Mai 10th, 2018 by Dominik

Das Evil Empire hat die Herrschaft übernommen: Nach 17 Siegen in den letzten 18 Spielen, darunter acht in Folge gegen die drei härtesten Konkurrenten in der American League, stehen die New York Yankees an der Spitze der MLB. Aber nicht nur aus New York gab es diese Woche Schlagzeilen: In zwei verschiedenen Ländern außerhalb der USA wurden diese Woche No-Hitter in MLB-Spielen geworfen, Albert Pujols hat seinen 3000. Hit erzielt und Dylan Bundy einen ungeliebten Rekord aufgestellt. Das und alles, was man sonst über die Woche in der MLB wissen sollte, gibt es auch am heutigen Feiertag im Grand Slam am Donnerstag. Und wenn ihr fertig gelesen habt und nicht allzu weit von Berlin, Köln, Dohren, Mainz, Heidenheim oder Ulm wohnt: Macht euch auf in den Ballpark, die Bundesliga spielt heute!

National League
Die Washington Nationals (20-18) scheinen drauf und dran, die National League East von hinten aufzurollen. Nach neun Siegen in den letzten elf Spielen ist der Fehlstart in die Saison bereits so gut wie vergessen. Mit den Diamondbacks, den Yankees und den Dodgers erwartet sie für die nächsten zehn Tage allerdings ein heftiges Programm. Die Atlanta Braves (21-14) hingegen treffen in sieben der nächsten elf Spiele auf die Miami Marlins (13-23). Das klingt nach einer guten Chance für das Überraschungsteam des Jahres, die Führung in der Division erst mal wieder auszubauen. Ein weiteres Überraschungsteam redet dabei ein Wörtchen mit: Die Philadelphia Phillies (21-15) stehen nur ein halbes Spiel hinter Atlanta und das nicht aus Zufall, sondern weil sie neben einer soliden Offense die besten Pitchingwerte der NL East aufweisen – wer hätte das gedacht? Die New York Mets (18-17) sind derweil nach ihrem Höhenflug der ersten Saisonwochen hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet und stehen nur noch knapp positiv, nachdem sie acht der letzten neun Spiele verloren. Endgültig erledigt hat sich bei ihnen das Kapitel Matt Harvey: Der einstige Leistungs- und Hoffnungsträger hatte sich in den vergangenen zwei Jahren durch mehrere Verletzungen, schwankende Leistungen und eine nicht immer vorbildliche Arbeitseinstellung zunehmend ins Abseits befördert. Am Samstag wurde Harvey designated for assignment, am Dienstag einigten die Mets sich mit den Cincinnati Reds auf einen Trade gegen Catcher Devin Mesoraco. Mesoraco ist selbst ein Spieler, der vor ein paar Jahre hohe Erwartungen weckte, diese dann aber vor allem wegen Verletzungen nie erfüllen konnte. Es scheint mir eine gute Lösung für alle Beteiligten zu sein, dass Harvey und Mesoraco nun die Chance zum Neuanfang in einer neuen Umgebung haben. Interessant übrigens, wie schnell es im Baseball manchmal geht: Mesoraco stand am Dienstag zunächst im Lineup der Reds für das Spiel gegen die Mets. Eine Stunde vor Spielbeginn wurde der Wechsel bekannt gegeben, Mesoraco wurde aus dem Reds-Lineup gestrichen und hatte im neunten Inning den ersten Pinch-Hit-Auftritt für sein neues Team gegen das alte.

Die Cincinnati Reds (10-27) haben von den Mets nicht nur Matt Harvey übernommen, sie haben ihnen auch zwei von drei Spielen abgenommen und sind dadurch nicht mehr das schlechteste Team der MLB. In der NL Central bleiben sie dennoch abgeschlagen Letzter und das wird sich angesichts der starken Konkurrenz wohl auch nicht mehr ändern. Obwohl die St. Louis Cardinals (20-14), die Milwaukee Brewers (21-16), die Pittsburgh Pirates (21-16) und die Chicago Cubs (19-15) am vergangenen Wochenende diverse Spiele untereinander zu absolvieren hatten, brachten diese keine Klarheit in den Kräfteverhältnissen zu Tage. Alle vier Teams sind immer noch ganz eng zusammen und bilden somit von allen Divisionen die größte und spannendste Spitzengruppe.

Das Gegenteil davon ist die NL West als einzige Division, in der ein Team an der Spitze schon mehr als zwei Spiele Vorsprung hat. Genauer gesagt sind es 3.5 Spiele, die die Arizona Diamondbacks (24-12) vor den Colorado Rockies (21-16) liegen. Die Rockies sind übrigens ein interessantes Phänomen: Ihre Offense kommt kaum in Schwung, das Pitching ist auch nicht besonders gut, dementsprechend weisen sie auch ein negatives Run Differential (-16) auf, aber trotzdem gewinnen sie einen Haufen Spiele und halten sich weit vor den Los Angeles Dodgers (16-20), die mit einer besseren Offense, besserem Pitching und einem Run Differential von +10 aufwarten. Die Dodgers sind übrigens zurzeit das einzige Team der Liga, das mit einem positiven Run Differential eine negative Bilanz aufweist. Zwischen den Rockies und den Dodgers stehen in der Tabelle noch die San Francisco Giants (19-18). Bei den Giants bin ich noch weit entfernt von einer konkreten Idee, was ich von ihnen halten soll. Auch sie stehen mit negativem Run Differential bei einer positiven Sieg-Niederlagen-Bilanz, aber ich traue ihnen noch eine deutliche Steigerung zu, wenn spätestens in der zweiten Saisonhälfte die verletzten Top-Pitcher Madison Bumgarner und Johnny Cueto wieder mitwirken können.

American League
Es brauchte ein bisschen Anlauf, weil die Boston Red Sox (25-11) etwas schneller starteten als erwartet und die New York Yankees (26-10) etwas langsamer, aber inzwischen sind wir mitten in dem erwarteten Kopf-an-Kopf-Rennen um die American League East zwischen den beiden alten Kontrahenten. Die Bilanzen der beiden sind nicht nur innerhalb der Division, sondern auch MLB-weit absolute Spitze und mit 209 (Yankees) bzw. 200 (Red Sox) Runs haben sie die beiden besten Offenses der Liga. Hinter den Rivalen tut sich bereits eine gewisse Kluft auf, 6.5 Spiele liegen die Toronto Blue Jays (20-17) trotz positiver Bilanz schon zurück, von den Tampa Bay Rays (15-19) und den Baltimore Orioles (9-27) gar nicht zu reden. Letztere sind mit einer Siegquote von nur 25% mittlerweile das schlechteste Team der MLB, was auch ihr katastrophales Run Differential von -78 bestätigt.

Schaut man sich die AL Central derzeit im Vergleich mit den anderen Divisionen an, so erscheint es fast schade, dass sie mindestens einen Playoff-Teilnehmer stellen wird. Denn man hat zurzeit nicht den Eindruck, dass irgendjemand ernsthaft daran interessiert ist, diese Division zu gewinnen. Vorne stehen die Cleveland Indians (18-18) und entsprechen somit von der Platzierung her den Erwartungen, allerdings nicht mit ihrer gerade mal ausgeglichenen Bilanz. Der Rest der Gruppe – die Minnesota Twins (15-17), die Detroit Tigers (15-21), die Kansas City Royals (12-24) und die Chicago White Sox (9-25) stehen allesamt im negativen Bereich. Immerhin haben die Twins nach einem ausgedehnten Slump zuletzt deutliche Lebenszeichen gesetzt, indem sie fünf Spiele in Folge gewannen. Unser Lokalmatador Max Kepler konnte dazu leider nicht allzu viel beitragen: Sein Mai läuft mit einer Slashline von .200/.333/.267 bislang bei weitem nicht so gut wie die Saison bis dahin. Hoffen wir, dass er bald wieder die Kurve kriegt.

Die Fans der Los Angeles Angels (22-14) werden diese Hoffnung nicht teilen, denn mit ihrem Team werden Kepler und seine Twins es an den kommenden vier Tagen zu tun bekommen. Die Angels arbeiten erfolgreich daran, dem Titelverteidiger und Favoriten Houston Astros (24-15) in der AL West das Leben schwer zu machen und sich gleichzeitig die ebenfalls überraschend starken Seattle Mariners (20-15) vom Hals zu halten. In Seattle hat übrigens relativ heimlich, still und leise eine wahre Legende ihre Karriere so gut wie beendet: Ichiro Suzuki kündigte am Wochenende an, dieses Jahr nicht mehr zu spielen. Der 44-Jährige wechselt stattdessen als Assistent in den Trainerstab. Er wird nah am Team sein und wohl auch weiterhin mittrainieren, aber sein Spielervertrag wurde in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst. Möglicherweise gibt es 2019 noch einen angemessenen Abschied: Die Mariners eröffnen die nächste Saison am 20. und 21. März mit Spielen gegen die Oakland Athletics (18-19) in Tokio. Laut Seattles GM Jerry Dipoto ist es nicht unwahrscheinlich, dass Ichiro dann noch einmal die Mariners-Uniform anzieht.

Szene der Woche
Meine Szene der Woche umfasst dieses Mal ein komplettes Halbinning. Gemeint ist das obere erste Inning der Partie zwischen den Baltimore Orioles und den Kansas City Royals vom Dienstag. Sage und schreibe zehn Runs erzielten die Royals – ausgerechnet die Royals, bis dato die zweitschlechtesten Run-Scorer der AL! – in diesem Durchgang. Darunter waren vier Homeruns, allesamt zugelassen von Orioles-Starter Dylan Bundy. Nach dem vierten Homer sowie zwischendurch einem Single und zwei Walks musste Bundy beim Stand von 0:7 den Mound räumen, ohne ein einziges Out erzielt zu haben. Vier zugelassene Homeruns eines Pitchers ohne ein Out sind ein historischer Rekord, auch wenn Bundy darauf nicht stolz sein wird. Mike Wright Jr. übernahm die Aufgabe, aus dem Inning heraus zu kommen, was ihm aber auch erst drei Runs später gelang. Insgesamt durften die Royals in diesem Inning 15 Batter an die Platte schicken.

Statistik der Woche 
3003. So viele Hits hat Albert Pujols in seiner MLB-Karriere erzielt. Er ist damit seit dieser Woche das 32. Mitglied im 3000er-Klub der Liga. Diesem gehören außer Pujols noch Adrian Beltre (3075) und Ichiro Suzuki (3089) als aktive Spieler an, an der Spitze steht Pete Rose mit 4256 Hits. Pujols‘ dreitausendster Hit war ein Single in Form eines Linedrives ins Rightfield gegen Mariners-Pitcher Mike Leake beim 5:0-Sieg seiner Angels am Freitag in Seattle.

Spiel der Woche
Den Titel des sehenswertesten Spiels muss ich in dieser Woche doppelt vergeben, nachdem es innerhalb weniger Tage gleich zwei No-Hitter zu sehen gab. Den ersten schafften die Los Angeles Dodgers am Freitag beim 4:0 gegen die San Diego Padres. Die Grundlage hatte Rookie Walker Buehler gelegt, der erst seinen dritten MLB-Start absolvierte und nach 94 Pitches in sechs Innings trotz des laufenden No-Hitters ausgewechselt wurde. Tony Cingrani, Yimi Garcia und Adam Liberatore übernahmen je eines der verbleibenden drei Innings und hielten sich schadlos, sodass die Dodgers zum ersten Mal in der Franchise-Geschichte einen combined No-Hitter bejubeln durften. Da sich das Ganze bei einem Gastspiel im mexikanischen Monterrey zutrug, war es zugleich der erste No-Hitter der MLB-Geschichte außerhalb USA und Kanadas. Apropos Kanada: Dort gab es mittlerweile sieben No-Hitter, den neuesten davon Dienstagnacht in Toronto. Der ging zwar auf das Konto des Gastteams, der Seattle Mariners, aber in gewisser Weise war es doch ein Heimspiel, denn der erfolgreiche Pitcher war der Kanadier James Paxton. Neben Paxton durfte sich Kyle Seager als Held feiern lassen, der an der dritten Base mit seiner Defensivaktion zum Ende des siebten Innings die beste Chance der Blue Jays auf einen Hit zunichte machte.

Mein Einschalttipp
Vermutlich habe ich an dieser Stelle noch keine Paarung so oft empfohlen wie die Boston Red Sox gegen die New York Yankees, aber was soll’s: Es ist nicht nur historisch die größte Rivalität im Baseball, sondern auch ganz aktuell das Duell der beiden erfolgreichsten Teams der Liga. Zwei hochkarätige und spannende Spiele haben sich die Kontrahenten gestern und vorgestern schon geliefert, beide mit dem besseren Ende für die Yankees. Heute Nacht steigt ab 1:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit das dritte und letzte Spiel der Serie im Yankee Stadium. Abonnenten von DAZN können live dabei sein, die Kunden von mlb.tv sowieso. Als Starter werden Eduardo Rodriguez (5.29 ERA, 4.55 FIP) für Boston und C. C. Sabathia (1.39 ERA, 3.59 FIP) für New York antreten. Der überraschend starke Routinier Sabathia hat übrigens kürzlich verraten, dass er ein klares Ziel vor Augen hat: Der 37-jährige möchte dieses Jahr die World Series gewinnen und sich dann zur Ruhe setzen.

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März 22nd, 2018 by Dominik

Der Saisonstart ist nur noch ein glatte Woche entfernt, aber seit ein paar Tagen haben viele europäische Baseball-Fans einen neuen, deutlich weiter entfernten Termin, auf den sie hinfiebern. Unterdessen stellen die MLB-Klubs derzeit die letzten Weichen, bevor es ernst wird: Einige Free Agents haben gerade noch rechtzeitig einen neuen Arbeitgeber gefunden, ein paar Verträge wurden vorzeitig verlängert und leider müssen einige Spieler zumindest zeitweise ersetzt werden, weil sie sich ungünstierweise kurz vor der Saison eine Verletzung zugezogen haben.

Yankees und Red Sox kommen nach London 
Relativ überraschend kam vor ein paar Tagen die Nachricht, dass die MLB schon 2019 zum ersten Mal überhaupt ein reguläres Saisonspiel in Europa anberaumen will. Und es kommt nicht irgendwer, es kommen die beiden populärsten Baseball-Teams der Welt, die New York Yankees und die Boston Red Sox. Geplant ist eine Zwei-Spiele-Serie Ende Juni 2019, die voraussichtlich im London Stadium (dem ehemaligen Olympiastadion) stattfinden wird. Formal werden es Heimspiele der Red Sox sein. Das Stadion wird hauptsächlich für Fußballspiele des Premier-League-Klubs West Ham United genutzt, aber da es auch für Leichtathletikveranstaltungen gebaut wurde und dementsprechend über eine Laufbahn verfügt, sind die Voraussetzungen wohl einigermaßen günstig, die für europäische Verhältnisse ungewohnten Ausmaße eines Baseballfeldes darin unterzubringen.

Cobb unterschreibt bei den Orioles 
Mit SP Alex Cobb ist der vorletzte „große“ Free Agent dieses Jahres endlich bei einem neuen Klub untergekommen. Anders als viele Kollegen, die sich letzte Woche mit kleineren Brötchen zufrieden geben mussten, hatte Cobb mit seiner Strategie des Abwartens offensichtlich Erfolg: Er erhält einen Vierjahresvertrag über 60 Millionen Dollar bei den Baltimore Orioles und hat damit sehr viel mehr herausgeholt als beispielsweise der gleich alte und etwa gleich starke Lance Lynn, der sich letzte Woche mit einem Einjahresvertrag über 12 Millionen bei den Twins zufrieden geben musste. Cobb verpasste nach einer Tommy-John-Surgery den Großteil der Saison 2016, war aber 2017 wieder ganz der Alte und brachte es für die Tampa Bay Rays auf einen ERA von 3.66 in knapp 180 Innnings. In Baltimore wird Cobb die bislang schlechteste Starting Rotation der Liga verstärken.

Ein paar weitere Free-Agent-Verpflichtungen
Außer Cobb gab es diese Woche nur ein paar nachrangige Free-Agent-Signings. Ich zähle hier nur diejenigen auf, bei denen ich mir am ehesten vorstellen kann, dass die Akteure dieses Jahr eine Rolle in den Major Leagues spielen könnten. Der relevanteste Spieler, der immer noch keinen neuen Vertrag hat, ist übrigens RP Greg Holland.

Die Washington Nationals haben Pitcher Jeremy Hellickson über einen Minor-League-Vertrag geholt. Hellickson hatte mit einem ERA von 5.77 für die Phillies und die Orioles 2017 das schwächste Jahr seiner Karriere und bewirbt sich bei den Nationals mit mehreren Konkurrenten um den fünften Spot der Rotation.

Ebenfalls um einen Platz in der Rotation wird sich Trevor Cahill bewerben, der zu den Oakland Athletics zurückkehrt, dem Team, das ihn 2006 gedraftet und bei dem er 2009 bis 2011 seine ersten MLB-Saisons verbracht hatte. Der 30-Jährige hatte in den letzten Jahren mit Verletzungen und Leistungsschwankungen zu kämpfen, die ihm zeitweise eine Versetzung in den Bullpen einbrachten. Bei den dünn besetzten A’s, die ihm 1,5 Millionen Dollar für ein Jahr bezahlen, könnte er die Chance haben zu starten.

Der dritte im Bunde der Pitcher, die auf eine Wiederbelebung ihrer Karriere hoffen, ist Clay Buchholz. Der zweimalige All-Star, der fast das gesamte letzte Jahr wegen einer Operation am Wurfarm verpasste, erhält bei den Kansas City Royals zunächst einen Minor-League-Vertrag. Dieser wird zu einem MLB-Vertrag über 1,5 Millionen Dollar, wenn und sobald Buchholz ins 40-Mann-Roster aufgenommen wird.

Die Toronto Blue Jays haben mit einem Minor-League-Vertrag für Danny Espinosa die Tiefe ihres Infields verstärkt. Espinosa war letzte Woche von den Yankees entlassen worden, nachdem diese Free Agent Neil Walker geholt hatten.

Neue Verträge für Altuve und Suarez
Der World-Series-Champion Houston Astros hat den ersten und wichtigsten Schritt getan, den Kern des Meisterteams langfristig zusammenzuhalten: 2B José Altuve unterschreibt einen neuen Vertrag, der ihn für die kommenden sieben Jahre an die Astros bindet. Die Einigung bringt ihm 151 Millionen Dollar für die Jahre 2020 bis 2024 ein, zusätzlich zu den 12,5 Millionen aus dem bestehenden Vertrag für 2018 und 2019. Das ist eine Menge Geld – das meiste, das die Astros je für einen Spieler ausgegeben haben –, aber jeder Cent davon ist gerechtfertigt. Altuve ist der amtierende MVP der American League, welche er seit vier Jahren hintereinander in Hits anführt, und er ist der unumstrittene Dreh- und Angelpunkt des Erfolgs der Astros.

Auch die Cincinnati Reds haben sich mit einem ihrer Leistungsträger auf eine langfristige Zusammenarbeit geeinigt: 3B Eugenio Suarez erhält einen Siebenjahresvertrag mit Option auf ein achtes Jahr. Der 26-Jährige hatte 2017 seine Breakout-Saison mit Schlagleistungen von .260/.367/.461 und obendrein starkem Defensivspiel. In den kommenden sieben Jahren wird Suarez 66 Millionen Dollar verdienen.

Turner, Phelps und weitere Verletzte
Schon im Spring Training so schwer verletzt zu werden, dass man die bevorstehende Saison verpasst, ist besonders bitter. Auch dieses Jahr hat es schon wieder eine ganze Reihe von Spielern erwischt: Nach den Pitching-Talenten Brent Honeywell und José de Leon von den Rays müssen nun auch SP Jharel Cotton (Athletics), RP David Phelps (Mariners) und OF Alex Dickerson (Padres) sich der berüchtigten Tommy-John-Surgery unterziehen.

3B Justin Turner von den Dodgers und SP Jason Vargas von den Mets haben unterdessen wohl Glück im Unglück: Turner hat sich das linke Handgelenk, Vargas seine rechte Hand gebrochen. Beide verpassen damit natürlich den Saisonstart, dürfen aber darauf hoffen, in ein paar Wochen wieder einsatzfähig zu sein.

Und schon wieder eine Dopingsperre
Leider kommt auch diese Woche nicht ohne einen neuen Dopingfall aus: Jorge Polanco, Shortstop der Minnesota Twins, wurde positiv auf das Steroid Stanozolol getestet. Wie im Falle eines ersten Verstoßes gegen die Dopingregeln der MLB üblich, wird Polanco für 80 Spiele, also rund die Hälfte der Saison gesperrt. Ob auf den 24-Jährigen nach Rückkehr aus der Zwangspause noch sein alter Job wartet, ist fraglich. Er war für die Startformation eigentlich gesetzt, doch nun wird Eduardo Escobar eine neue Chance erhalten, den Posten dauerhaft zurück zu gewinnen.

Die ultimative Rache des Mike Perez 
Wer erinnert sich noch an die skurrilste Verletzung des vergangenen Jahres? Martin Perez, Pitcher bei den Texas Rangers, war im Dezember gestürzt, als er auf seiner Farm vor einem Bullen davon lief. Wie die Sache für Perez endete, ist bekannt: Er brach sich den Ellenbogen seiner Handschuh-Hand, musste operiert werden und verpasste einen Großteil der Vorbereitung auf die neue Saison. Letzten Sonntag stand er zum ersten Mal im Spring Training auf dem Mound und absolvierte fünf solide Innings. Für den Bullen ging die Sache nicht ganz so glimpflich aus: „I killed him and I ate him,” verriet Perez nach dem Spiel. “It was good meat. No more bull.“ Dann wäre das also auch geklärt.

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März 5th, 2018 by Dominik

Der Preis für den schlechtesten Offseason-Move des Jahres geht von meiner Seite an die San Diego Padres. Welcher Teufel reitet ein vielversprechendes junges und bezahlbares Middle-Market-Team, sich einen 144 Millionen Dollar teuren Free Agent für acht Jahre ans Bein zu binden? Das Ganze auf einer Position – erste Base -, die mit Wil Myers bereits ordentlich besetzt war und mit einem Spieler – Eric Hosmer -, dessen Karriere bislang von extrem schwankenden Offensivleistungen und klar unterdurchschnittlicher Defensive geprägt war. Eine andere Verpflichtung, die die Padres getätigt haben, gefällt mir deutlich besser: Shortstop Freddy Galvis wurde gegen einen Minor-League-Pitcher von den Philadelphia Phillies ertradet. Galvis ist zum einen ein guter und günstiger Platzhalter und Mentor für den 19-jährigen Fernando Tatis, den die Padres als ihren Shortstop der Zukunft sehen. Zum anderen ist der defensivstarke Galvis eine passende Ergänzung zu den Startern der Padres. Diese hatten 2017 die höchste Groundballrate der MLB (51,1%) und dürften von dem defensiven Upgrade der Shortstop-Position deutlich profitieren. Alles in allem stellen die Padres 2018 eine Mannschaft, die ich für noch nicht konkurrenzfähig halte, die aber mit vielen entwicklungsfähigen jungen Spielern im Team und in der Farm auf einem guten Weg dorthin ist.

Voraussichtliches Lineup
C Austin Hedges
1B Eric Hosmer
2B Carlos Asuaje
SS Freddy Galvis
3B Chase Headley
LF Hunter Renfroe
CF Manuel Margot
RF Wil Myers

Voraussichtliche Rotation
SP Clayton Richard
SP Dinelson Lamet
SP Luis Perdomo
SP Colin Rea
SP Robbie Erlin
Closer Brad Hand

Wichtigster Zugang
1B Eric Hosmer (Kansas City Royals)

Wichtigster Abgang
IF Yangervis Solarte (Toronto Blue Jays)

Bestes Prospect
SS Fernando Tatis

Größte Stärke
Das Farmsystem: Nachwuchssorgen dürften die Padres in absehbarer Zeit nicht haben. Ihre Farm steht im frisch erschienenen Ranking von MLB Pipeline auf dem ersten Platz, Baseball America und ESPN sehen sie jeweils auf Rang drei.

Größte Schwäche
Die Starting Rotation: Auch hier sind die Padres mit Masse und Klasse an Talenten ausgestattet, doch es dürfte noch ein bisschen Trial and Error anstehen, bevor sich herauskristallisiert, welche fünf Pitcher die Konstanz und das Durchhaltevermögen mitbringen, die Defensive des Teams dauerhaft zu tragen.

Spannendste Frage
Bringt Matt Stairs die Padres auf Base? Seit vier Jahren weisen die Padres regelmäßig die niedrigste On-Base-Percentage der gesamten MLB auf. Mit Stairs wurde ein neuer Hitting Coach verpflichtet, dessen Philosophie auf Geduld aufbaut und der bei seiner vorherigen Station die  Philadelphia Phillies zu deutlich besseren On-Base-Werten führte. Man wird sehen, ob ihm das auch in San Diego gelingt.

Prognose
Platz 5 in der NL West

Hier geht’s zum Power-Ranking und allen bisher erschienenen Previews.

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Januar 11th, 2018 by Dominik

Und sie bewegt sich doch! Letzte Nacht ist endlich mal wieder etwas passiert in dieser sehr langsamen Offseason: Mit Jay Bruce hat ein weiterer Free Agent meiner Top-20-Liste einen neuen (und alten) Arbeitgeber gefunden. Einen Monat vor dem Trainingsauftakt für die neue Saison sind aber immer noch 14 Mitglieder dieser Liste – und zahlreiche weitere Free Agents – ohne neuen Vertrag. Würden die Arbeitslosen der MLB sich zu einer eigenen Mannschaft zusammen finden, brächten sie ein beachtliches Lineup zusammen: C Lucroy, 1B Hosmer, 2B Walker, SS Nunez, 3B Moustakas, LF Gonzalez, CF Cain, RF Martinez, DH Morrison. Starting Rotation: Darvish, Arrieta, Lynn, Cobb, Cashner. Bullpen: Holland, Reed, Albers, Watson. Das wäre kein schlechtes Team, oder?

Jay Bruce zurück in New York
Die notorisch sparsamen Mets haben sich doch noch aus der Deckung gewagt und Outfielder Jay Bruce zurück geholt. Nach einem holprigem Start in New York hatte der Outfielder 2017 in die Erfolgsspur gefunden (.256/.321/.520) und sich zum Publikumsliebling gemausert. Zur Trade Deadline war er nach Cleveland getradet worden, weil die Saison der Mets frühzeitig abgehakt war und sein Vertrag ohnehin auslief. Nun streift Bruce in den nächsten drei Jahren doch wieder das Mets-Jersey über und erhält dafür 39 Millionen Dollar. Bruce wird hauptsächlich im Rightfield spielen, kann aber auch mal an der First Base einspringen und bringt den Mets somit mehr Flexibilität für ihr Lineup sowie dringend benötigte Führungsqualität. Wenn nun noch ein solider Second oder Third Baseman (die jeweils andere Rolle übernimmt Asdrubal Cabrera) gefunden wird und vielleicht noch ein Starter für die untere Hälfte der Rotation, dann sieht die Offseason der Mets plötzlich gar nicht mehr so schlimm aus wie es lange den Anschein hatte.

Boone Logan zu den Brewers
Das andere interessante Free-Agent-Signing dieser Woche ist aus Milwaukee zu vermelden und betrifft wenig überraschend einen Relief Pitcher. Reliever scheinen die einzigen Spieler zu sein, für die es in dieser Offseason einen nennenswerten Markt gibt. Die Brewers haben sich die Dienste von Linkshänder Boone Logan gesichert, der 1,875 Millionen Dollar Festgehalt für ein Jahr erhält und über leistungsbezogene Bestandteile weitere 3,2 Millionen verdienen kann. Der Verein hat eine einseitige Option auf ein zweites Vertragsjahr.

Neuer Backup-Catcher für die Angels
Die Los Angeles Angels sind eines von ganz wenigen Teams, die dieses Jahr richtig aufgerüstet haben. Mit Catcher René Rivera haben sie nun ein weiteres Puzzlestück hinzugefügt. Der 34-Jährige erhält 2,8 Millionen Dollar für ein Jahr und wird voraussichtlich als Reserve und Entlastung für Stamm-Catcher Martin Maldonado dienen.

Padres finden Bullpen-Verstärkung in Japan
Nachdem vor zwei Wochen schon die Diamondbacks mit dem ersten MLB-Engagement des 33-jährigen japanischen Relievers Yoshihisa Hirano überraschten, haben die San Diego Padres nun eine ähnliche Verpflichtung getätigt: Auch Kazuhisa Makita ist 33 und auch er erhält von seinem neuen Team einen Zweijahresvertrag. Im Gegensatz zu Hirano ist er nicht als Closer eingeplant sondern in einer weniger exponierten Bullpenrolle, folgerichtig ist er mit vier Millionen Dollar auch ein Stück günstiger. Ich bin gespannt, ob und wie Makitas Submarine-Stil sich in der MLB bewährt.

Dreiecks-Trade zwischen Dodgers, Royals und White Sox 
Es sind keine allzu berühmten Spieler involviert, aber ich finde, ein Dreiecks-Trade ist immer eine interessante Konstellation. In diesem Fall haben die Dodgers, die Royals und die White Sox sich auf solch einen Ringtausch geeinigt. Im Einzelnen: Die Dodgers bekommen Reliever Scott Alexander von den Royals und Minor-League-Infielder Jake Peter von den White Sox; die Royals erhalten von den Dodgers Pitching-Prospect Trevor Oaks und Minor-League-Infielder Erick Mejia; die White Sox bekommen die Reliever Luis Avilan und zwei Millionen Dollar von den Dodgers sowie Reliever Joakim Soria und eine Million von den Royals. Die wichtigsten Konsequenzen des Trades sind, dass die Dodgers mit Alexander einen Linkshänder-Spezialisten als Nachfolger von Tony Watson haben, ohne wieder in den Bereich der Luxussteuer zu rutschen; dass die Royals Sorias Gehalt loswerden und damit mehr Spielraum in der Free Agency haben (z. B. für Eric Hosmer); und dass die White Sox zwei solide Reliever bekommen, ohne viel dafür hergeben zu müssen.

Trade Solarte
Einen weiteren Trade haben die Blue Jays und die Padres vereinbart: Yangervis Solarte wechselt von San Diego nach Toronto, das im Gegenzug zwei Minor Leaguer abgibt. Solarte gibt den Blue Jays Tiefe für das gesamte Infield, dafür haben die Padres in Outfielder Edward Oliveras und RP Jared Carkuff nun zwei weitere Talente, die sich mit etwas Glück zu MLB-Spielern entwickeln könnten.

Skandal um Spieler-Agent Wood 
Die Agentur CSE, die zahlreiche MLB- und Minor-League-Spieler vertritt, hat einen hochrangigen Mitarbeiter, Spieler-Agent Jason Wood, gefeuert. Das wäre keine Meldung wert, stünde die Entlassung nicht in Zusammenhang mit einem ekligen Skandal, in dem mittlerweile die Staatsanwaltschaft ermittelt: Ein Spieler soll beim Duschen eine Kamera gefunden haben und es sieht alles danach aus, dass Wood diese Kamera angebracht und zahlreiche weitere von ihm betreute Spieler beim Duschen gefilmt hat. Wood bestreitet die Vorwürfe, der Anfangsverdacht ist aber offenbar stark genug, dass der Agent auch von der Spielergewerkschaft bis auf weiteres gesperrt wurde. Wood vertrat bislang beispielsweise Red-Sox-Outfielder Andrew Benintendi, Mariners-Pitcher David Phelps und Rays-Pitcher Jake Odorizzi.

Finale Weltrangliste für 2017
Ein kurzer Nachtrag zur kürzlich hier veröffentlichten Serie über Baseball in aller Welt: Der Weltverband WBSC hat die endgültige Baseball-Weltrangliste des Jahres 2017 veröffentlicht. Die ersten sechs Plätze sind unverändert geblieben,wobei die zweitplatzierten USA im Jahr ihres WBC-Triumphes den Rückstand auf Spitzenreiter Japan deutlich verkleinern konnten. Den größten Sprung nach vorne machte Israel von Rang 22 auf 19. Deutschland steht wie schon ein Jahr zuvor auf dem 20. Platz.

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Januar 4th, 2018 by Dominik

Dies ist der erste Grand Slam am Donnerstag des Jahres 2018 und ich wünsche allseits ein sehr schönes solches. Vom Umfang her wird der Grand Slam heute leider erneut eher mickrig, denn auch im neuen Jahr will die Offseason der MLB bislang nicht richtig in Schwung kommen: Letzte Woche hatte ich hier konstatiert, dass von meinen Top-20 Free Agents nur vier bereits einen neuen Verein gefunden hatten. Zu diesen vier ist in den vergangenen sieben Tagen nur ein einziger hinzugekommen und auch über relevante Trades liest man zurzeit nicht mehr als relativ kalte Gerüchte.

Wade Davis geht nach Colorado
Für einen etablierten MLB-Pitcher ist es nie eine leichte Entscheidung, zu den Colorado Rockies zu wechseln – schließlich lässt man sich darauf ein, die Hälfte seiner Einsätze im hitterfreundlichsten Ballpark der Liga zu absolvieren und in aller Regel die eigenen Statistiken leiden zu sehen. Top-Closer Wade Davis, bisher bei den Chicago Cubs, hat sich trotzdem für die Rockies entschieden und lässt sich das natürlich ordentlich bezahlen: 52 Millionen Dollar erhält Davis für drei Jahre Baseball, das ist vom Jahresgehalt (17,33 Millionen) her ein Rekord für Reliever. Da Davis ein Qualifying Offer der Cubs abgelehnt hatte, muss Colorado für ihn einen Zweitrundenpick in der diesjährigen Draft abgeben. Mit Jake McGee, Bryan Shaw und jetzt Davis haben die Rockies ihren Bullpen ordentlich aufgerüstet und geben dafür insgesamt gut 100 Millionen Dollar an garantierten Gehältern aus.

Angebote für Hosmer und Martinez
Für zwei weitere hochkarätige Free Agents ist ein Ende der Hängepartie zumindest absehbar, denn für sie liegen lukrative Angebote auf dem Tisch. Die Boston Red Sox sollen laut Bob Nightengale von USA Today Outfielder J. D. Martinez (bisher Diamondbacks) einen Fünfjahresvertrag angeboten haben. Die Red Sox gelten schon länger als Favorit auf die Verpflichtung von Martinez, doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Der 35-jährige Martinez wird vermutlich eine um ein, zwei Jahre längere Laufzeit anstreben.

Um 1B Eric Hosmer soll es sogar ein regelrechtes Wettbieten geben, bei dem mindestens zwei Offerten für Siebenjahresverträge auf dem Tisch liegen – von seinem bisherigen Klub Kansas City Royals sowie von den San Diego Padres. Beide Angebote bewegen sich wohl in der Größenordnung um 140 Millionen Dollar.

Belästigungsvorwurf gegen Sano 
Miguel Sano, Third Baseman der Minnesota Twins, muss sich mit ernsten Anschuldigungen auseinandersetzen: Eine Fotografin bezichtigt ihn sexueller Belästigung – er soll sie 2015 nach einer Autogrammstunde bedrängt und angefasst sowie versucht haben, sie gewaltsam zu küssen. Die Vorwürfe schlagen hohe Wellen und das ist gut so. Denn wenn Sano sich tatsächlich derart verhalten hat, dann sollte er damit nicht davon kommen. Aber natürlich gilt zunächst die Unschuldsvermutung; Sano streitet die ihm vorgeworfenen Taten bislang vollständig ab.

Mariners warten am längsten
Noch eine statistische Randnotiz: Die Seattle Mariners sind das Team, das am längsten auf eine Playoff-Teilnahme wartet. In der MLB haben sie diese zweifelhafte Ehre schon seit zwei Jahren, nun haben sie sie auch in Bezug auf alle US-Sport-Major-Ligen. Das Football-Team Buffalo Bills war Rekordhalter mit 17 Jahren bis ihm am Sonntag der Einzug in die NFL-Playoffs gelang. Die Mariners warten mittlerweile seit 16 Jahren auf eine solche Gelegenheit. Ihre letzte Teilnahme an der Postseason hatten sie im Jahr 2001, als sie sensationelle 116 Spiele in der regulären Saison gewannen, aber in der ALCS an den Yankees scheiterten. Seitdem ist für Seattles Fans Warten angesagt und ich schätze, das könnte noch eine Weile so weitergehen: In einer Division mit dem amtierenden World-Series-Champion Astros sowie den Angels, die um Mike Trout herum kräftig aufgerüstet haben, dürfte es erneut schwer werden für die Mariners.

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November 16th, 2017 by Dominik

Wir befinden uns mitten in der Award-Woche der MLB: Die besten Rookies, die besten Manager und die besten Pitcher des Jahres wurden an den vergangenen drei Tagen ausgezeichnet, heute Nacht steht noch die Bekanntgabe des wertvollsten Spielers (MVP) der beiden Teilligen aus. Letzte Nacht gab es den ersten nennenswerten Trade der Offseason – selbstverständlich unter Beteiligung der Seattle Mariners, dem tradefreudigsten aller MLB-Teams. Diese und ein paar andere interessante Nachrichten habe ich im heutigen Grand Slam am Donnerstag zusammengefasst.

Bellinger und Judge sind die Rookies of the Year
An dieser Wahl gab es kaum Zweifel und das Ergebnis war dann auch entsprechend eindeutig: Cody Bellinger von den Los Angeles Dodgers und Aaron Judge von den New York Yankees wurden zu den Rookies des Jahres gewählt und erst zum vierten Mal in der MLB-Geschichte wurden beide Entscheidungen einstimmig getroffen. Es passt dabei wie die Faust aufs Auge, dass in dem Jahr mit den meisten Homeruns aller Zeiten zwei Spieler ausgezeichnet werden, die in den jeweiligen Ligen neue Rookie-Rekorde für Homeruns aufgestellt haben: Bellinger mit 39 in der National League, Judge mit 52 in der American League.
Bellinger sollte dieses Jahr eigentlich noch gar keine große Rolle in der MLB spielen. Der 22-Jährige war allenfalls für etwas Spielpraxis als September-Call-up vorgesehen, doch Verletzungen von Andrew Toles und Adrian Gonzalez gaben ihm schon im April eine Chance und die nutzte er auf eindrucksvolle Art und Weise. Offensiv sprechen die 39 Homeruns und eine .267/.352/.581-Slashline für sich und auch im Feld überzeugte Bellinger mit Verlässlichkeit wo auch immer man in spielen ließ: meistens an der First Base, oft im Left Field, gelegentlich auch im Center und im Right Field.
Der 25-jährige Right Fielder Judge drückte der AL massiv seinen Stempel auf, indem er sie sowohl bei den Homeruns als auch bei gescorten Runs (128) und Walks (127), aber auch mit den meisten Strikeouts (208) anführte. Mit seiner spektakulären Spielweise, seiner imposanten körperlichen Erscheinung und natürlich auch, weil er für den bekanntesten Baseball-Klub der Welt spielt, scheint Judge wie geschaffen für die Rolle eines langjährigen Superstars. Das scheint man auch bei Sony zu denken, denn letzte Woche wurde bekannt gegeben, dass Judge das Cover der nächsten Ausgabe des Playstation-Hits MLB The Show zieren wird. Angesichts all dessen ist es geradezu überraschend, dass der Junge immer noch so sympathisch und bodenständig rüberkommt.

Manager des Jahres: Molitor und Lovullo
Nicht ganz so eindeutig wie bei den Rookies war die Wahl der Manager des Jahres, aber mit dem Manager der Minnesota Twins, Paul Molitor, und dem der Arizona Diamondbacks, Torey Lovullo, gibt es auch hier zwei würdige Preisträger. Beiden gelang es in diesem Jahr, eine enttäuschende Franchise in verblüffend kurzer Zeit zu einem Playoff-Team umzudrehen.
Molitor ist der Vater des historisch einmaligen Erfolgs der Minnesota Twins, nach einer Saison mit über 100 Niederlagen (103 im Jahr 2016) im darauf folgenden Jahr in die Playoffs einzuziehen. Um 26 Siege verbesserten sich die Twins im dritten Jahr unter Molitor auf eine Bilanz von 85-77 und sind damit das Cinderella-Team des Jahres, auch wenn das Gaststpiel in den Playoffs durch die Wild-Card-Niederlage gegen die Yankees nur von kurzer Dauer war.
Noch beeindruckender liest sich die Bilanz von Torey Lovullo: Er trat vor einem Jahr in Arizona seine erste Stelle als MLB-Manager an und führte das Team prompt zu 93 Siegen und zur ersten Playoff-Teilnahme seit 2011. Insbesondere das Pitching der Diamondbacks erlebte unter Lovullo einen kompletten Turnaround: Dem schlechtesten ERA der Franchise-Geschichte mit 5.09 im Jahr 2016 (letzter Platz in der MLB) folgte der beste ERA der Franchise-Geschichte mit 3.67 im Jahr 2017 – und damit Platz drei in der MLB trotz eines hitter-freundlichen Heim-Ballparks.

Cy-Young-Awards für Scherzer und Kluber 
Wer dieses Jahr die Auszeichnung als bester Pitcher erhalten würde, war während der Saison lange unklar, da in jeder Teilliga zwei aussichtsreiche Kandidaten im Rennen waren. Im Endeffekt fielen die Wahlen dann aber sehr klar aus: Max Scherzer (Washington Nationals) ist zum zweiten Mal in Folge und zum dritten Mal insgesamt der Preisträger der National League, Corey Kluber (Cleveland Indians) sicherte sich in der American League nach 2014 seinen zweiten Titel.
Scherzer erhielt von 30 Stimmen 27 erste und drei zweite Plätze und setzte sich somit klar von Clayton Kershaw ab. Scherzer (2.51 ERA, 2.90 FIP) blieb zwar von den relevanten Durchschnittszahlen hinter Kershaw (2.31 ERA) bzw. Stephen Strasburg (2.71 FIP) zurück, bewies aber mit rund 25 mehr absolvierten Innings ein größeres Durchhaltevermögen als die beiden Konkurrenten und brachte es auf führende 6.0 Wins Above Replacement (WAR). Damit sowie mit seinen 268 Strikeouts überzeugte er die wahlberechtigten Mitglieder der BBWA.
Noch ein Stück klarer war der Wahlgewinn für Kluber, der in der Abstimmung für die American League 28-mal auf Platz eins landete und nur von zwei Wählern hinter Chris Sale eingestuft wurde. Mit 2.25 ERA führte Kluber die gesamte MLB an. Davon abgesehen hätten sich auch gute Argumente für Sale gefunden, der in puncto FIP (2.45), WAR (7.7) und Strikeouts (308) MLB-weit vorne lag. Am Ende spielen neben den reinen Zahlen auch das Bauchgefühl und die subjektive Wahrnehmung der Wähler eine Rolle und vermutllich hatten viele den gleichen Eindruck wie ich, dass Sale trotz der starken Werte seine Leistungen nicht so konstant abrief wie Kluber.

Anthopoulos neuer GM der Braves
Die Atlanta Braves waren seit Anfang Oktober ohne General Manager. Der ehemalige Amtsinhaber John Coppolella hatte zurück treten müssen, nachdem zahlreiche von ihm begangene Regelverstöße, unter anderem bei internationalen Spielerverpflichtungen, aufgedeckt worden waren. Als sein Nachfolger steht nun Alex Anthopoulos fest. Der 40-Jährige, der das gleiche Amt von 2009 bis 2015 für die Toronto Blue Jays ausübte, erhält einen Vierjahresvertrag und umfangreiche Kompetenzen in der sportlichen Leitung des Klubs. Er übernimmt nämlich nicht nur das Amt des GM von Coppolella sondern als „Executive Vice President of Baseball Operations“ auch einen guten Teil des bisherigen Aufgabenbereichs von John Hart, der vom Teampräsidenten zum Berater herabgestuft wurde. Während das Front Office der Braves somit ordentlich durcheinander gewirbelt wurde, will man sportlich auf Kontinuität setzen: Anthopoulos plant nach eigenen Aussagen derzeit keine Änderungen am Coaching-Personal.

Carlos Beltran hat neue Ziele
Die 20 Jahre lange MLB-Karriere von Carlos Beltran hat im World-Series-Titel mit den Houston Astros ihren Höhepunkt und würdigen Abschluss gefunden. So sieht es der 40-jährige Outfielder, der zuvor für die Royals, die Mets, die Giants, die Cardinals und die Yankees aktiv gewesen war und nun das Ende seiner aktiven Zeit als Spieler verkündet hat. Zur Ruhe setzen will sich der neunmalige All-Star aber nicht, vielmehr strebt er nach neuen Tätigkeitsfeldern: Zum einen möchte er mehr für seine Familie da sein, zum anderen kann er sich gut vorstellen, zukünftig als Manager eines MLB-Teams tätig zu sein. Rein zufällig sind der Ort, in dem seine Familie wohnt, und der, in dem gerade eine renommierte MLB-Franchise nach einem neuen Manager sucht, derselbe. Dass die Yankees erklärtermaßen einen Kandidaten suchen, der anders als der frisch entlassene Joe Girardi einen Draht zu jungen Spielern und einen positiven Einfluss auf das persönliche Klima im Team hat, passt ebenfalls ins Bild. Fragt sich nur, ob der Verein bereit ist, das Risiko eines kompletten Neueinsteigers auf der Position einzugehen.

Alle Qualifying Offers werden abgelehnt
Die Frist der neun Qualifying Offers, die letzte Woche von MLB-Teams ausgestellt wurden, läuft offiziell noch bis heute Nacht. Es gilt allerdings bereits als sicher, dass alle betroffenen Spieler – Eric Hosmer, Lorenzo Cain, Mike Moustakas (alle Royals), Jake Arrieta, Wade Davis (beide Cubs), Carlos Santana (Indians), Greg Holland (Rockies), Alex Cobb (Rays) und Lance Lynn (Cardinals) – die standardisierten Angebote über ein Jahr und 17,4 Millionen Dollar ablehnen werden. Sie alle streben Verträge über mehr Dollars und eine längere Laufzeit an. Für ihre Clubs sind die Offers dennoch ein gutes Geschäft, denn wenn die Spieler nun das Team wechseln, erhält das abgebende Team einen Draft-Pick als Kompensation.

Mariners traden für Healy 
Jerry Dipoto, der General Manager der Seattle Mariners, macht seinem Ruf als eifrigster Trader der Liga weiterhin alle Ehre. Im ersten nennenswerte Move der Offseason hat Dipoto First Baseman Ryon Healy von den Oakland Athletics geholt. Der Handel ist für beide Teams sinnvoll, denn die Athletics hatten mit den Youngsters Matt Olson, Matt Chapman und Healy ein Überangebot für die Infield-Corners und als DH soll zukünftig verstärkt Khris Davis zum Einsatz kommen. Healy war somit verzichtbar und wird nun den 1B-Job in Seattle übernehmen, wo Yonder Alonso und Danny Valencia Free Agents geworden sind. Für Healy wechseln RP Emilio Pagan und Infield-Prospect Alexander Campos nach Oakland.

Dodgers und Padres spielen 2018 in Mexiko
Zum ersten Mal seit 1999 wird die MLB 2018 ein Gastspiel in Mexiko absolvieren. Vom 4. bis zum 6. Mai spielen die San Diego Padres und die Los Angeles Dodgers eine Drei-Spiele-Serie in Monterrey. Die Padres haben wegen ihrer grenznahen Heimat viele Fans in Mexiko und werden sich diesen nach 1996 gegen die Mets und 1999 gegen die Rockies zum dritten Mal in regulären Saisonspielen vor Ort präsentieren. Die Spiele in Monterrey ersetzen eine Heim-Serie der Padres. Die MLB strebt an, in den kommenden sechs Jahren regelmäßig Serien in Mexiko zu spielen und mittelfristig auch Spiele in Asien und in Europa (voraussichtlich Großbritannien) anzusetzen.

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Mai 18th, 2017 by Dominik

Sie ist schon toll, diese MLB, da ist für jeden was dabei: Mögt ihr klare Verhältnisse, einer geht voran und alle anderen folgen in respektvollem Abstand? Dann werdet ihr die NL East und die AL West lieben. Seht ihr lieber einen spannenden Dreikampf auf hohem Niveau? Dann ist die AL East oder die NL West die passende Division für euch. Oder gefällt euch eher große Ausgeglichenheit mit Chancen für jeden? Dann beschäftigt ihr euch am besten mit den Central-Divisionen. Egal, welche Division ihr zurzeit am liebsten verfolgt – der Grand Slam am Donnerstag bringt sie euch alle:

National League
Fangen wir an mit der momentan langweiligsten Division, der National League East. Die Washington Nationals (25-14) ziehen einsam ihre Kreise und der Rest übt sich gekonnt darin, sie dabei auf keinen Fall zu stören. Stolze acht Spiele beträgt der Vorsprung auf den Zweiten – zurzeit übrigens die Atlanta Braves (16-21) – bereits, das sind mehr als in manch anderer Division der Abstand zwischen dem Ersten und dem Letzten. Tatsächlich waren die Braves die Einzigen, die in den letzten Tagen mit einer Serie von drei Siegen gegen die Blue Jays ein Lebenszeichen von sich gaben. Die anderen drei Teams verloren im Gleichschritt jeweils acht ihrer letzten zehn Spiele, die New York Mets (16-23) sogar sieben in Folge. Die Nationals sind beileibe kein Überteam – zwar haben sie eine brachiale Offense um Bryce Harper und Ryan Zimmerman, doch im Pitching gibt es Schwächen, vor allem im Bullpen. Das merkt aber keiner, solange der Rest der Division so desolat bleibt wie er momentan ist.

Der direkte Gegenentwurf zur einseitigen NL East ist die NL Central. Woche für Woche darf ich hier einen neuen Tabellenführer vorstellen, dieses Mal die Milwaukee Brewers (23-18). Die Brewers haben sich in den letzten Tagen ausgiebig an halbtoten Teams wie den Mets und den Padres gelabt und so die St. Louis Cardinals (21-17) hinter sich gelassen. Aber auch die Chicago Cubs (20-19) und trotz zuletzt fünf Niederlagen die Cincinnati Reds (19-20) sind nicht weit entfernt von der Spitze. Selbst die Pittsburgh Pirates (17-23) sind auf ihrem letzten Platz nur fünfeinhalb Spiele hinter den Brewers. Eine für die Division möglicherweise richtungweisende Serie steht am Wochenende an, wenn von Freitag bis Sonntag die Cubs die Brewers im Wrigley Field empfangen (siehe auch „Spiel der kommenden Woche“).

Spannend ist auch die NL West, allerdings in deutlich zweigeteilter Weise: Die Colorado Rockies (25-15), die Arizona Diamondbacks (24-18) und die Los Angeles Dodgers (23-18) spielen die Spitze unter sich aus, während die San Francisco Giants (17-25) und die San Diego Padres (15-27) sich das Schneckenrennen gegen den letzten Platz liefern. Ich muss zugeben, ich hatte für die vergangene Woche erwartet, dass die Dodgers sich den Spitzenplatz holen und dass die beiden Überraschungsteams aus Arizona und Colorado so langsam nachlassen. Aber ich habe mich geirrt: Die Spitzenserie zwischen den Dodgers und den Rockies endete unentschieden und die Diamondbacks haben sich durch einen Sweep über die Mets den Verbleib im Führungstrio gesichert.

American League
Kommen wir zu einer ganz ähnlichen Division, der American League East. Auch hier ringen drei Teams um die Spitze, während die anderen beiden dieses Jahr mit selbiger nicht viel zu tun haben werden. Die Kluft ist hier allerdings nicht ganz so groß wie in der NL West und dass die Boston Red Sox (21-18) sich eher nach oben Richtung New York Yankees (24-13) und Baltimore Orioles (23-15), die Tampa Bay Rays (21-22) sich hingegen eher nach unten Richtung Toronto Blue Jays (17-24) zu orientieren haben, ist vielleicht eher mein Bauchgefühl und Vorurteil als dass es wirklich aus dem bisherigen Saisonverlauf ableitbar wäre – immerhin haben die Rays gerade Auswärtsserien gegen die Red Sox und gegen die Indians gewonnen und das jeweils völlig verdient.

Lediglich fünf Spiele auseinander von Platz eins bis fünf liegen die Teams der AL Central. Keines davon ist zurzeit in allzu bestechender Form, aber die Ausgeglichenheit der Division ist schon sehr reizvoll. Vorne liegen zurzeit die Minnesota Twins (19-16) dank der gewonnenen Serie gegen die Cleveland Indians (20-19). Die Detroit Tigers (19-19) spielen nach wie vor einen konsequenten .500-Ball und besetzen damit die Mitte der Rangliste vor den Chicago White Sox (17-21) und den Kansas City Royals (16-23), die durch einen Zwischenspurt mit gewonnen Serien gegen die Rays und die Orioles den Anschluss an den Rest des Feldes wiederhergestellt haben.

Ähnlich einseitig wie die NL East, aber von den aktuellen Bilanzen her auf insgesamt höherem Niveau ist die AL West. Die Houston Astros (29-12) haben neun ihrer letzten zehn Spiele gewonnen und führen mit einer Winning Percentage von .707 mit Abstand die gesamte Liga an. Angesichts dieser Dominanz könnte man fast übersehen, dass sich hinter den Astros ebenfalls Erstaunliches tut: Nach derzeit acht Siegen in Folge sind die katastrophal in die Saison gestarteten Texas Rangers (21-20) inzwischen bei einem positiven Record und auf Platz zwei angelangt. Und auch die Los Angeles Angels (22-21) sind mit bisher vier Siegen hintereinander in starker Form und da sie es nun mit den derzeit restlos enttäuschenden Mets zu tun bekommen, könnte diese Serie durchaus noch etwas anhalten, vor allem wenn ihr Superstar Mike Trout an seine fünf Homeruns aus den letzten sechs Spielen anknüpft.

Szene der Woche
Die für mich bemerkenswerteste Szene der letzten Tage stammt aus einem Spiel der Chicago White Sox gegen die San Diego Padres: Beim Stand von 2:1 für die Padres im vierten Inning erreicht Chicagos Jose Abreu die erste Base und scort dann im Zuge von drei Wild Pitches von Trevor Cahill während eines einzigen At Bats den Ausgleich. So etwas sieht man nur sehr selten, also schaut es euch an.

Statistik der Woche 
1849. So viele RBIs hat Albert Pujols in seiner langen MLB-Karriere schon über die Platte gebracht und nimmt damit inzwischen Platz dreizehn in der ewigen Rangliste ein. Zumindest Platz zwölf (derzeit Mel Ott mit 1860) wird er wohl dieses Jahr noch erreichen, vielleicht sogar Rang elf (Willie Mays, 1903). Wenn der 37-jährige Pujols seinen bis 2021 laufenden Vertrag bei den Angels erfüllt, wird ihm ein Platz in den Top-10 wohl sicher sein. Ein weiterer statistischer Meilenstein steht ihm ebenfalls voraussichtlich noch dieses Jahr bevor: Mit 596 Homeruns steht er vor der Aufnahme in den exklusiven 600er-Club, der bisher nur acht Mitglieder hat.

Spiel der Woche
Das sehenswerteste Spiel der letzten Tage war für mich das zwischen den Detroit Tigers und den Baltimore Orioles am Dienstag. Zu bieten hatte die Partie unter anderem: 7 Runs der Orioles im dritten Inning; zwei durch Baltimores Bullpen im siebten und im zwölften Inning vergebene hohe Führungen; zwei Homeruns von Chris Davis in aufeinander folgenden Extra-Innings; und am Ende einen 13:11-Erfolg der Orioles, die zuvor vier Niederlagen hintereinander mit jeweils nur einem Run Unterschied erlitten hatten.

Spiel der kommenden Woche
Mein Einschalttipp der Woche ist das Spiel der Chicago Cubs gegen die Milwaukee Brewers am Samstag um 20:20 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Titelverteidiger Chicago wird unter Beweis stellen wollen, dass man in der NL Central über kurz oder lang wieder den Ton anzugeben gedenkt. Ein Erfolg gegen die Überraschungsmannschaft aus Milwaukee wäre ein guter erster Schritt für die Cubs und Jake Arrieta, der mit einem ERA von 5.44 und 4.18 FIP noch nicht die Form des Meisterjahres gefunden hat. Die Brewers schicken Chase Anderson auf den Mound, der mit einem ERA von 3.43 und 3.02 FIP bislang sein bestes Jahr in den Majors hat.

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April 27th, 2017 by Dominik

Was für eine bittere MLB-Woche: Meine Mets hatten ihren stärksten Auftritt Dienstagnacht in Form eines Rainouts gegen die Braves – den konnten sie wenigstens nicht verlieren. In Giants-Pitcher Madison Bumgarner hat sich einer der besten und interessantesten Spieler der Liga ernsthaft verletzt und gestern Abend musste Brewers-1B Eric Thames, Hauptakteur der Cinderella-Story des bisherigen Jahres, mit Oberschenkelproblemen den Platz verlassen. Zu allem Überfluss haben die Padres das spannende Experiment mit Christian Bethancourt als Allround-Spieler für gescheitert erklärt und ihn in die Minors geschickt. Zum Glück sorgte Chris Coghlan von den Blue Jays dafür, dass von dieser Woche nicht nur deprimierende Szenen hängen bleiben werden. Dazu später mehr, jetzt erst mal der obligatorische Schwenk durch die einzelnen Divisionen:

National League
In der National League East sieht es derzeit danach aus, dass sich in dieser Division besonders schnell die Spreu vom Weizen trennt. Die Washington Nationals (14-6) ziehen nach den ersten 20 Spielen bereits recht einsam ihre Kreise an der Spitze vor den Miami Marlins (10-8) und den Philadelphia Phillies (9-9), die beide für ihre Verhältnisse gut in die Saison gekommen sind, den Nationals aber realistisch betrachtet nicht gefährlich werden dürften. Leider ein Totalausfall in der ihnen zugedachten Rolle des Co-Favoriten in der Division sind die New York Mets (8-11). Nach ordentlichem Beginn haben sie nun zwei Wochen lang quasi nur verloren: Fünf Niederlagen in Folge und neun in den letzten zehn Spielen stehen mittlerweile zu Buche. Am Anfang dieses Slumps hatten sie ein paarmal Pech mit dem Spielausgang, dann kamen Verletzungen dazu und inzwischen scheint auch einfach das Selbstvertrauen ein Stückweit verloren zu sein. So war jedenfalls mein Eindruck letzte Nacht beim 2:8 gegen die Atlanta Braves (6-12), die nach dem Sweep durch die Nationals ein willkommener Aufbaugegner hätten sein können, aber stattdessen auf erstaunlich wenig Gegenwehr der Mets stießen. Bei den Marlins tut sich übrigens etwas im Hinblick auf den angestrebten Verkauf der Franchise durch Owner Jeffrey Loria: Eine Bietergruppe um den ehemaligen Governeur, Präsidentensohn, -bruder und -kandidaten Jeb Bush und um Ex-Yankees-Star Derek Jeter gilt inzwischen als klarer Favorit, die Marlins zu erwerben.

Titelverteidiger Chicago Cubs (11-8) hat in der NL Central mittlerweile die Verhältnisse gerade gerückt und sich mit nacheinander gewonnenen Serien gegen die Milwaukee Brewers (11-11), die Cincinnati Reds (10-11) und die Pittsburgh Pirates (9-12) an die Spitze der Division gesetzt. Die schwach gestarteten St. Louis Cardinals (9-11) zeigen inzwischen Anzeichen eines Aufschwungs. Dem Sweep gegen die Pirates vor einer Woche ließen sie weitere drei Siege über die Brewers folgen und setzen heute in einem Doubleheader das Duell der Fehlgestarteten mit den Toronto Blue Jays fort.

Die NL West fühlt sich immer noch ein bisschen an, als würde sie auf dem Kopf stehen, denn unverändert halten sich die etwas überraschenden Colorado Rockies (14-8) und die noch mehr überraschenden Arizona Diamondbacks (14-9) an der Spitze mit spürbarem Vorsprung auf die Los Angeles Dodgers (10-12). In einer schwierigen Lage befinden sich die San Francisco Giants (7-14). Zwar sprangen aus den letzten drei Spielen immerhin zwei Siege gegen die Dodgers heraus, doch davor setzte es gegen die Rockies einen Drei-Spiele-Sweep und vor allem fällt Star-Pitcher Madison Bumgarner nun für mindestens zwei Monate aus, nachdem er in seiner Freizeit einen Fahrradunfall hatte und sich dabei die Rippen und die Schulter des Wurfarms verletzte. Eine Aufholjagd ohne den wichtigsten Leistungsträger des Teams dürfte schwierig werden.

American League
Die Baltimore Orioles (13-6) führen nach wie vor die American League East an und das zwar knapp, aber überzeugend: Von ihren bislang sieben Serien in diesem Jahr haben sie noch keine einzige verloren und sechs davon absolvierten sie gegen Divisionsrivalen. Auf Platz zwei halten sich die New York Yankees (11-7), bei denen sich nach der zwischenzeitlichen Siegesserie in den letzten Tagen Licht und Schatten abwechselten. Die nächsten Tage werden richtungsweisend sein, denn heute Nacht geht es zunächst noch einmal gegen die Boston Red Sox (11-8) und dann drei Tage lang gegen die Orioles. Genau wie die Yankees haben auch die Toronto Blue Jays (6-14) in den letzten sieben Tagen immer abwechselnd gewonnen und verloren, was in ihrem Fall aber nach dem katastrophalen Start ein Fortschritt war. Wenn sie dem turbulenten Sieg im ersten Spiel gegen die  Cardinals (siehe unten) heute einen erfolgreichen Doubleheader folgen lassen, sind die Blue Jays wieder halbwegs im Rennen.

Die knappste Division der MLB ist die AL Central, in der die Cleveland Indians, die Chicago White Sox und die Detroit Tigers allesamt mit 11-9 gleichauf stehen und nur knapp dahinter die Minnesota Twins (10-11), für die Max Kepler am Sonntag seinen zweiten Homerun des Jahres geschlagen hat. Den Anschluss verloren haben derzeit die Kansas City Royals, die nach sieben Niederlagen in Folge – jeweils Sweeps gegen die Texas Rangers und die White Sox – plötzlich bei 7-14 stehen und als nächstes dreimal gegen die Twins ran müssen.

Die AL West bietet momentan neben der NL East das klarste Tabellenbild: Der Vorsprung der Houston Astros (14-10) ist bereits recht komfortabel, zumal auf den nächsten Rängen die Los Angeles Angels (11-12) und die Oakland Athletics (10-11) folgen, die beide keine ernsthaften Kandidaten dafür sind, um den Divisionstitel mitzuspielen. Die Texas Rangers (10-12) haben sich, insbesondere durch den Sweep über die Royals, wieder ans Feld herangespielt, während es für die Seattle Mariners (9-13) momentan schlecht aussieht. Sie haben zwar nur einen Sieg weniger als die Rangers und die A’s, müssen aber nun den Rückschlag verkraften, dass gleichzeitig Pitching-Ass Felix Hernandez und der in der bisherigen Saison sehr starke Outfielder Mitch Haniger (.338/.442/.600) auf die Verletztenliste gesetzt werden mussten.

Szene der Woche
Vielleicht ist es nicht nur die Szene der Woche sondern schon die des Jahres. Jedenfalls wird auf absehbare Zeit kein Highlight-Reel ohne den gigantischen Sprung von Torontos Chris Coghlan über Cardinals-Catcher Yadier Molina und seine anschließende Rolle über die Homeplate auskommen. Ich muss mir das Ding jedenfalls immer wieder ansehen. Wow.

Statistik der Woche 
11. So viele Homeruns hat 1B Eric Thames von den San Diego Padres dieses Jahr bereits erzielt, vier mehr als die zehn Spieler, die gemeinsam den zweiten Platz der Rangliste belegen. Sofern die Verletzung, derentwegen Thames gestern Abend ausgewechselt werden musste, ihn nicht daran hindert, hat er in den nächsten Tagen die Chance, am Rekord von Albert Pujols (2006) und Alex Rodriguez (2007) mit je 14 April-Homeruns zu kratzen. Das Erstaunliche daran ist, dass der 30-jährige Thames die letzten vier Jahre nicht mal in der MLB gespielt sondern sich zuerst ein Jahr in den Minors und dann in Südkorea bei den NC Dinos verdingt hat. Dort produzierte er zwar starke Zahlen, doch dass er bei seiner Rückkehr nach Amerika derart auftrumpfen würde, hat ihm wohl kaum jemand zugetraut.

Spiel der Woche
Ich muss hier noch mal auf das Spiel der Toronto Blue Jays bei den St. Louis Cardinals zurückkommen, in dem sich die Akrobatik-Aktion von Chris Coghlan zutrug. Nicht nur wegen dieses Moments war Torontos 6:5-Erfolg ein spektakuläres Spiel mit Happy End für die enttäuschend in die Saison gestarteten Blue Jays: Erst drehten sie einen Rückstand um, dann gingen sie dreimal in Führung, die von den Cardinals immer wieder ausgeglichen wurde, bevor schließlich im elften Inning der als Pinch Hitter eingewechselte Pitcher Marcus Stroman einen Double schlug und später bei einem Error – dem vierten der Cardinals in diesem Spiel – den siegbringenden Run erzielte. Es war übrigens der erste Pinch Hit eines Blue-Jays-Pitchers überhaupt.

Spiel(e) der kommenden Woche
Die Entscheidung fällt schwer, denn mir erscheinen zwei Matchups der kommenden Tage gleichermaßen interessant: Sowohl in der AL East mit den Orioles und den Yankees als auch in der NL West mit den Rockies und den Diamondbacks ringen je zwei Teams um die Spitze, denen ich das vor der Saison nicht zugetraut hätte – und in beiden Fällen treffen diese beiden Teams nun in einer Wochenendserie von Freitag bis Sonntag aufeinander. Mein Einschalttipp sind die beiden Spiele am Sonntag, weil sie sich zeitlich (Orioles@Yankees um 19:05 Uhr, Rockies@Diamondbacks um 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit) so gut aneinander fügen, dass man einen schönen langen Baseballabend daraus machen kann – und am Tag danach ist passenderweise Feiertag.

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April 13th, 2017 by Dominik

Hoffentlich erinnert sich niemand mehr an mein Power-Ranking. Die MLB-Saison ist eineinhalb Wochen alt und das bisher erfolgreichste Team mit 7-2 sind die Cincinnati Reds. Genau, eben jene Reds, die ich als schwächstes Team der Liga eingestuft hatte. Auf der anderen Seite haben ein paar Teams, denen ich eine gute Rolle zugetraut hatte, einen wirklich miesen Start hingelegt, allen voran die Toronto Blue Jays (1-7) und die Seattle Mariners (2-8). Sicher ist nach acht bis zehn von 162 Spielen noch keine Panik angebracht, aber wie kürzlich festgestellt kann eine schlechte Bilanz im April die Chancen auf eine Playoff-Teilnahme schon sehr stark beschädigen.

National League
In der National League East haben die New York Mets (6-3) durch einen Drei-Spiele-Sweep gegen die Philadelphia Phillies (3-6) die Führung übernommen und vor allem mit dem 14:4-Erfolg im mittleren Spiel auch etwas für das Run Differential getan. Schlecht lief es bisher für die Atlanta Braves (2-6), die aber bisher nur auswärts antreten durften und morgen ihren großen Tag mit der Einweihung des neuen Stadions gegen die San Diego Padres haben.

In der NL Central dominieren wie erwähnt die Cincinnati Reds (7-2) und das noch nicht mal mit Glück sondern mit überwiegend deutlichen Erfolgen gegen die St. Louis Cardinals (3-6) und die Pittsburgh Pirates (3-5). Die Reds haben nun nicht nur die beste Bilanz sondern auch das beste Run Differential (+25) der Liga. Gleich hinter dem bisherigen Überraschungsteam lauert aber bereits Titelverteidiger Chicago Cubs (5-3), der sich gerade eine spannende Serie mit den Los Angeles Dodgers liefert mit bislang einem knapp gewonnenen und einem knapp verlorenen Spiel.

Die Dodgers (5-4) haben in der NL West ihrerseits mit starker Konkurrenz zu kämpfen: Die Arizona Diamondbacks (7-3) und die Colorado Rockies (6-4) sind gut in die Saison gestartet und auch die San Diego Padres (5-5) stehen mit einer ausgeglichenen Bilanz bislang besser da als ich es ihnen über die gesamte Saison hinweg zutraue. Einen schwachen Start hatten in dieser Division nur die San Francisco Giants (4-6), die sich aber mit zwei Siegen in der Heimspielserie gegen die Diamondbacks etwas gefangen haben und nun in vier Spielen gegen die Rockies die Möglichkeit haben, das Tabellenbild für sich angenehmer zu gestalten.

American League
Den Boston Red Sox (4-4) wurde der Start in die American League East erschwert durch eine Grippewelle im Team, die sicher eine Rolle dabei spielte, dass sie die Serie gegen die Detroit Tigers 1:3 verloren. Besser läuft es bisher für die  Baltimore Orioles (5-2), die nun zu einer interessanten Vier-Spiele-Serie nach Toronto reisen. Die Toronto Blue Jays (1-7) müssen diese Serie dringend gewinnen, um nach ihrem Katastrophenstart nicht schon ganz früh in der Saison den Anschluss zu verlieren.

In der AL Central hatten die Minnesota Twins (5-3) einen starken Start mit gewonnenen Serien gegen die Kansas City Royals (2-6) und die Chicago White Sox (3-4), aber nach zwei Niederlagen gegen die Detroit Tigers (6-2) könnte der unerwartete Höhenflug der Twins bereits vorbei sein. Unser Lokalmatador Max Kepler ist bisher leider noch nicht richtig in Schwung gekommen, seine Slashline steht nach acht Spielen bei .222/.300/.259. Schwer einzuschätzen sind bisher die Cleveland Indians (4-4): erst sweepen sie die Texas Rangers, dann lassen sie sich von den Arizona Diamondbacks sweepen und zuletzt gab es je einen knappen Sieg und eine knappe Niederlage gegen die White Sox.

Die Houston Astros (6-4) werden ihrer Favoritenrolle in der AL West bisher gerecht. Außer ihnen weisen etwas überraschend auch die Los Angeles Angels (6-3) und die Oakland Athletics (5-4) positive Bilanzen auf, während ebenso überraschend die Texas Rangers (3-5) und die Seattle Mariners (2-8) schwach in die Saison gestartet sind. Die Rangers und die Mariners treffen am Wochenende dreimal direkt aufeinander, danach könnte es für einen von beiden schon ziemlich zappenduster aussehen.

Szene der Woche*
Ein guter Catcher zieht den Ball an wie ein Magnet. Allerdings sollte es im Regelfall eher der Handschuh sein, der die magnetische Wirkung entfaltet und nicht die Schutzkleidung des Catchers. Bei Yadier Molina war es am letzten Donnerstag anders: Als er Matt Szczur nach dem nicht gefangenen dritten Strike auswerfen wollte, gelang ihm das nicht, weil er den Ball nicht finden konnte. Erst nach freundlichem Hinweis des Schiedsrichters entdeckte er ihn schließlich in Höhe seines Bauchnabels – schwebend, klebend, feststeckend? So genau konnte oder wollte das niemand sagen. Molina beteuerte natürlich, dass weder der Ball noch seine Kleidung mit irgendwelchen Substanzen behandelt waren. Klar.

Statistik der Woche 
15. So viele Cycles – ein Single, ein Double, ein Triple und ein Homerun eines Spielers im gleichen Spiel – hat es in der Geschichte des Coors Field gegeben, den jüngsten davon am Montag durch Will Myers von den San Diego Padres. Das Stadion der Colorado Rockies führt diese Statistik für die Zeit seit seiner Eröffnung im Jahr 1995 mit großem Abstand vor allen anderen Ballparks an. Der Globe Life Park der Texas Rangers liegt mit 7 Cycles auf Platz zwei.

Spiel der Woche
Eigentlich war es eher das Inning als das Spiel der Woche: Sage und schreibe 12 Runs erzielten die Philadelphia Phillies Samstagnacht im ersten Inning gegen die Washington Nationals. Neun Hits, vier Walks und zwei Sacrifice Flyballs trugen zum besten Start der Phillies in ein Spiel in ihrer 134-jährigen Geschichte bei. Danach war das Spiel weitgehend gelaufen; anders als eine Woche zuvor den Bad Homburg Hornets in der Baseball-Bundesliga gelang es den Nationals nicht, die Partie noch mal spannend zu machen. Die Phillies gewannen letzten Endes mit 17:3. Die tragische Figur des Tages war Nationals-Starter Jeremy Guthrie. Ausgerechnet an seinem 38. Geburtstag kam der arme Kerl nicht aus dem ersten Inning heraus, sein Arbeitstag endete mit zehn zugelassenen Runs und nur zwei Outs. Einen Tag später wurde Guthrie, dessen ERA für die Saison bei 135.0 steht, aus dem Kader der Nationals entlassen.

Spiel(e) der kommenden Woche
Hier entscheide ich mich wieder für eine Serie statt für ein einzelnes Spiel: In der AL West haben zwei der drei Teams, die vor der Saison als relativ gleichrangige Favoriten galten, einen klassischen Fehlstart hingelegt. Von Freitag bis Sonntag treffen nun die Texas Rangers und die Seattle Mariners dreimal direkt aufeinander und das könnte für eines der Teams bedeuten, dass das Erreichen der Playoffs schon sehr früh in weite Ferne rückt. Wenn ihr euch eines der Spiele anschauen wollt, empfiehlt sich das am Sonntag wegen der europafreundlichen Startzeit von 22:10 Uhr und wegen des interessanten Pitching-Matchups von Cole Hamels gegen James Paxton.

 

*Dem aufmerksamen Leser ist vielleicht aufgefallen, dass diese Kategorie ab heute anders heißt – statt „Spielzug der Woche“ nun „Szene der Woche“, einfach weil ich mich hier sowieso noch nie zwangsläufig auf Spielzüge beschränkt sondern immer den interessantesten, beeindruckendsten oder lustigsten Clip gewählt habe, der mir in der jeweiligen Woche begegnet ist.

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April 4th, 2017 by Dominik

…Mike Trout? Clayton Kershaw? Bartolo Colon? Auf seine je eigene Weise ist es wohl jeder der Genannten und außerdem noch manch anderer – aus deutscher Sicht zum Beispiel Max Kepler. Aber am meisten gespannt bin ich dieses Jahr auf… *Trommelwirbel*… Christian Bethancourt!

Den Namen wird manch einer noch nie gehört haben und das ist angesichts Bethancourts bisheriger Karriere auch keine Schande. Der 25-jährige Panamaer hatte letztes Jahr 204 Plate Appearances für die San Diego Padres und brachte es auf recht magere Werte von .223/.253/.318. Das entspricht einem weit unterdurchschnittlichen OPS+ von 69 und das war bereits das beste seiner bislang drei Jahre in der MLB. Als defensivstarker Catcher wird einem Vieles verziehen, aber auch in der Hinsicht konnte Bethancourt bislang nicht überzeugen: Sein Framing und sein Blocking führten laut den Statistiken von Baseball Prospectus bislang in jeder seiner MLB-Saisons zu negativen Ergebnissen.

Bethancourts bisherige Versuche, im professionellen Baseball Fuß zu fassen, sahen nach dem Start in eine typische Replacement-Karriere aus: Man unterschreibt alle ein, zwei Jahre einen neuen Minor-League-Vertrag und ab und zu darf man bei Verletzungen oder sonstigen Engpässen mal ein paar Wochen mit den großen Jungs spielen. So kann es Bethancourt immer noch ergehen, aber vielleicht war das Spiel gegen die Seattle Mariners am 31. Mai 2016 für ihn der Wendepunkt: Er begann auf seiner Stammposition als Catcher, wechselte später ins Outfield wechselte und fand sich im achten Inning plötzlich auf dem Pitchermound wieder. Damit sollte er eigentlich nur für etwas Entlastung der regulären Pitcher in einem längst verlorenen Spiel sorgen, doch gelang ihm die ungewohnte Tätigkeit so gut, dass er beschloss, sich daraus ein zweites Standbein aufzubauen. Innerhalb weniger Monate trainierte er sich einen 98-mph-Fastball, einen harten Slider/Cutter und sogar einen Knuckleball an und schaffte den Sprung ins Opening Day Roster der Padres.

Anders als beispielsweise Kenley Jansen, der ebenfalls als Catcher begonnen hatte und inzwischen einer der gefürchtetsten Closer der Liga ist, hat Christian Bethancourt seine alte Position nicht aufgegeben. Die Padres planen vielmehr, ihn dieses Jahr als Super-Utility-Spieler einzusetzen: als Backup-Catcher, Relief Pitcher und obendrein als fünften Outfielder.

In weniger professionalisierten Umgebungen, z. B. in der Baseball-Bundesliga, ist es ein völlig normaler Vorgang, dass Spieler zwischen dem Mound und einer Feldposition hin und her wechseln, in der hochspezialisierten MLB ist das aber eine absolute Ausnahme. Falls Bethancourt es diese Saison gelingen sollte, sowohl 20 Innings als Pitcher zu absolvieren als auch 20 Plate-Appearances als Positionsspieler, dann wäre er erst der neunte Spieler und gleichzeitig der erste Catcher der MLB-Geschichte, dem das gelungen ist.

Seinen ersten Auftritt des Jahres hatte Bethancourt bereits am gestrigen Opening Day gegen die Los Angeles Dodgers. Es lief leider nicht gut für ihn: In 1.1 Innings erlaubte er drei Hits, darunter ein 3-Run-Homer von Corey Seager, zwei Walks sowie zwei weitere Runs durch Wild Pitches. Als Positionsspieler kam er nicht zum Einsatz, sein einziges At Bat war ein Strikeout. Aber die Saison ist ja noch lang und ich bin sehr neugierig, wie es weitergeht mit Christian Bethancourt. Auf jeden Fall bietet seine Geschichte einen guten Grund, sich mal ein Spiel der Padres anzuschauen.

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