November 21st, 2019 by Silversurger

Die ganz großen Free-Agent-Signings blieben diese Woche noch aus, aber die Atlanta Braves haben bereits einen Anfang gemacht. Die Pittsburgh Pirates sortieren derweil erstmal ihr Front Office, haben mit Ben Cherington endlich einen neuen General Manager gefunden. Die Ligaführung beschäftigt sich nach wie vor mit dem Sign-Stealing-Skandal um die Houston Astros und schmiedet gleichzeitig offenbar Pläne, die Minor Leagues beträchtlich zu verkleinern. Soweit die wichtigsten Neuigkeiten aus der MLB. Außerdem darf ich noch die MVPs der vergangenen Saison nachliefern, die ein paar Stunden nach dem letzten Grand Slam am Donnerstag bekannt gegeben wurden.

Die wertvollsten Spieler 2019 kommen aus Los Angeles
Als letzter und wichtigster der großen Einzelspielerawards für die Saison 2019 stand noch die Ehrung der MVPs, also der wertvollsten Spieler der MLB aus. Durchgesetzt haben sich die beiden Favoriten Mike Trout (Los Angeles Angels) in der American League und Cody Bellinger (Los Angeles Dodgers) in der National League. Für Trout war es nach 2014 und 2016 schon der dritte MVP-Award. Von den 30 wahlberechtigten Baseballjournalisten hatten 17 Trout auf Rang eins ihres Stimmzettels, die anderen 13 hatten ihn auf Rang zwei. Alle anderen Erst- und Zweitstimmen in der AL gingen an Alex Bregman von den Houston Astros. In der NL brachte Bellinger es auf 19 Erststimmen und ließ damit Vorjahres-MVP Christian Yelich (10) und World-Series-Gewinner Anthony Rendon (1) klar hinter sich.

Neuer General Manager für die Pirates
Die Pittsburgh Pirates haben ihren neuen General Manager gefunden: Ben Cherington soll die Geschicke des Klubs in den kommenden Jahren leiten. Der 45-Jährige war zuletzt als Vizepräsident der Toronto Blue Jays tätig, besser bekannt ist er als ehemaliger GM der Boston Red Sox. Die Bilanz seiner Zeit in Boston von 2012 bis 2015 ist zwiespältig: 2013 führte er die Red Sox zum Gewinn der World Series, in den drei anderen Jahren hingegen belegten sie jeweils den letzten Platz ihrer Division. Zugute halten muss man Cheringten wiederum, dass er einen jungen Kern mit zum Beispiel Mookie Betts, Andrew Benintendi, Xander Bogaerts, Jackie Bradley Jr., Rafael Devers und Eduardo Rodriguez hinterließ, der 2018 eine weitere World Championship nach Boston holte. Die erste wichtige Aufgabe, die beim neuen Arbeitgeber in Pittsburgh auf Cherington wartet, ist die Verpflichtung eines neuen Field Managers.

Braves sichern sich zwei Reliever
Die Atlanta Braves haben sich als erste aus der Deckung gewagt und eine nennenswerte Neuverpflichtung bekannt gegeben: Will Smith, der wohl beste Reliever der diesjährigen Free-Agent-Klasse, hat für 39 Millionen Dollar einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Hinzu kommt eine Kluboption für das Jahr 2023, die Smith weitere 13 Millionen einbringen würde. Da der Linkshänder ein Qualifying Offer der San Francisco Giants vorliegen hatte, erhält sein Ex-Klub von den Braves einen Pick in der Draft 2020 als Kompensation. Neben Smith verstärkt auch Chris Martin den Bullpen der Braves. Der Rechtshänder war schon während der Saison zur Trade-Deadline von den Texas Rangers nach Atlanta gekommen. Jetzt sicherten sich die Braves seine Dienste für die nächsten zwei Jahre gegen 14 Millionen Dollar Entlohnung.

Zwei Spieler akzeptieren Qualifying Offer
Will Smith war einer von zehn Spielern, die dieses Jahr ein Qualifying Offer von ihrem Klub erhalten hatten. Erwartungsgemäß lehnten wie er die meisten von ihnen den Einjahresdeal über 17,8 Millionen Dollar ab. Angenommen haben ihn 1B Jose Abreu von den Chicago White Sox und SP Jake Odorizzi von den Minnesota Twins. Für Abreu war schon länger klar, dass er und die White Sox weiterhin zusammenarbeiten möchten. Die Frage war nur, ob man sich auf einen längerfristigen Vertrag einigt oder eben das QO als Sicherheitsnetz genutzt wird. Letzteres ist nun erst mal der Fall, Ersteres durchaus noch möglich. Dass auch Odorizzi das QO angenommen hat, kam für mich überraschend. Er selbst bezeichnete die Entscheidung als „betting on myself“. Er hofft also, durch ein weiteres gutes Jahr zu überzeugen und dann nächstes Jahr – ohne den Balast der Draftpick-Kosten nach einem QO – einen noch besseren Vertrag zu bekommen, als es momentan möglich wäre.

Werden 42 Minor-League-Teams dicht gemacht?
Die Zusammenarbeit zwischen der Major League Baseball (MLB) und den Minor Leagues (MiLB) ist vertraglich im Professional Baseball Agreement (PBA) geregelt. Dieser Vertrag läuft Ende 2020 aus und muss erneurt werden. Das sind Vorgänge, die normalerweise wenig beachtet hinter den Kulissen ablaufen. Durch einen öffentlich bekannt gewordenen Vorstoß hat die MLB nun allerdings einigen Aufruhr entfacht: Der Vorschlag sieht eine Reorganisation der MiLB vor, durch die die Zahl der Minor-League-Teams von 160 auf 118 reduziert würde. Dass es gegen solche Pläne massiven Widerstand gibt, war zu erwarten – schließlich hängen an den möglichen Streichungen traditionsreiche Baseballstandorte mit lokalen Fanbasen und vor allem zahlreichen Arbeitsplätzen für Spieler und sonstiges Personal. Die MLB auf der anderen Seite argumentiert, dass die Schrumpfung notwendig ist, um die Rahmenbedingungen in den Minor Leagues insgesamt aufwerten zu können. Dies ist erst der Anfang einer Diskussion, die die Baseballwelt innerhalb der nächsten Monate massiv beschäftigen könnte.

Houston hat ein Problem
Das andere große Thema dieser Offseason sind die Sign-Stealing-Vorwürfe gegen die Houston Astros. Neue Entwicklungen seit letzter Woche gibt es kaum. Die Untersuchung der Liga gegen die Astros läuft und wird noch eine ganze Weile andauern. Andere Teams stehen bisher nicht im Fokus der Ermittlungen, sind aber insofern betroffen, als zum Beispiel Alex Cora – heute Manager der Red Sox, damals Bench Coach der Astros – oder Carlos Beltran – damals Astros-Spieler, jetzt Mets-Manager – zu ihren Kenntnissen und Rollen bezüglich der Vorgänge des Jahres 2017 befragt werden. MLB-Commissioner Rob Manfred ließ diese Woche verlauten, dass es keinen Zeitplan für die Untersuchung gibt, sie aber möglichst bis zum Start der neuen Saison abgeschlossen sein soll.

Verstärkungen aus Japan
In den beiden vergangenen Offseasons stand mit Shohei Ohtani und Yusei Kikuchi je ein japanischer Starspieler im Fokus, hinter dem eine ganze Reihe von MLB-Teams her war. Ohtani unterschrieb schließlich vor der Saison 2018 bei den Los Angeles Angels, Kikuchi Anfang 2019 bei den Seattle Mariners. Auch dieses Jahr bewerben sich wieder einige gestandene Profis aus der zweitwichtigsten Baseballnation der Welt für ein Engagement in der MLB. Einen Hype in der Größenordnung der beiden Vorgänger löst keiner von ihnen aus. Trotzdem darf man gespannt sein, wo die folgenden Spieler landen und wie sie einschlagen werden:

  • OF Yoshimoto Tsutsugo, 28-jähriger Powerhitter von den Yokohama BayStars;
  • IF Ryosuke Kikuchi, 29-jähriger Defensivspezialist von Hiroshima Carp (nicht verwandt mit Yusei Kikuchi);
  • P Shun Yamaguchi, 32-jähriger Starter der Yomiuri Giants;
  • CF Shogo Akiyama, 31-jähriger ausgewogener Hitter der Seibu Lions.

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November 14th, 2019 by Silversurger

Es ist die große Award-Woche in der MLB und das ist auch das dominierende Themen im heutigen Grand Slam am Donnerstag. Erwähnenswert ist zudem, dass inzwischen alle Teams außer den Pittsburgh Pirates ihren Manager für die kommende Saison benannt haben – zuletzt die San Francisco Giants, bei denen Gabe Kapler die Nachfolge des in den Ruhestand gewechselten Bruce Bochy antritt. Außerdem gibt es mal wieder Ärger um mutmaßliches Sign Stealing von MLB-Teams in Heimspielen – ein Glück, dass zumindest die diesjährige World Series von dieser Diskussion verschont bleiben wird, da es in ihr keinen einzigen Heimsieg gab…

Die Giants haben einen neuen Manager
Gabe Kapler war nicht lange arbeitslos: Einen Monat, nachdem die Philadelphia Phillies ihren Field Manager entlassen hatten, hat dieser bei den San Francisco Giants bereits eine neue Anstellung gefunden. Der 44-Jährige gilt als kreativer Analytiker mit dem Talent, einen guten Draht zu den Spielern aufzubauen. In Philadelphia konnte er allerdings die Erwartungen, das Team aus dem Mittelmaß zu führen, nicht erfüllen, brachte es in zwei Jahren auf eine Bilanz von 161-163. Es kommt daher für mich etwas überraschend, dass die Giants ihre Hoffnungen auf ihn setzen. Der General Manager der Giants, Farhan Zaidi, und Kapler kennen sich aus der gemeinsamen Zeit von 2014 bis 2017 bei den Los Angeles Dodgers.

Alonso und Alvarez sind die besten Neulinge
Die Rookies of the Year wurden Montagnacht bekannt gegeben. In der American League gewann Yordan Alvarez von den Houston Astros die Auszeichnung einstimmig, in der National League holte Pete Alonso von den New York Mets den Titel mit 29 von 30 Stimmen. Das einzige Überraschende an diesen Ergebnissen ist die eine Stimme, die Alonso zur Einstimmigkeit fehlte. 53 Homeruns in seiner Debütsaison sind die meisten, die je ein Rookie erzielt hat, zudem gewann er das Homerun-Derby im Juli. Mit 4.8 fWAR leistete Alonso den mit Abstand größten Gesamtbeitrag eines Rookies, gefolgt von Braves-Pitcher Mike Soroka mit 4.0. Soroka erhielt übrigens die eine Stimme bei der Wahl, die nicht an Alonso ging. Alvarez brachte es auf 3.8 fWAR, was der Höchstwert eines Rookies in der American League war. Die mit Spannung erwartete erste Saison von Torontos Vladimir Guerrero Jr., der einst als heißer Favorit für den Rookie des Jahres galt, war mit 0.4 fWAR vergleichsweise enttäuschend.

Manager des Jahres ausgezeichnet
Bei den Wahlen zum Manager des Jahres ging es weitaus enger zu als bei den Rookies. In der NL setzte sich Mike Shildt von den St. Louis Cardinals knapp vor Craig Counsell von den Milwaukee Brewers durch. Counsell stand zwar auf 13 Wahlzetteln auf Platz eins und Shildt nur auf 10, doch deutlich mehr Zweitstimmen brachten Shildt in der Gesamtwertung nach vorne. Für Shildt war 2019 die erste volle Saison als Manager, nachdem er Mitte 2018 als Interimsbesetzung übernommen und sich eine Daueranstellung verdient hatte. Die Cardinals holten unter seiner Leitung 91 Siege und ihren ersten Divisionstitel seit 2015.
Auch in der American League war es ein enges Rennen: Minnesotas Rocco Baldelli und Yankees-Skipper Aaron Boone erhielten jeweils 13 Erststimmen, insgesamt hatte Baldelli die Nase vorn. Er führte die Twins zu 101 Siegen und auf Platz eins der AL Central in der Breakout-Saison des deutschen Stars Max Kepler.

Verlander und deGrom erhalten Cy-Young-Award
Auch die besten Pitcher der Saison 2019 haben diese Woche ihre Auszeichnung erhalten. In der American League gab es ein Rennen zwischen zwei Teamkameraden: Alle 30 Erststimmen der wahlberechtigten Journalisten entfielen auf Pitcher der Houston Astros. Justin Verlander erhielt 17 davon, Gerrit Cole die restlichen 13. Für Verlander ist es nach 2011 mit den Detroit Tigers das zweite Mal in seiner Karriere, dass er den begehrten Award erhält. Auch der Preisträger in der National League ist ein Wiederholungstäter. Jacob deGrom bekommt die Auszeichnung sogar zum zweiten Mal hintereinander. Das Ass der Mets ist damit der erste Pitcher seit Tim Lincecum 2008/2009, der den Cy-Young-Titel verteidigen konnte. Seine Wahl war alles andere als knapp; mit 29 von 30 Erststimmen und 207 Gesamtpunkten ließ er Hyun-Jin Ryu und Max Scherzer (je 72) weit hinter sich.

Wertvollste Spieler werden heute gekürt
Die letzte und wichtigste der großen Einzelauszeichnungen steht noch aus. Heute Nacht zwischen 0 und 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit werden die „Most Valuable Players“ der beiden Ligen verkündet. In der AL ist wie quasi jedes Jahr Mike Trout einer der Favoriten auf den Titel. Hätte er sich nicht Anfang September für den Rest der Saison verletzt, wäre es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mal eng geworden. So allerdings kann sich sein Konkurrent Alex Bregman durchaus Chancen ausrechnen. Ich würde dennoch eher auf einen weiteren und völlig verdienten Award für Trout tippen. In der NL dürfte es relativ knapp werden zwischen Cody Bellinger und Christian Yelich. Für Yelich sprechen die etwas besseren Offensivstatistiken, für Bellinger die stärkere Defense sowie die geringeren Ausfallzeiten aufgrund von Verletzungen. Der dritte Finalist der NL, Anthony Rendon, geht als klarer Außenseiter in die Entscheidung – nicht zuletzt, weil die Awards sich ausdrücklich auf die reguläre Saison beziehen und Rendons Heldentaten in den Playoffs somit unberücksichtigt bleiben.

Entscheidung über Qualifying Offers steht an
Kurz bevor heute Nacht die MVPs bekannt gegeben werden, steht noch eine wichtige Deadline an: Bis 23 Uhr mitteleuropäischer Zeit müssen die zehn Spieler, die ein Qualifying Offer erhalten haben, sich entscheiden, ob sie dieses annehmen oder nicht. In den meisten Fällen ist klar abzusehen, dass das Qualifying Offer abgelehnt wird. Gerrit Cole, Stephen Strasburg, Anthony Rendon, Zack Wheeler und Madison Bumgarner werden darüber nicht mal nachdenken und auch für Josh Donaldson, Marcell Ozuna und Jake Odorizzi dürfte eine Unterschrift für ein Jahr und 17,8 Millionen Dollar kein Thema sein. Giants-Reliver Will Smith sowie Jose Abreu, First Baseman der White Sox, sind die einzigen beiden, bei denen ich mir vorstellen kann, dass sie das Angebot annehmen. Für alle, die es nicht annehmen, bedeutet das, dass bei einem Vereinswechsel der neue Klub eine Kompensation in Form von Draftpicks an das bisherige Team leisten muss.

Haben die Astros bei der Meisterschaft 2017 betrogen?
Viel Wirbel gab es während der letzten Tage um die Houston Astros und die Nachricht, diese hätten bei Heimspielen in ihrer Championship-Saison 2017 systematisch Zeichen des gegnerischen Catchers ausspioniert. Konkret sollen die Zeichen mit einer Kamera im Centerfield gefilmt und durch akustische Signale – zum Beispiel Klopfen auf einen Mülleimer – an die Batter weitergegeben worden sein. Die MLB hat eine Untersuchung eingeleitet, nachdem mittlerweile vier Personen aus dem Umfeld der Astros von dem mutmaßlichen Betrugssystem berichtet haben. Eine dieser Personen ist der damalige Astros-Pitcher Mike Fiers, die anderen drei sind noch unbekannt. Das Ausspähen von Zeichen – das sogenannte Sign Stealing – ist grundsätzlich nicht verboten und auf herkömmlichem Wege durchaus Teil des Spiels. Was allerdings von der Liga untersagt ist, ist das Sign Stealing mit technischen Hilfsmitteln. Es gab in den letzten Jahren wiederholt Anschuldigungen gegen verschiedene Teams, darunter die Red Sox, die Yankees und die Astros, dass sie sich auf diese Weise Vorteile verschafft haben. Vor der Saison 2019 reagierte die Liga, indem sie die Regeln und die Kontrollen bezüglich Sign Stealing mit elektronischen Mitteln deutlich verschärfte.

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November 15th, 2018 by Silversurger

Diese Woche steht der Grand Slam ganz im Zeichen der offiziellen MLB-Awards für die Saison 2018. Die besten Rookies, die besten Manager und die besten Pitcher des Jahres wurden in den letzten Tagen bekannt gegeben. Nun richtet sich die Spannung auf die wichtigste Einzelauszeichnung, den Most Valuable Player (MVP) in beiden Teilligen. Die wichtigsten sonstigen Nachrichten der Woche sind, dass in Baltimore eine GM-Karriere neu beginnt, in Minnesota eine bedeutende Spielerkarriere endet und die Karriere des Spitzenfunktionärs der MLB um fünf Jahre verlängert wird.

Cy-Young-Awards für Snell und deGrom
Die beiden herausragenden Pitcher des Jahres sind Blake Snell von den Tampa Bay Rays in der American League und Jacob deGrom von den New York Mets in der National League. In der AL war es ein relativ knappes Rennen zwischen Snell und Houstons Justin Verlander. Snell setzte sich am Ende mit 17 ersten Plätzen auf den 30 Wahlzetteln und mit insgesamt 169 Punkten durch, während Verlander die restlichen 13 Erstplatzierungen und 154 Gesamtpunkte hatte. Für deGrom war es eine sehr viel deutlichere Angelegenheit: 29 von 30 Erststimmen und 207 Gesamtpunkte entfielen auf ihn, der Abstand auf Washingtons Max Scherzer mit einem einzigen ersten Platz und 123 Punkten war riesig. Im Endeffekt haben sich also die Pitcher durchgesetzt, die in der populärsten Statistik – dem Earned Run Average – vorne lagen. 1.70 ERA von deGrom und 1.89 ERA von Snell ergeben das erste Mal in der über 50-jährigen Geschichte des Awards, dass die Preisträger in beiden Ligen einen Wert von unter 1.90 aufweisen.

Ohtani und Acuna die besten Rookies
Die Wahlen zum besten Neuling des Jahres gingen in beiden Ligen eindeutig aus. In der NL landete Outfielder Ronald Acuna Jr. von den Atlanta Braves mit 27 ersten Plätzen deutlich vor Washingtons Juan Soto und Walker Buehler von den Dodgers. Das war einigermaßen erwartbar, im Gegensatz zum Ergebnis der AL: Shohei Ohtani, Two-Way-Star als Pitcher und Batter für die Los Angeles Angels, landete auf 25 von 30 Wahlscheinen ganz vorne und ließ die Yankees-Infielder Miguel Andujar und Gleyber Torres abgeschlagen auf den Plätzen zwei und drei landen. Andujar galt vorher als Mitfavorit auf Augenhöhe, aber am Ende führte dann für eine Mehrzahl der Wahlberechtigten trotz Verletzung offensichtlich kein Weg vorbei an dem spektakulären Multitalent aus Japan.

Manager des Jahres sind Melvin und Snitker
Mit Bob Melvin von den Oakland Athletics und Brian Snitker von den Atlanta Braves gewannen zwei Manager die jährliche Auszeichnung, die ihre jeweiligen Teams zu überraschend starken Saisons gecoacht haben. Melvin gelang es, mit den Athletics und ihrem Low-Budget-Kader 97 Siege zu erzielen und bis in die Wild-Card-Runde der AL vorzudringen. Für diese Leistung erhielt er 18 von 30 Erststimmen. Auf Platz zwei landete Alex Cora vom World-Series-Sieger Boston Red Sox. Snitker brachte es mit seinem jungen Team auf eine Bilanz von 90-72, was genau der Kehrwert der vorherigen Saison der Braves war und für den Gewinn der NL East reichte. Bei der Wahl zum NL-Manager des Jahres kam er 17-mal auf den ersten Platz und gewann den Award knapp von Craig Counsell von den Milwaukee Brewers. Man muss an dieser Stelle noch mal herausstellen, dass alle Awards, die diese Woche vergeben wurden und noch werden, sich ausdrücklich auf die reguläre Saison beziehen. Die Wahl durch die Journalistenvereinigung BBWA fand direkt vor dem Start der Postseason statt und somit ohne Berücksichtigung von Erfolgen oder Misserfolgen in den Playoffs.

MVP-Awards folgen heute Nacht
Heute Nacht, zwischen 0 und 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit, werden die höchsten Auszeichnungen vergeben, die man als Spieler in einer Saison erreichen kann. Genau wie für die anderen Awards wurden vorher jeweils drei Finalisten bekannt gegeben. In beiden Ligen gibt es klare Favoriten und es wäre eine große Überraschung, wenn nicht Mookie Betts in der AL und Christian Yelich in der NL die begehrte Trophäe erhielten. Die anderen Finalisten – José Ramirez und Mike Trout in der AL, Nolan Arenado und Javier Báez in der NL – stehen alle mit Recht auf dem Treppchen, aber an Betts und Yelich dürfte dieses Jahr kein Weg vorbei führen. Beide dominieren sowohl die traditionellen als auch die fortgeschrittenen Statistiken und beide haben auch ihr Team zu hervorragenden Saisons geführt.

Die Orioles haben einen neuen General Manager
Den Baltimore Orioles steht nach einer katastrophalen Saison und dem Abgang diverser Topspieler ein umfassendes Rebuilding ins Haus. Die Verantwortung für dessen Umsetzung wird in die Hände von Mike Elias gelegt, der den Posten des General Managers übernimmt. Der 35-jährige Elias war bisher Assistenz-GM bei den Houston Astros und dort vor allem für Spielerverpflichtungen verantwortlich. Diesen Job hat er offensichtlich nicht ganz schlecht gemacht, denn die Astros haben unter seiner Mitwirkung die World Series 2017 gewonnen und waren auch dieses Jahr eines der stärksten Teams der Liga. Für das 115-Niederlagen-Team Baltimore ist es bis dahin noch ein weiter Weg, aber von den Astros zu lernen ist sicher kein schlechtes Rezept.

Alex Cora bleibt länger
Die Boston Red Sox hatten ihren vor der Saison neu verpflichteten Manager Alex Cora zunächst mit einem Vertrag bis 2020 plus Cluboption für 2021 ausgestattet. Nach Coras extrem erfolgreichen ersten Jahr mit der gewonnenen World Series und dem zweiten Platz als Manager des Jahres wurde er nun damit belohnt, dass sein Vertrag um ein Jahr verlängert wurde. Er läuft nun fest bis 2021, anschließend hat unverändert der Verein die Option auf ein weiteres Jahr.

Joe Mauer beendet seine Karriere
Nach 15 Jahren in der MLB, alle für die Minnesota Twins, beendet Catcher Joe Mauer seine Karriere. Mauer war für lange Zeit das Gesicht der Twins-Franchise. Er wuchs als Fan der Twins in St. Paul auf und wurde von diesen im Jahr 2001 als Nummer-1-Pick gedraftet. Er erreichte sechsmal das All-Star-Team und war 2009 MVP der Liga. 2006, 2008 und 2009 führte er die AL mit dem höchsten Batting Average an – damit war er der erste Catcher in der AL, der einen Batting-Titel gewann und der erste Catcher in der gesamten MLB, dem dies dreimal gelang. Langweilig dürfte es für Mauer zu Hause so schnell nicht werden, denn wenige Tage nach dem Verkünden seines Ruhestands wurden er und seine Frau Eltern ihrer dritten Tochter.

Fünf weitere Jahre für Manfred
In Atlanta findet derzeit ein Treffen der Teambesitzer statt. Wichtigster Tagesordnungspunkt: Der Vertrag von Rob Manfred als Commissioner der MLB wird um fünf Jahre verlängert. Formal handelt es sich um eine Abstimmung, aber ist ganz stark zu erwarten, dass diese einstimmig zu Gunsten von Manfred ausfallen wird. Der 60-Jährige steht der Liga seit 2015 vor. In seiner Amtszeit wurden Rekordumsätze erzielt und es wurde ein neuer Rahmenvertrag mit der Spielergewerkschaft ausgehandelt, der allgemein als sehr günstig für die Teambesitzer gilt. Vor diesem Hintergrund gibt es aus Sicht der Vereine kaum etwas, das gegen eine Verlängerung seiner Amtszeit spricht.

Nur Ryu akzeptiert das Qualifying Offer
Sieben Spieler mit auslaufendem Vertrag hatten vor 14 Tagen von ihrem Team ein sogenanntes Qualifying Offer über 17,9 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr erhalten. Bryce Harper, Dallas Keuchel, Patrick Corbin, A. J. Pollock, Yasmani Grandal und Craig Kimbrel haben dieses Angebot allesamt abgelehnt. Das war zu erwarten, aber als Formsache mussten die Teams das Angebot unterbreiten. Damit sicherten sie sich die Chance, einen hohen Draftpick als Kompensation zu erhalten, wenn die Spieler woanders unterschreiben. Der einzige, der das Angebot angenommen hat, ist Hyun-Jin Ryu. Der südkoreanische Linkshänder bleibt somit den Los Angeles Dodgers für 2019 als Starting Pitcher erhalten. Der 31-Jährige schloss die Saison 2018 mit einem ERA von 1.97 und 3.00 FIP ab.

James Paxton auf dem Tradeblock?
Die Offseason ist immer auch die Zeit der Trade-Spekulationen. Dass gerade die Seattle Mariners unter GM Jerry Dipoto einem guten Deal (oder einem, den sie dafür halten) nie abgeneigt sind, ist ebenfalls bekannt. Von daher kann es gut sein, dass sich das aktuell heißeste Gerücht bewahrheitet: James Paxton, das aktuelle Ass der Mariners, soll für einen Trade zur Verfügung stehen. Angesichts des relativ dünnen Free-Agent-Marktes für Starting Pitcher dürfte sich eine ganze Reihe von Interessenten finden, allen voran vermutlich die Yankees und die Astros.

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November 1st, 2018 by Silversurger

Seit vier Tagen ist die MLB-Saison 2018 Geschichte. Die Boston Red Sox sind noch mitten in den redlich verdienten Feierlichkeiten nach der souverän gewonnenen World Series, alle anderen machen sich mehr oder weniger intensiv Gedanken, wie man den Bostonern im nächsten Jahr das Leben schwerer machen kann als in diesem. Das gilt ganz besonders für die Los Angeles Dodgers, bei denen nach der verlorenen Finalserie zwei wichtige Personalentscheidungen anstehen.

Hier auf dem Baseblog ist die Offseason traditionell die Zeit, in der ich mich neben dem aktuellen Geschehen verstärkt mit Hintergrundthemen wie  Taktiken, Geschichte, Ballparks und so weiter beschäftige. Es wird dazu wieder das beliebte Wunschkonzert geben, das ich mit einem Artikel am kommenden Wochenende starten werde. Also haltet die Augen offen, denn es lohnt sich, beim Wünschen schnell zu sein.

Die World Series
Die World Series ist nun schon ein paar Tage her und ich fange jetzt nicht noch mal damit an, jedes einzelne Spiel durchzugehen. Stattdessen stelle ich die Frage, was von dieser Finalserie in Erinnerung bleiben wird. Mir fällt dazu Folgendes ein:

  • Das längste Spiel der World-Series-Geschichte (siehe „Statistik der Woche“).
  • Nathan Eovaldi, dessen Einsatz als Starting Pitcher dreimal vorgesehen war, aber nie zustande kam, weil er stattdessen im Dienst der Mannschaft immer wieder in kritischen Situationen Relieve-Aufgaben übernahm.
  • Die große Ausgewogenheit des Bostoner Lineups, das sowohl Homeruns als auch Smallball beherrscht und aus dem sich quasi in jedem Spiel ein neuer Held in den Vordergrund schiebt, auch wenn es für die drei, vier Top-Hitter mal nicht rund läuft.
  • David Price, der mit zwei hervorragenden Starts wohl endgültig den Ruf hinter sich gelassen hat, kein guter Playoff-Pitcher zu sein.
  • Clayton Kershaw, der genau das nicht geschafft hat – zwei World-Series-Starts mit einem ERA von 7.36 sind nicht das, was man von einem der – wenn nicht sogar dem – besten Pitcher der Welt erwartet.
  • Kenley Jansen, der als Closer das ist, was Kershaw als Starter ist: Weltspitze, aber in der World Series zum zweiten Mal hintereinander eine herbe Enttäuschung.
  • Ein eiskaltes Batting-Lineup der Dodgers, das es in der World Series auf einen Batting Average von nur .180 brachte. Das ist indiskutabel zu wenig; auch für ein Team, das von seiner Grundanlage her mehr auf Homeruns als auf einen hohen Average ausgerichtet ist.
  • Die Red Sox haben ihren Titelgewinn gestern in Boston mit einer großen Parade gefeiert und können sich nach nunmehr vier gewonnenen World Series innerhalb von 15 Jahren mit Fug und Recht das Team des bisherigen Jahrtausends nennen. 2004, 2007, 2013 und nun 2018 sind die Jahreszahlen der Meisterschaften des erfolgreichsten MLB-Teams seit dem Hattrick der New York Yankees von 1998 bis 2000. Das war damals übrigens auch das bisher letzte Mal, dass ein Team seinen World-Series-Titel verteidigen konnte. Die Red Sox scheinen nach dem überragenden Jahr mit 108 Saisonsiegen und einer durchweg dominanten Postseason ein heißer Kandidat, dieses Kunststück vollbringen zu können. Dafür spricht nicht zuletzt, dass aller Wahrscheinlichkeit nach die Meistermannschaft größtenteils beisammen gehalten werden kann. Craig Kimbrel, Nathan Eovaldi und Joe Kelly sind die hochkarätigsten Free Agents, alle anderen Leistungsträger haben noch Verträge.

    Für die Dodgers stellt sich unterdessen nach der zweiten verlorenen World Series hintereinander die Frage, ob und wie man die Kraft für einen dritten Anlauf findet. Vieles wird an der Frage hängen, ob Superstar Clayton Kershaw sich entscheidet, in Los Angeles zu bleiben. Sein Siebenjahresvertrag mit den Dodgers, von dem noch zwei Jahre ausstehen, enthält eine einseitige Ausstiegsklausel, die er innerhalb von drei Tagen nach Saisonende hätte ziehen können. Das hat er bisher nicht getan, aber er hat sich mit dem Verein auf eine Fristverlängerung bis Freitagnachmittag geeinigt. Das scheint dafür zu sprechen, dass er sich die Entscheidung nicht leicht macht. Viel mehr Geld wird woanders allerdings kaum zu verdienen sein: Mit einem Jahresgehalt von 33 Millionen Dollar ist Kershaw bereits der bestbezahlte Pitcher und der zweitbestbezahlte Baseballspieler der Welt.

    Neben Kershaws Zukunft ist auch die von Manager Dave Roberts ungeklärt. Sein Vertrag läuft aus und bislang haben die Dodgers öffentlich keine klaren Signale gesendet, ob man an einer Verlängerung interessiert ist. Während seiner bislang drei Jahre im Amt hat Roberts 287 Spiele gewonnen und 200 verloren. Er hat sein Team in jedem Jahr an die Spitze der NL West und zweimal hintereinander bis in die World Series geführt. Das ist eine beeindruckende Bilanz, aber man muss auch erwähnen, dass Roberts während der Playoffs mehrfach Kritik für sein Lineup- und Bullpen-Management einstecken musste. Soweit ich es einschätzen kann, gilt Roberts Verbleib als völlig offen.

    Szene der Woche
    Hätte irgend jemand ein Drehbuch zur World Series geschrieben, er hätte wohl keine bessere Schlussszene erfinden können als die, die sich am Sonntag ereignet hat. Auf dem Mound stand Chris Sale, der Top-Pitcher der Red Sox. Er hätte zur tragischen Figur der Postseason werden können, weil er nach einer hervorragenden regulären Saison von einer Magenerkrankung geplagt war und seine Leistung nicht so abrufen konnnte wie gewohnt. Doch das Ende war für ihn mehr als versöhnlich: Er pitchte das neunte Inning des entscheidenden Spiels und schickte alle drei Batter per Strikeout von der Platte. Beim dritten Aus war ausgerechnet Manny Machado am Schlag. Der kurz vor der Trade-Deadline verpflichtete Shortstop der Dodgers hatte während der Playoffs kräftig an seinem Badboy-Image gearbeitet mit mehreren schlecht verdeckten Fouls und mit höhnischem Grinsen über die Buhrufe, die er für seine Aktionen erhielt. Die letzte Szene der Saison also war ein Strikeout von Sale gegen Machado. Nicht irgendein Strikeout, sondern ein perfekter Slider, der Machado so hart daneben schwingen ließ, dass er dabei auf die Knie ging. Baseball kann so schön sein.

    Statistik der Woche
    7:05. So viele Stunden dauerte – nein, nicht Spiel drei der World Series 2018. Das dauerte 7:20 Stunden und somit eine glatte Viertelstunde länger als die gesamte World Series 1939. Auch damals gab es schon den Modus „Best of 7“, also vier Siege bis zum Gewinn der Championship. Die New York Yankees schlugen damals die Cincinnati Reds in 4:0 Spielen.

    Der Rest der Liga
    Beginnen wir mit der traurigsten Nachricht dieser Baseballwoche: Willie McCovey ist tot. Der legendäre First Baseman der San Franciso Giants starb gestern im Alter von 80 Jahren. McCovey spielte von 1959 bis 1980 in der MLB, den größten und erfolgreichsten Teil davon für die Giants. Sein Name wird unsterblich bleiben, nicht nur weil McCovey 1986 in die Hall of Fame gewählt wurde und weil die Giants seine Nummer 44 retired haben, sondern vor allem weil die Bucht hinter der Rightfield-Tribüne von AT&T-Park – das Ziel der berühmten Splash-Hits – im Gedenken an den linkshändigen Slugger allseits als „McCovey Cove“ bekannt ist.

    In den MLB-Franchises geht es ab sofort und für die nächsten Monate vor allem um die Kaderzusammenstellung zur kommenden Saison 2019. Bei den New York Mets musste dafür erst mal ein neuer Verantwortlicher gesucht werden, nachdem General Manager Sandy Alderson während der Saison zurückgetreten war. Die Entscheidung fiel auf Brodie Van Wagenen, einen bisherigen Spieleragenten. Als solcher war Van Wagenen sehr einflussreich, hatte viele namhafte Klienten. Zu selbigen gehörten zum Beispiel die Mets Jacob deGrom, Noah Syndergaard, Yoenis Cespedes und Brandon Nimmo sowie von anderen Teams Robinson Cano, Ryan Zimmerman und Ryan Howard. Der 44-jährige Van Wagenen ist ein Verhandlungsprofi und gilt als guter Analytiker. Interessant wird sein, wie sich sein Wechsel von der Seite der Spieler- zur Seite der Klubvertreter auswirkt. Schließlich hat er nun die Macht und die Verantwortung, seinen Ex-Klienten zu erklären, ob sie aus Sicht des Vereins wirklich die Verträge verdienen, die er als Agent vor Kurzem noch für sie gefordert hat.

    Auch die Toronto Blue Jays sind auf der Suche nach einem neuen leitenden Angestellten fündig geworden. Bei ihnen war es der Posten des Managers, der zu besetzen war. Zur Erinnerung: Das ist im Gegensatz zum General Manager das, was man in anderen Sportarten als Headcoach bezeichnet. Diese Stelle wird ab sofort Charlie Montoyo ausfüllen. Montoyo hat als Spieler nur sehr kurz in die MLB hinein schnuppern dürfen, als Manager dürfte er aber nach 18 Jahren im Minor-League-System sowie drei Jahren als Third-Base-Coach und einem Jahr als Bench-Coach der Tampa Bay Rays wissen, was auf ihn zukommt. Die Coaches der Rays sind dieses Jahr heiß begehrt: Letzte Woche wurde schon Rocco Baldelli als neuer Manager der Twins vorgestellt und Matt Quatraro galt ebenfalls als Kandidat für einen höheren Posten. Den erhält er jetzt bei den Rays, indem er nach Montoyos Wechsel vom Third-Base-Coach zum Bench Coach aufsteigt.

    Kein neues Personal gibt es bei den Oakland Athletics, hier setzt man stattdessen auf Kontinuität: Vizepräsident Billy Beane, General Manager David Forst und Manager Bob Melvin erhielten allesamt frühzeitig neue Verträge, bevor die alten in einem Jahr ausgelaufen wären. Das ist ein klarer Vertrauensbeweis der Klubführung, den das Trio sich durch die sensationell starke Saison ihres Low-Budget-Teams redlich verdient hat.

    Eine der ersten Entscheidungen, die sämtliche General Manager in der Offseason zu treffen haben, ist die über sogenannte Qualifying Offers an Spieler. Ein Qualifying Offer ist ein Vertragsangebot über einen ligaweit einheitlichen Betrag – derzeit rund 17,9 Millionen Dollar – für einen Einjahresvertrag. Dieses Angebot kann man einem Spieler mit auslaufendem Vertrag machen, wenn er a) noch nie in seiner Karriere ein solches Angebot erhalten hat und b) die gesamte abgelaufende Saison im Kader des Vereins verbracht hat. Wahrscheinliche Kandidaten für ein Qualifying Offer sind dieses Jahr zum Beispiel Bryce Harper, Patrick Corbin, Dallas Keuchel und Craig Kimbrel – und auch Clayton Kershaw, falls er die oben erwähnte Option zieht. Wer so ein Angebot erhält, hat eine Woche Zeit, es anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation.

    Neben dem allgemein geregelten Verfahren der Qualifying Offers stehen dieser Tage zahlreiche Entscheidungen über Optionen an, auf die sich die Klubs und die Spieler in den einzelnen Verträgen geeinigt haben. Um nur ein paar der schon ausgeübten oder abgelehnten Optionen zu nennen: Die Diamondbacks haben die Option für Paul Goldschmidt (14,5 Millionen) gezogen, die Giants die für Madison Bumgarner (12 Millionen) und die für Pablo Sandoval (550.000), die Red Sox die für Chris Sale (16 Millionen) und die Indians die für Carlos Carrasco (9 Millionen); abgelehnt wurden hingegen die Möglichkeiten, James Shields für 16 Millionen bei den White Sox, Ervin Santana für 14 Millionen bei den Twins und Gerardo Parra für 12,5 Millionen bei den Rockies zu halten. Diese Spieler werden nun ebenso Free Agents wie Mike Moustakas (15 Millionen) und Joakim Soria (10 Millionen), die sich selbst dagegen entschieden, ihre Verlängerungsoption bei den Brewers zu ziehen. David Price hingegen hat seine Option genutzt und sich damit vier weitere Jahre bei den Red Sox für insgesamt 127 Millionen Dollar gesichert.

    Keine formell vereinbarten Optionen hat J. T. Realmuto, der Catcher und letzte verbliebene Star der Miami Marlins. Sein Erstvertrag läuft noch für zwei Jahre und die muss er, wenn der Klub darauf besteht, bei den Marlins verbringen. Das Tischtuch zwischen den beiden Seiten scheint allerdings zerschnitten, denn Realmuto und sein Agent Jeff Berry ließen bereits öffentlich verlauten, er werde „zum Start des Spring Trainings definitiv ein anderes Trikot tragen“. Mit anderen Worten: Realmuto will kein Teil von Miamis Rebuilding-Projekt sein und verlangt einen Trade. Das könnte eine der interessanten Geschichten dieser Offseason werden.


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