Dezember 5th, 2019 by Silversurger

Die Free Agency in der MLB nimmt Fahrt auf: Mit Zack Wheeler und Mike Moustakas durften diese Woche zwei der dickeren Fische der diesjährigen FA-Klasse hochdotierte Verträge in Philadelphia beziehungsweise Cincinnati unterschreiben. Um die „Hauptpreise“ Stephen Strasburg und Gerrit Cole war es eine Zeit lang relativ ruhig, doch nun haben sich beide mit den Verantwortlichen der New York Yankees getroffen. Es scheint sehr wahrscheinlich, dass es mit einem von ihnen innerhalb der nächsten Tage einen Vertragsabschluss gibt.

Hier im Baseblog läuft übrigens noch fünf Tage lang die Abstimmung über den MRI-Award. Momentan hat sich ein klarer Favorit herauskristallisiert, aber noch ist nichts entschieden.

Wheeler zu den Phillies
Hinter Zack Wheeler war eine ganze Reihe von Teams her, da er nach den teuren Stars Cole und Strasburg als die beste bezahlbare Alternative zur Verstärkung einer Starting-Rotation galt. „Bezahlbar“ ist ein relativer Begriff, denn seine Dienste lassen sich die Philadelphia Phillies immerhin stolze 118 Millionen Dollar für fünf Jahre kosten. Sie erhalten dafür einen 29-jährigen Starting Pitcher, der eine Menge messbarer Fähigkeiten mitbringt, bisher aber nie ganz den Sprung vom Talent zum Ass geschafft hat. Gebremst wurde seine Entwicklung durch Verletzungen, die ihn 2015 bis 2017 zweieinhalb MLB-Saisons kostete. Doch nach zwei soliden und weitgehend verletzungsfreien Spielzeiten 2018 und 2019 liegen die Sorgen um Wheelers körperliche Robustheit weitgehend hinter ihm. Da Wheeler ein Qualifying Offer der Mets abgelehnt hatte, kostet seine Aufnahme die Phillies ihren Zweitrundenpick in der kommenden Draft sowie 500.000 Dollar des Budgets für internationale Spielerverpflichtungen.

Reds holen Moustakas
Mike Moustakas brauchte drei Anläufe, bis es für ihn mit dem ersehnten Langzeitvertrag klappte: Sowohl 2017 als auch 2018 galt der Infielder als einer der besseren Free Agents, doch beide Male musste er sich schließlich mit kurzzeitigen Engagements bei den Royals beziehungsweise den Brewers zufrieden geben. Bei den Cincinnati Reds gibt es nun den großen Zahltag in Form eines Vierjahresvertrages über 64 Millionen Dollar. Geholfen hat dem gelernten Third Baseman dabei, dass er bei den Brewers letztes Jahr unter Beweis stellen konnte, auch an der zweiten Base eine gute Figur abzugeben. Der 3B-Posten ist in Cincinnati nämlich fest an Eugenio Suarez vergeben, aber als Doubleplay-Partner von Freddy Galvis hat sich ein Platz für Moustakas in dem aufstrebenden Team gefunden.

Vier Minor Leaguer für Dylan Bundy
Die Los Angeles Angels suchen mehrere Upgrades für ihre Starting-Rotation. Das erste haben sie nun nicht unter den Free Agents gefunden, sondern auf dem Trade-Markt. Rechtshänder Dylan Bundy kommt von den Baltimore Orioles im Austausch gegen vier Minor-League-Pitcher. Unter diesen ist Isaac Mattson der aussichtsreichste Kandidat auf eine zukünftige MLB-Karriere; außer ihm wechseln Kyle Bradish, Kyle Brnovich und Zach Peek nach Baltimore.

Weitere Trades und Verpflichtungen
Die Atlanta Braves ergänzen ihre Rotation für ein Jahr mit Linkshänder Cole Hamels. Der 36-Jährige erhält 18 Millionen Dollar.
In einem kleinen Trade mit den Boston Red Sox haben die Cleveland Indians Sandy Leon als neuen Ersatz-Catcher an Land gezogen. Leon erhält einen Einjahresvertrag über 2 Millionen Dollar. Für ihn geben die Indians Minor-League-Pitcher Adenys Bautista an Boston ab.
Die Miami Marlins griffen dankbar zu, als zwei erprobte MLB-Spieler von ihren bisherigen Teams entlassen wurden: 1B Jesus Aguilar wurde über den Waiver von den Tampa Bay Rays geholt, IF Jonathan Villar kommt im Austausch gegen den linkshändigen Nachwuchspitcher Easton Lucas von den Baltimore Orioles nach Miami.
Die Oakland Athletics haben sich mit Lefty-Reliever Jake Diekman auf eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre für insgesamt 7,5 Millionen Dollar geeinigt.

Treinen, Pillar und andere sind nun Free Agents
Während einige Spieler bereits ihr neues Team gefunden haben, haben andere erst vor wenigen Tagen erfahren, dass sie eines brauchen. In 56 Fällen haben die MLB-Teams entschieden, Spielern, die sie über das Arbitration-Verfahren weiterhin an sich hätten binden können, kein Angebot zu unterbreiten. Diese sogenannten Non-Tender sind nun Free Agents und damit auf Job-Suche. Bei den meisten Non-Tenders handelt es sich um wenig bekannte Ergänzungsspieler, aber es sind auch ein paar namhafte Überraschungen dabei. Insbesondere RP Blake Treinen (Athletics), OF Kevin Pillar (Giants), SP Aaron Sanchez (Astros), SP Kevin Gausman (Reds) und SS Addison Russell (Cubs) dürften einige Interessenten auf den Plan rufen.

Wechseln die Mets den Besitzer?
In Fankreisen der New York Mets schlug die Nachricht gestern ein wie eine Konfettibombe: Der Milliardär Steve Cohen steht wohl kurz davor, eine Mehrheit der Eigentumsanteile an dem Klub zu übernehmen. Dies würde das Ende der Ära Wilpon einläuten. Fred Wilpon hatte seit 1980 als Teilhaber und seit 2002 allein das Ruder bei den Mets in der Hand, inzwischen unterstützt von seinem Sohn Jeff. Die Wilpons, die 2008 in den gigantischen Finanzskandal um Bernie Madoff verwickelt waren, sind bei den Anhängern der Mets extrem unbeliebt, weil sie zum einen als sehr knausrig hinsichtlich notwendiger Investitionen gelten und zum anderen als Kontrollfreaks, die sich unverhältnismäßig ins sportliche Tagesgeschäft einmischen. Ob Cohen der erhoffte Heilsbringer ist, wird man abwarten müssen, aber die bisherigen Quellenberichte sprechen dafür, dass er wohl eine deutlich ausgabefreudigere Politik anstrebt als seine Vorgänger. Leisten kann er es sich jedenfalls – sein Vermögen wird auf 13,6 Milliarden Dollar geschätzt, er wäre damit der reichste Owner eines MLB-Teams. Die Mets sollen ihn angeblich rund 2,6 Milliarden kosten – kein schlechter Schnitt für die Wilpons, die ihre Anteile zwischen 1980 und 2002 schrittweise für 470 Millionen erworben haben.

Angels bleiben in Anaheim
Die Los Angeles Angels werden auch in den nächsten 30 Jahren nicht in Los Angeles, sondern in Anaheim zu Hause sein: Mit der Stadt wurde eine Einigung erzielt, die den Verbleib des Teams bis 2050 sichert und für den Betrag von 325 Millionen Dollar das Stadion in das Eigentum des Klubs übergehen lässt. Als ihr eigener Hausherr werden die Angels nun das Thema Modernisierung vorantreiben. Ob es auf eine Renovierung des vorhandenen Ballparks oder auf einen Abriss und Neubau hinausläuft, ist noch zu entscheiden.

Carrasco und Donaldson sind die Comeback Players 2019
Die MLB hat bekannt gegeben, dass Carlos Carrasco und Josh Donaldson die Comeback Players of the Year 2019 sind. Dass Carrasco diese Auszeichnung erhalten würde, stand zu keiner Zeit in Frage. Der 32-jährige Pitcher gab am 6. Juli bekannt, dass er unter Leukämie erkrankt war und auf unbestimmte Zeit ausfallen würde. Knapp zwei Monate später stand er unter großem Jubel wieder auf dem Mound und absolvierte noch elf Saisonspiele. Josh Donaldson hatte 2018 nur in 55 Spielen dabei sein können und galt vor der Saison wegen seiner Verletzungsgeschichte und dem relativ hohen Alter von 33 Jahren als Risikoverpflichtung. Mit 155 Auftritten und 37 Homeruns in der Saison 2019 ließ er alle Zweifler verstummen.

London-Tickets ab heute erhältlich
Die MLB kehrt zurück nach Europa: Nach der diesjährigen Premiere mit zwei Spielen zwischen den New York Yankees und den Boston Red Sox steht 2020 ein weiteres Traditionsduell auf dem Programm. Am 13. und 14. Juni treffen die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals im London Stadium aufeinander. Tickets dafür sind seit heute über die offizielle Seite erhältlich.

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Juli 5th, 2018 by Silversurger

Wer hätte vor der Saison darauf gewettet, dass am 5. Juli die Washington Nationals und die New York Mets bei einer negativen Bilanz stehen? Ich beschäftige mich nicht wirklich mit Sportwetten, aber wahrscheinlich hätte man mit diesem Tipp sehr reich werden können. Generell finde ich die National League dieses Jahr besonders interessant, denn im Gegensatz zur American League steht in keiner Division das Team an der Spitze, das eine Mehrheit dort erwartet hätte. In beiden Ligen gleichermaßen erfreulich finde ich, dass mit nur einer Ausnahme in allen Divisionen das Rennen so spannend ist, dass höchstens eineinhalb Spiele zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten liegen. So kann es meinetwegen gerne noch lange nach dem bevorstehenden All-Star-Break bleiben. Auch in den unteren Regionen der Tabellen wird es in den kommenden Wochen spannend: Für die dort feststeckenden Teams beginnt jetzt die heiße Phase, in der sie versuchen werden, möglichst viele Spieler, die wegen Alter oder Vertragsdauer ohnehin keine lange Zukunft mehr im Verein haben, bei den konkurrenzfähigen Teams gegen Nachwuchstalente einzutauschen. Manny Machado, Jacob deGrom und Mike Moustakas sind nur drei von vielen Namen, die derzeit als Kandidaten für solche Trades kursieren.

National League
In der National League East gibt es momentan viel Bewegung, nur an Rang eins für die Atlanta Braves (49-36) hat sich schon seit geraumer Zeit nichts mehr geändert. Das muss nicht so bleiben, denn nach zwei Niederlagen gegen die Yankees müssen die Braves nun zu einer schwierigen Serie nach Milwaukee und die Philadelphia Phillies (47-37) sind ihnen bereits dicht auf den Fersen, nachdem sie zuletzt unter anderem drei Siege gegen die Washington Nationals (42-43) eingefahren haben. Die Nationals, die eigentlich angetreten waren, um diese Division erneut zu gewinnen, haben 17 der letzten 22 Spiele verloren, sind nun sogar unter die .500-Marke gerutscht und damit weit hinter die Phillies und die Braves zurückgefallen. Noch viel weiter zurück sind die New York Mets (34-49) und die Miami Marlins (36-52), die zumindest dadurch für Spannung sorgen, dass sie sich momentan fast täglich auf dem letzten Platz abwechseln.

Auch die NL Central wird momentan nicht von dem ursprünglichen Favoriten angeführt, doch die bislang zu unkonstanten Chicago Cubs (49-35) befinden sich gerade wieder mal in einem Ansturm auf die Spitze. Sechs Partien in Folge haben sie gewonnen und liegen jetzt nur noch ein Spiel hinter den Milwaukee Brewers (51-35). Die Brewers spielen an den nächsten Tagen wie schon erwähnt ein Duell der Überraschungsteams gegen die Braves, während die Cubs mit den Cincinnati Reds (38-49) eine scheinbar einfachere Aufgabe vor sich haben. Nicht vergessen sollte man die St. Louis Cardinals (44-41), die sich an ihrer bevorzugten Stelle halten: im Windschatten. Eine frisch gewonnene Serie gegen die Diamondbacks zeigt, dass mit den Cardinals nach wie vor zu rechnen ist – anders als mit den Pittsburgh Pirates (40-46), deren starker Start in die Saison längst vergessen ist und die bis zum All-Star-Break noch ein schweres Restprogramm (Phillies, Nationals, Brewers) vor sich haben.

Die Los Angeles Dodgers (47-39) finde ich dieses Jahr besonders schwer einzuschätzen. Immer wieder kämpfen sie sich in der NL West an die Spitze heran, um dann plötzlich ganz stark nachzulassen. Zurzeit zeigt die Konjunkturkurve nach vier Siegen hintereinander wieder nach oben. In den restlichen zehn Spielen bis zur Pause sind sechsmal die Stadtrivalen Los Angeles Angels der Gegner der Dodgers. Die Arizona Diamondbacks (48-39), zurzeit im Fernduell noch ein halbes Spiel vor den Dodgers, wirken angeschlagen, haben fünf der letzten sechs Spiele verloren. Darunter war ein Sweep durch die San Francisco Giants (45-43), die dadurch ebenfalls nah an die Spitze gerückt sind – das haben sie aber gleich wieder verspielt, indem sie sich ihrerseits von den Colorado Rockies (44-43) sweepen ließen. Um das aktuelle Bild der NL West zusammenzufassen: Keines der Teams kann bislang mit Klasse und Konstanz überzeugen, aber gerade das macht die Division zu einer der spannendsten der Liga.

American League
Extrem spannend ist auch die American League East, allerdings nur was den Zweikampf um die Spitze angeht. Am letzten Wochenende verloren die Boston Red Sox (59-29) das direkte Duell gegen die New York Yankees (56-28) zwar mit 1:2, aber die Tabellenführung konnten sie trotzdem behaupten, weil sie in den letzten zehn Spielen außer diesen beiden Niederlagen alles gewannen. Gegen die Royals, die Rangers und die Toronto Blue Jays (40-46) dürfte die Wahrscheinlichkeit nicht schlecht stehen, auch die restlichen Spiele bis zum All-Star-Break deutlich positiv zu gestalten. Das gilt allerdings auch für die Yankees, die es ebenfalls mit den Blue Jays sowie mit den Baltimore Orioles (24-61) zu tun bekommen. Ein Härtetest dürfte höchstens die Serie bei den Indians Ende nächster Woche werden.

Jene Cleveland Indians (48-37) haben in der AL Central gerade die Pflichtaufgabe gegen die Kansas City Royals (25-61) souverän erledigt und bleiben für mich weiterhin der langweiligste aller Tabellenführer – langweilig, weil sie auf Platz eins ihrer Division völlig unangefochten sind, aber auch weil ihnen dafür Leistungen reichen, die man wohl als gehobenes Mittelmaß bezeichnen darf. Wer gehofft hatte, dass entweder die Detroit Tigers (38-50) oder die Minnesota Twins (35-48) noch mal etwas Spannung reinbringen könnten, der wird enttäuscht sein: Beide haben je elf ihrer letzten dreizehn Spiele verloren und können sich getrost auf die Pläne konzentrieren, welche Veteranen man zur Trade Deadline einigermaßen gewinnbringend loswerden kann. Auch für die Chicago White Sox (30-56) und die Kansas City Royals (25-61) geht es natürlich schon lange um nichts anderes mehr.

Sehr viel lieber als in die AL Central schaut man als interessierter und halbwegs neutraler MLB-Fan zurzeit in die AL West. Dort gibt es zum einen die Houston Astros (57-31), in meinen Augen immer noch das stärkste Team der Liga, auch wenn der spektakuläre Fight zwischen den Yankees und den Red Sox die Aufmerksamkeit ein bisschen von ihnen weglenkt. Komisch eigentlich, denn schließlich gibt es auch die Seattle Mariners (55-32), durch die auch in dieser Division der Sieg alles andere als ein Selbstläufer ist. Ein bisschen leid tut es mir um die Oakland Athletics (48-39), denn auch die spielen bislang eine richtig starke Saison, haben aber angesichts der Kräfteverhältnisse in der American League trotzdem kaum Aussichten auf einen Playoff-Platz. Die einzige Hoffnung, daran etwas zu ändern, wäre ein Einbruch der Mariners. Der kann durchaus kommen, auch wenn zurzeit nicht viel darauf hindeutet und ich es ihnen nicht wünsche.

Szene der Woche
Wahrscheinlich haben wir diese Woche den Homerun-Raub des Jahres gesehen, aber ich kann mich einfach nicht entscheiden, welcher es war: Der von Torontos Kevin Pillar gegen Nick Castellanos oder der von Milwaukees Keon Broxton gegen Brian Dozier? Seht sie euch an und entscheidet selbst!

Statistik der Woche 
17:1. Das war der Endstand zwischen den Los Angeles Dodgers und den Pittsburgh Pirates am Montag. Das Besondere daran ist, dass Dodgers-Reliever Caleb Ferguson sich in diesem Spiel einen Save verdient hat. Das klingt kaum zu glauben, denn normalerweise besteht ein Save darin, dass man eine Führung von höchstens drei Runs verteidigt oder aber eine Führung, die durch vorhandene Baserunner auf der Kippe steht. Relativ unbekannt ist die Regelung, dass ein Save auch darin bestehen kann, als Reliever mindestens drei Innings bis zum letzten Out des Spiels zu pitchen. In dem Fall spielt der konkrete Spielstand keine Rolle und so kam es, dass Ferguson einen 16-Run-Save verbuchen konnte.

Spiel der Woche
Die Spiele der Miami Marlins und der Tampa Bay Rays sind selten für Schlagzeilen gut, aber am Mittwoch haben die beiden sich ein richtig gutes Lokalderby geliefert. Fünfeinhalb Stunden dauerte es, bis nach 16 Innings die Rays als Sieger feststanden. Vorangegangen waren ein schneller Start der Rays, die nach eineinhalb Innings 4:0 in Front lagen, sowie eine erfolgreiche Aufholjagd der Marlins, die im fünften Inning auf 4:4 ausglichen. Fast wären sie sogar in Führung gegangen, doch Defensiv-Ass Kevin Kiermaier gelang es, nach einem gefangenen Flyball Brian Anderson an der Homeplate auszuwerfen. Es folgten zehn scorelose Innings, bevor den Rays im 16. Durchgang nach dem zweiten Out fünf Runs gelangen. Angesichts der daraus resultierenden 9:4-Führung entschied Rays-Manager Kevin Cash, seinen Bullpen zu schonen und Backup-Catcher Jesus Sucre pitchen zu lassen. Das ging fast schief, denn Sucre ließ drei Singles und einen Sacrifice Fly zu, bevor Cash ein Einsehen hatte und Jose Alvarado brachte, um die letzten zwei Outs einzufahren.

Mein Einschalttipp
Wenn am Sonntag ab 19:10 Uhr europäischer Zeit die New York Mets auf die Tampa Bay Rays treffen, dann wird das vermutlich keine Sternstunde des Baseballs werden. Die Mets befinden sich in einem desolatem Zustand und im heimischen Citi Field sind sie vor allem offensiv noch eine viel größere Katastrophe als auswärts. Starting Pitcher wird am Sonntag irgendein Minor Leaguer sein, der vom Klub bislang noch nicht mal benannt wurde. Das liegt daran, dass Jacob deGrom, Steven Matz und Zack Wheeler momentan die einzigen sind, die von der Rotation der Mets noch übrig sind. Jason Vargas und Noah Syndergaard sind nach Verletzungen im Aufbautraining und so lange überbrückt man mit Spot-Startern. Syndergaard wird sogar am gleichen Tag einen Rehab-Start im Single-A-Team in Brooklyn absolvieren – er steht also nur wenige Kilometer entfernt auf dem Minor-League-Mound, während die Zuschauer im Citi Field einen nicht zu beneidenden Lückenbüßer kennenlernen dürfen. Der Gegner sind die Rays, die eine für ihre Verhältnisse ordentliche Saison spielen, aber weit entfernt von den zwei übermächtigen Konkurrenten im Niemandsland der AL East dümpeln – ein rundum mittelmäßiges Team um den ebenso mittelmäßigen Starter Nathan Eovaldi (3.92 ERA, 4.75 FIP). Warum um alles in der Welt empfehle ich euch ausgerechnet dieses Spiel? Nun, ich habe „leider“ schon lange Tickets für die Partie und wenn ich sie mir schon anschauen muss, könnt ihr es doch aus Solidarität auch tun, oder? DAZN hat das Spiele aus unerfindlichen Gründen nicht im Programm, aber auf mlb.tv könnt ihr es live, in Farbe und in voller Länge genießen.

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August 31st, 2017 by Silversurger

Die Los Angeles Dodgers sind schlagbar und sie werden dieses Jahr nicht den Rekord für die meisten Siege in der regulären Saison brechen. Das ist wohl die zentrale Erkenntnis dieser MLB-Woche, nachdem das stärkste Team der Liga gerade viermal hintereinander verloren hat. Die Gewinner der Woche sind unterdessen die Baltimore Orioles, die zurück im Kampf um eine Wild Card in der AL sind, die Arizona Diamondbacks, die ihre Wild Card in der NL wohl endgültig gebucht haben, sowie die Cleveland Indians, deren starke zweite Saisonhälfte höchstwahrscheinlich im Divisionssieg gipfeln wird.

American League
In der American League East naht wohl die Entscheidung: Nachdem die Boston Red Sox (76-57) gerade dreimal hintereinander gegen die Toronto Blue Jays (61-72) gewonnen und die New York Yankees (70-62) ebenso oft gegen die Cleveland Indians verloren haben, beträgt der Abstand zwischen beiden bereits fünfeinhalb Spiele. Übers Wochenende reisen die Red Sox zu den Yankees in der Hoffnung, in den vier direkten Aufeinandertreffen den Sack zuzumachen. Die Yankees benötigen mindestens ein 3:1, besser aber einen Sweep, um die Hoffnung auf den Divisionssieg am Leben zu erhalten. Andernfalls richtet sich der Blick zwangsläufig nach unten, denn der Vorsprung der Yankees im Wild-Card-Rennen ist auf ein einziges Spiel geschmolzen. Die Verfolger kommen unerwarteterweise nicht mehr nur aus den beiden anderen Divisionen, denn auch für die Baltimore Orioles (68-65) ist nach derzeit sieben Siegen in Folge plötzlich wieder alles drin.

Die AL Central differenziert sich derweil zunehmend aus: Was vor nicht allzu langer Zeit noch ein enger Dreikampf um den Divisionstitel war, ist inzwischen erstens eine klare Dominanz der Cleveland Indians (76-56); zweitens eine gute Aussicht der Minnesota Twins (69-63) auf die Teilnahme am Wild-Card-Spiel; drittens eine weitgehend gelaufene Saison für die Kansas City Royals (65-67). Die erste und die dritte Entwicklung haben sich vor allem aus dem direkten Duell der Indians und der Royals am vergangenen Wochenende ergeben, welches die Indians mit einem beeindruckenden Shutout-Sweep (4:0, 4:0, 12:0) für sich entschieden. Für die Twins hat Max Kepler (.247/.315/.435) am Samstag im Spiel gegen die Toronto Blue Jays den zweiten Grand Slam seiner noch jungen MLB-Karriere erzielt. Herzlichen Glückwunsch, Max!

Die AL West wird nach wie vor souverän angeführt von den Houston Astros (79-53), die angesichts der über ihre Stadt hereingebrochenen Naturkatastrophe natürlich jedes Recht der Welt haben, sich zurzeit mit Herz und Verstand nicht ganz auf Baseball zu konzentrieren. Gespielt wird trotzdem, momentan eine „Heim“-Serie in Tampa Bay gegen die Rangers, bei der die beiden bisherigen Spiele 2:12 und 1:8 verloren gingen. Aber schon am Samstag geht es zurück ins eigene Stadion (siehe „Spiel der kommenden Woche“) und ich kann mir gut vorstellen, dass die Astros sich dann von einer Stimmung tragen lassen, jetzt erst recht alles für ihre Stadt und deren Bewohner zu geben. Die Divsionsführung ist jedenfalls nicht in Gefahr, die Aufmerksamkeit der Los Angeles Angels (69-65) gilt ganz dem Wild-Card-Rennen. In der Division haben sie dabei klar die Nase vor den Texas Rangers (66-66), auf die sie das Wochenende über in einer vielleicht vorentscheidenden Drei-Spiele-Serie treffen werden. Die Seattle Mariners (66-68) sind nach fünf Niederlagen in Folge fast schon aus dem Rennen.

National League
Fast wäre die National League East noch mal interessant geworden – nicht, was den Divisionssieg angeht, den schon lange niemand mehr den Washington Nationals (81-51) streitig macht. Aber die Miami Marlins (66-66) hatten, getragen von Giancarlo Stantons unglaublicher Homerun-Power, für kurze Zeit den Eindruck erweckt, noch mal an die Wild Card herankommen zu können. Doch dann ließen sie sich von den Nationals in drei Spielen sweepen und schon liegt der Abstand auf die Colorado Rockies wieder bei fünfeinhalb Spielen, die man wohl nicht mehr aufholen wird – und wenn doch, dann stehen dazwischen noch die Milwaukee Brewers. So wird den Marlins am Ende wohl nicht mehr bleiben als das Prestige des zweiten Platzes in der NL East, der ihnen weder von den Atlanta Braves (59-72) noch von den New York Mets (58-74) genommen werden wird. Von den Philadelphia Phillies (49-83), dem nach wie vor schlechtesten Team der Liga, sowieso nicht.

Den St. Louis Cardinals (66-66) geht es ähnlich wie den Marlins: Auch sie machten sich kurzzeitig Hoffnung, noch mal heranzukommen, aber nach nur drei Siegen aus den letzten zehn Spielen dürfte der Zug abgefahren sein. Das gilt sowohl in Bezug auf die Wild Cards als auch im Kampf um den Divisionssieg in der NL Central. Die Chicago Cubs (72-60) stehen weiterhin ganz vorne, die Milwaukee Brewers (69-64) bleiben dran. Dreieinhalb Spiele Rückstand haben sie zu den Cubs, drei zu den Colorado Rockies auf dem zweiten Wild-Card-Platz – beides ist absolut noch machbar.

Sicher nicht machbar ist es, in der NL West die Los Angeles Dodgers (91-40) noch abzufangen. Dennoch ist es eine Meldung wert, dass die Dodgers gerade zum ersten Mal in dieser Saison vier Spiele hintereinander verloren haben und dass sie heute Abend aufpassen müssen, von den Arizona Diamondbacks (75-58) nicht auch den ersten Sweep der Saison zu kassieren. Die Diamondbacks haben ihr Zwischentief zweifellos überwunden und sich im Wild-Card-Rennen ein Polster von sechs Spielen zugelegt. Noch etwas zittern müssen hingegen die Colorado Rockies (72-61), die lange im Gleichschritt mit den Diamondbacks gingen, zuletzt aber deutlich nachgelassen haben und den Atem der Brewers im Nacken spüren. Zu allem Überfluss müssen die Rockies in elf der kommenden vierzehn Spiele gegen die Diamondbacks oder die Dodgers ran.

Szene der Woche
Zu gerne würde ich an dieser Stelle über den sagenhaften Catch von Kevin Pillar sprechen oder über den Irrtum von Ian Happ, der bei einem Flyout ins Leftfield zur dritten Base lief und dachte, er hätte gerade den Cycle geschafft. Leider wurden aber diese und alle anderen schönen Baseballmomente von den Prügeleien zwischen den New York Yankees und den Detroit Tigers überschattet. Vier Hit-By-Pitches (und mindestens ein weiterer versuchter), drei größere Rangeleien zwischen den kompletten Teams, acht Platzverweise gegen Spieler und Trainer sowie fünf später ausgesprochene Sperren waren die Bilanz des wohl hässlichsten Spiels dieser Saison. Interessanterweise ohne Sperre kamen die beiden Pitcher davon, die die Unruhen ausgelöst hatten: Detroits Michael Fulmer mit einem Pitch auf die Hand von Yankees-Catcher Gary Sanchez und New Yorks Tommy Kahnle mit einem Pitch hinter den Rücken von Tigers-Star Miguel Cabrera, welcher daraufhin ausrastete und die erste handfeste Prügelei begann. Worum es bei der Sache wirklich ging, ist nicht ganz zu klären – Fulmers Pitch könnte eine „Bestrafung“ dafür gewesen sein, dass Sanchez ein Inning zuvor seinen vierten Homerun der Serie geschlagen hatte, es könnte aber auch die Fortsetzung eines Konflikts gewesen sein, der am 31. Juli begonnen hatte – damals waren es ebenfalls Fulmer und Kahnle, die Hit-by-Pitches ausgeteilt hatten.

Statistik der Woche 
11. So viele Homeruns in den ersten 18 MLB-Spielen eines Rookies sind Rekord. Aufgestellt hat diese Bestleistung Rhys Hoskins von den Philadelphia Phillies – und das, obwohl er seine MLB-Karriere mit 0 Hits aus den ersten 10 At-Bats begonnen hatte. Ich habe mal ein paar Zahlen zum Vergleich rausgekramt: Um die 11 Homeruns von Hoskins zu übertreffen, müssten Babe Ruth (2), Hank Aaron (2), Barry Bonds (3), Giancarlo Stanton (2) und Aaron Judge (3) die Homeruns aus ihren ersten 18 Spielen zusammenlegen.

Spiel der Woche
Manchmal ist es ein einzelnes Spiel, das für beide Teams den Rest der Saison vorzeichnet. Gestern Nacht gab es ein solches Spiel zwischen den Brewers und den Cardinals. Am Tag zuvor hatten die Cardinals das erste Spiel der kurzen Serie gewonnen. Mit einem weiteren Sieg hätten die Cards die eigenen Playoffhoffnungen am Leben erhalten und denen der Brewers einen Dämpfer verpasst. Doch es kam anders, die Brewers siegten 6:5 nach einer spannenden Partie mit mehreren Führungswechseln und einer Aufholjagd des Gegners, die durch einen heldenhaften homerunverhindernden Catch von Keon Broxton gestoppt wurde.

Spiel der kommenden Woche
Wenn am Samstag die New York Mets zum Doubleheader bei den Houston Astros antreten, dann wird der Name „Harvey“ in aller Munde sein, im Guten wie im Schlechten. Im Schlechten, weil Harvey der Name des tropischen Wirbelsturms ist, der in Houston furchtbare Überschwemmungen und Verwüstungen hinterlassen hat. Die Astros mussten für die derzeit laufende Serie gegen die Texas Rangers nach Tampa Bay ausweichen, werden danach aber viel früher als allseits erwartet in den heimischen Minute Maid Park zurückkehren, um den Einwohnern von Houston ein Stück Normalität zu geben. Im Guten, weil für die Mets im ersten Spiel (Samstag, 20:10 Uhr europäischer Zeit) ihr ehemaliges Pitching-Ass Matt Harvey (5.25 ERA, 6.17 FIP) nach diversen Formkrisen und Verletzungen einen erneuten Comebackversuch unternehmen wird. Für die Astros wird in der Partie voraussichtlich Brad Peacock (3.12 ERA, 2.69 FIP) starten.

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