Juni 18th, 2019 by Silversurger

Die Szene ist schon ein paar Tage alt, aber sie geht mir einfach nicht aus dem Kopf: Freitagnacht, Dodgers gegen Cubs, 9. Inning. Closer Kenley Jansen ist ein Aus davon entfernt, den 5:3-Sieg für Los Angeles nach Hause zu bringen. Mit Victor Caratini am Schlag und Jason Heyward als Runner an der zweiten Base ruft Jansen plötzlich laut und vernehmlich: „I’m going to balk!“ Genau das tut er dann auch, indem er den rechten Fuß an den Rubber stellt und ein paarmal aufstampft. Um die kuriose Situation perfekt zu machen, sendet er anschließend persönlich den Runner zur dritten Base.

Zur Erinnerung: Ein Balk bezeichnet eine unzulässige Aktion des Pitchers, zum Beispiel eine angetäuschte oder abgebrochene Pitchingbewegung. Wenn der Umpire auf Balk entscheidet, wird das Spiel kurz unterbrochen und jeder vorhandene Baserunner darf eine Base weiter gehen. Normalerweise ärgert sich der Pitcher in so einer Situation, denn entweder weiß er, dass er einen Fehler gemacht hat, oder er fühlt sich vom Umpire benachteiligt. Einen absichtlichen Balk, zumal mit Ankündigung, hatte ich bisher noch nie gesehen.

Objektiv betrachtet gibt es scheinbar keinen Grund, einen Baserunner eine Base weiter zu schicken. Schließlich kommt er damit dem Erzielen eines Runs einen Schritt näher. Obendrein entsteht eine weitere freie Base zwischen dem aktuellen Batter und dem Runner. Das heißt, wenn der Batter zum Beispiel durch einen Walk ebenfalls auf Base kommt, hat sich die Verteidigung durch den Balk eine Möglichkeit zum Force-Out an der dritten Base genommen.

Das war im aktuellen Fall nicht anders, und dennoch sah Jansen es offenbar als Vorteil an, Heyward nicht mehr an der zweiten Base stehen zu haben. Seine Gründe dafür erklärte er nach dem Spiel (siehe unten stehendes Video): Es ging um die Zeichen, die Pitcher und Catcher sich während eines At-Bats geben, um die Art und Richtung der Pitches zu verabreden. Mit einem Runner an der zweiten Base muss der Catcher seine Signale verschlüsselt übermitteln als sonst, denn der Runner schaut ihm direkt auf die Finger und kann seinerseits dem Batter Tipps geben, wenn er die Zeichen durchschaut. Steht der Runner an der dritten Base, ist ihm das nicht möglich. Für Jansen war somit der Vorteil, sich unbeobachtet mit dem Catcher austauschen zu können, größer als der Nachteil, Heyward näher an die Homeplate zu lassen. Ob Heyward scort oder nicht, war tatsächlich relativ egal, denn die Dodgers hatten ja zwei Runs Vorsprung. Das Verhindern eines zweiten Baserunners war sehr viel wichtiger als die Frage, was mit dem ersten Runner passiert. Der Plan ging letztlich auf, denn Jansen gelang das Strikeout gegen Caratini.

Hätte Heyward auf die geschenkte Base verzichten können, um weiterhin die Zeichen des Catchers zu studieren? Nein, denn die Regeln sind eindeutig: Bei einem Balk muss jeder Baserunner eine Base weiter rücken. Zudem ist es verboten, nach dem legalen Erreichen einer Base zurück zu einer früheren Base zu laufen, um die Defense zu stören. Hätte Heyward das versucht, wäre er automatisch als out erklärt worden und das Spiel wäre zu Ende gewesen.

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März 21st, 2019 by Silversurger

Baseball’s back, alright! Ich bin nicht allzu musikalisch, aber heute könnte ich vor Freude singen, denn endlich läuft wieder MLB-Baseball. Zwei unterhaltsame Eröffnungsspiele in Tokio liegen bereits hinter uns und werden vor allem wegen des emotionalen Abschieds von Ichiro Suzuki in Erinnerung bleiben. Auch abseits des Platzes war diese Woche viel los in der MLB: Der größte Baseballer unserer Zeit hat nun auch den größten Vertrag aller Zeiten, die Liga hat weitere Regeländerungen beschlossen und die Blue Jays haben eine längst überfällige Initiative gestartet, die hoffentlich bald Schule macht. Das alles und noch ein bisschen mehr lest ihr im ersten Grand Slam am Donnerstag zum Mitsingen:

Big in Japan
Offiziell war die Saisoneröffnung in Tokio eine Heimspielserie der Oakland Athletics, doch die Seattle Mariners haben den A’s klar die Show gestohlen. Das betrifft sowohl die Ergebnisse der Spiele, welche die Mariners mit 9:7 und 5:4 für sich entschieden, als auch die klar verteilten Sympathien der Zuschauer. Letzteres war keine Überraschung. Erstens gab Yusei Kikuchi, bis letztes Jahr noch unweit von Tokio im NPB-Team der Saitama Seibu Lions der unumstrittene Star, ein solides MLB-Debüt für die Mariners. Zweitens und vor allem hatten sie extra für diese beiden Spiele noch einmal die japanische Baseball-Legende schlechthin reaktiviert: Ichiro Suzuki hatte inoffiziell bereits Anfang Mai 2018 die Cleats an den Nagel gehängt, doch die Gelegenheit zu zwei Abschiedsspielen in diesem perfekten Rahmen wollte man dem 45-Jährigen nicht vorenthalten. Ichiro spielte dreieinhalb Innings im ersten sowie siebeneinhalb im zweiten Spiel und durfte sich bei seinen Auswechslungen zweimal mit stehenden Ovationen feiern lassen. Er beendet seine Karriere als Weltrekordhalter mit insgesamt 4.367 Hits auf höchster professioneller Ebene (MLB und NPB zusammengenommen).

Loving Angels Instead
Vielen galt es als ausgemachte Sache, dass Mike Trout nach Auslaufen seines Vertrages mit den Los Angeles Angels Ende 2020 an die Ostküste wechselt. Die Frage schien eigentlich nur, ob es den Superstar in seine Heimatstadt Philadelphia zu den Phillies ziehen oder ob er den Verlockungen der New York Yankees erliegen würde. Alles Pustekuchen, Trout bleibt ein Angel und zwar vermutlich für immer. Die vorgestern erzielte Einigung bindet ihn für 360 Millionen Dollar zehn weitere Jahre an die Angels, zusätzlich zu den zwei Jahren und 66,5 Millionen aus dem bestehenden Vertrag. Das Bekenntnis des 27-Jährigen zu den Angels ist unmissverständlich, denn der Vertrag enthält eine No-Trade-Klausel und keinerlei Ausstiegs-Optionen. Trout steigt mit dem neuen Kontrakt sowohl vom Jahresgehalt als auch von der Gesamtsumme her zum bestverdienenden MLB-Profi aller Zeiten auf. Ich bin generell kein Freund von dreistelligen Garantiegehältern und zweistelligen Vertragsdauern. Aber wenn es irgendein Sportler auf der Welt verdient hat, dann Trout. Man kann ihm nur wünschen, dass er mit den Angels im Laufe seiner Karriere auch mal Erfolge feiern darf, die seinen eigenen überragenden Leistungen gerecht werden.

Your Time Will Come
Die großen Schlagzeilen gehören Mike Trout, doch es gab in dieser Woche noch einen weiteren Rekordvertrag: Eloy Jimenez hat sich mit den Chicago White Sox auf einen Achtjahresvertrag über rund 43 Millionen Dollar geeinigt. Das Bemerkenswerte daran ist, dass es der höchstdotierte Vertrag aller Zeiten für ein Prospect ist, das noch kein einziges MLB-Spiel absolviert hat. Der 22-jährige Outfielder gilt als eines der größten Talente im Baseball und wenn er den Erwartungen gerecht wird, haben die White Sox ein gutes Geschäft gemacht. Wenn nicht, dann nicht.

Majoring in the Minors
Meine Spekulation aus der vorletzten Woche hat sich bewahrheitet: Die New York Yankees sind, gebeutelt durch Verletzungen ihrer Starter Luis Severino und C. C. Sabathia, auf dem Pitcher-Markt tätig geworden und haben Gio Gonzalez verpflichtet. Überraschenderweise ist es vorerst nur ein Minor-League-Vertrag. Dieser wandelt sich, wenn er in den MLB-Kader geholt wird, automatisch in einen Einjahresvertrag über 3 Millionen Dollar zuzüglich 300.000 Dollar pro absolvierten MLB-Start um. Gonzalez war während der Offseason mit mehreren Teams in Verbindung gebracht worden, doch nach eigener Aussage war das Angebot der Yankees das einzige konkrete, das er erhalten hat.
Einem Namensvetter des neuen Yankees-Pitchers ist es sehr ähnlich ergangen: Auch Outfielder Carlos Gonzalez musste lange auf ein neues Engagement warten und ließ sich letztlich auf einen Minor-Leage-Deal bei den Cleveland Indians ein. Es gilt als recht wahrscheinlich, dass CarGo den Sprung in das MLB-Team schafft; in dem Fall würde er 2 Millionen Dollar bekommen und könnte eine weitere Million über leistungsbezogene Vereinbarungen hinzuverdienen. Sollte er zum Saisonstart in der Minor League bleiben, hat er die Option, aus dem Vertrag aussteigen und zu einem anderen Klub zu wechseln.

The Times They are A-Changin‘
Im Grand Slam der letzten Woche hatte ich bereits über die Neuregelungen der Trade-Deadline ab 2019 sowie der Kadergrößen ab 2020 berichtet. Etwas später wurde bekannt gegeben, dass noch weitere Regeländerungen beschlossen wurden. Für dieses Jahr ist vor allem relevant, dass sich die Anzahl der erlaubten Mound Visits pro Spiel von sechs auf fünf reduziert und dass die Pausen zwischen den Halbinnings um ein paar Sekunden auf einheitlich 2 Minuten gekürzt werden. Die wohl spürbarste der angekündigten Veränderungen tritt erst im nächsten Jahr in Kraft: Ein Pitcher darf zukünftig nur zwischen den Halbinnings ausgewechselt werden oder nachdem er mindestens drei Battern gegenüber getreten ist. Ausgenommen davon sind Verletzungen, doch die Liga wird sicher ein wachsames Auge darauf haben, dass diese Ausnahme nicht ausgenutzt wird. Ich bin hin und her gerissen bezüglich dieser Änderung: Zum einen gefällt es mir, dass man die nervigen Unterbrechungen durch ständige Pitcherwechsel in den späten Innings reduzieren will. Zum anderen trauere ich ein bisschen der interessanten Rolle des LOOGY (Lefty-One-Out-GuY) nach, den es dann nicht mehr geben wird.

Pay Me My Money Down
Eine weitere Änderung ist kein offizieller Beschluss der Liga, sondern eine bislang alleinige Initiative der Toronto Blue Jays. Der Klub hat angekündigt, die in den Minor Leagues gezahlten Spielergehälter um mehr als 50% anzuheben. Das ist ein längst überfälliger Schritt. Während man in der MLB bereits mit dem Mindestgehalt von 555.000 Dollar pro Jahr ein fürstliches Auskommen hat (von den zweistelligen Millionengehältern der Stars ganz zu schweigen), herrschen in den Minor Leagues geradezu prekäre Verhältnisse. Die Einkommen liegen dort in der Regel zwischen 1.100 und 2.700 Dollar pro Monat und zwar ausschließlich für die Monate, in denen gespielt wird. Man kann nur hoffen, dass sich die anderen MLB-Franchises möglichst bald dem Schritt der Blue Jays anschließen, um den Beruf des Baseballprofis auch unterhalb der Major League attraktiver zu machen.

Everybody Hurts
Die wichtigsten Nachrichten von der Verletzungsfront will ich natürlich nicht verschweigen. Kyle Seager konnte die Reise nach Japan mit seinen Seattle Mariners nicht antreten; der Third Baseman musste sich stattdessen an der linken Hand operieren lassen und fällt bis ungefähr Juni aus. Mike Foltynewicz, Pitching-Ass der Atlanta Braves, hat Probleme mit dem Ellenbogen; es wurde aber inzwischen Entwarnung in der Hinsicht gegeben, dass er keine Tommy-John-Surgery braucht und nur wenige Wochen fehlen wird. Michael Fulmer, Starter der Detroit Tigers, hatte weniger Glück; er muss sich der gefürchteten Operation unterziehen und kann frühestens zur Saison 2020 wieder spielen. Reliever Dellin Betances (Schulterentzündung) und Centerfielder Aaron Hicks (Rückenbeschwerden) werden die Saison 2019 auf der bereits prall gefüllten Injury List der New York Yankees beginnen.

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März 14th, 2019 by Silversurger

Ich finde es kaum zu glauben, aber tatsächlich beginnt die MLB-Saison 2019 schon in weniger als einer Woche. Mit meiner Vorschau-Serie werde ich bis dahin nicht fertig werden, aber das macht nichts, denn die Oakland Athletics und die Seattle Mariners waren ja schon dran. Die beiden Teams werden am Mittwoch, dem 20. März, in Tokio das früheste MLB-Eröffnungsspiel aller Zeiten bestreiten. Als Starting Pitcher haben die Athletics Mike Fiers und die Mariners Marco Gonzales festgelegt. Der erste Pitch von Fiers wird um 10:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit erfolgen. Am Tag danach findet zur selben Zeit das zweite Spiel der Serie statt, bevor beide Teams nach Amerika zurückkehren und am 28. März gemeinsam mit allen anderen Klubs den allgemeinen Opening Day bestreiten.

Die zweite Trade-Deadline wird abgeschafft
Kurz vor Saisonbeginn haben sich die Ligaleitung um Commissioner Rob Manfred und die Spielergewerkschaft MLBPA auf zwei Regeländerungen geeinigt. Beide betreffen nicht das Spiel an sich, sondern die äußeren Bedingungen der Kaderzusammenstellung. Zum einen wird ab der Saison 2020 die Änderung der Rostergrößen eingeführt, über die ich letzte Woche schon berichtet hatte: Statt 25 umfasst ein aktives MLB-Roster dann 26 Spieler, ab dem 1. September jedes Jahres erhöht sich die Anzahl auf 28 (statt bisher 40). Die andere Änderung tritt schon zur Saison 2019 in Kraft: Die Unterscheidung zwischen zwei Trade-Deadlines – eine am 31. Juli für direkte Trades, eine zum 31. August für Trades über die Waiverliste – wird abgeschafft. Stattdessen gilt ab sofort eine harte Trade-Deadline am 31. Juli. Eine sinnvolle Änderung, wie ich finde. Sie macht das Verfahren erstens klarer und einfacher und zweitens zwingt sie gemeinsam mit den neuen Rostergrößen die Teams zu etwas weitsichtigerem Denken und Handeln in Bezug auf die Endphase der Saison.

Maldonado zu den Royals
Die Kansas City Royals waren zum Handeln gezwungen, nachdem ihr bisheriger Catcher Salvador Perez für die gesamte Saison ausfällt. Für Martin Maldonado erwies sich das als die Chance, auf die er die gesamte Offseason über gewartet hat. Er erhält von den Royals einen Einjahresvertrag über 2,5 Millionen plus bis zu 1,4 Millionen leistungsbezogene Boni. Maldonado war zuletzt für die Houston Astros aktiv. Er gilt als defensiv sehr starker Catcher mit eher begrenztem Potenzial im Offensivspiel.

Diamondbacks verpflichten Jones
Auch Outfielder Adam Jones hat lange auf ein neues Engagement warten müssen. Nach eigener Aussage hat der 33-Jährige kein Pokerspiel betrieben, sondern er hatte wirklich keine Angebote bekommen. Nun ist er aber doch noch bei den Arizona Diamondbacks untergekommen und wird dort in diesem Jahr 3 Millionen Dollar verdienen. Die Diamondbacks hatten einen klaren Need, nachdem A. J. Pollock zu den Los Angeles Dodgers gewechselt war. Mit Jones sowie dem Umschüler Ketel Marte stehen nun zwei Optionen für Pollocks Nachfolge im Centerfield zur Verfügung.

Nationals holen Sipp
Auch die Washington Nationals haben noch mal nachgebessert: Sie brauchten einen linkshändigen Reliever und haben ihn in Person von Tony Sipp gefunden. Sipp ist schon 35, hatte aber ein starkes Jahr 2018 für die Houston Astros (1.86 ERA über 38.2 Innings), bei denen es für ihn in den beiden Jahren zuvor nicht so gut gelaufen war. Sipp erhält 1,25 Millionen garantiertes Gehalt fur 2019 und eine beidseitige Option für die Saison 2020.

Guerrero Jr. fällt aus
Die Toronto Blue Jays mussten viel Kritik einstecken wegen ihres Vorhabens, Top-Talent Vladimir Guerrero Jr. frühestens 15 Tage nach Saisonstart in die MLB zu berufen, um sich ein zusätzliches Jahr vertraglicher Kontrolle zu sichern. Das Thema hat sich nun von selbst erledigt, denn Vlad Jr. fällt mit einer Bauchmuskelzerrung rund drei Wochen lang aus. Die Verletzung hat ihm sicher niemand gewünscht, aber aus Sicht der Blue Jays konnte kaum etwas besseres passieren, um selbst aus der Schusslinie zu geraten.

Dopingsperre für Martes
Leider gibt es auch diese Woche einen neuen Dopingfall in der MLB: Pitcher Francis Martes von den Houston Astros wurde des Gebrauchs von Clomifen überführt. Clomifen ändert den Testosteronspiegel und wirkt dadurch leistungssteigernd. Die Argumentation, dass Martes das Mittel zu einem anderen Zweck eingenommen hat, dürfte schwer fallen, denn eigentlich dient es der Auslösung des Eisprungs bei Frauen mit Kinderwunsch. Martes erhält die üblichen 80 Spiele Sperre. Wegen einer Tommy-John-Surgery im letzten August hätte Martes die Saison 2019 ohnehin verpasst, doch durch die Sperre muss er für die Hälfte des Jahres auf sein Gehalt verzichten.

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März 7th, 2019 by Silversurger

Dass Bryce Harper in Philadelphia gelandet ist, ist ja mittlerweile ein alter Hut – ich bekomme langsam den Eindruck, dass die MLB die großen Nachrichten immer bis Donnerstagnachmittag aufhebt, um sie direkt nach meinem wöchentlichen Überblicksartikel zu veröffentlichen. Aber so wichtig, dass er zum Fixpunkt einer Verschwörungstheorie taugte, ist mein Blog dann wohl doch nicht. Ich bleibe jedenfalls beim gewohnten Termin für den Grand Slam am Donnerstag und wenn der gute Herr Harper sich nicht danach richten mag, kann er eben erst eine Woche später lesen, was ich von seinem Rekordvertrag halte und was sich in der MLB diese Woche sonst noch getan hat. Das hat er jetzt davon.

330 Millionen für Harper
Glaubt man seinem Agenten Scott Boras, so hatte Bryce Harper „ein volles Büffet“ an Angeboten. Er hätte zum Beispiel von einem ungenannten Team 45 Millionen Dollar Jahresgehalt für einen kürzeren Vertrag haben können oder von den San Francisco Giants einen Zehnjahresvertrag für 310 Millionen. Letzten Endes hat er sich für das Angebot der Philadelphia Phillies entschieden, das mit 330 Millionen das größte Gesamtvolumen und mit 13 Jahren die längste Laufzeit aufwies. Dass das im Durchschnitt ein Jahresgehalt von „nur“ knapp über 25 Millionen ist, ließ Harper sich durch einige Annehmlichkeiten versüßen. So hat er sich den Anspruch auf eine eigene Loge im Citizens Bank Park festschreiben lassen sowie das Recht, auf Auswärtsreisen eine Suite statt eines normalen Hotelzimmers zu bewohnen. In jedem Jahr kann Harper bis zu 800.000 Dollar an Bonuszahlungen hinzuverdienen, indem er bestimmte Einzelauszeichnungen wie All-Star-Berufungen oder MVP-Titel erreicht. Der Vertrag enthält übrigens keinerlei Opt-Out-Klauseln, Optionsjahre oder Zahlungen, die auf spätere Zeiträume verschoben werden. Festgeschrieben ist allerdings eine volle No-Trade-Klausel, das heißt die Phillies können Harper nicht ohne sein Einverständnis zu einem anderen Team traden. Kurz gesagt: Dieser Vertrag ist aus Spielersicht ein wahrer Traum.
Aus Sicht des Vereins sieht die Sache für mich etwas anders aus, auch wenn die Phillies natürlich überzeugt sind, einen guten Deal gemacht zu haben. Ich persönlich finde es völlig absurd, sich irgendeinen Spieler für 13 Jahre mit garantiertem zweistelligen Millionengehalt ans Bein zu binden. Dass es dabei um Harper geht – einen sehr guten, aber bisher nur in einer Saison (2015) wirklich überragenden Spieler mit durchaus schwankenden Leistungen und wohl nicht ganz einfachem Charakter –, macht die Sache nur um so irrsinniger. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, wie die Phillies in sechs oder sieben Jahren über diesen Vertrag denken.

Blue Jays verpflichten Buchholz
Für vergleichsweise kleines Geld haben die Toronto Blue Jays Pitcher Clay Buchholz verpflichtet. Er erhält einen Einjahresvertrag über 3 Millionen Dollar und kann abhängig von absolvierten Innings bis zu 2,25 Millionen dazuverdienen. Der 34-Jährige war in den letzten zwei Jahren durch Verletzungen eingeschränkt, brachte es 2018 in seinen 16 Einsätzen für die Arizona Diamondbacks aber auf starke Werte mit 2.01 ERA und 3.47 FIP.

Severino verpasst Opening Day, Perez die ganze Saison
Es gibt kaum etwas Ärgerlicheres als eine ernsthafte Verletzung im Spring Training. Richtig übel erwischt hat es Salvador Perez: Der Catcher der Kansas City Royals hat sich das UCL-Band im rechten Ellenbogen gerissen und wer regelmäßig Baseball verfolgt, weiß was das bedeutet: Tommy-John-Surgery, Saison gelaufen. Auch Bobby Wahl, Reliever bei den Milwaukee Brewers, mit einer Knieverletzung und Padres-Outfielder Travis Jankowski mit gebrochenem Handgelenk werden für mehrere Monate und möglicherweise die gesamte Saison ausfallen. Mit kleineren Verletzungen werden unter anderem Minnesotas Miguel Sano, Dodgers-Ass Clayton Kershaw sowie die Yankees-Starter Luis Severino und C. C. Sabathia den Saisonbeginn verpassen. Die Rotation der Yankees wird somit schon sehr früh sehr dünn und es mehren sich Spekulationen, dass sie noch mal auf dem Free-Agent-Markt tätig werden. Dallas Keuchel oder Gio Gonzalez könnten attraktive Optionen sein, doch bislang lässt der Klub verlauten, dass man auf interne Lösungen wie Domingo German, Jonathan Loaisiga, Luis Cessa, oder Chance Adams setzt.

80 Spiele Sperre für Dopingsünder Wright
Leider hat die Saison 2019 auch schon ihrern ersten Dopingfall: Pitcher Steven Wright von den Boston Red Sox wurde der Nutzung des Wachstumshormons GHRP-2 überführt. Der Knuckleballer bestreitet, das Mittel bewusst eingenommen zu haben, konnte aber bislang keine entlastenden Beweise oder Erklärungen vorlegen. Die Liga hat daher entschieden, dass er das übliche Strafmaß für Ersttäter erhält: eine Sperre für die ersten 80 Spiele der Saison sowie für die Playoffs.

Roster werden wohl 2020 größer
Ich hatte hier mal einige Vorschläge der Ligaleitung und/oder der Spielergewerkschaft MLBPA für Regeländerungen aufgelistet. Die meisten davon werden vorerst nicht umgesetzt werden, doch in einem Punkt scheinen die beiden Verhandlungspartner kurz vor einer Einigung zu stehen: Die Größe des aktiven Kaders für die reguläre Saison bis 31. August sowie für die Postseason soll ab 2020 von 25 auf 26 Spieler erhöht werden. Gleichzeitig wird voraussichtlich die Kadergröße für den Zeitraum ab 1. September von 40 auf 28 gesenkt. Die Erhöhung auf 26 ist ein Wunsch der MLBPA – sie bedeutet 30 neue Arbeitsplätze für MLB-Spieler. Die Absenkung auf 28 geht eher von der Liga aus. Sie möchte weg von den aufgeblähten Rostern im letzten Saisonmonat, die einerseits zu häufigeren Pitcherwechseln während des Spiels führen und andererseits zu einer gewissen Wettbewerbsverzerrung, wenn ohnehin schon schwache Teams in der Endphase der Saison mit einem Haufen Minor Leaguer antreten.

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Februar 7th, 2019 by Silversurger

Die gute Nachricht zuerst: In wenigen Tagen beginnen alle MLB-Teams ihre Saisonvorbereitung. Von Montag bis Mittwoch der kommenden Woche liegen die Termine, an denen sich die Pitcher und Catcher zum Dienst melden. Vier bis fünf Tage später steigen die restlichen Spieler ins Training ein und nach weiteren vier bis fünf Tagen – am 21. Februar – beginnen auch schon die Spring-Training-Spiele. Dann wird endlich wieder Baseball gespielt und die Gerüchte und Spekulationen um Trades und Neuverpflichtungen geraten endlich in den Hintergrund. Denn – und das ist die schlechte Nachricht – es ist inzwischen nur noch nervig, dass die Top-Free-Agents Bryce Harper und Manny Machado sowie Top-Tradekandidat J. T. Realmuto die ganze Offseason beherrschen, ohne dass sich irgendetwas tut. Neben ein paar eher mittelinteressanten Rostermoves ist die wichtigste Nachricht der letzten Tage eine, die man wahlweise gut oder schlecht finden kann: Die MLB und die MLBPA denken mal wieder laut über Regeländerungen nach.

DH für alle und nie wieder One-Out-Reliever?
Die MLB strebt seit Jahren danach, die Spieldauer zu verkürzen und das Spiel attraktiver – im Sinne von: offensivlastiger – zu machen. Vor diesem Hintergrund kam nun mal wieder eine Reihe von Vorschlägen auf den Tisch, die teilweise schon in diesem Jahr in Kraft treten könnten. Die Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass die Liga und die Spielergewerkschaft MLBPA sich einig sind. Das sind sie bislang offenbar nicht, vielmehr bilden die Ideen beider Seiten nicht mehr als eine Verhandlungsmasse und es nicht absehbar, welche der Änderungen tatsächlich eine realistische Chance auf Umsetzung haben. Die wesentlichen Vorschläge, die bekannt wurden, sind folgende:

Ausweitung der DH-Regel auch auf die National League. Ich bin dagegen und wer dafür ist, soll mir bitte glaubhaft versichern, dass er solche Szenen nicht sehen und hören möchte:

Einführung eines Minimums von drei Battern, gegen die ein Pitcher antreten muss, bevor er ausgewechselt werden darf (Verletzungen ausgenommmen). Das würde das Spiel definitiv beschleunigen, allerdings auch einige auf Linkshänder spezialisierte Reliever arbeitslos machen. Die Einhaltung der Regel wäre zudem aufgrund der Verletzungsausnahme schwer zu kontrollieren.

Einführung einer einzigen Trade-Deadline zum All-Star-Break Mitte Juli (statt der bisherigen Non-Waiver-Deadline Ende Juli und der Waiver-Deadline Ende August). Diese Änderung fände ich gut – nicht nur, weil sie Klarheit und Vereinfachung brächte, sondern auch weil es dann weniger Taktieren um Spieler gäbe, die nur geholt werden, um sie später in der Saison wieder zu verkaufen.

Erhöhung des aktiven Kaders von 25 auf 26 Spieler und gleichzeitig Reduzierung des aktiven Kaders ab 1. September von 40 auf 28 Spieler. Auch damit könnte ich gut leben – wobei die Frage ist, ob man wirklich einen Rosterplatz mehr braucht, wenn man anstrebt, dass weniger Pitcher eingesetzt werden (siehe oben).

Draft-Nachteile für Teams, die mehrere Jahre hintereinander zu wenige Spiele gewinnen. Es ist auf jeden Fall sinnvoll zu überlegen, wie man das in den letzten Jahren ausgreifende Tanking eindämmt – also die Neigung vieler Klubs, absichtlich jahrelang ein schwaches Team ins Rennen zu schicken. Dass der Entzug von Draftpicks das geeignete Mittel dafür ist, bezweifle ich.

Reduzierung der erlaubten Mound Visits von sechs auf vier pro Spiel. Die letztes Jahr eingeführte Begrenzung auf sechs Visits führte nicht zu Problemen und man kann es wohl noch ein Stück weiter treiben.

Test einer Absenkung des Pitching Mounds oder einer weiteren Entfernung zwischen Mound und Homeplate. Das hätte ziemlich sicher den gewünschten Effekt, die Offensive zu fördern. Die Frage ist, ob das wirklich so wünschenswert ist. Ich persönlich finde das Spiel so wie es derzeit ist durchaus ausgewogen. Zudem würde mehr Offensive vermutlich auch bedeuten, dass die Spiele tendenziell länger dauern – also genau das, was die Ligaleitung am wenigsten will.

Astros verpflichten Miley
Das relevanteste Free-Agent-Signing der Woche ist eine Ergänzung für die Pitching-Rotation der Houston Astros. Wade Miley erhält einen Einjahresvertrag über 4,5 Millionen Dollar. Die Verpflichtung des Linkshänders schließt eine Lücke in der Mitte der letztes Jahr noch sehr beeindruckenden Astros-Rotation. An deren Spitze steht mit Justin Verlander und Gerrit Cole nach wie vor einer der besten One-Two-Punches der Liga, dahinter war es aber durch die Abgänge von Charlie Morton (Rays), Dallas Keuchel (noch ohne Team) und die Tommy-John-Surgery von Lance McCullers recht dünn geworden.

Hellickson bleibt bei den Nationals
Auch die Washington Nationals ergänzen ihre Rotation und zwar um Jeremy Hellickson, der letztes Jahr schon für sie aktiv war. Der Rechtshänder dürfte der aussichtsreichste Kandidat für den fünften Starterspot sein. Er erhält erneut einen Einjahresvertrag, der ihm zwischen 1,3 und 4 Millionen Dollar einbringen wird, je nachdem wie viele Starts er tatsächlich absolviert.

Duke zu den Reds
Die Cincinnati Reds bleiben eines der aktiveren Teams der diesjährigen Offseason. Nach Sonny Gray, Alex Wood, Tanner Roark, Yasiel Puig und Matt Kemp wurde nun Zach Duke an Land gezogen. Der 36-jährige Reliever ist ein Spezialist für linkshändige Batter, die gegen ihn in den letzten fünf Jahren nur .209/.284/.311 geschlagen haben. Rechtshänder hatten es mit ihm ein bisschen einfacher, aber mit .240/.341/.357 haben sie ihn auch nicht gerade verprügelt. Insofern könnten die Reds auf Duke wohl auch dann setzen, wenn die in Aussicht gestellte Drei-Batter-Regel käme.

Royals holen Boxberger
Die Sache ist noch nicht ganz in trockenen Tüchern, aber die Kansas City Royals sind sich wohl so gut wie einig mit Reliever Brad Boxberger. Der 30-jährige Rechtshänder hatte von den Diamondbacks in seinem letzten Arbitration-Jahr kein Angebot bekommmen. Bei den Royals soll er entweder als Setup oder als Closer zum Einsatz kommen. Er wird dabei voraussichtlich 2,2 Millionen Dollar verdienen.

Marlins traden Wittgren zu Indians
Einen kleinen Trade gab es diese Woche auch: Reliever Nick Wittgren, den die Miami Marlins letzte Woche recht überraschend aus dem Kader gestrichen hatten, kommt bei den Cleveland Indians unter. Im Gegenzug wechselt Minor-League-Reliever Jordan Milbrath zu den Marlins. Der 27-jährige Wittgren bringt drei solide Jahre MLB-Erfahrung mit, 2018 war seine bislang beste Saison (2.94 ERA). Der gleichaltrige Milbrath kam letztes Jahr erstmals auf AAA-Niveau zum Einsatz, brachte es dort aber nur auf 13.2 Innings und 5.93 ERA. Ich habe ganz ehrlich keine Ahnung, welchen Sinn dieser Trade aus Sicht der Marlins haben soll.

Rangers testen Two-Way-Einsatz von Davidson
Normalerweise erwähne ich hier keine Minor-League-Deals, aber weil diese Woche so wenig los war und weil Matt Davidson ein interessanter Fall ist, mache ich für ihn eine Ausnahme. Davidson wurde von den Texas Rangers verpflichtet und wird im Spring Training die Chance haben, sich für das Major-Team zu empfehlen. Das Interessante an der Sache ist, dass der gelernte Infielder als Super-Allrounder aufgebaut werden soll, der nicht nur am Schlag und im Feld, sondern auch als Pitcher zum Einsatz kommt. In der letzten Saison hat Davidson bereits drei Innings für die Chicago White Sox gepitcht und die Resultate waren ermutigend: zwei Strikeouts, ein Hit, ein Walk, keine zugelassenen Runs. Was die recht kleine (und ausschließlich in längst entschiedenen Spielen erzielte) Stichprobe wert ist, bleibt abzuwarten.

Rekordgehalt für Arenado
Auch Einigungen von Klubs und Spielern in der Arbitration-Phase, bei denen es ausschließlich um die Höhe des Jahresgehalts geht, lasse ich üblicherweise unerwähnt. Auch hier mache ich dieses Mal eine Ausnahme, denn Nolan Arenado und die Colorado Rockies haben sich auf eine Rekordsumme geeinigt: 26 Millionen Dollar wird der Third Baseman dieses Jahr verdienen. Nach dem Jahr wird Arenado Free Agent sein, sofern er nicht vorher einen längerfristigen Vertrag unterschreibt. Die Rockies sind nach eigenen Aussagen sehr interessiert an einer Bindung über mehrere Jahre und werden in den kommenden Wochen noch Verhandlungen führen.

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Februar 22nd, 2018 by Silversurger

Jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht: Zum ersten Mal in dieser zu Ende gehenden Offseason kann man sagen, dass es in den letzten Tagen mit Free-Agent-Verpflichtungen und Trades Schlag auf Schlag ging. Offensichtlich fühlen sich einige Teams nun doch unter Druck, vor dem Beginn der Spring-Training-Spiele noch den Kader zu komplettieren. Die Verträge, die zum Beispiel Eric Hosmer und J. D. Martinez unterschrieben haben, machen jedenfalls nicht den Eindruck, als wären es die Spieler gewesen, die am Ende des Verhandlungsmarathons klein beigegeben haben.

Auch die Ligaführung ist endlich zu Potte gekommen und hat bekannt gegeben, welche Regeländerungen zur neuen Saison in Kraft treten werden. Erwartungsgemäß dreht sich dabei alles um das Ziel, das Spiel zu beschleunigen. Wenigstens wurde auf die Einführung einer Pitch-Clock verzichtet.

Start der Spring-Training-Spiele
Gestern gab es schon die erste Baseball-Action mit einem Freundschaftsspiel der Arizona Diamondbacks gegen die Arizona State University. Erwartungsgemäß gewannen die Diamondbacks 6:2, Major Leaguer kamen allerdings kaum zum Einsatz. Heute gibt es ein paar weitere Spiele von MLB-Teams gegen Colleges in Florida, am morgigen Freitag geht es dann richtig los mit den ersten Spring-Training-Spielen der Cactus League (Arizona) und der Grapefruit League (Florida). Viele der Spiele werden auf mlb.tv übertragen. Es sind nur Vorbereitungsspiele und die Ergebnisse letztlich egal, aber ich mag das Spring Training und schalte gerne rein, weil es eine schöne Gelegenheit ist, die MLB-Spieler mal wieder in Aktion zu sehen und sich ein erstes Bild von dem einen oder anderen Prospect zu machen.

Die Liga drückt aufs Tempo
Kurz vor Saisonstart hat die MLB eine ganze Reihe von Regeländerungen festgelegt, die dem von Commissioner Rob Manfred ausgegebenen Ziel dienen sollen, die durchschnittliche Spieldauer zu verkürzen. Die von vielen Spielern gefürchtete Pitch-Clock wird vorerst nicht eingeführt, dafür stimmte die Spielergewerkschaft MLBPA zwei anderen Maßnahmen zu: Die erste und wichtigste Änderung besteht darin, dass Besuche auf dem Mound auf sechs pro Spiel begrenzt werden, egal ob von Trainern und Spielern. Geht ein Spiel in Extra-Innings, ist pro Inning ein weiterer Mound-Besuch erlaubt. Mound-Besuche, die der Auswechslung eines Pitchers dienen, werden dabei nicht mitgezählt. Der zweite Mound-Besuch eines Trainers innerhalb eines Innings bedeutet nach wie vor automatisch die Auswechslung des Pitchers. Das gleiche gilt nun auch für jeden anderen Mound-Besuch, der über die erlaubte Anzahl hinaus geht.

Ebenfalls begrenzt wird die Zeit der Pausen zwischen den (Halb-)Innings sowie bei Pitcherwechseln. Diese dürfen ab sofort höchstens 2:05 Minuten dauern, wenn ein Spiel nur lokal im TV übertragen wird, 2:25 Minuten bei landesweiten Übertragungen und 2:55 Minuten bei Playoff-Spielen. Diese Regeländerung finde ich so überraschend wie erfreulich, denn sie läuft eine Kürzung der Werbepausen hinaus.

Eric Hosmer zu den Padres
Für First Baseman Eric Hosmer hat sich das lange Warten gelohnt: Er hat sich mit den San Diego Padres auf einen Vertrag geeinigt, der ihm in den kommenden acht Jahren 144 Millionen Dollar einbringen wird. Diese setzen sich zusammen aus einem Unterschriftsbonus von 5 Millionen, je 20 Millionen für die ersten fünf Jahre und je 13 Millionen für die drei folgenden Jahre. Obendrein konnte Hosmers Agent Scott Boras für seinen Klienten aushandeln, dass dieser nach fünf Jahren die Möglichkeit hat, aus dem Vertrag auszusteigen. Meiner Ansicht nach ist es eine Wahnsinnsleistung des Agenten, einen so vorteilhaften Vertrag für einen 28-Jährigen herauszuholen, der bislang vor allem durch jährlich schwankende Leistungen aufgefallen ist. Um genau zu sein, haben sich in Hosmers Karriere bislang gute und schlechte Jahre konsequent abgewechselt. Das gilt jedenfalls für die Offense. Seine Defense hingegen war durchgehend unterdurchschnittlich. Mit -8.7 UZR und -13 DRS war er in den letzten beiden Jahren einer der schlechtesten First Basemen der Liga – und trotzdem gewann er 2017 bereits seinen vierten Gold Glove. Es ist manchmal schon seltsam, wie um einige Spieler ein Hype entsteht, der ihnen Auszeichnungen und Monsterverträge bringt, ohne dass diese durch tatsächliche Leistungen erklärbar wären. Ich habe keine Ahnung, was die Padres geritten hat, ausgerechnet für Hosmer ihr Konto zu plündern.

J. D. Martinez und die Red Sox finden zueinander
Dass die Boston Red Sox an J. D. Martinez interessiert sind, war buchstäblich seit Monaten allgemein bekannt. Dennoch dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis der Deal in trockenen Tüchern war, da beide Seiten offenbar hart und geduldig verhandelten und sich zwischendurch auch mal öffentlich übereinander beschwerten. Nun haben sich der 30-jährige Slugger – auch er wird übrigens von Scott Boras vertreten – und der Klub also endlich geeinigt: Der Vertrag läuft über fünf Jahre, bringt Martinez 110 Millionen Dollar ein und gibt ihm die Chance, nach drei Jahren zu kündigen. Aller Voraussicht nach wird Martinez eher selten im Outfield spielen, wo Mookie Betts, Jackie Bradley Jr. und Andrew Benintendi ihre Stammplätze haben, sondern meistens als DH eingesetzt werden. Dort klaffte seit dem Karriereende von „Big Papi“ David Ortiz eine Lücke, die Hanley Ramirez allenfalls mittelmäßig ausfüllte. Ramirez wird sich nun vermutlich mit Mitch Moreland an der ersten Base abwechseln. Das gilt jedenfalls solange sich keiner der regulären Outfielder verletzt; in dem Fall würde Martinez dort einspringen und Ramirez wieder als DH übernehmen.

Haufenweise weitere Signings und Trades
Neben den beiden großen Fischen Hosmer und Martinez gab es in den letzten Tagen eine ganze Reihe weiterer Vertragsabschlüsse, die ich wenigstens mal kurz erwähnt haben möchte, auch wenn ich nicht ausführlich auf jeden davon eingehen kann:

Die Baltimore Orioles ergänzen ihre Starting Rotation mit Andrew Cashner (2 Jahre, 16 Millionen, mit Option auf ein drittes Jahr) und mit Rückkehrer Chris Tillman (1 Jahr, 3 Millionen Dollar). Mit Colby Rasmus kommt zudem eine linkshändige Alternative fürs Outfield über einen Minor-League-Vertrag nach Baltimore.

Die Minnesota Twins haben sich ebenfalls zwei Ergänzungs-Starter gesichert: Anibal Sanchez bekommt für einen Einjahresvertrag 2,5 Millionen Dollar, die er durch leistungsbezogene Vereinbarungen verdoppeln kann. Für Jake Odorizzi wird Minor-League-Shortstop Jermaine Palacios zu den Tampa Bay Rays geschickt. Odorizzi bringt einen Einjahresvertrag über 6,3 Millionen Dollar mit und bleibt für ein weiteres Jahr per Arbitration an die Twins gebunden.

Auch die New York Mets holen sich mit Jason Vargas einen weiteren Starter; sein Vertrag ist quasi eine Kopie von dem, den Cashner bei den Orioles unterschrieben hat: zwei Jahre, 16 Millionen Dollar und ein optionales drittes Jahr.

Für ein Jahr und 8 Millionen Dollar geht SP Jaime Garcia zu den Toronto Blue Jays. Auch sie haben sich die Option gesichert, den Vertrag um ein Jahr zu verlängern.

SP Edinson Volquez kehrt, zunächst nur im Rahmen eines Minor-League-Vertrages, zurück zu den Texas Rangers. Er hofft, 2019 noch mal den Sprung in die MLB zu schaffen, wenn er seine aktuelle Verletzung auskuriert hat. Einen weiteren Minor-League-Vertrag vergeben die Rangers an Pitcher Jesse Chavez; sollte er im Spring Training einen Platz in der Rotation oder im Bullpen erobern, wird er dieses Jahr 1,5 Millionen Dollar verdienen.

Reliever Tony Watson verstärkt die San Francisco Giants für 7 bis 9 Millionen Dollar in den nächsten zwei Jahren, der Klub hat die Option auf ein weiteres Jahr.

Auch die Washington Nationals ergänzen ihren Bullpen, zu ihnen kommt der 40-jährige Joaquin Benoit (1 Jahr, 1 Million).

Die Arizona Diamondbacks waren bei ihrer Suche nach Hilfe für das Outfield wohl auch an J. D. Martinez interessiert, doch nachdem dieser sich mit den Red Sox einig wurde, handelten sie schnell: Nach Arizona kommt nun Jarrod Dyson, der für zwei Jahre 7,5 Millionen Dollar erhält.

Auch die Miami Marlins sichern sich einen zusätzlichen Outfielder: Nach 2008 bis 2010 wird Cameron Maybin nun zum zweiten Mal in seiner Karriere für die Marlins spielen. Für seinen Einjahresvertrag erhält er 3,25 Millionen Dollar.

Die Tampa Bay Rays haben überraschend Outfielder Corey Dickerson designated for assignment. Als Ersatz kommt Carlos Gomez (1 Jahr, 4 Millionen), der außer im Outfield auch als DH zu Einsätzen kommen könnte. Zudem haben die Rays 1B C. J. Cron gegen Cash oder einen später zu benennenden Spieler von den Los Angeles Angels geholt.

Die Angels wiederum tun etwas für die Tiefe ihres Outfields mit der Verpflichtung von Chris Young (1 Jahr, 2 Millionen) und einem Trade für Jabari Blash, für den die New York Yankees ebenfalls Cash oder einen später zu benennenden Spieler erhalten. Einen Minor-League-Vertrag bei den Angels erhält 1B Chris Carter. Bei Bedarf wird dieser zu einem Major-League-Kontrakt über ein Jahr und 1,75 Millionen umgewandelt.

Infield-Allrounder Eduardo Nunez wird bei den Boston Red Sox bleiben: Für 4 Millionen Dollar verlängert er seinen Vertrag zunächst um ein Jahr und hat dann die Option auf seiner Seite, ein weiteres Jahr für weitere vier Millionen dranzuhängen.

Zum Abschluss noch ein schön unübersichtlicher Dreiecks-Trade: 2B/3B Brandon Drury wechselt von den Diamondbacks zu den Yankees, die somit eine Absicherung für den Fall gefunden haben, dass einer der Rookies Gleyber Torres und Miguel Andujar nicht die Erwartungen erfüllt. Outfielder Steven Souza Jr. geht von den Rays zu den Diamondbacks. Minor-League-Pitcher Anthon Widener wird von den Yankees zu den Diamondbacks geschickt. Die Rays erhalten von den Yankees 2B-Prospect Nick Solak und von den Diamondbacks Pitching-Prospect Anthony Banda sowie zwei später zu bennende Spieler.

Diese Spieler sind noch zu haben
So langsam lichten sich die Reihen der Free Agents, die noch kein Team gefunden haben. Natürlich gibt es immer noch Dutzende, die auf einen Vertrag hoffen, aber die meisten von ihnen fallen in den Graubereich, aus dem heraus man mit etwas Glück einen Ein- oder Zweijahresvertrag in der MLB bekommt, sich vielleicht aber auch mit einem Minor-League-Kontrakt zufrieden geben oder über das Karriere-Ende nachdenken muss. Kandidaten, die meiner Einschätzung nach sicher noch eine Beschäftigung zu attraktiven Bedingungen finden werden, sind SP Jake Arrieta, 3B Mike Moustakas, RP Greg Holland, SP Lance Lynn und SP Alex Cobb in der ersten sowie C Jonathan Lucroy, OF Carlos Gonzalez, SP John Lackey, 1B Lucas Duda und 2B Neil Walker in der zweiten Reihe.

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Februar 4th, 2018 by Silversurger

Die neue MLB-Saison steht vor der Tür, in weniger als drei Wochen beginnen die Spring-Training-Spiele. Bis dahin möchten nicht nur über 120 Free Agents gern ihre unmittelbare Zukunft geklärt haben, sondern es stehen auch noch Entscheidungen über mögliche Regeländerungen an. Im Mittelpunkt steht dabei nach wie vor das Bestreben, das Spiel schneller zu machen. Hier ein kurzer Überblick, was sich schon dieses Jahr ändern könnte.

Erweiterte Netze in allen Ballparks
Eine Änderung zur neuen Saison steht fest: In allen 30 Ballparks der MLB werden zusätzliche oder größere Sicherheitsnetze installiert, um Zuschauer in Spielfeldnähe vor verirrten Bällen zu schützen. Es gibt dazu keine neue Regel, nur eine zwei Jahre alte Empfehlung der MLB. Diese wurde in den vergangenen beiden Jahren von den meisten Klubs geflissentlich ignoriert und leider war es wie so oft im Leben: Bevor Sicherheitsbedenken auf Gehör stoßen, muss es erst einen aufsehenerregenden Fall mit Toten oder schweren Verletzungen geben. Am 20. September wurde ein kleines Mädchen im Yankee Stadium von einem Line Drive getroffen. Es erlitt mehrere Schädelfrakturen und eine Gehirnblutung. Und plötzlich sahen alle 30 Vereine ein, dass erweiterte Sicherheitsnetze doch eine gute Idee sein könnten, die nun umgesetzt wird.

Pitch-Clock oder letztes Ultimatum
Über die Einführung einer Pitch-Clock wurde in dieser Offseason viel spekuliert. Fakt ist, dass die Begrenzung der Zeit zwischen zwei Pitches auf 20 Sekunden in den Minor Leagues seit 2015 Realität ist und dass die Leitung der MLB bereits vor einem Jahr vorgeschlagen hat, dies auf die Major League zu übertragen. Eine kurzfristige Einführung wäre damals nur mit Zustimmung der Spielergewerkschaft MLBPA möglich gewesen, die nicht erteilt wurde. Mit der seitdem vergangen Wartezeit hat die Liga nun das Recht, die Regeländerung einseitig festzulegen.

Commissioner Rob Manfred hat die Beschleunigung des Spiels zu einem Hauptanliegen seiner Amtszeit gemacht und die Pitch-Clock hat in den Minors tatsächlich dazu geführt, dass die Spiele sich im Schnitt um zwölf Minuten verkürzt haben. Dennoch scheint Manfred davor zurück zu schrecken, die Neuerung im Alleingang einzuführen. Das ist verständlich, denn die Maßnahme gilt als unpopulär – sowohl unter den Spielern als auch unter vielen der Fans. Baseball ist traditionell der Mannschaftssport ohne Uhr und der Nervenkrieg im Duell zwischen Pitcher und Batter macht einen guten Teil des Reizes dieses Sports aus. Das sehe auch ich so und deshalb bin ich froh, dass Manfred wohl bereit ist, ein letztes Ultimatum zu gewähren. Das Angebot lautet, dass auf die Pitch-Clock verzichtet wird, sofern die Spieler eigenverantwortlich dafür Sorge tragen, dass die durchschnittliche Dauer eines 9-Inning-Spiels von zuletzt 3:05 Stunden auf unter 2:55 Stunden sinkt. Wird dieses Ziel verfehlt, kommt die Pitch-Clock unweigerlich 2019; Überschreitungen des 20-Sekunden-Limits werden dann je nach Verursacher mit Balls oder Strikes bestraft.

Begrenzung der Mound-Visits
Als ein Beitrag zur Erreichung des Zeitziels wird wohl schon dieses Jahr eine strengere Begrenzung der Besuche auf dem Mound eingeführt werden. Bislang war ein Besuch pro Inning durch einen Coach oder Manager erlaubt, beim zweiten musste der Pitcher gewechselt werden. Die Anzahl der Besuche durch Mitspieler war nicht begrenzt. Im Gespräch ist nun eine Höchstzahl von sechs Besuchen je Spiel, egal ob durch einen Coach oder durch einen Mitspieler. Auch diese Maßnahme stößt nicht unbedingt auf Gegenliebe unter den Spielern, dürfte für sie aber im Vergleich mit der Installation einer Pitch-Clock deutlich akzeptabler sein.

Comeback der Bullpen-Carts?
Als weiteres Mittel, um die Spieldauer zu reduzieren, kam diese Woche die Idee ins Spiel, die alte Tradition der Bullpen-Carts wieder aufleben zu lassen. Ob es wirklich viel Zeitersparnis bringt,  die Relieve Pitcher mit so einem Wägelchen zum Mound zu kutschieren, wage ich zu bezweifeln – ein normaler Weg vom Bullpen zum Mound dauert zu Fuß rund 50 Sekunden, mit dem Cart vielleicht 30. Aber was soll’s, die Dinger sehen so schön retro aus, also her damit, auch wenn sie wohl kaum viel mehr als eine Minute Spieldauer sparen.

Zurzeit nur ein Ausstellungsstück: Ein Bullpen-Cart der Red Sox1

Baserunnner zu Beginn von Extra-Innings
Um noch mal auf einen ernstafteren Eingriff ins Spiel zu sprechen zu kommen: Wenn Spring-Training-Spiele in die Verlängerung gehen, wird dieses Jahr ab dem zehnten jedes Inning mit einem Baserunnner auf der zweiten Base begonnen. Im All-Star-Game am 17. Juli wird die gleiche Regelung ab dem elften Inning gelten. Das ist im Endeffekt die Einführung eines verkappten Elfmeterschießens und meiner Ansicht nach so ziemlich das Letzte, was der Baseball braucht. Aber man muss hier differenzieren: Bisher geht es in dieser Angelegenheit um Trainings- und Showspiele. Solche Spiele muss man nicht unnötig in die Länge ziehen. Es ist völlig legitim, wenn man Maßnahmen unternimmt, damit sich niemand in diesen Spielen verausgabt und sein Verletzungsrisiko erhöht. Es gibt bislang keine offiziellen Pläne, automatische Baserunnner in regulären MLB-Spielen einzuführen, und ich hoffe, das bleibt so.

1Quelle: Eigene Aufnahme

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Januar 18th, 2018 by Silversurger

Kleinvieh macht auch Mist. So könnte man die vergangene MLB-Woche beschreiben, in der es zwar einige interessante Neuigkeiten gab, aber immer noch Stillstand herrschte in Bezug auf „große“ Trades oder Free-Agent-Verpflichtungen. Das letzte Woche an dieser Stelle vorgestellte All-Free-Agent-Team musste seitdem nur Reliever Addison Reed abgeben, 13 Mitglieder meiner gut zwei Monate alten Top-20-Liste sind nach wie vor zu haben. Erklärungsansätze für die extrem zurückhaltende Free Agency dieses Jahres gibt es einige. Am einleuchtendsten erscheint mir die Vermutung, die Klubs gelangten zunehmend zu der Ansicht, dass Free Agents eine schlechte Investition sind: Die Kosten für sie sind im Vergleich mit selbst entwickelten oder ertradeten Spielern in ihren ersten sechs MLB-Jahren unverhältnismäßig hoch und die verlangten Vertragslaufzeiten bergen große Risiken, weil die Gehälter garantiert sind und man bei verletzungs- oder altersbedingtem Leistungsabfall mitunter jahrelang auf Zahlungsverpflichtungen ohne Gegenwert sitzen bleibt. Was an dieser Diagnose dran ist, wird sich im Laufe der nächsten Jahre zeigen. Wenn sie stimmt, dürfte sich der Trend zur Zurückhaltung der Vereine fortsetzen und/oder die von den Free Agents erzielten Gehälter und Laufzeiten dürften deutlich zurückgehen.

Pirates traden McCutchen und Cole, behalten Rivero
Das mit Abstand aktivste Front Office war diese Woche das der Pittsburgh Pirates. Die Pirates haben die Weichen klar in Richtung Rebuilding gestellt. Zuerst tradeten sie SP Gerrit Cole zu den Houston Astros. Die Astros werten damit ihre Rotation deutlich auf, während die Pirates mit SP Joe Musgrove, 3B Colin Moran, RP Michael Feliz und OF Jason Martin ihren Kader verjüngern und verbreitern.

Als nächstes wurde OF Andrew McCutchen, dessen Vertrag Ende des Jahres ausläuft, nach San Francisco geschickt. Damit arbeiten die Giants – wenngleich nur kurzfristig – an ihren Problemen im Outfield und bieten ihren Fans nach Evan Longoria nun mit McCutchen schon den zweiten Spieler, der bei seinem bisherigen Team absoluter Publikumsliebling war. Die Gegenleistung für die Pirates sind weitere Zukunftshoffnungen in Form des jungen RP Kyle Crick und OF-Prospect Bryan Reynolds sowie 500.000 Dollar aus dem Pool für internationale Spielerverpflichtungen.

Als weiterer Veteran, von dem man sich trennt, könnte sich in den kommenden Tagen noch 2B Josh Harrison zu Cole und McCutchen gesellen. Mit den Mets gab es wohl schon intensive Trade-Gespräche bezüglich Harrison, die bislang aber ohne Ergebnis blieben. Als festen Teil ihrer Zukunft betrachten die Pirates hingegen ihren Closer Felipe Rivero. Der 26-Jährige wurde mit einem Vierjahresvertrag im Wert von 22 Millionen Dollar ausgestattet.

Brad Hand
Ähnlich wie die Pirates mit Rivero haben auch die San Diego Padres mit Brad Hand einen relativ jungen Closer, den sie als eines der Kernstücke zukünftiger Erfolge sehen und dem sie deshalb eine hochdotierte Vertragsverlängerung zukommen lassen: 19,75 Millionen Dollar ist Hand den Padres für die nächsten drei Jahre wert, zudem haben sie die Option auf ein viertes Jahr.

Addison Reed zu den Twins
Der relevanteste Free Agent, der in den letzten Tagen ein neues Team fand, ist RP Addison Reed. Für 16,75 Millionen Dollar spielt Reed die nächsten zwei Jahre in Minnesota. Das wirft die spannende Frage auf, wer für die Twins nächstes Jahr closen wird: Der vor wenigen Wochen verpflichtete Fernando Rodney (4.23 ERA, 3.03 FIP) soll diese Rolle erklärtermaßen einnehmen, doch Rodney ist bei Saisonstart 41 Jahre alt, bringt eine Verletzungsgeschichte und eine Reihe schwacher Auftritte in der Dominikanischen Winter League mit sich. Reed (2.84 ERA, 4.60 FIP) ist 29, als wenig verletzungsanfällig bekannt, hat sowohl von der Laufzeit als auch vom Gehalt her den besseren Vertrag bekommen und vor allem bin ich vermutlich nicht der einzige, der ihn schlichtweg für den besseren Pitcher hält.

Kendrick, Granderson und Gonzalez wollen’s noch mal wissen
Drei ältere Free Agents haben neue Verträge unterschrieben und möchten beweisen, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören. OF Curtis Granderson (bei Saisonstart 37) und 1B Adrian Gonzalez (35) konnten letztes Jahr bei den Los Angeles Dodgers nicht das Leistungsniveau halten, das man früher von ihnen gewohnt war. Beide wurden deswegen von den Dodgers nicht in den Playoff-Kader aufgenommen. Für 5 Millionen Dollar erhält Granderson dieses Jahr eine neue Chance bei den Toronto Blue Jays. Das dürfte gut investiertes Geld sein, denn selbst wenn Granderson leistungsmäßig nicht die Kurve bekommen sollte, so ist er zumindest als äußerst sympathischer Führungsspieler bekannt, dessen Anwesenheit sich positiv auf die Stimmung im Clubhouse und auf die Entwicklung der jungen Spieler auswirken wird. Auch Gonzalez wird nicht nur auf dem Platz, sondern ebenfalls als Mentor gefragt sein: Bei den New York Mets soll er dem jungen 1B Dominic Smith Zeit und Rat bei dessen Entwicklung verschaffen.

Unter etwas anderen Vorzeichen steht die Verpflichtung von OF Howie Kendrick (34) bei den Washington Nationals: Kendrick erwies sich 2017 als Spätentwickler und hatte mit .844 OPS und 1.6 fWAR sein bislang bestes Jahr in der MLB. Für die Nationals, die Kendrick zur Trade Deadline von den Philadelphia Phillies geholt hatten, war das Grund genug, ihn nun mit einem Zweijahresvertrag über 7 Millionen Dollar auszustatten.

Arbitration-Rekorde von Donaldson und Bryant
Von Ende Januar bis Mitte Februar stehen die Arbitration Hearings an, also die Schlichtungsrunden zur Festlegung der Gehälter von Spielern im vierten bis sechsten MLB-Jahr. In den Wochen davor suchen und finden die Klubs mit vielen der betroffenen Spieler Einigungen, um das Schlichtungsverfahren zu vermeiden. Das ist wenig spektakulär, da schon vorher feststeht, dass die betreffenden Spieler ihrem bisherigen Team erhalten bleiben und es meist um (im Vergleich mit guten Free Agents) relativ moderate Summen geht. Deswegen berichte ich hier auch in der Regel nicht über Arbitration-Einigungen. Aber keine Regel ohne Ausnahme, zwei der diesjährigen Fälle möchte ich doch erwähnen: 3B Josh Donaldson einigte sich mit den Toronto Blue Jays auf ein Gehalt von 23 Millionen Dollar, das ist ein neuer Rekord für einen Einjahresvertrag mit einem Spieler in der Arbitration-Phase. Dagegen nehmen sich die 10,85 Millionen, die 3B Khris Bryant von den Chicago Cubs erhält, fast bescheiden aus, doch auch das ist ein Rekord und zwar als höchste Summe, die je einem Spieler in seinem ersten Jahr der Arbitration-Phase gezahlt wurde.

Manfred will die Pitch-Clock
Um die mögliche Einführung einer Pitch-Clock (ich war hier schon mal darauf eingegangen) ist es in den letzten zwei Monaten relativ ruhig geblieben, doch es scheint nach wie vor wahrscheinlich, dass diese fundamentale Neuerung schon zur bevorstehenden Saison eingeführt wird. MLB-Commissioner Rob Manfred hatte die Pitch-Clock schon letztes Jahr vorgeschlagen, ebenso wie eine Begrenzung von Besprechungen auf dem Mound. Die Spieler, vertreten durch die Spielergewerkschaft MLBPA, waren dagegen, doch die Statuten der MLB erlauben Manfred, Regeländerungen auf eigene Faust durchzuführen, wenn über sie innerhalb eines Jahres keine Einigung erzielt wurde. Die MLBPA scheint derzeit die Strategie zu verfolgen, genau dies zu provozieren: eine einseitige Regeländerung durch die Ligaführung, für die diese dann auch alleine gerade stehen und etwaige Kritik einstecken muss. Darauf jedenfalls deutet hin, dass die MLBPA sich, soweit öffentlich wahrnehmbar, zu diesem Thema stark zurückhält. Natürlich kann das auch nur Verhandlungstaktik sein. Ich hoffe, dass es das ist, denn in meinen Augen sollte die MLBPA lieber versuchen, die wohl unvermeidliche Neuregelung mitzugestalten und zum Beispiel auf ein Limit von 25 statt 20 Sekunden pro Pitch hinzuwirken statt dass man die Hände in den Schoß legt, um anschließend mit dem Finger auf Manfred zu zeigen und doch nichts zu verändern.

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November 23rd, 2017 by Silversurger

Diese Woche könnte man eine ganze Folge des Grand Slam am Donnerstag einem einzigen Team widmen: Die Atlanta Braves beherrschten die MLB-News – im Positiven, aber auch und leider vor allem im Negativen. Zum Glück gibt es ein paar verlässliche Dauerbrenner-Themen, dank derer man auch ein bisschen was schreiben kann, was nichts mit den Braves zu tun hat: die Frage, für wen Giancarlo Stanton nächstes Jahr seine Homeruns schlagen wird, die ersehnte Ankunft von Supertalent Shohei Otani und natürlich wieder einige Trades der Seattle Mariners. Außerdem wachsen seit dieser Woche die Spekulationen um eine schon lange diskutierte mögliche Regeländerung. Und bevor ich es vergesse: Happy Thanksgiving an alle, die diesen Tag in irgendeiner Weise feiern!

Braves dominieren die Arizona Fall League
Die wichtigste Herbstliga für MLB-Talente, die Arizona Fall League, hat am Samstag ihre Saison abgeschlossen. Im Finale siegten die Peoria Javelinas 8:2 gegen die Mesa Solar Sox und was von der AFL-Spielzeit 2017 hängen bleibt, sind vor allem die Leistungen der Prospects der Atlanta Braves. Wie jedes Team der AFL werden die Javelinas mit Nachwuchs aus mehreren MLB-Franchises bestückt, doch die der Braves ragten deutlich heraus. Das gilt vor allem für den 19-jährigen Outfielder Ronald Acuna, der zum MVP der AFL-Saison gewählt wurde. Aber auch Infielder Austin Riley, Catcher Alex Jackson und Pitcher Max Fried hatten großen Anteil am Erfolg von Peoria. Das Farmsystem der Braves könnte somit der große Gewinner dieser Offseason sein, wenn da nicht diese unangenehme andere Sache wäre:

Harte Strafen gegen die Braves und ihren Ex-GM 
Wie ich letzte Woche schon berichtet hatte, haben die Braves sich dabei erwischen lassen, dass sie mehrere Regeln verletzt haben, vor allem im Bereich der Verpflichtung von internationalen Talenten. Im Wesentlichen ging es darum, dass sie die dafür von der MLB festgelegten Budgetgrenzen umgingen, indem sie mehreren Spielern zusätzliche verschleierte Zahlungen zukommen ließen. Die MLB hat nun die Strafen für die Verstöße bekannt gegeben und man kann sie durchaus als drastisch beschreiben: Die Braves verlieren 13 ihrer internationalen Talente, darunter den hoch gehandelten venezolanischen Shortstop Kevin Maitan. Die restlichen betroffenen Spieler sind Juan Contreras, Yefri del Rosario, Abrahan Gutierrez, Juan Carlos Negret, Yenci Peña, Yunior Severino, Livan Soto, Guillermo Zuniga, Brandol Mezquita, Angel Rojas, Antonio Sucre und Ji Hwan Bae. Sie alle sind nun wieder Free Agents und können ab einem Zeitpunkt in ca. zwei Wochen von jedem MLB-Team verpflichtet werden. Die Braves dürfen derweil bis 2020 lediglich Talente aus dem Ausland verpflichten, die mit einem Bonus von unter 10.000 Dollar zufrieden sind, und 2021 verfügen sie nur über die Hälfte des Budgets für Auslandsverpflichtungen. Persönlich bestraft wurden der ehemalige General Manager der Braves, John Coppolella, mit einem lebenslänglichen sowie sein Assistent Gordon Blakely mit einem einjährigen Beschäftigungsverbot innerhalb der MLB. Zu unguter Letzt verlieren die Braves ihren Drittrundenpick in der nächsten Draft, nachdem sie auch einem gedrafteten Spieler eine unzulässige Zahlung angeboten hatten.

Rücktritt von John Hart 
Und noch mal die Braves: Der bisherige Teampräsident John Hart war letzte Woche im Zuge der Anstellung des neuen GM Alex Anthopoulos entmachtet worden, auch darüber hatte ich berichtet. Mit der ihm zugedachten neue Rolle als „Senior Advisor“ konnte Hart sich offenbar nicht anfreunden, denn wenige Tage später gab er seinen Rücktritt bekannt. Vermutlich ist das ein Schritt, auf den die Braves gehofft hatten, denn wenn eine Franchise je einen kompletten Neuanfang im Front Office nötig hatte, dann sicher diese. Ob und inwiefern Hart eine Rolle bei den Regelverstößen der Braves gespielt hatte, bleibt derweil unklar. Bei den von der MLB ausgesprochenen Strafen ging er leer aus, da man ihm wohl glaubte – oder zumindest nichts anderes beweisen konnte –, dass er von den Vorgängen nichts mitbekommen hatte.

Verhandlungen um Stanton nehmen Fahrt auf
Für den heißesten Trade-Kandidaten der Offseason liegen die ersten konkreten Angebote vor: Die San Francisco Giants und die St. Louis Cardinals sind in konkrete Verhandlungen mit den Miami Marlins um den MVP der National League eingetreten. Neben diesen beiden Teams gelten die Boston Red Sox und die Los Angeles Dodgers als realistische Kandidaten für eine Aufnahme von Stanton mitsamt seinem teuren Vertrag. Dieser Vertrag sichert Stanton nicht nur 295 Millionen Dollar und eine Anstellung bis 2027, sondern auch das letzte Wort bei einem möglichen Trade. Ohne seine Zustimmung können die Marlins keinen Deal eingehen. Nicht zuletzt deshalb gelten die Giants als Favorit, das Rennen um Stantons Dienste zu machen. Denn der gebürtige Kalifornier wird wohl eher geneigt sein, in seinen Heimatstaat zu wechseln als beispielsweise nach St. Louis.

Der Weg für Otani ist frei
Der Hype um den japanischen Pitcher und Outfielder Shohei Otani strebt seinem Höhepunkt zu: Nach zähen Verhandlungen zwischen der MLB, der Spielergewerkschaft MLBPA und der japanischen Liga NPB hat man sich auf ein Verfahren geeinigt, nach dem Otanis Wechsel in die MLB ablaufen kann. Es ging dabei vor allem um die Modaltitäten, nach denen sein bisheriger Klub, die Nippon Ham Fighters, bei einem Wechsel entschädigt wird. Was Otani selbst aus einem ersten MLB-Vertrag herausholen kann, war vorher klar: Als ausländischer Spieler unter 25 fällt er unter den Budgetdeckel, der ihm unter günstigsten Umständen rund 10 Millionen Dollar ermöglichen würde. Tatsächlich liegt die höchste derzeit bei einem Team verfügbare Summe bei 3,535 Millionen, die die Texas Rangers investieren könnten, gefolgt von den New York Yankees mit 3,5 Millionen. Nebenverabredungen wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht geben, denn so etwas werden sich die Teams nach dem rigorosen Durchgreifen der Liga gegen die Braves mehr als zweimal überlegen.

Die Mariners-Trades der Woche
Was wäre eine Offseason-Woche ohne Trades der Seattle Mariners? Diese Woche schickte der rührige Mariners-GM Jerry Dipoto Reliever Thyago Vieira gegen 500.000 Dollar Budget für internationale Verpflichtungen zu den Chicago White Sox sowie die Pitching-Talente Juan Then und J.P. Sears im Austausch gegen Pitcher Nick Rumbelow zu den New York Yankees. Das sind alles keine bedeutenden Namen, aber hinter dem Trade mit den White Sox könnte sich Größeres verbergen: Die Mariners gelten nämlich als eines der Teams, die sich stark um Shohei Otani bemühen wollen und die aus Chicago erhaltene halbe Million erhöht das Budget, das sie Otani für einen Vertrag anbieten können.

Kommt die Pitch-Clock schon 2018?
Das Ziel der MLB-Führung, die Dauer von Baseballspielen zu reduzieren, ist allgemein bekannt. Ein Mittel, mit dem dieses Ziel erreicht werden soll, ist die Einführung einer Pitch-Clock. Diese Uhr soll die Zeit messen und begrenzen, die ein Pitcher sich zwischen einem Pitch und dem Beginn der Bewegung zum nächsten Pitch nehmen darf. Nachdem die Pitch Clock seit 2014 auf verschiedenen Levels der Minor Leagues getestet wurde, scheint ihre Einführung in die Major Leagues nun unmittelbar bevorzustehen, wie Buster Olney und andere MLB-Journalisten vermelden. Unter den Spielern – insbesondere natürlich den Pitchern – gelten diese Pläne als nicht gerade beliebt, doch die Ligaleitung um Commissioner Rob Manfred hat die Macht, die entsprechende Regeländerung auf eigene Faust zur kommenden Saison einzuführen. Von daher ist die Verhandlungsposition der Spielergewerkschaft MLBPA schwach und es wäre für sie schon ein Erfolg, wenn sie ein etwas großzügigeres Limit als die vorgesehenen 20 Sekunden herausholen könnte. 20 Sekunden würden von fast allen Pitchern eine Anpassung ihrer Spielweise verlangen, der Durchschnitt für die Zeit zwischen Pitches lag 2017 bei 23,5 Sekunden. Aber auch die Batter müssten einige Gewohnheiten ändern, damit die Zeiten eingehalten werden können – aus der Box herauszutreten, die Handschuhe zurechtzuziehen, einen zusätzlichen Übungsschwung auszuführen sind allesamt Praktiken, die heute zum Alltag des Spiels gehören, in ein paar Monaten aber bereits weitgehend Geschichte sein könnten.

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Mai 29th, 2017 by Silversurger

Eine Gnadenregel (englisch: „mercy rule“) sorgt dafür, dass ein Spiel vorzeitig endet, sobald ein Team nach einer bestimmten Anzahl von Innings einen bestimmten Vorsprung herausgespielt hat, der als uneinholbar angesehen wird. Gnadenregeln sind immer dann sinnvoll, wenn das Leistungsgefälle innerhalb eines Wettbewerbs groß ist und es regelmäßig zu sehr einseitigen Spielen kommt. Bekanntlich ist die reguläre Dauer eines Baseballspiels über die Anzahl von Innings definiert und die Dauer eines Innings über das Zustandekommen von drei Outs je Mannschaft. Bei sehr ungleichen Stärkeverhältnissen kann es dür das schwächere Team sehr lange dauern, die nötigen Outs zu erzielen und der Spielausgang kann schon nach wenigen Innings faktisch entschieden sein. In dem Fall sorgt die Gnadenregel für ein vorzeitiges Ende des Spiels im Interesse aller Beteiligten: Die Regel schützt nicht nur die Zuschauer vor Langeweile, sondern vor allem auch die Aktiven beider Mannschaften davor, in endlosen, längst entschiedenen Partien verheizt zu werden.

In der MLB gibt es keine Gnadenregel. Sofern es die äußerlichen (Wetter-)Bedingungen nicht unmöglich machen, läuft jedes Spiel über volle neun oder – falls das Spiel bereits zu Gunsten des Heimteams entschieden ist – achteinhalb Innings. Das finde ich gut so, denn in der MLB ist das Leistungsgefällle in der Regel nicht so groß, dass es einer Gnadenregel bedürfte. Natürlich gibt es auch hier immer mal wieder Spiele wie das 23:5 der Nationals gegen die Mets, die lange vor dem neunten Inning gelaufen sind. Aber solche Spiele sind Einzelfälle und von den hochbezahlten Profis kann man erwarten, dass sie auch so ein Spiel anständig über die Bühne bringen, selbst wenn irgendwann Positionsspieler auf dem Mound stehen, um die Pitcher zu schonen. Auch in den Minor Leagues und der japanischen Profiliga gibt es keine Gnadenregeln.

In anderen Ligen sind solche Regeln aber sehr verbreitet: zum Beispiel in den Profiligen von Kuba und Korea und vor allem im Jugend- und Amateurbereich, einschließlich des gesamten deutschen Baseball-Spielbetriebs bis hin zur Bundesliga. Hier trifft das Argument mit dem Leistungsgefälle eindeutig zu: In der Bundesliga Süd beispielsweise besteht eine deutliche Kluft zwischen den Bad Homburg Hornets, den Saarlouis Hornets und dem Rest der Liga. Entsprechend enden die Spiele dieser beiden Teams gegen eines der anderen Teams sehr häufig durch eine Gnadenregel – in der bisherigen Saison 2017 in 20 von 28 Fällen. Die Bundesspielordnung des DBV sieht in Artikel 11.3.04 für alle Ligen drei Gnadenregeln vor:

  1. Die 20-Run-Regel (Führung mit 20 oder mehr Runs nach 3 Innings).
  2. Die 15-Run-Regel (Führung mit 15 oder mehr Runs nach 5 Innings).
  3. Die 10-Run-Regel (Führung mit 10 oder mehr Runs ein oder zwei Innings vor dem angesetzten Ende).

Mit Abstand am häufigsten kommt die 10-Run-Regel zum Einsatz. Diese ist auch am sinnvollsten formuliert: Sie tritt nach sieben (bzw. sechseinhalb) Innings in Kraft, aber wenn zu dem Zeitpunkt noch keine Führung von 10 Runs besteht, greift die Regel auch nach acht Innings, wenn dann die Kriterien erfüllt sind. Das ist logisch, denn wenn man einem unterlegenen Team nicht zutraut, den Spielstand innerhalb von zwei Innings umdrehen zu können, warum sollte man ihm dann zutrauen, dies innerhalb nur eines Innings zu bewerkstelligen?

Dieser Gedanke führt mich zu der Anregung, die ich den für die Regeln zuständigen Gremien des DBV gern mit auf den Weg geben möchte: Die gleiche Logik sollte auch für die 20-Run-Regel und die 15-Run-Regel gelten! Die Spielordnung sieht für diese beiden Regeln momentan nicht vor, dass die Kriterien auch zu einem späteren Zeitpunkt greifen. Wenn ein Team also nach vier Innings mit 20 Runs Vorsprung führt, dann endet das Spiel nicht; es muss stattdessen noch das fünfte Inning gespielt werden. Und wenn zwar nicht nach fünf, aber nach sechs Innings ein 15-Run-Vorsprung besteht, dann geht das Spiel ins siebte Inning, bevor es (wahrscheinlich) durch die 10-Run-Regel endet. Dafür gibt es keinen vernünftigen Grund. Man sollte die Regeln ändern, indem man an den betreffenden Stellen die Worte „oder mehr“ einfügt, also zum Beispiel für die 20-Run-Regel, „dass das Spiel beendet ist, wenn eine Mannschaft nach drei (3) oder mehr Innings mit 20 oder mehr Runs führt“.

Was meint ihr dazu?

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