September 24th, 2020 by Silversurger

Nur noch drei bis fünf Spiele je Team, dann ist die MLB-Saison des Corona-Jahres 2020 Geschichte. Vor allem in der National League steht noch ein aufregendes Wochenende bevor, denn das Playoffrennen gestaltet sich auf der Schlussgeraden extrem spannend. Nach nur einem Tag Pause geht es am Dienstag schon los mit der Wild-Card-Runde, in der dieses Jahr alle 16 qualifizierten Teams in Best-of-3-Serien antreten müssen.   

National League
Den ersten Platz in der NL West sowie in der Setzliste der NL haben sich die Los Angeles Dodgers (39-17) bereits fest gesichert. Auch die Atlanta Braves (34-22), die Chicago Cubs (32-24) und die San Diego Padres (34-22) haben das Playoffticket in der Tasche und werden in der Wild-Card-Runde Heimrecht genießen.

Ein Hauen und Stechen gibt es am Schlusswochenende um die Playoffplätze fünf bis acht. Sechs Teams machen sich noch berechtigte Hoffnungen. Sie alle liegen zurzeit höchstens einen Sieg über oder unter einer ausgeglichenen Bilanz und damit extrem eng beieinander. Zu vergeben sind zum einen noch die zweiten Plätze in der NL East und in der NL Central. Diese gingen derzeit an die Miami Marlins (28-28) und an die St. Louis Cardinals (27-26). Hinzu kommen die beiden Wild-Card-Plätze, die momentan die San Francisco Giants (28-27) und die Cincinnati Reds (29-28) belegen. In die Röhre schauen würden aktuell die Philadelphia Phillies (28-29) und die Milwaukee Brewers (27-28).

Im Restprogramm dieser Teams sticht vor allem die Serie zwischen den Cardinals und den Brewers ins Auge. Fünf Spiele haben die beiden Teams noch gegeneinander zu absolvieren und können somit jeweils aus eigener Kraft die Qualifikation für die Postseason klar machen. Falls sie sich die Siege teilen, freuen sich womöglich die Reds – sofern sie selbst ihre Hausaufgaben in den drei Spielen in Minnesota machen.

Das Überraschungsteam schlechthin in diesem Jahr sind die Marlins, doch ihnen drohen auf den letzten Metern die Felle davonzuschwimmen: Nach vier Niederlagen in Folge haben sie plötzlich nur noch ein halbes Spiel Vorsprung auf die Phillies. Ein weiteres Spiel bei den Braves und zum Abschluss drei bei den Yankees klingen nicht gerade nach einem vielversprechenden Finnish für die Marlins. Allerdings haben es die Phillies, die dreimal bei den Rays antreten müssen, auch nicht einfacher.

Bleiben noch die Giants, die heute noch mal gegen die Rockies und dann viermal gegen die Padres antreten. Auch das ist kein leichtes Restprogramm, aber im Gesamtbild erscheint es mir recht wahrscheinlich, dass wir die Giants nächste Woche in den Playoffs sehen.

Wichtig zu wissen ist noch, dass es – anders als in normalen Jahren – keine kurzfristig angesetzten Tiebreaker-Spiele gibt, wenn zwei oder mehr Teams den Kampf um die Playoffs mit identischer Bilanz abschließen. In einem solchen Fall wird zuerst der direkte Vergleich zwischen den Teams herangezogen; wenn es keinen gibt oder er ebenfalls unentschieden steht, werden als nächstes die Bilanzen innerhalb der Division herangezogen, dann die Bilanz der letzten 20 Spiele und falls nötig die der letzten 21, 22 usw. bis eine Entscheidung da ist.

American League
In der AL sind fast alle Entscheidungen gefallen. Dass sich noch Änderungen am seit Wochen absehbaren Playoff-Bild ergeben, ist kaum mehr als eine theoretische Möglichkeit. 

Die AL East geht hieb- und stichfest an die Tampa Bay Rays (37-20), der zweite Platz an die New York Yankees (32-24). Die Toronto Blue Jays (29-27) sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit per Wild-Card ebenfalls in den Playoffs. Dort müssen sie auf ihren Closer Ken Giles verzichten, der am Montag – ausgerechnet an seinem 30. Geburtstag – erfuhr, dass er sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen muss. Als Achter der Setzliste werden die Blue Jays in der Wild-Card-Runde zur Nummer eins der AL reisen, also entweder zu den Rays oder den Athletics.

In der AL Central machen die Minnesota Twins (35-22) und die Chicago White Sox (34-22) die Plätze eins und zwei per Fernduell unter sich aus. Der Verlierer dieses Duells muss in den Playoffs voraussichtlich gegen die Yankees ran, während der Gewinner es mit den Astros zu tun bekommt. Die Cleveland Indians (32-24) werden wohl nicht über Platz drei in der Division hinauskommen, haben aber zumindest über die Wild-Card die Playoff-Teilnahme schon sicher. Nach einer Schwächephase in der vorletzten Woche scheinen die Indians gerade rechtzeitig wieder ihren Schwung gefunden zu haben, um in der K.O.-Runde erhobenen Hauptes nach Oakland oder Tampa Bay zu reisen.

Die Oakland Athletics (34-21) gewinnen die AL West mit großem Abstand. Für sie ist nur noch offen, ob es am Ende Platz eins oder zwei in der gesamten AL und der Gegner in der ersten Runde somit Toronto oder Cleveland wird. Fast sicher dabei sind auch die Houston Astros (28-28). Allerdings sehen sie zurzeit nach dem schwächsten Playoffteam der AL aus, nachdem sie sich mehr schlecht als recht mit 9-14 durch den September geschleppt haben und nun auch noch ihr Pitching-Ass Justin Verlander langfristig verletzt ausfällt. Sollten die Astros in der letzten Serie bei den Texas Rangers (19-37) massiv untergehen, könnten sogar noch die Los Angeles Angels (26-31) oder die Seattle Mariners (25-31) in die Playoffs rutschen. 

Szene der Woche
Es ist mal wieder Zeit, „unseren“ MLB-Star Max Kepler zu feiern. Am Dienstag durfte er im Spiel seiner Twins gegen die Detroit Tigers gleich zweimal den Helden spielen: zuerst im achten Inning, als ihm per Solo-Homerun der Ausgleich gelang, und dann erneut im zehnten Inning, in dem er mit einem Walk-Off-Single das Spiel für sein Team entschied.

Statistik der Woche 
14. So viele Strikeouts erzielte Mets-Pitcher Jacob deGrom am Montag in einem Spiel – zum zweiten Mal in dieser Saison. Er hat damit 2020 doppelt so viele 14-Strikeout-Spiele wie der Rest der Liga zusammen (Shane Bieber am Opening Day, falls jemand fragt). Typisch Mets allerdings: Das Spiel ging 1:2 verloren. Sollte deGrom dieses Jahr zum dritten Mal hintereinander den Cy-Young-Award gewinnen, so wäre er nach Greg Maddux und Randy Johnson der dritte in der MLB-Geschichte, dem dies gelingt – und der erste, dessen Team in dem Zeitraum kein einziges Mal die Playoffs erreichte.

Spiel der Woche
Fast wäre es das Highlight des Jahres für die Pittsburgh Pirates geworden: Das schwächste Team der MLB durfte sich sechs Innings lang an einem No-Hitter seines jungen Starters Mitch Keller erfreuen. 4:0 lagen die Pirates vorne, als Keller trotz seiner überragenden Leistung nach 84 Pitches ausgewechselt wurde – eine Vorsichtsmaßnahme, da es erst sein zweites Spiel nach einer Verletzungspause war. Auf seinen Bullpen konnte Keller sich leider nicht verlassen. Die Reliever Geoff Hartlieb und Sam Howard wurden von den Cardinals prompt mit 5 Runs begrüßt und gaben somit das Spiel aus der Hand. 

Mein Einschalttipp
An diesem Wochenende lohnt es sich, vor allem in all die Spiele hineinzuschauen, die ich im Abschnitt über die National League und das Rennen um die Playoffplätze fünf bis acht erwähnt habe. Vielleicht kommt es sogar am Sonntag ab 21:15 Uhr unserer Zeit zu einem echten Endspiel um die Playoffteilnahme zwischen den Brewers und den Cardinals.

Außerdem stehen in der Baseball-Bundesliga am Samstag und am Sonntag die ersten Halbfinalspiele zwischen den Bonn Capitals und den Paderborn Untouchables sowie zwischen den Regensburg Legionären und den Heidenheim Heideköpfen an. Alle Spiele werden live gestreamt, die Zeiten und Links dazu findet ihr hier

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September 14th, 2020 by Silversurger

Ein letzter Doppelspieltag sowie zwei Nachholspiele stehen in der Baseball-Bundesliga noch aus, aber die wichtigsten Entscheidungen sind bereits gefallen: Die Halbfinals um die Deutsche Meisterschaft werden die Bonn Capitals gegen die Paderborn Untouchables sowie die Regensburg Legionäre gegen die Heidenheim Heideköpfe bestreiten. Offen ist lediglich noch, wo die Spiele der Best-of-3-Serien stattfinden werden. Das Team, das in der jeweiligen Teilliga die Saison auf Platz eins abschließt, tritt am 26. September zunächst auswärts an und hat am 3. Oktober in Spiel 2 sowie – falls es dazu kommt – in Spiel 3 Heimrecht.

In der Bundesliga Nord stehen die Capitals mit einer Bilanz von 11-1 vor den Untouchables mit 10-2. Die beiden Teams treffen am letzten Spieltag der regulären Saison zu einem Doubleheader aufeinander. Somit kann Bonn sich mit einem Sieg das vorteilhaftere Heimrecht sichern, während Paderborn dafür beide Spiele gewinnen müsste. Ich vermag offen gestanden nicht einzuschätzen, ob den Mannschaften das Heimrecht so wichtig ist, dass sie dafür am Sonntag noch mal alles geben, oder ob sie eher dazu neigen werden, einige Spieler – vor allem Pitcher – für die Halbfinalspiele zu schonen.

Im Süden stehen die Legionäre und die Heideköpfe jeweils bei 11-1. Die einzigen Niederlagen steckten die beiden Teams beim Split gegeneinander ein. In den letzten Saisonspielen geht es für Heidenheim gegen die Haar Disciples (5-7) und für Regensburg gegen die Mannheim Tornados (6-6). Sollten beide Top-Teams ihre weiße Weste gegenüber dem Rest der Liga behalten, so wird Regensburg auf Platz eins bleiben, weil letzte Woche der Sieg gegen Heidenheim um ein paar Runs höher ausfiel aus die Niederlage.

In den übrigen Partien des kommenden Wochenendes geht es zwar um nicht viel mehr als die Ehre, aber abgesehen von den verkürzten Playoffs wird es die letzte Möglichkeit sein, dieses Jahr noch mal hochklassigen Baseball live im Ballpark zu erleben. Im Norden steht zwischen den Dohren Wild Farmers (6-4) und den Solingen Alligators (7-5) ein reizvolles Duell um Platz 3 an. Im Süden gilt dasselbe für den Doublheader zwischen den Mainz Athletics (6-6) und den Stuttgart Reds (8-4). Interessant wird auch das Duell der Kellervögel zwischen den Tübingen Hawks (1-11) und den Ulm Falcons (0-12). Die Abstiegsregel ist für dieses Jahr zwar ausgesetzt, aber die Falcons werden sicher sehr motiviert sein, die Saison nicht als einziges Team ohne Sieg zu beenden.

Die genauen Spielzeiten findet ihr auf der Homepage der Baseball-Bundesliga. Dort wird auch kurz vor dem Wochenende die Übersicht aktualisiert werden, welche Spiele ihr per Livestream sehen könnt. Wenn ihr euren Verein vor Ort unterstützen wollt, schaut auf jeden Fall vorher auf seiner Website nach den jeweiligen Coronaregeln – Zuschauer sind fast überall zugelassen, aber in sehr begrenzter Zahl und oft nur mit Voranmeldung.

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August 17th, 2020 by Silversurger

Gute Nachrichten verbreite ich am liebsten: Die Baseball-Bundesliga hat ihre ersten beiden Spieltage reibungslos absolviert, weder Corona noch Unwetter haben zu Ausfällen geführt. Das ist schon mal erfreulich und meiner Ansicht nach weit wichtiger als die Frage, ob man mit den bisherigen Spielergebnissen zufrieden ist.

Ich persönlich bin zugegebenermaßen nicht allzu glücklich mit den Resultaten, sind doch „meine“ Mainz Athletics (0-4) bisher die Negativüberraschung der Liga. So ganz überraschend kamen die vier deutlichen Niederlagen bei näherem Hinsehen aber auch nicht, denn das Team befindet sich an mehreren Stellen im personellen Umbruch und tritt dieses Jahr komplett ohne Importspieler an. Gegen die beiden Top-Teams des Südens, die Heidenheim Heideköpfe (4-0) und die Regensburg Legionäre (4-0), war in diesem Zustand nichts zu holen.

Außer den beiden Dauerfavoriten Heidenheim und Regensburg haben in der Südstaffel auch die Suttgart Reds (4-0) einen makellosen Start hingelegt. Mit Sweeps gegen die Mannheim Tornados (2-2) und die München-Haar Disciples (1-3) haben die Stuttgarter zwei Konkurrenten schon weitgehend abgehängt, sodass eigentlich nur noch die Reds selbst als ernsthafte Kandidaten durchgehen, den Heideköpfen oder den Legionären einen Playoffplatz streitig zu machen. Wie lange diese Hoffnung währt, wird sich bald zeigen: Am Samstag empfangen die Reds die Legionäre und eine Woche später reisen sie zu den Heideköpfen. Es würde mich nicht wundern, wenn nach diesen beiden Doubleheadern und somit nach vier von sieben Spieltagen in der Bundesliga Süd alles klar ist. Zur Erinnerung: Es gibt dieses Jahr nur je zwei Playoff-Teilnehmer im Süden und im Norden, und es gibt keine Absteiger.

In der Nordstaffel bleibt es hoffentlich ein bisschen länger spannend. Der klare Favorit sind und bleiben die Bonn Capitals (4-0). Sie mussten gegen die Berlin Flamingos (0-4) und die Cologne Cardinals (0-4) jeweils nur vier bzw. fünf Innings lang die Muskeln spielen lassen, um die Partien per Mercy-Rule zu gewinnen. Für den zweiten Playoffplatz gibt es eine ganze Reihe von Kandidaten, bislang angeführt von den Dohren Wild Farmers (4-0). Die Paderborn Untouchables (3-1) und die Solingen Alligators (2-2) lieferten sich am vergangenen Wochenende ein hochklassiges Duell, aus dem jedes Team einen Sieg und eine Niederlage mitnahm. Solingen muss als nächstes bei den Hamburg Stealers (2-2) antreten, die bei einem Erfolg selbst noch in Richtung Playoffs schielen dürften.

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Juli 8th, 2019 by Silversurger

…die in der MLB noch nie passiert sind! Damit meine ich nicht das unfassbare Comeback, das Nordmeister Solingen Alligators in Spiel 5 des Viertelfinales gegen die Mannheim Tornados hingelegt hat. 7:0 waren die Tornados in der oberen Hälfte des ersten Innings vorangestürmt, 10:7 hatten sie noch zur Mitte des neunten Durchgangs geführt. Doch ein 3-Run-Homerun von Gerwuins Velazco brachte die Alligators in die Verlängerung, und im zehnten gelang durch ein RBI-Single von Lars Szameitpreuß der Walkoff-Sieg.

Ein solches Comeback sieht man nicht alle Tage, aber es ist auch nichts noch nie da Gewesenes. Zum Beispiel kassierten vor ziemlich genau 30 Jahren, am 8. Juni 1989, die Philadelphia Phillies in einem Spiel gegen die Pittsburgh Pirates im ersten Inning zehn Runs und gewannen am Ende 15:11 – was einem Fernsehkommentator einen ziemlich langen Fußmarsch bescherte.

Solingen trifft nun im Halbfinale auf Titelverteidiger Bonn Capitals. Auch bei den Capitals ging es im Viertelfinale dramatisch zu: Gegen die Regensburg Legionäre benötigten sie die volle Distanz von fünf Spielen und obwohl die Bonner in Spiel 5 zwischenzeitlich mit 6:0 vorne lagen, mussten sie am Ende froh sein, es mit 7:6 gerade so nach Hause zu schaukeln.

Die anderen beiden Halbfinalteilnehmer erledigten ihre Aufgaben souveräner: Die Heidenheim Heideköpfe gewannen mit 3:1 Siegen gegen die Paderborn Untouchables. Ihr Gegner im Halbfinale sind die Mainz Athletics, die gegen die Dohren Wild Farmers den einzigen Sweep der Runde vollbrachten. Nach zwei knappen Heimsiegen vom vorherigen Wochenende waren die Mainzer am Samstag in Dohren nicht zu bremsen. Die ersten fünf Batter des Spiels scorten allesamt und in fast jedem weiteren Inning bauten die A’s ihre Führung aus. Für die Wild Farmers muss sich der verregnete Nachmittag unendlich lang angefühlt haben, bis beim Stand von 20:0 nach sieben Innings die Mercy Rule griff.

Die Halbfinalserien beginnen am kommenden Wochenende mit Heimspielen der besser platzierten Teams: Mainz empfängt Heidenheim am Samstag um 16 Uhr und am Sonntag um 14 Uhr, Solingen und Bonn duellieren sich an beiden Tagen ab 14 Uhr.

Jetzt aber endlich zu dem Vorkommnis, das es in der MLB noch nie gegeben hat: In Wesseling musste ein Playdown-Spiel der Vermins gegen die Bremen Dockers abgebrochen werden, weil die Gäste nicht mehr genug Spieler zur Verfügung hatten. Vorausgegangen waren wilde Szenen, die zu mehreren Platzverweisen gegen Bremen und letztlich zur Zwangsniederlage führten. Den Regeln nach wird das Spiel 9:0 für die Vermins gewertet, obwohl diese zum Zeitpunkt des Spielabbruchs bereits 10:0 geführt hatten. Allein im dritten Inning hatte Wesseling sieben Runs gescort, übrigens ohne einen einzigen Hit zu erzielen: durch sechs Walks, etliche Wild Pitches und schließlich vier abgeworfene Batter hintereinander bei geladenen Bases.

Nachdem Wesseling bereits das erste Spiel des Doubleheaders 5:3 für sich entschieden hatte, stehen die Vermins und die Dockers in der Tabelle nun mit jeweils vier Siegen gleichauf. Eines der beiden Teams wird am Ende den direkten Abstiegsplatz belegen, das andere schafft es in die Relegationsrunde. Am 27. Juli treffen die beiden Kontrahenten erneut aufeinander und ich wünsche mir zwei Dinge: erstens, dass die Entscheidung tatsächlich in diesen direkten Duellen fällt und nicht in den jeweiligen Partien gegen Hamburg und Köln, für die die Abstiegsrunde nicht mehr als eine Reihe besserer Freundschaftsspiele ist; zweitens natürlich, dass es spannende und vor allem faire Baseballspiele ohne vergiftete Atmosphäre werden.

Der Vollständigkeit halber ein kurzer Blick in die Abstiegsrunde der Bundesliga Süd: Die Saarlouis Hornets haben bei den Haar Disciples einen überraschenden 17:7-Erfolg eingefahren. Der Rückstand der Hornets auf die Ulm Falcons und damit auf den Relegationsplatz – vier Siege und ein bereits verlorener direkter Vergleich – scheint jedoch immer noch uneinholbar. Genauso uneinholbar liegen Haar und die Stuttgart Reds vor den Falcons, sodass die Playdowns im Süden leider kaum Aufregendes zu bieten haben.

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Juni 25th, 2019 by Silversurger

Das Playoff-Rennen der Baseball-Bundesliga war in beiden Ligateilen spannend bis zum allerletzten Nachholspiel.

In der Bundesliga Nord schien die Sache eigentlich klar: Die Dohren Wild Farmers hatten nach dem Ende der regulären Saison noch zweieinhalb Nachholspiele gegen die Cologne Cardinals zu absolvieren, von denen sie nur eines gewinnen mussten, um in die Playoffs einzuziehen. Das hörte sich nach einer reinen Formsache an, doch bekanntlich werden die Spiele gespielt, weil man vorher nicht weiß wie sie ausgehen. Jedenfalls schockte Köln die Wild Farmers mit starken Leistungen und gewann die beiden Heimspiele einmal knapp mit 5:4 und einmal deutlich mit 13:1. So durften sich die zum untätigen Beobachter verdammten Hamburg Stealers plötzlich wieder Hoffnung machen. Zum Glück für die Wild Farmers mussten sie im dritten Spiel des Wochenendes, dieses Mal zu Hause, nicht bei Null anfangen: Die Partie gegen die Cardinals war am ersten Spieltag der Saison beim Stand von 5:1 für Dohren nach fünf Innings abgebrochen worden. So genügten nun vier konzentrierte Innings, mit denen Starter J. P. Stevenson sein zwölf Wochen zuvor begonnenes Complete Game vollendete und den Viertelfinaleinzug der Wild Farmers perfekt machte.

Im Süden ging es zuletzt nur noch um die Setzliste, genauer gesagt um Platz drei oder vier für Heidenheim und Mannheim. Beide Teams mussten in ihren letzten Saisonspielen beim Südmeister Mainz Athletics antreten, beide holten sich Niederlagen ab. So blieb es am Ende dabei, dass die Heidenheim Heideköpfe von Rang drei in die Postseason einziehen und die Mannheim Tornados von Rang vier. Vorher lieferten sich die Tornados mit den Athletics aber noch eine furiose Partie: Mannheim ging zunächst 2:0 in Führung, später lag Mainz nach sechs Innings mit 6:2 und nach acht Innings mit 8:3 vorne. Im neunten Inning gelang den Tornados die Rallye zum 8:8 und im zehnten schienen sie das Spiel mit 9:8 endgültig gedreht zu haben. Doch sie konnten den Erfolg nicht festhalten und nach vier Walks und einem Error triumphierten am Ende doch die Mainzer mit 10:9. 

Im Viertelfinale an den beiden kommenden Wochenenden spielt nun Nord gegen Süd über Kreuz. Nordmeister Solingen Alligators ist gegen den Südvierten Mannheim Tornados ebenso klarer Favorit wie Südmeister Mainz Athletics gegen den Nordvierten Dohren Wild Farmers. Sehr spannend dürfte es hingegen zwischen den Paderborn Untouchables und den Heidenheim Heideköpfen sowie zwischen den Regensburg Legionären und Titelverteidiger Bonn Capitals werden. Die Viertelfinalserien werden im Modus Best-of-5 ausgetragen. Das heißt, es finden jeweils zwei Spiele an diesem Wochenende statt und dann noch ein bis drei Partien je Serie am 6. und 7. Juli, so lange bis ein Team drei Siege eingefahren hat und damit eine Runde weiter ist.

Gleichzeitig mit den Playoffs finden auch die Playdowns statt, also die Abstiegsrunden. Hier gibt es keine Vermischung der Ligen, der Norden und der Süden bleiben unter sich. Die Teams auf den Plätzen vier bis acht tragen jeweils eine weitere Hin- und Rückrunde untereinander aus. Am Ende steigt der Achtplatzierte jeder Liga direkt ab, während der Siebte in die Relegation muss, sofern sich genug aufstiegswillige Zweitligisten finden. Da in die Playdowns die bisher erzielten Ergebnisse mitgenommen werden, hält sich die Spannung für die meisten Teams in engen Grenzen: Die Hamburg Stealers (17-11) und die Cologne Cardinals (11-17) im Norden sowie die Haar Disciples (13-15) und die Stuttgart Reds (13-15) im Süden werden mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Interessant ist allein die Frage, ob die Wesseling Vermins (2-26) die Bremen Dockers (4-24) und/oder die Saarlouis Hornets (2-26) die Ulm Falcons (5-23) noch einholen können.

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Dezember 22nd, 2018 by Silversurger

Meine Vorfreude auf die neue Saison der Baseball-Bundesliga ist gerade noch ein bisschen größer geworden: Der Deutsche Baseball- und Softballverband DBV hat diese Woche die vorläufigen Spielpläne seiner Ligen veröffentlicht. Demnach ist der 30. März Opening Day sowohl in der Nord- als auch in der Südliga.

Das spannendste Matchup des ersten Spieltages steigt in Mainz. Die heimischen Athletics und die Regensburg Legionäre werden um ein frühes Zeichen ringen, wer sich 2019 im Süden als Hauptkonkurrent der Heidenheim Heideköpfe etablieren kann.

In der Bundesliga Nord bleibt der Deutsche Meister Bonn Capitals klarer Favorit. Auch die Bonner beginnen das Jahr mit einer interessanten Serie: Sie treten bei den deutlich verstärkten Hamburg Stealers an, die Headcoach David Wohlgemuth und mit ihm mehrere Spieler von den Dohren Wild Farmers weggelockt haben.

Man sollte die Termine übrigens noch nicht so ernst nehmen, dass man seinen Urlaub danach bucht, denn die Vereine können noch bis Februar Änderungen beantragen.

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Juni 11th, 2017 by Silversurger

Die gute Nachricht zuerst: Die Mainz Athletics haben beim European Champions Cup den späteren Turniersieger Curaçao Neptunus aus Rotterdam mit 7:6 besiegt und damit einen schönen Achtungserfolg errungen. Die schlechte Nachricht: Alle anderen Spiele sowohl der A’s als auch der Regensburg Legionäre gegen die europäische Elite-Konkurrenz gingen – teilweise sehr deutlich – verloren. So mussten die beiden deutschen Vertreter heute Mittag das Finale um den Abstieg gegeneinander bestreiten. Die Athletics behielten in diesem Spiel dank Homeruns von Kevin Kotowski und Max Boldt mit 4:3 die Oberhand. Das freut mich als A’s-Getreuer natürlich, ändert aber leider nichts an der Tatsache, dass die Bundesliga einen ihrer beiden Startplätze in der europäischen Meisterklasse verloren hat.

Der größte Knackpunkt für die deutschen Teams war das Pitching: Vor allem die Mainzer mussten diverse Positionsspieler auf den Mound schicken, um die fünf Spiele in fünf Tagen irgendwie abzudecken. Für einen solchen Rhythmus ist das Roster eines Bundesligisten schlichtweg nicht gebaut und wenn der Wettbewerb über das Jahr verteilt stattgefunden hätte, hätten die deutschen Klubs vielleicht eher eine Chance gehabt.

Aber Hand aufs Herz: Der Turnierausgang ist letzten Endes verdient und muss niemandem peinlich sein, denn mit den Profimannschaften aus Europas Baseball-Hochburgen Niederlande und Italien können und müssen die deutschen Amateurteams nicht auf Augenhöhe agieren. Wenn sie das so wie die Mainzer im Spiel gegen Neptunus doch mal tun, dann ist das bereits eine kleine Sensation – und für den Gegner ein Weckruf, ohne den er vielleicht nicht bis zum Titel marschiert wäre.

Für die Athletics und die Legionäre hoffe ich, dass der fünftägige Kraftakt nicht zu sehr an die Substanz gegangen ist und dass der Lerneffekt durch die internationale Turniererfahrung überwiegt.

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Juni 5th, 2017 by Silversurger

Die Fußball-Champions-League ging an diesem Wochenende zu Ende und nun wissen wir, dass Real Madrid aktuell das beste Team im europäischen Fußball ist. Aber wer ist das beste Team im europäischen Baseball? Auch dafür gibt es einen Wettbewerb, natürlich ein paar Nummern kleiner als die Champions League, aber immerhin mit zwei Teilnehmern aus Deutschland und das Ganze zu Hause, genauer gesagt in Regensburg: den European Champions Cup.

Das Turnier findet statt von Mittwoch bis Sonntag dieser Woche (7. bis 11. Juni). Qualifiziert sind acht Mannschaften, darunter Gastgeber Regensburg Legionäre und der Deutsche Meister Mainz Athletics. Die beiden deutschen Vertreter gehen allerdings – ebenso wie der französische Meister Rouen Huskies – als klare Außenseiter ins Rennen gegen die Profiteams Amsterdam Pirates, Curaçao Neptunus, ASD Rimini, Unipolsai Bologna und T&A San Marino. Den Wettbewerb gibt es – mit wechselnden Namen und Formaten – seit 1963 und seit 1969 kam der Sieger immer aus den Niederlanden oder Italien (oder aus San Marino, das in der italienischen Liga spielt).

Der Spielplan des Turniers ist anspruchsvoll: Gespielt wird zunächst in zwei Vierergruppen mit anschließendem Halbfinale und Finale. Da wegen einer Abstiegsregel auch die unteren Platzierungen zumindest teilweise ausgespielt werden, hat jedes Team mindestens vier Spiele an aufeinanderfolgenden Tagen zu absolvieren. Das ist vor allem in Bezug auf das Starting Pitching eine enorme Herausforderung, wenn man sonst nur zwei Spiele pro Woche abdecken muss. Die Legionäre haben deswegen mit Pitcher Kevin Vance kurzfristig Verstärkung an Land gezogen, die Mainzer werden neben den etablierten Startern wohl ein paar Positions- und Nachwuchsspielern Einsatzzeit auf dem Mound geben.

Erfreulicherweise werden alle Spiele des European Champions Cups live auf Legionäre-TV übertragen. Am meisten freue ich mich auf das Spiel von Mainz gegen Rouen am Mittwoch um 16:30 Uhr, einfach weil es vom gemeinsamen Niveau her die spannendste Begegnung mit deutscher Beteiligung zu werden verspricht. In alle anderen Partien gehen die Athletics und die Legionäre als Underdogs, aber vielleicht ist ja die eine oder andere Überraschung drin. Ich drücke beiden Teams fest die Daumen.

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Mai 23rd, 2017 by Silversurger

Die Hälfte der regulären Saison 2017 der Baseball-Bundesliga ist vorbei – mehr oder weniger jedenfalls, denn in der Nordgruppe ist das Tabellenbild noch etwas schief mit zehn bis vierzehn absolvierten Spielen je Team. Im Süden kann man derweil mit Fug und Recht von der Halbzeit sprechen, denn alle Teams haben vierzehn Spiele und damit exakt die Hälfte der angesetzten Partien hinter sich. Erfreulicherweise geht es in beiden Staffeln spannend zu – das Rennen um die Playoffplätze ist zumindest bis zum bevorstehenden Doppelspieltag noch offen und auch die zwischenzeitlichen Ausreißer Heidenheim Heideköpfe haben sich am vergangenen Wochenende als schlagbar erwiesen. Lediglich die Entscheidung, wer das Ende der Abschlusstabelle zieren wird, scheint sowohl im Süden wie auch im Norden leider bereits relativ sicher gefallen zu sein.

Bundesliga Nord
Erwartungsgemäß stehen die Bonn Capitals (8-2) und die Solingen Alligators (8-4) auch in diesem Jahr in der Bundesliga Nord ganz vorne. Die große Überraschung folgt aber gleich dahinter in Gestalt der Dohren Wild Farmers (6-4). Der Aufsteiger hat bislang gegen jeden Gegner mindestens einen Split geholt, auch gegen Bonn und am letzten Wochenende bereits zum zweiten Mal in dieser Saison gegen Solingen. Noch ist der Norden recht eng beisammen, neben den drei Genannten spielen Paderborn (6-4), Hamburg (4-6) und Dortmund (5-9) mit um die vier Playoffplätze. Abgeschlagen Letzter sind die Cologne Cardinals (1-9) mit nur einem Sieg und einem schweren Restprogramm.

Von den Statistiken* her sind die Bonn Capitals das beste Team im Norden, sowohl von der Bilanz als auch von den erzielten (72) und kassierten (12) Runs. Auch den besten qualifizierten Pitcher haben die Bonner mit Ex-Minor-Leaguer Markus Solbach (0.64 ERA) in ihren Reihen. Solbach ist zwar nach nur zwei Starts zumindest vorübergehend in die USA zurückgekehrt, was aber den Bonnern bisher nicht allzu weh tat, denn von den anderen fünf eingesetzten Pitchern der Capitals hat kein einziger einen ERA über 2. Die beiden besten Batter bieten die Dohren Wild Farmers auf: Caleb Fenimore (.517/.625/.966, OPS 1.591) und Edvards Matusevicius (.436/.489/.795, OPS 1.284) sind – neben starkem Pitching von Jared Ney (1.6 ERA) – die Garanten, dass die Aufsteiger bislang so gut in der höchsten deutschen Spielklasse mithalten.

Über das anstehende verlängerte Wochenende absolvieren die meisten Teams einen Doppelspieltag, nur Dortmund muss tatenlos zusehen. Sollte Dohren drei oder gar alle vier Spiele gegen Hamburg gewinnen, so dürfte die Playoff-Teilnahme der Wild Farmers so gut wie feststehen. Je nachdem, wie sich gleichzeitig Solingen und Paderborn in ihrer Vier-Spiele-Serie voneinander trennen, kann bis Sonntagabend auch zwischen diesen beiden schon eine Vorentscheidung über die Playoffs fallen.

Bundesliga Süd
Im Süden waren bislang die Heidenheim Heideköpfe (12-2) sehr dominant, dem 12-0-Start in die Saison folgten nun aber gegen die Haar Disciples (9-4) sowohl zu Hause als auch auswärts die ersten Niederlagen. Hinter Heidenheim sind Titelverteidiger Mainz Athletics (10-4), die gegenüber letztem Jahr stark aufgerüsteten Mannheim Tornados (9-4) sowie nun auch Haar recht eng beisammen, sodass sich schon eine Favoritengruppe auf die Playoffs herausgebildet hat. Die große Überraschung im Süden ist, dass in dieser Favoritengruppe zur Saison-Halbzeit die Regensburg Legionäre (6-8) nicht dabei sind. Nach vier Niederlagen zum Saisonstart hatten sich die Legionäre zwischenzeitlich etwas berappelt auf 6-4 – wobei vier der sechs Siege Pflichtübungen gegen Bad Homburg und Saarlouis waren –, aber zuletzt verloren sie wieder je zweimal gegen Mainz und Mannheim und stehen somit gemeinsam mit den Stuttgart Reds (6-8) nur im unteren Mittelfeld der Tabelle. Ganz unten stehen die beiden leider nicht konkurrenzfähigen Hornets aus Saarlouis und Bad Homburg, von denen sich der Aufsteiger aus dem Saarland gerade mit einem Heimsweep über die Hessen wohl die Vorentscheidung im Kampf gegen den letzten Platz gesichert hat.

Die Heidenheim Heideköpfe dominieren den Süden auch statistisch, weisen sowohl die meisten erzielten (119) als auch die wenigsten zugelassenen (40) Runs auf. Die herausragendsten Einzelspieler der bisherigen Saison im Süden spielen aber bei anderen Teams: Die aktuell größte Attraktion der Liga ist Pitcher Ryan Bollinger von den Haar Disciples, der in 7 Spielen unglaubliche 57.0 Innings gepitcht und dabei einen noch unglaublicheren ERA von 0.32 erworfen hat. In der Offensive überragt der Mainzer Spielertrainer Max Boldt (.442/.523/.923) mit seinem OPS von 1.446 alle anderen, gefolgt von Stuttgarts Drake Zarate (.488/.571/.805) mit 1.376.

Auch im Süden wird über das Himmelfahrt-Wochenende ein Doppelspieltag absolviert. Mainz und Mannheim haben mit Bad Homburg und Saarlouis voraussichtlich lösbare Aufgaben vor sich. Hingegen ist in den Derbys zwischen Stuttgart und Heidenheim sowie zwischen Regensburg und Haar Hochspannung angesagt, denn Stuttgart und Regensburg stehen im Kampf um die Playoffs bereits mit dem Rücken zur Wand.

 

*Alle erwähnten Statistiken stammen von GameChanger, einer übrigens auch für ihre Liveticker zu allen Bundesligaspielen sehr zu empfehlenden Seite. Noch umfangreicher und übersichtlicher, aber leider nicht immer auf dem aktuellsten Stand, ist die Statistikseite des DBV.

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Oktober 3rd, 2016 by Silversurger

Am 4. Mai 2014 besuchte ich das erste Baseballspiel meines Lebens. Ich hatte mich zu der Zeit schon eine Weile für diesen schönen Sport interessiert und mir auch bereits die New York Mets als Lieblingsteam in der MLB ausgesucht, aber zum Liveerlebnis in einem Ballpark hatte es mich noch nicht verschlagen – bis zu jenem schicksalhaften Nachmittag vor zweieinhalb Jahren. Die Mainz Athletics gewannen damals 5:4 gegen Heidenheim und mindestens einen neuen Fan. Ich war von Vielem begeistert: von dem überraschend ansehnlichen Spielniveau der Bundesliga, von dem schönen Stadion, von der entspannten Atmosphäre und von dem sympathischen Team. Leider waren die A’s in dem Jahr nur schwaches Mittelmaß und mussten am Ende sogar in die Playdowns statt in die Playoffs.

Warum erzähle ich so alte Geschichten? Damit man versteht, warum ich so begeistert darüber bin, dass die Mainzer dieses Jahr so eine fantastische Saison gespielt und sie heute mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft abgeschlossen haben. Ich bin nicht lange genug dabei, um behaupten zu können, ich hätte die A’s durch alle Höhen und Tiefen begleitet – aber immerhin lange genug, um ihren Weg von relativ weit unten nach ganz oben hautnah verfolgt zu haben. Besonders gut gefällt mir, dass der Erfolg auf der konsequenten Entwicklung von Eigengewächsen beruht – zwei Drittel der Stammspieler sind heute noch dieselben wie bei meinem ersten Spiel. Der Rest sind Verstärkungen aus dem Ausland, bei denen man ein wahnsinnnig gutes Händchen bewiesen hat: Peter Johannessen, Trey Stover und vor allem die beiden Asse Eric Massingham und Thomas de Wolf.

Übrigens habe ich am Samstag wieder eine Premiere gefeiert: Ich habe die Athletics zum ersten Mal zu einem weit (also weiter als Bad Homburg) entfernten Auswärtsspiel begleitet und auch das war wieder ein schönes Erlebnis. Der Ballpark und die umgebenden Anlagen in Regensburg sind beeindruckend, alles macht einen sehr gepflegten und professionellen Eindruck. Ein bisschen too much fand ich allerdings die Dauerbeschallung während des Spiels durch Musik, Stadionsprecher und Soundeffekte. Nehmt’s mir bitte nicht krumm, liebe Legionäre, aber etwas weniger ist manchmal doch mehr.

Natürlich habe ich mir mal wieder das falsche Spiel ausgesucht und zwar ein hochklassiges Pitching-Duell zwischen Mike Bolsenbroek und Jan-Niclas Stöcklin bei perfektem Baseballwetter gesehen, das aber leider in einer 0:1-Niederlage der Mainzer endete. Zum Glück folgte am Sonntag dann das 5:2-Meisterstück und angesichts des miesen Wetters, das einezeineinhalbstündige Regenpause im fünften Inning bedingte, war ich gar nicht so böse, dass ich dieses Spiel „nur“ zu Hause am Bildschirm verfolgen konnte (das „nur“ steht in Anführungszeichen, weil die Übertragung durch legionaere.tv sehr sehr gut war).

Viel mehr bleibt mir nicht zu sagen. Die Spielverläufe der Finalpartien brauche ich hier nicht herunterzubeten, die kann man nachlesen auf der Seite der Bundesliga und auf der der Mainz Athletics. Ich bin jedenfalls stolz auf „meine“ Athletics und der heutige Titelgewinn gehört neben der letztjährigen NL-Championship der Mets zu den absoluten Highlights meines Daseins als Baseballfan. Ich kann schon jetzt kaum den Beginn der neuen Saison erwarten. Ein paar Umbrüche wird es dann geben, denn Mike Larson, Manuel Möller und Eric Massingham werden wohl die Handschuhe an den Nagel hängen. Aber mein Eindruck ist, dass aus dem Mainzer Nachwuchs beständig Talente nachkommen, die – wahrscheinlich in Verbindung mit einem neuen amerikanischen Starter – die Lücken schließen können. Und dafür, dass es auf längere Sicht so bleiben wird, spricht dass gestern auch das Jugendteam der Athletics Deutscher Meister geworden ist – übrigens ebenfalls nach einem Finale gegen Regensburg.

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