Mai 29th, 2018 by Dominik

Ich muss zugeben, dass ich während der Baseballsaison viel zu selten dazu komme, mal ein Buch in die Hand zu nehmen. Aber für eine kleine Perle, die mir kürzlich in die Finger geraten ist, habe ich mir nun doch die Zeit genommen und möchte sie kurz vorstellen. Es handelt sich um nicht weniger als den ersten Baseballroman, der im Original in deutscher Sprache verfasst wurde – jedenfalls soweit ich weiß und auch nach Einschätzung des Autors Bernd P. M. Scholz.

Das gute Stück heißt „Base on Balls“ und ist als On-Demand-Druck im Selbstverlag des Autors erschienen. Schön, dass es diese Möglichkeit heute gibt, denn Hand aufs Herz: Für einen etablierten Verlag, der sein Geld damit verdient, nennenswerte Auflagen zu produzieren und in den Buchhandel zu bringen, ist das Thema Baseball in Deutschland doch sehr speziell und bei „Base on Balls“ handelt es sich nicht wirklich um ein professionelles Werk. Das ist von mir keineswegs abwertend gemeint; man kann vielleicht sagen, das Buch verhält sich zu einem Roman aus einem renommierten Verlagsprogramm so ähnlich wie dieser Blog zu professionellem Journalismus: Man wird damit nicht den Lebensunterhalt verdienen, keinen Preis gewinnen und auf keiner Bestsellerliste stehen, aber es ist ein Produkt von einem Baseballliebhaber für andere Baseballliebhaber und das spürt man von der ersten bis zur letzten Seite.

Eine Kategorisierung von „Base on Balls“ fällt schwer, denn es ist eine Mischung aus Roman und Erfahrungsbericht, aus Fakten und Fiktion. Vier verschiedene Schriftarten dienen dem Zweck, die vier verschiedenen, kapitelweise wechselnden Erzählebenen leichter auseinander halten zu können: Ein Erzählstrang ist die fiktive Geschichte des alternden Baseballcoaches Frank Whittacker, der in Deutschland seinen zweiten Baseball-Frühling findet; zwei weitere Sränge berichten die wahre Geschichte der Memmelsdorf Barons, wobei einer in der Gründungszeit des Vereins beginnt, der andere 25 Jahre später. Hinzu kommt eine Reihe von „Intermezzi“ mit persönlichen Erlebnissen des Autors, die wohl anders nicht reingepasst haben. Man braucht eine Weile – besser gesagt: ich habe eine Weile gebraucht -, um den Aufbau des Buches und die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Strängen zu durchschauen.

Hauptthema und -verdienst des Buches ist, dass es einen Einblick gewährt in die Aufbruchszeit des deutschen Baseballs, die 80er- und 90er-Jahre, als ein Großteil der heute existierenden Teams gegründet wurde. Die Geschichte des fränkischen Provinzclubs Memmelsdorf Barons steht exemplarisch für zahlreiche Vereine, die sich in einem Umfeld zu etablieren suchten, in dem man weder auf vorhandene Strukturen noch auf viel Verständnis für die Eigenheiten und Bedürfnisse dieses „neuen“ Sports bauen konnte.

Sprachlich fehlt dem Buch die eine oder andere Glätte und manche Schilderung ist für meinen Geschmack etwas zu detailverliebt, aber im Großen und Ganzen ist „Base on Balls“ gut und flüssig zu lesen. Es ist kein literarischer Höhenflug, der mit Chad Harbachs „Kunst des Feldspiels“ oder Philipp Roths „Great American Novel“ konkurriert, und es wird auch – sorry, Bernd – nicht von Kevin Costner verfilmt werden. Aber es ist eine unterhaltsame und lohnende Lektüre, die man jedem Baseballfan aus dem deutschsprachigen Raum sowie jenen, die es werden wollen, ans Herz legen kann.

„Base on Balls“ ist im März 2018 als Taschenbuch mit einem Umfang von 428 Seiten im Selbstverlag über Epubli erschienen. Es ist zum Preis von 13,99 Euro im Online-Buchhandel erhältlich.

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Buch wurde mir vom Autor als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat wie immer keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts.

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April 9th, 2018 by Dominik

Es gibt mal wieder neuen Lesestoff für deutschsprachige Baseballfans: In der Reihe „111 Gründe…“ des Verlags Schwarzkopf & Schwarzkopf, in der bereits zahlreiche Sportarten, Vereine, Länder und vieles mehr mit Liebeserklärungen bedacht wurden, gibt es nun auch ein Buch über Baseball. Geschrieben hat es Sascha Staat, der vielen wegen seines (leider zurzeit inaktiven) Podcasts „Bases Loaded“ ein Begriff sein dürfte.

Das Grundprinzip des Buches – und der ganzen Reihe – besteht in einer Sammlung von interessanten, nützlichen und/oder amüsanten Fakten und Anekdoten. Die Gliederung in 111 Gründe ist natürlich nur der formale Aufhänger, von daher drückt man gern mal ein Auge zu, wenn manche der Gründe ein bisschen zu bemüht klingen (z. B. „…weil man als Dieb ein positives Image hat“ als Anlass, um über Basestealing zu sprechen).

Mein persönlicher Eindruck von „111 Gründe, Baseball zu lieben“ ist offen gestanden etwas zwiespältig. Auf der einen Seite freue ich mich natürlich über ein weiteres deutschsprachiges Baseballbuch, denn davon gibt es immer noch viel zu wenige. Zudem hat Staat einen durchaus angenehmen Schreibstil und auch wenn man als Intensiv-Fan vieles von dem, worüber er schreibt, schon kennt, gibt es durchaus einiges Neues zu lernen. Auf der anderen Seite weist das Buch in meinen Augen aber auch einige Defizite auf, die ich nicht verschweigen möchte.

Ein Defizit ist, dass der Text nicht sonderlich sorgfältig lektoriert wurde. Es sind für meinen Geschmack deutlich zu viele Fehler im Satzbau und in der Zeichensetzung übersehen worden. Das mag spitzfindig klingen, aber ab einer gewissen Häufung hemmt es den Lesefluss. Auch wurde offenbar an irgendeiner Stelle des Entstehungsprozesses die Reihenfolge der 111 Gründe geändert, ohne dass die im Text verwendeten Verweise angepasst wurden. Es steht dann zum Beispiel in Grund 64 „siehe Grund 24“, obwohl sich in Grund 24 gar nichts zu dem betreffenden Thema findet. Der Gipfel der Schlamperei – sorry, dass ich es so nennen muss – ist, dass die „111 Gründe“ in Wirklichkeit nur 110 sind, denn für die Gründe 105 und 106 wurde direkt hintereinander ein und derselbe Text einfach zweimal abgedruckt.

Das zweite, für mich schwerwiegendere Defizit sind sachliche Fehler. Beispielsweise wird als ein Grund, Baseball zu lieben, angeführt, dass der Heimvorteil größer sei als in anderen Sportarten. Das ist genauso falsch wie die Behauptung, die Ticketpreise seien beim Baseball günstiger als in der Fußball-Bundesliga. Ebenso wird die Statistik „Wins Above Replacement“ (WAR) falsch dargestellt und und Jackie Robinson als erster Afro-Amerikaner in der MLB bezeichnet.

Wir sind alle Menschen und Menschen machen Fehler, aber hier sind es für meinen Geschmack zu viele – die obige Aufzählung ist nur eine Auswahl -, die es unentdeckt und unkorrigiert ins gedruckte Buch geschafft haben. Schade, denn mit ein bisschen mehr Sorgfalt – ein, zwei Tage hätten gereicht, um das fertige Werk noch mal durchzusehen und ein paar Fakten zu überprüfen -, wäre das ein richtig schönes Baseballbuch geworden. So kann ich es allem guten Willen zum Trotz leider nur eingeschränkt empfehlen und feststellen, dass im deutschsprachigen Raum an den Büchern von Göran Fiedler für den Einstieg und Claus Melchior zur Vertiefung nach wie vor kein Weg vorbei führt.

„111 Gründe, Baseball zu lieben. Eine Liebeserklärung an die großartigste Sportart der Welt“ ist vor wenigen Tagen als 330 Seiten starkes Paperback im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschienen und für 9,99 Euro im Buchhandel erhältlich.

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Buch wurde mir auf meine Anfrage hin als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat wie immer keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts.

 

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Dezember 18th, 2016 by Dominik

Die Offseason ist noch lang und wer mit dem letzten Buchtipp schon durch ist oder noch ein Weihnachtsgeschenk sucht, dem lege ich „Die Kunst des Feldspiels“ (Original: „The Art of Fielding“) ans Herz.

Es geht in Chad Harbachs Debütroman um Baseball, das legen schon der Name sowie die Behandlung in diesem Blog nahe, aber es geht noch um so viel mehr. Es geht um das Erwachsenwerden, um Freundschaft und Liebe, um Sehnsüchte, Leidenschaften, Verluste und neue Ziele, kurz gesagt: um das Leben an sich, für das der Sport als Metapher herhält.

Die Hauptperson des Romans ist Henry Skrimshander, ein eher schmächtiger Teenager vom Lande, in dem ein riesiges Talent schlummert – eben die Kunst des Feldspiels. Als Shortstop der fiktiven Westish College Harpooners schickt er sich an, in die Fußstapfen seines großen Vorbilds, des ebenfalls fiktiven MLB-Stars und Buchautors Aparicio Rodriguez, zu treten. Gemeinsam mit seinem Freund und Mentor Mike Schwartz arbeitet Henry hart an sich, um neben seinem in die Wiege gelegten Ausnahmetalent für das Defensivspiel auch die körperlichen Voraussetzungen und Instinkte zu entwickeln, um als Batter zu überzeugen. Dank Henry sind die Harpooners so erfolgreich wie nie zuvor und er selbst gerät schnell ins Blickfeld der MLB-Scouts. Henry gewinnt die Anerkennung des Collegedirektors Guert Affenlight und findet in seinem schwulen Mitbewohner Owen Dunne einen Freund fürs Leben.

Natürlich kann die Geschichte nicht so idyllisch weitergehen, ein Bruch muss kommen. Er kommt in Form von Henrys tragischem erstem Fehlwurf direkt ins Gesicht seines Freundes Owen. Henry verliert durch dieses Erlebnis das Vertrauen in seinen bis dato unfehlbaren Wurfarm, die Scouts wenden sich von ihm ab und die von der Situation ohnehin belastete Freundschaft zu seinem Mentor Mike wird zusätzlich erschüttert, als eine Frau zwischen die beiden tritt. Bei Letzterer handelt es sich ausgerechnet um die Tochter von Direktor Affenlight, der seinerseits in völlig unerwarteter Art und Weise seine große Liebe findet.

Harbach erzählt seine Geschichte in einem gleichermaßen mitreißenden wie feinsinnigen, sowohl gefühl- als auch humorvollen Stil, gespickt von Anspielungen auf literarische Vorbilder wie Hermann Melville. Selten hat ein 600 Seiten langes Buch in mir so sehr den Wunsch geweckt, es möge immer weiter und weiter gehen und nicht aufhören. Ich bin mir keinerlei Übertreibung bewusst, wenn ich diesen Roman als Geniestreich bezeichne. Jeder, der sich für Baseball und gute Literatur interessiert, sollte ihn gelesen haben. Jeder andere auch.

„Die Kunst des Feldspiels“ ist 2012 als sehr ordentliche Übersetzung von Stephan Kleiner und Johann Christoph Maas im Verlag Dumont erschienen, als gebundene Ausgabe für 22,99 Euro und als Taschenbuch für 9,99 Euro.

Der Transparenz halber: Ich habe das hier vorgestellte Buch selbst gekauft und für die Rezension keinerlei Vergütung oder Vergünstigung erhalten.

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November 27th, 2016 by Dominik

Das Buch, das ich heute vorstellen und für die Überbrückung der Offseason empfehlen möchte, ist nicht neu und es ist auch nicht unbedingt ein Höhepunkt der Weltliteratur. Dennoch hat der 2012 erschienene Roman „Home Run“ (Original: „Calico Joe“) von John Grisham bei mir persönlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Er war es nämlich, der mich damals dazu anregte, mich erstmals intensiv mit diesem wunderbaren Sport zu beschäftigen – wohin das führte, ist den Lesern dieses Blogs mehr oder weniger bekannt.

John Grisham ist wohl jedem, der hin und wieder ein Buch in die Hand nimmt, ein Begriff. „Home Run“ dürfte allerdings eines seiner zumindest in Deutschland weniger bekannten Werke sein – zum einen, weil es sich nicht um einen der Justizthriller handelt, für die Grisham in erster Linie berühmt ist, zum anderen weil es ein gewisses Grundverständnis von Baseball und dessen Begrifflichkeiten voraussetzt. Bei mir war dieses Verständnis damals nur in Ansätzen vorhanden, aber zum Glück motivierte die Geschichte mich dazu, mich tiefer und tiefer in diese Sportart einzuarbeiten.

Grishams Ich-Erzähler ist Paul Tracey, der Sohn des jähzornigen, von sich selbst eingenommenen MLB-Pitchers Warren Tracey. Paul schildert seine Erinnerungen an Ereignisse im Jahr 1973, in dem sein Vater im Herbst seiner eher unspektakuären Karriere für die New York Mets spielt. Gleichzeitig sorgt bei den Chicago Cubs der ebenfalls fiktive Rookie-First-Baseman Joe Castle für Furore. Castle bricht in seinen ersten Spielen einen Rekord nach dem anderen und wird zu Pauls Lieblingsspieler. Als Warren Tracey und Joe Castle aufeinander treffen, kommt es vor Pauls Augen zu einem tragischen Ereignis, das das Leben aller drei Personen nachhaltig verändert. Jahrzehnte später, sein Vater liegt mittlerweile im Sterben, begibt Paul Tracey sich auf eine Reise, um das prägende Erlebnis aus seiner Kindheit zu verarbeiten, nach Vergebung und Versöhnung zu suchen.

Grisham erzählt gewohnt flüssig und mitreißend und die knapp 300 Seiten vergehen wie im Flug. Wenn man unbedingt noch etwas Kritisches finden will, dann kann man sich über die etwas holzschnittartigen Charaktere von Warren Tracey und Joe Castle auslassen, die jeweils recht einseitig alles Böse und alles Gute der Baseballwelt verkörpern. Auch ist der Plot vom zerrütteten Vater-Sohn-Verhältnis und dessen später Aufarbeitung nicht allzu originell. Aber die Einbettung in das Baseballthema und die dichte Erzählatmosphäre lassen darüber schnell hinwegsehen und machen den Roman zu einem wahren Lesevergnügen.

„Home Run“ ist auf Deutsch (Übersetzung: Bea Reiter) im Heyne-Verlag erschienen, als gebundene Ausgabe für 17,99 Euro und als Taschenbuch für 8,99 Euro. Ich selbst habe es als Hörbuch gehört und kann die von Charles Brauer vorgelesene Fassung sehr empfehlen.

Der Transparenz halber: Ich habe das hier vorgestellte Buch bzw. Hörbuch selbst gekauft und für die Rezension keinerlei Vergütung oder Vergünstigung erhalten.

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