April 11th, 2019 by Silversurger

Zwei Wochen in der Saison und schon haben sich einige der frühen Kapriolen in den Divisionstabellen bereits wieder gelegt. Aber immer noch werden alle drei Gruppen der American League von mehr oder weniger großen Überraschungen angeführt: den Tampa Bay Rays, den Detroit Tigers und den Seattle Mariners. Direkt dahinter haben sich inzwischen die Favoriten in Stellung gebracht – mit Ausnahme der Boston Red Sox, die gemeinsam mit den Chicago Cubs in der NL Central die große Enttäuschung dieser frühen Saisonphase sind. Hier die wöchentliche Rundumschau zu allem, was in der MLB los ist:

American League
In der American League East trumpfen nach wie vor die Tampa Bay Rays (10-3) ganz groß auf. Vor allem im Pitching überzeugen die Rays – mit überragenden Startern und Openern ebenso wie mit einem starken Bullpen. Nur 26 Runs haben die Rays bislang erlaubt, neun weniger als die zweitbesten Teams der MLB (Indians, Tigers, Reds). Für die New York Yankees (5-7) reißen derweil die Hionsbotschaften nicht ab: Dank einer Aufbauserie gegen die Baltimore Orioles (5-7) hatte man sich nach dem vergeigten Start gerade wieder aufgerichtet, schon folgte in Form eines Drei-Spiele-Sweeps durch die Astros wieder der Rückschlag. Zu allem Überfluss stellte sich nach neuen medizinischen Untersuchungen heraus, dass Starter Luis Severino mit seiner Rückenverletzung noch länger ausfallen wird als bisher gedacht. Er wird frühestens in sechs Wochen wieder ins Training einsteigen. Schönere Neuigkeiten gibt es von den Toronto Blue Jays (4-8): Die Ankunft des potenziellen Superstars Vladimir Guerrero Jr. ist ein Stück näher gerückt. Nach einem Monat Verletzungspause und ein paar Rehab-Spielen auf Single-A-Niveau wurde der 20-Jährige nun nach Buffalo ins AAA-Team der Blue Jays berufen. Nach wie vor an letzter Stelle der Division stehen die Boston Red Sox (3-9). Der Vorjahres-Champion macht bislang rundum den Eindruck, noch nicht in der neuen Saison angekommen zu sein.

Auch die Cleveland Indians (7-4) hatten einen schweren Start, durch einen Vier-Spiele-Sweep gegen die Blue Jays haben sie sich davon aber bereits erholt. Nun liefern sie sich gerade mit den Detroit Tigers (8-4) ein Duell um die Führung in der AL Central. Jedes Team hat bisher ein Spiel gewonnen, das Rubber-Match findet heute Abend ab 19:10 Uhr unserer Zeit statt. Die Minnesota Twins (6-4) mischen ebenfalls noch oben mit und nähren die Hoffnung, dass diese Division spannender wird als erwartet. Max Kepler ist übrigens in Topform: Er befindet sich aktuell auf einer Strecke von acht Spielen mit je mindestens einem Hit, darunter drei Homeruns in drei aufeinender folgenden Partien gegen die Phillies. Die Chicago White Sox (3-8) und die Kansas City Royals (2-9) haben sich derweil bereits im Keller eingerichtet. Vor allem in der Ecke, die die Royals dort bewohnen, ist es nach neun Niederlagen in Folge zappenduster.

Die Seattle Mariners (12-2) führen nach wie vor deutlich die AL West an und bringen nicht nur mich massiv zum Staunen. Vor allem die Offensive der Mariners produziert mit bislang 110 Runs auf einem Niveau, das kein anderes Team in der Liga teilt (siehe auch „Statistik der Woche“). Das war so nicht vorhersehbar und wohl auch nicht geplant, denn die Moves der Mariners in der Offseason sahen eher nach einem halbherzigen Rebuilding-Projekt aus. Es stehen nun wegweisende Serien gegen die Houston Astros (8-5) und die Indians an. Je nachdem wie diese verlaufen, wird man sich in Seattle wohl neue Ziele stecken. Übrigens haben nicht nur die Mariners und die Astros, sondern die gesamte AL West einen überraschend starken Start hingelegt. Als einzige Division hat sie kein einziges Team mit negativer Bilanz. Die Texas Rangers (6-6) und die Oakland Athletics (8-8) stehen ausgeglichen, die Los Angeles Angels (7-6) nach sechs Siegen in Folge plötzlich sogar positiv.

National League
Eine starke Division ist – in dem Fall den Erwartungen entsprechend – auch die National League East. Die Philadelphia Phillies (7-4), die Atlanta Braves (7-4) und die New York Mets (7-4) stehen allesamt gleichauf, die Washington Nationals (6-5) nur ein Spiel dahinter. Lediglich die Miami Marlins (3-9) sind bereits abgeschlagen, aber auch das war nicht anders zu erwarten. Der Spielplan der ersten Wochen wirkt sich sehr förderlich auf die Spannung in der NL East aus, da er schon außergewöhnlich viele Duelle zwischen den vier Top-Teams vorgesehen hat. Die Nationals haben bisher sogar ausschließlich divisionsinterne Partien gespielt. Heute und an den kommenden drei Tagen treffen erstmals in diesem Jahr die Braves und die Mets aufeinander.

In der NL Central sah es nach einem fulminanten Start der Milwaukee Brewers (8-5) so aus, als könnten diese sich frühzeitig absetzen. Nach drei Niederlagen bei den Angels sind die Brewers aber zurück auf dem Boden und schauen mit einigem Respekt auf die anstehenden Aufgaben: Dreimal bei den Dodgers, dann dreimal gegen die St. Louis Cardinals (7-5), viermal gegen die Dodgers und noch dreimal bei den Cardinals sind ein knüppelhartes Programm für die nächsten zwei Wochen. Die Pittsburgh Pirates (6-4) halten bislang ebenfalls gut mit, allerdings muss man dazu sagen, dass sie fünf ihrer sechs Siege gegen die Cincinnati Reds (3-8) erzielt haben. Der einzige weitere Sieg gelang gestern gegen die Chicago Cubs (3-8), welche bisher zu den negativen Überraschungen der noch jungen Saison zählen.

Enttäuscht haben bislang auch die Colorado Rockies (3-9) in der NL West. Nach nur einem Sieg aus den letzten zehn Spielen wird es ihnen ganz recht gewesen sein, dass die dritte Partie gegen die Braves gestern wegen einer Regen-, Schnee- und Sturmwarnung auf Ende August verschoben wurde. Die Rockies reisen jetzt erst mal zu den San Francisco Giants (4-9), bei denen es zwar meistens windig ist, aber zumindest wohl nicht schneit – und bei denen die Rockies sich die Chance auf denen einen oder anderen Sieg ausrechnen dürften. An der Spitze der Division haben die San Diego Padres (8-5) inzwischen die Los Angeles Dodgers (8-5) eingeholt, nachdem Letztere drei Spiele hintereinander gegen die Braves abgegeben haben.

Szene der Woche
Es gab in den letzten Tagen wahnsinnig viele sehenswerte Szenen: Jorge Polanco gelang der erste Cycle der Saison, Lourdes Gurriel der erste Home-Steal, die Reds und die Pirates lieferten sich eine handfeste Keilerei, Mike Trout klaute Christian Yelich einen Homerun und Marcell Ozuna scheiterte kläglich, als er auch mal so ein Highlight-Play vollbringen wollte. Meine Szene der Woche aber ist der absolut unglaubliche freihändige Basehit von Javier Baez. Seht und staunt.

Statistik der Woche 
14. So viele Spiele haben die Seattle Mariners in diesem Jahr absolviert und in genauso vielen Spielen haben sie mindestens einen Homerun erzielt. Gestern wäre die Serie fast gerissen, doch bei zwei Outs im neunten Inning gelang Mitch Haniger der siegbringende Schlag zum 6:5 gegen die Royals. Die Mariners haben damit einen MLB-Rekord eingestellt, den sie nun gemeinsam mit den Indians von 2002 halten. Heute Abend, erneut gegen Kansas City, haben sie die Chance, diese Bestmarke zu übertreffen.

Spiel der Woche
Ein 0:5-Rückstand nach vier Innings und Madison Bumgarner als gegnerischer Pitcher? Das klingt nach einer recht ausweglosen Situation. Nicht nur für die San Diego Padres, die am Montag schon zum vierten Mal in diesem Jahr ein Spiel drehten. Drei Homeruns trugen zum erfolgreichen Comeback bei, den schönsten und letztlich entscheidenden besorgte Youngster Franmil Reyes im siebten Inning. Zu dem Zeitpunkt hatte bereits Reyes Moronta das Pitching bei den Giants übernommen, um für Bumgarner das Schlimmste zu verhindern – ohne Erfolg, wie sich herausstellte.

Mein Einschalttipp
In der AL West kommt es an diesem Wochenende zum ersten Gipfeltreffen zwischen dem klaren Favoriten Houston Astros und dem Überraschungsteam Seattle Mariners. Sofern ihr nicht unter Schlafstörungen leidet, empfehle ich zum Reinschauen das Spiel am Sonntag, das mit 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit als einziges nicht mitten in der Nacht stattfindet. Das Pitching-Matchup ist ebenfalls sehr attraktiv: Houstons Gerrit Cole (3.32 ERA, 2.76 FIP) trifft auf Seattles Openening-Day-Starter Marco Gonzales (3.16 ERA, 3.43 FIP). Das Spiel wird auf DAZN übertragen und natürlich auf mlb.tv.

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Februar 21st, 2019 by Silversurger

Endlich! Endlich ist die Hängepartie um den zukünftigen Verbleib von Manny Machado vorbei. Endlich hat auch Mike Moustakas seinen neuen Vertrag, sodass von den herausragenden Free Agents dieser Offseason nur noch Bryce Harper, Dallas Keuchel und Craig Kimbrel übrig sind und wohl innerhalb der nächsten Tage ebenfalls ihre Teams finden werden. Und endlich geht es wieder los mit MLB-Baseball, auch wenn es erst mal nur die Vorbereitungsspiele sind, die am Wochenende beginnen. Besonderen Grund, sich auf die neue Saison zu freuen hat der deutsche Major Leaguer Max Kepler, der bei den Twins einen dicken neuen Vertrag unterschrieben hat.

Machado entscheidet sich für die Padres
Über weite Strecken der Offseason sah es danach aus, als wären die Chicago White Sox und die Philadelphia Phillies die aussichtsreichsten Kandidaten im Ringen um Manny Machado. Dass letztlich die San Diego Padres das Rennen machen, hatte kaum jemand voraus gesehen. Neben Zweifeln, ob die Padres das nötige Geld investieren können und wollen, sprach auch das Vorhandensein des vielversprechenden Shortstop-Prospects Fernando Tatis Jr. eher gegen eine Verpflichtung von Machado. Der hatte bislang nie einen Hehl daraus gemacht, dass er am liebsten auf seiner angestammten Position als Shortstop spielen möchte, auch wenn seine Defensivstatistiken in dieser Rolle nicht wirklich überzeugen konnten. Das sonnige Klima San Diegos sowie ein großzügiges Vertragsangebot konnte Machado dann offenbar doch nicht ausschlagen, auch wenn er als Third Baseman antreten muss. Machado bekommt einen Zehnjahresvertrag über 300 Millionen Dollar, aus dem er auf eigene Initiative nach fünf Jahren aussteigen kann. Der Vertrag wurde in einigen Medien vollmundig als „größter Free-Agent-Vertrag der amerikanischen Sportgeschichte“ verkauft. Das ist nicht falsch, aber doch ein bisschen irreführend: Giancarlo Stantons 13-Jahresvertrag über 325 Millionen von 2015 ist immer noch eine Nummer größer, aber es war eben kein Free-Agent-Vertrag, weil Stanton zu der Zeit bereits bei den Marlins spielte und es sich somit „nur“ um eine Vertragsverlängerung handelte.

Moustakas bleibt bei den Brewers
Ein weiterer Top-Free-Agent, der sich mit der Entscheidung für einen neuen Arbeitgeber lange Zeit gelassen hat, ist Third Baseman Mike Moustakas. Der 30-Jährige bleibt nun bei den Milwaukee Brewers, für die er bereits in der zweiten Saisonhälfte 2018 aktiv gewesen war. Er hat einen Einjahresvertrag unterschrieben, der ihm zunächst 10 Millionen Dollar einbringt. Für 2020 haben beide Seiten die Option, für weitere 11 Millionen um ein Jahr zu verlängern oder aber gegen Zahlung von 3 Millionen aus dem Vertrag herauszukommen.

Langfristiger Vertrag für Max Kepler
Großer Zahltag für Max Kepler: Der einzige deutsche Major Leaguer hat von den Minnesota Twins eine Vertragsverlängerung erhalten, die ihn für die kommenden fünf Saisons an den Klub bindet und ihm insgesamt 35 Millionen Dollar einbringt. Darüber hinaus können die Twins den Kontrakt zum Preis von zehn Millionen um ein sechstes Jahr verlängern. Dieser Vertrag ist ein klares Bekenntnis der Twins zu Kepler als langfristiger Eckpfeiler ihres Teams. Das ist nicht nur für den 26-jährigen Outfielder, sondern auch für den gesamten deutschen Baseball eine großartige Bestätigung. Kepler ist der erste Spieler überhaupt, der seine komplette Baseballjugend im deutschen Vereinssystem verbracht und sich anschließend in der MLB etabliert hat. Außer Kepler hat bei den Twins übrigens auch sein langjähriger Weggefährte, Shortstop Jorge Polanco, einen neuen Vertrag bekommen. Polanco wird für die nächsten fünf Jahre 25,75 Millionen verdienen, hinzu kommen Kluboptionen für 2024 (10,5 Millionen) und 2025 (12,5 Millionen).

Severino verlängert bei Yankees
Auch die New York Yankees haben sich darum gekümmert, die Dienste eines ihrer Leistungsträger auf Dauer zu sichern: Anstelle seiner drei Arbitration-Jahre 2019 bis 2021 hat Starting Pitcher Luis Severino nun einen garantierten Vertrag bis 2022, der ihm 40 Millionen Dollar einbringt. Für 2023 haben die Yankees eine Teamoption für weitere 15 Millionen. Das ist mal ein schönes Geburtstagsgeschenk für den Dominikaner, der gestern 25 Jahre alt geworden ist.

Tigers verpflichten Harrison
Die Detroit Tigers komplettieren ihre Übernahme des Middle Infields der Pittsburgh Pirates aus dem letzten Jahr: Nach Shortstop Jordy Mercer haben sie nun auch Second Baseman Josh Harrison unter Vertrag genommen. Der 31-jährige Veteran wird voraussichtlich zunächst Stammspieler sein, könnte aber zur Trade Deadline ein Kandidat für einen Wechsel werden, der die Tigers bei ihrem Rebuilding voran bringt. Harrison erhält für den Einjahresvertrag 2 Millionen Dollar, die er durch Boni auf bis zu 3 Millionen steigern kann.

Neue Reliever für Royals und Cubs
Zwei Ergänzungsverpflichtungen für den Bullpen möchte ich nicht ganz unter den Tisch fallen lassen: Die Kansas City Royals haben Reliever Jake Diekman angeheuert. Der Linkshänder erhält 2,75 Millionen Dollar für ein Jahr, verbunden mit einer beidseitigen Option auf ein weiteres Jahr. Die Chicago Cubs haben mit Xavier Cedeno ebenfalls einen linkshändigen Reliever verpflichtet. Cedenos Vertrag ist ein eher ungewöhnliches Konstrukt: Es ist kein Minor-League-Vertrag, aber auch nicht der übliche garantierte Major-League-Vertrag, sondern ein ungarantierter MLB-Vertrag. Das bedeutet, Cedeno ist vorerst Teil des 40-Mann-Kaders, kann aber bis zum Ende des Spring Trainings noch entlassen werden und bekäme dann nur einen kleinen Teil des vereinbarten Gehalts von 900.000 Dollar. Ist er zum Opening Day noch Teil des Kaders, sind ihm die 900.000 sicher und er kann noch bis zu 300.000 durch Leistungsboni hinzuverdienen.

Bruce Bochy hört auf
Eine überraschende Ankündigung kam am Montag von Bruce Bochy, dem Manager der San Francisco Giants: Er wird nach der Saison 2019 in den Ruhestand wechseln. Der 63-Jährige ist der dienstälteste Manager der Liga. Seine letzte Saison wird die 13. als sportlicher Leiter der Giants sein, mit denen er 2010, 2012 und 2014 die World Series gewonnen hat. Zuvor war er in gleicher Rolle schon zwölf Jahre für die San Diego Padres aktiv. Überraschend an seinem Schritt ist vor allem, dass er ihn schon so frühzeitig bekannt gibt. Falls die Giants schon deutlich vor dem Ende der Saison aus dem Rennen um die Playoffs sein sollten, dürfte es schwer zu rechtfertigen sein, den Wechsel nicht schon früher zu vollziehen – insbesondere falls dann die Nachfolgersuche bereits abgeschlossen ist, für die der neue President of Baseball Operations, Farhan Zaidi, nun reichlich Zeit hat.

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März 22nd, 2018 by Silversurger

Der Saisonstart ist nur noch ein glatte Woche entfernt, aber seit ein paar Tagen haben viele europäische Baseball-Fans einen neuen, deutlich weiter entfernten Termin, auf den sie hinfiebern. Unterdessen stellen die MLB-Klubs derzeit die letzten Weichen, bevor es ernst wird: Einige Free Agents haben gerade noch rechtzeitig einen neuen Arbeitgeber gefunden, ein paar Verträge wurden vorzeitig verlängert und leider müssen einige Spieler zumindest zeitweise ersetzt werden, weil sie sich ungünstierweise kurz vor der Saison eine Verletzung zugezogen haben.

Yankees und Red Sox kommen nach London 
Relativ überraschend kam vor ein paar Tagen die Nachricht, dass die MLB schon 2019 zum ersten Mal überhaupt ein reguläres Saisonspiel in Europa anberaumen will. Und es kommt nicht irgendwer, es kommen die beiden populärsten Baseball-Teams der Welt, die New York Yankees und die Boston Red Sox. Geplant ist eine Zwei-Spiele-Serie Ende Juni 2019, die voraussichtlich im London Stadium (dem ehemaligen Olympiastadion) stattfinden wird. Formal werden es Heimspiele der Red Sox sein. Das Stadion wird hauptsächlich für Fußballspiele des Premier-League-Klubs West Ham United genutzt, aber da es auch für Leichtathletikveranstaltungen gebaut wurde und dementsprechend über eine Laufbahn verfügt, sind die Voraussetzungen wohl einigermaßen günstig, die für europäische Verhältnisse ungewohnten Ausmaße eines Baseballfeldes darin unterzubringen.

Cobb unterschreibt bei den Orioles 
Mit SP Alex Cobb ist der vorletzte „große“ Free Agent dieses Jahres endlich bei einem neuen Klub untergekommen. Anders als viele Kollegen, die sich letzte Woche mit kleineren Brötchen zufrieden geben mussten, hatte Cobb mit seiner Strategie des Abwartens offensichtlich Erfolg: Er erhält einen Vierjahresvertrag über 60 Millionen Dollar bei den Baltimore Orioles und hat damit sehr viel mehr herausgeholt als beispielsweise der gleich alte und etwa gleich starke Lance Lynn, der sich letzte Woche mit einem Einjahresvertrag über 12 Millionen bei den Twins zufrieden geben musste. Cobb verpasste nach einer Tommy-John-Surgery den Großteil der Saison 2016, war aber 2017 wieder ganz der Alte und brachte es für die Tampa Bay Rays auf einen ERA von 3.66 in knapp 180 Innnings. In Baltimore wird Cobb die bislang schlechteste Starting Rotation der Liga verstärken.

Ein paar weitere Free-Agent-Verpflichtungen
Außer Cobb gab es diese Woche nur ein paar nachrangige Free-Agent-Signings. Ich zähle hier nur diejenigen auf, bei denen ich mir am ehesten vorstellen kann, dass die Akteure dieses Jahr eine Rolle in den Major Leagues spielen könnten. Der relevanteste Spieler, der immer noch keinen neuen Vertrag hat, ist übrigens RP Greg Holland.

Die Washington Nationals haben Pitcher Jeremy Hellickson über einen Minor-League-Vertrag geholt. Hellickson hatte mit einem ERA von 5.77 für die Phillies und die Orioles 2017 das schwächste Jahr seiner Karriere und bewirbt sich bei den Nationals mit mehreren Konkurrenten um den fünften Spot der Rotation.

Ebenfalls um einen Platz in der Rotation wird sich Trevor Cahill bewerben, der zu den Oakland Athletics zurückkehrt, dem Team, das ihn 2006 gedraftet und bei dem er 2009 bis 2011 seine ersten MLB-Saisons verbracht hatte. Der 30-Jährige hatte in den letzten Jahren mit Verletzungen und Leistungsschwankungen zu kämpfen, die ihm zeitweise eine Versetzung in den Bullpen einbrachten. Bei den dünn besetzten A’s, die ihm 1,5 Millionen Dollar für ein Jahr bezahlen, könnte er die Chance haben zu starten.

Der dritte im Bunde der Pitcher, die auf eine Wiederbelebung ihrer Karriere hoffen, ist Clay Buchholz. Der zweimalige All-Star, der fast das gesamte letzte Jahr wegen einer Operation am Wurfarm verpasste, erhält bei den Kansas City Royals zunächst einen Minor-League-Vertrag. Dieser wird zu einem MLB-Vertrag über 1,5 Millionen Dollar, wenn und sobald Buchholz ins 40-Mann-Roster aufgenommen wird.

Die Toronto Blue Jays haben mit einem Minor-League-Vertrag für Danny Espinosa die Tiefe ihres Infields verstärkt. Espinosa war letzte Woche von den Yankees entlassen worden, nachdem diese Free Agent Neil Walker geholt hatten.

Neue Verträge für Altuve und Suarez
Der World-Series-Champion Houston Astros hat den ersten und wichtigsten Schritt getan, den Kern des Meisterteams langfristig zusammenzuhalten: 2B José Altuve unterschreibt einen neuen Vertrag, der ihn für die kommenden sieben Jahre an die Astros bindet. Die Einigung bringt ihm 151 Millionen Dollar für die Jahre 2020 bis 2024 ein, zusätzlich zu den 12,5 Millionen aus dem bestehenden Vertrag für 2018 und 2019. Das ist eine Menge Geld – das meiste, das die Astros je für einen Spieler ausgegeben haben –, aber jeder Cent davon ist gerechtfertigt. Altuve ist der amtierende MVP der American League, welche er seit vier Jahren hintereinander in Hits anführt, und er ist der unumstrittene Dreh- und Angelpunkt des Erfolgs der Astros.

Auch die Cincinnati Reds haben sich mit einem ihrer Leistungsträger auf eine langfristige Zusammenarbeit geeinigt: 3B Eugenio Suarez erhält einen Siebenjahresvertrag mit Option auf ein achtes Jahr. Der 26-Jährige hatte 2017 seine Breakout-Saison mit Schlagleistungen von .260/.367/.461 und obendrein starkem Defensivspiel. In den kommenden sieben Jahren wird Suarez 66 Millionen Dollar verdienen.

Turner, Phelps und weitere Verletzte
Schon im Spring Training so schwer verletzt zu werden, dass man die bevorstehende Saison verpasst, ist besonders bitter. Auch dieses Jahr hat es schon wieder eine ganze Reihe von Spielern erwischt: Nach den Pitching-Talenten Brent Honeywell und José de Leon von den Rays müssen nun auch SP Jharel Cotton (Athletics), RP David Phelps (Mariners) und OF Alex Dickerson (Padres) sich der berüchtigten Tommy-John-Surgery unterziehen.

3B Justin Turner von den Dodgers und SP Jason Vargas von den Mets haben unterdessen wohl Glück im Unglück: Turner hat sich das linke Handgelenk, Vargas seine rechte Hand gebrochen. Beide verpassen damit natürlich den Saisonstart, dürfen aber darauf hoffen, in ein paar Wochen wieder einsatzfähig zu sein.

Und schon wieder eine Dopingsperre
Leider kommt auch diese Woche nicht ohne einen neuen Dopingfall aus: Jorge Polanco, Shortstop der Minnesota Twins, wurde positiv auf das Steroid Stanozolol getestet. Wie im Falle eines ersten Verstoßes gegen die Dopingregeln der MLB üblich, wird Polanco für 80 Spiele, also rund die Hälfte der Saison gesperrt. Ob auf den 24-Jährigen nach Rückkehr aus der Zwangspause noch sein alter Job wartet, ist fraglich. Er war für die Startformation eigentlich gesetzt, doch nun wird Eduardo Escobar eine neue Chance erhalten, den Posten dauerhaft zurück zu gewinnen.

Die ultimative Rache des Mike Perez 
Wer erinnert sich noch an die skurrilste Verletzung des vergangenen Jahres? Martin Perez, Pitcher bei den Texas Rangers, war im Dezember gestürzt, als er auf seiner Farm vor einem Bullen davon lief. Wie die Sache für Perez endete, ist bekannt: Er brach sich den Ellenbogen seiner Handschuh-Hand, musste operiert werden und verpasste einen Großteil der Vorbereitung auf die neue Saison. Letzten Sonntag stand er zum ersten Mal im Spring Training auf dem Mound und absolvierte fünf solide Innings. Für den Bullen ging die Sache nicht ganz so glimpflich aus: „I killed him and I ate him,” verriet Perez nach dem Spiel. “It was good meat. No more bull.“ Dann wäre das also auch geklärt.

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