Juli 15th, 2016 by Silversurger

Zugegeben, die Überschrift ist etwas reißerisch – aber nicht gelogen und eine gute Veranschaulichung des Themas, über das ich heute ein paar Zeilen schreiben möchte. Wir haben gut die Hälfte der MLB-Saison hinter uns und für einige Teams ist der Playoff-Zug unübsersehbar abgefahren. Für alle anderen rückt jedoch jeden Tag ein bisschen mehr die Frage in den Mittelpunkt, wie die Chancen auf einen Einzug in die Postseason und auf ein Weiterkommen bis hin zum ultimativen Ziel, dem Gewinn der World Series, stehen.

Der einfachste und zugleich härteste Indikator dafür sind natürlich die aktuellen Tabellenstände , die ich regelmäßig im Grand Slam am Donnerstag diskutiere. Wer zum All-Star-Break in seiner Division vorne steht, der geht auch als Favorit in den zweiten Teil der Saison und alles andere als die Playoff-Teilnahme wird am Ende eine Enttäuschung sein. Das aktuelle Tabellenbild ist aber nur eine Momentaufnahme, in die neben der tatsächlichen Stärke der Teams immer auch andere Faktoren einfließen: Glück und Pech in engen Spielen, Verletzungen, die Zusammenstellung des Spielplans usw. Diese Faktoren treten in einer ganzen Saison genauso auf wie in einer halben. Aber da es sich um mehr oder weniger zufällig verteilte Ereignisse handelt, kann man nicht davon ausgehen, dass sie in der zweiten Saisonhälfte die gleichen Teams auf die gleiche Weise treffen wie in der ersten. Deswegen kann man nicht einfach den Halbzeitstand verdoppeln und das als Progonose für den Endstand verkaufen – besser gesagt man kann, aber es gibt statistische Verfahren, die zu weitaus besseren Vorhersagen führen.

Besonders hilfreich, übersichtlich und obendrein transparent erklärt finde ich die Playoff Odds von Fangraphs, die ich deswegen in diesem Artikel vorstellen möchte. Natürlich lohnt es sich auch, bei dem einen oder dem anderen Anbieter ähnlicher Berechnungen rein zu schauen und zu vergleichen.

Das Verfahren von Fangraphs besteht darin, den Ausgang jedes einzelnen verbleibenden Spiels der MLB-Saison mit einer Wahrscheinlichkeit zu versehen. Diese Wahrscheinlichkeit orientiert sich daran, über welche Spieler die jeweiligen Teams verfügen und welche Einsatzzeiten und zählbaren Leistungen für diese Spieler prognostiziert werden. Wer die Verwendung erwarteter Spielerleistungen zu schwammig findet, kann übrigens mit einem Klick den Modus auf „Season to Date“ umschalten, dann wird mit den im bisherigen Jahr tatsächlich erbrachten Spielerleistungen gerechnet. Anhand der Wahrscheinlichkeiten für die einzelnen Spielausgänge wird im nächsten Schritt der Rest der Saison einschließlich Playoffs simuliert und zwar 10.000-mal. Aus den 10.000 simulierten Saisonausgängen werden schlussendlich die Chancen der einzelnen Teams auf den Divisionssieg, einen Wild-Card-Platz usw. bis hin zum Erreichen und Gewinn der World Series abgeleitet. Wenn also Team X in den 10.000 Simulationen 5.000-mal in die Playoffs kommt und davon 300-mal World-Series-Sieger wird, dann hat es eine Playoff-Chance von 50% und eine World-Series-Chance von 3%.

Beim Blick auf die aktuellen Zahlen sieht Vieles so aus, wie man es anhand der aktuellen Tabellen erwarten würde: Fünf der sechs Teams, die in ihrer Division auf Platz eins stehen, weisen eine Wahrscheinlichkeit von deutlich über 50% auf, diesen Platz auch am Ende der Saison zu belegen. Nur in der AL East ergibt sich ein anderes Bild, hier gelten die Red Sox mit 48,5% als Favorit auf den Divisionssieg und sogar den aktuell nur drittplatzierten Blue Jays werden mit 28,4% höhere Chancen auf den Divisionssieg zugetraut als den momentan führenden Orioles (21,8%).

Generell ist in der AL mehr Spannung zu erwarten als in der NL; während in der NL allen derzeitigen Divisionsführern eine Playoff-Wahrscheinlichkeit (Divisionssieg oder Wild Card) von über 96% zugerechnet wird, sind in der AL die Indians mit 91,4% das einzige Team, das sich zu über 90% sicher fühlen darf, die Playoffs zu erreichen.

Favorit auf den Gewinn der World Series sind die Chicago Cubs, die in 17,4% der simulierten Restsaisons als Sieger hervorgegangen sind. Den San Francisco Giants traut das Modell, obwohl sie zur All-Star-Break den besten Record der MLB aufweisen, nur zu 9,1% den nächsten großen Wurf nach den Meisterschaften 2012 und 2014 zu. Damit liegen die Giants hinter den Cubs, den Nationals (12,6%), den Red Sox (12,1%) und den Indians (11,8%) nur auf Platz fünf der Favoritenliste. Die Kansas City Royals dürfen sich unterdessen kaum noch Hoffnung auf eine erfolgreiche Titelverteidigung machen: Nur 6,2% betragen derzeit ihre Chancen, überhaupt in die Playoffs einzuziehen, und nur 0,2% die Wahrscheinlichkeit auf den erneuten Gewinn der World Series.

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