Juli 18th, 2019 by Silversurger

Die MLB-Saison ist wieder im vollen Lauf, der All-Star-Break schon fast vergessen – nicht zuletzt, weil die Los Angeles Angels zum Wiederbeginn einen emotionalen Paukenschlag gelandet haben. Ihr erstes Heimspiel nach dem Tod von Tyler Skaggs hätte kein Drehbuchschreiber sich besser ausdenken können. Mehr dazu im „Spiel der Woche“, jetzt aber erst mal ein kurzer Überblick über die einzelnen Divisionen.

American League
Die American League East sieht vom Tabellenbild her weitgehend unverändert aus, nachdem die New York Yankees (60-33) und die Tampa Bay Rays (56-41) sich im Spitzenduell bisher die Siege geteilt haben. Die für gestern vorgesehene Partie musste wegen schlechten Wetters abgesagt werden, dafür gibt es heute einen Doubleheader zwischen den Yankees und den Rays. Die Boston Red Sox (52-44) kamen eher durchwachsen aus den Startlöchern zur zweiten Hälfte und sind im Wild-Card-Rennen hinter den Rays, den Indians und den Athletics etwas zurückgefallen. Zur Stabilisierung der bislang enttäuschenden Rotation haben die Red Sox Andrew Cashner im Tausch gegen zwei 17-jährige Prospects von den Baltimore Orioles (29-66) ertradet.

In die AL Central ist plötzlich die Spannung zurück gekehrt. Zwar starteteten die Minnesota Twins (58-36) mit zwei Siegen über Verfolger Cleveland Indians (54-40) in den zweiten Teil der Saison. Doch ein Sieg der Indians in Spiel drei sowie drei Erfolge gegen die Detroit Tigers (29-62), während die Twins sich von den Mets sweepen ließen, haben den einst komfortablen Vorsprung auf nur noch vier Spiele reduziert. Das könnte noch mal eng werden, zumal die Twins mit den Athletics und den Yankees deutlich schwerere Aufgaben vor sich haben als die Indians mit den Kansas City Royals (35-62) und den Blue Jays.

Die Spitze der AL West haben die Houston Astros (60-37) zwar noch relativ fest im Griff, doch das Team der Stunde sind eindeutig die Oakland Athletics (55-41). Die A’s sind als einziges Team der MLB seit dem All-Star-Break ohne Niederlage und haben sich im Ringen um Platz zwei und eine Wild Card inzwischen deutlich von den Texas Rangers (50-46) abgesetzt. Die Rangers, das Überraschungsteam der ersten Saisonhälfte, machen nach vier verlorenen Spielen in Folge den Eindruck, dass die Luft ziemlich draußen ist. 4:12, 2:9 und 4:19 lauteten die letzten Ergebnisse und als nächstes müssen die Rangers ausgerechnet bei den Astros antreten. Gegen Selbige haben die Los Angeles Angels (50-47) zuvor noch ein viertes Spiel. Die Angels befinden sich gegenüber den Rangers auf der Überholspur. Sie haben bislang zwei von drei gegen Houston gewonnen und davor die Mariners gesweept.

National League
Die Atlanta Braves (58-39) haben zuletzt zweimal gegen die Brewers verloren, aber der Vorsprung in der National League East beträgt beruhigende 6 Spiele. Wenn es gut läuft, können die Braves die Division in den kommenden zwei Wochen bereits mehr oder weniger eintüten: In den nächsten zwölf Partien geht es zehnmal gegen die direkten Verfolger: siebenmal gegen die Washington Nationals (50-44) und dreimal gegen die Philadelphia Phillies (49-47). Ein deutliches Lebenszeichen senden mit bislang vier Siegen hintereinander die New York Mets (44-51). Für sie steht eine interessante Serie in San Francisco an, denn dort treffen zwei Teams aufeinander, die eine enttäuschende erste Hälfte und einen vielversprechenden Start in Teil zwei der Saison gemeinsam haben.

Die NL Central ist nach wie vor die spannendste Division der Liga. Nur 7,5 Spiele liegen zwischen Platz eins und fünf, das sind weniger als in jeder anderen Division zwischen Platz eins und drei. Die Chicago Cubs (52-44) hatten einen Traumstart in die zweite Saisonhälfte. Ein Sweep gegen die Pittsburgh Pirates (45-50) und zwei von drei gegen die Cincinnati Reds (43-50) halten die Cubs an der Spitze und die aufmüpfigen Außenseiter auf Distanz. Die Milwaukee Brewers (50-47) schauen nach einer schwächeren Phase zurzeit mehr nach den St. Louis Cardinals (48-46) in ihrem Rücken als nach den Cubs, doch zuletzt zwei Siege gegen die Braves geben Milwaukee Anlass zur Hoffnung, dass der Slump vorerst überwunden ist.

Das stärkste Team im Baseball bleiben die Los Angeles Dodgers (64-34). Bei 14 Spielen Vorsprung in der NL West dürfte ihre größte Sorge darin bestehen, bis zu den Playoffs fokussiert zu bleiben und nicht nachlässig zu werden. Im Wettbewerb um die Wild-Card-Plätze mischen zurzeit nur die Arizona Diamondbacks (49-47) mit. Die San Diego Padres (46-49) und die Colorado Rockies (46-50) schwächeln zurzeit erheblich und sind sogar hinter die San Francisco Giants (47-49) zurück gefallen. Die 5-Siege-Serie der Giants, darunter ein 4-Spiele-Sweep über die Rockies, ist eine der größten Überraschungen der ersten Woche nach dem All-Star-Break.

Szene der Woche 
Ein Single von Hanser Alberto für die Baltimore Orioles beendete den acht Innings währenden Traum der Tampa Bay Rays, das erste combined Perfect Game der MLB-Geschichte zu werfen. Normalerweise wechselt man einen Pitcher, der ein perfektes Spiel am Laufen hat, nicht aus. Doch die von den Rays eingeführte Taktik des Opening Pitchers hat Ryne Stanek und Ryan Yarbrough ganz nah an das noch nie dagewesene Ereignis heran gebracht. Nach dem ersten Pitch im neunten Inning war der Traum ausgeräumt. Spielverderber Alberto scorte später noch den einzigen Run für die Orioles, bevor das Spiel mit 4:1 für Tampa Bay endete.

Statistik der Woche 
5+3. Die Cincinnati Reds sind das erste Team im modernen Baseball, das heißt seit mindestens dem Jahr 1900, das in einem Spiel 5 Triples und 3 Homeruns erzielt hat. Gelungen ist ihnen das am Samstag während eines 17:9-Auswärtssieges bei den Colorado Rockies. Eine historische Leistung vollbrachte dabei auch Phillip Ervin, der als erster Reds-Spieler seit fast exakt 70 ein Spiel mit 6 Hits vollbrachte. Winning Pitcher der Partie war übrigens Jared Hughes. Er warf genau einen Pitch.

Spiel der Woche
Ich hatte es eingangs schon erwähnt: Das Spiel der Los Angeles Angels gegen die Seattle Mariners vom letzten Freitag war wohl das unglaublichste Ereignis des MLB-Jahres. Es war das erste Heimspiel nach dem Tod von Tyler Skaggs, obendrein der Vorabend seines 28. Geburtstages, und die Trauer um den verlorenen Teamkameraden war ominpräsent. Alle Spieler der Angels trugen Skaggs-Trikots mit der Nummer 45, den zeremoniellen ersten Pitch warf die Mutter von Tyler Skaggs – übrigens einen perfekten Strike. Von dieser Sorte warfen die echten Pitcher der Angels an dem Tag noch einige mehr, es wurde ein No-Hitter. Vollbracht haben diese Leistung Taylor Cole und Felix Pena, aber dieser No-Hitter wird für immer untrennbar mit dem Namen Tyler Skaggs verbunden sein. Eine paar weitere Kuriositäten: Die Offense der Angels erzielte 13 Runs und 13 Hits wenige Stunden vor dem 13. Juli, Skaggs Geburtstag. Es war der erste combined No-Hitter in Kalifornien seit dem 13. Juli 1991, dem Tag an dem Skaggs geboren wurde.

Mein Einschalttipp
Die Oakland Athletics sind nach dem All-Star-Break bislang das erfolgreichste Team  der Liga und haben sich in Reichweite der einst übermächtig erscheinenden Houston Astros gebracht. Ob sie ihnen ernsthaft gefährlich werden, kann sich nächste Woche weisen, wenn die Kontrahenten von Montag bis Mittwoch in Houston dreimal direkt aufeinander treffen. Mein Einschalttipp ist die Partie am Mittwoch zur besten Sendezeit ab 20:10 Uhr nach mitteleuropäischer Rechnung. Da es noch fast eine Woche hin ist, stehen die Starting Pitcher für das Spiel noch nicht fest, aber wahrscheinlich wird es auf Justin Verlander (2.98 ERA, 4.07 FIP) für Houston und Chris Bassitt (3.98 ERA, 4.42 FIP) für Oakland hinauslaufen.

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Juni 13th, 2019 by Silversurger

Die Woche begann mit einem Schock: David Ortiz, einer der größten und beliebtesten Baseballer der letzten 20 Jahre, wurde in seiner Heimatstadt Santo Domingo bei einem versuchten Raubüberfall angeschossen. Zum Glück gab es schnell Entwarnung in dem Sinne, dass die Verletzung weder lebensgefährlich ist noch mit bleibenden Schäden zu rechnen ist. „Big Papi“ Ortiz wurde zweimal operiert und befindet sich auf dem Weg der Besserung. Der Täter und weitere Beteiligte wurden am Tatort festgenommen.

Zurück zum Sport: Die Free Agency 2019 hat endlich ihren Abschluss gefunden, indem zweieinhalb Monate nach Saisonbeginn auch Dallas Keuchel sein neues Team gefunden hat. Die Atlanta Braves haben dem Linkshänder einen Vertrag für den Rest des Jahres gegeben, für den er 13 Millionen Dollar erhält. Die Braves legen somit noch mal nach für das Rennen um die NL East, mit dem auch mein Überblick über die aktuellen Stände in der MLB beginnt:

National League
Mit sechs Siegen in Folge sind die Atlanta Braves (39-29) innerhalb der letzten Tage an die Spitze der National League East gestürmt, die sie heute erstmals in dieser Saison von den Philadelphia Phillies (38-30) übernommen haben. Am Wochenende kommt es in Atlanta zu drei direkten Duellen der beiden Kontrahenten. Die New York Mets (33-34) und die Washington Nationals (31-36) wirken mit ihren negativen Bilanzen schon etwas abgeschlagen, doch so weit sind sie gar nicht weg: 7,5 Spiele sind der geringste Abstand, den es in der MLB zurzeit zwischen Platz eins und vier einer Division gibt. Die Nationals haben sieben der letzten zehn Spiele gewonnen, die Mets fünf der letzten sieben, darunter ein Split in der Subway Series bei den Yankees.

Die NL Central ist ebenfalls eine extrem spannende Division. Die Milwaukee Brewers (39-29) und die Chicago Cubs (38-29) haben sich in letzter Zeit mehrfach auf Rang eins abgewechselt. Die Brewers haben momentan knapp die Nase vorn, doch die Cubs haben ein Spiel weniger absolviert und können in der kommenden Nacht gleichziehen. Dazu müssen sie allerdings in Los Angeles gegen die Dodgers gewinnen, mit denen sie es auch an den folgenden drei Tagen zu tun haben. Die Brewers reisen mit in den Westen, haben dort mit den Giants aber den vermeintlich leichteren Gegner. Nach einer Achterbahnfahrt durch die bisherige Saison stehen die St. Louis Cardinals (33-33) derzeit bei einer ausgeglichenen Bilanz. Sie treten nun viermal bei den Mets an, einem Team in quasi identischer Situation wie sie selbst. Die Cincinnati Reds (30-36) haben erstmals seit Langem das Tabellenende verlassen und dieses an die seit sechs Spielen sieglosen Pittsburgh Pirates (30-37) abgegeben.

In der NL West gibt es ebenfalls Spannung, allerdings nicht im Hinblick auf die Tabellenführung. Die ist und bleibt fest in der Hand der Los Angeles Dodgers (45-23), welche die gesamte NL auch nach den zwei jüngsten Niederlagen gegen die Angels klar dominieren. Auf den mittleren Plätzen der Division ist jedoch einiges in Bewegung: Die Arizona Diamondbacks (36-33) haben ihr Zwischentief überwunden und nach sechs Siegen aus den letzten sieben Spielen mit den Colorado Rockies (35-32) praktisch gleichgezogen. Nur noch auf Rang vier und mit einer negativen Bilanz stehen nach vier Niederlagen in Folge die San Diego Padres (33-35) da. Zu allem Überfluss mussten die Padres ihr Ass Chris Paddack in die Minor League herabstufen, nachdem sich bei ihm körperliche Ermüdungserscheinungen zeigten – er hatte 2018 eine Tommy-John-Surgery und spielt gerade seine erste vollständige MLB-Saison. Er wird ein paar Tage pausieren und dann neu bewertet.

American League
Die New York Yankees (41-25) halten sich knapp an der Spitze der American League East, wenngleich sie während der vergangenen eineinhalb Wochen deutlich geschwächelt haben mit verlorenen Serien gegen die Toronto Blue Jays (24-43) und die Indians sowie einem Split gegen die Mets. Als zweites Spitzenteam der Division sitzen die Tampa Bay Rays (41-26) weiterhin fest im Sattel, nachdem die Serie gegen die Boston Red Sox (35-34) 3:1 gewonnen wurde. Vor allem das Pitching der Rays ist nach wie vor überragend und führt mit nur 220 zugelassenen Runs mit großem Abstand die MLB an. Nächste Woche kommt es zu einem neuen Spitzenduell zwischen den Yankees und den Rays (siehe Einschalttipp).

Die Minnesota Twins (44-22) setzen ihren Spaziergang durch die AL Central unaufhaltsam fort. Sowohl ihre Siegquote als auch ihre 394 erzielten Runs sowie das Run-Differential von +110 sind MLB-Spitze. Eine große Hilfe dabei ist sicherlich die Schwäche der anderen Teams in ihrer Division. In den kommenden zwei Wochen zum Beispiel treffen die Twins siebenmal auf das schwächste Team der Liga, die Kansas City Royals (21-46). Die Detroit Tigers (25-39) sind nicht viel besser, vom Run-Differential (-109) sogar schlechter als die Royals (-72). Eine eher positive Überraschung sind bisher die Chicago White Sox (32-34), die den Cleveland Indians (34-33) einen Kampf um Platz zwei liefern. Ob Chicagos junges Team diese Rolle dauerhaft spielen kann, wird in den kommenden Wochen auf eine harte Prüfung gestellt: Die nächsten Gegner heißen Yankees, Cubs, Rangers, Red Sox und Twins.

Dass die AL West mit den Houston Astros (46-23) ein absolutes Spitzenteam beherbergt, ist weder neu noch überraschend. Sehr überraschend ist hingegen, dass die Texas Rangers (36-31) auf Kurs für einen Wild-Card-Platz sind. Der befürchtete Einbruch nach der Verletzung der Outfielder Joey Gallo und Willie Calhoun – beide sind wohl bald wieder an Bord – blieb aus. In den letzten 16 Spielen haben die Rangers 11-5 gespielt und jede der Niederlagen war knapp. Würde die Saison jetzt enden, wären die Rangers im Wild-Card-Spiel, mit je zwei Spielen Vorsprung auf die Indians, die Red Sox und die Oakland Athletics (35-34). Die Los Angeles Angels (33-35) sind nach ihrem Zwei-Spiele-Sweep im Lokalderby gegen die Dodgers ebenfalls wieder im Rennen, müssen nun aber in einer schwierigen Auswärtsserie in Tampa Bay bestehen.

Szene der Woche
Für diese Kategorie hätte ich mal wieder ein paar Homeruns im Angebot, zum Beispiel vier hintereinander von den Nationals oder einen von Hunter Pence für die Rangers, bei dem in Fenway Park einfach niemand den Ball holen wollte. Kein Homerun wurde der weite Flyball von Brett Gardner gegen die Indians. Der Yankees-Outfielder ärgerte sich so sehr über den Catch von Jordan Luplow, dass er seinen Helm im Dugout gegen die Wand pfefferte. Der Helm ließ sich das allerdings nicht gefallen und verpasste Gardner beim Gegenangriff eine blutige Lippe. Damit ist Gardner ein ganz heißer Anwärter auf meinen diesjährigen Award für die dämlichste Verletzung des Jahres.

Statistik der Woche 
13. Ja, es ist schon wieder ein Homerun-Rekord. Nachdem es letzte Woche die meisten Homeruns in einem Monat zu vermelden gab, sind es dieses Mal die meisten, die je in einem einzelnen Spiel erzielt wurden. Zu sehen waren sie Montagnacht in der Partie der Phillies gegen die Diamondbacks. Gleich die ersten drei Batter des Abends, Jarrod Dyson, Ketel Marte und David Peralta schlugen den Ball über den Zaun. Es folgten je zwei von Eduardo Escobar und Ildemaro Vargas und einer von Alex Avila für Arizona sowie zwei von Scott Kingery und je einer von Jean Segura, Rhys Hoskins und Jay Bruce für die Phillies. Den Rekord stellten Hoskins und Bruce im neunten Inning mit den Nummern zwölf und dreizehn des Spiels auf, der Sieg ging aber mit 13:8 an die Diamondbacks.

Spiel der Woche
Die Serie hatten die Braves mit Siegen in den ersten beiden Spielen in Miami bereits in der Tasche, als sie am Sonntag im dritten Spiel mit einem 1:5-Rückstand ins neunte Inning gingen. In so einer Situation kann man es ein bisschen lässig angehen, den Gegner die restlichen drei Outs machen lassen und gemütlich die Heimreise nach Atlanta antreten. Aber so sind sie nicht, die Braves der Saison 2019. Ein Double, einen Walk, einen Balk, ein Single und schließlich Ronald Acunas Homerun boten sie auf, um auf 5:5 auszugleichen. Auch davon, dass die Marlins im zehnten Inning mit einem Runner in Scoring Position und nur einem Out nahe am Walkoff waren, ließ Atlanta sich nicht beunruhigen. Mit zwei Strikeouts hintereinander bannte Jarlin Garcia die Gefahr und im zwölften Inning gelang es Matt Joyce schließlich, die Braves erstmals und gleichzeitig endgültig in Führung zu bringen. Für sie war es bereits der zwölfte Comeback-Win in diesem Jahr, dem sie letzte Nacht gegen Pittsburgh den dreizehnte folgen ließen.

Mein Einschalttipp
Das Ringen um die AL East geht in die nächste Runde: Von Montag bis Mittwoch gastieren die Rays dreimal bei den Yankees. Wenn das Überraschungsteam aus Tampa Bay eine ernsthafte Chance auf den Divisionssieg haben will, wäre es ein Riesenschritt, mal eine Serie gegen den direkten Konkurrenten zu gewinen. Die ersten beiden Serien des Jahres zwischen den beiden gingen jeweils 2:1 für die Yankees aus. Je nach Schlafgewonheiten und Medienausstattung empfiehlt sich zum Reinschauen entweder das erste oder das letzte Spiel der Serie: Montagnacht geht es los um 1:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit, das Spiel wird auf DAZN übertragen. Am Mittwoch schließt die Partie um 19:05 Uhr unserer Zeit die Reihe ab.

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Mai 14th, 2019 by Silversurger

Wenn man sich die Zuschauerzahlen der MLB-Teams anschaut, so erklärt sich Vieles von selbst: Ganz oben stehen Teams, die sowohl eine lange Tradition ihr eigenen nennen als auch aktuell oben mitspielen – die Dodgers, die Cardinals, die Yankees, die Phillies und die Cubs. Ganz unten stehen überwiegend die Klubs, die sportlich mit geringen Ambitionen unterwegs sind – zum Beispiel die Orioles, die Tigers, die Royals und ganz besonders die Marlins. Vergleicht man die Zahlen mit denen des Vorjahres, so kann man auch ganz gut ablesen, welche Teams interessanter geworden sind – vor allem die Phillies und die Padres – und welche sich auf dem absteigenden Ast befinden – beispielsweise die Giants, die Nationals und die Indians.

Eine erstaunliche Konstanz legen hingegen die Zuschauer der Tampa Bay Rays an den Tag: Durchschnittlich 14.540 Leute wollten im bisherigen Jahr die Rays im Ballpark sehen. Das sind fast exakt gleich viele wie 2018 (14.428), und es sind vor allem deutlich weniger als bei jedem anderen Team außer den Marlins. Die Marlins stecken bekanntlich tief im Rebuilding, sind mit Abstand das schlechteste Team der MLB und tun nichts, was irgendwie zum Stadionbesuch ermuntern würde. Ganz anders die Rays: Sie haben letztes Jahr 90 Spiele gewonnen und nur äußerst knapp die Playoffs verpasst. Dieses Jahr führen sie die AL East an, in welcher mit den Red Sox und den Yankees die vielleicht stärksten und attraktivsten Konkurrenten der gesamten Liga unterwegs sind.

Am vergangenen Wochenende immerhin war Tropicana Field an zwei Tagen hintereinander ausverkauft. Man muss dazu zweierlei sagen: Erstens sahen die optischen und akustischen Eindrücke sehr stark danach aus, als wären es Heimspiele der Yankees. Zweitens bedeutet „ausverkauft“ in Tampa Bay nicht mehr als 25.025 Zuschauer und somit eine geringere Zahl als in anderen MLB-Stadien durchschnittlich die Spiele besucht. Die Kapazität von Tropicana Field wurde im Laufe der letzten 20 Jahre von einst rund 45.000 Plätzen immer weiter künstlich reduziert, indem ganze Blöcke und Ebenen dauerhaft geschlossen wurden mit dem Ziel, durch engeres Zusammenrücken der wenigen Zuschauer mehr Atmosphäre zu schaffen.

Die Gründe für das Ausbleiben der Zuschauer sind vielfältig. Ein Punkt ist sicher, dass das Stadion alles andere als schön ist. Es ist der einzige Ballpark der MLB mit dauerhaft geschlossenem Dach. Das Dach mit seinen vielen Verstrebungen und Gerüsten sieht von innen aus wie ein behelfsmäßiges Zirkuszelt, die Bullpens sind nicht vom Feld abgetrennt und die vielen außer Betrieb genommenen und abgedeckten Sitzplätze versprühen den Charme einer Bauruine. Auch die Lage des Stadions ist sehr ungünstig für einen Großteil der Einwohner des Einzugsbereichs. Von Tampa, der bevölkerungsreichsten Stadt der Tampa-Bay-Region, sind es über 30 Kilometer und das mit Verkehrsanbindungen, die im Berufsverkehr in der Regel überlastet sind. Hinzu kommt, dass Florida generell ein schlechtes Pflaster für professionellen Baseball zu sein scheint: Die beliebteste Sportart der Gegend ist Football und die Bevölkerung des Staats hat eine hohe Quote von Zugereisten, die selbst bei vorhandenem Baseballinteresse meist andere Lieblingsteams haben als die erst 1998 gegründeten Rays.

Im Endeffekt scheint es nur zwei realistische Auswege aus der Zuschauermisere der Tampa Bay Rays zu geben: einen Stadion-Neubau oder eine Relocation. Über Ersteren wird seit Jahren diskutiert, doch die aussichtsreichsten Pläne für einen neuen Ballpark im weitaus günstiger gelegenen Ybor City haben sich inzwischen zerschlagen. Momentan konzentrieren sich die Überlegungen wieder auf St. Petersburg, die aktuelle Heimat der Rays. Wahrscheinlicher erscheint allerdings, dass die Franchise spätestens 2027 mit Auslaufen der aktuellen Mietverträge eine ganz neue Heimat suchen und finden wird. Über mögliche Verlegungen oder Erweiterungen der MLB wird seit Jahren spekuliert. Es erscheint sehr gut vorstellbar, dass die Rays in diesem Zuge nach Montreal, Portland, Charlotte oder gar Mexico City verlegt werden. Das wäre zwar schade für die Region, aber ich glaube für die Liga wäre es die richtige Entscheidung.

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Mai 9th, 2019 by Silversurger

Die vergangene MLB-Woche stand im Zeichen einiger beeindruckender Pitcher-Leistungen. Mike Fiers, Noah Syndergaard, Kyle Hendricks und Hyun-Jin Ryu legten allesamt Auftritte hin wie man sie nicht alle Tage zu sehen bekommt. Auf jede davon gehe ich später in diesem Grand Slam am Donnerstag noch etwas ein, doch zunächst wie üblich der Blick auf die Zwischenstände in den einzelnen Divisionen:

American League
Die Boston Red Sox (19-19) sind zurück. Das ist die wichtigste Nachricht aus der American League East, auch wenn dort – völlig verdient – nach wie vor die Tampa Bay Rays (23-13) vorne stehen. Mit acht Siegen aus den letzten zehn Spielen haben sich die Red Sox aus dem Loch gegraben, in dem sie die ersten Wochen der Saison verbracht hatten. Ein nervenaufreibender 2:1-Sieg über die Baltimore Orioles (13-24) in der vergangenen Nacht brachte sie erstmals seit Saisonbeginn wieder zu einer ausgeglichenen Bilanz. Da gleichzeitig die Toronto Blue Jays (15-22) deutlich abgebaut haben, sieht es in der AL East nun so langsam nach dem erwarteten Dreikampf zwischen Tampa Bay, den New York Yankees (21-15) und den Red Sox aus. Für Letztere dürfte es recht gelegen kommen, dass die Rays und die Yankees an den beiden kommenden Wochenenden insgesamt sechsmal gegeneinander antreten müssen (siehe „Einschalttipp“).

In der AL Central darf man wohl so langsam daran glauben, dass die Minnesota Twins (23-12) „for real“ sind. Mit einer Siegquote von 65,7% führen sie nach wie vor die gesamte MLB an und der Abstand auf die verletzungsgeplagten Cleveland Indians (19-16) wächst langsam, aber beständig. Beide Teams haben in den nächsten Wochen Spielpläne, die recht lösbar aussehen – was in einer Division mit den drei Rebuildern Detroit Tigers (16-17), Chicago White Sox (16-19) und Kansas City Royals (13-25) nichts Ungewöhnliches ist.

Auch die AL West sieht zurzeit nicht nach einer besonders wettbewerbsstarken Division aus. Die Houston Astros (22-15) sind hier die einzige Konstante und es ist zu vermuten, dass sie eine auf Dauer recht einsame Saison erleben werden. Hinter den Astros stehen lediglich die Seattle Mariners (20-19) noch bei einer knapp positiven Bilanz, doch zehren sie dabei immer noch von ihrem längst vergangenen Traumstart in das Jahr. Von den letzten zehn Spielen gingen acht verloren und in den nächsten zehn lauten die Gegner achtmal Yankees, Red Sox oder Twins. Die Texas Rangers (17-17) halten sich bislang überraschend wacker, müssen nun allerdings für vier Spiele nach Houston.

National League
Die National League East war allgemein als besonders umkämpfte Division erwartet worden, doch zurzeit sieht es ganz so aus als könnten die Philadelphia Phillies (21-15) sich frühzeitig vom Rest des Feldes absetzen. Sie sind momentan das einzige Team der NL East mit einer positiven Bilanz und ebenfalls das einzige mit einem positiven Run Differential. Die Atlanta Braves (16-17) wurden auf der ersten Hälfte ihrer Westküstenreise von den Dodgers gesweept und müssen als nächstes nach Arizona. Bei den Dodgers müssen nun die Washington Nationals (14-22) antreten, bevor die Nationals in den nächsten zwei Wochen insgesamt siebenmal auf die New York Mets (17-20) treffen. Je nach Ausgang dieser Duelle kann es sein, dass entweder die Mets oder die Nationals die Saison dann schon so ziemlich abhaken können. Die Miami Marlins (10-26) haben das längst getan.

So schnell kann es gehen im Baseball: Letzte Woche waren die St. Louis Cardinals (21-16) noch die unumstrittenen Überflieger der NL Central. Doch dann ließ man sich im Spitzenduell von den Chicago Cubs (21-13) sweepen, verlor zudem zwei von drei Partien gegen Philadelphia und schon findet man sich nur noch auf Platz drei wieder. Zwischen die Cubs und die Cardinals haben sich die Milwaukee Brewers (23-16) geschoben, die gegen die Mets und die Nationals sechs Spiele in Folge gewonnen haben. Am Wochenende steht schon wieder eine Spitzenserie an: Die Cubs erwarten die Brewers für drei Spiele. Die Cardinals haben derweil mit den Pittsburgh Pirates (17-16) einen Gegner, den man ebenfalls noch nicht abschreiben kann.

Die Los Angeles Dodgers (25-14) sind zurzeit das erfolgreichste Team der NL und vor allem zu Hause eine Macht. 15 Siege und nur 4 Niederlagen sind eine Heimbilanz, mit der in der MLB kein Team auch nur ansatzweise mithalten kann. Ihre drei jüngsten Heimserien haben die Dodgers allesamt gesweept, und zu ihrer Freude finden die nächsten sechs Spiele ebenfalls im Dodger Stadium statt – vier gegen die Nationals, zwei gegen die San Diego Padres (21-17). Zwischen den Dodgers und den Padres stehen in der NL West die Arizona Diamondbacks (21-16). Die D-Backs sind für mich eine der großen Überraschungen der bisherigen Saison. An ihrer Stelle hatte ich eher die Colorado Rockies (16-20) erwartet, die letztes Wochenende das direkte Duell in Arizona 1:2 verloren und auch sonst bisher eher enttäuscht haben. Wegen miesen Wetters in Colorado konnten die Rockies diese Woche bislang nur ein Spiel absolvieren und auch das verlief mit 4:14 gegen die San Francisco Giants (16-20) wenig ermutigend.

Szene der Woche
Die Offensive im Slump, der Bullpen unzuverlässig? Für Noah Syndergaard, Starting Pitcher der New York Mets, war das im Spiel gegen die Reds am Donnerstag kein Problem, er machte dann eben alles alleine. Und „alles“ bedeutet nicht nur, dass er über volle neun Innings ging und keinen Run zuließ. Nein, er musste auch den einzigen Run seines eigenen Teams noch selbst per Solo-Homerun beisteuern. Dieser Homerun ist meine Szene der Woche:

Statistik der Woche 
81. So viele Pitches benötigte Kyle Hendricks am Freitag, um für die Chicago Cubs die kompletten neun Innings gegen die St. Louis Cardinals zu absolvieren. Er ließ vier Hits, aber keine Runs zu beim 4:0-Erfolg seines Teams. Man nennt so ein Spiel (ein Complete-Game-Shutout mit weniger als 100 Pitches) einen Maddux. Ein solcher gelang auch Hyun-Jin Ryu am Dienstag. Er brauchte 93 Pitches, um die Atlanta Braves abzufertigen und den Los Angeles Dodgers einen 9:0-Sieg zu ermöglichen.

Spiele der Woche
Die Saison 2019 hat ihren ersten No-Hitter: Mike Fiers gelang das Kunststück am Dienstag beim 2:0 seiner Oakland Athletics gegen die Cincinnati Reds. Obwohl er nur zwei Walks und sonst keine Baserunner zuließ, war Fiers vom Pitch-Count her bei weitem nicht so effektiv wie Hendricks und Ryu: 131 Pitches brauchte er, um das Spiel zu Ende zu bringen. Das waren die meisten Pitches in einem No-Hitter seit… Mike Fiers im August 2015! Damals warf er 134 Pitches gegen die Dodgers beim ersten No-Hitter seiner Karriere. Fiers ist erst der 35. Pitcher der Geschichte mit zwei MLB-Spielen ohne erlaubten Hit.

Das Spiel der San Francisco Giants gegen die Cincinnati Reds vom Montag hatte zwar nicht das sportliche Niveau der zuvor genannten Partien, aber dafür wartete es mit so vielen kuriosen Situationen auf, dass ich es hier nicht unerwähnt lassen möchte. Los ging es damit schon vor dem Spielbeginn, welcher sich durch eine Bieneninvasion verzögerte und Derek Dietrich als Kammerjäger auf den Plan rief. Später schrieben die Giants-Pitcher Pat Venditte und Sam Dyson Geschichte, als sie – augenscheinlich unabsichtlich – vier gegnerische Spieler in einem Inning abwarfen und damit den MLB-Rekord einstellten. Besser machte es ihr Teamkamerad Pablo Sandoval: Der Third Baseman pitchte ein sauberes neuntes Inning in dem Spiel, in dem er zuvor einen Homerun geschlagen, eine Base gestohlen und ein Highlight-Play im Feld produziert hatte. Genützt hat es den Giants letzten Endes wenig, denn sie gingen mit 4:12 unter gegen die Reds, für die Newcomer Nick Senzel mit zwei Homeruns brillierte.

Mein Einschalttipp
Die Tampa Bay Rays und die New York Yankees gelten als positive Überraschungen der bisherigen Saison – die Rays, weil sie hervorragend dastehen und vor allem im Pitching den Rest der Liga alt aussehen lassen; die Yankees, weil sie trotz enormen Verletzungspechs immer noch vorne mitspielen. Am Wochenende kommt es zum ersten Mal in dieser Saison zu einem direkten Aufeinandertreffen der beiden Divisionsrivalen. Gleich im ersten Spiel am Freitag schicken beide ihre bislang besten Starter auf den Mound: Für die Yankees tritt Domingo German (2.35 ERA, 2.72 FIP) an, für die Rays Tyler Glasnow (1.47 ERA, 2.40 FIP). Die Partie könnt ihr ab 1:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit in der Nacht auf Samstag sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv verfolgen.

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April 18th, 2019 by Silversurger

Die MLB ist drei Wochen nach Saisonstart noch erfreulich ausgeglichen – nur ein einziges Team hat sich in seiner Division schon spürbar vom Rest des Feldes abgesetzt, und dieses eine Team ist eine echte Überraschung: 5,5 Spiele Vorsprung haben die Tampa Bay Rays sich in der AL East bereits erarbeitet. Zum Vergleich: Die Führenden der fünf anderen Divisionen weisen zusammengenommen einen Vorsprung von 3,5 Spielen auf. Hier der wöchentliche Überblick zum aktuellen Stand in der Liga sowie in Blake Snells Badezimmer:

National League
Die Philadelphia Phillies (11-6) haben mit einer 2:1 gewonnenen Serie gegen die New York Mets (10-8) die Führung der National League East übernommen. Zuvor hatten die Mets und die Atlanta Braves (9-8) eine Vier-Spiele-Serie gesplittet. Die Braves verpassten zwar durch zwei Niederlagen gegen die Diamondbacks die Chance auf einen Sprung nach vorn, aber einen großen Erfolg konnten sie diese Woche dennoch verzeichnen: Ihr junger Second Baseman Ozzie Albies stimmte einer Vertragsverlängerung bis 2027 zu. Er erhält dafür 35 Millionen Dollar, was ein geradezu unglaubliches Schnäppchen aus Sicht des Klubs ist. Bei den Washington Nationals (8-8) halten sich bislang Siege und Niederlagen die Waage. Die anstehende Serie gegen die Miami Marlins (4-14) macht Hoffnung, dies zum Positiven ändern zu können.

In der NL Central behaupten die Milwaukee Brewers (12-7) den ersten Platz, aber ihre Leistungen sind bislang nicht konstant genug, um sich absetzen zu können. Die überraschend starken Pittsburgh Pirates (10-6) bleiben ebenso dran wie die St. Louis Cardinals (10-8), die gestern erfolgreich einen Sweep der Brewers abwehrten. Auch die Chicago Cubs (8-9) sind nach drei Siegen über die Marlins wieder im Rennen, während die Cincinnati Reds (5-12) bereits abgeschlagen sind.

Aus der NL West ist man klare Verhältnisse gewohnt, doch die gibt es zurzeit nicht: Die Los Angeles Dodgers (12-8) mussten ihren angestammten Platz an der Spitze zwischenzeitlich an die San Diego Padres (11-8) abgeben. Nach vier Siegen in Folge sind die Dodgers inzwischen wieder hauchdünn vorne, aber für sie steht nun eine anstrengende Reise nach Milwaukee und Chicago an. Die Padres haben eine dankbarere Aufgabe vor sich mit einer Vier-Spiele-Serie im eigenen Stadion gegen die Reds. Zuletzt haben sie dort allerdings zwei Niederlagen gegen die schwach gestarteten Colorado Rockies (6-12) einstecken müssen. Die Rockies erwarten nun die Phillies und die Nationals zu interessanten Heimserien. Mittelfristig rechne ich mit den Rockies eher als mit den Arizona Diamondbacks (9-9) und den San Francisco Giants (8-11).

American League
Die einzige Division, in der nach drei Wochen Baseball tatsächlich klare Verhältnisse herrschen, ist die American League East. Die Tampa Bay Rays (14-4) haben jede ihrer bislang sechs Serien gewonnen und lassen die Favoriten weit hinter sich. Das ist ein beeindruckender Saisonstart, man muss aber auch dazu sagen, dass sie es – außer den Astros zum Auftakt – bislang nicht mit den Top-Teams zu tun bekommen haben. Vom Selbstverständnis her ist der nächste Gegner Boston Red Sox (6-13) ein solches, von der Bilanz her bisher noch nicht. Das gilt auch für die New York Yankees (8-9), denen immerhin durch einen Zwei-Spiele-Sweep gegen die Red Sox etwas Aufbauarbeit gelungen ist. Die Verletzungsmisere der Yankees geht derweil unverändert weiter: Greg Bird ist das neueste Mitglied der langen Ausfallliste, ein Riss der Plantarsehne setzt ihn für mindestens einen Monat außer Gefecht. Blake Snell, das Pitcher-Ass der Rays, hat sich ebenfalls verletzt. Zum Glück verpasst er wohl nur einen Start, aber die Umstände, unter denen er sich den vierten Zeh am rechten Fuß brach, sind bemerkenswert: Er kam zu Hause aus der Dusche und hatte spontan die Idee, ein Deko-Objekt aus Granit umzustellen. Dabei übersah er, dass das Objekt aus mehreren Teilen bestand, die nicht fest miteinander verbunden waren. Prompt fiel ihm eine Granitstange auf besagten Zeh und brachte Snell eine frühe Nominierung für die dämlichste Verletzung des Jahres ein.

Die AL Central hatte zum Saisonbeginn ein paar Überraschungen zu bieten, doch inzwischen sieht sie schon wieder so aus, wie es zu erwarten war: die Cleveland Indians (11-7) vorne, die Minnesota Twins (9-6) dahinter und der Rest der Division mit negativen Bilanzen. Die Indians haben ihre Lage insbesondere durch einen Drei-Spiele-Sweep bei den Mariners verbessert. Gegen Atlanta und Miami stehen nun zwei lösbare Heimserien an.

Die erwähnte Serie zwischen den Indians und den Seattle Mariners (13-8) hat auch in der AL West zu einer gewissen Normalisierung des Tabellenbildes geführt – gemeinsam mit einer Reihe von zehn gewonnenen Spielen hintereinander für die Houston Astros (12-6). Der Favorit hat sich dadurch an die Spitze gesetzt und hält diese knapp auch nach der gestrigen Niederlage gegen die Oakland Athletics (11-10). Die Rolle der Texas Rangers (10-7) und der Los Angeles Angels (8-10) für diese Saison erscheint noch ungeklärt. Momentan haben die Rangers Oberwasser, nachdem sie die Angels in drei Spielen gesweept haben. Nun müssen sie allerdings gegen Houston antreten, während die Angels die angeschlagenen Mariners erwarten.

Szene der Woche
Warum verließ Justin Bour im ersten Inning des Spiels seiner Angels gegen die Cubs das Feld und ließ sich unterwegs widerstandslos von Javier Baez taggen, obwohl ihn der Umpire gerade safe an der zweiten Base gegeben hatte? Ich sehe drei mögliche Erklärungen: 1. Er hat den Safe-Call verpasst oder falsch verstanden. 2. Er ist ein durch und durch ehrlicher Mensch und wollte das Geschenk des Schiedsrichterirrtums nicht annehmen. 3. Es war ihm klar, dass dieser Call eine Review nach sich ziehen und geändert würde, und er wollte sich und allen anderen Beteiligten die Prozedur ersparen. Was auch immer tatsächlich hinter der Aktion steckte, sie war auf jeden Fall der kurioseste Moment der Baseballwoche. Zumindest eine ehrenvolle Erwähnung möchte ich zwei weiteren Szenen gönnen: dem Pitch von Yu Darvish, mit dem er auf einen Streich den Batter, den Catcher und den Umpire traf, und der hollywoodreifen Meidbewegung von Collin McHugh.

Statistik der Woche 
6.827. So viele Plate Appearances absolvierte Joey Votto in der MLB ohne ein einziges Pop Out zur ersten Base. Gestern, bei Nummer 6.828 im achten Inning seiner Reds gegen die Angels, ist es schließlich passiert. Zum ersten Mal in seiner dreizehnten MLB-Saison. Verblüffend, oder?

Spiel der Woche
Extra-Inning-Spiele sind Geschmackssache. Die normalen 9 Innings in rund drei Stunden sind im Vergleich mit den meisten anderen Sportarten schon mehr als lang genug und meistens sind Partien mit mehreren zusätzlichen Innings auch keine Offensivfeuerwerke. Ich persönlich liebe Extra-Innings – dass es keine Unentschieden gibt und auch keine halbseidenen Abkürzungen wie ein Elfmeterschießen ist für mich das Salz in der Baseballsuppe. Entsprechend happy war ich darüber, am Samstagmorgen zu sehen, dass die Rockies und die Giants im zehnten Inning sind, und dass ich dann quasi noch ein vollständiges Spiel geboten bekam. Nach 18 Innings wurde die längste Partie dieser Saison durch einen winzigen Fehler entschieden: Rockies-Catcher Chris Iannetta hatte den Fuß ein paar Zentimeter zu weit vorne und so konnte Brandon Belt bei einem Fielder’s Choice mit geladenen Bases den entscheidenden Run erzielen.

Mein Einschalttipp
Die Brewers und die Dodgers beginnen heute in Milwaukee eine Vier-Spiele-Serie. Beide Kontrahenten aus der NLCS 2018 führen zurzeit ihre Division an, beide werden den Spitzenplatz wohl verlieren, wenn sie diese Serie nicht erfolgreich gestalten. Das Finale der Serie wird am Sonntag zur für uns besten Sendezeit um 20:10 Uhr sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv übertragen. Als Starting Pitcher werden voraussichtlich Kenta Maeda (3.80 ERA, 4.91 FIP) und Brandon Woodruff (5.23 ERA, 3.04 FIP) antreten.

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April 11th, 2019 by Silversurger

Zwei Wochen in der Saison und schon haben sich einige der frühen Kapriolen in den Divisionstabellen bereits wieder gelegt. Aber immer noch werden alle drei Gruppen der American League von mehr oder weniger großen Überraschungen angeführt: den Tampa Bay Rays, den Detroit Tigers und den Seattle Mariners. Direkt dahinter haben sich inzwischen die Favoriten in Stellung gebracht – mit Ausnahme der Boston Red Sox, die gemeinsam mit den Chicago Cubs in der NL Central die große Enttäuschung dieser frühen Saisonphase sind. Hier die wöchentliche Rundumschau zu allem, was in der MLB los ist:

American League
In der American League East trumpfen nach wie vor die Tampa Bay Rays (10-3) ganz groß auf. Vor allem im Pitching überzeugen die Rays – mit überragenden Startern und Openern ebenso wie mit einem starken Bullpen. Nur 26 Runs haben die Rays bislang erlaubt, neun weniger als die zweitbesten Teams der MLB (Indians, Tigers, Reds). Für die New York Yankees (5-7) reißen derweil die Hionsbotschaften nicht ab: Dank einer Aufbauserie gegen die Baltimore Orioles (5-7) hatte man sich nach dem vergeigten Start gerade wieder aufgerichtet, schon folgte in Form eines Drei-Spiele-Sweeps durch die Astros wieder der Rückschlag. Zu allem Überfluss stellte sich nach neuen medizinischen Untersuchungen heraus, dass Starter Luis Severino mit seiner Rückenverletzung noch länger ausfallen wird als bisher gedacht. Er wird frühestens in sechs Wochen wieder ins Training einsteigen. Schönere Neuigkeiten gibt es von den Toronto Blue Jays (4-8): Die Ankunft des potenziellen Superstars Vladimir Guerrero Jr. ist ein Stück näher gerückt. Nach einem Monat Verletzungspause und ein paar Rehab-Spielen auf Single-A-Niveau wurde der 20-Jährige nun nach Buffalo ins AAA-Team der Blue Jays berufen. Nach wie vor an letzter Stelle der Division stehen die Boston Red Sox (3-9). Der Vorjahres-Champion macht bislang rundum den Eindruck, noch nicht in der neuen Saison angekommen zu sein.

Auch die Cleveland Indians (7-4) hatten einen schweren Start, durch einen Vier-Spiele-Sweep gegen die Blue Jays haben sie sich davon aber bereits erholt. Nun liefern sie sich gerade mit den Detroit Tigers (8-4) ein Duell um die Führung in der AL Central. Jedes Team hat bisher ein Spiel gewonnen, das Rubber-Match findet heute Abend ab 19:10 Uhr unserer Zeit statt. Die Minnesota Twins (6-4) mischen ebenfalls noch oben mit und nähren die Hoffnung, dass diese Division spannender wird als erwartet. Max Kepler ist übrigens in Topform: Er befindet sich aktuell auf einer Strecke von acht Spielen mit je mindestens einem Hit, darunter drei Homeruns in drei aufeinender folgenden Partien gegen die Phillies. Die Chicago White Sox (3-8) und die Kansas City Royals (2-9) haben sich derweil bereits im Keller eingerichtet. Vor allem in der Ecke, die die Royals dort bewohnen, ist es nach neun Niederlagen in Folge zappenduster.

Die Seattle Mariners (12-2) führen nach wie vor deutlich die AL West an und bringen nicht nur mich massiv zum Staunen. Vor allem die Offensive der Mariners produziert mit bislang 110 Runs auf einem Niveau, das kein anderes Team in der Liga teilt (siehe auch „Statistik der Woche“). Das war so nicht vorhersehbar und wohl auch nicht geplant, denn die Moves der Mariners in der Offseason sahen eher nach einem halbherzigen Rebuilding-Projekt aus. Es stehen nun wegweisende Serien gegen die Houston Astros (8-5) und die Indians an. Je nachdem wie diese verlaufen, wird man sich in Seattle wohl neue Ziele stecken. Übrigens haben nicht nur die Mariners und die Astros, sondern die gesamte AL West einen überraschend starken Start hingelegt. Als einzige Division hat sie kein einziges Team mit negativer Bilanz. Die Texas Rangers (6-6) und die Oakland Athletics (8-8) stehen ausgeglichen, die Los Angeles Angels (7-6) nach sechs Siegen in Folge plötzlich sogar positiv.

National League
Eine starke Division ist – in dem Fall den Erwartungen entsprechend – auch die National League East. Die Philadelphia Phillies (7-4), die Atlanta Braves (7-4) und die New York Mets (7-4) stehen allesamt gleichauf, die Washington Nationals (6-5) nur ein Spiel dahinter. Lediglich die Miami Marlins (3-9) sind bereits abgeschlagen, aber auch das war nicht anders zu erwarten. Der Spielplan der ersten Wochen wirkt sich sehr förderlich auf die Spannung in der NL East aus, da er schon außergewöhnlich viele Duelle zwischen den vier Top-Teams vorgesehen hat. Die Nationals haben bisher sogar ausschließlich divisionsinterne Partien gespielt. Heute und an den kommenden drei Tagen treffen erstmals in diesem Jahr die Braves und die Mets aufeinander.

In der NL Central sah es nach einem fulminanten Start der Milwaukee Brewers (8-5) so aus, als könnten diese sich frühzeitig absetzen. Nach drei Niederlagen bei den Angels sind die Brewers aber zurück auf dem Boden und schauen mit einigem Respekt auf die anstehenden Aufgaben: Dreimal bei den Dodgers, dann dreimal gegen die St. Louis Cardinals (7-5), viermal gegen die Dodgers und noch dreimal bei den Cardinals sind ein knüppelhartes Programm für die nächsten zwei Wochen. Die Pittsburgh Pirates (6-4) halten bislang ebenfalls gut mit, allerdings muss man dazu sagen, dass sie fünf ihrer sechs Siege gegen die Cincinnati Reds (3-8) erzielt haben. Der einzige weitere Sieg gelang gestern gegen die Chicago Cubs (3-8), welche bisher zu den negativen Überraschungen der noch jungen Saison zählen.

Enttäuscht haben bislang auch die Colorado Rockies (3-9) in der NL West. Nach nur einem Sieg aus den letzten zehn Spielen wird es ihnen ganz recht gewesen sein, dass die dritte Partie gegen die Braves gestern wegen einer Regen-, Schnee- und Sturmwarnung auf Ende August verschoben wurde. Die Rockies reisen jetzt erst mal zu den San Francisco Giants (4-9), bei denen es zwar meistens windig ist, aber zumindest wohl nicht schneit – und bei denen die Rockies sich die Chance auf denen einen oder anderen Sieg ausrechnen dürften. An der Spitze der Division haben die San Diego Padres (8-5) inzwischen die Los Angeles Dodgers (8-5) eingeholt, nachdem Letztere drei Spiele hintereinander gegen die Braves abgegeben haben.

Szene der Woche
Es gab in den letzten Tagen wahnsinnig viele sehenswerte Szenen: Jorge Polanco gelang der erste Cycle der Saison, Lourdes Gurriel der erste Home-Steal, die Reds und die Pirates lieferten sich eine handfeste Keilerei, Mike Trout klaute Christian Yelich einen Homerun und Marcell Ozuna scheiterte kläglich, als er auch mal so ein Highlight-Play vollbringen wollte. Meine Szene der Woche aber ist der absolut unglaubliche freihändige Basehit von Javier Baez. Seht und staunt.

Statistik der Woche 
14. So viele Spiele haben die Seattle Mariners in diesem Jahr absolviert und in genauso vielen Spielen haben sie mindestens einen Homerun erzielt. Gestern wäre die Serie fast gerissen, doch bei zwei Outs im neunten Inning gelang Mitch Haniger der siegbringende Schlag zum 6:5 gegen die Royals. Die Mariners haben damit einen MLB-Rekord eingestellt, den sie nun gemeinsam mit den Indians von 2002 halten. Heute Abend, erneut gegen Kansas City, haben sie die Chance, diese Bestmarke zu übertreffen.

Spiel der Woche
Ein 0:5-Rückstand nach vier Innings und Madison Bumgarner als gegnerischer Pitcher? Das klingt nach einer recht ausweglosen Situation. Nicht nur für die San Diego Padres, die am Montag schon zum vierten Mal in diesem Jahr ein Spiel drehten. Drei Homeruns trugen zum erfolgreichen Comeback bei, den schönsten und letztlich entscheidenden besorgte Youngster Franmil Reyes im siebten Inning. Zu dem Zeitpunkt hatte bereits Reyes Moronta das Pitching bei den Giants übernommen, um für Bumgarner das Schlimmste zu verhindern – ohne Erfolg, wie sich herausstellte.

Mein Einschalttipp
In der AL West kommt es an diesem Wochenende zum ersten Gipfeltreffen zwischen dem klaren Favoriten Houston Astros und dem Überraschungsteam Seattle Mariners. Sofern ihr nicht unter Schlafstörungen leidet, empfehle ich zum Reinschauen das Spiel am Sonntag, das mit 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit als einziges nicht mitten in der Nacht stattfindet. Das Pitching-Matchup ist ebenfalls sehr attraktiv: Houstons Gerrit Cole (3.32 ERA, 2.76 FIP) trifft auf Seattles Openening-Day-Starter Marco Gonzales (3.16 ERA, 3.43 FIP). Das Spiel wird auf DAZN übertragen und natürlich auf mlb.tv.

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April 4th, 2019 by Silversurger

Die MLB-Saison ist eine Woche alt und geizt bisher nicht an Highlights und Überraschungen. Vor allem in der American League könnte man auf die Idee kommen, jemand hätte als Aprilscherz sämtliche Tabellen umgedreht. Aber nein, die Mariners stehen tatsächlich bei 7-1 und die großen Vier – Red Sox, Yankees, Indians, Astros – haben quasi im Gleichschritt klassische Fehlstarts hingelegt. Obwohl es nun wieder täglich Action auf dem Platz gibt, finden die Front Offices offenbar immer noch die Zeit, einen Trend aus der Offseason fortzusetzen: Xander Bogaerts (Red Sox), Ronald Acuna (Braves), German Marquez (Rockies), Randal Grichuk (Blue Jays), David Bote (Cubs) sowie Indians-Manager Terry Francona erhielten allesamt mehrjährige Vertragsverlängerungen. Alles, was diese Woche sonst passiert ist, gibt es heute erstmals in diesem Jahr wieder in der In-Season-Version des Grand Slam am Donnerstag:

National League
In der National League East kam es gleich zum Start zu mehreren direkten Duellen der vier Teams, zwischen denen dieses Jahr ein spannnendes Rennen erwartet wird. Dabei kamen die New York Mets (5-1) und die Philadelphia Phillies (4-1) am besten aus den Startlöchern. Die Mets begannen mit zwei Siegen in einer 2-1-Serie gegen die Washington Nationals (2-3), der sie einen Drei-Spiele-Sweep gegen die Miami Marlins (2-5) folgen ließen. Die Phillies schlugen zum Auftakt dreimal hintereinander die Atlanta Braves (2-3) und teilten sich dann eine Zwei-Spiele-Serie mit den Nationals. Auch wenn die Nationals sowohl gegen die Phillies als auch gegen die Mets je ein Spiel gewinnen konnten, bricht in Washington schon leichte Panik aus. Aus fünf Heimspielen hatte man mehr erwartet, zumal beide Starts von Top-Ass Max Scherzer verloren wurden. Obendrein hat Shortstop Trea Turner, der am Sonntag die Mets quasi im Alleingang schlug, sich den Finger gebrochen und wird eine Weile ausfallen. Die folgenden sechs Spiele – wieder gegen die Mets und die Phillies, dieses Mal aber auswärts – könnten für die Nationals schon richtungsweisend sein.

Die NL Central gilt gemeinsam mit der East als die am schwersten vorhersagbare Division. Das Tabellenbild nach der ersten Woche ist jedoch recht eindeutig: Die Milwaukee Brewers (6-1) stürmen voran, nachem sie gegen die St. Louis Cardinals (3-3) drei von vier und gegen die Cincinnati Reds (1-4) drei von drei Spielen gewonnen haben. Die Cardinals rehabilitierten sich anschließend mit zwei Siegen gegen die Pittsburgh Pirates (1-3). Außer den Pirates und den Reds haben auch die Chicago Cubs (1-4) bisher nur ein einziges Spiel gewonnen. Beim 12:4-Auftaktsieg bei den Rangers sahen die Cubs noch souverän aus, nach vier Niederlagen hintereinander stehen sie nun aber schon ein bisschen mit dem Rücken zur Wand. Am Wochenende geht es für sie dreimal gegen die Brewers; da wird man sehen, ob der Start noch zu retten ist.

Wenn es eine Division gibt, in der Überraschungen bislang weitgehend ausgeblieben sind, dann ist das die NL West. Die Los Angeles Dodgers (5-2) sind der klare Favorit und mit gewonnenen Serien gegen die Arizona Diamondbacks (3-4) und die San Francisco Giants (2-5) haben sie sich auch prompt an die Spitze gesetzt. Beeindruckt haben sie vor allem in der Offense und dort in erster Linie mit Homeruns. In jedem der sieben Spiele haben sie mindestens einen erzielt und stolze acht allein im Eröffnungsspiel – MLB-Rekord. Auch die San Diego Padres (4-3) hatten einen guten Start, insbesondere durch drei Siege aus der Auftaktserie gegen die Giants. Die Colorado Rockies (3-4) durften als einziges Team der Division noch nicht gegen die direkte Konkurrenz antreten. Sie starteten mit einem 2-2-Split gegen die Marlins, verloren dann zwei Spiele gegen die Rays, bevor ihnen ihr bislang überragender Starter German Marquez gestern einen 1:0-Sieg zum Abschluss der Serie ermöglichte. Am Wochenende erwarten die Rockies die Dodgers zum Heimauftakt in Coors Field.

American League
Die New York Yankees (2-4) hauchdünn vor den Boston Red Sox (2-5) – entweder so oder genau umgekehrt hatte man das in der American League East erwartet. Allerdings war die Erwartung eher nicht, dass es dabei um die Plätze vier und fünf der Division geht. Die Red Sox hatten bei ihren Niederlagen in Seattle und Oakland ungewohnt große Probleme, gegnerische Punkte zu verhindern. 45 zugelassene Runs sind die meisten in der AL und die zweitmeisten in der MLB. Die Yankees hingegen waren bei ihrem eigenen Scoring überraschend zurückhaltend – 20 Runs aus sechs Spielen sind zu wenig, vor allem gegen vermeintliche Nicht-Contender wie die Baltimore Orioles (4-2) und die Detroit Tigers. Man muss dazu sagen, dass die Yankees bislang mehr als jedes andere Team vom Verletzungspech verfolgt werden. Luis Severino, C. C. Sabathia, Dellin Betances, Aaron Hicks, Didi Gregorius und Jordan Montgomery standen von Anfang an nicht zur Verfügung, inzwischen kamen noch Giancarlo Stanton, Miguel Andujar und Troy Tulowitzki hinzu. Die positive Überraschung der Division sind außer den Orioles – denen ich eher vier Siege in einem Monat als vier Siege in einer Woche zugetraut hätte – die Tampa Bay Rays (5-2). Nur elf zugelassene Runs sind mit großem Abstand Spitze in der gesamten Liga und der erfolgreiche Start wurde nicht gegen Fallobst eingefahren, sondern gegen die Astros und die Rockies.

Die AL Central war zuletzt wegen der klaren Dominanz der Cleveland Indians (2-3) die langeweiligste Division der Liga. Meine Befürchtung war (und ist immer noch), dass das dieses Jahr so weitergeht, aber der Saisonstart macht Hoffnung auf mehr Spannung: Die Minnesota Twins (5-1) sind richtig gut in die Saison gekommen, unter anderem mit zwei Siegen gegen die Indians. Beim gestrigen 7:6-Comebacksieg gegen die Kansas City Royals (2-3) hatte Max Kepler einen großen Auftritt, indem ein Single von ihm im achten Innning zwei Runs zum Ausgleich über die Platte brachte. Auch die Detroit Tigers (4-3) gehören zu den positiven Überraschungen der ersten Woche, insbesondere aufgrund ihrer zwei Siege gegen die Yankees. Ein Run-Verhältnis von 12:17 weist allerdings darauf hin, dass auch ein bisschen Glück dabei mitgespielt hat, dass sie aktuell so gut dastehen.

Den Kavalierstart der Seattle Mariners (7-1) in die AL West kann man nicht mit Glück erklären. Nach der anstrengenden Tokio-Reise zur Saisoneröffnung gegen die Oakland Athleics (5-3) warteten mit den Red Sox und den Los Angeles Angels (1-5) ernstzunehmende Gegner auf die Mariners, aber die bescherten jedem ihrer Kontrahenten einen Fehlstart. Mit 56 Runs aus acht Spielen klickt vor allem die Offensive der Mariners. Die Pitcher machen ebenfalls einen soliden Job, allerdings gab es hier mit der Verletzung des Closers Hunter Strickland einen ersten Rückschlag. Ich glaube zwar nicht, dass der Höhenflug der Mariners von Dauer sein wird, aber mit den White Sox und den Royals als nächsten Gegnern könnte er schon noch eine Weile andauern. Außer den Mariners stehen auch die Texas Rangers (4-2) sowie die Athletics bei positiven Bilanzen und verweisen den Favoriten, die Houston Astros (2-5), bislang auf den vorletzten Platz. Die Astros treffen nun zum Heimauftakt auf die Athletics, anschließend gibt es von Montag bis Mittwoch das Duell der Enttäuschten gegen die Yankees.

Szene der Woche
Die Rückkehr des neuen Phillies-Stars Bryce Harper an seine alte Wirkungsstätte war mit großer Spannung erwartet worden. Würden die Fans in Washington ihren langjährigen Star mit freundlichem Applaus bedenken oder mit Ablehnung? Ich hätte mit Ersterem gerechnet, aber ich lag daneben: Er erhielt ein gewaltiges Konzert aus Buhrufen und Pfiffen. Harper „bedankte“ sich für den Empfang mit drei Hits, darunter ein monströser Homerun, sowie mit einem Batflip in Richtung des Dugouts der Nationals. Manchmal rostet alte Liebe verblüffend schnell.

Statistik der Woche 
102. So viele Spieler aus der Dominikanischen Republik finden sich auf den Opening-Day-Rostern der MLB-Teams (einschließlich Verletztenliste). Es ist das erste Mal, das zu einem Zeitpunkt mehr als 100 MLB-Spieler aus irgend einem anderen Land als den USA in der Liga aktiv sind. Die zweitgrößte Gruppe bilden übrigens Spieler aus Venezuela (68), alle anderen Länder sind mit weniger als 20 Spielern vertreten. Aus Europa sind es genau drei: der Litauer Dovydas Neverauskas, der Niederländer Didi Gregorius und natürlich Max Kepler.

Spiel der Woche
Es war schon wieder alles dabei in dieser ersten Woche der Saison: Comeback-Siege, Walkoffs, Extra-Inning-Geduldsspiele und vieles mehr. Am meisten beeindruckt hat mich jedoch die Partie, der ich schon Wochen vorher entgegen gefiebert hatte: das Auftaktspiel zwischen den Washington Nationals und den New York Mets. Es war das erhoffte Duell zweier überragender Pitcher zwischen Jacob deGrom und Max Scherzer. Der Cy-Young-Gewinner und der Zweiplatzierte der Wahl aus 2018 lieferten ab – deGrom mit 6.0 IP, 5 Hits, 10 Strikeouts, 0 erlaubten Runs; Scherzer mit 7.2 IP, 2 Hits und 12 Strikeouts, aber auch mit den entscheidenden 2 erlaubten Runs. Dass diese beiden einzigen Runs des Spiels ausgerechnet auf das Konto der umstrittenen Neuverpflichtung der Mets, Robinson Cano, gingen, machte die Sache noch ein Stück interessanter. Übrigens hat sich deGrom nicht nur durch dieses Spiel schon früh für einen weiteren Cy-Young-Award in Stellung gebracht: Gestern Nacht ließ er in Miami 7 Innings mit weiteren 14 Strikeouts und erneut 0 zugelassenen Runs folgen – einen Homerun schlug er übrigens auch.

Mein Einschalttipp
Es stehen einige interessante Serien an, aber am spannendsten finde ich die zwischen den Chicago Cubs und den Milwaukee Brewers. Können die Brewers in der NL Central der Konkurrenz frühzeitig enteilen oder bügeln die Cubs ihren schwachen Start schnell wieder aus? Das Duell läuft von Freitag bis Sonntag, mein Einschalttipp ist aufgrund der günstigen Zeit das Sonntagsspiel um 20:10 Uhr unserer Zeit. Starting Pitcher werden Kyle Hendricks für Chicago und Zach Davies für Milwaukee sein.

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März 28th, 2019 by Silversurger

Opening Day. Eine Woche nach dem „Gruß aus der Küche“ in Form der zwei Eröffnungsspiele zwischen Oakland und Seattle in Tokio beginnt heute endlich für alle MLB-Teams die Saison 2019. Da die Teams in den ersten Spielen in aller Regel ihre besten Pitcher ins Rennen schicken, stehen gleich ein paar echte Hammer-Matchups an. Die Tage vor dem Saisonbeginn waren dieses Jahr von ungewohnt vielen Vertragsverlängerungen für Top-Spieler geprägt – und leider auch vom üblichen Pensum niederschmetternder Verletzungsnachrichten. So ist die Saison für einige schon beendet, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Dallas Keuchel und Craig Kimbrel hingegen sind fit und dennoch wird ihr Saisonbeginn sich verspäten, denn beide sind am Opening Day immer noch ohne neuen Arbeitgeber.

Zwei Highlights des Eröffnungstages
Wenn es nach Monaten des Wartens endlich wieder losgeht, ist natürlich jedes Spiel ein Highlight für alle Beteiligten. Auf zwei besonders herausragende Matchups möchte ich dennoch hinweisen: In der National League trifft Cy-Young-Gewinner Jacob deGrom mit den New York Mets auf den Zweitplatzierten der Cy-Young-Wahl, Max Scherzer, und die Washington Nationals. Das Spiel beginnt um 18:05 mitteleuropäischer Zeit. Sofern die Partie nach ungefähr drei Stunden beendet ist, lohnt es sich, gleich umzuschalten zur Übertragung aus Tampa Bay. Dort treten nämlich ab 21 Uhr unserer Zeit die Rays mit dem Cy-Young-Gewinner der American League, Blake Snell, gegen den Zweitplatzierten der Wahl, Justin Verlander, und die Houston Astros an. Interessantere Konstellationen hätte man sich kaum ausdenken können.

Jede Menge Vertragsverlängerungen
Der große Trend dieser Offseason oder zumindest der letzten Wochen ist der zu vorzeitigen Verlängerungen von Spielerverträgen. Es scheint derzeit sowohl bei den Klubs als auch bei den Spielern die Auffassung zu herrschen, dass man sein Schäfchen besser rechtzeitig ins Trockene bringt, statt in ein oder zwei Jahren die Ungewissenheiten der Free Agency auszutesten. Der große Paukenschlag war der Rekordvertrag von Mike Trout letzte Woche. In den folgenden Tagen schloss sich eine ganze Reihe weiterer Einigungen zwischen Starspielern und ihren aktuellen Vereinen an. Hier die wichtigsten, sortiert nach Höhe der garantierten Gehaltssummen:

Starting Pitcher Chris Sale hat für fünf weitere Jahre in Boston unterschrieben. Er erhält dafür 145 Millionen Dollar, zusätzlich zu den 15 Millionen, die ihm der bestehende Vertrag für 2019 einbringt. Von dem Geld sind 50 Millionen „deferred money“, das heißt diesen Teil erhält er von den Red Sox nicht gleich, sondern in Raten bis 2040.

Jacob deGrom hat sich mit den New York Mets auf einen Fünfjahresvertrag geeinigt, der allerdings eine Ausstiegsklausel für deGrom nach drei Jahren und eine Teamoption für die Mets auf ein sechstes Jahr enthält. Für die grundsätzlich vereinbarten fünf Jahre beträgt das Garantiegehalt des Pitchers 137,5 Millionen Dollar. Auch sein Vertrag enthält rund 50 Millionen Dollar, die erst mit 15 Jahren Verzögerung ausgezahlt werden.

Paul Goldschmidt hat zwar für die St. Louis Cardinals noch kein MLB-Spiel absolviert, aber der First Baseman fühlt sich bei seinem neuen Klub offensichtlich schon so wohl, dass er bereit war, sich ebenfalls für fünf Jahre zu binden. Der First Baseman, der von den Arizona Diamondbacks nach St. Louis getradet worden war, lässt sich seine Unterschrift mit 130 Millionen Dollar bezahlen.

Die Houston Astros haben sich gleich zwei Leistungsträger für die nächsten Jahre gesichert. Third Baseman Alex Bregman erhält einen Sechsjahresvertrag für glatte 100 Millionen Dollar, Starting Pitcher Justin Verlander bleibt nach seinem laufenden Vertrag für 2019 (28 Millionen) auch 2020 und 2021 in Houston und bekommt für die beiden Jahre zusammen weitere 66 Millionen.

Die Chicago Cubs behalten Starter Kyle Hendricks bis mindestens 2023 und bezahlen ihm dafür rund 63 Millionen Dollar. Sie haben sich zudem eine Teamoption auf die Saison 2024 gesichert, für die Hendricks weitere 16 Millionen bekäme.

Knebel, Souza Jr.: Saison gelaufen
Die Pechvögel der Woche sind Outfielder Steven Souza Jr. von den Arizona Diamondbacks und Closer Corey Knebel von den Milwaukee Brewers. Souza Jr. zog sich bei einem einem Slide über die Homeplate im Spring-Training-Spiel gegen die White Sox mehrere Bänderrisse im linken Knie zu. Er hatte sich gerade erst von einer anderen Verletzung zurück gekämpft und sollte einen Stammplatz im Rightfield der Diamondbacks einnehmen. Der Posten wird nun wohl von Neuverpflichtung Adam Jones übernommen.

Für Knebel deutet, nachdem sich ein seit Jahren bestehender leichter Bänderriss im Ellenbogen verstärkt hat, alles auf eine Tommy-John-Surgery hin. Wenn sich das bestätigt, wird er bis in die kommende Saison hinein ausfallen. Der Bullpen der Brewers, eigentlich das Prunkstück des Teams, hat damit schon den zweiten herben Rückschlag erlitten, denn auch Jeremy Jeffress wird mit Schulterproblemen zumindest noch einige Wochen ausfallen. Die Brewers sind nach den schlechten Nachrichten noch einmal tätig geworden und haben Reliever Alex Wilson für ein Jahr unter Vertrag genommen.

Einige weitere prominente Verletzungsopfer dieser Woche werden wohl zumindest irgendwann im Laufe der Saison wieder zur Verfügung stehen. Second Baseman Scooter Gennett von den Cincinnati Reds wird mit einer Leistenzerrung zwei bis drei Monate ausfallen. Für First Baseman Matt Olson von den Oakland Athletics lautete die Prognose nach seiner Handfraktur zunächst auf sechs bis acht Wochen Ausfallzeit. Möglicherweise rechnen die A’s aber doch mit einer längeren Pause, jedenfalls haben sie gestern mit Kendrys Morales von den Toronto Blue Jays eine Vertretung für Olson geholt. Auch Francisco Lindor fällt noch eine Weile aus. Der Shortstop der Cleveland Indians war gerade dabei, nach einer Wadenverletzung wieder Spielform aufzubauen, doch nun macht der Knöchel Probleme. Es werden neue Untersuchungen nötig, Lindors Rückkehr ins Team verschiebt sich auf bislang unbestimmte Zeit.

Was wird aus Keuchel und Kimbrel?
Es wurde auch dieses Jahr viel über die langsame und ereignisarme Free Agency geklagt, aber im Endeffekt sind doch fast alle „eindeutigen“ Major Leaguer wieder für gutes Geld bei MLB-Klubs untergekommen. Die beiden Ausnahmen sind Starting Pitcher Dallas Keuchel und Reliever Craig Kimbrel. Zumindest in der frühen Phase der Offseason gab es wohl ein paar Angebote und Verhandlungen, doch beide Pitcher konnten sich nicht mit einem Klub einigen. Es hing (natürlich) am Geld, vor allem aber auch an der Vertragslaufzeit, denn der 31-jährige Keuchel und der in Kürze ebenso alte Kimbrel bestehen auf der Sicherheit eines mehrjährigen Engagements. In den letzten Wochen wurde es um beide erstaunlich ruhig. Ich schätze, sie werden abwarten, bis der eine oder andere Klub durch Verletzungen anderer Spieler unter Handlungsdruck gerät und dann doch bereit ist, das Portemonnaie etwas weiter aufzumachen.

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März 17th, 2019 by Silversurger

Die Tampa Bay Rays sind für mich zugleich der intelligenteste und der bedauernswerteste Klub in der MLB. Die Intelligenz der Rays oder besser gesagt ihrer sportlichen Leitung zeigt sich darin, dass es ihnen regelmäßig gelingt, aus nichts etwas zu machen. In einem kleinen Markt, der sie in der Gehälterrangliste Jahr für Jahr weit unten auftauchen lässt, haben sie ein wirklich starkes Team zusammengestellt. Aus diesem holen sie das Optimum heraus, indem immer wieder kreative Ideen entwickelt werden. Letztes Jahr beispielsweise war die taktische Variante des Openers (siehe unten) eine Innovation der Rays, die schnell Nachahmer fand. Auch eine sinnvolle und disziplinierte Verteilung der Belastung war ein Kennzeichen der Rays des Jahres 2018. Ein Ass wie Blake Snell würden die meisten Teams so oft und so lange melken, bis nichts mehr herauskommt. Die Rays limitierten Snell auf 180 Innings und er honorierte sie (und sich selbst) mit einer Cy-Young-Saison. Die Rays brachten es als „ärmstes“ Team der Liga auf 90 Siege und das in einer sehr schweren Division. Wegen eben jener Division sind die Rays aber auch bedauernswert, denn in kaum einer anderen Gruppe als in der AL East mit den Yankees und den Red Sox scheint es so aussichtslos zu sein, als kleiner Klub für gute Arbeit belohnt zu werden. Wenn nichts völlig Überraschendes passiert, besteht die einzige Playoff-Chance der Rays darin, beide Wild Cards der American League in die AL East zu holen. Ich traue ihnen zu, dieses Jahr genau das zu tun.

Voraussichtliches Lineup
C Mike Zunino
1B Yandy Diaz
2B Joey Wendle
SS Willy Adames
3B Matt Duffy
LF Tommy Pham
CF Kevin Kiermaier
RF Austin Meadows
DH Ji-Man Choi

Voraussichtliche Rotation
LHP Blake Snell
RHP Charlie Morton
RHP Tyler Glasnow
LHP Ryan Yarbrough
RHP Yonny Chirinos
Key Reliever: Jose Alvarado

Wichtigster Zugang
RHP Charlie Morton (Houston Astros)

Wichtigster Abgang
RHP Sergio Romo (Miami Marlins)

Bestes Prospect
SS Wander Franco

Größte Stärke
Flexibilität: Die Rays haben eine Routine darin entwickelt, mit Abgängen und Ausfällen fertig zu werden. Letztes Jahr brachten sie 23 Rookies zum Einsatz – ein Teamrekord und zugleich die höchste Zahl von Neulingen, mit der je ein Team 90 Siege geholt hat.

Größte Schwäche
Fehlendes Interesse: Ein weiterer Grund, die Rays zu bedauern ist, dass nach wie vor kaum jemand kommt, um sich den guten Baseball anzusehen, den sie spielen. 2018 hatten sie den zweitniedrigsten Zuschauerschnitt, unterboten nur von den Nachbarn in Miami. Vor lauter Verzweiflung wurde für die Saison 2019 beschlossen, das komplette Oberdeck von Tropicana Field zu schließen. Das mit bislang 31.042 Plätzen bereits kleinste aller MLB-Stadien reduziert seine Kapazität dadurch noch einmal um 5.000 Plätze. Die Hoffnung ist, durch das engere Zusammenrücken der wenigen Zuschauer mehr Atmosphäre zu schaffen. Langfristig werden die Rays sich wohl nach einem neuen Standort umschauen.

Spannendste Frage
Ist der Opener ein Modell mit Zukunft? Es war letztes Jahr eher aus der Not geboren, als die Rays das Experiment wagten, mit einer gewissen Regelmäßigkeit Spiele mit einem Relief Pitcher zu beginnen. Im Gegensatz zum klassischen Bullpenning, also dem Bestreiten eines Spiels ausschließlich mit Relievern, folgte dem sogenannten Opener ein Pitcher, der für mehrere Innings vorgesehen war – also quasi ein Starter, der nicht startete. Die Rays bestritten 36 Spiele nach dem Opener-Konzept und gewannen 19 davon. Das ist eine beachtliche Bilanz angesichts der Tatsache, dass es sich durchweg um Spiele handelte, die im klassischen Modell dem unteren Teil der Starting-Rotation zugefallen wären. Dieses Jahr stehen mit Snell, Morton und Glasnow drei Leute zur Verfügung, die als klassische Starter auftreten werden. Die restlichen Spiele werden möglicherweise mit einem Opener begonnen – genauso gut kann es sein, dass die Rays sich wieder mal was Neues einfallen lassen.

Meine Prognose
Platz 3 in der AL East und eine Wild Card

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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Januar 17th, 2019 by Silversurger

Die Free Agency der MLB entwickelt sich, wenn auch langsam und in kleinen Schritten. Nachdem letzte Woche vor allem Catcher und Reliever gefragt waren, haben nun die besten verfügbaren Second Basemen ihre neuen Arbeitgeber gefunden. Brian Doziers Anheuern in Washington hatte es in letzter Sekunde noch in den letzten Grand Slam geschafft. In den Tagen darauf entschieden sich Jed Lowrie und D.J. LeMahieu, dass es sie beide nach New York zieht. Die größten Schlagzeilen machte derweil ein junger Sportler, der vielleicht nie in der MLB spielen wird.

Murray meldet sich zur NFL-Draft
Die Posse um Kyler Murray geht weiter: Der 21-Jährige ist ein Top-Talent sowohl als Baseball-Outfielder wie auch als Football-Quarterback und er kann sich offenbar nicht zwischen den beiden Sportarten entscheiden. Letztes Jahr gab er den Oakland Athletics, die ihn in der ersten Draftrunde wählten, eine feste Zusage, zum diesjährigen Spring Training eine Profikarriere im Baseball zu beginnen. Nun hat er sich allerdings am letztmöglichen Tag auch für die NFL-Draft im April angemeldet, für die er ebenfalls als Kandidat für die erste Runde gilt. Von dem knapp 5 Millionen Dollar schweren Vertrag mit den A’s ist Murray offiziell noch nicht zurück getreten. Man muss aber wohl davon ausgehen, dass die Verantwortlichen der NFL-Teams eine klare Entscheidung von ihm verlangen, bevor sie einen hohen Draftpick in ihn investieren.

Lowrie und LeMahieu gehen nach New York
Die Parallelen sind unübersehbar: Beide New Yorker Teams haben sich die Unterschriften von etablierten Second Basemen gesichert, beide haben dafür Zweijahresverträge vergeben und die finanzielle Größenordnung ist ebenfalls ähnlich: Jed Lowrie erhält von den Mets 20 Millionen Dollar, D.J. LeMahieu 24 Millionen von den Yankees. Gemeinsam ist beiden Verpflichtungen auch, dass sie relativ überraschend kamen. Denn die Yankees haben an der zweiten Base Gleyber Torres und die Mets verstärkten die Position erst vor wenigen Wochen mit Robinson Cano. LeMahieu ist wohl flexibel genug, an allen drei Bases zu spielen und die Rolle eines Super-Ersatzspielers einzunehmen, der auch ohne echten Stammplatz fast täglich zum Einsatz kommt. Lowrie hingegen spielte in seiner Karriere bisher fast ausschließlich als Second Baseman. Realistische Optionen der Mets mit Lowrie auf 2B könnten darin bestehen, Cano Einsatzzeit an der ersten Base zu geben und Jeff McNeill im Outfield zu testen.

Flores zu den Diamondbacks
Keine Verwendung mehr hatten die Mets angesichts ihres gut gefüllten Infields für Wilmer Flores. Er erhielt kein Arbitration-Angebot und konnte sich einen neuen Klub suchen, den er nun in den Arizona Diamondbacks gefunden hat. Der 27-Jährige erhält einen Vertrag über 4,25 Millionen Dollar im ersten Jahr plus Verlängerungsoption für den Verein, die Flores im zweiten Jahr weitere 5,5 Millionen einbringen würde. Flores kann auf sämtlichen Infield-Positionen spielen und hatte – außer im vergangenen Jahr – immer deutlich bessere Zahlen gegen Linkshänder als gegen Rechtshänder. Damit könnte er in Arizona vor allem für Jake Lamb an der ersten Base ein sinnvoller Platoon-Partner sein.

Dodgers ertraden neuen alten Catcher
Nach dem Abgang von Yasmani Grandal waren die Los Angeles Dodgers händeringend auf der Suche nach einem neuen Catcher. Wie vielen anderen Klubs waren auch ihnen die Forderungen, die die Miami Marlins für J.T. Realmuto stellen, offenbar zu hoch. Deswegen haben sie sich nun zumindest vorerst mit einer günstigeren Tradeoption begnügt: Russell Martin kommt von den Toronto Blue Jays im Austausch gegen die Minor Leaguer SS Ronny Brito und RHP Andrew Sopko. Die Blue Jays übernehmen rund 16,4 Millionen Dollar von Martins Gehalt im finalen Vertragsjahr 2019, sodass die Dodgers ihm nur 3,6 Millionen zahlen müssen. Für dieses relativ überschaubare Geld haben sie nun einen in Kürze 36-jährigen Catcher mit unverändert guter Defense, dessen Offensivleistungen jedoch in den letzten Jahren spürbar nachgelassen haben. Martin war 2002 von den Dodgers gedraftet worden und hatte bereits von 2006 bis 2010 für sie gespielt.

Giants und Blue Jays ergänzen Pitching-Staff
Die San Francisco Giants haben sich mit Pitcher Derek Holland auf einen Einjahresvertrag geeinigt. Der Linkshänder erhält 7 Millionen Dollar und kann dieses Gehalt in Abhängigkeit von der Anzahl seiner Starts auf bis zu 9 Millionen steigern. Zudem haben die Giants die Option auf ein weiteres Vertragsjahr. Holland hatte seine durch Verletzungen beeinträchtigte Karriere letztes Jahr in San Francisco erfolgreich wiederbelebt und es auf einen ERA von 3.57 in 30 Starts mit 171.1 Innings gebracht. Auch die Toronto Blue Jays haben ihr Pitching-Personal ergänzt: David Phelps, der die letzte Saison durch eine Tommy-John-Surgery verpasst hat, unterschreibt einen Einjahresvertrag plus Kluboption für 2020. Phelps wird mindestens 2,5 Millionen Dollar verdienen, hinzu kommen mehrere leistungsbezogene Boni. Der ehemalige Starter war von den Seattle Mariners 2016 zum Reliever umfunktioniert worden und hatte in dieser Rolle starke Leistungen gebracht, bevor die Verletzung ihn ausbremste.

Ein neuer Outfielder für die Rays
Die Tampa Bay Rays haben ebenfalls noch ein Puzzlestück hinzugefügt: Zu ihnen kommt Outfielder Avisail Garcia, der von den Chicao White Sox keinen neuen Vertrag erhalten hatte. Garcia bekommt für einen Einjahreskontrakt leistungsabhängig zwischen 3,5 und 6 Millionen Dollar. Die starke Leistungsbezogenheit des Vertrages erscheint logisch, denn Garcias bisherige Karriere war ein ziemliches Auf und Ab. Die Rays wollen offenbar sicher gehen, dass sie nicht zu viel bezahlen, falls sie nicht wie erhofft den Avisail Garcia von 2017 erhalten, sondern eher den von 2018.

Harper und Machado lassen sich weiterhin Zeit
Nicht viel Neues gibt es derweil im Hinblick auf die beiden begehrtesten Free Agents dieser Offseason, Bryce Harper und Manny Machado, zu vermelden – ganz ohne diese beiden Namen kommt ein Grand Slam am Donnerstag zurzeit aber auch nicht aus. Die Erkenntnisse der letzten Tage sind: Die Philadelphia Phillies gelten als Favorit, entweder Harper oder Machado – jedoch nicht beide – an Land zu ziehen. Die Chicago White Sox sind ebenfalls an beiden interessiert, werben aber vor allem um Machado. Sie haben ihm wohl schon vor einigen Wochen ein Angebot in der Größenordnung von sieben Jahren und 175 Millionen Dollar unterbreitet – was zwar eine Menge Geld ist, aber weniger als das, was von den meisten Experten als sein Marktwert angesehen wird. Bezüglich Harper sind auch die Washington Nationals noch im Rennen, obwohl die Gerüchte um eine Rückkehr ihres Superstars seit letzter Woche wieder deutlich abgekühlt sind. Über die New York Yankees hieß es schon mehrmals, sie seien in Bezug auf Machado und/oder Harper aus dem Rennen, aber sie scheinen mindestens noch mit einem Auge darauf zu schielen, wie sich die Sache entwickelt.

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