März 22nd, 2020 by Silversurger

Was für ein Kraftakt: Zuerst rollten die Washington Nationals nach einem schwachen Start in die reguläre Saison 2019 das Feld von hinten auf und ergatterten auf der Zielgeraden eine Wild Card in die Playoffs. In der Postseason waren sie dann sage und schreibe fünfmal in der Situation, dass eine Niederlage das Ausscheiden bedeutet hätte – angefangen mit dem Wild-Card-Spiel und bis hin zu Spiel 7 der World Series. In jedem dieser Spiele gerieten sie mindestens einmal in Rückstand und jedes dieser Spiele gewannen sie am Ende. Als Mets-Fan sage ich es nicht gern, aber: Dieses Team hat sich die World Championship hart erarbeitet und redlich verdient. Zum Unternehmen Titelverteidigung wurde der Kern der Truppe weitgehend beisammen gehalten, doch eine schwere Entscheidung musste getroffen werden: Für zwei Eckpfeiler des Erfolgs, Starting Pitcher Stephen Strasburg und Third Baseman Anthony Rendon, standen neue Verträge an, der Klub konnte sich aber nur einen davon leisten. Die Wahl fiel auf Strasburg, der für sieben Jahre und 245 Millionen Dollar unterschrieb, während Rendon zu identischen Konditionen in Los Angeles bei den Angels anheuerte. An der dritten Base ergibt sich dadurch die Gelegenheit für Top-Prospect Carter Kieboom, seine Major-League-Reife unter Beweis zu stellen. Letztes Jahr gelang ihm das während eines kurzen Call-ups noch nicht (.128/.209/.282).

Voraussichtliches Lineup
C Yan Gomes
1B Eric Thames
2B Starlin Castro
SS Trea Turner
3B Carter Kieboom
LF Juan Soto
CF Victor Robles
RF Adam Eaton

Voraussichtliche Rotation
RHP Max Scherzer
RHP Stephen Strasburg
LHP Patrick Corbin
RHP Anibal Sanchez
RHP Joe Ross
Key Relievers: Will Harris, Sean Doolittle

Wichtigster Zugang
2B Starlin Castro (Miami Marlins)

Wichtigster Abgang
3B Anthony Rendon (Los Angeles Angels)

Bestes Prospect
IF Carter Kieboom

Größte Stärke
Die Rotation: Max Scherzer, Stephen Strasburg, Patrick Corbin – das sind die Top-3, die sich mit einigem Recht als Hauptverantwortliche des Titelgewinns und als das beste Starter-Trio der Liga fühlen dürfen. Die Frage, die man sich gleichwohl stellen muss, ist, wie gut sie in der Lage sind, die körperliche Belastung des langen Oktobers wegzustecken.

Größte Schwäche
Die Farm: Prospect-Guru Keith Law von „The Athletic“ führt das Nachwuchssystem der Nationals auf Platz 29 von 30. Das ist keine tolle Aussicht für die Zukunft, aber es ist erklärbar, nachdem die Nationals die Früchte jahrelanger Arbeit abgeerntet und den erhofften Erfolg erzielt haben. Oder wie Law selbst es formuliert: „You don’t care, right, Nats fans? You got a ring! That’s what the farm is for, and Mike Rizzo and company worked the heck out of their system to get to that World Series.“

Spannendste Frage
Schlägt der Hangover zu? Seit 19 Jahren hat kein Team den höchsten Baseballtitel verteidigt. Neben der schon erwähnten körperlichen Anstrengungen einer World-Series-Saison sind auch die mentalen Effekte nicht zu vernachlässigen. Nach einem so hart erarbeiteten Erfolg fällt es wohl jedem ein bisschen schwer, jegliche Selbstzufriedenheit abzuschütteln und den gleichen großen Willen aufzubringen wie die noch hungrigen Konkurrenten.

Meine Prognose
Platz 3 in der NL East, Wild Card

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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Januar 30th, 2020 by Silversurger

Da war es nur noch einer: Outfielder Yasiel Puig ist von den diesjährigen Top-Free-Agents der letzte, der noch kein neues Team gefunden hat. Sein vorletzter Klub, die Cincinnati Reds, hat derweil mit Nicholas Castellanos gerade Puigs Nachfolger verpflichtet. Auch von den Managerposten, die im Zuge der Sign-Stealing-Affäre frei geworden waren, ist nur noch einer übrig. Nachdem sich letzte die Woche die New York Mets mit Luis Rojas einig wurden und diese Woche die Houston Astros mit Dusty Baker, sind nun allein die Boston Red Sox noch auf der Suche nach einem neuen Teamchef.

Dusty Baker neuer Manager der Astros
Die Houston Astros haben immer noch einen der stärksten Kader der Liga, doch es bleibt abzuwarten, wie das Team und sein Umfeld mit den Nachwirkungen des Sign-Stealing-Skandals umgehen. Den passenden Manager für diese Aufgabe dürften sie jedenfalls gefunden haben: Der 70-jährige Dusty Baker bringt jede Menge Routine und Erfahrung mit und ist zudem besonders dafür bekannt, einen guten Draht zu den Spielern sowie zu den Medien zu pflegen. Baker war zuletzt von 2016 bis 2017 bei den Washington Nationals tätig und führte diese zu starken Saisons mit 95 und 97 Siegen. Beide Male schieden die Nationals frühzeitig in den Playoffs aus, weshalb Bakers Vertrag nicht verlängert wurde. Jetzt kommt es zu einer interessanten Konstellation im Spring Training, denn Bakers alter und sein neuer Klub teilen sich einen gemeinsamen Trainingskomplex in West Palm Beach. Die Entscheidung für den neuen Manager wurde von Astros-Owner Jim Crane quasi im Alleingang getroffen, denn die Suche nach einem Nachfolger für Jeff Luhnow als General Manager läuft noch.

Diamondbacks machen das Rennen um Marte
Die Pittsburgh Pirates haben fast die ganze Offseason über geworben und verhandelt, um ihren Centerfielder Starling Marte möglichst gewinnbringend loszuwerden. Die Arizona Diamondbacks haben nun zugeschlagen und sich die Dienste des 31-Jährigen gesichert. Als Gegenleistung schicken sie die beiden Talente Liover Peguero und Brennan Malone sowie 250.000 Dollar ihres Budgets für internationale Spielerverpflichtungen nach Pittsburgh. Beide Teams geben mit diesem Deal ein klares Statement ab: die Diamondbacks, dass sie sich im Win-Now-Modus sehen – dafür sprachen bereits die Verpflichtung von Madison Bumgarner und der Nicht-Trade von Robbie Ray –, und die Pirates, dass sie sich auf ein langfristiges Rebuilding einstellen. Beide Spieler, die sie in dem Trade erhalten, gelten als sehr vielversprechende Prospects, sind aber erst 19 Jahre alt und somit noch ein ganzes Stück von einer Major-League-Karriere entfernt.

Reds holen Castellanos
Die Cincinnati Reds sind eines der am stärksten aufgerüsteten Teams dieser Offseason. Nach Trevor Bauer schon während der vergangenen Saison, Mike Moustakas, Wade Miley und Shogo Akiyama ist Nicholas Castellanos die nächste hochkarätige Neuverpflichtung. Man scheint es ernst zu meinen mit dem Ziel, zum ersten Mal seit sieben Jahren eine Saison mit positiver Bilanz und idealerweise die Playoffs zu erreichen. Der Vertrag mit Castellanos läuft vier Jahre lang mit einer beidseitigen Option auf ein fünftes Jahr. Das garantierte Gehalt beträgt 64 Millionen Dollar, für das optionale fünfte Jahr kämen noch mal 18 Millionen dazu. Zwei Ausstiegsklauseln ermöglichen Castellanos, nach den Saisons 2020 oder 2021 vorzeitig den Vertrag zu beenden.

Weitere Spielerverpflichtungen
Der Free-Agent-Markt ist inzwischen so weit abgegrast, dass jeder Spieler, der jetzt noch keinen MLB-Vertrag für die neue Saison hat – Yasiel Puig ausgenommen –, sich so langsam Sorgen machen beziehungsweise über Alternativen wie ein Minor-League-Engagement nachdenken muss. Folgende Akteure haben solche Sorgen im Laufe der letzten Tage hinter sich gelassen: RP Brandon Kintzler (Miami Marlins, 1 Jahr, 3,25 Millionen Dollar plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), 1B Mitch Moreland (Boston Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), 1B Ryan Zimmerman (Washington Nationals, 1 Jahr, 2-5 Millionen leistungsabhängig), RP David Phelps (Milwaukee Brewers, 1 Jahr, 1,5-3,4 Millionen plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), OF Steven Souza (Chicago Cubs, 1 Jahr, 1-3 Millionen), RP Jeremy Jeffress (Cubs, 1 Jahr, 850.000), OF Matt Joyce (Marlins, Vertragsdetails nicht veröffentlicht).

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Januar 21st, 2020 by Silversurger

Ihr wollt sie, ihr bekommt sie: Ich wurde mehrfach gefragt, ob es eine Fortsetzung der Serie über MLB-Stadien aus den letzten beiden Offseasons geben wird, und deshalb gibt es sie jetzt. Den Anfang für dieses Jahr macht der Ballpark des amtierenden World-Series-Champions Washington Nationals. Er trägt den nicht allzu phantasievollen Namen Nationals Park.

Geschichte
Die Entscheidung, die Montreal Expos nach Washington zu verlegen und die Franchise dort unter dem Namen Nationals fortzuführen, fiel Ende 2004, ein halbes Jahr vor dem Beginn der ersten Saison am neuen Standort. Zur gleichen Zeit begann auch die Planung für ein eigenes Stadion, das natürlich nicht innerhalb weniger Monate aus dem Boden zu stampfen war. Als Übergangslösung diente von 2005 bis 2007 das Robert-F.-Kennedy-Stadion, das in den 60er-Jahren schon Heimat der Washington Senators gewesen war.

Ein Bauplatz für den neuen Ballpark im Süden der Stadt am Fluss Anacostia wurde 2004 sehr schnell gefunden. Baubeginn war dennoch erst im Mai 2006, weil sich die Verhandlungen um die Finanzierung zwischen der Stadt, der Liga und der Deutschen Bank als wichtigstem Kreditgeber lange hinzogen. Der eigentliche Bau ging dann wiederum recht zügig vonstatten. Nach nicht mal zwei Jahren konnten die Nationals wie geplant in die neue Heimstatt einziehen.

Nationals Park während eines Spiels gegen die Giants 2011 (1)

Die Ehre des ersten Spiels im neuen Ballpark hatten am 22. März 2008 nicht die Nationals, sondern die College-Teams der George Washington University und der Saint Joseph’s University. Eine Woche später testeten die Nationals bei einem Freundschaftsspiel gegen die Baltimore Orioles zum ersten Mal ihr neues Feld, bevor am Tag danach, dem 30. März, das offizielle Eröffnungsspiel gegen die Atlanta Braves stattfand. Der damalige Präsident George W. Bush warf vor 39.389 Zuschauern den ersten Pitch. Den letzten Pitch des Spiels schlug Ryan Zimmerman im neunten Inning zum Walkoff-Homerun, durch den die Nationals 3:2 gewannen.

Kurz nach der Eröffnung, am 17. April 2008, besuchte der damalige Papst Benedikt XVI. den Ballpark. Er gönnte sich allerdings kein Spiel der Nationals, sondern hielt vor 47.000 Gläubigen seine eigene Veranstaltung ab. Sportliche Highlights der Stadiongeschichte waren das All-Star-Spiel 2018 und natürlich die drei Spiele der World Series 2019.

Architektonische Auffälligkeiten
Das Design des Stadions verantwortet Joe Spear, einer der Gründer des auf Ballparks spezialisierten Architekturbüros Populous. Spears erste Amtshandlung bestand darin, dem geplanten Bau eine komplett andere Richtung zu geben: Statt wie zunächst vorgesehen zum Fluss ließ er Nationals Park zur Stadt hin ausrichten, sodass man von den Zuschauerrängen in Richtung Kapitol schaute. Diese Aussicht ist mittlerweile allerdings weitgehend verbaut, nur aus einigen Ecken erheischt man noch einen Blick auf das Kapitol sowie auf das Washington Monument und die National Cathedral.

Nationals Park von oben (2)

Das Gebäude selbst ist ein modernes, relativ schnörkelloses Baseballstadion, dessen Außenfront an den Ostflügel der National Gallery of Art erinnern soll – ich muss zugeben, dass es mir schwerfällt, diese Ähnlichkeit zu erkennen. Weitere Anspielungen auf die Region und auf Washingtons Baseballgeschichte wurden dezent im Design untergebracht. Zum Beispiel ist der Backstop, also die Wand hinter der Homeplate, aus Blaustein gefertigt, einem für die Gegend typischen Baumaterial. Eine rechtwinklinge Zacke im rechten Teil des Centerfields erinnert an Griffith Field, das einstige Stadion der Washington Senators, welches damals um fünf Häuser und einen Baum herum gebaut werden musste.

Das Stadion wurde außergewöhnlich tief eingegraben, sodass das Spielfeld rund acht Meter unterhalb der Straßenebene der Umgebung liegt. Dadurch ist es möglich, dass mehr als die Hälfte der Zuschauer ihre Sitze erreichen kann, ohne Treppen, Aufzüge oder Rampen benutzen zu müssen.

Eine weitere Besonderheit von Nationals Park ist das 2011 angebrachte Schiffshorn – genauer gesagt handelt es sich um das Tauchhorn eines U-Boots –, das bei jedem Homerun und jedem Sieg der Nationals ertönt und an die Nachbarschaft des Stadions zur Marinewerft erinnert.

Spielbezogene Eigenheiten
Nationals Park ist hinsichtlich der Freundlichkeit gegenüber Pitchern oder Battern ein eher neutrales Stadion mit allenfalls leichter Tendenz zur Benachteiligung rechtshändiger Schlagmänner. Dass diese in Washington etwas seltener Homeruns schlagen als in durchschnittlichen MLB-Ballparks ist die einzige kleine Auffälligkeit in der Analyse der Parkfaktoren der Jahre 2014 bis 2018.

Eine Kuriosität stellt eine vermeintliche zweite Foullinie an der Wand links vom linken Foulpost des Stadions dar. Diese Linie markiert eine Stelle, an der zwischen dem Spielfeld und der Tribüne eine Lücke besteht. Die damit verbundene Groundrule besagt, dass ein Ball, der zuerst im Spielfeld und von dort zwischen der Foullinie und der zweiten Linie aufprallt, als „out of play“ und somit automatisches Double gewertet wird. Ein Ball, der aus dem Fair Territory auf die Linie oder links davon prallt, bleibt hingegen im Spiel.

Rechts im Bild die ungewöhnliche „zweite Foullinie“ links neben dem Foulpost. (3)

Wo sitzt man am besten?
Wie in jedem MLB-Stadion gibt es in Nationals Park zahlreiche verschiedene Preiskategorien sowie variierende Ticketpreise in Abhängigkeit von Tageszeit, Wochentag und natürlich der Attraktivität des Gegners.

Das Premium-Erlebnis bieten die Club-Seats in den Bereichen A bis D. Für je nach Spiel 300 bis weit über 1000 Dollar je Ticket bekommt man eine hervorragende Sicht von hinter der Homeplate inklusive Zugang zu einem opulenten Büffet sowie Getränken mit und ohne Alkohol.

Eine familienfreundliche Alternative sind die Blöcke 140 bis 143. Es handelt sich um Plätze ab ca. 30 Dollar im unteren Bereich der Tribüne des Rightfields, nah an der Family-Fun-Area und vielen Verpflegungsständen.

Ein wichtiges Kriterium beim Besuch von Nachmittagsspielen im Sommer ist die Frage, wo man am ehesten vor der prallen Sonne geschützt ist. Auf der Third-Base-Seite hat man am frühesten Schatten und muss nicht in die Sonne schauen. Es empfehlen sich hier insbesondere die günstigeren Plätze auf Ebene 400 oder die besseren auf Ebene 200 Höhe Infield.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Something Original (CC BY 3.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Carol M. Highsmith (Public Domain)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: baseballoogie (CC BY NC 2.0)

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Januar 9th, 2020 by Silversurger

Die besinnliche Zeit des Jahreswechsels ist offensichtlich vorbei, denn in den letzten sieben Tagen gab es wieder haufenweise Neuigkeiten aus der MLB, insbesondere in Form von Spielerverpflichtungen. Vor allem die Nationals waren sehr aktiv dabei, ihren Kader für das Projekt Titelverteidigung zu ergänzen.

Der Champion kauft ein
Die Washington Nationals scheinen sich angewöhnt zu haben, Verträge immer gleich in Bündeln auszugeben. Im Dezember waren es Stephen Strasburg, Yan Gomes und Howie Kendrick, die innerhalb von zwei Tagen neue Kontrakte mit ihrem Klub unterschrieben. Nach vier Wochen Funkstille gaben die Nationals nun gleich fünf weitere Verpflichtungen bekannt. Der Bullpen wird durch Rückkehrer Daniel Hudson (2 Jahre, 11 Millionen Dollar) sowie durch Will Harris (3 Jahre, 24 Millionen) gefestigt. Für das Middle Infield kommen Starlin Castro (2 Jahre, 12 Millionen) und Asdrubal Cabrera (1 Jahr, 2,5 Millionen) und als First Baseman wird Eric Thames (1 Jahr, 4 Millionen plus beidseitige Option für ein zweites Jahr) sich voraussichtlich die Rolle mit einem weiteren Spieler – evtl. Nats-Urgestein Ryan Zimmerman – teilen.

White Sox verlängern mit Robert, holen Cishek
Die Chicago White Sox sind nicht nur in dieser Woche, sondern schon in der gesamten Offseason sehr aktiv. Sie scheinen sich fest vorgenommen zu haben, in diesem Jahr den Schritt aus dem Rebuilding in die Konkurrenzfähigkeit zu vollziehen. Der neueste Helfer auf diesem Weg ist Reliever Steve Cishek. Der 33-Jährige Sidearm-Pitcher kommt vom Stadtrivalen Cubs und verstärkt den Bullpen der White Sox für die späten Innings. Sein Vertrag läuft zunächst ein Jahr und bringt ihm 6 Millionen Dollar ein, für die gleiche Summe kann der Klub die Option für ein weiteres Jahr ziehen.
Eine langfristige Investition tätigen die White Sox in ihr Centerfield-Prospect Luis Robert. Der 22-Jährige bindet sich für sechs Jahre an den Verein und bekommt dafür 50 Millionen; weitere 38 Millionen können hinzukommen, wenn die White Sox die Option für zwei zusätzliche Jahre in Anspruch nehmen. Es handelt sich um den höchstdotierten Vertrag, den je ein Spieler bekommen hat, bevor er in einem MLB-Spiel aufgetaucht ist. Ermutigt hat die White Sox vermutlich die Erfahrung mit Eloy Jimenez, der letztes Jahr ebenfalls außergewöhnlich früh einen langfristigen Vertrag bekommen und anschließend eine starke Rookie-Saison hingelegt hatte.

Weitere Spielerverpflichtungen
Neue MLB-Verträge haben außer den oben Genannten auch folgende Spieler bekommen: Relief Pitcher Craig Stammen (San Diego Padres, 2 Jahre, 9 Millionen Dollar plus 1 Jahr Klub-Option), Catcher Jason Castro (Los Angeles Angels, 1 Jahr, 6,8 Millionen), Catcher Robinson Chirinos (Texas Rangers, 1 Jahr, 6,75 Millionen plus 1 Jahr Klub-Option), Relief Pitcher Hector Rondon (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 4-5 Millionen einsatzabhängig plus 1 Jahr Klub-Option), Shortstop Jose Iglesias (Baltimore Orioles, 1 Jahr, 3 Millionen plus 1 Jahr Klub-Option), Starter/ Reliever Jimmy Nelson (Los Angeles Dodgers, 1 Jahr, 1,25-4,75 Millionen leistungsabhängig plus 1 Jahr beidseitige Option), Catcher Kevin Plawecki (Boston Red Sox, 1 Jahr, 900.000).

81 Spiele Sperre für Domingo German
Die New York Yankees werden noch lange auf Domingo German verzichten müssen. Der Starter wurde für 81 Spiele gesperrt, rückwirkend ab September 2019. Davon bleiben noch 63 Spiele Sperre zu Beginn der Saison 2020. Der 27-Jährige wird damit von der Liga für einen Fall von häuslicher Gewalt gegenüber seiner Lebensgefährtin bestraft. German hat die Sperre bereits akzeptiert, gerichtlich wird gegen ihn allerdings keine Anklage erhoben.

Neues zum Thema Sign Stealing
Im Hinblick auf die Vorwürfe gegen die Houston Astros, während der Meisterschaftssaison mit unerlaubten Mitteln Zeichen der gegnerischen Spieler ausspioniert zu haben, soll es bald zu einer Entscheidung der Liga kommen. Nach allem, was man hört, wird es wohl keine persönlichen Strafen geben, aber möglicherweise eine hohe Geldstrafe gegen den Klub und vielleicht noch weitere Konsequenzen wie den Verlust von Draftpicks.
Unterdessen wurden neue Vorwürfe laut, dieses Mal gegen die Boston Red Sox. Sie sollen 2018, also ebenfalls in ihrer Meisterschaftssaison, den Video-Analyseraum ihres Stadions genutzt haben, um den Gegnern unerlaubterweise auf die Finger zu schauen. Wenn sich die Anschuldigungen als stichhaltig erweisen, dürfte ein weiteres Verfahren durch die Ligaleitung ins Haus stehen. Dass die Champions von zwei aufeinanderfolgenden Jahren mit unsauberen Mitteln gearbeitet haben sollen, wirft ein betrübliches Licht auf den professionellen Baseball. Auffällig ist auch, dass in beiden Teams Alex Cora eine zentrale Rolle einnahm – 2017 als Bench Coach der Astros, 2018 als Manager der Red Sox.

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Dezember 12th, 2019 by Silversurger

In San Diego enden heute die Winter Meetings. Eigentümer, Manager, Scouts und sonstige Offizielle aller MLB- und Minor-League-Teams, dazu Ligavertreter, Spieleragenten und jede Menge Journalisten bevölkerten in den letzten Tagen das Hilton Bayfront Hotel und dessen Umgebung. Die Meetings haben dieses Jahr mit diversen großen Neuigkeiten ihren Ruf als Höhepunkt der Offseason untermauert. Neben der Bekanntgabe neuer Hall-of-Fame-Berufungen und des All-MLB-Teams gab es ein paar interessante Trades und jede Menge Vertragsabschlüsse. Allen voran kamen die drei dicksten Fische des Free-Agent-Pools – Gerrit Cole, Stephen Strasburg und Anthony Rendon – vom Markt. Insgesamt haben die MLB-Klubs innerhalb der sieben Tage seit dem letzten Grand Slam am Donnerstag Spielerverträge im Wert von knapp einer Milliarde Dollar vergeben.

Yankees locken Cole mit Rekordvertrag
Die New York Yankees haben bei ihren Bemühungen um Gerrit Cole großes Durchhaltevermögen bewiesen. Schon 2008 wollten sie ihn haben, wählten ihn in der ersten Draftrunde aus, doch Cole entschied sich damals gegen die frühe MLB-Karriere und für das College UCLA. Zehn Jahre später versuchten sie, ihn per Trade von den Pittsburgh Pirates zu holen, doch die Houston Astros machten das bessere Angebot. Beim dritten Versuch ist es nun endlich gelungen, das Ass in die Bronx zu locken. Erforderlich war dafür ein Vertragsangebot, das Cole zur teuersten Verpflichtung eines Pitchers aller Zeiten macht. 324 Millionen Dollar erhält der 29-Jährige über eine Laufzeit von neun Jahren. Das sind 36 Millionen pro Jahr und somit mehr als eine Million Dollar für jedes einzelne Spiel, das Cole für die Yankees absolvieren wird. Der Vertrag umfasst eine No-Trade-Klausel sowie eine Ausstiegsoption für den Spieler nach fünf Jahren. Die Yankees tragen somit das volle Risiko für den Fall, dass Cole seine zuletzt überragenden Leistungen im Laufe der neun Jahre irgendwann nicht mehr bringen sollte. Solange er sie bringt, ist er jedenfalls eine enorme Verstärkung.

Strasburg bleibt in Washington
Der zweite Top-Pitcher unter den diesjährigen Free Agents bleibt dort, wo er 2010 seine MLB-Karriere begonnen hat und wo er sie wohl auch beenden wird: Stephen Strasburg hat sich mit den Washington Nationals auf einen neuen Vertrag mit einer Laufzeit von sieben Jahren geeinigt. Das garantierte Gehalt für den amtierenden World-Series-MVP beträgt 245 Millionen Dollar, zudem sind diverse Boni für das Erreichen von Einzelawards vorgesehen und ein Trade ohne Zustimmung des Spielers ist vertraglich ausgeschlossen. Verlängerungs- oder Ausstiegsoptionen wurden nicht vereinbart.

Rendon wird ein Angel
Schon vor dem Abschluss mit Strasburg hatten die Nationals durchblicken lassen, dass sie sich finanziell höchstens einen ihrer beiden Top-Free-Agents – Antony Rendon oder eben Strasburg – leisten können. Für Rendon hieß das, dass er sich anderweitig umsehen musste. Er wurde schnell fündig: Es geht an die andere Küste der USA, zu den Los Angeles Angels. Der Third Baseman erhält dort im Wesentlichen den selben Vertrag wie sein ehemaliger Teamkamerad Strasburg in Washington: 245 Millionen Dollar über sieben Jahre, ohne Ausstiegsoption, mit No-Trade-Klausel. Mit Rendon und Mike Trout haben die Angels nun die beiden – nach jährlichem Durchschnittsgehalt – höchstbezahlten Positionsspieler der MLB in ihren Reihen.

Rays schicken Pham nach San Diego
Der interessanteste Trade der Woche wurde schon vor den Winter Meetings eingetütet: Die Tampa Bay Rays und die San Diego Padres tauschen zwei gestandene Outfielder und zudem eine Reihe von Prospects. Die Padres erhalten OF Tommy Pham sowie Minor-League-IF Jake Cronenworth, die Rays bekommen dafür OF Hunter Renfroe sowie Minor-League-SS Xavier Edwards und einen später zu benennenden Spieler. Der 31-jährige Pham ist definitiv der prominenteste Teil des Trades. Mit 13.6 fWAR über die letzten drei Jahre war er einer der effektivsten Outfielder der Liga in diesem Zeitraum. Dass er abgegeben wird, dürfte von Seiten der notorisch sparsamen Rays vor allem Kostengründe haben. Pham ist noch zwei Jahre unter Teamkontrolle, sein im Arbitration-Verfahren auszuhandelndes Gehalt wird für 2020 auf 8,6 Millionen Dollar prognostiziert.

Weitere Trades und Verpflichtungen
Den Rest der sehr aktiven Woche auf dem Spielermarkt gibt es im Telegrammstil: Neue MLB-Verträge vereinbart haben SP Kyle Gibson (Texas Rangers, 3 Jahre, 28 Millionen Dollar), SP Tanner Roark (Toronto Blue Jays, 2 Jahre, 24 Millionen), SP Michael Pineda (Minnesota Twins, 2 Jahre, 20 Millionen), SP Jordan Lyles (Rangers, 2 Jahre, 16 Millionen), SS Didi Gregorius (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 14 Millionen), SP Rick Porcello (New York Mets, 1 Jahr, 10 Millionen), RP Blake Treinen (Los Angeles Dodgers, 1 Jahr, 10 Millionen), SP Josh Lindblom (Milwaukee Brewers, 3 Jahre, 9-18 Millionen leistungsabhängig), SP Kevin Gausman (San Francisco Giants, 1 Jahr, 9 Millionen), RP Joely Rodriguez (Rangers, 2 Jahre, 5,5 Millionen plus Option für ein drittes Jahr), C Alex Avila (Twins, 1 Jahr, 4,25 Millionen), SP Michael Wacha (Mets, 1 Jahr, 3-10 Millionen leistungsabhängig), RP Junior Guerra (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 2,65 Millionen plus Option für ein zweites Jahr), RP Brad Brach (Mets, 1 Jahr, 850.000 plus Einsatzboni), RP Dan Winkler (Chicago Cubs, 1 Jahr, 750.000) und RP Kyle Finnegan (Nationals, 1 Jahr, Gehalt unbekannt).
Die Mets gönnen sich eine Ergänzung für das Outfield, indem sie CF Jake Marisnick von den Houston Astros holen. Für den Defensivspezialisten gehen zwei eher nachrangige Prospects – P Blake Taylor und OF Kenedy Corona – nach Houston.
OF Nomar Mazara wechselt zu den Chicago White Sox, die dafür OF-Prospect Steele Walker zu den Texas Rangers schicken.
Die Giants holen IF Zack Cozart und SS-Prospect Will Wilson von den Los Angeles Angels. Die Angels erhalten dafür keine direkte Gegenleistung – ihr Profit besteht darin, dass die Giants den teuren Vertrag des zuletzt sehr schwachen und häufig verletzten Cozart (12,167 Millionen für 2020) übernehmen.

Miller und Simmons kommen in die Hall of Fame
Marvin Miller und Ted Simmons werden in die Hall of Fame des Baseballs aufgenommen. Diese Entscheidung wurde während der Winter Meetings vom Modern Era Committee bekannt gegeben. Es handelt sich um eines der im jährlichen Wechsel tagenden Expertengremien, die über die quasi nachträgliche Aufnahme von Personen aus bestimmten historischen Zeiträumen befinden. Dieses Jahr war der Zeitraum von 1970 bis 1987 dran. Simmons war ein schlagstarker Catcher, der den Großteil seiner Karriere bei den St. Louis Cardinals verbrachte. Miller war ein langjähriger und äußerst einflussreicher Vertreter der Spielergewerkschaft MLBPA. Die offizielle Einführung von Miller und Timmons in die Ruhmeshalle wird am 26. Juli 2020 stattfinden – gemeinsam mit jenen Spielern, die von den Mitgliedern des Journalistenverbandes BBWAA gewählt und am 21. Januar bekannt gegeben werden.

Rule-5-Draft heute Abend
Ein integraler Bestandteil der Winter Meetings – und gleichzeitig ihr Abschluss – ist die sogenannte Rule 5 Draft. Es handelt sich um ein Verfahren, das verhindern soll, dass Teams übermäßig Talente horten und diese keine Chance auf MLB-Spielzeit haben: Spieler, die seit vier oder fünf Jahren in den Minor-Leagues sind und nicht den Sprung in den 40-Mann-Kader geschafft haben, können in der Rule-5-Draft von anderen Teams abgeworben werden. Wählbar sind nach diesen Kriterien Hunderte von Spielern, tatsächlich werden aber normalerweise insgesamt nicht mehr als 10-15 gepickt. Ein guter Teil von ihnen wird zudem im Laufe der Folgesaison zurück zum alten Team geschickt, denn das neue Team verliert seinen Anspruch auf den Spieler, sobald es ihn nicht das ganze Jahr über im MLB-Kader führt. Die Rule-5-Draft findet am heutigen Donnerstag ab 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit statt. Den ersten Pick haben die Detroit Tigers, gefolgt von den Baltimore Orioles und den Miami Marlins. Auf mlb.com wird es einen Audio-Livestream geben.

All-MLB-Team gewählt
Zum ersten Mal ließ die MLB dieses Jahr nach Saisonende ein All-MLB-Team wählen. Wer dabei ist, entschieden zu gleichen Anteilen die Fans per Internet-Abstimmung sowie ein Expertengremium. Hier ist es, das „Dream-Team“ der MLB-Saison 2019:

C J.T. Realmuto, Phillies
1B Pete Alonso, Mets
2B DJ LeMahieu, Yankees
3B Anthony Rendon, Nationals
SS Xander Bogaerts, Red Sox
OF Mike Trout, Angels
OF Cody Bellinger, Dodgers
OF Christian Yelich, Brewers
DH Nelson Cruz, Twins
SP Gerrit Cole, Astros
SP Justin Verlander, Astros
SP Jacob deGrom, Mets
SP Max Scherzer, Nationals
SP Stephen Strasburg, Nationals
RP Kirby Yates, Padres
RP Josh Hader, Brewers

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Oktober 31st, 2019 by Silversurger

Was für ein Wahnsinnsjahr für die Washington Nationals! Vor der Saison verloren sie in Bryce Harper ihren größten Star und nach zwei Monaten standen sie so mies da, dass ihre Playoff-Hoffnungen allgemein als totgesagt galten. Sie schafften es dann doch noch gerade so in die Postseason, kamen dort zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte eine Runde weiter, dann noch eine und noch eine – und finden sich plötzlich am Ziel aller Träume als Champion der MLB wieder. Den Schlussakkord setzte letzte Nacht ein 6:2-Comebacksieg über die Houston Astros in Spiel 7 einer komplett verrückten World Series, in der sämtliche Partien an das jeweilige Auswärtsteam gingen.

Die World Series
Vor einer Woche sah es bereits sehr gut für die Nationals aus, weil sie damals nach zwei Spielen in Houston 2:0 vorne gelegen hatten. Doch die Astros kämpften sich zurück, holten in Washington mit 4:1, 8:1 und 7:1 drei rundum überzeugende Siege. Das Momentum war zurück auf ihrer Seite und sie schienen drauf und dran, als erster Champion seit den Red Sox 2013 den Titelgewinn im eigenen Stadion feiern zu dürfen.

Dazu allerdings hätte es dann doch mal eines Heimsieges bedurft und der wollte einfach nicht passieren. In Spiel 6 entschied Stephen Strasburg zum zweiten Mal in dieser Serie das Pitcherduell für sich und verhalf seinen Nationals – gemeinsam mit ein paar gewaltigen Homeruns von Adam Eaton, Juan Soto und Anthony Rendon – zu einem 7:2-Erfolg. Strasburg wurde übrigens nach dem Abschluss der World Series zu deren wertvollstem Spieler gewählt und erhielt dafür einen schicken Sportwagen.

Spiel 7 sah ein weiteres beeindruckendes Pitching-Matchup: Zack Greinke, Cy-Young-Gewinner 2009, gegen Max Scherzer, Cy-Young-Gewinner 2013, 2016 und 2017. Dass es dazu kam, ist dem Wundermittel Cortison zu verdanken, denn durch eine entsprechende Behandlung war Scherzer rechtzeitig fit geworden, nachdem er seinen Start in Spiel 5 mit Nackenbeschwerden hatte absagen müssen. Beide Starter lieferten ein starkes Spiel, wobei Greinke zunächst den besseren Auftritt hatte: Er ließ in 6 Innings nur einen Hit und keine Runs zu, während Scherzer sich zweimal überwinden ließ – erst durch einen Homerun von Yuli Gurriel, dann durch einen von Nationals-3B Anthony Rendon ungünstig ablenkten RBI-Single von Carlos Correa.  Eben jener Rendon machte seinen Fehler wieder gut, indem er im siebten Inning einen Solo-Homerun gegen Greinke schlug. Für Greinke war kurz darauf der Arbeitstag beendet. Den Mound übernahm Will Harris, dessen zweiter Pitch von Howie Kendrick zum 2-Run-Homerun geschlagen wurde und somit den Nationals die Führung brachte, die sie nicht mehr hergaben. Durch Hits von Soto im 8. und Eaton im 9. Inning erhöhte Washington auf 6:2, während Patrick Corbin und Daniel Hudson den Astros keine Chance gaben, offensiv noch etwas zu bewegen.

Die sieben Auswärtssiege in einer Best-of-7-Serie sind übrigens eine Kuriosität, deren Einmaligkeit über den Baseball hinausgeht: Nicht nur in der MLB, sondern auch in den anderen großen US-Ligen mit solchen Serien – der Basketballliga NBA und der Eishockeyliga NHL – hat es so etwas bisher noch nie gegeben.

Szene der Woche
Klarer Fall, die Szene der Woche ist der Empfang der World-Series-Trophäe durch die Nationals:

Statistik der Woche
19-31. So lautete die Bilanz der Washington Nationals nach 50 Spielen in diesem Jahr. Das ist der schlechteste Record, mit dem je ein späterer World-Champion in die Saison gestartet ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie die World Series gewinnen, lag für die Nationals nach diesen 50 Spielen bei unter 0,1%.

Der Rest der Liga
Zwei Teams haben seit letzter Woche neue Field Manager verpflichtet: Die Philadelphia Phillies haben sich wie erwartet mit Joe Girardi geeinigt. Der ehemalige Meistercoach der New York Yankees ist nach zwei Jahren Pause zurück im Geschäft und strebt an, Bryce Harper & Co. zurück in die Erfolgsspur zu führen. Dorthin wollen auch die San Diego Padres mit Jayce Tingler. Der Nachfolger von Andy Green ist in diesem Job ein Neuling, bringt aber Erfahrungen aus verschiedenen Coaching- und Management-Rollen bei den Texas Rangers mit und hat die Verantwortlichen der Padres überzeugt, dass er das Team aufs nächste Level führen kann.

Mit den Padres, den Phillies, den Angels (Joe Maddon) und den Cubs (David Ross) ist nun die Hälfte der Teams, die einen neuen Manager gesucht haben, fündig geworden. Offen sind noch die Stellen bei den New York Mets, den Pittsburgh Pirates, den San Francisco Giants und den Kansas City Royals.

Ich hoffe, ihr schaut auch außerhalb der Saison immer mal wieder hier rein; im Grand Slam am Donnnerstag lest ihr auch in der Offseason jede Woche das Neueste rund um die MLB. Und bevor jemand fragt: Ja, es wird auch in diesem Jahr das traditionelle Baseblog-Offseason-Wunschkonzert geben. Der Artikel dazu geht innerhalb der nächsten Tage online.

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Oktober 24th, 2019 by Silversurger

Die World Series macht heute ihre erste – und vielleicht einzige – Reisepause. Die Washington Nationals sind sensationell in die Finalserie gestartet, haben beide Auswärtsspiele gewonnen und zwar ausgerechnet gegen Houstons Top-Starter Gerrit Cole und Justin Verlander. Die Nationals sind somit nur noch zwei Siege vom Gewinn der Meisterschaft entfernt und genießen in den nächsten drei Partien Heimvorteil.

Da in diesen Tagen sowieso jedes Spiel interessant und wichtig ist, verzichte ich heute auf die Kategorien „Spiel der Woche“ und „Einschalttipp“ und unterscheide auch nicht nach National League und American League. Stattdessen werfe ich neben der Übersicht zur World Series einen Blick darauf, was sich im Rest der Liga tut. Schließlich schlafen auch die 28 bereits ausgeschiedenen Teams nicht und einige von ihnen stellen gerade wichtige Weichen für die Zukunft.

Die World Series
Spiel eins war direkt ein Paukenschlag aus Sicht der Nationals. Seit Anfang Juli hatten die Astros kein Spiel mehr verloren, in dem Gerrit Cole der Starting Pitcher war. Die Nationals beendeten diese Serie mit einem 5:4-Sieg, bei dem alle fünf Runs gegen Cole gelangen. Die Astros hatten im ersten Inning eine 2:0-Führung vorgelegt und Washingtons Starter Max Scherzer wirkte ungewohnt wacklig, ließ aber für den Rest seiner fünf Innings keine weiteren Runs zu. Der Held auf Seiten der Nationals war einmal mehr der kommende Superstar Juan Soto. Der 20-Jährige trug drei Hits zum Erfolg seines Teams bei, darunter einen gewaltigen Homerun im zum 2:2 im vierten und einen 2-Run-Double an die Mauer zum 5:2 im fünften Inning. Gegen Washingtons Bullpen brachte George Springer die Astros durch einen Homerun und ein Double noch einmal heran, doch die Wende gelang nicht.

Das Ergebnis von Spiel zwei aus der vergangenen Nacht war mit 12:3 für die Nationals am Ende sehr deutlich, doch über weite Strecken war es eine spannende Partie. Justin Verlander und Stephen Strasburg ließen im ersten Innings je zwei Runs zu, ansonsten war es das erwartete Duell zweier Spitzen-Pitcher – bis im siebten Durchgang die Astros komplett implodierten. Nationals-Catcher Kurt Suzuki eröffnete mit einem Leadoff-Homerun, Victor Robles holte einen Walk heraus und damit war Verlanders Arbeitstag beendet. Star-Reliever Ryan Pressly übernahm, erwischte aber einen rabenschwarzen Tag und ließ weitere fünf Runs zu – drei davon gehen auf sein Konto, einer wegen des Walks noch auf das von Verlander und einer auf das von Third Baseman Alex Bregman, der uncharakteristische Schwächen im Fielding zeigte. Das Spiel war damit faktisch gelaufen, die Nationals legten im achten und neunten Inning noch drei Runs nach, bevor Martin Maldonado mit seinem Homerun zum 3:12 ein letztes bisschen Ergebniskosmetik betrieb.

Ab Freitagnacht gastiert die World Series für mindestens zwei Tage in Washington (drei, sofern die Astros wenigstens einmal gewinnen). Der wichtigste Unterschied zu den Spielen im Minute Maid Park ist, dass die Partien im Nationals Park Stadium ohne Designated Hitter gespielt werden und stattdessen die Pitcher Teil des Batting-Lineups sind. Das dürfte ein kleiner Vorteil für die Nationals sein, deren Pitcher das aus dem Alltag in der National League gewohnt sind.

Als Starting Pitcher werden in Spiel drei Zack Greinke für die Astros und Anibal Sanchez fur die Nationals antreten. Sanchez erhält den Vorzug gegenüber Patrick Corbin, weil Letzterer in Spiel eins als Reliever eingesetzt wurde. Voraussichtlich wird Corbin in Spiel vier starten, während die Astros entscheiden müssen, ob sie mit dem Rücken zur Wand Cole trotz verkürzter Erholungspause ein zweites Mal auf den Mound schicken.

Vorsicht beim Weckerstellen: Zwar beginnen nach amerikanischer Zeit auch die restlichen Partien der World Series jeweils ein paar Minuten nach 20 Uhr Eastern Time, aber weil wir in Europa am Wochenende die Uhr um eine Stunde zurück stellen, ergibt sich ab dem möglichen Spiel fünf für uns eine Änderung: Freitagnacht und Samstagnacht geht es jeweils um kurz nach 2 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit los, Sonntagnacht um kurz nach 1 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit.

Der Rest der Liga
Eine Woche, nachdem Joe Maddon einen neuen Arbeitsplatz als Manager der Los Angeles Angels gefunden hat, präsentieren die Chicago Cubs Maddons Nachfolger: David Ross soll ab sofort die Geschicke der Cubs lenken. Der 42-Jährige ist ein Neuling in diesem Job. Bis 2016 war er noch als Spieler für die Cubs im Einsatz und maßgeblich am Gewinn der World Series beteiligt. Im Anschluss daran beendete er seine Karriere und war seitdem als Assistenztrainer sowie als TV-Analyst aktiv.

Weiterhin auf der Suche nach einem neuen sportlich Verantwortlichen sind die Pittsburgh Pirates, die San Diego Padres, die New York Mets, die Philadelphia Phillies, die San Francisco Giants und die Kansas City Royals. Ein besonders heiß umworbener Kandidat für eine der freien Stellen ist Joe Girardi, der einst sehr erfolgreich bei den New York Yankees tätig war. Girardi hat vorgestern angekündigt, seine Entscheidung in 48 Stunden bekannt geben zu wollen – also heute. Als Favorit auf seine Unterschrift gelten die Phillies, Außenseiterchancen werden den Mets zugerechnet.

Falls Girardi zu den Mets geht, darf er dort mit dem amtierenden Rookie of the Year der National League arbeiten. Wie gestern bekannt wurde, ist Pete Alonso mit überwältigender Mehrheit von den amerikanischen Baseballjournalisten zum Träger dieses Titels gewählt worden. Auch in der American League war die Entscheidung deutlich: Dort ist Yordan Alvarez von den Houston Astros der Neuling des Jahres.

Szene der Woche
Man hat schon schönere Abschiede erlebt als den von C. C. Sabathia. Bei geladenen Bases im achten Inning musste er sich mit einer Schulterverletzung auswechseln lassen. Immerhin waren ihm stehende Ovationen und „CC, CC“-Rufe der heimischen Fans vergönnt, denn obwohl er es erst hinterher offiziell bestätigte, war in dem Moment für alle offensichtlich, dass man die letzten Pitches einer großen und bewegten Karriere gesehen hatte. 19 Jahre war er in der MLB aktiv, davon acht für die Cleveland Indians und elf für die New York Yankees mit einem kurzen Zwischenspiel bei den Milwaukee Brewers. 2007 gewann er bei den Indians den Cy-Young-Award, 2009 mit den Yankees die World Series, sechsmal wurde er ins All-Star-Team gewählt. Es gab aber auch einige verschenkte Jahre, in denen er mit verlorener Pitchgeschwindigkeit, häufigen Verletzungen und Alkoholproblemen zu kämpfen hatte. Dass er sich aus all dem zurück gekämpft und im relativ hohen Sportleralter einen zweiten Frühling erlebt hat, machte ihn zu einem Publikumsliebling. Symptomatisch für seine Einstellung ist der Satz, mit dem er seinen Abschied vom aktiven Baseball bekannt gab: „I threw until I couldn’t anymore.“

Statistik der Woche
10 von 13. In so vielen Fällen gewann ein Team, das nach zwei Auswärtsspielen mit 2:0 Siegen vorne lag, am Ende die World Series.

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Oktober 22nd, 2019 by Silversurger

Für die Houston Astros und die Washington Nationals ist der große Tag gekommen: Heute Nacht beginnt die World Series. Die Rollen sind in diesem Jahr klar verteilt: Die Astros waren mit 107 Siegen und einem Run Differential von +280 das stärkste Team der regulären MLB-Saison. Die Nationals haben mit 93 Siegen und +149 Runs zwar ebenfalls ein starkes Jahr gespielt, aber eben bei weitem kein so überragendes wie der Gegner. Nach katastrophalem Start und einer fulminanten Aufholjagd sind sie nur durch die Hintertür, sprich mit einer Wild Card, überhaupt in die Playoffs gekommen. Sie gehen als klarer Außenseiter in die Finalserie, doch das sind sie schon gewohnt: Sowohl in der NLDS gegen die Los Angeles Dodgers als auch in der NLCS gegen die St. Louis Cardinals traten die Nationals bereits als vermeintlicher Underdog an und triumphierten am Ende doch.

Die äußeren Faktoren halten sich ziemlich die Waage: Die Astros haben wegen ihrer besseren Bilanz aus der regulären Saison das günstigere Heimrecht (Spiele eins, zwei, sechs und sieben). Dafür gehen die Nationals ausgeruhter in die Endspiele, für die sie das Ticket bereits letzten Dienstag gebucht haben, während die Astros sich noch bis Samstagnacht mit den Yankees herumschlagen mussten.

Um ein besseres Bild über die Stärken und Schwächen der Kontrahenten zu bekommen, gehe ich Position für Position durch:

Starting Rotation
Beide Teams haben hier ihre herausragende Stärke. Die Trios aus Justin Verlander, Gerrit Cole und Zack Greinke (Astros) sowie aus Max Scherzer, Stephen Strasburg und Patrick Corbin (Nationals) sind die besten im Baseball. Ich sehe im Vergleich dieser dreiköpfigen Monster die Astros hauchdünn vorn. Anders sieht es aus beim Blick auf die Nummer vier der Rotationen. Die Nationals gehen mit Anibal Sanchez ins Rennen, der eine sehr solide Saison und eine noch bessere bisherige Postseason (nur ein Run in 12.2 Innings) abgeliefert hat. Den Astros fehlt ein verlässlicher vierter Starter, deswegen haben sie bereits Spiel 6 der ALCS als Bullpen-Game absolviert.
Unentschieden

Bullpen
Der Bullpen der Nationals  war in der regulären Saison die Achillesferse des Teams. Mit einem ERA von 5.68 war er der schlechteste der NL und zweitschlechteste der gesamten MLB (nach den Orioles mit 5.79). In den Playoffs konnte dieser Schwachpunkt bisher überspielt werden, allerdings auf Kosten eines sehr intensiven Einsatzes der Starter und der beiden Top-Reliever Daniel Hudson und Sean Doolittle. Sollte der Bullpen in der World Series stärker gefordert werden, kann dieses Gebäude schnell zusammen brechen. Die Astros sind hier deutlich breiter aufgestellt mit Roberto Osuna, Will Harris, Joe Smith und allen voran Ryan Pressly.
Vorteil Astros

Catcher
Robinson Chirinos (Astros) und Kurt Suzuki (Nationals) sind solide offensive Catcher. Chirinos bringt allerdings das deutlich bessere Defensivspiel mit und hat in Martin Maldonado einen soliden Backup. Die Nationals hingegen stehen täglich vor der Entscheidung, ob man Suzukis defensive Schwächen in Kauf nimmt oder stattdessen Yan Gomes aufstellt, der ein besserer Catcher, aber ein schwächerer Schlagmann ist.
Vorteil Astros

First Base
Ryan Zimmerman ist ein Urgestein der Nationals, doch die Leistungen des 35-Jährigen in seiner möglicherweise letzten Saison sind längst nicht mehr das, was sie mal waren. Dass Alter kein verlässliches Kriterium zur Leistungsvorhersage ist, beweist Zimmermans Gegenüber Yuli Gurriel: Er ist ebenfalls 35, spielt aber gerade die beste Saison seines Lebens.
Vorteil Astros

Second Base
Mit Brian Dozier oder Howie Kendrick ist die Position bei den Nationals solide besetzt, aber hier müssen wir uns nicht lange mit Erklärungen und Analysen aufhalten angesichts der Tatsache, dass für die Astros der großartige José Altuve spielt.
Vorteil Astros

Shortstop
Auf den ersten Blick ein interessantes Matchup zwischen Carlos Correa (Astros) und Trea Turner (Nationals), denn beide gehören offensiv zu den besseren Shortstops der Liga. Vergleichbare On-Base-Kompetenzen, etwas mehr Power von Correa, dafür stärkeres Baserunning von Turner könnten auf ein Unentschieden hinauslaufen. Doch wir reden von einer der wichtigsten Feldpositionen in der Defensive und in dieser Hinsicht hat Correa klar die Nase vorn.
Vorteil Astros

Third Base
Abgesehen von den Starting Rotations findet sich an der dritten Base das hochkarätigste Matchup. Anthony Rendon für die Nationals und Alex Bregman für die Astros gehören zu den besten Hittern der Liga, beide haben in der regulären Saison eine OPS von über 1.000 produziert und sind in der engeren Auswahl der MVP-Kandidaten in ihrer jeweiligen Liga. Im Defensivspiel sind beide gleichermaßen solide.
Unentschieden

Leftfield
Michael Brantley war die einzige nennenswerte Neuverpflichtung der Astros vor dieser Saison und er hat sich mit mit starken Leistungen nahtlos in das Team eingefügt. Der Vergleich geht dennoch klar an die Nationals, denn sie bieten mit Juan Soto einen der interessantesten Jungstars der Liga auf. Der 20-Jährige produziert in nahezu allen Offensivstatistiken bessere Werte als sein Counterpart und paart das Ganze mit einer ebenfalls überragenden Defensive.
Vorteil Nationals

Centerfield
Victor Robles ist der zweite der jungen Wilden, dank derer sich die Trauer um den Verlust von Bryce Harper bei den Nationals in Grenzen hält. Robles ist ein hervorragender Feldspieler, reicht allerdings offensiv nicht an seinen Nebenmann Soto heran – und auch nicht an George Springer, den Centerfielder der Astros. Springer ist der wohl beste Lead-Off-Hitter der Liga und gewinnt diesen Vergleich deutlich.
Vorteil Astros

Rightfield
Josh Reddick (Astros) und Adam Eaton (Nationals) sind sowohl defensiv als auch offensiv solide MLB-Spieler, nicht mehr und nicht weniger. Eaton kommt etwas häufiger auf Base und bringt etwas mehr Power mit, daher geht der Punkt hier an ihn.
Vorteil Nationals

Designated Hitter
Die Position des DH gibt es immer dann, wenn das Team aus der American League Heimrecht hat, dieses Mal also in den Spielen eins, zwei, sechs und sieben. Naturgemäß sind die Astros besser auf das Spiel mit DH eingestellt und Yordan Alvarez hat gerade eine fantastische Rookie-Saison gespielt. Allerdings ist Alvarez in den bisherigen Playoffs, insbesondere in der Serie gegen die Yankees, kaum etwas gelungen. Wenn sich das nur als kleines Zwischentief und nicht als veritabler Slump erweist, geht das Duell klar an die Astros. Für die Nationals dürften in den Auswärtsspielen entweder Ryan Zimmerman oder Howie Kendrick als DH antreten, während der jeweils andere die erste Base bemannnt.
Vorteil Astros

Fazit
Ich komme auf siebenmal Astros, zweimal Nationals und zweimal Unentschieden. Das ist keine große Überraschung und entspricht der klaren Favoritenstellung der Astros. Ich persönlich habe zwar traditionell Sympathien für Underdogs, mochte aber die Nationals nie besonders und drücke deshalb den Astros die Daumen. Vor allem aber wünsche und erwarte ich eine spannende Serie mit einem hoffentlich verdienten Sieger.

Heute Nacht um 2:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los mit Max Scherzer gegen Gerrit Cole. Allein wegen dieses Matchups lohnt es sich definitiv, eine Nachtschicht einzulegen. Zu sehen sind die Spiele auf mlb.tv und DAZN. Eine Liveübertragung im deutschen Free-TV gibt es dieses Jahr meines Wissens leider nicht.

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Oktober 17th, 2019 by Silversurger

Historisches Ereignis in Washington: Zum ersten Mal in der Klubgeschichte haben die Nationals die Meisterschaft der National League gewonnen und damit die World Series erreicht. Das umfasst nicht nur die 14 Jahre seit Ansiedlung der Franchise in Washington, sondern auch die 36 davor, in denen sie unter dem Namen Montreal Expos firmierte.

Außer Feiern heißt es für die Nationals jetzt erstmal warten. Während sie selbst mit den St. Louis Cardinals kurzen Prozess machten, liefern sich in der American League die New York Yankees und die Houston Astros ein spannendes Duell, das erst im Laufe des bevorstehenden Wochenendes entschieden wird.

National League
Als die Nationals nach 50 Spielen der regulären Saison nur 19 Siege auf dem Konto hatten und zehn Spiele von einem Playoff-Platz entfernt standen, gab niemand mehr einen Pfifferling auf sie. Doch das Team fing sich, arbeitete sich Schritt für Schritt hoch bis auf einen Wild-Card-Platz. Ein 4:3-Comebacksieg über die Milwaukee Brewers im Wild-Card-Spiel brachte sie in die NLDS. Dort überraschten sie die Baseball-Welt mit einem Duell auf Augenhöhe gegen die übermächtig erscheinenden Los Angeles Dodgers, welches Howie Kendrick mit einem Grand Slam im elften Inning des fünften Spiels entschied.

In der NLCS, der Finalserie um den Titel in der National League, wurden die St. Louis Cardinals und die Nationals als etwa gleich starke Gegner eingestuft. Doch wieder überraschten die Nationals, dieses Mal durch pure Dominanz. Gerade mal zwei Runs erlaubten die Pitcher der Nationals in den ersten drei Spielen der Serie, die Washington 2:0, 3:1 und 8:1 gewann. Im vierten Spiel kamen die Cardinals immerhin auf vier Runs, doch die interessierten kaum noch jemanden, nachdem die Nationals schon im ersten Inning eine 7:0-Führung vorgelegt hatten.

So findet die Cinderella-Story der Nationals also ihre Fortsetzung in der World Series. Am Dienstag geht es los, entweder in Houston oder in New York.

American League
Fast hätte man befürchten müssen, dass die Championship Series der American League genauso einseitig wird wie die der National League: 7:0 gewannen die New York Yankees das erste Spiel in Houston. Möglicherweise spielte dabei eine Rolle, dass die Yankees nach ihrem Sweep in der ALDS deutlich mehr Zeit hatten, sich auf den Gegner einzustellen. Am nächsten Tag jedenfalls fanden die Astros zurück ins Spiel und gewannen ein hochklassiges Duell durch Carlos Correas Walkoff-Homerun im elften Inning (siehe „Spiel der Woche“). Das dritte Spiel geht auf das Konto von Houstons Star-Pitcher Gerrit Cole. Cole hatte zwar ungewöhnlich viele Walks (5) und ungewöhnlich wenige Strikeouts (7), ließ aber letztlich in sieben Innings keinen Run zu und bereitete den Weg zu einem 4:1-Sieg der Astros in ihrem ersten Auswärtsspiel der Serie.

Spiel vier stand für gestern auf dem Programm, musste aber wegen schlechten Wetters um einen Tag verschoben werden. Daher werden heute und morgen Nacht die beiden restlichen Partien in New York stattfinden, bevor es – falls nötig – noch mal für bis zu zwei Spiele nach Houston geht, um die Best-of-7-Serie zu entscheiden. Der verlorene Tag wird wieder reingeholt, indem die Reisepause am Freitag gestrichen wird. Für die Astros könnte sich die Verschiebung als Vorteil erweisen, denn sie ermöglicht ihnen, in Spiel 5 Justin Verlander und in Spiel 6 gegebenenfalls Gerrit Cole starten zu lassen.

Szene der Woche 
Die unfreiwillige Pause durch den gestrigen Spielausfall ermöglichte, den Blick zwischendurch mal darauf zu richten, was sich außerhalb der Playoffs in der Liga tut. Einen besseren Zeitpunkt hätten die Los Angeles Angels kaum wählen können, um die Verpflichtung ihres neuen Managers zu verkünden. Es handelt sich in mehrerlei Hinsicht um einen alten Bekannten: Joe Maddon war bereits von 1975 bis 2005 in unterschiedlichen Rollen – Spieler, Scout, Trainer, Manager… – für die Angels tätig gewesen. Der Durchbruch als einer der höchstgeachteten Manager der Liga gelang ihm auf den weiteren Stationen in Tampa Bay und bei den Chicago Cubs, mit denen er 2016 die World Series gewann. Ich bin sehr gespannt darauf, ob Maddon es schafft, die in den letzten Jahren trotz Stützpfeilern wie Mike Trout und Shohei Ohtani immer wieder enttäuschenden Angels aus dem Tief zu führen.

Statistik der Woche 
17,8 Millionen Dollar. Das ist die Höhe eines Qualifying Offers für die MLB-Saison 2020. Ich erklär’s noch mal kurz: Ein Qualifying Offer kann ein Klub einem Spieler unterbreiten, dessen Vertrag ausgelaufen ist – vorausgesetzt, er hatte noch nie vorher ein solches erhalten und er stand in der vergangenen Saison durchgängig bei dem Klub unter Vertrag. Das Angebot hat eine vorgegebene Dauer – ein Jahr – sowie eine jedes Jahr neu bestimmte Höhe. Das Besondere an diesem Angebot: Wenn der Spieler es ablehnt und anderswo unterschreibt, muss der neue Verein dem abgebenden Klub eine Kompensation in Form von Draftpicks bezahlen. Das Besondere an der Höhe der Summe: Zum ersten Mal seit seiner Einführung im Jahr 2012 ist der Wert des Qualifying Offers leicht gesunken. Was sich darin widerspiegelt, ist die Zurückhaltung der Teambesitzer in der Free Agency der beiden vergangenen Jahre, denn das Qualifying Offer errechnet sich als Durchschnittssumme der Gehälter der 125 bestbezahlten MLB-Spieler.

Spiel der Woche 
Ein einziger Schwung mit dem Schläger kann nicht nur einem Spiel, sondern einer ganzen Serie, vielleicht sogar einer ganzen Saison eine neue Richtung geben. Der Schwung von Carlos Correa zum Walkoff-Homerun in Spiel zwei der ALCS war so einer, denn er brachte die Houston Astros zurück ins Rennen um die World Series.  Mit zwei verlorenen Heimspielen wären die Astros nicht ausgeschieden, doch sie hätten vor der riesigen Herausforderung gestanden, zwei von drei Spielen in New York gewinnen zu müssen. Dank Correa gingen sie mit einem Serien stand von 1:1 auf die Reise und liegen inzwischen sogar 2:1 in Front. Dass Correa überhaupt die Möglichkeit hatte, im elften Inning den siegbringenden Ball zu schlagen, war natürlich das Verdienst des gesamten Team, vor allem aber von Starter Justin Verlander, dem Bullpen der Astros und auch von Correa selbst. Denn im sechsten Inning hatte er mit einer hervorragenden Defensiv-Aktion D. J. LeMahieu an der Homeplate ausgeworfen und damit fünf Innings vor seiner großen Heldentat einen Rückstand verhindert.

Mein Einschalttipp
O. K., jetzt ist es endgültig witzlos geworden, an dieser Stelle einen Tipp zu geben, welches Spiel ihr anschauen sollt. Es läuft dieses Jahr an keinem Tag mehr mehr als ein Spiel und jede Partie ist so interessant und wichtig, dass man sie sich als Baseballfan anschauen sollte, sofern man die Zeit aufbringen und das Schlafdefizit verkraften kann. Alle verbleibenden Spiele der ALCS sowie die World Series könnt ihr auf mlb.tv oder auf DAZN verfolgen. Ob es auch eine Übertragung im Free-TV geben wird, ist mir bislang nicht bekannt. Wenn jemand dazu etwas weiß, freue ich mich auf einen Hinweis.

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Oktober 10th, 2019 by Silversurger

Die Divisional-Serien der MLB-Saison 2019 geizen nicht mit Highlights. Einzig zwischen den New York Yankees und den Minnesota Twins war es eine sehr einseitige Angelegenheit, während in allen drei anderen Serien ein entscheidendes fünftes Spiel nötig wurde. Die bislang größte Überraschung gelang den Washington Nationals, die als Wild-Card-Team und klarer Außenseiter die Los Angeles Dodgers aus dem Rennen warfen. In der kommenden Nacht haben die Tampa Bay Rays die Chance, es gegen die Houston Astros den Nationals gleichzutun.

American League
Die New York Yankees haben sich zum großen Favoriten auf die Meisterschaft aufgeschwungen. Von vier MLB-Teams, die mit über 100 Siegen aus der regulären Saison in die Playoffs gingen, sind neben ihnen nur noch die Houston Astros dabei. Diese müssen allerdings gegen die Tampa Bay Rays nachsitzen. Nach Heimsiegen der Astros in den ersten beiden Partien sah es nach einem lockeren Durchmarsch des Favoriten aus. Aber weit gefehlt, die Rays kamen zurück, glichen auf 2:2 aus und gehen nun mit einer ordentlichen Portion Momentum in das Entscheidungsspiel. Selbst wenn die Astros die Serie noch gewinnen sollten, bringt sie der bis dahin nötige Kraftaufwand ins Hintertreffen gegenüber den Yankees. Diese genießen drei zusätzliche Ruhetage und gehen mit voll regeneriertem Pitching Staff in die American League Championship Series (ALCS).

Verdient haben sich die Yankees die Ruhetage, indem sie die Minnesota Twins innerhalb der Mindestzahl von drei Partien abfertigten. 10:4, 8:2 und 5:1 waren die Resultate der Spiele, in denen für die Yankees fast alles, für die Twins hingegen fast nichts funktionierte. Minnesotas deutscher MLB-Star Max Kepler blieb wie der Rest seines Teams blass, holte lediglich ein paar Walks heraus und brachte es auf keinen Hit.

Die ALCS beginnt Samstagnacht um 2:08 Uhr unserer Zeit. Das Heimrecht in den ersten beiden Spielen haben die Astros, wenn sie weiterkommen, beziehungsweise die Yankees, falls ihr Gegner die Rays sind.

National League
In der NL schien es die ganze Saison über ausgemachte Sache zu sein, dass die Los Angeles Dodgers zum dritten Mal hintereinander in die World Series stürmen. Sie waren mit 106 Siegen mit Abstand das stärkste Team, fuhren die meisten Runs ein und ließen die wenigsten gegnerischen Runs zu. Die Washington Nationals, über die Hintertür des Wild-Card-Spiels qualifiziert, sollten für die Dodgers nur eine Zwischenstation sein auf dem Weg zum großen Ziel, endlich den Titel zu holen. Genau danach sah es nach Spiel eins, einem souveränen 6:0 der Dodgers, auch aus. Doch vielleicht war man sich der Sache zu sicher und unterschätzte die Nationals. Die jedenfalls gewannen die Spiele zwei und vier und letzte Nacht auch das spannende Spiel fünf (siehe „Spiel der Woche“). Für die Nationals ist der Einzug in die NLCS der größte Erfolg ihrer seit erst 14 Jahren währenden Teamgeschichte. Bei den Dodgers wird derweil in den nächsten Tagen und Wochen Krisenstimmung herrschen. Es würde mich sehr überraschen, wenn Dave Roberts beim nächsten Grand Slam am Donnerstag noch ihr Manager ist.

Der Gegner der Nationals in der NLCS sind die St. Louis Cardinals. Auch ihr Vordringen bis zu diesem Punkt ist eine Überraschung. Durch eine furiosen Aufholjagd in den letzten Wochen der Saison haben sie die Chicago Cubs und die Milwaukee Brewers auf dem Weg zum Gewinn der NL Central abgefangen. In der NLDS ließen sie zweimal die Atlanta Braves vorlegen, um jeweils im nächsten Spiel die Serie auszugleichen. In Spiel fünf hingegen ließen die Cardinals nie Zweifel aufkommen: Noch bevor die Braves vor ihrem heimischen Publikum zum ersten Mal an die Platte traten, führten die Gäste bereits mit zehn Runs (siehe „Szene der Woche“), am Ende gewannen die Cards 13:1.

Die NLCS zwischen den Cardinals und den Nationals beginnt Freitagnacht um 2:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit. St. Louis hat Heimrecht in den Spielen eins, zwei, sechs und sieben der Best-of-7-Serie.

Szene der Woche 
Nichts war diese Woche so beeindruckend wie das erste Inning der St. Louis Cardinals in Spiel fünf der NLDS gegen die Atlanta Braves. Zehn Runs hatte in der Geschichte der MLB-Playoffs noch nie ein Team im ersten Durchgang erzielt – bis die Cardinals gestern genau das taten. Besonders erstaunlich finde ich, dass ihnen das in diesem an Homerunrekorden reichen Jahr ohne einen einzigen Homerun gelungen ist. Vier Walks, drei Doubles, zwei Singles, ein Sacrifice Bunt, ein Error und ein Wild Pitch summierten sich zu der frühen Vorentscheidung des Spiels.

Statistik der Woche 
16. So viele Playoffspiele haben die Minnesota Twins hintereinander verloren – ein Rekord, auf den sie sicher liebend gern verzichten würden. Seit mittlerweile 16 Jahren hält die Durststrecke an. Der größte Spielverderber für die Twins waren immer wieder die Yankees, welche für 13 der 16 Niederlagen verantwortlich waren.

Spiel der Woche 
Das erste Spiel fünf der letzten Nacht war zwar im ersten Inning sensationell, ansonsten aber ein Langweiler. Ganz im Gegensatz zu der darauf folgenden Partie zwischen den Dodgers und den Nationals. Auch hier gab es eine frühe Führung, 2:0 nach einem und 3:0 nach zwei Innings für die favorisierten Dodgers. Doch Nationals-Starter Stephen Strasburg fand in seinen Rhythmus und hielt das Spiel offen, indem er im Rest seiner sechs Innings nichts mehr zuließ. Der mit Patrick Corbin verstärkte Bullpen steuerte weitere fünf saubere Innings bei und ermöglichte so das Comeback. Dieses gelang ausgerechnet gegen Clayton Kershaw, der sich als Reliever im achten Inning Homeruns von Anthony Rendon und Juan Soto einschenken ließ. Mit 3:3 ging das Spiel ins Extra-Inning, in welchem die größte Stunde in der langen Karriere von Howie Kendrick schlug: Nach einem Walk von Adam Eaton, einem Double von Rendon und einem Intentional Walk von Soto kam der Routinier gegen Joe Kelly an den Schlag und beförderte den zweiten Pitch zum Grand Slam über das Centerfield. Sean Doolittle besiegelte den 7:3-Sieg der Nationals mit einem perfekten zehnten Inning gegen AJ Pollock, Max Muncy und Justin Turner. Eine Schrecksekunde gab es im siebten Inning: Nationals-Catcher Kurt Suzuki wurde von einem Pitch von Walker Buehler an der Hand getroffen, von dort sprang der Ball nach oben und schlug ihm den Helm von Kopf. Suzuki ging zu Boden, konnte aber nach kurzer Behandlung selbstständig vom Feld gehen und war beim Feiern nach dem Spiel schon wieder mit von der Partie.

Mein Einschalttipp
Die Divisional-Runde ist noch nicht vorbei: Heute Nacht ab 1:07 Uhr mitteleuropäischer Zeit kommt es in Houston zum Showdown zwischen den Astros und den Tampa Bay Rays. Tyler Glasnow (1.78 ERA, 2.26 FIP) für die Rays und Gerrit Cole (2.50 ERA, 2.64 FIP) für die Astros bilden ein hochwertiges Pitching-Matchup in der Partie, deren Gewinner in die ALCS gegen die Yankees einzieht. Das Spiel könnt ihr sowohl auf DAZN als auch über mlb.tv verfolgen.

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