März 22nd, 2018 by Dominik

Der Saisonstart ist nur noch ein glatte Woche entfernt, aber seit ein paar Tagen haben viele europäische Baseball-Fans einen neuen, deutlich weiter entfernten Termin, auf den sie hinfiebern. Unterdessen stellen die MLB-Klubs derzeit die letzten Weichen, bevor es ernst wird: Einige Free Agents haben gerade noch rechtzeitig einen neuen Arbeitgeber gefunden, ein paar Verträge wurden vorzeitig verlängert und leider müssen einige Spieler zumindest zeitweise ersetzt werden, weil sie sich ungünstierweise kurz vor der Saison eine Verletzung zugezogen haben.

Yankees und Red Sox kommen nach London 
Relativ überraschend kam vor ein paar Tagen die Nachricht, dass die MLB schon 2019 zum ersten Mal überhaupt ein reguläres Saisonspiel in Europa anberaumen will. Und es kommt nicht irgendwer, es kommen die beiden populärsten Baseball-Teams der Welt, die New York Yankees und die Boston Red Sox. Geplant ist eine Zwei-Spiele-Serie Ende Juni 2019, die voraussichtlich im London Stadium (dem ehemaligen Olympiastadion) stattfinden wird. Formal werden es Heimspiele der Red Sox sein. Das Stadion wird hauptsächlich für Fußballspiele des Premier-League-Klubs West Ham United genutzt, aber da es auch für Leichtathletikveranstaltungen gebaut wurde und dementsprechend über eine Laufbahn verfügt, sind die Voraussetzungen wohl einigermaßen günstig, die für europäische Verhältnisse ungewohnten Ausmaße eines Baseballfeldes darin unterzubringen.

Cobb unterschreibt bei den Orioles 
Mit SP Alex Cobb ist der vorletzte „große“ Free Agent dieses Jahres endlich bei einem neuen Klub untergekommen. Anders als viele Kollegen, die sich letzte Woche mit kleineren Brötchen zufrieden geben mussten, hatte Cobb mit seiner Strategie des Abwartens offensichtlich Erfolg: Er erhält einen Vierjahresvertrag über 60 Millionen Dollar bei den Baltimore Orioles und hat damit sehr viel mehr herausgeholt als beispielsweise der gleich alte und etwa gleich starke Lance Lynn, der sich letzte Woche mit einem Einjahresvertrag über 12 Millionen bei den Twins zufrieden geben musste. Cobb verpasste nach einer Tommy-John-Surgery den Großteil der Saison 2016, war aber 2017 wieder ganz der Alte und brachte es für die Tampa Bay Rays auf einen ERA von 3.66 in knapp 180 Innnings. In Baltimore wird Cobb die bislang schlechteste Starting Rotation der Liga verstärken.

Ein paar weitere Free-Agent-Verpflichtungen
Außer Cobb gab es diese Woche nur ein paar nachrangige Free-Agent-Signings. Ich zähle hier nur diejenigen auf, bei denen ich mir am ehesten vorstellen kann, dass die Akteure dieses Jahr eine Rolle in den Major Leagues spielen könnten. Der relevanteste Spieler, der immer noch keinen neuen Vertrag hat, ist übrigens RP Greg Holland.

Die Washington Nationals haben Pitcher Jeremy Hellickson über einen Minor-League-Vertrag geholt. Hellickson hatte mit einem ERA von 5.77 für die Phillies und die Orioles 2017 das schwächste Jahr seiner Karriere und bewirbt sich bei den Nationals mit mehreren Konkurrenten um den fünften Spot der Rotation.

Ebenfalls um einen Platz in der Rotation wird sich Trevor Cahill bewerben, der zu den Oakland Athletics zurückkehrt, dem Team, das ihn 2006 gedraftet und bei dem er 2009 bis 2011 seine ersten MLB-Saisons verbracht hatte. Der 30-Jährige hatte in den letzten Jahren mit Verletzungen und Leistungsschwankungen zu kämpfen, die ihm zeitweise eine Versetzung in den Bullpen einbrachten. Bei den dünn besetzten A’s, die ihm 1,5 Millionen Dollar für ein Jahr bezahlen, könnte er die Chance haben zu starten.

Der dritte im Bunde der Pitcher, die auf eine Wiederbelebung ihrer Karriere hoffen, ist Clay Buchholz. Der zweimalige All-Star, der fast das gesamte letzte Jahr wegen einer Operation am Wurfarm verpasste, erhält bei den Kansas City Royals zunächst einen Minor-League-Vertrag. Dieser wird zu einem MLB-Vertrag über 1,5 Millionen Dollar, wenn und sobald Buchholz ins 40-Mann-Roster aufgenommen wird.

Die Toronto Blue Jays haben mit einem Minor-League-Vertrag für Danny Espinosa die Tiefe ihres Infields verstärkt. Espinosa war letzte Woche von den Yankees entlassen worden, nachdem diese Free Agent Neil Walker geholt hatten.

Neue Verträge für Altuve und Suarez
Der World-Series-Champion Houston Astros hat den ersten und wichtigsten Schritt getan, den Kern des Meisterteams langfristig zusammenzuhalten: 2B José Altuve unterschreibt einen neuen Vertrag, der ihn für die kommenden sieben Jahre an die Astros bindet. Die Einigung bringt ihm 151 Millionen Dollar für die Jahre 2020 bis 2024 ein, zusätzlich zu den 12,5 Millionen aus dem bestehenden Vertrag für 2018 und 2019. Das ist eine Menge Geld – das meiste, das die Astros je für einen Spieler ausgegeben haben –, aber jeder Cent davon ist gerechtfertigt. Altuve ist der amtierende MVP der American League, welche er seit vier Jahren hintereinander in Hits anführt, und er ist der unumstrittene Dreh- und Angelpunkt des Erfolgs der Astros.

Auch die Cincinnati Reds haben sich mit einem ihrer Leistungsträger auf eine langfristige Zusammenarbeit geeinigt: 3B Eugenio Suarez erhält einen Siebenjahresvertrag mit Option auf ein achtes Jahr. Der 26-Jährige hatte 2017 seine Breakout-Saison mit Schlagleistungen von .260/.367/.461 und obendrein starkem Defensivspiel. In den kommenden sieben Jahren wird Suarez 66 Millionen Dollar verdienen.

Turner, Phelps und weitere Verletzte
Schon im Spring Training so schwer verletzt zu werden, dass man die bevorstehende Saison verpasst, ist besonders bitter. Auch dieses Jahr hat es schon wieder eine ganze Reihe von Spielern erwischt: Nach den Pitching-Talenten Brent Honeywell und José de Leon von den Rays müssen nun auch SP Jharel Cotton (Athletics), RP David Phelps (Mariners) und OF Alex Dickerson (Padres) sich der berüchtigten Tommy-John-Surgery unterziehen.

3B Justin Turner von den Dodgers und SP Jason Vargas von den Mets haben unterdessen wohl Glück im Unglück: Turner hat sich das linke Handgelenk, Vargas seine rechte Hand gebrochen. Beide verpassen damit natürlich den Saisonstart, dürfen aber darauf hoffen, in ein paar Wochen wieder einsatzfähig zu sein.

Und schon wieder eine Dopingsperre
Leider kommt auch diese Woche nicht ohne einen neuen Dopingfall aus: Jorge Polanco, Shortstop der Minnesota Twins, wurde positiv auf das Steroid Stanozolol getestet. Wie im Falle eines ersten Verstoßes gegen die Dopingregeln der MLB üblich, wird Polanco für 80 Spiele, also rund die Hälfte der Saison gesperrt. Ob auf den 24-Jährigen nach Rückkehr aus der Zwangspause noch sein alter Job wartet, ist fraglich. Er war für die Startformation eigentlich gesetzt, doch nun wird Eduardo Escobar eine neue Chance erhalten, den Posten dauerhaft zurück zu gewinnen.

Die ultimative Rache des Mike Perez 
Wer erinnert sich noch an die skurrilste Verletzung des vergangenen Jahres? Martin Perez, Pitcher bei den Texas Rangers, war im Dezember gestürzt, als er auf seiner Farm vor einem Bullen davon lief. Wie die Sache für Perez endete, ist bekannt: Er brach sich den Ellenbogen seiner Handschuh-Hand, musste operiert werden und verpasste einen Großteil der Vorbereitung auf die neue Saison. Letzten Sonntag stand er zum ersten Mal im Spring Training auf dem Mound und absolvierte fünf solide Innings. Für den Bullen ging die Sache nicht ganz so glimpflich aus: „I killed him and I ate him,” verriet Perez nach dem Spiel. “It was good meat. No more bull.“ Dann wäre das also auch geklärt.

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März 8th, 2018 by Dominik

Noch exakt drei Wochen sind es bis zum Saisonstart der MLB. Mike Moustakas, Jake Arrieta, Lance Lynn, Alex Cobb, Greg Holland und einige andere sind nach wie vor arbeitslos, während es in den vergangenen Tagen nur ein paar Verpflichtungen aus der zweiten oder dritten Reihe der Free Agents gab. Einige davon mussten sich mit einem Minor-League-Vertrag begnügen, nachdem der Markt in dieser Offseason für den Großteil der Spieler nicht viel hergab. Für den erwartungsfrohen Baseballfan gibt es immerhin schon seit zwei Wochen täglich Live-Baseball. Wenn man sich die aktuellen Stände im Spring Training anschaut, dann sieht das schon fast so aus, wie es auch in der regulären Saison laufen könnte: Die New York Yankees (10-2) führen die Grapefruit League an, die Chicago Cubs (9-2) die Cactus League, während sich ganz unten die Pittsburgh Pirates (3-7) und die Texas Rangers (3-8) tummeln.

Was bedeuten Spring-Training-Ergebnisse?
Nur zur Erinnerung, bevor die Fans der Yankees und der Cubs mit dem Feiern anfangen und die der Rangers und der Pirates Tränen vergießen: Die Ergebnisse des Spring Trainings haben nur einen ganz geringen Zusammenhang mit denen der regulären MLB-Saison. Letztes Jahr landeten zum Beispiel die Houston Astros im Spring Training nur bei 15-15, während Teams wie die Pittsburgh Pirates (19-12) oder die Los Angeles Angels (21-14) es auf hervorragende Bilanzen brachten – wir wissen alle, dass es nach der regulären Saison deutlich anders aussah.

Noch ein Tommy-John-Opfer bei den Rays
Schlechte Nachrichten für die Tampa Bay Rays: Nach Top-Prospect Brent Honeywell muss nun ein weiteres Pitching-Talent der Rays die Hoffnung begraben, dieses Jahr in der MLB sein Können unter Beweis zu stellen: José de León hat sich ein Band im Ellenbogen gerissen und wird sich genau wie Honeywell einer Tommy-John-Surgery unterziehen müssen. Die übliche Ausfallzeit nach dieser Prozedur beträgt 12 bis 14 Monate.

Ichiro zurück in Seattle
Für die Fans der Mariners und für einen der berühmtesten Spieler ihrer Geschichte wird ein Traum wahr: Ichiro Suzuki ist zurück in Seattle. Der 44-jährige Outfielder erhält einen Einjahresvertrag über 750.000 bis 2 Millionen Dollar und die Gelegenheit, seine großartige MLB-Karriere an dem Ort ausklingen zu lassen, an dem er die ersten zwölf Jahre davon verbracht hat. Für die Mariners war ein Move nötig geworden, nachdem in ihrem ohnehin dünn besetzten Outfield Ben Gamel für sechs Wochen ausfällt und auch Mitch Haniger und Guillermo Heredia angeschlagen sind. Ichiro stellt für die Mariners sowohl die benötigte Ergänzung auf dem Feld als auch eine willkommene Promotion- und Merchandising-Möglichkeit dar.

Rangers verpflichten kubanisches Talent
Die Texas Rangers haben 2,8 Millionen Dollar ihres internationalen Bonuspools investiert und sich die Dienste von Julio Pablo Martinez gesichert. Das 21-jährige kubanische Outfield-Talent erhält getreu den Regeln für internationale Verpflichtungen einen Minor-League-Vertrag sowie die genannte Summe als Signing Bonus. Martinez wird auf der Liste der Top-100-Prospects von Baseball America auf Rang 60 aufgenommen und ist damit das dritthöchste Prospect der Rangers.

Weitere Signings
2B/3B Ryan Schimpf konnte sich bei den Tampa Bay Rays, die ihn erst im Dezember von den San Diego Padres ertradet hatten, nicht durchsetzen. Gegen eine finanzielle Entschädigung lassen die Rays ihn nun weiterziehen zu den Atlanta Braves. Die Braves können ihn als Absicherung an der noch nicht endgültig besetzten dritten Base gebrauchen und ihn, da er noch zwei Jahre lang Minor-League-Optionen hat, ihn zwischendurch problemlos in der Farm parken.

Auch die Kansas City Royals haben noch etwas für die Tiefe ihres Kaders getan: Für ein Jahr und drei Millionen Dollar ergänzt Jon Jay das Outfield und Pitcher Ricky Nolasco bekommt einen Minor-League-Vertrag sowie die Chance, sich um einen Platz in der Starting Rotation zu bewerben.

Genau wie Nolasco hat auch Reliever Tyler Clippard keinen Erfolg dabei gehabt, einen neuen MLB-Vertrag zu finden. Auch er hat daher einen Minor-League-Vertrag unterschrieben in der Hoffnung, bei den Toronto Blue Jays so sehr zu überzeugen, dass er es zurück in die Majors schafft.

Allrounder Danny Valencia muss sich bei den Baltimore Orioles ebenfalls vorerst mit einem Minor-League-Vertrag zufrieden geben. Er hat allerdings die Option ausgehandelt, dass er 1,2 Millionen plus leistungsbezogene Bestandteile verdienen wird, sofern die Orioles ihn ins MLB-Team holen. Valencia ist hauptsächlich eine Absicherung für den Fall von Verletzungen, vielleicht aber auch für einen möglichen Trade von Manny Machado.

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März 1st, 2018 by Dominik

Die Baltimore Orioles sind das erste Team in meiner diesjährigen Vorschauserie, das sich nicht erklärtermaßen im Rebuilding befindet. In einem, spätestens in zwei Jahren wird sich das ändern. Mit Manny Machado und Zach Britton nach der Saison 2018 sowie Adam Jones, Mark Trumbo und Jonathan Schoop 2019 werden viele Leistungsträger Free Agents und die meisten davon werden die Orioles nicht halten können. Einstweilen bleibt völlig unklar, was der Plan für dieses Jahr ist. Man könnte meinen, Machado müsste der Dreh- und Angelpunkt jeder sinnvollen Entwicklung sein: Geht man den Neuaufbau an und tradet ihn ein Jahr vor Vertragsablauf gegen eine Ladung Prospects? Tradet man ihn gegen gute Starting Pitcher, um mehr Ausgewogenheit ins Team zu bringen und dieses wettbewerbsfähig zu machen? Oder behält man ihn, nimmt richtig Geld in die Hand, um die Schwachstellen zu beheben, und spielt um die Playoffs? Die Orioles haben nichts davon getan, sich lediglich um ein paar Schnäppchen-Verpflichtungen ergänzt. Das scheint mir in der starken AL East zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel.

Voraussichtliches Lineup
C Caleb Joseph
1B Chris Davis
2B Jonathan Schoop
SS Manny Machado
3B Tim Beckham
LF Trey Mancini
CF Adam Jones
RF Austin Hays
DH Mark Trumbo

Voraussichtliche Rotation
SP Dylan Bundy
SP Kevin Gausman
SP Andrew Cashner
SP Chris Tillman
SP Gabriel Ynoa
Closer Zach Britton

Wichtigster Zugang
SP Andrew Cashner (Texas Rangers)

Wichtigster Abgang
C Wellington Castillo (Chicago White Sox)

Bestes Prospect
OF Austin Hays

Größte Stärke
Buck Showalter: Der Manager der Orioles ist ein Baseball-Genie und immer für einen überraschenden Schachzug gut. Seine pure Anwesenheit ist ein guter Grund, diese Mannschaft trotz unübersehbarer Schwächen und fragwürdiger Moves nie völlig abzuschreiben.

Größte Schwäche
Die Rotation: Mit einem ERA von 5.70 hatten die Orioles 2017 die schwächsten Starter der gesamten MLB und Andrew Cashner als der einzige Neuzugang in der Riege wird dieses Problem nicht beheben.

Spannendste Frage
Was wird aus Manny Machado? Die Tradegerüchte hielten sich hartnäckig in der ersten Hälfte der Offseason, doch die Orioles zogen darunter einen vorläufigen Schlussstrich. Als Zugeständnis, um ihren Star bei Laune zu halten – vielleicht aber auch, um seinen Tradewert noch zu steigern -, gewähren sie Machado seinen Wunsch, künftig Shortstop statt an der dritten Base zu spielen. Sobald absehbar ist, dass die Orioles dieses Jahr nichts reißen, werden die Spekulationen um einen Trade wieder aufflammen.

Prognose
Platz 5 in der AL East

Hier geht’s zum Power-Ranking und allen bisher erschienenen Previews.

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Februar 1st, 2018 by Dominik

Wieder ist die neue MLB-Saison ein Stück näher gerückt und wieder war es eine relativ ereignisarme Offseason-Woche – abgesehen von den Aktivitäten der Brewers kurz nach dem letzten Grand Slam am Donnerstag. Ich weiß, dass ich mich Woche für Woche wiederhole, aber noch immer ist ein Großteil der interessantesten Free Agents ohne Vertrag für 2018. Ein Ende der Hängepartie ist nicht in Sicht, der Trainingsauftakt der meisten Teams aber nur noch zwölf Tage entfernt. Kein Wunder, dass inzwischen offenbar viele der verbleibenden Free Agents darüber nachdenken, sich zu einem eigenen Trainingslager zu treffen, damit sie von ihrem Fitnessstand her nicht ins Hintertreffen geraten gegenüber den unter Vertrag stehenden Spielern.

Brewers verstärken sich mit Yelich und Cain
Die Milwaukee Brewers haben einen Doppelschlag gelandet und damit alle Welt wissen lassen, dass mit ihnen dieses Jahr zu rechnen sein wird: Innerhalb von nur einer Stunde haben sie ihr Outfield gewaltig aufgerüstet, indem in der Nacht von Donnerstag auf Freitag zuerst ein Trade für Christian Yelich und dann die Verpflichtung von Lorenzo Cain bekannt wurden.

Beide Maßnahmen haben sich die Brewers ordentlich was kosten lassen: Cain erhält einen Fünfjahresvertrag über 80 Millionen Dollar. Das ist MLB-weit mit Abstand der hochwertigste Kontrakt der bisherigen Offseason. Yelich kommt zwar mit einem relativ teamfreundlichen Vertrag (43,25 Millionen für die nächsten vier Jahre plus Teamoption für 2022), doch mussten die Brewers für ihn ein Paket von vier Prospects nach Miami schicken: OF Lewis Brinson, OF Monte Harrison, INF Isan Diaz und RHP Jordan Yamamoto werden die Marlins spürbar voran bringen mit ihrem Rebuilding-Projekt. Insbesondere Brinson und Diaz gelten als große Talente auf ihrer jeweiligen Position; Brinson wird möglicherweise schon ab Saisonbeginn das Centerfield der Marlins übernehmen.

Die Brewers haben sich außerdem für 5 Millionen Dollar und zwei Jahre die Dienste von Reliever Matt Albers gesichert und nach allem, was sich vernehmen lässt, sind sie noch nicht fertig damit, sich für einen Angriff auf die NL Central zu rüsten: Mindestens ein hochwertiger Starter soll noch her, unter anderem sind die Brewers wohl noch im Rennen um Top-Free-Agent Yu Darvish.

Mets behalten Reyes, traden Smoker
Auch die New York Mets sind noch auf der Suche nach einem Starting Pitcher, allerdings eher nach einer preiswerten Option für die Mitte der Rotation. Priorität hat bei den Mets vermutlich aber ein erfahrener Second oder Third Baseman. Aktuell stünden für diese Posten mit Asdrubal Cabrera, Wilmer Flores und dem frisch für ein weiteres Jahr und 2 Millionen Dollar verpflichteten José Reyes drei Utility-Spieler zur Verfügung, die allesamt zu soliden Battingleistungen fähig, defensiv aber eher als Fragezeichen einzustufen sind. Um im Roster Platz für Reyes zu schaffen, wurde der linkshändige Reliever Josh Smoker designated for assignment. Für ihn fand sich prompt ein Interessent in den Pittsburgh Pirates, die im Gegenzug für Smoker Lefty-Prospect Daniel Zamora und etwas Geld nach New York schicken.

Trade zwischen Athletics und Royals
Einen weiteren Trade gab es zwischen den Oakland Athletics und den Kansas City Royals: Die A’s senden die beiden Pitcher Jesse Hahn und Heath Fillmyer nach Kansas City, dafür erhalten sie DH Brandon Moss, RP Ryan Buchter und 3,25 Millionen Dollar. Moss ist der bekannteste Name in diesem Trade, doch bei seiner Rückkehr nach Oakland geht es vermutlich eher um die Übernahme eines Großteils seines Gehalts von 8,25 Millionen Dollar, denn die Royals sind nach wie vor bemüht, das Geld für einen langfristigen Kontrakt mit 1B Eric Hosmer zusammenzukratzen. Neben diesen finanziellen Erwägungen ist der Kern des Trades, dass die Athletics einen dringend benötigten linkshändigen Reliever für ihren Bullpen bekommen haben und die Royals zwei günstige Ergänzungen für ihre alternde Rotation.

Noch ein Reliever für die Diamondbacks
Die Arizona Diamondbacks setzen derweil ihre letzte Woche begonnene Strategie fort, schwächelnde Reliever mit Minor-League-Verträgen anzuhäufen in der Hoffnung, dass ein paar davon zurück in die Erfolgsspur finden. Nach Antonio Bastardo, Fernando Salas, Kris Medlen und Michael Blazek reiht sich nun auch Neftali Feliz in die Reihe der Hoffnungsvollen ein. Feliz begann letzte Saison als Closer der Brewers, wurde aber nach schwachen Leistungen (6.0 ERA) im Juni entlassen und überzeugte auch nach der Aufnahme durch die Royals nicht, die ihn schließlich am 1. September ebenfalls aus dem Kader strichen.

Machado wechselt die Position
Manny Machado galt in dieser Offseason lange als Kandidat für einen Trade, da sein Vertrag zum Ende der Saison ausläuft, die Ziele der Baltimore Orioles wie fast jedes Jahr ein Rätsel sind und Machado selbst keinen Hehl daraus machte, dass er unzufrieden mit seiner primären Verwendung als Third Baseman ist. Nun sieht alles danach aus, dass Machado zumindest bis zur Trade Deadline Ende Juli in Baltimore bleiben wird. Um ihm dies schmackhaft zu machen und vielleicht auch, um seinen Tradewert noch etwas nach oben zu treiben, wird ihm sein Wunsch gewährt, dieses Jahr auf seiner Lieblingsposition als Shortstop zu spielen. Voraussichtlich wird er dafür schlicht die Rollen mit dem bisherigen SS Tim Beckham tauschen. Natürlich mühen sich nun alle Verantwortlichen zu betonen, dass diese Umstellung eine rein sportliche Entscheidung zum Besten des Teams ist – man darf sich aber schon fragen, warum man dann erst jetzt auf diese Idee gekommen ist…

Chief Wahoo hat ausgedient
Nach langer Diskussion, zu der ich vor einem Dreivierteljahr schon mal meinen Senf abgegeben hatte, ist nun endlich eine Entscheidung gefallen: Chief Wahoo, die von vielen als rassistisch empfundene Indianerkarikatur auf den Uniformen der Cleveland Indians, wird 2018 seine Abschiedssaison geben. Ab 2019 leistet Chief Wahoo dem Sarotti-Mohr und dem Affenpullover von H&M Gesellschaft im längst überfälligen Ruhestand. Ich finde, über Teamnamen wie Braves oder Indians kann man durchaus geteilter Meinung sein und man muss nicht gleich in allem einen Angriff oder eine Beleidigung sehen. Aber die debil grinsende knallrote Fratze mit Hakennase liegt für mich jenseits der Grenze von Geschmacks- oder Interpretationsfragen und ich bin froh, dass sie bald weg ist.

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Dezember 14th, 2017 by Dominik

Der Knoten in der MLB-Offseason ist geplatzt: Am Wochenende haben sich Giancarlo Stanton und Shohei Ohtani, die wichtigsten Wechselkandidaten des Jahres, für neue Teams entschieden. Gerade rechtzeitig vor den Winter Meetings der MLB, die diese Woche in Orlando stattfinden. Diese Meetings oder wohl eher die Lunch- und Kaffeepausen dazwischen sind traditionell eine Gelegenheit, zu der viele Trades und sonstige Transaktionen in die Wege geleitet oder zum Abschluss gebracht werden. In diesem Jahr ist bislang vor allem der Markt für Reliever sehr aktiv gewesen. Ein spannender Teil und zugleich der Abschluss der Winter Meetings ist die heute Nachmittag stattfindende Rule-5-Draft.

Jubel und Sorgen um Ohtani
Die Los Angeles Angels sind der Gewinner des großen Buhlens um den japanischen Star-Pitcher und -Outfielder Shohei Ohtani. Diese Nachricht kam etwas überraschend: Als Ohtani letzte Woche zunächst 23 Teams einschließlich den ehemals als Favoriten geltenden Yankees absagte, wurden ihm diverse Ziele zugeschrieben: Er wolle an die Westküste, hieß es, und zumindest dazu passt seine Wahl der Angels. Zu den anderen Kriterien, von denen man lesen durfte, passt sie allerdings weniger: Er wolle zu einem Team mit mittelgroßem Markt, das sind die Angels sicher nicht. Er wolle zu einer Franchise mit einer guten Farm, das behaupten von den Angels nicht viele – erst recht nicht nachdem sie gerade zwei von ihren ohnehin nicht zahlreichen Prospects nach Detroit geschickt haben als Gegenleistung für 2B Ian Kinsler. Und er wolle zu einem Team, in dem er der Star ist – dazu müsste er in Anaheim erst mal an Mike Trout vorbei kommen. Aber sei es wie es will, die Angels sind es geworden, es sei ihnen herzlich gegönnt und jetzt darf man gespannt sein, ob Ohtani dem Hype gerecht wird.

Die jüngsten Meldungen sind leider nicht allzu ermutigend: Vorgestern wurde bekannt, dass Ohtani unter einem beschädigten ulnaren Seitenband im Wurfellenbogen leidet. Es handelt sich wohl vorerst nur um einen kleinen Riss, der ihn nicht zwingend beeinträchtigt. Aber für den Fall, dass das Band komplett durchreißen sollte, droht Ohtani die berüchtigte Tommy-John-Surgery und damit mindestens ein Jahr Pause.

Ziemlich neueste Freunde 
Auch Giancarlo Stanton hat eine neue Heimat gefunden und vermutlich auch einen neuen Freund: Mit Aaron Judge bildet er bei den New York Yankees zukünftig eine Mitte des Lineups, wie die MLB sie kaum jemals gesehen hat. 111 Homeruns haben die beiden 2017 zusammen geschlagen und es würde mich nicht wundern, wenn es demnächst noch mehr werden: erstens weil Judge dieses Jahr ein Rookie war und daher wohl noch Steigerungspotenzial hat; zweitens weil Stanton nun in einem deutlich hitterfreundlicheren Heimstadion spielt als bisher; drittens weil es für gegnerische Pitcher schwieriger wird, um einen der beiden herum zu pitchen, wenn danach direkt der andere an die Platte tritt.

Die Yankees haben Stanton von den Marlins mehr oder weniger geschenkt bekommen: Sie schicken nach Miami zwei nachrangige Prospects sowie 2B Starlin Castro inklusive dessen als zu teuer geltenden Zweijahresvertrag. Derek Jeter, Yankees-Legende und jetzt Miteigentümer der Marlins, ist seinem alten Klub sogar noch in der Form entgegen gekommen, dass die Marlins 30 von den 295 Millionen Dollar übernehmen, die Stanton aus seinem Vertrag noch zustehen. Somit spielt Stanton gut ein Jahr lang kostenlos für die Yankees.

Der Ausverkauf der Marlins geht weiter 
Jeter und die Marlins meinen es ernst damit, sich von ihren Stars trennen und den Kader billiger machen zu wollen. Das beweist nicht nur der Stanton-Trade zu den Yankees, sondern auch der Trade von 2B/OF Dee Gordon zu den Seattle Mariners und der von OF Marcell Ozuna zu den St. Louis Cardinals. Für beide erhalten die Marlins eine Reihe von Prospects. Als nächstes könnte OF Christian Yelich auf dem Sprung sein, womit die Marlins ihr komplettes bisheriges Outfield und damit ihre größte Stärke los wären. Zudem sind sie wohl nicht abgeneigt, den frisch von den Yankees übernommenen 2B Starlin Castro direkt weiter zu traden.

Cubs rüsten Pitching auf
Die Chicago Cubs zählen zu den aktiveren Franchises der letzten Tage und ihre Aufmerksamkeit galt klar dem Pitching: Tyler Chatwood wurde für drei Jahre und 38 Millionen Dollar verpflichtet, um die Starting Rotation zu ergänzen – nicht zuletzt weil eine Weiterbeschäftigung von Jake Arrieta inzwischen als unwahrscheinlich gilt. Chatwood hatte bei den Rockies zuletzt eher unspektakuläre Zahlen (4.69 ERA) produziert, die aber stark durch den Einfluss des Ballparks in Colorado bestimmt waren. Eine weitere Investition in die Rotation haben die Cubs mit Drew Smyly getätigt, der einen Zweijahresvertrag erhält. Nützen wird er seinem neuen Team wohl erst 2019, denn Smyly hatte im Juni eine Tommy-John-Surgery und wird somit frühestens gegen Ende der Saison 2018 einsetzbar sein. Eine sofortige Verstärkung für den Bullpen dürfte Brandon Morrow sein. Der Reliever hatte ein starkes Jahr inklusive einer arbeitsreichen Postseason, in der er in allen 15 Spielen des letztendlichen Vizemeisters Los Angeles Dodgers aktiv war.  Die Cubs zahlen Morrow 21 Millionen für zwei Jahre und haben die Option auf ein drittes Jahr.

Pineda zu den Twins
Die Minnesota Twins haben mit dem Zweijahresvertrag für Starter Michael Pineda ein ähnliches Projekt gestartet wie die Cubs mit Drew Smyly. Pineda kommt ebenfalls frisch von einer Tommy-John-Surgery und wird mindestens einen Großteil der kommenden Saison verpassen.

Tigers signen Fiers und Martin
Auch die Detroit Tigers haben ein paar Free Agents an Land gezogen, wobei SP Mike Fiers und OF Leonys Martin nicht wirklich Spieler sind, die einer bestenfalls auf der Stelle tretenden Franchise entscheidend weiterhelfen dürften. Beide Verpflichtungen sind wohl eher Wetten darauf, dass nach einem enttäuschenden Jahr ein gewisser Rebound erfolgt und man sie zur Trade Deadline gewinnbringend – das heißt gegen ordentliche Prospects – eintauschen kann.

Reliever heiß umworben 
Besonders gefragt waren in der bisherigen Offseason Relief-Pitcher. Das bestätigt die Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre, dass Reliever von den Teams als immer wichtiger eingestuft werden. Die Zeiten, in denen Einjahresverträge der Standard für Reliever waren, scheinen jedenfalls vorbei zu sein: Neben dem bereits erwähnten Brandon Morrow (Cubs) haben auch Luke Gregerson (Cardinals), Pat Neshek (Phillies), Bryan Shaw (Rockies), Tommy Hunter (Phillies), Jake McGee (Rockies), Anthony Swarzak (Mets), Juan Nicasio (Mariners), Joe Smith (Astros), Brandon Kintzler (Nationals) und Chris Martin (Texas Rangers) in den vergangenen paar Tagen allesamt Verträge über mehrere Jahre abgeschlossen.

Machado ist zu haben
Kaum dass das Thema Giancarlo Stanton abgeschlossen ist, drängt sich die nächste mögliche Trade-Geschichte um einen Star auf: Die Baltimore Orioles sind offenbar interessiert daran, 3B Manny Machado loszuwerden, solange sie noch etwas für ihn bekommen, bevor nach der kommenden Saison ohnehin sein Vertrag ausläuft. Machado wäre mit einem Trade wohl einverstanden, insbesondere weil er gern wieder auf seiner ursprünglichen Position als Shortstop spielen würde. Viel zu melden hat Machado bei einem Deal allerdings nicht, denn sein Vertrag enthält keine No-Trade-Klausel. Angeblich liegen bereits fünf Traadeangebote vor, als Favorit  gelten zurzeit die Cardinals. Auch die Yankees sollen Interesse bekundet haben. Es dürfte aber unwahrscheinlich sein, dass die Orioles einen Trade innerhalb der eigenen Division anstreben. Zumindest würden sie dann wohl einen höheren Preis verlangen als ihn die Yankees zu zahlen bereit sind.

Rule-5-Draft heute
Heute ab 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit läuft die Rule-5-Draft der MLB. Der Zweck der Veranstaltung besteht darin, zu verhindern, dass MLB-Teams übermäßig Talente horten. Zur Auswahl stehen Spieler, die mit 18 oder 19 Jahren verpflichtet wurden, seit fünf bzw. vier Jahren unter Vertrag stehen und nicht Teil des 40-Spieler-Rosters ihrer Franchise sind. Diese Spieler können von anderen Franchises – in der Reihenfolge der normalen Draft, also vom schlechtesten bis zum besten Team der letzten Saison – angefordert werden. Im Gegenzug muss das neue Team dem alten 100.000 Dollar bezahlen und den Spieler die gesamte Saison über im 25-Spieler-Kader behalten. Tut es das nicht, hat das alte Team das Recht, den Spieler für 50.000 Dollar zurück zu kaufen. Interessant ist die Rule-5-Draft naturgemäß vor allem für Teams im Rebuilding, denen es nichts ausmacht, einen Rosterplatz mit jemandem zu besetzen, den ein anderes Team als noch nicht MLB-bereit eingestuft hat.

Üblicherweise wechseln über die Rule-5-Draft zwischen 10 und 20 Spieler das Team. Die zur Wahl stehenden Spieler kommen mit mehr oder weniger großen Fragezeichen, denn schließlich werden die bisherigen Teams ihre Gründe haben, diese Spieler nicht durch Aufnahme in den 40-Spieler-Kader vor der Rule-5-Draft zu schützen. Als Kandidaten, die dieses Jahr gewählt werden könnten, gelten zum Beispiel P Mark Appel (#1-Pick der Astros 2013, enttäuschte bisher in den Minors), P Kohl Stewart (#4-Pick der Twins 2013, verletzungsanfällig) und (C/1B Max Pentecost #11-Pick der Blue Jays 2014, ebenfalls oft verletzt).

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Juni 1st, 2017 by Dominik

Mit sieben Siegen in Folge enteilen die Houston Astros dem Rest der Liga und leben sich in diesem Jahr mehr und mehr in die Rolle des World-Series-Favoriten ein, die letzte Saison die Chicago Cubs hatten. Diese wiederum sind bislang nicht in der Lage, die hochgesteckten Erwartungen einer jahrelang dominierenden Dynastie zu erfüllen, stehen nun sogar bei einer negativen Bilanz. Unterdessen produzieren die beiden wohl größten Stars der Liga auf unterschiedliche Weise Schlagzeilen: Bryce Harper teilt Prügel aus, während Mike Trout unters Messer muss und bis auf Weiteres ausfällt. Das und alles, was sonst in der MLB los ist, verrät der heutige Grand Slam am Donnerstag:

National League
Die National League East macht ihrem im Laufe der Saison erworbenen Ruf als langweiligste Division der Liga weiterhin alle Ehre. Die Washington Nationals (33-19) cruisen einsam an der Spitze und wenn wie in den letzten Tagen ihre ansonsten überragende Offense mal nicht klickt, dann zeigen sie, dass sie Spiele auch durch starkes Pitching gewinnen können. Die New York Mets (23-28), Atlanta Braves (22-29), Miami Marlins (21-30) und Philadelphia Phillies (17-34) wechseln sich beständig dabei ab, mal – wie zurzeit die Marlins – ein paar Spiele zu gewinnen und dann wieder – wie zurzeit die Phillies – ein paar mehr zu verlieren und sich dabei durchweg klar unter einer .500-Bilanz zu halten.

In der NL Central sticht momentan vor allem die Schwächephase der Chicago Cubs (25-27) heraus, die heilfroh sein werden, dass der Trip an die Westküste, auf dem sie alle sechs Spiele verloren haben, endlich beendet ist. Zu Hause in Chicago kommt es nun zu einer möglicherweise wegweisenden Serie gegen Tabellennachbar St. Louis Cardinals (27-27). Die Cardinals sind ebenfalls nicht gut drauf, haben zehn der letzten vierzehn Spiele verloren. Man darf gespannt sein, welches der beiden Teams gestärkt aus den Aufeinandertreffen hervor gehen kann. An der Spitze der Division stehen nach wie vor die Milwaukee Brewers (28-25), die allerdings zuletzt auch nicht überzeugen konnten und nur das Glück haben, dass es die Konkurrenten nicht besser machten.

Eindeutiger als in der NL West kann sich eine Zweiklassengesellschaft nicht darstellen: Auf der Sonnenseite stehen die Los Angeles Dodgers (33-21), die Arizona Diamondbacks (33-22) und die Colorado Rockies (33-22) mit jeweils 33 Siegen, auf der Schattenseite die San Diego Padres (22-33) und die San Francisco Giants (22-33) mit ebenso vielen Niederlagen. Hauchdünn an der Spitze stehen seit Neuestem die Dodgers, die eine Serie von sechs gewonnen Spielen – drei davon gegen den World Champion Chicago Cubs – genutzt haben, um an den leicht schwächelnden Rockies (fünf Niederlagen in den letzten sieben Spielen) vorbei zu ziehen. Für die Giants ist unterdessen der kleine Zwischenspurt aus der Vorwoche verpufft. Nach einem Drei-Spiele-Sweep durch die Washington Nationals sind sie nun wieder auf Augenhöhe mit den San Diego Padres, welche ihrerseits mit einem Sweep gegen die Cubs überraschten.

American League
Zur American League East kann man nur sagen: Was für eine Division! Mit den New York Yankees (30-20), den Boston Red Sox (29-23), den Baltimore Orioles (27-24) und den Tampa Bay Rays (29-27) stehen vier von fünf Teams über .500 und selbst die miserabel gestarteten Toronto Blue Jays (26-27) sind nur noch ein einziges Spiel von einer ausgeglichenen Bilanz entfernt. Bei fast allen Teams der Division zeigt der Trend der letzten Spiele nach oben, einzig die Baltimore Orioles erlebten letzte Woche mit sieben Niederlagen hintereinander ihren ersten größeren Einbruch der Saison. Aber auch die O’s scheinen sich wieder gefangen zu haben: Gegen die Yankees gewannen sie gerade zwei von drei und nun steht eine sehr interessante Vier-Spiele-Serie zu Hause gegen die Red Sox an.

Die AL Central ähnelt stark der anderen Central-Division, auch hier macht zurzeit keiner den Eindruck, diese Division ernsthaft gewinnnen zu wollen. Alle fünf Teams haben diese Woche mehr Spiele verloren als gewonnen und so kommt es, dass die Minnesota Twins (26-23) trotz momentan vier Niederlagen in Folge die Tabellenspitze halten. Knapp dahinter folgen die favorisierten Cleveland Indians (27-24), während die Detroit Tigers (25-28), die Chicago White Sox (24-28) und die Kansas City Royals (22-30) in den meisten anderen Divisionen schon deutlich abgeschlagen wären, in dieser aber mit einer mittleren Erfolgsserie relativ schnell oben dabei sein könnten. Insofern ist die AL Central eigentlich genauso spannend wie die AL East, nur auf einem ganz anderen Niveau.

Die AL West stellt sich ähnlich einseitig dar wie die NL East, jedenfalls wäre es schon jetzt – nach knapp einem Drittel der Saison – mehr als überraschend, wenn an den Houston Astros (38-16) in der Division noch irgendwein Weg vorbei führen sollte. Schon vor einer Woche standen die Astros als bestes Team der gesamten Liga da und seitdem haben sie nichts anderes getan als weitere Spiele zu gewinnnen – sieben hintereinander. Anders als in der NL East sehen die restlichen Teams der Division aber nicht ganz so desolat aus – den Texas Rangers (26-28) und den Seattle Mariners (25-29) traue ich durchaus zu, mit einer starken Restsaison um die Wild-Card-Plätze mitspielen zu können. Die Los Angeles Angels (28-28) wären dazu möglicherweise auch in der Lage gewesen, doch ihnen ist jetzt das passiert, was auf keinen Fall passieren durfte: Ihre One-Man-Show Mike Trout, der Superstar der MLB, fällt mit einer Daumenverletzung aus. Er wurde gestern operiert und muss sechs bis acht Wochen pausieren. Bis dahin dürfte die Saison der Angels gelaufen sein.

Szene der Woche
Diese Woche fiel die Wahl leicht, denn die folgende Szene zwischen den Giants und den Nationals war zwar alles andere als schön, aber sie war definitiv das größte Thema in den letzten Tagen: San Franciscos Reliever Hunter Strickland feuert Washingtons Bryce Harper einen 98 mph schnellen Fastball an den Arm, daraufhin wirft dieser Schläger und Helm von sich und stürmt auf Strickland zu, um eine wilde Prügel zu beginnen. Es drängte sich die Vermutung auf, dass es wieder mal um ungeschriebene Regeln ging, aber in dem Fall war die Erklärung noch ein bisschen alberner: Strickland warf Harper offenbar ab, weil dieser vor zwei Jahren (!) gegen ihn zwei Homeruns geschlagen hatte. Beide Spieler wurden nach dem Vorfall gesperrt, Strickland für sechs Spiele und Harper zunächst für vier. Nach einem Einspruch Harpers wurde seine Sperre auf drei Spiele reduziert. Mir erscheint das sehr wenig, denn die erste unfaire Aktion ging zwar von Strickland aus, die Prügelei aber von Harper. Andererseits bedeuten sechs Spiele für Strickland, dass er seinem Team in drei oder vier Innings fehlen wird, die er normalerweise absolviert hätte, während Harper für 27 Innings oder 12 bis 15 At Bats fehlt.

Statistik der Woche 
599 und 2873. Klar, ich hätte noch abwarten können, bis Albert Pujols seinen 600. Homerun schlägt, bevor ich ihn in dieser Kategorie dafür abfeiere. Aber Homerun Nummer 599, erzielt am Dienstag während des 9:3-Sieges der Los Angeles Angels gegen die Atlanta Braves, war gleichzeitig der 2873. MLB-Hit in Pujols Karriere, womit er den wohl größten Baseballer aller Zeiten, Babe Ruth, auf Platz 44 der ewigen Hitliste eingeholt hat. Ziemlich kurios, dass ein einziger Schlag gleich zwei interessante Zahlen produziert. Pujols ist übrigens derzeit die Nummer neun in der Karriere-Rangliste für Homeruns; realistisch anzunehmen ist, dass er es dieses Jahr noch bis zur Nummer sieben bringt.

Spiel der Woche
Gegen die Houston Astros zu gewinnen, ist zurzeit nicht einfach, das bekamen die Minnesota Twins diese Woche dreimal deutlich zu spüren. Insbesondere in dem Spiel am Montag hatte es zwischenzeitlich ganz anders ausgesehen: Zwar gingen die Astros im vierten Inning 2:0 in Führung, doch die Twins kamen mit sieben Runs im fünften Inning zurück und sahen wie der sichere Sieger aus, als ihr wieder mal starker Starter Ervin Santana nach sieben Innings mit einer 8:2-Führung das Spiel verließ. Doch die Astros explodierten mit elf Runs im achten und drei weiteren im neunten Inning gegen den Bullpen der Twins und siegten am Ende mit 16:8. Auch eine Regenunterbrechung beim Stand von 6:8 im achten Inning, über die sich einige Astros-Spieler sichtbar ärgerten, konnte die Aufholjagd nicht stoppen. Für die Astros war es zwar das erste Mal seit 2008, dass sie einen Rückstand von sechs Runs aufholen konnten, aber in der laufenden Saison war es für sie bereits das vierte gedrehte Spiel nach einem Rückstand von fünf Runs.

Spiel der kommenden Woche
Eine sehr interessante Serie wird bestimmt die zwischen den Boston Red Sox und den Baltimore Orioles werden; zum einen wegen der Konstellation, dass sie um die Rolle des ersten Yankees-Verfolgers wetteifern, zum anderen wegen der emotional aufgeladenen Atmosphäre, die seit den letzten Begegnungen zwischen den beiden herrscht. Mit Erschrecken habe ich aber festgestellt, dass ich meinen Einschalttipp der Woche in diesem Jahr noch kein einziges Mal den Houston Astros gewidmet habe. Die haben sich diese Ehre redlich verdient und gegen die Texas Rangers steht Samstagnacht (2:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit) das Lokalderby mit einem hervorragenden Pitching-Matchup an: Houstons Dallas Keuchel (1.81 ERA) trifft auf Texan Yu Darvish (2.97). Für dieses Spiel dürfte es sich lohnen, nachts aufzustehen (oder wach zu bleiben, je nachdem).

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Mai 25th, 2017 by Dominik

Was für ein Tag ist heute eigentlich? Religiöse Menschen feiern Christi Himmelfahrt, gleichzeitig gilt der Tag aber auch in weiten Teilen des deutschsprachigen Raums als Vatertag oder – hauptsächlich in den östlichen Bundesländern – als Herrentag. Nennt ihn wie ihr wollt, auf jeden Fall ist es ein Donnerstag und da gibt es hier wie üblich den Grand Slam, den wöchentlichen Überblick zur MLB. Wenn ihr mit Lesen fertig seid, dann schnappt euch eure Freundinnen und Freunde, Kinder und sonstigen Familienmitglieder und macht einen Ausflug in den lokalen Ballpark, denn fast überall wird heute Baseball gespielt und schöner kann man einen Feiertag doch kaum verbringen, ganz egal wie er bei euch heißt.

American League
Die American League East bleibt neben der NL West die Highlight-Division der MLB. Dem tut auch keinen Abbruch, dass die New York Yankees (27-17) und die Baltimore Orioles (25-20) diese Woche mehr Spiele verloren als gewonnen haben. Im Gegenteil, das erlaubte den Boston Red Sox (24-21) den Anschluss an die Spitze herzustellen und aus dem bisherigen Zwei- einen Dreikampf zu machen.

Quasi täglich rechne ich damit, dass die Minnesota Twins (25-18) der unvermeidlich erscheinende Einbruch ereilt, doch bislang bleibt er aus: Nach derzeit vier Siegen in Folge, darunter ein Sweep gegen die Orioles, haben sie die Führung in der AL Central sogar etwas stabilisiert, auch wenn ihnen die Cleveland Indians (24-21) nach wie vor dicht auf den Fersen sind. War letzte Woche noch die gesamte Division sehr eng beisammen, so hat sich das inzwischen etwas entzerrt, da die Detroit Tigers (22-23), die Chicago White Sox (20-25) und die Kansas City Royals (19-27) in den letzten Tagen allesamt schwächelten und momentan den Anschluss an die Twins und die Indians nicht halten können.

Die Houston Astros (31-16) haben als erstes MLB-Team in diesem Jahr 30 Siege erreicht und führen nach wie vor souverän die AL West an. Dennoch brachte diese Woche mehrere Rückschläge für die Astros, denn zum einen wurden sie in der Serie gegen die Indians zum ersten Mal in diesem Jahr gesweept und zum anderen mussten sie ihr Pitching-Ass Dallas Keuchel auf die Verletztenliste setzen. Es sieht momentan aber ganz danach aus, dass Keuchel schon am kommenden Wochenende wieder dabei sein kann und auf die verlorene Serie antworteten die Astros direkt mit einem Sweep gegen die Tigers. Ernsthafte Verfolger hat Houston bislang noch nicht, aber mit den wiedererstarkten Texas Rangers (24-23) und den überraschend soliden Los Angeles Angels (25-24) weisen immerhin zwei weitere Teams der Division eine positive Bilanz auf. Die Oakland Athletics (21-25) und nach der jüngsten Serie von fünf Niederlagen auch die Seattle Mariners (20-27) sind schon recht abgeschlagen.

National League
Es tut mir in der Seele weh, aber zurzeit habe ich den Eindruck, dass ich – obwohl erst gut ein Viertel der Saison vorbei ist – für den Rest des Jahres immer nur das Gleiche über die National League East zu sagen habe: Die Washington Nationals (28-17) spulen routiniert ihr Programm ab und langweilen sich dabei ein bisschen, denn die anderen Teams der Division sind derzeit schlichtweg nicht konkurrenzfähig – entweder weil sie wie die Atlanta Braves (20-24) und die Philadelphia Phillies (15-29) in der Entwicklung ihres Rosters generell noch nicht so weit sind oder weil sie wie die New York Mets (19-25) extrem von Verletzungen gebeutelt werden oder weil sie die Miami Marlins (16-29) sind, bei denen beide Faktoren zutreffen und sich mit massiver Plan- und Richtungslosigkeit der Franchise paaren.

Was die Minnesota Twins in der American League sind, sind die Milwaukee Brewers (25-21) in der National League: ein Team, das eigentlich mitten im Rebuild steckt, sich aber erstaunlich stark und erstaunlich konstant an der Spitze hält, in diesem Fall an der der NL Central. Je drei Siegen gegen die Mets und die Padres sowie einem Split mit den Cubs folgte nun zwar ein gegen die Blue Jays erlittener Sweep, der die Führung der Bewers vor den St. Louis Cardinals (23-20) und den Chicago Cubs (24-21) aber noch nicht gefährdete. Deutlich abgerutscht ist hingegen das zweite überraschend stark gestartete Team, die Cincinnati Reds (22-24), die sich nach neun Niederlagen aus den letzten zwölf Spielen nur noch knapp vor dem derzeitigen Schlusslicht Pittsburgh Pirates (21-26) halten.

Für die NL West erwartet zwar fast jeder, mich selbst eingeschlossen, dass über kurz oder lang die Los Angeles Dodgers (27-20) sich als die konstanteste Größe im derzeitigen Führungstrio erweisen, aber noch gibt es dafür keine sichtbaren Anzeichen, denn sowohl die Colorado Rockies (31-17) als auch die Arizona Diamondbacks (29-19) befinden sich schon wieder auf Siegesserien. Die San Francisco Giants (20-28) scheinen mit acht Siegen aus den letzten zwölf Spielen, darunter eine Serie von fünf gewonnenen Partien hintereinander, so langsam in Tritt zu kommen. Von einer Aufholjagd zu sprechen, wäre derzeit noch übertrieben; aber zumindest setzen sich die Giants inzwischen deutlich von den San Diego Padres (17-31) ab, dem momentan schlechtesten Team außerhalb der NL East.

Szene der Woche
Zugegeben, mit Baseball hat meine Szene der Woche nicht viel zu tun, aber mit irgendwas muss man sich ja während einer zweistündigen Regenpause beschäftigen. Die Bullpens der Chicago Cubs und der Milwaukee Brewers nutzten die Unterbrechung des Spiels am Freitag, um sich und die ausharrenden Zuschauer mit einem lustigen Tanzwettbewerb bei Laune zu halten. Joachim Llambi wäre ob der dargebotenen Künste wohl nicht gerade vor Begeisterung vom Stuhl gefallen, aber ich habe mich köstlich amüsiert.

Statistik der Woche 
8. In so vielen Spielen hintereinander hat Red-Sox-Pitcher Chris Sale jeweils eine zweistellige Anzahl von Strikeouts erzielt. Damit hat er seinen eigenen, mit Pedro Martinez geteilten Rekord von 2015 eingestellt. Übertreffen konnte er ihn aber nicht, denn letzte Nacht endete die Serie, als Sale beim 9:4-Sieg gegen die Texas Rangers nur sechs Strikeouts gelangen.

Spiel der Woche
Die San Francisco Giants haben dieses Jahr bislang nicht allzu viele Highlights produziert, aber der Sieg bei den St. Louis Cardinals vom Samstag war auf jeden Fall eines: Volle zwölf Innings lang gelang es San Francisco nicht, auch nur einen einzigen Runner in Scoring Position, also auf die zweite Base oder weiter zu bringen – das hatte seit 1990 kein anderes Team „geschafft“. Im dreizehnten Inning fanden die Giants dann doch noch ihre Bats. Mit drei Singles hintereinander wurden die Bases geladen und der 21-jährige Rookie Christian Arroyo brachte am Ende eines 12-Pitch-At-Bats einen Double an und damit die ersten zwei Runs des 3:1-Erfolges nach Hause. Erwähnen sollte man noch die starken Auftritte der beiden Starter Jeff Samardzija (Giants) und Carlos Martinez (Cardinals): Es war das erste Spiel in diesem Jahr, in dem beide Starter mindestens acht Innings durchhielten und keine Runs erlaubten.

Spiel der kommenden Woche
Letzte Woche habe ich an dieser Stelle ordentlich daneben gegriffen, denn ausgerechnet das von mir als Einschalttipp gewählte Spiel der Cubs gegen die Brewers wurde wegen schlechten Wetters abgesagt. In der Hoffnung, dass sich meine Empfehlung nicht wieder als schlechtes Omen erweist, lege ich euch für diese Woche das Gipfeltreffen der AL East zwischen den New York Yankees und den Baltimore Orioles ans Herz. Das europafreundlichste Spiel der Serie ist gleich das erste am Montag um 19:05 Uhr unserer Zeit. Die Starting Pitcher werden voraussichtlich Luis Severino (3.11 ERA) für die Yankees und Dylan Bundy (2.92 ERA) für die O’s sein.

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Mai 18th, 2017 by Dominik

Sie ist schon toll, diese MLB, da ist für jeden was dabei: Mögt ihr klare Verhältnisse, einer geht voran und alle anderen folgen in respektvollem Abstand? Dann werdet ihr die NL East und die AL West lieben. Seht ihr lieber einen spannenden Dreikampf auf hohem Niveau? Dann ist die AL East oder die NL West die passende Division für euch. Oder gefällt euch eher große Ausgeglichenheit mit Chancen für jeden? Dann beschäftigt ihr euch am besten mit den Central-Divisionen. Egal, welche Division ihr zurzeit am liebsten verfolgt – der Grand Slam am Donnerstag bringt sie euch alle:

National League
Fangen wir an mit der momentan langweiligsten Division, der National League East. Die Washington Nationals (25-14) ziehen einsam ihre Kreise und der Rest übt sich gekonnt darin, sie dabei auf keinen Fall zu stören. Stolze acht Spiele beträgt der Vorsprung auf den Zweiten – zurzeit übrigens die Atlanta Braves (16-21) – bereits, das sind mehr als in manch anderer Division der Abstand zwischen dem Ersten und dem Letzten. Tatsächlich waren die Braves die Einzigen, die in den letzten Tagen mit einer Serie von drei Siegen gegen die Blue Jays ein Lebenszeichen von sich gaben. Die anderen drei Teams verloren im Gleichschritt jeweils acht ihrer letzten zehn Spiele, die New York Mets (16-23) sogar sieben in Folge. Die Nationals sind beileibe kein Überteam – zwar haben sie eine brachiale Offense um Bryce Harper und Ryan Zimmerman, doch im Pitching gibt es Schwächen, vor allem im Bullpen. Das merkt aber keiner, solange der Rest der Division so desolat bleibt wie er momentan ist.

Der direkte Gegenentwurf zur einseitigen NL East ist die NL Central. Woche für Woche darf ich hier einen neuen Tabellenführer vorstellen, dieses Mal die Milwaukee Brewers (23-18). Die Brewers haben sich in den letzten Tagen ausgiebig an halbtoten Teams wie den Mets und den Padres gelabt und so die St. Louis Cardinals (21-17) hinter sich gelassen. Aber auch die Chicago Cubs (20-19) und trotz zuletzt fünf Niederlagen die Cincinnati Reds (19-20) sind nicht weit entfernt von der Spitze. Selbst die Pittsburgh Pirates (17-23) sind auf ihrem letzten Platz nur fünfeinhalb Spiele hinter den Brewers. Eine für die Division möglicherweise richtungweisende Serie steht am Wochenende an, wenn von Freitag bis Sonntag die Cubs die Brewers im Wrigley Field empfangen (siehe auch „Spiel der kommenden Woche“).

Spannend ist auch die NL West, allerdings in deutlich zweigeteilter Weise: Die Colorado Rockies (25-15), die Arizona Diamondbacks (24-18) und die Los Angeles Dodgers (23-18) spielen die Spitze unter sich aus, während die San Francisco Giants (17-25) und die San Diego Padres (15-27) sich das Schneckenrennen gegen den letzten Platz liefern. Ich muss zugeben, ich hatte für die vergangene Woche erwartet, dass die Dodgers sich den Spitzenplatz holen und dass die beiden Überraschungsteams aus Arizona und Colorado so langsam nachlassen. Aber ich habe mich geirrt: Die Spitzenserie zwischen den Dodgers und den Rockies endete unentschieden und die Diamondbacks haben sich durch einen Sweep über die Mets den Verbleib im Führungstrio gesichert.

American League
Kommen wir zu einer ganz ähnlichen Division, der American League East. Auch hier ringen drei Teams um die Spitze, während die anderen beiden dieses Jahr mit selbiger nicht viel zu tun haben werden. Die Kluft ist hier allerdings nicht ganz so groß wie in der NL West und dass die Boston Red Sox (21-18) sich eher nach oben Richtung New York Yankees (24-13) und Baltimore Orioles (23-15), die Tampa Bay Rays (21-22) sich hingegen eher nach unten Richtung Toronto Blue Jays (17-24) zu orientieren haben, ist vielleicht eher mein Bauchgefühl und Vorurteil als dass es wirklich aus dem bisherigen Saisonverlauf ableitbar wäre – immerhin haben die Rays gerade Auswärtsserien gegen die Red Sox und gegen die Indians gewonnen und das jeweils völlig verdient.

Lediglich fünf Spiele auseinander von Platz eins bis fünf liegen die Teams der AL Central. Keines davon ist zurzeit in allzu bestechender Form, aber die Ausgeglichenheit der Division ist schon sehr reizvoll. Vorne liegen zurzeit die Minnesota Twins (19-16) dank der gewonnenen Serie gegen die Cleveland Indians (20-19). Die Detroit Tigers (19-19) spielen nach wie vor einen konsequenten .500-Ball und besetzen damit die Mitte der Rangliste vor den Chicago White Sox (17-21) und den Kansas City Royals (16-23), die durch einen Zwischenspurt mit gewonnen Serien gegen die Rays und die Orioles den Anschluss an den Rest des Feldes wiederhergestellt haben.

Ähnlich einseitig wie die NL East, aber von den aktuellen Bilanzen her auf insgesamt höherem Niveau ist die AL West. Die Houston Astros (29-12) haben neun ihrer letzten zehn Spiele gewonnen und führen mit einer Winning Percentage von .707 mit Abstand die gesamte Liga an. Angesichts dieser Dominanz könnte man fast übersehen, dass sich hinter den Astros ebenfalls Erstaunliches tut: Nach derzeit acht Siegen in Folge sind die katastrophal in die Saison gestarteten Texas Rangers (21-20) inzwischen bei einem positiven Record und auf Platz zwei angelangt. Und auch die Los Angeles Angels (22-21) sind mit bisher vier Siegen hintereinander in starker Form und da sie es nun mit den derzeit restlos enttäuschenden Mets zu tun bekommen, könnte diese Serie durchaus noch etwas anhalten, vor allem wenn ihr Superstar Mike Trout an seine fünf Homeruns aus den letzten sechs Spielen anknüpft.

Szene der Woche
Die für mich bemerkenswerteste Szene der letzten Tage stammt aus einem Spiel der Chicago White Sox gegen die San Diego Padres: Beim Stand von 2:1 für die Padres im vierten Inning erreicht Chicagos Jose Abreu die erste Base und scort dann im Zuge von drei Wild Pitches von Trevor Cahill während eines einzigen At Bats den Ausgleich. So etwas sieht man nur sehr selten, also schaut es euch an.

Statistik der Woche 
1849. So viele RBIs hat Albert Pujols in seiner langen MLB-Karriere schon über die Platte gebracht und nimmt damit inzwischen Platz dreizehn in der ewigen Rangliste ein. Zumindest Platz zwölf (derzeit Mel Ott mit 1860) wird er wohl dieses Jahr noch erreichen, vielleicht sogar Rang elf (Willie Mays, 1903). Wenn der 37-jährige Pujols seinen bis 2021 laufenden Vertrag bei den Angels erfüllt, wird ihm ein Platz in den Top-10 wohl sicher sein. Ein weiterer statistischer Meilenstein steht ihm ebenfalls voraussichtlich noch dieses Jahr bevor: Mit 596 Homeruns steht er vor der Aufnahme in den exklusiven 600er-Club, der bisher nur acht Mitglieder hat.

Spiel der Woche
Das sehenswerteste Spiel der letzten Tage war für mich das zwischen den Detroit Tigers und den Baltimore Orioles am Dienstag. Zu bieten hatte die Partie unter anderem: 7 Runs der Orioles im dritten Inning; zwei durch Baltimores Bullpen im siebten und im zwölften Inning vergebene hohe Führungen; zwei Homeruns von Chris Davis in aufeinander folgenden Extra-Innings; und am Ende einen 13:11-Erfolg der Orioles, die zuvor vier Niederlagen hintereinander mit jeweils nur einem Run Unterschied erlitten hatten.

Spiel der kommenden Woche
Mein Einschalttipp der Woche ist das Spiel der Chicago Cubs gegen die Milwaukee Brewers am Samstag um 20:20 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Titelverteidiger Chicago wird unter Beweis stellen wollen, dass man in der NL Central über kurz oder lang wieder den Ton anzugeben gedenkt. Ein Erfolg gegen die Überraschungsmannschaft aus Milwaukee wäre ein guter erster Schritt für die Cubs und Jake Arrieta, der mit einem ERA von 5.44 und 4.18 FIP noch nicht die Form des Meisterjahres gefunden hat. Die Brewers schicken Chase Anderson auf den Mound, der mit einem ERA von 3.43 und 3.02 FIP bislang sein bestes Jahr in den Majors hat.

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Mai 11th, 2017 by Dominik

Beim 18-Inning-Thriller zwischen den Yankees und den Cubs am Montagmorgen kam bei mir zum ersten Mal in diesem Jahr  so etwas wie Playoff-Feeling auf. Das hat Spaß gemacht, aber trotzdem bin ich froh, dass die MLB-Saison noch sehr lange dauert und noch sehr viel passieren kann und wird. Was in den vergangenen sieben Tagen alles passiert ist, verrät der heutige Grand Slam am Donnerstag:

American League
Die New York Yankees (21-10) und die Baltimore Orioles (23-11) marschieren an der Spitze der American League East nahezu im Gleichschritt: Beide haben sieben der letzten zehn Spiele gewonnen, beiden ist diese Woche eine Serie von sechs Siegen in Folge gelungen und für beide endeten diese Serien gestern Abend. Allerdings machen die Yankees deutlich stärker den Eindruck, sich dort oben auf Dauer halten zu können, als die Orioles: Sie scoren mehr Runs, sie lassen weniger Runs zu, vor allem sind sie weniger abhängig von 1-Run-Games. Die Orioles haben acht ihrer Siege mit nur einem Run Unterschied eingefahren, was in der Regel mit Glück und einem guten Bullpen zu tun hat. Nur ist Glück nicht planbar und Baltimores Bullpen hat gerade einen herben Schlag durch die erneute Verletzung von Zach Britton erlitten. Knapp positiv, aber immerhin schon fünf Spiele hinter den beiden Führenden, stehen die Boston Red Sox (17-16), die immer noch nach ihrem Rhythmus suchen. Vielleicht hilft die anstehende Heimserie gegen die Tampa Bay Rays (17-19) den Red Sox, sich ein bisschen aus dem Mittelmaß zu befreien.

Die AL Central ist nach wie vor eng beisammen. Zwischen den Cleveland Indians (18-15) an der Spitze und den Chicago White Sox (15-16) auf Platz vier liegen gerade mal zwei Spiele. Von Freitag bis Sonntag steht eine Serie zwischen den Indians und den derzeit zweitplatzierten Minnesota Twins (16-14). Da sollte man mal reinschauen – zum einen weil es interessant ist, wie sich der erklärte Favorit Cleveland gegen den überraschend guten Underdog Minnesota schlägt, zum anderen um mal wieder unseren deutschen Lokalmatador Max Kepler in Aktion zu sehen, der bei den Twins in diesem Jahr unumstrittener Stammspieler ist. Sein Bat ist im bisherigen Mai (.136/.269/.136) gegenüber dem April (.280/.368/.467) leider deutlich abgekühlt, aber vielleicht geht es ja schon in der Serie gegen die Indians wieder aufwärts.

Unter die AL West möchte man gedanklich schon fast einen Haken machen, so deutlich liegen die Houston Astros (23-11) vorne. Der Abstand zum Zweiten beträgt schon sechs Spiele, das ist mehr als zwischen dem Ersten und dem Letzten in der NL Central. Interessant ist allerdings, wer neuerdings auf Platz zwei steht, denn mit sechs Siegen aus den letzten sieben Spielen haben sich die Seattle Mariners (17-17) nach ihrem enttäuschenden Start zu einer ausgeglichenen Bilanz und vorbei an den Los Angeles Angels (17-19) gearbeitet. Auch die Texas Rangers (15-20) haben mit vier Siegen eine ordentliche Woche hinter sich und damit immerhin verhindert, am Tabellenende völlig abgeschlagen zu sein.

National League
Ähnlich wie in der AL West herrschen auch in der National League East klare Verhältnisse und ich habe nicht den Eindruck, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern dürfte. An den Washington Nationals (22-12) und ihren als einziges MLB-Team über 200 erzielten Runs (209) scheint dieses Jahr kein Weg vorbei zu führen. Die New York Mets (16-17) sind in meinen Augen das einzige Team der Division, das grundsätzlich mit den Nationals mithalten könnte, doch eine Kombination aus Verletzungen, schlechtem Feldmanagement und fortwährender Selbstbeschäftigung (siehe „Szene der Woche) hält sie davon ab. Mit den Philadelphia Phillies (13-19), den Miami Marlins (13-20) und den Atlanta Braves (11-20) hat die AL West gleich drei Teams, die derzeit nicht konkurrenzfähig sind – im Gleichschritt haben alle drei jeweils acht der letzten zehn Spiele verloren.

Umso spannender präsentiert sich dieser Tage die NL Central. Wer mit einem glatten Durchmarsch der Chicago Cubs (17-17) gerechnet hatte, sieht sich getäuscht. Stattdessen ist der Titelverteidiger nach dem Sweep durch die Yankees und einer verlorenen Serie gegen die Rockies auf Platz vier der sehr eng beisammen stehenden Division abgerutscht. Vorne stehen plötzlich die St. Louis Cardinals (19-14), die die vergangene Woche zu einer Serie von sechs Siegen genutzt haben. Das war zwar nur gegen die Braves und die Marlins, aber nun stehen drei Spiele gegen die Cubs an, in denen die Cardinals zeigen können, ob sie zurecht Platz eins besetzen. Mehr als solide halten sich auch die Cincinnati Reds (18-15) und die Milwaukee Brewers (18-16), während die Pittsburgh Pirates (14-20) als einziges Team der Division eine Negativbilanz aufweisen und sich nach bislang vier Niederlagen in Folge für die nächste Zeit im Keller der Tabelle eingerichtet haben.

Noch tiefer im Keller sitzen in der NL West die San Francisco Giants (12-23), bei denen dieses Jahr einfach gar nichts zusammen läuft – die zweitwenigsten Runs (115) und die meisten kassierten Runs (183) der MLB machen wenig Hoffnung, dass diese Saison noch zu retten wäre. Mit den San Diego Padres (13-22) haben die Giants in ihrem Keller immerhin einen Nachbarn in ähnlich aussichtsloser Lage. Zwischen diesen beiden und dem Führungstrio Colorado Rockies (22-13), Los Angeles Dodgers (20-14) und Arizona Diamondbacks (19-16) klafft bereits eine Lücke von sechs Siegen. Die Dodgers haben diese Woche fünf Spiele absolviert und fünf Siege eingefahren und mischen nun auf Augenhöhe mit den beiden anderen mit. Da passt es geradezu perfekt, dass nun eine Vier-Spiele-Serie zwischen den Dodgers und den Rockies ansteht (siehe „Spiel der kommenden Woche“). Diese werden die Dodgers allerdings – ebenso wie den Rest der Saison – ohne Outfielder Andrew Toles bestreiten müssen, der sich im vorgestrigen Spiel gegen die Pirates das Kreuzband gerissen hat.

Szene der Woche
Die bisherige Saison der New York Mets ist sportlich eher mittelmäßig, vom Drumherum aber ist es eine erstklassige Seifenoper. Bisherige Highlights: ein Closer, der sich gegen häusliche Gewalt engagiert und dann 15 Spiele gesperrt wird, nachdem er im Streit mit seiner Frau eine Tür zerstört hat (Jeurys Familia); ein Starting Pitcher, der eine ärztliche Untersuchung ablehnt, weil er „seinen Körper am besten kennt“ und sich im nächsten Spiel den Muskel reißt (Noah Syndergaard); ein anderer Starter, der nicht zum Spiel erscheint, nachdem er bis 4 Uhr morgens seinen Frust darüber ertränkt hat, dass seine Ex mit ihrem Ex ausgegangen ist (Matt Harvey). Und jetzt meine Szene der Woche: Die Mets veröffentlichen auf Twitter ein Foto von T. J. Rivera, der seinen ersten MLB-Homerun geschlagen hat – und übersehen, dass im Hintergrund im Schrank von Kevin Plawecki ein großer schwarzer Dildo zu sehen ist. Ich fürchte, wenn für mich als Metsfan von dieser Saison etwas hängen bleibt, dann vor allem das Gefühl des Fremdschämens.

Statistik der Woche 
4,62 Fuß. Das sind 1,41 Meter und somit eine ziemliche Höhe für einen Pitch, wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Strike Zone ihre obere Grenze auf ca. 3,5 Fuß (1,07 Meter) hat. Orioles-Slugger Mark Trumbo hat am Montag beim 6:4-Sieg seines Teams gegen die Nationals das Kunststück fertig gebracht, solch einen Pitch von Gio Gonzalez zum Homerun zu schlagen. Es war der höchste Homerun-Pitch seit Beginn der Messungen, also seit mindestens 2008.

Spiel der Woche
Das Matchup der New York Yankees gegen die Chicago Cubs versprach schon vorher ein interessantes zu werden, aber das dritte Spiel der Serie am Sonntag übertraf alle Erwartungen. Bis zur Mitte des neunten Innings sah es nach einem relativ klaren Sieg der Yankees aus mit einer 4:1-Führung und Top-Closer Aroldis Chapman auf dem Weg zum Mound. Doch Chapman vergab die Save-Situation, nach zwei Walks und drei Singles ließ er durch einen Hit-by-Pitch bei geladenen Bases den Ausgleich zu. So ging das Spiel in die Verlängerung, welche nach den neun regulären Innings volle neun weitere Innings andauerte und deren Highlight ein Wahnsinnscatch von Kyle Schwarber im zwölften Inning war. Die Entscheidung im 18. Inning brachte ein mit äußerster Mühe – Bunt, Error, Sacrifice, Fielders Choice – zusammengeschusterter Run der Yankees durch Aaron Hicks. Was aber vor allem in Erinnerung bleiben wird, ist der neue MLB-Rekord für die meisten Strikeouts in einem Spiel: Mit 48 wurde die alte Marke von 43 (aus einem 20-Inning-Spiel der Angels gegen die Athletics von 1971) deutlich übertroffen.

Spiel der kommenden Woche
Die Colorado Rockies und die Los Angeles Dodgers haben ab heute vier Tage lang Gelegenheit, unter sich auszumachen, wer Herr im Hause NL West ist. Das vierte Spiel der Serie läuft am Sonntag nicht nur zur europafreundlichen Zeit von 21:10 Uhr, es ist obendrein sogar das Free Game of the Day auf mlb.tv. Das Pitching-Matchup dieses Spiels besteht aus zwei Top-Talenten: Für die Dodgers wird Julio Urias (1.06 ERA) starten, der vorgestern gegen die Pirates einen No-Hitter bis ins siebte Inning laufen hatte. Sein Gegenüber ist Antonio Senzatela (2.86 ERA), der NL-Rookie des Monats April.

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Mai 4th, 2017 by Dominik

Vor gut drei Wochen habe ich bei einem Blick auf die Ergebnisse der letzten Jahre festgestellt, dass die Chancen auf das Erreichen der Playoffs sehr gering sind, wenn man Ende April bei unter 40% Siegen steht. Jetzt sind wir schon ein paar Tage im Mai und es scheint an der Zeit, sich von einigen Teams für dieses Jahr zu verabschieden: Die Toronto Blue Jays, die San Francisco Giants, die Texas Rangers und die Kansas City Royals stehen allesamt unter den erwähnten 40% und brauchen schon ein kleines Wunder, um aus dem Loch noch heraus zu kommen, dass sie sich selbst gegraben haben. Hier der gewohnte wöchentliche Überblick, was sich sonst so tut in der MLB:

National League
Die National League East wird nach wie vor sehr deutlich dominiert von den Washington Nationals (18-9), die vor allem mit ihrer Offense die Liga rocken. Mit 175 erzielten Runs führen sie die MLB mit großem Abstand vor den Yankees und den Diamondbacks (je 148) an und auch ihr Run Differential von +46 ist das beste der Liga. Einen großen Beitrag dazu leistete das 23:5 über die New York Mets (12-15). Allerdings täuscht dieses Resultat leicht darüber hinweg, dass die Serie gegen die Mets eher ein Rückschlag für die Nationals war, die nicht nur die beiden anderen Spiele verloren sondern auch den in der Offseason teuer ertradeten Outfielder Adam Eaton, der sich einen Kreuzbandriss zuzog. Die Mets haben ihrerseits große Verletzungssorgen: Neu auf der ohnehin schon langen und hochkarätig besetzten Abwesenheitsliste ist Pitching-Ass Noah Syndergaard, der mit einem gerissenen oder angerissenen Rückenmuskel voraussichtlich rund drei Monate lang ausfallen wird.

Deutlich ausgeglichener als die NL East ist die Lage in der NL Central. Die favorisierten Chicago Cubs (15-12) liegen vorne, aber die Milwaukee Brewers (13-13) und die St. Louis Cardinals (12-12) sind nicht weit zurück und alle drei haben in der Woche seit Freitag im Gleichschritt genauso viele Spiele gewonnen wie sie verloren haben. Das gilt im übrigen auch für die Pittsburgh Pirates (12-15), sodass die Cincinnati Reds (13-14) mit drei Siegen und zwei Niederlagen die einzigen in der Division sind, für die sich in der vergangenen Woche irgendetwas bewegt hat.

Auch in der NL West hat sich am Tabellenbild seit letzter Woche nichts Nennenswertes verändert, doch das allein ist nach wie vor Überraschung genug: Die Colorado Rockies (17-11) und die Arizona Diamondbacks (17-12) halten sich wacker an der Spitze und die Los Angeles Dodgers (15-14) tun bislang zu wenig, um daran etwas zu ändern – insbesondere kamen sie gegen die beiden Konkurrenten bisher nicht über Splits in den Heim- und Niederlagen in den Auswärtsserien hinaus und auch gegen die ansonsten recht desolaten San Francisco Giants (11-18) tun sich die Dodgers schwer. Siebenmal trafen die beiden Traditionsrivalen an den letzten zehn Tagen aufeinander, viermal behielten die Giants die Oberhand. Eine schlechte Nachricht für die Diamondbacks muss ich leider noch erwähnen: SP Shelby Miller muss sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen, für ihn ist die Saison somit definitiv gelaufen.

American League
In der American League East muss man sich wohl langsam, aber sicher an den Gedanken gewöhnen, dass die New York Yankees (17-9) „for real“ sind. Seit letzter Woche haben sie drei weitere Serien gegen die Divisionsrivalen Baltimore Orioles (16-10), Boston Red Sox (15-12) und Toronto Blue Jays (9-19) gewonnen. Jetzt bin ich besonders gespannt auf das anstehende Drei-Spiele-Duell gegen den amtierenden Champion Chicago Cubs (siehe „Spiel der kommenden Woche“). Derweil scheint sich zwischen den Red Sox und den Orioles momentan eine Rivalität zu entwickeln, die das gesunde Maß bereits deutlich überschritten hat. Es ging los mit einem ungestümen, aber offenbar unabsichtlichen Slide von Baltimores Manny Machado an die zweite Base, bei dem sich Bostons Dustin Pedroia verletzte und für ein paar Tage ausfiel. Getreu den sogenannten „unwritten rules“ im Baseball warf Red-Sox-Pitcher Eduardo Rodriguez im folgenden Spiel den Ball mehrfach inside in Richtung von Machados Knien – das ist allein schon albern genug, aber die Sache hätte damit zumindest erledigt sein müssen. Stattdessen eskalierte Reliever Matt Barnes die Situation, indem er bei nächster Gelegenheit knapp hinter den Kopf von Machado warf. Barnes wurde dafür mit Recht vier Spiele lang gesperrt. War es das nun endlich? Nein, entschied Chris Sale, das Pitching-Ass der Red Sox, und warf beim vorgestrigen Aufeinandertreffen schon wieder einen Ball hinter Machado, der später mit einem Homerun und einer angemessenen Tirade antwortete. Liebe Red Sox, ich habe euch immer gemocht, aber was soll dieser Schwachsinn? Ganz zu schweigen von den rassistischen Anfeindungen, die sich Orioles-Outfielder Adam Jones am 1. Mai durch offenbar mehrere Dutzend Zuschauer im Fenway Park anhören musste. Haben diese Vollidioten etwa schon vergessen, dass der von ihnen jahrelang als Idol gefeierte Big Papi David Ortiz die gleiche Hautfarbe hat wie der Gegenspieler, den sie nun mit dem N-Wort beschimpften und mit Erdnüssen bewarfen?

Zurück zum Sport. In der AL Central sind die Minnesota Twins (14-11) mit vier Siegen hintereinander und sechs aus den letzten sieben Spielen zurück an die Spitze gestürmt. Die Cleveland Indians (15-12) hatten am Dienstag einen bitteren Abend, als sie nicht nur das Spiel gegen die Detroit Tigers (14-13) und die Tabellenführung verloren sondern auch Pitcher Corey Kluber, der mit Rückenbeschwerden auf die Verletztenliste gesetzt werden musste. Die Chicago White Sox (14-12) und die Kansas City Royals (9-17) sorgten zwischenzeitlich für Schlagzeilen, indem Erstere sechs Siege und Letztere neun Niederlagen in Folge einfuhren. In den letzten drei Tagen gewannen aber die Royals zwei von drei Spielen gegen die White Sox. Die extremen Trends sind somit beide erstmal gestoppt.

Die Houston Astros (19-9) weisen mittlerweile nicht mehr nur in der AL West sondern in der gesamten MLB die beste Bilanz auf. Nach drei Siegen hintereinander gegen die Texas Rangers (11-17) herrschen klare Verhältnisse in der Lokalrivalität. Als wären die Rangers nicht schon gebeutelt genug, fällt nun auch noch Pitcher Cole Hamels für mehrere Monate aus. Da auch die Seattle Mariners (12-16) nach wie vor nicht wirklich in Tritt kommen und die Oakland Athletics (11-16) nach ordentlichem Start inzwischen deutlich eingebrochen sind, richten sich die Los Angeles Angels (15-14) in der Rolle des derzeit einzigen Verfolgers der Astros ein. Die übers Wochenende anstehende Serie zwischen den Astros und den Angels verspricht interessant zu werden.

Szene der Woche
Die Versuchung war groß, hier den Pickoff durch Jon Lester gegen Aaron Altherr zu küren – Würfe zur ersten Base sind bekanntlich die große Schwäche des Cubs-Pitchers und ein Pickoff-Throw durch ihn ist schon eine Sondermeldung wert. Aber da dieser hier „nur“ an die zweite Base ging, erlaube ich mir als Szene der Woche das Triple Play der Orioles gegen die Red Sox vorzuziehen. Ein Triple Play ist immer sehenswert, aber dieses war ganz besonders kurios, weil es nur durch Fehler von fast allen Beteiligten zustande kam: die Umpires signalisieren keinen Infield Fly, Orioles-Shortstop J. J. Hardy fängt den Ball nicht, die Baserunner Mitch Moreland und Dustin Pedroia laufen nicht los, Batter/Runner Jackie Bradley Jr. bricht den Weg zur ersten Base ab und plötzlich sind alle drei Spieler aus statt nur einem.

Statistik der Woche 
32. So viele Runs erzielte Bryce Harper im April und stellte damit einen neuen MLB-Rekord auf, den bislang Larry Walker mit 29 Runs im April 1997 gehalten hatte. Mit dieser Leistung stellt er sogar seinen Teamkollegen bei den Washington Nationals, Anthony Rendon, in den Schatten. Dieser legte diese Woche ebenfalls beeindruckende Zahlen vor, allerdings vor allem in Bezug auf ein einzelnes Spiel und nicht wie Harper auf einen ganzen Monat: Beim 23:5 über die Mets erzielte er in sechs Plate Appearances sechs Hits, davon drei Homeruns, und insgesamt 10 RBIs – in ihrer Gesamtheit ebenfalls eine in der MLB-Geschichte noch nie dagewesene Leistung.

Spiel(e) der Woche
Auf das Podest des Spiels der Woche setze ich dieses Mal gleichrangig zwei Partien, in denen es eindrucksvolle Comebacks zu sehen gab: Das eine geht auf das Konto der New York Yankees, die aus 1:9- und 4:11-Rückständen gegen die Baltimore Orioles mit Hilfe von fünf Homeruns einen 14:11-Sieg nach zehn Innings machten. Das andere war ein 6:5 der Los Angeles Dodgers über die Philadelphia Philles. Mit einem 2:5-Rückstand waren die Dodgers in den Bottom des neunten Innings gegangen, bevor Yasiel Puig, Cody Bellinger und Justin Turner mit Back-to-Back-to-Back-Homeruns gegen Phillies-Closer Hector Neris den Ausgleich besorgten. Zwei Outs später brachte ein Walkoff-Single von Adrian Gonzalez das Spiel nach Hause

Spiel der kommenden Woche
Zwei sehr reizvolle Duelle stehen übers Wochenende an: zum einen das der Houston Astros gegen die Los Angeles Angels of Anaheim, zum anderen das der Chicago Cubs gegen die New York Yankees. Das erste Spiel des Titelverteidigers gegen den wiedererstarkten Rekordmeister ist mein Einschalttipp der Woche: Am Freitag um 20:20 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los, auf dem Mound werden voraussichtlich Kyle Hendricks (4.18 ERA) für die Cubs und Michael Pineda (3.14 ERA) für die Yankees stehen.

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