April 18th, 2019 by Silversurger

Die MLB ist drei Wochen nach Saisonstart noch erfreulich ausgeglichen – nur ein einziges Team hat sich in seiner Division schon spürbar vom Rest des Feldes abgesetzt, und dieses eine Team ist eine echte Überraschung: 5,5 Spiele Vorsprung haben die Tampa Bay Rays sich in der AL East bereits erarbeitet. Zum Vergleich: Die Führenden der fünf anderen Divisionen weisen zusammengenommen einen Vorsprung von 3,5 Spielen auf. Hier der wöchentliche Überblick zum aktuellen Stand in der Liga sowie in Blake Snells Badezimmer:

National League
Die Philadelphia Phillies (11-6) haben mit einer 2:1 gewonnenen Serie gegen die New York Mets (10-8) die Führung der National League East übernommen. Zuvor hatten die Mets und die Atlanta Braves (9-8) eine Vier-Spiele-Serie gesplittet. Die Braves verpassten zwar durch zwei Niederlagen gegen die Diamondbacks die Chance auf einen Sprung nach vorn, aber einen großen Erfolg konnten sie diese Woche dennoch verzeichnen: Ihr junger Second Baseman Ozzie Albies stimmte einer Vertragsverlängerung bis 2027 zu. Er erhält dafür 35 Millionen Dollar, was ein geradezu unglaubliches Schnäppchen aus Sicht des Klubs ist. Bei den Washington Nationals (8-8) halten sich bislang Siege und Niederlagen die Waage. Die anstehende Serie gegen die Miami Marlins (4-14) macht Hoffnung, dies zum Positiven ändern zu können.

In der NL Central behaupten die Milwaukee Brewers (12-7) den ersten Platz, aber ihre Leistungen sind bislang nicht konstant genug, um sich absetzen zu können. Die überraschend starken Pittsburgh Pirates (10-6) bleiben ebenso dran wie die St. Louis Cardinals (10-8), die gestern erfolgreich einen Sweep der Brewers abwehrten. Auch die Chicago Cubs (8-9) sind nach drei Siegen über die Marlins wieder im Rennen, während die Cincinnati Reds (5-12) bereits abgeschlagen sind.

Aus der NL West ist man klare Verhältnisse gewohnt, doch die gibt es zurzeit nicht: Die Los Angeles Dodgers (12-8) mussten ihren angestammten Platz an der Spitze zwischenzeitlich an die San Diego Padres (11-8) abgeben. Nach vier Siegen in Folge sind die Dodgers inzwischen wieder hauchdünn vorne, aber für sie steht nun eine anstrengende Reise nach Milwaukee und Chicago an. Die Padres haben eine dankbarere Aufgabe vor sich mit einer Vier-Spiele-Serie im eigenen Stadion gegen die Reds. Zuletzt haben sie dort allerdings zwei Niederlagen gegen die schwach gestarteten Colorado Rockies (6-12) einstecken müssen. Die Rockies erwarten nun die Phillies und die Nationals zu interessanten Heimserien. Mittelfristig rechne ich mit den Rockies eher als mit den Arizona Diamondbacks (9-9) und den San Francisco Giants (8-11).

American League
Die einzige Division, in der nach drei Wochen Baseball tatsächlich klare Verhältnisse herrschen, ist die American League East. Die Tampa Bay Rays (14-4) haben jede ihrer bislang sechs Serien gewonnen und lassen die Favoriten weit hinter sich. Das ist ein beeindruckender Saisonstart, man muss aber auch dazu sagen, dass sie es – außer den Astros zum Auftakt – bislang nicht mit den Top-Teams zu tun bekommen haben. Vom Selbstverständnis her ist der nächste Gegner Boston Red Sox (6-13) ein solches, von der Bilanz her bisher noch nicht. Das gilt auch für die New York Yankees (8-9), denen immerhin durch einen Zwei-Spiele-Sweep gegen die Red Sox etwas Aufbauarbeit gelungen ist. Die Verletzungsmisere der Yankees geht derweil unverändert weiter: Greg Bird ist das neueste Mitglied der langen Ausfallliste, ein Riss der Plantarsehne setzt ihn für mindestens einen Monat außer Gefecht. Blake Snell, das Pitcher-Ass der Rays, hat sich ebenfalls verletzt. Zum Glück verpasst er wohl nur einen Start, aber die Umstände, unter denen er sich den vierten Zeh am rechten Fuß brach, sind bemerkenswert: Er kam zu Hause aus der Dusche und hatte spontan die Idee, ein Deko-Objekt aus Granit umzustellen. Dabei übersah er, dass das Objekt aus mehreren Teilen bestand, die nicht fest miteinander verbunden waren. Prompt fiel ihm eine Granitstange auf besagten Zeh und brachte Snell eine frühe Nominierung für die dämlichste Verletzung des Jahres ein.

Die AL Central hatte zum Saisonbeginn ein paar Überraschungen zu bieten, doch inzwischen sieht sie schon wieder so aus, wie es zu erwarten war: die Cleveland Indians (11-7) vorne, die Minnesota Twins (9-6) dahinter und der Rest der Division mit negativen Bilanzen. Die Indians haben ihre Lage insbesondere durch einen Drei-Spiele-Sweep bei den Mariners verbessert. Gegen Atlanta und Miami stehen nun zwei lösbare Heimserien an.

Die erwähnte Serie zwischen den Indians und den Seattle Mariners (13-8) hat auch in der AL West zu einer gewissen Normalisierung des Tabellenbildes geführt – gemeinsam mit einer Reihe von zehn gewonnenen Spielen hintereinander für die Houston Astros (12-6). Der Favorit hat sich dadurch an die Spitze gesetzt und hält diese knapp auch nach der gestrigen Niederlage gegen die Oakland Athletics (11-10). Die Rolle der Texas Rangers (10-7) und der Los Angeles Angels (8-10) für diese Saison erscheint noch ungeklärt. Momentan haben die Rangers Oberwasser, nachdem sie die Angels in drei Spielen gesweept haben. Nun müssen sie allerdings gegen Houston antreten, während die Angels die angeschlagenen Mariners erwarten.

Szene der Woche
Warum verließ Justin Bour im ersten Inning des Spiels seiner Angels gegen die Cubs das Feld und ließ sich unterwegs widerstandslos von Javier Baez taggen, obwohl ihn der Umpire gerade safe an der zweiten Base gegeben hatte? Ich sehe drei mögliche Erklärungen: 1. Er hat den Safe-Call verpasst oder falsch verstanden. 2. Er ist ein durch und durch ehrlicher Mensch und wollte das Geschenk des Schiedsrichterirrtums nicht annehmen. 3. Es war ihm klar, dass dieser Call eine Review nach sich ziehen und geändert würde, und er wollte sich und allen anderen Beteiligten die Prozedur ersparen. Was auch immer tatsächlich hinter der Aktion steckte, sie war auf jeden Fall der kurioseste Moment der Baseballwoche. Zumindest eine ehrenvolle Erwähnung möchte ich zwei weiteren Szenen gönnen: dem Pitch von Yu Darvish, mit dem er auf einen Streich den Batter, den Catcher und den Umpire traf, und der hollywoodreifen Meidbewegung von Collin McHugh.

Statistik der Woche 
6.827. So viele Plate Appearances absolvierte Joey Votto in der MLB ohne ein einziges Pop Out zur ersten Base. Gestern, bei Nummer 6.828 im achten Inning seiner Reds gegen die Angels, ist es schließlich passiert. Zum ersten Mal in seiner dreizehnten MLB-Saison. Verblüffend, oder?

Spiel der Woche
Extra-Inning-Spiele sind Geschmackssache. Die normalen 9 Innings in rund drei Stunden sind im Vergleich mit den meisten anderen Sportarten schon mehr als lang genug und meistens sind Partien mit mehreren zusätzlichen Innings auch keine Offensivfeuerwerke. Ich persönlich liebe Extra-Innings – dass es keine Unentschieden gibt und auch keine halbseidenen Abkürzungen wie ein Elfmeterschießen ist für mich das Salz in der Baseballsuppe. Entsprechend happy war ich darüber, am Samstagmorgen zu sehen, dass die Rockies und die Giants im zehnten Inning sind, und dass ich dann quasi noch ein vollständiges Spiel geboten bekam. Nach 18 Innings wurde die längste Partie dieser Saison durch einen winzigen Fehler entschieden: Rockies-Catcher Chris Iannetta hatte den Fuß ein paar Zentimeter zu weit vorne und so konnte Brandon Belt bei einem Fielder’s Choice mit geladenen Bases den entscheidenden Run erzielen.

Mein Einschalttipp
Die Brewers und die Dodgers beginnen heute in Milwaukee eine Vier-Spiele-Serie. Beide Kontrahenten aus der NLCS 2018 führen zurzeit ihre Division an, beide werden den Spitzenplatz wohl verlieren, wenn sie diese Serie nicht erfolgreich gestalten. Das Finale der Serie wird am Sonntag zur für uns besten Sendezeit um 20:10 Uhr sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv übertragen. Als Starting Pitcher werden voraussichtlich Kenta Maeda (3.80 ERA, 4.91 FIP) und Brandon Woodruff (5.23 ERA, 3.04 FIP) antreten.

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März 14th, 2019 by Silversurger

Nicht viele MLB-Franchises können Anfang März von sich behaupten, ihr wichtigstes Saisonziel bereits erreicht zu haben. Für die Colorado Rockies dürfte diese Behauptung aber keine Übertreibung sein. Die kürzlich erzielte Vertragsverlängerung mit ihrem größten Star, Third Baseman Nolan Arenado, stellt eine extrem wichtige Weiche für die kommenden Jahre. Ohne diese frühzeitige Einigung hätte über der Saison 2019 das Damoklesschwert des auslaufenden Kontraktes geschwebt und die Frage aufgeworfen, ob ein Abschied von Arenado das gerade erst geöffnete Zeitfenster eines konkurrenzfähigen Rockies-Teams schon wieder zuschlägt. Dank des neuen Vertrages, der Arenado für die nächsten acht Jahre 260 Millionen Dollar einbringt, dürfte diese Gefahr abgewendet sein. Außer ihm sind auch die anderen Stützpfeiler des Lineups, Charlie Blackmon und Trevor Story, noch für mehrere Jahre unter Teamkontrolle, ebenso wie die gesamte Pitching-Rotation. Neuzugänge gab es kaum, zu erwähnen ist einzig Daniel Murphy. Murphy soll die erste Base übernehmen, wodurch Ian Desmond frei für mehr Einsatzzeit im Outfield wird. Alles in allem scheinen die Rockies gut aufgestellt, eine ähnlich starke Saison zu spielen wie im Vorjahr. Dass ich sie trotzdem knapp außerhalb der Playoff-Ränge sehe, liegt vor allem an der Konkurrenz: Der Erfolg im letzten Jahr hing stark zusammen mit verletzungsgeplagten Dodgers und mit einer schwachen NL East, die sich aus dem Rennen um die Wild Cards komplett heraushielt. Beide Umstände werden sich wohl nicht in diesem Ausmaß wiederholen.

Voraussichtliches Lineup
C Chris Iannetta
1B Daniel Murphy
2B Ryan McMahon
SS Trevor Story
3B Nolan Arenado
LF David Dahl
CF Ian Desmond
RF Charlie Blackmon

Voraussichtliche Rotation
RHP Kyle Freeland
RHP German Marquez
RHP Antonio Senzatela
LHP Tyler Anderson
RHP Jon Gray
Key Reliever: Wade Davis

Wichtigster Zugang
1B Daniel Murphy (Chicago Cubs)

Wichtigster Abgang
2B D. J. LeMahieu (New York Yankees)

Bestes Prospect
IF Brendan Rogers

Größte Stärke
Die Rotation: Denver galt wegen der Höhenlage lange als übles Pflaster für Pitcher. Wer andere Optionen hatte, unterschrieb anderswo und wer doch das Risiko einging, bei den Rockies anzuheuern, hatte damit den Leistungseinbruch quasi vorprogrammiert. Doch die Rockies haben offenbar die Lösung für ihr einstiges Problem gefunden, indem sie konsequent auf die Entwicklung von Talenten im eigenen Minor-League-System setzen. Fast alle ihrer Teams spielen ebenfalls in hoch gelegenen Ballparks und so ist eine Generation von Rockies-Pitchern herangewachsen, die sich in den besonderen Luftverhältnissen zu Hause fühlt. Die Pitcher der Rockies hatten 2018 die drittmeisten Wins Above Replacement unter allen NL-Teams.

Größte Schwäche
Mangelnde Tiefe: Die Stammformation des Lineups ist sehr kopflastig, das heißt es fällt nach drei, vier Topleuten deutlich ab. Wenn nun noch die unvermeidlichen Verletzungen und Formkrisen einer 162-Spiele-Saison hinzukommen, erscheinen mir die Rockies personell nicht allzu gut gerüstet, diese aufzufangen.

Spannendste Frage
Wie wird Daniel Murphy angenommen? Rein sportlich passt Murphy nach Denver wie die Faust auf’s Auge: Als versierter Kontakthitter mit Homerunpower scheint er wie geschaffen für das weitläufige Coors Field. Als Persönlichkeit ist er jedoch umstritten, weil er sehr konservative religiöse Ansichten vertritt. Seit er 2015 homophobe Äußerungen über Billy Beane von sich gab, stieß er bei allen Klubs, für die er seitdem spielte – den Mets, Nationals und Cubs – auf Kritik und Proteste von Fans und Medien.

Prognose
Platz 2 in der NL West

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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Februar 7th, 2019 by Silversurger

Die gute Nachricht zuerst: In wenigen Tagen beginnen alle MLB-Teams ihre Saisonvorbereitung. Von Montag bis Mittwoch der kommenden Woche liegen die Termine, an denen sich die Pitcher und Catcher zum Dienst melden. Vier bis fünf Tage später steigen die restlichen Spieler ins Training ein und nach weiteren vier bis fünf Tagen – am 21. Februar – beginnen auch schon die Spring-Training-Spiele. Dann wird endlich wieder Baseball gespielt und die Gerüchte und Spekulationen um Trades und Neuverpflichtungen geraten endlich in den Hintergrund. Denn – und das ist die schlechte Nachricht – es ist inzwischen nur noch nervig, dass die Top-Free-Agents Bryce Harper und Manny Machado sowie Top-Tradekandidat J. T. Realmuto die ganze Offseason beherrschen, ohne dass sich irgendetwas tut. Neben ein paar eher mittelinteressanten Rostermoves ist die wichtigste Nachricht der letzten Tage eine, die man wahlweise gut oder schlecht finden kann: Die MLB und die MLBPA denken mal wieder laut über Regeländerungen nach.

DH für alle und nie wieder One-Out-Reliever?
Die MLB strebt seit Jahren danach, die Spieldauer zu verkürzen und das Spiel attraktiver – im Sinne von: offensivlastiger – zu machen. Vor diesem Hintergrund kam nun mal wieder eine Reihe von Vorschlägen auf den Tisch, die teilweise schon in diesem Jahr in Kraft treten könnten. Die Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass die Liga und die Spielergewerkschaft MLBPA sich einig sind. Das sind sie bislang offenbar nicht, vielmehr bilden die Ideen beider Seiten nicht mehr als eine Verhandlungsmasse und es nicht absehbar, welche der Änderungen tatsächlich eine realistische Chance auf Umsetzung haben. Die wesentlichen Vorschläge, die bekannt wurden, sind folgende:

Ausweitung der DH-Regel auch auf die National League. Ich bin dagegen und wer dafür ist, soll mir bitte glaubhaft versichern, dass er solche Szenen nicht sehen und hören möchte:

Einführung eines Minimums von drei Battern, gegen die ein Pitcher antreten muss, bevor er ausgewechselt werden darf (Verletzungen ausgenommmen). Das würde das Spiel definitiv beschleunigen, allerdings auch einige auf Linkshänder spezialisierte Reliever arbeitslos machen. Die Einhaltung der Regel wäre zudem aufgrund der Verletzungsausnahme schwer zu kontrollieren.

Einführung einer einzigen Trade-Deadline zum All-Star-Break Mitte Juli (statt der bisherigen Non-Waiver-Deadline Ende Juli und der Waiver-Deadline Ende August). Diese Änderung fände ich gut – nicht nur, weil sie Klarheit und Vereinfachung brächte, sondern auch weil es dann weniger Taktieren um Spieler gäbe, die nur geholt werden, um sie später in der Saison wieder zu verkaufen.

Erhöhung des aktiven Kaders von 25 auf 26 Spieler und gleichzeitig Reduzierung des aktiven Kaders ab 1. September von 40 auf 28 Spieler. Auch damit könnte ich gut leben – wobei die Frage ist, ob man wirklich einen Rosterplatz mehr braucht, wenn man anstrebt, dass weniger Pitcher eingesetzt werden (siehe oben).

Draft-Nachteile für Teams, die mehrere Jahre hintereinander zu wenige Spiele gewinnen. Es ist auf jeden Fall sinnvoll zu überlegen, wie man das in den letzten Jahren ausgreifende Tanking eindämmt – also die Neigung vieler Klubs, absichtlich jahrelang ein schwaches Team ins Rennen zu schicken. Dass der Entzug von Draftpicks das geeignete Mittel dafür ist, bezweifle ich.

Reduzierung der erlaubten Mound Visits von sechs auf vier pro Spiel. Die letztes Jahr eingeführte Begrenzung auf sechs Visits führte nicht zu Problemen und man kann es wohl noch ein Stück weiter treiben.

Test einer Absenkung des Pitching Mounds oder einer weiteren Entfernung zwischen Mound und Homeplate. Das hätte ziemlich sicher den gewünschten Effekt, die Offensive zu fördern. Die Frage ist, ob das wirklich so wünschenswert ist. Ich persönlich finde das Spiel so wie es derzeit ist durchaus ausgewogen. Zudem würde mehr Offensive vermutlich auch bedeuten, dass die Spiele tendenziell länger dauern – also genau das, was die Ligaleitung am wenigsten will.

Astros verpflichten Miley
Das relevanteste Free-Agent-Signing der Woche ist eine Ergänzung für die Pitching-Rotation der Houston Astros. Wade Miley erhält einen Einjahresvertrag über 4,5 Millionen Dollar. Die Verpflichtung des Linkshänders schließt eine Lücke in der Mitte der letztes Jahr noch sehr beeindruckenden Astros-Rotation. An deren Spitze steht mit Justin Verlander und Gerrit Cole nach wie vor einer der besten One-Two-Punches der Liga, dahinter war es aber durch die Abgänge von Charlie Morton (Rays), Dallas Keuchel (noch ohne Team) und die Tommy-John-Surgery von Lance McCullers recht dünn geworden.

Hellickson bleibt bei den Nationals
Auch die Washington Nationals ergänzen ihre Rotation und zwar um Jeremy Hellickson, der letztes Jahr schon für sie aktiv war. Der Rechtshänder dürfte der aussichtsreichste Kandidat für den fünften Starterspot sein. Er erhält erneut einen Einjahresvertrag, der ihm zwischen 1,3 und 4 Millionen Dollar einbringen wird, je nachdem wie viele Starts er tatsächlich absolviert.

Duke zu den Reds
Die Cincinnati Reds bleiben eines der aktiveren Teams der diesjährigen Offseason. Nach Sonny Gray, Alex Wood, Tanner Roark, Yasiel Puig und Matt Kemp wurde nun Zach Duke an Land gezogen. Der 36-jährige Reliever ist ein Spezialist für linkshändige Batter, die gegen ihn in den letzten fünf Jahren nur .209/.284/.311 geschlagen haben. Rechtshänder hatten es mit ihm ein bisschen einfacher, aber mit .240/.341/.357 haben sie ihn auch nicht gerade verprügelt. Insofern könnten die Reds auf Duke wohl auch dann setzen, wenn die in Aussicht gestellte Drei-Batter-Regel käme.

Royals holen Boxberger
Die Sache ist noch nicht ganz in trockenen Tüchern, aber die Kansas City Royals sind sich wohl so gut wie einig mit Reliever Brad Boxberger. Der 30-jährige Rechtshänder hatte von den Diamondbacks in seinem letzten Arbitration-Jahr kein Angebot bekommmen. Bei den Royals soll er entweder als Setup oder als Closer zum Einsatz kommen. Er wird dabei voraussichtlich 2,2 Millionen Dollar verdienen.

Marlins traden Wittgren zu Indians
Einen kleinen Trade gab es diese Woche auch: Reliever Nick Wittgren, den die Miami Marlins letzte Woche recht überraschend aus dem Kader gestrichen hatten, kommt bei den Cleveland Indians unter. Im Gegenzug wechselt Minor-League-Reliever Jordan Milbrath zu den Marlins. Der 27-jährige Wittgren bringt drei solide Jahre MLB-Erfahrung mit, 2018 war seine bislang beste Saison (2.94 ERA). Der gleichaltrige Milbrath kam letztes Jahr erstmals auf AAA-Niveau zum Einsatz, brachte es dort aber nur auf 13.2 Innings und 5.93 ERA. Ich habe ganz ehrlich keine Ahnung, welchen Sinn dieser Trade aus Sicht der Marlins haben soll.

Rangers testen Two-Way-Einsatz von Davidson
Normalerweise erwähne ich hier keine Minor-League-Deals, aber weil diese Woche so wenig los war und weil Matt Davidson ein interessanter Fall ist, mache ich für ihn eine Ausnahme. Davidson wurde von den Texas Rangers verpflichtet und wird im Spring Training die Chance haben, sich für das Major-Team zu empfehlen. Das Interessante an der Sache ist, dass der gelernte Infielder als Super-Allrounder aufgebaut werden soll, der nicht nur am Schlag und im Feld, sondern auch als Pitcher zum Einsatz kommt. In der letzten Saison hat Davidson bereits drei Innings für die Chicago White Sox gepitcht und die Resultate waren ermutigend: zwei Strikeouts, ein Hit, ein Walk, keine zugelassenen Runs. Was die recht kleine (und ausschließlich in längst entschiedenen Spielen erzielte) Stichprobe wert ist, bleibt abzuwarten.

Rekordgehalt für Arenado
Auch Einigungen von Klubs und Spielern in der Arbitration-Phase, bei denen es ausschließlich um die Höhe des Jahresgehalts geht, lasse ich üblicherweise unerwähnt. Auch hier mache ich dieses Mal eine Ausnahme, denn Nolan Arenado und die Colorado Rockies haben sich auf eine Rekordsumme geeinigt: 26 Millionen Dollar wird der Third Baseman dieses Jahr verdienen. Nach dem Jahr wird Arenado Free Agent sein, sofern er nicht vorher einen längerfristigen Vertrag unterschreibt. Die Rockies sind nach eigenen Aussagen sehr interessiert an einer Bindung über mehrere Jahre und werden in den kommenden Wochen noch Verhandlungen führen.

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Dezember 27th, 2018 by Silversurger

Über die Weihnachtstage kehrt üblicherweise auch in der MLB etwas Ruhe und Besinnlichkeit ein und so gab es in den vergangenen Tagen keine nennenswerten Moves zu vermelden. Kurz vor den Feiertagen fanden aber durchaus noch ein paar interessante Trades und Verpflichtungen statt, auf die ich hier kurz zurück kommen möchte – allen voran ein Blockbuster zwischen den Dodgers und den Reds, der auf Seiten der Dodgers ein Vorbote für etwas noch Größeres sein könnte.

Dodgers sparen, Reds rüsten auf
Die Cincinnati Reds scheinen fest entschlossen, aus der Rolle der grauen Maus in der NL Central herauszutreten: Im Trade mit den Los Angeles Dodgers haben sie sich in OF Matt Kemp, OF Yasiel Puig und SP Alex Wood drei etablierte Veteranen sowie Backup-Catcher Kyle Farmer gesichert. Im Gegenzug erhalten die Dodgers die beiden Prospects IF Jeter Downs und P Josiah Gray. Das klingt auf den ersten Blick sehr einseitig zu Gunsten der Reds, doch tatsächlich waren die Dodgers so versessen auf den Trade, dass sie noch 7 Millionen Dollar obendrauf legen und zudem den Vertrag von Homer Bailey übernehmen, obwohl sie für ihn keine Verwendung haben und ihn direkt wieder entlassen werden. Der Sinn des Trades besteht für die Dodgers darin, dass sie in Summe rund 17 Millionen Dollar an Gehältern sparen und damit unter die Luxussteuer-Grenze rutschen. Sie könnten allerdings bald wieder darüber liegen, denn es wird gemunkelt, dass die Dodgers sich mit der Aktion den Spielraum für eine große Free-Agent-Verpflichtung verschaffen wollten. Bryce Harper gilt als heißer Kandidat dafür.

Erneuter Dreiecks-Trade der Rays
Die Tampa Bay Rays scheinen eine Vorliebe für kreative Trades zu haben, denn in der zweiten Woche hintereinander haben sie einen Handel abgeschlossen, bei dem drei Teams involviert sind. Ihre Partner waren dieses Mal die Oakland Athletics und die Texas Rangers. Der bekannteste betroffene Spieler ist IF Jurickson Profar, der von Texas nach Oakland wechselt. RP Emilio Pagan und ein Draftpick wandern von den Athletics zu den Rays, während die Rays 750.000 Dollar an internationalem Bonus-Budget zu den Rangers schicken. Außerdem wechseln die Minor-Leaguer Rollie Lacy von den Rangers zu den Rays, Eli White von den Athletics zu den Rangers sowie Brock Burke, Kyle Bird und Yoel Espinal von den Rays zu den Rangers.

Dipoto holt den nächsten Santana
Die Seattle Mariners und ihr handlungsfreudiger GM Jerry Dipoto mischen natürlich auch wieder im Trade-Karussell mit. Dipotos neueste Errungenschaft ist OF Domingo Santana, der im Austausch gegen OF Ben Gamel und Minor-League-Pitcher Noah Zavalos von den Milwaukee Brewers kommt. Ich bin gespannt, ob dieser Santana länger in Seattle bleibt als der letzte. Dipoto hatte in dieser Offseason bereits Carlos Santana von den Phillies ertradet, nur um ihn eineinhalb Wochen später nach Cleveland weiterzureichen.

Cardinals verpflichten Andrew Miller
Das relevanteste Free-Agent-Signing der Woche ist, dass Relief Pitcher Andrew Miller zu den St. Louis Cardinals geht. Der stark umworbene Linkshänder erhält einen Vertrag über 25 Millionen Dollar für zwei Jahre. Wenn er in dieser Zeit in mindestens 110 Spielen eingesetzt wird, verlängert sich die Laufzeit um ein weiteres Jahr für 12 Millionen. I

Daniel Murphy zu den Rockies
Infielder Daniel Murphy hat bei den Colorado Rockies einen ähnlichen Vertrag unterschrieben wie Miller in St. Louis. Er erhält zunächst 24 Millionen Dollar für zwei Jahre, die anschließende beidseitige Option für das dritte Jahr ist 12 Millionen wert. Der Buyout, falls der Vertrag nicht fortgesetzt wird, beträgt 6 Millionen Dollar.

Anibal Sanchez ergänzt Nationals-Rotation
Für zwei Jahre und 19 Millionen Dollar wird SP Anibal Sanchez bei den Washington Nationals spielen. Der 34-Jährige wird Teil einer beeindruckenden Pitching-Rotation um Max Scherzer, Stephen Strasburg und Patrick Corbin sein.

Athletics holen Soria und Fiers
SP Mike Fiers kehrt zurück zu den Oakland Athletics. Die A’s hatten Fiers drei Wochen zuvor entlassen, weil sie ihm kein Arbitration-Angebot unterbreiten wollten. Sie einigten sich mit ihm aber stattdessen auf einen neuen Kontrakt über rund 14 Millionen Dollar für zwei Jahre Auch Reliever Joakim Soria erhält bei den Athletics einen Zweijahresvertrag. Er unterschreibt für 15 Millionen Dollar. Soria hat Erfahrung als Closer, wird in Oakland aber eher als Setup-Man für Blake Treinen zum Einsatz kommen.

Trevor Cahill zu den Angels
Auch die Los Angeles Angels bauen an ihrer Starting Rotation für 2019. Nach der Verpflichtung von Matt Harvey in der Vorwoche meldeten die Angels nun auch mit Trevor Cahill Vollzug. Der 30-jährige Rechtshänder erhält für ein Jahr 9 Millionen plus Leistungsboni von bis zu 1,5 Millionen Dollar.

Giants verpflichten Switch-Pitcher Venditte
Pat Venditte ist der einzige Switch-Pitcher in der MLB seit über 30 Jahren. Er hat sich bislang noch nicht stabil in der Liga etablieren können, aber in den wenigen Einsätzen für die Dodgers letztes Jahr zeigte er vielversprechende Ansätze (14 IP, 2.57 ERA). 2019 wird Venditte für die Giants antreten, die ihm für das Jahr 585.000 Dollar bezahlen.

Cruz nach Minnesota
In letzter Sekunde erfahre ich gerade, dass die Minnesota Twins sich mit DH Nelson Cruz auf einen Vertrag über ein Jahr plus Option für ein weiteres Jahr geeinigt haben. Finanzielle Details sind noch nicht bekannt.

Machado, Harper, Kikuchi nähern sich Entscheidungen
Die beiden Top-Free-Agents Manny Machado und Bryce Harper sowie das japanische Pitcher-Talent Yusei Kikuchi haben sich bislang nicht entschieden, wo sie in den nächsten Jahren spielen wollen. Machado hat aber bereits wissen lassen, dass die engere Auswahl sich für ihn auf die Chicago White Sox, die New York Yankees und die Philadelphia Phillies beschränkt und dass er sich im neuen Jahr entscheiden wird. Harper hat sich noch nicht so eindeutig geäußert, aber mit den Chicago Cubs und den Los Angeles Dodgers haben sich zwei Favoriten auf seine Dienste herauskristallisiert. Um Kikuchi gibt es bislang erstaunlich wenige konkrete Spekulationen. Eine Entscheidung dürfte aber bald fallen und bekannt werden, denn Kikuchi wurde formal am 3. Dezember für eine Verpflichtung in der MLB freigegeben, die innerhalb von 30 Tagen erfolgen muss.

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Oktober 11th, 2018 by Silversurger

Ganz ehrlich: So richtig mitreißend war die Divisional-Runde – außer für glühende Anhänger eines der beteiligten Teams – dieses Jahr nicht. Es gab keinen einzigen Krimi über fünf Spiele, vielmehr machten alle vier Serien über weite Strecken einen unspektakulären und vorhersehbaren Eindruck.

Aber sehen wir es mal positiv: Den League-Championships, also quasi den Halbfinals um die Krone des Baseballs, kann der Verlauf der vorherigen Runde nur guttun. Zum einen dürfen wir wohl ziemlich sicher davon ausgehen, dass die vier verbliebenen Teams tatsächlich die besten sind, die die MLB derzeit zu bieten hat. Zum anderen ist durch die schnellen Divisionals gewährleistet, dass jedes von ihnen mindestens drei Tage Pause genießen kann. Alle vier werden somit gut vorbereitet, ausgeruht und vor allem mit voller Flexibilität hinsichtlich der Pitchereinsätze ins Rennen gehen.

American League
Am ehesten kam noch in der Serie zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees etwas Spannung auf – die Yankees konnten die erste Niederlage postwendend ausgleichen und in Spiel 4 (siehe „Spiel der Woche“) war für sie bis zum letzten Zentimeter des letzten Outs noch alles möglich. Aber dazwischen lag Spiel 3, das wohl als eine der einseitigen Playoff-Partien aller Zeiten gelten darf. 16:1 schlugen die Red Sox die Yankees in deren eigenem Stadion. Die Überlegenheit der Roten war so drückend, dass die New Yorker sich irgendwann nicht mal mehr zu schade waren, zum erst zweiten Mal in der MLB-Geschichte einen Positionsspieler pitchen zu lassen. Das allerdings machte die Sache noch schlimmer: Gleich den ersten Pitch von Catcher Austin Romine nutze Bostons Brock Holt zu einem Homerun, mit dem er den ersten Cycle in einem Playoff-Spiel überhaupt komplettierte.

Noch einseitiger als das Duell der Red Sox und der Yankees war die andere ALDS zwischen den überzeugenden Houston Astros und den sang- und klanglos enttäuschenden Cleveland Indians. Letztere wurden der Befürchtung gerecht, dass es sich bei ihnen um ein überschätztes Team handelte, dessen Saisonbilanz durch die vielen Spiele gegen schwache Divisionskonkurrenten aufgebläht war. 7:2, 3:1 und 11:3 wurden die Indianer abgefertigt von den Astros, die in jeder Hinsicht reif erscheinen, ihren Titel zu verteidigen.

Auf dem Weg dorthin müssen sie erstmal in der American League Championship Series (ALCS) an den Red Sox vorbei. Ich habe schon Äußerungen in der Richtung gelesen, dies sei dieses Jahr die eigentliche World Series. Das würde ich so nicht unterschreiben. Klar, die beiden Teams waren diese Saison weitaus dominierender als irgendeine Mannschaft aus der National League. Aber müssen die Top-Teams der NL schlechter sein, nur weil sie in einer ausgeglicheneren Liga gespielt haben? Ich denke nein, zumal die NL in den Interleague-Spielen dieses Jahr mit 158-142 zum ersten Mal seit Langem die Oberhand behalten hat.

National League
Die Divisionals der NL verliefen fast identisch mit denen der AL: Auch hier gab es einen 3:0-Sweep, in dem Fall zwischen den Milwaukee Brewers und den Colorado Rockies, deren „Rocktober“ nach 2:3, 0:4 und 0:6 ein jähes Ende fand.

Und auch hier endete die andere Serie 3:1 und machte selten den Eindruck, ein anderes Ende finden zu können als den Sieg der Los Angeles Dodgers. Es war im Endeffekt ein klarer Triumph der Erfahrung gegen den jugendlichen Eifer, mit dem die Atlanta Braves es dieses Jahr erstaunlich weit gebracht hatten. In der NLDS konnten sie nur ein Spiel knapp gestalten und letzten Endes auch 6:5 gewinnen, ansonsten waren sie den Dodgers mit 0:3, 0:6 und 2:6 nicht gewachsen.

In die NLCS gehen die Dodgers als Favorit – sie haben die schon erwähnte breite Postseason-Erfahrung und sie bieten auch die größeren Namen auf. Auf der anderen Seite stehen die Brewers mit ihrem sehr ausgewogenen Roster, mit dem sie derzeit eine Siegesserie von elf Spielen reiten – Spiel 163 und NLDS-Sweep inklusive.

Szene der Woche
Das erste Gastspiel der Atlanta Braves in den Playoffs seit fünf Jahren war zwar von relativ kurzer Dauer, aber für einen Glanzpunkt reichte es: Rookie Ronald Acuna Jr. brachte die Braves in Spiel 3 gegen die Dodgers auf den Weg zu ihrem einzigen Sieg durch einen Grand Slam im zweiten Inning. Der 20-Jährige wurde dadurch zum jüngsten Spieler, der je einen Grad Slam in der Postseason geschlagen hat. Die Erinnerung an diese Aktion wird nicht so schnell verblassen, jedenfalls nicht auf dem Unterarm einer gewissen Caitlin: Dorthin würde sie sich das Gesicht von Acuna tätowieren lassen, wenn er einen Grand Slam schlägt, hatte die Braves-Anhängern getwittert. Aus dem Versprechen kommt sie wohl nicht mehr heraus.

Statistik der Woche
211. Dies ist die zweithöchste Anzahl von Saisonsiegen, die je die Teams einer Postseason-Paarung gemeinsam erzielt haben. Mehr als die Red Sox (108 Siege) und die Astros (103) konnten nur die Teilnehmer der World Series 1998, die New York Yankees und die San Diego Padres, mit insgesamt 212 vorweisen.

Spiel der Woche
Spiel 4 zwischen den Red Sox und den Yankees sah zunächst aus wie die nahtlose Fortsetzung der Klatsche vom Vortag: Nach zwei scorelosen Innings ging Boston per Sacrifice Fly von J. D. Martinez in Führung und baute diese durch einen Double von Ian Kinsler, einen Single von Eduardo Nunez und einen Homerun von Christian Vazquez auf 4:0 aus. Die Yankees kamen erst im fünften Inning auf einen einzelnen Run, der zu wenig schien, um die Red Sox in Bedrängnis zu bringen. Zu sattelfest war das Pitching von Starter Rick Porcello und dem Bostoner Bullpen. In Letzterem hatte Ass Chris Sale einen Gastauftritt mit einem perfekten achten Inning. Zum Ende wurde es dann aber doch noch spannend. Closer Craig Kimbrel lud die Bases und ließ per Hit-by-Pitch gegen Neil Walker sowie Sac-Fly von Gary Sanchez den Vorsprung auf einen einzigen Run schmilzen. Mit zwei Outs und zwei Baserunnern war es der Defense von 3B Nunez und 1B Steve Pearce zu verdanken, dass Gleyber Torres haarscharf das entscheidende Out ereilte.

Mein Einschalttipp
Der Einschalttipp soll dabei helfen, in der Flut von MLB-Spielen die interessantesten herauszupicken. Inzwischen sind wir längst in den Tagen des Jahres angekommen, in denen sich die Flut auf natürliche Weise gelichtet hat und die Empfehlung nur lauten kann, jedes der verbleibenden Spiele anzuschauen – sei es live, zeitversetzt oder auch nur als Zusammenfassung. Einen Bonustipp habe ich aber doch: Wagt doch mal den Blick über die MLB hinaus, denn auch in Deutschland wird sehenswerter Baseball gespielt und manchmal gibt es davon sogar Liveübertragungen. Am Samstag und – falls nötig – am Sonntag duellieren sich in Bonn die Capitals und die Heidenheim Heideköpfe um die Entscheidung der Deutschen Meisterschaft. Spielbeginn ist jeweils um 13 Uhr, auf baseball-bundesliga.de findet man den Link zum Livestream. Heidenheim führt nach den beiden Heimsiegen vom vergangenen Wochenende die Serie mit 2:1 an und benötigt somit nur noch einen Sieg zur Meisterschaft. Bonn muss beide Spiele gewinnen, um den Traum vom ersten Titel der Vereinsgeschichte wahr werden zu lassen.

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Oktober 4th, 2018 by Silversurger

Da waren es nur noch acht: Die Oakland Athletics und die Chicago Cubs sind die ersten Playoff-Teams, die auf der Strecke geblieben sind. Für die Athletics war ein einziges Spiel entscheidend, das sie letzte Nacht 2:7 gegen die New York Yankees verloren. Die Cubs hatten immerhin zwei Chancen, die erste „richtige“ Playoff-Serie – die National League Divisional Series (NLDS) – zu erreichen. Doch sie verloren sowohl das Extraspiel um den Divisionssieg gegen die Milwaukee Brewers als auch das Wild-Card-Spiel gegen die Colorado Rockies und somit ist das NL-Team mit der zweitbesten Saisonbilanz wohl verdient ausgeschieden.

Ebenfalls ausgeschieden ist Buck Showalter als Manager der Baltimore Orioles. Nach neun Jahren, deren schlechtestes das aktuelle mit desaströsen 115 Niederlagen war, ist er seinen Job los. Auch die Minnesota Twins haben bekannt gegeben, dass sie sich von ihrem Manager Paul Molitor trennen. Molitor war vier Jahre im Amt und letztes Jahr nach einer überraschend starken Saison zum Manager of the Year gewählt worden. 2018 wurde allerdings zur Enttäuschung, daher soll nun ein neuer Cheftrainer die Aufgabe übernehmen, die Twins in der AL Central wieder wettbewerbsfähig zu machen.

National League
Die National League hat einer in weiten Teilen extrem spannenden Saison die Krone aufgesetzt, indem in gleich zwei Divisionen ein entscheidendes „Spiel 163“ ausgetragen werden musste, um eine Entscheidung über den Gruppensieg herbei zu führen. Zwischen den Chicago Cubs und den Milwaukee Brewers war es ein sehr enges Spiel, das sich erst im achten Inning in Richtung der Gäste aus Milwaukee neigte, welche schließlich 3:1 gewannen. Das Duell um die NL West zwischen den Los Angeles Dodgers und den Colorado Rockies war weniger spannend. Die Dodgers dominierten von Anfang an und führten bereits mit 5:0, bevor die Bats der Rockies im neunten Inning mit zwei Solo-Homeruns erwachten, ohne den Ausgang der Partie ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Die Verlierer der Entscheidungsspiele durften sich damit trösten, dass sie zumindest in das Wild-Card-Spiel einzogen. Dort war dann allerdings zwingend Endstation für eines von ihnen, in dem Fall für die Cubs (siehe „Spiel der Woche“).

Die Rockies treffen als Wild-Card-Sieger ab heute Nacht in einer Best-of-5-Serie auf die Brewers. In der anderen Paarung der NLDS erwarten die Dodgers die Atlanta Braves. Die Braves sind das einzige Team der NL, das sich seit dem Ende der regulären Saison am letzten Sonntag ausruhen konnte. Man wird sehen, ob sie diesen Vorteil nutzen können.

American League
In der AL stand zwischen Saison und Playoffs deutlich mehr Erholung auf dem Programm: Montag und Dienstag waren für alle Teams frei, am Mittwoch fand das Wild-Card-Spiel zwischen den Yankees und den Athletics statt und erst am Freitag geht es weiter mit den beiden Divisional-Serien.

Eine der beiden ALDS findet statt zwischen den Houston Astros und den Cleveland Indians. Mit 103 Siegen und als Titelverteidiger gehen die Astros als klarer Favorit ins Rennen gegen die Indians, die das Glück hatten, einen Großteil ihrer 91 Siege innerhalb der sehr schwach besetzen AL Central einfahren zu können.

Die andere ALDS ist der Baseball-Klassiker schlechthin: Die Boston Red Sox erwarten die New York Yankees. Als Divisionsrivalen haben die beiden in der regulären Saison schon 19-mal gegeneinander gespielt. Mit 10:9 für die Red Sox war das Gesamtergebnis denkbar knapp und es drückt ziemlich genau die leichte Favoritenrolle aus, die die Red Sox vor dieser ersten Playoff-Serie gegen den Erzrivalen seit 2004 inne haben.

Szene der Woche
Das Wild-Card-Spiel der AL war zwar nicht halb so spannend wie das der NL, aber es hatte einen definierenden und für die Fans der Yankees regelrecht erlösenden Moment: den 2-Run-Homerun von Aaron Judge. Der weite Schlag über das Leftfield im ersten Inning besorgte nicht nur die beruhigende frühe Führung, er war auch das klare Statement, dass mit Judge wieder zu rechnen ist. Knapp zwei Monate war er mit einem angebrochenen Handgelenk ausgefallen und in den zwei Wochen seit seiner Rückkehr ins Lineup war er sichtlich nicht der dominierende Hitter, als den man ihn kannte. Jetzt ist er offenbar wieder der Alte und bereits auf der Jagd nach Rekorden: Es war sein vierter Homerun in sieben Playoffspielen für die Yankees, was außer ihm nur „Mister October“ Reggie Jackson geschafft hat. Im sechsten Inning legte er übrigens noch ein Leadoff-Double nach und leitete damit die endgültige Entscheidung in Form eines 4-Run-Innings ein. Schön, dass mal wieder ein anderer Judge die Schlagzeilen beherrscht als Brett Kavanaugh…

Statistik der Woche
.247. Zugegeben, über den Rekord, den die Yankees aufgestellt haben, wird man wohl länger reden als über diese Zahl: 267 Homeruns haben die New Yorker in der regulären Saison geschlagen und damit mehr als jemals ein anderes Team. Die .247 finde ich persönlich aber noch bemerkenswerter. Es ist der Batting Average, mit dem Athletics-Slugger Khris Davis die Saison abgeschlossen hat – und zwar nicht nur die Saison 2018, sondern auch die Saisons 2015, 2016 und 2017. Viermal hintereinander den gleichen Average zu erzielen ist eine unglaublich unwahrscheinliche Leistung, mit der Khris Davis obendrein die Aufmerksamkeit von seinem Beinahe-Namensvetter Chris Davis von den Orioles ablenkt. Der hat nämlich ebenfalls einen Rekord erzielt: Sein Batting Average von .168 ist der niedrigste, mit dem je ein qualifizierter Blätter – also einer mit mindestens 502 Plate Appearances – eine Saison beendet hat.

Spiel der Woche
Jon Lester kennt der durchschnittliche Baseballfan schon lange, Kyle Freeland möglicherweise erst seit diesem Jahr, Tony Wolters vermutlich erst seit gestern. Sowohl der erfahrene Veteran der Cubs als auch der starke Newcomer der Rockies haben im Wild-Card-Spiel der NL eine sehr gutes Partie gepitcht. Lester erlaubte lediglich einen Sacrifice-Fly von Nolan Arenado zur frühen 1:0-Führung der Rockies, Freeland ließ nur vier Hits und keinen Run zu. Dass es trotzdem nicht innerhalb der regulären Spielzeit für die Rockies reichte, lag an Javier Baez, dem gegen Adam Ottavino bei zwei Outs und einem 0-2-Count im achten Inning ein Double zum 1:1 gelang. Das war auch schon alles, was gegen die beiden überzeugenden Pitcherriegen bis zum dreizehnten Inning zu holen war. Am Ende des längsten Ausscheidungsspiels aller Zeiten wurde einer zum Helden, den wohl niemand auf der Rechnung hatte: Tony Wolters gelang gegen Kyle Hendricks der entscheidende Single, der Trevor Story zum 2:1 nach Hause brachte, nachdem dieser und Gerrardo Parra jeweils Singles bei zwei Outs vorgelegt hatten. Es ist keine Schande, wenn man den Backup-Catcher der Rockies bislang nicht kannte. Mit einem Batting Average von .170 hat er in der regulären Saison nicht gerade für Aufsehen gesorgt, aber jetzt kennt ihn jeder als den Mann, der den Rockies den ersten Playoffsieg seit 2009 beschert hat.

Mein Einschalttipp
Es sind die MLB-Playoffs, somit ist ab sofort jedes Spiel ein Einschalttipp. Falls ihr noch keinen Dienst abonniert habt, über den ihr zuschauen könnt: mlb.tv gibt es für den Rest der Saison für 24,99 Dollar und DAZN überträgt wohl ebenfalls alle Postseason-Spiele, sodass dies der richtige Zeitpunkt für den kostenlosen Probemonat sein dürfte. Das von den Namen her reizvollste Duell ist natürlich das zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees. Die beste Sendezeit bietet das erste Spiel zwischen den Houston Astros und den Cleveland Indians am Freitag ab 20:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Das ist im Übrigen auch die Partie mit dem aufregendsten Pitcher-Matchup, denn aller Voraussicht nach werden Justin Verlander (2.52 ERA, 2.78 FIP) und Corey Kluber (2.89 ERA, 3.12 FIP) sich die Ehre geben.

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Oktober 1st, 2018 by Silversurger

Baseball ist so herrlich konsequent: Wenn 162 Spiele nicht genug sind, um zwischen Platz eins und zwei einen Unterschied festzustellen, dann wird nicht lange hin und her gerechnet. Es wird kurzerhand ein Spiel 163 zwischen den betroffenen Teams angesetzt und zwar nicht irgendwann, sondern gleich am nächsten Tag. Ein Spiel 163 ist ein besonderes Ereignis, das nur alle paar Jahre vorkommt. Dieses Jahr gibt es zum ersten Mal in der MLB-Geschichte gleich zwei Entscheidungsspiele, denn sowohl die NL Central als auch die NL West endeten mit einem Gleichstand an der Tabellenspitze.

Erfreulicherweise finden beide Spiele heute aus europäischer Sicht zu sehr günstigen Zeiten statt. Um 19:05 Uhr unserer Zeit spielen in Chicago die Cubs und die Milwaukee Brewers den Sieger der NL Central aus. Als Pitcher wird Jose Quintana (4.09 ERA, 4.52 FIP) für die Cubs starten. Die Brewers haben noch keinen Starter benannt,aber höchstwahrscheinlich wird es auf Jhoulys Chacin (3.56 ERA, 3.99 FIP) hinauslaufen. Der Sieger des Spiels verdient sich zwei Tage Pause und trifft ab Donnerstag in der NLDS auf den Sieger des Wild-Card-Spiels. Der Verlierer ist noch nicht ausgeschieden, muss aber in eben jenem Wild-Card-Spiel am Dienstag eine weitere Extrarunde einlegen.

Der Gegner im Wild-Card-Spiel ist der Verlierer aus dem anderen Spiel 163, das heute Abend ab 22:09 Uhr unserer Zeit die Los Angeles Dodgers gegen die Colorado Rockies absolvieren. Walker Buehler (2.76 ERA, 2.98 FIP) geht für Los Angeles ins Rennen gegen German Marquez (3.76 ERA, 3.33 FIP). Der Gewinner dieser Partie spielt ab Donnerstag die NLDS gegen die Atlanta Braves.

Die Favoritenrollen in den heutigen Spielen sind ziemlich klar verteilt: Die Cubs und die Dodgers haben den Heimvorteil, die größere Postseason-Erfahrung und das bessere Run Differential als der jeweilige Gegner auf ihrer Seite. Ich drücke dann mal den Außenseitern die Daumen.

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September 27th, 2018 by Silversurger

Für zehn Teams geht die MLB-Saison nächste Woche weiter und bis auf eine Ausnahme wissen wir, welche zehn es sein werden. Mit diesen Teams beschäftige ich mich im Hauptteil dieses Artikels.

Alle anderen sind längst dabei, die Weichen für das nächste Jahr und darüber hinaus zu stellen. Einige Klubs haben bereits bekannt gegeben, dass sie verantwortliche Personen in der sportlichen Leitung austauschen werden. Die Rangers sowie aller Voraussicht nach die Angels und die Orioles werden den Manager wechseln, während die Mets und die Giants nach einem neuen General Manager suchen (zur Erinnerung: der Manager ist in der MLB das, was man woanders den Cheftrainer nennt; der General Manager ist der, der den Kader zusammenstellt)

Für eine ganze Reihe von Spielern wird diese Saison die letzte gewesen sein. Victor Martinez von den Tigers hat sein Abschiedsspiel bereits hinter sich, David Wright von den Mets wird seines am Samstag bekommen (siehe „Einschalttipp“), das von Ichiro Suzuki wird wohl Anfang nächsten Jahres in Tokio stattfinden. Adrian Beltre von den Texans könnte ein weiterer prominenter Neurentner werden, er hat eine Entscheidung zum Saisonende angekündigt. Unterdessen hat Bartolo „Big Sexy“ Colon, mit 45 Jahren der älteste Spieler der Liga, bereits bekannt gegeben, dass er gerne noch ein Jahr dranhängen möchte. Das ist doch mal eine gute Nachricht.

Eine weitere gute Nachricht gibt es für alle, die kein mlb.tv-Abo haben: An den drei letzten Tagen der Saison – Freitag bis Sonntag – sind über den Streaming-Dienst der MLB alle Spiele kostenfrei zu empfangen.

American League
Die Playoff-Paarungen waren eigentlich schon eine ganze Weile klar, inzwischen stehen sie offiziell fest: Die Houston Astros (100-58) treffen in der American League Divisional Series (ALDS) auf die Cleveland Indians (89-69) und die Boston Red Sox (107-52) auf den Sieger des Wild-Card-Spiels der New York Yankees (97-61) gegen die Oakland Athletics (96-63).

Das Wild-Card-Spiel wird am 3. Oktober stattfinden, der Ort ist allerdings nach wie vor ungeklärt. Die Yankees haben derzeit einen Vorsprung von 1,5 Spielen und es selbst in der Hand, diesen heute Abend in Tampa Bay auf 2 Spiele auszubauen. Die Athletics greifen erst von Freitag bis Sonntag wieder ins Geschehen ein und haben dann die Chance, mit einer guten Serie bei den Los Angeles Angels den Yankees den Heimvorteil noch abzujagen. Diese bekommen es in den letzten drei Spielen noch einmal mit den Red Sox zu tun, welche sicher nichts dagegen hätten, ihrem Erzrivalen kurz vor den Playoffs noch mal in die Suppe zu spucken.

Sollten die Yankees und die Athletics die Saison mit einer identischen Bilanz abschließen, so werden für die Entscheidung des Heimvorteils zunächst die Ergebnisse der direkten Spiele zwischen diesen beiden herangezogen. Dieser Vergleich ist aber 3:3 ausgegangen und somit keine Hilfe. Als nächstes entscheidet die Bilanz innerhalb der eigenen Division. Hier stehen die Yankees bei 41-31 und die Athletics bei 37-36. Das können die A’s nicht mehr einholen, also müssen sie die Yankees zwingend überholen, wenn sie das Wild-Card-Spiel im eigenen Stadion spielen wollen.

National League
Wie schon das ganze Jahr über, geht es auch in den letzten Tagen der Saison in der National League äußerst eng zu. Die Atlanta Braves (89-69) haben als einzige schon den Sieg in ihrer Division sicher. Ebenfalls sicher ist, dass die Chicago Cubs (92-66) und die Milwaukee Brewers (92-67) an den Playoffs teilnehmen. Wer von den beiden Divisionssieger wird und wer ins Wild-Card-Spiel muss, bleibt spannend bis zum Schluss. Die Cubs haben noch ein Spiel weniger, das sie heute Nacht gegen die Pittsburgh Pirates absolvieren. Anschließend müssen sie eine sicher schwierige Serie gegen die St. Louis Cardinals (87-72) spielen, welche ihrerseits um den zweiten Wild-Card-Platz kämpfen. Die Brewers haben die vermutlich leichtere Aufgabe, sie schließen die reguläre Saison mit drei Spielen gegen die Detroit Tigers ab.

Zusätzlich zum schweren Restprogramm werden die Cubs derzeit mit der Geschichte um Addison Russell belastet. Der Shortstop wird von seiner Ex-Frau beschuldigt, sie sowohl köperlich als auch verbal misshandelt zu haben. Natürlich gilt für ihn wie für jeden Angeklagten die Unschuldsvermutung. Doch die MLB ermittelt schon seit 15 Monaten wegen der Vorwürfe und diese wiegen offenbar so schwer, dass Russell nun von der Liga vorerst beurlaubt wurde – das heißt, bis zu einer erneuten Entscheidung erhält er weiter sein Gehalt, darf aber nicht spielen.

Zurück zum Sport: In der NL West ist das Rennen ebenso offen wie in der NL Central. Die Colorado Rockies (88-70) haben letzte Nacht mit ihrem sechsten Sieg in Folge die Spitze von den Los Angeles Dodgers (88-71) zurück erobert. Die Dodgers haben zuletzt zweimal gegen die Arizona Diamondbacks verloren und müssen heute Nacht tatenlos zusehen, ob die Rockies ein weiteres Spiel gegen die Philadelphia Phillies gewinnen, um ihre Führung auf ein volles Spiel auszubauen. Das Restprogramm der Dodgers und der Rockies dürfte ungefähr gleich schwer sein: Die Rockies treffen auf die Washington Nationals, die Dodgers auf die San Francisco Giants. Das sind beides Teams, die mit großen Playoff-Hoffnungen in die Saison gestartet waren, diesen aber nicht gerecht geworden sind. Beide werden versuchen, dem Jahr ein versöhnliches Ende zu geben – wobei bei den Giants die Motivation noch etwas höher sein könnte, da sie immerhin gegen ihren Erzrivalen antreten.

Bevor die Playoffs der NL beginnen können, muss noch einer aus dem Trio Dodgers/Rockies/Cardinals die Segel streichen und es muss eindeutig feststehen, wer Divisionssieger und wer Teilnehmer des Wild-Card-Spiels ist. Anders als wenn es (wie in der AL zwischend den Yankees und den Athletics) „nur“ um den Heimvorteil geht, treten bei einem Gleichstand in Bezug auf die Playoff-Teilnahme keine Tie-Break-Regeln in Kraft. Stattdessen kommt es zu einem Entscheidungsspiel, das noch zwischen das Ende der regulären Saison und das Wild-Card-Spiel gequetscht werden muss. Es können dieses Jahr drei Fälle auftreten:

a) An der Spitze einer Division stehen zwei Teams mit gleicher Bilanz. Das könnte die Brewers und die Cubs und/oder die Dodgers und die Rockies betreffen. In dem Fall gibt es ein Entscheidungsspiel um Platz eins.

b) Zwei Teams, die um den zweiten Wild-Card-Platz konkurrieren, haben die gleiche Bilanz. Das könnte die Cardinals sowie entweder die Dodgers oder die Rockies betreffen. Zwischen diesen beiden Teams würde ebenfalls ein Entscheidungsspiel stattfinden.

c) Die Fälle a) und b) treten gleichzeitig ein. Das heißt, die Cardinals, die Rockies und die Dodgers schließen mit der gleichen Bilanz ab. Dann würde zuerst ein Entscheidungsspiel zwischen den Rockies und den Dodgers um den Divisionssieg stattfinden, anschließend ein weiteres Entscheidungsspiel des Verlierers gegen die Cardinals um die Wild Card und dann erst das Wild-Card-Spiel.

Szene der Woche
Eine Eigenheit, die ich am Baseball besonders mag, ist dass es trotz seiner langen und bewegten Geschichte und trotz der sehr hohen jährlichen Anzahl von Spielen fast jede Woche wieder irgendetwas gibt, das so noch nie passiert ist. Das jüngste Beispiel dafür ist Francisco Arcia. Er schrieb in einem ansonsten katastrophal schlechten Spiel seiner Los Angeles Angels gegen die Oakland Athletics Geschichte, indem er als erster Major Leaguer überhaupt im selben Spiel pitchte, catchte und einen Homerun schlug. Arcia startete das Spiel hinter der Platte und übernahm im siebten Inning den Mound, um die Pitcher des Teams zu schonen, nachdem man bereits mit 16 Runs zurück lag. Der 29-jährige Rookie schlug sich nicht schlecht in der ungewohnten Rolle: Zwar erlaubte er zunächst zwei Homeruns, pitchte dann aber ein sauberes achtes Inning. Im neunten Inning blieb er als Batter im Spiel und erzielte gegen Chris Hatcher den Solo-Homerun zum 3:21-Endstand, womit er seinen historischen Nachmittag vervollständigte.

Statistik der Woche
23-31. So lautet die Bilanz der Cleveland Indians gegen Mannschaften, die bei einer Siegquote von .500 oder besser stehen. Das ist erschreckend wenig für ein Team, das insgesamt eine Bilanz von 89-69 aufweist und das vor knapp zwei Wochen als erstes in der ganzen MLB den Gewinn seiner Division perfekt gemacht hat. Die Zahlen nähren die Zweifel daran, dass die Indians so gut sind wie sie in der Tabelle dastehen. Mit diesen Zweifeln müssen sie das ganze Jahr schon leben, weil sie in ihrer AL Central auf keine echten Prüfsteine getroffen sind und ihnen der Gruppensieg quasi in den Schoß gefallen ist. Ob sie in den Playoffs mit den weniger umstrittenen Top-Teams mithalten können, muss sich auf dem Platz zeigen. Die Houston Astros, der Gegner der Indians in der ALDS, haben eine Bilanz von 41-38 gegen Teams, die bei mindestens .500 stehen. Führend in dieser Statistik sind übrigens die Los Angeles Dodgers mit einer Bilanz von 50-38.

Spiel der Woche
Über die Toronto Blue Jays konnte man dieses Jahr nicht viel Positives berichten, aber gegen die Tampa Bay Rays haben sie Donnerstagnacht ein ganz fantastisches Spiel oder sagen wir besser: ein ganz fantastisches neuntes Inning hingelegt. Am Anfang der Partie waren sie auch nicht schlecht, immerhin hielten sie die Rays drei Innings lang ohne Hit und gingen durch einen 2-Run-Homerun von Rowdy Tellez in Front. Doch im vierten Inning glich Tampa Bay aus, holte sich im sechsten Durchgang die Führung und zog im siebten mit fünf Runs auf ein scheinbar vorentscheidendes 8:2 davon. Nun war es an dem jungen Blue-Jays-Team – sechs der neun Spieler hatten den größten Teil der Saison in der Minor League verbracht –, Charakter zu zeigen und genau das tat es. Sieben Runs markierten das höchste Comeback im letzten Inning in Torontos 42-jähriger Teamgeschichte. Die entscheidenden Hits zum Ausgleich – Doubles von Dwight Smith und Rowdy Tellez, Homeruns von Danny Jansen und Lourdes Gurriel Jr. – wurden allesamt von Rookies beigesteuert. Der finale Akt war dem Routinier Justin Smoak vorbehalten. Er schlug direkt den nächsten Pitch nach Gurriels Homerun zum Walkoff über den Zaun, weil, so Manager John Gibbons, „wir keine Extra-Innings spielen wollten“.

Mein Einschalttipp
Sicher, es stehen an diesem Abschlusswochende der regulären Saison wichtigere Spiele an als eine Partie der New York Mets gegen die Miami Marlins. Genauer gesagt ist das schon seit Monaten eine der unbedeutendsten Paarungen der Liga, weil beide Teams schon sehr lange jede Hoffnung auf eine erfolgreiche Saison verspielt haben. Trotzdem wird das Spiel dieser beiden Teams Samstagnacht ab 1:10 Uhr ein ganz besonderes. Es ist das Abschiedsspiel für einen der großen Spieler seiner Zeit, dessen Karriere leider viel zu früh endet. David Wright, jahrelang Team Captain sowohl der Mets als auch der US-Nationalmannschaft, wird nach über zwei Jahren Verletzungspause noch einmal das Trikot anziehen und als Third Baseman in der Startformation stehen. Damit wird der siebenfache All-Star, zweifache Gold-Glove- und zweifache Silver-Slugger-Gewinner seine aktive Laufbahn abschließen, weil nach zahlreichen Versuchen und Bemühungen um sein Comeback klar geworden ist, dass der Körper – insbesondere der Rücken – einfach nicht mehr mitspielt. Das ist traurig, aber es ist ein Trost für Wright und seine zahlreichen Fans, dass er die Gelegenheit erhält, sich am Samstag in würdigem Rahmen vor ausverkauftem Haus zu verabschieden. Auf DAZN kommt das Spiel zwar nicht, aber dank der eingangs erwähnten Wochenend-Aktion von mlb.tv kann jeder es sehen.

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September 20th, 2018 by Silversurger

Neun bis elf Spiele noch, dann ist für alle Teams die reguläre Saison der MLB beendet. Mit Spannung bis zum Schluss ist durchaus zu rechnen, allerdings bezieht sich diese auf nur noch eine Handvoll offener Fragen im Hinblick auf das Playoff-Bild. In der American League stehen die Teilnehmer an der Postseason schon lange fest, inzwischen lassen sich auch die konkreten Paarungen der ersten Runde so gut wie sicher absehen. In der National League stehen noch ein paar mehr Entscheidungen aus, aber zumindest was die reine Teilnahme an den Playoffs angeht, sind es realistisch betrachtet nur noch zwei Teams, die sich um den letzten freien Platz in der Meisterschaftsrunde streiten. Der Grand Slam am Donnerstag konzentriert sich daher heute ganz auf das Playoff-Bild und die noch offenen Fragen.

National League
Als Sieger der National League East werden die Atlanta Braves (84-68) in die Playoffs einziehen. Dabei haben sie Glück, dass die Konkurrenz innerhalb der Division recht schwach ist, denn in jeder anderen Division wären sie mit ihrer Bilanz bestenfalls Zweiter. In der ersten Playoff-Runde, der National League Divisional Series (NLDS), werden die Braves aller Voraussicht nach auf den Sieger der NL West treffen. Das wären nach derzeitigem Stand die Los Angeles Dodgers (85-68). Die Dodgers haben über die letzten drei Tage die Colorado Rockies (82-70) gesweept und damit wohl den entscheidenden Big Point gelandet, um nach einer turbulenten Saison wahrscheinlich doch noch den Divisionssieg einzufahren (siehe „Spiel der Woche“).

Die Rockies laufen derweil Gefahr, am Ende mit leeren Händen dazustehen, denn sowohl in der Division als auch im Wild-Card-Ranking hätten sie momentan das Nachsehen. Ihre größte Hoffnung dürfte darin bestehen, die St. Louis Cardinals (84-69) noch abzufangen. Diese haben zurzeit noch eineinhalb Spiele Vorsprung. Das halbe der eineinhalb Spiele entzieht sich allerdings ihres Einflusses, denn es rührt daher, dass die Rockies noch eine Partie mehr zu absolvieren haben als die Cardinals. Beide Teams haben ein schwieriges Restprogramm: Die Rockies treffen noch auf die Arizona Diamondbacks (79-74), die Philadelphia Phillies (78-73) und die Washington Nationals (77-75) – drei Clubs, die alle so gut wie sicher aus dem Rennen sind, aber wohl mit dem Mute der Verzweiflung um ihre letzte theoretische Chance kämpfen werden. Die Cardinals haben zwar erstmal „nur“ die San Francisco Giants (72-81) vor sich, müssen aber zum Abschluss Serien gegen die Chicago Cubs (89-63) und die Milwaukee Brewers (87-66) spielen (siehe „Einschalttipp“).

Die Cubs und die Brewers wetteifern noch um die NL Central, der Unterlegene wird ziemlich sicher im Wild-Card-Spiel stehen. Nach derzeitigem Stand würde die NL Central quasi ihre eigenen Playoffs spielen: Zuerst träfen die Brewers und die Cardinals in der Wild-Card-Runde aufeinander. Anschließend würde der Sieger auf das beste NL-Team der regulären Saison treffen, was derzeit die Cubs sind.

American League
Die Boston Red Sox (103-49) haben zuletzt zwei Niederlagen gegen die New York Yankees (93-58) einstecken müssen, aber ihre Magic Number für den Divisionssieg liegt nur noch bei 2. Mit einem Sieg im heutigen dritten Spiel gegen die Yankees können sie die letzten Zweifel beseitigen und selbst wenn dieser nicht gelingt, wird ihnen niemand mehr die American League East ernsthaft streitig machen. Auch dass die Red Sox am Ende die beste Bilanz der gesamten AL haben werden, darf als sicher gelten und somit, dass sie in der ALDS auf den Gewinner des Wild-Card-Spiels treffen.

Das Wild-Card-Spiel tragen die Yankees und die Oakland Athletics (91-61) untereinander aus, auch das steht quasi fest. Die einzige offene Frage vor den Playoffs der AL ist, wer in diesem Spiel Heimrecht haben wird. Das ist keine unerhebliche Frage, denn die beiden Teams stammen von entgegengesetzten Enden der USA und das Gastteam muss eine Anreise von Küste zu Küste auf sich nehmen. Die Trümpfe liegen derzeit klar bei den Yankees: Sie haben zweieinhalb Spiele Vorsprung auf die Athletics und noch ein Spiel mehr zu absolvieren. Daher müssen die A’s sich wohl darauf einrichten, dass die Partie um die Wild Card im Yankee Stadium stattfinden wird. Wenigstens können sie sich mit dem Gedanken trösten, dass die Reise an die Ostküste bei einem erfolgreichen Playoff-Run früher oder später ohnehin nötig geworden wäre; denn wenn die Athletics die Yankees überwinden, geht es anschließend nach Boston.

In der AL Central stehen die Cleveland Indians (85-66) schon lange als Divisionssieger fest – übrigens mit exakt der gleichen aktuellen Bilanz wie sie die Tampa Bay Rays (85-66) haben, die in der AL East keine Chance auf die Postseason haben. In der ALDS-Runde treffen die Indians aller Voraussicht nach auf den Titelverteidiger, die Houston Astros (95-57). Die Astros haben in Bezug auf die AL West noch eine Magic Number von 7, aber ich sehe kein ernsthaftes Szenario, in dem sie sich den Divisionssieg nehmen lassen. Mit den Los Angeles Angels (75-77), den Toronto Blue Jays (69-83) und am Schluss viermal den Baltimore Orioles (44-108) haben die Astros ein Restprogramm, das man bei allem Respekt für die Gegner als bequem bezeichnen darf.

Szene der Woche
Die Szene der Woche besteht aus vier Teilen – der Baseballkenner ahnt schon, was das bedeutet: Es gab mal wieder einen Cycle in der MLB, also einen Single, einen Double, einen Triple und einen Homerun durch einen Spieler im gleichen Spiel. Das ist ein seltenes Ereignis, in diesem Jahr kam es erst dreimal vor. Entsprechend noch viel seltener kommt es vor, dass ein Spieler seinen zweiten Cycle innerhalb einer Saison schlägt. Christian Yelich von den Milwaukee Brewers gelang dies am Montag als erst dritter Spieler in der Geschichte der Liga. Eines schaffte er sogar als Allererster: Noch nie zuvor hatte ein Spieler zwei Cycles in einer Saison gegen dasselbe Team erzielt. Yelich hat es geschafft und sich damit bei den Cincinnati Reds sicher nicht beliebt gemacht.

Statistik der Woche 
0. So viele Plate Appearances von Pitchern gab es letzten Samstag im Spiel der Miami Marlins gegen die Philadelphia Phillies (4:5). Beide Teams wechselten ihre Pitcher konsequent gegen Pinch Hitter aus, sobald sie am Schlag gewesen wären. Insgesamt kamen 15 Pitcher zum Einsatz, sieben für die Marlins und acht für die Phillies. Es war das erste MLB-Spiel seit mindestens dem Jahr 1900, in dem weder ein Pitcher noch ein Designated Hitter an den Schlag ging.

Spiel der Woche
Die Partie letzte Nacht zwischen den Los Angeles Dodgers und den Colorado Rockies war vermutlich die entscheidende um den Gruppensieg in der NL West. Die Rockies waren als Tabellenführer in die Serie gegangen, hatten jedoch nach Niederlagen in den ersten beiden Spielen den Spitzenrang räumen müssen. Nun galt es im dritten Spiel der Serie, das Schlimmste zu verhindern und den Abstand zu den Dodgers knapp zu halten. Mit zwei Runs gegen Walker Buehler, den starken Rookie der Dodgers, erwischten die Rockies einen guten Start. Doch Buehler fing sich und brachte es letztlich auf sechs Innings, keine weiteren Runs und 12 Strikeouts. Ein Solo-Homerun von Matt Kemp sowie ein RBI-Double von Brian Dozier gegen Colorados Starter Tyler Anderson glichen die Partie aus und alles war wieder offen – bis zum großen Auftritt von Yasiel Puig. Puig kam im siebten Inning als Pinch-Hitter und sah in dem Spiel nur zwei Pitches. Den zweiten schlug er in hohem Bogen über das linke Centerfield zu einem Drei-Run-Homerun, der letztendlich den Unterschied zwischen den beiden Teams bedeutete. Man beachte beim Anschauen der Szene auch, wie Puig in ebenso hohem Bogen seinen Schläger hinterher wirft. Durch den 5:2-Sieg haben die Dodgers nun zweieinhalb Spiele Vorsprung, die schwer aufzuholen sein dürften.

Mein Einschalttipp
Da in der AL nahezu alles klar ist, muss der Blick des allgemein interessierten MLB-Fans sich diese Woche auf die NL richten. Eine besonders interessante Serie spielen von Montag bis Mittwoch die Brewers gegen die Cardinals. Für die Cardinals geht es in jedem Fall um den Wild-Card-Platz, für die Milwaukee Brewers vielleicht um noch mehr: Je nachdem, wie die Spiele der Brewers gegen die Pirates (und die der Cubs gegen die White Sox) am Wochenende laufen, haben die Brewers vielleicht noch Chancen, die NL Central zu gewinnen. Vielleicht müssen sie aber auch um das Heimrecht bangen, das sie zurzeit im Wild-Card-Spiel hätten. Die Cardinals würden in den drei Heimspielen der Serie dann sicher alles dafür geben, eine Woche später an gleicher Stelle gegen den gleichen Gegner spielen zu dürfen. Leider wird es einem in Deutschland nicht leicht gemacht, dieser wichtigen und interessanten Serie zu folgen: Erstens finden alle Spiele nach unserer Zeit mitten in der Nacht statt, zweitens wird die Serie von DAZN komplett ignoriert. Erfreulicherweise wird aber die erste Partie (Montagnacht ab 2:15 Uhr) das kostenlose Spiel des Tages auf mlb.tv sein. Als Pitcher werden voraussichtlich Chase Anderson (3.93 ERA, 5.21 FIP) für Milwaukee und Austin Gomber (3.63 ERA, 3.71 FIP) für St. Louis auflaufen.

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September 6th, 2018 by Silversurger

Zum wahrscheinlich letzten Mal in dieser Saison beginne ich den wöchtentlichen Rundumblick zur MLB mit Trade-Nachrichten. Kurz vor der endgültigen Deadline am 31. August, nach der keine Spieler mehr getradet und in den Playoffs eingesetzt werden dürfen, haben sich vor allem die New York Yankees und die Milwaukee Brewers noch einmal verstärkt. Die Yankees haben Outfielder Andrew McCutchen aus San Francisco und Shortstop Adeiny Hechavarria aus Pittsburgh geholt und sich somit mit zwei erfahrenen Spielern ausgestattet, um sich auf  Positionen abzusichern, auf denen sie Verletzungsorgen haben. Die Brewers haben ebenfalls zweimal nachgelegt, zum einen mit Pitcher Gio Gonzalez von den Washington Nationals, zum anderen mit Outfielder Curtis Granderson von den Toronto Blue Jays. Mit Third Baseman Josh Donaldson verließ ein weiterer Star die Blue Jays in Richtung Cleveland. Dieser Trade sorgte für etwas Verwunderung, erstens weil Donaldson noch verletzt ist und zweitens weil die Indians in Jose Ramirez bereits einen der besten Third Basemen der Liga unter Vertrag haben. Der Plan ist wohl, Ramirez an der zweiten Base einzusetzen, sobald Donaldson einsatzfähig ist.

Der letzte Monat der regulären Saison ist derweil in vollem Gange, wobei in der AL im Prinzip schon alles klar ist: Jede Änderung am aktuellen Playoffbild mit den Red Sox, den Indians und den Astros als Divisionssieger sowie den Yankees und den Athletics als Gegner im Wild-Card-Spiel käme einem Wunder gleich. Dafür geht es in der NL nach wie vor sehr spannnend zu. Nur eine Division ist mehr oder weniger entschieden, um die beiden anderen sowie vor allem um die Wild Cards wird noch eifrig gerungen.

National League
Die Atlanta Braves (76-63) hatten keine gute Woche. Sechs der letzten acht Spiele gingen verloren, zuletzt setzte es einen Drei-Spiele-Sweep gegen die Red Sox mit einer besonders frustrierenden Niederlage zum Abschluss (siehe „Spiel der Woche“). Die Spitzenposition in der National League East wurde dadurch kaum beschädigt, denn den Philadelphia Phillies (73-66) erging es nicht besser als ihnen. Seit nunmehr fünf Wochen haben die Phillies keine Serie mehr gewonnen. Mit drei Spielen Rückstand auf die Braves und viereinhalb auf die Wild-Card-Plätze ist die Saison für Philadelphia theoretisch noch nicht gelaufen, aber praktisch machen sie auf mich den Eindruck, dass da nicht mehr viel kommen wird. Wahrscheinlich belehren sie mich prompt eines Besseren, wenn sie am Wochenende dreimal bei meinen New York Mets (63-76) antreten.

Relativ sicher dürfen sich inzwischen die Chicago Cubs (82-57) in der NL Central fühlen. Beim Verfolger Milwaukee Brewers (79-62) standen sie kurz davor, gesweept zu werden. Dann wäre das Rennen noch mal richtig spannend geworden, aber durch Chicagos 6:4-Sieg im dritten Spiel wurde wieder ein Abstand von vier Spielen hergestellt. Von Montag bis Mittwoch kommt es noch einmal zum Duell der beiden Teams, dieses Mal in Chicago. Das dürfte dann die letzte Chance der Brewers sein, noch mal einen Angriff auf die Divisionsspitze zu starten. Realistischer erscheint, dass sie sich bis zum Schluss mit den St. Louis Cardinals (78-62) um die Wild Card streiten. In drei Wochen, kurz vor dem Saisonende, treffen St. Louis und Milwaukee noch einmal direkt aufeinander. Vielleicht geht es dann aber auch nur noch um das Heimrecht im Wild-Card-Spiel, denn nach derzeitigem Stand wären beide für die Teilnahme an dem Spiel qualifiziert.

Die ernstzunehmenden Verfolger der Cardinals und der Brewers finden sich allesamt in der NL West, haben derzeit aber vermutlich gar keine Zeit und Lust, sich mit der Wild-Card-Frage zu beschäftigen. Zwischen den Colorado Rockies (77-62), den Los Angeles Dodgers (76-64) und den Arizona Diamondbacks (75-64) geht es nämlich so eng zu, dass alle drei sich noch berechtigte Hoffnungen machen, die Playoffs auf dem Königsweg als Divisionssieger zu erreichen. Die Rockies haben nach fünf Siegen in Folge derzeit knapp die Nase vorn, während die Dodgers zwar das direkte Duell gegen die Diamondbacks 3:1 gewonnen, dann aber eine Serie 1:2 an die Mets abgegeben haben. Erfreulicherweise stehen für den Rest der Saison noch zahlreiche direkte Aufeinandertreffen in dem Dreikampf um die NL West an. Die Rockies haben es in der Hand, sich in der kommenden Woche aus eigener Kraft ein Polster zu verschaffen, denn von Freitag bis Sonntag müssen die Dodgers und von Montag bis Donnerstag die Diamondbacks im Coors Field antreten.

American League
In den kommenden Tagen werden die Boston Red Sox (97-44) wohl ihren hundertsten Sieg einfahren und dann ist noch eine ganze Menge Saison übrig. Immerhin müssen sie sich keine Sorgen machen, bis zu den Playoffs nicht mehr gefordert werden, denn mit den Astros, den Indians und zweimal den New York Yankees (87-53) warten auf sie noch fast alle Gegner, mit denen sie es in den Playoffs der AL zu tun bekommen könnten. In der American League East sind mit gehörigem Abstand auch die New York Yankees noch auf Kurs für eine 100-Siege-Saison. Die letzten zehn Tage waren allerdings ein ziemlicher Dämpfer aus Sicht der New Yorker mit verlorenen Serien gegen die White Sox und die Athletics sowie einem Split gegen die Tigers. Vor allem das Duell mit den Athletics war interessant, denn aller Wahrscheinlichkeit wird das auch die Paarung des Wild-Card-Spiels sein. Inwiefern die Resultate dieser Serie etwas aussagen oder ob möglicherweise beide Teams dem Gegner bewusst nicht alles gezeigt haben, darüber kann man freilich nur spekulieren.

Die Cleveland Indians (79-60) langweilen sich in der AL Central nach wie vor zu Tode. Nachdem die Minnesota Twins (63-76) gerade fünfmal in Folge verloren haben, ist der schon lange unüberbrückbare Abstand zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten auf mittlerweile 16 Spiele angewachsen. Ein Ende der Langeweile ist in Form der Playoffs in Sicht, bis dahin müssen die Indians aber weiterhin viel Geduld und Nachsicht aufbringen und dabei den Fokus nicht verlieren: In den verbleibenden dreieinhalb Saisonwochen spielen sie nur noch eine einzige Serie gegen ein Team, das mit ihnen in die Postsason einziehen wird (die Red Sox).

Die Houston Astros (87-53) haben sich vor rund zwei Wochen ein kleines Zwischentief gegönnt, sitzen aber inzwischen in der AL West wieder fest im Sattel nach Siegen in den letzten fünf Spielen und in 12 der letzten 15. Mit dreieinhalb Spielen Rückstand haben die  Oakland Athletics (84-57) noch eine Außenseiterchance, insbesondere falls die A’s souverän die anstehende Pflichtaufgabe gegen die Texas Rangers (61-79) erledigen sollten, während die Astros die schwierige Auswärtsserie in Boston spielen müssen. Ein bisschen Träumen ist erlaubt für die Athletics, denn im Hinblick auf das Minimalziel Wild Card scheint von den Seattle Mariners (78-62) inzwischen keine ernsthafte Gefahr mehr zu drohen. Bei den Los Angeles Angels (68-72) gibt es derweil neue Sorgen um das japanische Super-Talent Shohei Ohtani: Nach langer Verletzungspause, durch die man mit konservativen Methoden um eine Tommy-John-Surgery herumkommen wollte, stand Ohtani am Sonntag erstmals wieder auf dem Mound. Im dritten Inning der 2:4-Niederlage in Houston ließ er sich mit Schmerzen auswechseln und die berüchtigte Operation steht nun doch wieder im Raum.

Szene der Woche
Vor ein paar Wochen hatte ich hier eine Szene erwähnt, in der Max Muncy im Dodger Stadium bei einem verpassten Catch auf dem Schoß eines Fans in der ersten Reihe landete. An fast der gleichen Stelle setzte am Montag auch Mets-3B Todd Frazier zu einem beherzten Sprung an und im Gegensatz zu Muncy gelang ihm das Out. Jedenfalls dachten das alle Beteiligten in dem Moment, denn Frazier rappelte sich hoch, präsentierte kurz den Ball in seinem Handschuh und warf ihn dann scheinbar achtlos hinter sich. Erst einen Tag später kam die Wahrheit heraus: Frazier hatte den Ball nicht gefangen. Stattdessen hatte er sich einen weißen Gummmiball gegriffen, der zufällig auf der Ablage vor dem Sitzplatz gelegen hatte, und diesen ganz bewusst nur andeutungsweise präsentiert, bevor er ihn schnell weiter gab. Schlitzohrig oder unverschämt? Ich weiß nicht ganz, was ich von der Sache halten soll. Zum einen kann ich darüber lachen, zum anderen ist es aber auch eine Art Betrug und die Aufregung wäre zurecht groß, wenn es die entscheidende Szene eines wichtigen Spiels gewesen wäre – was zum Glück nicht der Fall war. Die Liga hat bisher übrigens nicht verlauten lassen, ob Frazier eine Strafe droht.

Statistik der Woche 
25. So viele Starts hat Jacob deGrom hintereinander absolviert, ohne in einem davon mehr als drei Runs zuzulassen. Das ist nicht nur ein starkes Argument dafür, ihm den Cy-Young-Award zuzusprechen, sondern auch MLB-Rekord. Der bisherige Rekordhalter war übrigens ebenfalls ein Met: Dwight „Doc“ Gooden war es 1985 gelungen, 24 Starts in Folge mit drei Runs oder weniger zu pitchen. Gleichzeitig brach deGrom einen anderen Rekord, der ihm vermutlich weniger Spaß macht: Das Spiel bei den Dodgers am Montag war sein neunter Start in diesem Jahr, in dem er mindestens sechs Innings absolvierte, höchstens einen Run zuließ und dennoch nicht den Pitcher-Win zugesprochen bekam. Es war übrigens auch der zweite Start in Folge, in dem sein Team genau einen Run auf die Anzeigetafel brachte, während deGrom im Spiel war – und beide Male erzielte er selbst den RBI.

Spiel der Woche
Die Wahnsinns-Saison der Boston Red Sox hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Gestern Abend in Atlanta sah es erst mal nach einem miesen Tag für die Red Sox aus, als sie nach sieben Innings mit 1:7 hinten lagen, was vor allem auf einen katastrophalen Relieve-Auftritt von Drew Pomeranz sowie eine durch Braves-Pitcher Mike Foltynewicz weitgehend abgemeldete Offensivabteilung zurückzuführen war. Doch im achten Inning wachten die Red Sox auf und vollbrachten das höchste Comeback des Jahres, indem sie auf 7:7 ausglichen. Die Braves – oder zumindest Freddie Freeeman – überwanden den Schock schnell und gingen durch Freemans Solo-Homerun prompt wieder in Führung. Im neunten Inning fehlte Atlanta nur noch ein einziges Out zum Sieg, als Boston Brandon Philipps an die Platte schickte – den frisch verpflichteten Veteranen in seinem ersten MLB-Spiel der Saison. Philipps schlug gleich den ersten Pitch zum Homerun, brachte Baserunner Andrew Benintendi mit nach Hause und nach dem Save durch Closer Craig Kimbrel war der 97. und definitiv der spektakulärste Sieg des Jahres unter Dach und Fach.

Mein Einschalttipp
Heute richtet sich mein Tipp mal in besonderer Weise an alle, die sich bisher nicht durchringen konnten, ein Abo bei mlb.tv oder bei DAZN abzuschließen, um regelmäßig die MLB zu verfolgen. Wie hoffentlich allseits bekannt ist, bietet mlb.tv jeden Tag ein „Free Game of the Day“ an, das man sich kostenlos anschauen kann. Das sind meistens nicht die Top-Partien, manchmal aber doch: In der Nacht von Montag auf Dienstag könnt ihr auf diesem Wege eines der Spitzenduelle der NL West sehen. Ab 2:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit treffen die Colorado Rockies auf die Arizona Diamondbacks. Starting Pitcher werden voraussichtich Zach Godley (4.51 ERA, 3.75 FIP) für die Diamondbacks und German Marquez (4.05 ERA, 3.63 FIP) für die Rockies sein.

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