Januar 10th, 2019 by Silversurger

Das wichtigste zuerst: Bryce Harper und Manny Machado haben sich immer noch nicht entschieden, wo sie dieses Jahr – und voraussichtlich für einige weitere Jahre – spielen werden. Bei Machado gelten die Yankees als Favorit, im Ringen um Harper haben sich überraschenderweise die Nationals mit einem wohl deutlich verbesserten Angebot zurück gemeldet. Um beide Top-Free-Agents buhlen außerdem die White Sox und die Phillies. Die Hoffnung rund um die Liga ist, dass eine Art Domino-Effekt auf dem Free-Agent-Markt einsetzt, sobald Harper und Machado ihre Wahl getroffen haben. Bereits spürbar gelichtet haben sich die Märkte für Catcher und hochwertige Reliever, nachdem in den letzten Tagen Yasmani Grandal, Zach Britton und David Robertson neue Verträge unterschrieben haben.

Grandal zu den Brewers
Die Milwaukee Brewers haben sich die Dienste von Yasmani Grandal gesichert. Er erhält einen Einjahresvertrag über 18,25 Millionen Dollar – ein überraschend kurzer und überraschend günstiger Deal für den besten Catcher, der als Free Agent verfügbar war. Angesichts dieses relativen Schnäppchens können die Brewers leicht verschmerzen, dass sie zudem ihren dritthöchsten Draftpick an die Los Angeles Dodgers abgeben müssen, nachdem Grandal bei seinem Ex-Klub ein Qualifying Offer abgelehnt hatte. Dieses war mit 17,9 Millionen übrigens nur unwesentlich niedriger als das Gehalt, das Grandal nun in Milwaukee akzeptiert hat. Es sieht ein bisschen danach aus, dass er sich bezüglich seines eigenen Marktwertes überschätzt hatte und nun den kurzen Vertrag angenommen hat, um in der nächsten Offseason einen neuen Anlauf auf einen noch lukrativeren Kontrakt zu nehmen.

Phillies verpflichten Robertson
Die Philadelphia Phillies haben sich erfolgreich um David Robertson bemüht. Der 33-Jährige ist einer der konstantesten Relief Pitcher der letzten Jahre und soll laut den Vorstellungen von Phillies-Manager Gabe Kapler ohne starr zugewiesene Rolle immer dann zum Einsatz kommen, wenn die wichtigsten Outs benötigt werden. Robertson hat sich bei der Klubsuche und den Vertragsverhandlungen in dieser Offseason selbst vertreten – eine Seltenheit in der MLB. Das von ihm erzielte Resultat kann sich durchaus sehen lassen: Er erhält 23 Millionen Dollar für zwei Jahre, für weitere 12 Millionen kann der Klub den Vertrag um ein dritte Jahr verlängern.

Britton bleibt bei den Yankees
Durch Robertsons Entscheidung, die New York Yankees zu verlassen, waren diese unter Zugzwang, wenigstens den anderen ihrer beiden Top-Reliever mit ausgelaufenem Vertrag zu halten. Das ist gelungen, indem man Zach Britton einen Dreijahresvertrag über 39 Millionen Dollar plus Klub-Option auf ein viertes Jahr für 14 Millionen Dollar anbot. Die Weiterverpflichtung des Linkshänders galt den Yankees als hohe Priorität, für die sie möglicherweise etwas überbezahlt haben. Sie sind nach wie vor daran interessiert, den Bullpen noch weiter zu verstärken. Ein Kandidat dafür ist Adam Ottavino.

Dozier geht nach Washington
2B Brian Dozier hatte 2018 sowohl in der Offensive als auch als Feldspieler ein schwaches Jahr und war für die Dodgers nicht die erhoffte Verstärkung zur Trade Deadline. Die Washington Nationals setzen darauf, dass der All-Star von 2015 und Gold-Glove-Gewinner von 2017 zu seiner Normalform aus den Vorjahren zurückkehrt. Sie bezahlen dem 31-Jährigen dafür 9 Millionen Dollar im Rahmen eines Einjahresvertrages. Dozier stellt vermutlich eine Übergangslösung dar, während die Nationals ihre Prospects Carter Kieboom und Luis Garcia entwickeln.

Rangers hoffen auf Miller
Shelby Miller erhält eine neue Chance, seine bislang enttäuschende Karriere zurück in die Erfolgsspur zu führen: Er wird die Rotation der Texas Rangers ergänzen. Bei 2 Millionen Dollar für einen Einjahresvertrag ist das Riskio, das die Rangers mit seiner Verpflichtung eingehen, überschaubar. Miller war einer der vielversprechendsten jungen Pitcher der Liga, bevor er 2015 zur Hauptperson eines der legendärsten Fehleinkäufe der MLB-Geschichte wurde. Ender Inciarte, Dansby Swanson and Aaron Blair schickten die Arizona Diamondbacks damals für ihn zu den Atlanta Braves. Das galt schon zum Zeitpunkt des Abschlusses als ein schlechtes Geschäft für die Diamondbacks und erwies sich endgültig als Katastrophe, als Miller in den Saisons 2015 und 2016 einen massiven Leistungseinbruch erlitt. Durch eine Tommy-John-Surgery und weitere Ellenbogenprobleme verpasste er die Saisons 2017 und 2018 fast komplett.

Zwei Ergänzungen für die White Sox
Auch die Chicago White Sox haben ihrem Kader zwei weitere Puzzlestücke hinzugefügt: Reliever Kelvin Herrera kommt für zwei Jahre und 18 Millionen Dollar, Outfielder Jon Jay für ein Jahr und vier Millionen. Wie die Zahlen bereits signalisieren, ist Herrera die deutlich relevantere Verstärkung für das Team. Gleichwohl könnte die Verpflichtung von Jay sich als großer Schachzug erweisen: Die White Sox ringen bekanntlich eifrig um die Gunst von Manny Machado. Vor ein paar Wochen hatten sie bereits für dessen Schwager Yonder Alonso getradet, mit Jay kommt nun ein weiterer guter Freund von ihm nach Chicago. Jay, Alonso und Machado trainieren in den Offseasons regelmäßig gemeinsam in Florida.

Tradereiches Wochenende bei den Mets
Gleich drei Trades vermeldeten die New York Mets im Laufe des vergangenen Wochenendes: Aus Milwaukee kommt CF Keon Broxton für RP Bobby Wahl und die Prospects P Adam Hill und IF Felix Valerio; aus Houston kommen Corner-IF/OF J.D. Davis und IF-Prospect Cody Bohanek für OF Ross Adolph, 2B Luis Santana und C Scott Manea; aus Cleveland wechseln P Walker Lockett und IF Sam Haggert für C Kevin Plawecki nach New York. Die Strategie der Mets hinter diesen Moves scheint darin zu bestehen, Ergänzungsspieler eher über die Abgabe von Talenten zu holen als über die Free Agency und dadurch die Gehälter niedrig zu halten. Als Anhänger der Mets hinterlässt einen dieses Vorgehen etwas unschlüssig: Steckt dahinter ein neues Spardiktat der notorisch knausrigen Owner Fred und Jeff Wilpon oder erhält sich GM Brodie Van Wagenen damit den Spielraum für noch eine oder zwei echte Verstärkungen? Das Handeln der Mets innerhalb der kommenden Wochen wird diese Frage beantworten.

Geht Murray doch in die NFL?
Kyler Murray, Collegestar in zwei Sportarten, wurde letztes Jahr in der ersten Draftrunde von den Oakland Athletics ausgewählt. Die A’s entschieden sich für ihn, obwohl zu dem Zeitpunkt unklar schien, ob Murray sein Glück als Profi tatsächlich im Baseball oder nicht doch eher als Football-Quarterback versuchen wird. Hinterher wurde bekannt, dass Klub und Spieler offenbar zuvor eine Absprache getroffen hatten: Murray würde noch einen Winter lang College-Football für die Oklahoma Sooners spielen – was er sehr erfolgreich getan hat – und zum Spring Training seinen knapp 5 Millionen Dollar teuren Vertrag bei den Athletics antreten. Nun ist der junge Mann aber offenbar doch noch mal ins Zweifen geraten. Diversen Quellen zufolge erwägt er, sich für die NFL-Draft im April anzumelden, nachdem ihm von mehreren Experten das Potenzial attestiert wurde, auch dort in der ersten Runde gewählt zu werden. Ob Murray wie geplant Mitte Februar im Trainingslager der Athletics auftaucht, muss nun wieder als völlig offen gelten.

Das kleinste Stadion der MLB wird noch kleiner
Einen Monat, nachdem bekannt wurde, dass die Hoffnungen der Tampa Bay Rays auf einen neuen Ballpark sich vorerst zerschlagen haben, kündigte das Team nun Renovierungs- und Umbaumaßnahmen an seinem alten Stadion an. Insbesondere ist geplant, das komplette Oberdeck zu schließen. Tropicana Field hat mit 31.042 Plätzen bereits das geringste Fassungsvermögen aller MLB-Stadien, welches allerdings regelmäßig nicht mal zur Hälfte ausgeschöpft wird. Durch die Maßnahmen wird sich die Kapazität noch einmal um 5.000 Plätze reduzieren. Das Ziel ist, durch das engere Zusammenrücken der wenigen Zuschauer mehr Atmosphäre zu schaffen. Mittelfristig gelten die Rays aufgrund des geringen Zuspruchs als Kandidat für eine Verlegung der Franchise. Dem steht allerdings ein bis 2027 laufender Vertrag mit der Stadt St. Petersburg über die Stadionnutzung entgegen. Falls die Rays ohne Zustimmung der Stadt vorher umziehen wollten, würde es voraussichtlich zu einem Rechtsstreit um hohe Strafzahlungen kommen.

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Februar 8th, 2018 by Silversurger

Die meisten Teams haben bereits ihre Spring-Training-Quartiere bezogen, nächste Woche geht es offiziell los mit der Vorbereitung auf die MLB-Saison 2018. Noch immer haben aber rund 120 eigentlich etablierte Spieler keinen Verein gefunden und es scheint auch niemand damit zu rechnen, dass sich das auf die Schnelle noch massiv ändert. Die Spielergewerkschaft MLBPA stellt sich jedenfalls bereits auf die besondere Situation ein, indem sie auf der Suche nach geeigneten Orten für ein eigenes Spring-Training-Camp der Free Agents ist.

Unter den Spielern regt sich Unzufriedenheit
Viele Spieler und deren Vertreter haben in den letzten Tagen ihren Ärger über die aus ihrer Sicht geizigen Klubs kundgetan. Noch sieht es nicht nach einem Arbeitskampf aus, aber es mehren sich die Anzeichen, dass bald vorgezogene Neuverhandlungen anstehen könnten. Das aktuelle Collective Bargaining Agreement (CBA), eine Art Rahmentarifvertrag zwischen der MLB und der MLBPA, wurde zwar erst vor einem Jahr neu unterzeichnet und gilt noch bis 2021. Die Spielerseite kommt aber zunehmend zu der Überzeugung, man sei mit dem Vertrag einen schlechten Deal eingegangen.

Ein Grund für die offenbar schwache Verhandlungsposition der Spieler dürfte sein, dass die Luxury-Tax-Regeln des neuen CBA die Klubs stärker zum Sparen anhalten als man vorher dachte. Selbst notorisch ausgabefreudige Franchises wie die Yankees oder die Dodgers bemühen sich, wenigstens in einzelnen Jahren unter die Schwellwerte der Luxussteuer zu rutschen. Denn bei dauerhafter Überschreitung drohen nicht mehr nur einfache Strafzahlungen sondern diese steigen mit jeder Wiederholung und gehen mit weiteren Nachteilen einher wie späteren Draftpicks oder reduzierten Budgets für internationale Spielerverpflichtungen.

In diesem Jahr scheint es den Vereinen auch deshalb leichter zu fallen, sich mit großzügigen Angeboten zurück zu halten, weil die Free-Agent-Klasse des nächsten Jahres deutlich hochkarätiger zu werden verspricht als die jetzige. Bryce Harper und Manny Machado sind dann zum Beispiel zu haben und möglicherweise auch Clayton Kershaw, der eine Opt-Out-Klausel im Vertrag hat. Selbst die reichen Teams müssen schon jetzt darauf achten, sich den Spielraum gegenüber ihrem Budget und der Luxussteuergrenze zu bewahren, wenn sie 2019 einen dieser Stars abgreifen möchten. Das kann durchaus dazu beitragen, sich dieses Jahr mit größeren Investitionen zurückzuhalten.

Andere Faktoren, über die sich zum Beispiel Spieleragent Scott Boras öffentlich beklagt hat, sind die zunehmenden Neigungen der Teams, sich von Spielern über 30 abzuwenden und stattdessen über längere Zeit Prospects zu tanken. Da mag er nicht ganz falsch liegen. Allerdings kann man wohl kaum dagegen streiken oder protestieren, dass die Teams dazulernen. Langjährige Verträge für Spieler, bei denen kaum absehbar ist, zu welchen Leistungen sie in der zweiten Hälfte des Kontrakts noch fähig sind, haben sich in den letzten Jahren allzu oft als schlechte Idee erwiesen. Und die geduldige Strategie eines Aufbaus durch selbst herangezogene Talente hat sich für Teams wie die Cubs und die Astros ganz offensichtlich bewährt und findet nun entsprechend viele Nachahmer.

Man darf jedenfalls schon jetzt gespannt sein auf die nächste Offseason, denn dann wird sich zeigen, ob sich der Trend zur Zurückhaltung der Klubs auf dem Free-Agent-Markt verfestigt oder ob sich dieses Jahr als ein durch das Aufeinandertreffen einiger Besonderheiten verursachter Ausreißer erweist.

Mets verpflichten Todd Frazier
Wenigstens ein relevanter Free Agent ist diese Woche bei einem Team untergekommen und zwar Third Baseman Todd Frazier bei den New York Mets. Die Verpflichtung passt in jeglicher Hinsicht: Frazier stammt aus New Jersey und war erklärtermaßen daran interessiert, nach seinem letztjährigen Engagement bei den Yankees weiterhin in Heimatnähe zu bleiben. Die Mets hatten dringenden Bedarf im Infield, da die Zukunft des seit zwei Jahren verletzten David Wright mehr als fragwürdig ist und die Allzweckwaffen Asdrubal Cabrera, Wilmer Flores und Jose Reyes auf der Position allesamt überfordert schienen. 2017 brachten die drei es zusammen auf üble -17 DRS auf 3B. Frazier war mit +10 DRS einer der Top-Fielder auf diesem Posten und bringt offensiv (.213/.344/.428) zusätzliche Power ins Lineup, die seinen schwachen Average aufwiegt. Frazier erhält einen Zweijahresvertrag über 17 Millionen Dollar.

Vor ein paar Wochen wäre ich nicht im Entferntesten auf die Idee gekommen, dass ich das ein paar Tage vor Beginn des Spring Trainings schreiben kann, aber es ist wahr: Die New York Mets sind eines der aktivsten Teams der Offseason. Das ist angsichts der sparsamen Eigentümer der Franchise eine echte Überraschung. General Manager Sandy Alderson ist es durch gezieltes und geduldiges Handeln gelungen, das Lineup mit verhältnismäßig wenig Geld zu ergänzen und zu verstärken – neben Frazier unterschrieben OF Jay Bruce für 39 Millionen (2 Jahre), IF Jose Reyes für 2,5 Millionen (1 Jahr) und 1B Adrian Gonzalez für 545.000 (1 Jahr). Zudem wurden Schwachstellen im Bullpen durch die Verpflichtung von Anthony Swarzak (14 Millionen, 2 Jahre) und den schon letztes Jahr eingefädelten Trade für A. J. Ramos beseitigt. Wenn jetzt noch ein solider Starter wie Lance Lynn oder Alex Cobb hinzukommt, bin ich von der Offseason der Mets aufrichtig begeistert.

Rangers sichern sich ab mit Colon
Minor-League-Signings lasse ich an dieser Stelle meistens unerwähnt, aber für ihn bin ich zu jeder Ausnahme bereit: Bartolo „Big Sexy“ Colon setzt seine Karriere fort. Der bald 45-jährige Akteur des legendärsten Homeruns aller Zeiten hat zwar kein Team gefunden, dass ihm einen MLB-Vertrag anbietet, aber er konnte einen ordentlichen Minor-League-Vertrag mit den Texas Rangers aushandeln. Colon hatte 2017 ein schwaches Jahr mit 6.48 ERA in 28 Starts für die Atlanta Braves und die Minnesota Twins. Dennoch kann er mit seiner Erfahrung und seinem Durchhaltevermögen sowohl als Mentor wie auch als Absicherung für den Fall von Verletzungen eine wertvolle Rolle spielen. Sein Engagement wird automatisch in einen Einjahresvertrag über 1,75 Millionen Dollar umgewandelt, wenn und sobald er in den 40-Mann-Kader der Rangers berufen wird.

Ein Quarterback für die Yankees
Es muss sehr an Yankees-GM Brian Cashman genagt haben, dass die Mets einen Heisman-Trophy-Gewinner in ihren Reihen haben und er nicht. Die Scharte ist nun ausgewetzt, denn in einem Trade mit den Texas Rangers haben die Yankees sich die Rechte an dem Superbowl-Champion und vierfachen Pro Bowler Russell Wilson gesichert. Warum verpflichtet ein Baseballteam einen Quarterback? Es ist im Endeffekt nicht mehr als ein Marketing-Gag, denn obwohl Wilson in seiner Collegezeit ein brauchbarer Second Baseman war und zwei Spielzeiten in der Organisation der Colorado Rockies verbrachte, strebt er nicht an, eine MLB-Karriere zu verfolgen. Also keine Angst, liebe Seahawks-Fans, Wilson wird weiterhin Football spielen. Seine Rolle bei den Yankees wird sich darauf beschränken, ein, zwei Tage im Spring Training mitzumachen und sich damit einen Kindheitstraum zu erfüllen.

Carlos Martinez unter Anklage
Unschöne Neuigkeiten von jenseits des Spielfelds gab es diese Woche über Pitcher Carlos Martinez von den St. Louis Cardinals. Gegen Martinez läuft ein Gerichtsverfahren, weil er am 4. Juli 2014 an einer gewalttätigen Auseinandersetzung beteiligt gewesen sein soll. Diese begann wohl in einem Strip-Club und eskalierte dann draußen in einer Schlägerei, bei der Martinez der Anklage zufolge gemeinsam mit anderen einen Mann attackierte. Das Opfer erlitt schwere Verletzungen, unter anderem eine Rückenfraktur, und klagt nun auf Entschädigungszahlungen. Mit einer Sperre durch die Liga ist nach derzeitigem Stand nicht zu rechnen: erstens weil es sich um einen Zivilprozess handelt, nicht um eine Strafanklage, zweitens weil das verschärfte Vorgehen der MLB gegenüber Vorfällen wie sexuelle Belästigung und häusliche Gewalt erst nach den hier betroffenen Ereignissen in Kraft getreten ist.

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April 18th, 2017 by Silversurger

Man stelle sich vor, in Deutschland träte ein Sportverein auf den Plan, der sich beispielsweise „Castrop-Rauxel Zigeuner“ nennt und als Logo die vor rassistischen Stereotypen strotzende Karikatur eines Angehörigen des „fahrenden Volkes“ trägt. Der Aufschrei wäre groß, außer vielleicht wenn es ein von Sinti und Roma gegründeter Club wäre, dessen Bezeichnung einen selbstironischen Hintergrund hat. Das Beispiel klingt an den Haaren herbei gezogen, aber das ist es nicht, denn die Cleveland Indians entsprechen ziemlich genau diesem Muster: Sie tragen einen Namen, dessen Neutralität als Bezeichnung amerikanischer Ureinwohner zumindest fragwürdig ist, und obendrein als Logo die Karikaturfigur „Chief Wahoo“, die man mit ihrer knallroten Haut und der Hakennase relativ eindeutig als offen rassistisch bezeichnen muss.

Der Konflikt um den Namen und das Logo der Indians ist nicht neu, vielmehr schwelt er seit Jahrzehnten und kocht in unregelmäßigen Abständen immer wieder hoch. Dass es nun mal wieder so weit ist und sich dieses Mal tatsächlich etwas ändern könnte, geht auf niemand Geringeren als MLB-Commissioner Rob Manfred zurück. Gegenüber der New York Times ließ Manfred durch einen Sprecher verlauten, er habe gegenüber den Cleveland Indians den Wunsch deutlich gemacht, dass man sich von Chief Wahoo als Logo verabschiedet. Manfred galt schon früher als Gegner des Logos, hatte sich aber noch nie so deutlich öffentlich geäußert wie mit dem jüngsten Statement.

Sehr viel früher und sehr viel deutlicher haben sich schon zahlreiche Andere über Chief Wahoo geäußert: Seit den 1970er Jahren gibt es immer wieder Proteste und Klagen amerikanischer Ureinwohner, die sich durch den Teamnamen und vor allem durch das Logo beleidigt und herabgewürdigt fühlen, und schon seit über 20 Jahren wird jedes Jahr zum Opening Day eine Demonstration (wenngleich oft in überschaubarer Größe) gegen Chief Wahoo abgehalten.

Natürlich gibt es auch Anhänger der Gegenposition, die den Namen und das Logo nicht als Problem sehen sondern als liebgwonnene Tradition, von der man sich nicht trennen will. Das Argument dieser Seite ist, dass die wenig dezenten Anspielungen auf die amerikanischen Ureinwohner positive Assoziationen wecken sollen: Man wolle die Ureinwohner damit ehren, sich ihre Stärke und Standhaftigkeit zum Vorbild nehmen.

Ich glaube den Vertrern dieser Ansicht, zu denen natürlich vor allem der Verein selbst und die große Mehrheit seiner Anhänger gehören, dass sie das ernst meinen. Warum sollten sie ihr Team nach einer Volksgruppe benennen, die sie damit beleidigen wollen? Doch gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut. Chief Wahoo ist und bleibt ein stereotypes Zerrbild von einem amerikanischen Ureinwohner und in erster Linie sollten die Betroffenen selbst entscheiden, ob sie sich von einer Bezeichnung oder einer Darstellung beleidigt fühlen oder nicht. Für eine nicht unerhebliche Anzahl von Angehörigen und Interessenvertretern der betreffenden Volksgruppen ist das offensichtlich der Fall und das halte ich für Grund genug, sich zumindest von dem Logo zu verabschieden. Terry Pluto, einer der Beatwriter in Cleveland, hat es meiner Ansicht nach sehr gut auf den Punkt gebracht mit der Frage „Würdest du dich damit wohl fühlen, eine Chief-Wahoo-Kappe zu tragen, wenn du ein Indianer-Reservat besuchst?“ und seiner eigenen Antwort darauf: „No way.“

Die Politik des Clubs selbst ist übrigens, die Verwendung von Chief Wahoo seit rund zehn Jahren behutsam zurückzufahren, ohne sich offiziell zu einem Abschied von dem Logo zu bekennen. Das Logo wurde über die Jahre hinweg weniger präsent im Ballpark der Indians und auch auf Uniformen und Fanartikeln wurde Chief Wahoo inzwischen zum sekundären Logo heruntergestuft gegenüber einem großen roten „C“. Ein klarer Schnitt sieht freilich anders aus, die Präsenz der Rothaut-Karikatur ist nach wie vor unübersehbar und zwar nicht nur auf der Kleidung von Zuschauern sondern auch auf den meisten Varianten der von den Spielern getragenen Caps.

Ich hoffe sehr, dass man in Cleveland (und anderswo, zum Beispiel beim NFL-Team Washington Redskins) über kurz oder lang zur Vernunft kommt und sich zu klarer Kante gegen Rassismus und offenem Umgang mit dem Thema bekennt statt zu halbherzigen Rechtfertigungen und verschämtem Verschwindenlassen auf Raten. Die Indians haben ein starkes, sympathisches Team und eine große und treue Fanbasis. Von beidem werden sie kein Stück verlieren, wenn sie sich von Chief Wahoo verabschieden.

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