftssaison, den Video-Analyseraum ihres Stadions genutzt haben, um den Gegnern unerlaubterweise auf die Finger zu schauen. Wenn sich die Anschuldigungen als stichhaltig erweisen, dürfte ein weiteres Verfahren durch die Ligaleitung ins Haus stehen. Dass die Champions von zwei aufeinanderfolgenden Jahren mit unsauberen Mitteln gearbeitet haben sollen, wirft ein betrübliches Licht auf den professionellen Baseball. Auffällig ist auch, dass in beiden Teams Alex Cora eine zentrale Rolle einnahm – 2017 als Bench Coach der Astros, 2018 als Manager der Red Sox.

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Dezember 12th, 2019 by Silversurger

In San Diego enden heute die Winter Meetings. Eigentümer, Manager, Scouts und sonstige Offizielle aller MLB- und Minor-League-Teams, dazu Ligavertreter, Spieleragenten und jede Menge Journalisten bevölkerten in den letzten Tagen das Hilton Bayfront Hotel und dessen Umgebung. Die Meetings haben dieses Jahr mit diversen großen Neuigkeiten ihren Ruf als Höhepunkt der Offseason untermauert. Neben der Bekanntgabe neuer Hall-of-Fame-Berufungen und des All-MLB-Teams gab es ein paar interessante Trades und jede Menge Vertragsabschlüsse. Allen voran kamen die drei dicksten Fische des Free-Agent-Pools – Gerrit Cole, Stephen Strasburg und Anthony Rendon – vom Markt. Insgesamt haben die MLB-Klubs innerhalb der sieben Tage seit dem letzten Grand Slam am Donnerstag Spielerverträge im Wert von knapp einer Milliarde Dollar vergeben.

Yankees locken Cole mit Rekordvertrag
Die New York Yankees haben bei ihren Bemühungen um Gerrit Cole großes Durchhaltevermögen bewiesen. Schon 2008 wollten sie ihn haben, wählten ihn in der ersten Draftrunde aus, doch Cole entschied sich damals gegen die frühe MLB-Karriere und für das College UCLA. Zehn Jahre später versuchten sie, ihn per Trade von den Pittsburgh Pirates zu holen, doch die Houston Astros machten das bessere Angebot. Beim dritten Versuch ist es nun endlich gelungen, das Ass in die Bronx zu locken. Erforderlich war dafür ein Vertragsangebot, das Cole zur teuersten Verpflichtung eines Pitchers aller Zeiten macht. 324 Millionen Dollar erhält der 29-Jährige über eine Laufzeit von neun Jahren. Das sind 36 Millionen pro Jahr und somit mehr als eine Million Dollar für jedes einzelne Spiel, das Cole für die Yankees absolvieren wird. Der Vertrag umfasst eine No-Trade-Klausel sowie eine Ausstiegsoption für den Spieler nach fünf Jahren. Die Yankees tragen somit das volle Risiko für den Fall, dass Cole seine zuletzt überragenden Leistungen im Laufe der neun Jahre irgendwann nicht mehr bringen sollte. Solange er sie bringt, ist er jedenfalls eine enorme Verstärkung.

Strasburg bleibt in Washington
Der zweite Top-Pitcher unter den diesjährigen Free Agents bleibt dort, wo er 2010 seine MLB-Karriere begonnen hat und wo er sie wohl auch beenden wird: Stephen Strasburg hat sich mit den Washington Nationals auf einen neuen Vertrag mit einer Laufzeit von sieben Jahren geeinigt. Das garantierte Gehalt für den amtierenden World-Series-MVP beträgt 245 Millionen Dollar, zudem sind diverse Boni für das Erreichen von Einzelawards vorgesehen und ein Trade ohne Zustimmung des Spielers ist vertraglich ausgeschlossen. Verlängerungs- oder Ausstiegsoptionen wurden nicht vereinbart.

Rendon wird ein Angel
Schon vor dem Abschluss mit Strasburg hatten die Nationals durchblicken lassen, dass sie sich finanziell höchstens einen ihrer beiden Top-Free-Agents – Antony Rendon oder eben Strasburg – leisten können. Für Rendon hieß das, dass er sich anderweitig umsehen musste. Er wurde schnell fündig: Es geht an die andere Küste der USA, zu den Los Angeles Angels. Der Third Baseman erhält dort im Wesentlichen den selben Vertrag wie sein ehemaliger Teamkamerad Strasburg in Washington: 245 Millionen Dollar über sieben Jahre, ohne Ausstiegsoption, mit No-Trade-Klausel. Mit Rendon und Mike Trout haben die Angels nun die beiden – nach jährlichem Durchschnittsgehalt – höchstbezahlten Positionsspieler der MLB in ihren Reihen.

Rays schicken Pham nach San Diego
Der interessanteste Trade der Woche wurde schon vor den Winter Meetings eingetütet: Die Tampa Bay Rays und die San Diego Padres tauschen zwei gestandene Outfielder und zudem eine Reihe von Prospects. Die Padres erhalten OF Tommy Pham sowie Minor-League-IF Jake Cronenworth, die Rays bekommen dafür OF Hunter Renfroe sowie Minor-League-SS Xavier Edwards und einen später zu benennenden Spieler. Der 31-jährige Pham ist definitiv der prominenteste Teil des Trades. Mit 13.6 fWAR über die letzten drei Jahre war er einer der effektivsten Outfielder der Liga in diesem Zeitraum. Dass er abgegeben wird, dürfte von Seiten der notorisch sparsamen Rays vor allem Kostengründe haben. Pham ist noch zwei Jahre unter Teamkontrolle, sein im Arbitration-Verfahren auszuhandelndes Gehalt wird für 2020 auf 8,6 Millionen Dollar prognostiziert.

Weitere Trades und Verpflichtungen
Den Rest der sehr aktiven Woche auf dem Spielermarkt gibt es im Telegrammstil: Neue MLB-Verträge vereinbart haben SP Kyle Gibson (Texas Rangers, 3 Jahre, 28 Millionen Dollar), SP Tanner Roark (Toronto Blue Jays, 2 Jahre, 24 Millionen), SP Michael Pineda (Minnesota Twins, 2 Jahre, 20 Millionen), SP Jordan Lyles (Rangers, 2 Jahre, 16 Millionen), SS Didi Gregorius (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 14 Millionen), SP Rick Porcello (New York Mets, 1 Jahr, 10 Millionen), RP Blake Treinen (Los Angeles Dodgers, 1 Jahr, 10 Millionen), SP Josh Lindblom (Milwaukee Brewers, 3 Jahre, 9-18 Millionen leistungsabhängig), SP Kevin Gausman (San Francisco Giants, 1 Jahr, 9 Millionen), RP Joely Rodriguez (Rangers, 2 Jahre, 5,5 Millionen plus Option für ein drittes Jahr), C Alex Avila (Twins, 1 Jahr, 4,25 Millionen), SP Michael Wacha (Mets, 1 Jahr, 3-10 Millionen leistungsabhängig), RP Junior Guerra (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 2,65 Millionen plus Option für ein zweites Jahr), RP Brad Brach (Mets, 1 Jahr, 850.000 plus Einsatzboni), RP Dan Winkler (Chicago Cubs, 1 Jahr, 750.000) und RP Kyle Finnegan (Nationals, 1 Jahr, Gehalt unbekannt).
Die Mets gönnen sich eine Ergänzung für das Outfield, indem sie CF Jake Marisnick von den Houston Astros holen. Für den Defensivspezialisten gehen zwei eher nachrangige Prospects – P Blake Taylor und OF Kenedy Corona – nach Houston.
OF Nomar Mazara wechselt zu den Chicago White Sox, die dafür OF-Prospect Steele Walker zu den Texas Rangers schicken.
Die Giants holen IF Zack Cozart und SS-Prospect Will Wilson von den Los Angeles Angels. Die Angels erhalten dafür keine direkte Gegenleistung – ihr Profit besteht darin, dass die Giants den teuren Vertrag des zuletzt sehr schwachen und häufig verletzten Cozart (12,167 Millionen für 2020) übernehmen.

Miller und Simmons kommen in die Hall of Fame
Marvin Miller und Ted Simmons werden in die Hall of Fame des Baseballs aufgenommen. Diese Entscheidung wurde während der Winter Meetings vom Modern Era Committee bekannt gegeben. Es handelt sich um eines der im jährlichen Wechsel tagenden Expertengremien, die über die quasi nachträgliche Aufnahme von Personen aus bestimmten historischen Zeiträumen befinden. Dieses Jahr war der Zeitraum von 1970 bis 1987 dran. Simmons war ein schlagstarker Catcher, der den Großteil seiner Karriere bei den St. Louis Cardinals verbrachte. Miller war ein langjähriger und äußerst einflussreicher Vertreter der Spielergewerkschaft MLBPA. Die offizielle Einführung von Miller und Timmons in die Ruhmeshalle wird am 26. Juli 2020 stattfinden – gemeinsam mit jenen Spielern, die von den Mitgliedern des Journalistenverbandes BBWAA gewählt und am 21. Januar bekannt gegeben werden.

Rule-5-Draft heute Abend
Ein integraler Bestandteil der Winter Meetings – und gleichzeitig ihr Abschluss – ist die sogenannte Rule 5 Draft. Es handelt sich um ein Verfahren, das verhindern soll, dass Teams übermäßig Talente horten und diese keine Chance auf MLB-Spielzeit haben: Spieler, die seit vier oder fünf Jahren in den Minor-Leagues sind und nicht den Sprung in den 40-Mann-Kader geschafft haben, können in der Rule-5-Draft von anderen Teams abgeworben werden. Wählbar sind nach diesen Kriterien Hunderte von Spielern, tatsächlich werden aber normalerweise insgesamt nicht mehr als 10-15 gepickt. Ein guter Teil von ihnen wird zudem im Laufe der Folgesaison zurück zum alten Team geschickt, denn das neue Team verliert seinen Anspruch auf den Spieler, sobald es ihn nicht das ganze Jahr über im MLB-Kader führt. Die Rule-5-Draft findet am heutigen Donnerstag ab 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit statt. Den ersten Pick haben die Detroit Tigers, gefolgt von den Baltimore Orioles und den Miami Marlins. Auf mlb.com wird es einen Audio-Livestream geben.

All-MLB-Team gewählt
Zum ersten Mal ließ die MLB dieses Jahr nach Saisonende ein All-MLB-Team wählen. Wer dabei ist, entschieden zu gleichen Anteilen die Fans per Internet-Abstimmung sowie ein Expertengremium. Hier ist es, das „Dream-Team“ der MLB-Saison 2019:

C J.T. Realmuto, Phillies
1B Pete Alonso, Mets
2B DJ LeMahieu, Yankees
3B Anthony Rendon, Nationals
SS Xander Bogaerts, Red Sox
OF Mike Trout, Angels
OF Cody Bellinger, Dodgers
OF Christian Yelich, Brewers
DH Nelson Cruz, Twins
SP Gerrit Cole, Astros
SP Justin Verlander, Astros
SP Jacob deGrom, Mets
SP Max Scherzer, Nationals
SP Stephen Strasburg, Nationals
RP Kirby Yates, Padres
RP Josh Hader, Brewers

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Oktober 31st, 2019 by Silversurger

Was für ein Wahnsinnsjahr für die Washington Nationals! Vor der Saison verloren sie in Bryce Harper ihren größten Star und nach zwei Monaten standen sie so mies da, dass ihre Playoff-Hoffnungen allgemein als totgesagt galten. Sie schafften es dann doch noch gerade so in die Postseason, kamen dort zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte eine Runde weiter, dann noch eine und noch eine – und finden sich plötzlich am Ziel aller Träume als Champion der MLB wieder. Den Schlussakkord setzte letzte Nacht ein 6:2-Comebacksieg über die Houston Astros in Spiel 7 einer komplett verrückten World Series, in der sämtliche Partien an das jeweilige Auswärtsteam gingen.

Die World Series
Vor einer Woche sah es bereits sehr gut für die Nationals aus, weil sie damals nach zwei Spielen in Houston 2:0 vorne gelegen hatten. Doch die Astros kämpften sich zurück, holten in Washington mit 4:1, 8:1 und 7:1 drei rundum überzeugende Siege. Das Momentum war zurück auf ihrer Seite und sie schienen drauf und dran, als erster Champion seit den Red Sox 2013 den Titelgewinn im eigenen Stadion feiern zu dürfen.

Dazu allerdings hätte es dann doch mal eines Heimsieges bedurft und der wollte einfach nicht passieren. In Spiel 6 entschied Stephen Strasburg zum zweiten Mal in dieser Serie das Pitcherduell für sich und verhalf seinen Nationals – gemeinsam mit ein paar gewaltigen Homeruns von Adam Eaton, Juan Soto und Anthony Rendon – zu einem 7:2-Erfolg. Strasburg wurde übrigens nach dem Abschluss der World Series zu deren wertvollstem Spieler gewählt und erhielt dafür einen schicken Sportwagen.

Spiel 7 sah ein weiteres beeindruckendes Pitching-Matchup: Zack Greinke, Cy-Young-Gewinner 2009, gegen Max Scherzer, Cy-Young-Gewinner 2013, 2016 und 2017. Dass es dazu kam, ist dem Wundermittel Cortison zu verdanken, denn durch eine entsprechende Behandlung war Scherzer rechtzeitig fit geworden, nachdem er seinen Start in Spiel 5 mit Nackenbeschwerden hatte absagen müssen. Beide Starter lieferten ein starkes Spiel, wobei Greinke zunächst den besseren Auftritt hatte: Er ließ in 6 Innings nur einen Hit und keine Runs zu, während Scherzer sich zweimal überwinden ließ – erst durch einen Homerun von Yuli Gurriel, dann durch einen von Nationals-3B Anthony Rendon ungünstig ablenkten RBI-Single von Carlos Correa.  Eben jener Rendon machte seinen Fehler wieder gut, indem er im siebten Inning einen Solo-Homerun gegen Greinke schlug. Für Greinke war kurz darauf der Arbeitstag beendet. Den Mound übernahm Will Harris, dessen zweiter Pitch von Howie Kendrick zum 2-Run-Homerun geschlagen wurde und somit den Nationals die Führung brachte, die sie nicht mehr hergaben. Durch Hits von Soto im 8. und Eaton im 9. Inning erhöhte Washington auf 6:2, während Patrick Corbin und Daniel Hudson den Astros keine Chance gaben, offensiv noch etwas zu bewegen.

Die sieben Auswärtssiege in einer Best-of-7-Serie sind übrigens eine Kuriosität, deren Einmaligkeit über den Baseball hinausgeht: Nicht nur in der MLB, sondern auch in den anderen großen US-Ligen mit solchen Serien – der Basketballliga NBA und der Eishockeyliga NHL – hat es so etwas bisher noch nie gegeben.

Szene der Woche
Klarer Fall, die Szene der Woche ist der Empfang der World-Series-Trophäe durch die Nationals:

Statistik der Woche
19-31. So lautete die Bilanz der Washington Nationals nach 50 Spielen in diesem Jahr. Das ist der schlechteste Record, mit dem je ein späterer World-Champion in die Saison gestartet ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie die World Series gewinnen, lag für die Nationals nach diesen 50 Spielen bei unter 0,1%.

Der Rest der Liga
Zwei Teams haben seit letzter Woche neue Field Manager verpflichtet: Die Philadelphia Phillies haben sich wie erwartet mit Joe Girardi geeinigt. Der ehemalige Meistercoach der New York Yankees ist nach zwei Jahren Pause zurück im Geschäft und strebt an, Bryce Harper & Co. zurück in die Erfolgsspur zu führen. Dorthin wollen auch die San Diego Padres mit Jayce Tingler. Der Nachfolger von Andy Green ist in diesem Job ein Neuling, bringt aber Erfahrungen aus verschiedenen Coaching- und Management-Rollen bei den Texas Rangers mit und hat die Verantwortlichen der Padres überzeugt, dass er das Team aufs nächste Level führen kann.

Mit den Padres, den Phillies, den Angels (Joe Maddon) und den Cubs (David Ross) ist nun die Hälfte der Teams, die einen neuen Manager gesucht haben, fündig geworden. Offen sind noch die Stellen bei den New York Mets, den Pittsburgh Pirates, den San Francisco Giants und den Kansas City Royals.

Ich hoffe, ihr schaut auch außerhalb der Saison immer mal wieder hier rein; im Grand Slam am Donnnerstag lest ihr auch in der Offseason jede Woche das Neueste rund um die MLB. Und bevor jemand fragt: Ja, es wird auch in diesem Jahr das traditionelle Baseblog-Offseason-Wunschkonzert geben. Der Artikel dazu geht innerhalb der nächsten Tage online.

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