Dezember 24th, 2020 by Silversurger

Fröhliche Festtage allerseits! Der Grand Slam macht auch an Weihnachten keine Pause, fällt heute aber ein bisschen mager aus – es tut sich einfach nicht allzu viel im Baseball in dieser Zeit des Jahres. Feiert schön im kleinen Kreis und schaut spätestens am Dienstag wieder hier vorbei, denn dann gibt es die nächste Folge der Serie über die Skandale der MLB.  

Phillies befördern Fuld
Die Philadelphia Phillies treiben den Umbau ihres Front-Offices weiter voran: Nachdem letzte Woche Dave Dombrowski in der neu geschaffenen Rolle des President of Baseball Operations präsentiert wurde, wird ihm nun Sam Fuld als General Manager zur Seite gestellt. Fuld ist seit dem Ende seiner aktiven Karriere im Jahr 2017 für die Phillies tätig, bislang als Director of integrative Baseball Performance, eine Art Bindeglied zwischen der Analyseabteilung und den Spielern. Ebenfalls befördert wurde innerhalb der Organisation Jorge Vellandia, der künftig als Assistenz-GM tätig ist. 

White Sox sichern sich Yoelki Cespedes 
Eines der talentiertesten Teams der Liga angelt sich ein weiteres Top-Prospect: Die Chicago White Sox sind sich mit Outfielder Yoelki Cespedes einig und werden ihn im Januar gegen ein Handgeld von 2 Millionen Dollar unter Vertrag nehmen. Der 23-jährige Kubaner ist ein Halbbruder von Yoenis Cespedes. Yoelki (auf manchen Seiten auch „Yoelkis“ geschrieben) gilt als eines der größten internationalen Talente der wegen Corona verschobenen Signing-Periode 2020/21.

Neben Cespedes steht mit Oscar Colas ein weiterer Kubaner im Fokus des Interesses. Der Outfielder und Pitcher wurde nach einem längeren Tauziehen mit den japanischen SoftBank Hawks von der MLB zum Free Agent erklärt und kann nun ebenfalls ab 15. Januar verpflichtet werden. Der 22-Jährige wird demnächst einige Probetrainings absolvieren. Die White Sox sind aus dem Rennen um ihn vermutlich raus, nachdem sie einen Großteil ihres verfügbaren Bonuspools für Cespedes verwenden. 

Ein paar Free-Agent-Signings 
Auf dem Free-Agent-Markt haben sich in den letzten Tagen keine großen Namen bewegt, aber ein paar wenige MLB-Signings gibt es doch zu vermelden: Die Detroit Tigers verpflichten SP Jose Urena für ein Jahr zum Preis von 3,25 Millionen Dollar plus 250.000 Euro mögliche Einsatzboni. SP/RP Matt Andriese geht zu den Boston Red Sox. Er erhält dort mindestens 2,1 Millionen für die Saison 2021. Falls der Klub die Option auf ein weiteres Jahr zieht und Andriese sämtliche Einsatzprämien erreicht, kann er in den zwei Jahren bis zu 7,35 Millionen verdienen. Die Los Angeles Dodgers geben RP Tommy Kahnle einen Zweijahresvertrag über rund 5 Millionen. Das ist eine stolze Summe für einen Reliever, der voraussichtlich nur im zweiten Vertragsjahr spielen wird, da er nach einer Tommy-John-Surgery im August wohl 2021 kaum oder gar nicht eingesetzt werden kann. Die Cincinnati Reds schließlich haben RP Edgar Garcia an Land gezogen. Der kürzlich von den Rays entlassene Reliever erhält einen Vertrag über 600.000 Dollar für ein Jahr.

Gehälter fast 2,5 Milliarden niedriger als 2019
Im Jahr 2020 bezahlten die MLB-Klubs rund 1,75 Milliarden Dollar an Spielergehältern. Das ist ein extremer Abfall gegenüber 2019, als diese Zahl noch bei 4,22 Milliarden lag. Der Grund dafür ist natürlich die Corona-Pandemie, welche die Liga zu einer Verkürzung der Saison zwang und dazu, dass die vertraglich vorgesehenen Zahlungen nur anteilig nach Anzahl der Spiele erfolgten. Die Gehälter wurden dadurch gegenüber einer 162-Spiele-Saison um 63% reduziert. Dass die genannte Gesamtsumme nur 59% unter der Marke des letzten Jahres lag, zeigt, dass bei einer normal durchgeführten Saison die Gehälter gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen wären. Die höchste Payroll hatten die Dodgers mit 98,6 Millionen Dollar für ihre Meistermannschaft, gefolgt von den Yankees mit 86,3 Millionen.

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Dezember 22nd, 2020 by Silversurger

Letzte Woche ging es hier unter anderem um Ty Cobb, einen der größten Hitter aller Zeiten. Nur ein Spieler hat in der Geschichte der MLB mehr Basehits erzielt als Cobb: Pete Rose führt mit 4.256 Hits die Karriere-Rangliste an, in der er wohl noch auf Jahrzehnte hinaus uneinholbar sein wird. Trotz dieser einzigartigen Leistung sucht man Rose in der Hall of Fame des Baseballs vergeblich. Warum eigentlich?

Im Jahr 1989 wurde bekannt, dass Rose, der 1986 seine Spielerkarriere beendet hatte und seit 1984 als Manager für die Cincinnati Reds tätig war, beschuldigt wurde, auf Baseballspiele gewettet zu haben. Er stritt dies zunächst ab, doch die Liga setzte Anwalt John Dowd als Sonderermittler ein. Dessen erdrückende Beweisführung im sogenannten Dowd-Report brachte Rose dazu, sich auf einen Deal einzulassen. Er stimmte einem lebenslangen Ausschluss durch die MLB zu, im Gegenzug verzichtete diese auf eine offizielle Anklage. Was dies in letzter Konsequenz für Rose bedeuten würde, konnte ihm zu dem Zeitpunkt nicht klar sein. Denn erst im Nachhinein beschloss die Hall of Fame 1991 eine Regel, dass niemand, der lebenslang gesperrt ist, in die Ruhmeshalle aufgenommen werden darf.  

Erst im Jahr 2002 gab Pete Rose gegenüber dem damaligen Commissioner Bud Selig erstmals zu, tatsächlich auf Spiele gewettet zu haben, während er Manager der Reds war. Er legte dabei großen Wert auf die Feststellung, dass er nie Geld gegen das eigene Team setzte, sondern stets auf dessen Erfolg wettete. Dies führte er auch in seiner 2004 erschienenen Autobiographie My Prison Without Bars aus.

Der Fall Pete Rose spaltet bis heute die Baseballwelt. Darüber, dass man grundsätzlich als Aktiver nicht auf Spiele wetten sollte, sind sich fast alle einig, zumal dies im MLB-Regelwerk schon seit 1927 klar untersagt ist. Ob man allerdings einen der überragenden Spieler der Baseballgeschichte mehr oder weniger aus selbiger tilgen muss, weil er Geld auf das eigene Team gesetzt hat, darüber lässt sich trefflich streiten. Ich persönlich halte diese Strafe für übertrieben, vor allem weil ich – anders als die geltende Regel – einen qualitativen Unterschied zwischen Wetten für und gegen das eigene Team sehe.  

Rose hat im Laufe der Jahre mehrere Anträge auf Begnadigung von der lebenslangen Sperre gestellt, die allesamt abschlägig beschieden wurden, zuletzt 2015 durch den aktuellen Commissioner Rob Manfred. Im Februar 2020 beantragte Rose erneut eine Prüfung seines Falls im Lichte des Sign-Stealing-Skandals der Astros, für den bekanntlich deutlich mildere Strafen ausgesprochen wurden. Die Chancen, dass ihm dies etwas nützt, dürften schlecht stehen.

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Dezember 8th, 2020 by Silversurger

Ihr wollt sie, ihr bekommt sie: Eine überwältigende Mehrheit der teilnehmenden Baseblog-Leserinnen und Leser hat im Offseason-Wunschkonzert für eine Serie über die größten Skandale der MLB-Geschichte gestimmt. Pflichtschuldig habe mich umgehend durch die Wäschekammer des Baseballs gewühlt und die zehn schmutzigsten Geschichten ausgegraben, um sie euch im Laufe der nächsten Wochen vorzustellen. 

Den Anfang macht heute ein Ereignis, an das man normalerweise nicht so schnell denkt, wenn es um Betrug oder krumme Geschäfte geht: ein All-Star-Game. Das jährliche Freundschaftsspiel der Stars der National League gegen jene der American League ist sportlich nicht mehr als ein fröhlicher Pausenfüller zur Halbzeit der regulären Saison. Die Berufung zur Teilnahme an dem Spiel ist jedoch durchaus ein wichtiger Eintrag in der Vita eines MLB-Spielers.

Wie und von wem man gewählt werden kann, hat sich seit dem ersten All-Star-Game 1933 ein paarmal geändert. Für die ersten beiden Spiele wählten die Fans die Starter beider Teams, die jeweiligen Manager füllten die Kader auf. Von 1935 bis 1946 wurden die Teams allein von den Managern bestimmt, bevor man 1947 dahin zurückkehrte, zumindest die acht Positionsstarter von den Fans bestimmen zu lassen. Das ging zehn Jahre gut, bis das Wahlsystem 1957 von Anhängern der Cincinnati Redlegs (den heutigen Reds) allzu offensichtlich missbraucht wurde.

Die Wahl zum All-Star-Team der National League 1957 brachte hervor, dass sieben von acht Starterposten von Spielern der Redlegs besetzt wurden. First Baseman Stan Musial von den St. Louis Cardinals war der einzige Nicht-Redleg, der gewählt wurde – mit knapper Mehrheit vor George Crowe, dem First Baseman der Redlegs. Die Redlegs hatten damals zweifellos eine starke Offensive, aber kaum jemand glaubte ernsthaft daran, dass sie es verdienten, das NL-Team quasi alleine zu stellen.

Bei einer Untersuchung, die der damalige MLB-Commissioner Ford Frick in Auftrag gab, stellte sich heraus, dass mehr als die Hälfte aller abgegebenen Stimmen aus Cincinnati stammte. Eine ganze Reihe von Sponsoren und Unterstützern der Redlegs hatte mit Mitteln auf die Wahl eingewirkt, die über das übliche Maß lokaler Mobilisierung weit hinausgingen. So hatten zum Beispiel die Tageszeitungen „The Cinicnnati Enquirer“ und „Cincinnati Times-Star“ mehrfach Wahlzettel abgedruckt, die mit dem kompletten Lineup der Redlegs vorausgefüllt waren. Die Brauerei „Burger Beer“ hatte 250.000 Vordrucke an Lokale verteilt, und es wurde von Wirten berichtet, die Gästen den Ausschank verweigerten, wenn diese sich nicht an der Wahl beteiligten. Eine junge Frau gab an, allein 1.400 Wahlzettel ausgefüllt zu haben – eine reife Leistung in einem Zeitalter, in dem es keine Heim-PCs mit Drucker geschweige denn Internetbots gab und somit mühsame Handarbeit angesagt war. Zu den selbst erklärten Top-Wählern gehörte auch der ehemalige Redlegs-Pitcher Nellie Pott, der 820-mal abstimmte.

Trotz massiver Proteste aus Cincinnati entschied Commissioner Frick, das Wahlergebnis nicht vollständig anzuerkennen und zwei Startpositionen mit Willie Mays (New York Giants) und Hank Aaron (Milwaukee Braves) zu ersetzen. Noch deutlich härter war die Konsequenz, die Frick für das Wahlverfahren in den folgenden Jahren zog: Das Fan-Voting wurde abgeschafft, die Wahl der All-Star-Spieler stattdessen unter den Managern, Trainiern und Spielern der Liga aufgeteilt. Erst seit 1970 dürfen die Fans wieder mitbestimmen.

 

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November 26th, 2020 by Silversurger

Von den 20 Top-Free-Agents dieser Offseason haben erst zwei einen neuen Vertrag unterschrieben – Marcus Stroman über das Qualifying Offer bei den Mets und nun Charlie Morton bei den Braves. Auch sonst war in der MLB in der Thanksgiving-Woche nicht allzu viel los. Dafür gibt es einige interessante Baseball-Neuigkeiten aus dem Südosten der Weltkarte, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Braves signen Morton
Den Atlanta Braves waren gegen Ende der Saison 2020 die Pitcher ausgegangen, daher sind sie nun offenbar besonders eifrig dabei, neue Arme ins Team zu bringen. Wobei „neu“ ein sehr relativer Begriff ist, denn nach der letztwöchigen Verpflichtung des 31-jährigen Drew Smyly gaben sie nun den 37-jährigen Charlie Morton als weiteren Neuzugang bekannt. Morton hatte dieses Jahr für die Tampa Bay Rays eine eher mittelmäßige reguläre Saison (4.74 ERA in 38 Innings), spielte aber eine starke Postseason (2.70 ERA, 20 Innings). Die Rays verzichteten darauf, ihn per Vertragsoption für 15 Millionen Dollar ein weiteres Jahr lang an sich zu binden – offenbar in der Hoffnung, sich auf eine Weiterverpflichtung für weniger Geld einigen zu können. Diese Rechnung ging nicht auf, denn bei den Braves bekommt er nun exakt die Summe, die die Rays nicht zahlen wollten.

5 Jahre Vertrag für Hoyer
Wie letzte Woche berichtet, rückt der bisherige General Manager der Chicago Cubs, Jed Hoyer, im Klub eine Ebene höher auf den von Theo Epstein freigemachten Posten des „President of Baseball Operations“. Die Cubs haben die Beförderung inzwischen offiziell bestätigt, verbunden mit einem neuen Fünfjahresvertrag für Hoyer.
Die Bezeichnungen der Funktionen in den Front Offices sind mitunter etwas verwirrend. Hoyer hat jetzt die Hauptverantwortung für die Baseballgeschäfte eines MLB-Klubs und damit im Prinzip denselben Job, den er von 2009 bis 2011 als General Manager der San Diego Padres ausübte. Seine bisherige Funktion in Chicago trug die gleiche Bezeichnung, war aber Epstein untergeordnet. 

Trade zwischen Rockies und Reds
Die Colorado Rockies und die Cincinnati Reds haben sich auf einen Tausch ehemaliger Top-Pitching-Prospects geeinigt. Von Colorado nach Cincinnati wechselt Rechtshänder Jeff Hoffman, begleitet von Minor-League-Pitcher Case Williams. Dafür schicken die Reds Rechtshänder Robert Stephenson sowie Minor-League-Outfielder Jameson Hannah. Hoffman und Stephenson teilen ähnliche Geschichten. Beide sind ehemalige Erstrunden-Draftpicks, die inzwischen ihre Minor-League-Options verbraucht haben, in der MLB aber bislang nicht Fuß fassen konnten. Die Hoffnung ist für beide, dass ein Wechsel der Umgebung ihrer Entwicklung gut tut und ihnen vielleicht doch noch eine Zukunft in den Big Leagues eröffnet.

Fukuoka Hawks viermal hintereinander Meister
Die Finalserie der japanischen Baseball-Meisterschaft war eine klare Angelegenheit: Die Fukuoka Softbank Hawks ließen den Yomiuri Giants mit einem Vier-Spiele-Sweep keine Chance. Eine besonders beeindruckende Performance gelang Matt Moore in Spiel 3 der Serie. Der ehemalige MLB-Pitcher warf sieben No-Hit-Innings, bevor der Bullpen übernahm und erst bei zwei Outs im neunten Inning den einzigen Single der Giants erlaubte. Für die Hawks ist es bereits der vierte Titel in Folge sowie der siebte in den letzten zehn Jahren.

Dinos holen erste KBO-Meisterschaft
In Südkorea endete am Dienstag die Saison der Profiliga KBO mit einem Sieg der NC Dinos in Spiel 6 der Finalserie über die Doosan Bears. Für die in Changwon angesiedelten Dinos ist es der erste Titel ihrer Klubgeschichte. Das riesige Schwert, mit dem sie in unten stehendem Video feiern, ist übrigens nicht die offizielle Trophäe der KBO. Es handelt sich um den Nachbau eines begehrten Items aus einem der Games der Videospielfirma, der das Team gehört.

ABL in neuem Format 
Während auf der Nordhalbkugel nun alle wichtigen Ligen ihre Saison abgeschlossen haben, laufen in Australien die Planungen für die neue Spielzeit auf Hochtouren. Am 18. Dezember soll die ABL den Spielbetrieb aufnehmen, coronabedingt mit einigen Änderungen gegenüber den Vorjahren. Die einschneidendste Neuigkeit ist, dass die Liga sich dieses Jahr wieder rein auf Australien beschränkt. Die beiden Teams aus Südkorea und Neuseeland haben sich zur Vermeidung von Reiseaktivitäten abgemeldet. Die verbleibenden sechs australischen Teams werden einen Spielplan absolvieren, der aus wenigen normalen Heim- und Auswärtsspielen sowie aus zwei jeweils einwöchigen Camps in Adelaide und Brisbane besteht. Bis Ende Januar soll auf diese Weise jedes Team 24 Spiele bestreiten. Das daran anschließende Playoff-Format wird noch ausgearbeitet und bis Saisonstart bekannt gegeben.

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Oktober 8th, 2020 by Silversurger

Hochspannung in den MLB-Playoffs: Noch keines der Divisional-Duelle ist entschieden, aber in allen vier Serien kann es  schon heute soweit sein. Vor der Zusammenfassung des sportlichen Geschehens der letzten Tage noch kurz zwei Neuigkeiten von außerhalb der Playoff-Bubble: Neben den Los Angeles Angels sind nun auch die Philadelphia Phillies auf der Suche nach einem neuen General Manager. Matt Klentak hat nach fünf weitgehend erfolglosen Jahren – ohne Winning Season, ohne Playoff- Teilnahme – seinen Rücktritt erklärt. Und auch bei den Cincinnati Reds ist eine Stelle offen: Dick Williams hat gestern erklärt, seinen Posten als „President of Baseball Operations“ abgeben zu wollen. 

National League
Da in den NLDS-Duellen erst je zwei Spiele absolviert wurden, konnte noch keine der Best-of-5-Serien entschieden werden. Allerdings stehen sowohl die Atlanta Braves als auch die Los Angeles Dodgers mit einem Bein in der nächsten Runde. 

Die Braves haben die ersten Spiele gegen die Miami Marlins 9:5 und 2:0 gewonnen. Wie schon in der Wild-Card-Runde gegen die Cincinnati Reds überzeugen die Braves bislang vor allem mit starkem Pitching, ihrer ursprünglich angenommenen Schwachstelle. Die Braves haben nun drei Matchbälle für den letzten nötigen Sieg, um in die Championship-Serie der NL einzuziehen. 

Dasselbe gilt für die Dodgers, die mit 5:1 und 6:5 beide Partien gegen die San Diego Padres für sich entschieden haben. Im ersten Spiel war Geduld gefragt, denn die Dodgers blieben fünf Innings ohne Hit und lagen 0:1 zurück, bevor im sechsten Durchgang der Knoten platzte und sie gleich vier Runs aufs Scoreboard brachten. Auch im zweiten Spiel überkamen sie einen frühen Rückstand und wehrten im neunten Inning ein Comeback des Gegners ab, um sich die vielversprechende Ausgangslage vor Spiel drei zu sichern. 

American League
In der AL gibt es nach drei Spielen ebenfalls noch keine Entscheidung. Nah dran waren die Houston Astros, die mit 10:5 und 5:2 die ersten Spiele gegen die Oakland Athletics gewannen. In der dritte Partie nahmen sie den Athletics zweimal die Führung ab, mussten sich am Ende aber doch geschlagen geben (siehe „Spiel der Woche“). 

Die New York Yankees landeten mit 9:3 den ersten Erfolg in der Serie gegen die Tampa Bay Rays, doch die Spiele zwei und drei gingen mit 7:5 und 8:4 an den Gegner. War vor der Serie noch die Frage, ob das formidable Pitching der Rays die Homerun-Power der Yankees unter Kontrolle halten kann, so sieht es nun eher danach aus, dass die Rays die Yankees mit deren eigenen Waffen schlagen: Vier Homeruns am Dienstag, drei Homeruns am Mittwoch waren der maßgebliche Faktor, dass die Rays nur noch einen Sieg vom Einzug in die Championship-Serie entfernt sind.

Szene der Woche
Der Endstand von 9:3 für die Yankees klingt nach einer klaren Angelegenheit, aber tatsächlich war die Partie gegen die Rays am Montag ein enorm spannendes Spiel mit mehreren Führungswechseln. Die Entscheidung zugunsten der Bronx-Bomber brachte erst der Paukenschlag im neunten Inning, der folgende Grand Slam von Giancarlo Stanton. Als Szene der Woche steht er auch stellvertretend für insgesamt sechs Homeruns durch Stanton in den bisherigen fünf Playoff-Spielen. 

Statistik der Woche 
18. Das ist die gleiche Zahl wie letzte Woche an dieser Stelle, aber eine ganz andere Statistik: 18 Strikeouts erzielten die Pitcher der Rays am Dienstag beim 7:5 gegen die Yankees und stellten damit einen neuen Rekord für 9-Inning-Playoffspiele auf. 10 davon gingen auf das Konto von Starter Tyler Glasnow, der die ersten fünf Innings pitchte.

Spiel der Woche
Das offizielle Homerun-Derby der MLB musste dieses Jahr coronabedingt ausfallen, aber die Oakland Athletics und die Houston Astros taten gestern alles, um die Fans von weiten Schlägen für den Verlust zu entschädigen. Siebenmal ging der Ball in der heiß umkämpften Partie über den Zaun. Entscheidend waren am Ende ironischerweise zwei Bälle, die zwar etwas zu kurz gerieten, jedoch als Sacrifice-Flys den Athletics die Runs zum 8:7 und 9:7 brachten. 

Mein Einschalttipp
Die MLB-Saison ist längst in der Phase angelangt, in der jedes Spiel, das sich zeitlich und vom Schlafbedarf her einrichten lässt, Pflichtprogramm ist. Das gilt erst recht für die Baseball-Bundesliga, in der an den beiden kommenden Wochenenden das Finale um die Deutsche Meisterschaft zwischen den Bonn Capitals und den Heidenheim Heideköpfen ansteht. Am Samstag ab 15 Uhr und am Sonntag ab 14 Uhr gibt es vermutlich zum letzten Mal in diesem Jahr die Chance, deutschen Spitzenbaseball per Livestream zu verfolgen. Die Partien aus Bonn werden wie üblich auf sportdeutschland.tv gesendet. Die weiteren Spiele der Best-of-5-Serie finden am folgenden Wochenende in Heidenheim statt, von wo es leider in der Regel keine Liveübertragung gibt. 

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Oktober 1st, 2020 by Silversurger

Die Baseball-Nacht des Jahres liegt hinter uns: Acht Playoff-Spiele an einem Tag hatte es noch nie gegeben und wird es auch auf absehbare Zeit nicht mehr geben. Denn in der American League sind bereits drei von vier Duellen der Wild-Card-Runde entschieden. Somit müssen heute nur die Oakland Athletics und die Chicago White Sox zum entscheidenden dritten Spiel antreten, während in den Serien der National League Spiel zwei ansteht.

In den Teams, die sich nicht für die Postseason qualifizieren konnten, werden derweil schon erste Weichen für das kommende Jahr gestellt: Die Boston Red Sox trennen sich nach nur einem Jahr von Manager Ron Roenicke, die Los Angeles Angels entlassen General Manager Billy Eppler. Auch bei den New York Mets steht die Ablösung von GM Brodie van Wagenen so gut wie fest, sobald der Verkauf der Franchise an Steve Cohen offiziell ist. Zwei langjährige und beliebte MLB-Spieler werden wir nicht mehr auf dem Spielfeld sehen: Hunter Pence (Giants) und Alex Gordon (Royals) haben das Ende ihrer Karrieren verkündet. 

American League
Die erste Divisional-Serie der AL steht bereits fest. Die Tampa Bay Rays treffen ab Montag in einer Best-of-5-Serie auf die New York Yankees. Die Rays entledigten sich ihrer Wild-Card-Aufgabe gegen die Toronto Blue Jays souverän mit 3:1 und 8:2. Souverän waren auch die Yankees in Spiel 1 gegen die Cleveland Indians. Sie verschafften Cy-Young-Kandidat Shane Bieber einen rabenschwarzen Tag und gewannen das Spiel 12:3. Die zweite Partie war deutlich spannender, doch nach Comebacks im vierten und im neunten Inning behielten die Yankees auch hier die Oberhand und sicherten sich mit einem 10:9 den Sweep über die Indians. Die Serie zwischen den Rays und den Yankees wird in San Diego stattfinden.

Für die andere Divisional-Serie haben sich als erstes Team die Houston Astros qualifiziert. Das ist die erste große Überraschung dieser Playoffs, denn mit ihrer negativen Saisonbilanz (29-31) und als Auswärtsteam reisten die Astros als klarer Außenseiter nach Minnesota. Doch die Twins konnten ihre Playoff-Schwäche (siehe „Statistik der Woche“) nicht ablegen, während die Astros routiniert ihre Postseason-Erfahrung ausspielten und die Partien mit 4:1 und 3:1 nach Hause brachten.

Der Gegner der Astros in der ALDS in Dodger Stadium werden entweder die Oakland Athletics oder die Chicago White Sox sein. Die beiden Teams haben sich als bisher einzige die Siege in den Spielen eins und zwei geteilt. Beim 4:1-Sieg der White Sox feuerte Lucas Giolito sechs perfekte Innings, bevor er im siebten Durchgang den ersten Hit und im achten den einzigen Run abgab. Tags darauf kam die Offense der Athletics schneller und besser ins Spiel. Die Aufholjagd der White Sox kam zu spät und endete mit einer 3:5-Niederlage.  

National League
Die NL hatte letzte Nacht ihren ersten Wild-Card-Spieltag, daher konnte logischerweise noch keine der Best-of-3-Serien entschieden werden. Die Los Angeles Dodgers wurden im ersten Spiel ihrer Favoritenrolle gerecht und schlugen die Milwaukee Brewers 4:2. Der Sieger dieses Duells trifft in der nächsten Runde in Arlington auf San Diego oder St. Louis. St. Louis setzte sich etwas überraschend im ersten Spiel mit 7:4 durch. Den Padres könnten Pitching-Probleme zum Verhängnis werden: Die Asse Dinelson Lamet und Mike Clevinger sind verletzt und Chris Paddack erwischte gestern einen richtig miesen Tag, was nicht nur die Niederlage, sondern auch viel Arbeit für den Bullpen verursachte.

Die spannendste Partie der bisherigen Playoffs war eindeutig die erste Begegnung zwischen den Atlanta Braves und den Cincinnati Reds. Mehr dazu weiter unten beim „Spiel der Woche“. Einen veritablen Upset gab es in Chicago, wo den Miami Marlins ein einziges starkes Offensiv-Inning reichte, um beim 5:1 gegen die Cubs das neueste Kapitel ihrer Cinderella-Story zu schreiben. Die Gewinner der beiden Serien treffen ab Dienstag zur NLDS in Houston aufeinander. 

Szene der Woche
Wir sind zwar schon mitten in der Postseason, aber das Triple Play der Brewers vom letzten Tag der regulären Saison möchte ich euch nicht vorenthalten:

Statistik der Woche 
18. So viele Playoff-Spiele haben die Minnesota Twins nun hintereinander verloren. Der traurige Rekord reicht zurück bis in die ALDS 2004, in der die Twins die Spiele zwei bis vier gegen die Yankees abgaben. Es folgten ein 0-3-Sweep gegen die Athletics 2006 und dann 2009, 2010, 2017 und 2019 immer wieder Niederlagen gegen die Yankees. Entsprechend groß war die Begeisterung, dass es dieses Jahr in Runde 1 endlich mal nicht gegen die Yankees ging, doch auch gegen die Astros war für das Team von Max Kepler nichts zu holen.

Spiel der Woche
Alle Freunde des gepflegten Defensivspiels, die am Dienstag von Bieber vs. Cole enttäuscht wurden, folgte die Entschädigung einen Tag später in Form einer epischen Pitchingschlacht zwischen Max Fried und Trevor Bauer sowie den jeweiligen Bullpens der Atlanta Braves und der Cincinnati Reds. Es war das erste Playoffspiel seit 1997, das mit 0:0 in die Verlängerung ging, und es war das erste überhaupt, bei dem auch nach elf und zwölf Innings keine Runs auf dem Scoreboard auftauchten. Erst in der unteren Hälfte des 13. Innings gelang den Braves bei einem Single von Freddie Freeman der erste Zähler und damit der Walk-Off-Sieg. Noch ein Rekord: 37 Strikeouts von beiden Teams zusammen hatte es in einem Playoffspiel bisher nie gegeben.

Mein Einschalttipp
In den Playoffs ist natürlich jedes Spiel ein Einschalttipp, aber heute lege ich euch ganz besonders die Partie der Oakland Athletics gegen die Chicago White Sox ans Herz. Zur besten mitteleuropäischen Sendezeit um 21:10 Uhr beginnt das entscheidende dritte Spiel um den Einzug in die ALDS. 

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September 28th, 2020 by Silversurger

Es lief längst nicht alles glatt in der wegen Corona verkürzten MLB-Saison 2020, aber der erste große Meilenstein ist erreicht: Die reguläre Saison wurde wettbewerbsgerecht durchgeführt und abgeschlossen, sodass jetzt die Playoffs folgen können. Um die Teilnehmerplätze wurde vor allem in der National League bis zum letzten Tag gerungen. Auf der Zielgeraden war es eher ein Schneckenrennen, denn die Brewers verloren zwar ihr letztes Spiel, profitierten aber davon, dass sowohl die Giants als auch die Phillies es ihnen gleichtaten. Anscheinend war niemand besonders wild darauf, bei den Dodgers antreten zu müssen…

Die Best-of-3-Serien der Wild-Card-Runde finden komplett im Stadion des höher gesetzten Teams statt und werden ohne Pausentag durchgezogen. Den Anfang machen die Teams der American League, die am Dienstag, Mittwoch und (sofern das dritte Spiel nötig ist) am Donnerstag spielen. Die Serien der National League laufen von Mittwoch bis Freitag. Die nächste Runde der Playoffs, die Divisional-Series, beginnt nächste Woche am Montag (AL) bzw. Dienstag (NL).

American League
Tampa Bay Rays vs. Toronto Blue Jays
Das Duell der Nr. 1 gegen die Nr. 8 der AL ist das einzige zwischen zwei Teams, die sich schon während der regulären Saison gesehen haben. In diesen Spielen behielten die Rays mit 6:4 Siegen die Oberhand, und natürlich gehen sie auch in die Playoffs als Favorit. Für die Blue Jays ist es bereits ein Riesenerfolg, so weit gekommen zu sein in einem Jahr, in dem sie wegen Coronaauflagen kein einziges Spiel in ihrem eigenen Stadion absolvieren durften.

Oakland Athletics vs. Chicago White Sox
Das junge Team der White Sox schien auf dem besten Weg, die AL Central zu gewinnen, doch auf der Zielgeraden geriet es spürbar ins Stolpern mit nur noch zwei Siegen aus den letzten acht Spielen. Damit haben sie sich eingehandelt, bei den Athletics antreten zu müssen, die die AL West in diesem Jahr massiv dominiert haben.

Minnesota Twins vs. Houston Astros
Die Twins haben in den letzten Spielen alles dafür gegeben, nicht wieder gegen die Yankees antreten zu müssen, gegen die ihre letzten vier Playoffteilnahmen allesamt in der ersten Runde endeten. Das ist gelungen, indem das Kepler-Team sich den Divisionssieg und damit Rang 3 auf der Setzliste sicherte. Nun dürfen sie zu Hause antreten gegen die Houston Astros, das ehemalige Spitzenteam, welches nach dem Sign-Stealing-Skandal und einer negativen Saisonbilanz seinen Schrecken weitgehend verloren hat.

Cleveland Indians vs. New York Yankees
Auch eine interessante Paarung: Das Team mit der stärksten Offense der AL – die Yankees mit 315 erzielten Runs – trifft auf das Team mit der besten Defense der MLB – die Indians mit nur 209 zugelassenen Runs. Sowohl die Indians als auch die Yankees hatten in der ersten Septemberhälfte einen Durchhänger und gerieten in Gefahr, die Playoff-Teilnahme zu verspielen. Beide haben sich dann wieder gefangen und spielen nun die Teilnahme an der Divisional-Runde untereinander aus.

National League
Los Angeles Dodgers vs. Milwaukee Brewers
Die Dodgers waren vor der Saison der große Favorit, und bisher sind sie allen Erwartungen gerecht geworden: Zum achten Mal in Folge haben sie die NL West gewonnen und das mit einer Winning Percentage von 71,7%  und somit der besten MLB-Saison eines Teams seit 1954. Die Brewers sind trotz einer negativen Bilanz gerade noch ins Playoff-Feld gerutscht und somit krasser Außenseiter gegen das Über-Team aus Los Angeles.

Atlanta Braves vs. Cincinnati Reds
Während die drei Mit-Favoriten in der vermeintlich starken NL East enttäuschten, sicherten die Braves sich souverän den dritten Divisionssieg in Folge. Nun wollen sie endlich mal über die erste Playoff-Runde hinauskommen, was ihnen die letzten neun Male verwehrt blieb. Die Reds haben es zum ersten Mal seit sieben Jahren in die Postseason geschafft. Nicht zuletzt wegen der überragenden Form von Cy-Young-Kandidat Trevor Bauer könnten sie für eine weitere Überraschung gut sein.

Chicago Cubs vs. Miami Marlins
Die Cubs hatten unter ihrem neuen Manager David Ross einen sehr starken Start in die Saison und cruisten den Rest des Weges mit wechselhaften Leistungen zum Divisionssieg. Vor dem Überraschungsteam aus Miami sollten sie gewarnt sein: Die Marlins haben bisher noch nie eine Playoff-Serie verloren. Bei ihren beiden bislang einzigen Teilnahmen, 1997 und 2003, holten sie immer gleich die World Series.

San Diego Padres vs. St. Louis Cardinals
Als Divisionszweiter ist „Slam Diego“ zwar nur an Nummer 4 gesetzt, aber nach Siegen und Run Differential sind die Padres das zweitstärkste Team der NL. In der Heimserie gegen St. Louis sehe ich sie als deutlichen Favoriten. Andererseits haben die Cardinals dieses Jahr schon unter Beweis gestellt, dass sie in der Lage sind, widrigsten Umständen zu trotzen – man denke nur an ihre 16-tägige Pause wegen Coronafällen und an die vielen, vielen Doubleheader, die sie deswegen den Rest der Saison über spielen mussten.

 

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September 1st, 2020 by Silversurger

Gestern ist die Frist für Spielerwechsel in der laufenden MLB-Saison abgelaufen. Angesichts der Kürze und der Unsicherheiten dieser Saison hielten sich viele Teams im Vergleich mit „normalen“ Jahren eher zurück mit größeren Investitionen. Eine deutliche Ausnahme davon stellen die San Diego Padres dar. Mit 10 Zu- und 14 Abgängen waren sie extrem aktiv und adressierten sämtliche Schwächen ihres bisherigen Kaders. Der prominenteste Neuzugang ist Starting Pitcher Mike Clevinger, der gemeinsam mit Outfielder Greg Allen und einem noch nicht benannten Spieler von den Cleveland Indians kommt. Zudem bekommen die Padres Catcher Jason Castro von den Angels, DH Mitch Moreland von den Red Sox, Reliever Trevor Rosenthal von den Royals sowie von den Mariners Catcher Austin Nola und die Reliever Taylor Williams, Dan Altavilla und Austin Adams. Abgegeben haben sie dafür einige Ersatzspieler und Prospects – allerdings ohne die Spitze ihres Farmsystems anzutasten. Die Padres sind damit der klare Gewinner der diesjährigen Trade-Deadline. Neben der produktivsten Offense der Liga stellen sie nun mit Clevinger, Chris Paddack und Dilson Lamet ein Top-Trio in der Rotation, das sich hinter niemandem verstecken muss und Unterstützung mit viel frischem Wind aus dem Bullpen bekommt.

Ebenfalls recht aktiv waren die Toronto Blue Jays. In der begründeten Hoffnung, einen Run auf die Playoffs zu starten, haben sie ihr Starting Pitching mit Ross Stripling (Dodgers), Robbie Ray (Diamondbacks) und Taijuan Walker (Mariners) aufgerüstet. Hinzu kommt mit Jonathan Villar (Marlins) eine Ergänzung für das Infield.

Auch die Cincinnati Reds und die New York Mets scheinen dieses Jahr noch etwas vorzuhaben, wenngleich sie zurzeit ein paar Spiele von den Playoffplätzen entfernt sind. Beide haben sich punktuell verstärkt: die Reds mit Outfielder Brian Goodwin (Angels) und Reliever Archie Bradley (Diamondbacks), die Mets mit Catcher Robinson Chirinos und Infielder Todd Frazier (beide von den Rangers) sowie mit Reliever Miguel Castro (Orioles). Castro kann sich beim Kofferpacken Zeit lassen, denn die Mets spielen heute und morgen in Baltimore, sodass er erstmal nur die Uniform und von einem Dugout in den anderen wechseln muss. 

Nicht ganz schlau werde ich (wie schon in der gesamten bisherigen Saison) aus der Rolle, die die Miami Marlins spielen. Das Team belegt reichlich überraschend mit einer ausgeglichenen Bilanz Platz 2 der NL East. Soll man in so einer Situation zur Trade-Deadline als Seller oder Buyer auftreten? Die Marlins haben sich für beides entschieden: Villar für Outfield-Prospect Griffin Conine zu den Blue Jays zu schicken, ist ein typischer Seller-Move; andererseits holen sie Outfielder Starling Marte von den Diamondbacks im Austausch gegen einen erkrankten Pitcher (Caleb Smith) und zwei Prospects. Das spricht dann doch eher dafür, dass sie bei dem Versuch, zum ersten Mal seit 2003 die Playoffs zu erreichen, Ernst machen wollen. Eine weitere Verstärkung erwarten die Marlins davon, dass 2B Isan Diaz entschieden hat, von seinem ursprünglichen Corona-Opt-Out zurückzutreten. Das ist wohl auch der Grund, aus dem Villar verzichtbar geworden ist.

Den seltsamsten Move haben meiner Ansicht nach die Milwaukee Brewers getätigt: Ihre einzige Aktion zur Trade-Deadline bestand darin, Reliever David Phelps für drei Minor-League-Pitcher zu den Philadelphia Phillies zu schicken. Damit schwächen sie nicht nur ihr eigenes Team, das nur einen Sieg vom Wild-Card-Platz entfernt steht, sondern sie schicken ausgerechnet dem Team eine Verstärkung, das eben jenen Wild-Card-Platz zurzeit belegt und damit die direkte Konkurrenz darstellt.

Zu den Verlierern der Deadline würde ich neben den Brewers auch die Astros, die Yankees, die Rays und die White Sox zählen – lauter Teams mit Playoff-Ambitionen und Verletzungsproblemen vor allem im Pitching, die die Frist untätig verstreichen ließen. 

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Juni 16th, 2020 by Silversurger

In meiner Serie über Major-League-Ballparks sind wir heute zu Gast in dem Stadion mit dem hochtrabendsten Namen der MLB: dem Great American Ballpark in Cincinnati. Der Name ist allerdings kein Ausdruck einer übersteigerten Selbstwahrnehmung. Er entstammt schlicht einem Sponsorenvertrag mit dem Versicherungsunternehmen Great American Insurance, das 75 Millionen Dollar für die Namensrechte über 30 Jahre bis 2033 bezahlt hat.

Geschichte
Die Reds sind eine der ältesten Baseball-Franchises und eine der wenigen, die immer in derselben Stadt geblieben ist. Von daher überrascht es nicht, dass Great American Ballpark bereits die siebte Heimstätte in der Geschichte der Reds ist. Der direkte Vorgänger war Riverfront Stadium (zeitweise „Cinergy Field“), das von 1970 bis 2002 in Betrieb war.

Bei Riverfront Stadium handelte es sich um eine Multifunktionsarena, die die Reds sich mit den Footballern der Cincinnati Bengals teilten. Wie an vielen anderen Sport-Standorten wuchs auch in Cincinnati in den 90er-Jahren der Wunsch, das gemeinsam genutzte Stadion durch eigene Bauten für die jeweiligen Teams zu ersetzen. Die Wähler der Kommune Hamilton County stimmten 1996 zu, durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um ein halbes Prozent Neubauten für sowohl die Bengals als auch die Reds zu ermöglichen. Den Anfang machte die Football-Arena Paul Brown Stadium, die im August 2000 eröffnet wurde. Im selben Monat begann der Bau des neuen Ballparks für die Reds.

Als Standort für Great American Ballpark wurde der Platz direkt neben dem alten Riverfront Stadium gewählt. Das alte Stadion musste dazu – während es weiterhin genutzt wurde – schrittweise in Teilen und Ende 2002 schließlich komplett abgerissen werden. Pünktlich zur Saisoneröffnung am 31. März 2003 war der neue Ballpark fertig. Nach dem zeremoniellen ersten Pitch von Ex-Präsident George Bush hatte Reds-Superstar Ken Griffey Jr. mit einem Double im ersten Inning die Ehre, den ersten Hit im neuen Stadion zu erzielen. Das war dann allerdings auch schon das Highlight des Spiels aus Sicht des Heimteams, welches den Pittsburgh Pirates 1:10 unterlag.

Die MLB trug 2015 das All-Star-Spiel im Great American Ballpark aus. Die Reds konnten seit dem Einzug in das Stadion noch keine großen Erfolge feiern. Dreimal – 2010, 2012 und 2013 – erreichten sie die Playoffs, schieden aber jeweils in der ersten Runde aus und verloren dabei sämtliche Heimspiele. Homer Bailey gelang 2013 für die Reds bei einem 3:0 gegen die San Francisco Giants der erste No-Hitter des Ballparks. 2016 tat es ihm Jake Arrieta für die Chicago Cubs beim 16:0 über die Reds gleich.

Great American Ballpark vom Ohio River aus (1)

Architektonische Auffälligkeiten
Great American Ballpark ist ein Vertreter des retro-modernen Stils, der durch Clevelands Progressive Field prominent wurde. Von außen dominieren Stahl und Glas sowie eine Fassade aus Ziegel- und Gusssteinen. Die Ziegelsteine sind typisch für die Architektur von Cincinnati, die Gusssteine reflektieren die nahe gelegene Roebling Suspension Bridge.

Im Stadion und drumherum finden sich diverse Anspielungen auf die früheren Ballparks der Reds. Eine Erinnerung an Crosley Field, die Reds-Heimat von 1912 bis 1970, ist Crosley Terrace. Es handelt sich um eine raumgreifende Installation direkt vor dem Haupteingang, die eine imaginäre Spielszene mit mehreren Bronzefiguren historischer Spieler zeigt. Deutlich subtiler ist eine Anspielung auf Riverfront Stadium: Sie besteht darin, dass die Tiefe des Centerfields mit 404 Fuß exakt gleich groß gestaltet wurde wie im alten Stadion.

Durch die niedrigen Tribünen im Center- und Rightfield genießt man von den meisten Plätzen aus die Aussicht auf den Ohio River. Eine Lücke zwischen den Tribünen auf der Third-Base-Seite, bekannt als „The Gap“, erfüllt zwei Funktionen: Erstens gewährt sie eine Blickachse aus der Innenstadt ins Stadion und umgekehrt; zweitens ermöglicht der Einschnitt eine Anordnung der Ränge, durch die die Entfernung der Sitze des Oberdecks zum Spielfeld geringer ist als in den meisten anderen Ballparks.

Die Power Stacks; links daneben das Riverboat Deck (2)

Ein weiteres Wahrzeichen von Great American Ballpark sind die „Power Stacks“, zwei Dampfschiffschornsteine im rechten Centerfield. Sie begleiten wichtige Ereignisse auf dem Feld, zum Beispiel durch einen Feuerstoß bei einem Strikeout oder durch Feuerwerk bei einem Homerun und nach einem Sieg. Die Schornsteine symbolisieren die wichtige Rolle der Flussschifffahrt für die Geschichte der Region. Zum selben Thema passt auch das Riverboat Deck, ein Partybereich über dem Centerfield, den man mieten kann.

Zwei schöne Stücke der Kategorie „Kunst am Bau“ befinden sich im Bereich des Haupteingangs: Es handelt sich um 3 mal 5 Meter große Mosaike, die die beiden herausragenden Reds-Teams der Jahre 1869 sowie 1975/1976 darstellen.

Mosaik „The First Nine“ (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Durch die kurzen Distanzen zwischen der Homeplate und den Foulpoles im Rightfield (325 Fuß = 99m) und Leftfield (328 Fuß = 100m) hat Great American Ballpark eines der kleinsten Outfields unter den MLB-Stadien. Es ist daher wenig überraschend, dass das Stadion zu den hitterfreundlichsten der Liga zählt – jedenfalls was das Schlagen von Homeruns betrifft. Von den Homeruns abgesehen, ist Great American Ballpark für das Erzielen sonstiger Extra-Basehits und für Run-Scoring insgesamt ein eher durchschnittliches Pflaster.

Blick vom oberen Deck hinter der Homeplate (4)

Wo sitzt man am besten?
Da die Reds in den letzten Jahren nicht vom Erfolg verwöhnt waren, pendelte sich der Zuschauerschnitt zwischen 20.000 und 23.000 ein. Bei einer Kapazität von 42.000 ist es somit in der Regel kein Problem, auf regulärem Weg an Tickets heranzukommen.

Natürlich befinden sich die besten Plätze auch im Great American Ballpark auf den unteren Ebenen um das Infield. Aber wie oben schon erwähnt, handelt es sich um ein Stadion, bei dem man auch auf den oberen Rängen nicht zu weit weg vom Geschehen ist. Bei der Wahl der Plätze ist zu beachten, dass Great American Ballpark nur ein kleines Dach über dem obersten Tribünenlevel bietet. Die Suche nach einem schattigen Platz oder nach Schutz vor Regen und manchmal auch Schnee ist daher ein Thema. Schatten findet sich am ehesten entlang der First-Base-Line und dort vor allem in den oberen Reihen jeder Ebene.

Einen besonderen Service bietet Great American Ballpark für stillende Mütter: Sie dürfen die „Nursing Suite“ nutzen, einen 2015 eingerichteten privaten Bereich mit umfangreicher Ausstattung wie Sesseln, Kühlschrank, Kitchenette, Wickelmöglichkeiten – und natürlich TV-Bildschirmen, damit man nichts vom Spiel verpasst.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Sean Biehle (CC BY-SA 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: Steve (CC BY-SA 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Wally Gobetz (CC BY-NC-ND 2.0)
(4) Quelle: Flickr, Urheber: Cori Martin (CC BY-NC 2.0)

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März 10th, 2020 by Silversurger

Die Richtung stimmt schon mal für die Cincinnati Reds: Nach vier Jahren mit einem Abo auf die rote Laterne der NL Central landeten sie 2019 mit 75 Siegen auf einem soliden vierten Platz – und es war sogar noch Pech dabei. Von den erzielten und kassierten Runs her hätten die Reds statistisch gesehen fünf Spiele mehr gewinnen müssen. Auch das Zuschauerinteresse stieg deutlich an, von 1,63 Millionen im Jahr 2018 auf immerhin 1,81 Millionen. Der Aufwärtstrend der Franchise gründete vor allem auf starkem Pitching. Die Offensive hingegen bereitete einige Sorgen. Zum Beispiel waren die Leistungen des einst überragenden Joey Votto im zweiten Jahr hintereinander stark rückläufig; Nick Senzels Rookie-Saison war von Verletzungen geprägt; Aristides Aquino schlug ein paar Wochen lang wie Superman, bis die Gegner merkten, dass Breaking Balls sein Kryptonit sind. Folgerichtig investierten die Reds in dieser Offseason vor allem in erfahrene Hitter: IF Mike Moustakas und OF Nicholas Castellanos wurden für jeweils 64 Millionen Dollar mit Vierjahresverträgen ausgestattet; für 3 Jahre und 21 Millionen Dollar kam aus Japan Shogo Akiyama, der den Leadoff-Spot und das Centerfield ausfüllen soll. Das sind allesamt Moves, die Sinn ergeben und die Reds voran bringen werden auf ihrem Weg nach oben. Innerhalb der ziemlich ausgeglichenen Division kann es durchaus passieren, dass Cincinnati im September an einer Playoff-Teilnahme schnuppert.

Voraussichtliches Lineup
C Tucker Barnhart
1B Joey Votto
2B Mike Moustakas
SS Freddy Galvis
3B Eugenio Suarez
LF Jesse Winker
CF Shogo Akiyama
RF Nicholas Castellanos

Voraussichtliche Rotation
RHP Luis Castillo
RHP Trevor Bauer
RHP Sonny Gray
RHP Anthony DeSclafani
LHP Wade Miley
Key Reliever: Raisel Iglesias

Wichtigster Zugang
IF Mike Moustakas (Milwaukee Brewers)

Wichtigster Abgang
RHP Kevin Gausman (San Francisco Giants)

Bestes Prospect
RHP Hunter Greene

Größte Stärke
Die Rotation: Die Reds haben das Luxusproblem, ihren Opening-Day-Pitcher aus drei hervorragenden Optionen auwählen zu können. Luis Castillo und Sonny Gray haben eine sehr starke Saison 2019 hinter sich, Trevor Bauer trennt ein mittelmäßiges Jahr von seiner 2.21-ERA-Saison 2018. Anthony DeSclafani und Wade Miley sind die solide Abrundung einer Gruppe, die für mich zu den drei besten in der NL gehört.

Größte Schwäche
Shortstop: Freddy Galvis verwaltet die Position und trägt wenig zur Offensive bei. Alternativen zu ihm gibt es praktisch keine, es sei denn man ließe Eugenio Suarez oder Nick Senzel auf der ungewohnten Position starten und nähme in Kauf, dass das Defensivspiel darunter leiden würde. Wenn die Reds noch mal nachbessern, sei es jetzt oder während der Saison, dann könnte ein Francisco Lindor oder ein Trevor Story das fehlende Puzzleteil sein.

Spannendste Frage
Gelingt Shogo Akiyama der nahtlose Übergang? Mit in Kürze 32 Jahren wagt der fünffache All-Star der japanischen NPB den Sprung über den großen Teich. Das ist verhältnismäßig spät und muss daher ohne viel Anpassungszeit funktionieren. Die Reds setzen darauf, dass Akiyama insbesondere seine herausragenden On-Base-Fähigkeiten auch gegen MLB-Pitcher zur Anwendung bringt. Übrigens waren die Reds bislang das einzige Team der Liga, das noch nie einen Spieler aus Japan im Lineup hatte.

Meine Prognose
Platz 3 in der NL Central

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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