Oktober 22nd, 2020 by Silversurger

Die World Series ist wieder komplett offen: Nachdem die Los Angeles Dodgers am Dienstag den ersten Sieg vorgelegt hatten, ging Spiel zwei letzte Nacht an die Tampa Bay Rays. Heute legt die Serie ihren ersten – und vielleicht einzigen – Pausentag ein. Stattdessen steht als Alternative das Matchup Trump vs. Biden an, falls euch die Nachtschicht schon in Fleisch und Blut übergangen ist oder ihr vergessen habt, nach dem letzten Spiel den Wecker auszustellen.

World Series, Spiel eins
Die Auftaktpartie war eine beeindruckende Präsentation, wie sehr die Dodgers mit der Verpflichtung von Mookie Betts ihre Chancen auf den lang ersehnten Titel gesteigert haben. Zwei Hits inklusive Homerun, ein Walk, zwei gestohlene Bases, zwei Runs – so ein Gesamtpaket an Offensivleistungen war vor Betts noch nie einem Spieler in einem World-Series-Spiel gelungen. Die Teamkameraden ließen ihn mit seiner überragenden Leistung nicht allein, insgesamt brachten es die Dodgers auf acht Runs. Sechs davon gingen, aus Sicht der Rays betrachtet, auf das Konto von Starter Tyler Glasnow. Er verlor nach drei gewohnt starken Innnings im vierten und fünften Durchgang den Faden, walkte insgesamt sechs Batter und hinterließ seinem Team kaum eine Chance, das Spiel noch zu drehen. Zumal sein Gegenüber Clayton Kershaw keine Spur von der ihm zugeschriebenen Playoff-Schwäche zeigte. Er ließ in sechs Innings nur zwei Hits und einen Run zu, schickte acht Schlagmänner per Strikeout zurück in den Dugout. Nachdem Kershaw Feierabend hatte, ließen die Rays mit zwei Runs im siebten Inning ein kurzes Lebenszeichen aufflackern, doch letztlich brachten die Dodgers die Partie souverän mit 8:3 nach Hause und konnten sogar ihre Top-Reliever auf der Bank lassen.

World Series, Spiel 2
Die Reliever brauchten die Dodgers umso mehr in Spiel zwei, denn sie verzichteten auf einen echten Starter und ließen den Bullpen die gesamte Partie bestreiten. Die Taktik ging nicht auf. Schon im ersten Inning gab Tampas Second Baseman Brandon Lowe mit dem ersten von zwei Homeruns den Rhythmus für eine gegenüber Spiel eins stark verbesserte Rays-Offensive vor. Zur Mitte des fünften Innings führten die Rays bereits 5:0, während die Dodgers gegen den bis dahin überragenden Blake Snell noch keinen einzigen Hit zustande bekommen hatten. Chris Taylor brach dann zwar den Bann, und außer ihm erzielten auch Will Smith und Corey Seager noch Homeruns für die Dodgers, doch das Aufbäumen reichte nicht aus, um die 4:6-Niederlage zu verhindern.

So geht es weiter
Freitagnacht ab 2:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird die Serie mit Spiel drei fortgesetzt. Als Starting Pitcher werden Walker Buehler für Los Angeles und Charlie Morton für Tampa Bay antreten. Samstag und Sonntag folgen zur selben Uhrzeit die Spiele vier und fünf. Falls dann noch keine Entscheidung gefallen ist, gibt es einen weiteren Pausentag, bevor es Dienstagnacht um 1:08 unserer Zeit in Spiel sechs geht.

Zur Freude aller Baseballfans ohne ein Abo von mlb.tv oder DAZN werden die Spiele der World Series zumindest teilweise bei Sport1 als kostenloser Livestream gesendet. Hier ist der Link zum Stream von Spiel drei.

Szene der Woche
Vielleicht habt ihr erwartet, dass ich hier den sensationellen Catch von Mookie Betts aus Spiel 7 der NLCS abfeiere. Der war zweifellos großartig, aber der Catch von Lin Che-Hsuan in Verbindung mit der anschließenden schauspielerischen Glanzleistung in der taiwanesischen CPBL war noch ein Stück großartiger:

Statistik der Woche
22. So viele Hits hat der Rookie-Outfielder Randy Arozarena in der laufenden Postseason schon erzielt. Er hat damit einen Rekord eingestellt, den Derek Jeter 1996 aufgestellt hatte. Jeter wurde damals nach der Saison zum Rookie of the Year gewählt. Diese Ehre wird Arozarena vorerst versagt bleiben, da er erst spät in der Saison in den MLB-Kader der Rays hochgerückt ist. Dadurch gilt er aber auch nächstes Jahr noch als Rookie und hat somit alle Chancen, sich den Award für 2021 zu sichern.

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Oktober 20th, 2020 by Silversurger

In wenigen Stunden ist es soweit: Heute Nacht, um 2:09 Uhr unserer Zeit, beginnt die World Series 2020 zwischen den Los Angeles Dodgers und den Tampa Bay Rays. Beide taten sich in den League-Championships schwer und benötigten die volle Distanz von sieben Spielen, um sich gegen ihren jeweiligen Gegner durchzusetzen. Letzten Endes kommt es nun aber doch zum Aufeinandertreffen der beiden Teams, die schon in der regulären Saison die besten Bilanz der National League beziehungsweise der American League einfuhren.

Die Best-of-7-Serie um die World Championship findet komplett in Arlington, Texas, statt. Das könnte ein kleiner Vorteil für die Dodgers sein, denn sie campieren dort schon seit über einer Woche und haben sieben Spiele gegen die Braves absolviert, während die Rays noch nie im neuen Globe Life Field gespielt haben. Andererseits hatten die Rays nach dem Gewinn der League Championship einen Tag länger Pause, sodass die äußeren Faktoren ungefähr ausgeglichen stehen. Apropos Pause: Obwohl dieses Jahr keine Reisen zwischen unterschiedlichen Spielorten anstehen, legt die Serie zwei Unterbrechungen ein: am Donnerstag nach Spiel zwei sowie am Montag nach Spiel 5, sofern bis dahin keine Entscheidung gefallen ist.

Traditionell stimme ich mich auf die World Series mit einem Vergleich der Teams Position für Position ein:

Starting Rotation
Letztes Jahr sorgten die Rays für Aufsehen mit ihrem kreativen Ansatz, regelmäßig einen Opening Pitcher statt einem echten Starter einzusetzen. Diese Strategie wenden sie zwar gelegentlich immer noch an, aber durch die erwähnten Pausentage werden sie wohl mit ihren drei exzellenten Startern Tyler Glasnow, Charlie Morton und Blake Snell durch die World Series kommen. Bei den Dodgers hat Walker Buehler inzwischen Clayton Kershaw als Nummer eins den Rang abgelaufen, zumal Kershaw traditionell in der Postseason schwächelt. Allerdings wird Buehler wohl nicht vor Spiel 3 zum Einsatz kommen und Luis Urias erst in Spiel 4, sodass Los Angeles in Spiel 2 auf Dustin May und/oder Tony Gonsolin vertrauen muss.
Vorteil Rays

Bullpen
Schon in der Vorschau auf die NLCS hatte ich den Dodgers ein Bullpen-Problem attestiert und vor allem an Closer Kenley Jansen gezweifelt. Für die erste Hälfte der Serie sah es aus, als würde ich Recht behalten, in den letzten drei Spielen hingegen überzeugten Jansen und die anderen Reliever, ließen nur vier Runs in 18 Innings zu. Man darf gespannt sein, welches der zwei Gesichter wir in der World Series zu sehen bekommen. Bei den Rays verkörpert der Bullpen, was für das gesamte Team typisch ist: keine große Namen, aber enorme taktische Flexibilität mit unterschiedlichen Pitchertypen, die Manager Kevin Cash meisterhaft einzusetzen versteht.
Vorteil Rays

Catcher
Tampas Mike Zunino ist gut für den einen oder anderen Homerun zur rechten Zeit, ansonsten ist sein Spiel weder offensiv noch defensiv eine Offenbarung. Michael Perez ist defensiv stärker als Zunino, offensiv dafür komplett zu vernachlässigen. Die Dodgers hingegen können auf ein herausragendes Duo setzen, bestehend aus dem schlagstarken Youngster Will Smith und dem auf Kershaw spezialisierten Austin Barnes.
Vorteil Dodgers

First Base
Max Muncy war 2018 und 2019 ein überraschender Senkrechtstarter für die Dodgers, konnte dieses Jahr in der regulären Saison aber nicht daran anknüpfen. In den Playoffs zeigte seine Leistungskurve immerhin nach oben mit neun Walks und vier Extra-Base-Hits in der NLCS. Die Rays setzen auch hier auf Flexibilität mit dem immer wieder sehenswerten Ji-Man Choi gegen Rechtshänder und entweder Yandi Diaz oder Allzweckwaffe Mike Brosseau gegen Linkshänder.
Unentschieden

Second Base
Auch hier könnte bei den Rays gelegentlich Mike Brosseau auftauchen, um Brandon Lowe zu entlasten, der eine starke reguläre Saison hatte, in der Postseason aber bisher seiner Form hinterherläuft. Bei den Dodgers trifft auf Chris Taylor ziemlich exakt dasselbe zu. Für Taylor könnte, vor allem gegen Linkshänder, Kike Hernandez einspringen.
Unentschieden

Shortstop
Willy Adames ist defensiv überragend und bringt am Schlag genug, um seinen Stammplatz zu rechtfertigen. Dem Vergleich mit einem Corey Seager in Topform hält er aber nicht stand, und dass Seager sich in Topform befindet, wird nach fünf Homeruns und einem MVP-Titel in der NLCS niemand bestreiten.
Vorteil Dodgers

Third Base
Wieder eine Position, auf der sich die Rays und die Dodgers ähneln: Sowohl Joey Wendle als auch Justin Turner sind solide Batter mit der Fähigkeit, ein Spiel im Alleingang zu entscheiden, haben aber auch Phasen, in denen sie einige Spiele lang regelrecht abtauchen. Das war zuletzt bei beiden weitgehend der Fall. Aus dem Bauch heraus traue ich Turner etwas stärker zu, den Slump hinter sich zu lassen und der World Series seinen Stempel aufzudrücken.
Vorteil Dodgers

Leftfield
A.J. Pollock spielt eine gute Saison für die Dodgers, gelegentlich wird er von Linkshänder Joc Pederson abgelöst. Beide verblassen im Vergleich mit Randy Arozarena, der kubanischen Rookie-Sensation der Rays.
Vorteil Rays

Centerfield
Defensiv haben die Rays hier mit Kevin Kiermaier den vielleicht besten Spieler der Liga am Start. In dieser Hinsicht kann Cody Bellinger nicht mithalten, aber auch der Dodgers-Allrounder spielt die Position sehr ordentlich, und offensiv lässt er Kiermaier weit hinter sich.
Vorteil Dodgers

Rightfield
Für die Rays tritt im Rightfield Manny Margot oder Austin Meadows an. Margot ist der bessere Outfielder, Meadows normalerweise der bessere Hitter, wobei Margot in der ALCS mit drei Homeruns auf sich aufmerksam machte. Die Dodgers haben Mookie Betts. Ende der Diskussion.
Vorteil Dodgers

Designated Hitter
Wie schon in der gesamten Saison, gilt dieses Jahr auch in der World Series in allen Spielen die DH-Regel. Die Pitcher müssen also nicht schlagen, stattdessen darf jedes Team einen Spieler benennen, der nur schlägt und keine Position auf dem Feld bekleidet. Weder die Rays noch die Dodgers haben einen regelmäßigen Designated Hitter. Wenn Barnes catcht, ist für Los Angeles Smith der DH, ansonsten wohl meistens Pederson. Tampa Bay wird voraussichtlich meistens Meadows einsetzen, gelegentlich vielleicht Diaz oder auch mal Arozarena, wenn er nicht im Feld spielt.
Vorteil Dodgers

Fazit
Schnell mal durchgezählt: Ich komme auf sechsmal Dodgers, dreimal Rays und zwei Unentschieden. Macht das die Dodgers zum Favoriten? Ich behaupte nein, zum einen weil die Rays in meinem Vergleich beide Pitching-Kategorien gewinnen und zum anderen weil sie wie kein zweites Team verkörpern, dass sie als Mannschaft mehr sind als die Summe ihrer Teile. Ich glaube und hoffe, dass wir eine sehr ausgeglichene und spannende World Series mit mindestens sechs Spielen sehen werden.

Genau wie das erste Spiel werden auch alle weiteren Partien nach US-Ostküstenzeit entweder um 20:08 Uhr oder um 20:09 Uhr beginnen (fragt mich bitte nicht, warum die Zeiten um eine Minute variieren). Für die mitteleuropäische Zeitzone heißt das, dass die Spiele bis zur Zeitumstellung am Sonntagmorgen um kurz nach 2 Uhr nachts beginnen. Falls es zu den Spielen sechs und sieben kommt, beginnen diese für uns schon um 1:08 Uhr bzw. 1:09 Uhr. Zu sehen sind alle Spiele auf mlb.tv und DAZN. Eine Liveübertragung im deutschen Free-TV gibt es dieses Jahr meines Wissens leider nicht.

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Oktober 15th, 2020 by Silversurger

2020 ist kein schönes Jahr. Dafür bedarf es schon lange keiner weiteren Beweise, nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen der zahlreichen in diesem Jahr verstorbenen MLB-Legenden. Unter anderem von Tom Seaver, Lou Brock, Al Kaline und Bob Gibson mussten wir schon Abschied nehmen, in dieser Woche kamen zwei weitere Hall of Famer hinzu: Der legendäre Pitcher Whitey Ford starb letzten Donnerstag im Alter von 91 Jahren, während er ein Playoff-Spiel seiner Yankees sah. Joe Morgan, einer der besten Second Basemen aller Zeiten unter anderem für die Astros und die Reds, erlag am Sonntag mit 77 einem Nervenleiden. 

Abschied nehmen heißt es, zum Glück nur in beruflicher Hinsicht, auch für Rick Renteria als Manager der Chicago White Sox. Die Trennung erfolgt in beiderseitigem Einvernehmen. Als Favorit für die Nachfolge gilt Tony La Russa, der den Job schon von 1979 bis 1986 hatte. 

Einen erschreckenden Vorfall gab es Sonntagnacht in San Diego: Tommy Pham, Outfielder der Padres, wurde vor einem Stripclub Opfer eines Messerangriffs durch bislang unbekannte Täter. Die Verletzung, die Pham am unteren Rücken erlitt, ist zum Glück nicht lebensbedrohlich. Er kann wohl schon bald wieder ins normale Offseason-Training einsteigen. 

American League Championship Series
Jetzt aber endlich zum Sport. Die ALCS wäre um ein Haar schon nach der Mindestzahl von vier Spielen vorbei gewesen. Drei Spiele hintereinander sicherten sich die Tampa Bay Rays, bevor in der vierten Partie knapp mit 4:3 erstmals die Houston Astros die Oberhand behielten. In der Best-of-7-Serie steht es somit 3-1, was für die Rays noch zwei alleinige Matchbälle bedeutet, während die Astros nur mit drei weitere Siegen hintereinander in die World Series einziehen würden. 

National League ChampionshipSeries
Auch in der NLCS brachte sich ein Team in eine starke Ausgangsposition, indem die ersten beiden Spiele gewonnen wurden. Überraschenderweise waren das die Atlanta Braves und nicht die hoch favorisierten Los Angeles Dodgers. Die Braves behielten bis gestern Nacht eine saubere Weste in den Playoffs mit einer Bilanz von sieben Siegen und null Niederlagen. Dann allerdings brachen im dritten Spiel alle Dämme (siehe „Spiel der Woche“). Ob das ein einmaliger Ausrutscher für die Braves war oder der entscheidende Umschwung zu Gunsten der Dodgers, werden die nächsten Tage oder eher die nächsten Nächte zeigen. 

Szene der Woche
Auf kaum ein Team traf je der Spruch „der Star ist die Mannschaft“ mehr zu als auf die Tampa Bay Rays. Nahezu jedes Spiel, das sie gewinnen, hat einen neuen Helden. Am Montag war es Manuel Margot, der mit gleich zwei aufsehenerregenden Szenen den Sieg über die Astros auf den Weg brachte: zuerst mit einem 3-Run-Homerun im ersten Inning, dann mit einem spektakulären Catch im zweiten Durchgang. 

Statistik der Woche 
3. So viele Starts hat Atlantas Rookie-Pitcher Ian Anderson in den Playoffs bisher absolviert und noch keinen einzigen gegnerischen Run zugelassen. Der 22-Jährige ist der erste Pitcher, dem dies in den ersten drei Postseason-Spielen seiner Karriere von je mindestens vier Innings gelang seit Christy Mathewson im Jahr 1905. 

Spiel der Woche
Nach zwei Niederlagen gegen die Braves waren die Dodgers gestern wild entschlossen, sich nicht sang- und klanglos aus den Playoffs zu verabschieden. Das machten sie sehr früher sehr eindrucksvoll klar. Noch bevor Atlanta auch nur einen Batter an die Platte schicken konnte, führten die Dodgers bereits 11:0. Elf Runs sind ein neuer Rekord für die meisten Runs, die jemals ein Team in einem einzelnen Inning eines Playoff-Spiels erzielt hat. Danach ließen sie es ruhiger angehen, legten in den beiden folgenden Innings noch vier Runs nach und brachten die Partie am Ende 15:3 nach Hause. 

Mein Einschalttipp
Bald ist es vorbei mit Live-Baseball für dieses Jahr und jedes verbleibende Spiel hat eine große Bedeutung auf dem Weg zur World Championship. Lasst euch also möglichst wenige Partien entgehen. Je nachdem, wie die Conference Championships weiter verlaufen, dauern diese noch bis Freitag, Samstag oder gar Sonntag. Am Dienstag beginnt dann die World Series 2020. Die genaue Startzeit wurde noch nicht bekannt gegeben, sie lag in den vergangenen Jahren immer bei ungefähr 2 Uhr nachts nach mitteleuropäischer Zeit. 

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Oktober 11th, 2020 by Silversurger

Die World Series 2020 naht mit großen Schritten. Ab heute Nacht laufen die League Championships, also quasi die Halbfinals im Kampf um den begehrtesten Titel der Baseballwelt. In der American League haben sich in spannenden Serien die Tampa Bay Rays gegen die New York Yankees und die Houston Astros gegen die Oakland Athletics qualifiziert. In der National League war es weniger spannend. Die Los Angeles Dodgers wurden ihrer Favoritenrolle gegen die San Diego Padres ebenso deutlich gerecht wie die Atlanta Braves der ihren gegen die Miami Marlins. 

American League Championship: Rays vs. Astros
Das Matchup zwischen den Rays und den Astros ist in vielerlei Hinsicht reizvoll. Zum Beispiel in der Hinsicht, dass das erfolgreichste Team der aktuellen Saison auf den AL-Champion des Vorjahres trifft. Oder auch in der Hinsicht, dass die Rays als eines der unter neutralen Fans beliebtesten Teams gegen den wegen des Sign-Stealing-Skandals aktuell meistgehassten Klub der Liga spielen.

Die Astros haben es auch ohne den nach New York gewechselten Gerrit Cole, ohne den verletzten Justin Verlander und ohne die berüchtigte Mülltonne zum vierten Mal hintereinander in die ALCS geschafft. 2017 und 2019 zogen sie in die World Series ein, die sie 2017 gewannen.

Für die Rays ist es erst die zweite ALCS der Teamgeschichte. 2008 besiegten sie die Boston Red Sox in sieben Spielen, bevor sie in der World Series den Philadelphia Phillies unterlagen. Die Chancen der Rays, auch dieses Mal die AL-Championship zu gewinnen, dürften gut stehen. Mit überragendem Pitching sowohl der Asse Tyler Glasnow, Blake Snell und Charlie Morton als auch des Bullpens dominierten sie schon die gesamte Saison, und rechtzeitig zum Endspurt scheint auch die Offense in Rookie-Outfielder Randy Arozarena einen aus dem Nichts erschienenen Star gefunden zu haben. 

Die ALCS wird auf neutralem Boden in San Diego ausgetragen. Der Spielort dürfte ein kleiner Vorteil für die ohnehin favorisierten Rays sein, da sie schon die fünf Spiele gegen die Yankees in Petco Park absolvierten. Anders als in der NLCS werden übrigens keine Zuschauer vor Ort sein, da der Staat Kalifornien dies aufgrund der Coronalage untersagt. Das erste Spiel findet heute Nacht ab 1:37 Uhr unserer Zeit statt. Spiel zwei steigt am morgigen Montag schon ab 22:07 Uhr. 

National League Championship: Dodgers vs. Braves 
Die beiden Teilnehmer der NLCS bringen jeweils eine makellose Weste aus den bisherigen Playoffs mit, indem sie sowohl die Wild-Card- als auch die Divisional-Runde gesweept haben. Für eines der Teams wird die Erfolgsserie nun unweigerlich enden. 

Für die Dodgers ist im Grunde seit mehreren Jahren, spätestens aber seit der spektakulären Verpflichtung von Star-Outfielder Mookie Betts im Februar klar, dass es kein geringeres Ziel geben darf als die World Series. Dieses Ziel haben sie bislang mit einer Souveränität verfolgt, die nichts zu wünschen übrig lässt. Die Offense um Betts, Cody Bellinger und viele andere verkörpert ebenso Weltspitzenklasse wie das Pitching um Walker Buehler und Clayton Kershaw. Alles zusammen resultierte in einer traumhaften Saisonbilanz von 43-17 und +136 Runs. Wenn man ein Haar in der Suppe suchen will, so stößt man am ehesten auf Kenley Jansen, der als Closer nicht sattelfest ist. 

Demgegenüber hat sich der Bullpen der Braves in den bisherigen Playoffs als sehr ausgewogen und verlässlich erwiesen. Das gilt überraschenderweise auch für das Starting Pitching, das vor wenigen Wochen noch als die Achillesferse des Teams galt. Allen voran Max Fried und Ian Anderson haben den überzeugenden Gegenbeweis angetreten. In fünf Spielen gewannen die Braves viermal zu null. Ihr eigentliches Prunkstück, die schlagkräftige Offense mit den Stars Freddie Freeman und Ronald Acuna Jr., geriet dadurch fast ein bisschen in den Hintergrund. 

Die Spiele der NLCS in Arlington, Texas, werden die ersten Partien der Saison 2020 sein, in denen Zuschauer im Stadion erlaubt sind. 11.500 Tickets durften je Spiel verkauft werden. Es sind zugleich die ersten Spiele überhaupt mit Zuschauern im neu eröffneten Ballpark der Texas Rangers, in dem auch die World Series gespielt wird. Die NLCS startet in der Nacht von Montag auf Dienstag um 2:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit. 

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Oktober 8th, 2020 by Silversurger

Hochspannung in den MLB-Playoffs: Noch keines der Divisional-Duelle ist entschieden, aber in allen vier Serien kann es  schon heute soweit sein. Vor der Zusammenfassung des sportlichen Geschehens der letzten Tage noch kurz zwei Neuigkeiten von außerhalb der Playoff-Bubble: Neben den Los Angeles Angels sind nun auch die Philadelphia Phillies auf der Suche nach einem neuen General Manager. Matt Klentak hat nach fünf weitgehend erfolglosen Jahren – ohne Winning Season, ohne Playoff- Teilnahme – seinen Rücktritt erklärt. Und auch bei den Cincinnati Reds ist eine Stelle offen: Dick Williams hat gestern erklärt, seinen Posten als „President of Baseball Operations“ abgeben zu wollen. 

National League
Da in den NLDS-Duellen erst je zwei Spiele absolviert wurden, konnte noch keine der Best-of-5-Serien entschieden werden. Allerdings stehen sowohl die Atlanta Braves als auch die Los Angeles Dodgers mit einem Bein in der nächsten Runde. 

Die Braves haben die ersten Spiele gegen die Miami Marlins 9:5 und 2:0 gewonnen. Wie schon in der Wild-Card-Runde gegen die Cincinnati Reds überzeugen die Braves bislang vor allem mit starkem Pitching, ihrer ursprünglich angenommenen Schwachstelle. Die Braves haben nun drei Matchbälle für den letzten nötigen Sieg, um in die Championship-Serie der NL einzuziehen. 

Dasselbe gilt für die Dodgers, die mit 5:1 und 6:5 beide Partien gegen die San Diego Padres für sich entschieden haben. Im ersten Spiel war Geduld gefragt, denn die Dodgers blieben fünf Innings ohne Hit und lagen 0:1 zurück, bevor im sechsten Durchgang der Knoten platzte und sie gleich vier Runs aufs Scoreboard brachten. Auch im zweiten Spiel überkamen sie einen frühen Rückstand und wehrten im neunten Inning ein Comeback des Gegners ab, um sich die vielversprechende Ausgangslage vor Spiel drei zu sichern. 

American League
In der AL gibt es nach drei Spielen ebenfalls noch keine Entscheidung. Nah dran waren die Houston Astros, die mit 10:5 und 5:2 die ersten Spiele gegen die Oakland Athletics gewannen. In der dritte Partie nahmen sie den Athletics zweimal die Führung ab, mussten sich am Ende aber doch geschlagen geben (siehe „Spiel der Woche“). 

Die New York Yankees landeten mit 9:3 den ersten Erfolg in der Serie gegen die Tampa Bay Rays, doch die Spiele zwei und drei gingen mit 7:5 und 8:4 an den Gegner. War vor der Serie noch die Frage, ob das formidable Pitching der Rays die Homerun-Power der Yankees unter Kontrolle halten kann, so sieht es nun eher danach aus, dass die Rays die Yankees mit deren eigenen Waffen schlagen: Vier Homeruns am Dienstag, drei Homeruns am Mittwoch waren der maßgebliche Faktor, dass die Rays nur noch einen Sieg vom Einzug in die Championship-Serie entfernt sind.

Szene der Woche
Der Endstand von 9:3 für die Yankees klingt nach einer klaren Angelegenheit, aber tatsächlich war die Partie gegen die Rays am Montag ein enorm spannendes Spiel mit mehreren Führungswechseln. Die Entscheidung zugunsten der Bronx-Bomber brachte erst der Paukenschlag im neunten Inning, der folgende Grand Slam von Giancarlo Stanton. Als Szene der Woche steht er auch stellvertretend für insgesamt sechs Homeruns durch Stanton in den bisherigen fünf Playoff-Spielen. 

Statistik der Woche 
18. Das ist die gleiche Zahl wie letzte Woche an dieser Stelle, aber eine ganz andere Statistik: 18 Strikeouts erzielten die Pitcher der Rays am Dienstag beim 7:5 gegen die Yankees und stellten damit einen neuen Rekord für 9-Inning-Playoffspiele auf. 10 davon gingen auf das Konto von Starter Tyler Glasnow, der die ersten fünf Innings pitchte.

Spiel der Woche
Das offizielle Homerun-Derby der MLB musste dieses Jahr coronabedingt ausfallen, aber die Oakland Athletics und die Houston Astros taten gestern alles, um die Fans von weiten Schlägen für den Verlust zu entschädigen. Siebenmal ging der Ball in der heiß umkämpften Partie über den Zaun. Entscheidend waren am Ende ironischerweise zwei Bälle, die zwar etwas zu kurz gerieten, jedoch als Sacrifice-Flys den Athletics die Runs zum 8:7 und 9:7 brachten. 

Mein Einschalttipp
Die MLB-Saison ist längst in der Phase angelangt, in der jedes Spiel, das sich zeitlich und vom Schlafbedarf her einrichten lässt, Pflichtprogramm ist. Das gilt erst recht für die Baseball-Bundesliga, in der an den beiden kommenden Wochenenden das Finale um die Deutsche Meisterschaft zwischen den Bonn Capitals und den Heidenheim Heideköpfen ansteht. Am Samstag ab 15 Uhr und am Sonntag ab 14 Uhr gibt es vermutlich zum letzten Mal in diesem Jahr die Chance, deutschen Spitzenbaseball per Livestream zu verfolgen. Die Partien aus Bonn werden wie üblich auf sportdeutschland.tv gesendet. Die weiteren Spiele der Best-of-5-Serie finden am folgenden Wochenende in Heidenheim statt, von wo es leider in der Regel keine Liveübertragung gibt. 

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Oktober 3rd, 2020 by Silversurger

Nach der viertägigen Wild-Card-Runde lässt sich deren Ergebnis in wenigen Worten zusammenfassen: Alle sieben Teams aus den Central-Divisionen sowie die Toronto Blue Jays sind ausgeschieden, sämtliche Erst- und Zweitplatzierten der East- und West-Divisionen haben es in die nächste Runde geschafft. Wie es sich ergeben hat, treffen in dieser nächsten Runde, den Divisional Series, alle Mannschaften auf Konkurrenten aus der eigenen Division. 

Die Divisionals werden wie geplant in neutralen Ballparks ausgetragen. Am Montag beginnen die beiden ALDS, die NLDS kommen am Dienstag dazu. Gespielt wird dann wieder täglich ohne Pausentage bis zur Entscheidung im Best-of-5-Format. 

American League Divisional Series 
Tampa Bay Rays vs. New York Yankees (in San Diego) 
Vor der Saison waren die Yankees der Top-Favorit und die Rays der Geheimfavorit der AL. Das hat sich ein bisschen geändert, nachdem die Rays sowohl in der Gesamtabrechnung die Yankees klar hinter sich ließen als auch die direkten Duelle mit acht zu zwei Siegen dominierten. Kein anderes Team hatte die Yankees dieses Jahr so souverän und konsistent unter Kontrolle wie die Rays, welche der stärksten Offense der Liga nur 34 Runs in zehn Spielen erlaubten. Man muss allerdings dazu sagen, dass die Yankees selten in Bestbesetzung antreten konnten – DJ LeMahieu, Aaron Judge und Giancarlo Stanton verpassten jeweils einen großen Teil der Spiele gegen die Rays. Dieses Mal sind sie allesamt an Bord beim Versuch, den Angstgegner zu überwinden. 

Oakland Athletics vs. Houston Astros (in Los Angeles) 
Wenn man nach der regulären Saison geht, sehen die Vorzeichen für dieses Duell ziemlich einseitig aus: Die Athletics spielten eine dominante 36-24-Saison, die Astros hingegen hatten Glück, mangels Konkurrenz mit einer negativen Bilanz von 29-31 noch einen Platz in den Playoffs zu ergattern. Der Unterschied zwischen beiden Teams wurde nicht zuletzt in den zehn direkten Vergleichen erspielt, von denen die Athletics sieben gewannen. In der Wild-Card-Runde waren allerdings die Astros überzeugender. Sie sweepten routiniert die Minnesota Twins, während die Oakland Athletics sich zu einem knappen 2-1 über die Chicago White Sox mühten.

National League Divisional Series
Los Angeles Dodgers vs. San Diego Padres (in Arlington) 
Für neutrale Zuschauer dürfte dies das am heißesten erwartete Duell der Divisional-Runde sein. Die Dodgers weisen aus der regulären Saison die beste Bilanz der MLB auf, die Padres haben die zweitmeisten Siege der NL auf dem Konto – und das, obwohl sie zehnmal gegen das Überteam aus LA antreten mussten. Die Dodgers behielten in diesen Spielen knapp mit 6-4 die Oberhand. In der Wild-Card-Runde machten die Dodgers kurzen Prozess mit den Brewers, während die Padres gegen die St. Louis Cardinals drei Spiele brauchten. Sorgen bereitet nach wie vor das Starting-Pitching der Padres. Ob die Asse Dinelson Lamet und Mike Clevinger bis zur NLDS fit werden, ist fraglich. Gestern Nacht war es der Bullpen der Padres, der in einem gemeinsamen Kraftakt die Kastanien aus dem Feuer holte: Neun verschiedene Pitcher hielten den Gegner über neun Innings ohne Run – das hatte es bisher noch nie gegeben. 

Atlanta Braves vs. Miami Marlins (in Houston) 
Diese beiden Teams haben es allen Kritikern gezeigt. Die Braves waren als das Playoff-Team mit dem schwächsten Pitching eingestuft gewesen. Als Antwort darauf ließen sie gegen die Cincinnati Reds in zwei Spielen über insgesamt 22 Innings keinen einzigen Run zu. Nun geht es gegen die Miami Marlins, die aus dem „Bottom Feeder“, zu dem sie vor der Saison abgestempelt waren, ein trotziges Motto gemacht haben. Auch sie benötigten nur zwei Spiele, um gegen die Chicago Cubs souverän das Weiterkommen zu sichern. In der regulären Saison gewannen die Braves sechs von zehn gegen die Marlins, darunter ein spektakuläres 29:9. Die Braves gehen als klarer Favorit in die NLDS, aber die Marlins fühlen sich bekanntlich pudelwohl in der Außenseiterrolle. 

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Oktober 1st, 2020 by Silversurger

Die Baseball-Nacht des Jahres liegt hinter uns: Acht Playoff-Spiele an einem Tag hatte es noch nie gegeben und wird es auch auf absehbare Zeit nicht mehr geben. Denn in der American League sind bereits drei von vier Duellen der Wild-Card-Runde entschieden. Somit müssen heute nur die Oakland Athletics und die Chicago White Sox zum entscheidenden dritten Spiel antreten, während in den Serien der National League Spiel zwei ansteht.

In den Teams, die sich nicht für die Postseason qualifizieren konnten, werden derweil schon erste Weichen für das kommende Jahr gestellt: Die Boston Red Sox trennen sich nach nur einem Jahr von Manager Ron Roenicke, die Los Angeles Angels entlassen General Manager Billy Eppler. Auch bei den New York Mets steht die Ablösung von GM Brodie van Wagenen so gut wie fest, sobald der Verkauf der Franchise an Steve Cohen offiziell ist. Zwei langjährige und beliebte MLB-Spieler werden wir nicht mehr auf dem Spielfeld sehen: Hunter Pence (Giants) und Alex Gordon (Royals) haben das Ende ihrer Karrieren verkündet. 

American League
Die erste Divisional-Serie der AL steht bereits fest. Die Tampa Bay Rays treffen ab Montag in einer Best-of-5-Serie auf die New York Yankees. Die Rays entledigten sich ihrer Wild-Card-Aufgabe gegen die Toronto Blue Jays souverän mit 3:1 und 8:2. Souverän waren auch die Yankees in Spiel 1 gegen die Cleveland Indians. Sie verschafften Cy-Young-Kandidat Shane Bieber einen rabenschwarzen Tag und gewannen das Spiel 12:3. Die zweite Partie war deutlich spannender, doch nach Comebacks im vierten und im neunten Inning behielten die Yankees auch hier die Oberhand und sicherten sich mit einem 10:9 den Sweep über die Indians. Die Serie zwischen den Rays und den Yankees wird in San Diego stattfinden.

Für die andere Divisional-Serie haben sich als erstes Team die Houston Astros qualifiziert. Das ist die erste große Überraschung dieser Playoffs, denn mit ihrer negativen Saisonbilanz (29-31) und als Auswärtsteam reisten die Astros als klarer Außenseiter nach Minnesota. Doch die Twins konnten ihre Playoff-Schwäche (siehe „Statistik der Woche“) nicht ablegen, während die Astros routiniert ihre Postseason-Erfahrung ausspielten und die Partien mit 4:1 und 3:1 nach Hause brachten.

Der Gegner der Astros in der ALDS in Dodger Stadium werden entweder die Oakland Athletics oder die Chicago White Sox sein. Die beiden Teams haben sich als bisher einzige die Siege in den Spielen eins und zwei geteilt. Beim 4:1-Sieg der White Sox feuerte Lucas Giolito sechs perfekte Innings, bevor er im siebten Durchgang den ersten Hit und im achten den einzigen Run abgab. Tags darauf kam die Offense der Athletics schneller und besser ins Spiel. Die Aufholjagd der White Sox kam zu spät und endete mit einer 3:5-Niederlage.  

National League
Die NL hatte letzte Nacht ihren ersten Wild-Card-Spieltag, daher konnte logischerweise noch keine der Best-of-3-Serien entschieden werden. Die Los Angeles Dodgers wurden im ersten Spiel ihrer Favoritenrolle gerecht und schlugen die Milwaukee Brewers 4:2. Der Sieger dieses Duells trifft in der nächsten Runde in Arlington auf San Diego oder St. Louis. St. Louis setzte sich etwas überraschend im ersten Spiel mit 7:4 durch. Den Padres könnten Pitching-Probleme zum Verhängnis werden: Die Asse Dinelson Lamet und Mike Clevinger sind verletzt und Chris Paddack erwischte gestern einen richtig miesen Tag, was nicht nur die Niederlage, sondern auch viel Arbeit für den Bullpen verursachte.

Die spannendste Partie der bisherigen Playoffs war eindeutig die erste Begegnung zwischen den Atlanta Braves und den Cincinnati Reds. Mehr dazu weiter unten beim „Spiel der Woche“. Einen veritablen Upset gab es in Chicago, wo den Miami Marlins ein einziges starkes Offensiv-Inning reichte, um beim 5:1 gegen die Cubs das neueste Kapitel ihrer Cinderella-Story zu schreiben. Die Gewinner der beiden Serien treffen ab Dienstag zur NLDS in Houston aufeinander. 

Szene der Woche
Wir sind zwar schon mitten in der Postseason, aber das Triple Play der Brewers vom letzten Tag der regulären Saison möchte ich euch nicht vorenthalten:

Statistik der Woche 
18. So viele Playoff-Spiele haben die Minnesota Twins nun hintereinander verloren. Der traurige Rekord reicht zurück bis in die ALDS 2004, in der die Twins die Spiele zwei bis vier gegen die Yankees abgaben. Es folgten ein 0-3-Sweep gegen die Athletics 2006 und dann 2009, 2010, 2017 und 2019 immer wieder Niederlagen gegen die Yankees. Entsprechend groß war die Begeisterung, dass es dieses Jahr in Runde 1 endlich mal nicht gegen die Yankees ging, doch auch gegen die Astros war für das Team von Max Kepler nichts zu holen.

Spiel der Woche
Alle Freunde des gepflegten Defensivspiels, die am Dienstag von Bieber vs. Cole enttäuscht wurden, folgte die Entschädigung einen Tag später in Form einer epischen Pitchingschlacht zwischen Max Fried und Trevor Bauer sowie den jeweiligen Bullpens der Atlanta Braves und der Cincinnati Reds. Es war das erste Playoffspiel seit 1997, das mit 0:0 in die Verlängerung ging, und es war das erste überhaupt, bei dem auch nach elf und zwölf Innings keine Runs auf dem Scoreboard auftauchten. Erst in der unteren Hälfte des 13. Innings gelang den Braves bei einem Single von Freddie Freeman der erste Zähler und damit der Walk-Off-Sieg. Noch ein Rekord: 37 Strikeouts von beiden Teams zusammen hatte es in einem Playoffspiel bisher nie gegeben.

Mein Einschalttipp
In den Playoffs ist natürlich jedes Spiel ein Einschalttipp, aber heute lege ich euch ganz besonders die Partie der Oakland Athletics gegen die Chicago White Sox ans Herz. Zur besten mitteleuropäischen Sendezeit um 21:10 Uhr beginnt das entscheidende dritte Spiel um den Einzug in die ALDS. 

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September 28th, 2020 by Silversurger

Es lief längst nicht alles glatt in der wegen Corona verkürzten MLB-Saison 2020, aber der erste große Meilenstein ist erreicht: Die reguläre Saison wurde wettbewerbsgerecht durchgeführt und abgeschlossen, sodass jetzt die Playoffs folgen können. Um die Teilnehmerplätze wurde vor allem in der National League bis zum letzten Tag gerungen. Auf der Zielgeraden war es eher ein Schneckenrennen, denn die Brewers verloren zwar ihr letztes Spiel, profitierten aber davon, dass sowohl die Giants als auch die Phillies es ihnen gleichtaten. Anscheinend war niemand besonders wild darauf, bei den Dodgers antreten zu müssen…

Die Best-of-3-Serien der Wild-Card-Runde finden komplett im Stadion des höher gesetzten Teams statt und werden ohne Pausentag durchgezogen. Den Anfang machen die Teams der American League, die am Dienstag, Mittwoch und (sofern das dritte Spiel nötig ist) am Donnerstag spielen. Die Serien der National League laufen von Mittwoch bis Freitag. Die nächste Runde der Playoffs, die Divisional-Series, beginnt nächste Woche am Montag (AL) bzw. Dienstag (NL).

American League
Tampa Bay Rays vs. Toronto Blue Jays
Das Duell der Nr. 1 gegen die Nr. 8 der AL ist das einzige zwischen zwei Teams, die sich schon während der regulären Saison gesehen haben. In diesen Spielen behielten die Rays mit 6:4 Siegen die Oberhand, und natürlich gehen sie auch in die Playoffs als Favorit. Für die Blue Jays ist es bereits ein Riesenerfolg, so weit gekommen zu sein in einem Jahr, in dem sie wegen Coronaauflagen kein einziges Spiel in ihrem eigenen Stadion absolvieren durften.

Oakland Athletics vs. Chicago White Sox
Das junge Team der White Sox schien auf dem besten Weg, die AL Central zu gewinnen, doch auf der Zielgeraden geriet es spürbar ins Stolpern mit nur noch zwei Siegen aus den letzten acht Spielen. Damit haben sie sich eingehandelt, bei den Athletics antreten zu müssen, die die AL West in diesem Jahr massiv dominiert haben.

Minnesota Twins vs. Houston Astros
Die Twins haben in den letzten Spielen alles dafür gegeben, nicht wieder gegen die Yankees antreten zu müssen, gegen die ihre letzten vier Playoffteilnahmen allesamt in der ersten Runde endeten. Das ist gelungen, indem das Kepler-Team sich den Divisionssieg und damit Rang 3 auf der Setzliste sicherte. Nun dürfen sie zu Hause antreten gegen die Houston Astros, das ehemalige Spitzenteam, welches nach dem Sign-Stealing-Skandal und einer negativen Saisonbilanz seinen Schrecken weitgehend verloren hat.

Cleveland Indians vs. New York Yankees
Auch eine interessante Paarung: Das Team mit der stärksten Offense der AL – die Yankees mit 315 erzielten Runs – trifft auf das Team mit der besten Defense der MLB – die Indians mit nur 209 zugelassenen Runs. Sowohl die Indians als auch die Yankees hatten in der ersten Septemberhälfte einen Durchhänger und gerieten in Gefahr, die Playoff-Teilnahme zu verspielen. Beide haben sich dann wieder gefangen und spielen nun die Teilnahme an der Divisional-Runde untereinander aus.

National League
Los Angeles Dodgers vs. Milwaukee Brewers
Die Dodgers waren vor der Saison der große Favorit, und bisher sind sie allen Erwartungen gerecht geworden: Zum achten Mal in Folge haben sie die NL West gewonnen und das mit einer Winning Percentage von 71,7%  und somit der besten MLB-Saison eines Teams seit 1954. Die Brewers sind trotz einer negativen Bilanz gerade noch ins Playoff-Feld gerutscht und somit krasser Außenseiter gegen das Über-Team aus Los Angeles.

Atlanta Braves vs. Cincinnati Reds
Während die drei Mit-Favoriten in der vermeintlich starken NL East enttäuschten, sicherten die Braves sich souverän den dritten Divisionssieg in Folge. Nun wollen sie endlich mal über die erste Playoff-Runde hinauskommen, was ihnen die letzten neun Male verwehrt blieb. Die Reds haben es zum ersten Mal seit sieben Jahren in die Postseason geschafft. Nicht zuletzt wegen der überragenden Form von Cy-Young-Kandidat Trevor Bauer könnten sie für eine weitere Überraschung gut sein.

Chicago Cubs vs. Miami Marlins
Die Cubs hatten unter ihrem neuen Manager David Ross einen sehr starken Start in die Saison und cruisten den Rest des Weges mit wechselhaften Leistungen zum Divisionssieg. Vor dem Überraschungsteam aus Miami sollten sie gewarnt sein: Die Marlins haben bisher noch nie eine Playoff-Serie verloren. Bei ihren beiden bislang einzigen Teilnahmen, 1997 und 2003, holten sie immer gleich die World Series.

San Diego Padres vs. St. Louis Cardinals
Als Divisionszweiter ist „Slam Diego“ zwar nur an Nummer 4 gesetzt, aber nach Siegen und Run Differential sind die Padres das zweitstärkste Team der NL. In der Heimserie gegen St. Louis sehe ich sie als deutlichen Favoriten. Andererseits haben die Cardinals dieses Jahr schon unter Beweis gestellt, dass sie in der Lage sind, widrigsten Umständen zu trotzen – man denke nur an ihre 16-tägige Pause wegen Coronafällen und an die vielen, vielen Doubleheader, die sie deswegen den Rest der Saison über spielen mussten.

 

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September 1st, 2020 by Silversurger

Gestern ist die Frist für Spielerwechsel in der laufenden MLB-Saison abgelaufen. Angesichts der Kürze und der Unsicherheiten dieser Saison hielten sich viele Teams im Vergleich mit „normalen“ Jahren eher zurück mit größeren Investitionen. Eine deutliche Ausnahme davon stellen die San Diego Padres dar. Mit 10 Zu- und 14 Abgängen waren sie extrem aktiv und adressierten sämtliche Schwächen ihres bisherigen Kaders. Der prominenteste Neuzugang ist Starting Pitcher Mike Clevinger, der gemeinsam mit Outfielder Greg Allen und einem noch nicht benannten Spieler von den Cleveland Indians kommt. Zudem bekommen die Padres Catcher Jason Castro von den Angels, DH Mitch Moreland von den Red Sox, Reliever Trevor Rosenthal von den Royals sowie von den Mariners Catcher Austin Nola und die Reliever Taylor Williams, Dan Altavilla und Austin Adams. Abgegeben haben sie dafür einige Ersatzspieler und Prospects – allerdings ohne die Spitze ihres Farmsystems anzutasten. Die Padres sind damit der klare Gewinner der diesjährigen Trade-Deadline. Neben der produktivsten Offense der Liga stellen sie nun mit Clevinger, Chris Paddack und Dilson Lamet ein Top-Trio in der Rotation, das sich hinter niemandem verstecken muss und Unterstützung mit viel frischem Wind aus dem Bullpen bekommt.

Ebenfalls recht aktiv waren die Toronto Blue Jays. In der begründeten Hoffnung, einen Run auf die Playoffs zu starten, haben sie ihr Starting Pitching mit Ross Stripling (Dodgers), Robbie Ray (Diamondbacks) und Taijuan Walker (Mariners) aufgerüstet. Hinzu kommt mit Jonathan Villar (Marlins) eine Ergänzung für das Infield.

Auch die Cincinnati Reds und die New York Mets scheinen dieses Jahr noch etwas vorzuhaben, wenngleich sie zurzeit ein paar Spiele von den Playoffplätzen entfernt sind. Beide haben sich punktuell verstärkt: die Reds mit Outfielder Brian Goodwin (Angels) und Reliever Archie Bradley (Diamondbacks), die Mets mit Catcher Robinson Chirinos und Infielder Todd Frazier (beide von den Rangers) sowie mit Reliever Miguel Castro (Orioles). Castro kann sich beim Kofferpacken Zeit lassen, denn die Mets spielen heute und morgen in Baltimore, sodass er erstmal nur die Uniform und von einem Dugout in den anderen wechseln muss. 

Nicht ganz schlau werde ich (wie schon in der gesamten bisherigen Saison) aus der Rolle, die die Miami Marlins spielen. Das Team belegt reichlich überraschend mit einer ausgeglichenen Bilanz Platz 2 der NL East. Soll man in so einer Situation zur Trade-Deadline als Seller oder Buyer auftreten? Die Marlins haben sich für beides entschieden: Villar für Outfield-Prospect Griffin Conine zu den Blue Jays zu schicken, ist ein typischer Seller-Move; andererseits holen sie Outfielder Starling Marte von den Diamondbacks im Austausch gegen einen erkrankten Pitcher (Caleb Smith) und zwei Prospects. Das spricht dann doch eher dafür, dass sie bei dem Versuch, zum ersten Mal seit 2003 die Playoffs zu erreichen, Ernst machen wollen. Eine weitere Verstärkung erwarten die Marlins davon, dass 2B Isan Diaz entschieden hat, von seinem ursprünglichen Corona-Opt-Out zurückzutreten. Das ist wohl auch der Grund, aus dem Villar verzichtbar geworden ist.

Den seltsamsten Move haben meiner Ansicht nach die Milwaukee Brewers getätigt: Ihre einzige Aktion zur Trade-Deadline bestand darin, Reliever David Phelps für drei Minor-League-Pitcher zu den Philadelphia Phillies zu schicken. Damit schwächen sie nicht nur ihr eigenes Team, das nur einen Sieg vom Wild-Card-Platz entfernt steht, sondern sie schicken ausgerechnet dem Team eine Verstärkung, das eben jenen Wild-Card-Platz zurzeit belegt und damit die direkte Konkurrenz darstellt.

Zu den Verlierern der Deadline würde ich neben den Brewers auch die Astros, die Yankees, die Rays und die White Sox zählen – lauter Teams mit Playoff-Ambitionen und Verletzungsproblemen vor allem im Pitching, die die Frist untätig verstreichen ließen. 

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August 20th, 2020 by Silversurger

Die MLB-Saison läuft auf vollen Touren. Das klingt wie ein Allgemeinplatz, ist aber tatsächlich eine hochaktuelle Meldung: Gestern war nämlich der erste Tag seit über drei Wochen, an dem kein Team coronabedingt pausieren musste. Die Cardinals, die es besonders schwer erwischt hatte, sind seit Samstag wieder im Rennen. Ab demselben Tag mussten einige Reds-Spiele wegen eines positiven Testergebnisses ausfallen. Da diese Infektion eines einzelnen, namentlich nicht genannten Spielers offenbar keine weiteren Kreise zog, konnten die Reds schon gestern mit einem Doubleheader gegen die Royals wieder ins Geschehen eingreifen.

American League
In der Tabelle der AL East sind die New York Yankees (16-8) plötzlich nicht mehr unangefochten – zwei Niederlagen gegen den direkten Konkurrenten Tampa Bay Rays (16-9) haben dazu geführt, dass die Rays nach Siegen gleichgezogen haben. Mit neun gewonnenen Spielen aus den letzten zehn ist Tampa Bay zurzeit das heißeste Team der Liga, und wenn heute Abend (siehe „Einschalttipp“) ein weiterer Erfolg gelingt, übernehmen sie die Führung der Division. Die Yankees leiden derweil mal wieder unter dem Verletzungspech, das ihnen seit Jahren ein treuer Begleiter ist. Mit Giancarlo Stanton, Aaron Judge und DJ LeMahieu landeten in der vergangenen Woche drei ihrer herausragenden Batter auf der Injury List. Auch die Teams in der zweiten Reihe der AL East sind sich in den letzten Tagen direkt begegnet: Die überraschend gut gestarteten Baltimore Orioles (12-12) unterlagen dreimal hintereinander den Toronto Blue Jays (10-11), wodurch die Lücke zwischen den beiden fast geschlossen wurde. Die Boston Red Sox (7-18) befinden sich derweil weiterhin im freien Fall, weisen mittlerweile den zweitschlechtesten Record und die schlechteste Run-Differenz (-49) der MLB auf.

Die AL Central wird nach wie vor von den Minnesota Twins (16-9) angeführt, doch die Cleveland Indians (15-9) mit zuletzt fünf Siegen in Folge bleiben dran. Hier wird es vor allem nächste Woche von Dienstag bis Donnerstag spannend, wenn die beiden eine Serie gegeneinander spielen. Zu den Indians ist noch zu erwähnen, dass es nach dem letzte Woche erwähnten Zwischenfall um Mike Clevinger und Zach Plesac ein Team-Meeting gab. Darin äußerten mehrere Spieler offen ihren Ärger über die beiden Pitcher, die mit einem abendlichen Ausflug die Pandemieregeln verletzt und anschließend darüber gelogen hatten. Mindestens ein Mitspieler drohte offen an, aus der Saison auszusteigen, falls Clevinger und Plesac kurzfristig in den Kader zurückkehren sollten. Das wird erst mal nicht passieren, die beiden trainieren zurzeit an einem gesonderten Standort. Wie es mit ihnen weitergeht, ob man ihnen nach einer angemessen langen Quarantäne verzeiht oder ob man versucht sie zu traden, bleibt abzuwarten. Zurück zum Sport: Das junge Team der Chicago White Sox (14-11) hat in den letzten Tagen in einen Rhythmus gefunden und könnte der lachende Dritte werden, wenn sich die Twins und die Indians nächste Woche gegenseitig die Punkte wegnehmen. Davor steht für die White Sox allerdings noch das Derby gegen die Cubs übers Wochenende. Hinter den drei erwähnten Teams tut sich schon eine gewisse Kluft auf: Die Detroit Tigers (9-13) und die Kansas City Royals (10-15) werden erwartungsgemäß mit den Playoffs nichts zu tun haben.

Ziemlich sicher dürfte hingegen schon jetzt die Playoff-Teilnahme der Oakland Athletics (17-8) sein. Die A’s haben nach wie vor die beste Bilanz der gesamten AL. Ihr Hauptkonkurrent um den ersten Platz der AL West sind inzwischen die Houston Astros (14-10), die sich nach ihrem durchwachsenen Start mit einer Serie von sieben Siegen zurück ins Rennen gearbeitet haben. Kurioserweise weisen die Athletics und die Astros momentan exakt dieselben Zahlen sowohl erzielter (126) als auch kassierter (99) Runs auf. Am Wochenende wartet auf Houston eine schwere Aufgabe in Form der Padres. Die haben gerade drei Spiele gegen die Texas Rangers (10-13) gewonnen und damit deren Hoffnungen auf eine gute Saison einen herben Dämpfer versetzt. Bei den Los Angeles Angels (8-17) und den Seattle Mariners (8-18) sind derartige Hoffnungen bereits begraben.

National League
Kommen wir zur spannendsten Division der Liga, der NL East. Der Vorsprung der führenden Atlanta Braves (14-11) auf die letztplatzierten Washington Nationals (9-12) beträgt gerade mal drei Spiele. Zum Vergleich: In den anderen Divisionen der NL ist schon der Abstand zwischen Platz eins und zwei größer als in der East jener zwischen eins und fünf. Die Ausgeglichenheit spiegelt sich auch in den jüngsten Ergebnissen wieder: Die Braves und die Nationals sowie die Philadelphia Phillies (9-10) und die New York Mets (12-14) haben von ihren letzten zehn Spielen jeweils fünf gewonnen und fünf verloren. Nur die Miami Marlins (9-9) fallen etwas aus der Reihe. Sie hatten vor und kurz nach ihrer Coronapause einen überraschenden Traumstart, befinden sich nun aber mit fünf Niederlagen hintereinander gegen die Braves und die Mets klar auf dem absteigenden Ast.

Einen Traumstart hatten auch die Chicago Cubs (16-8) in der NL Central. Davon zehren sie nach wie vor, denn auch wenn sie fünf ihrer letzten acht Spiele verloren haben, schickt sich innerhalb der Division niemand an, ihnen ernsthaft das Leben schwer zu machen. Eine ausgeglichene Bilanz reicht den Milwaukee Brewers (10-10) für Platz zwei, dahinter folgen die St. Louis Cardinals (6-7). Die Cardinals haben angesichts ihrer vielen Nachholspiele noch reichlich Gelegenheit, das Feld von hinten aufzurollen – ich würde allerdings eher damit rechnen, dass die zahlreichen vorgesehenen Doubleheader auf Dauer zu viel Kraft kosten. Auch die Cincinnati Reds (10-12) haben noch Spiele nachzuholen und könnten für eine Überraschung gut sein, zumal sie nun 15-mal hintereinander ausschließlich gegen die Cubs, die Brewers und die Cardinals antreten. Die Pittsburgh Pirates (4-16) sind bisher mit Abstand das schwächste Team der gesamten Liga und auf dem Weg zu einer historischen Saison: Ihre bisherige Siegquote von 20% wäre die schlechteste eines Major-League-Teams seit 140 Jahren.

In der NL West hat sich in der vergangenen Woche einiges gerade gerückt in Richtung der Verhältnisse, die man vor der Saison erwartet hatte. Damit meine ich insbesondere, dass die Los Angeles Dodgers (18-8) sich klar vom Rest des Feldes abgesetzt haben und dass die furios gestarteten Colorado Rockies (13-11) gegenüber den San Diego Padres (14-12) und den Arizona Diamondbacks (13-12) auf Normalmaß zurückgeschrumpft sind. Zwischen diesen drei Teams dürfte der Rest der Saison ein richtig spannendes Hauen und Stechen um Platz zwei und vielleicht den einen oder anderen Wild-Card-Platz werden. Schon etwas abgeschlagen sind in dieser Division einzig die San Francisco Giants (10-16).

Szene der Woche
Darf man bei einer 7-Run-Führung und geladenen Bases im achten Inning nach einem 3-0-Pitch schlagen? Die offensichtliche Antwort des Regelbuches lautet „na klar“. Aber im Baseball gibt es bekanntlich auch noch die sogenannten ungeschriebenen Regeln. Das Problem mit diesen Regeln ist, dass niemand genau sagen kann, wie sie lauten, weil sie – nun ja: ungeschrieben sind. Relativ einig ist man sich, dass bei einer hohen Führung keine besonderen Aktionen wie ein überraschender Bunt oder das Stehlen einer Base versucht werden, weil man den Gegner nicht unnötig demütigen soll. So weit, so gut, aber gehört dazu auch, dass man nicht den Schläger schwingen darf, wenn man einen Fastball in der Mitte der Strikezone serviert bekommt? Bei den Texas Rangers scheinen einige das so zu sehen, unter anderem Pitcher Ian Gibaut, der den Grand Slam von Fernando Tatis Jr. damit „bestrafte“, den nächsten Pitch in Richtung des Kopfes von Manny Machado zu werfen. Ganz ehrlich: So etwas hat für mich nichts mit ungeschriebenen Regeln zu tun, sondern einzig und allein mit schlechten Verlierern.

Statistik der Woche 
6. So viele Spiele mit 3 Homeruns in der Karriere eines Spielers sind MLB-Rekord. Gehalten wird dieser von drei Spielern: von Johnny Mize, der seine sechs 3-Homer-Auftritte von 1938 bis 1950 hatte, von Sammy Sosa mit derselben Leistung in den Jahren 1996 bis 2002 und seit letzten Donnerstag auch von Mookie Betts. Zweimal im Jahr 2016, zweimal 2018, einmal 2019 und nun das erste Mal 2020 schlug Betts den Ball dreifach über den Zaun. Da er erst 27 Jahre alt ist und bei den Dodgers erst kürzlich einen Vertrag bis 2033 unterschrieben hat, stehen die Chancen für ihn gut, sich früher oder später den alleinigen Rekord zu sichern.

Spiel der Woche
Hier kann diese Woche nur die Partie zwischen den Minnesota Twins und den Milwaukee Brewers von Dienstagnacht stehen. Acht Innings lang war es die Show von Twins-Starter Kenta Maeda, der den Brewers keinen Hit erlaubte. Im neunten Inning endete der No-Hitter beim Stand von 3:0 für die Twins durch einen Schlag von Eric Sogard, der haarscharf an Jorge Polancos Handschuh vorbei ging. Ein schwacher Auftritt von Minnesotas Closer Taylor Rogers und ein Error von Infielder Ildemado Vargas ermöglichten den Brewers, den Spielstand auszugleichen. Es folgten drei Extra-Innings mit diversen interessanten Szenen: der Ejection von Twins-1B Marwin Gonzalez, die Catcher Mitch Garver zwang, die für ihn ungewohnte Position zu übernehmen; einem Inning, in dem die Twins nur zwei Batter an die Platte schickten (das dritte Out war der automatische Runner nach der neuen Extra-Innings-Regel); einem sehenswerten Diving-Catch von Max Kepler; und schließlich dem Walkoff-Sieg der Twins durch ein Single von Polanco.

Mein Einschalttipp
Von einem Showdown zu sprechen, ist sicher noch verfrüht, doch immerhin steht beim heutigen Besuch der Tampa Bay Rays in Yankee Stadium die Tabellenspitze der AL East auf dem Spiel. Die Rays haben die ersten beiden Partien der Serie mit 6:3 und 4:2 gewonnen – mathematisch würde ich im dritten Spiel ein 2:1 erwarten, aber so vorhersehbar ist Baseball zum Glück nicht. Für die Yankees wäre es das erste Mal seit drei Jahren, dass sie im eigenen Stadion einen 3-Spiele-Sweep erleiden. Verhindern soll dies Starting Pitcher James Paxton (7.04 ERA, 4.97 FIP), der in diesem Jahr allerdings bislang noch nicht seine gewohnte Form gefunden und deutlich an Wurfgeschwindigkeit eingebüßt hat. Die Rays verzichten auf einen klassischen Starter, John Curtiss (2.84 ERA, 2.99 FIP) wird für sie als Opener ins Spiel gehen. Ich werde heute Abend ab 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf jeden Fall reinschauen. Die Möglichkeit dazu gibt es wie immer auf mlb.tv, und erfreulicherweise hat sich auch DAZN entschieden, die Partie zu übertragen.

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