Februar 13th, 2020 by Silversurger

Baseball is back: Während der letzten Tage haben jedenfalls schon mal die Pitcher und Catcher aller Teams in den Trainigscamps in Florida und Arizona die Saisonvorbereitung aufgenommen. Die restlichen Spieler folgen in den nächsten Tagen und schon Ende nächster Woche geht es los mit dem täglichen Testspielbetrieb des Spring Trainings. Damit uns das Warten darauf nicht langweilig wird, hat die Ligaleitung Pläne für eine radikale Reform der MLB-Playoffs durchsickern lassen, die zurzeit heiß diskutiert werden.

Demnächst 14 Playoff-Teams?
Die Pläne der Liga sollen drei wesentliche Neuerungen vorsehen:
1. Die Anzahl der Playoffteilnehmer soll von 10 auf 14 Teams erhöht werden. Es würden dann in jeder der beiden Teilligen AL und NL die drei Divisionssieger sowie die vier Teams mit den nächstbesten Bilanzen an der Postseason teilnehmen.
2. Anstelle des einzelnen Wild-Card-Spiels soll eine Playoff-Runde treten, von der nur das stärkste Team der jeweiligen Teilliga befreit ist. Dieses Team ist für die zweite Runde gesetzt. Die anderen sechs Teams spielen paarweise Best-of-3-Duelle gegeneinander, wobei das Team mit der stärkeren Bilanz in allen drei Spielen Heimrecht hat.
3. Jetzt kommt der wirklich revolutionäre Teil: Die Zusammenstellung der Wild-Card-Duelle erfolgt, indem die beiden Divisions-Gewinner ihren Gegner aus den restlichen Playoff-Teams aussuchen. Diese Auswahl soll als TV-Ereignis vermarktet werden, bei dem am Abend des regulären Saisonendes live von Teamverantwortlichen verkündet wird, gegen wen sie antreten wollen.
Wenn jemanden meine Ansicht dazu interessiert: Die Idee, die Playoffs auf 14 Teilnehmer aufzublähen, gefällt mir überhaupt nicht, denn das bedeutet eine Entwertung der langen und anstrengenden regulären Saison. Wofür spielt man 162 Spiele, wenn anschließend selbst Teams aus dem grauesten Mittelmaß noch der Weg zur World Series offen steht? Der Vorschlag, in der Wild-Card-Runde vom Einzelspiel wegzukommen und stattdessen eine Best-of-3-Serie zu spielen, gefällt mir hingegen gut. Zu der dritten Idee, der direkten Auswahl des Gegners, habe ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet. Uninteressant klingt sie jedenfalls nicht.
In Kraft treten könnte die Reform zur Saison 2022. Zuvor müsste eine Einigung mit der Spielergewerkschaft MLBPA erzielt werden. Der Chef der Gewerkschaft, Tony Clark, zeigte sich in einer ersten Reaktion von den Plänen überrascht, aber gegenüber einer Erweiterung der Playoffs nicht abgeneigt. Zwischen MLB und MLBPA stehen ohnehin Neuverhandlungen über die Rahmenvereinbarung (CBA) an, da deren aktuelle Fassung 2021 ausläuft.

Roenicke neuer Manager der Red Sox
Kurz vor dem Trainingsauftakt haben die Boston Red Sox noch schnell eine neue sportliche Leitung bestimmt: Der bisherige Bench Coach Ron Roenicke wurde am Dienstag zum Manager befördert. Genauer gesagt trägt er zunächst den Titel „Interimsmanager“, solange noch die Ergebnisse der MLB-Untersuchung der Sign-Stealing-Vorwürfe aus dem Jahr 2018 ausstehen. Da die Red Sox Roenicke den Posten geben, gehen sie offenbar davon aus, dass er in die damaligen Vorgänge nicht signifikant involviert war und dass er keine Bestrafung seitens der Liga zu erwarten hat. Dennoch wartet man vor seiner endgültigen Ernennung verständlicherweise den Abschluss der Untersuchung ab.
Wann die MLB ihre Entscheidung über mögliche Strafen bekannt gibt, ist unklar. Die ursprüngliche Ankündigung war, dass das vor Beginn der Spring-Training-Spiele erledigt sein soll. Nach den Einschätzungen, die bisher durchgedrungen sind, werden die Verstöße der Red Sox von 2018 wohl als weniger massiv eingestuft als die der Astros von 2017. Alex Cora, 2017 Bench Coach der Astros und 2018 bis 2019 Manager der Red Sox, war wegen der ihm zugeschriebenen Rolle in beiden Skandalen im Januar entlassen worden.
Ron Roenicke ist 63 Jahre alt und seit 2018 für die Red Sox tätig. Von 2011 bis 2015 war er Manager der Milwaukee Brewers, davor und danach war er seit 1992 in verschiedenen Rollen als Coach bei den Los Angeles Dodgers und den Los Angeles Angels aktiv.

Trades um Betts, Price, Maeda & Co. sind jetzt offiziell
Dass Mookie Betts und David Price von den Red Sox zu den Los Angeles Dodgers getradet werden, war schon letzte Woche die Top-Neuigkeit. Allerdings hatte ich bereits erwähnt, dass das Gesamtpaket des Blockbuster-Trades, bei dem auch die Minnesota Twins involviert waren, möglicherweise wegen medizinischer Bedenken noch mal aufgeschnürt wird. Genau so ist es gekommen und der endgültige Deal sieht nun folgendermaßen aus: Wie gehabt geben die Red Sox OF Mookie Betts sowie SP David Price an die Dodgers ab und übernehmen rund die Hälfte der 96 Millionen Dollar, die Price bis 2022 noch zustehen; wie gehabt erhalten die Red Sox im Gegenzug OF Alex Verdugo; dazu geben ihnen die Dodgers jetzt noch IF-Prospect Jeter Downs und Minor-League-Catcher Connor Wong.
Die Twins sind an dem Betts-Trade nun nicht mehr beteiligt, sie haben stattdessen einen unabhängigen Deal mit den Dodgers ausgehandelt: Kenta Maeda wechselt wie ursprünglich vorgesehen von den Dodgers zu den Twins. Obendrein senden die Dodgers 10 Millionen Dollar und den jungen Catcher Jair Carmago nach Minnesota. Im Gegenzug wechseln Pitching-Prospect Brusdar Graterol, OF-Prospect Luke Raley und ein Draftpick (#67 in der Draft 2020) zu den Dodgers.

Pederson-Trade entfällt
Ein dritter Trade, der im Zusammenhang mit den beiden eben geschilderten ausgehandelt worden war, ist abgesagt worden: Joc Pederson und Ross Stripling wechseln nicht von den Dodgers zu den Los Angeles Angels. Der Owner der Angels, Arte Moreno, war offenbar verärgert über die durch die anderen Trades verursachte Verzögerung und entschied daher, die Verhandlungen abzubrechen. Sinn ergibt das in meinen Augen nicht, denn es war von vornherein klar, dass die Trades zusammenhängen. Und nachdem die Dodgers von den Twins nun einen weiteren Outfielder und einen weiteren Pitcher bekommen haben, erschiene eine Trennung von Pederson und Stripling umso logischer. Man wird sehen, ob sich im Laufe der nächsten Tage für die beiden noch etwas Neues ergibt – andernfalls müssen sie damit leben, weiterhin für den Klub zu spielen, der sie durch den versuchten Trade bereits als verzichtbar abgestempelt hatte.

Spielertausch zwischen Padres und Rays
Neben den ganzen geänderten oder abgesagten Geschäften aus der letzten Woche habe ich auch noch einen komplett neuen Trade im Angebot: Die San Diego Padres und die Tampa Bay Rays haben sich zum zweiten Mal in dieser Offseason auf ein Tauschgeschäft geeinigt. Die Rays schicken RP Emilio Pagan nach San Siego, dafür wechseln OF Manuel Margot und C/OF-Prospect Logan Driscoll zu den Rays. Beide Teams festigen damit bestehende Stärken. Pagan bildet mit Kirby Yates und Andres Munoz in San Diego künftig ein starkes Trio von Relievern, deren Rollenverteilung in den späten Innings noch zu klären ist. Margot ist ein defensivstarker Centerfielder und als solcher die Absicherung für den Fall, dass sein neuer Teamkamerad Kevin Kiermaier wieder von Verletzungen heimgesucht wird.

Pillar zu den Red Sox
Auch die Red Sox verpflichten einen Centerfielder: Kevin Pillar ergänzt das Bostoner Outfield, in dessen voraussichtlicher Stammbesetzung nach dem Trade von Mookie Betts mit Andrew Benintendi, Jackie Bradley Jr. und Alex Verdugo nur noch Linkshänder zugange sind. Als Rechtshänder, der seine besten Offensivleistungen gegen linkshändige Pitcher erbringt, ist Pillar eine sinnvolle Bereicherung. Der Deal ist noch nicht offiziell, dementsprechend gibt es auch noch keine Vertragsdetails.

Pence zurück in San Francisco
Hunter Pence hat schon für vier verschiedene MLB-Teams gespielt, aber irgendwie erschien es mir seltsam, ihn letztes Jahr in einem anderen Trikot als dem der San Francisco Giants zu sehen. Falls es anderen auch so ging, dass sie sich an Pence in Rangers-blau nicht recht gewöhnen konnten, ist jetzt alles wieder gut: Der Outfielder ist zurück an der Bay, die Giants nehmen ihn für 3 Millionen Dollar unter Vertrag. Über Einsatzboni kann der 36-Jährige sein Einkommen um bis zu 2,5 Millionen Dollar erhöhen. Seine Rolle – neben der der Identifikationsfigur für die Madison Bumgarner nachtrauernden Fans – ist eine ähnliche, wie Pillar sie in Boston spielen wird. Auch in San Francisco besteht das Stamm-Outfield mit Mike Yastrzemski, Alex Dickerson und Steven Duggar ausschließlich aus Linkshändern, und Pence ist ein Kandidat dafür, den primären rechtshändigen Ergänzungsspieler darzustellen.

Maybin nach Detroit
Noch ein Rückkehrer: Outfielder Cameron Maybin unterschreibt für ein Jahr und 1,5 Millionen Dollar bei den Detroit Tigers. Maybin läuft damit zum dritten Mal für die Tigers auf, welche ihn 2005 gedraftet und an die MLB herangeführt hatten, bevor sie ihn 2007 zu den Mariners tradeten. 2016 spielte Maybin erneut für die Tigers. Der 32-Jährige hatte letztes Jahr mit den Yankees die stärkste Saison seiner Karriere (.285/.364/.494). Für die im Rebuilding befindlichen Tigers ist er eine solide Ergänzung und möglicherweise ein Tradechip, der sich zur Mitte der Saison gegen Talente eintauschen lässt.

Mariners signen Walker
Auch Pitcher Taijuan Walker kehrt zurück an eine frühere Wirkungsstätte: Er heuert für 2 Millionen Dollar für ein Jahr bei den Seattle Mariners an, von denen er 2010 gedraftet wurde und für die er von 2013 bis 2016 in der MLB spielte. Walker kommt mit dem Fragezeichen, ob er wieder der solide Starter sein kann, der er bis 2017 war, nachdem er die Saisons 2018 und 2019 wegen einer Tommy-John-Surgery und weiteren Verletzungen fast vollständig verpasste.

Neuer Käufer für die Mets gesucht
Der ursprünglich geplante Verkauf der Anteilsmehrheit an den New York Mets an den Hedgefonds-Unternehmer Steve Cohen ist, wie sich letzte Woche schon abzeichnete, geplatzt. Jeff Wilpon, der COO der Mets und Sohn des Haupteigentümers Fred Wilpon, hat Anfang der Woche ein Statement herausgegeben. Darin beruft er sich hinsichtlich der Gründe des gescheiterten Geschäfts auf vereinbartes Stillschweigen, lässt aber durchblicken, dass er und sein Vater weiterhin nach einem Käufer für das Team suchen. Anhänger der Mets dürfen also nach wie vor hoffen, dass die Ära der ungeliebten Wilpons-Ownerschaft in absehbarer Zeit endet. Wenn ihr ein paar Milliarden (3 dürften reichen) übrig habt und euch schon immer den Traum erfüllen wolltet, eine MLB-Franchise zu besitzen: Hier ist eure Chance!

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