November 6th, 2018 by Dominik

Seit Samstag hat die Free Agency der MLB offiziell begonnen. Jeder Spieler, der keinen laufenden Vertrag hat, kann nun frei mit den interessierten Klubs verhandeln und einen neuen Kontrakt unterzeichnen.

Erfahrungsgemäß zieht sich die Free Agency im Baseball länger hin als beispielsweise im Football oder in anderen Sportarten mit einer Salary Cap, also einer festen Obergrenze für Spielergehälter. In solchen Sportarten werden oft innerhalb weniger Tage die wichtigsten Spielerverpflichtungen eingetütet, weil sowohl die Teams als auch die Spieler nach Planungssicherheit innerhalb des vorgegebenen finanziellen Rahmens streben. Im Baseball hingegen ist die Free Agency wie das Spiel selbst: Es gewinnt, wer den längeren Atem hat und geduldig auf den richtigen Moment wartet. Ich hoffe nur, es wird nicht wieder so eine extreme Hängepartie wie im letzten Jahr, wo sich der Poker um zahlreiche Spieler bis weit ins Spring Training und sogar in die Saison hinein zog.

Das Warten auf die ersten aufregenden Deals verkürzt man sich am besten durch munteres Spekulieren, welche Spieler dieses Jahr besonders gefragt sein werden und bei welchen Teams sie am Ende landen. Hier ist meine Top-20-Liste der wichtigsten Free Agents dieser Offseason:

  1. Bryce Harper, OF, 26 Jahre alt, bisher Washington Nationals

Für jeden, der solche Listen schreibt, lautet die erste Frage dieses Jahr: Harper oder Machado? Ich denke, dass Harper den besseren Vertrag bekommen wird, weil er der berechenbarere der beiden ist. Damit meine ich nicht die Konstanz seiner Leistungen, welche speziell in der ersten Saisonhälfte dieses Jahres durchaus zu wünschen übrig ließ und wohl verhindern wird, dass er den 400-Millionen-Rekordvertrag bekommt, den man ihm vor einem Jahr noch zugetraut hätte. Was ich mit Berechenbarkeit meine, ist dass ich mir bei Harper weniger Sorgen als bei Machado mache, dass er mit Rückschlägen und Frustrationen umgehen kann.  Favoriten: Nationals, Dodgers, Phillies

  1. Manny Machado, SS/3B, 26, Los Angeles Dodgers

Machado ist ein fantastischer Baseballspieler und produziert seit Jahren auf hohem Niveau, obwohl er – genau wie Harper – in einem Alter ist, in dem viele andere erst den Sprung in die Major League schaffen. Mit seinem Auftreten in der Postseason, das irgendwo zwischen Diva und Fiesling schwankte, dürfte er sich für die anstehenden Bewerbungen um einen neuen Job keinen Gefallen getan haben. Aber er wird vermutlich trotzdem ohne Probleme jemanden finden, der ihn für acht oder neun Jahre unter Vertrag nimmt und dafür rund 300 Millionen Dollar bezahlt. Favoriten: Yankees, Phillies, Dodgers

  1. Patrick Corbin, SP, 29, Arizona Diamondbacks

Corbin flog – bei mir jedenfalls – während der Saison ein bisschen unter dem Radar. Aber wenn man sich Zahlen wie 3.15 ERA und 2.47 FIP anschaut, sieht es ganz danach aus, dass der Linkshänder der interessanteste Starter auf dem diesjährigen Markt sein könnte. Da er obendrein noch unter 30 ist, dürfte gut und gerne ein Fünf- oder Sechsjahresvertrag mit dreistelliger Vergütung drin sein. Favoriten: Astros, Yankees, Diamondbacks

  1. Craig Kimbrel, RP, 31, Boston Red Sox

Relievern wird in den letzten Jahren immer mehr Wert beigemessen und für einen der Top-Closer der Liga, World-Series-Gewinner obendrein, dürfte ein ordentlicher Zahltag programmiert sein. Kimbrels Saison 2018 war nicht ganz so dominant wie 2017 und in den Playoffs wirkte er zeitweise etwas wackelig, doch am Ende war er wieder voll da. Ich schätze, die Red Sox nehmen die nötigen 50 Millionen Dollar in die Hand, um Kimbrel für drei, vier weitere Jahre an sich zu binden. Favoriten: Red Sox, Cubs, Braves

  1. Dallas Keuchel, SP, 31, Houston Astros

Keuchel ist immer noch ein Top-Pitcher, seine Leistungskurve zeigte in den letzten beiden Jahren aber tendenziell nach unten. Das wird die Teams davor zurück schrecken lassen, ihm einen sehr langen Vertrag zu geben. Dennoch wird er von der hohen Nachfrage nach Starting Pitching profitieren, insbesondere weil er entgegen dem allgemeinen Trend kein „Strikeout-oder-Homerun-Pitcher“ ist. Sein auf Groundballs abzielender Stil zahlt sich vor allem in hitterfreundlichen Ballparks aus. Favoriten: Astros, Nationals, Yankees

  1. Michael Brantley, OF, 32, Cleveland Indians

Brantley litt 2016 und 2017 unter Verletzungen und war schon fast in Vergessenheit geraten. Doch mit einer Slashline von .309/.364/.468 und 143 absolvierten Spielen meldete Brantley sich dieses Jahr eindrucksvoll zurück – gerade rechtzeitig, um sich nach dem Auslaufen seines relativ bescheidenen alten Vertrags in Position zu bringen. Favoriten: Indians, Mariners, Giants

  1. Nathan Eovaldi, SP, 29, Boston Red Sox

Ein weiterer World-Series-Held, der sich nun berechtigte Hoffnungen auf den großen Zahltag macht. Eovaldi hatte eine ordentliche erste Saisonhälfte in Tampa Bay und eine sehr gute zweite Hälfte inklusive Postseason für die Red Sox. Er dürfte relativ unumstritten der beste rechtshändige Starter auf dem Markt sein und im Gegensatz zu Corbin, Keuchel und Ryu – die allesamt Qualifying Offers erhalten haben – kostet er seinen neuen Klub keinen Draftpick. Allein seine recht umfangreiche Verletzungsgeschichte gibt ein bisschen Anlass zur Sorge und könnte dazu führen, dass ihm eher Verträge über drei als über sechs Jahre angeboten werden. Favoriten: Red Sox, Braves, Padres

  1. Josh Donaldson, 3B, 33, Cleveland Indians

Eine Verletzungsgeschichte bringt auch Josh Donaldson mit und auch für ihn schätze ich deshalb, dass er mit keinem langen Vertrag rechnen darf. Wenn er gesund ist, ist er aber ein Top-Spieler und von Machado abgesehen der beste Third Baseman, der zu haben ist. Wer ihn bekommt, wird möglicherweise ein Schnäppchen machen. Favoriten: Indians, Brewers, Braves

  1. Adam Ottavino, RP, 33, Colorado Rockies

Wer aus einer Saison bei den Rockies mit einem ERA von 2.43 heraus geht, der muss verdammt viel richtig gemacht haben – umso mehr, wenn er es in den Heimspielen im Hitter-Paradies Coors Field sogar auf einen Wert von 2.10 bringt. Ottavino wird einer der gefragtesten Reliever dieser Offseason sein und könnte es auf ein Jahresgehalt in zweistelliger Millionenhöhe bringen. Favoriten: Indians, Rockies, Dodgers

  1. Wilson Ramos, C, 31, Philadelphia Phillies

Die schwache Postseason von Yasmani Grandal könnte sich als Gold wert erweisen für Wilson Ramos, denn er steht nun als ziemlich eindeutig bester Catcher der diesjährigen Free-Agent-Klasse im Raum. Offensiv gehört Ramos unbestreitbar zur Elite auf seiner Position – 2018 brachte er es auf .306/.358/.487 mit 15 Homeruns in 111 Spielen. Seine Defensive ist mindestens solide, ein Fragezeichen ist nur seine Gesundheit nach bereits zwei Kreuzbandrissen.  Favoriten: Rays, Nationals, Mets

  1. Mike Moustakas, 3B, 30, Milwaukee Brewers
  2. Nelson Cruz, DH, 38, Seattle Mariners
  3. Hyun-Jin Ryu, SP, 32, Los Angeles Dodgers
  4. J. A. Happ, SP, 36, New York Yankees
  5. A. J. Pollock, OF, 31, Arizona Diamondbacks
  6. Jeurys Familia, RP, 29, Oakland Athletics
  7. Charlie Morton, SP, 35, Houston Astros
  8. Yasmani Grandal, C, 30, Los Angeles Dodgers
  9. Daniel Murphy, 1B/2B, 34, Chicago Cubs
  10. David Robertson, RP, 34, New York Yankees

Nicht ganz auf meine Liste geschafft haben es: RP Andrew Miller, RP Zach Britton, 2B D. J. LeMahieu, OF Andrew McCutchen, IF/OF Marwin Gonzalez, RP Joe Kelly

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Juli 20th, 2017 by Dominik

Willkommen in der Trade Season: Ab Mitte Juli bis zur Trade Deadline am 31. Juli ist traditionell die Zeit, in der sich die Clubs der MLB auf diverse Spielerwechsel einigen. Die Teams, die sich Chancen auf einen Playoff-Run ausrechnen, rüsten ihren Kader auf; die aktuell schwächeren Teams entledigen sich guter, aber oft teurer Spieler, die meist sowieso nicht mehr lange unter Vertrag stehen, und lassen sich dafür mit Talenten entschädigen, die ihnen langfristig weiterhelfen. Die bislang interessantesten Trades dieses Jahres fanden zwischen den New York Yankees und den Chicago White Sox (IF Tod Frazier, RP David Robertson und RP Tommy Kahnle für drei Prospects und RP Tyler Clippard), den Chicago Cubs und den Chicago White Sox (SP Jose Quintana für vier Prospects) sowie zwischen den Washington Nationals und den Oakland Athletics (RP Sean Doolittle und RP Ryan Madson für zwei Prospects und RP Blake Treinen) statt. Einmal mehr sehen die White Sox nach dem großen Gewinner unter den Rebuilding-Teams aus. Inzwischen haben sie 10 der 70 besten Prospects laut der Liste von mlb.com unter Vertrag – allen voran Prospect Nummer eins, 2B Yoan Moncada, der gestern Abend sein MLB-Debüt feierte.

Noch ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Ich bin die nächsten gut zwei Wochen im Urlaub. Mein Plan ist, auch in dieser Zeit den Grand Slam am Donnerstag regelmäßig zu schreiben und zu veröffentlichen. Aber wundert euch bitte nicht, wenn er mal etwas später kommt oder kürzer ausfällt als gewohnt und wenn ich wenige oder gar keine zusätzlichen Artikel schreibe.

American League
In der American League East liegen nach vor die Boston Red Sox (54-42) vorne, doch das bemerkenswerteste an der Rangliste ist Platz zwei, der inzwischen von den Tampa Bay Rays (51-45) belegt wird. Die Rays sicherten sich beide Serien, die sie seit dem All-Star-Break zu absolvieren hatten, während die New York Yankees (48-45) über einen Split gegen Boston und ein 1-2 gegen Minnesota nicht hinauskamen. Von ihrem Run Differential (+96) sind die Yankees nach wie vor ein Top-Team, doch sie haben mittlerweile zehn Serien hintereinander nicht für sich entscheiden können. Noch belegt New York einen Wild-Card-Platz, doch der Vorsprung ist auf nur noch ein halbes Spiel vor Minnesota, eineinhalb vor Seattle und zwei vor Kansas City zusammengeschmolzen. Und es steht nun ausgerechnet eine Vier-Spiele-Serie in Seattle an.

Die AL Central ist an der Spitze sehr eng beisammen, nur eine einzige Niederlage trennt die Cleveland Indians (48-45) und die Minnesota Twins (48-46). Auch die Kansas City Royals (46-47) haben noch alle Chancen, wenngleich sie mit vier Niederlagen aus sechs Spielen gegen Gegner, die allesamt eine schlechtere Bilanz aufwiesen, schwach in die zweite Saisonhälfte gestartet sind. Den Royals stehen nun sieben weitere Spiele gegen die beiden Kellerkinder der Division, die Detroit Tigers (43-50) und die Chicago White Sox (38-54), bevor. Die müssen sie positiv bestreiten, wenn sie im Kampf um den Divisionssieg weiterhin mitmischen wollen.

Die Houston Astros (63-32) müssen sich schon lange keine Sorgen mehr um den Divisionssieg in der AL West machen. Dieser ist so sicher wie er sein kann und die Astros können den Rest der Saison gelassen angehen. Der Terminplan ist derzeit ebenfalls freundlich zu ihnen, denn sie spielen nun neun Spiele gegen Gegner mit negativer Bilanz. Keine negative Bilanz mehr haben die Seattle Mariners, die sich durch eine 2-1 gewonnene Serie gegen die Astros auf 48-48 hochgearbeitet haben und zwar 15.5 Spiele hinter Houston, aber nur 1.5 Spiele hinter der Wild Card stehen. Die Texas Rangers (45-49) sind derweil durch vier Niederlagen hintereinander deutlich in den negativen Bereich und gleichzeitig hinter die Los Angeles Angels (47-50) gerutscht.

National League
Nachdem die Washington Nationals (57-37) nun auch ihre eine große Schwäche, den Bullpen, aufgerüstet haben, ist der Abstand zwischen ihnen und dem Rest der National League East noch größer geworden. Keines der anderen Teams ist konkurrenzfähig, weder in der Division noch in Bezug auf die Wild Cards. Das hat durchaus auch Vorteile für die Atlanta Braves (45-48), die New York Mets (43-50), die Miami Marlins (42-51) und die Philadelphia Phillies (32-61). Im Gegensatz zu vielen anderen Teams in der Liga müssen sie sich keine Gedanken machen, ob man zur Trade Deadline noch irgendwelche Ambitionen für die laufende Saison hat. Sie können alle vier beruhigt als Seller auftreten und an ihren Plänen für eine bessere Zukunft arbeiten.

Das beste Gegenbeispiel dazu ist die NL Central, in der einzig die Cincinnati Reds (40-55) schon klar aus dem Rennen sind. Die Milwaukee Brewers (52-46), das Überraschungsteam der ersten Saisonhälfte, hat derzeit fünf Spiele in Folge verloren, darunter ein Vier-Spiele-Sweep durch die Pittsburgh Pirates (48-48). Schon vor Wochen war Pittsburgh eigentlich komplett abgeschrieben, jetzt beträgt der Abstand auf die Spitze nur noch drei Spiele. Zwischen den Pirates und den Brewers steht noch Titelverteidiger Chicago Cubs (49-45), der seit dem Ende des All-Star-Breaks ebenfalls auf einer Erfolgswelle reitet. Diese könnte durchaus noch eine Weile anhalten, denn mit den St. Louis Cardinals (46-49) und dem Stadtrivalen Chicago White Sox (38-54) stehen zwei Serien gegen deutlich angezählte Gegner bevor und anschließend kommt es gegen Milwaukee möglicherweise zu einem Showdown um die Divisionsführung.

Die NL West, nein: die ganze Liga wird zurzeit klar von den Los Angeles Dodgers (66-29) dominiert. Ich gehe weiter unten bei der Statistik noch ein bisschen näher darauf ein, was für unglaubliche Zahlen die Dodgers zurzeit produzieren. Vor nicht allzu langer Zeit war in dieser Division noch ein Dreikampf zugange, doch inzwischen haben die Dodgers einen genauso großen Abstand vor dem Rest des Feldes wie die Nationals in der NL East. Im Gegensatz zu den East-Teams stehen die Colorado Rockies (56-41) und die Arizona Diamondbacks (55-40) aber immer noch in einer sehr guten Position, was die Wild-Card-Plätze angeht. Nach wie vor abgeschlagen sind die San Diego Padres (40-54) und die San Francisco Giants (37-59), die nun zu allem Überfluss viermal gegeneinander antreten müssen.

Szene der Woche
Die Woche brachte eine ganze Reihe großartiger Szenen hervor. Da wäre zum einen der spektakuläre Homerun-Klau von Jackie Bradley Jr. gegen Aaron Judge im achten Inning eines 3:0-Sieges der Red Sox über die Yankees am Sonntag. Dann natürlich die vier Hits von Cody Bellinger zum ersten Cycle eines Rookies in der Geschichte der Dodgers. Nicht zu vergessen der erste Homerun in der Karriere von Seth Lugo einschließlich der coolen Reaktion seiner Teamkameraden und des Mets-Pitchers selbst. Mein Lieblingsmoment dieser MLB-Woche jedoch stammt von Derek Holland: Der White-Sox-Pitcher fängt einen Aufsetzer hinter dem Rücken, stellt fest, dass der Ball im kaputten Netz des Handschuhs feststeckt – und wirft daraufhin einfach den kompletten Handschuh mitsamt Ball zum Force Out an der First Base durch Jose Abreu.

Statistik der Woche 
44. So viele Spiele haben die Los Angeles Dodgers hintereinander gewonnen, wenn sie an irgendeinem Punkt des Spiels in Führung gegangen sind. Das ist die längste solche Serie, die es je in der MLB gegeben hat. Ebenfalls beeindruckend: Die Dodgers haben derzeit elf Spiele hintereinander gewonnen und 31 von den letzten 35. Mit ihren bislang 66 Siegen in dieser Saison sind sie momentan auf Kurs für 113 Siege. Das wären die zweitmeisten seit den Seattle Mariners von 2001.

Spiel der Woche
Endlich kann ich mal ruhigen Gewissens behaupten, dass mein Einschalttipp im letzten Grand Slam sich tatsächlich als das interessanteste Spiel der Woche herausgestellt hat. Das Aufeinandertreffen der Yankees und der Red Sox Freitagnacht hatte es gewaltig in sich. Hier nur ein paar der zahlreichen Highlights dieses Spiels: Zunächst mal gab es hervorragendes Pitching zu sehen. Red-Sox-Starter Chris Sale absolvierte 7 2/3 Innings mit 13 Strikeouts, ließ nur drei Hits zu und keinen Run. Auf der anderen Seite hielt Luis Severino sieben Innings durch, in denen er vier Hits und einen Run erlaubte. Anschließend teilten sich sieben Reliever der Yankees die restlichen neun Innings und ließen keinen weiteren Run zu. Dass es überhaupt so viele Innings gab, haben die Yankees Matt Holliday zu verdanken, der im neunten Inning gegen Closer Craig Kimbrel per Solo-Homerun den 1:1-Ausgleich besorgte. Zwei Innings später stand Holliday erneut im Mittelpunkt, dieses Mal mit einer sehr seltsamen Baserunning-Aktion: Holliday geriet nach einem Schlag von Jacoby Ellsbury auf dem Weg von der ersten zur zweiten Base in ein Force Out, doch statt den Lauf einfach abzubrechen, drehte er um, rannte zurück, slidete zur ersten Base und behinderte dort Mitch Moreland beim Versuch, den Ball zum Double Play zu fangen. Ellsbury wurde von den Umpires save an der ersten Base gegeben, was zu vergeblichen Beschwerden der Red Sox führte. Boston spielte daraufhin unter Protest weiter, doch die Szene erwies sich als nicht spielentscheidend, denn das Inning war kurz darauf beendet. Erst nach 16 Innings, 5:50 Stunden und 512 Pitches endete das umkämpfte Spiel mit einem 4:1-Sieg der Yankees. Es war das längste Spiel zwischen Boston und New York im Fenway Park seit 1966.

Spiel der kommenden Woche
Generell empfiehlt es sich zurzeit, die Spiele der Los Angeles Dodgers anzuschauen – zum einen, weil man sie auf dem atemberaubenden Trip, auf dem sie sich gerade befinden, mal gesehen haben sollte, zum anderen weil man natürlich auch gerne dabei sein möchte, wenn die Serie irgendwann mal endet. Davon abgesehen erscheint mir die heute Nacht beginnende Vier-Spiele-Serie zwischen den New York Yankees und den Seattle Mariners die interessanteste der kommenden Tage zu sein. Beide stehen gerade am Scheideweg dieser Saison, die Mariners eineinhalb Spiele hinter den Yankees im Wild-Card-Rennen, aber dafür mit deutlich mehr Rückenwind aus den letzten Spielen. Mein Einschalttipp ist das Serienfinale am Sonntag – aus dem pragmatischen Grund, dass man es ab 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit ohne allzu viel Schlafentzug anschauen kann.

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Februar 23rd, 2017 by Dominik

Endlich wieder Baseball! Gestern Abend fand das erste Spring-Training-Spiel des Jahres 2017 statt. Zugegeben, die Paarung und das Ergebnis waren eher nebensächlich: Die Arizona Diamondbacks gewannen 9:1 gegen das Collegeteam Grand Canyon University Antelopes. Aber der Startschuss ist damit erfolgt und schon morgen gibt es die ersten Vorbereitungsspiele zwischen MLB-Teams. Besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle die Partie der Boston Red Sox gegen die New York Mets (Freitag, 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit). Ich lehne mich jetzt mal gaaaanz weit aus dem Fenster und prophezeie: Dieses Matchup sehen wir nicht nur im ersten Aufeinandertreffen zweier MLB-Mannschaften in diesem Jahr, sondern auch im letzten.
O. K., genug geträumt; hier sind die harten Fakten aus einer Woche MLB-Preseason:

Regeländerung bei Intentional Walks 
Von den für die beginnende Saison vorgeschlagenen Regeländerungen ist die erste nun beschlossen: Die Spielergewerkschaft MLBPA hat zugestimmt, dass Intentional Walks ab sofort nicht mehr in Form von vier absichtlichen Balls gepitcht werden müssen, sondern dass künftig ein simples Signal aus dem Dugout reicht, um den gegnerischen Batter auf die erste Base zu schicken. Die Änderung ist keine große Sache, aber ein bisschen werde ich Highlightvideos wie dieses und dieses und natürlich dieses schon vermissen.
Zu weiteren Änderungsvorschlägen der Ligaführung – vor allem einer Verkleinerung der Strikezone um die Höhe einer Kniescheibe, aber auch einer Begrenzung von Mound Visits und der Einführung einer festen Zeitbegrenzung für Pitches – gibt sich die MLBPA bisher reserviert. Commissioner Rob Manfred versucht nun offenbar, Druck zu erzeugen: Auf einer Pressekonferenz drohte er offen mit der Möglichkeit, Regeländerungen ohne Zustimmung der MLBPA für 2018 zu beschließen.

Matt Wieters findet ein Team
Als letzter wichtiger Free Agent ist nun endlich auch Catcher Matt Wieters bei einem neuen Team untergekommen. Es sind die Washington Nationals, von denen es schon in der gesamten Offseason immer wieder hieß, dass sie an ihm dran seien. Für den recht moderaten Preis von 21 Millionen Dollar über zwei Jahre erhalten die Nationals ein zumindest hinsichtlich der Offensive klares Upgrade zu Derek Norris. Wieters hatte sicher auf einen größeren Zahltag gehofft, sonst hätte seine Arbeitsplatzsuche nicht so lange gedauert; aber immerhin hat er die Option ausgehandelt, nach einem Jahr aus dem Kontrakt auszusteigen und kann somit weiter von einem richtig großen Vertrag träumen.
Die Nationals scheinen unterdessen noch nicht ganz fertig zu sein mit ihrer Last-Minute-Einkaufstour: Seit Tagen hält sich hartnäckig das Gerücht, man stehe in Verhandlungen mit den Chicago White Sox über einen Transfer von Closer David Robertson. Die White Sox wollen für ihn wohl mindestens ein Top-Prospect, ihr Favorit dafür soll Catcher Pedro Severino sein. Wenn aus dem Geschäft etwas wird, lest ihr es spätestens im nächsten Grand Slam am Donnerstag.

Jered Weaver zu den Padres
Die San Diego Padres sind ebenfalls noch mal auf dem Free-Agent-Markt tätig geworden und haben sich die Dienste von Starting Pitcher Jered Weaver gesichert. Weaver, zuvor elf Jahre lang bei den Los Angeles Angels of Anaheim, erhält 3 Millionen Dollar für ein Jahr. Der 34-Jährige hat nun seine vielleicht letzte Chance, unter Beweis zu stellen, dass er nicht zum alten Eisen gehört und seine Karriere noch einmal wiederbeleben kann. Die Entwicklung seines ERA in den letzten fünf Jahren stimmt eher bedenklich: 2.81 – 3.27 – 3.59 – 4.64 – 5.06.

Eric Gagne strebt Comeback an
Apropos altes Eisen: Eric Gagne, ehemals Closer der Los Angeles Dodgers und Cy-Young-Award-Gewinner 2003, strebt allen Ernstes ein Comeback an. Mit 41 ist er zwar zwei Jahre jünger als Bartolo Colon, aber seine MLB-Karriere liegt bereits neun Jahre hinter ihm. Die Chance, dass wir ihn noch einmal in den Big Leagues sehen, dürfte verschwindend gering sein, aber dank des anstehenden World Baseball Classic (der Baseball-Weltmeisterschaft), bei dem er für Kanada antritt, wird er zumindest die Chance haben, vor großem Publikum zu zeigen, was er noch drauf hat.

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Juli 28th, 2016 by Dominik

100 Spiele haben die Teams der MLB nun auf dem Buckel (manche eins mehr, manche eins weniger) und es ist mal wieder Donnerstag, also Zeit für meine wöchentliche Zwischenbilanz.

American League
In der American League East geht es weiterhin drunter und drüber. Vor einer Woche hatten die Boston Red Sox (55-44) sich gerade frisch die Tabellenführung erspielt. Seitdem haben sie fünf von sechs Spielen verloren und sind nur noch Dritter mit 2.5 Spielen Rückstand auf die Baltimore Orioles (58-42), obwohl diese ebenfalls nicht in Bestform sind und gerade zwei Heimspiele hintereinander gegen die Colorado Rockies verloren haben. Vielleicht gibt es schon bald den nächsten Führungswechsel zu vermelden, denn am Wochenende müssen die Orioles dreimal bei den mittlerweile zweitplatzierten Toronto Blue Jays (57-45) antreten. Und dann gibt es noch die New York Yankees (52-49), bei denen man schon die ganze Saison über nicht weiß, was man von ihnen halten soll. Sie stehen immer ein bisschen zu schlecht da, um ernsthaft die Playoffs in den Blick zu nehmen, aber auch immer ein bisschen zu gut als dass man sie getrost abschreiben könnte. Dass sie ihren Closer Aroldis Chapman für Investitionen in die Zukunft hergegeben haben, könnte ein Signal sein, dass die Yankees die laufende Saison abgehakt haben. Vielleicht war das Angebot der Cubs aber auch nur zu gut, um nein zu sagen.

Auch in der AL Central ist Bewegung. Die Tabellenplätze haben sich im Vergleich zur Vorwoche zwar nur auf den Rängen drei und vier geändert, auf denen sich die Chicago White Sox (50-51) und die Kansas City Royals (49-51) ein vermutlich für beide Seiten letzten Endes fruchtloses Rennen liefern. Aber in das Duell um den Divisionssieg ist plötzlich Spannung eingekehrt. Mit fünf Siegen und drei Niederlagen in einer vollgepackten Woche konnten die Detroit Tigers (54-48) den Abstand auf die schwächelnden Cleveland Indians (57-42) auf 4.5 Spiele reduzieren. Längst jenseits von Gut und Böse stehen die Minnesota Twins (37-63) und doch schauen wir jede Woche mit Spannung nach Minnesota, weil dort mit Max Kepler der einzige Spieler aus Deutschland im Einsatz ist. Seit letzten Donnerstag war er in fünf von sechs Spielen dabei und brachte es in zwanzig At-Bats auf sechs Hits, darunter zwei Triples, sowie auf einen Walk.

Ähnlich wie in der AL Central sah es auch in der AL West lange nach einem glatten Durchmarsch eines Teams aus, aber seit einem Monat wird der Abstand der Texas Rangers (58-44) vor den Houston Astros (55-46) jede Woche ein bisschen kleiner und beträgt nun nur noch 2.5 Spiele. Den Astros steht am Wochenende eine schwierige Serie in Detroit bevor, in der sich beide Teams keine Blöße erlauben dürfen, um ihre jeweilige Aufholjagd weiter voranzutreiben. Die Seattle Mariners (51-49) befinden sich in der gleichen „zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“-Situation wie die Yankees in der AL East. Sie spielen nun eine Drei-Spiele-Serie bei den Cubs, danach müssen sie wissen, ob sie zur Trade-Deadline Buyer oder Seller sind oder ob sie den Rest des Jahres einfach auf sich zukommen lassen. Unterdessen liefern sowohl die Oakland Athletics (47-55) als auch die Los Angeles Angels (45-56) zurzeit gute Resultate ab, aber für große Hoffnungen sind beide schon zu weit abgeschlagen.

National League
In der National League East schwächeln die Washington Nationals (59-42) mit vier Niederlagen aus den letzten sechs Spielen und stehen nun vor einer der ungeliebten Reisen an die West Coast, wo zuerst die San Francisco Giants warten (dazu unten mehr unter „Spiel der kommenden Woche“). Zum Glück für die Nationals haben sich die Miami Marlins (55-46) und die New York Mets (53-47) diese Woche gegenseitig das Leben schwer gemacht und nicht so stark aufgeholt wie es möglich gewesen wäre. Obwohl die Mets die Serie gegen die Marlins 2:1 gewannen, hatten sie insgesamt die schlechtere Woche, vor allem durch den schmerzhaften Verlust der Serie gegen die St. Louis Cardinals, einem weiteren direkten Konkurrenten um den Wild-Card-Platz.

Die Chicago Cubs (60-40) in der NL Central haben nach wie vor den besten Record der Liga und sind inzwischen das einzige Team mit einer Winning Percentage von .600. Dass sie nun mit Aroldis Chapman einen weiteren Star verpflichtet und dafür einen hohen Preis an Talenten bezahlt haben, zeigt: Sie wollen es dieses Jahr wissen. Mit 6.5 Siegen Vorsprung sitzen die Cubs von allen Divisionsführenden mit Abstand am sichersten im Sattel. Für Spannung ist trotzdem gesorgt, denn die St. Louis Cardinals (54-47) und mit Abstrichen auch die Pittsburgh Pirates (52-48) sind noch im Rennen um die Wild Cards. Die Schedule ermöglicht den Cardinals momentan, in diesem Rennen Einiges zu bewegen: Nachdem sie bereits die Mets in drei knappen Spielen mit 2:1 geschlagen haben, treten sie nun zu einer Vier-Spiele-Serie bei den Marlins an, die momentan noch mit einem Sieg Vorsprung den Wild-Card-Platz belegen.

Kaum Gedanken um die Wild-Cards dürfte man sich in der NL West machen. Die Colorado Rockies (49-52), die San Diego Padres (44-58) und die Arizona Diamondbacks (42-59) sind allesamt aus dem Rennen, während die San Francisco Giants (59-42) und die Los Angeles Dodgers (57-45) derzeit weniger an die Wild Card als an den Divisionssieg denken. Für die Giants steht nach der enttäuschenden Rückkehr aus dem All-Star-Break mit neun Niederlagen aus elf Spielen eine richtungweisende Serie gegen Washington an (siehe unten). Die Dodgers hingegen haben nun alle Chancen, in Serien gegen die Diamondbacks und die Rockies die restlichen 2.5 Spiele aufzuholen, die sie noch von den Giants trennen. Ein entscheidender Faktor in dem Duell um Platz eins der NL West dürfte sein, wer die besseren Deals zur Trade-Deadline landet, denn auch auf dem Markt für Starting Pitcher sind die Giants und die Dodgers direkte Konkurrenten.

Spielzug der Woche
Ich habe in den letzten Tagen eine ganze Reihe toller Leaping Catches im Outfield gesehen, beispielsweise von Sean Rodriguez, Michael Conforto, Giancarlo Stanton, Mac Williamson und nicht zuletzt Max Kepler. Am meisten beeindruckt hat mich aber der aufopferungsvolle Catch eines Foulballs durch Rays-1B Logan Morrison.

Statistik der Woche
2 Wins. Das ist die Bilanz von David Robertson, dem Closer der Chicago White Sox – nicht in einer Woche, sondern an einem Tag! Es war natürlich ein Doubleheader, da es in jedem Spiel nur einen Pitcher-Win zu vergeben gibt. Das erste Spiel gegen die Detroit Tigers „gewann“ Robertson wenigstens durch eine tadellose Leistung: Er erzielte die letzten vier Outs beim Stand von 3:3, bevor Avisail Garcia und Adam Eaton den White Sox den Walk-Off-Sieg bescherten. Das zweite Spiel „gewann“ er, indem er im neunten Inning ins Spiel kam und drei Solo-Homeruns zuließ, somit eine 4:1-Führung seines Teams verspielte. Der Save war für ihn somit verloren, das Spiel aber gewonnen, weil anschließend Adam Eaton und Melky Cabrera den erneuten Walk-Off besorgten. So viel für heute zu meinem Lieblingsthema Pitcher-Wins.

Spiel der Woche
Wenn mit den Washington Nationals und den Cleveland Indians zwei der Top-Teams der Liga aufeinander trefffen, lohnt es sich auf jeden Fall, hinzuschauen. Umso mehr gilt das, wenn das Spiel ein so turbulentes Ende nimmt wie die Partie vom Dienstag: Dank Homeruns von Anthony Rendon und Wilson Ramos sowie eines starken Starts von Gio Gonzalez hatten die Nationals das Spiel über weite Strecken dominiert und gingen mit einer 6:4-Führung in die untere Hälfte des letzten Innings. Closer Jonathan Papelbon war somit vor eine routinemäßige Save-Situation gestellt, aber für ihn ging alles schief was schief gehen konnte: Papelbon ließ einen Leadoff-Walk von Jose Ramirez zu. Tyler Naquin doublete Ramirez zum 5:6 nach Hause. Chris Gimenez buntete und Nats-1B Ryan Zimmerman warf den Ball ins Nirgendwo, sodass Naquin zum 6:6 durch und Gimenez auf die zweite Base kam. Einen Intentional Walk für Lonnie Chisenhall und einen weiteren nicht unter Kontrolle zu bringenden Bunt von Rajai Davis später waren die Bases geladen und Papelbon musste gehen, ohne dass ihm ein einziges Aus gelungen wäre. Oliver Perez übernahm den Mound, konnte aber den Walk-Off durch einen Single von Francisco Lindor nicht mehr verhindern.

Spiel der kommenden Woche
Für mich als Mets-Fan wird nächste Woche ganz klar die Subway Series zwischen den beiden New Yorker Teams im Mittelpunkt stehen, aber das aus neutraler Sicht interessanteste Duell wird die Serie zwischen den San Francisco Giants und den Washington Nationals. Beide führen mit exakt gleicher Bilanz (59-42) ihre Division an, beide haben sich zuletzt zu viele Niederlagen erlaubt und brauchen daher dringend Erfolgserlebnisse. Das sind beste Voraussetzungen für vier verbissene Duelle, in denen keiner dem anderen etwas schenken wird. Zu einem Aufeinandertreffen von Bumgarner gegen Strasburg wird es leider nicht kommen, da beide erst gestern Abend im Einsatz waren. Als Spiel der Woche wähle ich das ebenfalls attraktive Matchup von Tanner Roark (3.05 ERA, 3.39 FIP) gegen Johnny Cueto (2.53 ERA, 2.79 FIP) in der kommenden Nacht. Zur Freude aller Frühaufsteher ist Spielbeginn um 4:15 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Ich werden dann wohl beim Zähneputzen mal in die späten Innings reinschauen.

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