Juli 9th, 2020 by Silversurger

Heute in zwei Wochen beginnt die MLB-Saison. Zum Eröffnungstag sieht der frisch veröffentlichte Spielplan gleich zwei Knallerbegegnungen vor. Was er nicht vorsieht, ist ein All-Star-Game. Das Schaulaufen der Stars fällt dieses Jahr dem Coronavirus zum Opfer. Der ursprünglich vorgesehene Austragungsort, Dodger Stadium in Los Angeles, wird stattdessen erst 2022 das Event veranstalten.

Die Highlights des Spielplans
Zum Saisonstart treten am 23. Juli die New York Yankees beim Titelverteidiger Washington Nationals an. Dabei könnte es zur Neuauflage eines Pitcherduells aus der letzten World Series kommen, wenn die Yankees Gerrit Cole und die Nationals Max Scherzer ins Rennen schicken. Die zweite Partie am Eröffnungstag ist der Klassiker Los Angeles Dodgers gegen San Francisco Giants. Am Tag darauf – Freitag, den 24. Juli – steigt der Rest der Liga in den Spielbetrieb ein. Das wichtigste Ereignis dieses Tages wird das Heimspiel der Texas Rangers gegen die Colorado Rockies sein, denn es ist das Eröffnungsspiel des neuen Stadions der Rangers, Globe Life Field. Am 13. August wird ein weiterer Ballpark Premiere feiern: das „Field of Dreams“, das zur Ehre des gleichnamigen Films in den Maisfeldern von Iowa errichtet wurde. Ursprünglich sollten dort die Yankees gegen die Chicago White Sox spielen. Da diese Partie im Spielplan nicht vorgesehen ist, treten die White Sox stattdessen gegen die St. Louis Cardinals an. Ihren Abschluss findet die Saison – von möglichen Tiebreaker-Spielen abgesehen – am 27. September, an dem alle Teams gleichzeitig das letzte ihrer 60 Spiele absolvieren. Von den je 60 Partien jeder Mannschaft werden 40 innerhalb der eigenen Division ausgetragen und die restlichen 20 als Interleague-Spiele gegen die entsprechende Division der anderen Liga, also NL East gegen AL East usw. Auf alle anderen Teams kann man lediglich in den Playoffs treffen.

38 Positive in erster Testrunde
Wie im Hygieneplan für die Saison vorgesehen, haben alle Mannschaften ihre Camps mit umfassenden Corona-Tests begonnen. Dabei lief noch nicht alles rund: Mehrere Teams mussten zwischendurch mit dem Training aussetzen, weil die Testergebnisse nicht schnell genug aus dem Labor kamen. Die MLB sucht nun nach zusätzlichen Kapazitäten, um Verzögerungen während der Saison auszuschließen. Die ersten Tests haben bereits einige Infektionen mit dem Coronavirus nachgewiesen, wenngleich immerhin weniger als befürchtet: Von über 3000 im ersten Durchgang getesteten Personen waren 38 corona-positiv, darunter 31 Spieler. Namen werden seitens der Liga nicht genannt, die Spieler entscheiden selbst, ob sie ihre Diagnose öffentlich machen. Braves-1B Freddie Freeman, Yankees-2B DJ LeMahieu, Royals-Catcher Salvador Perez und Red-Sox-Starter Eduardo Rodriguez sind einige prominente MLB-Profis, die offen damit umgehen, an Covid-19 erkrankt zu sein.

Price, Markakis und Weitere verzichten
Nachdem letzte Woche schon Mike Leake, Ian Desmond, Joe Ross und Ryan Zimmerman bekannt gegeben hatten, wegen Bedenken angesichts der Corona-Situation auf ihre Teilnahme an der Saison 2020 zu verzichten, sind inzwischen noch einige Namen hinzu gekommen. Dodgers-Pitcher David Price, Braves-3B Nick Markakis, Braves-Pitcher Felix Hernandez, Nationals-Catcher Welington Castillo und Free-Agent-Pitcher Tyson Ross werden dieses Jahr nicht spielen. Angels-Outfielder Mike Trout und Phillies-Pitcher Zack Wheeler haben das Training mit ihren Teams aufgenommen, denken aber offen darüber nach, aus Rücksicht auf ihre schwangeren und dadurch besonders gefährdeten Frauen die Saison für sich abzusagen oder vorzeitig zu beenden.

Blue Jays in Toronto
Für die Toronto Blue Jays war letzte Woche die Frage noch offen, ob sie aus den USA ohne Quarantäne in ihre Heimatstadt zurückkehren können. Inzwischen haben sie die entsprechende Genehmigung der kanadischen Behörden erhalten und bereiten sich in Rogers Centre auf die Saison vor. Ob sie dort auch ihre Heimspiele austragen können, ist allerdings noch nicht geklärt. Dazu bräuchten sie sowohl für sich selbst als auch für die Gastmannschaften eine weitere Ausnahmeerlaubnis, die bisher noch aussteht.

Indians erwägen Namensänderung
Die einzige Meldung der Woche ohne Coronabezug: Im Zuge der gesellschaftlichen Bewegung in den USA, bei direktem und indirektem Rassismus genauer hinzusehen und Veränderungen einzufordern, hat auch die Diskussion um den Teamnamen der Cleveland Indians wieder Fahrt aufgenommen. Der Klub, der sich vor zwei Jahren von dem stereotypen Logo „Chief Wahoo“ verabschiedete, hat in einer Stellungnahme angekündigt, seinen 105 Jahre alten Namen auf den Prüfstand stellen zu wollen. Dazu würde mich die Meinung der Baseblog-Leser interessieren, besonders die der Fans der „Indianer von Cleveland“. Wie sehr hängt ihr an dem Namen und könnt ihr verstehen, wenn jemand mit ihm ein Problem hat? Habt ihr vielleicht schon einen Favoriten für einen neuen Namen?

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Juli 2nd, 2020 by Silversurger

Die Vorbereitungen auf die MLB-Saison 2020 laufen auf Hochtouren: Alle Teams haben während der letzten Tage ihre erweiterten Kader mit bis zu 60 Spielern bekannt gegeben und das Training sowie Coronatests in ihren Summer Camps aufgenommen. Der Spielplan für die reguläre Saison steht leider noch nicht fest. Aller Voraussicht nach beginnt die Saison am 23. Juli mit einem Eröffnungsspiel der New York Yankees gegen den amtierenden Champion, die Washington Nationals. Einen Tag später steigen die restlichen Teams in ihr 60-Spiele-Programm ein. Das alles steht natürlich unter dem Vorbehalt, dass die Pandemielage in den USA den Saisonstart zulässt.

Mindestens vier Spieler verzichten
Die Beteiligung an der Saison in diesem ungewöhnlichen Jahr ist den Spielern freigestellt. Bislang haben vier Akteure bekannt gegeben, dass sie von dem Recht Gebrauch machen werden, auf die Saison 2020 (und damit auch auf ihr Gehalt) zu verzichten. Rockies-Outfielder Ian Desmond, Diamondbacks-Pitcher Mike Leake sowie von den Washington Nationals First Baseman Ryan Zimmerman und Pitcher Joe Ross werden dieses Jahr freiwillig aussetzen. Desmond hat seine Entscheidung in einem lesenswerten Instagram-Post begründet. Im Wesentlichen argumentiert er damit, dass er das Spielen der Saison für ein Risiko hält, welches er als Vater von vier Kindern mit einer schwangeren Frau nicht einzugehen bereit ist – in meinen Augen eine sehr legitime und ehrenwerte Sichtweise.

Blue Jays vorerst in Florida
Für die Toronto Blue Jays als einziges MLB-Team außerhalb der USA ist weiterhin unklar, wo sie ihr Summer Camp und ihre Saisonspiele durchführen werden. Einstweilen hat sich das Team in der Spring-Training-Einrichtung des Klubs in Dunedin, Florida, gesammelt. Dort wartet man nun, ob die kanadischen Behörden grünes Licht für den Flug nach Toronto und für die Nutzung von Rogers Centre geben.

Rekordvertrag für Torkelson
Nach der MLB-Draft vom 10. und 11. Juni haben die meisten Teams inzwischen die Verträge mit den gepickten Spielern abgeschlossen. Der Nummer-1-Pick Spencer Torkelson hat mit den Detroit Tigers einen Rekordvertrag ausgehandelt: Er erhält für seine Unterschrift ein Handgeld von 8.416.300 Dollar. Der 20-jährige First Baseman wurde allseits als das Top-Talent dieser Draft angesehen und soll in Detroit langfristig die alternde Legende Miguel Cabrera ablösen.

Keine Minor Leagues 2020
Für die weit überwiegende Zahl der Baseball-Profis in den USA wird es keine Saison 2020 geben: Wie allseits erwartet worden war, haben die Minor Leagues die Saison wegen des Coronavirus komplett abgesagt. Das ist in Anbetracht der Lage sehr verständlich, aber auch ein herber Schlag für die betroffenen Spieler und sonstigen Angestellten.

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Januar 19th, 2017 by Silversurger

Jeff Bagwell, Tim Raines und Ivan Rodriguez ziehen am 30. Juli in die National Baseball Hall of Fame ein. Das ist die Neuigkeit der Woche und damit auch das erste Thema im Grand Slam am Donnerstag. Außerdem haben in den letzten Tagen ein paar weitere Free Agents eine neue – oder ihre alte – Bleibe gefunden, allen voran Mr. Batflip Jose Bautista.

Die Hall-of-Fame-Klasse 2017
Mit meiner Vorhersage lag ich nicht allzu weit daneben: Die fünf Spieler, deren Aufnahme in die Hall of Fame ich prognostiziert hatte, belegten bei den Wahlergebnissen tatsächlich die ersten fünf Plätze, allerdings scheiterten Trevor Hoffman (74,0%) und Vladimir Guerrero (71,7%) knapp an der 75%-Hürde, während Jeff Bagwell (86,2%), Tim Raines (86,0%) und Ivan „Pudge“ Rodriguez (76,0%) diese nahmen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Hoffman und Guerrero es bei der Wahl im nächsten Jahr schaffen – es ist eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass man mit einem Ergebnis von über 70% im Folgejahr gewählt wird.

Hinter den fünf Genannten klafft ein großes Loch, nächster in der Reihe ist Edgar Martinez mit 58,6%. Die beiden wegen ihrer Dopinggeschichte umstrittenen Stars Roger Clemens (54,1%) und Barry Bonds (53,8%) erhielten weniger Stimmen als allgemein erwartet wurde und sehen ihre Chancen, es irgendwann in das Ehrenmuseum zu schaffen, langsam aber sicher schwinden. Auch Manny Ramirez, der mit Außenseiterchancen in sein erstes Jahr als wählbarer Kandidat gegangen war, wird sich nach seinen 23,8% keine großen Hoffnungen mehr machen, auch wenn er noch neun Chancen haben wird. Keine Chance mehr hat hingegen Jorge Posada (3,8%). Da er im ersten Anlauf unter 5% blieb, ist er bei der nächsten Wahl nicht mehr dabei – ein Schicksal, das er mit 15 anderen Ex-Spielern teilt.

Bautista bleibt bei den Blue Jays
Es hat sehr lange gedauert, aber am Ende stand dann doch das erwartete Ergebnis: Jose Bautista bleibt das Gesicht der Franchise Toronto Blue Jays. Der erhoffte längerfristige Vertrag war für den 36-Jährigen nicht drin, aber 18 Millionen Dollar für ein Jahr plus zwei für beide Seiten optionale Jahre klingen nach einem fairen Deal.

Tyson Ross geht zu den Rangers
Eines der großen Schnäppchen dieser Offseason könnten die Texas Rangers gemacht haben. Der rechtshändige Pitcher Tyson Ross wurde, nachdem die Padres entschieden hatten, ihn ziehen zu lassen, von angeblich über 20 Clubs umworben. Ross hatte drei starke Jahre in San Diego mit einem ERA von 3.16, verpasste allerdings die letzte Saison nahezu vollständig wegen einer Verletzung am Wurfarm. Ross wurde (genau wie z. B. Matt Harvey) wegen eines „Thoracic Outlet Syndrome“ operiert und es bleibt abzuwarten, ob er danach wieder der Alte ist. Wenn er es ist, sind die 6 Millionen Dollar für seinen Jahresvertrag sehr gut angelegtes Geld. Mit Andrew Cashner, Yu Darvish, Cole Hamels, Martin Perez, A.J. Griffin und Ross haben die Rangers nun eine Rotation, die auch ein, zwei Verletzte wegstecken kann.

Die Phillies holen Saunders
Auch die Philadelphia Phillies haben noch eine Verstärkung an Land gezogen. Michael Saunders, zuletzt bei den Blue Jays unter Vertrag, bekommt zunächst für ein Jahr 9 Millionen Dollar und der Club hat noch die Option auf ein zweites Jahr für 11 Millionen. Saunders ist der lange gesuchte linkshändige Veteran, der wohl im Right Field auflaufen wird und damit Prospect Roman Quinn Zeit verschafft, etwas mehr AAA-Erfahrung zu sammeln. Jetzt müssen die Phillies nur hoffen, dass sie den Saunders aus der ersten Saisonhälfte 2016 erleben (.298/.372/.551, 16 HRs) und nicht den aus der zweiten (.178/.282/.357, 8 HRs).

Vertragsverlängerungen für Myers, Arenado und Duffy
Zu guter Letzt seien noch ein paar interessante Vertragsverlängerungen erwähnt: All-Star-3B Nolan Arenado bleibt für 29,5 Millionen Dollar die nächsten zwei Jahre bei den Colorado Rockies und umgeht mit diesem Deal das Schiedsverfahren (Arbitration), das sonst angestanden hätte.

Gleiches gilt für OF/1B Wil Myers, dessen Dienste sich die San Diego Padres für sechs Jahre und 83 Millionen Dollar gesichert haben. In meinen Augen ist es aus Clubsicht etwas riskant, sich so langfristig und für so viel Geld an einen Spieler zu binden, der in seiner bisherigen Karriere solide, aber nicht überragende Zahlen (.257/.331/.429) geliefert und sich nicht ganz unanfällig für Verletzungen gezeigt hat.

Auch Starting Pitcher Danny Duffy und die Kansas City Royals haben die Arbitration vermieden und sich stattdessen auch einen Fünfjahresvertrag über 65 Millionen Dollar geeinigt. Linkshänder Duffy kommt ebenfalls nicht ohne Fragezeichen aus, denn Konstanz war bislang nicht seine Stärke. 2016 fand er sich zunächst in den Bullpen versetzt, schwang sich dann aber mit 179.2 gepitchten Innings und einem ERA von 3.51 zum besten Starter der Royals auf. Klar, dass sie ihn halten wollten, aber ob es fünf Jahre sein mussten, lasse ich mal dahingestellt.

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November 3rd, 2016 by Silversurger

Ein letztes Mal für dieses Jahr dreht sich der Grand Slam am Donnerstag heute ausschließlich um die World Series. Ab nächster Woche werde ich den regelmäßigen Artikel dafür nutzen, um wieder mehr in die Breite zu schauen und zusammenzufassen, was sich während der Offseason bei den Teams der MLB tut. Ich freue mich, wenn ihr auch außerhalb der Saison immer mal wieder hier reinschaut. Ich habe mir ein bisschen was ausgedacht, um die Zeit bis zum Frühjahr zu überbrücken und ich möchte auch Anregungen von euch aufgreifen. Mehr dazu im Laufe des kommenden Wochenendes.

Die World Series
Ich hatte schon zu Beginn meiner Vorschau auf die World Series geschrieben, dass es mir manchmal so vorkommt, als gäbe es ein heimliches Drehbuch für die MLB. Dieser Eindruck hat sich durch die mitreißende Serie noch verfestigt. Die Dramaturgie, dass ausgerechnet die beiden am längsten titellosen Teams aufeinander treffen; dass der Underdog aus Cleveland durch zwei Auswärtssiege auf 3:1 davonzieht; dass die Cubs durch ihrerseits drei Auswärtssiege das Ruder herumreißen; dass in Spiel 7 wiederum die Indians einen hohen Rückstand aufholen, nur um dann nach zehn Innings und einer Regenpause knapp zu scheitern; ganz abgesehen von den vielen kleinen Geschichten um Theo Epstein und Terry Francona, um Kyle Schwarber und um Coco Crisp und so weiter und so fort – das alles könnte man sich kaum besser ausdenken als es in Wirklichkeit geworden ist. Oder wie es die Kollegen von Just Baseball formuliert haben: „Disney hätte das Drehbuch abgelehnt, so cheesy ist es.“

Spiel 7 hat die gesamte vorherige Serie noch einmal getoppt. Und obwohl ich dieses Mal wegen anhaltender Erfolglosigkeit meiner Tipps darauf verzichtet hatte, einen Sieger zu prognostizieren, lag ich schon wieder daneben. Denn ich hatte aufgrund der vielen verfügbaren Top-Pitcher ein Spiel mit wenigen Runs vorausgesagt und das 8:7 war alles andere als das.

Schon der Leadoff-Hitter des oberen ersten Innings, Dexter Fowler, besorgte per Solo-Homerun den ersten Score. Den konnten die Indians im dritten Inning ausgleichen, doch die Cubs legten nach und führten zwischenzeitlich 5:1 und 6:3. Clevelands Starter Corey Kluber war deutlich anzumerken, dass er zum zweiten Mal in Folge mit verkürzter Erholungspause von nur drei Tagen pitchte. Er musste nach vier Innings und ebenso vielen earned Runs weichen, doch auch Andrew Miller war heute nicht ganz er selbst und ließ vier Hits, einen Walk und zwei Runs zu.

Auf der anderen Seite machte Kyle Hendricks seine Sache besser, wenngleich er schon nach 4.2 Innings der Ungeduld von Manager Joe Maddon zum Opfer fiel. Die Cubs brachten sich dadurch in Zugzwang, nach weiteren drei Innings von Jon Lester im achten Inning Aroldis Chapman einzuwechseln, der bereits an den Vortagen für seine Verhältnisse außergewöhnlich viele Pitches hatte werfen müssen. Es zeigte sich, dass auch ein Ass wie Chapman offenbar nicht vor körperlicher Erschöpfung gefeit ist. Jedenfalls ist das die naheliegende Erklärung dafür, dass Chapman das Spiel entglitt und unter seiner Regie die 6:3-Führung verloren ging, noch bevor er sein erstes Aus erzielte.

Mit 6:6 ging die Partie in die Verlängerung und die Indians schienen nach dem Comeback das Momentum auf ihrer Seite zu haben. Dieses wurde jedoch ein Stückweit ausgebremst durch eine Regenunterbrechung, die Chicagos Jason Heyward für eine Motivationsrede an seine Teamkameraden nutzte. Sie scheint geholfen zu haben, denn unmittelbar danach eroberten die Cubs im zehnten Inning die Führung zurück und gaben sie nicht mehr her.

Spielzug der Woche
Es fällt schwer, nach so einem großartigen Spiel und so einer großartigen Serie einen einzelnen Spielzug herauszugreifen, aber von meiner Seite aus wird diese Ehre dem Homerun von David Ross zuteil – nicht unbedingt, weil es ein besonders spektakulärer gewesen wäre und es war auch nicht der wichtigste, aber es war einfach ein genialer Abschied für den 39-jährigen Catcher der Cubs. Im letzten Spiel der Karriere die World Series gewinnen und selbst einen Homerun dazu beitragen – das ist auch wieder so ein drehbuchverdächtiger Moment.

Statistik der Woche
1 Win. Den hat sich Aroldis Chapman in Spiel 7 „verdient“ und damit dankenswerterweise dem größtmöglichen Publikum mein Lieblingsreizthema vorgeführt, nämlich den Unsinn der Win-Statistik für Pitcher. Das „Verdienen“ sah in dem Fall so aus, dass Chapman im achten Inning beim Stand von 6:3 auf den Mound kam, einen Double von Brandon Guyer und einen Homerun von Rajai Davis zuließ und nach dem neunten Inning das Spiel beim Stand von 6:6 verließ. Weil aber seine Teamkameraden im Top des zehnten Innings die beiden Runs besorgten, die letztlich den Sieg bedeuteten, und weil Chapman offiziell erst zu Beginn des Bottom des zehnten Innings ausgewechselt wurde, steht ihm der Win zu. Deswegen steht nun für alle Zeiten unter dem Ergebnis des entscheidenden Spiels, in dem die Cubs erstmals nach 108 Jahren die World Series geholt haben, dass dieses von Aroldis Chapman gewonnen wurde. An seiner Stelle wäre mir das unangenehm, aber er kann ja nichts dafür, dass es diese dämlichste aller Statistiken gibt und dass sie einen ungebrochen hohen Stellenwert genießt.

Spiel der Woche
Das kann dieses Mal nur Spiel 7 der World Series sein, über das ich mich weiter oben schon ausgelassen habe.

Spiel der kommenden Woche
Kaum zu glauben, nachdem der Baseball in den letzten sieben Monaten ein ständiger Begleiter war, aber es ist wahr: Die Saison ist vorbei. Jedenfalls in der MLB und in der Bundesliga sowieso schon lange. Deswegen gibt es dieses Mal keinen Ausblick auf ein Spiel der Woche, dafür aber ein paar Tipps, wo man in dringenden Fällen noch eine Dosis Baseball herbekommt: zum einen natürlich in unbegrenzter Menge in Konservenform, wenn man ein Abo von mlb-tv hat; zum anderen gibt es aber auch ein paar Ligen, in denen aktuell noch (oder schon) gespielt wird. Am interessantesten für den MLB-Fan ist die Arizona Fall League, in der noch bis 19. November zahlreiche potenzielle Stars von morgen (und außerdem auch Tim Tebow) Spielpraxis sammeln. Ebenfalls eine Menge Top-Proespects gibt es in den Caribbean Leagues zu sehen, die seit Oktober und noch bis Ende des Jahres in Mexiko, Venezuela, Puerto Rico und der Dominikanischen Republik spielen. Und vom 17. November bis Ende Januar findet auf der anderen Seite des Globus die Australian Baseball League statt. Erfahrungsgemäß landen hier neben den Einheimischen viele Spieler sowohl aus den Minor Leagues als auch aus Europa, die im Winter unter Wettkampfbedingungen an sich arbeiten wollen. Viele Spiele der AFL werden kostenlos gestreamt.

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