Juli 30th, 2020 by Silversurger

Wer gehofft hatte, dass die MLB-Saison 2020 inmitten der Pandemie glatt durchläuft, sieht sich leider schon nach einer Woche getäuscht: Ein massiver Ausbruch von Covid-19-Fällen bei den Miami Marlins führte dazu, dass deren Spiele seit Montag für mindestens eine Woche ausgesetzt sind. Vorsichtshalber wurde auch die Serie der Phillies gegen die Yankees verschoben, da die Phillies der letzte Gegner der Marlins waren. Stattdessen zog man eine Serie zwischen den Yankees und den Orioles, den beiden ursprünglich vorgesehenen Gegnern der Marlins und Phillies, im Spielplan nach vorne.
Die Fortsetzung der Saison ist nach Aussagen von Ligachef Rob Manfred nicht in Gefahr – mit vereinzelten Ausbrüchen wie diesem sei zu rechnen gewesen und man sei überzeugt, mit den bestehenden Test- und Hygieneregeln den richtigen Weg gewählt zu haben. Etwas anderes kann er ja auch kaum sagen, und immerhin gab es bei den 29 anderen Teams außer den Marlins seit 6 Tagen keine positiven Covid-19-Befunde mehr. 
Um die Spielausfälle aufzufangen, wird es später in der Saison voraussichtlich verstärkt zu Doubleheadern kommen, also zu zwei Spielen an einem Tag. Die Liga und die Spielergewerkschaft verhandeln zurzeit, ob man diese Spiele auf je 7 Innings verkürzt, um die Belastung für die Spieler zu reduzieren. 

American League
Über Bilanzen und Tabellenstände lohnt es sich nach den wenigen Spielen noch nicht zu sprechen. Erfreulich fand ich, dass schon nach drei Tagen jedes MLB-Team mindestens einen Sieg und eine Niederlage auf dem Konto hatte. Den besten Start von allen AL-Teams hatten die Minnesota Twins (4-1), die nach fünf Spielen schon ein Run Differential von +17 aufweisen. Der Gegenpart sind die Seattle Mariners (2-4) mit einem Run Differential von -18, aus dem sie aber immerhin schon zwei Siege eingefahren haben. 

Leider gibt es auch schon ein paar empfindliche Ausfälle durch Verletzungen zu melden. Beide Teams aus Texas müssen bis auf Weiteres auf ihr Pitching-Ass verzichten: Justin Verlander von den Houston Astros hat sich eine Zerrung im Unterarm zugezogen; Meldungen, dass dies sein Saisonende bedeute, bestritt Verlander, aber er wird auf jeden Fall für einige Wochen ausfallen. Bei Corey Kluber von Texas Rangers ist im ersten Inning des ersten Spiels ein Schultermuskel gerissen. Auch für ihn ist im schlechtesten Fall die Saison gelaufen, bestenfalls kann er in vier Wochen wieder werfen. 

Die Toronto Blue Jays haben übrigens endlich eine Heimat für diese Saison gefunden. Nach langem Hin und Her entschied man sich dafür, die Heimspiele im Ballpark der Buffalo Bisons, dem Triple-A-Team der Blue Jays, durchzuführen. Allerdings müssen noch Arbeiten an der Infrastruktur des Stadions durchgeführt werden, sodass dort erst ab voraussichtlich 11. August gespielt wird. Bis dahin tragen die Blue Jays ihre „Heimspiele“ in den Stadien der eigentlichen Auswärtsteams in Washington und Philadelphia aus.

National League
In der National League, speziell der NL East, ist das Bild durch die Spielausfälle bei den Phillies (1-2) und den Marlins (2-1) noch sehr schief. Bei den Marlins wurden mittlerweile 16 Spieler und 2 Betreuer positiv auf das Coronavirus getestet. Die Spiele des Klubs sind bis vorerst Montag abgesagt. Ob die Marlins am Dienstag in den Spielbetrieb zurückkehren und ob sie noch das volle 60-Spiele-Programm absolvieren werden, ist völlig offen. Die Phillies sollen, nachdem sie in den Spielen gegen die Marlins offenbar von Ansteckungen verschont geblieben sind, ab Samstag wieder ins Geschehen eingreifen, beginnend mit einem Doubleheader gegen die Blue Jays. [Nachtrag: Weniger als zwei Stunden nach Veröffentlichung dieses Artikels wurde bekannt, dass die Phillies leider doch einen Coronafall haben. Die Serie gegen die Blue Jays wird verschoben.]

Für die beiden überraschendsten Personalnachrichten der ersten MLB-Woche sorgten die Atlanta Braves (3-3). Am Dienstag entließen sie ihren Starter Mike Foltynewicz. Vor zwei Jahren war Foltynewicz noch ein All-Star und die Nummmer eins in der Braves-Rotation, doch nach einem schwachen Jahr 2019 inklusive Abstecher in die Minor Leagues war der Geduldsfaden der Teamverantwortlichen sehr dünn geworden. Ein einziger schlechter Start am Montagabend genügte ihnen, um die Hoffnung auf einen Rebound ihres einstigen Asses aufzugeben. Mindestens ebenso überraschend kam letzte Nacht die Meldung einer Rückkehr: Outfielder Nick Markakis hatte vor drei Wochen die Option wahrgenommen, diese Saison wegen des Coronavirus auszusetzen. Doch der 36-Jährige bereute seine Entscheidung, als er die Spiele seines Teams im Fernsehen sah. Kurzerhand besprach er sich mit seiner Familie und mit General Manager Alex Anthopoulos, und da alle einverstanden waren, wird er in den nächsten Tagen doch noch zum Team stoßen.

Den ersten größeren Brawl der Saison gab es auch schon: Zwischen den Los Angeles Dodgers (4-2) und den Houston Astros (3-3) brach am Dienstag eine Rangelei aus, nachdem Dodgers-Reliever Joe Kelly mehrere Gegenspieler abzuwerfen versuchte und Astros-Shortstop Carlos Correa nach einem Strikeout „Nice swing, bitch!“ zurief. Kelly wurde von der MLB für acht Spiele gesperrt, zudem wurden Dodgers-Manager Dave Roberts mit einer Sperre von einem Spiel und Astros-Manager Dusty Baker mit einer Geldstrafe bedacht.

Szene der Woche
Eigentlich gibt es ja kaum ein passenderes Sinnbild für dieses ziemlich verkorkste Jahr als den – ebenfalls ziemlich verkorksten – zeremoniellen ersten Pitch der Saison durch Dr. Anthony Fauci, den Chef-Epidemiologen der USA:

Aber viel lieber als über Epidemien und verkorkste Jahre möchte ich über Baseball reden, und deshalb ist meine Szene der Woche ein anderer erster Pitch – nämlich jener erste Pitch im ersten Spiel der Minnesota Twins, den Max Kepler direkt über das Rightfield hämmerte. So fängt man eine Saison an:

Statistik der Woche 
27 Jahre. So lange dauerte es, bis die Miami Marlins zum ersten Mal in ihrer Teamgeschichte zu einem späteren Zeitpunkt als Juni an der Tabellenspitze der NL East standen. Dass ihnen das mit einem Sieg im Eröffnungsspiel gelungen ist, ist zwar nur eine Momentaufnahme, aber dass sie es vorher so lange geschafft haben, an keinem einzigen Juli-, August- oder Septembertag auf Platz eins zu stehen, finde ich wirklich beeindruckend, vor allem weil sie schon zwei World Series gewonnen haben. In beiden Fällen erreichten sie die Playoffs von Platz zwei aus als Wild-Card-Team.

Spiel der Woche
Das Spiel der Oakland Athletics gegen die Los Angeles Angels vom Freitag verdient eine besondere Erwähnung als die erste MLB-Partie, die nach den neuen Extra-Innings-Regeln in die Verlängerung ging. Matt Olson sorgte dafür, dass sie mit einem Knaller endete, genauer gesagt mit einem Walk-Off Grand Slam zum 7:3, nachdem Marcus Semien als automatischer Runner sowie Ramon Laureano und Khris Davis die Bases geladen hatten. Es war der erste Walk-Off Grand Slam am Opening Day seit 1986, als Jim Pressley die Seattle Mariners zum Sieg schlug – übrigens ebenfalls gegen die Angels. Den letzten Walk-Off Grand Slam für die Athletics in Extra-Innings schlug im Jahr 2008 Mark Ellis gegen – ja genau, die Angels.

Mein Einschalttipp
Die Minnesota Twins (4-1) und die Cleveland Indians (4-2) sind beide vielversprechend in die Saison gestartet. Ab heute Nacht treffen die beiden AL-Central-Kontrahenten in einer 4-Spiele-Serie zum ersten Mal in diesem Jahr aufeinander. Bekommen die Indians mit ihrem traditionell starken Pitching die bombastische Offense der Twins in den Griff? Ich bin gespannt darauf. Vor allem das Spiel am Sonntag bietet sich wegen des europafreundlichen Beginns um 20:10 Uhr unserer Zeit dafür an, mal reinzuschauen. Ihr könnt die Partie sowohl auf mlb.tv als auch auf DAZN verfolgen. Als Starting Pitcher werden voraussichtlich Aaron Civale für die Indians und für die Twins Homer Bailey ins Rennen gehen.

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Juli 16th, 2020 by Silversurger

Aus den USA kommen beinahe täglich neue traurige Rekordmeldungen zur Ausbreitung des Coronavirus. Auch ein paar weitere MLB-Spieler teilten diese Woche mit, dass sie positiv auf Covid-19 gestetet wurden, unter ihnen die Top-Reliever Aroldis Chapman (Yankees) und Kenley Jansen (Dodgers). Zum Glück zeigen, soweit bisher bekannt wurde, alle betroffenen Spieler nur milde Krankheitssymptome. Jeder von ihnen wird so lange isoliert, bis er zwei Tests mit negativem Ergebnis vorzuweisen hat. Allen Widrigkeiten zum Trotz steht der Plan, heute in einer Woche in die verkürzte MLB-Saison 2020 zu starten.

Weitere Spieler sagen ab
Nachdem letzte und vorletzte Woche schon ein paar Spieler die Option wahrgenommen hatten, auf die Saison 2020 zu verzichten, haben sich ihnen inzwischen drei weitere prominente Akteure angeschlossen: Giants-Catcher Buster Posey, White-Sox-Pitcher Michael Kopech und Reliever Jordan Hicks von den Cardinals werden ihren Teams dieses Jahr nicht zur Verfügung stehen.

Puig zu den Braves
Dass Outfielder Nick Markakis von den Atlanta Braves nicht an der Saison teilnimmt, hat sich als goldene Gelegenheit für Yasiel Puig erwiesen. Puig war seit letztem Herbst auf der Suche nach einem neuen Job und hat diesen nun bei den Braves als Vertretung für Markakis gefunden. Finanzielle Details des Einjahresdeals sind bislang nicht bekannt geworden.

Spielplan für 2021 veröffentlicht
Nur eine Woche nach der Bekanntgabe des Spielplans für die MLB-Saison 2020 wurde letztes Wochenende bereits der für das Jahr 2021 veröffentlicht. Das klingt seltsam, aber tatsächlich ist Mitte Juli der übliche Zeitpunkt dafür und daran hat man auch in diesem ungewöhnlichen Jahr festgehalten. Wenn alles nach Plan läuft, wird die Saison am 1. April 2021 mit einem kompletten Spieltag aller 30 Teams eröffnet. Ein paar besonders emotionale Spiele stehen wohl in New York an: Die Yankees und die Mets treffen unter anderem am Nationalfeiertag, dem 4. Juli, in Yankee Stadium aufeinander, sowie in Citi Field am 11. September, dem 20. Jahrestag des Anschlags auf das World-Trade-Center. Dass All-Star-Game wird am 13. Juli in Truist Park in Atlanta stattfinden. Die reguläre Saison endet am 3. Oktober.

Mets-Verkauf geht in heiße Phase
Die Mets könnten bis zum Beginn der nächsten Saison bereits einem neuen Eigentümer oder einer neuen Eigentümergruppe gehören. Die aktuellen Mehrheitseigner, Fred Wilpon und sein Sohn Jeff, haben ein Wettbieten initiiert, bei dem mehreren Berichten zufolge noch vier Bieter im Rennen sein sollen. Als Favorit für den Erwerb einer Mehrheit an dem Klub gilt nach wie vor der New Yorker Milliardär Steve Cohen. Eine Investorengruppe um Josh Harris und David Blitzer ist der zweite aussichtsreiche Mitbieter. Auch eine Gruppe um das Promi-Pärchen Alex Rodriguez und Jennifer Lopez bemüht sich um den Klub, gilt aber gegenüber den beiden eben erwähnten Kandidaten als Außenseiter.

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Juli 9th, 2020 by Silversurger

Heute in zwei Wochen beginnt die MLB-Saison. Zum Eröffnungstag sieht der frisch veröffentlichte Spielplan gleich zwei Knallerbegegnungen vor. Was er nicht vorsieht, ist ein All-Star-Game. Das Schaulaufen der Stars fällt dieses Jahr dem Coronavirus zum Opfer. Der ursprünglich vorgesehene Austragungsort, Dodger Stadium in Los Angeles, wird stattdessen erst 2022 das Event veranstalten.

Die Highlights des Spielplans
Zum Saisonstart treten am 23. Juli die New York Yankees beim Titelverteidiger Washington Nationals an. Dabei könnte es zur Neuauflage eines Pitcherduells aus der letzten World Series kommen, wenn die Yankees Gerrit Cole und die Nationals Max Scherzer ins Rennen schicken. Die zweite Partie am Eröffnungstag ist der Klassiker Los Angeles Dodgers gegen San Francisco Giants. Am Tag darauf – Freitag, den 24. Juli – steigt der Rest der Liga in den Spielbetrieb ein. Das wichtigste Ereignis dieses Tages wird das Heimspiel der Texas Rangers gegen die Colorado Rockies sein, denn es ist das Eröffnungsspiel des neuen Stadions der Rangers, Globe Life Field. Am 13. August wird ein weiterer Ballpark Premiere feiern: das „Field of Dreams“, das zur Ehre des gleichnamigen Films in den Maisfeldern von Iowa errichtet wurde. Ursprünglich sollten dort die Yankees gegen die Chicago White Sox spielen. Da diese Partie im Spielplan nicht vorgesehen ist, treten die White Sox stattdessen gegen die St. Louis Cardinals an. Ihren Abschluss findet die Saison – von möglichen Tiebreaker-Spielen abgesehen – am 27. September, an dem alle Teams gleichzeitig das letzte ihrer 60 Spiele absolvieren. Von den je 60 Partien jeder Mannschaft werden 40 innerhalb der eigenen Division ausgetragen und die restlichen 20 als Interleague-Spiele gegen die entsprechende Division der anderen Liga, also NL East gegen AL East usw. Auf alle anderen Teams kann man lediglich in den Playoffs treffen.

38 Positive in erster Testrunde
Wie im Hygieneplan für die Saison vorgesehen, haben alle Mannschaften ihre Camps mit umfassenden Corona-Tests begonnen. Dabei lief noch nicht alles rund: Mehrere Teams mussten zwischendurch mit dem Training aussetzen, weil die Testergebnisse nicht schnell genug aus dem Labor kamen. Die MLB sucht nun nach zusätzlichen Kapazitäten, um Verzögerungen während der Saison auszuschließen. Die ersten Tests haben bereits einige Infektionen mit dem Coronavirus nachgewiesen, wenngleich immerhin weniger als befürchtet: Von über 3000 im ersten Durchgang getesteten Personen waren 38 corona-positiv, darunter 31 Spieler. Namen werden seitens der Liga nicht genannt, die Spieler entscheiden selbst, ob sie ihre Diagnose öffentlich machen. Braves-1B Freddie Freeman, Yankees-2B DJ LeMahieu, Royals-Catcher Salvador Perez und Red-Sox-Starter Eduardo Rodriguez sind einige prominente MLB-Profis, die offen damit umgehen, an Covid-19 erkrankt zu sein.

Price, Markakis und Weitere verzichten
Nachdem letzte Woche schon Mike Leake, Ian Desmond, Joe Ross und Ryan Zimmerman bekannt gegeben hatten, wegen Bedenken angesichts der Corona-Situation auf ihre Teilnahme an der Saison 2020 zu verzichten, sind inzwischen noch einige Namen hinzu gekommen. Dodgers-Pitcher David Price, Braves-3B Nick Markakis, Braves-Pitcher Felix Hernandez, Nationals-Catcher Welington Castillo und Free-Agent-Pitcher Tyson Ross werden dieses Jahr nicht spielen. Angels-Outfielder Mike Trout und Phillies-Pitcher Zack Wheeler haben das Training mit ihren Teams aufgenommen, denken aber offen darüber nach, aus Rücksicht auf ihre schwangeren und dadurch besonders gefährdeten Frauen die Saison für sich abzusagen oder vorzeitig zu beenden.

Blue Jays in Toronto
Für die Toronto Blue Jays war letzte Woche die Frage noch offen, ob sie aus den USA ohne Quarantäne in ihre Heimatstadt zurückkehren können. Inzwischen haben sie die entsprechende Genehmigung der kanadischen Behörden erhalten und bereiten sich in Rogers Centre auf die Saison vor. Ob sie dort auch ihre Heimspiele austragen können, ist allerdings noch nicht geklärt. Dazu bräuchten sie sowohl für sich selbst als auch für die Gastmannschaften eine weitere Ausnahmeerlaubnis, die bisher noch aussteht.

Indians erwägen Namensänderung
Die einzige Meldung der Woche ohne Coronabezug: Im Zuge der gesellschaftlichen Bewegung in den USA, bei direktem und indirektem Rassismus genauer hinzusehen und Veränderungen einzufordern, hat auch die Diskussion um den Teamnamen der Cleveland Indians wieder Fahrt aufgenommen. Der Klub, der sich vor zwei Jahren von dem stereotypen Logo „Chief Wahoo“ verabschiedete, hat in einer Stellungnahme angekündigt, seinen 105 Jahre alten Namen auf den Prüfstand stellen zu wollen. Dazu würde mich die Meinung der Baseblog-Leser interessieren, besonders die der Fans der „Indianer von Cleveland“. Wie sehr hängt ihr an dem Namen und könnt ihr verstehen, wenn jemand mit ihm ein Problem hat? Habt ihr vielleicht schon einen Favoriten für einen neuen Namen?

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April 23rd, 2020 by Silversurger

Die MLB-Saison steht nach wie vor in den Sternen, aber dennoch hat sich in den letzten Tagen einiges getan in der Baseball-Welt. Die langwierigen Untersuchungen der Sign-Stealing-Vorwürfe gegen die Boston Red Sox wurden abgeschlossen und das Strafmaß verkündet. In den geplanten Verkauf der New York Mets kommt offenbar Bewegung und auch in den Minor Leagues gibt es interessante Entwicklungen. In Taiwan läuft seit zwei Wochen der Spielbetrieb, Südkorea soll in Kürze folgen.

Milde Strafe für Red Sox
Vor Corona war das große Thema dieser Offseason der Sign-Stealinng-Skandal um die Meisterteams von 2017 und 2018. Die Houston Astros wurden im Januar von der Liga zu heftigen Strafen verurteilt, weil sie in der Saison 2017 ein umfangreiches System eingesetzt hatten, um die Zeichen zwischen gegnerischen Catchern und Pitchern auszuspionieren. Vielen gingen diese Strafen nicht weit genug, weil die beteiligten Spieler ungeschoren davon kamen und weil die Astros den Meistertitel behalten durften.

Da es gegen die Boston Red Sox von 2018 ähnliche Vorwürfe gab, strengte die Liga eine weitere Untersuchung an, deren Ergebnis seit Monaten mit Spannung erwartet wurde. Interessant schien vor allem die Rolle von Alex Cora – er war 2017 Bench Coach der Astros und 2018 Manager der Red Sox.

Die MLB hat nun ihre Untersuchungsergebnisse veröffentlicht, und wer ein hartes Durchgreifen gegenüber den Red Sox und Cora erwartet hatte, wird enttäuscht sein: Die Strafen fallen vergleichsweise milde aus, denn die Ligaleitung ist überzeugt, dass es sich im Wesentlichen um Verfehlungen eines einzelnen Angestellten handelte: Replay-Koordinator J. T. Watkins hat dem Bericht zufolge „zumindest in einigen Fällen“ den Videoraum missbraucht, um Spielern des eigenen Teams Tipps zukommen zu lassen. Dafür wird Watkins zwei Jahre lang gesperrt, und dem Klub wird ein Zweitrundenpick in der Draft 2020 aberkannt. Alex Cora erhält eine Sperre für ein Jahr – diese bezieht sich aber ausdrücklich auf sein Mitwirken am Sign-Stealing-System der Astros. Für seine Zeit bei den Red Sox wurde ihm kein Fehlverhalten nachgewiesen.

Minor Leagues werden wohl reduziert
Seit letzten November ist bekannt, dass die MLB erwägt, die Minor Leagues neu zu organisieren und dabei 42 Teams und Standorte aufzugeben. Der Widerstand gegen diese Pläne war groß, da die betreffenden Städte und lokalen Fanbasen an ihren Teams hängen, zumal diese zahlreiche Arbeitsplätze für Spieler und sonstiges Personal verantworten. Nun sieht es laut Berichten unter anderem von Baseball America allerdings so aus, dass die Minor Leagues möglicherweise einlenken und den Plan akzeptieren. Nicht zuletzt durch die Coronakrise ist offenbar die Bereitschaft gestiegen, der Reduzierung zuzustimmen, wenn im Gegensatz stärkere wirtschaftliche Unterstützungen und Garantien für die verbleibenden Teams und Ligen gewährt werden.

Commissioner rechnet mit MLB-Baseball in diesem Jahr
MLB-Commissioner Rob Manfred hat am Dienstag ein neues Statement zur aktuellen Situation veröffentlicht. Konkrete Pläne für eine Aufnahme der MLB-Saison 2020 nannte er nicht, er gehe aber „fest davon aus, dass Baseball in diesem Jahr zurückkehren wird“.

Das wahrscheinlichste Szenario ist nach wie vor eine verkürzte Saison an wenigen Standorten. Zusätzlich zu den Spring-Training-Staaten Arizona und Florida wurde inzwischen Texas als ein weiterer möglicher Austragungsort ins Spiel gebracht. In den drei Staaten zusammen gibt es fünf MLB-Stadien, die alle überdacht sind. Dadurch wäre gewährleistet, dass ohne witterungsbedingte Verzögerungen jeweils mehrere Spiele pro Tag durchgeführt werden könnten – ohne Zuschauer, aber natürlich mit TV-Übertragungen. Ob und wann so ein Plan umgesetzt wird, bleibt offen. Die Sprachregelung ist nach wie vor, dass man die weitere Entwicklung in Bezug auf das Virus abwarten und sehen muss, was möglich ist, ohne jemanden zu gefährden oder zu beeinträchtigen.

Kauft A-Rod die Mets?
Die Eigentümer der Mets, Fred und Jeff Wilpon, sind immer noch gewillt, den Klub zu verkaufen. Durch Corona ist möglicherweise der Preis gesunken, was nun wieder Interessenten auf den Plan ruft. Zu ihnen sollen der ehemalige Yankees-Star Alex Rodriguez und seine Frau Jennifer Lopez gehören. Die beiden könnten sich die Franchise allerdings nicht allein, sondern allenfalls im Rahmen eines Konsortiums leisten. Ihr Vermögen wird auf 700 Millionen Dollar beziffert. Zuletzt war im Dezember ein Deal geplatzt, bei dem Milliardär Steve Cohen einen Mehrheitsanteil von 80% für rund 2,6 Milliarden kaufen wollte. Cohen sprang damals ab, weil die Wilpons kurz vor Abschluss auf Nachverhandlungen bestanden. In der neuen Situation könnte auch er wieder auf den Plan treten.

In Südkorea und Taiwan wird gespielt
Wer es nicht ohne Live-Baseball aushält, kann nach wie vor die taiwanesische CPBL verfolgen. Die Liga reagiert auf das gestiegene internationalen Interesse, indem einige Spiele mit englischem Kommentar auf Twitter gestreamt werden. Die nötigen Links und Infos findet ihr hier.

In Südkorea hat die KBO diese Woche mit Preseason-Spielen angefangen. Der reguläre Ligabetrieb soll am 5. Mai aufgenommen werden. Es gelten strenge Auflagen wie zum Beispiel regelmäßige Virustests, keine Fans im Stadion und – kein Witz – ein striktes Spuckverbot für die Spieler. Ich weiß bislang noch nicht, ob es international verfügbare TV-Streams geben wird, aber ich werde es herausfinden und hier rechtzeitig informieren.

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Dezember 12th, 2019 by Silversurger

In San Diego enden heute die Winter Meetings. Eigentümer, Manager, Scouts und sonstige Offizielle aller MLB- und Minor-League-Teams, dazu Ligavertreter, Spieleragenten und jede Menge Journalisten bevölkerten in den letzten Tagen das Hilton Bayfront Hotel und dessen Umgebung. Die Meetings haben dieses Jahr mit diversen großen Neuigkeiten ihren Ruf als Höhepunkt der Offseason untermauert. Neben der Bekanntgabe neuer Hall-of-Fame-Berufungen und des All-MLB-Teams gab es ein paar interessante Trades und jede Menge Vertragsabschlüsse. Allen voran kamen die drei dicksten Fische des Free-Agent-Pools – Gerrit Cole, Stephen Strasburg und Anthony Rendon – vom Markt. Insgesamt haben die MLB-Klubs innerhalb der sieben Tage seit dem letzten Grand Slam am Donnerstag Spielerverträge im Wert von knapp einer Milliarde Dollar vergeben.

Yankees locken Cole mit Rekordvertrag
Die New York Yankees haben bei ihren Bemühungen um Gerrit Cole großes Durchhaltevermögen bewiesen. Schon 2008 wollten sie ihn haben, wählten ihn in der ersten Draftrunde aus, doch Cole entschied sich damals gegen die frühe MLB-Karriere und für das College UCLA. Zehn Jahre später versuchten sie, ihn per Trade von den Pittsburgh Pirates zu holen, doch die Houston Astros machten das bessere Angebot. Beim dritten Versuch ist es nun endlich gelungen, das Ass in die Bronx zu locken. Erforderlich war dafür ein Vertragsangebot, das Cole zur teuersten Verpflichtung eines Pitchers aller Zeiten macht. 324 Millionen Dollar erhält der 29-Jährige über eine Laufzeit von neun Jahren. Das sind 36 Millionen pro Jahr und somit mehr als eine Million Dollar für jedes einzelne Spiel, das Cole für die Yankees absolvieren wird. Der Vertrag umfasst eine No-Trade-Klausel sowie eine Ausstiegsoption für den Spieler nach fünf Jahren. Die Yankees tragen somit das volle Risiko für den Fall, dass Cole seine zuletzt überragenden Leistungen im Laufe der neun Jahre irgendwann nicht mehr bringen sollte. Solange er sie bringt, ist er jedenfalls eine enorme Verstärkung.

Strasburg bleibt in Washington
Der zweite Top-Pitcher unter den diesjährigen Free Agents bleibt dort, wo er 2010 seine MLB-Karriere begonnen hat und wo er sie wohl auch beenden wird: Stephen Strasburg hat sich mit den Washington Nationals auf einen neuen Vertrag mit einer Laufzeit von sieben Jahren geeinigt. Das garantierte Gehalt für den amtierenden World-Series-MVP beträgt 245 Millionen Dollar, zudem sind diverse Boni für das Erreichen von Einzelawards vorgesehen und ein Trade ohne Zustimmung des Spielers ist vertraglich ausgeschlossen. Verlängerungs- oder Ausstiegsoptionen wurden nicht vereinbart.

Rendon wird ein Angel
Schon vor dem Abschluss mit Strasburg hatten die Nationals durchblicken lassen, dass sie sich finanziell höchstens einen ihrer beiden Top-Free-Agents – Antony Rendon oder eben Strasburg – leisten können. Für Rendon hieß das, dass er sich anderweitig umsehen musste. Er wurde schnell fündig: Es geht an die andere Küste der USA, zu den Los Angeles Angels. Der Third Baseman erhält dort im Wesentlichen den selben Vertrag wie sein ehemaliger Teamkamerad Strasburg in Washington: 245 Millionen Dollar über sieben Jahre, ohne Ausstiegsoption, mit No-Trade-Klausel. Mit Rendon und Mike Trout haben die Angels nun die beiden – nach jährlichem Durchschnittsgehalt – höchstbezahlten Positionsspieler der MLB in ihren Reihen.

Rays schicken Pham nach San Diego
Der interessanteste Trade der Woche wurde schon vor den Winter Meetings eingetütet: Die Tampa Bay Rays und die San Diego Padres tauschen zwei gestandene Outfielder und zudem eine Reihe von Prospects. Die Padres erhalten OF Tommy Pham sowie Minor-League-IF Jake Cronenworth, die Rays bekommen dafür OF Hunter Renfroe sowie Minor-League-SS Xavier Edwards und einen später zu benennenden Spieler. Der 31-jährige Pham ist definitiv der prominenteste Teil des Trades. Mit 13.6 fWAR über die letzten drei Jahre war er einer der effektivsten Outfielder der Liga in diesem Zeitraum. Dass er abgegeben wird, dürfte von Seiten der notorisch sparsamen Rays vor allem Kostengründe haben. Pham ist noch zwei Jahre unter Teamkontrolle, sein im Arbitration-Verfahren auszuhandelndes Gehalt wird für 2020 auf 8,6 Millionen Dollar prognostiziert.

Weitere Trades und Verpflichtungen
Den Rest der sehr aktiven Woche auf dem Spielermarkt gibt es im Telegrammstil: Neue MLB-Verträge vereinbart haben SP Kyle Gibson (Texas Rangers, 3 Jahre, 28 Millionen Dollar), SP Tanner Roark (Toronto Blue Jays, 2 Jahre, 24 Millionen), SP Michael Pineda (Minnesota Twins, 2 Jahre, 20 Millionen), SP Jordan Lyles (Rangers, 2 Jahre, 16 Millionen), SS Didi Gregorius (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 14 Millionen), SP Rick Porcello (New York Mets, 1 Jahr, 10 Millionen), RP Blake Treinen (Los Angeles Dodgers, 1 Jahr, 10 Millionen), SP Josh Lindblom (Milwaukee Brewers, 3 Jahre, 9-18 Millionen leistungsabhängig), SP Kevin Gausman (San Francisco Giants, 1 Jahr, 9 Millionen), RP Joely Rodriguez (Rangers, 2 Jahre, 5,5 Millionen plus Option für ein drittes Jahr), C Alex Avila (Twins, 1 Jahr, 4,25 Millionen), SP Michael Wacha (Mets, 1 Jahr, 3-10 Millionen leistungsabhängig), RP Junior Guerra (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 2,65 Millionen plus Option für ein zweites Jahr), RP Brad Brach (Mets, 1 Jahr, 850.000 plus Einsatzboni), RP Dan Winkler (Chicago Cubs, 1 Jahr, 750.000) und RP Kyle Finnegan (Nationals, 1 Jahr, Gehalt unbekannt).
Die Mets gönnen sich eine Ergänzung für das Outfield, indem sie CF Jake Marisnick von den Houston Astros holen. Für den Defensivspezialisten gehen zwei eher nachrangige Prospects – P Blake Taylor und OF Kenedy Corona – nach Houston.
OF Nomar Mazara wechselt zu den Chicago White Sox, die dafür OF-Prospect Steele Walker zu den Texas Rangers schicken.
Die Giants holen IF Zack Cozart und SS-Prospect Will Wilson von den Los Angeles Angels. Die Angels erhalten dafür keine direkte Gegenleistung – ihr Profit besteht darin, dass die Giants den teuren Vertrag des zuletzt sehr schwachen und häufig verletzten Cozart (12,167 Millionen für 2020) übernehmen.

Miller und Simmons kommen in die Hall of Fame
Marvin Miller und Ted Simmons werden in die Hall of Fame des Baseballs aufgenommen. Diese Entscheidung wurde während der Winter Meetings vom Modern Era Committee bekannt gegeben. Es handelt sich um eines der im jährlichen Wechsel tagenden Expertengremien, die über die quasi nachträgliche Aufnahme von Personen aus bestimmten historischen Zeiträumen befinden. Dieses Jahr war der Zeitraum von 1970 bis 1987 dran. Simmons war ein schlagstarker Catcher, der den Großteil seiner Karriere bei den St. Louis Cardinals verbrachte. Miller war ein langjähriger und äußerst einflussreicher Vertreter der Spielergewerkschaft MLBPA. Die offizielle Einführung von Miller und Timmons in die Ruhmeshalle wird am 26. Juli 2020 stattfinden – gemeinsam mit jenen Spielern, die von den Mitgliedern des Journalistenverbandes BBWAA gewählt und am 21. Januar bekannt gegeben werden.

Rule-5-Draft heute Abend
Ein integraler Bestandteil der Winter Meetings – und gleichzeitig ihr Abschluss – ist die sogenannte Rule 5 Draft. Es handelt sich um ein Verfahren, das verhindern soll, dass Teams übermäßig Talente horten und diese keine Chance auf MLB-Spielzeit haben: Spieler, die seit vier oder fünf Jahren in den Minor-Leagues sind und nicht den Sprung in den 40-Mann-Kader geschafft haben, können in der Rule-5-Draft von anderen Teams abgeworben werden. Wählbar sind nach diesen Kriterien Hunderte von Spielern, tatsächlich werden aber normalerweise insgesamt nicht mehr als 10-15 gepickt. Ein guter Teil von ihnen wird zudem im Laufe der Folgesaison zurück zum alten Team geschickt, denn das neue Team verliert seinen Anspruch auf den Spieler, sobald es ihn nicht das ganze Jahr über im MLB-Kader führt. Die Rule-5-Draft findet am heutigen Donnerstag ab 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit statt. Den ersten Pick haben die Detroit Tigers, gefolgt von den Baltimore Orioles und den Miami Marlins. Auf mlb.com wird es einen Audio-Livestream geben.

All-MLB-Team gewählt
Zum ersten Mal ließ die MLB dieses Jahr nach Saisonende ein All-MLB-Team wählen. Wer dabei ist, entschieden zu gleichen Anteilen die Fans per Internet-Abstimmung sowie ein Expertengremium. Hier ist es, das „Dream-Team“ der MLB-Saison 2019:

C J.T. Realmuto, Phillies
1B Pete Alonso, Mets
2B DJ LeMahieu, Yankees
3B Anthony Rendon, Nationals
SS Xander Bogaerts, Red Sox
OF Mike Trout, Angels
OF Cody Bellinger, Dodgers
OF Christian Yelich, Brewers
DH Nelson Cruz, Twins
SP Gerrit Cole, Astros
SP Justin Verlander, Astros
SP Jacob deGrom, Mets
SP Max Scherzer, Nationals
SP Stephen Strasburg, Nationals
RP Kirby Yates, Padres
RP Josh Hader, Brewers

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Mai 2nd, 2019 by Silversurger

Der Mai ist gekommen und die MLB hat ein neues Top-Team: Mit 20 Siegen aus 30 Spielen sind die St. Louis Cardinals derzeit ganz vorne. Ihrem einstigen Top-Prospect Alex Reyes dürfte allerdings nicht zum Feiern zumute sein: Erst wurde er wegen schwacher Leistungen in die Minor League versetzt, dann lief es dort im ersten Start auch nicht gut und schließlich musste für den aufgestauten Frust eine Wand herhalten, die sich offenbar mit voller Härte zur Wehr setzte. Jedenfalls hat Reyes sich dabei den kleinen Finger gebrochen, fällt nun mehrere Wochen aus und ist hiermit offiziell nominiert für den MRI-Award 2019. Noch ein Stück dämlicher angestellt hat sich Logan Webb, das Top-Pitching-Prospect der San Francisco Giants: Er hat offenbar versucht, mit der verbotenen Substanz Dehydrochlormethyltestosteron seine Leistungen zu steigern. Nach dem positiven Test auf das Dopingmittel wurde er für 80 Spiele gesperrt und dürfte damit die Chance vertan haben, schon dieses Jahr den Sprung ins MLB-Roster zu schaffen.

National League
Die Teams der National League East haben keine besonders gute Woche hinter sich. Eine Ausnahme davon stellen lediglich die Philadelphia Phillies (17-13) dar. Deren 3:1-Seriensieg über die Miami Marlins (9-21) ist dafür verantwortlich, dass sie als einzige in der Division bei einer positiven Bilanz stehen. Die New York Mets (15-15) und die Atlanta Braves (15-15) haben ihren Rhythmus noch nicht gefunden und halten sich mit schwankenden Leistungen gerade so über Wasser. Insbesondere bei den Mets muss man zweifeln, ob das noch lange gut geht, denn mit einem Run Differential von -20 und den meisten zugelassenen Runs (169) der gesamten NL steht man normalerweise nicht bei 15-15. Die Washington Nationals (12-17) sind auf dem Weg in die Krise schon einen Schritt weiter, soll heißen: Sie stecken mittendrin. Von den letzten sieben Spielen haben sie nur eines gewonnen und dafür brauchte es 11 Innings gegen die Padres. Ausgerechnet jetzt steht für die Nationnals eine schwierige Auswärtstour an (Phillies, Brewers, Dodgers).

Mit Siegen in zehn der letzten elf Spiele lassen die St. Louis Cardinals (20-10) in der NL Central zurzeit niemandem Gelegenheit, an sie heranzukommen. Doch am Wochenende könnte es spannend werden, denn die Chicago Cubs (16-12) begrüßen die Cardinals für eine Drei-Spiele-Serie zum Spitzenduell (siehe „Einschalttipp“). Die Cubs hatten einen ganz miesen Start in den ersten beiden Saisonwochen. Seitdem haben sie aber keine Serie mehr verloren und inzwischen das stärkste Run Differential (+38) der NL herausgespielt. Die Milwaukee Brewers (17-15) können da zwar mit einem Run-Verhältnis von -9 nicht mithalten, doch mit Erfolgen in je zwei von drei Spielen gegen die Mets und die Rockies scheinen sie ihr Zwischentief überwunden zu haben. Die anstehenden Serien gegen erneut die Mets sowie die Nationals klingen nach lösbaren Aufgaben. Die Pittsburgh Pirates (14-14) dürften mit den Playoffs wenig zu tun haben, aber mit zwei Siegen gegen die Rangers ist für sie wenigstens der freie Fall von acht Niederlagen in Folge erstmal gestoppt.

Die Los Angeles Dodgers (20-13) sind in der NL West voll auf Kurs, müssen aber zwei Rückschläge verdauen: erstens eine 1:2 verlorene Serie beim Erzrivalen San Francisco Giants (13-18), zweitens eine Verletzung von Centerfielder A. J. Pollock. Bei Letzterer handelt es sich um eine Infektion im rechten Ellenbogen, der 2016 schon einmal operiert werden musste. Damals wurde eine Metallplatte eingesetzt; aus dieser muss nun eine Schraube entfernt werden, die wohl die Probleme verursacht hat. Pollock wird nach der Prozedur für einige Wochen ausfallen. Die Dodgers müssen nun für drei Spiele zu den San Diego Padres (17-14), während in Denver die Colorado Rockies (14-17) auf die Arizona Diamondbacks (18-13) treffen. Es wird also ein richtig interessantes Wochenende in der NL West mit lauter direkten Duellen zwischen den vier besten Teams der Division.

American League
Können die Tampa Bay Rays (19-11) sich auf Dauer an der Spitze der American League East halten? Ein 2:0-Sweep bei den Boston Red Sox (14-17) am vergangenen Wochenende machte Hoffnung, doch der verlorene Doubleheader in Kansas City gestern war ein herber Dämpfer. Zum Glück für die Rays konnten die New York Yankees (17-13) daraus kein Kapital schlagen, da sie selbst ihre beiden Spiele in Arizona verloren. Die große Neuigkeit bei den Toronto Blue Jays (14-16) war die letzte Woche angekündigte und heiß ersehnte Ankunft des Supertalents Vladimir Guerrero Jr. Bislang konnte Vlad Jr. den Hype noch nicht rechtfertigen, in fünf Spielen schlug er eine Slashline von .167/.286/.222. Aber fünf Spiele sind im Baseball so gut wie gar nichts; es gibt also noch lange keinen Grund, enttäuscht zu sein.

Alles andere als eine Enttäuschung sind bislang die Minnesota Twins (18-10). Sie weisen mittlerweile die beste Bilanz nicht nur der AL Central, sondern der gesamten AL auf. Zuletzt gabe es zwei Erfolge aus drei Spielen gegen die Astros, davor einen Sweep gegen die Orioles. Zu den drei Siegen über Baltimore steuerte Max Kepler vier Homeruns bei, und auch sonst spielt „unser“ Mann in der MLB eine ganz hervorragende Saison (.277/.349/.564, 7 HR). Auf Platz zwei verdrängt sind inzwischen die Cleveland Indians (16-13), die letzte Nacht nicht nur ein 2:4 bei den Marlins verdauen mussten, sondern auch die viel schlimmere Nachricht, dass sie auf ihr Ass Corey Kluber eine Weile verzichten müssen. Kluber wurde von einem Comebacker von Brian Anderson am Pitching-Arm getroffen und erlitt eine Fraktur. Er ist nach Danny Salazar und Mike Clevinger schon der dritte Starter der Indians, der für mindestens einige Wochen ausfälllt.

In der AL West konnten die Houston Astros (18-13) zwar diese Woche nicht überzeugen – einem Split gegen die Indians folgten zwei Niederlagen in drei Spielen gegen die Twins –, doch geschadet hat ihnen das nicht, denn die Verfolger schwächelten noch mehr. Sowohl die Seattle Mariners (18-15) als auch die Texas Rangers (14-15) haben von ihren letzten neun Spielen sieben verloren – und ihre einzigen Siege bei dem 2:2-Split im direkten Aufeinandertreffen eingefahren. Auch die Oakland Athletics (14-19) befinden sich im Absturz. Nach einer 0:6-Bilanz aus den Spielen in Toronto und Boston bleibt ihnen nur noch die Station in Pittsburgh, um von ihrem Ostküstentrip nicht mit leeren Händen heimzukehren.

Szene der Woche
Eigentlich wollte ich an dieser Stelle die Bierdusche würdigen, die Ryan Braun von den Milwaukee Brewers(!) in Citi Field zuteil wurde, als er einen Flyball von Pete Alonso zu fangen versuchte (man beachte die schlecht versteckte Botschaft „This Bud’s for you“ im Hintergrund):

Sehenswert wäre auch der Dodgers-Fan gewesen, der auf der Jagd nach einem Foulball zunächst eine Portion Pommes aufgab – und ein Inning später das Pizzastück, das er sich als Ersatz geholt hatte, hinterher warf:

Aber Yankees-Pitcher C. C. Sabathia lässt mir keine andere Wahl, eine andere Szene in den Mittelpunkt zu stellen. Mit seinem 3000. Strikeout erreichte der 38-Jährige einen Meilenstein, den nur 16 Leute vor ihm bewältigt haben, und ließ sich dafür zurecht feiern:

Statistik der Woche 
1.998. So viele RBI sind Albert Pujols in seiner Karriere bislang gelungen. Das ist zwar eine kleinere Zahl als die der Strikeouts von C. C. Sabathia, dennoch ist sie noch ein Stück beeindruckender. Pujols steht damit nämlich offiziell auf dem dritten Platz der Allzeit-Rangliste, auf welcher er in den letzten Tagen Lou Gehrig (1.994) und Barry Bonds (1.996) überholt hat. Vor Pujols stehen nun nur noch Hank Aaron (2.297) und Alex Rodriguez (2.086). Inoffiziell belegt er übrigens „nur“ Rang fünf; das liegt daran, dass RBI erst 1920 als Statistik eingeführt wurden, sodass ein Teil der 2.214 RBI von Babe Ruth und die gesamten 2.075 RBI von Cap Anson nicht in die Rekordliste der MLB einfließen.

Spiel der Woche
Das Spiel zwischen den Los Angeles Dodgers und den Pittsburgh Pirates am Sonntag hatte eine Menge Geschichten zu erzählen. Die erste war die Geschichte von zwei älteren Herren: Dodgers-Pitcher Rich Hill (39) kehrte aus seiner Verletzungspause zurück und bildete mit Catcher Russel Martin (36) das wohl älteste Battery-Duo, das die MLB zurzeit zu bieten hat. Für Hill lief es eher mittelmäßig – zwar absolvierte er 6 Innings, in denen ihm 6 Strikeuots gelangen und er nur einen Earned Run zuließ, aber diese Werte schmeicheln etwas, denn ein Error im zweiten Inning verhinderte, dass ihm weitere vier Runs angerechnet wurden. Die zweite Geschichte war die eines noch sehr jungen Herren: Cody Bellinger, 23, brachte per Sac-Fly den ersten Run, per Homerun den zweiten Run sowie durch ein Single den siebten und letzten Run seines Teams über die Platte. Der Homerun war übrigens der 14. in der laufenden Saison, womit Bellinger einen Rekord einstellte: Nur vier Spieler haben es jemals geschafft, noch vor dem 1. Mai einer Saison so viele Homeruns zu erzielen – Albert Pujols 2006, Alex Rodriguez 2007 sowie Christian Yelich und Cody Bellinger 2019. Die dritte Geschichte war die eines Teams, das in der jungen Saison schon hoch geflogen und tief gefallen ist. Die Pirates gaben eine 5:1-Führung aus der Hand und verloren am Ende mit 6:7 ihr achtes Spiel in Folge. Aber zum Glück ist es Baseball und schon im nächsten Spiel waren es die Pirates selbst, die ein dramatisches Comeback bejubeln durften.

Mein Einschalttipp
In der NL Central ist ein heißer Zweikampf zwischen den St. Louis Cardinals und den Chicago Cubs entbrannt. Die derzeit drei Spiele Abstand zwischen den beiden stammen von dem schwachen Saisonstart der Cubs, sollten aber nicht darüber hinweg täuschen, dass beide Teams zurzeit in absolut beeindruckender Form sind. Von Freitag bis Sonntag haben die Cubs drei Heimspiele gegen die Cardinals und von daher keine schlechten Chancen, den Rückstand zu verringern oder gar aufzuholen. DAZN ignoriert diese interessante Serie leider komplett, daher könnt ihr sie ausschließlich über mlb.tv verfolgen. Sowohl am Freitag (20:20 Uhr) als auch am Samstag (22:05 Uhr) kommen die Spiele zu europafreundlichen Zeiten, während die Partie am Sonntag (1:05 Uhr) eher etwas für Nachteulen ist.

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Juni 14th, 2018 by Silversurger

Die wöchentliche Übersicht zum MLB-Geschehen beginnt dieses Mal mit ein paar unerfreulichen Nachrichten. Die ersten davon sind Verletzungen von zwei der Top-Spieler der Liga: Shohei Ohtani, der einzige und zudem überaus erfolgreiche Two-Way-Player der Liga, schien den Award als Rookie des Jahres bereits sicher in der Tasche zu haben. Nun fällt er aber möglicherweise bis 2020 aus. Er hat eine Verletzung am Seitenband des Ellenbogens seines Wurfarms und es sieht danach aus, dass dies eine Tommy-John-Surgery nötig macht. Noch besteht aber die Hoffnung, mittels Stammzelleninjektion und sonstigen konservativen Maßnahmen eine Verbesserung zu erzielen; wie es für Ohtani weitergeht, wird sich wohl in rund drei Wochen entscheiden. Bereits sicher ist, dass für Detroits 1B Miguel Cabrera die Saison beendet ist. Er riss sich eine Sehne im Bizeps, muss operiert werden und kann seinen in der AL Central überraschend gut platzierten Tigers dieses Jahr keine Hilfe mehr sein. Um den Reigen der schlechten Nachrichten perfekt zu machen: Donald Lutz, der erste und vor Max Kepler einzige MLB-Spieler aus Deutschland, hat seine Spielerkarriere beendet. Die jetzt verkündete Entscheidung schlug keine hohen Wellen, da Lutz bei den Reds schon seit geraumer Zeit weit von der höchsten Liga entfernt war. Er konzentriert sich jetzt ganz auf die Trainerlaufbahn, die er diese Saison – ebenfalls in der Organisation der Reds – begonnen hat.

American League
Die beiden erfolgreichsten Teams der Liga finden sich nach wie vor in der American League East und an der Spitze steht zurzeit – ja, wer eigentlich? Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Offiziell stehen die New York Yankees (43-20) vorne, da sie mit 68,3% eine höhere Siegquote haben als die Boston Red Sox (47-22) mit 68,1%. Gleichzeitig sagt die Tabelle aber aus, dass die Yankees 1,0 Spiele Rückstand auf die Red Sox haben. Das kommt dadurch, dass die Yankees weniger Spiele absolviert haben und bei der Bestimmung des Abstands die noch ausstehenden Partien mit je 0,5 gezählt werden. Seht als Tabellenführer an, wen ihr wollt, auf jeden Fall bleibt es ein spannendes Rennen. Die Red Sox hatten zuletzt einen kleinen Offensiv-Slump, doch dank des frisch gesweepten Aufbaugegners Baltimore Orioles (19-48) haben sie diesen wohl bereits überwunden. In Seattle wartet nun allerdings vier Spiele lang eine ungleich schwerere Aufgabe (siehe „Einschalttipp“). Die Yankees empfangen in dieser Zeit die Tampa Bay Rays (32-35) – auf dem Papier die deutlich leichtere Aufgabe, aber auch nicht zu unterschätzen. Schließlich haben die Rays gerade die Toronto Blue Jays (30-38) in einer Drei-Spiele-Serie abgefertigt und ihnen dadurch den dritten Platz in der Division abgejagt.

In der AL Central ist nach wie vor nicht viel Bewegung. Die Cleveland Indians (35-31) halten sich mit mittelmäßigen Leistungen an der Spitze, dem Rest der Division ist zurzeit nicht viel zuzutrauen. Überraschend auf Platz zwei, wenngleich mit negativem Record, stehen immer noch die Detroit Tigers (32-37). Ohne ihren Star Miguel Cabrera wird für sie die Saison nun allerdings noch deutlich schwerer werden. Dahinter liegen die Minnesota Twins (29-35) bereits fünf Spiele zurück. Wenn die Twins sich ihre Chance auf die Division erhalten wollen, sollten sie am besten das wiederholen, was ihnen vor eineinhalb Wochen schon einmal gelungen ist: einen Sweep gegen die Indians in der Drei-Spiele-Wochenendserie. Schlagbar sind die Indians definitiv, das haben auch die Chicago White Sox (24-42) gerade zweimal unter Beweis gestellt – und die rote Laterne der AL Central damit an die Kansas City Royals (22-46) abgegeben, welche mit neun Niederlagen in den letzten zehn Spielen in desolater Verfassung sind und jetzt auch noch ausgerechnet World Champion Houston erwarten.

Die Houston Astros (44-25) sind schon wieder in meisterlicher Verfassung. Sieben Spiele in Folge haben sie zuletzt gewonnen und ihr Run Differential von +138 ist das beste der MLB. Dennoch sind sie in der AL West weiterhin nur Zweiter, denn die Seattle Mariners (44-24) haben hauchdünn die Nase vorn und das mit einem Run Differential von nur +27. Das spricht dafür, dass bei den Mariners ein bisschen Glück, aber auch eine beeindruckende Effizienz zur guten Bilanz beitragen (siehe auch „Statistik der Woche“). Die Los Angeles Angels (37-32) sind inzwischen deutlich hinter die Astros und die Mariners zurückgefallen und nach Ohtanis Ausfall steht zu befürchten, dass sie wieder zur alten Mike-Trout-One-Man-Show werden. Danach sah es jedenfalls ganz stark aus, als Trout diese Woche in zwei Spielen hintereinander gegen die Mariners je zwei Homeruns schlug – und beide Spiele verloren wurden. Die anstehende Serie bei den Oakland Athletics (34-34) könnte interessant werden, denn es treffen zwei Teams aufeinander, die dringend ein Erfolgserlebnis brauchen, damit ihnen ihre bislang unerwartet gute Saison nicht aus der Hand rutscht. Nicht mehr viel zu retten dürfte hingegen bei den Texas Rangers (27-43) sein, die sich mit sechs Niederlagen in Folge wohl endgültig ausgeklinkt haben aus einer Division, in der alle anderen bei mindestens .500 stehen.

National League
Die National League East ist nach wie vor heiß umkämpft zwischen den Atlanta Braves (39-28) und den Washington Nationals (37-28). Beide sind mehr oder weniger im Gleichschritt unterwegs und werden sich noch für eine ganze Weile ein Fernduell liefern, denn das nächste direkte Aufeinandertreffen gibt es erst nach dem All-Star-Break. Die Philadelphia Phillies (34-31) hingegen fallen im Vergleich mit den Braves und den Nationals mehr und mehr zurück, auch in dieser Woche gewannen sie nur zwei von sechs Spielen. Sorgen, ihren dritten Platz zu gefährden, müssen sie sich jedoch nicht machen. Die New York Mets (28-36) bekommen offensiv nach wie vor überhaupt nichts auf die Reihe. Sie haben zehn der letzten elf Spiele verloren und das obwohl ihre Pitcher in keinem einzigen dieser Spiele einen wirklich schlechten Start hatten. Der einzige Sieg in diesem Zeitraum war ein 2:0 gegen die Yankees durch einen einsamen Homerun von Todd Frazier gegen sein Ex-Team. Die Mets haben inzwischen die zweitwenigsten Runs der Liga gescort: 239, knapp vor den Orioles mit 234 und gleichauf mit den Miami Marlins (26-42). Apropos Marlins, ich weiß gar nicht, ob ich über die in diesem Jahr schon mal was Positives geschrieben habe. Jetzt ist es soweit: Sie haben drei Spiele hintereinander gegen die Giants gewonnen. Herzlichen Glückwunsch.

Für die NL Central habe ich letzte Woche einen Führungswechsel zugunsten der Chicago Cubs (38-27) herbeigeredet und den gab es dann auch am Montag durch einen hart erkämpften Sieg über den direkten Konkurrenten. Doch Baseball ist das Spiel der Serien und die Serie gewannen am Ende die Milwaukee Brewers (41-27), wodurch sie sich die Divisionsspitze direkt wieder zurück holten. Wenn es den Brewers jetzt gelingt, gegen die Phillies nachzulegen, können sie sich vielleicht sogar ein kleines Polster anlegen. Ihre Verfolger werden sich jedenfalls in den nächsten Tagen in irgendeiner Weise gegenseitig Punkte abnehmen, denn die Cubs müssen für drei Spiele zu den St. Louis Cardinals (36-30). Die Pittsburgh Pirates (33-35) stehen inzwischen bei einem negativen Record, was sich angesichts einer anstehenden Serie gegen die Cincinnati Reds (25-43) durchaus schnell wieder ändern könnte.

In der NL West haben sich die Arizona Diamondbacks (37-30) nach mehreren Wochen im fast ungebremsten Fall wieder gefangen. Sieben der letzten zehn Spiele wurden gewonnen und angesichts des Zustands des kommenden Gegners wäre es keine Überraschung, wenn gegen die Mets in den nächsten Tagen vier weitere Siege hinzukommen. Damit könnte man sich die Los Angeles Dodgers (35-32) vom Leib halten, die derzeit mit aller Macht nach vorne drängen und diese Woche schon die Colorado Rockies (33-34) überholt haben. Nach wie vor sind alle Teams dieser Division sehr eng beisammen und wenn die San Francisco Giants (33-35) am Wochenende das Derby gegen die Dodgers gewinnen sollten, sind auch sie trotz der peinlichen Niederlagen gegen Miami wieder voll im Rennen. Genauso viele Siege wie die Rockies und die Giants, aber ein paar mehr Niederlagen haben die San Diego Padres (33-37). Mit 5,5 Rückstand sind auch sie gar nicht weit weg von der Spitze entfernt, es warten aber vier unangenehme Spiele in Atlanta auf sie.

Szene der Woche
Bei einem Rundown – also einer Situation, in der man sich zwischen den Bases befindet, während die Abwehrspieler sich den Ball hin und her werfen können – hat man als Baserunner meistens schlechte Karten. Wenn es gleich zweimal am gleichen Tag Baserunner schaffen, so einer Situation zu entkommen, dann ist das auf jeden Fall eine Erwähnung wert: Am Dienstag gelang dieses Kunststück sowohl Christian Yelich von den Brewers als auch Billy Hamilton von den Reds. Hamilton setzte sogar noch einen drauf, indem er aus der Szene den wohl frechsten Run des Jahres herausholte. Weniger Erfolg zwischen den Bases hatte Luis Valbuena: Der Angel schlug einen Ball in die Ecke des rechten Outfields zum scheinbar sicheren Double, doch ein sehenswerter Wurf von Mitch Haniger und ein noch sehenswerterer Tag von Jean Segura bescherte den Mariners ein unglaubliches Out. Das waren fantastische Szenen, doch die Szene der Woche hatte in meinen Augen ein Fan der Oakland Athletics: Der Mann brachte es tatsächlich fertig, zwei Foulballs bei direkt aufeinander folgenden Pitches zu fangen. Ich weiß nicht, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für so etwas ist, aber ich tippe, dass es das unwahrscheinlichste Ereignis in einem Ballpark war seit dem Homerun von Bartolo Colon am 7. Mai 2016.

Statistik der Woche 
21. So viele Spiele haben die Seattle Mariners dieses Jahr mit genau einem Run Unterschied gewonnen. Das ist fast die Hälfte ihrer 44 Siege und mit großem Abstand führend in der MLB – Zweiter sind die Milwaukee Brewers mit „nur“ 15 siegreichen 1-Run-Games. Die knappen Siege, die wie oben erwähnt sicher eine Menge mit Glück, aber auch mit Effizienz und Durchhaltevermögen zu tun haben, sind das Erfolgsgeheimnis der Mariners in dieser Saison. Seattle befindet sich sogar auf Rekordkurs: Noch nie hatte ein Team so früh in der Saison schon so viele 1-Run-Siege. Wenn sie so weiter machen, kann die Bestmarke von 42, erzielt durch die San Francisco Giants im Jahr 1978, ernsthaft ins Wackeln geraten.

Spiel der Woche
Manchmal braucht es offenbar eine besondere Form der Motivation, bevor ein Team bereit ist, alles aus sich herauszuholen. Die Diamondbacks schienen am Montag jedenfalls auf dem Weg, gegen die Pirates sang- und klanglos unterzugehen. 0:5 lagen sie im Bottom des siebten Innings schon zurück, als Pittsburghs Pitcher Joe Musgrove eine folgenschwere Entscheidung traf: Er warf Chris Owings ab, ganz offensichtlich mit Absicht und als Vergeltung dafür, dass Arizonas Braden Shipley vorher – vermutlich unabsichtlich – Josh Harrison abgeworfen hatte. Damit war den ungeschriebenen Regeln genüge getan, doch die Diamondbacks hatten noch eine Antwort parat: Sie nahmen die Aktion gegen ihren Batter zum Anlass, eine Rally zu starten und das Spiel zu drehen. Nach einem Wild Pitch, einem Error, zwei Singles und einem Homerun von Jake Lamb stand es am Ende des siebten Innings 5:5 und im achten Inning legte Arizona vier weitere Runs nach zum 9:5-Sieg. Liebe Pirates, ihr werdet das hier nicht lesen und schon gar nicht auf mich hören, aber mein Tipp wäre: in Zukunft statt Sandkastenkrieg lieber weiter Baseball spielen.

Mein Einschalttipp
Zwei der heißesten Teams der Liga treffen ab heute viermal aufeinander: die Seattle Mariners und die Boston Red Sox. Da sollte man mindestens einmal einschalten, auch wenn die Spiele an der Ostküste für uns Europäer zu relativ ungünstigen Zeiten stattfinden. Wenn ihr Frühaufsteher seid, bietet sich das Spiel am Samstagmorgen ab 4:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit an. Rick Porcello (3.54 ERA, 3.30 FIP) und James Paxton (3.02 ERA, 2.79 FIP) lautet das voraussichtlich hochklassige Matchup dieser Partie. Zählt ihr euch hingegen eher zu den Nachteulen, dann ist vielleicht die Partie am Sonntagabend ab 22:10 Uhr unserer Zeit etwas für euch. Auf dem Mound stehen dann voraussichtlich Eduardo Rodriguez (3.64 ERA, 3.56 FIP) und Mike Leake (4.26 ERA, 4.45 FIP). Beide Spielen werden sowohl auf mlb.tv als auch auf DAZN übertragen.

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Februar 15th, 2018 by Silversurger

Man ist ja in dieser Offseason schon dankbar, wenn es wenigstens eine nennenswerte Free-Agent-Verpflichtung pro Woche gibt. Wenn dieses Tempo anhält, sind allerdings bis nächstes Jahr um diese Zeit immer noch nicht alle Free Agents des laufenden Jahres unter Vertrag. Bei jedem größeren Abschluss hofft man, dass er die Initialzündung darstellt, nach der die Dominosteine zu purzeln beginnen, doch auch die Unterschrift von Yu Darvish bei den Chicago Cubs hat bislang keinen solchen Effekt ausgelöst. Inzwischen haben alle Teams offiziell das Spring Training aufgenommen. Ein Teil der verbleibenden Free Agents hat ebenfalls ein Camp eröffnet, aus dem seltsamerweise eine Art Staatsgeheimnis gemacht wird.

Darvish zu den Cubs
Vielen galt er als bester Free Agent des Jahres, doch Yu Darvish musste lange warten auf seinen großen Zahltag. Das Warten hat sich gelohnt, denn mit sechs Jahren für 126 bis 150 Millionen Dollar ist Darvishs Vertrag bei den Chicago Cubs sowohl von der Laufzeit als auch von der Bezahlung her der einträglichste, der in dieser Offseason geschlossen wurde. Er bewegt sich in der Größenordnung, die von den Experten allgemein erwartet wurde, wobei ich sagen muss, dass ich nach den Erfahrungen der letzten zwei, drei Monate nicht mehr mit so einem großen Vertrag gerechnet hatte. Vom Jahresgehalt her erscheint er mir angemessen, doch die lange Laufzeit für einen Spieler über 30 birgt ein hohes Risiko, dass der Klub die eingegangene Verpflichutng irgendwann bereut.

Durch die Ankunft von Darvish dürfte gleichzeitig besiegelt sein, dass Jake Arrieta keine Zukunft mehr in Chicago hat. Der ebenfalls 31-jährige Free Agent, der in viereinhalb Jahren bei den Cubs seinen Lebenslauf um einen Cy-Young-Award, zwei No-Hitter und eine gewonnene World Series bereicherte, ist nun das einzige auf dem Markt verbliebene unumstrittene Ass. Ein Team, bei dem er möglicherweise landen könnte, sind die Milwaukee Brewers. Die Brewers waren in dieser Offseason bereits recht aktiv, mindestens ein etablierter Starter soll aber noch geholt werden. Wenn es Arrieta wird, dürfte das die Rivalität zwischen den Cubs und den Brewers im Kampf um die NL Central noch ein ganzes Stück anheizen.

Romo bleibt in Tampa Bay
Für verhältnismäßig kleines Geld bleibt Sergio Romo bei den Tampa Bay Rays. Der 34-jährige Reliever erhält 2,5 Millionen Dollar für einen Einjahresvertrag. Wenn er die Leistungen konserviert, die er in Tampa Bay bislang gebracht hat, haben die Rays ein echtes Schnäppchen gemacht: Mit 1.47 ERA (2.96 FIP) hat Romo in den 25 Spielen seit der Aufnahme im Juli letzten Jahres ein komplett anderes Gesicht gezeigt als zuvor bei den Los Angeles Dodgers (6.12 ERA, 5.76 FIP in 30 Spielen).

Cardinals holen Norris
Auch die Cardinals sichern sich einen günstigen Pitcher. Für 3 Millionen Dollar spielt dieses Jahr Bud Norris in St. Louis. Neben einem extrem coolen Namen (als Kind der 80er denke ich bei ihm immer an eine Mischung aus Bud Spencer und Chuck Norris) bringt der 32-Jährige vor allem Flexibilität mit: Norris ist in seiner neun Jahre langen MLB-Karriere als Starter, als Reliever und zuletzt bei den Angels als Closer aufgetreten und hat in jeder dieser Rollen zwar selten überragende, aber fast immer solide Leistungen gebracht.

Dodgers verlängern mit Utley
Ich versuche zwar immer, beim Verfassen dieses Blogs ein Stück weit journalistische Seriosität und Objektivität walten zu lassen, aber ich bin natürlich auch ein Fan mit Gefühlen und die kann und will ich nicht ganz aus dem Spiel lassen. Einem Chase Utley werde ich wohl nie neutral gegenüber stehen können, denn über seinen 15 erfolgreichen Jahren in der MLB liegt für mich immer der Schatten des brutalen Fouls, mit dem er in der NLDS 2015 dem Shortstop meines Lieblingsteams das Bein gebrochen hat. Utley ist inzwischen 39 und ich wünsche mir, dass er endlich seine Karriere beendet. Natürlich tut er mir den Gefallen nicht, stattdessen bekommt er zwei Millionen Dollar von den Los Angeles Dodgers für zwei weitere Jahre. Mit bislang 1850 Hits und 199 Hit-by-Pitches ist Utley auf dem Weg, der vierte Spieler in der MLB-Historie zu werden, der es auf mehr als 2000 Hits und 200 Hit-by-Pitches bringt. Ich sage hier lieber nichts dazu, für welche der beiden Kategorien ich ihm mehr „Erfolg“ wünsche…

Catcher Stewart zu den Braves
Noch eine Free-Agent-Verpflichtung der kleineren Sorte: Catcher Chris Stewart, zuletzt bei den Pirates, erhält bei den Atlanta Braves einen Einjahresvertrag. Es ist ein Major-League-Vertrag, der mit 575.000 Dollar knapp über dem Mindestgehalt liegt. Der 36-Jährige hat seine Stärken vor allem in der Defense und wird hinter Tyler Flowers und Kurt Suzuki die Nummer drei hinter der Platte sein, in erster Linie als Absicherung gegen eine Verletzung der anderen beiden.

Keine Medien im Camp der Free Agents
Die MLBPA hat ihren Ankündigungen Taten folgen lassen und ein Spring-Trainig-Camp für Free Agents organisiert. Die sportliche Leitung des Camps in Bradenton, Florida, hat der frühere Astros-Manager Bo Porter übernommen. Angesichts von immer noch Dutzenden MLB-erprobter Spieler, die nach wie vor ohne Vertrag für die neue Saison sind, ist das sicher ein sinnvoller Schritt, um zu verhindern, dass diese Spieler vom Trainingsstand ins Hintertreffen geraten und es noch schwerer haben, bis Saisonbeginn einen Verein zu finden. Was sich mir vom Sinn her bislang nicht erschließt, ist die Geheimniskrämerei um das Free-Agent-Camp: Die Spielergewerkschaft lässt bislang keinerlei Medienberichterstattung aus dem Camp zu. Statt auf ihre Anliegen aufmerksam und für eine Verpflichtung Werbung zu machen, verschanzen sich die Spieler – man weiß noch nicht mal, wer überhaupt dabei ist – hinter geschlossenen Toren und MLBPA-Chef Tony Clark verweigert dazu jeden Kommentar.

Sicher ist lediglich, dass die Schützlinge der Agentur von Scott Boras – darunter Jake Arrieta, Eric Hosmer, J. D. Martinez, Mike Moustakas, Greg Holland, Carlos Gonzalez und Carlos Gomez – sich nicht an dem Camp beteiligen. Um sie muss man sich wohl auch die geringsten Sorgen machen, denn von Boras ist die Verhandlungstaktik, die Klubs bis zu einer Unterschrift lange hinzuhalten, seit Jahren bekannt.

Nachrichten aus dem Drogensumpf
Eine ganze Reihe beunruhigender Neuigkeiten gab es diese Woche aus dem Bereich Doping und Drogenmissbrauch. Vier Minor-Leaguer wurden positiv auf Drogenkonsum getestet und gesperrt: Catcher Nick Ciuffo (Rays), Pitcher Alex Cunningham (Padres) und Second Baseman Mitchell Tolman (Pirates) müssen für jeweils 50 Spiele aussetzen, Pitcher Steve Geltz (Phillies) sogar für 100 Spiele, weil er sich schon zum dritten Mal hat erwischen lassen. Während der Sperren ruht logischerweise auch die Bezahlung.

Mit schlimmeren Konsequenzen muss der ehemalige All-Star-Pitcher Esteban Loaiza rechnen. Bei ihm wurden während einer Verkehrskontrolle nahe der mexikanischen Grenze bei San Diego 20 Kilo Kokain im Wert von rund 500.000 Dollar gefunden. Der 46-Jährige, der in 14 MLB-Saisons über 43 Millionen Dollar verdient hat, bleibt vorerst in Untersuchungshaft, weil er die geforderten 200.000 Dollar Kaution nicht bezahlen kann. Wenn sich die Anschuldigungen bestätigen, wird er ohnehin für längere Zeit einsitzen.

Zu unguter Letzt braut sich ein neuer Dopingskandal zusammen, nachdem ein Ex-Mitarbeiter der Spieleragentur ACES, Juan Carlos Nuñez, seine früheren Arbeitgeber verklagt hat. Nuñez selbst hat bereits eine Haftstrafe hinter sich, weil er Teil des Biogenesis-Skandals im Jahr 2013 war – der prominenteste enttarnte Doping-Konsument war damals Alex Rodriguez, der für ein Jahr gesperrt wurde. Nuñez wirft nun seinen ehemaligen Chefs Seth und Sam Levinson vor, vom Gebrauch leistungsfördernder Substanzen durch ihre Klienten gewusst und diese dabei unterstützt zu haben. In der Anklage geht es um fünf bis sechs Jahre alte Fälle, namentlich genannt werden Melky Cabrera, Fernando Rodney und Nelson Cruz. Sollte sich bewahrheiten, dass die Chefs von ACES eine aktive Rolle in der Geschichte gespielt haben, könnte diese schnell weitere und aktuellere Kreise ziehen, denn ACES vertritt nach wie vor zahlreiche prominente Spieler.

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Februar 16th, 2017 by Silversurger

Wie gewohnt fasst der Grand Slam am Donnerstag die Geschehnisse der vergangenen sieben Tage rund um die MLB zusammen. Inzwischen sind alle Teams ins Training für die neue Saison eingestiegen. Dementsprechend werden die Free-Agent-Signings weniger und die Verletzungsmeldungen mehr. Die meisten Schlagzeilen produzierten diese Woche die Miami Marlins und damit meine ich gar nicht so sehr die sensationelle Meldung, dass Marlins-Spieler wieder Bärte tragen dürfen sondern die Gerüchte um einen möglichen Verkauf der Franchise:

Loria, die Marlins und der Trump-Clan
Eine knappe Stunde nach Veröffentlichung des Grand Slams am letzten Donnerstag begann die Nachricht die Runde zu machen, die Miami Marlins stünden für 1,6 Milliarden Dollar zum Verkauf und Owner Jeffrey Loria habe bereits eine mündliche Vereinbarung mit einem potenziellen Käufer getroffen. Der Zeitpunkt ärgerte mich ein bisschen, denn natürlich hätte ich diese Neuigkeit gern noch berücksichtigt; andererseits erschienen mir die Gerüchte noch zu vage als dass ich ihnen einen eigenen Artikel hätte widmen wollen. Tatsächlich sieht es inzwischen so aus, als sollte aus dem Geschäft derzeit nichts werden: Zunächst sickerte durch, dass es sich bei dem geheimnisvollen Bieter um die Kushner Group handelte – ein Immobilienunternehmen in Händen der Familie von Jared Kushner, dem Schwiegersohn und engen Berater von US-Präsident Donald Trump. Dann wurde gestern bekannt, dass der aktuelle Teambesitzer Loria von Trump zum US-Botschafter in Frankreich berufen werden soll. Die Kushner Group ließ daraufhin verlauten, dass sie unter diesen Umständen vorerst auf den Kauf verzichtet, um nicht den Eindruck eines Zusammenhanges entstehen zu lassen. Im Endeffekt war der angebliche Verkauf der Marlins also viel Lärm um nichts, aber man hat mal wieder ein bisschen was über die Zusammenhänge im amerikanischen Sport-, Politik- und Wirtschaftsbetrieb gelernt….

Test einer neuen Extra-Innings-Regel
Über die voraussichtlich anstehenden Regeländerungen in Bezug auf das untere Ende der Strikezone und die vereinfachte Durchführung von Intentional Walks wurde hier schon ein paar Mal berichtet. Neu ist ein weiterer Vorschlag zur angestrebten Beschleunigung des Spiels: Ab dem zehnten Inning soll jedes Team sein Halbinning mit einem Runner auf der zweiten Base beginnen. Diese Regel soll bereits in diesem Jahr in einem Teil der Minor Leagues getestet werden und hat das Ziel, in den Extra-Innings mehr Scores und gleichzeitig ein schnelleres Spielende hervorzubringen. Ein ähnliches Verfahren wurde auch schon bei der Baseball-EM 2016 in den Niederlanden angewendet – dort begann man jedes Extra-Inning mit Runnern auf der ersten und zweiten Base.
Ich bin wirklich alles andere als ein konservativer, Änderungen gegenüber verschlossener Mensch. Aber ich hoffe ganz stark, dass dieser Vorschlag sich nicht durchsetzt, denn er würde in meinen Augen das Spiel unattraktiver machen. Die logische Konsequenz, wenn ein Inning mit einem Runner auf der zweiten Base und null Outs beginnt, ist Small Ball: Sacrifice Flys, Sacrifice Bunts, schwache Grounder und im schlimmsten Fall Walkoff-Passed-Balls. Großartiges Pitching und großartiges Batting sind in diesem veränderten Modus nicht gefragt, zum Helden taugt allenfalls ein Pinch Runner. Sorry, liebe MLB-Verantwortliche, aber für mich ist das die absurdeste Regelidee, von der ich seit Langem gehört habe.

Chase Utley bleibt bei den Dodgers
Wo ich schon gerade dabei bin, mit meiner unmaßgeblichen Meinung hausieren zu gehen: Chase Utley hätte spätestens nach seiner unrühmlichen Blutgrätsche gegen Ruben Tejada vor eineinhalb Jahren in Rente gehen sollen. Aber natürlich interessiert es die Dodgers nicht die Bohne, dass mir immer noch jedes Mal, wenn ich Utley an die Platte treten sehe, der Hals schwillt. Dass der 38-Jährige auch leistungsmäßig seinen Zenit längst überschritten hat, sollte sie schon eher interessieren, aber auch das hielt sie nicht davon ab, ihm einen neuen Einjahresvertrag über 2 Millionen Dollar anzubieten. Was soll’s, ohne Feindbilder macht Sport ja auch nur halb so viel Spaß. 😉

Travis Wood zu den Royals
Weit weniger Emotionen hat die zweite nennenswerte Free-Agent-Verpflichtung der vergangenen Tage bei mir ausgelöst: Lefty Travis Wood geht für zwei Jahre und zwölf Millionen Dollar zu den Kansas City Royals. Nach Jason Hammel ist Wood innerhalb weniger Tage der zweite Pitcher vom World-Series-Sieger Chicago Cubs, dessen Dienste die Royals sich gesichert haben. Beide waren in Chicago eher am unteren Ende der Rotation angesiedelt, Wood zuletzt sogar im Bullpen, aber bei den Royals haben beide gute Aussichten auf einen Posten als Starter.

Braves traden für Brandon Philipps
Die Atlanta Braves arbeiten weiter daran, zur Eröffnung ihres neuen Stadions ein schlagkräftiges Team zu präsentieren. Um den Ausfall von Sean Rodriguez (siehe unten) zu kompensieren, wurde in einem Trade mit den Cincinnati Reds 2B Brandon Phillips an Land gezogen. Für die Braves war es ein extrem günstiges Geschäft, denn sie mussten nur die eher vernachlässigbaren Pitching-Prospects Andrew McKirahan und Carlos Portuondo abgeben und die Reds übernehmen sogar noch 13 von den 14 Millionen Dollar, die Phillips dieses Jahr an Gehalt zustehen. Die Reds wollten den 35-jährigen Veteranen offenbar verzweifelt loswerden, obwohl dieser mit einer Slashline von .291/.320/.416 eine sehr ordentliche Saison hinter sich hat und bei den Fans sehr beliebt war. Da Cincinnatis Team dieses Jahr definitiv nicht konkurrenzfähig sein wird, mit Jose Peraza und Dilson Herrera aber zwei große Infield-Talente darauf warten, ihr Können unter Beweis zu stellen, war man froh, für das letzte Vertragsjahr von Phillips überhaupt noch einen Gegenwert zu erhalten.

Verletzungsopfer der ersten Trainingswoche
Leider hat die erste Trainingswoche bereits einige nennenswerte Verletzungen hervorgebracht. An erster Stelle ist hier sicher Alex Reyes zu nennen, der als die große Pitcher-Hoffnung der St. Louis Cardinals galt. Letztes Jahr hatte er in der zweiten Saisonhälfte seine ersten zwölf MLB-Auftritte, darunter fünf Starts, und produzierte einen beachtlichen ERA von 1.57. Dieses Jahr hätte sein endgültiger Durchbruch anstehen können, doch stattdessen wird er sich nun der berühmt-berüchtigten Tommy-John-Surgery am Ellbogen unterziehen müssen. Die Saison ist damit für ihn vorbei, bevor sie überhaupt angefangen hatte.

Ähnlich schlimm hat es Infield/Outfield-Allrounder Sean Rodriguez erwischt, der gerade erst von den Pittsburgh Pirates zu den Atlanta Braves gewechselt war. Er verletzte sich bei einem Autounfall an der Schulter und wird nach der notwendigen Operation wohl ebenfalls für die gesamte Saison ausfallen.

Nicht die schlimmste, aber die auf skurrilste Art zugezogene Verletzung erlitt Royals-Reliever Brian Flynn: Der frisch Vermählte wollte kurz vor Abreise zum Spring Training noch schnell das Dach der Scheune abdichten, die zum neu erworbenen Häuschen am See gehört. Leider brach er dabei durch das Dach und landete nach knapp vier Metern freiem Fall bewusstlos auf Beton. Zum Glück stellte sich heraus, dass er mit einer gebrochenen Rippe und drei angeknacksten Wirbeln davon gekommen ist und wahrscheinlich nach rund zwei Monaten wieder spielen kann.

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Januar 19th, 2017 by Silversurger

Jeff Bagwell, Tim Raines und Ivan Rodriguez ziehen am 30. Juli in die National Baseball Hall of Fame ein. Das ist die Neuigkeit der Woche und damit auch das erste Thema im Grand Slam am Donnerstag. Außerdem haben in den letzten Tagen ein paar weitere Free Agents eine neue – oder ihre alte – Bleibe gefunden, allen voran Mr. Batflip Jose Bautista.

Die Hall-of-Fame-Klasse 2017
Mit meiner Vorhersage lag ich nicht allzu weit daneben: Die fünf Spieler, deren Aufnahme in die Hall of Fame ich prognostiziert hatte, belegten bei den Wahlergebnissen tatsächlich die ersten fünf Plätze, allerdings scheiterten Trevor Hoffman (74,0%) und Vladimir Guerrero (71,7%) knapp an der 75%-Hürde, während Jeff Bagwell (86,2%), Tim Raines (86,0%) und Ivan „Pudge“ Rodriguez (76,0%) diese nahmen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Hoffman und Guerrero es bei der Wahl im nächsten Jahr schaffen – es ist eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass man mit einem Ergebnis von über 70% im Folgejahr gewählt wird.

Hinter den fünf Genannten klafft ein großes Loch, nächster in der Reihe ist Edgar Martinez mit 58,6%. Die beiden wegen ihrer Dopinggeschichte umstrittenen Stars Roger Clemens (54,1%) und Barry Bonds (53,8%) erhielten weniger Stimmen als allgemein erwartet wurde und sehen ihre Chancen, es irgendwann in das Ehrenmuseum zu schaffen, langsam aber sicher schwinden. Auch Manny Ramirez, der mit Außenseiterchancen in sein erstes Jahr als wählbarer Kandidat gegangen war, wird sich nach seinen 23,8% keine großen Hoffnungen mehr machen, auch wenn er noch neun Chancen haben wird. Keine Chance mehr hat hingegen Jorge Posada (3,8%). Da er im ersten Anlauf unter 5% blieb, ist er bei der nächsten Wahl nicht mehr dabei – ein Schicksal, das er mit 15 anderen Ex-Spielern teilt.

Bautista bleibt bei den Blue Jays
Es hat sehr lange gedauert, aber am Ende stand dann doch das erwartete Ergebnis: Jose Bautista bleibt das Gesicht der Franchise Toronto Blue Jays. Der erhoffte längerfristige Vertrag war für den 36-Jährigen nicht drin, aber 18 Millionen Dollar für ein Jahr plus zwei für beide Seiten optionale Jahre klingen nach einem fairen Deal.

Tyson Ross geht zu den Rangers
Eines der großen Schnäppchen dieser Offseason könnten die Texas Rangers gemacht haben. Der rechtshändige Pitcher Tyson Ross wurde, nachdem die Padres entschieden hatten, ihn ziehen zu lassen, von angeblich über 20 Clubs umworben. Ross hatte drei starke Jahre in San Diego mit einem ERA von 3.16, verpasste allerdings die letzte Saison nahezu vollständig wegen einer Verletzung am Wurfarm. Ross wurde (genau wie z. B. Matt Harvey) wegen eines „Thoracic Outlet Syndrome“ operiert und es bleibt abzuwarten, ob er danach wieder der Alte ist. Wenn er es ist, sind die 6 Millionen Dollar für seinen Jahresvertrag sehr gut angelegtes Geld. Mit Andrew Cashner, Yu Darvish, Cole Hamels, Martin Perez, A.J. Griffin und Ross haben die Rangers nun eine Rotation, die auch ein, zwei Verletzte wegstecken kann.

Die Phillies holen Saunders
Auch die Philadelphia Phillies haben noch eine Verstärkung an Land gezogen. Michael Saunders, zuletzt bei den Blue Jays unter Vertrag, bekommt zunächst für ein Jahr 9 Millionen Dollar und der Club hat noch die Option auf ein zweites Jahr für 11 Millionen. Saunders ist der lange gesuchte linkshändige Veteran, der wohl im Right Field auflaufen wird und damit Prospect Roman Quinn Zeit verschafft, etwas mehr AAA-Erfahrung zu sammeln. Jetzt müssen die Phillies nur hoffen, dass sie den Saunders aus der ersten Saisonhälfte 2016 erleben (.298/.372/.551, 16 HRs) und nicht den aus der zweiten (.178/.282/.357, 8 HRs).

Vertragsverlängerungen für Myers, Arenado und Duffy
Zu guter Letzt seien noch ein paar interessante Vertragsverlängerungen erwähnt: All-Star-3B Nolan Arenado bleibt für 29,5 Millionen Dollar die nächsten zwei Jahre bei den Colorado Rockies und umgeht mit diesem Deal das Schiedsverfahren (Arbitration), das sonst angestanden hätte.

Gleiches gilt für OF/1B Wil Myers, dessen Dienste sich die San Diego Padres für sechs Jahre und 83 Millionen Dollar gesichert haben. In meinen Augen ist es aus Clubsicht etwas riskant, sich so langfristig und für so viel Geld an einen Spieler zu binden, der in seiner bisherigen Karriere solide, aber nicht überragende Zahlen (.257/.331/.429) geliefert und sich nicht ganz unanfällig für Verletzungen gezeigt hat.

Auch Starting Pitcher Danny Duffy und die Kansas City Royals haben die Arbitration vermieden und sich stattdessen auch einen Fünfjahresvertrag über 65 Millionen Dollar geeinigt. Linkshänder Duffy kommt ebenfalls nicht ohne Fragezeichen aus, denn Konstanz war bislang nicht seine Stärke. 2016 fand er sich zunächst in den Bullpen versetzt, schwang sich dann aber mit 179.2 gepitchten Innings und einem ERA von 3.51 zum besten Starter der Royals auf. Klar, dass sie ihn halten wollten, aber ob es fünf Jahre sein mussten, lasse ich mal dahingestellt.

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