Oktober 15th, 2020 by Silversurger

2020 ist kein schönes Jahr. Dafür bedarf es schon lange keiner weiteren Beweise, nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen der zahlreichen in diesem Jahr verstorbenen MLB-Legenden. Unter anderem von Tom Seaver, Lou Brock, Al Kaline und Bob Gibson mussten wir schon Abschied nehmen, in dieser Woche kamen zwei weitere Hall of Famer hinzu: Der legendäre Pitcher Whitey Ford starb letzten Donnerstag im Alter von 91 Jahren, während er ein Playoff-Spiel seiner Yankees sah. Joe Morgan, einer der besten Second Basemen aller Zeiten unter anderem für die Astros und die Reds, erlag am Sonntag mit 77 einem Nervenleiden. 

Abschied nehmen heißt es, zum Glück nur in beruflicher Hinsicht, auch für Rick Renteria als Manager der Chicago White Sox. Die Trennung erfolgt in beiderseitigem Einvernehmen. Als Favorit für die Nachfolge gilt Tony La Russa, der den Job schon von 1979 bis 1986 hatte. 

Einen erschreckenden Vorfall gab es Sonntagnacht in San Diego: Tommy Pham, Outfielder der Padres, wurde vor einem Stripclub Opfer eines Messerangriffs durch bislang unbekannte Täter. Die Verletzung, die Pham am unteren Rücken erlitt, ist zum Glück nicht lebensbedrohlich. Er kann wohl schon bald wieder ins normale Offseason-Training einsteigen. 

American League Championship Series
Jetzt aber endlich zum Sport. Die ALCS wäre um ein Haar schon nach der Mindestzahl von vier Spielen vorbei gewesen. Drei Spiele hintereinander sicherten sich die Tampa Bay Rays, bevor in der vierten Partie knapp mit 4:3 erstmals die Houston Astros die Oberhand behielten. In der Best-of-7-Serie steht es somit 3-1, was für die Rays noch zwei alleinige Matchbälle bedeutet, während die Astros nur mit drei weitere Siegen hintereinander in die World Series einziehen würden. 

National League ChampionshipSeries
Auch in der NLCS brachte sich ein Team in eine starke Ausgangsposition, indem die ersten beiden Spiele gewonnen wurden. Überraschenderweise waren das die Atlanta Braves und nicht die hoch favorisierten Los Angeles Dodgers. Die Braves behielten bis gestern Nacht eine saubere Weste in den Playoffs mit einer Bilanz von sieben Siegen und null Niederlagen. Dann allerdings brachen im dritten Spiel alle Dämme (siehe „Spiel der Woche“). Ob das ein einmaliger Ausrutscher für die Braves war oder der entscheidende Umschwung zu Gunsten der Dodgers, werden die nächsten Tage oder eher die nächsten Nächte zeigen. 

Szene der Woche
Auf kaum ein Team traf je der Spruch „der Star ist die Mannschaft“ mehr zu als auf die Tampa Bay Rays. Nahezu jedes Spiel, das sie gewinnen, hat einen neuen Helden. Am Montag war es Manuel Margot, der mit gleich zwei aufsehenerregenden Szenen den Sieg über die Astros auf den Weg brachte: zuerst mit einem 3-Run-Homerun im ersten Inning, dann mit einem spektakulären Catch im zweiten Durchgang. 

Statistik der Woche 
3. So viele Starts hat Atlantas Rookie-Pitcher Ian Anderson in den Playoffs bisher absolviert und noch keinen einzigen gegnerischen Run zugelassen. Der 22-Jährige ist der erste Pitcher, dem dies in den ersten drei Postseason-Spielen seiner Karriere von je mindestens vier Innings gelang seit Christy Mathewson im Jahr 1905. 

Spiel der Woche
Nach zwei Niederlagen gegen die Braves waren die Dodgers gestern wild entschlossen, sich nicht sang- und klanglos aus den Playoffs zu verabschieden. Das machten sie sehr früher sehr eindrucksvoll klar. Noch bevor Atlanta auch nur einen Batter an die Platte schicken konnte, führten die Dodgers bereits 11:0. Elf Runs sind ein neuer Rekord für die meisten Runs, die jemals ein Team in einem einzelnen Inning eines Playoff-Spiels erzielt hat. Danach ließen sie es ruhiger angehen, legten in den beiden folgenden Innings noch vier Runs nach und brachten die Partie am Ende 15:3 nach Hause. 

Mein Einschalttipp
Bald ist es vorbei mit Live-Baseball für dieses Jahr und jedes verbleibende Spiel hat eine große Bedeutung auf dem Weg zur World Championship. Lasst euch also möglichst wenige Partien entgehen. Je nachdem, wie die Conference Championships weiter verlaufen, dauern diese noch bis Freitag, Samstag oder gar Sonntag. Am Dienstag beginnt dann die World Series 2020. Die genaue Startzeit wurde noch nicht bekannt gegeben, sie lag in den vergangenen Jahren immer bei ungefähr 2 Uhr nachts nach mitteleuropäischer Zeit. 

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Oktober 11th, 2020 by Silversurger

Die World Series 2020 naht mit großen Schritten. Ab heute Nacht laufen die League Championships, also quasi die Halbfinals im Kampf um den begehrtesten Titel der Baseballwelt. In der American League haben sich in spannenden Serien die Tampa Bay Rays gegen die New York Yankees und die Houston Astros gegen die Oakland Athletics qualifiziert. In der National League war es weniger spannend. Die Los Angeles Dodgers wurden ihrer Favoritenrolle gegen die San Diego Padres ebenso deutlich gerecht wie die Atlanta Braves der ihren gegen die Miami Marlins. 

American League Championship: Rays vs. Astros
Das Matchup zwischen den Rays und den Astros ist in vielerlei Hinsicht reizvoll. Zum Beispiel in der Hinsicht, dass das erfolgreichste Team der aktuellen Saison auf den AL-Champion des Vorjahres trifft. Oder auch in der Hinsicht, dass die Rays als eines der unter neutralen Fans beliebtesten Teams gegen den wegen des Sign-Stealing-Skandals aktuell meistgehassten Klub der Liga spielen.

Die Astros haben es auch ohne den nach New York gewechselten Gerrit Cole, ohne den verletzten Justin Verlander und ohne die berüchtigte Mülltonne zum vierten Mal hintereinander in die ALCS geschafft. 2017 und 2019 zogen sie in die World Series ein, die sie 2017 gewannen.

Für die Rays ist es erst die zweite ALCS der Teamgeschichte. 2008 besiegten sie die Boston Red Sox in sieben Spielen, bevor sie in der World Series den Philadelphia Phillies unterlagen. Die Chancen der Rays, auch dieses Mal die AL-Championship zu gewinnen, dürften gut stehen. Mit überragendem Pitching sowohl der Asse Tyler Glasnow, Blake Snell und Charlie Morton als auch des Bullpens dominierten sie schon die gesamte Saison, und rechtzeitig zum Endspurt scheint auch die Offense in Rookie-Outfielder Randy Arozarena einen aus dem Nichts erschienenen Star gefunden zu haben. 

Die ALCS wird auf neutralem Boden in San Diego ausgetragen. Der Spielort dürfte ein kleiner Vorteil für die ohnehin favorisierten Rays sein, da sie schon die fünf Spiele gegen die Yankees in Petco Park absolvierten. Anders als in der NLCS werden übrigens keine Zuschauer vor Ort sein, da der Staat Kalifornien dies aufgrund der Coronalage untersagt. Das erste Spiel findet heute Nacht ab 1:37 Uhr unserer Zeit statt. Spiel zwei steigt am morgigen Montag schon ab 22:07 Uhr. 

National League Championship: Dodgers vs. Braves 
Die beiden Teilnehmer der NLCS bringen jeweils eine makellose Weste aus den bisherigen Playoffs mit, indem sie sowohl die Wild-Card- als auch die Divisional-Runde gesweept haben. Für eines der Teams wird die Erfolgsserie nun unweigerlich enden. 

Für die Dodgers ist im Grunde seit mehreren Jahren, spätestens aber seit der spektakulären Verpflichtung von Star-Outfielder Mookie Betts im Februar klar, dass es kein geringeres Ziel geben darf als die World Series. Dieses Ziel haben sie bislang mit einer Souveränität verfolgt, die nichts zu wünschen übrig lässt. Die Offense um Betts, Cody Bellinger und viele andere verkörpert ebenso Weltspitzenklasse wie das Pitching um Walker Buehler und Clayton Kershaw. Alles zusammen resultierte in einer traumhaften Saisonbilanz von 43-17 und +136 Runs. Wenn man ein Haar in der Suppe suchen will, so stößt man am ehesten auf Kenley Jansen, der als Closer nicht sattelfest ist. 

Demgegenüber hat sich der Bullpen der Braves in den bisherigen Playoffs als sehr ausgewogen und verlässlich erwiesen. Das gilt überraschenderweise auch für das Starting Pitching, das vor wenigen Wochen noch als die Achillesferse des Teams galt. Allen voran Max Fried und Ian Anderson haben den überzeugenden Gegenbeweis angetreten. In fünf Spielen gewannen die Braves viermal zu null. Ihr eigentliches Prunkstück, die schlagkräftige Offense mit den Stars Freddie Freeman und Ronald Acuna Jr., geriet dadurch fast ein bisschen in den Hintergrund. 

Die Spiele der NLCS in Arlington, Texas, werden die ersten Partien der Saison 2020 sein, in denen Zuschauer im Stadion erlaubt sind. 11.500 Tickets durften je Spiel verkauft werden. Es sind zugleich die ersten Spiele überhaupt mit Zuschauern im neu eröffneten Ballpark der Texas Rangers, in dem auch die World Series gespielt wird. Die NLCS startet in der Nacht von Montag auf Dienstag um 2:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit. 

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Oktober 8th, 2020 by Silversurger

Hochspannung in den MLB-Playoffs: Noch keines der Divisional-Duelle ist entschieden, aber in allen vier Serien kann es  schon heute soweit sein. Vor der Zusammenfassung des sportlichen Geschehens der letzten Tage noch kurz zwei Neuigkeiten von außerhalb der Playoff-Bubble: Neben den Los Angeles Angels sind nun auch die Philadelphia Phillies auf der Suche nach einem neuen General Manager. Matt Klentak hat nach fünf weitgehend erfolglosen Jahren – ohne Winning Season, ohne Playoff- Teilnahme – seinen Rücktritt erklärt. Und auch bei den Cincinnati Reds ist eine Stelle offen: Dick Williams hat gestern erklärt, seinen Posten als „President of Baseball Operations“ abgeben zu wollen. 

National League
Da in den NLDS-Duellen erst je zwei Spiele absolviert wurden, konnte noch keine der Best-of-5-Serien entschieden werden. Allerdings stehen sowohl die Atlanta Braves als auch die Los Angeles Dodgers mit einem Bein in der nächsten Runde. 

Die Braves haben die ersten Spiele gegen die Miami Marlins 9:5 und 2:0 gewonnen. Wie schon in der Wild-Card-Runde gegen die Cincinnati Reds überzeugen die Braves bislang vor allem mit starkem Pitching, ihrer ursprünglich angenommenen Schwachstelle. Die Braves haben nun drei Matchbälle für den letzten nötigen Sieg, um in die Championship-Serie der NL einzuziehen. 

Dasselbe gilt für die Dodgers, die mit 5:1 und 6:5 beide Partien gegen die San Diego Padres für sich entschieden haben. Im ersten Spiel war Geduld gefragt, denn die Dodgers blieben fünf Innings ohne Hit und lagen 0:1 zurück, bevor im sechsten Durchgang der Knoten platzte und sie gleich vier Runs aufs Scoreboard brachten. Auch im zweiten Spiel überkamen sie einen frühen Rückstand und wehrten im neunten Inning ein Comeback des Gegners ab, um sich die vielversprechende Ausgangslage vor Spiel drei zu sichern. 

American League
In der AL gibt es nach drei Spielen ebenfalls noch keine Entscheidung. Nah dran waren die Houston Astros, die mit 10:5 und 5:2 die ersten Spiele gegen die Oakland Athletics gewannen. In der dritte Partie nahmen sie den Athletics zweimal die Führung ab, mussten sich am Ende aber doch geschlagen geben (siehe „Spiel der Woche“). 

Die New York Yankees landeten mit 9:3 den ersten Erfolg in der Serie gegen die Tampa Bay Rays, doch die Spiele zwei und drei gingen mit 7:5 und 8:4 an den Gegner. War vor der Serie noch die Frage, ob das formidable Pitching der Rays die Homerun-Power der Yankees unter Kontrolle halten kann, so sieht es nun eher danach aus, dass die Rays die Yankees mit deren eigenen Waffen schlagen: Vier Homeruns am Dienstag, drei Homeruns am Mittwoch waren der maßgebliche Faktor, dass die Rays nur noch einen Sieg vom Einzug in die Championship-Serie entfernt sind.

Szene der Woche
Der Endstand von 9:3 für die Yankees klingt nach einer klaren Angelegenheit, aber tatsächlich war die Partie gegen die Rays am Montag ein enorm spannendes Spiel mit mehreren Führungswechseln. Die Entscheidung zugunsten der Bronx-Bomber brachte erst der Paukenschlag im neunten Inning, der folgende Grand Slam von Giancarlo Stanton. Als Szene der Woche steht er auch stellvertretend für insgesamt sechs Homeruns durch Stanton in den bisherigen fünf Playoff-Spielen. 

Statistik der Woche 
18. Das ist die gleiche Zahl wie letzte Woche an dieser Stelle, aber eine ganz andere Statistik: 18 Strikeouts erzielten die Pitcher der Rays am Dienstag beim 7:5 gegen die Yankees und stellten damit einen neuen Rekord für 9-Inning-Playoffspiele auf. 10 davon gingen auf das Konto von Starter Tyler Glasnow, der die ersten fünf Innings pitchte.

Spiel der Woche
Das offizielle Homerun-Derby der MLB musste dieses Jahr coronabedingt ausfallen, aber die Oakland Athletics und die Houston Astros taten gestern alles, um die Fans von weiten Schlägen für den Verlust zu entschädigen. Siebenmal ging der Ball in der heiß umkämpften Partie über den Zaun. Entscheidend waren am Ende ironischerweise zwei Bälle, die zwar etwas zu kurz gerieten, jedoch als Sacrifice-Flys den Athletics die Runs zum 8:7 und 9:7 brachten. 

Mein Einschalttipp
Die MLB-Saison ist längst in der Phase angelangt, in der jedes Spiel, das sich zeitlich und vom Schlafbedarf her einrichten lässt, Pflichtprogramm ist. Das gilt erst recht für die Baseball-Bundesliga, in der an den beiden kommenden Wochenenden das Finale um die Deutsche Meisterschaft zwischen den Bonn Capitals und den Heidenheim Heideköpfen ansteht. Am Samstag ab 15 Uhr und am Sonntag ab 14 Uhr gibt es vermutlich zum letzten Mal in diesem Jahr die Chance, deutschen Spitzenbaseball per Livestream zu verfolgen. Die Partien aus Bonn werden wie üblich auf sportdeutschland.tv gesendet. Die weiteren Spiele der Best-of-5-Serie finden am folgenden Wochenende in Heidenheim statt, von wo es leider in der Regel keine Liveübertragung gibt. 

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Oktober 3rd, 2020 by Silversurger

Nach der viertägigen Wild-Card-Runde lässt sich deren Ergebnis in wenigen Worten zusammenfassen: Alle sieben Teams aus den Central-Divisionen sowie die Toronto Blue Jays sind ausgeschieden, sämtliche Erst- und Zweitplatzierten der East- und West-Divisionen haben es in die nächste Runde geschafft. Wie es sich ergeben hat, treffen in dieser nächsten Runde, den Divisional Series, alle Mannschaften auf Konkurrenten aus der eigenen Division. 

Die Divisionals werden wie geplant in neutralen Ballparks ausgetragen. Am Montag beginnen die beiden ALDS, die NLDS kommen am Dienstag dazu. Gespielt wird dann wieder täglich ohne Pausentage bis zur Entscheidung im Best-of-5-Format. 

American League Divisional Series 
Tampa Bay Rays vs. New York Yankees (in San Diego) 
Vor der Saison waren die Yankees der Top-Favorit und die Rays der Geheimfavorit der AL. Das hat sich ein bisschen geändert, nachdem die Rays sowohl in der Gesamtabrechnung die Yankees klar hinter sich ließen als auch die direkten Duelle mit acht zu zwei Siegen dominierten. Kein anderes Team hatte die Yankees dieses Jahr so souverän und konsistent unter Kontrolle wie die Rays, welche der stärksten Offense der Liga nur 34 Runs in zehn Spielen erlaubten. Man muss allerdings dazu sagen, dass die Yankees selten in Bestbesetzung antreten konnten – DJ LeMahieu, Aaron Judge und Giancarlo Stanton verpassten jeweils einen großen Teil der Spiele gegen die Rays. Dieses Mal sind sie allesamt an Bord beim Versuch, den Angstgegner zu überwinden. 

Oakland Athletics vs. Houston Astros (in Los Angeles) 
Wenn man nach der regulären Saison geht, sehen die Vorzeichen für dieses Duell ziemlich einseitig aus: Die Athletics spielten eine dominante 36-24-Saison, die Astros hingegen hatten Glück, mangels Konkurrenz mit einer negativen Bilanz von 29-31 noch einen Platz in den Playoffs zu ergattern. Der Unterschied zwischen beiden Teams wurde nicht zuletzt in den zehn direkten Vergleichen erspielt, von denen die Athletics sieben gewannen. In der Wild-Card-Runde waren allerdings die Astros überzeugender. Sie sweepten routiniert die Minnesota Twins, während die Oakland Athletics sich zu einem knappen 2-1 über die Chicago White Sox mühten.

National League Divisional Series
Los Angeles Dodgers vs. San Diego Padres (in Arlington) 
Für neutrale Zuschauer dürfte dies das am heißesten erwartete Duell der Divisional-Runde sein. Die Dodgers weisen aus der regulären Saison die beste Bilanz der MLB auf, die Padres haben die zweitmeisten Siege der NL auf dem Konto – und das, obwohl sie zehnmal gegen das Überteam aus LA antreten mussten. Die Dodgers behielten in diesen Spielen knapp mit 6-4 die Oberhand. In der Wild-Card-Runde machten die Dodgers kurzen Prozess mit den Brewers, während die Padres gegen die St. Louis Cardinals drei Spiele brauchten. Sorgen bereitet nach wie vor das Starting-Pitching der Padres. Ob die Asse Dinelson Lamet und Mike Clevinger bis zur NLDS fit werden, ist fraglich. Gestern Nacht war es der Bullpen der Padres, der in einem gemeinsamen Kraftakt die Kastanien aus dem Feuer holte: Neun verschiedene Pitcher hielten den Gegner über neun Innings ohne Run – das hatte es bisher noch nie gegeben. 

Atlanta Braves vs. Miami Marlins (in Houston) 
Diese beiden Teams haben es allen Kritikern gezeigt. Die Braves waren als das Playoff-Team mit dem schwächsten Pitching eingestuft gewesen. Als Antwort darauf ließen sie gegen die Cincinnati Reds in zwei Spielen über insgesamt 22 Innings keinen einzigen Run zu. Nun geht es gegen die Miami Marlins, die aus dem „Bottom Feeder“, zu dem sie vor der Saison abgestempelt waren, ein trotziges Motto gemacht haben. Auch sie benötigten nur zwei Spiele, um gegen die Chicago Cubs souverän das Weiterkommen zu sichern. In der regulären Saison gewannen die Braves sechs von zehn gegen die Marlins, darunter ein spektakuläres 29:9. Die Braves gehen als klarer Favorit in die NLDS, aber die Marlins fühlen sich bekanntlich pudelwohl in der Außenseiterrolle. 

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Oktober 1st, 2020 by Silversurger

Die Baseball-Nacht des Jahres liegt hinter uns: Acht Playoff-Spiele an einem Tag hatte es noch nie gegeben und wird es auch auf absehbare Zeit nicht mehr geben. Denn in der American League sind bereits drei von vier Duellen der Wild-Card-Runde entschieden. Somit müssen heute nur die Oakland Athletics und die Chicago White Sox zum entscheidenden dritten Spiel antreten, während in den Serien der National League Spiel zwei ansteht.

In den Teams, die sich nicht für die Postseason qualifizieren konnten, werden derweil schon erste Weichen für das kommende Jahr gestellt: Die Boston Red Sox trennen sich nach nur einem Jahr von Manager Ron Roenicke, die Los Angeles Angels entlassen General Manager Billy Eppler. Auch bei den New York Mets steht die Ablösung von GM Brodie van Wagenen so gut wie fest, sobald der Verkauf der Franchise an Steve Cohen offiziell ist. Zwei langjährige und beliebte MLB-Spieler werden wir nicht mehr auf dem Spielfeld sehen: Hunter Pence (Giants) und Alex Gordon (Royals) haben das Ende ihrer Karrieren verkündet. 

American League
Die erste Divisional-Serie der AL steht bereits fest. Die Tampa Bay Rays treffen ab Montag in einer Best-of-5-Serie auf die New York Yankees. Die Rays entledigten sich ihrer Wild-Card-Aufgabe gegen die Toronto Blue Jays souverän mit 3:1 und 8:2. Souverän waren auch die Yankees in Spiel 1 gegen die Cleveland Indians. Sie verschafften Cy-Young-Kandidat Shane Bieber einen rabenschwarzen Tag und gewannen das Spiel 12:3. Die zweite Partie war deutlich spannender, doch nach Comebacks im vierten und im neunten Inning behielten die Yankees auch hier die Oberhand und sicherten sich mit einem 10:9 den Sweep über die Indians. Die Serie zwischen den Rays und den Yankees wird in San Diego stattfinden.

Für die andere Divisional-Serie haben sich als erstes Team die Houston Astros qualifiziert. Das ist die erste große Überraschung dieser Playoffs, denn mit ihrer negativen Saisonbilanz (29-31) und als Auswärtsteam reisten die Astros als klarer Außenseiter nach Minnesota. Doch die Twins konnten ihre Playoff-Schwäche (siehe „Statistik der Woche“) nicht ablegen, während die Astros routiniert ihre Postseason-Erfahrung ausspielten und die Partien mit 4:1 und 3:1 nach Hause brachten.

Der Gegner der Astros in der ALDS in Dodger Stadium werden entweder die Oakland Athletics oder die Chicago White Sox sein. Die beiden Teams haben sich als bisher einzige die Siege in den Spielen eins und zwei geteilt. Beim 4:1-Sieg der White Sox feuerte Lucas Giolito sechs perfekte Innings, bevor er im siebten Durchgang den ersten Hit und im achten den einzigen Run abgab. Tags darauf kam die Offense der Athletics schneller und besser ins Spiel. Die Aufholjagd der White Sox kam zu spät und endete mit einer 3:5-Niederlage.  

National League
Die NL hatte letzte Nacht ihren ersten Wild-Card-Spieltag, daher konnte logischerweise noch keine der Best-of-3-Serien entschieden werden. Die Los Angeles Dodgers wurden im ersten Spiel ihrer Favoritenrolle gerecht und schlugen die Milwaukee Brewers 4:2. Der Sieger dieses Duells trifft in der nächsten Runde in Arlington auf San Diego oder St. Louis. St. Louis setzte sich etwas überraschend im ersten Spiel mit 7:4 durch. Den Padres könnten Pitching-Probleme zum Verhängnis werden: Die Asse Dinelson Lamet und Mike Clevinger sind verletzt und Chris Paddack erwischte gestern einen richtig miesen Tag, was nicht nur die Niederlage, sondern auch viel Arbeit für den Bullpen verursachte.

Die spannendste Partie der bisherigen Playoffs war eindeutig die erste Begegnung zwischen den Atlanta Braves und den Cincinnati Reds. Mehr dazu weiter unten beim „Spiel der Woche“. Einen veritablen Upset gab es in Chicago, wo den Miami Marlins ein einziges starkes Offensiv-Inning reichte, um beim 5:1 gegen die Cubs das neueste Kapitel ihrer Cinderella-Story zu schreiben. Die Gewinner der beiden Serien treffen ab Dienstag zur NLDS in Houston aufeinander. 

Szene der Woche
Wir sind zwar schon mitten in der Postseason, aber das Triple Play der Brewers vom letzten Tag der regulären Saison möchte ich euch nicht vorenthalten:

Statistik der Woche 
18. So viele Playoff-Spiele haben die Minnesota Twins nun hintereinander verloren. Der traurige Rekord reicht zurück bis in die ALDS 2004, in der die Twins die Spiele zwei bis vier gegen die Yankees abgaben. Es folgten ein 0-3-Sweep gegen die Athletics 2006 und dann 2009, 2010, 2017 und 2019 immer wieder Niederlagen gegen die Yankees. Entsprechend groß war die Begeisterung, dass es dieses Jahr in Runde 1 endlich mal nicht gegen die Yankees ging, doch auch gegen die Astros war für das Team von Max Kepler nichts zu holen.

Spiel der Woche
Alle Freunde des gepflegten Defensivspiels, die am Dienstag von Bieber vs. Cole enttäuscht wurden, folgte die Entschädigung einen Tag später in Form einer epischen Pitchingschlacht zwischen Max Fried und Trevor Bauer sowie den jeweiligen Bullpens der Atlanta Braves und der Cincinnati Reds. Es war das erste Playoffspiel seit 1997, das mit 0:0 in die Verlängerung ging, und es war das erste überhaupt, bei dem auch nach elf und zwölf Innings keine Runs auf dem Scoreboard auftauchten. Erst in der unteren Hälfte des 13. Innings gelang den Braves bei einem Single von Freddie Freeman der erste Zähler und damit der Walk-Off-Sieg. Noch ein Rekord: 37 Strikeouts von beiden Teams zusammen hatte es in einem Playoffspiel bisher nie gegeben.

Mein Einschalttipp
In den Playoffs ist natürlich jedes Spiel ein Einschalttipp, aber heute lege ich euch ganz besonders die Partie der Oakland Athletics gegen die Chicago White Sox ans Herz. Zur besten mitteleuropäischen Sendezeit um 21:10 Uhr beginnt das entscheidende dritte Spiel um den Einzug in die ALDS. 

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September 28th, 2020 by Silversurger

Es lief längst nicht alles glatt in der wegen Corona verkürzten MLB-Saison 2020, aber der erste große Meilenstein ist erreicht: Die reguläre Saison wurde wettbewerbsgerecht durchgeführt und abgeschlossen, sodass jetzt die Playoffs folgen können. Um die Teilnehmerplätze wurde vor allem in der National League bis zum letzten Tag gerungen. Auf der Zielgeraden war es eher ein Schneckenrennen, denn die Brewers verloren zwar ihr letztes Spiel, profitierten aber davon, dass sowohl die Giants als auch die Phillies es ihnen gleichtaten. Anscheinend war niemand besonders wild darauf, bei den Dodgers antreten zu müssen…

Die Best-of-3-Serien der Wild-Card-Runde finden komplett im Stadion des höher gesetzten Teams statt und werden ohne Pausentag durchgezogen. Den Anfang machen die Teams der American League, die am Dienstag, Mittwoch und (sofern das dritte Spiel nötig ist) am Donnerstag spielen. Die Serien der National League laufen von Mittwoch bis Freitag. Die nächste Runde der Playoffs, die Divisional-Series, beginnt nächste Woche am Montag (AL) bzw. Dienstag (NL).

American League
Tampa Bay Rays vs. Toronto Blue Jays
Das Duell der Nr. 1 gegen die Nr. 8 der AL ist das einzige zwischen zwei Teams, die sich schon während der regulären Saison gesehen haben. In diesen Spielen behielten die Rays mit 6:4 Siegen die Oberhand, und natürlich gehen sie auch in die Playoffs als Favorit. Für die Blue Jays ist es bereits ein Riesenerfolg, so weit gekommen zu sein in einem Jahr, in dem sie wegen Coronaauflagen kein einziges Spiel in ihrem eigenen Stadion absolvieren durften.

Oakland Athletics vs. Chicago White Sox
Das junge Team der White Sox schien auf dem besten Weg, die AL Central zu gewinnen, doch auf der Zielgeraden geriet es spürbar ins Stolpern mit nur noch zwei Siegen aus den letzten acht Spielen. Damit haben sie sich eingehandelt, bei den Athletics antreten zu müssen, die die AL West in diesem Jahr massiv dominiert haben.

Minnesota Twins vs. Houston Astros
Die Twins haben in den letzten Spielen alles dafür gegeben, nicht wieder gegen die Yankees antreten zu müssen, gegen die ihre letzten vier Playoffteilnahmen allesamt in der ersten Runde endeten. Das ist gelungen, indem das Kepler-Team sich den Divisionssieg und damit Rang 3 auf der Setzliste sicherte. Nun dürfen sie zu Hause antreten gegen die Houston Astros, das ehemalige Spitzenteam, welches nach dem Sign-Stealing-Skandal und einer negativen Saisonbilanz seinen Schrecken weitgehend verloren hat.

Cleveland Indians vs. New York Yankees
Auch eine interessante Paarung: Das Team mit der stärksten Offense der AL – die Yankees mit 315 erzielten Runs – trifft auf das Team mit der besten Defense der MLB – die Indians mit nur 209 zugelassenen Runs. Sowohl die Indians als auch die Yankees hatten in der ersten Septemberhälfte einen Durchhänger und gerieten in Gefahr, die Playoff-Teilnahme zu verspielen. Beide haben sich dann wieder gefangen und spielen nun die Teilnahme an der Divisional-Runde untereinander aus.

National League
Los Angeles Dodgers vs. Milwaukee Brewers
Die Dodgers waren vor der Saison der große Favorit, und bisher sind sie allen Erwartungen gerecht geworden: Zum achten Mal in Folge haben sie die NL West gewonnen und das mit einer Winning Percentage von 71,7%  und somit der besten MLB-Saison eines Teams seit 1954. Die Brewers sind trotz einer negativen Bilanz gerade noch ins Playoff-Feld gerutscht und somit krasser Außenseiter gegen das Über-Team aus Los Angeles.

Atlanta Braves vs. Cincinnati Reds
Während die drei Mit-Favoriten in der vermeintlich starken NL East enttäuschten, sicherten die Braves sich souverän den dritten Divisionssieg in Folge. Nun wollen sie endlich mal über die erste Playoff-Runde hinauskommen, was ihnen die letzten neun Male verwehrt blieb. Die Reds haben es zum ersten Mal seit sieben Jahren in die Postseason geschafft. Nicht zuletzt wegen der überragenden Form von Cy-Young-Kandidat Trevor Bauer könnten sie für eine weitere Überraschung gut sein.

Chicago Cubs vs. Miami Marlins
Die Cubs hatten unter ihrem neuen Manager David Ross einen sehr starken Start in die Saison und cruisten den Rest des Weges mit wechselhaften Leistungen zum Divisionssieg. Vor dem Überraschungsteam aus Miami sollten sie gewarnt sein: Die Marlins haben bisher noch nie eine Playoff-Serie verloren. Bei ihren beiden bislang einzigen Teilnahmen, 1997 und 2003, holten sie immer gleich die World Series.

San Diego Padres vs. St. Louis Cardinals
Als Divisionszweiter ist „Slam Diego“ zwar nur an Nummer 4 gesetzt, aber nach Siegen und Run Differential sind die Padres das zweitstärkste Team der NL. In der Heimserie gegen St. Louis sehe ich sie als deutlichen Favoriten. Andererseits haben die Cardinals dieses Jahr schon unter Beweis gestellt, dass sie in der Lage sind, widrigsten Umständen zu trotzen – man denke nur an ihre 16-tägige Pause wegen Coronafällen und an die vielen, vielen Doubleheader, die sie deswegen den Rest der Saison über spielen mussten.

 

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September 24th, 2020 by Silversurger

Nur noch drei bis fünf Spiele je Team, dann ist die MLB-Saison des Corona-Jahres 2020 Geschichte. Vor allem in der National League steht noch ein aufregendes Wochenende bevor, denn das Playoffrennen gestaltet sich auf der Schlussgeraden extrem spannend. Nach nur einem Tag Pause geht es am Dienstag schon los mit der Wild-Card-Runde, in der dieses Jahr alle 16 qualifizierten Teams in Best-of-3-Serien antreten müssen.   

National League
Den ersten Platz in der NL West sowie in der Setzliste der NL haben sich die Los Angeles Dodgers (39-17) bereits fest gesichert. Auch die Atlanta Braves (34-22), die Chicago Cubs (32-24) und die San Diego Padres (34-22) haben das Playoffticket in der Tasche und werden in der Wild-Card-Runde Heimrecht genießen.

Ein Hauen und Stechen gibt es am Schlusswochenende um die Playoffplätze fünf bis acht. Sechs Teams machen sich noch berechtigte Hoffnungen. Sie alle liegen zurzeit höchstens einen Sieg über oder unter einer ausgeglichenen Bilanz und damit extrem eng beieinander. Zu vergeben sind zum einen noch die zweiten Plätze in der NL East und in der NL Central. Diese gingen derzeit an die Miami Marlins (28-28) und an die St. Louis Cardinals (27-26). Hinzu kommen die beiden Wild-Card-Plätze, die momentan die San Francisco Giants (28-27) und die Cincinnati Reds (29-28) belegen. In die Röhre schauen würden aktuell die Philadelphia Phillies (28-29) und die Milwaukee Brewers (27-28).

Im Restprogramm dieser Teams sticht vor allem die Serie zwischen den Cardinals und den Brewers ins Auge. Fünf Spiele haben die beiden Teams noch gegeneinander zu absolvieren und können somit jeweils aus eigener Kraft die Qualifikation für die Postseason klar machen. Falls sie sich die Siege teilen, freuen sich womöglich die Reds – sofern sie selbst ihre Hausaufgaben in den drei Spielen in Minnesota machen.

Das Überraschungsteam schlechthin in diesem Jahr sind die Marlins, doch ihnen drohen auf den letzten Metern die Felle davonzuschwimmen: Nach vier Niederlagen in Folge haben sie plötzlich nur noch ein halbes Spiel Vorsprung auf die Phillies. Ein weiteres Spiel bei den Braves und zum Abschluss drei bei den Yankees klingen nicht gerade nach einem vielversprechenden Finnish für die Marlins. Allerdings haben es die Phillies, die dreimal bei den Rays antreten müssen, auch nicht einfacher.

Bleiben noch die Giants, die heute noch mal gegen die Rockies und dann viermal gegen die Padres antreten. Auch das ist kein leichtes Restprogramm, aber im Gesamtbild erscheint es mir recht wahrscheinlich, dass wir die Giants nächste Woche in den Playoffs sehen.

Wichtig zu wissen ist noch, dass es – anders als in normalen Jahren – keine kurzfristig angesetzten Tiebreaker-Spiele gibt, wenn zwei oder mehr Teams den Kampf um die Playoffs mit identischer Bilanz abschließen. In einem solchen Fall wird zuerst der direkte Vergleich zwischen den Teams herangezogen; wenn es keinen gibt oder er ebenfalls unentschieden steht, werden als nächstes die Bilanzen innerhalb der Division herangezogen, dann die Bilanz der letzten 20 Spiele und falls nötig die der letzten 21, 22 usw. bis eine Entscheidung da ist.

American League
In der AL sind fast alle Entscheidungen gefallen. Dass sich noch Änderungen am seit Wochen absehbaren Playoff-Bild ergeben, ist kaum mehr als eine theoretische Möglichkeit. 

Die AL East geht hieb- und stichfest an die Tampa Bay Rays (37-20), der zweite Platz an die New York Yankees (32-24). Die Toronto Blue Jays (29-27) sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit per Wild-Card ebenfalls in den Playoffs. Dort müssen sie auf ihren Closer Ken Giles verzichten, der am Montag – ausgerechnet an seinem 30. Geburtstag – erfuhr, dass er sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen muss. Als Achter der Setzliste werden die Blue Jays in der Wild-Card-Runde zur Nummer eins der AL reisen, also entweder zu den Rays oder den Athletics.

In der AL Central machen die Minnesota Twins (35-22) und die Chicago White Sox (34-22) die Plätze eins und zwei per Fernduell unter sich aus. Der Verlierer dieses Duells muss in den Playoffs voraussichtlich gegen die Yankees ran, während der Gewinner es mit den Astros zu tun bekommt. Die Cleveland Indians (32-24) werden wohl nicht über Platz drei in der Division hinauskommen, haben aber zumindest über die Wild-Card die Playoff-Teilnahme schon sicher. Nach einer Schwächephase in der vorletzten Woche scheinen die Indians gerade rechtzeitig wieder ihren Schwung gefunden zu haben, um in der K.O.-Runde erhobenen Hauptes nach Oakland oder Tampa Bay zu reisen.

Die Oakland Athletics (34-21) gewinnen die AL West mit großem Abstand. Für sie ist nur noch offen, ob es am Ende Platz eins oder zwei in der gesamten AL und der Gegner in der ersten Runde somit Toronto oder Cleveland wird. Fast sicher dabei sind auch die Houston Astros (28-28). Allerdings sehen sie zurzeit nach dem schwächsten Playoffteam der AL aus, nachdem sie sich mehr schlecht als recht mit 9-14 durch den September geschleppt haben und nun auch noch ihr Pitching-Ass Justin Verlander langfristig verletzt ausfällt. Sollten die Astros in der letzten Serie bei den Texas Rangers (19-37) massiv untergehen, könnten sogar noch die Los Angeles Angels (26-31) oder die Seattle Mariners (25-31) in die Playoffs rutschen. 

Szene der Woche
Es ist mal wieder Zeit, „unseren“ MLB-Star Max Kepler zu feiern. Am Dienstag durfte er im Spiel seiner Twins gegen die Detroit Tigers gleich zweimal den Helden spielen: zuerst im achten Inning, als ihm per Solo-Homerun der Ausgleich gelang, und dann erneut im zehnten Inning, in dem er mit einem Walk-Off-Single das Spiel für sein Team entschied.

Statistik der Woche 
14. So viele Strikeouts erzielte Mets-Pitcher Jacob deGrom am Montag in einem Spiel – zum zweiten Mal in dieser Saison. Er hat damit 2020 doppelt so viele 14-Strikeout-Spiele wie der Rest der Liga zusammen (Shane Bieber am Opening Day, falls jemand fragt). Typisch Mets allerdings: Das Spiel ging 1:2 verloren. Sollte deGrom dieses Jahr zum dritten Mal hintereinander den Cy-Young-Award gewinnen, so wäre er nach Greg Maddux und Randy Johnson der dritte in der MLB-Geschichte, dem dies gelingt – und der erste, dessen Team in dem Zeitraum kein einziges Mal die Playoffs erreichte.

Spiel der Woche
Fast wäre es das Highlight des Jahres für die Pittsburgh Pirates geworden: Das schwächste Team der MLB durfte sich sechs Innings lang an einem No-Hitter seines jungen Starters Mitch Keller erfreuen. 4:0 lagen die Pirates vorne, als Keller trotz seiner überragenden Leistung nach 84 Pitches ausgewechselt wurde – eine Vorsichtsmaßnahme, da es erst sein zweites Spiel nach einer Verletzungspause war. Auf seinen Bullpen konnte Keller sich leider nicht verlassen. Die Reliever Geoff Hartlieb und Sam Howard wurden von den Cardinals prompt mit 5 Runs begrüßt und gaben somit das Spiel aus der Hand. 

Mein Einschalttipp
An diesem Wochenende lohnt es sich, vor allem in all die Spiele hineinzuschauen, die ich im Abschnitt über die National League und das Rennen um die Playoffplätze fünf bis acht erwähnt habe. Vielleicht kommt es sogar am Sonntag ab 21:15 Uhr unserer Zeit zu einem echten Endspiel um die Playoffteilnahme zwischen den Brewers und den Cardinals.

Außerdem stehen in der Baseball-Bundesliga am Samstag und am Sonntag die ersten Halbfinalspiele zwischen den Bonn Capitals und den Paderborn Untouchables sowie zwischen den Regensburg Legionären und den Heidenheim Heideköpfen an. Alle Spiele werden live gestreamt, die Zeiten und Links dazu findet ihr hier

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Juli 24th, 2020 by Silversurger

Die MLB ist gestern wie geplant mit zwei Eröffnungsspielen in die Saison 2020 gestartet. Beim 4:1 der Yankees über die Nationals und beim 8:1 der Dodgers über die Giants fuhren die jeweiligen Top-Favoriten der National League und der American League die ersten Siege ein. Eine faustdicke Überraschung gab es am Opening Day aber dennoch, und zwar schon wenige Stunden vor dem zeremoniellen ersten Pitch des US-Chef-Virologen Anthony Fauci: Die Spielergewerkschaft MLBPA und die Vertreter der Klubs einigten sich auf den letzten Drücker doch noch, die Playoffs in diesem Jahr zu erweitern. 

Anstelle der üblichen 10 werden in dieser besonderen Saison 16 Teams an der Endrunde um die Meisterschaft teilnehmen. Qualifiziert sind in jedem Fall die Mannschaften, die auf Platz eins oder zwei ihrer Division landen. Hinzu kommen jeweils zwei weitere Teams in der AL und der NL, basierend auf den besten Bilanzen aus der regulären Saison. 

Die erste Runde der Playoffs, die Wildcard-Runde, besteht dieses Jahr aus acht Best-of-3-Serien. Diese finden an drei aufeinander folgenden Tagen im Heimstadion des (anhand der Saisonbilanz) höher gesetzten Teams statt. Im Anschluss an diese besondere Runde gehen die Playoffs weiter wie gewohnt: je Liga zwei Divisional-Serien (Best-of-5), dann je eine League-Championship-Serie (Best-of-7) und schließlich die World Series, ebenfalls im gewohnten Modus Best-of-7.

Die erweiterten Playoffs ermöglichen mehr Einnahmen für die Vereine (vor allem aus Übertragungsrechten) und für die Spieler sowie etwas mehr Baseball für die Fans am Ende der pandemiebedingt stark verkürzten und eingeschränkten Saison. Dass man eine solche für alle Seiten sinnvolle Einigung nicht schon vor Wochen gefunden hat, fand ich sehr befremdlich – aber nun hat man ja gerade so noch die Kurve bekommen. 

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Februar 13th, 2020 by Silversurger

Baseball is back: Während der letzten Tage haben jedenfalls schon mal die Pitcher und Catcher aller Teams in den Trainigscamps in Florida und Arizona die Saisonvorbereitung aufgenommen. Die restlichen Spieler folgen in den nächsten Tagen und schon Ende nächster Woche geht es los mit dem täglichen Testspielbetrieb des Spring Trainings. Damit uns das Warten darauf nicht langweilig wird, hat die Ligaleitung Pläne für eine radikale Reform der MLB-Playoffs durchsickern lassen, die zurzeit heiß diskutiert werden.

Demnächst 14 Playoff-Teams?
Die Pläne der Liga sollen drei wesentliche Neuerungen vorsehen:
1. Die Anzahl der Playoffteilnehmer soll von 10 auf 14 Teams erhöht werden. Es würden dann in jeder der beiden Teilligen AL und NL die drei Divisionssieger sowie die vier Teams mit den nächstbesten Bilanzen an der Postseason teilnehmen.
2. Anstelle des einzelnen Wild-Card-Spiels soll eine Playoff-Runde treten, von der nur das stärkste Team der jeweiligen Teilliga befreit ist. Dieses Team ist für die zweite Runde gesetzt. Die anderen sechs Teams spielen paarweise Best-of-3-Duelle gegeneinander, wobei das Team mit der stärkeren Bilanz in allen drei Spielen Heimrecht hat.
3. Jetzt kommt der wirklich revolutionäre Teil: Die Zusammenstellung der Wild-Card-Duelle erfolgt, indem die beiden Divisions-Gewinner ihren Gegner aus den restlichen Playoff-Teams aussuchen. Diese Auswahl soll als TV-Ereignis vermarktet werden, bei dem am Abend des regulären Saisonendes live von Teamverantwortlichen verkündet wird, gegen wen sie antreten wollen.
Wenn jemanden meine Ansicht dazu interessiert: Die Idee, die Playoffs auf 14 Teilnehmer aufzublähen, gefällt mir überhaupt nicht, denn das bedeutet eine Entwertung der langen und anstrengenden regulären Saison. Wofür spielt man 162 Spiele, wenn anschließend selbst Teams aus dem grauesten Mittelmaß noch der Weg zur World Series offen steht? Der Vorschlag, in der Wild-Card-Runde vom Einzelspiel wegzukommen und stattdessen eine Best-of-3-Serie zu spielen, gefällt mir hingegen gut. Zu der dritten Idee, der direkten Auswahl des Gegners, habe ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet. Uninteressant klingt sie jedenfalls nicht.
In Kraft treten könnte die Reform zur Saison 2022. Zuvor müsste eine Einigung mit der Spielergewerkschaft MLBPA erzielt werden. Der Chef der Gewerkschaft, Tony Clark, zeigte sich in einer ersten Reaktion von den Plänen überrascht, aber gegenüber einer Erweiterung der Playoffs nicht abgeneigt. Zwischen MLB und MLBPA stehen ohnehin Neuverhandlungen über die Rahmenvereinbarung (CBA) an, da deren aktuelle Fassung 2021 ausläuft.

Roenicke neuer Manager der Red Sox
Kurz vor dem Trainingsauftakt haben die Boston Red Sox noch schnell eine neue sportliche Leitung bestimmt: Der bisherige Bench Coach Ron Roenicke wurde am Dienstag zum Manager befördert. Genauer gesagt trägt er zunächst den Titel „Interimsmanager“, solange noch die Ergebnisse der MLB-Untersuchung der Sign-Stealing-Vorwürfe aus dem Jahr 2018 ausstehen. Da die Red Sox Roenicke den Posten geben, gehen sie offenbar davon aus, dass er in die damaligen Vorgänge nicht signifikant involviert war und dass er keine Bestrafung seitens der Liga zu erwarten hat. Dennoch wartet man vor seiner endgültigen Ernennung verständlicherweise den Abschluss der Untersuchung ab.
Wann die MLB ihre Entscheidung über mögliche Strafen bekannt gibt, ist unklar. Die ursprüngliche Ankündigung war, dass das vor Beginn der Spring-Training-Spiele erledigt sein soll. Nach den Einschätzungen, die bisher durchgedrungen sind, werden die Verstöße der Red Sox von 2018 wohl als weniger massiv eingestuft als die der Astros von 2017. Alex Cora, 2017 Bench Coach der Astros und 2018 bis 2019 Manager der Red Sox, war wegen der ihm zugeschriebenen Rolle in beiden Skandalen im Januar entlassen worden.
Ron Roenicke ist 63 Jahre alt und seit 2018 für die Red Sox tätig. Von 2011 bis 2015 war er Manager der Milwaukee Brewers, davor und danach war er seit 1992 in verschiedenen Rollen als Coach bei den Los Angeles Dodgers und den Los Angeles Angels aktiv.

Trades um Betts, Price, Maeda & Co. sind jetzt offiziell
Dass Mookie Betts und David Price von den Red Sox zu den Los Angeles Dodgers getradet werden, war schon letzte Woche die Top-Neuigkeit. Allerdings hatte ich bereits erwähnt, dass das Gesamtpaket des Blockbuster-Trades, bei dem auch die Minnesota Twins involviert waren, möglicherweise wegen medizinischer Bedenken noch mal aufgeschnürt wird. Genau so ist es gekommen und der endgültige Deal sieht nun folgendermaßen aus: Wie gehabt geben die Red Sox OF Mookie Betts sowie SP David Price an die Dodgers ab und übernehmen rund die Hälfte der 96 Millionen Dollar, die Price bis 2022 noch zustehen; wie gehabt erhalten die Red Sox im Gegenzug OF Alex Verdugo; dazu geben ihnen die Dodgers jetzt noch IF-Prospect Jeter Downs und Minor-League-Catcher Connor Wong.
Die Twins sind an dem Betts-Trade nun nicht mehr beteiligt, sie haben stattdessen einen unabhängigen Deal mit den Dodgers ausgehandelt: Kenta Maeda wechselt wie ursprünglich vorgesehen von den Dodgers zu den Twins. Obendrein senden die Dodgers 10 Millionen Dollar und den jungen Catcher Jair Carmago nach Minnesota. Im Gegenzug wechseln Pitching-Prospect Brusdar Graterol, OF-Prospect Luke Raley und ein Draftpick (#67 in der Draft 2020) zu den Dodgers.

Pederson-Trade entfällt
Ein dritter Trade, der im Zusammenhang mit den beiden eben geschilderten ausgehandelt worden war, ist abgesagt worden: Joc Pederson und Ross Stripling wechseln nicht von den Dodgers zu den Los Angeles Angels. Der Owner der Angels, Arte Moreno, war offenbar verärgert über die durch die anderen Trades verursachte Verzögerung und entschied daher, die Verhandlungen abzubrechen. Sinn ergibt das in meinen Augen nicht, denn es war von vornherein klar, dass die Trades zusammenhängen. Und nachdem die Dodgers von den Twins nun einen weiteren Outfielder und einen weiteren Pitcher bekommen haben, erschiene eine Trennung von Pederson und Stripling umso logischer. Man wird sehen, ob sich im Laufe der nächsten Tage für die beiden noch etwas Neues ergibt – andernfalls müssen sie damit leben, weiterhin für den Klub zu spielen, der sie durch den versuchten Trade bereits als verzichtbar abgestempelt hatte.

Spielertausch zwischen Padres und Rays
Neben den ganzen geänderten oder abgesagten Geschäften aus der letzten Woche habe ich auch noch einen komplett neuen Trade im Angebot: Die San Diego Padres und die Tampa Bay Rays haben sich zum zweiten Mal in dieser Offseason auf ein Tauschgeschäft geeinigt. Die Rays schicken RP Emilio Pagan nach San Siego, dafür wechseln OF Manuel Margot und C/OF-Prospect Logan Driscoll zu den Rays. Beide Teams festigen damit bestehende Stärken. Pagan bildet mit Kirby Yates und Andres Munoz in San Diego künftig ein starkes Trio von Relievern, deren Rollenverteilung in den späten Innings noch zu klären ist. Margot ist ein defensivstarker Centerfielder und als solcher die Absicherung für den Fall, dass sein neuer Teamkamerad Kevin Kiermaier wieder von Verletzungen heimgesucht wird.

Pillar zu den Red Sox
Auch die Red Sox verpflichten einen Centerfielder: Kevin Pillar ergänzt das Bostoner Outfield, in dessen voraussichtlicher Stammbesetzung nach dem Trade von Mookie Betts mit Andrew Benintendi, Jackie Bradley Jr. und Alex Verdugo nur noch Linkshänder zugange sind. Als Rechtshänder, der seine besten Offensivleistungen gegen linkshändige Pitcher erbringt, ist Pillar eine sinnvolle Bereicherung. Der Deal ist noch nicht offiziell, dementsprechend gibt es auch noch keine Vertragsdetails.

Pence zurück in San Francisco
Hunter Pence hat schon für vier verschiedene MLB-Teams gespielt, aber irgendwie erschien es mir seltsam, ihn letztes Jahr in einem anderen Trikot als dem der San Francisco Giants zu sehen. Falls es anderen auch so ging, dass sie sich an Pence in Rangers-blau nicht recht gewöhnen konnten, ist jetzt alles wieder gut: Der Outfielder ist zurück an der Bay, die Giants nehmen ihn für 3 Millionen Dollar unter Vertrag. Über Einsatzboni kann der 36-Jährige sein Einkommen um bis zu 2,5 Millionen Dollar erhöhen. Seine Rolle – neben der der Identifikationsfigur für die Madison Bumgarner nachtrauernden Fans – ist eine ähnliche, wie Pillar sie in Boston spielen wird. Auch in San Francisco besteht das Stamm-Outfield mit Mike Yastrzemski, Alex Dickerson und Steven Duggar ausschließlich aus Linkshändern, und Pence ist ein Kandidat dafür, den primären rechtshändigen Ergänzungsspieler darzustellen.

Maybin nach Detroit
Noch ein Rückkehrer: Outfielder Cameron Maybin unterschreibt für ein Jahr und 1,5 Millionen Dollar bei den Detroit Tigers. Maybin läuft damit zum dritten Mal für die Tigers auf, welche ihn 2005 gedraftet und an die MLB herangeführt hatten, bevor sie ihn 2007 zu den Mariners tradeten. 2016 spielte Maybin erneut für die Tigers. Der 32-Jährige hatte letztes Jahr mit den Yankees die stärkste Saison seiner Karriere (.285/.364/.494). Für die im Rebuilding befindlichen Tigers ist er eine solide Ergänzung und möglicherweise ein Tradechip, der sich zur Mitte der Saison gegen Talente eintauschen lässt.

Mariners signen Walker
Auch Pitcher Taijuan Walker kehrt zurück an eine frühere Wirkungsstätte: Er heuert für 2 Millionen Dollar für ein Jahr bei den Seattle Mariners an, von denen er 2010 gedraftet wurde und für die er von 2013 bis 2016 in der MLB spielte. Walker kommt mit dem Fragezeichen, ob er wieder der solide Starter sein kann, der er bis 2017 war, nachdem er die Saisons 2018 und 2019 wegen einer Tommy-John-Surgery und weiteren Verletzungen fast vollständig verpasste.

Neuer Käufer für die Mets gesucht
Der ursprünglich geplante Verkauf der Anteilsmehrheit an den New York Mets an den Hedgefonds-Unternehmer Steve Cohen ist, wie sich letzte Woche schon abzeichnete, geplatzt. Jeff Wilpon, der COO der Mets und Sohn des Haupteigentümers Fred Wilpon, hat Anfang der Woche ein Statement herausgegeben. Darin beruft er sich hinsichtlich der Gründe des gescheiterten Geschäfts auf vereinbartes Stillschweigen, lässt aber durchblicken, dass er und sein Vater weiterhin nach einem Käufer für das Team suchen. Anhänger der Mets dürfen also nach wie vor hoffen, dass die Ära der ungeliebten Wilpons-Ownerschaft in absehbarer Zeit endet. Wenn ihr ein paar Milliarden (3 dürften reichen) übrig habt und euch schon immer den Traum erfüllen wolltet, eine MLB-Franchise zu besitzen: Hier ist eure Chance!

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Juli 8th, 2019 by Silversurger

…die in der MLB noch nie passiert sind! Damit meine ich nicht das unfassbare Comeback, das Nordmeister Solingen Alligators in Spiel 5 des Viertelfinales gegen die Mannheim Tornados hingelegt hat. 7:0 waren die Tornados in der oberen Hälfte des ersten Innings vorangestürmt, 10:7 hatten sie noch zur Mitte des neunten Durchgangs geführt. Doch ein 3-Run-Homerun von Gerwuins Velazco brachte die Alligators in die Verlängerung, und im zehnten gelang durch ein RBI-Single von Lars Szameitpreuß der Walkoff-Sieg.

Ein solches Comeback sieht man nicht alle Tage, aber es ist auch nichts noch nie da Gewesenes. Zum Beispiel kassierten vor ziemlich genau 30 Jahren, am 8. Juni 1989, die Philadelphia Phillies in einem Spiel gegen die Pittsburgh Pirates im ersten Inning zehn Runs und gewannen am Ende 15:11 – was einem Fernsehkommentator einen ziemlich langen Fußmarsch bescherte.

Solingen trifft nun im Halbfinale auf Titelverteidiger Bonn Capitals. Auch bei den Capitals ging es im Viertelfinale dramatisch zu: Gegen die Regensburg Legionäre benötigten sie die volle Distanz von fünf Spielen und obwohl die Bonner in Spiel 5 zwischenzeitlich mit 6:0 vorne lagen, mussten sie am Ende froh sein, es mit 7:6 gerade so nach Hause zu schaukeln.

Die anderen beiden Halbfinalteilnehmer erledigten ihre Aufgaben souveräner: Die Heidenheim Heideköpfe gewannen mit 3:1 Siegen gegen die Paderborn Untouchables. Ihr Gegner im Halbfinale sind die Mainz Athletics, die gegen die Dohren Wild Farmers den einzigen Sweep der Runde vollbrachten. Nach zwei knappen Heimsiegen vom vorherigen Wochenende waren die Mainzer am Samstag in Dohren nicht zu bremsen. Die ersten fünf Batter des Spiels scorten allesamt und in fast jedem weiteren Inning bauten die A’s ihre Führung aus. Für die Wild Farmers muss sich der verregnete Nachmittag unendlich lang angefühlt haben, bis beim Stand von 20:0 nach sieben Innings die Mercy Rule griff.

Die Halbfinalserien beginnen am kommenden Wochenende mit Heimspielen der besser platzierten Teams: Mainz empfängt Heidenheim am Samstag um 16 Uhr und am Sonntag um 14 Uhr, Solingen und Bonn duellieren sich an beiden Tagen ab 14 Uhr.

Jetzt aber endlich zu dem Vorkommnis, das es in der MLB noch nie gegeben hat: In Wesseling musste ein Playdown-Spiel der Vermins gegen die Bremen Dockers abgebrochen werden, weil die Gäste nicht mehr genug Spieler zur Verfügung hatten. Vorausgegangen waren wilde Szenen, die zu mehreren Platzverweisen gegen Bremen und letztlich zur Zwangsniederlage führten. Den Regeln nach wird das Spiel 9:0 für die Vermins gewertet, obwohl diese zum Zeitpunkt des Spielabbruchs bereits 10:0 geführt hatten. Allein im dritten Inning hatte Wesseling sieben Runs gescort, übrigens ohne einen einzigen Hit zu erzielen: durch sechs Walks, etliche Wild Pitches und schließlich vier abgeworfene Batter hintereinander bei geladenen Bases.

Nachdem Wesseling bereits das erste Spiel des Doubleheaders 5:3 für sich entschieden hatte, stehen die Vermins und die Dockers in der Tabelle nun mit jeweils vier Siegen gleichauf. Eines der beiden Teams wird am Ende den direkten Abstiegsplatz belegen, das andere schafft es in die Relegationsrunde. Am 27. Juli treffen die beiden Kontrahenten erneut aufeinander und ich wünsche mir zwei Dinge: erstens, dass die Entscheidung tatsächlich in diesen direkten Duellen fällt und nicht in den jeweiligen Partien gegen Hamburg und Köln, für die die Abstiegsrunde nicht mehr als eine Reihe besserer Freundschaftsspiele ist; zweitens natürlich, dass es spannende und vor allem faire Baseballspiele ohne vergiftete Atmosphäre werden.

Der Vollständigkeit halber ein kurzer Blick in die Abstiegsrunde der Bundesliga Süd: Die Saarlouis Hornets haben bei den Haar Disciples einen überraschenden 17:7-Erfolg eingefahren. Der Rückstand der Hornets auf die Ulm Falcons und damit auf den Relegationsplatz – vier Siege und ein bereits verlorener direkter Vergleich – scheint jedoch immer noch uneinholbar. Genauso uneinholbar liegen Haar und die Stuttgart Reds vor den Falcons, sodass die Playdowns im Süden leider kaum Aufregendes zu bieten haben.

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