Mai 17th, 2018 by Dominik

Nach 42 Spielen in der MLB-Saison 2018 haben die Los Angeles Dodgers exakt den gleichen Record wie die Miami Marlins, gegen die sie gerade zweimal verloren haben. Klar, das ist nur eine Momentaufnahme und aller Voraussicht nach werden die Siegquoten beider Teams in absehbarer Zeit unterschiedliche Richtungen einschlagen. Aber dass ein solcher Zwischenstand nach einer beträchtlichen Zahl gespielter Partien möglich und gar nicht mal besonders ungewöhnlich ist, macht für mich einen ganz großen Teil des Reizes dieser Sportart aus. Weniger reizvoll finde ich die immer wieder aufkommenden Drogen- und Dopingfälle. Mit Robinson Cano ist diese Woche ein prominenter Täter überführt worden und dank geschickten Taktierens vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Alles, was ich im MLB-Geschehen der letzten sieben Tage sonst noch erfreulich, ärgerlich oder einfach interessant fand, lest ihr im heutigen Grand Slam am Donnerstag.

American League
Die American League East bietet nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen und es ist geradezu verblüffend, wie groß die Parallelen der New York Yankees (28-12) und der Boston Red Sox (29-14) sind: Die Bilanzen sind fast gleich, nur ein bisschen verzerrt durch die weniger absolvierten Spiele der Yankees. Die Run Differentials sind ebenfalls fast identisch, was daher rührt, dass beide Teams exakt gleiche viele Runs (166) kassiert haben und sich bei den erzielten Runs (Yankees 231, Red Sox 232) nur um einen einzigen unterscheiden. Die Chancen, dass beide auch in einer Woche noch die erfolgreichsten Teams der gesamten Liga sind, stehen gut, denn die anstehenden Aufgaben sehen sehr lösbar aus: Die Red Sox treten viermal gegen die Baltimore Orioles (13-29) und dreimal bei den Tampa Bay Rays (19-22) an, die Yankees spielen Auswärtsserien in Kansas City und in Texas. Erwähnen muss ich noch, dass Bostons Reliever Carson Smith am Montag eine aussichtsreiche Bewerbung um die dämlichste Verletzung des Jahres abgegeben hat: Er kugelte sich im Spiel gegen die Athletics die Schulter des Wurfarms aus, aber nicht etwa beim Pitchen, sondern als er aus Frust über einen erlaubten Homerun und seine Auswechslung im Dugout seinen Handschuh wegschleuderte. Das Ziel der Frustbewältigung hat er mit dieser Aktion wohl verfehlt; er steht jetzt erst mal auf der Verletztenliste.

Eine besondere Stellung innerhalb der MLB nimmt nach wie vor die AL Central ein. Sie ist die einzige Division, in der man mit negativem Record auf Platz eins stehen kann. Die Cleveland Indians (21-21) tun das zurzeit ungefähr jeden zweiten Tag, momentan stehen sie nach dem gestrigen Sieg über die Tigers zumindest wieder ausgeglichen. Angesichts der nächsten neun Spiele, von denen in sieben die Astros und in den anderen beiden die Cubs der Gegner sind, glaube ich aber nicht, dass Cleveland sich in der aktuellen Form bei .500 halten kann. Das eröffnet eine Chance für die Minnesota Twins (18-21), die ihr Zwischentief überwunden und acht der letzten zwölf Spiele gewonnen haben. Von Montag bis Mittwoch treffen sie auf die Detroit Tigers (19-23), die in der Division zwar krasser Außenseiter, aber ebenfalls gar nicht weit von der Spitze entfernt sind – anders als die weiteren Außenseiter Kansas City Royals (13-30) und Chicago White Sox (10-29).

In der AL West gab es in den vergangenen Tagen eigentlich genug sportliche Schlagzeilen, vor allem durch das Aufeinandertreffen der beiden Spitzenklubs Houston Astros (28-17) und Los Angeles Angels (25-18). In drei spannenden Spielen behielt Houston zweimal die Oberhand und festigte damit die Tabellenführung (siehe „Spiel der Woche“). Die aufsehenerregenderen Nachrichten drehten sich allerdings um die Seattle Mariners (24-18) und dort vor allem um Robinson Cano. Am Sonntag wurde dem Second Baseman noch allseits großes Mitleid zuteil, weil er sich beim Hit durch einen Pitch von Detroits Blaine Hardy die rechte Hand brach. Einen Tag später avancierte Cano zum Buhmann, denn es wurde bekannt, dass ihm der Gebrauch von Furosemid nachgewiesen wurde. Das ist eine Substanz, die nicht selbst leistungssteigernd wirkt, aber allgemein bekannt dafür ist, dass sie dazu verwendet wird, den Nachweis verwendeter Dopingmittel zu behindern. Die Liga hatte dafür schon vor einigen Wochen einer Sperre von 80 Spielen ausgesprochen. Diese war noch nicht bekannt und wirksam geworden, weil Cano Einspruch eingelegt hatte. Den Einspruch zog er nun zurück und sitzt die Sperre damit relativ bequem in der Zeit ab, die er wegen der Verletzung ohnehin verpasst hätte. Laut Cano ist dieses zeitliche Zusammentreffen reiner Zufall. Wer’s glaubt, wird selig.

National League
Die jungen Atlanta Braves (26-16) mischen weiterhin die National League East auf, inzwischen sind sie sowohl von der Bilanz als auch von den erzielten Runs (225) und vom Run Differential (+59) her das führende Team der gesamten NL. Fast genauso erfolgreich sind die Philadelphia Phillies (24-16), die zwar nicht ganz so viele Runs wie die Braves gescort, dafür aber mit 146 die wenigsten Runs der NL zugelassen haben. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber wenn sich die Phillies und die Braves von Montag bis Mittwoch dreimal direkt gegenüber stehen, dann ist das die absolute Spitzenserie der NL (siehe „Mein Einschalttipp“). Im Schatten dieser beiden haben sich die Washington Nationals (24-18) nach vorne gearbeitet und der Spielplan meint es derzeit gut mit ihnen: Sie treffen nun zwölfmal hintereinander auf Teams mit deutlich negativem Record (Dodgers, Padres, @Marlins, @Orioles). Für die New York Mets (20-19) sieht es hingegen trotz immer noch knapp positiver Bilanz stark danach aus, dass sie dabei sind, den Anschluss zu verlieren. Seit über einem Monat, genauer gesagt seit 13. April, haben sie es nicht mehr geschafft, mal zwei Spiel hintereinander zu gewinnen.

Schon seit einigen Wochen erfreut die NL Central den neutralen Beobachter mit der besonders schönen Konstellation, dass vier Teams fast gleichauf stehen und sich keines davon anschickt, sich nach oben oder unten abzusetzen. Die Pittsburgh Pirates (25-17), die Milwaukee Brewers (26-18), die St. Louis Cardinals (23-17) und die Chicago Cubs (22-18) sind nach wie vor nur zwei Spiele auseinander. Die größte Überraschung sind dabei die Pirates, aber mit den Padres sowie den Cincinnati Reds (15-29) als Gegner in den nächsten sieben Spielen ist es durchaus wahrscheinlich, dass Pittsburgh auf absehbare Zeit weiter auf der Erfolgswelle schwimmt.

Etwas abgeflaut ist hingegen die Erfolgswelle der Arizona Diamondbacks (25-18). Sie führen zwar immer noch die NL West an, aber nach sieben Niederlagen in den letzten acht Spielen ist der Vorsprung auf die Colorado Rockies (23-20) deutlich geschrumpft und er wäre schon komplett verschwunden, wenn die Rockies nicht ebenfalls an den vergangenen Tagen einige Niederlagen eingesteckt hätten. Generell ist die NL West zurzeit schlecht drauf, denn kein Team der Division hat aus den letzten zehn Spielen mehrheitlich Siege herausgeholt. Die San Francisco Giants (22-22) stehen gerade noch ausgeglichen, die San Diego Padres (17-27) deutlich negativ und hinter ihnen zieren die massiv enttäuschenden Los Angeles Dodgers (16-26) das Tabellenende mit zurzeit sechs verlorenen Spielen hintereinander.

Szene der Woche
Es waren schon wieder so viele sehenswerte Szenen, dass ich an dieser Stelle eine kleine Auswahl vorstelle statt nur eine herauszugreifen: Der seltsamste Anblick war für mich diese Woche der Hit von C. J. Cron. Es sah ein bisschen nach Cricket aus, als der Rays-1B den zu kurz geratenen Pitch von Royals-Pitcher Eric Skoglund ins Leftfield schlug, nachdem dieser auf dem Boden aufgekommen war. Auf Base kam er dadurch allerdings nicht, denn der Flugball war sichere Beute für Jon Jay. Im gleichen Spiel am Dienstag, sogar direkt beim nächsten Pitch, trug sich die Szene zu, die mich am meisten beeindruckt hat: Matt Duffy schlägt einen Single, Adeiny Hechavarria startet von der zweiten Base durch zur Homeplate und scheint einen Tick zu spät zu kommen, bevor er den Slide des Jahres hinlegt und den letztlich siegbringenden Run scored. Zu guter Letzt ist noch die emotionalste Szene der Woche zu erwähnen. Eigentlich war es ein ganz normaler Homerun von Stephen Piscotty, aber der Fakt, dass er diesen beim ersten At Bat nach einer Woche Trauerpause wegen des Tods seiner Mutter schlug, machte daraus ein wirklich bewegendes Ereignis.

Statistik der Woche 
45. So viele Pitches warf Jacob deGrom am Sonntag im ersten Inning gegen die Phillies – und beendete das Inning, ohne einen Hit oder einen Run zuzulassen. Es waren die zweitmeisten Pitches eines einzelnen Pitchers in einem Inning ohne Runs; der Rekord liegt bei 50 (Ken Patterson im Jahr 1990). Zu dem hohen Pitchcount trugen drei Walks und insgesamt 20 Foulballs bei. Nach dem ersten Inning wurde deGrom ausgewechselt, weil die Coaches der Mets der Ansicht waren, die hohe Belastung sei genug für ihn, zumal er gerade erst von der Verletztenliste zurückgekehrt war und sein Warmup für die Partie wegen einer Regenverzögerung eine Stunde länger gedauert hatte.

Spiel der Woche
Eine Spitzenserie, die diesen Namen verdient, lieferten sich an den letzten drei Tagen die Los Angeles Angels und die Houston Astros. Die dritte Partie war die interessanteste, zumal sie auch die Serie entschied. Offensiv ist die Geschichte dieses Spiels schnell erzählt, es braucht dazu nur einen Namen: Evan Gattis. Der DH der Astros war mit seinem 2-Run-Homer im zweiten Inning für alle Runs des Spiels verantwortlich. Mit nach Hause brachte er Josh Reddick, der bei einem Error von Zack Cozart auf Base gekommen war. Der eigentliche Held des Spiels war aber Houstons Pitcher Justin Verlander. Er absolvierte die kompletten neun Innings, in denen er nur fünf Hits zuließ und die Highlights ausgerechnet gegen zwei der aktuell spektakulärsten Baseballer der Welt setzte: im achten Inning, als er Mike Trout mit zwei Runnern in Scoringposition zu einem Groundout brachte, und im neunten, als er gegen Shohei Ohtani den 2500. Strikeout seiner Karriere erzielte. Der 35-Jährige steht diese Saison jetzt bei 68.2 Innings und einem exzellenten ERA von 1.05.

Mein Einschalttipp
Das überraschende Spitzenduell der National League steigt von Montag bis Mittwoch in Philadelphia zwischen den Phillies und den Atlanta Braves. Leider kommt offenbar keines der drei Spiele auf DAZN, aber auf mlb.tv sind sie natürlich alle zu sehen. Das beste Pitching-Matchup – soweit es sich so lange vorher schon absehen lässt – wird Mittwochnacht geboten, wenn der junge Sean Newcomb (2.51 ERA, 3.08 FIP) und Routinier Jake Arrieta (2.59 ERA, 3.48 FIP) ihre Kräfte messen.

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März 29th, 2018 by Dominik

Heute. Ich schreibe es noch ein paarmal, weil es so schön klingt: Heute. Heute. Heute. Heute beginnt die neue MLB-Saison. Die Offseason kam mir vor wie eine Unendlichkeit, tatsächlich war es aber eine ungewohnt kurze Saisonpause: Der 29. März ist der früheste Opening Day, den es in der MLB je gegeben hat. Erfreulicherweise hat die Liga zum ersten Mal seit 50 Jahren darauf verzichtet, am ersten Spieltag nur ein paar wenige Matches anzusetzen – alle 30 Teams sollten heute ihr erstes Spiel haben. Daraus wird nun leider nichts, denn wegen angekündigter Regenfälle wurde das Spiel der Cincinnati Reds gegen die Washington Nationals bereits auf Freitag verschoben und es könnten durchaus noch weitere Partien folgen. Sei es wie es will, nächste Woche um diese Zeit sind auf jeden Fall alle Teams mitten drin in der MLB-Saison 2018. Aus diesem Grund lest ihr heute den vorerst letzten Grand Slam am Donnerstag in der Offseason-Variante. Ab nächster Woche gibt es an dieser Stelle wieder die nach Ligen und Divisionen gegliederte Saison-Version des wöchentlichen Überblickartikels.

Bumgarner, Bird und Puk verletzt 
Noch bevor die Saison richtig begonnen hat, gibt es leider schon wieder so viele verletzte Spieler, dass es mir schwerfällt, einen vollständigen Überblick zu bewahren. Das namhafteste „Opfer“ ist diese Woche Madison Bumgarner. Der Giants-Pitcher wurde von einem Comebacker an seiner Wurfhand getroffen und erlitt eine Fraktur, die operiert werden musste. Er wird seinem Team voraussichtlich rund zwei Monate lang fehlen.

Ähnlich lang werden die Yankees auf ihren First Baseman Greg Bird verzichten müssen. Bird musste sich einer OP am rechten Knöchel unterziehen, bei der Knochensplitter entfernt wurden. Man kann nur hoffen, dass mit der neuen Maßnahme endlich die Ursache beseitigt wurde, wegen der der hochtalentierte 25-Jährige einen Großteil der vergangenen beiden Saisons versäumte.

Die gesamte Saison 2018 und auch den Beginn der Saison 2019 wird A. J. Puk, Pitching-Prospect der Oakland Athletics, verpassen. Genau wie sein Teamkollege Jharel Cotton in der Woche zuvor, muss Puk sich wegen einer Verletzung am Wurfellenbogen der Tommy-John-Surgery unterziehen.

Scott Kingery: 6 Jahre, 24 Millionen, 0 MLB-Spiele
Eine eher ungewöhnliche Vertragsverlängerung gab es bei den Philadelphia Phillies: Scott Kingery einigte sich mit dem Klub auf einen Sechsjahresvertrag mit einem garantierten Einkommen von 24 Millionen Dollar, bevor er auch nur ein einziges At Bat in der MLB absolviert hat. Das spricht für großes Vertrauen in die Fähigkeiten des Infielders, der ein sehr starkes Spring Trainig gespielt hat (.411/.441/.786). Der Vertrag deckt die komplette Zeit ab, in der Kingery sonst drei Monate für den Mindestlohn der MLB und weitere drei Jahre für ein im Arbitration-Verfahren ausgehandeltes Gehalt gespielt hätte. Die Vertragssumme ist ein Rekord für Spieler ohne MLB-Erfahrung, aber wenn Kingery die Erwartungen halbwegs erfüllt, hätte er über die sechs Jahre gerechnet wohl auch sonst in dieser Größenordnung verdient. Vorteilhaft für den Klub erscheint vor allem, dass der Vertrag Optionen für drei weitere Jahre zu 13 Millionen, 14 Millionen und 15 Millionen Dollar enthält.

Und was wird aus Greg Holland?
Es war eine seltsame Free Agency in dieser Offseason, doch im Endeffekt sind die meisten prominenten Spieler irgendwann irgendwo untergekommen. Die wichtigste Ausnahme davon bleibt Greg Holland. Der ehemalige Closer der Colorado Rockies wurde schon mit diversen Teams in Verbindung gebracht – den Rockies, den Diamondbacks, den Braves, den Cardinals, zuletzt den Mets –, aber etwas Konkretes hat sich nicht ergeben. Offenbar haben Holland und sein Agent Scott Boras, der dafür bekannt ist, die Teams in Verhandlungen lange hinzuhalten, sich verzockt und die besten Möglichkeiten verpasst. Holland wird nicht lange arbeitslos bleiben, wenn die Saison erst begonnen hat, aber er wird möglicherweise mit einem Einjahresvertrag und einem „nur“ siebenstelligen Gehalt vorlieb nehmen müssen. In der Größenordnung der 17,4 Millionen, die er sich durch die Ablehnung des Qualifying Offers der Rockies zu Beginn der Offseason entgehen ließ, wird er jedenfalls nicht mehr rechnen dürfen.

Ein paar weitere Free Agents, die innerhalb der ersten Saisonwochen noch irgendwo unterkommen dürften, sind SP John Lackey, OF Jose Bautista, 1B Mark Reynolds und 2B Brandon Phillips.

Steven Wright wird gesperrt
Die Boston Red Sox werden zu Beginn der Saison für einige Zeit auf Pitcher Steven Wright verzichten müssen. Zunächst steht Wright auf der Verletztenliste (DL), weil er nach einer im Mai 2018 durchgeführten Knieoperation noch nicht wieder ganz fit ist. Zudem muss er eine 15-tägige Sperre absitzen, die erst dann in Kraft tritt, wenn die Verletzung überwunden ist. Wright war im Dezember zu Hause in Tennessee festgenommen worden wegen eines häuslichen Übergriffs gegenüber seiner Frau Shannon und wegen Verhinderung eines Notrufs. Wright räumt sein Fehlverhalten ein, beteuert aber, dass es bei dem Vorfall nicht darum ging, dass er seine Freu geschlagen oder auch nur angefasst hätte. Gerichtlich endete die Sache mit Zahlung einer Strafe und einer Art vereinfachter Bewährung: Wenn Wright sich innerhalb von zwölf Monaten nichts mehr zu schulden kommen lässt, wird das Verfahren eingestellt.

Oh shit! 
Die Überschrift hätte zwar auch für den vorherigen Abschnitt gepasst, ist hier aber wörtlich gemeint: Wegen eines gebrochenen Abwasserrohres wurde in der Nacht zum Mittwoch ein Teil des Foul-Territorys von Dodger Stadium von Fäkalien überflutet. Das Ganze passierte während des fünften Innings des Spring-Training-Spiels zwischen den Dodgers und den Angels, das daraufhin abgebrochen wurde. Das Leck und die entstandenen Schäden sind wohl mittlerweile behoben, sodass die heutige Saisoneröffnung der Dodgers gegen den Erzrivalen San Francisco Giants nicht in Gefahr ist.

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März 15th, 2018 by Dominik

Zwei Wochen bis zum Opening Day und das Fieber steigt. Die aktuellen Stände im Spring Training habe ich der Vollständigkeit halber hiermit verlinkt, ansonsten breite ich darüber lieber den Mantel des Schweigens – zum Glück sind diese Spiele völlig bedeutungslos. Interessanter dürfte sein, dass es diese Woche einige erwähnenswerte Free-Agent-Signings gab. Den meisten davon merkt man an, dass die betreffenden Spieler – obwohl wirklich tolle Leute darunter sind – nach dem letzten Strohhalm gegriffen haben, um endlich irgendwo unterzukommen. Von den „großen“ Namen sind nun nur noch wenige auf dem Markt übrig. Die prominentesten Arbeitslosen der MLB dürften momentan RP Greg Holland und SP Alex Cobb sein.

Moustakas hat sich verzockt
So hat sich das 3B Mike Moustakas sicher nicht vorgestellt mit seinem Free-Agent-Jahr: Zu Beginn der Offseason lehnte er das Qualifying Offer der Royals ab. Dieses hätte ihm gut 17 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr in Kansas City eingebracht. Das reichte Moustakas und seinem Agenten Scott Boras nicht, sie wollten mehr Dollars und eine längere Vertragslaufzeit. Aber der Markt spielte nicht mit, Moustakas blieb lange ohne neuen Vertrag und nun blieb ihm offenbar nichts anderes übrig als zu deutlich schlechteren Konditionen bei den Royals zu bleiben. Der Vertrag läuft zunächst ein Jahr und bringt ihm 6,5 Millionen plus leistungsbezogene Boni. Es gibt eine beidseitige Option für ein zweites Jahr, in dem Moustakas 15 Millionen bekommen würde. Für die Royals ist das ein toller Verhandlungserfolg, zu Contendern werden sie aber auch durch Moustakas nicht werden.

Arrieta zu den Phillies 
Auch Jake Arrieta ist ein Stück weit zum Opfer der aus Spielersicht ungünstig verlaufenden Offseason geworden. Über das Jahresgehalt von 25 Millionen Dollar, das der Pitcher bei den Philadelphia Phillies bekommen wird, kann er sich sicher nicht beschweren, doch eigentlich hatte er nach einer längeren Bindung als drei Jahre gesucht. Es ist vermutlich die zentrale Erkenntnis dieser Offseason, dass die Zeiten weitgehend vorbei sind, in denen die Klubs 32-jährigen Spielern Sechsjahresverträge angeboten haben. Das ist sicher vernünftig und genauso vernünftig ist, dass Arrieta und die Phillies zusammen gefunden haben. In meiner Saisonvorschau letzte Woche hatte ich einen erfahrenen Starter als das fehlende Puzzleteil für dieses Team identifiziert und die Phillies haben prompt den besten geholt, der für Geld zu bekommen war.

Twins holen Lynn
Ganz ähnlich ist die Situation bei den Minnesota Twins. Auch sie stellen ein junges Team, dessen größtes Fragezeichen bis vor Kurzem die Starting Rotation war, und auch sie haben sich nun an dieser Stelle verstärkt: Lance Lynn unterschreibt für ein Jahr und 12 Millionen Dollar. Im Vergleich mit zum Beispiel Arrieta oder Yu Darvish ist das ein echtes Schnäppchen für den Verein. Lynn spielte von 2011 bis 2017 für die St. Louis Cardinals und hatte in keinem Jahr seiner MLB-Karriere einen ERA von über 4. 2016 musste er zwar wegen einer Tommy-John-Surgery aussetzen, doch seine Leistungen im Jahr 2017 (3.43 ERA in 186.1 IP) ließen keine Zweifel an seiner vollständigen Genesung aufkommen.

Walker von Queens in die Bronx
Neil Walker, ehemals Second Baseman der Mets, kehrt nach seinem kurzen Milwaukee-Ausflug zurück nach New York, allerdings in einen anderen Stadtteil. Er spielt nun zwar beim namhaftesten Baseballklub der Welt, allerdings musste auch er zu einem relativen Schnäppchenpreis unterschreiben. Er bekommt 4 Millionen Dollar für ein Jahr und wird bei den Yankees dazu dienen, den Übergang zu den Nachwuchs-Infieldern Gleyber Torres und Miguel Andujar zu erleichtern – indem er als Mentor fungiert und ihnen mit seinen Einsätzen Pausen oder wenn nötig auch noch etwas Zeit in den Minors ermöglicht. Eine solche Rolle ist fast zu schade für einen Spieler seines Kalibers, für den Fangraphs zu Beginn der Offseason einen Dreijahresvertrag über 39 Millionen Dollar prognostizierte. Möglicherweise haben die Yankees auch deshalb zugegriffen, weil sie damit rechnen, Walker während der Saison gewinnbringend weitertraden zu können.

CarGo bleibt bei den Rockies
Im Gegensatz zu den bisher erwähnten Spielern war es für Outfielder Carlos Gonzalez fast schon absehbar, dass er nicht mit einem großen Zahltag in der Free Agency rechnen durfte. Er hatte 2017 offensiv ein schwieriges Jahr (.262/.339/.423, 14 HR, -0.2 fWAR) und seine schwache Defense sowie Probleme mit linkshändigen Pitchern machen ihn nicht gerade attraktiver. Dass er nun für 5 Millionen Dollar ein weiteres Jahr bei den Colorado Rockies bleiben darf, ist von daher durchaus als Erfolg für ihn zu werten – obwohl er letztes Jahr an gleicher Stelle noch das Vierfache verdient hat.

Lucroy landet in Oakland 
Auch für die Oakland Athletics ist beim Winterschlussverkauf noch etwas abgefallen: Sie haben sich mit Catcher Jonathan Lucroy auf einen Einjahresvertrag von 6,5 Millionen Dollar geeinigt. Die Athletics sind weit entfernt von Konkurrenzfähigkeit, doch Lucroy ist definitv eine sinnvolle Ergänzung. Er wertet die bislang auf Replacement-Level besetzte Position sowohl direkt auf als auch indirekt, indem er die neuen Kollegen an seiner reichhaltigen Erfahrung teilhaben lassen wird.

Dopingsperre für Royals-Outfielder Bonifacio
Unterdessen hat Jorge Bonifacio Erfahrungen gemacht, auf die man gerne verzichtet: Er hat versucht, sich mit verbotenen Mitteln – konkret geht es um das Steroid Boldenon – einen Vorteil zu verschaffen, und er hat sich dabei erwischen lassen. Der Outfielder wird nun 80 Spiele lang, also rund die halbe Saison, zuschauen und in dieser Zeit auch auf sein Gehalt verzichten müssen. Für Ned Yost, den Manager der Royals, war es ein Schock („It really kind of made me sick to my stomach“), aber wenigstens sparte er sich dadurch eine unangenehme Personalentscheidung. Denn durch Bonifacios Sperre wurde automatisch der Rosterplatz frei, den die Royals für Moustakas brauchten.

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März 7th, 2018 by Dominik

Die Phillies haben fünf aufeinander folgende Saisons mit jeweils 89 bis 99 Niederlagen hinter sich. Aber sie waren in dieser Zeit nicht untätig. Sie haben ihr Front Office neu aufgestellt, sich von älteren und teuren Spielern getrennt und sich reichlich mit talentiertem Nachwuchs eingedeckt – ein klassisches Rebuilding eben. Nun sehen die Phillies offenbar den richtigen Zeitpunkt gekommen, den nächsten Schritt zu tun: In der Offseason haben sie ein neues Trainerteam zusammengestellt, an dessen Schaltzentrale der ebenfalls neu verpflichtete Manager Gabe Kapler sitzt. Mit First Baseman Carlos Santana gönnten sie sich erstmals seit langer Zeit, einen etablierten Veteranen zu holen, der mehr als ein Platzhalter sein kann und soll. Darüber hinaus wurde der Bullpen mit Pat Neshek und Tommy Hunter verstärkt. Es herrscht Aufbruchstimmung in Philadelphia, die bis Saisonbeginn wahrscheinlich noch durch einen zusätzlichen Starting Pitcher gefördert werden wird. Die Phillies gleich zum Playoffkandidaten zu stempeln, würde mir persönlich zu weit gehen. Aber ich rechne mit einer deutlich besseren Saison als letztes Jahr und spätestens 2019 wird mit Ihnen ernsthaft zu rechnen sein.

Voraussichtliches Lineup
C Jorge Alfaro
1B Carlos Santana
2B Cesar Hernandez
SS J.P. Crawford
3B Maikel Franco
LF Rhys Hoskins
CF Odubel Herrera
RF Nick Williams

Voraussichtliche Rotation
SP Aaron Nola
SP Jerad Eickhoff
SP Vincent Velasquez
SP Nick Pivetta
SP Ben Lively
Closer Hector Neris

Wichtigster Zugang
1B Carlos Santana (Cleveland Indians)

Wichtigster Abgang
SS Freddy Galvis (San Diego Padres)

Bestes Prospect
SP Sixto Sanchez

Größte Stärke
Der Bullpen: Die Phillies sind gut mit Relievern bestückt und das müssen sie angesichts der in weiten Teilen unerfahrenen und unerprobten Starting Rotation auch sein. Der Bullpen stand 2017 laut relevanten Maßen wie ERA (4.18), FIP (4.15) und fWAR (4.3) im Mittelfeld der Liga – was für ein in allen anderen Teilen weit hinten rangierendes Team schon beachtlich ist. Mit Pat Neshek und Tommy Hunter wurden zusätzliche Verstärkungen geholt, sodass diese Einheit auch 2018 wieder ein Pluspunkt der Phillies sein dürfte.

Größte Schwäche
Die Rotation außer Nola: Aaron Nola ist die einzige verlässliche Größe unter den aktuell vorgesehenen Startern. Die Phillies gelten seit Wochen als ein Favorit dafür, vor Saisonbeginn noch einen der verbliebenen Top-Pitcher Jake Arrieta, Lance Lynn oder Alex Cobb an Land zu ziehen. In dem Fall wäre die Schwäche zumindest teilweise behoben und ich würde Philadelphia dieses Jahr als Kandidaten für eine .500-Bilanz sehen.

Spannendste Frage
Wird das Spring-Training-Experiment in der Saison fortgeführt? Der neue Manager Gabe Kapler testet zurzeit eine interessante Neuerung: Er lässt seine Outfielder öfter mal in Abhängigkeit vom jeweiligen Batter des Gegners die Positionen tauschen. Das Ziel ist, den jeweils besseren bzw. passenderen Fielder an der Stelle zu haben, zu der der Batter mit höherer Wahrscheinlichkeit schlägt. Das klingt nachvollziehbar, wurde aber im professionellen Baseball bislang nicht praktiziert. Im Erfolgsfall könnte sich daraus ein neuer Trend entwickeln.

Prognose
Platz 4 in der NL East

Hier geht’s zum Power-Ranking und allen bisher erschienenen Previews.

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Dezember 21st, 2017 by Dominik

Kurz vor Weihnachten zeigen sich viele Front Offices rührig, um ihre Teams und deren Fans mit der einen oder anderen Weichenstellung für die kommende Saison zu bescheren – und natürlich, um sich selbst ein bisschen Ruhe über die Feiertage zu sichern, denn erfahrungsgemäß ist dies der Zeitpunkt, an dem die Beatwriter und Analysten unruhig werden, wenn ihr Team in der Offseason noch keine oder nur wenige Erfolge vermelden konnte. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen diese Woche zwei interessante Trades. Zudem hat sich einiges auf dem Free-Agent-Markt getan, besonders in Bezug auf First Basemen.

Braves und Dodgers traden, um zu sparen
Outfielder Matt Kamp kehrt von den Atlanta Braves zurück zu den Los Angeles Dodgers, für die er schon von 2006 bis 2014 gespielt hatte. Im Gegenzug schicken die Dodgers 1B Adrian Gonzalez, SP Scott Kazmir, SP Brandon McCarthy, Infielder Charlie Culberson und zusätzlich Geld nach Los Angeles. Das Bemerkenswerte an diesem Trade ist, dass er – außer Ergänzungsspieler Culberson – auf beiden Seiten lauter Spieler umfasst, die dank alter Verträge deutlich mehr Geld verdienen als sie zuletzt durch Leistung rechtfertigen konnten. Beide Teams haben mit dem Deal ihre Payrollsituation verbessert, die Dodgers für dieses und die Braves für nächstes Jahr. Die Spieler, die die Braves erhalten haben, kosten für 2018 rund 52 Millionen Dollar. Das ist ein Haufen Geld, tut den Braves aber nicht allzu weh, weil sie 2018 keine großen Pläne haben und lieber in diesem Jahr überbezahlen als im Jahr darauf – und dann sind die betreffenden Spieler alle Free Agents. Adrian Gonzalez wurde von den Braves von vornherein als so nutzlos abgestempelt, dass sie ihn direkt nach dem Trade entlassen haben – seine 22,375 Millionen zahlen sie ihm trotzdem und nun kann er sich ein Team suchen, das ihn für ein Minimalgehalt spielen lässt.

Matt Kemp hingegen hat noch zwei Jahre Vertrag und erhält dafür 43,5 Millionen Dollar. Als Spieler wird er den Dodgers nicht viel weiterhelfen, aber es hilft ihnen deutlich, dass sie die Gehälter der anderen los sind und Kemps Gehalt sich auf 2018 und 2019 verteilt. Auf diese Weise halten sie die Payroll für 2018 niedriger und müssen weniger oder sogar gar keine Strafabgabe an die Liga bezahlen. Wenn sie um die Luxussteuer ganz herum kommen, zahlt es sich für sie besonders aus, denn diese steigt deutlich an, wenn man mehrere Jahre in Folge über der festgelegten Schwelle liegt. Die Dodgers lagen zuletzt zwei Jahre hintereinander darüber.

Rays senden Longoria nach San Francisco
Der zweite große Trade der Woche hat deutlich mehr mit sportlichen Ambitionen zu tun als der erste: Die San Francisco Giants füllen eine klaffende Lücke in ihrem Lineup, indem sie 3B Evan Longoria von den Tampa Bay Rays holen. Damit signalisieren die Giants deutlich, dass sie die enttäuschende Saison 2017 schnell hinter sich lassen und schon nächstes Jahr wieder wettbewerbsfähig sein wollen. Die Rays lassen nach zehn Jahren, die Longoria für sie spielte, das Gesicht ihrer Franchise ziehen. Im Gegenzug für den 32-Jährigen erhalten sie Outfielder Denard Span, Infield-Prospect Christian Arroyo und zwei Minor-League-Pitcher. Die Kernkomponente auf dieser Seite des Trades ist Arroyo, der als herausragendes Talent gilt und den Deal zu einem klassischen Tausch macht zwischen einem Team, das kurzfristige Erfolge sucht (den Giants), und einem, dass beim Aufbau seines Kaders noch ein paar Jahre Zeit hat (den Rays).

Der Markt für die erste Base lichtet sich 
Oft fallen die Free Agents auf bestimmten Positionen wie Dominosteine, sobald einer den Anfang macht. In der Vorwoche kamen vor allem die Relief Pitcher in den Genuss, dass fast jedes Team sich einen von ihnen sichern wollte. Diese Woche waren die First Basemen an der Reihe. Den größten Paukenschlag landeten die Philadelphia Phillies, die sich für 60 Millionen Dollar für drei Jahre die Dienste von Carlos Santana sicherten. Dieser Move kam äußerst überraschend, denn erstens lässt er sich kaum mit dem laufenden Rebuilding-Projekt der Phillies in Einklang bringen und zum anderen wirft er die Frage auf, wo die Phillies mit ihrem jungen und vielversprechenden 1B Rhys Hoskins hin wollen. Wenn mir DEN Sinn dieser Verpflichtung jemand erklären kann: Ich bin ganz Ohr.

Die Cleveland Indians, Santanas bisheriger Club, haben direkt einen Nachfolger geholt und für zwei Jahre Yonder Alonso (bisher Athletics) verpflichtet. 1B Matt Adams ist unterdessen mit einem Einjahresvertrag bei den Washington Nationals untergekommen und Mitch Moreland hat sich mit den Boston Red Sox für zwei weitere Jahre geeinigt. Interessante First Basemen, die noch ohne neues Teams sind, sind Eric Hosmer (Royals), Logan Morrison (Rays), Mike Napoli (Rangers), Adam Lind (Nationals) und Lucas Duda (Rays).

Freddy Galvis nach San Diego
Ein weiterer Move der Phillies in dieser Woche erscheint deutlich nachvollziehbarer als die oben erwähnte Verpflichtung von Carlos Santana: Shortstop Freddy Galvis wurde für Pitching-Prospect Enyel De Los Santos zu den San Diego Padres getradet. Galvis ist einer der besten defensiven Shortstops der Liga, gleichwohl hatten die Phillies keine Verwendung mehr für ihn. Sein Vertrag läuft ohnehin nach der Saison 2018 aus und der talentierte J. P. Crawford gilt den Phillies als ihr Shortstop der Zukunft (und jetzt wohl auch der Gegenwart).

Brewers, Yankees und Rangers ergänzen Rotation
Zu den populäreren Namen des Free-Agent-Marktes für Pitcher wie Yu Darvish, Jake Arrieta und Lance Lynn gibt es noch keine Vollzugsmeldungen, aber einige solide Ergänzungen einer Starting Rotation konnten in den letzten Tagen an den Mann gebracht werden: Jhoulys Chacin (bisher Padres) läuft die nächsten zwei Jahre für die Milwaukee Brewers auf, C. C. Sabathia bleibt für ein weiteres Jahr bei den Yankees und Matt Moore wurde für zwei Pitching-Prospects von San Francisco zu den Texas Rangers getradet. Nach einer Saison zum Vergessen (5.52 ERA) erhält Moore die Chance auf einen Neuanfang in veränderter Umgebung.

Mets verlängern Vertrag von GM Alderson 
Die New York Mets verbringen bislang eine sehr zurückhaltende Offseason mit Reliever Anthony Swarzak als einziger nennenswerter Neuverpflichtung. Die seit zwei Jahren andauernde Untätigkeit sowie der offensichtliche Unwille, sich zum Status eines Big-Market-Teams zu bekennen und entsprechend in den Kader zu investieren, haben in den vergangenen Tagen deutliche Kritik etablierter Beatwriter wie Marc Carig von Newsday und Joe D von Metsmerized an den Ownern Fred und Jeff Wilpon sowie an General Manager Sandy Alderson hervorgerufen. Die beiden verlinkten Artikel kann ich übrigens sehr empfehlen, sie sprechen mir und sicherlich vielen weiteren Mets-Fans aus der Seele.

Die bislang einzige Reaktion der Mets bestand darin, dass sie gestern die Verlängerung von Aldersons Vertrag bekannt gegeben haben. Ganz offensichtlich ist man bereit, sich dem Wettbewerb zu stellen – wenn auch leider nur dem Wettbewerb mit Derek Jeter und Co. um die unbeliebteste Vereinsführung der Liga…

Die skurrilste Verletzung des Jahres 
Martin Perez, Starting Pitcher der Texas Rangers, hat sich am Ellbogen verletzt. Er musste operiert werden und obwohl die Verletzung zum Glück nur den rechten Arm des Linkshänders betrifft, wird Perez wohl nicht vor Mai auf dem Platz stehen können. So etwas ist bedauerlich, aber im Profisport durchaus an der Tagesordnung. Ungewöhnlich ist aber, wie er sich die Verletzung zugezogen hat. Von einem „Vorfall mit einem Bullen“ war zunächst die Rede, was eine Reihe von Spekulationen zuließ: Hatte Perez den Bullen geritten und war abgeworfen worden? War der Bulle ausgebrochen und hatte Perez mit den Hörnern attackiert? Es stellte sich heraus, dass der Vorfall nicht ganz so dramatisch, wenngleich nicht weniger peinlich war: Freizeit-Landwirt Perez hatte sich im Gehege des Bullen aufgehalten, der zwar angebunden war, aber wohl eine plötzliche Bewegung in Perez‘ Richtung machte. Als Perez vor Schreck zurück wich, fiel er hin und landete unsanft auf dem Ellbogen.

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November 9th, 2017 by Dominik

Herzlich willkommen zur ersten Offseason-Ausgabe des Grand Slam am Donnerstag in diesem Jahr. Bis es im April wieder um Spiele und Ergebnisse geht, werde ich an dieser Stelle aktuelle Stories anreißen, die ich aus Zeitgründen nicht in einem ausführlichen Artikel verarbeiten kann, aber zumindest mal erwähnt haben möchte. Außerdem möchte ich hiermit ein letztes Mal die Werbetrommel für mein Offseason-Wunschkonzert rühren. Es ist schon eine ganze Reihe von Anregungen eingegangen, womit Baseblog.de sich in den nächsten Monaten beschäftigen soll, und ich freue mich über jede weitere.

Roy Halladay und Daniel Flores sind tot
Einsteigen muss ich leider mit zwei sehr traurigen Meldungen: Roy Halladay, während seiner aktiven Zeit für Philadelphia und Toronto einer der besten Pitcher der MLB, ist im Alter von nur 40 Jahren ums Leben gekommen. Halladay brachte es von 1988 bis 2013 dreimal zum All-Star und gewann je einen Cy-Young-Award in der National und in der American League. Legendär wurde er im Jahr 2010,  als er für die Phillies ein Perfect Game in der regulären Saison und einen No-Hitter in den Playoffs warf. „Doc“ Halladay starb am Dienstag beim Absturz eines von ihm selbst gesteuerten Leichtflugzeuges in den Golf von Mexiko.
Genauso traurig ist die Geschichte von Daniel Flores: Gerade mal 17 Jahre alt wurde der Nachwuchs-Catcher, den die Boston Red Sox erst im Sommer dieses Jahres für einen Signing-Bonus von über drei Millionen Dollar aus seiner Heimat Venezuela geholt hatten. Er schien eine große Zukunft vor sich zu haben, galt als Top-10-Prospect sowohl innerhalb der Franchise als auch unter allen Catchern im US-Baseball. Flores starb laut Meldung der Red Sox an Komplikationen im Zusammenhang mit einer Krebsbehandlung.

Neue Manager für sechs MLB-Teams
Ein Fünftel der MLB-Teams wird mit einem neuen Manager in die Saison 2018 gehen. Zur Erinnerung: Der Manager ist im Baseball-Sprachgebrauch die Position, die man in anderen Sportarten als Headcoach oder Cheftrainer bezeichnet.
In Detroit hat man sich für einen alten Hasen entschieden in Person von Ron Gardenhire, der von 2002 bis 2014 dreizehn Jahre lang die Minnesota Twins gemanagt hatte. Der 60-Jährige soll mit seiner Erfahrung den dringend nötigen Neuaufbau der Tigers begleiten.
Ebenfalls im Neuaufbau befinden sich die Philadelphia Phillies, die dabei auf ein ganz neues Gesicht setzen: Gabe Kapler verfügt bisher über keine Erfahrung als Manager außer einem kurzfristigen Minor-League-Engagement vor zehn Jahren, nach dem er dann doch noch bis 2011 seine Karriere als Spieler fortsetzen. Als Director of Player Development der Los Angeles Dodgers durfte der 42-Jährige in den vergangenen drei Jahren unter Beweis stellen, dass er ein gutes Händchen in der Entwicklung junger Spieler hat.
Die anderen vier Teams, die sich für einen Wechsel des Managers entschieden haben, streben keinen Neuaufbau sondern zeitnahe Erfolge an. Die Boston Red Sox erhoffen sich diese von Alex Cora, der als Bench Coach in Houston gerade die World Series gewonnen hat. Außer diesem einen Jahr Coaching-Erfahrung ist Cora in dem Metier noch ein unbeschriebenes Blatt. Er gilt aber als hervorragender Analyst und stand bei mehreren Teams auf der Kandidatenliste als Manager.
Eines dieser Teams waren die New York Mets. Sie haben sich letztlich für Mickey Callaway entschieden, den bisherigen Pitching-Coach der Cleveland Indians. In dieser Rolle hat er fünf Jahre lang sehr erfolgreiche Arbeit geleistet und sich damit für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter empfohlen. Callaway ist genau wie Kapler und Cora 42 Jahre alt, das scheint dieses Jahr ein beliebtes Einstiegsalter zu sein.
Ein paar Jahre älter, genauer gesagt 53, musste Dave Martinez werden, bevor ihm die Washington Nationals seine erste Chance als Manager auf höchster Ebene anboten. Er bringt zehn Jahre Erfahrung als Bench Coach der Tampa Bay Rays und der Chicago Cubs mit.
Die einzige derzeit noch offene Managerstelle der MLB ist die wohl begehrteste, nämlich die der New York Yankees. Etwas überraschend trennten sich die Yankees nach der Saison von Joe Girardi, der zehn Jahre lang das Zepter in der Hand gehalten und 2009 einen World-Series-Titel geholt hatte. Die Yankees haben gerade erst mit den Bewerbungsgesprächen begonnen; als erster wurde der bisherige Bench Coach Rob Thomson interviewt. Die Kandidatenliste ist noch lang, der prominenteste Name darauf ist jedoch bereits gestrichen: Alex Rodriguez hat deutlich gemacht, dass er kein Interesse an dem Job hat.

Die Gold Gloves sind vergeben
Als erste Einzelspielerauszeichnungen für die vergangene Saison wurden die Gold Glove Awards für herausragende Defensivleistungen vergeben. 18 Preisträger gibt es, je einen auf jeder Position in der National League und in der American League. Besonders hervorzuheben sind 3B Nolan Arenado (Rockies), LF Jason Heyward (Cubs) und LF Alex Gordon (Royals), die jeweils schon zum fünften Mal in ihrer Karriere die Ehrung erhalten haben. Hier gibt es die komplette Übersicht über die Gold Glove Awards des Jahres 2017.

Weitere Awards folgen nächste Woche
Im Laufe der nächsten Woche von Montag bis Donnerstag werden die weiteren individuellen Awards für die abgelaufene Spielzeit bekannt gegeben. Die Finalisten für die Auszeichnungen wurden vor einigen Tagen veröffentlicht. Meine persönliche Einschätzung hatte ich Anfang September bereits abgegeben und anscheinend habe ich zumindest nicht ganz falsch gelegen, denn meine Favoriten sind allesamt noch im Rennen.

Qualifying Offers für neun Spieler
Der wichtigste Teil der Offseason ist die Free Agency, die am Sonntag offiziell begonnen hat. Ihr Startschuss ist gleichzeitig die Deadline für das Einreichen sogenannter Qualifying Offers. Neun Spieler mit auslaufendem Vertrag haben von ihrem Team ein solches Angebot erhalten, das ihnen einen ligaweit einheitlichen Betrag von 17,4 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr beim bisherigen Arbeitgeber zusichert. Jeder von ihnen hat nun eine Woche Zeit, das Angebot anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation. Hier gibt es eine Übersicht über die neun Qualifying Offers dieses Jahres sowie über ein paar nennenswerte Spieler, die das Angebot nicht erhalten haben. Für Spieler, die während der gerade beendeten Saison getradet wurden, können übrigens keine Qualifying Offers abgegeben werden.

Stanton, Gordon, Yelich im Ausverkauf?
Trade- und Free-Agent-Gerüchte gibt es in dieser Zeit des Jahres mehr als man erzählen kann. Im Mittelpunkt davon stehen dieses Mal die Miami Marlins, nachdem die neue Owner-Gruppe um Derek Jeter angekündigt hat, einen massiven Umbruch einzuleiten und die Kosten des Kaders deutlich zu reduzieren. RF Giancarlo Stanton, 2B Dee Gordon und CF Christian Yelich sind die drei herausragenden Kandidaten, die gesteigertes Interesse anderer Teams hervorrufen dürften. Das gilt ganz besonders für Stanton, der dieses Jahr die meisten Homeruns (59) erzielt hat seit Barry Bonds 2001 auf dem Höhepunkt der Doping-Ära 73 gelangen. Ihn hätte sicher jeder General Manager gern im Team, allerdings kommt Stanton mit einem dicken Rucksack: Das neue Team müsste den noch bis 2028 laufenden Vertrag übernehmen, der Stanton durchschnittlich 25 Millionen Dollar im Jahr einbringt. So krank es sich anhören mag: 25 Millionen Dollar Jahresgehalt für einen Superstar sind in der MLB durchaus im normalen Rahmen. Das Problem bei der Sache ist die Verpflichtung, die teure Bezahlung noch elf Jahre aufrecht zu erhalten, ohne zu wissen ob Stanton mit 38 noch fit ist und abliefert. Ich bin relativ sicher, dass die Marlins jemanden finden, der den Vertrag übernimmt. Viel Gegenwert in Form von Prospects werden sie wegen der problematischen Vertragssituation aber nicht erwarten dürfen.

Lackey, Colon, Granderson haben noch lange nicht genug
Im Gegensatz zum letzten Jahr, als zum Beispiel David Ortiz und Alex Rodriguez ihre Karriere beendeten, hat in der laufenden Offseason noch kein ganz Großer seinen Übergang in den Ruhestand verkündet. Die Pitcher Matt Cain (Giants) und Bronson Arroyo (Reds) sind bislang die namhaftesten Neurentner des Jahres. Drei andere Kandidaten, Pitcher John Lackey (39, Cubs), Pitcher Bartolo Colon (44, Twins) und Outfielder Curtis Granderson (36, Dodgers) haben trotz fortgeschrittenen Alters und auslaufender Verträge bereits angekündigt, dass sie auch nächstes Jahr noch in der MLB zu spielen gedenken. Ich freue mich drauf.

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September 14th, 2017 by Dominik

Mit 21 Siegen in Folge haben die Cleveland Indians einen neuen Rekord aufgestellt – zumindest für die American League und je nach Definition haben sie auch den Rekord für die gesamte MLB eingestellt. Diese fantastische Leistung ist zurzeit mit Recht das große Thema in der MLB. Andere wichtige Neuigkeiten treten dahinter ein bisschen in den Schatten, sollen aber hier nicht unerwähnt bleiben: Die Washington Nationals und die Los Angeles Dodgers stehen als erste Playoffteilnehmer fest; die Oakland Athletics haben nach langer Suche den Platz für ein neues Stadion gefunden; und der Japaner Shohei Otani, von einigen Scouts bereits überschwänglich als bester Baseballer der Welt gefeiert, plant diversen Berichten zufolge, nächstes Jahr zu einem MLB-Team zu wechseln.

American League
Die American League East bleibt eine von nur noch zwei Divisionen, in denen es zweieinhalb Wochen vor Schluss noch heiß her geht im Kampf um die Spitze. Während die Boston Red Sox (82-63) diese Woche zwei spielfreie Tage hatten, traten die New York Yankees (79-66) jeden Tag an und nutzten die Gelegenheit, um zwei Siege auf den Konkurrenten auzuholen. Beide haben nun in der gesamten Saison wieder gleich viele Spiele absolviert und liegen nur drei Spiele auseinander. Ein direktes Aufeinandertreffen gibt es dieses Jahr nicht mehr, die entscheidenden Punkte müssen im Fernduell geholt werden. Das Zünglein an der Waage könnten dabei die Baltimore Orioles (72-74) spielen, denn gegen sie müssen in den kommenden sieben Tagen zuerst die Yankees und dann die Red Sox antreten. Leichte Matchups dürften das nicht werden, denn die Orioles hoffen selbst noch auf die Playoffteilnahme, für die sie angesichts von viereinhalb Spielen Rückstand auf den zweiten Wild-Card-Platz jeden Sieg bitter nötig haben.

Zurzeit befindet sich dieser zweite Wild-Card-Platz in der AL Central, genauer gesagt in den Händen der Minnesota Twins (76-69). Sollten die Twins ihren Vorsprung von momentan zwei Spielen verteidigen und in die Postseason einziehen, hätten sie Geschichte geschrieben: Sie wären das erste Team, dass nach einer Saison mit 100 oder mehr Niederlagen (in dem Fall waren es 103) im folgenden Jahr in die Playoffs einzieht. Ich würde es ihnen sehr gönnen, zum einen weil ich solche Underdog-Storys mag und zum anderen, weil auch Max Kepler dann sein Können auf einer noch größeren Bühne zeigen dürfte. Die Cleveland Indians (90-56) haben unterdessen ihren Platz in den Geschichhtsbüchern bereits gebucht, 21 Siege hintereinander sind die längste Erfolgsserie seit den Chicago Cubs von 1935 und auch die können sie mit nur einem weiteren Sieg heute Nacht gegen die Kansas City Royals (72-73) hinter sich lassen.

Die Houston Astros (87-58) haben in den letzten Tagen geschwächelt – von den Oakland Athletics (64-81) ließen sie sich in vier Spielen sweepen, gegen die Los Angeles Angels (74-71) reichte es bislang zu einem knappen Sieg und einer deutlichen Niederlage. Klar, die AL West wird den Houston Astros niemand mehr nehmen, aber den Rang des Top-Seeds in der AL haben die Indians ihnen inzwischen abgelaufen. Es scheint sich abzuzeichnen, dass die Astros in der ersten Playoffrunde, der ALDS, gegen die Boston Red Sox antreten müssen – gegen die sie interessanterweise auch die reguläre Saison mit einer Vier-Spiele-Serie abschließen werden. Auch sonst haben die Astros ein schwieriges Restprogramm. Heute Nacht und noch dreimal nächste Woche geht es gegen die Angels, den derweil ernstzunehmendsten Verfolger der Twins im Kampf um den zweiten Wild-Card-Platz hinter den Yankees; dazwischen dreimal gegen die Seattle Mariners (73-73), für die die Wild Card ebenfalls noch in Reichweite ist.

National League
Deutlich bequemer ist das Leben der Washington Nationals (88-57), die den Gewinn der konkurrenzfreien National League East mittlerweile auch rechnerisch unter Dach und Fach gebracht haben und selbst die zwei deutlichen Niederlagen gegen die Atlanta Braves (66-78) mit einem müden Schulterzucken erdulden können. Die Hauptsorge der Nationals besteht darin, ihren Superstar Bryce Harper bis zu den Playoffs fit zu bekommen. Das ging bisher nicht so schnell vonstatten wie anfangs erhofft, aber inzwischen hat Harper mit leichten Baseballaktivitäten – lockeres Rennen und Werfen, Schlagen vom Tee – begonnen. Da die Minor Leagues die Saison bereits beendet haben, wird es kein klassisches Rehab-Assignment für Harper geben. Umso wichtiger wäre es für die Nationals, ihm noch in der regulären Saison etwas Spielpraxis verschaffen zu können.

Die NL Central ist sicher nicht die stärkste, dafür aber zurzeit die spannendste Division der MLB. Zwischenzeitlich schien Titelverteidiger Chicago Cubs (79-66) schon ein Stück davon gezogen zu sein, doch durch einen Drei-Spiele-Sweep in Chicago konnten die Milwaukee Brewers (77-69) den Abstand auf nur noch zweieinhalb Spiele reduzieren und auch die St. Louis Cardinals (76-69) haben sich weiter herangearbeitet und stehen nur ein halbes Spiel hinter den Brewers. Zwischen Chicago und St. Louis könnte sich während des direkten Aufeinandertreffens an diesem Wochenende (siehe „Spiel der kommenden Woche“) einiges klären. Profitieren könnten von diesen Duellen vor allem die Brewers, die in der Zeit gegen die zuletzt sehr schwachen Miami Marlins antreten – übrigens im heimischen Miller Park, da die eigentliche Auswärtsserie wegen Hurrikan Irma in Absprache beider Teams nach Milwaukee verlegt wurde.

Die Los Angeles Dodgers (94-52) sahen eine Zeitlang so aus, als könnten sie den Rekord von 116 gewonnen Spielen in einer Saison brechen, dann allerdings verloren sie in einer Reihe von 16 Spielen 15 und mussten sich sogar um den Gewinn der NL West sorgen. Beides – die 116 Siege sowie der Verlust der Divison – ist theoretisch noch drin, praktisch aber wohl ausgeschlossen. Praktischerweise aus Sicht der Dodgers haben die Colorado Rockies (80-66) den Höhenflug der Arizona Diamondbacks (84-62) gestoppt und für beide ist es weiterhin wahrscheinlich, dass sie sich direkt nach der regulären Saison im Wild-Card-Spiel der National League wiedersehen. Die Brewers und die Cardinals aus der NL Central stehen zwar nur drei bzw. dreieinhalb Spiele hinter den Rockies, doch das Restprogramm der beiden West-Vertreter ist deutlich einfacher und daher gehe ich davon aus, dass diese nichts mehr anbrennen lassen.

Szene der Woche
Rache ist süß: Der letzte Inside-the-Park-Grand-Slam in der MLB fand statt am 25. September 2015, erzielt von Aaron Altherr für die Philadelphia Phillies, unterstützt von einer missglückten Abwehraktion von Michael Taylor von den Washington Nationals. Fast genau zwei Jahre später, am 8. September 2017, gab es wieder einen Inside-the-Park-Grand-Slam. Wieder war es im Spiel Philadelphia gegen Washington, dieses Mal jedoch für die Nationals und zwar von – ja genau, Michael Taylor.

Statistik der Woche 
128. So viele Spiele benötigte Dodgers-Pitcher Yu Darvish, um seine ersten 1000 Strikeouts in der Major League zu erzielen. Das sind sechs Spiele weniger als der bisherige Rekordhalter, das ehemalige Ass der Cubs, Kerry Wood. Auch wenn man es nach Innings betrachtet, hat Darvish Wood entthront: 812 IP brauchte Darvish für die 1000 Ks, bei Wood waren es 853. Groß gefeiert wurde diese beachtliche Leistung allerdings nicht, denn sie fiel mitten in die Niederlagenserie der Dodgers und auch Darvishs Auftritt war bei dem 4:5 gegen die Rockies nicht besonders gut.

Spiel der Woche
Dafür, dass die Minnesota Twins nun klarer Favorit auf die zweite Wild Card der AL, die Kansas City Royals hingegen so gut wie aus dem Rennen sind, ist vor allem der Ausgang eines einzigen Spieles verantwortlich: Mit 2:1 lagen die Royals am Freitag nach acht Innings vorne, doch angeführt von Max Kepler drehten die Twins die Partie im letzten Durchgang. Royals-Closer Kelvin Herrera ließ nach Keplers Leadoff-Single zwei weitere Hits, zwei Walks und insgesamt drei Runs zu – und erfuhr nach dem Spiel, dass er nicht mehr der Closer ist. Übrigens revanchierten sich die Royals zwei Tage später, indem sie ihrerseits ein 0:2 gegen die Twins spät zu einem 5:2-Erfolg für sich drehten und die Serie schließlich mit 2:2 Siegen abschlossen. Um im Wild-Card-Rennen dranzubleiben, war das aus Royals-Sicht jedoch zu wenig.

Spiel der kommenden Woche
Der Dreikampf der NL Central wird möglicherweise der interessanteste Teil der verbleibenden zweieinhalb Wochen dieser MLB-Saison. Von Freitag bis Sonnntag treffen die Chicago Cubs dreimal auf die St. Louis Cardinals. Verläuft es ideal für die Cubs, haben sie nach dem Wochenende mindestens einen Verfolger weniger; genauso gut können sie aber schon am Sonntag die Tabellenführung los sein, wenn es andersherum läuft. In dieses Duell sollte man auf jeden Fall mal reinschauen, zum Beispiel gleich am Freitag zur für uns besten Sendezeit (20:20 Uhr mitteleuropäischer Zeit). Die Cardinals schicken zu diesem Spiel ihren besten Starter Carlos Martinez (3.33 ERA, 3.78 FIP) ins Rennen, die Cubs den in diesem Jahr eher enttäuschenden Jon Lackey (4.65 ERA, 5.26 FIP).

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September 11th, 2017 by Dominik

Die Los Angeles Dodgers haben die meisten Siege auf dem Konto, die Washington Nationals stehen seit letzter Nacht als erster Divisionssieger fest, aber das alles verblasst im Lichte der unglaublichen Siegesserie, die die Cleveland Indians gerade hinlegen. 18 gewonnene Spiele hintereinander sind es bisher und in der immer nach Bestmarken gierenden MLB liegt die Frage nahe: Wie hoch ist der Rekord?

Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten, wie man denken könnte. Der offizielle, von der MLB anerkannte Rekordhalter sind die New York Giants des Jahres 1916 mit einer Serie von 26 Siegen. Ganz sauber war diese Serie jedoch nicht, denn zwischen dem zwölften und dem dreizehnten Sieg gab es am 18. September 1916 ein Spiel gegen die Pittsburgh Pirates, das nach acht Innings beim Stand von 1:1 wegen Regens abgebrochen und als Unentschieden gewertet wurde. Die MLB ignoriert Unentschieden in ihren offiziellen Statistiken, daher gelten die Giants als Sieger von 26 Spielen hintereinander.

Natürlich wird diese offizielle Zählweise – völlig zurecht, wie ich finde – oft kritisiert und die Kritik wird wieder sehr laut werden, falls die Indians mit ihrer Serie irgendwo zwischen 21 und 26 Siegen landen sollten. 21 ist nämlich der „echte“ Rekord, das heißt die höchste Anzahl von hintereinander erzielten Siegen ohne Unentschieden. Diese Bestleistung haben die Chicago Cubs erzielt, sogar zweimal: zuerst 1880, damals noch als „Chicago White Stockings“, und dann erneut 1935.

Während 26 Siege für die Cleveland Indians derzeit noch in relativ weiter Ferne liegen, scheinen 21 in greifbarer Nähe: Der Gegner in den nächsten drei Spielen sind die Detroit Tigers, die von ihren letzten zehn Spielen acht verloren haben und voraussichtlich Myles Jaye (erster MLB-Start), Matthew Boyd (5.93 ERA), und Buck Farmer (6.32 ERA) pitchen lassen.

Mit 21 Siegen in Folge wären die Indians zumindest alleiniger Rekordhalter der American League. Die längste Siegesserie der AL liegt bislang bei 20 Spielen von den Oakland Athletics des Jahres 2002 und ist den meisten Baseballfans aus dem Buch und dem Film „Moneyball“ ein Begriff.

Die längste Niederlagenserie der Geschichte liegt übrigens ebenfalls bei 26 Spielen. Die Louisville Colonels vollbrachten diese „Leistung“ im Jahr 1889; auch hier gibt es geteilte Meinungen, ob der Rekord zählen soll, denn damals gab es die MLB noch nicht. Diese erkennt aber die in der American Asscociation als einer ihrer Vorläufer erbrachten Resultate für die eigene Rekorde-Buchführung an. Die längste Niederlagenserie im modernen Baseball geht mit 23 auf das Konto der Philadelphia Phillies von 1961.

Die Niederlagenrekorde scheinen momentan nicht in Gefahr – vor allem dank Clayton Kershaw, der den Los Angeles Dodgers am 1. September einen 1:0-Erfolg gegen die San Diego Padres ermöglichte und damit ihren einzigen Sieg in den letzten 16 Spielen.

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Juni 22nd, 2017 by Dominik

Die gute Nachricht zuerst: Die MLB ist in weiten Teilen verdammt spannnend – zum Beispiel gab es in drei der sechs Divisionen diese Woche mindestens einen Wechsel an der Tabellenspitze. Die schlechte Nachricht ist, dass es wieder einige prominente Verletzte gab, beispielsweise Outfielder Michael Brantley von den Indians, die (gefühlt) halbe Mannschaft der Mets sowie allen voran das Top-Prospect der Yankees, Shortstop Gleyber Torres, der eine Tommy-John-Surgery braucht und sein viel erwartetes MLB-Debüt mindestens bis nächstes Jahr verschieben muss. Überhaupt war es eine recht frustrierende Woche für die Yankees, die sieben Niederlagen am Stück einstecken mussten. Was sich sonst noch in der MLB getan hat, verrät wie jede Woche der Grand Slam am Donnerstag:

American League
Die New York Yankees (39-30) sind zum ersten Mal in dieser Saison in einen veritablen Slump geraten und mussten kurzzeitig die Führung in der American League East an die Boston Red Sox (40-32) abgeben. Das hat sich zwar durch die Ergebnisse der letzten Nacht (Sieg der Yankees gegen die Angels, Niederlage der Red Sox bei den Royals) wieder geändert, aber so oder so sieht es nach einem spannenden Rennen zwischen den beiden Traditions-Franchises aus. Dahinter stehen die Tampa Bay Rays (39-36) in Lauerstellung und haben gute Chancen, sich noch enger an das Führungsduo heranzuspielen, denn mit zwei Serien gegen die abgestürzten Baltimore Orioles (35-36) und einer gegen die Pittsburgh Pirates stehen lösbare Aufgaben an. Für die Toronto Blue Jays (35-36) bleibt die Saison wie verhext: Achtmal sind sie nun schon bis auf einen Sieg an eine ausgeglichene Bilanz herangekommen, achtmal haben sie in dieser Situation verloren. Den neunten Anlauf unternehmen sie heute Abend in Texas.

Die AL Central sieht erstmals in diesem Jahr so aus, wie die meisten es erwartet hatten: mit den Cleveland Indians (38-32) ganz vorne und dahinter vier Teams, denen man nicht allzu viel zutraut. Wobei die letztere Einschätzung nicht ganz gerecht ist, denn immerhin haben die Minnesota Twins (36-33) den Sweep durch die Indians, der sie die Tabellenführung kostete, offenbar schnell verdaut und seitdem zweimal gegen die Chicago White Sox (31-39) gewonnen. Und dahinter tritt mit den Kansas City Royals (35-36) mehr und mehr ein Team auf den Plan, das vor zwei Wochen schon abgeschrieben schien. Acht Siege aus den letzten zehn Spielen sprechen dafür, dass die „alten Herren“ es ihrer Franchise schwer machen wollen, sich zur bald anstehenden Trade-Deadline voll zum Rebuilding zu bekennen.

Gähnende Langeweile herrscht nach wie vor an der Spitze der AL West, wo die Houston Astros (49-24) einsam ihre Kreise ziehen, doch dahinter geht es durchaus spannend zu: Die Seattle Mariners (37-37) sind nach vier Siegen in Folge bei .500 angekommen, die Los Angeles Angels (37-38) und die Texas Rangers (35-36) jeweils nur einen Sieg davon entfernt und alle drei halten Tuchfühlung zu einem Wild-Card-Platz. Von diesem sind die Oakland Athletics (31-41) mit 6.5 Siegen Rückstand innerhalb der AL derzeit am weitesten entfernt – und damit trotzdem näher dran als jedes NL-Team, das noch auf einen solchen Platz hofft.

National League
Die National League East macht es den Washington Nationals (43-29) weiterhin sehr einfach. Die Hauptstädter spielen alles andere als überragend, stehen im Juni bei einer glatten .500-Bilanz mit zehn Siegen und zehn Niederlagen, und doch sind sie an der Divisionsspitze absolut unangefochten. Die Atlanta Braves (33-38) sind zurzeit von den „Verfolgern“ am besten drauf, aber realistisch betrachtet ist das Jahr für sie nach weniger als der Hälfte der Saison ebenso gelaufen wie für die Miami Marlins (32-38), die New York Mets (31-40) und natürlich für die Philadelphia Phillies (22-48). Für alle vier stehen im Mittelpunkt längst nur noch die Fragen, welche Spieler sich wann und an wen sinnvoll traden lassen und wie und wann man seine Nachwuchshoffnungen am besten an die MLB heranführt.

Deutlich spannender geht es in der NL Central zu. Das Leistungsniveau dort ist nicht entscheidend höher ist als in der NL East, aber durch das Fehlen eines dominanten Teams wie den Nationals können sich drei bis vier Teams Hoffnungen machen, über den Divisionssieg in die Playoffs zu kommmen. Die Pole Position dafür nehmen nach wie vor die Milwaukee Brewers (39-35) ein, dicht gefolgt von den Chicago Cubs (36-35). Am Wochenende duellieren sich drei Spiele lang die St. Louis Cardinals (33-37) und die Pittsburgh Pirates (33-39) um die Chance, den Anschluss nach oben zu halten. Derweil haben die Cincinnati Reds (30-41) nach hervorragendem Start in die Saison neun der letzten zehn Spiele verloren und sind ganz nach unten durchgerutscht. Woran es in Cincinnati krankt, offenbart ein Blick in die Pitching-Statistiken: Mit einem Starter-ERA von 6.12 belegen die Reds den letzten Platz in der MLB – mit bereits deutlichem Abstand zum Vorletzten (Orioles, 5.59). Der 40-jährige Veteran Bronson Arroyo (7.35 ERA) denkt angesichts seines missglückten Comebacks inzwischen laut darüber nach, seine Karriere zu beenden. Besser wird das die Reds nicht machen, aber wahrscheinlich auch nicht schlechter.

Meine klare Lieblingsdivision in diesem Jahr ist die NL West, daran ändern auch die drei deprimierenden Abfuhren nichts, die die Los Angeles Dodgers (47-26) meinen Mets gerade zugefügt haben. Die Dodgers haben dadurch momentan knapp die Nase vorn vor den Colorado Rockies (47-27) und den Arizona Diamondbacks (45-27), die sich die direkten Aufeinandertreffen an den beiden letzten Tagen geteilt haben und heute um 21:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit das Rubber Match der Serie austragen. Direkt im Anschluss sind drei Tage lang die Rockies bei den Dodgers zu Gast, es geht also munter weiter im Dreikampf des Jahres. Und einen Zweikampf gibt es ebenfalls, wenn auch nur darum, wer das zweitschlechteste Team der Liga ist – die San Francisco Giants (27-47) oder die San Diego Padres (29-44).

Szene der Woche
Nolan Arenado hat am Sonntag beim 7:5 der Colorado Rockies gegen die Chicago Cubs einen Cycle geschlagen. Diese Kombination aus einem Single, einem Double, einem Triple und einem Homerun in einem Spiel ist an sich schon selten genug, dieses Jahr war es MLB-weit erst der vierte Cycle. Arenado gelang aber eine noch seltenere Leistung, indem er sowohl den Cycle als auch das Spiel mit einem Walkoff-Homerun vollendete. Das schafften vor ihm erst sechs Spieler überhaupt – als letzter sein Teamkamerad Carlos Gonzalez im Jahr 2010, übrigens ebenfalls im Coors Field in Colorado. In diesem hitterfreundlichen Ballpark fanden drei der vier Cycles des laufenden Jahres statt. Der von Arenado war jedoch der erste, über den die Fans der Heimmannschaft jubeln durften, nachdem vorher Trea Turner von den Nationals und Wil Myers von den Padres das Kunststück vollbracht hatten.

Statistik der Woche 
Undefiniert. So lautet die Strikeout-to-Walk-Ratio (K/BB) von Kenley Jansen. Ihr habt richtig gelesen: Der Closer der Los Angeles Dodgers ist so gut, dass man seine Leistung nicht in Zahlen ausdrücken kann, denn dafür müsste man die mathematische Grundregel brechen, die das Teilen durch Null verbietet. Im Klartext: Jansen hat in dieser Saison in knapp 30 Innings bislang 50 Strikeouts erzielt und keinen einzigen Walk zugelassen. Schon mit Strikeout Nummer 36 hatte er den bisherigen Rekord für die meisten Strikeouts ohne Walks in einer Saison übertroffen und seitdem wird die neue Bestmarke jeden Tag ein Stück fantastischer. Um doch noch ein paar Zahlen beizusteuern: Jansens ERA für dieses Jahr liegt bei 0.91, sein FIP bei 0.29, sein WHIP bei 0.57 und von 15 möglichen Saves hat er 15 geholt. Kann man mal machen.

Spiel der Woche
Wenn die Texas Rangers auf die Toronto Blue Jays treffen, dann ist das seit rund zwei Jahren regelmäßig eine emotionale Angelegenheit. Das gilt umso mehr, wenn das Spiel einen so dramatischen Verlauf nimmt wie am Montag in Arlington: Nomar Mazara brachte die Rangers per Solo-Homerun im ersten Inning in Führung, doch schon im zweiten glich Justin Smoak ebenfalls per Solo-Homerun aus und im vierten Inning zogen die Blue Jays duch einen Homerun von (ausgerechnet) Jose Bautista und einen bases-clearing Double von Steve Pearce auf 5:1 davon. Nun war es an den Rangers, die Partie zu drehen und das taten sie prompt mit einem 2-Run-Single von Elvis Andrus und einem Double von Adrian Beltre, der wie zuvor Pearce die geladenen Bases für drei Runs leerte. Torontos Starter Marco Estrada bescherte das einen frühen Feierabend nach dreizweidrittel Innings mit 7 Hits, 4 Walks und 6 Runs. Die Führung der Rangers hielt bis ins neunte Inning, in dem ihr Closer Matt Bush zum dritten Mal in diesem Jahr eine Save-Gelegenheit vergab und Runs von Ryan Goins und Josh Donaldson zuließ. Torontos Roberto Osuna machte seine Sache mit einem perfekten Schlussinning deutlich besser als Bush und brachte die Partie mit 7:6 nach Hause.

Zwei weitere interessante Spiele möchte ich noch erwähnt haben: zum anderen den bis ins achte Inning getragenen No-Hitter von Max Scherzer, an dessen Ende die Washington Nationals gegen die Miami Marlins am Mittwoch 1:2 verloren; zum anderen das der Philadelphia Phillies gegen die St. Louis Cardinals vom Dienstag: Eine 11-Inning-Partie mit 1:8 zu verlieren muss man erst mal schaffen…

Spiel der kommenden Woche
Zum zweiten Mal in Folge ist mein Einschalttipp eines der zahlreichen Gipfeltreffen in der NL West: In einer Wochenendserie von Freitag bis Sonntag treffen die Los Angeles Dodgers auf die Colorado Rockies. Wenn man sich nur eines der Spiele einer Dodgers-Serie anschauen will, wählt man im Zweifelsfall das mit Clayton Kershaw (2.61 ERA) – der wird sich Freitagnacht um 4:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit Tyler Chatwood (4.08 ERA) gegenüber sehen und auf Wiedergutmachung hoffen, nachdem er gegen die Mets am Montag einen seiner seltenen schwachen Starts ablieferte (und trotzdem das Spiel gewann). Etwas europafreundlicher ist die Startzeit der Partie am Sonntag um 22:10 Uhr. Auf dem Mound werden dann Rookie German Marquez (3.92 ERA) für die Rockies und der überraschend gut in die Saison gestartete Veteran Brandon McCarthy (2.87 ERA) für die Dodgers stehen.

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April 13th, 2017 by Dominik

Hoffentlich erinnert sich niemand mehr an mein Power-Ranking. Die MLB-Saison ist eineinhalb Wochen alt und das bisher erfolgreichste Team mit 7-2 sind die Cincinnati Reds. Genau, eben jene Reds, die ich als schwächstes Team der Liga eingestuft hatte. Auf der anderen Seite haben ein paar Teams, denen ich eine gute Rolle zugetraut hatte, einen wirklich miesen Start hingelegt, allen voran die Toronto Blue Jays (1-7) und die Seattle Mariners (2-8). Sicher ist nach acht bis zehn von 162 Spielen noch keine Panik angebracht, aber wie kürzlich festgestellt kann eine schlechte Bilanz im April die Chancen auf eine Playoff-Teilnahme schon sehr stark beschädigen.

National League
In der National League East haben die New York Mets (6-3) durch einen Drei-Spiele-Sweep gegen die Philadelphia Phillies (3-6) die Führung übernommen und vor allem mit dem 14:4-Erfolg im mittleren Spiel auch etwas für das Run Differential getan. Schlecht lief es bisher für die Atlanta Braves (2-6), die aber bisher nur auswärts antreten durften und morgen ihren großen Tag mit der Einweihung des neuen Stadions gegen die San Diego Padres haben.

In der NL Central dominieren wie erwähnt die Cincinnati Reds (7-2) und das noch nicht mal mit Glück sondern mit überwiegend deutlichen Erfolgen gegen die St. Louis Cardinals (3-6) und die Pittsburgh Pirates (3-5). Die Reds haben nun nicht nur die beste Bilanz sondern auch das beste Run Differential (+25) der Liga. Gleich hinter dem bisherigen Überraschungsteam lauert aber bereits Titelverteidiger Chicago Cubs (5-3), der sich gerade eine spannende Serie mit den Los Angeles Dodgers liefert mit bislang einem knapp gewonnenen und einem knapp verlorenen Spiel.

Die Dodgers (5-4) haben in der NL West ihrerseits mit starker Konkurrenz zu kämpfen: Die Arizona Diamondbacks (7-3) und die Colorado Rockies (6-4) sind gut in die Saison gestartet und auch die San Diego Padres (5-5) stehen mit einer ausgeglichenen Bilanz bislang besser da als ich es ihnen über die gesamte Saison hinweg zutraue. Einen schwachen Start hatten in dieser Division nur die San Francisco Giants (4-6), die sich aber mit zwei Siegen in der Heimspielserie gegen die Diamondbacks etwas gefangen haben und nun in vier Spielen gegen die Rockies die Möglichkeit haben, das Tabellenbild für sich angenehmer zu gestalten.

American League
Den Boston Red Sox (4-4) wurde der Start in die American League East erschwert durch eine Grippewelle im Team, die sicher eine Rolle dabei spielte, dass sie die Serie gegen die Detroit Tigers 1:3 verloren. Besser läuft es bisher für die  Baltimore Orioles (5-2), die nun zu einer interessanten Vier-Spiele-Serie nach Toronto reisen. Die Toronto Blue Jays (1-7) müssen diese Serie dringend gewinnen, um nach ihrem Katastrophenstart nicht schon ganz früh in der Saison den Anschluss zu verlieren.

In der AL Central hatten die Minnesota Twins (5-3) einen starken Start mit gewonnenen Serien gegen die Kansas City Royals (2-6) und die Chicago White Sox (3-4), aber nach zwei Niederlagen gegen die Detroit Tigers (6-2) könnte der unerwartete Höhenflug der Twins bereits vorbei sein. Unser Lokalmatador Max Kepler ist bisher leider noch nicht richtig in Schwung gekommen, seine Slashline steht nach acht Spielen bei .222/.300/.259. Schwer einzuschätzen sind bisher die Cleveland Indians (4-4): erst sweepen sie die Texas Rangers, dann lassen sie sich von den Arizona Diamondbacks sweepen und zuletzt gab es je einen knappen Sieg und eine knappe Niederlage gegen die White Sox.

Die Houston Astros (6-4) werden ihrer Favoritenrolle in der AL West bisher gerecht. Außer ihnen weisen etwas überraschend auch die Los Angeles Angels (6-3) und die Oakland Athletics (5-4) positive Bilanzen auf, während ebenso überraschend die Texas Rangers (3-5) und die Seattle Mariners (2-8) schwach in die Saison gestartet sind. Die Rangers und die Mariners treffen am Wochenende dreimal direkt aufeinander, danach könnte es für einen von beiden schon ziemlich zappenduster aussehen.

Szene der Woche*
Ein guter Catcher zieht den Ball an wie ein Magnet. Allerdings sollte es im Regelfall eher der Handschuh sein, der die magnetische Wirkung entfaltet und nicht die Schutzkleidung des Catchers. Bei Yadier Molina war es am letzten Donnerstag anders: Als er Matt Szczur nach dem nicht gefangenen dritten Strike auswerfen wollte, gelang ihm das nicht, weil er den Ball nicht finden konnte. Erst nach freundlichem Hinweis des Schiedsrichters entdeckte er ihn schließlich in Höhe seines Bauchnabels – schwebend, klebend, feststeckend? So genau konnte oder wollte das niemand sagen. Molina beteuerte natürlich, dass weder der Ball noch seine Kleidung mit irgendwelchen Substanzen behandelt waren. Klar.

Statistik der Woche 
15. So viele Cycles – ein Single, ein Double, ein Triple und ein Homerun eines Spielers im gleichen Spiel – hat es in der Geschichte des Coors Field gegeben, den jüngsten davon am Montag durch Will Myers von den San Diego Padres. Das Stadion der Colorado Rockies führt diese Statistik für die Zeit seit seiner Eröffnung im Jahr 1995 mit großem Abstand vor allen anderen Ballparks an. Der Globe Life Park der Texas Rangers liegt mit 7 Cycles auf Platz zwei.

Spiel der Woche
Eigentlich war es eher das Inning als das Spiel der Woche: Sage und schreibe 12 Runs erzielten die Philadelphia Phillies Samstagnacht im ersten Inning gegen die Washington Nationals. Neun Hits, vier Walks und zwei Sacrifice Flyballs trugen zum besten Start der Phillies in ein Spiel in ihrer 134-jährigen Geschichte bei. Danach war das Spiel weitgehend gelaufen; anders als eine Woche zuvor den Bad Homburg Hornets in der Baseball-Bundesliga gelang es den Nationals nicht, die Partie noch mal spannend zu machen. Die Phillies gewannen letzten Endes mit 17:3. Die tragische Figur des Tages war Nationals-Starter Jeremy Guthrie. Ausgerechnet an seinem 38. Geburtstag kam der arme Kerl nicht aus dem ersten Inning heraus, sein Arbeitstag endete mit zehn zugelassenen Runs und nur zwei Outs. Einen Tag später wurde Guthrie, dessen ERA für die Saison bei 135.0 steht, aus dem Kader der Nationals entlassen.

Spiel(e) der kommenden Woche
Hier entscheide ich mich wieder für eine Serie statt für ein einzelnes Spiel: In der AL West haben zwei der drei Teams, die vor der Saison als relativ gleichrangige Favoriten galten, einen klassischen Fehlstart hingelegt. Von Freitag bis Sonntag treffen nun die Texas Rangers und die Seattle Mariners dreimal direkt aufeinander und das könnte für eines der Teams bedeuten, dass das Erreichen der Playoffs schon sehr früh in weite Ferne rückt. Wenn ihr euch eines der Spiele anschauen wollt, empfiehlt sich das am Sonntag wegen der europafreundlichen Startzeit von 22:10 Uhr und wegen des interessanten Pitching-Matchups von Cole Hamels gegen James Paxton.

 

*Dem aufmerksamen Leser ist vielleicht aufgefallen, dass diese Kategorie ab heute anders heißt – statt „Spielzug der Woche“ nun „Szene der Woche“, einfach weil ich mich hier sowieso noch nie zwangsläufig auf Spielzüge beschränkt sondern immer den interessantesten, beeindruckendsten oder lustigsten Clip gewählt habe, der mir in der jeweiligen Woche begegnet ist.

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