November 27th, 2018 by Silversurger

An der 161st Street im New Yorker Stadtteil Bronx steht der Ballpark, der dieses Jahr in der MLB die (nach Dodger Stadium) zweitmeisten Besucher begrüßen durfte. Er beherbergt die erfolgreichste Franchise der Baseball-Geschichte: die New York Yankees.

Geschichte
Yankee Stadium ist einer der neuesten Ballparks der Liga, allerdings wird das vom nur halb interessierten Beobachter schnell übersehen. Es besteht nämlich akute Verwechslungsgefahr mit dem alten Stadion der Yankees, das den gleichen Namen trug, an fast der gleichen Stelle stand und dem neuen architektonisch sehr ähnelte.

Das 1923 eröffnete alte Yankee Stadium war das erste eigene Stadion der Yankees, die sich bis dahin die Polo Grounds mit den New York Giants geteilt hatten. Leisten konnten sich die Yankees den Bau nicht zuletzt deshalb, weil sie in den Jahren zuvor zu New Yorks erfolgreichstem Klub aufgestiegen waren und den Giants auch bei den Zuschauerzahlen den Rang abgelaufen hatten. Für beide Entwicklungen spielte Superstar Babe Ruth eine große Rolle. Man nannte das Stadion deshalb auch gerne „the house that Ruth built“.

Das alte Yankee Stadium (1923-2008) (1)

Eine umfangreiche Renovierung 1974/75 verlängerte die Lebensdauer des Ballparks, doch schon ab Beginn der 1980er Jahre warb Teambesitzer George Steinenbrenner immer wieder für einen Neubau. Das tat er lange ohne Erfolg, weil er weder in New York noch am Alternativstandort in New Jersey die Zustimmung zu der nötigen öffentlichen Finanzierung fand. Doch steter Tropfen höhlt den Stein: 20 Jahre später hatte Steinenbrenner die Verhandlungen mit dem New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani kurz vor dem Ende von dessen Amtszeit so weit getrieben, dass sein Nachfolger Michael Bloomberg aus den Zusagen nicht mehr heraus kam, obwohl er es versuchte. Mit Gesamtkosten von 2,3 Milliarden Dollar, davon 1,2 Millarden öffentliche Gelder, ist das von 2006 bis 2008 erbaute Yankee Stadium bis heute das teuerste Stadion der Welt.

Sportlich war der Neueinzug ins Stadion für die Yankees immer ein Garant für schnelle Erfolge: 1923 gewannen sie im frisch erbauten Yankee Stadium ihre erste World Series, 2009 im neuen Yankee Stadium ihre 27. und bisher letzte. 1976, als sie nach zwei Jahren Umbau zurück in ihr Stadion durften, erreichten sie zumindest die Finalserie und in den beiden Folgejahren holten sie jeweils den Titel. Es mag überraschen, dass das zehn Jahre alte Stadion bisher noch nie Gastgeber des All-Star-Games sein durfte. Das liegt vor allem daran, dass der alte Ballpark diese Ehre 2008 zum Abschied hatte, sodass die Yankees nun eben wieder eine Weile warten müssen, bevor sie das nächste Mal an die Reihe kommen.

Außer Baseball finden im Yankee Stadium auch regelmäßig die Fußballspiele des New York City FC sowie gelegentlich College Football und Konzerte statt.

Das neue Yankee Stadium (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Das neue Yankee Stadium ist im Kern selbstverständlich ein hochmoderner Ballpark mit diversen Annehmlichkeiten. Doch bei der äußeren Gestaltung wurde sehr viel Wert darauf gelegt, Vorbilder aus dem alten Stadion aufzugreifen. Die Fassade soll der des Urzustands des ersten Yankee Stadium von 1923 möglichst ähnlich sehen und auch die bordürenartige Verzierung am Dach wurde aus dieser Zeit kopiert.

Im Centerfield steht eine moderne Videowand, doch im linken und rechten Outfield wurden zusätzlich manuell betriebene Anzeigetafeln angebracht, an den selben Stellen wie im alten Stadion. Auch die zwei Einschnitte im Stadionrund, durch die man die vorbeifahrenden Subway-Züge sehen kann, wurden beim Neubau übernommen.

Panorama-Ansicht von Yankee Stadium aus dem Outfield (3)

Das Innenleben des neuen Yankee Stadium ist Geschmackssache, um nicht zu sagen: Mir gefällt es nicht. Die große Halle im südlichen Teil ist schon nicht besonders schön, aber zumindest geräumig. Beim Versuch, das Stadion zu umrunden, gerät man hinter dem Outfield zwangsläufig in sehr düstere Betonkanäle. Zu den höher gelegenen Tribünen führen statt offener Treppen, wie sie in den meisten anderen neueren Stadien üblich sind, endlose rundum geschlossene Betonrampen.

Die große Halle im südlichen Innenbereich des Stadions (4)

Spielbezogene Eigenheiten
Die Feldmaße des neuen Yankee Stadium sind nahezu identisch mit denen des alten: Mit Foul-Linien von 318 Fuß (97 Meter) im Leftfield und 314 Fuß (96 Meter) im Rightfield sowie einem 408 Fuß (124 Meter) tiefen Centerfield gehört der Ballpark zu den kleineren in der MLB und ermöglicht entsprechend viele Homeruns.

Das spiegelt sich auch in den Ballpark-Faktoren wieder, denen zufolge Yankee Stadium mehr Hits, mehr Runs und mehr Homeruns zulässt als die meisten anderen Stadien. Doubles und Triples kommen hingegen seltener vor als im MLB-Durchschnitt – auch das ist eine typische Beobachtung in eher kleinen Ballparks.

Wo sitzt man am besten?
New York ist generell ein teures Pflaster und das merkt man auch beim Kauf von Baseballtickets. Aufgrund der ungebrochenen Popularität der Yankees ist das Stadion häufig ausverkauft, sodass man Tickets oft nur mit großem zeitlichem Vorlauf oder aber über die gängigen Weiterverkaufs-Plattformen erhält.

Man kann das Spiel in Yankee Stadium von fast jedem Sitz gut verfolgen, am besten natürlich von den Plätzen auf der unteren Ebene rund um die Homeplate. Für solche Sitze muss man in aller Regel mit Preisen von mehreren hundert Dollar rechnen. Eine Ebene höher ist die Sicht fast genauso gut und der Preis pro Ticket deutlich geringer, aber immer noch dreistellig.

Blick von der Homeplate-Seite aus (5)

Ein Schnäppchen kann man in Yankee Stadium machen, indem man mit einem Platz auf den Bleachers, also den unüberdachten Outfield-Tribünen vorlieb nimmt. Ab 15 Dollar kann man hier ein Ticket bekommen, wenn es nicht gerade gegen die Red Sox oder die Mets geht. In den Blöcken 201 und 239 fangen die Preise sogar bei 5 Dollar an – allerdings nur, weil das die Blöcke sind, aus denen die Sicht auf einen Teil des Feldes beschränkt ist.

Meine Empfehlung sind Plätze entlang der First-Base- und Third-Base-Linie auf der dritten oder vierten Ebene. Hier findet sich ein meiner Ansicht nach sehr annehmbarer Kompromiss aus einem guten Überblick aus der Vogelperspektive und auch mit Familie noch erschwinglichen Preisen von ungefähr 30 bis 70 Dollar pro Karte.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Severin St. Martin (CC BY SA 2.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Groupe Canam (CC BY SA 3.0)
(3), (4), (5) Eigene Aufnahmen

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Februar 20th, 2018 by Silversurger

Dies ist der vorerst letzte Teil meiner kleinen Serie über die Ballparks der MLB. Da es noch viele interessante Stadien gibt, die ich bisher nicht besprochen habe, habe ich fest vor, die Serie in der nächsten Offseason fortzuführen. Zum vorläufigen Abschluss stelle ich heute noch mal eines der leider viel zu wenigen MLB-Stadien vor, die ich selbst schon besucht habe: Citi Field, die Heimat der glorreichen Mets im New Yorker Stadtteil Queens.

Ab nächster Woche wird sich hier auf Baseblog.de alles um die neue Saison drehen. Vor allem gibt es dann wie letztes Jahr wieder 30 Tage lang täglich eine Team-Vorschau.

Geschichte
Die New York Mets gibt es zwar erst seit 1962, aber Citi Field ist bereits ihr drittes Stadion: In den ersten beiden Jahren spielten die Mets in den Polo Grounds, dem früheren Ballpark der nach San Francisco umgezogenen New York Giants in Manhattan. 1964 wurde die erste eigene Heimspielstätte fertig, Shea Stadium im Flushing-Meadows-Park in Queens.

Luftaufnahme von Shea Stadium1

Das runde Shea Stadium war ein schöner und durchaus beliebter Ballpark, doch nach 44 Jahren hatte es seine Schuldigkeit getan und konnte von der Infrastruktur (Restaurants, Geschäfte, sanitäre Einrichtungen, Logen etc.) her nicht mehr mit modernen Stadien mithalten. Aus diesem Grund wurde beschlossen, gleich nebenan ein neues Stadion zu bauen. Die Finanzierung von über 600 Millionen Dollar wurde zu gut zwei Dritteln von den Mets getragen, wobei ein Großteil davon durch den Verkauf der Namensrechte an die Citigroup über 20 Jahre für 20 Millionen Dollar pro Jahr hereingeholt wurde. Den Rest des Geldes steuerten die Stadt und der Staat New York bei.

Der Bau konnte so geplant und umgesetzt werden, dass die Mets direkt von Shea Stadium nach Citi Field umziehen konnten, ohne dass eine Zwischenlösung nötig wurde: Citi Field wurde auf Sheas ehemaligem Parkplatz (im obigen Foto rechts neben dem Stadion) gebaut, nach der Eröffnung wurde Shea abgerissen und machte seinerseits einer Parkfläche Platz.

Das Eröffnungsspiel fand am 13. April 2009 zwischen den New York Mets und den San Diego Padres statt. Die Mets wurden ihrem Ruf als der liebenswerte Tollpatsch unter den MLB-Franchises gerecht, indem sie San Diegos Jody Gerut gleich im ersten At Bat den ersten Home Run erlaubten und das Spiel 5:6 verloren. Sportliche Highlights, die Citi Field in seiner erst neunjährigen Geschichte erlebt hat, waren das All-Star-Game 2013, drei Spiele der World Series 2015 sowie der bislang einzige No-Hitter in der Teamgeschichte der Mets durch Johan Santana am 1. Juni 2012.

Architektonische Auffälligkeiten
Citi Field ist ein liebevoll gestalteter Ballpark voller Anspielungen und Anlehnungen: Außen ist das Stadion sichtbar von Ebbets Field, der historischen Heimat der Brooklyn Dodgers, inspiriert. Das zeigt sich insbesondere am Haupteingang mit der von zahlreichen Bögen bestimmten Klinker- und Kalksteinfassade sowie der Jackie-Robinson-Rotunde, die man auf dem Weg ins eigentliche Stadioninnere duchquert. Beim Innendesign wurde viel vom einige Jahre zuvor ebenfalls vom Architekturbüro Populous geplanten PNC Park aufgegriffen. Zudem sind Brücken ein durchgängiges Motiv in Citi Field – dies spielt darauf an, dass New York City viele Brücken hat, dass die Mets eine Brücke in ihrem Logo aufweisen und dass die Mets sich seit ihrer Gründung als Brücke zu den New Yorker National-League-Teams der Vergangenheit – den Dodgers und den Giants – verstehen.

Citi Field mit der an Ebbets Field erinnernden Frontansicht2

Ein paar charakteristische Merkmale wurden aus dem Vorgänger Shea Stadium übernommen. Eines davon sind die in der MLB einzigartigen organgefarbenen Foul-Pfosten – in allen 29 anderen Stadien der Liga sind die Pfosten gelb. Eine weitere Tradition von Shea Stadium ist der „Big Apple“, ein großer roter Apfel, der hinter dem Center Field emporsteigt, wenn die Mets einen Homerun schlagen. Der Originalapfel aus dem alten Stadion steht heute als beliebtes Fotomotiv vor dem Eingang von Citi Field, innen hat ein mehr als viermal so großer Nachfolger den Job übernommen.

Ein willkommener Anblick für jeden Mets-Fan3

Ein im Jahr 2012 nachträglich hinzugefügtes Feature des Ballparks ist der ursprünglich Party City Deck genannte schmale Sitzplatzbereich über der Leftfield-Mauer. Möglich wurde diese kleine Erweiterung, die nach einem Sponsorenwechsel nun M&M Sweet Seats heißt, dadurch, dass das Feld an der Stelle etwas verkleinert wurde, um mehr Homeruns zu ermöglichen.

Spielbezogene Eigenheiten
Citi Field wurde mit Spielfelddimensionen gebaut, die nahezu identisch mit denen von Shea Stadium waren und das neue Stadion ebenso wie das alte zu einem pitcherfreundlichen Ballpark machten. Die Vereinsführung entschied zweimal, 2012 und 2015, die Outfield-Distanzen um ein paar Fuß zu verkürzen, um die Tendenzen des Stadions etwas ausgwogener zu gestalten. Aktuell misst die Spielfläche bis zu 408 Fuß (124 Meter) im Centerfield, 335 (102 Meter) bis 370 Fuß (113 Meter) im Leftfield und 330 (101 Meter) bis 380 Fuß (116 Meter) im Rightfield.

Trotz der Anpassungen ist Citi Field laut den Ballpark-Faktoren von ESPN für die Saison 2017 immer noch das fünftschlechteste Stadion der Liga, was Runscoring insgesamt betrifft, das drittschlechteste für das Erzielen von Homeruns und das schlechteste für das Erzielen von Hits im Allgemeinen. Wobei sich das Attribut „schlecht“ nur auf die Sicht der Batter bezieht; für Pitcher hingegen ist Citi Field ein sehr angenehmer Arbeitsort.

Wo sitzt man am besten?
New York ist ein teures Pflaster, das merkt man auch den Eintrittspreisen von Citi Field deutlich an. Für die richtig guten Plätze – nicht zu hoch und hinter der Homeplate oder den Baselines gelegen – zahlt man meist dreistellige Beträge, bei attraktiven Gegnern oder Terminen ist man schnell im hohen dreistelligen Bereich. Das unten stehende Foto stellt die Sicht aus einem Bereich der Kategorie „Metropolitan Bronze“ dar, die je nach Spiel zwischen 82 und 268 Dollar kostet. Kann man mal machen, aber gerade wenn man mit Familie unterwegs ist, schlägt hier finanziell schnell ein kleiner „Urlaub im Urlaub“ zu Buche.

Sitzkategorie Metropolitan Bronze4

Dank der modernen Bauweise kann man in Citi Field nahezu bedenkenlos auch günstigere Plätze wählen, die Sicht ist fast überall sehr gut. Vermeiden sollte man lediglich die ersten Reihen der obersten Ebene (Blöcke im 500er Bereich), da hier teilweise Geländer und Treppenaufgänge die Sicht einschränken, sowie die hinteren Reihen der Blöcke 536 bis 538, bei denen mitunter das Scoreboard stört. Ich saß mal in Reihe 9 von Block 505 (siehe Foto unten) und konnte das Spiel durchaus genießen, auch wenn man dort oben natürlich nicht in der Position ist, über Balls und Strikes zu diskutieren.

Blick von hoch über dem Rightfield (Block 505)5

Für All-Inclusive-Fans und Balljäger sind die schon erwähnten M&M Sweet Seats auf der Leftfield-Mauer interessant. Dort landen relativ viele Homeruns und man wird bis zum Abwinken mit Essen und Getränken bedient. Allerdings werden diese Plätze nur an Gruppen ab 15 Personen verkauft.

1 Quelle: Wikimedia, Urheber: Geographer (CC BY SA 3.0)
2 Quelle: Wikimedia, Urheber: Groupe Canam (CC BY SA 3.0)
3,4,5 Eigene Aufnahmen

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