September 28th, 2020 by Silversurger

Es lief längst nicht alles glatt in der wegen Corona verkürzten MLB-Saison 2020, aber der erste große Meilenstein ist erreicht: Die reguläre Saison wurde wettbewerbsgerecht durchgeführt und abgeschlossen, sodass jetzt die Playoffs folgen können. Um die Teilnehmerplätze wurde vor allem in der National League bis zum letzten Tag gerungen. Auf der Zielgeraden war es eher ein Schneckenrennen, denn die Brewers verloren zwar ihr letztes Spiel, profitierten aber davon, dass sowohl die Giants als auch die Phillies es ihnen gleichtaten. Anscheinend war niemand besonders wild darauf, bei den Dodgers antreten zu müssen…

Die Best-of-3-Serien der Wild-Card-Runde finden komplett im Stadion des höher gesetzten Teams statt und werden ohne Pausentag durchgezogen. Den Anfang machen die Teams der American League, die am Dienstag, Mittwoch und (sofern das dritte Spiel nötig ist) am Donnerstag spielen. Die Serien der National League laufen von Mittwoch bis Freitag. Die nächste Runde der Playoffs, die Divisional-Series, beginnt nächste Woche am Montag (AL) bzw. Dienstag (NL).

American League
Tampa Bay Rays vs. Toronto Blue Jays
Das Duell der Nr. 1 gegen die Nr. 8 der AL ist das einzige zwischen zwei Teams, die sich schon während der regulären Saison gesehen haben. In diesen Spielen behielten die Rays mit 6:4 Siegen die Oberhand, und natürlich gehen sie auch in die Playoffs als Favorit. Für die Blue Jays ist es bereits ein Riesenerfolg, so weit gekommen zu sein in einem Jahr, in dem sie wegen Coronaauflagen kein einziges Spiel in ihrem eigenen Stadion absolvieren durften.

Oakland Athletics vs. Chicago White Sox
Das junge Team der White Sox schien auf dem besten Weg, die AL Central zu gewinnen, doch auf der Zielgeraden geriet es spürbar ins Stolpern mit nur noch zwei Siegen aus den letzten acht Spielen. Damit haben sie sich eingehandelt, bei den Athletics antreten zu müssen, die die AL West in diesem Jahr massiv dominiert haben.

Minnesota Twins vs. Houston Astros
Die Twins haben in den letzten Spielen alles dafür gegeben, nicht wieder gegen die Yankees antreten zu müssen, gegen die ihre letzten vier Playoffteilnahmen allesamt in der ersten Runde endeten. Das ist gelungen, indem das Kepler-Team sich den Divisionssieg und damit Rang 3 auf der Setzliste sicherte. Nun dürfen sie zu Hause antreten gegen die Houston Astros, das ehemalige Spitzenteam, welches nach dem Sign-Stealing-Skandal und einer negativen Saisonbilanz seinen Schrecken weitgehend verloren hat.

Cleveland Indians vs. New York Yankees
Auch eine interessante Paarung: Das Team mit der stärksten Offense der AL – die Yankees mit 315 erzielten Runs – trifft auf das Team mit der besten Defense der MLB – die Indians mit nur 209 zugelassenen Runs. Sowohl die Indians als auch die Yankees hatten in der ersten Septemberhälfte einen Durchhänger und gerieten in Gefahr, die Playoff-Teilnahme zu verspielen. Beide haben sich dann wieder gefangen und spielen nun die Teilnahme an der Divisional-Runde untereinander aus.

National League
Los Angeles Dodgers vs. Milwaukee Brewers
Die Dodgers waren vor der Saison der große Favorit, und bisher sind sie allen Erwartungen gerecht geworden: Zum achten Mal in Folge haben sie die NL West gewonnen und das mit einer Winning Percentage von 71,7%  und somit der besten MLB-Saison eines Teams seit 1954. Die Brewers sind trotz einer negativen Bilanz gerade noch ins Playoff-Feld gerutscht und somit krasser Außenseiter gegen das Über-Team aus Los Angeles.

Atlanta Braves vs. Cincinnati Reds
Während die drei Mit-Favoriten in der vermeintlich starken NL East enttäuschten, sicherten die Braves sich souverän den dritten Divisionssieg in Folge. Nun wollen sie endlich mal über die erste Playoff-Runde hinauskommen, was ihnen die letzten neun Male verwehrt blieb. Die Reds haben es zum ersten Mal seit sieben Jahren in die Postseason geschafft. Nicht zuletzt wegen der überragenden Form von Cy-Young-Kandidat Trevor Bauer könnten sie für eine weitere Überraschung gut sein.

Chicago Cubs vs. Miami Marlins
Die Cubs hatten unter ihrem neuen Manager David Ross einen sehr starken Start in die Saison und cruisten den Rest des Weges mit wechselhaften Leistungen zum Divisionssieg. Vor dem Überraschungsteam aus Miami sollten sie gewarnt sein: Die Marlins haben bisher noch nie eine Playoff-Serie verloren. Bei ihren beiden bislang einzigen Teilnahmen, 1997 und 2003, holten sie immer gleich die World Series.

San Diego Padres vs. St. Louis Cardinals
Als Divisionszweiter ist „Slam Diego“ zwar nur an Nummer 4 gesetzt, aber nach Siegen und Run Differential sind die Padres das zweitstärkste Team der NL. In der Heimserie gegen St. Louis sehe ich sie als deutlichen Favoriten. Andererseits haben die Cardinals dieses Jahr schon unter Beweis gestellt, dass sie in der Lage sind, widrigsten Umständen zu trotzen – man denke nur an ihre 16-tägige Pause wegen Coronafällen und an die vielen, vielen Doubleheader, die sie deswegen den Rest der Saison über spielen mussten.

 

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September 24th, 2020 by Silversurger

Nur noch drei bis fünf Spiele je Team, dann ist die MLB-Saison des Corona-Jahres 2020 Geschichte. Vor allem in der National League steht noch ein aufregendes Wochenende bevor, denn das Playoffrennen gestaltet sich auf der Schlussgeraden extrem spannend. Nach nur einem Tag Pause geht es am Dienstag schon los mit der Wild-Card-Runde, in der dieses Jahr alle 16 qualifizierten Teams in Best-of-3-Serien antreten müssen.   

National League
Den ersten Platz in der NL West sowie in der Setzliste der NL haben sich die Los Angeles Dodgers (39-17) bereits fest gesichert. Auch die Atlanta Braves (34-22), die Chicago Cubs (32-24) und die San Diego Padres (34-22) haben das Playoffticket in der Tasche und werden in der Wild-Card-Runde Heimrecht genießen.

Ein Hauen und Stechen gibt es am Schlusswochenende um die Playoffplätze fünf bis acht. Sechs Teams machen sich noch berechtigte Hoffnungen. Sie alle liegen zurzeit höchstens einen Sieg über oder unter einer ausgeglichenen Bilanz und damit extrem eng beieinander. Zu vergeben sind zum einen noch die zweiten Plätze in der NL East und in der NL Central. Diese gingen derzeit an die Miami Marlins (28-28) und an die St. Louis Cardinals (27-26). Hinzu kommen die beiden Wild-Card-Plätze, die momentan die San Francisco Giants (28-27) und die Cincinnati Reds (29-28) belegen. In die Röhre schauen würden aktuell die Philadelphia Phillies (28-29) und die Milwaukee Brewers (27-28).

Im Restprogramm dieser Teams sticht vor allem die Serie zwischen den Cardinals und den Brewers ins Auge. Fünf Spiele haben die beiden Teams noch gegeneinander zu absolvieren und können somit jeweils aus eigener Kraft die Qualifikation für die Postseason klar machen. Falls sie sich die Siege teilen, freuen sich womöglich die Reds – sofern sie selbst ihre Hausaufgaben in den drei Spielen in Minnesota machen.

Das Überraschungsteam schlechthin in diesem Jahr sind die Marlins, doch ihnen drohen auf den letzten Metern die Felle davonzuschwimmen: Nach vier Niederlagen in Folge haben sie plötzlich nur noch ein halbes Spiel Vorsprung auf die Phillies. Ein weiteres Spiel bei den Braves und zum Abschluss drei bei den Yankees klingen nicht gerade nach einem vielversprechenden Finnish für die Marlins. Allerdings haben es die Phillies, die dreimal bei den Rays antreten müssen, auch nicht einfacher.

Bleiben noch die Giants, die heute noch mal gegen die Rockies und dann viermal gegen die Padres antreten. Auch das ist kein leichtes Restprogramm, aber im Gesamtbild erscheint es mir recht wahrscheinlich, dass wir die Giants nächste Woche in den Playoffs sehen.

Wichtig zu wissen ist noch, dass es – anders als in normalen Jahren – keine kurzfristig angesetzten Tiebreaker-Spiele gibt, wenn zwei oder mehr Teams den Kampf um die Playoffs mit identischer Bilanz abschließen. In einem solchen Fall wird zuerst der direkte Vergleich zwischen den Teams herangezogen; wenn es keinen gibt oder er ebenfalls unentschieden steht, werden als nächstes die Bilanzen innerhalb der Division herangezogen, dann die Bilanz der letzten 20 Spiele und falls nötig die der letzten 21, 22 usw. bis eine Entscheidung da ist.

American League
In der AL sind fast alle Entscheidungen gefallen. Dass sich noch Änderungen am seit Wochen absehbaren Playoff-Bild ergeben, ist kaum mehr als eine theoretische Möglichkeit. 

Die AL East geht hieb- und stichfest an die Tampa Bay Rays (37-20), der zweite Platz an die New York Yankees (32-24). Die Toronto Blue Jays (29-27) sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit per Wild-Card ebenfalls in den Playoffs. Dort müssen sie auf ihren Closer Ken Giles verzichten, der am Montag – ausgerechnet an seinem 30. Geburtstag – erfuhr, dass er sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen muss. Als Achter der Setzliste werden die Blue Jays in der Wild-Card-Runde zur Nummer eins der AL reisen, also entweder zu den Rays oder den Athletics.

In der AL Central machen die Minnesota Twins (35-22) und die Chicago White Sox (34-22) die Plätze eins und zwei per Fernduell unter sich aus. Der Verlierer dieses Duells muss in den Playoffs voraussichtlich gegen die Yankees ran, während der Gewinner es mit den Astros zu tun bekommt. Die Cleveland Indians (32-24) werden wohl nicht über Platz drei in der Division hinauskommen, haben aber zumindest über die Wild-Card die Playoff-Teilnahme schon sicher. Nach einer Schwächephase in der vorletzten Woche scheinen die Indians gerade rechtzeitig wieder ihren Schwung gefunden zu haben, um in der K.O.-Runde erhobenen Hauptes nach Oakland oder Tampa Bay zu reisen.

Die Oakland Athletics (34-21) gewinnen die AL West mit großem Abstand. Für sie ist nur noch offen, ob es am Ende Platz eins oder zwei in der gesamten AL und der Gegner in der ersten Runde somit Toronto oder Cleveland wird. Fast sicher dabei sind auch die Houston Astros (28-28). Allerdings sehen sie zurzeit nach dem schwächsten Playoffteam der AL aus, nachdem sie sich mehr schlecht als recht mit 9-14 durch den September geschleppt haben und nun auch noch ihr Pitching-Ass Justin Verlander langfristig verletzt ausfällt. Sollten die Astros in der letzten Serie bei den Texas Rangers (19-37) massiv untergehen, könnten sogar noch die Los Angeles Angels (26-31) oder die Seattle Mariners (25-31) in die Playoffs rutschen. 

Szene der Woche
Es ist mal wieder Zeit, „unseren“ MLB-Star Max Kepler zu feiern. Am Dienstag durfte er im Spiel seiner Twins gegen die Detroit Tigers gleich zweimal den Helden spielen: zuerst im achten Inning, als ihm per Solo-Homerun der Ausgleich gelang, und dann erneut im zehnten Inning, in dem er mit einem Walk-Off-Single das Spiel für sein Team entschied.

Statistik der Woche 
14. So viele Strikeouts erzielte Mets-Pitcher Jacob deGrom am Montag in einem Spiel – zum zweiten Mal in dieser Saison. Er hat damit 2020 doppelt so viele 14-Strikeout-Spiele wie der Rest der Liga zusammen (Shane Bieber am Opening Day, falls jemand fragt). Typisch Mets allerdings: Das Spiel ging 1:2 verloren. Sollte deGrom dieses Jahr zum dritten Mal hintereinander den Cy-Young-Award gewinnen, so wäre er nach Greg Maddux und Randy Johnson der dritte in der MLB-Geschichte, dem dies gelingt – und der erste, dessen Team in dem Zeitraum kein einziges Mal die Playoffs erreichte.

Spiel der Woche
Fast wäre es das Highlight des Jahres für die Pittsburgh Pirates geworden: Das schwächste Team der MLB durfte sich sechs Innings lang an einem No-Hitter seines jungen Starters Mitch Keller erfreuen. 4:0 lagen die Pirates vorne, als Keller trotz seiner überragenden Leistung nach 84 Pitches ausgewechselt wurde – eine Vorsichtsmaßnahme, da es erst sein zweites Spiel nach einer Verletzungspause war. Auf seinen Bullpen konnte Keller sich leider nicht verlassen. Die Reliever Geoff Hartlieb und Sam Howard wurden von den Cardinals prompt mit 5 Runs begrüßt und gaben somit das Spiel aus der Hand. 

Mein Einschalttipp
An diesem Wochenende lohnt es sich, vor allem in all die Spiele hineinzuschauen, die ich im Abschnitt über die National League und das Rennen um die Playoffplätze fünf bis acht erwähnt habe. Vielleicht kommt es sogar am Sonntag ab 21:15 Uhr unserer Zeit zu einem echten Endspiel um die Playoffteilnahme zwischen den Brewers und den Cardinals.

Außerdem stehen in der Baseball-Bundesliga am Samstag und am Sonntag die ersten Halbfinalspiele zwischen den Bonn Capitals und den Paderborn Untouchables sowie zwischen den Regensburg Legionären und den Heidenheim Heideköpfen an. Alle Spiele werden live gestreamt, die Zeiten und Links dazu findet ihr hier

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Juli 24th, 2020 by Silversurger

Die MLB ist gestern wie geplant mit zwei Eröffnungsspielen in die Saison 2020 gestartet. Beim 4:1 der Yankees über die Nationals und beim 8:1 der Dodgers über die Giants fuhren die jeweiligen Top-Favoriten der National League und der American League die ersten Siege ein. Eine faustdicke Überraschung gab es am Opening Day aber dennoch, und zwar schon wenige Stunden vor dem zeremoniellen ersten Pitch des US-Chef-Virologen Anthony Fauci: Die Spielergewerkschaft MLBPA und die Vertreter der Klubs einigten sich auf den letzten Drücker doch noch, die Playoffs in diesem Jahr zu erweitern. 

Anstelle der üblichen 10 werden in dieser besonderen Saison 16 Teams an der Endrunde um die Meisterschaft teilnehmen. Qualifiziert sind in jedem Fall die Mannschaften, die auf Platz eins oder zwei ihrer Division landen. Hinzu kommen jeweils zwei weitere Teams in der AL und der NL, basierend auf den besten Bilanzen aus der regulären Saison. 

Die erste Runde der Playoffs, die Wildcard-Runde, besteht dieses Jahr aus acht Best-of-3-Serien. Diese finden an drei aufeinander folgenden Tagen im Heimstadion des (anhand der Saisonbilanz) höher gesetzten Teams statt. Im Anschluss an diese besondere Runde gehen die Playoffs weiter wie gewohnt: je Liga zwei Divisional-Serien (Best-of-5), dann je eine League-Championship-Serie (Best-of-7) und schließlich die World Series, ebenfalls im gewohnten Modus Best-of-7.

Die erweiterten Playoffs ermöglichen mehr Einnahmen für die Vereine (vor allem aus Übertragungsrechten) und für die Spieler sowie etwas mehr Baseball für die Fans am Ende der pandemiebedingt stark verkürzten und eingeschränkten Saison. Dass man eine solche für alle Seiten sinnvolle Einigung nicht schon vor Wochen gefunden hat, fand ich sehr befremdlich – aber nun hat man ja gerade so noch die Kurve bekommen. 

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Februar 13th, 2020 by Silversurger

Baseball is back: Während der letzten Tage haben jedenfalls schon mal die Pitcher und Catcher aller Teams in den Trainigscamps in Florida und Arizona die Saisonvorbereitung aufgenommen. Die restlichen Spieler folgen in den nächsten Tagen und schon Ende nächster Woche geht es los mit dem täglichen Testspielbetrieb des Spring Trainings. Damit uns das Warten darauf nicht langweilig wird, hat die Ligaleitung Pläne für eine radikale Reform der MLB-Playoffs durchsickern lassen, die zurzeit heiß diskutiert werden.

Demnächst 14 Playoff-Teams?
Die Pläne der Liga sollen drei wesentliche Neuerungen vorsehen:
1. Die Anzahl der Playoffteilnehmer soll von 10 auf 14 Teams erhöht werden. Es würden dann in jeder der beiden Teilligen AL und NL die drei Divisionssieger sowie die vier Teams mit den nächstbesten Bilanzen an der Postseason teilnehmen.
2. Anstelle des einzelnen Wild-Card-Spiels soll eine Playoff-Runde treten, von der nur das stärkste Team der jeweiligen Teilliga befreit ist. Dieses Team ist für die zweite Runde gesetzt. Die anderen sechs Teams spielen paarweise Best-of-3-Duelle gegeneinander, wobei das Team mit der stärkeren Bilanz in allen drei Spielen Heimrecht hat.
3. Jetzt kommt der wirklich revolutionäre Teil: Die Zusammenstellung der Wild-Card-Duelle erfolgt, indem die beiden Divisions-Gewinner ihren Gegner aus den restlichen Playoff-Teams aussuchen. Diese Auswahl soll als TV-Ereignis vermarktet werden, bei dem am Abend des regulären Saisonendes live von Teamverantwortlichen verkündet wird, gegen wen sie antreten wollen.
Wenn jemanden meine Ansicht dazu interessiert: Die Idee, die Playoffs auf 14 Teilnehmer aufzublähen, gefällt mir überhaupt nicht, denn das bedeutet eine Entwertung der langen und anstrengenden regulären Saison. Wofür spielt man 162 Spiele, wenn anschließend selbst Teams aus dem grauesten Mittelmaß noch der Weg zur World Series offen steht? Der Vorschlag, in der Wild-Card-Runde vom Einzelspiel wegzukommen und stattdessen eine Best-of-3-Serie zu spielen, gefällt mir hingegen gut. Zu der dritten Idee, der direkten Auswahl des Gegners, habe ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet. Uninteressant klingt sie jedenfalls nicht.
In Kraft treten könnte die Reform zur Saison 2022. Zuvor müsste eine Einigung mit der Spielergewerkschaft MLBPA erzielt werden. Der Chef der Gewerkschaft, Tony Clark, zeigte sich in einer ersten Reaktion von den Plänen überrascht, aber gegenüber einer Erweiterung der Playoffs nicht abgeneigt. Zwischen MLB und MLBPA stehen ohnehin Neuverhandlungen über die Rahmenvereinbarung (CBA) an, da deren aktuelle Fassung 2021 ausläuft.

Roenicke neuer Manager der Red Sox
Kurz vor dem Trainingsauftakt haben die Boston Red Sox noch schnell eine neue sportliche Leitung bestimmt: Der bisherige Bench Coach Ron Roenicke wurde am Dienstag zum Manager befördert. Genauer gesagt trägt er zunächst den Titel „Interimsmanager“, solange noch die Ergebnisse der MLB-Untersuchung der Sign-Stealing-Vorwürfe aus dem Jahr 2018 ausstehen. Da die Red Sox Roenicke den Posten geben, gehen sie offenbar davon aus, dass er in die damaligen Vorgänge nicht signifikant involviert war und dass er keine Bestrafung seitens der Liga zu erwarten hat. Dennoch wartet man vor seiner endgültigen Ernennung verständlicherweise den Abschluss der Untersuchung ab.
Wann die MLB ihre Entscheidung über mögliche Strafen bekannt gibt, ist unklar. Die ursprüngliche Ankündigung war, dass das vor Beginn der Spring-Training-Spiele erledigt sein soll. Nach den Einschätzungen, die bisher durchgedrungen sind, werden die Verstöße der Red Sox von 2018 wohl als weniger massiv eingestuft als die der Astros von 2017. Alex Cora, 2017 Bench Coach der Astros und 2018 bis 2019 Manager der Red Sox, war wegen der ihm zugeschriebenen Rolle in beiden Skandalen im Januar entlassen worden.
Ron Roenicke ist 63 Jahre alt und seit 2018 für die Red Sox tätig. Von 2011 bis 2015 war er Manager der Milwaukee Brewers, davor und danach war er seit 1992 in verschiedenen Rollen als Coach bei den Los Angeles Dodgers und den Los Angeles Angels aktiv.

Trades um Betts, Price, Maeda & Co. sind jetzt offiziell
Dass Mookie Betts und David Price von den Red Sox zu den Los Angeles Dodgers getradet werden, war schon letzte Woche die Top-Neuigkeit. Allerdings hatte ich bereits erwähnt, dass das Gesamtpaket des Blockbuster-Trades, bei dem auch die Minnesota Twins involviert waren, möglicherweise wegen medizinischer Bedenken noch mal aufgeschnürt wird. Genau so ist es gekommen und der endgültige Deal sieht nun folgendermaßen aus: Wie gehabt geben die Red Sox OF Mookie Betts sowie SP David Price an die Dodgers ab und übernehmen rund die Hälfte der 96 Millionen Dollar, die Price bis 2022 noch zustehen; wie gehabt erhalten die Red Sox im Gegenzug OF Alex Verdugo; dazu geben ihnen die Dodgers jetzt noch IF-Prospect Jeter Downs und Minor-League-Catcher Connor Wong.
Die Twins sind an dem Betts-Trade nun nicht mehr beteiligt, sie haben stattdessen einen unabhängigen Deal mit den Dodgers ausgehandelt: Kenta Maeda wechselt wie ursprünglich vorgesehen von den Dodgers zu den Twins. Obendrein senden die Dodgers 10 Millionen Dollar und den jungen Catcher Jair Carmago nach Minnesota. Im Gegenzug wechseln Pitching-Prospect Brusdar Graterol, OF-Prospect Luke Raley und ein Draftpick (#67 in der Draft 2020) zu den Dodgers.

Pederson-Trade entfällt
Ein dritter Trade, der im Zusammenhang mit den beiden eben geschilderten ausgehandelt worden war, ist abgesagt worden: Joc Pederson und Ross Stripling wechseln nicht von den Dodgers zu den Los Angeles Angels. Der Owner der Angels, Arte Moreno, war offenbar verärgert über die durch die anderen Trades verursachte Verzögerung und entschied daher, die Verhandlungen abzubrechen. Sinn ergibt das in meinen Augen nicht, denn es war von vornherein klar, dass die Trades zusammenhängen. Und nachdem die Dodgers von den Twins nun einen weiteren Outfielder und einen weiteren Pitcher bekommen haben, erschiene eine Trennung von Pederson und Stripling umso logischer. Man wird sehen, ob sich im Laufe der nächsten Tage für die beiden noch etwas Neues ergibt – andernfalls müssen sie damit leben, weiterhin für den Klub zu spielen, der sie durch den versuchten Trade bereits als verzichtbar abgestempelt hatte.

Spielertausch zwischen Padres und Rays
Neben den ganzen geänderten oder abgesagten Geschäften aus der letzten Woche habe ich auch noch einen komplett neuen Trade im Angebot: Die San Diego Padres und die Tampa Bay Rays haben sich zum zweiten Mal in dieser Offseason auf ein Tauschgeschäft geeinigt. Die Rays schicken RP Emilio Pagan nach San Siego, dafür wechseln OF Manuel Margot und C/OF-Prospect Logan Driscoll zu den Rays. Beide Teams festigen damit bestehende Stärken. Pagan bildet mit Kirby Yates und Andres Munoz in San Diego künftig ein starkes Trio von Relievern, deren Rollenverteilung in den späten Innings noch zu klären ist. Margot ist ein defensivstarker Centerfielder und als solcher die Absicherung für den Fall, dass sein neuer Teamkamerad Kevin Kiermaier wieder von Verletzungen heimgesucht wird.

Pillar zu den Red Sox
Auch die Red Sox verpflichten einen Centerfielder: Kevin Pillar ergänzt das Bostoner Outfield, in dessen voraussichtlicher Stammbesetzung nach dem Trade von Mookie Betts mit Andrew Benintendi, Jackie Bradley Jr. und Alex Verdugo nur noch Linkshänder zugange sind. Als Rechtshänder, der seine besten Offensivleistungen gegen linkshändige Pitcher erbringt, ist Pillar eine sinnvolle Bereicherung. Der Deal ist noch nicht offiziell, dementsprechend gibt es auch noch keine Vertragsdetails.

Pence zurück in San Francisco
Hunter Pence hat schon für vier verschiedene MLB-Teams gespielt, aber irgendwie erschien es mir seltsam, ihn letztes Jahr in einem anderen Trikot als dem der San Francisco Giants zu sehen. Falls es anderen auch so ging, dass sie sich an Pence in Rangers-blau nicht recht gewöhnen konnten, ist jetzt alles wieder gut: Der Outfielder ist zurück an der Bay, die Giants nehmen ihn für 3 Millionen Dollar unter Vertrag. Über Einsatzboni kann der 36-Jährige sein Einkommen um bis zu 2,5 Millionen Dollar erhöhen. Seine Rolle – neben der der Identifikationsfigur für die Madison Bumgarner nachtrauernden Fans – ist eine ähnliche, wie Pillar sie in Boston spielen wird. Auch in San Francisco besteht das Stamm-Outfield mit Mike Yastrzemski, Alex Dickerson und Steven Duggar ausschließlich aus Linkshändern, und Pence ist ein Kandidat dafür, den primären rechtshändigen Ergänzungsspieler darzustellen.

Maybin nach Detroit
Noch ein Rückkehrer: Outfielder Cameron Maybin unterschreibt für ein Jahr und 1,5 Millionen Dollar bei den Detroit Tigers. Maybin läuft damit zum dritten Mal für die Tigers auf, welche ihn 2005 gedraftet und an die MLB herangeführt hatten, bevor sie ihn 2007 zu den Mariners tradeten. 2016 spielte Maybin erneut für die Tigers. Der 32-Jährige hatte letztes Jahr mit den Yankees die stärkste Saison seiner Karriere (.285/.364/.494). Für die im Rebuilding befindlichen Tigers ist er eine solide Ergänzung und möglicherweise ein Tradechip, der sich zur Mitte der Saison gegen Talente eintauschen lässt.

Mariners signen Walker
Auch Pitcher Taijuan Walker kehrt zurück an eine frühere Wirkungsstätte: Er heuert für 2 Millionen Dollar für ein Jahr bei den Seattle Mariners an, von denen er 2010 gedraftet wurde und für die er von 2013 bis 2016 in der MLB spielte. Walker kommt mit dem Fragezeichen, ob er wieder der solide Starter sein kann, der er bis 2017 war, nachdem er die Saisons 2018 und 2019 wegen einer Tommy-John-Surgery und weiteren Verletzungen fast vollständig verpasste.

Neuer Käufer für die Mets gesucht
Der ursprünglich geplante Verkauf der Anteilsmehrheit an den New York Mets an den Hedgefonds-Unternehmer Steve Cohen ist, wie sich letzte Woche schon abzeichnete, geplatzt. Jeff Wilpon, der COO der Mets und Sohn des Haupteigentümers Fred Wilpon, hat Anfang der Woche ein Statement herausgegeben. Darin beruft er sich hinsichtlich der Gründe des gescheiterten Geschäfts auf vereinbartes Stillschweigen, lässt aber durchblicken, dass er und sein Vater weiterhin nach einem Käufer für das Team suchen. Anhänger der Mets dürfen also nach wie vor hoffen, dass die Ära der ungeliebten Wilpons-Ownerschaft in absehbarer Zeit endet. Wenn ihr ein paar Milliarden (3 dürften reichen) übrig habt und euch schon immer den Traum erfüllen wolltet, eine MLB-Franchise zu besitzen: Hier ist eure Chance!

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Juli 8th, 2019 by Silversurger

…die in der MLB noch nie passiert sind! Damit meine ich nicht das unfassbare Comeback, das Nordmeister Solingen Alligators in Spiel 5 des Viertelfinales gegen die Mannheim Tornados hingelegt hat. 7:0 waren die Tornados in der oberen Hälfte des ersten Innings vorangestürmt, 10:7 hatten sie noch zur Mitte des neunten Durchgangs geführt. Doch ein 3-Run-Homerun von Gerwuins Velazco brachte die Alligators in die Verlängerung, und im zehnten gelang durch ein RBI-Single von Lars Szameitpreuß der Walkoff-Sieg.

Ein solches Comeback sieht man nicht alle Tage, aber es ist auch nichts noch nie da Gewesenes. Zum Beispiel kassierten vor ziemlich genau 30 Jahren, am 8. Juni 1989, die Philadelphia Phillies in einem Spiel gegen die Pittsburgh Pirates im ersten Inning zehn Runs und gewannen am Ende 15:11 – was einem Fernsehkommentator einen ziemlich langen Fußmarsch bescherte.

Solingen trifft nun im Halbfinale auf Titelverteidiger Bonn Capitals. Auch bei den Capitals ging es im Viertelfinale dramatisch zu: Gegen die Regensburg Legionäre benötigten sie die volle Distanz von fünf Spielen und obwohl die Bonner in Spiel 5 zwischenzeitlich mit 6:0 vorne lagen, mussten sie am Ende froh sein, es mit 7:6 gerade so nach Hause zu schaukeln.

Die anderen beiden Halbfinalteilnehmer erledigten ihre Aufgaben souveräner: Die Heidenheim Heideköpfe gewannen mit 3:1 Siegen gegen die Paderborn Untouchables. Ihr Gegner im Halbfinale sind die Mainz Athletics, die gegen die Dohren Wild Farmers den einzigen Sweep der Runde vollbrachten. Nach zwei knappen Heimsiegen vom vorherigen Wochenende waren die Mainzer am Samstag in Dohren nicht zu bremsen. Die ersten fünf Batter des Spiels scorten allesamt und in fast jedem weiteren Inning bauten die A’s ihre Führung aus. Für die Wild Farmers muss sich der verregnete Nachmittag unendlich lang angefühlt haben, bis beim Stand von 20:0 nach sieben Innings die Mercy Rule griff.

Die Halbfinalserien beginnen am kommenden Wochenende mit Heimspielen der besser platzierten Teams: Mainz empfängt Heidenheim am Samstag um 16 Uhr und am Sonntag um 14 Uhr, Solingen und Bonn duellieren sich an beiden Tagen ab 14 Uhr.

Jetzt aber endlich zu dem Vorkommnis, das es in der MLB noch nie gegeben hat: In Wesseling musste ein Playdown-Spiel der Vermins gegen die Bremen Dockers abgebrochen werden, weil die Gäste nicht mehr genug Spieler zur Verfügung hatten. Vorausgegangen waren wilde Szenen, die zu mehreren Platzverweisen gegen Bremen und letztlich zur Zwangsniederlage führten. Den Regeln nach wird das Spiel 9:0 für die Vermins gewertet, obwohl diese zum Zeitpunkt des Spielabbruchs bereits 10:0 geführt hatten. Allein im dritten Inning hatte Wesseling sieben Runs gescort, übrigens ohne einen einzigen Hit zu erzielen: durch sechs Walks, etliche Wild Pitches und schließlich vier abgeworfene Batter hintereinander bei geladenen Bases.

Nachdem Wesseling bereits das erste Spiel des Doubleheaders 5:3 für sich entschieden hatte, stehen die Vermins und die Dockers in der Tabelle nun mit jeweils vier Siegen gleichauf. Eines der beiden Teams wird am Ende den direkten Abstiegsplatz belegen, das andere schafft es in die Relegationsrunde. Am 27. Juli treffen die beiden Kontrahenten erneut aufeinander und ich wünsche mir zwei Dinge: erstens, dass die Entscheidung tatsächlich in diesen direkten Duellen fällt und nicht in den jeweiligen Partien gegen Hamburg und Köln, für die die Abstiegsrunde nicht mehr als eine Reihe besserer Freundschaftsspiele ist; zweitens natürlich, dass es spannende und vor allem faire Baseballspiele ohne vergiftete Atmosphäre werden.

Der Vollständigkeit halber ein kurzer Blick in die Abstiegsrunde der Bundesliga Süd: Die Saarlouis Hornets haben bei den Haar Disciples einen überraschenden 17:7-Erfolg eingefahren. Der Rückstand der Hornets auf die Ulm Falcons und damit auf den Relegationsplatz – vier Siege und ein bereits verlorener direkter Vergleich – scheint jedoch immer noch uneinholbar. Genauso uneinholbar liegen Haar und die Stuttgart Reds vor den Falcons, sodass die Playdowns im Süden leider kaum Aufregendes zu bieten haben.

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Juni 25th, 2019 by Silversurger

Das Playoff-Rennen der Baseball-Bundesliga war in beiden Ligateilen spannend bis zum allerletzten Nachholspiel.

In der Bundesliga Nord schien die Sache eigentlich klar: Die Dohren Wild Farmers hatten nach dem Ende der regulären Saison noch zweieinhalb Nachholspiele gegen die Cologne Cardinals zu absolvieren, von denen sie nur eines gewinnen mussten, um in die Playoffs einzuziehen. Das hörte sich nach einer reinen Formsache an, doch bekanntlich werden die Spiele gespielt, weil man vorher nicht weiß wie sie ausgehen. Jedenfalls schockte Köln die Wild Farmers mit starken Leistungen und gewann die beiden Heimspiele einmal knapp mit 5:4 und einmal deutlich mit 13:1. So durften sich die zum untätigen Beobachter verdammten Hamburg Stealers plötzlich wieder Hoffnung machen. Zum Glück für die Wild Farmers mussten sie im dritten Spiel des Wochenendes, dieses Mal zu Hause, nicht bei Null anfangen: Die Partie gegen die Cardinals war am ersten Spieltag der Saison beim Stand von 5:1 für Dohren nach fünf Innings abgebrochen worden. So genügten nun vier konzentrierte Innings, mit denen Starter J. P. Stevenson sein zwölf Wochen zuvor begonnenes Complete Game vollendete und den Viertelfinaleinzug der Wild Farmers perfekt machte.

Im Süden ging es zuletzt nur noch um die Setzliste, genauer gesagt um Platz drei oder vier für Heidenheim und Mannheim. Beide Teams mussten in ihren letzten Saisonspielen beim Südmeister Mainz Athletics antreten, beide holten sich Niederlagen ab. So blieb es am Ende dabei, dass die Heidenheim Heideköpfe von Rang drei in die Postseason einziehen und die Mannheim Tornados von Rang vier. Vorher lieferten sich die Tornados mit den Athletics aber noch eine furiose Partie: Mannheim ging zunächst 2:0 in Führung, später lag Mainz nach sechs Innings mit 6:2 und nach acht Innings mit 8:3 vorne. Im neunten Inning gelang den Tornados die Rallye zum 8:8 und im zehnten schienen sie das Spiel mit 9:8 endgültig gedreht zu haben. Doch sie konnten den Erfolg nicht festhalten und nach vier Walks und einem Error triumphierten am Ende doch die Mainzer mit 10:9. 

Im Viertelfinale an den beiden kommenden Wochenenden spielt nun Nord gegen Süd über Kreuz. Nordmeister Solingen Alligators ist gegen den Südvierten Mannheim Tornados ebenso klarer Favorit wie Südmeister Mainz Athletics gegen den Nordvierten Dohren Wild Farmers. Sehr spannend dürfte es hingegen zwischen den Paderborn Untouchables und den Heidenheim Heideköpfen sowie zwischen den Regensburg Legionären und Titelverteidiger Bonn Capitals werden. Die Viertelfinalserien werden im Modus Best-of-5 ausgetragen. Das heißt, es finden jeweils zwei Spiele an diesem Wochenende statt und dann noch ein bis drei Partien je Serie am 6. und 7. Juli, so lange bis ein Team drei Siege eingefahren hat und damit eine Runde weiter ist.

Gleichzeitig mit den Playoffs finden auch die Playdowns statt, also die Abstiegsrunden. Hier gibt es keine Vermischung der Ligen, der Norden und der Süden bleiben unter sich. Die Teams auf den Plätzen vier bis acht tragen jeweils eine weitere Hin- und Rückrunde untereinander aus. Am Ende steigt der Achtplatzierte jeder Liga direkt ab, während der Siebte in die Relegation muss, sofern sich genug aufstiegswillige Zweitligisten finden. Da in die Playdowns die bisher erzielten Ergebnisse mitgenommen werden, hält sich die Spannung für die meisten Teams in engen Grenzen: Die Hamburg Stealers (17-11) und die Cologne Cardinals (11-17) im Norden sowie die Haar Disciples (13-15) und die Stuttgart Reds (13-15) im Süden werden mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Interessant ist allein die Frage, ob die Wesseling Vermins (2-26) die Bremen Dockers (4-24) und/oder die Saarlouis Hornets (2-26) die Ulm Falcons (5-23) noch einholen können.

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Oktober 2nd, 2017 by Silversurger

Aus, Ende, vorbei. Für zwanzig der dreißig MLB-Teams ist die Saison 2017 seit letzter Nacht abgeschlossen. Manche dieser zwanzig sind bitter enttäuscht, entweder weil sie bis kurz vor Schluss noch Playoff-Hoffnungen hatten wie die Los Angeles Angels und die Milwaukee Brewers oder weil sie im ganzen Jahr nie die selbst gesetzten Erwartungen erfüllen konnten wie zum Beispiel die New York Mets und die San Francisco Giants. Andere wie die Philadelphia Phillies oder die Chicago White Sox ziehen den Schlussstrich schneller und bereitwilliger, weil 2017 für sie ohnehin nur ein Zwischenschritt beim Neuaufbau war. Über all diese Teams wird in der kommenden Offseason noch zu reden sein, aber jetzt stehen erst mal die anderen zehn Mannschaften im Mittelpunkt: Willkommen zu den MLB-Playoffs 2017!

Morgen Nacht geht es los mit den spannendsten Spielen des bisherigen Baseballjahres, den Wild Card Games. Der Modus ist für diese Sportart extrem untypisch, denn es entscheidet jeweils ein einziges Spiel über Weiterkommen oder Ausscheiden. Das muss man nicht gut finden – tue ich auch nicht –, aber es ist zumindest insofern interessant, als es eine ganz eigene taktische Herangehensweise bedingt, insbesondere beim Pitching. Jedes der vier Teams wird seinen besten Starter ins Rennen schicken und gleichzeitig bereit sein, bei der kleinsten Schwäche zu wechseln.

New York Yankees – Minnesota Twins
Die American League macht den Anfang mit der Partie der Yankees gegen die Twins Dienstagnacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Beide Teams haben gemeinsam, dass sie eine überraschend starke Saison gespielt und es ziemlich unerwartet in die Playoffs geschafft haben. Die Yankees gehen als deutlicher Favorit in das Spiel, nachdem sie eine Bilanz von 91-71 aus der regulären Saison mitbringen und sich dadurch das Heimrecht gegenüber den Twins (85-77) verdient haben. Auch das Run Differential – mit +198 das zweitbeste in der AL hinter den Indians – spricht klar für die Yankees, während es die Twins nur auf +27 bringen. Von den bislang sechs direkten Aufeinandertreffen in diesem Jahr haben die Yankees vier gewonnen, darunter vor zwei Wochen die komplette Drei-Spiele-Heimserie.

Mir persönlich geht es so, dass ich bei den Yankees vor allem an die Offensiv-Power um Aaron Judge und Gary Sanchez denke, aber tatsächlich haben die New Yorker in der AL nicht nur die zweitmeisten erzielten Runs (hinter den Astros), sondern auch die zweitwenigsten zugelassenen Runs (hinter den Indians) auf dem Konto. Mit einem Starter-ERA von 3.98 und einem Bullpen-ERA von 3.34 stehen die Yankees jeweils in der Spitzengruppe, während die Twins mit Werten von 4.73 bzw. 4.40 nur unter ferner liefen auftauchen. Mit Luis Severino (2.98 ERA, 3.07 FIP) für die Yankees und Ervin Santana (3.28 ERA, 4.46 FIP) treten beide Teams mit ihrer besten Option auf dem Mound an.

Ich kann es drehen und wenden, wie ich will – ich finde kein Argument, das für die Twins spricht. Außer vielleicht, dass sie unter weitaus geringerem Erfolgsdruck stehen. Für Minnesota hat die Saison schon jetzt historischen Wert, nachdem sie es vom schlechtesten Team der gesamten MLB mit 103 Niederlagen 2016 zum Playoff-Teilnehmer 2017 gebracht haben. Die Yankees haben zwar ebenfalls bereits die Erwartungen übertroffen, aber es ist jedem klar: Wenn die Yankees in die Playoffs kommen, dann erwartet man von ihnen, dass sie um die World Series spielen.

Der Sieger des Spiels wird ab Donnerstag in der ALDS gegen die Cleveland Indians antreten. Ich tippe, dass das die Yankees sein werden, auch wenn ich Max Kepler und den Twins alle verfügbaren Daumen drücke.

Arizona Diamondbacks – Colorado Rockies
In der National League treffen ab Mittwochnacht (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) zwei Teams aufeinander, die sich sehr gut kennen. Die Diamondbacks und die Rockies teilen sich seit Jahren in der Saisonvorbereitung einen gemeinsamen Trainingskomplex und als Divisionsrivalen in der NL West haben sie dieses Jahr schon 19-mal gegeneinander gespielt. Die Bilanz sowohl dieser Begegnungen (11-8) als auch die der Saison insgesamt (93-69) spricht für die Diamondbacks, weshalb die Rockies (87-75) auswärts antreten müssen.

Wie in der AL treffen auch in der NL zwei Teams aufeinander, die nicht Viele auf der Rechnung für eine Playoff-Saison hatten. Und ähnlich wie in der AL ist die Favoritenrolle relativ eindeutig festgelegt: Das Run Differential der Diamondbacks (+153) übertrifft das der Rockies (+67) sehr deutlich. Das liegt vor allem daran, dass sie viel weniger Runs zugelassen haben (659 gegenüber 757), während bei den erzielten Runs die Rockies (824) leicht die Nase vor den Diamondbacks (812) haben. Bei beiden Werten muss man berücksichtigen, dass die Rockies die Hälfte ihrer Spiele im hitterfreundlichsten Ballpark der Liga austragen. Greift man auf Statistiken mit Korrekturfaktor zurück wie wRC+ oder ERA+, so ergibt sich ein recht deutlicher Vorteil für die Diamondbacks sowohl in der Offense als auch in der Defense.

Als Starter werden die Diamondbacks in Zack Greinke (3.20 ERA, 3.31 FIP) einen der besten Pitcher der Liga aufbieten. Greinke hat in der regulären Saison unter Beweis gestellt, dass sein schwaches Jahr 2016 für ihn nicht mehr als ein statistischer Ausreißer nach unten war. Sein Gegenüber wird der deutlich unerfahrenere Jon Gray sein, dessen Werte von 3.67 ERA und 3.18 FIP aber für einen Rockies-Pitcher erstaunlich gut sind. Im Gegensatz zu den Rockies insgesamt kann man von Gray nicht behaupten, dass er gegen Saisonende nachgelassen hätte: In seinen letzten 13 Starts hat er kein einziges Mal mehr als drei Runs zugelassen.

Der Sieger wird ab Freitag in der NLDS gegen die Los Angeles Dodgers antreten. Mein Tipp lautet, dass das Spiel knapp an die Diamondbacks geht.

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September 28th, 2017 by Silversurger

Fast alle Entscheidungen zur Playoff-Qualifikation sind gefallen. Einzig das zweite Wild-Card-Team der National League ist noch nicht ganz fix, aber nach dem Sieg der Colorado Rockies letzte Nacht bei gleichzeitigen Niederlagen der Milwaukee Brewers und der St. Louis Cardinals scheint die Sache auch hier relativ klar. Im letzten Grand Slam am Donnerstag der regulären Saison konzentriere ich mich heute, statt wie üblich die einzelnen Divisionen abzuklappern, komplett auf die Playoff-Teams und die anstehenden Paarungen in den Wild-Card-Spielen und den Divisional Series.

American League
Die Cleveland Indians (99-59) und die Houston Astros (98-60) haben sich beide bereits den Heimvorteil in Spiel 1, 2 und 5 der American League Divisional Series (ALDS) gesichert. Unklar ist nur noch, wer von beiden welche Serie spielt: Das Team mit der besseren Bilanz wird auf den Sieger des Wild-Card-Spiels treffen, das mit der schlechteren Bilanz auf den Sieger der AL East. Falls die Astros und die Indians sich anschließend in der American League Championship Series (ALCS) wiedersehen sollten, hat ebenfalls das Team mit der besseren Bilanz einen leichten Heimvorteil, indem es Gastgeber der Spiele 1, 2, 6 und 7 ist. Falls die Astros und die Indians die reguläre Saison mit exakt gleicher Bilanz abschließen sollten, geben die Ergebnisse des direkten Vergleichs zwischen den beiden Teams den Ausschlag; diesen haben die Indians mit 5:1 gewonnnen.

In der AL East stehen vier Spiele vor Schluss die Boston Red Sox (92-66) drei Spiele vor den New York Yankees (89-69). Das sieht gut aus für die Red Sox, allerdings müssen die Yankees nur noch gegen die Tampa Bay Rays und die Toronto Blue Jays ran, für die es längst um nichts mehr geht. Die Red Sox hingegen bekommen es noch viermal mit den Houston Astros zu tun, welche wie oben erwähnt noch um den Heimvorteil sowie darum spielen, ob sie in der ALDS gegen den schwächeren oder den stärkeren Gegner antreten müssen. Lustigerweise könnten das in jedem der beiden Fälle erneut die Red Sox sein. Falls die Red Sox und die Yankees die Saison mit identischer Bilanz abschließen sollten, wird es übrigens am Montag noch ein Entscheidungsspiel zwischen den beiden darum geben, wer die Division gewinnt und wer in das Wild-Card-Spiel muss. Gastgeber dieses Spiels wären die Yankees, weil sie den direkten Vergleich gegen die Red Sox mit 11:8 gewonnen haben.

Etwas besseres als solch ein Entscheidungsspiel zwischen Red Sox und Yankees könnte den Minnesota Twins (83-75) gar nicht passieren. Denn die Twins werden auf jeden Fall Dienstagnacht (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) im Wild-Card-Spiel auf das unterlegene Team aus der AL East treffen. Die Twins haben letzte Nacht den Playoff-Einzug perfekt gemacht und damit ein wahrhaft historisches Comeback gefeiert: Zum ersten Mal hat sich ein Team nach einer 100-Niederlagen-Saison (genauer gesagt waren es sogar 103) im folgenden Jahr für die Postseason qualifiziert. Das ist bereits ein Riesenerfolg und alles, was für Max Kepler und Co. zusätzlich herausspringen sollte, wäre eine Sensation. Wenn der Gegner statt des vorgesehenen Ruhetages ein zusätzliches Spiel einschieben müsste, würde das die Chancen der Twins für das Wild-Card-Spiel sicher verbessern.

Nach aktuellem Stand wären die Paarungen des Wild-Card-Spiels und der ALDS folgende:

Wild-Card: New York Yankees vs. Minnesota Twins (Dienstagnacht, 2 Uhr)

ALDS 1: Houston Astros vs. Boston Red Sox (ab nächsten Donnnerstag)

ALDS 2: Cleveland Indians vs. Wild-Card-Sieger (ab nächsten Donnnerstag)

National League
In der National League steht bereits fest, dass die Los Angeles Dodgers (102-57) auch am Saisonende die beste Bilanz aufweisen. Sie werden somit in der National League Divisional Series (NLDS) auf den Wild-Card-Sieger treffen und sowohl in der NLDS als auch in der Championship Series (NLCS) die vermeintlich günstigeren Heimspiele haben. Auch für die World Series sieht es stark nach Heimvorteil für die Dodgers aus: Selbst wenn sie auf die Indians treffen und diese in den verbleibenden vier Spielen noch die drei Spiele Rückstand auf die Dodgers aufholen sollten, würde der direkte Vergleich für die Dodgers sprechen.

Mit den Washington Nationals (95-63) und den Chicago Cubs (89-69) stehen auch die anderen beiden Divisionssieger sowie deren Rangfolge untereinander bereits fest. Es wird daher auf jeden Fall zu einer NLDS zwischen diesen beiden Teams kommen, in der die Nationals Gastgeber der Spiele 1, 2 und 5 sind.

Für die Arizona Diamondbacks (92-67) ist soweit ebenfalls alles klar: Sie spielen Mittwochnacht (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) das Wild-Card-Spiel der NL. Unsicher ist lediglich, gegen wen sie das tun werden. Es ist schon irgendwie witzig, dass ausgerechnet das die letzte offene Frage der Playoff-Qualifikation ist, denn nicht nur ich habe während der Saison monatelang gebetsmühlenartig wiederholt, dass es für die Diamondbacks und die Colorado Rockies (86-73) nur noch um die Vorbereitung auf das Wild-Card-Spiel geht. Es folgten ein heftiger Absturz der Rockies und ein enges Rennen gegen die Milwaukee Brewers (83-75) und die St. Louis Cardinals (82-76). Nun sieht es aber doch ganz danach aus, als hätten die Rockies gerade rechtzeitig noch mal die Kurve bekommen. Vor ihren letzten drei Spielen gegen die Dodgers beträgt die Magic Number der Rockies 2. Das heißt, jede Kombination aus insgesamt zwei Siegen der Rockies und/oder Niederlagen der Brewers bringt die Rockies ins Wild-Card-Spiel. Die Brewers spielen heute Nacht noch mal gegen die Cincinnati Reds und dann dreimal bei den Cardinals. Die haben selbst noch eine minimale Chance auf die Wild Card, müssten dazu aber heute gegen die Cubs und dann alle drei Spiele gegen die Brewers gewinnnen, während die Rockies dreimal gegen die Dodgers verlieren – und selbst dann müssten sie noch in einem Entscheidungsspiel gegen die Rockies bestehen.

Zu einem solchen „Spiel 163“ würde es kommen, wenn die Rockies und eines der anderen beiden Teams am Ende die gleiche Bilanz aufweisen. Das Spiel würde am Montag stattfinden, das Heimrecht würde sich am direkten Vergleich orientieren: Zwischen den Rockies und den Brewers würde das Spiel in Colorado stattfinden, zwischen den Cardinals und den Rockies wäre es in St. Louis.

Nach aktuellem Stand wären die Paarungen des Wild-Card-Spiels und der NLDS folgende:

Wild-Card: Arizona Diamondbacks vs. Colorado Rockies (Mittwochnacht, 2 Uhr)

NLDS 1: Washington Nationals vs. Chicago Cubs (ab nächsten Freitag)

NLDS 2: Los Angeles Dodgers vs. Wild-Card-Sieger (ab nächsten Freitag)

Szene der Woche
Ich liebe den guten alten „hidden ball trick“ und freue mich immer tierisch, wenn er in der MLB mal erfolgreich angewendet wird. Ein besonders schönes Exemplar gelang Ryan Goins am Freitag beim Sieg seiner Blue Jays gegen Todd Frazier und die Yankees. Ich könnte mir diese Szene noch hundert Mal ansehen, ohne dass sie langweilig wird.

Statistik der Woche 
50, 204, 124. Alle drei Zahlen stammen von Yankees-Slugger Aaron Judge und sind Rookie-Rekorde. Innerhalb weniger Wochen hat Judge die Bestmarke für Neulinge in Bezug auf alle drei „true outcomes“ – Homeruns, Strikeouts und Walks – in einer Saison erhöht. Mit Homerun Nummer 49 hat er am Montag gegen die Kansas City Royals den bisherigen Rekordhalter Marc McGwire zunächst eingeholt und ihn dann noch im gleichen Spiel mit seinem 50. Homerun des Jahres hinter sich gelassen. Bereits zwei Tage zuvor gegen die Blue Jays hatte er seinen zweihundertsten Strikeout der Saison kassiert und damit Kris Bryants Rekord von 199 übertroffen. Den Rekord für die meisten Walks eines Rookies hält Judge sogar schon seit drei Wochen und hat seinen Vorgänger Les Fleming (106 Walks in seiner Rookie-Saison 1942) inzwischen weit hinter sich gelassen.

Spiel der Woche
Als ich letzte Woche die Serie zwischen den Cubs und den Brewers angepriesen habe, habe ich ausnahmsweise mal nicht zu viel versprochen – ich habe nur das falsche Spiel empfohlen, denn die Partie vom Sonntag war die einzige, die nicht hochspannend war und in Extra-Innings ging. Am sehenswertesten war meiner Ansicht nach das Spiel am Samstag. Zweimal gingen die Cubs in den späten Innings in Führung, zweimal bezwangen die Brewers Chicagos Star-Closer Wade Davis per Homerun. Zunächst war es im neunten Inning Orlando Arcia, der das Spiel durch einen Solo-Shot in die Extras schickte. Chicago antwortete im zehnten Inning prompt und ging mit einem RBI-Single von Jon Jay erneut in Führung. Wieder erhielt Davis die Chance zum Save, wieder vergab er sie und dieses Mal endgültig, denn Travis Shaws 2-Run-Homerun besiegelte den Walkoff-Sieg der Brewers. Die Brewers hatten zuvor 69-mal hintereinander verloren, wenn sie nach acht Innings zurücklagen. Und Wade Davis hatte 38 erfolgreiche Save-Gelegenheiten am Stück gehabt, bevor er in diesem Spiel einen blown Save kassierte – eigentlich sogar zwei, auch wenn die offizielle Zählweise das nicht berücksichtigt.

Spiel der kommenden Woche
Die wichtigsten Partien der kommenden sieben Tage sind natürlich die Wild-Card-Spiele der NL und der AL. Da aber beide Paarungen noch nicht endgültig feststehen, bleibe ich mit meinem Einschalttipp in der regulären Saison und empfehle das Spiel zwischen den Milwaukee Brewers und den St. Louis Cardinals Freitagnacht um 2:15 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Mindestens für die Brewers und vielleicht auch noch für die Cardinals geht es in diesem Spiel sowie im Fernduell mit den Colorado Rockies noch um alles, für den Verlierer dürfte die Saison dann allerdings gelaufen sein. Die Brewers schicken mit Chase Anderson (2.81 ERA, 3.56 FIP) ihren besten Starter ins Rennen, bei den Cardinals wird John Gant (3.65 ERA, 6.97 FIP) erst seinen zweiten Start der Saison absolvieren.

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September 18th, 2017 by Silversurger

Man kann es nicht oft genug sagen: Besucht die heimischen Ballparks, da wird sehr guter Baseball gespielt – natürlich nicht ganz auf MLB-Niveau, aber mit genauso viel Herzblut und Leidenschaft. Zugegeben, in manchen Begegnungen während der regulären Saison ist das Leistungsgefälle leider sehr hoch. Aber spätestens in den Playoffs, wenn die Créme des Bundesliga-Baseballs unter sich ist, geht es regelmäßig extrem spannend zu.

Im Viertelfinale war dieses Jahr vor allem ein Duell heiß umkämpft, nämlich das zwischen den beiden Erzrivalen des Nordens, den Bonn Capitals und den Solingen Alligators. Favorit Bonn hatte in seinen Heimspielen mit zwei Siegen vorgelegt, doch die Solinger konnten die Best-of-Five-Serie in ihren beiden Heimspielen drehen. Da das Regenwetter an dem betreffenden Wochenende nicht mehr als diese zwei Spiele erlaubte, mussten die Capitals und die Alligators am eigentlichen Halbfinal-Wochenende nachsitzen: Am vergangenen Samstag spielten sie in Spiel fünf zunächst ihren Sieger aus – die Capitals behielten dank eines Galauftritts von Pitcher Sascha Koch (Complete Game, 3 Hits, 1 Run) mit 6:1 die Oberhand –, der dann gleich am Sonntag seine Heimspiele im Halbfinale gegen die München-Haar Disciples austragen musste.

Die Disciples, die sich mit 3:1 Siegen über Paderborn ins Halbfinale gespielt hatten, gerieten im ersten Spiel in Bonn mit 0:10 sehr deutlich unter die Räder, revanchierten sich aber im zweiten Teil des Doubleheaders mit einem 7:4-Sieg. Haars Star-Pitcher Ryan Bollinger sorgte mit 14 Strikeouts in sieben Innings mal wieder für anerkennendes Staunen, allerdings ließ er auch untypische vier Runs zu. In beiden Spielen gab es eine frühe Vorentscheidung durch je ein großes Inning des späteren Siegers: sechs Runs für die Capitals im dritten Inning des ersten, fünf Runs für die Disciples im zweiten Inning des zweiten Spiels. Für das kommende Wochenende ist in diesem Duell alles offen. Es wird in Haar mindestens zwei Spiele geben (Samstag, 14 Uhr, und Sonntag, 13 Uhr) und falls nötig das entscheidende fünfte Spiel direkt im Anschluss.

Genauso sieht es zwischen den Mainz Athletics und den Heidenheim Heideköpfen aus: Auch im Duell des Deutschen Meisters von 2016 und des Spitzenreiters der regulären Saison 2017 steht es 1:1. Die Heideköpfe setzten sich am Samstag mit 5:2 durch, am Sonntag gelang den Athletics ein 3:2-Auswärtssieg. Die Partien drei und vier finden am Samstag (16 Uhr) und Sonntag (13 Uhr) in Mainz statt. Auch hier wird nötigenfalls direkt im Anschluss an das vierte Spiel noch das fünfte ausgetragen. Als Sympathisant der Athletics hoffe ich, dass es dazu nicht kommen wird, denn die Mainzer sind dieses Jahr mit Pitchern leider recht dünn besetzt. Die beiden Starter Tim Stahlmann und Riley Barr müssen sich in Deutschland vor niemandem verstecken, doch drei Spiele an einem Wochenende würden zwangsläufig zu einer Notlösung führen. Mit dem jungen Yannic Wildenhain und „Umschüler“ Lennard Stöcklin sind noch zwei gute Leute vorhanden, aber beide sähe ich lieber in zwei, drei Relief-Innings denn als Starter.

Auch um Auf- und Abstieg wird übrigens noch gerungen, jedenfalls in der Bundesliga Nord. Da anstatt der vorgesehenen acht Teams zuletzt nur sieben Mannschaften mitspielten, wird es aus den zweiten Ligen einen direkten Aufsteiger geben und einen weiteren Kandidaten, der gegen den Verlierer der Bundesliga-Playdowns, die Dortmund Wanderers, eine Relegationsserie spielt. Die besten Karten haben dabei die Berlin Flamingos. Sie haben das Glück, dass der eigentliche Split gegen die Bremen Dockers in zwei Siege für Berlin umgewandelt wurde, nachdem Bremen versehentlich einen nicht spielberechtigten Spieler eingesetzt hatte. Die Flamingos dürften nun – wenn ich nichts übersehe oder falsch interpretiere – als Direktaufsteiger feststehen. Am Samstag ab 12 Uhr hat Bremen gegen die Neunkirchen Nightmares Gelegenheit, den Lapsus auszubügeln und zumindest noch in die Relegation einzuziehen. Neunkirchen würde dafür ein Split reichen.

Im Süden ist die Entscheidung bereits gefallen: Die Bad Homburg Hornets müssen, nachdem die Playdowns äußerst knapp mit 2:3 Siegen gegen Vorjahresaufsteiger Saarlouis verloren wurden, den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Ihren Platz in der Bundesliga nehmen die Ulm Falcons ein. Die eigentlich auch im Süden vorgesehene Qualifikationsrunde entfiel, weil alle anderen dazu berechtigten Kandidaten auf die Möglichkeit zum Aufstieg verzichteten.

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April 11th, 2017 by Silversurger

…aber man kann sie durchaus im April verlieren.“ Diese alte Baseball-Weisheit hört und liest man zurzeit wieder sehr oft. Sie ist das Mantra aller Panikmacher und Überreagierer, denen der Angstschweiß auf der Stirn steht, wenn ihr Team eine oder zwei Wochen nach Saisonstart eine negative Bilanz aufweist. Ich habe mich gefragt, was an dem Sprichwort dran ist.

Gewinnen kann man die World Series nur, indem man in die Playoffs kommt und sich dort in jeder Runde gegen den jeweiligen Gegner durchsetzt. Die früheste Möglichkeit, die World Series zu „verlieren“, besteht darin, sich nicht für die Playoffs zu qualifizieren. Die Behauptung, man könne eine World Series im April verlieren, unterstellt letzten Endes, dass eine schlechte Bilanz im April eine Playoff-Qualifikation unmöglich macht. Auf Basis dieser Überlegung habe ich mir mal für die Jahre 2012 bis 2016 angeschaut, ob und wie oft Teams mit einer schlechten April-Bilanz in die Playoffs gekommen sind – und anders herum, wie die Playoff-Teilnehmer im April abgeschnitten hatten. Das Startjahr 2012 habe ich deswegen gewählt, weil seitdem die bis heute gültige Regel mit zwei Wild Cards je Liga in Kraft ist.

In den fünf Jahren 2012 bis 2016 haben 29 Teams den April mit weniger als 40% Siegen abgeschlossen. Nur zwei von ihnen erreichten am Ende der regulären Saison die Playoffs. Das waren zum einen die Pittsburgh Pirates im Jahr 2014 nach 10 Siegen und 16 Niederlagen (38,5% Winning-Percentage) und zum anderen die Texas Rangers 2015, die nach einem echten Fehlstart mit 7 Siegen und 14 Niederlagen (33,3%) sogar noch ihre Division gewannen. Es gibt solche Fälle also, aber sie sind eindeutig die Ausnahme. Zehn Teams brachten es in den fünf Jahren übrigens zu einer Winning-Percentage von unter 30%. Keines von ihnen schaffte es in die Playoffs.

Um es auch von der anderen Seite her zu betrachten: Den Regeln entsprechend erreichten in jedem der Jahre 2012 bis 2016 zehn Teams die Playoffs. Von diesen 50 Teams wiesen zehn eine negative Aprilbilanz auf (darunter die zwei oben genannten mit weniger als 40% Siegen). Die kombinierte Bilanz der Playoff-Teams 2012 bis 2016 im jeweiligen April beträgt 686-518 (57,0%). Die fünf World-Series-Gewinner der betrachteten Jahre hatten übrigens im Durchschnitt eine April-Bilanz von 65,8%, schwächster World-Series-Sieger im April waren die San Francisco Giants des Jahres 2012 mit 54,6%.

Wenig überraschend zeigt die Betrachtung, dass die meisten Playoff-Teams schon im April des jeweiligen Jahres gut waren und dass die meisten im April schwachen Teams es am Ende nicht in die Playoffs schafften. Dass das Abschneiden im April – wie in jedem anderen Monat der Saison – einen Einfluss auf die Gesamtbilanz der Saison hat, ist logisch. Dennoch bin ich überrascht, wie deutlich das Bild ist: Nimmt man die fünf betrachteten Jahre, eine zugegebenermaßen kleine Stichprobe, zum Maßstab, so kann man sagen, dass an dem eingangs zitierten Sprichwort eine Menge dran ist. Nach einem schlechten April (unter 40% Winning-Percentage) hat man nur noch eine sehr geringe Chance auf den Einzug in die Playoffs und nach einem sehr schlechten April (unter 30%) praktisch gar keine. Man kann davon ausgehen, dass diese Regelmäßigkeiten früher noch eindeutiger galten als heute, da deutlich weniger Teams in die Playoffs kamen – je Liga bis 1969 nur eines, ab 1969 zwei und vier ab 1994. Unvergessen bleiben aber die Oakland Athletics von 2001: Sie beendeten die Saison nach einem 8-17-April noch mit einer Bilanz von sage und schreibe 102-60. Im Baseball ist eben alles möglich, auch wenn manches davon nur äußerst selten passiert.

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