September 16th, 2019 by Silversurger

Die Europameisterschaft im eigenen Land ist Geschichte. Organisatorisch lief – soweit ich das beurteilen kann, ohne dabei gewesen zu sein – alles einwandfrei, das Wetter spielte halbwegs mit, die Zuschauer bekamen viele spannende Spiele und am Ende einen verdienten Europameister zu sehen. Die Niederlande machten einmal mehr ihrer Rolle des Dauerfavoriten Ehre und sicherten sich den Titel durch einen 5:1-Sieg im Endspiel gegen Italien.

Aus deutscher Sicht kommt man nicht umhin, das Turnier als Enttäuschung zu verbuchen. Der sechste Rang in der Endabrechnung ist der undankbarste von allen, denn im Gegensatz zu den fünf höher platzierten Teams darf Deutschland nun nicht an der Qualifikationsrunde für Olympia 2020 teilnehmen. Diese findet übrigens schon diese  Woche von Mitttwoch bis Sonntag in Bologna und Parma statt. Die Niederlande, Italien, Spanien, Israel, Tschechien sowie Südafrika spielen dort um einen direkten Olympia-Startplatz. Der Zweitplatzierte erhält im Januar eine weitere Chance, sich in einem Turnier mit amerikanischen, asiatischen und ozeanischen Vertretern die Olympia-Teilnahme zu verdienen.

Als Spielverderber für das deutsche Team erwiesen sich einmal mehr die Tschechen: Gegen das Nachbarland, mit dem man sich seit Jahren immer wieder spannende Baseball-Duelle liefert, setzte es die beiden entscheidenden Niederlagen des Turniers. Die erste war ein 6:10 in der Vorrunde, wodurch Deutschland nur Vierter in der Gruppe wurde und sich die schwere Aufgabe Italien für das Viertelfinale einhandelte. Überraschenderweise kam das deutsche Team ganz nah dran, diese schwere Aufgabe zu lösen: Schon im ersten Inning ging man mit Hits von Philipp Schulz, Simon Gührung, Donald Lutz und einen Homerun von Pascal Amon 4:0 in Führung, im dritten Inning erhöhte Lutz bei einem Hit von Marco Cardoso auf 5:0. Leider ließ der bis dahin sehr starke deutsche Starter Luke Sommer ab dem fünften Inning spürbar nach und leider reagierten die Coaches zu spät. Erst als Sommer im sechsten Inning den Leadoff-Homerun zum 3:5 und bereits zwei weitere Baserunner zugelassen hatte, kam Samuel Steigert, der den Ausgleich nicht mehr verhindern konnte. In den restlichen Innings ließen beide Seiten kaum noch Offensivaktionen zu. Bei zwei Outs im unteren neunten Inning hatte man sich schon auf eine Verlängerung eingestellt, als Italiens Catcher Alberto Mineo der Homerun zum Walkoff-Sieg gelang.

Die Überraschung war somit haarscharf verpasst, Deutschland hatte aber noch die Chance, zumindest Platz fünf für die Olympia-Quali zu sichern. Dazu musste zunächst ein Sieg gegen Frankreich her, welcher mit einem 14:4 per Mercy Rule nach sieben Innings extrem souverän eingefahren wurde. Im Spiel um den ersehnten Platz wartete erneut Tschechien, das ebenfalls knapp im Viertelfinale gescheitert war (4:5 gegen Spanien) und anschließend Belgien 5:4 besiegt hatte. Die entscheidende Partie war an Dramatik kaum zu überbieten: Erst ging Deutschland 2:0 in Führung, dann drehte Tschechien den Stand auf 2:3. Im sechsten Inning gelang den Deutschen der 3:3-Ausgleich und im siebten fast die erneute Führung. Aber nur fast, denn der weite Flugball von Simon Gühring wurde von Centerfielder Matej Hejma gerade noch vom Zaun gefischt. Im achten Durchgang machte der tschechische Shortstop Martin Schneider es um die entscheidenden Zentimeter besser und brachte sein Team per Homerun 4:3 in Front. Noch war das Spiel nicht gelaufen, denn Deutschland begann das neunte Inning mit zwei Walks und einem Single – Bases loaded, 0 Outs. Doch es sollte nicht sein: Max Boldt schlug in ein Double Play an Home und an der dritten Base, Luke Sommer poppte den Ball zum Shortstop, Game over.

Noch bitterer als für das deutsche Team endete die Europameisterschaft für Kroatien und Schweden, die als Elft- und Zwölftplatzierte in den B-Pool absteigen. Dort müssen sie einen neuen Anlauf unternehmen, um sich für die nächste Europameisterschaft zu qualifizieren, während der Rest des Feldes automatisch wieder dabei sein wird.

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Januar 2nd, 2018 by Silversurger

Zum Abschluss der Serie über Baseball auf der ganzen Welt werfe ich einen Blick auf Wettbewerbe der Nationalmannschaften. Traditionell haben im Baseball – genau wie in den anderen US-Sportarten – Nationalteams bei weitem nicht die Bedeutung wie zum Beispiel im Fußball. Doch es gibt die internationalen Turniere seit Jahrzehnten und gerade für Spieler aus „kleinen“ Baseballnationen ist die Gelegenheit, sich auf höherem Niveau zu messen, etwas ganz Besonderes.

Organisiert wird Baseball auf internationaler Ebene von der World Baseball Softball Confederation (WBSC), die 2013 aus der Fusion der seit 1938 bestehenden International Baseball Federation (IBAF) und der International Softball Federation (ISF) entstand. Die WBSC führt eine Weltrangliste. An deren Spitze steht zurzeit Japan, dicht gefolgt vom aktuellen Weltmeister USA. Bei der Ermittlung der Punktwerte fließen Ergebnisse der letzten vier Jahre ein – übrigens nicht nur die der Senioren-Nationalmannschaften, sondern auch die der Jugendmannschaften ab U12. In der Liste geführt werden momentan 122 Baseball-Nationalteams – von Afghanistan bis Zypern.

Weltmeisterschaften: Vom World Cup zum World Baseball Classic
Die erste Baseball-Weltmeisterschaft und gleichzeitig das erste offizielle Baseball-Länderspiel fand 1938 statt. Das „Turnier“ umfasste lediglich zwei Teilnehmer, die USA und Großbritannien. Großbritannien wurde erster Baseball-Weltmeister durch 4:1 Siege in einer Best-of-7-Serie. Kurioserweise schaffte es Großbritannien nach diesem Erfolg über 70 Jahre lang nicht mehr, sich überhaupt für eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft zu qualifizieren.

Der Baseball World Cup (BWC), zunächst bekannt als Amateur World Series, fand ab 1938 bis 1953 mit wenigen Ausnahmen jährlich statt, dann bis Ende der 1960er Jahre nur noch unregelmäßig. Der Teilnehmerkreis rekrutierte sich in diesem Zeitraum meistens nahezu ausschließlich aus Süd- und Mittelamerika. Das änderte sich, als ab 1969 die USA nach 27 Jahren Pause wieder mitmachten und in den Jahren darauf asiatische (Japan, Südkorea) und europäische (Niederlande, Italien) Vertreter dazustießen. Ab 1974 bis 1990 wurde das Turnier alle zwei Jahre ausgespielt, dann im vierjährlichen und ab 2001 wieder im zweijährlichen Rhythmus. 2011 fand der letzte BWC statt – ausgerechnet in diesem letzten Turnier siegte erstmals seit 1938 wieder eine europäische Mannschaft, nämlich die Niederlande.

Zu diesem Zeitpunkt hatte allerdings bereits ein anderes internationales Turnier dem BWC den Rang abgelaufen. Die Regeln des BWC hatten bis 1998 vorgesehen,  dass nur Amateurspieler teilnehmen durften. Ab 1998 waren Minor-League-Profis erlaubt, jedoch keine Major-League-Spieler. Dies war der entscheidende Unterschied zum 2006 in Kooperation mit der MLB aus der Taufe gehobenen World Baseball Classic (WBC). Bei diesem Turnier durften erstmals Profis aus den Major Leagues eingesetzt werden, sodass man eigentlich nur den WBC als echte Weltmeisterschaft bezeichnen kann. Dem Interesse sowohl der Zuschauer als auch der teilnehmenden Verbände folgend, konzentrierte man sich nach zwei erfolgreichen Durchführungen auf den WBC und stellte den BWC ein.

Für die ersten WBCs 2006 und 2009 wurde durch den Verband ein in beiden Turnieren identisches Teilnehmerfeld aus 16 Mannschaften festgelegt. Japan gewann beide Male, 2006 im Finale gegen Kuba und 2009 gegen Südkorea. Im Vorfeld des WBC 2013 fand erstmals ein Qualifikationswettbewerb statt, an dem die vier schwächsten Teams der letzten Runde sowie zwölf Teams, die beim letzten Mal nicht dabei gewesen waren, teilnahmen. So schafften es Brasilien und Spanien, die Plätze von Südafrika und Panama zu erobern. Den Titel holte die Dominikanische Republik im Finale gegen Puerto Rico.

World Baseball Classic 2017 im Dodger Stadium1

Der Qualifikationsmodus blieb für den WBC 2017 unverändert. Dieses Mal kamen Kolumbien und Israel erstmals ins Turnier. Insbesondere Israel sorgte auch in der Hauptrunde für einen Achtungserfolg, indem es in einer Gruppe mit Südkorea, Taiwan und den Niederlanden ungeschlagen die zweite Runde erreichte – das Team bestand allerdings fast ausschließlich aus jüdisch-amerikanischen Major- oder Minor-League-Profis. Erstmals seit Beginn der WBC-Turniere überzeugten auch die bislang stets enttäuschenden USA und holten sich am Ende den Titel im Endspiel gegen Puerto Rico. Im Gegensatz zu früheren Turnieren war die öffentliche Aufmerksamkeit für den WBC in Amerika dieses Mal größer und es fanden sich deutlich mehr namhafte Spieler als früher bereit, für ihr Nationalteam anzutreten. Bis dahin war man gewohnt, dass für die anderen Nationen fast alle MLB-Stars aus dem jeweiligen Land in der Nationalmannschaft spielten, während die meisten US-Profis das Interesse daran vermissen ließen. Dieses Mal waren für die USA zum Beispiel Chris Archer, Marcus Stroman, Andrew Miller, Eric Hosmer, Daniel Murphy, Paul Goldschmidt und Giancarlo Stanton im Einsatz und prompt reichte es zur ersten Meisterschaft.

Das deutsche Team war von 1972 bis 2011 fünfmal beim BCW dabei und landete immer auf einem der hinteren Plätze. An den Qualifikationsrunden zu den WBCs 2013 und 2017 nahm Deutschland teil, scheiterte aber jeweils.

Baseball bei Olympia
Das Bestreben, Baseball zu einer olympischen Sportart zu machen, ist fast so alt wie die Olympischen Spiele der Neuzeit selbst: Schon 1904 fand während der Spiele in St. Louis ein inoffizielles Baseballturnier statt. 1912 in Stockholm war Baseball erstmals als offizielle Demonstrationssportart vertreten, was sich 1936, 1956, 1964, 1984 und 1988 wiederholte. Von 1992 bis 2008 war Baseball dann fünfmal vollwertige Medaillensportart. Dabei durften zunächst nur Amateuerspieler antreten, ab 2000 dann auch Profis. Dennoch musste sich das Turnier mit Spielern aus der dritten Reihe oder bestenfalls Prospects zufrieden geben, denn die Olympischen Sommerspiele fielen zeitlich immer mitten in die MLB-Saison und die Prioritäten der Teams und der Liga waren eindeutig: Spieler aus den aktuellen 25-Mann-Kadern wurden nicht freigestellt. Schaut man auf die Kader des bislang letzten olympische Baseballturniers im Jahr 2008 zurück, so stößt man dennoch auf einige aus heutiger Sicht illustre Namen: Zum Beispiel traten Jake Arrieta, Stephen Strasburg und Dexter Fowler für die USA an, Masahiro Tanaka und Yu Darvish für Japan, Hyun-Jin Ryu und Dae-Ho Leee für Südkorea und Yuliesky Gurriel für Kuba.

Olympia 2008 in Beijing: Die Teams China und USA mit US-Präsident George W. Bush2

Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Baseball ab 2012 wieder aus dem Programm zu nehmen, hing mit Sicherheit stark damit zusammen, dass es die Verantwortlichen der MLB nicht überzeugen konnte, die besten Spieler zu Olympia zu schicken – anders als beispielsweise die NBA seit 1992 und die NHL seit 1998. Seither gab es drei Abstimmungen über eine Wiederaufnahme, von denen die ersten beiden verloren gingen:  2016 wurden Golf und Rugby neu aufgenommen und für 2020 das ursprünglich schon als Streichkandidat festgelegte Ringen doch als olympische Sportart erhalten. In der dritten Abstimmung wurde auf Vorschlag des japanischen Organisationskomitees beschlossen, Baseball (männliche Athleten) und Softball (weibliche Athleten) für Tokio 2020 zumindest einmalig aufzunehmen. Die Entscheidung dürfte insofern leicht gefallen sein, als diese Sportarten in Japan sehr populär und zahlreiche geeignete Wettkampfstätten vorhanden sind. Für Paris 2024 wird neu entschieden und ich fürchte, die Aussichten für den Baseball sind dann nicht mehr so gut.

Die Bereitschaft der MLB, die Top-Spieler für Olympia freizustellen, wäre sicher ein gutes Argument, Baseball wieder dauerhaft bei den Spielen zu etablieren. Allerdings wäre das ein gravierender Eingriff in den Spielplan, dessen einzige längere Unterbrechung bislang der All-Star-Break von vier bis fünf Tagen darstellt. Eine Olympia-Pause würde rund 14 Tage Ende Juli / Anfang August in Anspruch nehmen und müsste von den Teambesitzern sowie von der Spielergewerkschaft abgesegnet werden.

Bei den fünf bisherigen olympischen Baseball-Turnieren war Kuba mit drei Gold- und zwei Silbermedaillen die dominierende Mannschaft. Die nicht von Kuba gewonnenen Turniere gingen im Jahr 2000 an die USA und 2008 an Südkorea. Deutschland qualifizierte sich bislang nie für die Olympia-Teilnahme.

Europa- und sonstige Kontinentalmeisterschaften
Der internationale Verband WBSC gliedert sich in vier Kontinentalverbände. Einer davon ist die Confederation of European Baseball (CEB), die seit 1954 die Baseball-Europameisterschaft ausrichtet.

Die Europameisterschaft fand zunächst jährlich statt, seit 1959 hat sie einen zweijährlichen Rhythmus. In Ausnahmefällen wurde der Abstand zwischen zwei Turnieren auf drei Jahre ausgedehnt, um das Ergebnis für die Qualifikation einer Weltmeisterschaft oder eines olympischen Turniers mitzunutzen. Spanien 1955 und Belgien 1967 sind die einzigen beiden Länder, die die Dominanz der Niederlande (22 EM-Titel) und Italiens (10) kurz unterbrechen konnten. Deutschland ist regelmäßiger Teilnehmer der Turniere, erreichte aber nur 1957 einmal das Finale, das man gegen die Niederlande verlor. Bei der letzten EM 2016 wurde Deutschland Vierter hinter den Niederlanden, Spanien und Italien. Die nächste Europameisterschaft findet 2019 in Bonn und Solingen statt.

Die Baseball Federation of Asia führt seit 1954 die Asia Baseball Championship durch, seit 1983 findet sie regelmäßig alle zwei Jahre statt. Mit 18 Titeln aus 27 Turnieren ist Japan Rekordmeister, regelmäßig auf dem Treppchen stehen zudem Südkorea und Taiwan. Diese drei Teams haben 2017 ein neues, zusätzliches Turnier ins Leben gerufen: die Asia Professional Baseball Championship. Es richtet sich hauptsächlich an Spieler unter 24 oder mit weniger als drei Profijahren; jedes Team darf aber drei Spieler einsetzen, die diesen Kriterien nicht entsprechen. Das erste Turnier fand im November statt und wurde von Japan durch drei Siege in drei Spielen gewonnen.

Japan und Südkorea vor dem allerersten Spiel der Asia Professional Baseball Championship3

Die African Baseball and Softball Association scheint derzeit keine regelmäßige Kontinentalmeisterschaft zu veranstalten. In den 1990er und den frühen 2000er Jahren gab es ein paarmal die Africa Cup Baseball Championship und zweimal (1999 und 2003) war Baseball eine Disziplin bei den Africa Games. Beide Wettbewerbe wurden offenbar nicht fortgesetzt, jedenfalls habe ich nichts darüber gefunden. Was man sicher sagen kann ist, dass im afrikanischen Baseball eine große Kluft zwischen dem übermächtigen Südafrika und den restlichen Nationalmannschaften des Kontinents besteht.

Auch im Gebiet der Baseball Confederation of Oceania finden mangels Konkurrenz derzeit keine Meisterschaften statt. Die beiden bislang letzten Anläufe wurden 2004 und 2007 unternommen, als der jeweils einzige gemeldete Gegner für Australien – 2004 Guam und 2007 Neuseeland – seine Teilnahme zurückzog, sodass Australien kampflos zum Sieger erklärt wurde.

Die Pan American Baseball Confederation umfasst die Länder der kompletten amerikanischen Kontinente. Eine eigenständige panamerikanische Meisterschaft existiert nicht, aber Baseball ist eine Disziplin der Pan American Games seit deren Einführung 1951. Die Spiele finden alle vier Jahre statt. Prinzipiell sind auch Profispieler erlaubt, es haben aber bislang noch nie MLB-Spieler an dem Turnier teilgenommen. Kuba hat die bisher 18 Turniere mit 12 Goldmedaillen deutlich dominiert. Zuletzt hat allerdings 2011 und 2015 zweimal hintereinander Kanada gewonnen und Kuba auf Platz drei hinter den USA verwiesen.

Südamerika hat zudem noch eine eigene Meisterschaft, die South American Baseball Championship. Es gibt die Veranstaltung seit 1957, allerdings mit Unterbrechungen zwischen 1973 und 2004 sowie zwischen 2005 und 2011. Das Turnier fand bisher meistens alle zwei Jahre statt, manchmal aber auch jährlich und 2016 sogar zweimal in einem Jahr. Häufigster Titelträger und auch amtierender Champion ist Brasilien.

Wer darf in welcher Mannschaft spielen? 
Die Antwort auf diese Frage scheint eigentlich auf der Hand zu liegen, aber die Spielberechtigung für Baseball-Nationalmannschaften orientiert sich nicht am Staatsbürgerschaftsrecht und ist für Außenstehende mitunter schwer durchschaubar. Generell scheint die Auslegung des WBSC recht großzügig zu sein. So können zum Beispiel die Niederlande regelmäßig auf Spieler aus ihren ehemaligen Überseegebieten zurückgreifen (mehr dazu im Artikel über die Niederlande) und oft treten astreine US-Amerikaner für ein Land an, in dem ihre Vorfahren gewohnt haben oder zu dem sich irgendein anderer Bezug herstellen lässt. So sind beispielsweise die beiden Mets-Outfielder Brandon Nimmo aus Wyoming und Michael Conforto aus Seattle für Italien spielberechtigt, das fast komplett amerikanische Team Israel habe ich oben schon erwähnt und auch Deutschland hatte schon „Gastspieler“ wie Bruce Maxwell oder Will Ohman.

Wie kann man die internationalen Turniere verfolgen? 
Um das weltweite Interesse an internationalem Baseball zu befördern, sollte es im digitalen Zeitalter eigentlich selbstverständlich sein, dass man die Spiele zumindest im Internet live verfolgen kann. Tatsächlich ist die Lage in dieser Hinsicht leider sehr uneinheitlich und instabil. Bei jedem Turnier ist es wieder eine spannende und oft erst kurzfristig zu klärende Frage, ob und wie man an aktuelle Informationen oder gar bewegte Bilder kommt. Beim WBC 2017 zum Beispiel gab es zwar einen Videostream von mlb.tv, den man aber trotz Abo außerhalb der USA nicht empfangen konnte. Auch von der Europameisterschaft 2016 gab es leider keine Livebilder, aber immerhin konnte man dank des Engagements von meinsportradio.de zumindest die Spiele mit deutscher Beteiligung als Audioübertragung verfolgen.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: redlegsfan21 (CC BY 2.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: Eric Draper (Public Domain)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: civitatis94/Garam (CC BY 2.0 KR)

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August 3rd, 2016 by Silversurger

Übermorgen werden die Olympischen Spiele in Rio eröffnet. Für viele Sportler ist die Teilnahme an dieser Veranstaltung das Highlight ihrer Karriere. Für andere ist es zumindest eine Gelegenheit, ihrer Sportart und/oder der eigenen Person die Aufmerksamkeit eines Publikums zu verschaffen, von dem sie in den vier Jahren dazwischen weitgehend ignoriert werden. Die Baseballer hingegen dürfen bei Olympia zum zweiten Mal in Folge nur zuschauen und sich einstweilen damit trösten, dass heute ihre Wiederaufnahme als olympische Sportart für 2020 beschlossen wurde.

Das Bestreben, Baseball zu einer olympischen Sportart zu machen, ist fast so alt wie die Olympischen Spiele der Neuzeit selbst: Schon 1904 fand während der Spiele in St. Louis ein inoffizielles Baseballturnier statt. 1912 in Stockholm war Baseball erstmals als offizielle Demonstrationssportart vertreten, was sich 1936, 1956, 1964, 1984 und 1988 wiederholte. Ab 1992 war Baseball dann fünfmal vollwertige Medaillensportart. Dabei durften zunächst nur Amateuerspieler antreten, ab 2000 dann auch Profis. Dennoch musste sich das Turnier mit Spielern aus der dritten Reihe oder bestenfalls Prospects zufrieden geben, denn die Olympischen Sommerspiele fielen zeitlich immer mitten in die MLB-Saison und die Prioritäten der Teams und der Liga waren eindeutig: Spieler aus den aktuellen 25-Mann-Kadern wurden nicht freigestellt. Schaut man auf die Kader des bislang letzten olympische Baseballturniers im Jahr 2008 zurück, so stößt man dennoch auf einige aus heutiger Sicht illustre Namen: Zum Beispiel traten Jake Arrieta, Stephen Strasburg und Dexter Fowler für die USA an, Masahiro Tanaka und Yu Darvish für Japan, Hyun-Jin Ryu und Dae-Ho Leee für Südkorea und Yuliesky Gourriel für Kuba.

Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Baseball ab 2012 wieder aus dem Programm zu nehmen, hing mit Sicherheit stark damit zusammen, dass es ihm nicht gelang, die Verantwortlichen der MLB zu überzeugen, die besten Spieler zu Olympia zu schicken – anders als beispielsweise die NBA seit 1992 und die NHL seit 1998. Seither gab es drei Abstimmungen über eine Wiederaufnahme, von denen die ersten beiden verloren gingen. Stattdessen wurden für 2016 Golf und Rugby neu aufgenommen und für 2020 das ursprünglich schon als Streichkandidat festgelegte Ringen doch als olympische Sportart erhalten (Letzteres finde ich auch richtig so). In der dritten Abstimmung, die heute stattfand, wurde auf Vorschlag des japanischen Organisationskomitees beschlossen, Baseball (männliche Athleten) und Softball (weibliche Athleten) für Tokio 2020 aufzunehmen. Die Entscheidung dürfte insofern leicht gefallen sein, als diese Sportarten in Japan sehr populär und zahlreiche geeignete Wettkampfstätten vorhanden sind. Allerdings gilt der Beschluss nur für dieses eine olympische Turnier. Für 2024 wird neu entschieden und auch dann haben die Gastgeber ein Vorschlagsrecht – finden die Spiele in Los Angeles statt, bedeutet das sicher bessere Aussichten für Baseball als wenn Paris oder Budapest den Zuschlag erhalten.

Die Bereitschaft der MLB, die Top-Spieler für Olympia freizustellen, wäre sicher ein gutes Argument, Baseball wieder dauerhaft bei den Spielen zu etablieren. Allerdings wäre das ein gravierender Eingriff in den Spielplan, dessen einzige längere Unterbrechung bislang der All-Star-Break von vier bis fünf Tagen darstellt. Eine Olympia-Pause würde rund 14 Tage Ende Juli / Anfang August in Anspruch nehmen und müsste von den Teambesitzern sowie von der Spielergewerkschaft abgesegnet werden. MLB-Commissioner Manfred zeigt sich zwiegespalten: Laut seinen Äußerungen findet er den olympischen Status für Baseball sehr wünschenswert, andererseits hält er es für einen Fehler, einen so tiefen Eingriff in die MLB-Saison zu beschließen, solange der IOC sich nicht langfristig zum Baseball bekennt. Damit beißt sich die Katze in den Schwanz.

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