Januar 16th, 2020 by Silversurger

Die MLB-Saison 2020 steht vor der Tür, was eigentlich Grund zur Vorfreude sein sollte. Doch die letzten Tage standen klar im Schatten unrühmlicher Vorfälle aus der jüngeren Vergangenheit. Das Meisterteam des Jahres 2017 wurde des systematischen Betrugs überführt, vergleichbare Anschuldigungen gegen das Meisterteam des Jahres 2018 werden noch geprüft. Die bislang ausgesprochenen und noch zu erwartenden Strafen sind empfindlich, auch wenn sie nicht bis zum ultimativen Mittel – dem Entzug von Titeln – reichen. Mehrere Verantwortliche haben durch den Skandal bereits ihren Job verloren, mindestens ein weiterer könnte in Kürze folgen. Alles in allem gibt der professionalle Baseball gerade ein betrübliches Bild ab. Als Fan des Sports kann man nur hoffen, dass es sich bei den aktuellen Ereignissen um ein reinigendes Gewitter handelt und dass spätestens in zwei Monaten wieder der sportliche und vor allem faire Wettkampf auf dem Platz im Mittelpunkt steht.

Red Sox feuern schon mal den Manager
Die Boston Red Sox haben in der Saison 2018 die Fingerzeige der gegnerischen Catcher gefilmt, die Informationen während der Spiele ausgewertet und an ihre Batter weitergeleitet. Die Untersuchung dazu läuft noch und wird aller Voraussicht nach zu ähnlichen Strafen führen wie die Astros sie diese Woche für ihre Verstöße im Jahr 2017 hinnehmen mussten (siehe Bericht vom Dienstag). Als erste interne Konsequenz trennten die Red Sox sich vorgestern von Manager Alex Cora. Das kommt wenig überraschend, denn Cora kommt eine zentrale Rolle in beiden Sign-Stealing-Fällen zu. 2017 war er Bench Coach der Astros und laut dem Untersuchungsergebnis der MLB die Hauptperson, die gemeinsam mit mehreren Spielern das Spionagesystem entwickelte und durchführte. Ein Strafmaß für ihn hat die Liga noch nicht festgelegt, weil dazu zunächst die Untersuchung der Vorfälle in Boston abgeschlossen werden soll, wo Cora ab 2018 als Field Manager, also Cheftrainer der Red Sox tätig war.
Der Nachfolger für Cora in Boston steht noch nicht fest. Als frühe Favoriten für den Job gelten Jason Varitek, bislang Assistent des General Managers, sowie der derzeitige Bench Coach der New York Mets, Hensley Meulens.

Stolpert auch Beltran über den Sign-Stealing-Skandal?
Auch die Mets könnten bald wieder auf der Suche nach einem neuen Manager sein, denn ihr vor zwei Monaten verpflichteter Skipper Carlos Beltran steht ebenfalls im Fokus des Sign-Stealing-Skandals. Er war zwar während der Vorgänge bei den Astros 2017 nur Spieler und als solcher von der MLB ausdrücklich von individuellen Strafen ausgenommen. Beltrans Integrität hat jedoch spürbaren Schaden genommen: Beim Aufkommen des Skandals verkündete er noch öffentlich, von einem Sign-Stealing-System in Houston nichts mitbekommen zu haben. Die Untersuchung der Liga benennt ihn jedoch als einzigen Spieler namentlich als einen der Protagonisten neben Cora. Eine Entscheidung, ob die Mets die Zusammenarbeit mit Beltran fortsetzen, wird bis Ende der Woche erwartet.

Donaldson zu den Twins
Zurück zum Sport: Die Minnesota Twins sind als Sieger aus dem wochenlangen Wettbieten um die Dienste von Josh Donaldson hervorgegangen. Der Third Baseman bekommt einen Vertrag über vier Jahre und 92 Millionen Dollar. Für weitere 8 Millionen kann der Klub die Option auf ein fünftes Jahr ziehen, wodurch sich Donaldsons Einkünfte aus dem Konktrakt auf glatte 100 Millionen belaufen würden. Drei Tage zuvor hatte es noch so ausgesehen, als hätten die Twins einen anderen Weg eingeschlagen, indem sie ihrem bisherigen Third Baseman Miguel Sano 30 Millionen für eine Vertragsverlängerung um drei Jahre gaben. Nun stellt sich heraus, dass der Plan von vornherein war, Sano auf die defensiv weniger anspruchsvolle Position an der ersten Base zu verschieben und ein Upgrade für die dritte Base zu finden. Das ist durch die Verpflichtung von Donaldson definitiv gelungen. Der 34-Jährige bringt sowohl starkes Feldspiel als auch ordentliche Homerun-Power auf die Waage. Die Twins werten damit ein ohnehin schon beeindruckendes Lineup weiter auf. Mit Max Kepler, Mitch Garver, Nelson Cruz, Eddie Rosario, Sano und Donaldson haben sie nun sechs Spieler an Bord, die 2019 mehr als 30 Homeruns schlugen.

Weitere Spielerverpflichtungen
Außer Donaldson haben auch die folgenden MLB-Spieler diese Woche einen neuen Arbeitgeber gefunden: 3B Todd Frazier (Texas Rangers, 1 Jahr, 5 Millionen Dollar mit Klub-Option auf ein weiteres Jahr), SP Alex Wood (Los Angeles Dodgers, 1 Jahr, 4-10 Millionen leistungsabhängig), IF Jedd Gyorko (Milwaukee Brewers, 1 Jahr, 2 Millionen mit Klub-Option auf ein weiteres Jahr), SP Ivan Nova (Detroit Tigers, 1 Jahr, 1,5-2 Millionen leistungsabhängig), OF Guillermo Heredia (Pittsburgh Pirates, 1 Jahr, 1 Million).

Viele kleine Trades
Es halten sich hartnäckige Gerüchte, dass zwischen den Colorado Rockies und den St. Louis Cardinals ein Trade im Raum steht, dessen Kernstück Third Baseman Nolan Arenado sein soll. Bisher haben die Verhandlungen aber zu keinem Ergebnis geführt. Daher gibt es an dieser Stelle zwar eine Reihe kleiner Deals, aber (noch) keinen Blockbuster zu vermelden:
Die Tampa Bay Rays holen sich in 1B/OF Jose Martinez und OF Randy Arozarena zwei Ergänzungsspieler von den Cardinals, welche dafür Pitching-Prospect Matthew Liberatore und C Edgardo Rodriguez bekommen. Der „Hauptpreis“ in diesem Trade ist Liberatore. Um das linkshändige Talent zu bekommen, geben die Cardinals nicht nur Martinez und Arozarena her, sondern auch einen hohen Draftpick (Nummer 38) für einen niedrigeren (Nummer 66).
Die Los Angeles Angels bekommen von den Diamondbacks RP Matt Andriese im Tausch gegen Minor-League-Pitcher Jeremy Beasley.
OF Austin Dean wechselt von den Miami Marlins zu den Cardinals, die dafür Minor-League-OF Diowill Burgos abgeben.
Die Chicago Cubs schicken IF/OF Tony Kemp zu den Oakland Athletics und bekommen im Gegenzug Minor-League-IF Alfonso Rivas.
Die Houston Astros bekommen SP/RP Austin Pruitt von den Tampa Bay Rays und geben dafür die Minor Leaguer OF Cal Stevenson und RP Peyton Battenfield ab.
Die Texas Rangers schicken RP Jeffrey Springs zu den Boston Red Sox und erhalten als Gegenleistung 1B Sam Travis.

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Januar 14th, 2020 by Silversurger

Der Sign-Stealing-Skandal um die Houston Astros zieht eine der härtesten Bestrafungen in der Geschichte der Liga nach sich. Zur Erinnerung: Es geht um den Vorwurf, dass die Astros bei Heimspielen in ihrer Championship-Saison 2017 systematisch und mit technischen Hilfsmitteln Zeichen der gegnerischen Catcher ausspioniert haben. Die Zeichen wurden mit einer im Centerfield angebrachten Kamera gefilmt und durch akustische Signale – zum Beispiel Klopfen auf einen Mülleimer – an die Batter weitergegeben.

Zwei Monate hat die Ligaleitung sich Zeit genommen, die Anschuldigungen zu untersuchen. Unter anderem wurden 68 Zeugen befragt, darunter 23 Spieler. Am Ende sah man die Regelverstöße als erwiesen an und verkündete gestern Abend das Strafmaß: General Manager Jeff Luhnow und Field Manager A. J. Hinch werden ein Jahr lang für jede Tätigkeit in der MLB gesperrt. Das Team verliert die Erst- und Zweitrundenpicks in den beiden kommenden Drafts und muss 5 Millionen Dollar Strafe zahlen.

Teambesitzer Jim Crane, der wohl nicht an dem Spionagsystem beteiligt war, zog unmittelbar nach der Bekanntgabe der Strafen seinerseits Konsequenzen und entließ sowohl Luhnow als auch Hinch.

Alex Cora, im fraglichen Zeitraum Bench Coach der Astros, blieb vorerst ungeschoren, aber das ist wohl nur eine Frage der Zeit: Cora ist seit 2018 Field Manager der Boston Red Sox. Auch sie sollen unter seiner Führung in ihrem Meisterschaftsjahr den Gegnern mit unerlaubten Mitteln auf die Finger geschaut haben. Cora wird daher möglicherweise eine heftige Gesamtstrafe für beide Fälle erhalten.

Mit den gestrichenen Draftpicks und der höchstmöglichen in den Regeln vorgesehenen Geldstrafe setzt die Ligaleitung um Commissioner Rob Manfred ein unmissverständliches Zeichen. Das Zeichen besagt, dass Sign Stealing mit technischen Mitteln weder Teil des Spiels noch ein Kavaliersdelikt ist. Dieses Zeichen war nötig, um die eigene Glaubwürdigkeit zu bewahren, nachdem in dieser Offseason zwei aufeinanderfolgende World-Series-Sieger als Schummler enttarnt wurden. Ich muss zugeben, dass ich mit einem so harten Urteil nicht gerechnet habe, aber ich finde es richtig und gut. Ebenso richtig finde ich, dass die Strafen keine Spieler treffen, sondern ausschließlich die sportlich verantwortlichen leitenden Angestellten.

Wie es bei den Astros weitergeht, ist derzeit völlig offen. Das erfolgreichste Team der letzten drei Jahre hatte in dieser Offseason bereits Star-Pitcher Gerrit Cole verloren, der nach ausgelaufenem Vertrag bei den Yankees unterschrieb. Mit Luhnow und Hinch sind nun der Architekt und der Baumeister der stärksten Phase der Vereinsgeschichte weg. Deren beste Lehrlinge wie David Stearns (GM Brewers), Mike Elias (GM Orioles), Carlos Beltran (Manager Mets) oder Cora haben im Laufe der Zeit bereits anderswo ihre Aufstiegschancen genutzt. Eine interne Nachfolgelösung für die frei gewordenen Posten gilt dennoch als wahrscheinlich.

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Januar 9th, 2020 by Silversurger

Die besinnliche Zeit des Jahreswechsels ist offensichtlich vorbei, denn in den letzten sieben Tagen gab es wieder haufenweise Neuigkeiten aus der MLB, insbesondere in Form von Spielerverpflichtungen. Vor allem die Nationals waren sehr aktiv dabei, ihren Kader für das Projekt Titelverteidigung zu ergänzen.

Der Champion kauft ein
Die Washington Nationals scheinen sich angewöhnt zu haben, Verträge immer gleich in Bündeln auszugeben. Im Dezember waren es Stephen Strasburg, Yan Gomes und Howie Kendrick, die innerhalb von zwei Tagen neue Kontrakte mit ihrem Klub unterschrieben. Nach vier Wochen Funkstille gaben die Nationals nun gleich fünf weitere Verpflichtungen bekannt. Der Bullpen wird durch Rückkehrer Daniel Hudson (2 Jahre, 11 Millionen Dollar) sowie durch Will Harris (3 Jahre, 24 Millionen) gefestigt. Für das Middle Infield kommen Starlin Castro (2 Jahre, 12 Millionen) und Asdrubal Cabrera (1 Jahr, 2,5 Millionen) und als First Baseman wird Eric Thames (1 Jahr, 4 Millionen plus beidseitige Option für ein zweites Jahr) sich voraussichtlich die Rolle mit einem weiteren Spieler – evtl. Nats-Urgestein Ryan Zimmerman – teilen.

White Sox verlängern mit Robert, holen Cishek
Die Chicago White Sox sind nicht nur in dieser Woche, sondern schon in der gesamten Offseason sehr aktiv. Sie scheinen sich fest vorgenommen zu haben, in diesem Jahr den Schritt aus dem Rebuilding in die Konkurrenzfähigkeit zu vollziehen. Der neueste Helfer auf diesem Weg ist Reliever Steve Cishek. Der 33-Jährige Sidearm-Pitcher kommt vom Stadtrivalen Cubs und verstärkt den Bullpen der White Sox für die späten Innings. Sein Vertrag läuft zunächst ein Jahr und bringt ihm 6 Millionen Dollar ein, für die gleiche Summe kann der Klub die Option für ein weiteres Jahr ziehen.
Eine langfristige Investition tätigen die White Sox in ihr Centerfield-Prospect Luis Robert. Der 22-Jährige bindet sich für sechs Jahre an den Verein und bekommt dafür 50 Millionen; weitere 38 Millionen können hinzukommen, wenn die White Sox die Option für zwei zusätzliche Jahre in Anspruch nehmen. Es handelt sich um den höchstdotierten Vertrag, den je ein Spieler bekommen hat, bevor er in einem MLB-Spiel aufgetaucht ist. Ermutigt hat die White Sox vermutlich die Erfahrung mit Eloy Jimenez, der letztes Jahr ebenfalls außergewöhnlich früh einen langfristigen Vertrag bekommen und anschließend eine starke Rookie-Saison hingelegt hatte.

Weitere Spielerverpflichtungen
Neue MLB-Verträge haben außer den oben Genannten auch folgende Spieler bekommen: Relief Pitcher Craig Stammen (San Diego Padres, 2 Jahre, 9 Millionen Dollar plus 1 Jahr Klub-Option), Catcher Jason Castro (Los Angeles Angels, 1 Jahr, 6,8 Millionen), Catcher Robinson Chirinos (Texas Rangers, 1 Jahr, 6,75 Millionen plus 1 Jahr Klub-Option), Relief Pitcher Hector Rondon (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 4-5 Millionen einsatzabhängig plus 1 Jahr Klub-Option), Shortstop Jose Iglesias (Baltimore Orioles, 1 Jahr, 3 Millionen plus 1 Jahr Klub-Option), Starter/ Reliever Jimmy Nelson (Los Angeles Dodgers, 1 Jahr, 1,25-4,75 Millionen leistungsabhängig plus 1 Jahr beidseitige Option), Catcher Kevin Plawecki (Boston Red Sox, 1 Jahr, 900.000).

81 Spiele Sperre für Domingo German
Die New York Yankees werden noch lange auf Domingo German verzichten müssen. Der Starter wurde für 81 Spiele gesperrt, rückwirkend ab September 2019. Davon bleiben noch 63 Spiele Sperre zu Beginn der Saison 2020. Der 27-Jährige wird damit von der Liga für einen Fall von häuslicher Gewalt gegenüber seiner Lebensgefährtin bestraft. German hat die Sperre bereits akzeptiert, gerichtlich wird gegen ihn allerdings keine Anklage erhoben.

Neues zum Thema Sign Stealing
Im Hinblick auf die Vorwürfe gegen die Houston Astros, während der Meisterschaftssaison mit unerlaubten Mitteln Zeichen der gegnerischen Spieler ausspioniert zu haben, soll es bald zu einer Entscheidung der Liga kommen. Nach allem, was man hört, wird es wohl keine persönlichen Strafen geben, aber möglicherweise eine hohe Geldstrafe gegen den Klub und vielleicht noch weitere Konsequenzen wie den Verlust von Draftpicks.
Unterdessen wurden neue Vorwürfe laut, dieses Mal gegen die Boston Red Sox. Sie sollen 2018, also ebenfalls in ihrer Meisterschaftssaison, den Video-Analyseraum ihres Stadions genutzt haben, um den Gegnern unerlaubterweise auf die Finger zu schauen. Wenn sich die Anschuldigungen als stichhaltig erweisen, dürfte ein weiteres Verfahren durch die Ligaleitung ins Haus stehen. Dass die Champions von zwei aufeinanderfolgenden Jahren mit unsauberen Mitteln gearbeitet haben sollen, wirft ein betrübliches Licht auf den professionellen Baseball. Auffällig ist auch, dass in beiden Teams Alex Cora eine zentrale Rolle einnahm – 2017 als Bench Coach der Astros, 2018 als Manager der Red Sox.

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Dezember 19th, 2019 by Silversurger

Die schönste Nachricht gibt es gleich zum Einstieg: In 98 Tagen beginnt die MLB-Saison 2020! Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren, wir blicken erneut auf eine sehr aktive Woche auf dem Spielermarkt zurück. Angeführt wird die Liste der Neuigkeiten von den Vereinswechseln der beiden Pitcher-Asse Madison Bumgarner und Corey Kluber.

Rangers traden für Kluber
Dass Corey Kluber auf dem Trading-Block der Cleveland Indians stand, war schon während der gesamten letzten Saison kein Geheimnis. Die Indians wollen Geld sparen und den Kader verjüngen, daher war für den 33-Jährigen in den Plänen des Klubs kein Platz mehr. Es fand sich jedoch lange kein Tradepartner – möglicherweise weil das Risiko zu hoch erschien, dass Kluber nach einer von Verletzungen und mittelmäßigen Leistungen geprägten Saison 2019 nicht mehr zur alten Stärke zurück findet. Die Texas Rangers haben nun zugeschlagen, nachdem die Forderung der Indians offenbar auf ein Minimum zusammengeschrumpft war: Outfielder Delino DeShields und Reliever Emmanuel Clase erscheinen als geradezu lächerlich niedriger Preis für den zweifachen Cy-Young-Gewinner. Mit den Verpflichtungen von Kluber, Kyle Gibson und Jordan Lyles sieht die durch Lance Lynn und Mike Minor vervollständigte Rotation der Rangers plötzlich playoff-tauglich aus.

Bumgarner wechselt innerhalb der NL West
Auch die Arizona Diamondbacks gönnen sich ein Upgrade für ihre Rotation: Für 85 Millionen Dollar sicherten sie sich die Unterschrift von Madison Bumgarner für die nächsten fünf Jahre. Die Entscheidung des ehemaligen Giants-Stars, beim Divisionskonkurrenten anzuheuern, kam etwas überraschend, denn als Favoriten galten zahlungskräftigere Teams wie die Dodgers oder die Braves. Berichten zufolge ist Bumgarner so angetan von der Aussicht, im warmen Arizona zu spielen, dass er auf ein paar Millionen Dollar verzichtet, die er woanders mehr hätte verdienen können – ob man nun 85 oder 100 Millionen bekommt, dürfte ja auch keine nennenswerten Auswirkungen auf den Lebensstandard haben. Da die Giants Bumgarner ein Qualifying Offer unterbreitet hatten, müssen die Diamondbacks für die Verpflichtung des 30- Jährigen ihren dritthöchsten Draftpick für 2020 an sie abgeben.

Verstärkung aus Fernost für Cardinals, Blue Jays und Rays
Mindestens drei neue Gesichter, die relativ spät den Sprung aus den asiatischen Profiligen in die USA wagen, werden wir nächstes Jahr in der MLB sehen. Die Tampa Bay Rays wurden sich letzten Freitag mit Yoshitomo Tsutsugo einig. Der linkshändige Power-Hitter ist 28 Jahre alt und kann als First Baseman oder im Outfield spielen. Tsutsugo erhält 12 Millionen Dollar für einen Zweijahresvertrag. 2,4 Millionen müssen die Rays als Ablöse an die Yokohama DeNA BayStars bezahlen. Pitcher Shun Yamaguchi unterschreibt für zwei Jahre und rund 6 Millionen bei den Toronto Blue Jays. Der 32-Jährige Forkballer war in Japan sowohl als Starter als auch als Reliever erfolgreich. In Toronto werden für ihn beide Möglichkeiten offen stehen. Der dritte Neuling aus dem fernen Osten ist Kwang-hyun Kim. Der 31-jährige Pitcher kommt vom südkoreanischen SK Wyverns und wird für zwei Jahre 8 Millionen zuzüglich Boni von jährlich bis zu 1,5 Millionen erhalten. Ähnlich wie Yamaguchi wird auch er im Spring Training oder der Frühphase der Saison dahingehend beurteilt werden, ob er sich in der MLB eher als Starter oder als Reliever eignet.

Weitere Trades und Verpflichtungen
Neben den oben genannten Spielern haben auch die folgenden Baseballer in den letzten Tagen neue MLB-Verträge unterschrieben: OF Avisail Garcia (Milwaukee Brewers, 2 Jahre, 20 Millionen + 1 Jahr Club-Option), SP Wade Miley (Cincinnati Reds, 2 Jahre, 15 Millionen + 1 Jahr Club-Option), RP Joe Smith (Houston Astros, 2 Jahre, 8 Millionen), SP Martin Perez (Boston Red Sox, 1 Jahr, 6 Millionen + 1 Jahr Club-Option), SP Brett Anderson (Brewers, 1 Jahr, 5-7 Millionen leistungsabhängig), 1B Justin Smoak (Brewers, 1 Jahr, 5 Millionen + 1 Jahr Club-Option), IF Eric Sogard (Brewers, 1 Jahr, 4,5 Millionen + 1 Jahr Club-Option), C Austin Romine (Detroit Tigers, 1 Jahr, 4,1 Millionen), IF Jose Peraza (Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen), RP Yimi Garcia (Miami Marlins, 2 Jahre, finanzielle Details unbekannt), C Luke Maile (Pittsburgh Pirates, 1 Jahr, finanzielle Details unbekannt), 1B/3B Ryon Healy (Brewers, 1 Jahr, finanzielle Details unbekannt).

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Dezember 5th, 2019 by Silversurger

Die Free Agency in der MLB nimmt Fahrt auf: Mit Zack Wheeler und Mike Moustakas durften diese Woche zwei der dickeren Fische der diesjährigen FA-Klasse hochdotierte Verträge in Philadelphia beziehungsweise Cincinnati unterschreiben. Um die „Hauptpreise“ Stephen Strasburg und Gerrit Cole war es eine Zeit lang relativ ruhig, doch nun haben sich beide mit den Verantwortlichen der New York Yankees getroffen. Es scheint sehr wahrscheinlich, dass es mit einem von ihnen innerhalb der nächsten Tage einen Vertragsabschluss gibt.

Hier im Baseblog läuft übrigens noch fünf Tage lang die Abstimmung über den MRI-Award. Momentan hat sich ein klarer Favorit herauskristallisiert, aber noch ist nichts entschieden.

Wheeler zu den Phillies
Hinter Zack Wheeler war eine ganze Reihe von Teams her, da er nach den teuren Stars Cole und Strasburg als die beste bezahlbare Alternative zur Verstärkung einer Starting-Rotation galt. „Bezahlbar“ ist ein relativer Begriff, denn seine Dienste lassen sich die Philadelphia Phillies immerhin stolze 118 Millionen Dollar für fünf Jahre kosten. Sie erhalten dafür einen 29-jährigen Starting Pitcher, der eine Menge messbarer Fähigkeiten mitbringt, bisher aber nie ganz den Sprung vom Talent zum Ass geschafft hat. Gebremst wurde seine Entwicklung durch Verletzungen, die ihn 2015 bis 2017 zweieinhalb MLB-Saisons kostete. Doch nach zwei soliden und weitgehend verletzungsfreien Spielzeiten 2018 und 2019 liegen die Sorgen um Wheelers körperliche Robustheit weitgehend hinter ihm. Da Wheeler ein Qualifying Offer der Mets abgelehnt hatte, kostet seine Aufnahme die Phillies ihren Zweitrundenpick in der kommenden Draft sowie 500.000 Dollar des Budgets für internationale Spielerverpflichtungen.

Reds holen Moustakas
Mike Moustakas brauchte drei Anläufe, bis es für ihn mit dem ersehnten Langzeitvertrag klappte: Sowohl 2017 als auch 2018 galt der Infielder als einer der besseren Free Agents, doch beide Male musste er sich schließlich mit kurzzeitigen Engagements bei den Royals beziehungsweise den Brewers zufrieden geben. Bei den Cincinnati Reds gibt es nun den großen Zahltag in Form eines Vierjahresvertrages über 64 Millionen Dollar. Geholfen hat dem gelernten Third Baseman dabei, dass er bei den Brewers letztes Jahr unter Beweis stellen konnte, auch an der zweiten Base eine gute Figur abzugeben. Der 3B-Posten ist in Cincinnati nämlich fest an Eugenio Suarez vergeben, aber als Doubleplay-Partner von Freddy Galvis hat sich ein Platz für Moustakas in dem aufstrebenden Team gefunden.

Vier Minor Leaguer für Dylan Bundy
Die Los Angeles Angels suchen mehrere Upgrades für ihre Starting-Rotation. Das erste haben sie nun nicht unter den Free Agents gefunden, sondern auf dem Trade-Markt. Rechtshänder Dylan Bundy kommt von den Baltimore Orioles im Austausch gegen vier Minor-League-Pitcher. Unter diesen ist Isaac Mattson der aussichtsreichste Kandidat auf eine zukünftige MLB-Karriere; außer ihm wechseln Kyle Bradish, Kyle Brnovich und Zach Peek nach Baltimore.

Weitere Trades und Verpflichtungen
Die Atlanta Braves ergänzen ihre Rotation für ein Jahr mit Linkshänder Cole Hamels. Der 36-Jährige erhält 18 Millionen Dollar.
In einem kleinen Trade mit den Boston Red Sox haben die Cleveland Indians Sandy Leon als neuen Ersatz-Catcher an Land gezogen. Leon erhält einen Einjahresvertrag über 2 Millionen Dollar. Für ihn geben die Indians Minor-League-Pitcher Adenys Bautista an Boston ab.
Die Miami Marlins griffen dankbar zu, als zwei erprobte MLB-Spieler von ihren bisherigen Teams entlassen wurden: 1B Jesus Aguilar wurde über den Waiver von den Tampa Bay Rays geholt, IF Jonathan Villar kommt im Austausch gegen den linkshändigen Nachwuchspitcher Easton Lucas von den Baltimore Orioles nach Miami.
Die Oakland Athletics haben sich mit Lefty-Reliever Jake Diekman auf eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre für insgesamt 7,5 Millionen Dollar geeinigt.

Treinen, Pillar und andere sind nun Free Agents
Während einige Spieler bereits ihr neues Team gefunden haben, haben andere erst vor wenigen Tagen erfahren, dass sie eines brauchen. In 56 Fällen haben die MLB-Teams entschieden, Spielern, die sie über das Arbitration-Verfahren weiterhin an sich hätten binden können, kein Angebot zu unterbreiten. Diese sogenannten Non-Tender sind nun Free Agents und damit auf Job-Suche. Bei den meisten Non-Tenders handelt es sich um wenig bekannte Ergänzungsspieler, aber es sind auch ein paar namhafte Überraschungen dabei. Insbesondere RP Blake Treinen (Athletics), OF Kevin Pillar (Giants), SP Aaron Sanchez (Astros), SP Kevin Gausman (Reds) und SS Addison Russell (Cubs) dürften einige Interessenten auf den Plan rufen.

Wechseln die Mets den Besitzer?
In Fankreisen der New York Mets schlug die Nachricht gestern ein wie eine Konfettibombe: Der Milliardär Steve Cohen steht wohl kurz davor, eine Mehrheit der Eigentumsanteile an dem Klub zu übernehmen. Dies würde das Ende der Ära Wilpon einläuten. Fred Wilpon hatte seit 1980 als Teilhaber und seit 2002 allein das Ruder bei den Mets in der Hand, inzwischen unterstützt von seinem Sohn Jeff. Die Wilpons, die 2008 in den gigantischen Finanzskandal um Bernie Madoff verwickelt waren, sind bei den Anhängern der Mets extrem unbeliebt, weil sie zum einen als sehr knausrig hinsichtlich notwendiger Investitionen gelten und zum anderen als Kontrollfreaks, die sich unverhältnismäßig ins sportliche Tagesgeschäft einmischen. Ob Cohen der erhoffte Heilsbringer ist, wird man abwarten müssen, aber die bisherigen Quellenberichte sprechen dafür, dass er wohl eine deutlich ausgabefreudigere Politik anstrebt als seine Vorgänger. Leisten kann er es sich jedenfalls – sein Vermögen wird auf 13,6 Milliarden Dollar geschätzt, er wäre damit der reichste Owner eines MLB-Teams. Die Mets sollen ihn angeblich rund 2,6 Milliarden kosten – kein schlechter Schnitt für die Wilpons, die ihre Anteile zwischen 1980 und 2002 schrittweise für 470 Millionen erworben haben.

Angels bleiben in Anaheim
Die Los Angeles Angels werden auch in den nächsten 30 Jahren nicht in Los Angeles, sondern in Anaheim zu Hause sein: Mit der Stadt wurde eine Einigung erzielt, die den Verbleib des Teams bis 2050 sichert und für den Betrag von 325 Millionen Dollar das Stadion in das Eigentum des Klubs übergehen lässt. Als ihr eigener Hausherr werden die Angels nun das Thema Modernisierung vorantreiben. Ob es auf eine Renovierung des vorhandenen Ballparks oder auf einen Abriss und Neubau hinausläuft, ist noch zu entscheiden.

Carrasco und Donaldson sind die Comeback Players 2019
Die MLB hat bekannt gegeben, dass Carlos Carrasco und Josh Donaldson die Comeback Players of the Year 2019 sind. Dass Carrasco diese Auszeichnung erhalten würde, stand zu keiner Zeit in Frage. Der 32-jährige Pitcher gab am 6. Juli bekannt, dass er unter Leukämie erkrankt war und auf unbestimmte Zeit ausfallen würde. Knapp zwei Monate später stand er unter großem Jubel wieder auf dem Mound und absolvierte noch elf Saisonspiele. Josh Donaldson hatte 2018 nur in 55 Spielen dabei sein können und galt vor der Saison wegen seiner Verletzungsgeschichte und dem relativ hohen Alter von 33 Jahren als Risikoverpflichtung. Mit 155 Auftritten und 37 Homeruns in der Saison 2019 ließ er alle Zweifler verstummen.

London-Tickets ab heute erhältlich
Die MLB kehrt zurück nach Europa: Nach der diesjährigen Premiere mit zwei Spielen zwischen den New York Yankees und den Boston Red Sox steht 2020 ein weiteres Traditionsduell auf dem Programm. Am 13. und 14. Juni treffen die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals im London Stadium aufeinander. Tickets dafür sind seit heute über die offizielle Seite erhältlich.

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September 26th, 2019 by Silversurger

Für 20 Teams endet die MLB-Saison mit dem kommenden Wochenende. Für die restlichen 10 wird es dann erst richtig interessant, denn die Playoffs stehen ins Haus. Wer zu diesen 10 Teams gehört, steht seit letzter Nacht bis auf eine einzige Ausnahme fest. Im Grand Slam am Donnerstag geht es diese Woche daher in erster Linie um die möglichen Konstellationen in den ersten Runden der Postseason.

National League
In der National League werden die Los Angeles Dodgers (102-56), die Atlanta Braves (97-62), die St. Louis Cardinals (90-69), die Washington Nationals (89-69) und die Milwaukee Brewers (88-70) die Playoffs bestreiten.

Die Dodgers stehen darüber hinaus als das Team mit der besten Bilanz der NL fest. Sie werden deshalb sowohl in der Divisional Series (NLDS) als auch im Fall des Erreichens der Championship Series (NLCS) die etwas günstigere Verteilung von Heim- und Auswärtsspielen genießen. Der erste Gegner der Dodgers wird das Team sein, welches am Dienstag das Wild-Card-Spiel gewinnt.

Ein Teilnehmer des Wild-Card-Games sind in jedem Fall die Nationals. Ihr Gegner steht noch nicht fest: Es sind entweder die St. Louis Cardinals oder die Milwaukee Brewers, je nachdem wer von beiden nicht die NL Central gewinnnt.

In der zweiten NLDS werden die Braves das erste Heimrecht gegen den Sieger der NL Central haben. Zurzeit haben die Cardinals hier noch 1,5 Spiele Vorsprung auf die Brewers. Doch die Brewers gewinnen seit drei Wochen nahezu jedes Spiel und haben mit den Cincinnati Reds und dreimal den Colorado Rockies sehr schlagbare Gegner vor sich. Die Cardinals treffen in den letzten drei Spielen auf die Chicago Cubs. Auch die sind zurzeit sehr schlagbar, haben sich mit acht Niederlagen in Folge aus den Playoffs gespielt; aber es würde mich nicht wundern, wenn sie in dieser finalen Serie noch mal eine kleine Trotzreaktion zeigen und St. Louis ein, zwei Spiele abnehmen. Das könnte in der Situation münden, dass am Ende St. Louis und Milwaukee gleichauf stehen. In diesem Fall würde am Montag zwischen den beiden ein Entscheidungsspiel, ein sogenanntes „Game 163“ stattfinden.

American League
Während es in der NL nur noch darum geht, wer in den Playoffs gegen wen spielt, steht in der American League noch eine grundlegende Entscheidung aus: Von den Oakland Athletics (95-63), den Tampa Bay Rays (95-64) und den Cleveland Indians (93-65) werden sich zwei Teams am Mittwoch zum Wild-Card-Spiel treffen, das dritte bleibt schon vorher auf der Strecke. Alle drei Teams müssen ihre letzten Spiele der regulären Saison auswärts bestreiten. Die Rays in Toronto und die Athletics in Seattle haben dabei Gegner, für die es schon lange um nichts mehr geht. Die Indians hingegen müssen – nach der heutigen Partie bei den White Sox – zu den Washington Nationals, welche noch um das Heimrecht im Wild-Card-Spiel der NL kämpfen. Verbunden damit, dass die Indians zurzeit 1,5 Spiele Rückstand auf die Rays und 2 Spiele auf die Athletics aufweisen, gehen sie klar als Außenseiter in das Wochenende der Entscheidung.

Das Team von diesen dreien, das sich im Wild-Card-Spiel durchsetzt, wird in der ALDS auf den Divisionssieger mit den meisten Siegen treffen. Das werden ziemlich sicher die Houston Astros (104-54) sein – die New York Yankees (102-57) wären es nur, wenn sie ihre restlichen drei Spiele alle gewinnen und die Astros ihre restlichen vier alle verlieren würden.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird somit die zweite ALDS zwischen den Yankees und den Minnesota Twins (98-60) stattfinden. Die Twins stehen seit letzter Nacht als Sieger der AL Central fest, zum ersten Mal seit 2010. Wir werden also den einzigen deutschen Major Leaguer, Max Kepler, in den Playoffs sehen. Nicht zum ersten Mal übrigens, denn 2017 stand Kepler bereits im Starting Lineup der Twins im Wild-Card-Spiel. Der Gegner waren damals ebenfalls die Yankees, welche mit 8:4 die Oberhand behielten.

Szene der Woche 
Alles fiebert der Postseason entgegen, aber für einige steht mit dem Ende der regulären Saison das große Abschiednehmen an. Dass Bruce Bochy, der langjährigste Manager der Liga, von den San Francisco Giants in den Ruhestand wechselt, ist schon seit Saisonbeginn bekannt. Vor wenigen Tagen erklärte nun auch Ned Yost, Manager der Kansas City Royals, dass er seine Karriere beenden wird.

Kein Karriereende, aber das Ende seines Engagements in San Diego, ereilte diese Woche darüber hinaus Padres-Manager Andy Green. Man darf gespannt sein, welche Teams es den Padres in den nächsten Wochen gleich tun und ebenfalls ihre Manager feuern werden. Heiße Kandidaten dafür sind unter anderem Mickey Callaway von den Mets und Gabe Kapler von den Phillies. Clint Hurdle von den Pirates hat hingegen trotz einer enttäuschenden Saison bereits ein öffentliches Treuebekenntnis seines Arbeitgebers erhalten.

Statistik der Woche 
19. So viele Saisons hat die MLB nun hintereinander gespielt, ohne dass ein World-Series-Gewinner seinen Titel verteidigen konnte. Die aktuelle Saison ist dabei bereits mitgerechnet, denn seit vor ein paar Tagen die Boston Red Sox die letzte Chance auf eine Playoff-Qualifikation verspielt haben, steht fest, dass es auch dieses Jahr keinen Repeat-Champion geben wird. Die letzten, die es geschafft haben, waren die New York Yankees. Sie gewannen von 1998 bis 2000 dreimal hintereinander die World Series.

Spiel der Woche
19 ist auch in dieser Kategorie die herausstechende Zahl, denn ebenso viele Innings benötigten die Arizona Diamondbacks und die St. Louis Cardinals Dienstagnacht, um ihre Partie zu einem Ende zu bringen. Der Held der Nacht war Arizonas Ildemaro Vargas. Er war in den ersten acht Innings gar nicht dabei, brachte es aber letztlich auf vier Hits in sechs At Bats. Zwei dieser Hits waren spielentscheidend: Im neunten Inning kam Vargas als Pinch Hitter beim Stand von 0:1 ins Spiel und erzielte per Solo-Homerun den Ausgleich. Zehn Innings später gelang ihm bei zwei Outs und geladenen Bases der Walkoff-Single zum Sieg seines Teams. Zuvor hatten beide Teams zusammen 48 Strikeouts erzielt. Damit wurde ein MLB-Rekord eingestellt, den die Cubs und die Yankees am 7. Mai 2017 vorgelegt hatten.

Mein Einschalttipp
Es sind die Tage der finalen Entscheidungen und natürlich empfehle ich, in alle Spiele reinzuschauen, in denen es noch um etwas geht. Von den letzten Partien der regulären Saison dürfte das Duell der Washington Nationals gegen die Cleveland Indians das interessanteste sein, da es Auswirkungen auf die Wild-Card-Konstellation in beiden Ligen hat. Davon abgesehen gilt mein Einschalttipp den beiden Wild-Card-Spielen. Das der NL läuft Dienstagnacht, das der AL Mittwochnacht. Genaue Uhrzeiten stehen noch nicht fest, aber voraussichtlich wird es auf  2 Uhr nachts unserer Zeit plus/minus eine Stunde hinauslaufen.

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September 12th, 2019 by Silversurger

Wir sind in der Jahreszeit der Magic Numbers und der Elimination Numbers angekommen. Falls ihr nicht wisst, was das ist, könnt ihr es in diesem Artikel aus dem letzten Jahr nachlesen. Als erstes MLB-Team des Jahres haben es vorgestern die Los Angeles Dodgers geschafft, ihre Magic Number für den Divisionssieg auf 0 zu senken. Die nächsten in der Reihe sind die Yankees, die Astros und die Braves. Sie alle haben eine Magic Number von 8 und somit die Chance, bis nächste Woche mit etwas Schützenhilfe durch die Konkurrenz alles klar zu machen. In den Rennen um die Wild Cards beider Ligateile hingegen ist noch gar nichts klar: In der AL ist es nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen von drei Teams, in der NL machen sich sogar noch sechs Teams berechtigte Hoffnungen und sind seit letzter Woche wieder enger zusammengerückt.

American League
In der American League East hat sich seit letzter Woche wenig geändert: Die New York Yankees (95-51) cruisen souverän in Richtung Divisionstitel und 100-Siege-Marke. Die Tampa Bay Rays (87-60) überzeugen ebenfalls seit Wochen, haben derzeit sechs der letzten sieben und 11 der letzten 13 Spiele gewonnen. Im Ringen um die Wild-Card-Plätze beschert ihnen das ein halbes Spiel Vorsprung auf die Athletics und ein ganzes auf die Indians. Die größten Schlagzeilen produzierten derweil die Boston Red Sox (76-70): Der Titelverteidiger hat durch fünf Niederlagen in Folge – drei davon gegen den New Yorker Erzrivalen – seine ohnehin schon geringen Playoffchancen auf 0% gesenkt. Als Reaktion auf die schwache Saison wurde am Sonntag General Manager Dave Dombrowski entlassen. Das kam überraschend, denn immerhin war Dombwoski der Architekt des Meisterteams 2018. Offenbar war es aber nicht nur die schwache Saison 2019, sondern auch die eine oder andere atmosphärische Störung zwischen dem Klub und seinem leitenden Angestellten, die zu der Entscheidung führte. Es ist jedenfalls sehr ungewöhnlich, dass es dazu weder eine Pressekonferenz noch einen öffentlichen Kommentar der Teambesitzer gab.

Die Cleveland Indians (86-61) haben die AL Central noch nicht aufgegeben: Mit 2:1 Siegen in der Serie bei den Minnesota Twins (89-56) sowie einem darauf folgenden Sweep der Angels haben sie genau das getan, was nötig war, um den Kampf um die Division offen zu halten. Am Wochenende treffen die Twins und die Indians erneut dreimal direkt aufeinander. Das Ergebnis dieser Serie wird bestimmen, ob Max Kepler & Co. sich in den folgenden Wochen beruhigt auf die Playoffs einstellen können oder ob ihnen ein heißer Frühherbst bevorsteht. Am anderen Ende der Tabelle haben übrigens die Detroit Tigers (43-100) als erstes Team des Jahres die Marke von 100 Niederlagen erreicht. Mit den Kansas City Royals (54-92) sowie den Baltimore Orioles (47-98) in der AL East und den Miami Marlins (51-94) in der NL East sind drei weitere Teams auf Kurs für 100 Niederlagen – wenn es dazu kommt, wäre der Rekord von vier 100-Loss-Teams aus der Saison 2002 eingestellt.

Was es noch nie gegeben hat, ist eine Saison mit vier 100-Win-Teams. Dieses Jahr könnte es soweit sein, denn den Houston Astros (95-52) fehlen ebenso wie den Yankees nur noch fünf Siege, den Dodgers noch sechs und den Braves neun. In der AL West gab es diese Woche ein paar ziemlich interessante Ergebnisse: Am Sonntag gewannen die Astros 21:1 gegen die Seattle Mariners (68-80), am Montag ließen sie ein 15:0 gegen die Oakland Athletics (80-68) folgen – das war das höchste kombinierte Ergebnis in zwei aufeinander folgenden Spielen aller Zeiten. Am Dienstag erlebten die Astros schon wieder ein Schützenfest, dieses Mal aber gegen sich beim 21:7 für die Athletics. Für die A’s war es enorm wichtig, sich für die Demütigung vom Vortag sofort zu revanchieren, schließlich brauchen sie im Wild-Card-Rennen jeden Sieg. Sie ließen am Mittwoch ein 5:3 folgen und versuchen heute, den Astros das dritte Spiel in Folge abzunehmen.

National League
Die National League East werden die Atlanta Braves (91-56) gewinnen. Dahinter tummeln sich drei Teams, von denen ich jedes während der Saison mindestens einmal abgeschrieben habe. Doch hier sind sie, allesamt mitten im Wettbewerb um die Wild Cards: Die Washington Nationals (80-64) haben in diesem Rennen dreieinhalb Spiele Vorsprung, allerdings haben sie ein ziemlich heftiges Restprogramm mit einmal Minnesota, dreimal Atlanta, dreimal St. Louis, fünfmal Philadelphia, dreimal Cleveland – und nur dreimal den Miami Marlins (51-94) als einzigem Gegner, für den es um nichts mehr geht. Das öffnet die Tür für die Philadelphia Phillies und die New York Mets (jeweils 75-50), noch einmal heranzukommen. Insbesondere von den Mets hätte ich das noch vor einer Woche nicht gedacht, aber nach drei Siegen gegen die Diamondbacks sind sie wieder voll dabei.

Voll dabei sind auch drei Teams der NL Central, die in den zweieinhalb verbleibenden Wochen noch einige Male direkt gegeneinander spielen werden. Mit vier Spielen Vorsprung haben die St. Louis Cardinals (81-64) derzeit relativ komfortabel die Nase vorn. Es folgen gleichauf die Milwaukee Brewers und die Chicago Cubs (77-68), die in den letzten Tagen in unterschiedliche Richtungen unterwegs waren: Die Brewers gewannen trotz des Verletzungsschocks um Christian Yelich (siehe „Szene der Woche“) sechs Spiele in Folge, die Cubs verloren fünf der letzten sechs – drei davon gegen die Brewers. Die Cubs müssen sich nun bemühen, in den vermeintlich lösbaren Aufgaben gegen San Diego, Pittsburgh und Cincinnati wieder ein kleines Polster aufzubauen, denn die letzten zehn Tage der Saison mit sieben Spielen gegen St. Louis werden bockelhart.

Die NL West haben die Los Angeles Dodgers (94-53) zum siebten Mal in Folge für sich entschieden – gefühlt seit Monaten, offiziell seit Dienstag. Von den Teams dahinter sind nur die Arizona Diamondbacks (75-71) noch erwähnenswert. Sie hatten sich zwei starke Wochen lang aus fast aussichtsloser Lage zurück ins Wild-Card-Rennen gearbeitet, nun allerdings drohen sie durch eine bislang katastrophale Serie bei den Mets alles wieder zu verspielen. Mit zweieinhalb Spielen Rückstand bilden sie derzeit das Schlusslicht unter den sechs Wild-Card-Anwärtern der NL. Aber ich werde den Teufel tun, sie totzusagen, denn damit lag ich in dem verrückten Wild-Card-Rennen dieses Jahres bislang jedes Mal falsch.

Szene der Woche 
Den schönsten Moment der Woche hatten definitiv die Los Angeles Dodgers, die als erstes Team dieser Saison die Divisionsmeisterschaft feiern durften:

Ich muss aber auch eine weit weniger schöne Szene erwähnen, die diese MLB-Woche geprägt hat, nämlich die Verletzung von Christian Yelich. Der MVP 2018 der National League brach sich die rechte Kniescheibe bei einem extrem unglücklich vom Schläger abgeprallten Foulball. Zart besaitete Gemüter starten lieber nicht das unten stehende Video, sondern schauen sich besser noch mal die feiernden Dodgers an.

Statistik der Woche 
1995-2019. Diese Zahlenkombination begegnete einem in den letzten Tagen, wenn man die MLB verfolgt, ziemlich häufig. Sie führte sogar zu Rücktrittsforderungen gegenüber Bruce Bochy, dem Manager der San Francisco Giants. Bochy, der dienstälteste Manager der gesamten Liga, hatte bereits vor der Saison angekündigt, dass für ihn danach Schluss ist. Seine Karriere dauerte dann von 1995 bis 2019. Da wäre es doch wirklich originell gewesen, wenn er vorgestern aufgehört hätte, als seine Bilanz aus Siegen und Niederlagen ebenfalls bei 1995-2019 stand. Hat er aber nicht gemacht, stattdessen steht er jetzt bei 1996-2019 und strebt in den verbleibenden 16 Spielen noch seinen 2000. Sieg als MLB-Manager an. Die Seattle Mariners dachten sich derweil offenbar: „Was der kann, können wir auch.“ Einen Tag nach Bochys obskurem statistischen Meilenstein präsentierten die Mariners ihre eigene Bilanz für die Jahre 1995-2019. Sie lautete, ja genau: 1995-2019.

Spiel der Woche
Was ich am Baseball ganz besonders mag, sind die Momente, in denen monatelange Prügelknaben wenigstens für einen Abend mal den letzten Lacher auf ihrer Seite haben. Zum Beispiel am Dienstag, als das frischgebackene 100-Niederlagen-Team Detroit Tigers den übermächtig erscheinenden Rekordmeister New York Yankees empfing: Neben der 100. Niederlage am Vortag gegen die Athletics hatten die Tigers auch zu verdauen, dass die Yankees ihnen sage und schreibe sechs Homeruns einschenkten und damit den aktuellen Rekord für die meisten Homeruns in einer Saison brachen – einen Rekord, den sich eine Woche zuvor die Twins geholt hatten, ebenfalls in Detroit. Was macht man in so einer Lage? Sich flach auf den Boden legen und warten, bis es vorbei ist? Von wegen: Detroit ließ sich nie hängen, kämpfte sich von einem frühen 6-Run-Rückstand zurück und gewann am Ende 12:11 per Walkoff. Gut gebrüllt, Tigers!

Mein Einschalttipp
Showdown in der AL Central: Zum letzten Mal in diesem Jahr kreuzen die Cleveland Indians und die Minnesota Twins direkt die Klingen. Die Ausgangslage ist klar: Gewinnen die Twins die Serie, ist ihnen der Divisionssieg wahrscheinlich nicht mehr zu nehmen. Fahren hingegen die Indians zwei oder gar drei Siege ein, stehen der Division zwei richtig spannende Endspurt-Wochen bevor. Das Finale der Serie steigt am Sonntag zur besten europäischen Sendezeit und bietet mit Shane Bieber (3.17 ERA, 3.21 FIP) gegen José Berrios (3.63 ERA, 3.92 FIP) ein attraktives Pitcherduell. Zu sehen ist das Spiel wie üblich auf mlb.tv.

DAZN hingegen macht sich zurzeit leider sehr rar mit MLB-Übertragungen. Laut den derzeit verfügbaren Programmübersichten laufen dort bis nächsten Donnerstag lediglich vier MLB-Spiele und zwar ausschließlich solche, die im Hinblick auf die Playoffs komplett unbedeutend sind.

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Juli 4th, 2019 by Silversurger

Noch vier Tage MLB-Baseball, dann haben die meisten Spieler erstmal Pause. Das All-Star-Game steht an –  das unwichtigste Spiel des Jahres, was das Ergebnis angeht, und gleichzeitig eines der wichtigsten hinsichtlich der Frage, ob man dabei ist oder nicht. Die vollständigen Kader findet ihr hier. Der heißeste Tipp für die World Series zur (etwas mehr als) Halbzeit sind in der NL eindeutig die Los Angeles Dodgers. Sie sind laut Fangraphs auf Kurs für 103 Siege in der regulären Saison und haben eine knapp 20-prozentige Chance, den Titel zu gewinnen. Noch etwas höher stuft Fangraphs die Chancen der Houston Astros ein – obwohl diese in der AL angesichts von Konkurrenten wie den Yankees und den Twins längst nicht so souverän vorne liegen wie die Dodgers in der NL.

American League
Die New York Yankees (55-29) sind das einzige Team der MLB, das jemals ein Spiel auf europäischem Boden gewonnen hat. Das können sie nun ein Jahr lang von sich behaupten, nachdem sie am letzten Wochenende die 2-Spiele-Serie gegen die Boston Red Sox (45-41) gesweept haben (siehe „Spiel der Woche“). Dass die Yankees als Spitzenreiter der American League East in den All-Star-Break gehen, steht bereits fest. Allerdings stehen vor der Pause noch vier Spiele gegen den direkten Verfolger, die Tampa Bay Rays (50-37), an. Die Rays hatten in dieser Saison bislang große Probleme mit den Yankees, sahen gegen kein Team so schlecht aus wie gegen sie. Wenn sich das ändern soll, wäre dieses Wochenende ein guter Zeitpunkt dafür.

Auch für die Minnesota Twins (54-31) steht fest, dass sie in der AL Central den All-Star-Break an der Spitze überdauern werden. Sie saßen aber in diesem Jahr durchaus schon mal fester im Sattel. Zuletzt setzte es ein paar nicht eingeplante Niederlagen – in zwei von drei Spielen gegen die Chicago White Sox (41-42) und in einem von bisher zwei Spielen gegen die Athletics –, während gleichzeitig die Cleveland Indians (47-38) ihren Aufwärtstrend der letzten Wochen fortsetzen. Vor einem Monat lagen sie noch bei einer negativen Bilanz, inzwischen stehen sie neun Siege über .500 und wenn die Saison nun vorüber wäre, hätten sie einen Wild-Card-Platz erobert. In einem solchen Lauf steckt man auch mal zwei 0:13-Niederlagen vom letzten Wochenende gegen die Orioles ungerührt weg. Die drei Spiele seitdem haben die Indians alle gewonnen, heute Abend setzen sie zum Sweep gegen die Kansas City Royals (29-58) an.

Die Houston Astros (55-32) haben ihren Durchhänger offensichtlich überwunden: Fünf Siege in Folge stehen aus den letzten Tagen zu Buche, drei gegen Seattle und zwei in Colorado. Zum Abschluss des ersten Saisonabschnitts steht nun noch eine 3-Spiele-Serie gegen die Los Angeles Angels (44-43) an. Die Angels sind zurzeit schwer einzuschätzen. Drei Niederlagen gegen die Oakland Athletics (47-40) schienen letztes Wochenende ihre Wild-Card-Hoffnungen auf ein Minimum zu reduzieren. Es folgten der tragische Tod von Tyler Skaggs und zwei Siege in den emotionalen Spielen bei den Texas Rangers (46-40). Für kein Team kommt die anstehende Pause wohl gelegener als für die Angels, die erst mal die Trauer bewältigen und sich dann darüber klar werden müssen, welche Ambitionen sie dieses Jahr noch verfolgen möchten.

National League
Die Ambitionen der Atlanta Braves (51-36) sind klar, sie wollen zum zweiten Mal in Folge die National League East gewinnen. Auf dieses Ziel können sie in den verbleibenden Spielen bis zur Pause noch ein großes Stück zugehen. Zunächst steht heute Abend das Rubber-Game der Serie gegen Verfolger Philadelphia Phillies (45-41) an. Anschließend geht es noch dreimal gegen die Miami Marlins (32-52), das mit Abstand schwächste Team der NL. Die Phillies müssen derweil bei den New York Mets (39-48) antreten. Die Mets sind so gut wie raus aus dem Rennen um die Playoff-Plätze, aber die Spiele gegen die Phillies können trotzdem entscheidend sein – entscheidend dafür, ob Manager Mickey Callaway seinen Job behält oder ob in der Pause ein Nachfolger installiert wird. Wie schnell im Baseball aus einem Totgesagten wieder ein Contender werden kann, beweisen unterdessen die Washington Nationals (44-41). 12 Siege aus den letzten 15 Spielen haben sowohl den Record als auch das Run Differential in den positiven Bereich gedreht und die Nationals auf einen Wild-Card-Platz befördert.

In der NL Central setzt sich die Entwicklung fort, die ich letzte Woche schon beschrieben hatte: Man wird den Eindruck nicht los, dass niemand diese Division gewinnen will. Momentan sind mal wieder die Milwaukee Brewers (46-41) vorn, obwohl sie in den letzten drei Wochen nur eine einzige Serie gewonnen haben. Das ist immerhin eine mehr als ihr Konkurrent, die Chicago Cubs (45-42). Die St. Louis Cardinals (42-42) konnten daraus keinen Nutzen ziehen, nach sechs Niederlagen aus den letzten acht Spielen pendeln sie träge um eine ausgeglichen Bilanz herum. Von einer solchen waren die Pittsburgh Pirates (42-43) lange weit entfernt. Aber in den letzten Wochen waren sie das erfolgreichste Team der Division und heute Abend können sie den 4-Spiele-Sweep gegen die Cubs und damit gleichzeitig die Rückkehr zum .500-Record perfekt machen. Und weil es langweilig wäre, nur das eine der beiden vermeintlichen Spitzenteams zu ärgern, spielen die Pirates am Wochenende auch eine Serie gegen die Brewers.

Apropos langweilig: Kommen wir zur NL West. Man kann es den Los Angeles Dodgers (59-29) kaum zum Vorwurf machen, dass sie um den Divisionssieg keinerlei Spannung aufkommen lassen. In den letzten zwölf Spielen sind die Dodgers ausnahmslos gegen ihre direkten Konkurrenten, die Colorado Rockies (44-42) und die Arizona Diamondbacks (43-45) angetreten. Sie haben acht davon gewonnen, was ziemlich genau der üblichen Quote der Dodgers in dieser Saison entspricht. Zum Abschluss des ersten Saisonteils müssen heute und an den kommenden drei Tagen auch die San Diego Padres (42-44) noch mal beim Überteam der NL antreten. Die Padres haben sich übrigens gerade von den San Francisco Giants (39-47) sweepen lassen und müssen angesichts der anstehenden Aufgabe fürchten, kurz vor der Pause den Anschluss im Wild-Card-Rennen zu verlieren.

Szene der Woche
Meine Szene der Woche ist das Immaculate Inning von Stephen Strasburg. „Immaculate“, also makellos, ist ein Inning dann, wenn der Pitcher alle drei Batter, die ihm gegenüber treten, per Strikeout wegschickt und zwar mit der niedrigstmöglichen Anzahl von Pitches: 9. In den meisten Jahren kommt nicht mehr als eine Handvoll solcher Innings in der MLB vor. Strasburg gelang das Kunststück gestern im vierten Inning gegen die Marlins:

Statistik der Woche 
1.142. So viele Homeruns wurden im Juni dieses Jahres geschlagen und damit so viele wie in keinem Monat der MLB-Geschichte zuvor. Wenn euch diese Meldung bekannt vorkommt, dann ist das kein Wunder: Der „alte“ Rekord ist gerade mal einen Monat her mit 1.135 im Mai. Den höchsten Beitrag dazu leistete ein Spiel zwischen den Phillies und den Diamondbacks mit insgesamt 13 Homeruns, ebenfalls Rekord. Über den gesamten Monat hinweg waren es als Spieler Manny Machado und Edwin Encarnacion (je 11) sowie als Team die Atlanta Braves (56), die die meisten Homeruns zum Rekord beisteuerten. Den New York Yankees gelang im Juni in jedem einzelnen Spiel mindestens ein Homerun. Insgesamt dauerte ihre Serie 31 Spiele lang. Sie fand am Dienstag ihr Ende, als die New York Mets beim 4:2 gegen die Yankees keinen Homerun zuließen.

Spiel der Woche
Gastauftritte in London war man bislang eher von der NFL gewohnt und wenn man sich das Resultat des ersten MLB-Spiels in Europa anschaut, sieht es ganz so aus, als hätten die Yankees und die Red Sox den Engländern ebenfalls ein Football-Spiel geboten: Mit 17:13 gewannen die Yankees, also mit etwas mehr als einem Field Goal Vorsprung. Schon im ersten Inning tauschten beide Seiten Touchdowns aus, scheiterten aber jeweils am Extrapunkt. So stand es nach dem ersten Durchgang 6:6, bevor die Yankees im dritten Inning per Safety auf 8:6 erhöhten. Ein weiterer Touchdown im vierten und ein Field Goal im fünften Inning trieben die Führung auf 17:6. Die Red Sox legten zwar noch einen Touchdown und den Extrapunkt (seltsamerweise vor dem Touchdown) nach, aber die Aufholjagd kam zu spät. Gunslinger Aroldis Chapman kniete das neunte Inning souverän ab.

Mein Einschalttipp
Mein persönlicher Favorit unter den Veranstaltungen der All-Star-Woche ist weder das All-Star-Game noch das Homerun-Derby – obwohl ich mir Letzteres allein schon wegen der Teilnahme von Pete Alonso anschauen werde. Ich möchte an dieser Stelle empfehlen, sich das All-Star-Futures-Game anzuschauen. Leider geht dieses immer ein bisschen unter, weil es nicht in der spielfreien Zeit stattfindet, sondern schon am Sonntag parallel zum letzten regulären Spieltag vor dem All-Star-Break. In dem Spiel treffen zwei Auswahlmannschaften der vielversprechendsten Talente aufeinander. Unterteilt werden die Mannschaften dieses Jahr erstmals nicht nach US- und internationalen Spielern, sondern nach American League und National League. Im Gegensatz zum „großen“ All-Star-Game sieht man in dieser Partie – wenn man kein großer Beobachter der Minor Leagues ist – viele Spieler zum ersten Mal, die es mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten ein, zwei Jahren in die MLB schaffen werden. Für sie ist dieses Spiel nicht ein routiniertes PR-Event, sondern die Chance, erstmals vor einer größeren TV-Audienz mit Leistung auf sich aufmerksam zu machen. Das Spiel wird Sonntagnacht ab 1 Uhr live auf mlb.com gestreamt. Dabei sind zum Beispiel vier der fünf Top-Prospects der Liga laut MLB Pipeline: Shortstop Wander Franco (Rays), LHP MacKenzie Gore (Padres), Outfielder Jo Adell (Angels) und Outfielder Luis Robert (White Sox). Die vollständigen Roster findet ihr hier.

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Juni 27th, 2019 by Silversurger

Halbzeit! Die meisten Teams der MLB haben ungefähr die Hälfte ihrer 162 Saisonspiele absolviert. Eine Pause haben sie sich jedoch noch nicht verdient, denn die gibt es in Form des All-Star-Breaks erst in knapp zwei Wochen. Für ein paar Spieler ist die Saison derweil schon gelaufen, unter anderem für zwei bislang herausragende Pitcher: Jordan Hicks, Closer der St. Louis Cardinals und seines Zeichens aktuell schnellster Werfer der Liga, muss seinem überbeanspruchten Ellenbogen Tribut zollen und sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen. Damit wird er leider bis weit ins nächste Jahr hinein ausfallen. Weniger Leid tut es mir um Frankie Montas. Der Starter der Oakland Athletics hatte sich in den ersten Monaten der Saison mit starken Auftritten in den Vordergrund gespielt, doch dann kam heraus, dass er zu leistungssteigernden Substanzen gegriffen hat. Die Konsequenz ist die übliche Sperre für 80 Ligaspiele plus etwaige Playoffs. Recht so.

National League
Die Atlanta Braves (48-33) setzen ihren seit einigen Wochen währenden Siegeszug durch die National League East fort und haben inzwischen fünfeinhalb Spiele Vorsprung auf die Philadelphia Phillies (42-38). Für die Phillies könnte es durchaus noch schlimmer aussehen, hätten sie nicht das Glück gehabt, nach sieben Niederlagen in Folge auf die New York Mets (37-44) zu treffen. Die Mets sind gerade wieder mal an dem Punkt in der Saison angekommen, an dem sie sich komplett selbst auseinander nehmen (siehe „Szene der Woche“). Dankbare Nutznießer der Schwächen der Mets und der Phillies sind die Washington Nationals (39-40). Gewinnen sie heute Nacht auch das dritte Spiel gegen die Miami Marlins (30-48), so stehen sie erstmals seit April wieder bei einer ausgeglichenen Bilanz. Das weitere Restprogramm der Nationals bis zur Pause (dreimal Detroit, dreimal Miami, dreimal Kansas City) liest sich ebenfalls sehr vorteilhaft.

Spannung um die Tabellenspitze herrscht momentan nur in einer einzigen Division der MLB und das ist die NL Central. Es ist allerdings eher ein Schneckenrennen, das sich die Chicago Cubs (43-37) und die Milwaukee Brewers (42-38) zurzeit liefern. Beide haben seit über zwei Wochen keine Serie mehr gewonnen. Dadurch sind die St. Louis Cardinals (40-39) zunächst wieder näher gekommen, doch auch die haben sich zuletzt von den Athletics und den Angels dreimal am Stück schlagen lassen. Will denn keiner die Central gewinnen? Vielleicht wollen es ja die Pittsburgh Pirates (37-41), die als einziges Team der Division in sieben der letzten zehn Partien gesiegt haben. Ihr Programm bis zur Pause besteht aus dem Serienfinale gegen Houston und dann sechsmal Brewers und dreimal Cubs. Falls die Pirates in der Mehrzahl dieser Spiele bestehen, sind sie zurecht wieder im Rennen.

Die Los Angeles Dodgers (55-27) sind ebenfalls im Rennen und zwar in diverser Hinsicht: um die NL West, um 100 Siege, um die beste Bilanz der MLB, um das beste Run Differential – in jedem dieser Rennen liegen sie zurzeit klar vorne. Zwischen den Colorado Rockies (42-38), den San Diego Padres (40-40) und den Arizona Diamondbacks (41-41) geht es nach wie vor eng zu. In der Bewerbung um die Wild-Card-Plätze sind zurzeit die Rockies gleichauf mit den Phillies und den Brewers. Würde es am Ende der Saison genauso stehen, würde es vor Beginn der Playoffs zunächst zwei Entscheidungsspiele und dann das eigentliche Wild-Card-Spiel geben. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Wie alle Teams schauen die Rockies, die Diamondbacks und die Padres erstmal auf den Endspurt zum All-Star-Break, in dem übriges jedes von ihnen es noch mehrmals mit den Dodgers zu tun bekommt.

American League
In der American League East hat sich zwischen den ersten drei Teams einiges getan. Die Reihenfolge ist zwar noch die gleiche wie in der letzten Woche, doch die New York Yankees (52-28) haben sich mit einem Lauf von 11 Siegen aus den letzten 12 Spielen inzwischen spürbar abgesetzt. Die Tampa Bay Rays (45-35) hingegen sind seit zwei Wochen völlig von der Rolle, haben in diesem Zeitraum 11 von 14 Spielen verloren. Den Boston Red Sox (44-38) hat das die Chance eröffnet, sich ganz nah heranzuspielen. Zwei Siege in den formellen Heimspielen gegen die Yankees in London (siehe „Einschalttipp“) wären für die Red Sox im Wild-Card-Rennen Gold wert.

Die Minnesota Twins (52-27) sind weiterhin auf Kurs, nicht nur die AL Central zu gewinnen, sondern auch einen neuen Homerun-Rekord aufzustellen: 149 Bälle haben sie schon über den Zaun geschlagen und mit 79 Spielen noch nicht mal ganz die Hälfte der Saison absolviert. Die Bestmarke liegt übrigens bei 267, aufgestellt von den Yankees in der Saison 2018. Die Cleveland Indians (44-36) haben offensichtlich zu alter Stärke zurück gefunden: Vor drei Wochen standen sie noch bei 31-31, inzwischen liegen sie acht Spiele über der ausgeglichenen Bilanz und sind damit einer der Favoriten für eine Wild Card. Die Verletzungssorgen der Indians sind allerdings nicht geringer geworden. Starter Mike Clevinger hielt nach zwei Monaten Verletzungspause lediglich 4.2 Innings durch und musste anschließend mit Knöchelproblemen wieder auf die Injured List. Dort stehen auch Corey Kluber, Danny Salazar, Bradley Zimmer und Dan Otero, die allesamt noch ein Stück entfernt sind vom Comeback.

Für die Houston Astros (50-31) hatte ich letzte Woche eine Mini-Krise attestiert. Die hat sich inzwischen ausgewachsen zu einer richtigen: Gegen die Yankees setzte es drei Niederlagen in vier Spielen, was zusammen mit den vorherigen Ergebnissen in Cincinnati und gegen Toronto eine Serie von sieben Niederlagen ergab. Zwei ermutigenden Auftritten folgte letzte Nacht die höchste Niederlage der Saison beim 2:14 gegen Pittsburgh. Ich erwarte nach wie vor nicht, dass die Astros Probleme haben werden, die AL West zu gewinnen, aber ihren Ruf als ein Über-Team sind sie wohl erst mal los. Im weiteren Feld der Division wird es sehr interessant zu sehen sein, wie die Texas Rangers (44-36), die Oakland Athletics (43-38) und die Los Angeles Angels (41-40) sich bis zur Trade-Deadline positionieren können. Die steht in gut einem Monat an und bis dahin müssen die Teams sich klar werden, ob sie als Buyer oder als Seller auftreten oder schlichtweg untätig bleiben.

Szene der Woche
Zum ersten Mal seit langer Zeit kann ich die Szene der Woche nicht mit einem Video illustrieren: Es war – zum Glück! – keine laufende Kamera dabei, als in der Kabine der New York Mets Manager Mickey Callaway seinen Ausraster gegenüber einem Reporter von Newsday hatte. Vorausgegangen war ein 3:5 gegen die Cubs – zum x-ten Mal in dieser Saison hatte der Bullpen der Mets versagt und eine Führung hergeschenkt. Callaway musste sich die Kritik gefallen lassen, zu lange an dem sichtlich wackligen Reliever Seth Lugo festgehalten zu haben. Seine Nerven lagen daraufhin offensichtlich blank, denn als besagter Journalist ihn nach dem Spiel mit „See you tomorrow, Mickey“ verabschiedete – offenbar in ganz normalem, unironischem Ton –, fühlte er sich davon angegriffen, beschimpfte den Journalisten („Don’t be a smartass, motherfucker!“) und wies ihn an, zu gehen. Als jener nicht sofort reagierte, wurde er auch von Pitcher Jason Vargas mit derben Blicken und Worten und fast sogar tätlich angegangen, was Carlos Gomez und Noah Syndergaard gerade noch verhinderten. Die Peinlichkeit ging am nächsten Tag weiter, indem es bei einer Pressekonferenz zwei Nachfragen brauchte, bis Callaway sich zu einer öffentlichen Entschuldigung durchrang. Das Eis für Callaway in New York ist sichtlich dünn geworden, er scheint sowohl mit dem Management des Teams als auch im Umgang mit den Medien heillos überfordert. Wären Fred und Jeff Wilpon nicht die unberechenbarsten Owner der Liga, so würde ich fest mit einem Trainerwechsel spätestens zum All-Star-Break rechnen.

Statistik der Woche 
1.163. Das ist der aktuelle OPS-Wert von Cody Bellinger. Wenn er diese Leistung bis Ende der Saison beibehält, wäre es der höchste Jahreswert eines qualifzierten Hitters seit Barry Bonds im Jahr 2004 (1.422). Der zweithöchste wäre übrigens der von Christian Yelich, der zurzeit bei 1.149 liegt. So wie es aussieht, dürften Bellinger und Yelich sich ein großartiges Rennen um den diesjährigen MVP-Titel der NL liefern. Im All-Star-Ballot immerhin ist Platz für beide, denn dort werden für jede Liga drei Outfielder gewählt.

Spiel der Woche
Zwei beeindruckende Starts und ein spannendes Ende im Duell zweier Teams, die eine überraschend starke Saison spielen, waren die Zutaten meines Spiels der Woche. Der Auftakt gehörte den Texas Rangers, für die im ersten Inning Nomar Mazara einen wahren Monster-Homerun zur frühen 2:0-Führung schlug. 505 Fuß (154 Meter) weit flog der Ball und war damit gemeinsam mit einem Homerun von Trevor Story aus dem letzten Jahr der weiteste seit Einführung der Statcast-Technologie. Einen guten Start hatte auch Zack Collins für die Chicago White Sox: Der Rookie durfte zum ersten Mal von Beginn an spielen und schlug gleich in seinem ersten At Bat den Ball zu einem 3-Run-Homerun über den Zaun. Später im Spiel glichen die Rangers den Spielstand noch zweimal aus, doch am Ende triumphierten die White Sox nach zehn Innings mit 5:4. Der zweite Held des Spiels für Chicagos junge Truppe war ein weiterer Rookie: Eloy Jimenez brachte sein Team erst durch ein Single im dritten Inning und schließlich endgültig durch einen eigenen Run während eines Bunts im zehnten Inning in Front.

Mein Einschalttipp
Der Einschalttipp für diese Woche liegt auf der Hand: Zum ersten Mal überhaupt trägt die MLB reguläre Saisonspiele auf europäischem Boden aus. Samstag und Sonntag ist es soweit mit den Partien in London und die Paarung könnte attraktiver nicht sein: Titelverteidiger Boston Red Sox und Rekordmeister New York Yankees, die beiden größten Erzrivalen im Baseball, fügen ihrer langen gemeinsamen Geschichte ein neues Kapitel hinzu. Ich werde leider nicht vor Ort sein, bin aber sehr gespannnt auf die Spiele und werde auf jeden Fall am Samstag ab 19:10 Uhr und am Sonntag ab 16:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit reinschauen. Die Möglichkeit dazu gibt es sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv. Falls der eine oder die andere von euch in London sein sollte, würde ich mich sehr über ein paar Berichte von dort freuen.

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Juni 20th, 2019 by Silversurger

Das Maß aller Dinge in der MLB sind momentan die Los Angeles Dodgers: Als erstes Team in diesem Jahr haben sie die Marke von 50 Siegen erreicht – schneller waren, dem Kalenderdatum nach, übrigens allein die Seattle Mariners des Jahres 2001. Eine 100-Siege-Saison der Dodgers scheint damit so gut wie gebucht – was für den Klub sicher ein schöner Erfolg, aber längst nicht zufriedenstellend wäre: Nach zwei verlorenen World Series zählt für die Dodgers dieses Jahr allein der Titel.

American League
Die Tampa Bay Rays (43-31) spielen eine großartige Saison, doch sie haben ein Problem: Sie finden einfach kein Rezept gegen die New York Yankees (46-27). Zum dritten Mal in diesem Jahr trafen die beiden Kontrahenten um die Spitze der American League East in einer Serie aufeinander, zum dritten Mal zogen die Rays den Kürzeren. Mit 3:0, 6:3 und 12:1 fuhren die Yankees einen überzeugenden Sweep ein und stehen nun wieder klar vorne. Dafür, dass das so bleibt, sollen interne und externe Verstärkungen sorgen: Von den Mariners kommt Slugger Edwin Encarnacion im Tausch gegen ein Prospect, zudem ist Giancarlo Stanton aus seiner Verletzungspause zurück und auch Aaron Judge wird wohl heute oder morgen reaktiviert. Nach sieben Siegen in den letzten acht Spielen sind plötzlich auch die Boston Red Sox (41-35) wieder im Rennen. Den Wild-Card-Platz haben sie bereits zurück erobert und mit den Toronto Blue Jays (26-48) steht für sie eine weitere lösbar Aufgabe an.

In der AL Central haben die Minnesota Twins (48-25) durch die verlorene Serie gegen die Red Sox ein bisschen an Boden verloren, doch sie sind immer noch das stärkste Team der AL, und der Abstand auf die Cleveland Indians (39-34) ist nach wie vor komfortabel. Die Indians werden sinnvollerweise weniger auf die Twins schielen als auf die Chance, über eine Wild Card in die Playoffs zu kommen. In dieser Hinsicht könnten die zwei jüngsten Siege gegen die Rangers sich als Big Points erweisen, insbesondere wenn ihnen heute Abend ein dritter folgt (siehe Einschalttipp). Im Anschluss daran warten auf die Indians zwölfmal hintereinander drei der schlechtesten Teams der Liga: sechsmal die Kansas City Royals (25-49) sowie je dreimal die Detroit Tigers (26-44) und die Orioles.

Auch die Houston Astros (48-27) in der AL West haben einen bequemen Vorsprung und dass ihr Star José Altuve seit gestern wieder an Bord ist, wird sie noch stärker machen. Dennoch befinden die Astros sich gerade in einer Mini-Krise: Zum ersten Mal in diesem Jahr haben sie vier Spiele am Stück verloren. Ausgerechnet in dieser Situation wartet alles andere als ein Aufbaugegner, nämlich die schwierige Auswärtsserie bei den New York Yankees. Man darf aber getrost davon ausgehen, dass die Astros nicht lange im Tief verharren werden. Der Rest der Division, mit Ausnahme der tief gefallenen Seattle Mariners (32-46), liefert sich ein enges Rennen um Platz zwei. Die Texas Rangers (39-35) sind nach einer durchwachsenen Woche noch knapp vorne, doch sowohl die Oakland Athletics (39-36) als auch die Los Angeles Angels (38-37) haben sich nah herangearbeitet.

National League
In der National League East ist ordentlich Bewegung: Die Philadelphia Phillies (39-34) haben Serien gegen die Atlanta Braves (44-31) und die Washington Nationals (35-38) und damit auch erstmal den Anschluss an die Spitze verloren. An selbiger stehen die Braves inzwischen recht unangefochten, nachdem sie in den letzten zwei Wochen lediglich zwei Spiele verloren haben. Für sie steht nun eine interessante Serie gegen die Nationals an, die ähnlich gut in Form sind und sich auf Platz drei hochgearbeitet haben. Eine Schrecksekunde für Washington gab es am Dienstag, als ihr Pitching-Ass Max Scherzer sich bei einem missglückten Bunt im Training die Nase brach. Doch der als extrem ehrgeizig und willensstark bekannte Scherzer ließ sich davon nicht beirren und pitchte am Tag danach sieben scorelose Innings mit zehn Strikeouts. Die New York Mets (35-39) sind derweil auf Rang vier abgerutscht. Damit sind sie noch nicht ganz aus dem Rennen, aber angesichts der Matchups bis zum All-Star-Break (@Cubs, @Phillies, Braves, Yankees, Phillies) sind meine Hoffnungen für sie relativ gering.

Die Chicago Cubs (40-33) und die Milwaukee Brewers (40-34) liefern sich weiterhin ein munteres Wechselspiel um die Spitze der NL Central. Seit letzter Nacht sind wieder die Cubs vorne: Ein Split im Stadtduell gegen die White Sox genügte ihnen dafür, weil die Brewers sich in San Diego sweepen ließen. Richtig rund lief es zuletzt weder bei den Cubs noch bei den Brewers, daher konnten die St. Louis Cardinals (38-35) sich mit Erfolgen gegen die Marlins und die Mets zurück in die Spitzengruppe arbeiten. Auch die Cincinnati Reds (34-38) und die Pittsburgh Pirates (33-40) sind noch in Schlagweite innerhalb dieser knappsten aller MLB-Divisionen.

Wie eingangs schon erwähnt, sind die Los Angeles Dodgers (50-25) das stärkste Team der bisherigen Saison. Als solches sind sie auch in der NL West völlig unangefochten. Die Musik spielt hier eher im Ringen um Platz zwei: Die Colorado Rockies (39-34) haben zurzeit die beste Ausgangsposition, müssen aber nach bereits zwei Niederlagen heute noch einmal gegen die Arizona Diamondbacks (38-37) und am Wochenende dreimal in Dodger Stadium antreten. Gleichauf mit den Diamondbacks hoffen die San Diego Padres (38-37), ihre derzeitige Erfolgsserie auch in Pittsburgh und Baltimore fortsetzen zu können.

Szene der Woche
Die erstaunlichste Szene der letzten sieben Tage ist und bleibt für mich der Intentional Balk von Kenley Jansen. Da ich den aber bereits in einem eigenen Artikel beleuchtet habe, gehe ich hier den konservativen Weg und widme mich den in dieser Woche geschlagenen Cycles. Von dieser besonderen Hitting-Leistung – dem Erzielen je eines Singles, Doubles, Triples und eines Homeruns durch einen Spieler in einem Spiel – gibt es selten mehr als eine Handvoll pro Saison. Am Donnerstag und am Freitag gab es zum ersten Mal seit 1912 zwei an direkt aufeinander folgenden Tagen. Den Anfang machte Shohei Ohtani beim 5:3-Sieg seiner Angels in Tampa Bay:

Tags darauf folgte Clevelands Jake Bauers mit einer nicht weniger beeindruckenden Performance beim 13:4-Sieg in Detroit:

Statistik der Woche 
92. So viele Runs scorten die Colorado Rockies und die San Diego Padres während ihrer vier Duelle am letzten Wochenende. Das sind mehr Runs als je zuvor in einer 4-Spiele-Serie erzielt wurden. Es fielen noch ein paar mehr Rekorde in dieser verrückten Serie bei perfektem Wetter im hitterfreundlichsten Ballpark der Liga: Rockies-Leadoff Charlie Blackmon allein gelangen 15 Hits, ebenfalls die meisten in einer 4-Spiele-Serie. Im wildesten Spiel der Serie schafften es am Freitag die Padres zum ersten Mal in ihrer Geschichte, einen Rückstand von 6 Runs umzudrehen. Am Ende gewannen sie 16:12 in zwölf Innings. Die anderen Partien kamen ohne Extra-Innings aus: Colorado siegte am Donnerstag 9:6 und am Samstag 14:8, bevor am Sonntag noch mal die Padres mit 14:13 die Nase vorn hatten. Hier der Beweis, dass tatsächlich Baseball gespielt wurde, auch wenn die Ergebnisse eher nach Football klingen:

Spiel der Woche
Es ist mal wieder Zeit, „unseren“ Major Leaguer zu feiern: Max Kepler hatte Dienstagnacht das vielleicht aufregendste Spiel seiner Karriere. Dabei war er noch nicht mal von Anfang an dabei, sollte eigentlich einen Ruhetag bekommen während der Partie seiner Twins gegen die Red Sox. Doch er kam im sechsten Inning als Pinch Hitter und wurde anschließend im Spiel gelassen – zum Glück für die Twins, denn ohne ihren deutschen Star hätten sie wohl ziemlich sicher verloren und damit erstmals in dieser Saison drei Niederlagen in Folge eingesteckt. Im siebten Inning ging Boston 2:1 in Führung – im achten glich Kepler den Stand durch einen RBI-Single aus und rettete sein Team in die Verlängerung. Im dreizehnten Inning brachte Mookie Betts die Red Sox erneut in Front – Kepler konterte mit einem Homerun und hielt das Spiel offen. Im siebzehnten Inning schließlich entschied Kepler die Partie mit einem Walk-off-Single bei geladenen Bases zum 4:3.

Mein Einschalttipp
Zwei Teams am Scheideweg treffen sich heute zur besten deutschen Sendezeit (ab 20:05 Uhr) zum Finale ihrer 4-Spiele-Serie: Die Texas Rangers empfangen die Cleveland Indians. Die Rangers benötigen einen Sieg, um sich nach 7:2, 3:10 und 4:10 wenigstens den Split zu sichern. Noch ist es etwas zu früh in der Saison, um ernsthaft an die Verteilung der Wild Cards zu denken. Aber zurzeit deutet einiges darauf hin, dass diese beiden Teams bis zum Ende zu den heißen Kandidaten um den Hintereingang in die Playoffs gehören werden. Als Starting Pitcher werden Mike Minor (2.63 ERA, 3.72 FIP) für die Rangers und Shane Bieber (3.92 ERA, 3.89 FIP) für Cleveland antreten. Das Spiel gibt es auf DAZN über MLB Network sowie natürlich auf mlb.tv zu sehen.

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