Januar 1st, 2019 by Silversurger

Ich wünsche allseits ein großartiges 2019! Der Baseblog beginnt das neue Jahr mit einer Zeitreise um rund 100 Jahre in die Vergangenheit.

Im frühen 20. Jahrhundert, der sogenannten Dead-Ball-Ära des Baseballs, glänzten vor allem die Pitcher. Es sind daher Namen wie Cy Young, Walter Johnson oder Christy Mathewson, die aus dieser Zeit haften geblieben sind. Doch es gab damals auch überragende Schlagmänner, an die man sich bis heute erinnert. Honus Wagner ist hier ebenso zu nennen wie “Shoeless” Joe Jackson und besonders Tyrus Raymond Cobb. Ty Cobb setzte Maßstäbe, von denen einige noch immer unerreicht sind.

Ty Cobb 1913 (1)

Zwar war Cobb seiner Zeit entsprechend nicht für viele Homeruns bekannt. Nur einmal führte er in dieser Kategorie die Liga an, 1909 mit aus heutiger Sicht lächerlichen neun. Auch diese Zahl ist jedoch beeindruckend angesichts der Tatsache, dass kein einziger der neun Hits über den Zaun ging – es waren allesamt Inside-the-Park-Homeruns. In anderen Statistiken lag Cobb regelmäßig ganz vorne, vor allem beim Batting Average. Mit einem Karriere-Schlagdurchschnitt von .366 führt er die ewige Rangliste an. 23 seiner 25 Saisons beendete er mit einem Average von über .300, zwölf davon mit dem höchsten Average der Liga. 4.189 Hits, 2.244 erzielte Runs, 3.034 absolvierte Spiele, 11.434 At Bats, 5.854 Total Bases waren zum Zeitpunkt seines Karriereendes ebenfalls Rekorde, die allesamt mehrere Jahrzehnte lang hielten.

Cobb war ein sehr intelligenter Spieler. Er verstand es, die Schwächen gegnerischer Pitcher und Feldspieler zu analysieren und auszunutzen, um Hits zu erzielen und Bases zu stehlen. Andererseits galt er sowohl auf dem Feld als auch jenseits davon als unangenehmer Charakter, als hitzköpfig, egoistisch und extrem ehrgeizig. Er ging selten einer Prügelei aus dem Weg und wurde häufig unfairer Aktionen beschuldigt. In mehreren Fällen fügte er Gegenspielern Verletzungen zu, als er mit hohem Bein auf eine Base rutschte, einmal ging er auf einen Zuschauer auf der Tribüne los und nach einer Attacke auf einen Hotelangestellten wurde ihm gar versuchter Mord vorgeworfen. Da dieser Angestellte schwarz war und Cobb des öfteren verbale und körperliche Auseinandersetzungen mit dunkelhäutigen Menschen hatte, wurde ihm Rassismus unterstellt. Dieser Vorwurf geht möglicherweise zu weit, denn Cobb war auch ein früher und vehementer Verfechter davon, schwarze Spieler zu integrieren und ihnen die Anerkennung zu gewähren, die sie durch ihre Leistung verdient haben. Es trifft wohl eher zu, dass Cobb die Neigung hatte, sich unter Menschen unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe wenige Freunde und viele Feinde zu machen.

Ty Cobb 1915 (2)

Cobbs persönlichen Leistungen und Rekorden zum Trotz gewann er nie eine Meisterschaft – weder in seiner langen Zeit bei den Detroit Tigers (1905-1926), obwohl er mit ihnen 1907 bis 1909 dreimal hintereinander in der World Series stand, noch in den beiden letzten Jahren seiner Karriere bei den Philadelphia Athletics.

Ty Cobb wurde 1936 als eines der ersten fünf Mitglieder der Baseball Hall of Fame gewählt und erhielt mit 98% den höchsten Stimmenanteil innerhalb dieser Gruppe. Er starb 1961 im Alter von 74 Jahren an Prostatakrebs.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: International Film Service (PD-US)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Detroit Public Library (PD-US)

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