März 7th, 2019 by Silversurger

Die NL Central ist in meinen Augen weder die stärkste noch die schwächste Division der MLB, aber sie ist vielleicht die ausgeglichenste. Auch in dieser Division muss jedoch jemand Letzter werden und ich tippe, dass das die Pittsburgh Pirates sein werden. Generell sehe ich die Pirates in der Kategorie „weder Fisch noch Fleisch“, und ich habe den Verdacht, dass man sich innerhalb des Klubs selbst nicht ganz klar und einig ist, welche Ziele und Erwartungen verfolgt werden. Dass man sich während der vergangenen Saison Trades für Starter Chris Archer und Reliever Keone Kela geleistet hat, scheint dafür zu sprechen, dass man das Team in einer wettkampffähigen Position sieht. Dagegen spricht wiederum, dass die Pirates die Offseason in nahezu vollständiger Untätigkeit verbrachen. Das Middle Infield mit Josh Harrison und Jordy Mercer ließ man zu den Detroit Tigers ziehen, nennenswertester Neuzugang ist Lonnie Chisenhall, der als vierter Outfielder dienen wird. Nach einem Bekenntnis, dieses Jahr etwas reißen zu wollen, sieht das für mich nicht aus. Angesichts der aktiveren Konkurrenz sehe ich die Pirates 2019 bei einer knapp negativen Sieg-Niederlagen-Bilanz.

Voraussichtliches Lineup
C Francisco Cervelli
1B Josh Bell
2B Adam Frazier
SS Erik Gonzalez
3B Colin Moran
LF Corey Dickerson
CF Starling Marte
RF Gregory Polanco

Voraussichtliche Rotation
RHP Chris Archer
RHP James Taillon
RHP Trevor Williams
RHP Joe Musgrove
RHP Mitch Keller
Key Reliever: Felipe Vazquez

Wichtigster Zugang
OF Lonnie Chisenhall (Cleveland Indians)

Wichtigster Abgang
SS Jordy Mercer (Detroit Tigers)

Bestes Prospect
RHP Mitch Keller

Größte Stärke
Pitching: Die Rotation mit James Taillon, Chris Archer und Trevor Williams als Top-3 genügt höheren Ansprüchen, insbesondere wenn Archer zurück zu seiner Normalform findet. Mit dem Duo Felipe Vazquez und Keone Kela ist auch der Bullpen an der Spitze herausragend besetzt.

Größte Schwäche
Shortstop: Jordy Mercer erhielt nach sieben Jahren mit meist soliden, aber selten überragenden Leistungen keinen neuen Vertrag von den Pirates. Die aktuellen Alternativen für die Position sind Erik Gonzalez und Kevin Newman. Beide konnten bei ihren bisherigen Versuchen ihre MLB-Tauglichkeit noch nicht unter Beweis stellen.

Spannendste Frage
Nutzt Kang seine dritte Chance? Die Karriere von Third Baseman Jung-Ho Kang schien vor zwei Jahren beendet. Gegen ihn lagen Anzeigen wegen sexueller Belästigung (die Anklage wurde fallen gelassen) sowie wegen Unfallflucht und mehrfachen betrunkenen Fahrens (in diesen Punkten wurde er schuldig gesprochen) vor. Als Konsequenz verweigerten die US-Einreisebhörden dem Südkoreaner die Verlängerung seines Arbeitsvisums. 2018 war Kang, inzwischen trocken und mit neuem Visum ausgestattet, zurück in Pittsburgh. Er arbeitete sich über die Minor League zurück ins MLB-Team, absolvierte aber wegen einer Verletzung am Handgelenk nur drei Spiele. Die Pirates gaben ihm dennoch einen neuen Vertrag für 2019. Kang in der Form von 2015 oder 2016 wäre eine erhebliche Verstärkung für das Infield.

Prognose
Platz 5 in der NL Central

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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Februar 19th, 2019 by Silversurger

Barry Bonds ist die wohl umstrittenste Figur der Baseballgeschichte. Er ist Rekordhalter mit den meisten Homeruns sowohl in einer Saison (73 im Jahr 2001) als auch insgesamt (762). Er hat mehr Walks (2585) herausgeholt als irgendein anderer MLB-Spieler. Die beste On-Base-Percentage, die je in einer Saison erzielt wurde (.601 im Jahr 2004), geht auf sein Konto – die zweitbeste (.582 im Jahr 2002) übrigens auch. Seine sieben MVP-Titel sind Rekord, ebenso die längste Serie von vier hintereinander. Trotzdem wurde Bonds bis heute nicht in die Hall of Fame aufgenommen, erreichte in bislang sieben Wahlgängen nie die erforderlichen 75 Prozent Zustimmung.

Das Talent war Bonds quasi in die Wiege gelegt: Sein Vater Bobby Bonds war selbst ein erfolgreicher MLB-Spieler und dessen bester Freund Willie Mays übernahm die Patenschaft für den kleinen Barry. Dieser begann 1986 – nur fünf Jahre nach dem Karriereende seines Vaters – bei den Pittsburgh Pirates seine eigene Laufbahn. Er etablierte sich schnell als Topspieler und wurde 1990 und 1992 zum MVP der Liga gewählt. 1993 machten ihn die San Francisco Giants mit einem Sechsjahresvertrag über 43,75 Millionen Dollar zum damals bestbezahlten Baseballer aller Zeiten. Seine überragenden Leistungen in den folgenden Jahren rechtfertigten den teuren Vertrag. Ungefähr um das Jahr 1998 traf Bonds jedoch offenbar eine folgenschwere Entscheidung. Vermutlich aus Frust über die Erfolge anderer mutmaßlicher Steroid-Nutzer wie Sammy Sosa und Marc McGwire griff er selbst zu verbotenen Substanzen.

Barry Bonds 1993 (1)

Der Fall ist nicht ganz einfach: Bonds selbst gab das Doping nie zu und ist auch nie positiv getestet worden. Die MLB hat daher auch keine Sperren oder sonstigen Strafen ausgesprochen, die aufgestellten Rekorde haben offizielle Gültigkeit. Gleichwohl gibt es keine ernsthaften Zweifel, dass Barry Bonds leistungsfördernde Mittel genutzt hat. Im Jahr 2003, also noch während Bonds aktiver Karriere, kam der sogenannte BALCO-Skandal ans Licht. BALCO war eine Firma, die Sportler systematisch mit anabolen Steroiden versorgte. Bonds war einer ihrer prominentesten Kunden. Vor einem Geschworenengericht räumte er damals ein, von einem in die Affäre verwickelten Trainer Substanzen verabreicht bekommen zu haben. Er habe aber nicht gewusst, dass es sich um Steroide handelte. In einem späteren Verfahren wurde Bonds wegen dieser Aussage der Irreführung des Gerichts schuldig gesprochen. Nach Berufung wurde dieses Urteil aufgehoben mit der Begründung, Bonds Falschaussage habe das Verfahren von 2003 nicht entscheidend beeinflusst.

Letzten Endes stehen sich nach Bonds Karriere zwei Fakten unversöhnlich gegenüber. Erstens: Barry Bonds hat – wie viele Akteure seiner Generation – sein Leistungsvermögen durch unfaire Mittel gesteigert. Zweitens: Bonds war einer der besten Baseballspieler aller Zeiten und das wird man nicht allein durch Spritzen. Vielleicht vergibt ihm die Baseballwelt irgendwann so weit, dass er den Platz in der Ruhmeshalle einnehmen darf, welcher ihm ohne die Dopinggeschichte längst sicher wäre. Ungeachtet dessen werden seine Rekorde für immer gedanklich mit einer einschränkenden Fußnote versehen sein.

Das war erst mal der letzte Artikel der Serie über die größten Baseballer aller Zeiten. Ich hoffe, sie hat euch gefallen und die Offseason ein bisschen erträglicher gemacht. Ab jetzt stehen hier auf dem Blog wieder verstärkt die Stars von heute im Mittelpunkt. Nächste Woche beginne ich mit den traditionellen 30 Team-Previews in 30 Tagen und dann beginnt auch schon die Saison 2019.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Jim Accordino (CC BY 2.0)

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Februar 7th, 2019 by Silversurger

Die gute Nachricht zuerst: In wenigen Tagen beginnen alle MLB-Teams ihre Saisonvorbereitung. Von Montag bis Mittwoch der kommenden Woche liegen die Termine, an denen sich die Pitcher und Catcher zum Dienst melden. Vier bis fünf Tage später steigen die restlichen Spieler ins Training ein und nach weiteren vier bis fünf Tagen – am 21. Februar – beginnen auch schon die Spring-Training-Spiele. Dann wird endlich wieder Baseball gespielt und die Gerüchte und Spekulationen um Trades und Neuverpflichtungen geraten endlich in den Hintergrund. Denn – und das ist die schlechte Nachricht – es ist inzwischen nur noch nervig, dass die Top-Free-Agents Bryce Harper und Manny Machado sowie Top-Tradekandidat J. T. Realmuto die ganze Offseason beherrschen, ohne dass sich irgendetwas tut. Neben ein paar eher mittelinteressanten Rostermoves ist die wichtigste Nachricht der letzten Tage eine, die man wahlweise gut oder schlecht finden kann: Die MLB und die MLBPA denken mal wieder laut über Regeländerungen nach.

DH für alle und nie wieder One-Out-Reliever?
Die MLB strebt seit Jahren danach, die Spieldauer zu verkürzen und das Spiel attraktiver – im Sinne von: offensivlastiger – zu machen. Vor diesem Hintergrund kam nun mal wieder eine Reihe von Vorschlägen auf den Tisch, die teilweise schon in diesem Jahr in Kraft treten könnten. Die Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass die Liga und die Spielergewerkschaft MLBPA sich einig sind. Das sind sie bislang offenbar nicht, vielmehr bilden die Ideen beider Seiten nicht mehr als eine Verhandlungsmasse und es nicht absehbar, welche der Änderungen tatsächlich eine realistische Chance auf Umsetzung haben. Die wesentlichen Vorschläge, die bekannt wurden, sind folgende:

Ausweitung der DH-Regel auch auf die National League. Ich bin dagegen und wer dafür ist, soll mir bitte glaubhaft versichern, dass er solche Szenen nicht sehen und hören möchte:

Einführung eines Minimums von drei Battern, gegen die ein Pitcher antreten muss, bevor er ausgewechselt werden darf (Verletzungen ausgenommmen). Das würde das Spiel definitiv beschleunigen, allerdings auch einige auf Linkshänder spezialisierte Reliever arbeitslos machen. Die Einhaltung der Regel wäre zudem aufgrund der Verletzungsausnahme schwer zu kontrollieren.

Einführung einer einzigen Trade-Deadline zum All-Star-Break Mitte Juli (statt der bisherigen Non-Waiver-Deadline Ende Juli und der Waiver-Deadline Ende August). Diese Änderung fände ich gut – nicht nur, weil sie Klarheit und Vereinfachung brächte, sondern auch weil es dann weniger Taktieren um Spieler gäbe, die nur geholt werden, um sie später in der Saison wieder zu verkaufen.

Erhöhung des aktiven Kaders von 25 auf 26 Spieler und gleichzeitig Reduzierung des aktiven Kaders ab 1. September von 40 auf 28 Spieler. Auch damit könnte ich gut leben – wobei die Frage ist, ob man wirklich einen Rosterplatz mehr braucht, wenn man anstrebt, dass weniger Pitcher eingesetzt werden (siehe oben).

Draft-Nachteile für Teams, die mehrere Jahre hintereinander zu wenige Spiele gewinnen. Es ist auf jeden Fall sinnvoll zu überlegen, wie man das in den letzten Jahren ausgreifende Tanking eindämmt – also die Neigung vieler Klubs, absichtlich jahrelang ein schwaches Team ins Rennen zu schicken. Dass der Entzug von Draftpicks das geeignete Mittel dafür ist, bezweifle ich.

Reduzierung der erlaubten Mound Visits von sechs auf vier pro Spiel. Die letztes Jahr eingeführte Begrenzung auf sechs Visits führte nicht zu Problemen und man kann es wohl noch ein Stück weiter treiben.

Test einer Absenkung des Pitching Mounds oder einer weiteren Entfernung zwischen Mound und Homeplate. Das hätte ziemlich sicher den gewünschten Effekt, die Offensive zu fördern. Die Frage ist, ob das wirklich so wünschenswert ist. Ich persönlich finde das Spiel so wie es derzeit ist durchaus ausgewogen. Zudem würde mehr Offensive vermutlich auch bedeuten, dass die Spiele tendenziell länger dauern – also genau das, was die Ligaleitung am wenigsten will.

Astros verpflichten Miley
Das relevanteste Free-Agent-Signing der Woche ist eine Ergänzung für die Pitching-Rotation der Houston Astros. Wade Miley erhält einen Einjahresvertrag über 4,5 Millionen Dollar. Die Verpflichtung des Linkshänders schließt eine Lücke in der Mitte der letztes Jahr noch sehr beeindruckenden Astros-Rotation. An deren Spitze steht mit Justin Verlander und Gerrit Cole nach wie vor einer der besten One-Two-Punches der Liga, dahinter war es aber durch die Abgänge von Charlie Morton (Rays), Dallas Keuchel (noch ohne Team) und die Tommy-John-Surgery von Lance McCullers recht dünn geworden.

Hellickson bleibt bei den Nationals
Auch die Washington Nationals ergänzen ihre Rotation und zwar um Jeremy Hellickson, der letztes Jahr schon für sie aktiv war. Der Rechtshänder dürfte der aussichtsreichste Kandidat für den fünften Starterspot sein. Er erhält erneut einen Einjahresvertrag, der ihm zwischen 1,3 und 4 Millionen Dollar einbringen wird, je nachdem wie viele Starts er tatsächlich absolviert.

Duke zu den Reds
Die Cincinnati Reds bleiben eines der aktiveren Teams der diesjährigen Offseason. Nach Sonny Gray, Alex Wood, Tanner Roark, Yasiel Puig und Matt Kemp wurde nun Zach Duke an Land gezogen. Der 36-jährige Reliever ist ein Spezialist für linkshändige Batter, die gegen ihn in den letzten fünf Jahren nur .209/.284/.311 geschlagen haben. Rechtshänder hatten es mit ihm ein bisschen einfacher, aber mit .240/.341/.357 haben sie ihn auch nicht gerade verprügelt. Insofern könnten die Reds auf Duke wohl auch dann setzen, wenn die in Aussicht gestellte Drei-Batter-Regel käme.

Royals holen Boxberger
Die Sache ist noch nicht ganz in trockenen Tüchern, aber die Kansas City Royals sind sich wohl so gut wie einig mit Reliever Brad Boxberger. Der 30-jährige Rechtshänder hatte von den Diamondbacks in seinem letzten Arbitration-Jahr kein Angebot bekommmen. Bei den Royals soll er entweder als Setup oder als Closer zum Einsatz kommen. Er wird dabei voraussichtlich 2,2 Millionen Dollar verdienen.

Marlins traden Wittgren zu Indians
Einen kleinen Trade gab es diese Woche auch: Reliever Nick Wittgren, den die Miami Marlins letzte Woche recht überraschend aus dem Kader gestrichen hatten, kommt bei den Cleveland Indians unter. Im Gegenzug wechselt Minor-League-Reliever Jordan Milbrath zu den Marlins. Der 27-jährige Wittgren bringt drei solide Jahre MLB-Erfahrung mit, 2018 war seine bislang beste Saison (2.94 ERA). Der gleichaltrige Milbrath kam letztes Jahr erstmals auf AAA-Niveau zum Einsatz, brachte es dort aber nur auf 13.2 Innings und 5.93 ERA. Ich habe ganz ehrlich keine Ahnung, welchen Sinn dieser Trade aus Sicht der Marlins haben soll.

Rangers testen Two-Way-Einsatz von Davidson
Normalerweise erwähne ich hier keine Minor-League-Deals, aber weil diese Woche so wenig los war und weil Matt Davidson ein interessanter Fall ist, mache ich für ihn eine Ausnahme. Davidson wurde von den Texas Rangers verpflichtet und wird im Spring Training die Chance haben, sich für das Major-Team zu empfehlen. Das Interessante an der Sache ist, dass der gelernte Infielder als Super-Allrounder aufgebaut werden soll, der nicht nur am Schlag und im Feld, sondern auch als Pitcher zum Einsatz kommt. In der letzten Saison hat Davidson bereits drei Innings für die Chicago White Sox gepitcht und die Resultate waren ermutigend: zwei Strikeouts, ein Hit, ein Walk, keine zugelassenen Runs. Was die recht kleine (und ausschließlich in längst entschiedenen Spielen erzielte) Stichprobe wert ist, bleibt abzuwarten.

Rekordgehalt für Arenado
Auch Einigungen von Klubs und Spielern in der Arbitration-Phase, bei denen es ausschließlich um die Höhe des Jahresgehalts geht, lasse ich üblicherweise unerwähnt. Auch hier mache ich dieses Mal eine Ausnahme, denn Nolan Arenado und die Colorado Rockies haben sich auf eine Rekordsumme geeinigt: 26 Millionen Dollar wird der Third Baseman dieses Jahr verdienen. Nach dem Jahr wird Arenado Free Agent sein, sofern er nicht vorher einen längerfristigen Vertrag unterschreibt. Die Rockies sind nach eigenen Aussagen sehr interessiert an einer Bindung über mehrere Jahre und werden in den kommenden Wochen noch Verhandlungen führen.

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Dezember 13th, 2018 by Silversurger

Die Winter-Meetings der Teamverantwortlichen in Las Vegas sind heute noch in vollem Gange und alles wartet auf die großen Trades – Realmuto, Syndergaard, Kluber, Andujar sind nur ein paar der Namen, die offenbar heiß gehandelt werden, aber noch keine Abschlüsse hervorgebracht haben. Eine Menge Abschlüsse gab es diese Woche hingegen bereits auf dem Free-Agent-Markt. Charlie Morton, Andrew McCutchen, Jeurys Familia und einige mehr haben ein neues Zuhause gefunden. Leider gab es auch eine sehr traurige Nachricht, die ich ganz am Ende des Artikels aufgreife.

Die Orioles haben einen neuen Manager
Die Entscheidung der Baltimore Orioles für einen neuen Manager kommt relativ spät in der Offseason. Das erklärt sich dadurch, dass sie bei ihrem kompletten Neustart erst vor wenigen Wochen einen neuen General Manager, Mike Elias, eingestellt haben. Die eigentliche Suche nach einem Nachfolger für Buck Showalter ging danach durchaus zügig vonstatten. Brandon Hyde galt schnell als wahrscheinlicher Kandidat und wurde gestern offiziell als Manager der Orioles vorgestellt. Der 45-Jährige bringt bereits 14 Jahre Coaching-Erfahrung mit, war Minor-League-Manager und Bench Coach bei den Miami Marlins und zuletzt Bench Coach der Chicago Cubs. Hyde war bereits bei den Blue Jays, den Twins und den Angels in der engeren Auswahl gewesen, als diese früher in der Offseason ihre Managerposten neu besetzten. In Baltimore übernimmt er ein Team in ziemlich katastrophalem Zustand, aber solch eine Situation ist für einen Neuling ja immer auch eine Chance.

Morton, Familia und weitere Free-Agent-Verpflichtungen
Drei Pitcher aus meiner Top-20-Liste der diesjährigen Free Agents haben sich mit neuen oder alten Teams geeinigt. Charlie Morton, bisher bei den Astros, unterschreibt für zwei Jahre bei den Tampa Bay Rays. Mit einer Gehaltszusage von 30 Millionen Dollar haben sich die Rays für ihre Verhältnisse weit aus dem Fenster gelehnt. J. A. Happ bleibt unterdessen bei den New York Yankees; er unterschreibt ebenfalls für zwei Jahre und erhält dafür 34 Millionen Dollar. Darüber hinaus haben die Yankees die Option auf ein drittes Jahr für weitere 17 Millionen. Auch die New York Mets sichern sich die Dienste eines alten Bekannten: Reliever Jeurys Familia kehrt von seinem kurzen Ausflug nach Oakland für drei Jahre und 30 Millionen Dollar zurück nach Queens.

Einen weiteren hochkarätigen Free Agent haben die Philadelphia Phillies mit Outfielder Andrew McCutchen an Land gezogen. Der 32-Jährige erhält 50 Millionen Dollar für die nächsten drei Jahre, ein viertes Jahr ist optional für den Klub.

Weitere nennenswerte Verpflichtungen dieser Woche waren: Reliever Joe Kelly (3 Jahre, 25 Millionen) zu den Dodgers; Starting Pitcher Lance Lynn (3 Jahre, 30 Millionen) zu den Rangers; Outfielder Billy Hamilton (1 Jahr, 5,25 Millionen plus Option) zu den Royals; First Baseman Justin Bour (1 Jahr, 2,5 Millionen) zu den Angels; Shortstop Jordy Mercer (1 Jahr, 5,25 Millionen) zu den Tigers.

Roark von Washington nach Cincinnati
Der Vorname Tanner ist meines Wissens gar nicht so häufig, aber den Washington Nationals und den Cincinnati Reds ist es gelungen, einen Trade einzufädeln, bei dem ein Tanner (Roark) gegen einen anderen Tanner (Rainey) getauscht wird. Der 32-jährige Roark soll in Cincinnati als Mentor einer jungen Rotation dienen. Rainey ist ein Talent als Reliever, auch wenn er das bei seinen ersten acht MLB-Einsätzen, die ihm einen ERA von 24.43 einbrachten, noch nicht zeigen konnte.

White Sox ertraden Nova 
Auch die Chicago White Sox haben per Trade eine Lücke in ihrer Starting Rotation gefüllt. Ivan Nova kommt aus Pittsburgh im Austausch gegen das 19-jährige Prospect Yordi Rosario und 500.000 Dollar internationales Bonusbudget.

Phillies und Angels traden Reliever
Die Phillies und die Angels haben einen Trade durchgeführt, der mich etwas verwundert zurück lässt: Getauscht wurden die Reliever Jose Alvarez und Luis Garcia. Beide stehen noch zwei Jahre unter Teamkontrolle, beide werden 2019 ungefähr 1,7 Millionen Dollar verdienen. Allerdings brachte der 31-jährige Garcia es 2018 in Philadelphia auf einen sehr schwachen ERA von 6.07, während der 29-jährige Alvarez mit einem ERA von 2.71 der beste Reliever der Angels und obendrein ihr einziger Linkshänder war. Gut, wenn man tiefer in die Zahlen eintaucht, finden sich Hinweise, dass Garcias Werte von Pech und schlechtem Fielding seiner Mitspieler nach unten gezogen wurden. Das Bild von einem Trade, bei dem ein jüngerer, besserer Spieler gegen einen älteren, schlechteren 1:1 getauscht wird, bleibt dennoch bestehen.

Indians planen mit Carrasco – Kluber oder Bauer im Angebot
Carlos Carrasco bleibt noch lange bei den Cleveland Indians: Nachdem der Klub zum 30. Oktober bereits die Vertragsoption für 2019 gezogen hatte, einigte man sich nun auf einen neuen Vertrag, der ihm bis 2022 insgesamt 44 Millionen Dollar einbringt und weitere 14 Millionen, wenn die Indians die Option auf die Saison 2023 ausüben. Damit ist ein Pfeiler in der Indians-Rotation für die nächsten Jahre gesetzt, während zwei andere sich in der Schwebe befinden: Sowohl Corey Kluber als auch Trevor Bauer wurden in den letzten Tagen für mögliche Trades ins Gespräch gebracht, mit denen die Indians ihre Basis an Talenten verbreitern möchten.

Tulowitzki auf Teamsuche
Eine überraschende Entlassung haben am Dienstag die Toronto Blue Jays vorgenommen: Troy Tulowitzki wurde aus dem Kader gestrichen und ist frei, sich ein neues Team zu suchen. In Anbetracht dessen, dass die Blue Jays derzeit nicht konkurrenzfähig sind und sich um Verjüngung bemühen, ist die Trennung von einem 34-jährigen Shortstop verständlich. Allerdings bleiben sie dabei auf 38 Millionen Dollar sitzen, die sie Tulowitzki für die nächsten zwei Jahre vertraglich garantiert haben. Für ein anderes Team winkt nun ein Schnäppchen, denn wer Tulowitzki aufnimmt, muss ihm lediglich das Mindestgehalt von 555.000 Dollar bezahlen; um den Rest kümmern sich wohl oder übel die Blue Jays.

Napoli beendet Karriere
Noch ein paar Jahre älter als Tulowitzki ist Mike Napoli. Der 37-Jährige First Baseman – früher auch Catcher – hat nun verkündet, seine MLB-Karriere nach 13 Jahren offiziell zu beenden. Napoli stand letztes Jahr bei den Indians unter Vertrag, kam aber wegen einer Knieverletzung nicht zum Einsatz.

Top-Pick der Athletics in anderem Sport geehrt
Die Profikarriere noch vor sich hat Kyler Murray – die Frage ist allerdings noch, in welcher Disziplin. Der letztjährige Pick der Oakland Athletics in Runde 1 der Draft ist ein hochtalentierter Outfielder, allerdings auch ein ebenso hervorragender Quarterback für die Oklahoma Sooners. Als solcher wurde er nun mit der Heisman Trophy ausgezeichnet, dem Award für den besten College-Footballer des Jahres. Trotz dieser hohen Anerkennung bleibt Murray aber bislang bei seiner Ankündigung, ab nächstem Jahr Baseball für die Athletics spielen zu wollen.

Zwei Ex-MLB-Spieler bei Raubüberfall getötet
Zum Schluss noch die angekündigte Trauermeldung: Die beiden ehemaligen MLB-Profis Luis Valbuena und Jose Castillo sind letzte Woche in ihrer Heimat Venezuela bei einem Autounfall gestorben. Das wäre allein schon tragisch genug, doch wie inzwischen bekannt wurde, handelte es sich um einen absichtlich herbeigeführten Unfall. Straßenräuber hatten ein Hindernis auf der Fahrbahn platziert, um die Insassen des Fahrzeugs auszurauben. Valbuena und Castillo waren gemeinsam mit einem Teamkameraden auf der Rückfahrt von einem Spiel in der venezolanischen Winterliga gewesen. Die Führung der Liga sagte nach den schrecklichen Ereignissen den folgenden Spieltag ab und denkt nun über ein generelles Verbot von privaten Fahrten zu den Spielen nach, da Überfälle wie dieser in dem Land wohl kein Einzelfall sind.

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August 2nd, 2018 by Silversurger

Die Trade Deadline der MLB kam und ging am Dienstag Abend, und auch wenn die ganz großen Würfe ausblieben – Bryce Harper und Jacob deGrom zum Beispiel haben nicht das Team gewechselt –, hat sich doch einiges bewegt. Ich werde hier nicht alle Moves herunterbeten (eine umfassende Übersicht findet sich hier), aber natürlich steht der Grand Slam am Donnnerstag diese Woche unter dem Zeichen der Deadline-Trades. Die größte Überraschung war für mich die Aktivität der Pittsburgh Pirates, die sich mit Starter Chris Archer und Reliever Keone Kela verstärkt haben. Das ist eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob die Pirates aus ihrer unklaren Ausgangslage heraus einen Angriff auf die Playoffs starten wollen oder nicht. Ebenfalls sehr aktiv waren die Milwaukee Brewers und die Seattle Mariners als weitere Buyer sowie auf der Seite der Seller die Minnesota Twins und die Baltimore Orioles, welche offenbar einen konsequenten Rebuild angehen. Zurückhaltender als ich gedacht hätte, waren die Oakland Athletics, die New York Mets und die Washington Nationals. Das einzige Team, das komplett untätig blieb, sind die San Francisco Giants.

Übrigens: Auch nach der Deadline vom 31. Juli sind Trades in der MLB nicht ausgeschlossen. Getradet werden dürfen nun allerdings nur noch Spieler, die entweder nicht im 40-Mann-Kader ihres Teams stehen oder die vorher auf den Waiver gesetzt wurden. Auf Spieler von dieser Liste kann jedes Team einen Anspruch anmelden, einen sogenannten Waiver-Claim. Wenn es mehrere Claims für einen Spieler gibt, so wird der Claim des Teams mit der aktuell schlechtesten Bilanz bevorzugt. Mit diesem Team kann der bisherige Klub des Spielers sich auf einen Trade einigen, andere Teams sind außen vor. Somit können Trades im August relativ leicht blockiert werden, aber manchmal geht doch ein Blockbuster durch. Letztes Jahr wechselte zum Beispiel Justin Verlander auf diese Art zu den Houston Astros, mit denen er schließlich die World Series gewann.

American League
In der American League East haben sich alle Teams zur Trade Deadline so verhalten, wie man es von ihnen erwartet hatte: Die Boston Red Sox (75-34) und die New York Yankees (68-38) haben vor allem ihre Starting Rotation verstärkt, um im Ringen um die Division weiterhin bestehen zu können. Die Tampa Bay Rays (55-53), die Toronto Blue Jays (48-59) und die Baltimore Orioles (33-75) hingegen haben haufenweise erfahrene Spieler abgegeben und sich im Gegenzug mit Prospects für eine erhoffte bessere Zukunft gerüstet. In dieser Division ist schon lange klar, dass es bis zum Ende der Saison ein Zweikampf bleiben wird. Über die nächsten vier Tage hinweg wird dieser mal wieder ganz unmittelbar ausgetragen, denn die Red Sox empfangen die Yankees in Fenway Park (siehe Einschalttipp).

Noch klarer sind die Fronten in der AL Central, die schon seit Monaten nur noch einen Contender kennt, nämlich die Cleveland Indians (59-48). Für die Indians ist wichtig, in keinen allzu gemütlichen Trott zu fallen, denn in den Playoffs werden sie ganz anders gefordert sein als in der regulären Saison. Zur Deadline haben die Indians hauptsächlich ihren Bullpen und die Tiefe des Outfields aufgerüstet. Die Minnesota Twins (49-58) haben ihr Farmsystem mit einer Reihe von Trades deutlich ausgebaut und sich im Zuge dessen von Top-Spielern wie 2B Brian Dozier (Dodgers) und RP Ryan Pressly (Astros) getrennt. Die Detroit Tigers (47-62), Chicago White Sox (37-70) und Kansas City Royals (34-73) waren ebenfalls als Seller unterwegs, hielten sich dabei jedoch eher zurück. Mike Moustakas (Royals zu Brewers) und Joakim Soria (White Sox zu Brewers) sind die beiden nennenswerten Namen, während Leute wie Mike Fiers, Shane Green (beide Tigers) und Jose Abreu (White Sox) überraschenderweise nicht getradet wurden.

Von den Houston Astros (69-41) hatte ich keine großen Aktivitäten erwartet, aber sie waren doch recht rührig, um ihren Bullpen zu verstärken. Ryan Pressly (Twins) wird ihnen sicher weiterhelfen, Roberto Osuna (Blue Jays) bringt wegen des gegen ihn laufenden Verfahrens einige Fragezeichen mit. Hinter Houston tobt in der AL West das Rennen um eine Wild Card. Während die Seattle Mariners (63-45) zweimal gegen die Astros verloren, gelang den Oakland Athletics (64-46) gerade ein Sweep der Blue Jays und nun stehen beide gleichauf. Vielleicht machen die Deadline-Trades am Ende den Unterschied: Die Athletics haben mit Jeurys Familia (Mets) ein Ass für den Bullpen geholt, konnten oder wollten sich ansonsten aber keine Ergänzungen des Kaders leisten. Mariners-GM Jerry Dipoto war so aktiv wie man ihn kennt und investierte eine Reihe von Prospects, um drei Reliever und den Outfielder Cameron Maybin (Marlins) an Land zu ziehen. Die Los Angeles Angels (54-55) und die Texas Rangers (46-63) trennten sich erwartungsgemäß von einigen Veteranen mit auslaufenden Verträgen.

National League
Die Teams der National League East gehörten nicht zu den aktivsten auf dem Markt der Deadline-Trades. Sowohl die Philadelphia Phillies (59-48) als auch die Atlanta Braves (57-47) gönnten sich ein paar unspektakuläre, doch solide Ergänzungen ihrer Kader. Die Washington Nationals (54-53) haben die Saison offenbar noch nicht aufgegeben, denn anders lässt es sich kaum erklären, dass sie an Stars mit auslaufenden Verträgen wie Bryce Harper und Daniel Murphy eisern festhalten. Für beide hätten sich hochwertige Prospect-Pakete einheimsen lassen, aber die Nationals beschränkten sich auf zwei kleine Trades, in denen sie RP Brandon Kintzler (Cubs) und LF Brian Goodwin (Royals) abgaben. Die New York Mets (44-61) ließen ihren Closer Jeurys Familia (Athletics) und 2B Asdrubal Cabrera (Phillies) ziehen, fanden aber offenbar keine Abnehmer für die ebenfalls auslaufenden C Devin Mesoraco und OF/3B Jose Bautista. Ihre hochwertig bestückte Rotation ließen die Mets unangetastet, was wohl ein Zeichen dafür ist, dass man derzeit keinen langfristigen Rebuild anstrebt, sondern schnell wieder wettbewerbsfähig sein will. Auch die Miami Marlins (46-63) beschränkten sich auf kleinere Trades, 1B Justin Bour und C J. T. Realmuto bleiben vorerst in Miami.

Zwischen den beiden Kontrahenten um die NL Central sind in meinen Augen die Milwaukee Brewers (63-48) zumindest auf kurzfristige Sicht der klare Gewinner der Trade-Deadline. Mit 2B Jonathan Schoop (Orioles), 3B Mike Moustakas (Royals) und RP Joakim Soria (White Sox) haben sie sich deutlich verstärkt, mussten dafür aber auch einige gute Prospects abgeben. Die Chicago Cubs (62-45) entschieden sich für den zurückhaltenderen Weg. Auch sie ergänzten ihren Kader, wählten in SP Cole Hamels (Rangers) und RP Brandon Kintzler (Nationals) aber günstigere Optionen, deren Nützlichkeit sich erst noch zeigen muss: Hamels erlebt bislang das schwächste Jahr seiner Karriere und Kintzler stand in Washington im Verdacht, die undichte Stelle zu sein, welche negative Nachrichten über die Stimmung im Clubhouse durchsickern ließ. Die Pittsburgh Pirates (56-53) stehen nur ein halbes Spiel vor den St. Louis Cardinals (55-53), aber beide verfolgen gegensätzliche Strategien für den Rest der Saison: Die Trades der Cardinals sind klar darauf gerichtet, Weichen für die Zukunft zu stellen, die der Pirates hingegen sprechen für einen Angriff auf den zurzeit noch vier Spiele entfernten Wild-Card-Platz. Die Cincinnati Reds (48-60) waren erstaunlich zurückhaltend mit Trades; für SP Matt Harvey fanden sie offenbar keinen Abnehmer.

In der NL West geht es nach wie vor hauteng zu. Dementsprechend waren die Arizona Diamondbacks (60-49), die Los Angeles Dodgers (60-49) und die Colorado Rockies (58-49) bemüht, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu verstärken. Der Rahmen der Möglichkeiten ist bei den Dodgers traditionell etwas größer und so gelang es ihnen, mit SS/3B Manny Machado (Orioles) und 2B Brian Dozier (Twins) zwei Top-Leute zu holen. Die Diamondbacks ergänzten mit weniger spektakulären Namen, aber dennoch sinnvoll ihr Infield und ihren Bullpen, während die Rockies sich auf RP Seunghwan Oh (Blue Jays) als Neuzugang beschränkten. Bei den San Francisco Giants (55-54) gab es Gerüchte, dass Madison Bumgarner und Andrew McCutchen zu haben sein könnten, aber letzten Endes entschied man, an den Deadline-Trades dieses Jahr nicht teilzunehmen. Die San Diego Padres (42-68) beließen es bei nur einem Trade, der aber immerhin brachte ihnen für zwei Reliever das Top-Prospect C Francisco Mejia von den Indians ein.

Szene der Woche
Nach all den vielen Trades in den letzten Tagen bleibe ich auch in dieser Kategorie beim Thema: Selten war ein Trade so schön anzusehen wie der des Relievers Jake Diekman von den Rangers zu den Diamondbacks. Der Deal fand statt in der Mitte einer Zwei-Spiele-Serie der Rangers in Arizona. Diekman war somit bereits in der richtigen Stadt und musste nur seine Tasche packen und von der einen Kabine in die andere umziehen. Das tat er so stilvoll wie es nur geht, indem er dafür das Bullpen Cart der Diamondbacks nutzte und sich von deren Maskottchen, dem Rotluchs D. Baxter, kutschieren ließ.

Statistik der Woche 
10. So viele RBIs erzielte Catcher Franciso Arcia in den beiden ersten Spielen seiner MLB-Karriere am Donnerstag und am Samstag für die Los Angeles Angels. Der Venezolaner stellte damit einen neuen Rookie-Rekord auf. Besonders erstaunlich an der Sache ist, dass es sich bei Arcia um kein hochgelobtes und -bezahltes Prospect handelt, sondern um einen 28-Jährigen, der zwölf Jahre lang in den Minor Leagues gespielt und auf seine Chance gewartet hat. Nachdem die Angels Catcher Martin Maldonado zu den Astros getradet haten, hat er diese Chance endlich bekommen – und sie für den Anfang definitiv genutzt.

Spiel der Woche
Man könnnte hier das 25:4 der Nationals über die Mets anführen mit den meisten Runs eines MLB-Teams seit elf Jahren und der höchsten Niederlage in der Franchise-Geschichte der New Yorker. Aber ich will nicht schon wieder mit meinem Gejammer über die Mets nerven. Nein, mein Spiel der Woche war das gestrige 6:4 der Dodgers gegen die Brewers. Gründe dafür gibt es genug: Erstens war es eine sehr spannende Partie, die nach mehrfachen Führungswechseln erst im zehnten Inning per Walkoff-Homerun durch Yasmani Grandal entschieden wurde. Zweitens war es für beide Teams ein wichtiges Spiel, weil jedes von ihnen gewinnen musste, um in seiner jeweiligen Division auf Platz eins vorzurücken. Drittens spielten mehrere Akteure eine Rolle, die erst durch die jüngste Trade-Welle zu einem der Teams gekommen waren. Vor allem hatte 2B Brian Dozier ein starkes Debüt für die Dodgers, unter anderem mit seinem Homerun zum Ausgleich im zweiten Inning. Sehenswert war auch das Wiedersehen von Dodgers-Shortstop Manny Machado und Brewers-2B Jonathan Schoop – beide sind Freunde und waren vor ein paar Tagen noch Teamkameraden in Baltimore, aber natürlich hält das Machado nicht davon ab, solche Plays zu machen.

Mein Einschalttipp
Wenn die Boston Red Sox gegen die New York Yankees spielen, dann gilt in diesem Jahr noch etwas mehr als in jedem anderen: Da kann und sollte man nicht wegschauen. Gleich viermal hintereinander gibt es von heute bis Sonntag das Duell der Erzrivalen und zumindest eines davon findet zu einer europafreundlichen Uhrzeit statt, am Samstag um 22:05 Uhr unserer Zeit. Das Spiel könnt ihr wie üblich auf mlb.tv sehen, außerdem wird es auf DAZN gesendet und obendrein kostenlos gestreamt auf spox.com. Es gibt also keine Ausreden, es sich nicht anzusehen. Und weil in diesem Artikel kein Absatz ohne Bezug auf Trades auskommt, sei erwähnt, dass es am Samstag voraussichtlich zu einem Matchup zweier neu verpflichteter Starter kommen wird: Nathan Eovaldi (3.80 ERA, 4.01 FIP) wird nach dem Wechsel von den Rays seinen zweiten Start für die Red Sox absolvieren und J. A. Happ (4.05 ERA, 3.94 FIP) zum zweiten Mal für die Yankees antreten. Hinter dem ehemaligen Blue Jay steht allerdings noch ein Fragezeichen, da er sich die Hand-Mund-Fuß-Krankheit eingefangen hat und man abwarten muss, ob er am Samstag fit ist.

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Juni 14th, 2018 by Silversurger

Die wöchentliche Übersicht zum MLB-Geschehen beginnt dieses Mal mit ein paar unerfreulichen Nachrichten. Die ersten davon sind Verletzungen von zwei der Top-Spieler der Liga: Shohei Ohtani, der einzige und zudem überaus erfolgreiche Two-Way-Player der Liga, schien den Award als Rookie des Jahres bereits sicher in der Tasche zu haben. Nun fällt er aber möglicherweise bis 2020 aus. Er hat eine Verletzung am Seitenband des Ellenbogens seines Wurfarms und es sieht danach aus, dass dies eine Tommy-John-Surgery nötig macht. Noch besteht aber die Hoffnung, mittels Stammzelleninjektion und sonstigen konservativen Maßnahmen eine Verbesserung zu erzielen; wie es für Ohtani weitergeht, wird sich wohl in rund drei Wochen entscheiden. Bereits sicher ist, dass für Detroits 1B Miguel Cabrera die Saison beendet ist. Er riss sich eine Sehne im Bizeps, muss operiert werden und kann seinen in der AL Central überraschend gut platzierten Tigers dieses Jahr keine Hilfe mehr sein. Um den Reigen der schlechten Nachrichten perfekt zu machen: Donald Lutz, der erste und vor Max Kepler einzige MLB-Spieler aus Deutschland, hat seine Spielerkarriere beendet. Die jetzt verkündete Entscheidung schlug keine hohen Wellen, da Lutz bei den Reds schon seit geraumer Zeit weit von der höchsten Liga entfernt war. Er konzentriert sich jetzt ganz auf die Trainerlaufbahn, die er diese Saison – ebenfalls in der Organisation der Reds – begonnen hat.

American League
Die beiden erfolgreichsten Teams der Liga finden sich nach wie vor in der American League East und an der Spitze steht zurzeit – ja, wer eigentlich? Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Offiziell stehen die New York Yankees (43-20) vorne, da sie mit 68,3% eine höhere Siegquote haben als die Boston Red Sox (47-22) mit 68,1%. Gleichzeitig sagt die Tabelle aber aus, dass die Yankees 1,0 Spiele Rückstand auf die Red Sox haben. Das kommt dadurch, dass die Yankees weniger Spiele absolviert haben und bei der Bestimmung des Abstands die noch ausstehenden Partien mit je 0,5 gezählt werden. Seht als Tabellenführer an, wen ihr wollt, auf jeden Fall bleibt es ein spannendes Rennen. Die Red Sox hatten zuletzt einen kleinen Offensiv-Slump, doch dank des frisch gesweepten Aufbaugegners Baltimore Orioles (19-48) haben sie diesen wohl bereits überwunden. In Seattle wartet nun allerdings vier Spiele lang eine ungleich schwerere Aufgabe (siehe „Einschalttipp“). Die Yankees empfangen in dieser Zeit die Tampa Bay Rays (32-35) – auf dem Papier die deutlich leichtere Aufgabe, aber auch nicht zu unterschätzen. Schließlich haben die Rays gerade die Toronto Blue Jays (30-38) in einer Drei-Spiele-Serie abgefertigt und ihnen dadurch den dritten Platz in der Division abgejagt.

In der AL Central ist nach wie vor nicht viel Bewegung. Die Cleveland Indians (35-31) halten sich mit mittelmäßigen Leistungen an der Spitze, dem Rest der Division ist zurzeit nicht viel zuzutrauen. Überraschend auf Platz zwei, wenngleich mit negativem Record, stehen immer noch die Detroit Tigers (32-37). Ohne ihren Star Miguel Cabrera wird für sie die Saison nun allerdings noch deutlich schwerer werden. Dahinter liegen die Minnesota Twins (29-35) bereits fünf Spiele zurück. Wenn die Twins sich ihre Chance auf die Division erhalten wollen, sollten sie am besten das wiederholen, was ihnen vor eineinhalb Wochen schon einmal gelungen ist: einen Sweep gegen die Indians in der Drei-Spiele-Wochenendserie. Schlagbar sind die Indians definitiv, das haben auch die Chicago White Sox (24-42) gerade zweimal unter Beweis gestellt – und die rote Laterne der AL Central damit an die Kansas City Royals (22-46) abgegeben, welche mit neun Niederlagen in den letzten zehn Spielen in desolater Verfassung sind und jetzt auch noch ausgerechnet World Champion Houston erwarten.

Die Houston Astros (44-25) sind schon wieder in meisterlicher Verfassung. Sieben Spiele in Folge haben sie zuletzt gewonnen und ihr Run Differential von +138 ist das beste der MLB. Dennoch sind sie in der AL West weiterhin nur Zweiter, denn die Seattle Mariners (44-24) haben hauchdünn die Nase vorn und das mit einem Run Differential von nur +27. Das spricht dafür, dass bei den Mariners ein bisschen Glück, aber auch eine beeindruckende Effizienz zur guten Bilanz beitragen (siehe auch „Statistik der Woche“). Die Los Angeles Angels (37-32) sind inzwischen deutlich hinter die Astros und die Mariners zurückgefallen und nach Ohtanis Ausfall steht zu befürchten, dass sie wieder zur alten Mike-Trout-One-Man-Show werden. Danach sah es jedenfalls ganz stark aus, als Trout diese Woche in zwei Spielen hintereinander gegen die Mariners je zwei Homeruns schlug – und beide Spiele verloren wurden. Die anstehende Serie bei den Oakland Athletics (34-34) könnte interessant werden, denn es treffen zwei Teams aufeinander, die dringend ein Erfolgserlebnis brauchen, damit ihnen ihre bislang unerwartet gute Saison nicht aus der Hand rutscht. Nicht mehr viel zu retten dürfte hingegen bei den Texas Rangers (27-43) sein, die sich mit sechs Niederlagen in Folge wohl endgültig ausgeklinkt haben aus einer Division, in der alle anderen bei mindestens .500 stehen.

National League
Die National League East ist nach wie vor heiß umkämpft zwischen den Atlanta Braves (39-28) und den Washington Nationals (37-28). Beide sind mehr oder weniger im Gleichschritt unterwegs und werden sich noch für eine ganze Weile ein Fernduell liefern, denn das nächste direkte Aufeinandertreffen gibt es erst nach dem All-Star-Break. Die Philadelphia Phillies (34-31) hingegen fallen im Vergleich mit den Braves und den Nationals mehr und mehr zurück, auch in dieser Woche gewannen sie nur zwei von sechs Spielen. Sorgen, ihren dritten Platz zu gefährden, müssen sie sich jedoch nicht machen. Die New York Mets (28-36) bekommen offensiv nach wie vor überhaupt nichts auf die Reihe. Sie haben zehn der letzten elf Spiele verloren und das obwohl ihre Pitcher in keinem einzigen dieser Spiele einen wirklich schlechten Start hatten. Der einzige Sieg in diesem Zeitraum war ein 2:0 gegen die Yankees durch einen einsamen Homerun von Todd Frazier gegen sein Ex-Team. Die Mets haben inzwischen die zweitwenigsten Runs der Liga gescort: 239, knapp vor den Orioles mit 234 und gleichauf mit den Miami Marlins (26-42). Apropos Marlins, ich weiß gar nicht, ob ich über die in diesem Jahr schon mal was Positives geschrieben habe. Jetzt ist es soweit: Sie haben drei Spiele hintereinander gegen die Giants gewonnen. Herzlichen Glückwunsch.

Für die NL Central habe ich letzte Woche einen Führungswechsel zugunsten der Chicago Cubs (38-27) herbeigeredet und den gab es dann auch am Montag durch einen hart erkämpften Sieg über den direkten Konkurrenten. Doch Baseball ist das Spiel der Serien und die Serie gewannen am Ende die Milwaukee Brewers (41-27), wodurch sie sich die Divisionsspitze direkt wieder zurück holten. Wenn es den Brewers jetzt gelingt, gegen die Phillies nachzulegen, können sie sich vielleicht sogar ein kleines Polster anlegen. Ihre Verfolger werden sich jedenfalls in den nächsten Tagen in irgendeiner Weise gegenseitig Punkte abnehmen, denn die Cubs müssen für drei Spiele zu den St. Louis Cardinals (36-30). Die Pittsburgh Pirates (33-35) stehen inzwischen bei einem negativen Record, was sich angesichts einer anstehenden Serie gegen die Cincinnati Reds (25-43) durchaus schnell wieder ändern könnte.

In der NL West haben sich die Arizona Diamondbacks (37-30) nach mehreren Wochen im fast ungebremsten Fall wieder gefangen. Sieben der letzten zehn Spiele wurden gewonnen und angesichts des Zustands des kommenden Gegners wäre es keine Überraschung, wenn gegen die Mets in den nächsten Tagen vier weitere Siege hinzukommen. Damit könnte man sich die Los Angeles Dodgers (35-32) vom Leib halten, die derzeit mit aller Macht nach vorne drängen und diese Woche schon die Colorado Rockies (33-34) überholt haben. Nach wie vor sind alle Teams dieser Division sehr eng beisammen und wenn die San Francisco Giants (33-35) am Wochenende das Derby gegen die Dodgers gewinnen sollten, sind auch sie trotz der peinlichen Niederlagen gegen Miami wieder voll im Rennen. Genauso viele Siege wie die Rockies und die Giants, aber ein paar mehr Niederlagen haben die San Diego Padres (33-37). Mit 5,5 Rückstand sind auch sie gar nicht weit weg von der Spitze entfernt, es warten aber vier unangenehme Spiele in Atlanta auf sie.

Szene der Woche
Bei einem Rundown – also einer Situation, in der man sich zwischen den Bases befindet, während die Abwehrspieler sich den Ball hin und her werfen können – hat man als Baserunner meistens schlechte Karten. Wenn es gleich zweimal am gleichen Tag Baserunner schaffen, so einer Situation zu entkommen, dann ist das auf jeden Fall eine Erwähnung wert: Am Dienstag gelang dieses Kunststück sowohl Christian Yelich von den Brewers als auch Billy Hamilton von den Reds. Hamilton setzte sogar noch einen drauf, indem er aus der Szene den wohl frechsten Run des Jahres herausholte. Weniger Erfolg zwischen den Bases hatte Luis Valbuena: Der Angel schlug einen Ball in die Ecke des rechten Outfields zum scheinbar sicheren Double, doch ein sehenswerter Wurf von Mitch Haniger und ein noch sehenswerterer Tag von Jean Segura bescherte den Mariners ein unglaubliches Out. Das waren fantastische Szenen, doch die Szene der Woche hatte in meinen Augen ein Fan der Oakland Athletics: Der Mann brachte es tatsächlich fertig, zwei Foulballs bei direkt aufeinander folgenden Pitches zu fangen. Ich weiß nicht, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für so etwas ist, aber ich tippe, dass es das unwahrscheinlichste Ereignis in einem Ballpark war seit dem Homerun von Bartolo Colon am 7. Mai 2016.

Statistik der Woche 
21. So viele Spiele haben die Seattle Mariners dieses Jahr mit genau einem Run Unterschied gewonnen. Das ist fast die Hälfte ihrer 44 Siege und mit großem Abstand führend in der MLB – Zweiter sind die Milwaukee Brewers mit „nur“ 15 siegreichen 1-Run-Games. Die knappen Siege, die wie oben erwähnt sicher eine Menge mit Glück, aber auch mit Effizienz und Durchhaltevermögen zu tun haben, sind das Erfolgsgeheimnis der Mariners in dieser Saison. Seattle befindet sich sogar auf Rekordkurs: Noch nie hatte ein Team so früh in der Saison schon so viele 1-Run-Siege. Wenn sie so weiter machen, kann die Bestmarke von 42, erzielt durch die San Francisco Giants im Jahr 1978, ernsthaft ins Wackeln geraten.

Spiel der Woche
Manchmal braucht es offenbar eine besondere Form der Motivation, bevor ein Team bereit ist, alles aus sich herauszuholen. Die Diamondbacks schienen am Montag jedenfalls auf dem Weg, gegen die Pirates sang- und klanglos unterzugehen. 0:5 lagen sie im Bottom des siebten Innings schon zurück, als Pittsburghs Pitcher Joe Musgrove eine folgenschwere Entscheidung traf: Er warf Chris Owings ab, ganz offensichtlich mit Absicht und als Vergeltung dafür, dass Arizonas Braden Shipley vorher – vermutlich unabsichtlich – Josh Harrison abgeworfen hatte. Damit war den ungeschriebenen Regeln genüge getan, doch die Diamondbacks hatten noch eine Antwort parat: Sie nahmen die Aktion gegen ihren Batter zum Anlass, eine Rally zu starten und das Spiel zu drehen. Nach einem Wild Pitch, einem Error, zwei Singles und einem Homerun von Jake Lamb stand es am Ende des siebten Innings 5:5 und im achten Inning legte Arizona vier weitere Runs nach zum 9:5-Sieg. Liebe Pirates, ihr werdet das hier nicht lesen und schon gar nicht auf mich hören, aber mein Tipp wäre: in Zukunft statt Sandkastenkrieg lieber weiter Baseball spielen.

Mein Einschalttipp
Zwei der heißesten Teams der Liga treffen ab heute viermal aufeinander: die Seattle Mariners und die Boston Red Sox. Da sollte man mindestens einmal einschalten, auch wenn die Spiele an der Ostküste für uns Europäer zu relativ ungünstigen Zeiten stattfinden. Wenn ihr Frühaufsteher seid, bietet sich das Spiel am Samstagmorgen ab 4:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit an. Rick Porcello (3.54 ERA, 3.30 FIP) und James Paxton (3.02 ERA, 2.79 FIP) lautet das voraussichtlich hochklassige Matchup dieser Partie. Zählt ihr euch hingegen eher zu den Nachteulen, dann ist vielleicht die Partie am Sonntagabend ab 22:10 Uhr unserer Zeit etwas für euch. Auf dem Mound stehen dann voraussichtlich Eduardo Rodriguez (3.64 ERA, 3.56 FIP) und Mike Leake (4.26 ERA, 4.45 FIP). Beide Spielen werden sowohl auf mlb.tv als auch auf DAZN übertragen.

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Mai 3rd, 2018 by Silversurger

Der Mai ist gekommen. Auch wenn dieser Monat dem Sprichwort nach „alles neu“ macht, möchte ich mir doch kurz die Zeit nehmen, auf ein paar Aprilrekorde zurück blicken: Zum Beispiel erzielten die Teams der MLB zum ersten Mal überhaupt in einem vollständigen Monat mehr Strikeouts (6656) als Hits (6360). Die Tendenz, dass Batter mehr auf alles oder nichts – Homerun oder Strikeout – setzen, ist schon seit ein paar Jahren zunehmend zu beobachten. Darüber hinaus dürfte das kalte Wetter eine Rolle gespielt haben. Dieses war auch verantwortlich für einen weiteren Rekord: 28 Spiele sind im April ausgefallen, so viele wie nie zuvor. Auf deutlich erfreulichere Art hatten die Arizona Diamondbacks einen historischen Monat: Sie begannen als erstes Team seit 1907 eine Saison mit neun gewonnenen Serien hintereinander. Als dieses Kunststück damals den Cubs gelang, gewannen sie übrigens am Ende die World Series.

American League
Die American League East entwickelt sich langsam, aber sicher in die Richtung, die man vor der Saison von ihr erwartet hatte. Das heißt vor allem, dass sich an der Spitze die Erzrivalen Boston Red Sox (22-8) und New York Yankees (20-10) ein Rennen liefern. Die Red Sox haben immer noch die beste Bilanz der Liga, von den letzten zehn Spielen konnten sie jedoch nur die Hälfte gewinnen. Das gab den Yankees die Gelegenheit zum Aufschließen und mit ihrerseits zwölf Siegen aus den letzten vierzehn Partien haben sie diese Chance genutzt. Leidtragender sind die Toronto Blue Jays (17-13), deren Höhenflug vorerst gestoppt scheint – wobei die Welt nach dem heutigen Doubleheader gegen die Indians durchaus schon wieder anders aussehen kann. Das mit dem gestoppten Höhenflug gilt auch für die Tampa Bay Rays (13-16), die einen beeindruckenden Zwischenspurt von acht Siegen hintereinander hingelegt haben, der aber nach einer verlorenen Serie gegen die Tigers wieder verpufft ist.

Für die Cleveland Indians (16-13) stehen die Zeichen auf eine eher langweilige Saison in der AL Central: Während sie selbst relativ regelmäßig zwar nicht überragende, aber zumindest solide positive Ergebnisse einfahren, steht der gesamte Rest der Division bei deutlich mehr Niederlagen als Siegen. Von den Detroit Tigers (13-16), den Chicago White Sox (8-20) und den Kansas City Royals (8-22) hatte kaum jemand etwas anderes erwartet. Die Minnesota Twins (10-16) stehen hingegen höchst unerwartet so schlecht da. Nach ordentlichem Start in die Saison verlor das Team von Max Kepler elf der letzten dreizehn Partien und das nicht nur gegen Spitzenteams, sondern auch mehrfach gegen die Reds und die Rays.

Die Houston Astros (20-12) an der Spitze der AL West sind ein gewohntes Bild und daran wird sich auf absehbare Zeit vermutlich nichts ändern, auch nicht durch die zwei Niederlagen gegen die Yankees. Hinter den Astros geht es eng zu zwischen den Los Angeles Angels (18-10) und den Seattle Mariners (17-12). Letztere sind drauf und dran, für mich zum Unter-dem-Radar-Team der AL zu werden wie es die St. Louis Cardinals in der NL schon sind. Beide Mannschaften haben es irgendwie an sich, dass sie jedes Mal, wenn ich mal zwei, drei Tage nicht auf sie geachtet habe, plötzlich besser dastehen als ich gedacht oder für möglich gehalten hätte. Besser als gedacht sind übrigens auch die Oakland Athletics (15-15) mit ihrer .500-Bilanz.

National League
In der National League East spielen gerade die Atlanta Braves (18-11) und die New York Mets (17-11) die Tabellenführung unter sich aus. Die ersten zwei Spiele der Serie gingen an die Braves, obwohl die Mets ihre Top-Asse Noah Syndergaard und Jacob DeGrom aufgeboten hatten. Letzterer musste zu allem Überfluss mit einem überdehnten Ellenbogen ausgewechselt werden. Den Braves schaut man zurzeit sehr gerne zu, vor allem weil sie viele sehr junge Spieler bereits erfolgreich einsetzen – 2B Ozzie Albies ist mit 21 schon eine feste Größe, der 20-jährige SP Mike Soroka hatte in Spiel 1 gegen die Mets ein glänzendes Debüt mit sechs Innings und nur einem zugelassenen Run, und der 20-jährige OF Ronald Acuna spielt bisher so sensationell, wie man es nach seinem Sturm durch die Minor Leagues erwartet hatte. Die Philadelphia Phillies (17-13) wären eigentlich gern als lachender Dritter aufgetreten, während sich die Konkurrenz gegenseitig die Punkte wegnimmt. Stattdessen sind sie aber in ihre erste größere Schwächephase der Saison geraten und haben nicht nur die Serien gegen die Diamondbacks und die Braves verloren, sondern auch die gegen die Miami Marlins (11-19). Immerhin haben sie nach Siegen trotzdem zu den Mets aufschließen können. Und dann sind da ja noch die Washington Nationals (15-16), die bisher enttäuscht hatten, nun aber mit vier Siegen hintereinander offenbar dabei sind, erstmals richtig in Fahrt zu kommen.

Noch spannender als in der NL East geht es von den Bilanzen der Teams her nur in der NL Central zu. Die Milwaukee Brewers (19-13), die St. Louis Cardinals (17-12), die Chicago Cubs (16-12) und die Pittsburgh Pirates (17-14) stehen zurzeit allesamt nahezu gleichauf. Nur die Cincinnati Reds (7-24) schwimmen nicht mit, sie sind auch zwei Wochen nach dem überraschend frühen Trainerwechsel nach wie vor das schlechteste Team im Baseball. Am Wochenende stehen zwei für die Division richtungsweisende Serien auf dem Programm: Die Cardinals empfangen dreimal die Cubs und gleichzeitig die Brewers dreimal die Pirates. Die Chancen stehen also gut, dass sich das Tabellenbild bis nächste Woche spürbar ausdifferenziert. Am ehesten sind es nach wie vor die Pirates, von denen man erwarten würde, dass sie in dem Rennen nicht auf Dauer mithalten können. Allerdings haben sie erst diese Woche die Cardinals gesweept und dass sie die meisten kassierten Runs (143) der vier Konkurrenten haben, machen sie mehr als wett dadurch, dass sie in der Division auch die meisten erzielten Runs (149) auf dem Konto haben.

Für die Los Angeles Dodgers (13-17) kommt es zurzeit knüppeldick: nicht nur weil sie in der NL West dabei sind, den Anschluss zu verlieren, indem sie vor der letzten Nacht fünf Spiele hintereinander verloren haben, darunter eine Serie gegen die Arizona Diamondbacks (21-9); nicht nur, weil die Colorado Rockies (17-15) und die San Francisco Giants (16-15) keine Anstalten machen, die Verfolgung des Spitzenreiters dem Favoriten aus L. A. zu überlassen. Sondern auch, indem nun zu allem Überfluss mit SS Corey Seager einer der jungen und kaum ersetzbaren Leistungsträger der Dodgers-Offense dauerhaft ausfällt. Seager hat die typische Baseballerverletzung, ein beschädigtes ulnares Seitenband, das nur durch die Tommy-John-Surgery zu reparieren ist und ungefähr ein Jahr Pause bedeutet. Man darf gespannt sein, ob die Dodgers sich für Seagers Vertretung mit einer internen Lösung – Chris Taylor oder Kike Hernandez – zufrieden geben oder ob sie einen Trade anstreben. Die große Lösung wäre ein Handel für Manny Machado von den Orioles, allerdings würde das die Gehälter der Dodgers gefährlich nahe an die Schwelle zur Luxussteuer bringen, die sie dieses Jahr auf keinen Fall überschreiten wollten.

Szene der Woche
Wenn mich jemand zwingen würde, meine Auswahl auf die MLB zu beschränken, dann wäre Odubel Herreras Catch mit Sprung in einen Busch sicher ein ebenso heißer Kandidat wie der Homerun von Yoenis Cespedes, der beim Stand von 0:11 in San Diego nicht nur für die Tonne war, sondern auch genau dort landete. Auch den 8-Strikeouts-Save von Brewers-Closer Josh Hader hätte man hier nennen können. Aber sorry, liebe Profis, diese Woche habt ihr alle keine Chance gegen den knuddeligen Little Leaguer, der die mehrfache Aufforderung seines Coaches, von der dritten Base zur Homeplate zu rennen, auf die coolstmögliche Art umgesetzt und sie dann auch noch mit einem atemberaubenden Slide gekrönt hat. Ganz, ganz großes Kino.

Statistik der Woche 
7. So viele Homeruns hat 1B/DH Matt Davidson dieses Jahr schon im Kauffman Stadium in Kansas City geschlagen. Das Besondere daran ist, dass Davidson nicht für die dort heimischen Royals, sondern für die Chicago White Sox spielt. Die sieben Homers sind bereits jetzt die meisten, die je ein Auswärtsspieler in einer Saison in diesem Stadion geschlagen hat. Dabei ist die Saison gerade erst einen Monat alt und Davidson ist in anderen Ballparks bislang nicht unbedingt als Homerun-Hitter berüchtigt – neben den sieben Stück in sieben Spielen bei den Royals sind es in den 18 anderen Spielen zusammen nur zwei.

Spiel der Woche
Nick Kingham ist kein Wunderkind, das den professionellen Baseball im Sturm erobert hat: Er wurde 2010 erst in der vierten Runde von den Pittsburgh Pirates gedraftet und brauchte acht Jahre, um sich mit durchaus wechselhaften Leistungen in den Minor Leagues bis zu seinem MLB-Debüt hochzuarbeiten. Dieses Debüt des 26-jährigen Rechtshänders war allerdings ein historisch gutes: 6 2/3 Innings lang hielt er am Sonntag gegen die St. Louis Cardinals ein perfektes Spiel aufrecht, das heißt er ließ keinen der ersten 20 MLB-Batter, die ihm gegenüber traten, die erste Base erreichen. Auch wenn Paul DeJong den Bann schließlich mit einem Single bei zwei Outs im siebten Inning brach, ist Kinghams Pitching-Debüt ein Rekord für die MLB in ihrer heutigen Form. Er produzierte anschließend noch ein Out gegen Marcell Ozuna, um die sieben fast-perfekten Innings abzuschließen und nahm die begeisterten Ovationen der Fans in Pittsburgh entgegen. Dafür, dass sein glanzvoller Einstand nicht umsonst war, hatte bereits im unteren sechsten Inning die Offense der Pirates mit vier Runs gesorgt, denen im achten Inning ein weiterer zum 5:0-Endstand folgte. Für Kingham stand zunächst nicht fest, ob er einen weiteren MLB-Start absolvieren darf. Wenig überraschend entschied die Teamführung nach diesem Spiel, dass er vorerst Teil der Rotation bleiben wird.

Mein Einschalttipp
Das aktuell beste Team der National League trifft auf den amtierenden – und auch dieses Jahr sehr starken – Titelverteidiger aus der American League. Im Oktober würde man so ein Aufeinandertreffen World Series nennen, im Mai ist es „nur“ eine reguläre Serie zwischen den Arizona Diamondbacks und den Houston Astros. Von Freitag bis Sonntag finden die drei Spiele statt und ich empfehle jedem Baseballfan, da mal reinzuschauen. DAZN-Kunden stehen in dem Fall leider im Regen, denn keines der Spiele hat es in die Auswahl des Abo-Streams geschafft. Das ist aber nicht so schlimm wie es sich anhört, denn erfreulicherweise ist die Begegnung am Sonntag das kostenlose Spiel des Tages auf mlb.tv. Los geht es um 22:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit mit dem ersten Pitch von Justin Verlander (1.13 ERA, 2.35 FIP), der bislang eine sensationell gute Saison für die Astros spielt. Für die Diamondbacks wird voraussichtlich Matt Koch (2.37 ERA, 4.32 FIP) antreten; Koch ist im Vergleich mit Verlander ein unbeschriebenes Blatt, aber in seinen drei bisherigen Starts hat er Leistungen gebracht, die als mindestens solide einzustufen sind.

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März 8th, 2018 by Silversurger

Noch exakt drei Wochen sind es bis zum Saisonstart der MLB. Mike Moustakas, Jake Arrieta, Lance Lynn, Alex Cobb, Greg Holland und einige andere sind nach wie vor arbeitslos, während es in den vergangenen Tagen nur ein paar Verpflichtungen aus der zweiten oder dritten Reihe der Free Agents gab. Einige davon mussten sich mit einem Minor-League-Vertrag begnügen, nachdem der Markt in dieser Offseason für den Großteil der Spieler nicht viel hergab. Für den erwartungsfrohen Baseballfan gibt es immerhin schon seit zwei Wochen täglich Live-Baseball. Wenn man sich die aktuellen Stände im Spring Training anschaut, dann sieht das schon fast so aus, wie es auch in der regulären Saison laufen könnte: Die New York Yankees (10-2) führen die Grapefruit League an, die Chicago Cubs (9-2) die Cactus League, während sich ganz unten die Pittsburgh Pirates (3-7) und die Texas Rangers (3-8) tummeln.

Was bedeuten Spring-Training-Ergebnisse?
Nur zur Erinnerung, bevor die Fans der Yankees und der Cubs mit dem Feiern anfangen und die der Rangers und der Pirates Tränen vergießen: Die Ergebnisse des Spring Trainings haben nur einen ganz geringen Zusammenhang mit denen der regulären MLB-Saison. Letztes Jahr landeten zum Beispiel die Houston Astros im Spring Training nur bei 15-15, während Teams wie die Pittsburgh Pirates (19-12) oder die Los Angeles Angels (21-14) es auf hervorragende Bilanzen brachten – wir wissen alle, dass es nach der regulären Saison deutlich anders aussah.

Noch ein Tommy-John-Opfer bei den Rays
Schlechte Nachrichten für die Tampa Bay Rays: Nach Top-Prospect Brent Honeywell muss nun ein weiteres Pitching-Talent der Rays die Hoffnung begraben, dieses Jahr in der MLB sein Können unter Beweis zu stellen: José de León hat sich ein Band im Ellenbogen gerissen und wird sich genau wie Honeywell einer Tommy-John-Surgery unterziehen müssen. Die übliche Ausfallzeit nach dieser Prozedur beträgt 12 bis 14 Monate.

Ichiro zurück in Seattle
Für die Fans der Mariners und für einen der berühmtesten Spieler ihrer Geschichte wird ein Traum wahr: Ichiro Suzuki ist zurück in Seattle. Der 44-jährige Outfielder erhält einen Einjahresvertrag über 750.000 bis 2 Millionen Dollar und die Gelegenheit, seine großartige MLB-Karriere an dem Ort ausklingen zu lassen, an dem er die ersten zwölf Jahre davon verbracht hat. Für die Mariners war ein Move nötig geworden, nachdem in ihrem ohnehin dünn besetzten Outfield Ben Gamel für sechs Wochen ausfällt und auch Mitch Haniger und Guillermo Heredia angeschlagen sind. Ichiro stellt für die Mariners sowohl die benötigte Ergänzung auf dem Feld als auch eine willkommene Promotion- und Merchandising-Möglichkeit dar.

Rangers verpflichten kubanisches Talent
Die Texas Rangers haben 2,8 Millionen Dollar ihres internationalen Bonuspools investiert und sich die Dienste von Julio Pablo Martinez gesichert. Das 21-jährige kubanische Outfield-Talent erhält getreu den Regeln für internationale Verpflichtungen einen Minor-League-Vertrag sowie die genannte Summe als Signing Bonus. Martinez wird auf der Liste der Top-100-Prospects von Baseball America auf Rang 60 aufgenommen und ist damit das dritthöchste Prospect der Rangers.

Weitere Signings
2B/3B Ryan Schimpf konnte sich bei den Tampa Bay Rays, die ihn erst im Dezember von den San Diego Padres ertradet hatten, nicht durchsetzen. Gegen eine finanzielle Entschädigung lassen die Rays ihn nun weiterziehen zu den Atlanta Braves. Die Braves können ihn als Absicherung an der noch nicht endgültig besetzten dritten Base gebrauchen und ihn, da er noch zwei Jahre lang Minor-League-Optionen hat, ihn zwischendurch problemlos in der Farm parken.

Auch die Kansas City Royals haben noch etwas für die Tiefe ihres Kaders getan: Für ein Jahr und drei Millionen Dollar ergänzt Jon Jay das Outfield und Pitcher Ricky Nolasco bekommt einen Minor-League-Vertrag sowie die Chance, sich um einen Platz in der Starting Rotation zu bewerben.

Genau wie Nolasco hat auch Reliever Tyler Clippard keinen Erfolg dabei gehabt, einen neuen MLB-Vertrag zu finden. Auch er hat daher einen Minor-League-Vertrag unterschrieben in der Hoffnung, bei den Toronto Blue Jays so sehr zu überzeugen, dass er es zurück in die Majors schafft.

Allrounder Danny Valencia muss sich bei den Baltimore Orioles ebenfalls vorerst mit einem Minor-League-Vertrag zufrieden geben. Er hat allerdings die Option ausgehandelt, dass er 1,2 Millionen plus leistungsbezogene Bestandteile verdienen wird, sofern die Orioles ihn ins MLB-Team holen. Valencia ist hauptsächlich eine Absicherung für den Fall von Verletzungen, vielleicht aber auch für einen möglichen Trade von Manny Machado.

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März 3rd, 2018 by Silversurger

Mit Pitcher Gerrit Cole (Houston Astros) und Andrew McCutchen (San Francisco Giants) haben die Pittsburgh Pirates im Januar zwei bisherige Grundpfeiler ihres Teams in Trades ziehen lassen. In Anbetracht dessen sowie zuletzt zweier aufeinander folgenden Losing-Seasons könnte man meinen, man habe es mit einem weiteren Team im Rebuilding zu tun. Doch das entspricht nicht dem Selbstbild der Pirates, die ausdrücklich mit dem Ziel antreten, die Playoffs zu erreichen. Diesen Anspruch zu verwirklichen wird nicht einfach, denn die Cubs, die Brewers und die Cardinals haben allesamt in Verstärkungen investiert und selbst die Reds scheinen nicht mehr das Kanonenfutter der vergangenen drei, vier Jahre zu sein. Die Pirates hingegen weisen eine ganze Reihe von Unsicherheitsfaktoren auf, derentwegen ich ihnen keine starke Saison zutraue: Starling Marte und Gregory Polanco müssten ihre Form wiederfinden, für die dritte Base müsste sich eine dauerhafte Lösung ergeben, die jungen Pitcher wie Trevor Williams und Chad Kuhl müssten sich etablieren, die erfahrenen Leute wie Ivan Nova und James Taillon müssten gesund bleiben. Das sind eine Menge Konjunktive und für mich Anzeichen, dass die Pirates zu optimistisch in die Saison 2018 gehen.

Voraussichtliches Lineup
C Francisco Cervelli
1B Josh Bell
2B Josh Harrison
SS Jordy Mercer
3B Colin Moran
LF Corey Dickerson
CF Starling Marte
RF Gregory Polanco

Voraussichtliche Rotation
SP James Taillon
SP Tyler Glasnow
SP Ivan Nova
SP Chad Kuhl
SP Joe Musgrove
Closer Felipe Rivero

Wichtigster Zugang
SP Joe Musgrove (Houston Astros)

Wichtigster Abgang
OF Andrew McCutchen (San Francisco Giants)

Bestes Prospect
SP Mitch Keller

Größte Stärke
Ray Searage: Der Pitching-Coach der Pirates gilt als ein Guru seines Faches. Unerfahrene oder anderswo aussortierte Pitcher blühen unter seiner Anleitung regelmäßig auf. Das gibt zumindest für diesen Aspekt des Spiels Grund zur Hoffnung.

Größte Schwäche
Fehlende Power: Während der Rest der Baseballwelt munter Homerun-Rekorde aufstellt, sind die Pirates in Sachen Powerhitting recht dünn aufgestellt. Mit einem Batting Average von .244, Slugging von .386 und 151 Homeruns waren sie 2017 jeweils Vorletzter in der NL – und das war noch mit McCutchen.

Spannendste Frage
Kann Starling Marte es auch ohne verbotene Mittel? Der Outfielder hatte sich 2016 mit starken Leistungen empfohlen, doch dann stellte sich heraus, dass er mit dem Steroid Nandrolon nachgeholfen hatte. Marte wurde für die halbe Saison 2017 gesperrt und in der anderen Hälfte kam er auf die niedrigste On-Base-Percentage (.333) und das schwächste Slugging (.379) seiner Karriere. Er hat dieses Jahr einiges zu beweisen.

Prognose
Platz 5 in der NL Central

Hier geht’s zum Power-Ranking und allen bisher erschienenen Previews.

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März 1st, 2018 by Silversurger

Seit einer Woche läuft das Spring-Training und ganz ehrlich: Es langweilt mich jetzt schon. Als es losging, war ich noch heiß wie Frittenfett darauf, die Spieler wieder live in Aktion zu sehen, doch leider nutzt sich das schnell ab, wenn es um nichts geht und die echte Saison noch volle vier Wochen auf sich warten lässt. Natürlich ist das Jammern auf hohem Niveau, denn man kann ja froh sein, dass überhaupt so viel auf mlb.tv gezeigt wird – mit täglichen Liveübertragungen aus der Saisonvorbereitung kann wohl keine andere Sportart mithalten. Ich schalte auch brav jeden Tag ein und schaue mir zumindest zwei, drei Innings – also den Teil, in dem üblicherweise noch viele „echte“ MLB-Spieler auf dem Feld sind – an. Dennoch interessieren mich in dieser Phase noch mehr die News von abseits des Feldes, also Free-Agents-Signings und Ähnliches. Von allem, was in den letzten Tagen rund um die MLB los war, gibt es hier wie gewohnt eine kurze Zusammenfassung:

Erste Erkenntnisse aus dem Spring-Training
Könnte man aus den Ergebnissen der Spring-Training-Spiele irgend etwas ableiten, so wären die Aussichten für die Kansas City Royals rosig: Mit 4:0 Siegen (und einem Unentschieden) führen sie die Tabelle der Cactus League an. Auch die Boston Red Sox hatten einen starken Start, sie stehen in der Grapefruit League vorne mit 6:1 Siegen. Nichts zu holen war bislang für die Pittsburgh Pirates, sie bringen es nach fünf Spielen nur auf ein Unentschieden und vier Niederlagen.

Interessant zu sehen fand ich vor allem die beeindruckende Frühform von Mets-Pitcher Noah Syndergaard, der gegen die Astros zwei perfekte Innings absolvierte und es auf Pitch-Geschwindigkeiten von über 100 mph brachte. Besondere Aufmerksamkeit wurde zudem dem Debüt von Shohei Ohtani für die Los Angeles Angels zuteil. Sein erster Auftritt als Pitcher gegen die Milwaukee Brewers war eher durchwachsen: In 1 1/3 Innings gelangen ihm zwei Strikeouts, er erlaubte aber zwei Hits, einen Walk und zwei Runs, darunter einen Homerun. Besser lief es für Ohtani zwei Tage später, als er gegen die San Diego Padres erstmals als Batter zum Einsatz kam: Mit zwei Walks und einem RBI-Single nutzte er seine drei Plate Appearances nahezu bestmöglich.

Bedauerlicherweise sind auch schon die ersten Verletzungen zu beklagen. Am schlimmsten erwischt hat es Brent Honeywell, ein Top-Pitching-Prospect der Tampa Bay Rays. Für ihn wird dieses Jahr nichts aus dem ersehnten Durchbruch in der MLB, denn er hat sich ein Band im Ellbogen gerissen und muss sich nun der Tommy-John-Surgery unterziehen. Das bedeutet für ihn eine Pause bis Mitte 2019. Auch für Will Middlebrooks von den Philadelphia Phillies ist die Saison wahrscheinlich gelaufen. Er stieß beim Fielden eines Flugballs so unglücklich mit einem Teamkollegen zusammen, dass er sich ein Bein brach.

Neue First Basemen für Royals und Twins
Die beiden wichtigsten Neuverpflichtungen der Woche betreffen beide die erste Base: Lucas Duda wird dort seinen neuen Arbeitsplatz bei den Kansas City Royals einnehmen. Er erhält einen Einjahresvertrag über 3,5 Millionen Dollar und spielt nun ausgerechnet bei dem Team, gegen das ihm in der World Series 2015 ein folgenschwerer Error unterlaufen war, welcher die Niederlage seines damaligen Teams New York Mets eingeleitet hatte. Aber keine Sorge, liebe Royals-Fans: Duda ist ein guter Griff, meiner bescheidenen Ansicht nach sogar ein echtes Schnäppchen, da er seinem sehr viel teureren Vorgänger Eric Hosmer weder im Feld noch an der Platte in irgendetwas nachsteht.

Auch die Minnesota Twins haben einen neuen First Baseman gefunden: Logan Morrison, zuletzt Teamkollege von Duda bei den Tampa Bay Rays, unterschreibt für zunächst ein Jahr und 5,5 Millionen Dollar. Eine Option auf ein weiteres Jahr für 8 Millionen aktiviert sich automatisch, wenn Morrison in diesem Jahr 600 Plate Appearances erreicht. Diese Marke zu erreichen wird schwer, denn auf seiner Stammposition wird Morrison nur Ersatz hinter Joe Mauer sein. Man kann aber davon ausgehen, dass er regelmäßig als Designated Hitter auflaufen wird.

Nachsitzen für Martinez und die Red Sox
Schon letzte Woche hatte ich hier den Deal zwischen OF/DH J. D. Martinez und den Boston Red Sox verkündet. Dieser ist inzwischen bestätigt, doch die beiden Verhandlungspartner mussten noch mal nachsitzen. Der Grund waren Röntgenaufnahmen von einer Fußverletzung, derentwegen Martinez letztes Jahr sechs Wochen pausieren musste und die wohl dauerhafte Spuren hinterlassen hat. Die Red Sox wollten sich in den Nachverhandlungen dagegen absichern, einen Haufen Geld zu verlieren, falls sich langfristige Spätfolgen der Verletzung zeigen. Daher einigte man sich, dass Martinez‘ Gehalt sich 2021 und 2022 deutlich reduziert, falls es zu nennenswerten Ausfallzeiten im Zusammenhang mit dieser Sache kommt. Im Gegenzug hat Martinez nun nicht mehr nur nach dem dritten, sondern auch nach dem zweiten und dem vierten Jahr die Option, aus dem Vertrag auszusteigen.

Weitere Signings und Trades
Hier noch ein paar kleinere Rostermoves aus den letzten Tagen:

Die Detroit Tigers ergänzen ihr Pitching-Personal um Francisco Liriano. Für einen Einjahrsvertrag über 4 Millionen Dollar wird der 34-jährige Linkshänder entweder den Bullpen der Tigers verstärken und/oder bei Bedarf Einsätze als Starter bekommmen.

Outfielder Corey Dickerson, den die Tampa Bay Rays letzte Woche designated hatten, wurde zu den Pittsburgh Pirates getradet. Im Gegenzug wechseln Reliever Daniel Hudson, Infield-Prospect Tristan Gray und eine nicht näher bezifferte Geldsumme nach Tampa.

Einen Tag zuvor hatten die Pirates sich mit Outfielder Michael Saunders auf einen Minor-League-Vertrag mit Major-League-Option geeinigt. Nach dem Dickerson-Trade sah Saunders jedoch seine Chancen auf einen Platz im Team deutlich geschmälert und bat daher die Pirates, den Vertrag wieder aufzulösen. Dieser Wunsch wurde ihm gewährt und gab ihm die Freiheit, stattdessen – ebenfalls im Rahmen eines Minor-League-Vertrages – bei den Kansas City Royals anzuheuern.

Auch Reliever Seung-hwan Oh einigte sich diese Woche mit zwei verschiedenen Teams: Zuerst nahm er ein Angebot der Texas Rangers an, die ihm einen Einjahresvertrag über 2,75 Millionen Dollar offerierten. Bei der medizinischen Untersuchung fiel Oh jedoch aus unbekannten Gründen durch und die Rangers zogen ihr Angebot zurück. Oh unterschrieb daraufhin bei den Toronto Blue Jays für ein Jahr und 1,75 Millionen. Auch bei den Blue Jays gehört natürlich eine medizinische Beurteilung zum Prozess des Vertragsabschlusses, doch offenbar waren die Bedenken in Toronto geringer. Eine Sicherheit hat man trotzdem eingebaut: Ein zweites Vertragsjahr, für das Oh 2,5 Millionen Dollar erhalten würde, tritt nur in Kraft, wenn er es im ersten Jahr auf mindestens 70 Einsätze bringt.

Ein alter Bekannter ist zurück in Cleveland: Die Indians verpflichten Mike Napoli im Rahmen eines Minor-League-Vertrages. Ein Rosterspot für das MLB-Team ist für ihn nicht in Sicht, da die erste Base mit Edwin Encarnacion und Yonder Alonso gut besetzt ist. Aber den Minor-League-Kontrakt ist Napoli als Absicherung für Verletzungen sowie als Mentor für junge Spieler sicher wert.

Und noch ein alter Bekannter ist wieder da: Pitcher Tim Lincecum hatte seine besten Zeiten mit den San Francisco Giants, für die er 2008 und 2009 den Cy-Young Award holte und 2013 und 2014 No-Hitter warf. Diverse Verletzungen beeinträchtigten seine Karriere und ein Comeback-Versuch bei den Los Angeles Angels misslang 2016 gründlich mit nur neun Einsätzen und einem ERA von 9.16. Doch Lincecum hat nie aufgegeben und konnte bei einem Tryout vor mehreren Teams letzte Woche offenbar überzeugen. Die Texas Rangers verpflichten ihn für 1 Million Dollar zuzüglich Leistungsprämien für ein Jahr. Er wird voraussichtlich aus dem Bullpen eingesetzt werden und die Chance erhalten, sich um die Rolle des Closers zu bewerben.

Saisoneröffnung 2019 in Tokio 
Die letzte Nachricht für heute wird erst in einem Jahr relevant: Die MLB-Saison 2019 soll in der japanischen Hauptstadt Tokio eröffnet werden. Aller Voraussicht nach werden es wie schon 2012 wieder die Oakland Athletics und die Seattle Mariners sein, die eine Zwei-Spiele-Serie im Tokyo Dome spielen. Es wird das achte Mal sein, dass die MLB reguläre Saisonspiele außerhalb der USA und Kanadas stattfinden lässt. Bislang war die Liga zweimal in Mexiko (1996 und 1999) zu Gast, viermal in Japan (2000, 2004, 2008, 2012) und einmal in Australien (2014). Als nächstes Ziel ist vor allem die Dominikanische Republik im Gespräch, aber auch in Mexiko soll es in den nächsten Jahren wieder MLB-Spiele geben und vielleicht auch in London.

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