April 25th, 2019 by Silversurger

Was für eine spannende Saison: Letzte Woche konstatierte ich an dieser Stelle noch, dass ein Team – die Tampa Bay Rays – in seiner Division bereits mit 5,5 Spielen Abstand vorne liegt. Seitdem hat sich die Lage dahin entwickelt, dass alle Erstplatzierten der sechs Divisionen zusammen nur noch fünf Spiele Vorsprung auf die Zweiten haben. Das Team der Stunde sind die Yankees, die seit letzter Woche jedes Spiel gewonnen haben. Einen noch größeren Erfolg haben die Oakland Athletics abseits des Platzes erzielen können: Sie konnten ihren Star-Slugger Khris Davis bis 2021 an sich binden. 33,5 Millionen für zwei Jahre sind aus Teamsicht ein ziemliches Schnäppchen. Davis hatte sich von vornherein dazu bekannt, in Oakland bleiben zu wollen und dafür auch weniger Gehalt zu akzeptieren als er woanders verdienen könnte.

American League
Die Tampa Bay Rays (16-9) sind von der Bilanz her nach wie vor das beste Team nicht nur der American League East, sondern der gesamten MLB. Doch ihre Dominanz bröckelt unübersehbar: Gegen den einen Favoriten in der Division, die Boston Red Sox (10-15), mussten die Rays diese Woche einen Drei-Spiele-Sweep einstecken. Der andere Favorit, die New York Yankees (14-10), legte derweil sechs Siege in Folge hin – obwohl seine Verletzungsmisere unvermindert anhält: Catcher Gary Sanchez ist zurück im Lineup, dafür mussten nun die Outfielder Aaron Judge und Clint Frazier auf die Inury-List gesetzt werden. Die Yankees stehen nun nur noch 1,5 Spiele hinter den Rays und der Vorsprung kann heute Nacht auf ein einziges Spiel schmilzen, wenn sie auch Spiel vier gegen die Angels gewinnen, während die Rays spielfrei sind. Danach müssen die Rays nach Boston, um erneut dreimal gegen die Red Sox anzutreten. Für die Toronto Blue Jays (11-14) steht morgen das wahrscheinlich interessanteste Ereignis des Jahres an, denn Vladimir Guerrero Jr. soll zu seinem ersten MLB-Einsatz kommen (siehe „Einschalttipp“).

An der Spitze der AL Central liefern die Minnesota Twins (13-9) und die Cleveland Indians (13-10) sich ein äußerst enges Rennen. Es wird in den nächsten Wochen ein Fernduell bleiben, denn ein direktes Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten steht erst im Juni an. Die nächsten größeren Prüfsteine für beide sind die Astros: Die Indians müssen ab heute zu vier Spielen in Houston antreten, anschließend kommen die Astros für vier Spiele nach Minnesota. Ein etwas kurioser Fall sind die drittplatzierten Detroit Tigers (12-11): Ihre 76 erzielten Runs sind in der AL mit Abstand die wenigsten und das Run Differential mit -15 klar negativ. Dennoch bringen sie es auf eine knapp positive Bilanz. Man kann das auf eine besonders effektive Spielweise zurückführen, aber wahrscheinlich ist es eher Glück und gleichzeitig ein Hinweis, dass man sich mittelfristig eher im Bereich der Chicago White Sox (9-14) und der Kansas City Royals (8-17) einordnen wird.

Wie gerade schon erwähnt, haben die Houston Astros (15-9) eine schwierige Woche vor sich, da sie nun nacheinander gegen die beiden Top-Teams der AL Central antreten müssen. Erfreulich aus ihrer Sicht ist, dass ihre beiden engsten Verfolger in der AL West zurzeit nicht den Eindruck erwecken, ihren guten Saisonstart auf Dauer fortzuführen: Die Seattle Mariners (16-11) haben sich gerade von den Padres sweepen lassen und die Texas Rangers (12-11) von den Oakland Athletics (14-13). Als nächstes treffen die Mariners und die Rangers viermal aufeinander, nehmen sich also in irgendeiner Konstallation gegenseitig die Punkte weg. Keine schlechten Voraussetzungen für die Athletics, das Feld von hinten aufzurollen – wozu sie allerdings eine ungeliebte Reise an die Ostküste (Toronto, Boston, Pittsburgh) erfolgreich gestalten müssen.

National League
Die National League East erweist sich bislang als der allseits erwartete Vierkampf. Nach 2:1 Siegen der New York Mets (13-11) über die Philadelphia Phillies (13-11) stehen beide nun gleichauf an der Spitze, unmittelbar gefolgt von den Atlanta Braves (12-11). Die Washington Nationals (11-12) fallen nach vier Niederlagen aus den letzten sechs Spielen ein bisschen ab. Es würde mich nicht wundern, wenn dieser Trend sich in den nächsten Tagen und Wochen fortsetzt, denn die Nationals haben ein sehr anstrengendes Programm vor sich (Padres, Cardinals, Phillies, Brewers, Dodgers…).

In der NL Central ist zurzeit eine Menge Bewegung. An der Spitze stehen nach fünf Siegen in Folge inzwischen relativ klar die St. Louis Cardinals (15-9). Die Verfolgerplätze teilen sich zwei Teams, die offenbar in unterschiedliche Richtungen unterwegs sind: Die Chicago Cubs (12-10) arbeiten seit zwei Wochen hart und erfolgreich daran, ihren Fehlstart in die Saison vergessen zu lassen, zuletzt gewannen sie Serien gegen die Diamondbacks und die Dodgers. Den Pittsburgh Pirates (12-10) hingegen scheint nach einem unerwartet starken Saisonbeginn etwas die Luft auszugehen. Vier Niederlagen hintereinander mussten sie einstecken, das Run Differential ist inzwischen in den negativen Bereich gerutscht und gegen Arizona musste das bis dato überragende Pitching einmal elf und einmal zwölf Runs einstecken. Ebenfalls abgerutscht sind die Milwaukee Brewers (13-13), die sieben der letzten acht Spiele verloren. Um den Abwärtstrend zu stoppen, haben sie sich eine Neuverpflichtung gegönnt: Starting Pitcher Gio Gonzalez kehrt für 2 Millionen Dollar für den Rest der Saison zurück nach Milwaukee.

Die engste Division, wenn man nach dem Abstand zwischen dem ersten und dem letzten Platz geht, ist die NL West. Die Los Angeles Dodgers (15-11) sind zwar immer noch das Maß der Dinge, doch die Division ist in den letzten Tagen spürbar zusammengerückt. Möglich gemacht haben das zwei Niederlagen der Dodgers bei den Cubs, während die Arizona Diamondbacks (14-11), die San Diego Padres (14-11) und die San Francisco Giants (11-14) in den letzten Tagen jeweils drei Siege in Folge einfuhren. Auch die Colorado Rockies (11-14) sind im Kommen, sie haben genau wie die Diamondbacks acht der letzten zehn Spiele gewonnen.

Szenen der Woche
Dass Justin Bour gern mal auf das Erreichen einer Base verzichtet, haben wir letzte Woche schon gesehen. Diese Woche leistete Bour sich erneut die Hauptrolle in einem kuriosen Moment. Er schlug – bei einem Out und vorhandenem Runner auf der ersten Base – einen Popup im Infield und verzichtete darauf, zur Base zu laufen. Ein schwerer Fehler, den die Mariners eiskalt bestraften: Sie ließen den Ball auf den Boden fallen und sammelten dann durch Würfe an die zweite und die erste Base gemütlich ein Doubleplay ein. Die Szene eignet sich in mehrfacher Hinsicht als Lehrvideo: erstens dafür, warum man immer zur ersten Base rennen sollte, nachdem man den Ball ins Feld geschlagen hat; zweitens dafür, dass die Infield-Fly-Regel nicht gilt, solange nur ein Baserunner vorhanden ist.

Ein weiteres ungewöhnliches Doubleplay kann ich nicht unerwähnt lassen: Zuerst gelang es Athletics-Centerfielder Ramon Laureano, einen scheinbar sicheren Homerun von Teoscar Hernandez noch vom Zaun zu pflücken. Derweil war Justin Smoak von der ersten Base bereits losgelaufen, kehrte korrekterweise wieder zurück, lief dann aber nach einem zu weit geratenen Wurf erneut Richtung zweite Base und wurde dort schließlich von Jurickson Profar erwischt. Hier also der zweite frühe Kandidat für das Doubleplay des Jahres:

Statistik der Woche 
59. So viele Homeruns haben die Baltimore Orioles in dieser Saison schon zugelassen und damit einen Rekord aufgestellt, auf den sie sicher gern verzichten würden. Es sind die meisten Homeruns, die je ein Team innerhalb eines Monats erlaubt hat. Eine kleine Einschränkung gibt es noch: In den Split-Statistiken werden üblicherweise März und April zusammengefasst. Ohne die vier Homeruns, die die Orioles schon im März kassiert haben, stehen sie diesen Monat bei „nur“ 55 und somit bei zwei weniger als die Oakland Athletics im Mai des Jahres 1964. Aber diese Spitzfindigkeit wird sich vermutlich bald in Luft auflösen, denn die Orioles haben noch fünf Spiele im April.

Spiel der Woche
Nichts fühlt sich besser an als ein Comeback-Win, insbesondere wenn man vorher eine Serie von Niederlagen einstecken musste. Als die Braves am Samstag in das Spiel gegen die Indians gingen, hatten sie viermal hintereinander verloren – zuletzt am gleichen Tag im ersten Teil des Doubleheaders. Und es schien einfach so weiterzugehen mit dem Absturz der Braves, die ihren Starter Touki Toussaint schon nach 1.1 Innings und sieben verschuldeten Runs vom Mound nehmen mussten. Ersatzmann Shane Carle, der als 26. Mann in den Kader des Doublheader-Tages geholt worden war, gelang es, mit 3.2 scorelosen Innings die Blutung zu stoppen und den Spielstand bei 0:7 einzufrieren. Mit einem Run im fünften und zwei im siebten Inning schien Atlantas Offensive zunächst nur Ergebniskosmetik zu betreiben. Doch im Endeffekt war das die Grundlage, im neunten Inning die Wende herbeizuführen. Clevelands Reliever Adam Cimber ließ drei Walks und ein Single zu, sein Nachfolger auf dem Mound Tyler Olson walkte seinen ersten und einzigen Batter. Cody Anderson kam rein, um beim Stand von 7:6 und zwei Outs gegen Ronald Acuna den Sack zuzumachen, doch dem gelang stattdessen ein Double, welcher das Ergebnis auf 8:7 für die Braves drehte. Closer A. J. Minter sorgte mit drei Strikeouts in der unteren Hälfte des Innings für das seltene Gefühl, dass die Braves stolz auf ihren Bullpen sein durften.

Mein Einschalttipp
Die Toronto Blue Jays spielen gegen die Oakland Athletics. Das klingt – sofern man nicht ein großer Anhänger eines der beiden Teams ist – nicht nach einem Matchup, dem man entgegenfiebert. Aber diesen Freitag schaut die Baseballwelt gespannt auf das Debüt von Vladimir Guerrero Jr. Der Nachwuchsspieler der Blue Jays hat die Minor Leagues dominiert und wird seit Monaten massiv gehypet als der nächste große Star der MLB. Nun ist endlich der lang ersehnte Call-up erfolgt und Vlad Jr. darf zeigen, ob er den Vorschusslorbeeren gerecht wird. Die Partie beginnt Freitagnacht um 1:07 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

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Dezember 27th, 2018 by Silversurger

Über die Weihnachtstage kehrt üblicherweise auch in der MLB etwas Ruhe und Besinnlichkeit ein und so gab es in den vergangenen Tagen keine nennenswerten Moves zu vermelden. Kurz vor den Feiertagen fanden aber durchaus noch ein paar interessante Trades und Verpflichtungen statt, auf die ich hier kurz zurück kommen möchte – allen voran ein Blockbuster zwischen den Dodgers und den Reds, der auf Seiten der Dodgers ein Vorbote für etwas noch Größeres sein könnte.

Dodgers sparen, Reds rüsten auf
Die Cincinnati Reds scheinen fest entschlossen, aus der Rolle der grauen Maus in der NL Central herauszutreten: Im Trade mit den Los Angeles Dodgers haben sie sich in OF Matt Kemp, OF Yasiel Puig und SP Alex Wood drei etablierte Veteranen sowie Backup-Catcher Kyle Farmer gesichert. Im Gegenzug erhalten die Dodgers die beiden Prospects IF Jeter Downs und P Josiah Gray. Das klingt auf den ersten Blick sehr einseitig zu Gunsten der Reds, doch tatsächlich waren die Dodgers so versessen auf den Trade, dass sie noch 7 Millionen Dollar obendrauf legen und zudem den Vertrag von Homer Bailey übernehmen, obwohl sie für ihn keine Verwendung haben und ihn direkt wieder entlassen werden. Der Sinn des Trades besteht für die Dodgers darin, dass sie in Summe rund 17 Millionen Dollar an Gehältern sparen und damit unter die Luxussteuer-Grenze rutschen. Sie könnten allerdings bald wieder darüber liegen, denn es wird gemunkelt, dass die Dodgers sich mit der Aktion den Spielraum für eine große Free-Agent-Verpflichtung verschaffen wollten. Bryce Harper gilt als heißer Kandidat dafür.

Erneuter Dreiecks-Trade der Rays
Die Tampa Bay Rays scheinen eine Vorliebe für kreative Trades zu haben, denn in der zweiten Woche hintereinander haben sie einen Handel abgeschlossen, bei dem drei Teams involviert sind. Ihre Partner waren dieses Mal die Oakland Athletics und die Texas Rangers. Der bekannteste betroffene Spieler ist IF Jurickson Profar, der von Texas nach Oakland wechselt. RP Emilio Pagan und ein Draftpick wandern von den Athletics zu den Rays, während die Rays 750.000 Dollar an internationalem Bonus-Budget zu den Rangers schicken. Außerdem wechseln die Minor-Leaguer Rollie Lacy von den Rangers zu den Rays, Eli White von den Athletics zu den Rangers sowie Brock Burke, Kyle Bird und Yoel Espinal von den Rays zu den Rangers.

Dipoto holt den nächsten Santana
Die Seattle Mariners und ihr handlungsfreudiger GM Jerry Dipoto mischen natürlich auch wieder im Trade-Karussell mit. Dipotos neueste Errungenschaft ist OF Domingo Santana, der im Austausch gegen OF Ben Gamel und Minor-League-Pitcher Noah Zavalos von den Milwaukee Brewers kommt. Ich bin gespannt, ob dieser Santana länger in Seattle bleibt als der letzte. Dipoto hatte in dieser Offseason bereits Carlos Santana von den Phillies ertradet, nur um ihn eineinhalb Wochen später nach Cleveland weiterzureichen.

Cardinals verpflichten Andrew Miller
Das relevanteste Free-Agent-Signing der Woche ist, dass Relief Pitcher Andrew Miller zu den St. Louis Cardinals geht. Der stark umworbene Linkshänder erhält einen Vertrag über 25 Millionen Dollar für zwei Jahre. Wenn er in dieser Zeit in mindestens 110 Spielen eingesetzt wird, verlängert sich die Laufzeit um ein weiteres Jahr für 12 Millionen. I

Daniel Murphy zu den Rockies
Infielder Daniel Murphy hat bei den Colorado Rockies einen ähnlichen Vertrag unterschrieben wie Miller in St. Louis. Er erhält zunächst 24 Millionen Dollar für zwei Jahre, die anschließende beidseitige Option für das dritte Jahr ist 12 Millionen wert. Der Buyout, falls der Vertrag nicht fortgesetzt wird, beträgt 6 Millionen Dollar.

Anibal Sanchez ergänzt Nationals-Rotation
Für zwei Jahre und 19 Millionen Dollar wird SP Anibal Sanchez bei den Washington Nationals spielen. Der 34-Jährige wird Teil einer beeindruckenden Pitching-Rotation um Max Scherzer, Stephen Strasburg und Patrick Corbin sein.

Athletics holen Soria und Fiers
SP Mike Fiers kehrt zurück zu den Oakland Athletics. Die A’s hatten Fiers drei Wochen zuvor entlassen, weil sie ihm kein Arbitration-Angebot unterbreiten wollten. Sie einigten sich mit ihm aber stattdessen auf einen neuen Kontrakt über rund 14 Millionen Dollar für zwei Jahre Auch Reliever Joakim Soria erhält bei den Athletics einen Zweijahresvertrag. Er unterschreibt für 15 Millionen Dollar. Soria hat Erfahrung als Closer, wird in Oakland aber eher als Setup-Man für Blake Treinen zum Einsatz kommen.

Trevor Cahill zu den Angels
Auch die Los Angeles Angels bauen an ihrer Starting Rotation für 2019. Nach der Verpflichtung von Matt Harvey in der Vorwoche meldeten die Angels nun auch mit Trevor Cahill Vollzug. Der 30-jährige Rechtshänder erhält für ein Jahr 9 Millionen plus Leistungsboni von bis zu 1,5 Millionen Dollar.

Giants verpflichten Switch-Pitcher Venditte
Pat Venditte ist der einzige Switch-Pitcher in der MLB seit über 30 Jahren. Er hat sich bislang noch nicht stabil in der Liga etablieren können, aber in den wenigen Einsätzen für die Dodgers letztes Jahr zeigte er vielversprechende Ansätze (14 IP, 2.57 ERA). 2019 wird Venditte für die Giants antreten, die ihm für das Jahr 585.000 Dollar bezahlen.

Cruz nach Minnesota
In letzter Sekunde erfahre ich gerade, dass die Minnesota Twins sich mit DH Nelson Cruz auf einen Vertrag über ein Jahr plus Option für ein weiteres Jahr geeinigt haben. Finanzielle Details sind noch nicht bekannt.

Machado, Harper, Kikuchi nähern sich Entscheidungen
Die beiden Top-Free-Agents Manny Machado und Bryce Harper sowie das japanische Pitcher-Talent Yusei Kikuchi haben sich bislang nicht entschieden, wo sie in den nächsten Jahren spielen wollen. Machado hat aber bereits wissen lassen, dass die engere Auswahl sich für ihn auf die Chicago White Sox, die New York Yankees und die Philadelphia Phillies beschränkt und dass er sich im neuen Jahr entscheiden wird. Harper hat sich noch nicht so eindeutig geäußert, aber mit den Chicago Cubs und den Los Angeles Dodgers haben sich zwei Favoriten auf seine Dienste herauskristallisiert. Um Kikuchi gibt es bislang erstaunlich wenige konkrete Spekulationen. Eine Entscheidung dürfte aber bald fallen und bekannt werden, denn Kikuchi wurde formal am 3. Dezember für eine Verpflichtung in der MLB freigegeben, die innerhalb von 30 Tagen erfolgen muss.

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August 28th, 2018 by Silversurger

Gewonnen und verloren wird als Mannschaft, aber mehr noch als in den meisten anderen Sportarten stehen im Baseball auch die Einzelleistungen der Spieler im Blickpunkt. Um dies zu würdigen, gibt es am Ende der Saison eine Reihe von Auszeichnungen, die überwiegend vom Baseball-Journalistenverband Baseball Writers‘ Association of America (BBWA) vergeben werden. Die wichtigste Auszeichnung ist natürlich die des wertvollsten Spielers (Most Valuable Player, kurz: MVP) in jeder der beiden Major-Ligen. Darüber hinaus gibt es für jede Liga den Cy Young Award für den besten Pitcher, einen Award für den besten Rookie und einen für den besten Manager. Nicht die BBWA, sondern die MLB selbst vergibt zudem den Award des Comeback Players of the Year. Dieser geht an je einen Spieler der AL und der NL, der es nach einer längeren Formschwäche oder Verletzung geschafft hat, wieder Top-Leistungen zu bringen. Je mehr sich die reguläre Saison ihrem Ende zuneigt, umso mehr schießen die Spekulationen ins Kraut, wer dieses Jahr eine oder mehrere der begehrten Auszeichnungen abräumen wird. Hier sind meine Tipps dazu:

American League MVP
Der naturgegebene Favorit an dieser Stelle ist eigentlich immer Mike Trout von den Los Angeles Angels, der wahrscheinlich beste Baseballspieler unserer Zeit. Trout muss regelmäßig den Makel überwinden, in einem nur eingeschränkt konurrenzfähigen Team zu spielen. Daher braucht es von ihm immer eine besonders gute Saison, um trotzdem den Award als wertvollster Spieler der AL zu gewinnen. Lange Zeit sah es ganz danach aus, dass ihm dieses Jahr wieder mal eine solche besonders gute Saison gelingt, vielleicht sogar die beste aller Zeiten. Doch nun hat Trout drei Wochen Verletzungspause hinter sich und die Konkurrenz hat spürbar aufgeholt. Vor allem Red-Sox-Outfielder Mookie Betts drängt sich auf. Betts führt die AL mit 8.4 bWAR an und steht mit allen Komponenten seiner Slashline (.336/.422/.628) weit vorne in der Liga. Eine bessere On-Base-Percentage als Betts hat nur Trout (.458), und der einzige, der Betts mit einem Average von .337 und Slugging von .657 übertrifft, ist sein Teamkamerad J. D. Martinez. Martinez ist es auch, der sich mit Khris Davis von den Oakland Athletics ein Rennen um die Homerun-Krone liefert. Beide, Martinez und Davis, tragen allerdings wenig zum Defensivspiel ihres Teams bei, während Betts auch hier zu den Top-Spielern der Liga gehört.

National League MVP
In der NL liegt nach bWAR Max Scherzer (8.7) knapp vor Aaron Nola (8.6), nach fWAR führt Jacob deGrom (6.9) vor Scherzer (6.0) – eine besondere Leistung des Pitcher-Trios angesichts der Tatsache, dass sie nur in jedem fünften Spiel dabei sind. Gerade deswegen werden Pitcher aber nur sehr selten zum MVP gewählt und ich schätze, dass sich auch dieses Mal ein Positionsspieler durchsetzt. Wer es sein wird, ist zurzeit noch schwer vorherzusagen, denn von den Statistiken her sind mehrere Spieler recht eng beisammen. Am Ende spielt sicher auch eine Rolle, wer von ihnen sein Team in die Playoffs führt und wer nicht. Matt Carpenter (St. Louis) und Nolan Arenado (Colorado) könnten gute Chancen haben, wenn die begonnenen Comebacks ihrer Mannschaften von Erfolg gekrönt werden. Wahrscheinlicher erscheint mir jedoch, dass der Award an Freddie Freeman geht, den unumstrittenen Führungsspieler der jungen und erfolgreichen Atlanta Braves.

American League Cy Young
Letztes Jahr sah Bostons Chris Sale lange Zeit nach dem sicheren Gewinner aus, doch mit einem starken Endspurt jagte Corey Cluber ihm den Award noch ab. Es ist nicht auszuschließen, dass es dieses Jahr ähnlich läuft. Wieder hat Chris Sale stark vorgelegt und führt haufenweise Statistiken an (1.97 ERA, 1.95 FIP, 13.5 K/9, 6.4 bWAR, 6.1 fWAR etc.), aber wieder scheint ihm gegen Ende der Saison ein bisschen die Puste auszugehen: Sale ist zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen auf der DL gelandet und wird noch rund 14 Tage brauchen, bevor er wieder auf dem Mound steht. Ich denke, er wird den Cy-Young-Award trotzdem bekommen, aber die Astros Gerrit Cole und Justin Verlander haben jetzt erstmal die Gelegenheit, in seiner Abwesenheit zu glänzen und das Rennen spannend zu machen. Clevelands Trevor Bauer wäre auch ein Kandidat gewesen, fällt aber ebenfalls zurzeit aus.

National League Cy Young
Hier trifft Tradition auf statistische Analyse, denn es stellt sich die Frage, ob man mit einer Bilanz von nur 8 Wins und ebenso vielen Losses die höchste Auszeichnung für einen Pitcher gewinnen darf. Es ist die Bilanz von Jacob deGrom, der mit 1.71 ERA und 2.07 FIP der beste Pitcher der NL ist. Meine Meinung ist ganz klar: Der arme Mann kann nichts dafür, dass er bei den New York Mets spielt und dass diese kaum Runs erzielen, um seine fantastischen Starts in Siege umzumünzen. Pitcher-Wins sind eine komplett unbrauchbare Statistik, und wer daran festmacht, dass Max Scherzer (16-6) oder Aaron Nola (15-3) ein würdigerer Preisträger wären, hat leider gar nichts verstanden.

American League Rookie
Der frühe Favorit für die Auszeichnung als bester Neuling war Shohei Ohtani, der japanische Two-Way-Star der Angels. Man kann nicht behaupten, dass Ohtani enttäuscht hätte, denn sowohl als Pitcher wie auch als Batter waren seine Leistungen solide bis gut. Doch Ohtanis Debütsaison wird deutlich geschmälert durch eine Verletzung, die ihn für einen Monat ganz außer Gefecht setzte und ihn bis heute vom Pitchen abhält. Zwischenzeitlich lief ihm deswegen Yankees-2B Gleyber Torres den Rang ab, der allerdings in der zweite Saisonhälfte zuerst seinerseits eine Verletzungspause einlegen musste und seit seiner Rückkehr deutlich schwächer produziert als vorher. Das öffnet die Tür für einen Überraschungskandidaten: Torres‘ Teamkamerad Miguel Andujar bringt weniger Vorschusslorbeeren mit als die beiden anderen, dafür aber mindestens genauso gute Leistungen und deutlich mehr Konstanz und Durchhaltevermögen. Andujar führt die Rookies der AL unter anderem in HRs (21), RBIs (76), AVG (.307) und bWAR (3.4) an.

National League Rookie
In der NL dürfte es auf zwei Kandidaten hinauslaufen. Juan Soto hatte sein Debüt für die Washington Nationals erst am 20. Mai, doch seitdem hat er mit 15 Homeruns in 86 Spielen, einer On-Base-Percentage von .408, einem Slugging von .507 und gutem Defensivspiel im Rightfield überzeugt. Geradezu sensationell erscheint diese Leistung angesichts der Tatsache, dass der Junge erst 19 Jahre alt ist und das AAA-Niveau der Minor Leagues komplett übersprungen hat. Soto wäre ein würdiger Rookie of the Year, Atlantas Ronald Acuna Jr. aber auch. Der 21-Jährige hat in noch weniger Spielen (76) noch mehr Homeruns (21) erzielt als Soto. Acuna kommt zwar seltener auf Base (.358 OBP), hat aber aufgrund seines stärkeren Sluggings (.570) einen etwas höheren OPS (.928 zu .915) und deutlich mehr bWAR (3.4 zu 2.0). Hinzu kommt, dass Acuna mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, weil er bei einem Contender spielt und weil er Anfang August mit einer Serie von acht Homeruns in acht Spielen aufhorchen ließ.

American League Comeback Player
Eine typische Comeback-Player-Saison erlebt Matt Duffy von den Tampa Bay Rays: Er verpasste einen Großteil der Saison 2016 und die ganze Saison 2017 mit einer Achillesssehnenverletzung. Ob er 2018 eine Rolle spielen würde, schien in den Sternen zu stehen. Doch Duffy erwies sich als ganz der Alte: ein solider Third Baseman mit guten Hitting Skills (.300/.357/.375), wenngleich – früher wie heute – mit relativ wenig Power. Weitere Kandidaten dürften SP Tyler Skaggs (Angels), SP Nathan Eovaldi (Red Sox) und SS Jurickson Profar (Rangers) sein.

National League Comeback Player
Der Comeback Award ging bisher in der Regel an Spieler, die sich entweder nach einer Verletzung oder nach einer längeren Formschwäche wieder zurück gekämpft hatten. Noch nie erhielt ihn jemand nach Rückkehr von einem Engangement im Ausland. Dieses Mal könnte das erste Mal sein und es wäre durchaus verdient, wenn Miles Mikolas die Auszeichnung erhält. Der Pitcher spielte von 2012 bis 2014 mit mittelmäßigem Erfolg für die Padres und die Rangers. Nach seiner Entlassung in Texas ging er 2015 nach Japan zu den Yomiuri Giants und entwickelte sich dort umgehend zu einem Star-Spieler, der es in drei Spielzeiten auf einen ERA von 2.18 brachte. Vor der aktuellen Saison holten die St. Louis Cardinals Mikolas zurück nach Amerika und er rechtfertigte das Vertrauen mit guten Leistungen (2.94 ERA, 3.49 FIP, 162.0 IP). Ein eher klassischer Kandidat wäre Matt Kemp. Der 33-Jährige schien dem Ende seiner Karriere nahe, als sein Trade von Atlanta zu den Dodgers im Winter als reine Sparmaßnahme eingestuft wurde und man davon ausging, dass er noch vor dem ersten Spiel entlassen würde. Doch Kemp erkämpfte sich einen Platz im Roster und spielt derzeit seine beste Saison seit 2014.

American League Manager
Manager of the Year wird man nicht unbedingt, weil man das Team mit der besten Bilanz trainiert. Man wird es, wenn man mehr aus einem Team herausholt als allgemein erwartet wurde. Von den Boston Red Sox und den New York Yankees zum Beispiel wurde, obwohl beide mit Rookie-Managern antreten, eine erfolgreiche Saison erwartet; daher hatten Alex Cora und Aaron Boone wenig Gelegenheit, die Erwartungen zu übertreffen. Ganz anders Bob Melvin, der mit den Oakland Athletics drauf und dran ist, ein regelrechtes Wunder zu vollbringen. Die A’s gingen als krasser Außenseiter in die Saison und befinden sich nun in aussichtsreicher Position, über eine Wild Card in die Playoffs zu kommen und obendrein den Houston Astros an der Spitze der AL West das Leben schwer zu machen. Sofern die Athletics in den restlichen Wochen keinen massiven Einbruch erleben, dürfte Melvin der Award sicher sein.

National League Manager
In der NL sind die St. Louis Cardinals der Klub, über den alle reden. Sie gingen als solides Mittelfeld-Team mit Überraschungspotenzial in die Saison, waren aber zum All-Star-Break praktisch abgeschrieben. Als Konsequenz läutete man einen Umbruch ein und entließ Manager Mike Matheny. Mike Shildt übernahm den Job als Interimsbesetzung und plötzlich läuft es unglaublich gut in St. Louis. Das ist ein geradezu perfektes Beispiel für einen Fall, in dem ein Manager den entscheidenden Unterschied macht. Wenn Shildt die Cardinals in die Playoffs führt, gehört der Award vermutlich ihm. Neben den Cardinals haben vor allem die beiden Spitzenteams der East-Division die Erwartungen übertroffen. Sollte St. Louis die Postseason verpassen, wird die Auszeichnung wohl an den Manager des Teams gehen, das die NL East gewinnt. Ich tippe auf Brian Snitker mit den Atlanta Braves, aber auch Gabe Kapler hat mit seinen Philadelphia Phillies eine bemerkenswerte Saison zustande gebracht, egal wie es am Ende ausgeht.

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