November 15th, 2018 by Silversurger

Diese Woche steht der Grand Slam ganz im Zeichen der offiziellen MLB-Awards für die Saison 2018. Die besten Rookies, die besten Manager und die besten Pitcher des Jahres wurden in den letzten Tagen bekannt gegeben. Nun richtet sich die Spannung auf die wichtigste Einzelauszeichnung, den Most Valuable Player (MVP) in beiden Teilligen. Die wichtigsten sonstigen Nachrichten der Woche sind, dass in Baltimore eine GM-Karriere neu beginnt, in Minnesota eine bedeutende Spielerkarriere endet und die Karriere des Spitzenfunktionärs der MLB um fünf Jahre verlängert wird.

Cy-Young-Awards für Snell und deGrom
Die beiden herausragenden Pitcher des Jahres sind Blake Snell von den Tampa Bay Rays in der American League und Jacob deGrom von den New York Mets in der National League. In der AL war es ein relativ knappes Rennen zwischen Snell und Houstons Justin Verlander. Snell setzte sich am Ende mit 17 ersten Plätzen auf den 30 Wahlzetteln und mit insgesamt 169 Punkten durch, während Verlander die restlichen 13 Erstplatzierungen und 154 Gesamtpunkte hatte. Für deGrom war es eine sehr viel deutlichere Angelegenheit: 29 von 30 Erststimmen und 207 Gesamtpunkte entfielen auf ihn, der Abstand auf Washingtons Max Scherzer mit einem einzigen ersten Platz und 123 Punkten war riesig. Im Endeffekt haben sich also die Pitcher durchgesetzt, die in der populärsten Statistik – dem Earned Run Average – vorne lagen. 1.70 ERA von deGrom und 1.89 ERA von Snell ergeben das erste Mal in der über 50-jährigen Geschichte des Awards, dass die Preisträger in beiden Ligen einen Wert von unter 1.90 aufweisen.

Ohtani und Acuna die besten Rookies
Die Wahlen zum besten Neuling des Jahres gingen in beiden Ligen eindeutig aus. In der NL landete Outfielder Ronald Acuna Jr. von den Atlanta Braves mit 27 ersten Plätzen deutlich vor Washingtons Juan Soto und Walker Buehler von den Dodgers. Das war einigermaßen erwartbar, im Gegensatz zum Ergebnis der AL: Shohei Ohtani, Two-Way-Star als Pitcher und Batter für die Los Angeles Angels, landete auf 25 von 30 Wahlscheinen ganz vorne und ließ die Yankees-Infielder Miguel Andujar und Gleyber Torres abgeschlagen auf den Plätzen zwei und drei landen. Andujar galt vorher als Mitfavorit auf Augenhöhe, aber am Ende führte dann für eine Mehrzahl der Wahlberechtigten trotz Verletzung offensichtlich kein Weg vorbei an dem spektakulären Multitalent aus Japan.

Manager des Jahres sind Melvin und Snitker
Mit Bob Melvin von den Oakland Athletics und Brian Snitker von den Atlanta Braves gewannen zwei Manager die jährliche Auszeichnung, die ihre jeweiligen Teams zu überraschend starken Saisons gecoacht haben. Melvin gelang es, mit den Athletics und ihrem Low-Budget-Kader 97 Siege zu erzielen und bis in die Wild-Card-Runde der AL vorzudringen. Für diese Leistung erhielt er 18 von 30 Erststimmen. Auf Platz zwei landete Alex Cora vom World-Series-Sieger Boston Red Sox. Snitker brachte es mit seinem jungen Team auf eine Bilanz von 90-72, was genau der Kehrwert der vorherigen Saison der Braves war und für den Gewinn der NL East reichte. Bei der Wahl zum NL-Manager des Jahres kam er 17-mal auf den ersten Platz und gewann den Award knapp von Craig Counsell von den Milwaukee Brewers. Man muss an dieser Stelle noch mal herausstellen, dass alle Awards, die diese Woche vergeben wurden und noch werden, sich ausdrücklich auf die reguläre Saison beziehen. Die Wahl durch die Journalistenvereinigung BBWA fand direkt vor dem Start der Postseason statt und somit ohne Berücksichtigung von Erfolgen oder Misserfolgen in den Playoffs.

MVP-Awards folgen heute Nacht
Heute Nacht, zwischen 0 und 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit, werden die höchsten Auszeichnungen vergeben, die man als Spieler in einer Saison erreichen kann. Genau wie für die anderen Awards wurden vorher jeweils drei Finalisten bekannt gegeben. In beiden Ligen gibt es klare Favoriten und es wäre eine große Überraschung, wenn nicht Mookie Betts in der AL und Christian Yelich in der NL die begehrte Trophäe erhielten. Die anderen Finalisten – José Ramirez und Mike Trout in der AL, Nolan Arenado und Javier Báez in der NL – stehen alle mit Recht auf dem Treppchen, aber an Betts und Yelich dürfte dieses Jahr kein Weg vorbei führen. Beide dominieren sowohl die traditionellen als auch die fortgeschrittenen Statistiken und beide haben auch ihr Team zu hervorragenden Saisons geführt.

Die Orioles haben einen neuen General Manager
Den Baltimore Orioles steht nach einer katastrophalen Saison und dem Abgang diverser Topspieler ein umfassendes Rebuilding ins Haus. Die Verantwortung für dessen Umsetzung wird in die Hände von Mike Elias gelegt, der den Posten des General Managers übernimmt. Der 35-jährige Elias war bisher Assistenz-GM bei den Houston Astros und dort vor allem für Spielerverpflichtungen verantwortlich. Diesen Job hat er offensichtlich nicht ganz schlecht gemacht, denn die Astros haben unter seiner Mitwirkung die World Series 2017 gewonnen und waren auch dieses Jahr eines der stärksten Teams der Liga. Für das 115-Niederlagen-Team Baltimore ist es bis dahin noch ein weiter Weg, aber von den Astros zu lernen ist sicher kein schlechtes Rezept.

Alex Cora bleibt länger
Die Boston Red Sox hatten ihren vor der Saison neu verpflichteten Manager Alex Cora zunächst mit einem Vertrag bis 2020 plus Cluboption für 2021 ausgestattet. Nach Coras extrem erfolgreichen ersten Jahr mit der gewonnenen World Series und dem zweiten Platz als Manager des Jahres wurde er nun damit belohnt, dass sein Vertrag um ein Jahr verlängert wurde. Er läuft nun fest bis 2021, anschließend hat unverändert der Verein die Option auf ein weiteres Jahr.

Joe Mauer beendet seine Karriere
Nach 15 Jahren in der MLB, alle für die Minnesota Twins, beendet Catcher Joe Mauer seine Karriere. Mauer war für lange Zeit das Gesicht der Twins-Franchise. Er wuchs als Fan der Twins in St. Paul auf und wurde von diesen im Jahr 2001 als Nummer-1-Pick gedraftet. Er erreichte sechsmal das All-Star-Team und war 2009 MVP der Liga. 2006, 2008 und 2009 führte er die AL mit dem höchsten Batting Average an – damit war er der erste Catcher in der AL, der einen Batting-Titel gewann und der erste Catcher in der gesamten MLB, dem dies dreimal gelang. Langweilig dürfte es für Mauer zu Hause so schnell nicht werden, denn wenige Tage nach dem Verkünden seines Ruhestands wurden er und seine Frau Eltern ihrer dritten Tochter.

Fünf weitere Jahre für Manfred
In Atlanta findet derzeit ein Treffen der Teambesitzer statt. Wichtigster Tagesordnungspunkt: Der Vertrag von Rob Manfred als Commissioner der MLB wird um fünf Jahre verlängert. Formal handelt es sich um eine Abstimmung, aber ist ganz stark zu erwarten, dass diese einstimmig zu Gunsten von Manfred ausfallen wird. Der 60-Jährige steht der Liga seit 2015 vor. In seiner Amtszeit wurden Rekordumsätze erzielt und es wurde ein neuer Rahmenvertrag mit der Spielergewerkschaft ausgehandelt, der allgemein als sehr günstig für die Teambesitzer gilt. Vor diesem Hintergrund gibt es aus Sicht der Vereine kaum etwas, das gegen eine Verlängerung seiner Amtszeit spricht.

Nur Ryu akzeptiert das Qualifying Offer
Sieben Spieler mit auslaufendem Vertrag hatten vor 14 Tagen von ihrem Team ein sogenanntes Qualifying Offer über 17,9 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr erhalten. Bryce Harper, Dallas Keuchel, Patrick Corbin, A. J. Pollock, Yasmani Grandal und Craig Kimbrel haben dieses Angebot allesamt abgelehnt. Das war zu erwarten, aber als Formsache mussten die Teams das Angebot unterbreiten. Damit sicherten sie sich die Chance, einen hohen Draftpick als Kompensation zu erhalten, wenn die Spieler woanders unterschreiben. Der einzige, der das Angebot angenommen hat, ist Hyun-Jin Ryu. Der südkoreanische Linkshänder bleibt somit den Los Angeles Dodgers für 2019 als Starting Pitcher erhalten. Der 31-Jährige schloss die Saison 2018 mit einem ERA von 1.97 und 3.00 FIP ab.

James Paxton auf dem Tradeblock?
Die Offseason ist immer auch die Zeit der Trade-Spekulationen. Dass gerade die Seattle Mariners unter GM Jerry Dipoto einem guten Deal (oder einem, den sie dafür halten) nie abgeneigt sind, ist ebenfalls bekannt. Von daher kann es gut sein, dass sich das aktuell heißeste Gerücht bewahrheitet: James Paxton, das aktuelle Ass der Mariners, soll für einen Trade zur Verfügung stehen. Angesichts des relativ dünnen Free-Agent-Marktes für Starting Pitcher dürfte sich eine ganze Reihe von Interessenten finden, allen voran vermutlich die Yankees und die Astros.

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November 1st, 2018 by Silversurger

Seit vier Tagen ist die MLB-Saison 2018 Geschichte. Die Boston Red Sox sind noch mitten in den redlich verdienten Feierlichkeiten nach der souverän gewonnenen World Series, alle anderen machen sich mehr oder weniger intensiv Gedanken, wie man den Bostonern im nächsten Jahr das Leben schwerer machen kann als in diesem. Das gilt ganz besonders für die Los Angeles Dodgers, bei denen nach der verlorenen Finalserie zwei wichtige Personalentscheidungen anstehen.

Hier auf dem Baseblog ist die Offseason traditionell die Zeit, in der ich mich neben dem aktuellen Geschehen verstärkt mit Hintergrundthemen wie  Taktiken, Geschichte, Ballparks und so weiter beschäftige. Es wird dazu wieder das beliebte Wunschkonzert geben, das ich mit einem Artikel am kommenden Wochenende starten werde. Also haltet die Augen offen, denn es lohnt sich, beim Wünschen schnell zu sein.

Die World Series
Die World Series ist nun schon ein paar Tage her und ich fange jetzt nicht noch mal damit an, jedes einzelne Spiel durchzugehen. Stattdessen stelle ich die Frage, was von dieser Finalserie in Erinnerung bleiben wird. Mir fällt dazu Folgendes ein:

  • Das längste Spiel der World-Series-Geschichte (siehe „Statistik der Woche“).
  • Nathan Eovaldi, dessen Einsatz als Starting Pitcher dreimal vorgesehen war, aber nie zustande kam, weil er stattdessen im Dienst der Mannschaft immer wieder in kritischen Situationen Relieve-Aufgaben übernahm.
  • Die große Ausgewogenheit des Bostoner Lineups, das sowohl Homeruns als auch Smallball beherrscht und aus dem sich quasi in jedem Spiel ein neuer Held in den Vordergrund schiebt, auch wenn es für die drei, vier Top-Hitter mal nicht rund läuft.
  • David Price, der mit zwei hervorragenden Starts wohl endgültig den Ruf hinter sich gelassen hat, kein guter Playoff-Pitcher zu sein.
  • Clayton Kershaw, der genau das nicht geschafft hat – zwei World-Series-Starts mit einem ERA von 7.36 sind nicht das, was man von einem der – wenn nicht sogar dem – besten Pitcher der Welt erwartet.
  • Kenley Jansen, der als Closer das ist, was Kershaw als Starter ist: Weltspitze, aber in der World Series zum zweiten Mal hintereinander eine herbe Enttäuschung.
  • Ein eiskaltes Batting-Lineup der Dodgers, das es in der World Series auf einen Batting Average von nur .180 brachte. Das ist indiskutabel zu wenig; auch für ein Team, das von seiner Grundanlage her mehr auf Homeruns als auf einen hohen Average ausgerichtet ist.
  • Die Red Sox haben ihren Titelgewinn gestern in Boston mit einer großen Parade gefeiert und können sich nach nunmehr vier gewonnenen World Series innerhalb von 15 Jahren mit Fug und Recht das Team des bisherigen Jahrtausends nennen. 2004, 2007, 2013 und nun 2018 sind die Jahreszahlen der Meisterschaften des erfolgreichsten MLB-Teams seit dem Hattrick der New York Yankees von 1998 bis 2000. Das war damals übrigens auch das bisher letzte Mal, dass ein Team seinen World-Series-Titel verteidigen konnte. Die Red Sox scheinen nach dem überragenden Jahr mit 108 Saisonsiegen und einer durchweg dominanten Postseason ein heißer Kandidat, dieses Kunststück vollbringen zu können. Dafür spricht nicht zuletzt, dass aller Wahrscheinlichkeit nach die Meistermannschaft größtenteils beisammen gehalten werden kann. Craig Kimbrel, Nathan Eovaldi und Joe Kelly sind die hochkarätigsten Free Agents, alle anderen Leistungsträger haben noch Verträge.

    Für die Dodgers stellt sich unterdessen nach der zweiten verlorenen World Series hintereinander die Frage, ob und wie man die Kraft für einen dritten Anlauf findet. Vieles wird an der Frage hängen, ob Superstar Clayton Kershaw sich entscheidet, in Los Angeles zu bleiben. Sein Siebenjahresvertrag mit den Dodgers, von dem noch zwei Jahre ausstehen, enthält eine einseitige Ausstiegsklausel, die er innerhalb von drei Tagen nach Saisonende hätte ziehen können. Das hat er bisher nicht getan, aber er hat sich mit dem Verein auf eine Fristverlängerung bis Freitagnachmittag geeinigt. Das scheint dafür zu sprechen, dass er sich die Entscheidung nicht leicht macht. Viel mehr Geld wird woanders allerdings kaum zu verdienen sein: Mit einem Jahresgehalt von 33 Millionen Dollar ist Kershaw bereits der bestbezahlte Pitcher und der zweitbestbezahlte Baseballspieler der Welt.

    Neben Kershaws Zukunft ist auch die von Manager Dave Roberts ungeklärt. Sein Vertrag läuft aus und bislang haben die Dodgers öffentlich keine klaren Signale gesendet, ob man an einer Verlängerung interessiert ist. Während seiner bislang drei Jahre im Amt hat Roberts 287 Spiele gewonnen und 200 verloren. Er hat sein Team in jedem Jahr an die Spitze der NL West und zweimal hintereinander bis in die World Series geführt. Das ist eine beeindruckende Bilanz, aber man muss auch erwähnen, dass Roberts während der Playoffs mehrfach Kritik für sein Lineup- und Bullpen-Management einstecken musste. Soweit ich es einschätzen kann, gilt Roberts Verbleib als völlig offen.

    Szene der Woche
    Hätte irgend jemand ein Drehbuch zur World Series geschrieben, er hätte wohl keine bessere Schlussszene erfinden können als die, die sich am Sonntag ereignet hat. Auf dem Mound stand Chris Sale, der Top-Pitcher der Red Sox. Er hätte zur tragischen Figur der Postseason werden können, weil er nach einer hervorragenden regulären Saison von einer Magenerkrankung geplagt war und seine Leistung nicht so abrufen konnnte wie gewohnt. Doch das Ende war für ihn mehr als versöhnlich: Er pitchte das neunte Inning des entscheidenden Spiels und schickte alle drei Batter per Strikeout von der Platte. Beim dritten Aus war ausgerechnet Manny Machado am Schlag. Der kurz vor der Trade-Deadline verpflichtete Shortstop der Dodgers hatte während der Playoffs kräftig an seinem Badboy-Image gearbeitet mit mehreren schlecht verdeckten Fouls und mit höhnischem Grinsen über die Buhrufe, die er für seine Aktionen erhielt. Die letzte Szene der Saison also war ein Strikeout von Sale gegen Machado. Nicht irgendein Strikeout, sondern ein perfekter Slider, der Machado so hart daneben schwingen ließ, dass er dabei auf die Knie ging. Baseball kann so schön sein.

    Statistik der Woche
    7:05. So viele Stunden dauerte – nein, nicht Spiel drei der World Series 2018. Das dauerte 7:20 Stunden und somit eine glatte Viertelstunde länger als die gesamte World Series 1939. Auch damals gab es schon den Modus „Best of 7“, also vier Siege bis zum Gewinn der Championship. Die New York Yankees schlugen damals die Cincinnati Reds in 4:0 Spielen.

    Der Rest der Liga
    Beginnen wir mit der traurigsten Nachricht dieser Baseballwoche: Willie McCovey ist tot. Der legendäre First Baseman der San Franciso Giants starb gestern im Alter von 80 Jahren. McCovey spielte von 1959 bis 1980 in der MLB, den größten und erfolgreichsten Teil davon für die Giants. Sein Name wird unsterblich bleiben, nicht nur weil McCovey 1986 in die Hall of Fame gewählt wurde und weil die Giants seine Nummer 44 retired haben, sondern vor allem weil die Bucht hinter der Rightfield-Tribüne von AT&T-Park – das Ziel der berühmten Splash-Hits – im Gedenken an den linkshändigen Slugger allseits als „McCovey Cove“ bekannt ist.

    In den MLB-Franchises geht es ab sofort und für die nächsten Monate vor allem um die Kaderzusammenstellung zur kommenden Saison 2019. Bei den New York Mets musste dafür erst mal ein neuer Verantwortlicher gesucht werden, nachdem General Manager Sandy Alderson während der Saison zurückgetreten war. Die Entscheidung fiel auf Brodie Van Wagenen, einen bisherigen Spieleragenten. Als solcher war Van Wagenen sehr einflussreich, hatte viele namhafte Klienten. Zu selbigen gehörten zum Beispiel die Mets Jacob deGrom, Noah Syndergaard, Yoenis Cespedes und Brandon Nimmo sowie von anderen Teams Robinson Cano, Ryan Zimmerman und Ryan Howard. Der 44-jährige Van Wagenen ist ein Verhandlungsprofi und gilt als guter Analytiker. Interessant wird sein, wie sich sein Wechsel von der Seite der Spieler- zur Seite der Klubvertreter auswirkt. Schließlich hat er nun die Macht und die Verantwortung, seinen Ex-Klienten zu erklären, ob sie aus Sicht des Vereins wirklich die Verträge verdienen, die er als Agent vor Kurzem noch für sie gefordert hat.

    Auch die Toronto Blue Jays sind auf der Suche nach einem neuen leitenden Angestellten fündig geworden. Bei ihnen war es der Posten des Managers, der zu besetzen war. Zur Erinnerung: Das ist im Gegensatz zum General Manager das, was man in anderen Sportarten als Headcoach bezeichnet. Diese Stelle wird ab sofort Charlie Montoyo ausfüllen. Montoyo hat als Spieler nur sehr kurz in die MLB hinein schnuppern dürfen, als Manager dürfte er aber nach 18 Jahren im Minor-League-System sowie drei Jahren als Third-Base-Coach und einem Jahr als Bench-Coach der Tampa Bay Rays wissen, was auf ihn zukommt. Die Coaches der Rays sind dieses Jahr heiß begehrt: Letzte Woche wurde schon Rocco Baldelli als neuer Manager der Twins vorgestellt und Matt Quatraro galt ebenfalls als Kandidat für einen höheren Posten. Den erhält er jetzt bei den Rays, indem er nach Montoyos Wechsel vom Third-Base-Coach zum Bench Coach aufsteigt.

    Kein neues Personal gibt es bei den Oakland Athletics, hier setzt man stattdessen auf Kontinuität: Vizepräsident Billy Beane, General Manager David Forst und Manager Bob Melvin erhielten allesamt frühzeitig neue Verträge, bevor die alten in einem Jahr ausgelaufen wären. Das ist ein klarer Vertrauensbeweis der Klubführung, den das Trio sich durch die sensationell starke Saison ihres Low-Budget-Teams redlich verdient hat.

    Eine der ersten Entscheidungen, die sämtliche General Manager in der Offseason zu treffen haben, ist die über sogenannte Qualifying Offers an Spieler. Ein Qualifying Offer ist ein Vertragsangebot über einen ligaweit einheitlichen Betrag – derzeit rund 17,9 Millionen Dollar – für einen Einjahresvertrag. Dieses Angebot kann man einem Spieler mit auslaufendem Vertrag machen, wenn er a) noch nie in seiner Karriere ein solches Angebot erhalten hat und b) die gesamte abgelaufende Saison im Kader des Vereins verbracht hat. Wahrscheinliche Kandidaten für ein Qualifying Offer sind dieses Jahr zum Beispiel Bryce Harper, Patrick Corbin, Dallas Keuchel und Craig Kimbrel – und auch Clayton Kershaw, falls er die oben erwähnte Option zieht. Wer so ein Angebot erhält, hat eine Woche Zeit, es anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation.

    Neben dem allgemein geregelten Verfahren der Qualifying Offers stehen dieser Tage zahlreiche Entscheidungen über Optionen an, auf die sich die Klubs und die Spieler in den einzelnen Verträgen geeinigt haben. Um nur ein paar der schon ausgeübten oder abgelehnten Optionen zu nennen: Die Diamondbacks haben die Option für Paul Goldschmidt (14,5 Millionen) gezogen, die Giants die für Madison Bumgarner (12 Millionen) und die für Pablo Sandoval (550.000), die Red Sox die für Chris Sale (16 Millionen) und die Indians die für Carlos Carrasco (9 Millionen); abgelehnt wurden hingegen die Möglichkeiten, James Shields für 16 Millionen bei den White Sox, Ervin Santana für 14 Millionen bei den Twins und Gerardo Parra für 12,5 Millionen bei den Rockies zu halten. Diese Spieler werden nun ebenso Free Agents wie Mike Moustakas (15 Millionen) und Joakim Soria (10 Millionen), die sich selbst dagegen entschieden, ihre Verlängerungsoption bei den Brewers zu ziehen. David Price hingegen hat seine Option genutzt und sich damit vier weitere Jahre bei den Red Sox für insgesamt 127 Millionen Dollar gesichert.

    Keine formell vereinbarten Optionen hat J. T. Realmuto, der Catcher und letzte verbliebene Star der Miami Marlins. Sein Erstvertrag läuft noch für zwei Jahre und die muss er, wenn der Klub darauf besteht, bei den Marlins verbringen. Das Tischtuch zwischen den beiden Seiten scheint allerdings zerschnitten, denn Realmuto und sein Agent Jeff Berry ließen bereits öffentlich verlauten, er werde „zum Start des Spring Trainings definitiv ein anderes Trikot tragen“. Mit anderen Worten: Realmuto will kein Teil von Miamis Rebuilding-Projekt sein und verlangt einen Trade. Das könnte eine der interessanten Geschichten dieser Offseason werden.


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    Oktober 29th, 2018 by Silversurger

    Die Boston Red Sox haben es geschafft: Mit einem 5:1-Sieg über die Los Angeles Dodgers in der vergangenen Nacht haben sie den Gewinn der World Series perfekt gemacht und ihrer extrem dominanten Saison 2018 die Krone aufgesetzt.

    Wahnsinnnig spannend haben sie es das ganze Jahr über nicht gemacht: 108 Siege in der regulären Saison, 3:1 Siege gegen die Yankees in der ersten Playoffrunde, 4:1 Siege gegen die Astros in der zweiten Runde und nun erneut 4:1 Siege gegen die Dodgers in der World Series. Diese Resultate sprechen dafür, dass gegen die Red Sox in diesem Jahr einfach kein Kraut gewachsen war. Egal, ob man das Batting Lineup, die Starting Rotation, den Bullpen oder das Feldspiel betrachtet – in allen Bereichen hatten die Bostoner erstklassige Einheiten am Start und dann hatten sie in Alex Cora auch noch einen Manager, der gleich in seinem ersten Jahr im Job den Ruf erworben hat, quasi jederzeit die richtigen Entscheidungen zu treffen.

    Das denkwürdigste Spiel der diesjährigen World Series wird sicher Spiel drei bleiben. Es war das einzige, das die Dodgers gewinnen konnten, wobei sie mit 7:20 Stunden und 18 Innings die längste World-Series-Partie aller Zeiten benötigten, um die Red Sox wenigstens einmal niederzuringen. In Spiel vier sah es kurz danach aus, als könnten die Dodgers nachlegen und die Serie auf 2:2 ausgleichen, doch ein Homerun von Steve Pearce gegen Kenley Jansen im achten Inning brachte die Sox zurück ins Spiel, das sie dann im neunten Inning für sich entschieden – nicht zuletzt durch einen bases-clearing Double von Pearce. Auch Spiel fünf wurde in der Offensive vor allem durch Pearce geprägt, dessen zwei Homeruns sowohl den Startschuss als auch den Schlusspunkt des Bostoner Runscorings darstellten. Folgerichtig wurde Pearce anschließend zum wertvollsten Spieler der World Series gewählt.

    Ich bin leider gesundheitlich gerade etwas angeschlagen (keine Sorge, es ist „nur“ ein ordentlicher Männerschnupfen) und habe während dieser letzten drei Spiele entgegen meiner sonstigen World-Series-Gewohnheit darauf verzichtet, mir die Nächte für das Liveerlebnis um die Ohren zu schlagen. Auch dieser Artikel fällt deswegen erst mal knapp aus – im kommenden Grand Slam am Donnerstag werde ich die World Series 2018 noch mal in angemessener Ausführlichkeit würdigen.

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    Oktober 25th, 2018 by Silversurger

    Der Grand Slam am Donnerstag meldet sich zur ersten Reisepause der World Series und derzeit sieht es so aus, als könnte die Meisterschaft dieses Jahr recht schnell entschieden sein. Die ersten beiden Spiele gingen an die Boston Red Sox, welche damit schon die halbe Miete eingefahren haben. Die Los Angeles Dodgers müssen ihre Hoffnung darauf setzen, dass es in den anstehenden Heimspielen besser läuft als in den Auftaktpartien in Fenway Park.

    Da in diesen Tagen sowieso jedes Spiel interessant und wichtig ist, verzichte ich heute auf die Kategorien „Spiel der Woche“ und „Einschalttipp“. Stattdessen werfe ich am Ende des Artikels einen Blick darauf, was sich neben der Finalserie im Rest der Liga tut. Schließlich schlafen auch die 28 bereits ausgeschiedenen Teams nicht und einige von ihnen haben in den letzten Tagen entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt.

    Die World Series
    Spiel eins war die nahtlose Fortsetzung der bisherigen Postseason der Boston Red Sox: Genau wie die Spiele der ALCS – und auch die meisten der ALDS – war es eine spannende, lange offene Partie, in der die Red Sox in den entscheidenden Momenten die besseren Entscheidungen trafen und so den Sieg sicherten. Das erwartete Pitcherduell zwischen Clayton Kershaw und Chris Sale war schnell Makulatur, denn beide hielten nur vier Innings durch. Kershaw kehrte nach einem starken Auftritt gegen die Brewers zurück in seinen alten Postseasontrott, in dem er nicht derselbe Pitcher ist, den man aus der regulären Saison kennt. 4.0 Innings, 7 Hits, 3 Walks, 5 Earned Runs lautete seine Bilanz. Chris Sale ließ in ebenso vielen Innings 5 Hits, 2 Walks, 3 Runs zu und konnte die bestehenden Zweifel an seinem Gesundheitszustand nicht ausräumen. So mussten beide Teams frühzeitig ihren Bullpen strapazieren. Die Red Sox brachten für ein Inning sogar Nathan Eovaldi, obwohl der ursprünglich als Starter in Spiel drei vorgesehen war. Eovaldi rechtfertigte die Entscheidung mit einem perfekten Outing und nährte damit die verbreitete Wahrnehmung, dass Red-Sox-Manager Alex Cora derzeit nicht in der Lage ist, irgendetwas falsch zu machen. Das gilt auch für die Wahl von Eduardo Nunez als Pinch Hitter. Der Infielder, der sonst regelmäßig gegen Linkshänder startet, begann das Spiel wider Erwarten auf der Bank, durfte dann aber im siebten Inning gegen Linkshänder Alex Wood ran. Seinen Frust über den entgangenen Start legte er wohl komplett in den Schwung, mit dem er den Ball zum 3-Run-Homerun über das grüne Monster drosch und damit eine Vorentscheidung herbeiführte.

    Apropos Linkshänder: Auf Seiten der Dodgers war interessant zu beobachten, wie konsequent Manager Dave Roberts das Matchup-Spiel durchzog. Er ließ gegen Linkshänder Sale in Spiel eins und Linkshänder David Price in Spiel zwei keinen einzigen linkshändigen Batter starten, noch nicht mal den NLCS-MVP Cody Bellinger. Im Laufe der Partien reagierte er dann immer wieder auf neue Pitcher, nutzte alle Positionsspieler seines Dugouts für Auswechslungen und Verschiebungen. In jedem der beiden Spiele fanden sich am Ende nur drei Spieler noch auf der Position wieder, auf der sie begonnen hatten.

    Auch Spiel zwei in der vergangenen Nacht folgte dem Muster, nach dem die Red Sox zurzeit ihre Siege einzufahren pflegen: im Duell der Starter hält man das Spiel offen, den Rest besorgen ein fantastisch aufgelegter und organisierter Bullpen sowie täglich ein anderer Held, der den entscheidenden Hit beisteuert. Dieses Mal kam diese Rolle J. D. Martinez zu, der im fünften Inning bei geladenen Bases ins Rightfield singelte und zwei Runs zur Führung über die Platte brachte – natürlich in einer Situation mit zwei Outs, denn auch das ist inzwischen fast schon eine Bostoner Tradition. Der Bullpen der Red Sox hat in den beiden Partien insgesamt acht Innings gepitcht und dabei lediglich drei Hits und nur einen einzigen Run zugelassen. Auch im zweiten Spiel wurde Eovaldi für ein exzellentes Relief-Inning eingesetzt, was seinen eigenen Start auf Spiel vier verschieben dürfte – vorausgesetzt, er wird nicht auch in Spiel drei wieder aus dem Bullpen gebraucht. Für die Red Sox war es übrigens das hundertste gewonnene Postseason-Spiel der Vereinsgeschichte.

    Ab Freitagnacht gastiert die World Series für mindestens zwei Tage in Los Angeles (drei, sofern die Dodgers zumindest einmal gewinnen). Der wichtigste Unterschied zu den Spielen im Fenway Park ist, dass die Partien in Dodger Stadium ohne Designated Hitter gespielt werden und stattdessen die Pitcher Teil des Batting-Lineups sind. Das dürfte ein kleiner Vorteil für die Dodgers sein, die das aus ihrem Alltag in der National League gewohnt sind. Auch sonst gibt es Unterschiede zwischen den Ballparks: Dodger Stadium gilt als ein eher pitcherfreundliches Stadion, während Fenway Park ein angenehmes Pflaster speziell für rechtshändige Batter ist.

    Als Starting Pitcher werden in Spiel drei Walker Buehler für die Dodgers und Rick Porcello fur die Red Sox antreten. Es wird das erste Rechtshänder-Duell der Serie, sodass in den Lineups beider Teams einige Umstellungen in Reaktion darauf zu erwarten sind.

    Vorsicht beim Weckerstellen: Zwar beginnen nach amerikanischer Zeit auch die restlichen Partien der World Series jeweils ein paar Minuten nach 20 Uhr Eastern Time, aber weil wir in Europa am Wochenende die Uhr um eine Stunde zurück stellen, ergibt sich ab dem möglichen Spiel fünf für uns eine Änderung: Freitagnacht und Samstagnacht geht es jeweils um kurz nach 2 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit los, Sonntagnacht um kurz nach 1 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit.

    Szene der Woche
    Hier muss ich noch einmal auf die NLCS zurück kommen, denn das entscheidende Spiel sieben zwischen den Dodgers und den Brewers habe ich in meinem Blog noch gar nicht gewürdigt. Die Dodgers gewannen 5:1 und für mich gab es zwei Szenen in dem Spiel, die haften geblieben sind. Die erste war ein Bunt von Manny Machado im zweiten Inning, mit dem er das Infield der Brewers komplett auf dem falschen Fuß erwischte. Das war kein Wunder, denn es war eine Situation, in der niemand ernsthaft mit einem Bunt rechnet: bei einem Full Count und ohne vorhandene Baserunner. Tatsächlich war es der erste Bunt-Hit bei einem 3-2-Count in der MLB seit über vier Jahren. Für die Dodgers war die Aktion Gold wert, denn Machado scorte kurz darauf bei Cody Bellingers Homerun, durch den der frühe 0:1-Rückstand in eine 2:1-Führung gedreht wurde. 2:1 stand es auch noch im fünften Inning, als Chris Taylor die zweite denkwürdige Szene der Partie gelang: Nach einem Double von Lorenzo Cain schien ein Linedrive von Christian Yelich auf dem besten Weg, dem Spiel eine erneute Wende zu geben. Doch Taylors unfassbar athletische Rettungstat auf dem Warning Track machte Milwaukees Comebackhoffnung zunichte und ermöglichte seinem eigenen Team, das Spiel sicher nach Hause zu bringen.

    Statistik der Woche
    6 von 6. Familie Bellinger – Cody und sein Papa Clay – haben insgesamt an sechs MLB-Saisons teilgenommen und in jeder einzelnen davon mit ihrem Team die World Series erreicht. Das dürfte mal wieder eine komplett einzigartige, nicht kopierbare Leistung sein. Clay war von 1999 bis 2001 bei den New York Yankees aktiv und 2002 bei den Los Angeles Angels. Er kam zwar nie über den Status eines Ergänzungsspielers hinaus, aber seinen Klubs brachte er offenbar Glück. Sohnemann Cody schaffte letztes Jahr den Sprung in die Major League und eifert seinem Vater nun schon im zweiten Jahr hintereinander nach.

    Der Rest der Liga
    Alle Welt schaut nach Boston und Los Angeles und das ist auch gut so. Ein paar interessante Entwicklungen bei den anderen MLB-Teams möchte ich aber nicht unerwähnt lassen:

    Den bislang größten Coup in Sachen Neuverpflichtungen haben die Miami Marlins gelandet, indem sie die beiden kubanischen Brüder mit den originellen Namen Victor Victor Mesa und Victor Mesa Jr. verpflichteten. Der 22-jährige Outfielder Victor Victor gilt als aktuell größtes internationales Baseballtalent und soll möglichst schnell fit für die MLB gemacht werden. Sein Bruder Victor Jr. ist nicht weniger talentiert, mit seinen 17 Jahren aber vermutlich noch ein paar Jahre von Major-League-Reife entfernt. Der Move war von langer Hand vorbereitet worden, indem die Marlins in den letzten Wochen diverse kleine Trades einfädelten, bei denen sie sich mit Budgetraum für internationale Verpflichtungen bezahlen ließen. Laut dem Mitbesitzer des Klubs, Derek Jeter, ist das Engagement der Mesa-Brüder der Auftakt zu einer langfristigen Schwerpunktsetzung. Die Marlins wollen Anlaufstelle Nummer eins für Talente aus Lateinamerika werden, nicht zuletzt um die Bindung der in Miami besonders großen hispanischen Bevölkerung an den Verein zu intensivieren.

    Von den Teams, die auf der Suche nach einem neuen Manager waren, sind die Cincinnati Reds die ersten, die Vollzug gemeldet haben: David Bell wird der neue sportlich Verantwortliche der Reds sein. Der 46-jährige Bell ist als MLB-Manager ein Neuling, aber ansonsten ist er ein Baseball-Urgestein. Zwölf Jahre lang hat er als Third Baseman in der höchsten Liga gespielt, vier Jahre lang Teams im Minor-League-System der Reds gemanagt, zuletzt war er Vizepräsident für Spielerentwicklung bei den San Francisco Giants. Bell war auch in Texas und Toronto im Gespräch, doch die Reds waren sein Wunscharbeitgeber. Zwar hat er selbst nie für Cincinnati gespielt, aber er wurde dort geboren und sowohl sein Vater Buddy als auch sein Großvater Gus haben das Reds-Trikot getragen.

    Auch die Los Angeles Angels haben sich für einen neuen Manager entschieden: Brad Ausmus folgt auf die langjährige Regentschaft von Mike Scioscia. Ausmus bringt vier Jahre Joberfahrung bei den Detroit Tigers sowie eine 18-jährige Karriere als Spieler mit. Er war letztes Jahr bereits als Assistent des General Managers Billy Eppler für die Angels tätig, daher dürften beide Seiten recht gut wissen, worauf man sich miteinander einlässt. Ausmus gilt als analytisch vorgehender Manager, was ihn von dem eher old-school-orientierten Scioscia deutlich unterscheidet. Seine Zeit in Detroit war nur im ersten Jahr von Erfolg gekrönt, als die Tigers 2014 mit 90 Siegen die AL Central gewannen. Insgesamt brachte Ausmus es dort auf eine Bilanz von 314 Siegen und 332 Niederlagen.

    Quasi in letzter Sekunde vor der Veröffentlichung dieses Artikels erfahre ich noch, dass auch die Minnesota Twins ihren neuen Manger ausgewählt haben: Der Mann heißt Rocco Baldelli, war bisher Field Coordinator der Rays und galt schon seit einer Weile als heißer Kandidat für eine der freien Managerstellen. Es wird für den 37-Jährjgen das erste Engagement in dieser Rolle sein. Vorerfahrungen hat er drei Jahre lang als First Base Coach der Rays gesammelt sowie in seinem bisherigen Job, der eine Art Zwischenfunktion als Assistent des Managers und Talententwickler darstellte.

    Nach wie vor im Auswahlprozess für einen neuen Manager befinden sich die Baltimore Orioles, die Texas Rangers und die Toronto Blue Jays.

    Ebenfalls noch nicht entschieden ist, wer neuer General Manager der New York Mets wird. Die Kandidatenliste wurde mittlerweile auf drei Personen eingegrenzt und das ist vor allem deshalb interessant, weil es sich um drei Leute mit sehr unterschiedlichen Hintergründen und Herangehensweisen handelt. Da ist zum einen der 35-jährige Chaim Bloom, zurzeit Vizepräsident für Baseball Angelegenheiten bei den Rays. Er vertritt einen analytischen, auf Sabermetrics basierenden Ansatz. Der nächste Kandidat ist der frühere GM und derzeitige Berater der Brewers, Doug Melvin (66), der als eher traditioneller Funktionär gilt. Und dann ist da noch Brodie Van Wagenen, ein prominenter Spielervermittler, der zum Beispiel Jacob deGrom, Noah Syndergaard und Yoenis Cespedes vertritt. Der Wechsel des verhandlungserprobten 44-Jährigen auf die „andere Seite“ dürfte sicher für einiges Aufsehen sorgen, im positiven wie im negativen Sinne. Kurz gesagt: Unterschiedlicher könnten die Kandidaten kaum sein. Man kann sagen, die Owner der Mets, Fred und Jeff Wilpon, wählen bei ihrer Suche einen sehr breiten und offenen Ansatz. Man kann aber auch sagen – und das halte ich für die zutreffendere Variante -, sie haben anscheinend kurz vor der anstehenden Entscheidung keine Ahnung, was für eine Art von GM sie überhaupt suchen.

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    Oktober 23rd, 2018 by Silversurger

    Endlich ist es soweit: Die World Series steht unmittelbar bevor und schon allein vom Klang der Namen her ist das Matchup ein absoluter Knaller: Die Boston Red Sox und die Los Angeles Dodgers treffen aufeinander, zwei der dominierenden Teams sowohl der jüngeren Vergangenheit als auch der gesamten MLB-Historie. Obwohl beide schon seit Urzeiten dabei sind, hat es das Duell Red Sox gegen Dodgers noch nie in einer World Series gegeben, auch nicht in der Zeit vor dem Umzug der Dodgers von Brooklyn nach Los Angeles. 1916 trafen die Red Sox jedoch einmal auf die Brooklyn Robins, den Vorgängerklub der Dodgers. Die von Babe Ruth angeführten Red Sox gewannen damals mit 4:1 Spielen.

    Auch dieses Mal gehen die Red Sox als Favorit ins Rennen, nachdem sie die reguläre Saison mit 108 Siegen und einem Run Differential von +229 das ganze Jahr über dominiert haben. Die Dodgers hingegen mussten lange um den Einzug in die Postseason zittern, da sie ihr ebenfalls herausragendes Run Differential von +194 in „nur“ 92 Siege übersetzten.

    Die Dodgers und die Red Sox sind sich in den letzten Jahren erstaunlich konsequent aus dem Weg gegangen: Unter den aktuellen Spielern der Dodgers ist Manny Machado der einzige, der nennenswerte Erfahrungen mit Spielen in Fenway Park hat. Alte Bekannte sind hingegen die Manager der Teams: Sowohl Bostons Alex Cora als auch Los Angeles‘ Dave Roberts haben in ihrer Karriere als Spieler für beide Teams gespielt, zeitweise auch gemeinsam.

    Von den äußeren Bedingungen her haben die Red Sox eine leicht bessere Ausgangsposition: Zum einen haben sie wegen der besseren Bilanz aus der regulären Saison das günstigere Heimrecht (Spiele eins, zwei, sechs und sieben). Zum anderen gehen die Red Sox ausgeruhter in die Endspiele, für die sie das Ticket bereits letzten Donnerstag gebucht haben, während die Dodgers sich noch bis Samstagnacht mit den Brewers herumschlagen mussten. Das muss aber alles nichts heißen – letztes Jahr waren es die Dodgers, die in der World Series gegen die Houston Astros genau die gleichen beiden Vorteile auf ihrer Seite hatten und am Ende unterlagen.

    Um ein besseres Bild über die Stärken und Schwächen der Kontrahenten zu bekommen, gehe ich Position für Position durch:

    Starting Rotation
    Mit Clayton Kershaw (Dodgers) und Chris Sale (Red Sox) bieten beide Teams je einen der weltbesten Starter der letzten Jahre auf. Die kurzfristigen Vorzeichen für diese beiden sind jedoch recht unterschiedlich: Kershaw überzeugte mit einem starken Start in Spiel fünf der NLCS und obendrein als Closer in Spiel sieben. Sale hingegen hielt bei seinem einzigen Auftritt in der ALCS nur vier Innings von Spiel eins durch, hatte offensichtliche Probleme, seine Pitches zu platzieren und musste einen Tag später wegen Magenproblemen ins Krankenhaus. Hätte es ein Spiel sechs gegeben, hätte Sale wohl starten können, aber wie fit er tatsächlich ist, bleibt ein Fragezeichen. Hyun Jin-Ryu, Walker Buehler und Rich Hill runden eine Dodgers-Rotation ab, die es in der Postseason auf einen ERA von 3.92 gebracht hat. Das ist ein ebenso durchwachsenes Ergebnis wie der ERA von 3.86 der Red-Sox-Starter, die neben Sale aus David Price, Nathan Eovaldi und Rick Porcello bestehen. Insgesamt eine recht ausgeglichene Sache, die in meinen Augen wegen der eingangs erwähnten Vorteile von Kershaw gegenüber Sale knapp zu Gunsten von Los Angeles entschieden wird.
    Vorteil Dodgers

    Bullpen
    Der Bullpen der Dodgers war in der bisherigen Postseason eine regelrechte Offenbarung. In gut 41 Innings ließen die Reliever im Schnitt nur 1.3 Runs pro Spiel zu. Von solchen Traumwerten sind die Reliever der Red Sox weit entfernt und ausgerechnet deren eigentlicher Star Craig Kimbrel brachte in vier seiner fünf Oktober-Einsätze die Bostoner Fans mit wackeligen Auftritten ins Schwitzen. Die Red Sox versuchten, die Löcher im Bullpen durch mehrere Relief-Einsätze ihrer Starter zu stopfen. Letzten Endes haben sie auf diese Art Erfolg gehabt, aber gegen die Dodgers können sie in diesem Mannschaftsteil nicht anstinken.
    Vorteil Dodgers

    Catcher
    Vor den Serien um die Conference Championships hätte ich auch diesen Vergleich zu Gunsten der Dodgers gesehen: Yasmani Grandal ist offensiv ein klares Upgrade gegenüber den Red Sox Sandy Leon und Christian Vazquez und schien den beiden defensiv mindestens gleichwertig. Das hat sich durch die NLCS geändert, in der Grandal plötzlich nicht mehr er selbst war und sich eine Abwehrschwäche nach der anderen leistete. Klar, jeder hat mal einen schlechten Tag, aber mein Eindruck ist, dass Grandals Selbstvertrauen unter den Fehlern gelitten hat und er zurzeit einen Unsicherheitsfaktor darstellt. Das scheint auch Dodgers-Manager Dave Roberts so zu sehen, der mehrfach auf Ersatzmann Austin Barnes zurückgreift, welcher ungefähr auf dem Niveau von Leon und Vazquez einzustufen ist.
    Unentschieden

    First Base
    Bei den Dodgers wechseln sich je nach Händigkeit des Pitcher meistens David Freese und der Senkrechtstarter des Jahres, Max Muncy, ab, nachdem der 1B-Senkrechtstarter des vorherigen Jahres, Cody Bellinger, seine Wirkungsstätte ins Outfield verlegt hat. Die Red Sox setzen dem ebenfalls ein Platoon entgegen, bestehend aus Steve Pearce und Mitch Moreland. Da die Dodgers drei Linkshänder in ihrer Rotation haben, wird es meistens auf Pearce hinauslaufen. Für mich ein:
    Unentschieden

    Second Base
    Hier schien sich für die Red Sox durch den langfristigen Ausfall von Dustin Pedroia ein Problemfeld aufzutun. Doch Utilityman Brock Holt sowie der aus Los Angeles (von den Angels, nicht von den Dodgers) akquirierte Veteran Ian Kinsler haben die Lücke nahtlos geschlossen. Bei den Dodgers sieht es oberflächlich betrachtet ganz ähnlich aus, denn auch hier teilen sich ein Allrounder (Enrique Hernandez) und ein zur Trade-Deadline erworbener Veteran (Brian Dozier) die Position. Beide sind jedoch seit Wochen in schwacher Offensivform, sodass dieser Punkt klar nach Boston geht.
    Vorteil Red Sox

    Shortstop
    Nach Corey Seagers Verletzung zogen die Dodgers kräftig an der Notbremse und tradeten fünf Prospects nach Baltimore für das Recht, die letzten dreieinhalb Monate des auslaufenden Vertrags von Manny Machado nutzen zu dürfen. Machado ist ein polarisierender, unsympathischer Zeitgenosse, anders kann man es nicht sagen. Aber verdammt, er ist gut. Bostons Xander Bogaerts ist auch ein guter Shortstop, sowohl offensiv als auch defensiv, aber gegen Machado zieht er in meinen Augen leider den Kürzeren.
    Vorteil Dodgers

    Third Base
    Kommen wir zum sympathischeren Teil des linken Infields der Dodgers: Justin Turner hat sich von einem bei den Orioles und den Mets mehr oder weniger gescheiterten Spieler in Los Angeles zu einem absoluten Leistungsträger entwickelt, der sowohl durch sein markantes Äußeres als auch durch seine Neigung zu entscheidenden Hits das Gesicht des Klubs prägt. Bei den Red Sox halte ich Rafael Devers für offensiv stärker als Eduardo Nunez, welcher hingegen der bessere Feldspieler ist. Die beiden werden sich abwechseln, wobei man gegen die Dodgers wohl häufiger auf Rechtshänder Nunez setzen wird. Beide unterliegen im Vergleich mit Turner.
    Vorteil Dodgers

    Left Field
    Chris Taylor ist fast immer im Lineup der Dodgers, allerdings auf häufig wechselnden Feldpositionen. Im linken Außenfeld findet man ihn vor allem gegen linkshändige Pitcher, gegen Rechtshänder macht er Platz für Joc Pederson. Taylor ist der besere Fielder und kommt etwas häufiger auf Base, während Pederson mehr Power mitbringt. Die Red Sox müssen sich keine Gedanken über Matchups und Händigkeiten machen, denn mit Andrew Benintendi haben sie links hinten einen jungen Topspieler, der offensiv und defensiv das komplette Paket mitbringt, das man sich von einem Baseballer wünscht.
    Vorteil Red Sox

    Center Field
    Chris Taylor ist auch hier zu finden, doch meistens dürfte das Centerfield die Domäne von Cody Bellinger sein. Bellinger ist ebenfalls ein sehr vielseitiger Spieler, der zwar keine feste Position hat, aber als einer von nur sieben Spielern der Liga in 162 Spielen der regulären Saison aktiv war. In der NLCS wurde Bellinger zum MVP gewählt, da er trotz eines Batting Averages von nur .200 ein paar entscheidende Hits und einen großartigen Catch hatte. In verblüffendem Gleichschritt wurde auch sein Bostoner Gegenpart Jackie Bradley Jr. zum MVP gewählt, der ebenfalls einige entscheidende Szenen hatte und ebenfalls nur .200 schlug. Die beiden teilen nun den Rekord für den niedrigsten Average, mit dem ein Positionsspieler MVP einer League Championship wurde. Nach meiner Einschätzung teilen sie sich auch diesen Vergleich.
    Unentschieden

    Right Field
    Man weiß nie so recht, was man von Yasiel Puig erwarten darf. Sein Talent an der Platte, seine Geschwindigkeit und sein Wurfarm suchen ihresgleichen, doch seine Emotionalität und seine Neigung zur Selbstüberschätzung stehen ihm auf dem Pfad zum ganz großen Durchbruch oft im Weg. Ganz anders Mookie Betts, der ähnliche Anlagen mitbringt und das beste daraus macht. Betts ist offensiv wie defensiv der wohl stärkste Rightfielder der Liga und der aussichtsreichste Kandidat für den MVP-Titel der American League.
    Vorteil Red Sox

    Designated Hitter
    Die Position des DH gibt es immer dann, wenn das Team aus der American League Heimrecht hat, dieses Mal also in den Spielen eins, zwei, sechs und sieben. Naturgemäß sind die Red Sox besser auf das Spiel mit DH eingestellt und haben mit J. D. Martinez den besten reinen Hitter der Liga. Martinez ist so gut, dass man in Boston bereits wild spekuliert, wie man ihn auch in den NL-Heimspielen ins Lineup bringen kann. Eine denkbare Variante wäre, ihm das Rightfield zu überlassen und dafür Betts an der zweite Base einzusetzen. Die Dodgers haben so viel Tiefe und Flexibilität im Kader, dass sie kein Problem damit haben werden, einen brauchbaren DH aufzustellen – Turner, Muncy, Pederson und Matt Kemp wären dafür zum Beispiel Kandidaten.
    Vorteil Red Sox

    Fazit
    Ich komme auf viermal Dodgers, viermal Red Sox und dreimal Unentschieden. Das ist erstaunlich ausgeglichen angesichts dessen, dass mein genereller Eindruck und auch die Saisonbilanzen dafür sprechen, dass die Red Sox als Favorit ins Rennen gehen. Für mich persönlich waren die Red Sox schon immer das Team, dem ich in der AL die Daumen drücke, daher schlägt mein Herz auch in dieser Serie für Boston. Vor allem aber wünsche und erwarte ich eine spannende Serie mit einem hoffentlich verdienten Sieger und wenn dieser am Ende die Dodgers sind, dann sei es ihren Fans – schöne Grüße an Thomas und Arvid – herzlich gegönnt.

    Heute Nacht um 2:09 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los mit Clayton Kershaw gegen Chris Sale. Ich freue mich riesig auf die World Series und werde trotz beruflicher und privater Verpflichtungen die eine oder andere Nachtschicht einlegen, um die Spiele wenigstens teilweise zu sehen. Zum Schlafen ist schließlich von November bis Februar genug Zeit…

    Zu guter Letzt noch eine Einschaltempfehlung: Wenn ihr die Spiele live sehen wollt, dann habt ihr die Möglichkeit dazu im deutschen Free-TV, denn Sport1 überträgt die World Series. Besonders freue ich mich auf das Kommentatoren-Duo Andreas Thies von meinem Lieblings-Podcast Just Baseball und Matthias Ondracek, der früher für die Regensburg Legionäre spielte und nun außer für Sport1 auch für die offizielle Seite der Baseball-Bundesliga arbeitet. Die beiden sind für mich Grund genug, ausnahmsweise mal meinem geliebten mlb.tv den Rücken zu kehren.

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    Oktober 18th, 2018 by Silversurger

    Im Gegensatz zu den enttäuschend einseitigen Divisional-Serien halten die beiden Serien um die League Championships bislang alles, was sie versprochen haben. Jedes einzelne Spiel zwischen den Los Angeles Dodgers und den Milwaukee Brewers sowie zwischen den Boston Red Sox und den Houston Astros war spannend und in beiden Duellen ist nach vier bzw. fünf absolvierten Partien noch nichts entschieden. Schon im jeweils nächsten Spiel kann sich das aber ändern, denn sowohl die Dodgers als auch die Red Sox sind nur noch einen Sieg von der World Series entfernt.

    Vom Rest der Liga gibt es derweil nicht allzu viel Neues zu vermelden. Von den Teams, die nach neuen Coaches und Managern suchen, scheint noch keines unmittelbar vor einem Vertragsschluss zu stehen. Eine Hiobsbotschaft gab es für die New York Yankees: Kurz nach ihrem Playoff-Aus stellte sich heraus, dass Shortstop Didi Gregorius eine Tommy-John-Surgery benötigt, die inzwischen bereits stattgefunden hat. Gregorius wird somit einen Großteil der kommenden Saison verpassen. Entsprechend stark haben die Spekulationen zugenommen, dass die Yankees sich in der Offseason um Manny Machado, den wohl begehrtesten kommenden Free Agent auf dieser Position, bemühen könnten.

    National League
    In der NLCS haben die Los Angeles Dodgers letzte Nacht erstmals die Führung übernommen. Der Garant dafür war Clayton Kershaw, der beim 5:2-Erfolg gegen die Milwaukee Brewers endlich in einem Playoffspiel seine Klasse zeigen konnte. Mit einem ERA von 4.11, erworben in 27 Partien (22 Starts) mit insgesamt 140 gepitchten Innings, entsprachen seine Postseason-Auftritte bislang nur selten seinen Leistungen in der regulären Saison. Zum Vergleich: In 318 Saisonspielen (316 Starts, 2096.1 Innings) liegt sein Karriere-ERA bei sagenhaften 2.39. Oktober dürfte nicht gerade sein Lieblingsmonat sein, aber gestern ließ er sich – anders als im ersten Spiel der Serie – davon nichts anmerken und dominierte die Hitter der Brewers sieben Innings lang fast nach Belieben.

    Die Brewers huldigen unterdessen auffällig dem neuen Trend im Baseball: dem sogenannten Bullpenning, also sehr frühen und häufigen Pitcherwechseln. In Spiel eins wurde Starter Gio Gonzalez schon nach zwei Innings ersetzt, in Spiel vier sogar schon nach einem Inning, wobei er sich da aber auch eine Verletzung zugezogen hatte. Spiel fünf schließlich war ein neues Extrem, denn Starter Wade Miley musste schon nach einem einzigen Batter den Mound räumen. Laut Manager Craig Counsell war das eine geplante Aktion, um den Gegner zu verwirren und zum verstärkten Einsatz von Rechtshändern gegen den linkshändigen vermeintlichen Starter zu bringen. Das hat zwar funktioniert, wurde aber letzten Endes nicht von Erfolg gekrönt. Es ist interessant, die Entwicklung weg vom klassischen Starter, die einige Teams – allen voran Tampa Bay – in der regulären Saison vorangetrieben haben, nun auch in der Postseason angewendet zu sehen. Erfolg hatten die Brewers mit dieser Taktik bislang allerdings nur in Spiel eins der Serie. Ihren zweiten Sieg holten sie in Spiel drei bei einem ganz normalen Start von Jhoulys Chacin, der 5.1 Shutout-Innings pitchte.

    Die Entscheidung der Serie kann Freitagnacht ab 2:39 Uhr unserer Zeit fallen, wenn Spiel sechs von den Dodgers gewonnen wird. Wenn die Brewers noch in die World Series wollen, müssen sie sowohl dieses Spiel als auch die dann entscheidende Partie am Samstag gewinnen.

    American League
    Die ALCS verläuft bislang gefühlt alles andere als einseitig, trotzdem haben die Boston Red Sox inzwischen eine komfortable Führung von 3:1 Spielen und stehen somit kurz vor der World Series.

    Gelungen ist ihnen das, indem sie in knappen Spielen zum richtigen Zeitpunkt die entscheidenden Hits gelandet haben. Dafür steht niemand mehr als Outfielder Jackie Bradley Jr.: Zuerst beeinflusste er den Ausgang von Spiel zwei durch einen 3-Run-Double, bei dem der Ball ziemlich lustig durch die Gegend hüpfte. In Spiel drei besiegelte er den Sieg seines Teams durch einen Grand Slam im achten Inning. In Spiel vier schließlich schlug er den Go-ahead-Homerun im sechsten Inning. Das waren 9 entscheidende RBIs in den drei Siegen der Red Sox und jeden davon erzielte er bei zwei Outs.

    Die Red Sox haben nun drei Matchbälle zum Gewinn der Best-of-3-Serie. Die erste Chance, einen davon zu verwandeln, besteht heute Nacht ab 2:09 Uhr unserer Zeit beim Duell von David Price und Justin Verlander.

    Szene der Woche
    An dieser Stelle muss ich mal die vielen großartigen Catches erwähnen, die die Serie der Astros gegen die Red Sox hervorgebracht hat. Der sehenswerteste davon war für mich der Catch von Astros-Outfielder Tony Kemp in Spiel drei gegen die Red Sox. Er beraubte dadurch Steve Pearce eines Extra-Base-Hits gegen die Outfield-Mauer und verhinderte zu dem Zeitpunkt eine höhere Führung Bostons. Genützt hat es im Endeffekt wenig, denn am Ende gewannen die Red Sox mit 8:2. Seinem Kollegen Josh Reddick erging es ähnlich: Auch er hatte eine tolle Aktion, die in Spiel vier Schlimmeres verhinderte, auch dieses Spiel brachten die Red Sox nach Hause – passenderweise durch einen spektakulären Catch von Andrew Benintendi. Genauso entscheidend für den Ausgang dieser Partie war der Catch, den Mookie Betts nicht machen konnte: Ein Fan griff unzulässigerweise ins Spiel ein und verhinderte, dass Betts den potenziellen Homerun von Jose Altuve stehlen konnte. Die Umpires entschieden dennoch auf Out, denn bei Fan Interference ist die Szene so zu beurteilen wie sie vermutlich ohne den Eingriff passiert wäre.

    Statistik der Woche
    1930. Das ist eigentlich keine richtige Statistik, sondern eine Jahreszahl. Im genannten Jahr ist es zum letzten Mal vorgekommen, dass ein Pitcher zwei Spiele einer Playoffserie hintereinander gestartet hat. George Earnshaw war es damals, der für die Philadelphia Athletics die Spiele fünf und sechs der World Series gegen die St. Louis Cardinals begann. Earnshaw gewann beide Spiele und entschied damit die Serie zu Gunsten von Philadelphia. Earnshaw pitchte damals im ersten Spiel sieben Innings und im zweiten neun. Morgen wird voraussichtlich Wade Miley von den Brewers erstmals seit 88 Jahren wieder das zweite Playoffspiel in Folge beginnen. Er brachte es bei seinem vorherigen Start allerdings auf 0 Innings, da er schon vor dem ersten Out ausgewechselt wurde.

    Spiel der Woche
    Die bislang aufregendste Partie der League Championships war für mich Spiel vier zwischen den Dodgers und den Brewers. Viele Runs gab es in dem 13-Inning-Thriller zwar nicht zu sehen, dafür aber überragendes Pitching insbesondere von beiden Bullpens, einen fantastischen Catch sowie den entscheidenden Walkoff-Hit von Cody Bellinger und natürlich die vielen Gesichter des Manny Machado: Für seinen Freund und Gegenspieler Jonathan Schoop hatte er sowohl einen Geburtstagskuchen als auch einen starken Wurf zum Groundout übrig, für Jesús Aguilar leider nur einen ziemlich fiesen Tritt und für die lange zitternden Dodgersfans schließlich den erlösenden Lauf um die Bases, mit dem er Christian Yelichs Wurf aus dem Rightfield zuvor kam und seinem Team den Sieg brachte.

    Mein Einschalttipp
    Ich bleibe natürlich bei meiner Empfehlung, möglichst jedes der letzten paar Spiele auf dem Weg zur World Series 2018 zu schauen. Innerhalb unserer Zeitzone bietet sich speziell die sechste Partie zwischen den Red Sox und den Astros an. Mit einer Startzeit von 23:09 Uhr unserer Zeit ist es das einzige verbleibende Spiel der League Championships, das nicht mitten in der Nacht beginnt. Ob es überhaupt stattfindet oder ob die Serie schon vorher durch einen Sieg von Boston in Spiel 5 entschieden wird, bleibt noch abzuwarten. Dementsprechend stehen auch die Starting Pitcher noch nicht fest. Nach derzeitigem Stand würde es vermutlich auf Dallas Keuchel und auf Chris Sale hinauslaufen, sofern Letzterer bis dahin nach seinen Magenproblemen wieder ganz auf den Beinen ist.

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    Oktober 11th, 2018 by Silversurger

    Ganz ehrlich: So richtig mitreißend war die Divisional-Runde – außer für glühende Anhänger eines der beteiligten Teams – dieses Jahr nicht. Es gab keinen einzigen Krimi über fünf Spiele, vielmehr machten alle vier Serien über weite Strecken einen unspektakulären und vorhersehbaren Eindruck.

    Aber sehen wir es mal positiv: Den League-Championships, also quasi den Halbfinals um die Krone des Baseballs, kann der Verlauf der vorherigen Runde nur guttun. Zum einen dürfen wir wohl ziemlich sicher davon ausgehen, dass die vier verbliebenen Teams tatsächlich die besten sind, die die MLB derzeit zu bieten hat. Zum anderen ist durch die schnellen Divisionals gewährleistet, dass jedes von ihnen mindestens drei Tage Pause genießen kann. Alle vier werden somit gut vorbereitet, ausgeruht und vor allem mit voller Flexibilität hinsichtlich der Pitchereinsätze ins Rennen gehen.

    American League
    Am ehesten kam noch in der Serie zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees etwas Spannung auf – die Yankees konnten die erste Niederlage postwendend ausgleichen und in Spiel 4 (siehe „Spiel der Woche“) war für sie bis zum letzten Zentimeter des letzten Outs noch alles möglich. Aber dazwischen lag Spiel 3, das wohl als eine der einseitigen Playoff-Partien aller Zeiten gelten darf. 16:1 schlugen die Red Sox die Yankees in deren eigenem Stadion. Die Überlegenheit der Roten war so drückend, dass die New Yorker sich irgendwann nicht mal mehr zu schade waren, zum erst zweiten Mal in der MLB-Geschichte einen Positionsspieler pitchen zu lassen. Das allerdings machte die Sache noch schlimmer: Gleich den ersten Pitch von Catcher Austin Romine nutze Bostons Brock Holt zu einem Homerun, mit dem er den ersten Cycle in einem Playoff-Spiel überhaupt komplettierte.

    Noch einseitiger als das Duell der Red Sox und der Yankees war die andere ALDS zwischen den überzeugenden Houston Astros und den sang- und klanglos enttäuschenden Cleveland Indians. Letztere wurden der Befürchtung gerecht, dass es sich bei ihnen um ein überschätztes Team handelte, dessen Saisonbilanz durch die vielen Spiele gegen schwache Divisionskonkurrenten aufgebläht war. 7:2, 3:1 und 11:3 wurden die Indianer abgefertigt von den Astros, die in jeder Hinsicht reif erscheinen, ihren Titel zu verteidigen.

    Auf dem Weg dorthin müssen sie erstmal in der American League Championship Series (ALCS) an den Red Sox vorbei. Ich habe schon Äußerungen in der Richtung gelesen, dies sei dieses Jahr die eigentliche World Series. Das würde ich so nicht unterschreiben. Klar, die beiden Teams waren diese Saison weitaus dominierender als irgendeine Mannschaft aus der National League. Aber müssen die Top-Teams der NL schlechter sein, nur weil sie in einer ausgeglicheneren Liga gespielt haben? Ich denke nein, zumal die NL in den Interleague-Spielen dieses Jahr mit 158-142 zum ersten Mal seit Langem die Oberhand behalten hat.

    National League
    Die Divisionals der NL verliefen fast identisch mit denen der AL: Auch hier gab es einen 3:0-Sweep, in dem Fall zwischen den Milwaukee Brewers und den Colorado Rockies, deren „Rocktober“ nach 2:3, 0:4 und 0:6 ein jähes Ende fand.

    Und auch hier endete die andere Serie 3:1 und machte selten den Eindruck, ein anderes Ende finden zu können als den Sieg der Los Angeles Dodgers. Es war im Endeffekt ein klarer Triumph der Erfahrung gegen den jugendlichen Eifer, mit dem die Atlanta Braves es dieses Jahr erstaunlich weit gebracht hatten. In der NLDS konnten sie nur ein Spiel knapp gestalten und letzten Endes auch 6:5 gewinnen, ansonsten waren sie den Dodgers mit 0:3, 0:6 und 2:6 nicht gewachsen.

    In die NLCS gehen die Dodgers als Favorit – sie haben die schon erwähnte breite Postseason-Erfahrung und sie bieten auch die größeren Namen auf. Auf der anderen Seite stehen die Brewers mit ihrem sehr ausgewogenen Roster, mit dem sie derzeit eine Siegesserie von elf Spielen reiten – Spiel 163 und NLDS-Sweep inklusive.

    Szene der Woche
    Das erste Gastspiel der Atlanta Braves in den Playoffs seit fünf Jahren war zwar von relativ kurzer Dauer, aber für einen Glanzpunkt reichte es: Rookie Ronald Acuna Jr. brachte die Braves in Spiel 3 gegen die Dodgers auf den Weg zu ihrem einzigen Sieg durch einen Grand Slam im zweiten Inning. Der 20-Jährige wurde dadurch zum jüngsten Spieler, der je einen Grad Slam in der Postseason geschlagen hat. Die Erinnerung an diese Aktion wird nicht so schnell verblassen, jedenfalls nicht auf dem Unterarm einer gewissen Caitlin: Dorthin würde sie sich das Gesicht von Acuna tätowieren lassen, wenn er einen Grand Slam schlägt, hatte die Braves-Anhängern getwittert. Aus dem Versprechen kommt sie wohl nicht mehr heraus.

    Statistik der Woche
    211. Dies ist die zweithöchste Anzahl von Saisonsiegen, die je die Teams einer Postseason-Paarung gemeinsam erzielt haben. Mehr als die Red Sox (108 Siege) und die Astros (103) konnten nur die Teilnehmer der World Series 1998, die New York Yankees und die San Diego Padres, mit insgesamt 212 vorweisen.

    Spiel der Woche
    Spiel 4 zwischen den Red Sox und den Yankees sah zunächst aus wie die nahtlose Fortsetzung der Klatsche vom Vortag: Nach zwei scorelosen Innings ging Boston per Sacrifice Fly von J. D. Martinez in Führung und baute diese durch einen Double von Ian Kinsler, einen Single von Eduardo Nunez und einen Homerun von Christian Vazquez auf 4:0 aus. Die Yankees kamen erst im fünften Inning auf einen einzelnen Run, der zu wenig schien, um die Red Sox in Bedrängnis zu bringen. Zu sattelfest war das Pitching von Starter Rick Porcello und dem Bostoner Bullpen. In Letzterem hatte Ass Chris Sale einen Gastauftritt mit einem perfekten achten Inning. Zum Ende wurde es dann aber doch noch spannend. Closer Craig Kimbrel lud die Bases und ließ per Hit-by-Pitch gegen Neil Walker sowie Sac-Fly von Gary Sanchez den Vorsprung auf einen einzigen Run schmilzen. Mit zwei Outs und zwei Baserunnern war es der Defense von 3B Nunez und 1B Steve Pearce zu verdanken, dass Gleyber Torres haarscharf das entscheidende Out ereilte.

    Mein Einschalttipp
    Der Einschalttipp soll dabei helfen, in der Flut von MLB-Spielen die interessantesten herauszupicken. Inzwischen sind wir längst in den Tagen des Jahres angekommen, in denen sich die Flut auf natürliche Weise gelichtet hat und die Empfehlung nur lauten kann, jedes der verbleibenden Spiele anzuschauen – sei es live, zeitversetzt oder auch nur als Zusammenfassung. Einen Bonustipp habe ich aber doch: Wagt doch mal den Blick über die MLB hinaus, denn auch in Deutschland wird sehenswerter Baseball gespielt und manchmal gibt es davon sogar Liveübertragungen. Am Samstag und – falls nötig – am Sonntag duellieren sich in Bonn die Capitals und die Heidenheim Heideköpfe um die Entscheidung der Deutschen Meisterschaft. Spielbeginn ist jeweils um 13 Uhr, auf baseball-bundesliga.de findet man den Link zum Livestream. Heidenheim führt nach den beiden Heimsiegen vom vergangenen Wochenende die Serie mit 2:1 an und benötigt somit nur noch einen Sieg zur Meisterschaft. Bonn muss beide Spiele gewinnen, um den Traum vom ersten Titel der Vereinsgeschichte wahr werden zu lassen.

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    Oktober 4th, 2018 by Silversurger

    Da waren es nur noch acht: Die Oakland Athletics und die Chicago Cubs sind die ersten Playoff-Teams, die auf der Strecke geblieben sind. Für die Athletics war ein einziges Spiel entscheidend, das sie letzte Nacht 2:7 gegen die New York Yankees verloren. Die Cubs hatten immerhin zwei Chancen, die erste „richtige“ Playoff-Serie – die National League Divisional Series (NLDS) – zu erreichen. Doch sie verloren sowohl das Extraspiel um den Divisionssieg gegen die Milwaukee Brewers als auch das Wild-Card-Spiel gegen die Colorado Rockies und somit ist das NL-Team mit der zweitbesten Saisonbilanz wohl verdient ausgeschieden.

    Ebenfalls ausgeschieden ist Buck Showalter als Manager der Baltimore Orioles. Nach neun Jahren, deren schlechtestes das aktuelle mit desaströsen 115 Niederlagen war, ist er seinen Job los. Auch die Minnesota Twins haben bekannt gegeben, dass sie sich von ihrem Manager Paul Molitor trennen. Molitor war vier Jahre im Amt und letztes Jahr nach einer überraschend starken Saison zum Manager of the Year gewählt worden. 2018 wurde allerdings zur Enttäuschung, daher soll nun ein neuer Cheftrainer die Aufgabe übernehmen, die Twins in der AL Central wieder wettbewerbsfähig zu machen.

    National League
    Die National League hat einer in weiten Teilen extrem spannenden Saison die Krone aufgesetzt, indem in gleich zwei Divisionen ein entscheidendes „Spiel 163“ ausgetragen werden musste, um eine Entscheidung über den Gruppensieg herbei zu führen. Zwischen den Chicago Cubs und den Milwaukee Brewers war es ein sehr enges Spiel, das sich erst im achten Inning in Richtung der Gäste aus Milwaukee neigte, welche schließlich 3:1 gewannen. Das Duell um die NL West zwischen den Los Angeles Dodgers und den Colorado Rockies war weniger spannend. Die Dodgers dominierten von Anfang an und führten bereits mit 5:0, bevor die Bats der Rockies im neunten Inning mit zwei Solo-Homeruns erwachten, ohne den Ausgang der Partie ernsthaft in Gefahr zu bringen.

    Die Verlierer der Entscheidungsspiele durften sich damit trösten, dass sie zumindest in das Wild-Card-Spiel einzogen. Dort war dann allerdings zwingend Endstation für eines von ihnen, in dem Fall für die Cubs (siehe „Spiel der Woche“).

    Die Rockies treffen als Wild-Card-Sieger ab heute Nacht in einer Best-of-5-Serie auf die Brewers. In der anderen Paarung der NLDS erwarten die Dodgers die Atlanta Braves. Die Braves sind das einzige Team der NL, das sich seit dem Ende der regulären Saison am letzten Sonntag ausruhen konnte. Man wird sehen, ob sie diesen Vorteil nutzen können.

    American League
    In der AL stand zwischen Saison und Playoffs deutlich mehr Erholung auf dem Programm: Montag und Dienstag waren für alle Teams frei, am Mittwoch fand das Wild-Card-Spiel zwischen den Yankees und den Athletics statt und erst am Freitag geht es weiter mit den beiden Divisional-Serien.

    Eine der beiden ALDS findet statt zwischen den Houston Astros und den Cleveland Indians. Mit 103 Siegen und als Titelverteidiger gehen die Astros als klarer Favorit ins Rennen gegen die Indians, die das Glück hatten, einen Großteil ihrer 91 Siege innerhalb der sehr schwach besetzen AL Central einfahren zu können.

    Die andere ALDS ist der Baseball-Klassiker schlechthin: Die Boston Red Sox erwarten die New York Yankees. Als Divisionsrivalen haben die beiden in der regulären Saison schon 19-mal gegeneinander gespielt. Mit 10:9 für die Red Sox war das Gesamtergebnis denkbar knapp und es drückt ziemlich genau die leichte Favoritenrolle aus, die die Red Sox vor dieser ersten Playoff-Serie gegen den Erzrivalen seit 2004 inne haben.

    Szene der Woche
    Das Wild-Card-Spiel der AL war zwar nicht halb so spannend wie das der NL, aber es hatte einen definierenden und für die Fans der Yankees regelrecht erlösenden Moment: den 2-Run-Homerun von Aaron Judge. Der weite Schlag über das Leftfield im ersten Inning besorgte nicht nur die beruhigende frühe Führung, er war auch das klare Statement, dass mit Judge wieder zu rechnen ist. Knapp zwei Monate war er mit einem angebrochenen Handgelenk ausgefallen und in den zwei Wochen seit seiner Rückkehr ins Lineup war er sichtlich nicht der dominierende Hitter, als den man ihn kannte. Jetzt ist er offenbar wieder der Alte und bereits auf der Jagd nach Rekorden: Es war sein vierter Homerun in sieben Playoffspielen für die Yankees, was außer ihm nur „Mister October“ Reggie Jackson geschafft hat. Im sechsten Inning legte er übrigens noch ein Leadoff-Double nach und leitete damit die endgültige Entscheidung in Form eines 4-Run-Innings ein. Schön, dass mal wieder ein anderer Judge die Schlagzeilen beherrscht als Brett Kavanaugh…

    Statistik der Woche
    .247. Zugegeben, über den Rekord, den die Yankees aufgestellt haben, wird man wohl länger reden als über diese Zahl: 267 Homeruns haben die New Yorker in der regulären Saison geschlagen und damit mehr als jemals ein anderes Team. Die .247 finde ich persönlich aber noch bemerkenswerter. Es ist der Batting Average, mit dem Athletics-Slugger Khris Davis die Saison abgeschlossen hat – und zwar nicht nur die Saison 2018, sondern auch die Saisons 2015, 2016 und 2017. Viermal hintereinander den gleichen Average zu erzielen ist eine unglaublich unwahrscheinliche Leistung, mit der Khris Davis obendrein die Aufmerksamkeit von seinem Beinahe-Namensvetter Chris Davis von den Orioles ablenkt. Der hat nämlich ebenfalls einen Rekord erzielt: Sein Batting Average von .168 ist der niedrigste, mit dem je ein qualifizierter Blätter – also einer mit mindestens 502 Plate Appearances – eine Saison beendet hat.

    Spiel der Woche
    Jon Lester kennt der durchschnittliche Baseballfan schon lange, Kyle Freeland möglicherweise erst seit diesem Jahr, Tony Wolters vermutlich erst seit gestern. Sowohl der erfahrene Veteran der Cubs als auch der starke Newcomer der Rockies haben im Wild-Card-Spiel der NL eine sehr gutes Partie gepitcht. Lester erlaubte lediglich einen Sacrifice-Fly von Nolan Arenado zur frühen 1:0-Führung der Rockies, Freeland ließ nur vier Hits und keinen Run zu. Dass es trotzdem nicht innerhalb der regulären Spielzeit für die Rockies reichte, lag an Javier Baez, dem gegen Adam Ottavino bei zwei Outs und einem 0-2-Count im achten Inning ein Double zum 1:1 gelang. Das war auch schon alles, was gegen die beiden überzeugenden Pitcherriegen bis zum dreizehnten Inning zu holen war. Am Ende des längsten Ausscheidungsspiels aller Zeiten wurde einer zum Helden, den wohl niemand auf der Rechnung hatte: Tony Wolters gelang gegen Kyle Hendricks der entscheidende Single, der Trevor Story zum 2:1 nach Hause brachte, nachdem dieser und Gerrardo Parra jeweils Singles bei zwei Outs vorgelegt hatten. Es ist keine Schande, wenn man den Backup-Catcher der Rockies bislang nicht kannte. Mit einem Batting Average von .170 hat er in der regulären Saison nicht gerade für Aufsehen gesorgt, aber jetzt kennt ihn jeder als den Mann, der den Rockies den ersten Playoffsieg seit 2009 beschert hat.

    Mein Einschalttipp
    Es sind die MLB-Playoffs, somit ist ab sofort jedes Spiel ein Einschalttipp. Falls ihr noch keinen Dienst abonniert habt, über den ihr zuschauen könnt: mlb.tv gibt es für den Rest der Saison für 24,99 Dollar und DAZN überträgt wohl ebenfalls alle Postseason-Spiele, sodass dies der richtige Zeitpunkt für den kostenlosen Probemonat sein dürfte. Das von den Namen her reizvollste Duell ist natürlich das zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees. Die beste Sendezeit bietet das erste Spiel zwischen den Houston Astros und den Cleveland Indians am Freitag ab 20:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Das ist im Übrigen auch die Partie mit dem aufregendsten Pitcher-Matchup, denn aller Voraussicht nach werden Justin Verlander (2.52 ERA, 2.78 FIP) und Corey Kluber (2.89 ERA, 3.12 FIP) sich die Ehre geben.

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    September 27th, 2018 by Silversurger

    Für zehn Teams geht die MLB-Saison nächste Woche weiter und bis auf eine Ausnahme wissen wir, welche zehn es sein werden. Mit diesen Teams beschäftige ich mich im Hauptteil dieses Artikels.

    Alle anderen sind längst dabei, die Weichen für das nächste Jahr und darüber hinaus zu stellen. Einige Klubs haben bereits bekannt gegeben, dass sie verantwortliche Personen in der sportlichen Leitung austauschen werden. Die Rangers sowie aller Voraussicht nach die Angels und die Orioles werden den Manager wechseln, während die Mets und die Giants nach einem neuen General Manager suchen (zur Erinnerung: der Manager ist in der MLB das, was man woanders den Cheftrainer nennt; der General Manager ist der, der den Kader zusammenstellt)

    Für eine ganze Reihe von Spielern wird diese Saison die letzte gewesen sein. Victor Martinez von den Tigers hat sein Abschiedsspiel bereits hinter sich, David Wright von den Mets wird seines am Samstag bekommen (siehe „Einschalttipp“), das von Ichiro Suzuki wird wohl Anfang nächsten Jahres in Tokio stattfinden. Adrian Beltre von den Texans könnte ein weiterer prominenter Neurentner werden, er hat eine Entscheidung zum Saisonende angekündigt. Unterdessen hat Bartolo „Big Sexy“ Colon, mit 45 Jahren der älteste Spieler der Liga, bereits bekannt gegeben, dass er gerne noch ein Jahr dranhängen möchte. Das ist doch mal eine gute Nachricht.

    Eine weitere gute Nachricht gibt es für alle, die kein mlb.tv-Abo haben: An den drei letzten Tagen der Saison – Freitag bis Sonntag – sind über den Streaming-Dienst der MLB alle Spiele kostenfrei zu empfangen.

    American League
    Die Playoff-Paarungen waren eigentlich schon eine ganze Weile klar, inzwischen stehen sie offiziell fest: Die Houston Astros (100-58) treffen in der American League Divisional Series (ALDS) auf die Cleveland Indians (89-69) und die Boston Red Sox (107-52) auf den Sieger des Wild-Card-Spiels der New York Yankees (97-61) gegen die Oakland Athletics (96-63).

    Das Wild-Card-Spiel wird am 3. Oktober stattfinden, der Ort ist allerdings nach wie vor ungeklärt. Die Yankees haben derzeit einen Vorsprung von 1,5 Spielen und es selbst in der Hand, diesen heute Abend in Tampa Bay auf 2 Spiele auszubauen. Die Athletics greifen erst von Freitag bis Sonntag wieder ins Geschehen ein und haben dann die Chance, mit einer guten Serie bei den Los Angeles Angels den Yankees den Heimvorteil noch abzujagen. Diese bekommen es in den letzten drei Spielen noch einmal mit den Red Sox zu tun, welche sicher nichts dagegen hätten, ihrem Erzrivalen kurz vor den Playoffs noch mal in die Suppe zu spucken.

    Sollten die Yankees und die Athletics die Saison mit einer identischen Bilanz abschließen, so werden für die Entscheidung des Heimvorteils zunächst die Ergebnisse der direkten Spiele zwischen diesen beiden herangezogen. Dieser Vergleich ist aber 3:3 ausgegangen und somit keine Hilfe. Als nächstes entscheidet die Bilanz innerhalb der eigenen Division. Hier stehen die Yankees bei 41-31 und die Athletics bei 37-36. Das können die A’s nicht mehr einholen, also müssen sie die Yankees zwingend überholen, wenn sie das Wild-Card-Spiel im eigenen Stadion spielen wollen.

    National League
    Wie schon das ganze Jahr über, geht es auch in den letzten Tagen der Saison in der National League äußerst eng zu. Die Atlanta Braves (89-69) haben als einzige schon den Sieg in ihrer Division sicher. Ebenfalls sicher ist, dass die Chicago Cubs (92-66) und die Milwaukee Brewers (92-67) an den Playoffs teilnehmen. Wer von den beiden Divisionssieger wird und wer ins Wild-Card-Spiel muss, bleibt spannend bis zum Schluss. Die Cubs haben noch ein Spiel weniger, das sie heute Nacht gegen die Pittsburgh Pirates absolvieren. Anschließend müssen sie eine sicher schwierige Serie gegen die St. Louis Cardinals (87-72) spielen, welche ihrerseits um den zweiten Wild-Card-Platz kämpfen. Die Brewers haben die vermutlich leichtere Aufgabe, sie schließen die reguläre Saison mit drei Spielen gegen die Detroit Tigers ab.

    Zusätzlich zum schweren Restprogramm werden die Cubs derzeit mit der Geschichte um Addison Russell belastet. Der Shortstop wird von seiner Ex-Frau beschuldigt, sie sowohl köperlich als auch verbal misshandelt zu haben. Natürlich gilt für ihn wie für jeden Angeklagten die Unschuldsvermutung. Doch die MLB ermittelt schon seit 15 Monaten wegen der Vorwürfe und diese wiegen offenbar so schwer, dass Russell nun von der Liga vorerst beurlaubt wurde – das heißt, bis zu einer erneuten Entscheidung erhält er weiter sein Gehalt, darf aber nicht spielen.

    Zurück zum Sport: In der NL West ist das Rennen ebenso offen wie in der NL Central. Die Colorado Rockies (88-70) haben letzte Nacht mit ihrem sechsten Sieg in Folge die Spitze von den Los Angeles Dodgers (88-71) zurück erobert. Die Dodgers haben zuletzt zweimal gegen die Arizona Diamondbacks verloren und müssen heute Nacht tatenlos zusehen, ob die Rockies ein weiteres Spiel gegen die Philadelphia Phillies gewinnen, um ihre Führung auf ein volles Spiel auszubauen. Das Restprogramm der Dodgers und der Rockies dürfte ungefähr gleich schwer sein: Die Rockies treffen auf die Washington Nationals, die Dodgers auf die San Francisco Giants. Das sind beides Teams, die mit großen Playoff-Hoffnungen in die Saison gestartet waren, diesen aber nicht gerecht geworden sind. Beide werden versuchen, dem Jahr ein versöhnliches Ende zu geben – wobei bei den Giants die Motivation noch etwas höher sein könnte, da sie immerhin gegen ihren Erzrivalen antreten.

    Bevor die Playoffs der NL beginnen können, muss noch einer aus dem Trio Dodgers/Rockies/Cardinals die Segel streichen und es muss eindeutig feststehen, wer Divisionssieger und wer Teilnehmer des Wild-Card-Spiels ist. Anders als wenn es (wie in der AL zwischend den Yankees und den Athletics) „nur“ um den Heimvorteil geht, treten bei einem Gleichstand in Bezug auf die Playoff-Teilnahme keine Tie-Break-Regeln in Kraft. Stattdessen kommt es zu einem Entscheidungsspiel, das noch zwischen das Ende der regulären Saison und das Wild-Card-Spiel gequetscht werden muss. Es können dieses Jahr drei Fälle auftreten:

    a) An der Spitze einer Division stehen zwei Teams mit gleicher Bilanz. Das könnte die Brewers und die Cubs und/oder die Dodgers und die Rockies betreffen. In dem Fall gibt es ein Entscheidungsspiel um Platz eins.

    b) Zwei Teams, die um den zweiten Wild-Card-Platz konkurrieren, haben die gleiche Bilanz. Das könnte die Cardinals sowie entweder die Dodgers oder die Rockies betreffen. Zwischen diesen beiden Teams würde ebenfalls ein Entscheidungsspiel stattfinden.

    c) Die Fälle a) und b) treten gleichzeitig ein. Das heißt, die Cardinals, die Rockies und die Dodgers schließen mit der gleichen Bilanz ab. Dann würde zuerst ein Entscheidungsspiel zwischen den Rockies und den Dodgers um den Divisionssieg stattfinden, anschließend ein weiteres Entscheidungsspiel des Verlierers gegen die Cardinals um die Wild Card und dann erst das Wild-Card-Spiel.

    Szene der Woche
    Eine Eigenheit, die ich am Baseball besonders mag, ist dass es trotz seiner langen und bewegten Geschichte und trotz der sehr hohen jährlichen Anzahl von Spielen fast jede Woche wieder irgendetwas gibt, das so noch nie passiert ist. Das jüngste Beispiel dafür ist Francisco Arcia. Er schrieb in einem ansonsten katastrophal schlechten Spiel seiner Los Angeles Angels gegen die Oakland Athletics Geschichte, indem er als erster Major Leaguer überhaupt im selben Spiel pitchte, catchte und einen Homerun schlug. Arcia startete das Spiel hinter der Platte und übernahm im siebten Inning den Mound, um die Pitcher des Teams zu schonen, nachdem man bereits mit 16 Runs zurück lag. Der 29-jährige Rookie schlug sich nicht schlecht in der ungewohnten Rolle: Zwar erlaubte er zunächst zwei Homeruns, pitchte dann aber ein sauberes achtes Inning. Im neunten Inning blieb er als Batter im Spiel und erzielte gegen Chris Hatcher den Solo-Homerun zum 3:21-Endstand, womit er seinen historischen Nachmittag vervollständigte.

    Statistik der Woche
    23-31. So lautet die Bilanz der Cleveland Indians gegen Mannschaften, die bei einer Siegquote von .500 oder besser stehen. Das ist erschreckend wenig für ein Team, das insgesamt eine Bilanz von 89-69 aufweist und das vor knapp zwei Wochen als erstes in der ganzen MLB den Gewinn seiner Division perfekt gemacht hat. Die Zahlen nähren die Zweifel daran, dass die Indians so gut sind wie sie in der Tabelle dastehen. Mit diesen Zweifeln müssen sie das ganze Jahr schon leben, weil sie in ihrer AL Central auf keine echten Prüfsteine getroffen sind und ihnen der Gruppensieg quasi in den Schoß gefallen ist. Ob sie in den Playoffs mit den weniger umstrittenen Top-Teams mithalten können, muss sich auf dem Platz zeigen. Die Houston Astros, der Gegner der Indians in der ALDS, haben eine Bilanz von 41-38 gegen Teams, die bei mindestens .500 stehen. Führend in dieser Statistik sind übrigens die Los Angeles Dodgers mit einer Bilanz von 50-38.

    Spiel der Woche
    Über die Toronto Blue Jays konnte man dieses Jahr nicht viel Positives berichten, aber gegen die Tampa Bay Rays haben sie Donnerstagnacht ein ganz fantastisches Spiel oder sagen wir besser: ein ganz fantastisches neuntes Inning hingelegt. Am Anfang der Partie waren sie auch nicht schlecht, immerhin hielten sie die Rays drei Innings lang ohne Hit und gingen durch einen 2-Run-Homerun von Rowdy Tellez in Front. Doch im vierten Inning glich Tampa Bay aus, holte sich im sechsten Durchgang die Führung und zog im siebten mit fünf Runs auf ein scheinbar vorentscheidendes 8:2 davon. Nun war es an dem jungen Blue-Jays-Team – sechs der neun Spieler hatten den größten Teil der Saison in der Minor League verbracht –, Charakter zu zeigen und genau das tat es. Sieben Runs markierten das höchste Comeback im letzten Inning in Torontos 42-jähriger Teamgeschichte. Die entscheidenden Hits zum Ausgleich – Doubles von Dwight Smith und Rowdy Tellez, Homeruns von Danny Jansen und Lourdes Gurriel Jr. – wurden allesamt von Rookies beigesteuert. Der finale Akt war dem Routinier Justin Smoak vorbehalten. Er schlug direkt den nächsten Pitch nach Gurriels Homerun zum Walkoff über den Zaun, weil, so Manager John Gibbons, „wir keine Extra-Innings spielen wollten“.

    Mein Einschalttipp
    Sicher, es stehen an diesem Abschlusswochende der regulären Saison wichtigere Spiele an als eine Partie der New York Mets gegen die Miami Marlins. Genauer gesagt ist das schon seit Monaten eine der unbedeutendsten Paarungen der Liga, weil beide Teams schon sehr lange jede Hoffnung auf eine erfolgreiche Saison verspielt haben. Trotzdem wird das Spiel dieser beiden Teams Samstagnacht ab 1:10 Uhr ein ganz besonderes. Es ist das Abschiedsspiel für einen der großen Spieler seiner Zeit, dessen Karriere leider viel zu früh endet. David Wright, jahrelang Team Captain sowohl der Mets als auch der US-Nationalmannschaft, wird nach über zwei Jahren Verletzungspause noch einmal das Trikot anziehen und als Third Baseman in der Startformation stehen. Damit wird der siebenfache All-Star, zweifache Gold-Glove- und zweifache Silver-Slugger-Gewinner seine aktive Laufbahn abschließen, weil nach zahlreichen Versuchen und Bemühungen um sein Comeback klar geworden ist, dass der Körper – insbesondere der Rücken – einfach nicht mehr mitspielt. Das ist traurig, aber es ist ein Trost für Wright und seine zahlreichen Fans, dass er die Gelegenheit erhält, sich am Samstag in würdigem Rahmen vor ausverkauftem Haus zu verabschieden. Auf DAZN kommt das Spiel zwar nicht, aber dank der eingangs erwähnten Wochenend-Aktion von mlb.tv kann jeder es sehen.

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    September 20th, 2018 by Silversurger

    Neun bis elf Spiele noch, dann ist für alle Teams die reguläre Saison der MLB beendet. Mit Spannung bis zum Schluss ist durchaus zu rechnen, allerdings bezieht sich diese auf nur noch eine Handvoll offener Fragen im Hinblick auf das Playoff-Bild. In der American League stehen die Teilnehmer an der Postseason schon lange fest, inzwischen lassen sich auch die konkreten Paarungen der ersten Runde so gut wie sicher absehen. In der National League stehen noch ein paar mehr Entscheidungen aus, aber zumindest was die reine Teilnahme an den Playoffs angeht, sind es realistisch betrachtet nur noch zwei Teams, die sich um den letzten freien Platz in der Meisterschaftsrunde streiten. Der Grand Slam am Donnerstag konzentriert sich daher heute ganz auf das Playoff-Bild und die noch offenen Fragen.

    National League
    Als Sieger der National League East werden die Atlanta Braves (84-68) in die Playoffs einziehen. Dabei haben sie Glück, dass die Konkurrenz innerhalb der Division recht schwach ist, denn in jeder anderen Division wären sie mit ihrer Bilanz bestenfalls Zweiter. In der ersten Playoff-Runde, der National League Divisional Series (NLDS), werden die Braves aller Voraussicht nach auf den Sieger der NL West treffen. Das wären nach derzeitigem Stand die Los Angeles Dodgers (85-68). Die Dodgers haben über die letzten drei Tage die Colorado Rockies (82-70) gesweept und damit wohl den entscheidenden Big Point gelandet, um nach einer turbulenten Saison wahrscheinlich doch noch den Divisionssieg einzufahren (siehe „Spiel der Woche“).

    Die Rockies laufen derweil Gefahr, am Ende mit leeren Händen dazustehen, denn sowohl in der Division als auch im Wild-Card-Ranking hätten sie momentan das Nachsehen. Ihre größte Hoffnung dürfte darin bestehen, die St. Louis Cardinals (84-69) noch abzufangen. Diese haben zurzeit noch eineinhalb Spiele Vorsprung. Das halbe der eineinhalb Spiele entzieht sich allerdings ihres Einflusses, denn es rührt daher, dass die Rockies noch eine Partie mehr zu absolvieren haben als die Cardinals. Beide Teams haben ein schwieriges Restprogramm: Die Rockies treffen noch auf die Arizona Diamondbacks (79-74), die Philadelphia Phillies (78-73) und die Washington Nationals (77-75) – drei Clubs, die alle so gut wie sicher aus dem Rennen sind, aber wohl mit dem Mute der Verzweiflung um ihre letzte theoretische Chance kämpfen werden. Die Cardinals haben zwar erstmal „nur“ die San Francisco Giants (72-81) vor sich, müssen aber zum Abschluss Serien gegen die Chicago Cubs (89-63) und die Milwaukee Brewers (87-66) spielen (siehe „Einschalttipp“).

    Die Cubs und die Brewers wetteifern noch um die NL Central, der Unterlegene wird ziemlich sicher im Wild-Card-Spiel stehen. Nach derzeitigem Stand würde die NL Central quasi ihre eigenen Playoffs spielen: Zuerst träfen die Brewers und die Cardinals in der Wild-Card-Runde aufeinander. Anschließend würde der Sieger auf das beste NL-Team der regulären Saison treffen, was derzeit die Cubs sind.

    American League
    Die Boston Red Sox (103-49) haben zuletzt zwei Niederlagen gegen die New York Yankees (93-58) einstecken müssen, aber ihre Magic Number für den Divisionssieg liegt nur noch bei 2. Mit einem Sieg im heutigen dritten Spiel gegen die Yankees können sie die letzten Zweifel beseitigen und selbst wenn dieser nicht gelingt, wird ihnen niemand mehr die American League East ernsthaft streitig machen. Auch dass die Red Sox am Ende die beste Bilanz der gesamten AL haben werden, darf als sicher gelten und somit, dass sie in der ALDS auf den Gewinner des Wild-Card-Spiels treffen.

    Das Wild-Card-Spiel tragen die Yankees und die Oakland Athletics (91-61) untereinander aus, auch das steht quasi fest. Die einzige offene Frage vor den Playoffs der AL ist, wer in diesem Spiel Heimrecht haben wird. Das ist keine unerhebliche Frage, denn die beiden Teams stammen von entgegengesetzten Enden der USA und das Gastteam muss eine Anreise von Küste zu Küste auf sich nehmen. Die Trümpfe liegen derzeit klar bei den Yankees: Sie haben zweieinhalb Spiele Vorsprung auf die Athletics und noch ein Spiel mehr zu absolvieren. Daher müssen die A’s sich wohl darauf einrichten, dass die Partie um die Wild Card im Yankee Stadium stattfinden wird. Wenigstens können sie sich mit dem Gedanken trösten, dass die Reise an die Ostküste bei einem erfolgreichen Playoff-Run früher oder später ohnehin nötig geworden wäre; denn wenn die Athletics die Yankees überwinden, geht es anschließend nach Boston.

    In der AL Central stehen die Cleveland Indians (85-66) schon lange als Divisionssieger fest – übrigens mit exakt der gleichen aktuellen Bilanz wie sie die Tampa Bay Rays (85-66) haben, die in der AL East keine Chance auf die Postseason haben. In der ALDS-Runde treffen die Indians aller Voraussicht nach auf den Titelverteidiger, die Houston Astros (95-57). Die Astros haben in Bezug auf die AL West noch eine Magic Number von 7, aber ich sehe kein ernsthaftes Szenario, in dem sie sich den Divisionssieg nehmen lassen. Mit den Los Angeles Angels (75-77), den Toronto Blue Jays (69-83) und am Schluss viermal den Baltimore Orioles (44-108) haben die Astros ein Restprogramm, das man bei allem Respekt für die Gegner als bequem bezeichnen darf.

    Szene der Woche
    Die Szene der Woche besteht aus vier Teilen – der Baseballkenner ahnt schon, was das bedeutet: Es gab mal wieder einen Cycle in der MLB, also einen Single, einen Double, einen Triple und einen Homerun durch einen Spieler im gleichen Spiel. Das ist ein seltenes Ereignis, in diesem Jahr kam es erst dreimal vor. Entsprechend noch viel seltener kommt es vor, dass ein Spieler seinen zweiten Cycle innerhalb einer Saison schlägt. Christian Yelich von den Milwaukee Brewers gelang dies am Montag als erst dritter Spieler in der Geschichte der Liga. Eines schaffte er sogar als Allererster: Noch nie zuvor hatte ein Spieler zwei Cycles in einer Saison gegen dasselbe Team erzielt. Yelich hat es geschafft und sich damit bei den Cincinnati Reds sicher nicht beliebt gemacht.

    Statistik der Woche 
    0. So viele Plate Appearances von Pitchern gab es letzten Samstag im Spiel der Miami Marlins gegen die Philadelphia Phillies (4:5). Beide Teams wechselten ihre Pitcher konsequent gegen Pinch Hitter aus, sobald sie am Schlag gewesen wären. Insgesamt kamen 15 Pitcher zum Einsatz, sieben für die Marlins und acht für die Phillies. Es war das erste MLB-Spiel seit mindestens dem Jahr 1900, in dem weder ein Pitcher noch ein Designated Hitter an den Schlag ging.

    Spiel der Woche
    Die Partie letzte Nacht zwischen den Los Angeles Dodgers und den Colorado Rockies war vermutlich die entscheidende um den Gruppensieg in der NL West. Die Rockies waren als Tabellenführer in die Serie gegangen, hatten jedoch nach Niederlagen in den ersten beiden Spielen den Spitzenrang räumen müssen. Nun galt es im dritten Spiel der Serie, das Schlimmste zu verhindern und den Abstand zu den Dodgers knapp zu halten. Mit zwei Runs gegen Walker Buehler, den starken Rookie der Dodgers, erwischten die Rockies einen guten Start. Doch Buehler fing sich und brachte es letztlich auf sechs Innings, keine weiteren Runs und 12 Strikeouts. Ein Solo-Homerun von Matt Kemp sowie ein RBI-Double von Brian Dozier gegen Colorados Starter Tyler Anderson glichen die Partie aus und alles war wieder offen – bis zum großen Auftritt von Yasiel Puig. Puig kam im siebten Inning als Pinch-Hitter und sah in dem Spiel nur zwei Pitches. Den zweiten schlug er in hohem Bogen über das linke Centerfield zu einem Drei-Run-Homerun, der letztendlich den Unterschied zwischen den beiden Teams bedeutete. Man beachte beim Anschauen der Szene auch, wie Puig in ebenso hohem Bogen seinen Schläger hinterher wirft. Durch den 5:2-Sieg haben die Dodgers nun zweieinhalb Spiele Vorsprung, die schwer aufzuholen sein dürften.

    Mein Einschalttipp
    Da in der AL nahezu alles klar ist, muss der Blick des allgemein interessierten MLB-Fans sich diese Woche auf die NL richten. Eine besonders interessante Serie spielen von Montag bis Mittwoch die Brewers gegen die Cardinals. Für die Cardinals geht es in jedem Fall um den Wild-Card-Platz, für die Milwaukee Brewers vielleicht um noch mehr: Je nachdem, wie die Spiele der Brewers gegen die Pirates (und die der Cubs gegen die White Sox) am Wochenende laufen, haben die Brewers vielleicht noch Chancen, die NL Central zu gewinnen. Vielleicht müssen sie aber auch um das Heimrecht bangen, das sie zurzeit im Wild-Card-Spiel hätten. Die Cardinals würden in den drei Heimspielen der Serie dann sicher alles dafür geben, eine Woche später an gleicher Stelle gegen den gleichen Gegner spielen zu dürfen. Leider wird es einem in Deutschland nicht leicht gemacht, dieser wichtigen und interessanten Serie zu folgen: Erstens finden alle Spiele nach unserer Zeit mitten in der Nacht statt, zweitens wird die Serie von DAZN komplett ignoriert. Erfreulicherweise wird aber die erste Partie (Montagnacht ab 2:15 Uhr) das kostenlose Spiel des Tages auf mlb.tv sein. Als Pitcher werden voraussichtlich Chase Anderson (3.93 ERA, 5.21 FIP) für Milwaukee und Austin Gomber (3.63 ERA, 3.71 FIP) für St. Louis auflaufen.

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