Juni 3rd, 2019 by Silversurger

Ab heute Nacht findet die diesjährige Draft der MLB statt. 1217 College- und High-School-Spieler werden im Laufe der kommenden drei Tage von den Profiteams ausgewählt werden und somit die Chance erhalten, es irgendwann in die MLB zu schaffen.

Den ersten Pick haben dieses Jahr die Baltimore Orioles. Offiziell haben sie sich noch nicht für einen Spieler entschieden, aber der klare Favorit ist Adley Rutschman, ein Catcher der Oregon State University. Rutschman gilt als komplettes Paket aus Power, Kontaktfährigkeit und starkem Defensivspiel. Er wurde bereits 2016 nach Abschluss der High School in der 40. Runde von den Seattle Mariners gedraftet. Er entschied sich damals gegen den Spatz in der Hand und für ein College-Studium, was aus heutiger Sicht vermutlich goldrichtig war.

Eine Alternative für die Orioles sowie ein heißer Kandidat für die Kansas City Royals, die als Zweiter draften, könnte Bobby Witt Jr. sein. Der Sohn des ehemaligen MLB-Pitchers Bobby Witt Sr. kam in der Colleywille Heritage High School (Texas) sowohl als Pitcher als auch als Shortstop zum Einsatz und überzeugte in beiden Rollen. Für die angestrebte Profi-Karriere gilt er in erster Linie als herausragendes Shortstop-Talent. Der 18-Jährige wird bei der erwarteten Auswahl als Top-5-Pick wohl auf das College verzichten, was naturgemäß bedeutet, dass er eine etwas längere Entwicklungszeit in den Minor Leagues brauchen wird.

Der dritte Pick gehört den Chicago White Sox, die damit genau in der richtigen Position sein könnten, um einen Nachfolger für Jose Abreu zu draften. First Baseman Andrew Vaughn (California) ist im Gegensatz zu Rutschman und Witt kein Defensiv-Ass, aber das muss er auf seiner Position auch nicht sein. Dafür ist er möglicherweise der beste Batter in der diesjährigen Draft und in seiner Entwicklung schon relativ weit, sodass man ihn wohl nächstes oder übernächstes Jahr bereits in der Major League sehen kann.

Nach verbreiteter Einschätzung ist die diesjährige Draft mit Pitchern, die zügig an die MLB herangeführt werden können, relativ dünn besetzt. Als beste Prospects gelten Alek Manoah (West Virginia) und Nick Lodolo (Texas Christian University). Der 21-jährige Manoah ist ein 1,98m großer, kräftiger Rechtshänder mit einem 94 bis 97 mph schnellen Fastball und einem fiesen Slider. Linkshänder Lodolo ist genauso alt und genauso groß wie Manoah, aber deutlich hagerer. Sein Hauptpitch ist ein Sinker in den niedrigen 90-ern, sein Slider und sein Changeup sind starke sekundäre Pitches.

Die Draft findet von heute Nacht bis Mittwoch statt, die 78 Picks der ersten zwei Runden werden einschließlich Vorbericht ab Mitternacht auf MLB Network und mlb.com gestreamt. Die Runden 3 bis 10 an Tag 2 werden Dienstag ab 19 Uhr auf mlb.com übertragen, die Runden 11 bis 40 am Mittwoch ab 18 Uhr unserer Zeit. Die Liga macht in dieser Zeit keine Pause, der Spielbetrieb läuft ganz normal weiter.

Wenn euch der allgemeine Ablauf und die Rahmenbedingungen der MLB-Draft interessieren: Darüber habe ich hier mal einen erklärenden Abschnitt geschrieben, der noch weitgehend aktuell ist.

Im Gegensatz zu den meisten anderen amerikanischen Sportarten erfährt die Spielerauswahl der MLB meistens eher wenig Aufmerksamkeit. Das liegt daran, dass der Weg von der Draft über mehrere Stufen der Minor Leagues bis ins MLB-Team in aller Regel ein Prozess von einigen Jahren ist. Durch das breite Farmsystem und den meist langen Aufenthalt in selbigem, dauert es nicht nur seine Zeit, bis man die Prospects im MLB-Team sieht, sondern die Wahrscheinlichkeit, dass es überhaupt dazu kommt, ist auch deutlich geringer. Die meisten gewählten Spieler, auch viele Erstrundenpicks, schaffen es entweder gar nicht bis in die MLB und/oder sie wechseln während der Minor-League-Karriere (durch Trades oder die Rule-5-Draft) in eine andere Franchise. Das ist in der NFL, der NBA und der NHL anders; dort erwartet man von den Top-Draftpicks, dass sie vom ersten oder spätestens vom zweiten Jahr an das Team verstärken, und deswegen wird der Draft dort auch mehr Aufmerksamkeit gewidmet.

Dieses Jahr hat der Termin der MLB-Draft sogar ein bisschen mehr Prominenz erfahren als sonst, aber das liegt weniger an der Draft selbst als vielmehr an einer Eigenheit der Transferrechte: Für die Verpflichtung von Free Agents, die ein qualifiziertes Angebot ihres bisherigen Vereins erhalten hatten, muss das neue Team normalerweise eine Kompensation in Form eines hohen Draftpicks abgeben. Ab dem Tag der Draft ist diese Regel außer Kraft. Das bedeutet, ab heute können die überraschenden Langzeitarbeitslosen Craig Kimbrel und Dallas Keuchel ohne diese Extrakosten unter Vertrag genommen werden – wahrscheinlich wird das auch relativ schnell passieren.

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März 14th, 2019 by Silversurger

Ich finde es kaum zu glauben, aber tatsächlich beginnt die MLB-Saison 2019 schon in weniger als einer Woche. Mit meiner Vorschau-Serie werde ich bis dahin nicht fertig werden, aber das macht nichts, denn die Oakland Athletics und die Seattle Mariners waren ja schon dran. Die beiden Teams werden am Mittwoch, dem 20. März, in Tokio das früheste MLB-Eröffnungsspiel aller Zeiten bestreiten. Als Starting Pitcher haben die Athletics Mike Fiers und die Mariners Marco Gonzales festgelegt. Der erste Pitch von Fiers wird um 10:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit erfolgen. Am Tag danach findet zur selben Zeit das zweite Spiel der Serie statt, bevor beide Teams nach Amerika zurückkehren und am 28. März gemeinsam mit allen anderen Klubs den allgemeinen Opening Day bestreiten.

Die zweite Trade-Deadline wird abgeschafft
Kurz vor Saisonbeginn haben sich die Ligaleitung um Commissioner Rob Manfred und die Spielergewerkschaft MLBPA auf zwei Regeländerungen geeinigt. Beide betreffen nicht das Spiel an sich, sondern die äußeren Bedingungen der Kaderzusammenstellung. Zum einen wird ab der Saison 2020 die Änderung der Rostergrößen eingeführt, über die ich letzte Woche schon berichtet hatte: Statt 25 umfasst ein aktives MLB-Roster dann 26 Spieler, ab dem 1. September jedes Jahres erhöht sich die Anzahl auf 28 (statt bisher 40). Die andere Änderung tritt schon zur Saison 2019 in Kraft: Die Unterscheidung zwischen zwei Trade-Deadlines – eine am 31. Juli für direkte Trades, eine zum 31. August für Trades über die Waiverliste – wird abgeschafft. Stattdessen gilt ab sofort eine harte Trade-Deadline am 31. Juli. Eine sinnvolle Änderung, wie ich finde. Sie macht das Verfahren erstens klarer und einfacher und zweitens zwingt sie gemeinsam mit den neuen Rostergrößen die Teams zu etwas weitsichtigerem Denken und Handeln in Bezug auf die Endphase der Saison.

Maldonado zu den Royals
Die Kansas City Royals waren zum Handeln gezwungen, nachdem ihr bisheriger Catcher Salvador Perez für die gesamte Saison ausfällt. Für Martin Maldonado erwies sich das als die Chance, auf die er die gesamte Offseason über gewartet hat. Er erhält von den Royals einen Einjahresvertrag über 2,5 Millionen plus bis zu 1,4 Millionen leistungsbezogene Boni. Maldonado war zuletzt für die Houston Astros aktiv. Er gilt als defensiv sehr starker Catcher mit eher begrenztem Potenzial im Offensivspiel.

Diamondbacks verpflichten Jones
Auch Outfielder Adam Jones hat lange auf ein neues Engagement warten müssen. Nach eigener Aussage hat der 33-Jährige kein Pokerspiel betrieben, sondern er hatte wirklich keine Angebote bekommen. Nun ist er aber doch noch bei den Arizona Diamondbacks untergekommen und wird dort in diesem Jahr 3 Millionen Dollar verdienen. Die Diamondbacks hatten einen klaren Need, nachdem A. J. Pollock zu den Los Angeles Dodgers gewechselt war. Mit Jones sowie dem Umschüler Ketel Marte stehen nun zwei Optionen für Pollocks Nachfolge im Centerfield zur Verfügung.

Nationals holen Sipp
Auch die Washington Nationals haben noch mal nachgebessert: Sie brauchten einen linkshändigen Reliever und haben ihn in Person von Tony Sipp gefunden. Sipp ist schon 35, hatte aber ein starkes Jahr 2018 für die Houston Astros (1.86 ERA über 38.2 Innings), bei denen es für ihn in den beiden Jahren zuvor nicht so gut gelaufen war. Sipp erhält 1,25 Millionen garantiertes Gehalt fur 2019 und eine beidseitige Option für die Saison 2020.

Guerrero Jr. fällt aus
Die Toronto Blue Jays mussten viel Kritik einstecken wegen ihres Vorhabens, Top-Talent Vladimir Guerrero Jr. frühestens 15 Tage nach Saisonstart in die MLB zu berufen, um sich ein zusätzliches Jahr vertraglicher Kontrolle zu sichern. Das Thema hat sich nun von selbst erledigt, denn Vlad Jr. fällt mit einer Bauchmuskelzerrung rund drei Wochen lang aus. Die Verletzung hat ihm sicher niemand gewünscht, aber aus Sicht der Blue Jays konnte kaum etwas besseres passieren, um selbst aus der Schusslinie zu geraten.

Dopingsperre für Martes
Leider gibt es auch diese Woche einen neuen Dopingfall in der MLB: Pitcher Francis Martes von den Houston Astros wurde des Gebrauchs von Clomifen überführt. Clomifen ändert den Testosteronspiegel und wirkt dadurch leistungssteigernd. Die Argumentation, dass Martes das Mittel zu einem anderen Zweck eingenommen hat, dürfte schwer fallen, denn eigentlich dient es der Auslösung des Eisprungs bei Frauen mit Kinderwunsch. Martes erhält die üblichen 80 Spiele Sperre. Wegen einer Tommy-John-Surgery im letzten August hätte Martes die Saison 2019 ohnehin verpasst, doch durch die Sperre muss er für die Hälfte des Jahres auf sein Gehalt verzichten.

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März 7th, 2019 by Silversurger

Dass Bryce Harper in Philadelphia gelandet ist, ist ja mittlerweile ein alter Hut – ich bekomme langsam den Eindruck, dass die MLB die großen Nachrichten immer bis Donnerstagnachmittag aufhebt, um sie direkt nach meinem wöchentlichen Überblicksartikel zu veröffentlichen. Aber so wichtig, dass er zum Fixpunkt einer Verschwörungstheorie taugte, ist mein Blog dann wohl doch nicht. Ich bleibe jedenfalls beim gewohnten Termin für den Grand Slam am Donnerstag und wenn der gute Herr Harper sich nicht danach richten mag, kann er eben erst eine Woche später lesen, was ich von seinem Rekordvertrag halte und was sich in der MLB diese Woche sonst noch getan hat. Das hat er jetzt davon.

330 Millionen für Harper
Glaubt man seinem Agenten Scott Boras, so hatte Bryce Harper „ein volles Büffet“ an Angeboten. Er hätte zum Beispiel von einem ungenannten Team 45 Millionen Dollar Jahresgehalt für einen kürzeren Vertrag haben können oder von den San Francisco Giants einen Zehnjahresvertrag für 310 Millionen. Letzten Endes hat er sich für das Angebot der Philadelphia Phillies entschieden, das mit 330 Millionen das größte Gesamtvolumen und mit 13 Jahren die längste Laufzeit aufwies. Dass das im Durchschnitt ein Jahresgehalt von „nur“ knapp über 25 Millionen ist, ließ Harper sich durch einige Annehmlichkeiten versüßen. So hat er sich den Anspruch auf eine eigene Loge im Citizens Bank Park festschreiben lassen sowie das Recht, auf Auswärtsreisen eine Suite statt eines normalen Hotelzimmers zu bewohnen. In jedem Jahr kann Harper bis zu 800.000 Dollar an Bonuszahlungen hinzuverdienen, indem er bestimmte Einzelauszeichnungen wie All-Star-Berufungen oder MVP-Titel erreicht. Der Vertrag enthält übrigens keinerlei Opt-Out-Klauseln, Optionsjahre oder Zahlungen, die auf spätere Zeiträume verschoben werden. Festgeschrieben ist allerdings eine volle No-Trade-Klausel, das heißt die Phillies können Harper nicht ohne sein Einverständnis zu einem anderen Team traden. Kurz gesagt: Dieser Vertrag ist aus Spielersicht ein wahrer Traum.
Aus Sicht des Vereins sieht die Sache für mich etwas anders aus, auch wenn die Phillies natürlich überzeugt sind, einen guten Deal gemacht zu haben. Ich persönlich finde es völlig absurd, sich irgendeinen Spieler für 13 Jahre mit garantiertem zweistelligen Millionengehalt ans Bein zu binden. Dass es dabei um Harper geht – einen sehr guten, aber bisher nur in einer Saison (2015) wirklich überragenden Spieler mit durchaus schwankenden Leistungen und wohl nicht ganz einfachem Charakter –, macht die Sache nur um so irrsinniger. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, wie die Phillies in sechs oder sieben Jahren über diesen Vertrag denken.

Blue Jays verpflichten Buchholz
Für vergleichsweise kleines Geld haben die Toronto Blue Jays Pitcher Clay Buchholz verpflichtet. Er erhält einen Einjahresvertrag über 3 Millionen Dollar und kann abhängig von absolvierten Innings bis zu 2,25 Millionen dazuverdienen. Der 34-Jährige war in den letzten zwei Jahren durch Verletzungen eingeschränkt, brachte es 2018 in seinen 16 Einsätzen für die Arizona Diamondbacks aber auf starke Werte mit 2.01 ERA und 3.47 FIP.

Severino verpasst Opening Day, Perez die ganze Saison
Es gibt kaum etwas Ärgerlicheres als eine ernsthafte Verletzung im Spring Training. Richtig übel erwischt hat es Salvador Perez: Der Catcher der Kansas City Royals hat sich das UCL-Band im rechten Ellenbogen gerissen und wer regelmäßig Baseball verfolgt, weiß was das bedeutet: Tommy-John-Surgery, Saison gelaufen. Auch Bobby Wahl, Reliever bei den Milwaukee Brewers, mit einer Knieverletzung und Padres-Outfielder Travis Jankowski mit gebrochenem Handgelenk werden für mehrere Monate und möglicherweise die gesamte Saison ausfallen. Mit kleineren Verletzungen werden unter anderem Minnesotas Miguel Sano, Dodgers-Ass Clayton Kershaw sowie die Yankees-Starter Luis Severino und C. C. Sabathia den Saisonbeginn verpassen. Die Rotation der Yankees wird somit schon sehr früh sehr dünn und es mehren sich Spekulationen, dass sie noch mal auf dem Free-Agent-Markt tätig werden. Dallas Keuchel oder Gio Gonzalez könnten attraktive Optionen sein, doch bislang lässt der Klub verlauten, dass man auf interne Lösungen wie Domingo German, Jonathan Loaisiga, Luis Cessa, oder Chance Adams setzt.

80 Spiele Sperre für Dopingsünder Wright
Leider hat die Saison 2019 auch schon ihrern ersten Dopingfall: Pitcher Steven Wright von den Boston Red Sox wurde der Nutzung des Wachstumshormons GHRP-2 überführt. Der Knuckleballer bestreitet, das Mittel bewusst eingenommen zu haben, konnte aber bislang keine entlastenden Beweise oder Erklärungen vorlegen. Die Liga hat daher entschieden, dass er das übliche Strafmaß für Ersttäter erhält: eine Sperre für die ersten 80 Spiele der Saison sowie für die Playoffs.

Roster werden wohl 2020 größer
Ich hatte hier mal einige Vorschläge der Ligaleitung und/oder der Spielergewerkschaft MLBPA für Regeländerungen aufgelistet. Die meisten davon werden vorerst nicht umgesetzt werden, doch in einem Punkt scheinen die beiden Verhandlungspartner kurz vor einer Einigung zu stehen: Die Größe des aktiven Kaders für die reguläre Saison bis 31. August sowie für die Postseason soll ab 2020 von 25 auf 26 Spieler erhöht werden. Gleichzeitig wird voraussichtlich die Kadergröße für den Zeitraum ab 1. September von 40 auf 28 gesenkt. Die Erhöhung auf 26 ist ein Wunsch der MLBPA – sie bedeutet 30 neue Arbeitsplätze für MLB-Spieler. Die Absenkung auf 28 geht eher von der Liga aus. Sie möchte weg von den aufgeblähten Rostern im letzten Saisonmonat, die einerseits zu häufigeren Pitcherwechseln während des Spiels führen und andererseits zu einer gewissen Wettbewerbsverzerrung, wenn ohnehin schon schwache Teams in der Endphase der Saison mit einem Haufen Minor Leaguer antreten.

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Februar 28th, 2019 by Silversurger

Dayton Moore, der General Manager der Kansas City Royals, mag die Begriffe „Rebuilding“ und „Tanking“ nicht. Er betont bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass er nichts davon hält, Niederlagen als Teil eines mehrjährigen Plans zu akzeptieren. Tatsächlich ist aber genau das die Erfolgsformel, mit der er selbst vor einigen Jahren ein Team aufbaute, das 2014 und 2015 zweimal hintereinander in die World Series einzog. Und es ist wohl auch jetzt wieder der einzige sinnvolle Weg für die Royals, nachdem das Zeitfenster dieser Erfolgsphase sich offensichtlich und unwiderruflich geschlossen hat. In der AL Central sind sie in bester Gesellschaft mit den Detroit Tigers und den Chicago White Sox, die sich in einem ähnlichen Prozess befinden, und auch mit den Minnesota Twins, die auf dem gleichen Weg schon ein Stück weiter sind. Wahrscheinlich wird es an der Spitze der Division für die Cleveland Indians dieses Jahr erneut ziemlich einsam, doch in zwei, drei Jahren kann sich dieses Bild komplett gedreht haben. Ob dann auch die Royals wieder im Rennen sind, sehe ich eher skeptisch. Im Vergleich mit den Tigers, White Sox und Twins sehe ich bei ihnen am wenigsten die klare Perspektive in Form von talentiertem Nachwuchs. Hinzu kommt, dass sie sich in einem der kleinsten MLB-Märkte befinden und sich somit dauerhaft kaum finanzielle Sprünge in Form hochrangiger Free-Agent-Verpflichtungen leisten können.

Voraussichtliches Lineup
C Salvador Perez
1B Ryan O’Hearn
2B Whit Merrifield
SS Adalberto Mondesi
3B Hunter Dozier
LF Alex Gordon
CF Billy Hamilton
RF Brett Phillips
DH Jorge Soler

Voraussichtliche Rotation
LHP Danny Duffy
RHP Jakob Junis
RHP Brad Keller
RHP Ian Kennedy
LHP Eric Skoglund
Key Reliever: Wily Peralta

Wichtigster Zugang
CF Billy Hamilton (Cincinnati Reds)

Wichtigster Abgang
RHP Jason Hammel (Texas Rangers)

Bestes Prospect
RHP Brady Singer

Größte Stärke
Geschwindigkeit und Defense: Diese beiden Faktoren sind seit Jahren Schwerpunkte der Kaderzusammenstellung in Kansas City. Dass sich daran nichts geändert hat, zeigt sich vor allem an der Zusammensetzung des Outfields. Dieses besteht mit Phillips, Gordon und Neuzugang Hamilton komplett aus Spielern, die auf dem Feld deutlich mehr überzeugen als am Schlag.

Größte Schwäche
Die Farm: Für eine Franchise im Rebuilding-Modus sind die Royals erstaunlich schlecht mit Prospects bestückt. Das liegt daran, dass man 2016/2017 mindestens ein Jahr zu lange versucht hat, ein Team wettbewerbsfähig zu halten, das sich bereits selbst überlebt hatte. In dieser Phase tradete man für kurzfristige Verstärkungen großzügig Talente weg, die man nun für den Neuaufbau bitter vermisst. Immerhin hat man in der kommenden Draft den #2-Pick.

Spannendste Frage
Wann geht Ned Yost? Der 63-Jährige ist seit 2010 Field Manager der Royals; er hat in der Zeit mit dem Team mehr Niederlagen eingefahren als Siege, es aber auch zweimal in die World Series geführt und diese einmal gewonnen. Es erscheint unwahrscheinlich, dass Yost Teil des Rebuilding-Plans der Royals ist, doch für 2019 hat man den Vertrag mit ihm noch mal für ein Jahr verlängert.

Prognose
Platz 4 in der AL Central

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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Februar 21st, 2019 by Silversurger

Endlich! Endlich ist die Hängepartie um den zukünftigen Verbleib von Manny Machado vorbei. Endlich hat auch Mike Moustakas seinen neuen Vertrag, sodass von den herausragenden Free Agents dieser Offseason nur noch Bryce Harper, Dallas Keuchel und Craig Kimbrel übrig sind und wohl innerhalb der nächsten Tage ebenfalls ihre Teams finden werden. Und endlich geht es wieder los mit MLB-Baseball, auch wenn es erst mal nur die Vorbereitungsspiele sind, die am Wochenende beginnen. Besonderen Grund, sich auf die neue Saison zu freuen hat der deutsche Major Leaguer Max Kepler, der bei den Twins einen dicken neuen Vertrag unterschrieben hat.

Machado entscheidet sich für die Padres
Über weite Strecken der Offseason sah es danach aus, als wären die Chicago White Sox und die Philadelphia Phillies die aussichtsreichsten Kandidaten im Ringen um Manny Machado. Dass letztlich die San Diego Padres das Rennen machen, hatte kaum jemand voraus gesehen. Neben Zweifeln, ob die Padres das nötige Geld investieren können und wollen, sprach auch das Vorhandensein des vielversprechenden Shortstop-Prospects Fernando Tatis Jr. eher gegen eine Verpflichtung von Machado. Der hatte bislang nie einen Hehl daraus gemacht, dass er am liebsten auf seiner angestammten Position als Shortstop spielen möchte, auch wenn seine Defensivstatistiken in dieser Rolle nicht wirklich überzeugen konnten. Das sonnige Klima San Diegos sowie ein großzügiges Vertragsangebot konnte Machado dann offenbar doch nicht ausschlagen, auch wenn er als Third Baseman antreten muss. Machado bekommt einen Zehnjahresvertrag über 300 Millionen Dollar, aus dem er auf eigene Initiative nach fünf Jahren aussteigen kann. Der Vertrag wurde in einigen Medien vollmundig als „größter Free-Agent-Vertrag der amerikanischen Sportgeschichte“ verkauft. Das ist nicht falsch, aber doch ein bisschen irreführend: Giancarlo Stantons 13-Jahresvertrag über 325 Millionen von 2015 ist immer noch eine Nummer größer, aber es war eben kein Free-Agent-Vertrag, weil Stanton zu der Zeit bereits bei den Marlins spielte und es sich somit „nur“ um eine Vertragsverlängerung handelte.

Moustakas bleibt bei den Brewers
Ein weiterer Top-Free-Agent, der sich mit der Entscheidung für einen neuen Arbeitgeber lange Zeit gelassen hat, ist Third Baseman Mike Moustakas. Der 30-Jährige bleibt nun bei den Milwaukee Brewers, für die er bereits in der zweiten Saisonhälfte 2018 aktiv gewesen war. Er hat einen Einjahresvertrag unterschrieben, der ihm zunächst 10 Millionen Dollar einbringt. Für 2020 haben beide Seiten die Option, für weitere 11 Millionen um ein Jahr zu verlängern oder aber gegen Zahlung von 3 Millionen aus dem Vertrag herauszukommen.

Langfristiger Vertrag für Max Kepler
Großer Zahltag für Max Kepler: Der einzige deutsche Major Leaguer hat von den Minnesota Twins eine Vertragsverlängerung erhalten, die ihn für die kommenden fünf Saisons an den Klub bindet und ihm insgesamt 35 Millionen Dollar einbringt. Darüber hinaus können die Twins den Kontrakt zum Preis von zehn Millionen um ein sechstes Jahr verlängern. Dieser Vertrag ist ein klares Bekenntnis der Twins zu Kepler als langfristiger Eckpfeiler ihres Teams. Das ist nicht nur für den 26-jährigen Outfielder, sondern auch für den gesamten deutschen Baseball eine großartige Bestätigung. Kepler ist der erste Spieler überhaupt, der seine komplette Baseballjugend im deutschen Vereinssystem verbracht und sich anschließend in der MLB etabliert hat. Außer Kepler hat bei den Twins übrigens auch sein langjähriger Weggefährte, Shortstop Jorge Polanco, einen neuen Vertrag bekommen. Polanco wird für die nächsten fünf Jahre 25,75 Millionen verdienen, hinzu kommen Kluboptionen für 2024 (10,5 Millionen) und 2025 (12,5 Millionen).

Severino verlängert bei Yankees
Auch die New York Yankees haben sich darum gekümmert, die Dienste eines ihrer Leistungsträger auf Dauer zu sichern: Anstelle seiner drei Arbitration-Jahre 2019 bis 2021 hat Starting Pitcher Luis Severino nun einen garantierten Vertrag bis 2022, der ihm 40 Millionen Dollar einbringt. Für 2023 haben die Yankees eine Teamoption für weitere 15 Millionen. Das ist mal ein schönes Geburtstagsgeschenk für den Dominikaner, der gestern 25 Jahre alt geworden ist.

Tigers verpflichten Harrison
Die Detroit Tigers komplettieren ihre Übernahme des Middle Infields der Pittsburgh Pirates aus dem letzten Jahr: Nach Shortstop Jordy Mercer haben sie nun auch Second Baseman Josh Harrison unter Vertrag genommen. Der 31-jährige Veteran wird voraussichtlich zunächst Stammspieler sein, könnte aber zur Trade Deadline ein Kandidat für einen Wechsel werden, der die Tigers bei ihrem Rebuilding voran bringt. Harrison erhält für den Einjahresvertrag 2 Millionen Dollar, die er durch Boni auf bis zu 3 Millionen steigern kann.

Neue Reliever für Royals und Cubs
Zwei Ergänzungsverpflichtungen für den Bullpen möchte ich nicht ganz unter den Tisch fallen lassen: Die Kansas City Royals haben Reliever Jake Diekman angeheuert. Der Linkshänder erhält 2,75 Millionen Dollar für ein Jahr, verbunden mit einer beidseitigen Option auf ein weiteres Jahr. Die Chicago Cubs haben mit Xavier Cedeno ebenfalls einen linkshändigen Reliever verpflichtet. Cedenos Vertrag ist ein eher ungewöhnliches Konstrukt: Es ist kein Minor-League-Vertrag, aber auch nicht der übliche garantierte Major-League-Vertrag, sondern ein ungarantierter MLB-Vertrag. Das bedeutet, Cedeno ist vorerst Teil des 40-Mann-Kaders, kann aber bis zum Ende des Spring Trainings noch entlassen werden und bekäme dann nur einen kleinen Teil des vereinbarten Gehalts von 900.000 Dollar. Ist er zum Opening Day noch Teil des Kaders, sind ihm die 900.000 sicher und er kann noch bis zu 300.000 durch Leistungsboni hinzuverdienen.

Bruce Bochy hört auf
Eine überraschende Ankündigung kam am Montag von Bruce Bochy, dem Manager der San Francisco Giants: Er wird nach der Saison 2019 in den Ruhestand wechseln. Der 63-Jährige ist der dienstälteste Manager der Liga. Seine letzte Saison wird die 13. als sportlicher Leiter der Giants sein, mit denen er 2010, 2012 und 2014 die World Series gewonnen hat. Zuvor war er in gleicher Rolle schon zwölf Jahre für die San Diego Padres aktiv. Überraschend an seinem Schritt ist vor allem, dass er ihn schon so frühzeitig bekannt gibt. Falls die Giants schon deutlich vor dem Ende der Saison aus dem Rennen um die Playoffs sein sollten, dürfte es schwer zu rechtfertigen sein, den Wechsel nicht schon früher zu vollziehen – insbesondere falls dann die Nachfolgersuche bereits abgeschlossen ist, für die der neue President of Baseball Operations, Farhan Zaidi, nun reichlich Zeit hat.

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Februar 7th, 2019 by Silversurger

Die gute Nachricht zuerst: In wenigen Tagen beginnen alle MLB-Teams ihre Saisonvorbereitung. Von Montag bis Mittwoch der kommenden Woche liegen die Termine, an denen sich die Pitcher und Catcher zum Dienst melden. Vier bis fünf Tage später steigen die restlichen Spieler ins Training ein und nach weiteren vier bis fünf Tagen – am 21. Februar – beginnen auch schon die Spring-Training-Spiele. Dann wird endlich wieder Baseball gespielt und die Gerüchte und Spekulationen um Trades und Neuverpflichtungen geraten endlich in den Hintergrund. Denn – und das ist die schlechte Nachricht – es ist inzwischen nur noch nervig, dass die Top-Free-Agents Bryce Harper und Manny Machado sowie Top-Tradekandidat J. T. Realmuto die ganze Offseason beherrschen, ohne dass sich irgendetwas tut. Neben ein paar eher mittelinteressanten Rostermoves ist die wichtigste Nachricht der letzten Tage eine, die man wahlweise gut oder schlecht finden kann: Die MLB und die MLBPA denken mal wieder laut über Regeländerungen nach.

DH für alle und nie wieder One-Out-Reliever?
Die MLB strebt seit Jahren danach, die Spieldauer zu verkürzen und das Spiel attraktiver – im Sinne von: offensivlastiger – zu machen. Vor diesem Hintergrund kam nun mal wieder eine Reihe von Vorschlägen auf den Tisch, die teilweise schon in diesem Jahr in Kraft treten könnten. Die Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass die Liga und die Spielergewerkschaft MLBPA sich einig sind. Das sind sie bislang offenbar nicht, vielmehr bilden die Ideen beider Seiten nicht mehr als eine Verhandlungsmasse und es nicht absehbar, welche der Änderungen tatsächlich eine realistische Chance auf Umsetzung haben. Die wesentlichen Vorschläge, die bekannt wurden, sind folgende:

Ausweitung der DH-Regel auch auf die National League. Ich bin dagegen und wer dafür ist, soll mir bitte glaubhaft versichern, dass er solche Szenen nicht sehen und hören möchte:

Einführung eines Minimums von drei Battern, gegen die ein Pitcher antreten muss, bevor er ausgewechselt werden darf (Verletzungen ausgenommmen). Das würde das Spiel definitiv beschleunigen, allerdings auch einige auf Linkshänder spezialisierte Reliever arbeitslos machen. Die Einhaltung der Regel wäre zudem aufgrund der Verletzungsausnahme schwer zu kontrollieren.

Einführung einer einzigen Trade-Deadline zum All-Star-Break Mitte Juli (statt der bisherigen Non-Waiver-Deadline Ende Juli und der Waiver-Deadline Ende August). Diese Änderung fände ich gut – nicht nur, weil sie Klarheit und Vereinfachung brächte, sondern auch weil es dann weniger Taktieren um Spieler gäbe, die nur geholt werden, um sie später in der Saison wieder zu verkaufen.

Erhöhung des aktiven Kaders von 25 auf 26 Spieler und gleichzeitig Reduzierung des aktiven Kaders ab 1. September von 40 auf 28 Spieler. Auch damit könnte ich gut leben – wobei die Frage ist, ob man wirklich einen Rosterplatz mehr braucht, wenn man anstrebt, dass weniger Pitcher eingesetzt werden (siehe oben).

Draft-Nachteile für Teams, die mehrere Jahre hintereinander zu wenige Spiele gewinnen. Es ist auf jeden Fall sinnvoll zu überlegen, wie man das in den letzten Jahren ausgreifende Tanking eindämmt – also die Neigung vieler Klubs, absichtlich jahrelang ein schwaches Team ins Rennen zu schicken. Dass der Entzug von Draftpicks das geeignete Mittel dafür ist, bezweifle ich.

Reduzierung der erlaubten Mound Visits von sechs auf vier pro Spiel. Die letztes Jahr eingeführte Begrenzung auf sechs Visits führte nicht zu Problemen und man kann es wohl noch ein Stück weiter treiben.

Test einer Absenkung des Pitching Mounds oder einer weiteren Entfernung zwischen Mound und Homeplate. Das hätte ziemlich sicher den gewünschten Effekt, die Offensive zu fördern. Die Frage ist, ob das wirklich so wünschenswert ist. Ich persönlich finde das Spiel so wie es derzeit ist durchaus ausgewogen. Zudem würde mehr Offensive vermutlich auch bedeuten, dass die Spiele tendenziell länger dauern – also genau das, was die Ligaleitung am wenigsten will.

Astros verpflichten Miley
Das relevanteste Free-Agent-Signing der Woche ist eine Ergänzung für die Pitching-Rotation der Houston Astros. Wade Miley erhält einen Einjahresvertrag über 4,5 Millionen Dollar. Die Verpflichtung des Linkshänders schließt eine Lücke in der Mitte der letztes Jahr noch sehr beeindruckenden Astros-Rotation. An deren Spitze steht mit Justin Verlander und Gerrit Cole nach wie vor einer der besten One-Two-Punches der Liga, dahinter war es aber durch die Abgänge von Charlie Morton (Rays), Dallas Keuchel (noch ohne Team) und die Tommy-John-Surgery von Lance McCullers recht dünn geworden.

Hellickson bleibt bei den Nationals
Auch die Washington Nationals ergänzen ihre Rotation und zwar um Jeremy Hellickson, der letztes Jahr schon für sie aktiv war. Der Rechtshänder dürfte der aussichtsreichste Kandidat für den fünften Starterspot sein. Er erhält erneut einen Einjahresvertrag, der ihm zwischen 1,3 und 4 Millionen Dollar einbringen wird, je nachdem wie viele Starts er tatsächlich absolviert.

Duke zu den Reds
Die Cincinnati Reds bleiben eines der aktiveren Teams der diesjährigen Offseason. Nach Sonny Gray, Alex Wood, Tanner Roark, Yasiel Puig und Matt Kemp wurde nun Zach Duke an Land gezogen. Der 36-jährige Reliever ist ein Spezialist für linkshändige Batter, die gegen ihn in den letzten fünf Jahren nur .209/.284/.311 geschlagen haben. Rechtshänder hatten es mit ihm ein bisschen einfacher, aber mit .240/.341/.357 haben sie ihn auch nicht gerade verprügelt. Insofern könnten die Reds auf Duke wohl auch dann setzen, wenn die in Aussicht gestellte Drei-Batter-Regel käme.

Royals holen Boxberger
Die Sache ist noch nicht ganz in trockenen Tüchern, aber die Kansas City Royals sind sich wohl so gut wie einig mit Reliever Brad Boxberger. Der 30-jährige Rechtshänder hatte von den Diamondbacks in seinem letzten Arbitration-Jahr kein Angebot bekommmen. Bei den Royals soll er entweder als Setup oder als Closer zum Einsatz kommen. Er wird dabei voraussichtlich 2,2 Millionen Dollar verdienen.

Marlins traden Wittgren zu Indians
Einen kleinen Trade gab es diese Woche auch: Reliever Nick Wittgren, den die Miami Marlins letzte Woche recht überraschend aus dem Kader gestrichen hatten, kommt bei den Cleveland Indians unter. Im Gegenzug wechselt Minor-League-Reliever Jordan Milbrath zu den Marlins. Der 27-jährige Wittgren bringt drei solide Jahre MLB-Erfahrung mit, 2018 war seine bislang beste Saison (2.94 ERA). Der gleichaltrige Milbrath kam letztes Jahr erstmals auf AAA-Niveau zum Einsatz, brachte es dort aber nur auf 13.2 Innings und 5.93 ERA. Ich habe ganz ehrlich keine Ahnung, welchen Sinn dieser Trade aus Sicht der Marlins haben soll.

Rangers testen Two-Way-Einsatz von Davidson
Normalerweise erwähne ich hier keine Minor-League-Deals, aber weil diese Woche so wenig los war und weil Matt Davidson ein interessanter Fall ist, mache ich für ihn eine Ausnahme. Davidson wurde von den Texas Rangers verpflichtet und wird im Spring Training die Chance haben, sich für das Major-Team zu empfehlen. Das Interessante an der Sache ist, dass der gelernte Infielder als Super-Allrounder aufgebaut werden soll, der nicht nur am Schlag und im Feld, sondern auch als Pitcher zum Einsatz kommt. In der letzten Saison hat Davidson bereits drei Innings für die Chicago White Sox gepitcht und die Resultate waren ermutigend: zwei Strikeouts, ein Hit, ein Walk, keine zugelassenen Runs. Was die recht kleine (und ausschließlich in längst entschiedenen Spielen erzielte) Stichprobe wert ist, bleibt abzuwarten.

Rekordgehalt für Arenado
Auch Einigungen von Klubs und Spielern in der Arbitration-Phase, bei denen es ausschließlich um die Höhe des Jahresgehalts geht, lasse ich üblicherweise unerwähnt. Auch hier mache ich dieses Mal eine Ausnahme, denn Nolan Arenado und die Colorado Rockies haben sich auf eine Rekordsumme geeinigt: 26 Millionen Dollar wird der Third Baseman dieses Jahr verdienen. Nach dem Jahr wird Arenado Free Agent sein, sofern er nicht vorher einen längerfristigen Vertrag unterschreibt. Die Rockies sind nach eigenen Aussagen sehr interessiert an einer Bindung über mehrere Jahre und werden in den kommenden Wochen noch Verhandlungen führen.

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Januar 31st, 2019 by Silversurger

Bryce Harper, Manny Machado, J. T. Realmuto. Ich wollte die Namen nur mal wieder genannt haben, weil die ganze MLB-Offseason sich um sie zu drehen scheint. Das war auch diese Woche nicht anders, obwohl es in Bezug auf die Drei nichts wirklich Neues gibt: Favoriten sind nach wie vor die Phillies für Harper und die White Sox für Machado, während die Marlins für Realmuto offenbar nach wie vor Mondpreise verlangen, sodass auch mit den neuesten Interessenten – den Reds und den Padres – bisher noch keine Vereinbarung zu erzielen war. Ganz ereignislos war die Woche aber nicht. Hier sind die neuesten Entwicklungen aus der MLB sowie ein TV-Tipp von ganz woanders:

Dodgers holen A. J. Pollock
Der hochwertigste Free-Agent-Move der Woche ist leider so alt, wie er in diesem Artikel nur sein kann: Keine Stunde nach Veröffentlichung des letzten Grand Slam am Donnerstag wurde bekannt gegeben, dass Outfielder A. J. Pollock sich mit den Los Angeles Dodgers einig geworden ist. Pollock erhält einen Vierjahresvertrag über 50 Millionen Dollar sowie die Option, den Vertrag von seiner Seite aus um ein Jahr zu verlängern. Dafür würde er abhängig von seinen vorherigen Leistungen weitere 10 bis 20 Millionen erhalten. Pollock kann im Feld ruhigen Gewissens auf allen Outfield-Positionen eingesetzt werden und ist am Schlag eine verlässliche rechtshändige Ergänzung für das linkshänderlastigen Lineup der Dodgers. Dadurch, dass die Dodgers sich mit Pollock den zweitumworbensten Outfielder der diesjährigen Free Agency gesichert haben, dürfte es so gut wie sicher sein, dass sie sich nicht mehr am Ringen um die Dienste von Bryce Harper beteiligen.

Marco Estrada zu den Athletics
Die Oakland Athletics bauen weiter an ihrer Starting Rotation und haben nun nach Mike Fiers und Joakim Soria auch Marco Estrada verpflichtet. Der 35-Jährige hatte in Toronto zuletzt zwei eher schwache Jahre, doch die A’s hoffen, dass er nach überstandenen Rückenproblemen zu früheren Leistungen zurückfindet. Estrada erhält einen Einjahresvertrag über 4 Millionen Dollar.

Blue Jays verpflichten Freddy Galvis
Estradas früherer Klub, die Toronto Blue Jays, gönnt sich derweil einen neuen Shortstop. Freddy Galvis ist ein solider Feldspieler und ein eher unterdurchschnittlicher Batter, aber immerhin ein Muster an Durchhaltevermögen: Er hat als ein einziger MLB-Spieler sowohl 2017 (für die Phillies) als auch 2018 (für die Padres) alle 162 Spiele der jeweiligen Saison absolviert. Galvis erhält einen Einjahresvertrag, der ihm 5 Millionen Dollar garantiert und eine Kluboption für ein weiteres Jahr und 4,5 Millionen enthält.

Neil Walker wird ein Marlin
Die Miami Marlins versuchen auch 2019, mit möglichst geringen Gehaltszahlungen durch eine weitere Aufbausaison zu kommen. Aber den einen oder anderen erfahrenen Spieler braucht man dann doch auf dem Feld und mit Infielder Neil Walker dürfte man einen recht guten Deal gemacht haben. Der 33-jährige, zuletzt für die Yankees aktive Switch-Hitter unterschreibt für ein Jahr und 2 Millionen Dollar.

Diverse Reliever finden ein neues Zuhause
Besonders aktiv war diese Woche der Markt für Relief Pitcher. Die relevanteste Neuverpflichtung war Linkshänder Justin Wilson, der für 10 Millionen Dollar einen Zweijahresvertrag bei den New York Mets unterschrieben hat. Wilsons alter Klub, die Chicago Cubs, wurde sich derweil mit Brad Brach einig. Brach erhält 4,35 Millionen für ein Jahr, danach gibt es eine beidseitige Option, durch die der Vertag sich auf zwei Jahre und bis zu 9,5 Millionen erstrecken würde. Greg Holland geht zu den Diamondbacks und wird dort für ein Jahr leistungsabhängig 3,5 bis 7 Millionen bekommen. Oliver Perez bleibt bei den Cleveland Indians. Sein Vertrag bringt ihm 2,5 Millionen für ein Jahr und verlängert sich automatisch, wenn der 37-Jährige 2019 in mindestens 55 Spielen auftaucht. Für die Seattle Mariners wird Hunter Strickland vermutlich besonders motiviert auftreten, denn er kann das Volumen seines Vertrages leistungsabhängig von 1,3 Millionen auf 2,6 Millionen verdoppeln. Er käme damit in die Größenordnung des Grundgehalt von Shawn Kelley, welcher sich mit den Texas Rangers auf 2,5 Millionen für ein Jahr plus Option auf ein zweites Jahr geeinigt hat, ebenfalls mit leistungsbezogenen Bonusmöglichkeiten.

Royals verlängern mit Merrifield
Preisfrage: Welcher MLB-Spieler führte 2018 sowohl mit den meisten Hits (192) als auch mit den meisten Stolen Bases (45) die gesamte Liga an? Ganz ehrlich, ich wäre im Leben nicht darauf gekommen, dass es 2B Whit Merrifield von den Kansas City Royals war. Im Gegensatz zu mir scheinen die Royals sehr genau zu wissen, was sie an ihm haben, deshalb haben sie ihm eine Vertragsverlängerung bis 2023 zukommen lassen. Die Konditionen von 16,25 Millionen Dollar Garantiegehalt und bis zu 2 Millionen Leistungsboni für die vierjährige Laufzeit klingen geradezu unverschämt günstig. Das relativiert sich, wenn man berücksichtigt, dass der Spätentwickler Merrifield – er spielte seine erste volle MLB-Saison 2017 im Alter von 29 Jahren – ohnehin noch bis 2022 unter Teamkontrolle gewesen wäre und 2019 für das Mindestgehalt hätte spielen müssen. Der Vertrag verlängert diese Zeit somit nur um ein Jahr und gibt dem Spieler im Gegenzug eine ordentliche finanzielle Sicherheit.

Lovullo bleibt bis 2021 in Arizona
Auch die Arizona Diamondbacks und Torey Lovullo haben sich auf eine Verlängerung ihrer Zusammenarbeit geeinigt: Der Vertrag des Managers, der Ende 2019 ausgelaufen wäre, wird bis 2021 verlängert. Lovullo hatte die Diamondbacks in seinem ersten Jahr 2017 zu einer überraschenden Bilanz von 93-69 und in die Playoffs geführt. 2018 hatten sie eine schwächere, aber immer noch solide Saison mit 82 Siegen und 80 Niederlagen.

Lust auf auf Live-Baseball? 
Baseball live, am Februar-Wochenendmorgen gemütlich ans Bett serviert – gibt’s nicht? Gibt’s doch! In Australien steht die Serie um die Meisterschaft der ABL an und ABL.TV streamt die Best-of-3-Serie kostenlos in die ganze Welt. Die Kontrahenten sind die Brisbane Bandits und Perth Heat. Beide haben ihre Division gewonnen und sich im Playoff-Halbfinale verdient durchgesetzt.

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Dezember 13th, 2018 by Silversurger

Die Winter-Meetings der Teamverantwortlichen in Las Vegas sind heute noch in vollem Gange und alles wartet auf die großen Trades – Realmuto, Syndergaard, Kluber, Andujar sind nur ein paar der Namen, die offenbar heiß gehandelt werden, aber noch keine Abschlüsse hervorgebracht haben. Eine Menge Abschlüsse gab es diese Woche hingegen bereits auf dem Free-Agent-Markt. Charlie Morton, Andrew McCutchen, Jeurys Familia und einige mehr haben ein neues Zuhause gefunden. Leider gab es auch eine sehr traurige Nachricht, die ich ganz am Ende des Artikels aufgreife.

Die Orioles haben einen neuen Manager
Die Entscheidung der Baltimore Orioles für einen neuen Manager kommt relativ spät in der Offseason. Das erklärt sich dadurch, dass sie bei ihrem kompletten Neustart erst vor wenigen Wochen einen neuen General Manager, Mike Elias, eingestellt haben. Die eigentliche Suche nach einem Nachfolger für Buck Showalter ging danach durchaus zügig vonstatten. Brandon Hyde galt schnell als wahrscheinlicher Kandidat und wurde gestern offiziell als Manager der Orioles vorgestellt. Der 45-Jährige bringt bereits 14 Jahre Coaching-Erfahrung mit, war Minor-League-Manager und Bench Coach bei den Miami Marlins und zuletzt Bench Coach der Chicago Cubs. Hyde war bereits bei den Blue Jays, den Twins und den Angels in der engeren Auswahl gewesen, als diese früher in der Offseason ihre Managerposten neu besetzten. In Baltimore übernimmt er ein Team in ziemlich katastrophalem Zustand, aber solch eine Situation ist für einen Neuling ja immer auch eine Chance.

Morton, Familia und weitere Free-Agent-Verpflichtungen
Drei Pitcher aus meiner Top-20-Liste der diesjährigen Free Agents haben sich mit neuen oder alten Teams geeinigt. Charlie Morton, bisher bei den Astros, unterschreibt für zwei Jahre bei den Tampa Bay Rays. Mit einer Gehaltszusage von 30 Millionen Dollar haben sich die Rays für ihre Verhältnisse weit aus dem Fenster gelehnt. J. A. Happ bleibt unterdessen bei den New York Yankees; er unterschreibt ebenfalls für zwei Jahre und erhält dafür 34 Millionen Dollar. Darüber hinaus haben die Yankees die Option auf ein drittes Jahr für weitere 17 Millionen. Auch die New York Mets sichern sich die Dienste eines alten Bekannten: Reliever Jeurys Familia kehrt von seinem kurzen Ausflug nach Oakland für drei Jahre und 30 Millionen Dollar zurück nach Queens.

Einen weiteren hochkarätigen Free Agent haben die Philadelphia Phillies mit Outfielder Andrew McCutchen an Land gezogen. Der 32-Jährige erhält 50 Millionen Dollar für die nächsten drei Jahre, ein viertes Jahr ist optional für den Klub.

Weitere nennenswerte Verpflichtungen dieser Woche waren: Reliever Joe Kelly (3 Jahre, 25 Millionen) zu den Dodgers; Starting Pitcher Lance Lynn (3 Jahre, 30 Millionen) zu den Rangers; Outfielder Billy Hamilton (1 Jahr, 5,25 Millionen plus Option) zu den Royals; First Baseman Justin Bour (1 Jahr, 2,5 Millionen) zu den Angels; Shortstop Jordy Mercer (1 Jahr, 5,25 Millionen) zu den Tigers.

Roark von Washington nach Cincinnati
Der Vorname Tanner ist meines Wissens gar nicht so häufig, aber den Washington Nationals und den Cincinnati Reds ist es gelungen, einen Trade einzufädeln, bei dem ein Tanner (Roark) gegen einen anderen Tanner (Rainey) getauscht wird. Der 32-jährige Roark soll in Cincinnati als Mentor einer jungen Rotation dienen. Rainey ist ein Talent als Reliever, auch wenn er das bei seinen ersten acht MLB-Einsätzen, die ihm einen ERA von 24.43 einbrachten, noch nicht zeigen konnte.

White Sox ertraden Nova 
Auch die Chicago White Sox haben per Trade eine Lücke in ihrer Starting Rotation gefüllt. Ivan Nova kommt aus Pittsburgh im Austausch gegen das 19-jährige Prospect Yordi Rosario und 500.000 Dollar internationales Bonusbudget.

Phillies und Angels traden Reliever
Die Phillies und die Angels haben einen Trade durchgeführt, der mich etwas verwundert zurück lässt: Getauscht wurden die Reliever Jose Alvarez und Luis Garcia. Beide stehen noch zwei Jahre unter Teamkontrolle, beide werden 2019 ungefähr 1,7 Millionen Dollar verdienen. Allerdings brachte der 31-jährige Garcia es 2018 in Philadelphia auf einen sehr schwachen ERA von 6.07, während der 29-jährige Alvarez mit einem ERA von 2.71 der beste Reliever der Angels und obendrein ihr einziger Linkshänder war. Gut, wenn man tiefer in die Zahlen eintaucht, finden sich Hinweise, dass Garcias Werte von Pech und schlechtem Fielding seiner Mitspieler nach unten gezogen wurden. Das Bild von einem Trade, bei dem ein jüngerer, besserer Spieler gegen einen älteren, schlechteren 1:1 getauscht wird, bleibt dennoch bestehen.

Indians planen mit Carrasco – Kluber oder Bauer im Angebot
Carlos Carrasco bleibt noch lange bei den Cleveland Indians: Nachdem der Klub zum 30. Oktober bereits die Vertragsoption für 2019 gezogen hatte, einigte man sich nun auf einen neuen Vertrag, der ihm bis 2022 insgesamt 44 Millionen Dollar einbringt und weitere 14 Millionen, wenn die Indians die Option auf die Saison 2023 ausüben. Damit ist ein Pfeiler in der Indians-Rotation für die nächsten Jahre gesetzt, während zwei andere sich in der Schwebe befinden: Sowohl Corey Kluber als auch Trevor Bauer wurden in den letzten Tagen für mögliche Trades ins Gespräch gebracht, mit denen die Indians ihre Basis an Talenten verbreitern möchten.

Tulowitzki auf Teamsuche
Eine überraschende Entlassung haben am Dienstag die Toronto Blue Jays vorgenommen: Troy Tulowitzki wurde aus dem Kader gestrichen und ist frei, sich ein neues Team zu suchen. In Anbetracht dessen, dass die Blue Jays derzeit nicht konkurrenzfähig sind und sich um Verjüngung bemühen, ist die Trennung von einem 34-jährigen Shortstop verständlich. Allerdings bleiben sie dabei auf 38 Millionen Dollar sitzen, die sie Tulowitzki für die nächsten zwei Jahre vertraglich garantiert haben. Für ein anderes Team winkt nun ein Schnäppchen, denn wer Tulowitzki aufnimmt, muss ihm lediglich das Mindestgehalt von 555.000 Dollar bezahlen; um den Rest kümmern sich wohl oder übel die Blue Jays.

Napoli beendet Karriere
Noch ein paar Jahre älter als Tulowitzki ist Mike Napoli. Der 37-Jährige First Baseman – früher auch Catcher – hat nun verkündet, seine MLB-Karriere nach 13 Jahren offiziell zu beenden. Napoli stand letztes Jahr bei den Indians unter Vertrag, kam aber wegen einer Knieverletzung nicht zum Einsatz.

Top-Pick der Athletics in anderem Sport geehrt
Die Profikarriere noch vor sich hat Kyler Murray – die Frage ist allerdings noch, in welcher Disziplin. Der letztjährige Pick der Oakland Athletics in Runde 1 der Draft ist ein hochtalentierter Outfielder, allerdings auch ein ebenso hervorragender Quarterback für die Oklahoma Sooners. Als solcher wurde er nun mit der Heisman Trophy ausgezeichnet, dem Award für den besten College-Footballer des Jahres. Trotz dieser hohen Anerkennung bleibt Murray aber bislang bei seiner Ankündigung, ab nächstem Jahr Baseball für die Athletics spielen zu wollen.

Zwei Ex-MLB-Spieler bei Raubüberfall getötet
Zum Schluss noch die angekündigte Trauermeldung: Die beiden ehemaligen MLB-Profis Luis Valbuena und Jose Castillo sind letzte Woche in ihrer Heimat Venezuela bei einem Autounfall gestorben. Das wäre allein schon tragisch genug, doch wie inzwischen bekannt wurde, handelte es sich um einen absichtlich herbeigeführten Unfall. Straßenräuber hatten ein Hindernis auf der Fahrbahn platziert, um die Insassen des Fahrzeugs auszurauben. Valbuena und Castillo waren gemeinsam mit einem Teamkameraden auf der Rückfahrt von einem Spiel in der venezolanischen Winterliga gewesen. Die Führung der Liga sagte nach den schrecklichen Ereignissen den folgenden Spieltag ab und denkt nun über ein generelles Verbot von privaten Fahrten zu den Spielen nach, da Überfälle wie dieser in dem Land wohl kein Einzelfall sind.

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September 13th, 2018 by Silversurger

Die Red Sox haben die ersten großen Meilensteine der regulären Saison gesetzt: Seit gestern sind sie als erstes Team hieb- und stichfest für die Playoffs qualifiziert und seit heute sind sie die erste Mannschaft, die es in diesem Jahr auf 100 Siege gebracht hat. Abseits der grauen Theorie bleibt es dabei, dass das Playoff-Picture der American League praktisch feststeht. Offen ist allein die Frage, wer von den beiden Kontrahenten im Wild-Card-Spiel das Heimrecht erhält – die Yankees oder die Athletics.

Für das Erreichen von 100 Siegen kann man sich zwar nichts kaufen, aber es ist immer ein sehr plastischer Beweis dafür, dass man eine besonders gute Saison gespielt hat. Bisher haben das noch nie vier MLB-Teams in einer Saison geschafft und nie drei in einer der beiden Teilligen. Beides könnte dieses Jahr passieren: In der AL sind sowohl die Yankees als auch die Astros auf Kurs für diese Marke und auch die Athletics haben noch realistische Chancen, sie zu erreichen. Die andere Seite der Medaille ist, dass wir in der AL auch mindestens zwei Teams mit mehr als 100 Niederlagen sehen werden. Die Orioles haben diese Schwelle mit 104 verlorenen Spielen bereits überschritten, die Royals mit bislang 96 werden folgen. Auch die White Sox und die Tigers könnte es noch mit einer dreistelligen Zahl in der „L“-Spalte erwischen.

Die National League präsentiert sich wie schon das ganze Jahr über deutlich ausgeglichener: Voraussichtlich wird kein Team 100 Siege oder 100 Niederlagen erreichen und es steht auch noch längst kein Playoff-Teilnehmer fest – auch wenn die Braves langsam aufatmen können, weil ihnen die Verfolger ausgehen.

American League
Theoretisch sicher ist den Boston Red Sox (100-46) bisher nur die Playoff-Teilnahme. Um den Gewinn der American League East wetteifern sie offiziell noch mit den New York Yankees (90-56), was bei zehn Spielen Rückstand und nur noch 16 ausstehenden Spielen nicht allzu realistisch erscheint. Aber in sechs dieser Spiele treffen die Yankees und die Red Sox direkt aufeinander, insofern könnte da tatsächlich noch etwas passieren. Nichts mehr passieren wird zugunsten der Tampa Bay Rays (80-65), die mit ihrer Bilanz in der NL voll im Rennen um jede Division und um eine Wild Card wären. Aber sie haben das Pech, in der AL East angesiedelt zu sein, deshalb sind acht Siege aus den letzten zehn Spielen und eine insgesamt hervorragende Saison des Small-Market-Teams leider vergeblich.

In der AL Central haben die Minnesota Twins (67-78) ein Lebenszeichen von sich gegeben, indem sie gerade zwei Spiele gegen die Yankees gewonnen haben. Das kann allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass sie der mit Abstand schlechteste Divisionszweite der Liga sind und den Cleveland Indians (82-64) das Leben nach wie vor extrem einfach machen. Die Chicago White Sox (57-89) sahen ein paar Wochen lang so aus wie das kommende junge Team, mit dem man in den nächsten Jahren rechnen darf. Nach einer Serie von sechs Niederlagen, die erst letzte Nacht mit einem 12-Innning-Zittersieg in Kansas City gestoppt wurde, sind sie allerdings erst mal wieder hart auf dem Boden gelandet und sie müssen noch einen härteren Rückschlag einstecken: Ihr hochgelobter Rookie-Pitcher Michael Kopech wird seine MLB-Karriere leider nach nur vier Starts für ca. eineinhalb Jahre auf Eis legen, denn er muss sich wegen eines gerissenen Bandes im Ellenbogen der Tommy-John-Surgery unterziehen.

Die Houston Astros (92-54) spielen eine blitzsaubere Saison. Sie haben dank eines starken Lineups und noch stärkeren Pitchings inzwischen wieder das beste Run Differential der Liga (+242), die Red Sox wurden am Wochenende mit 2:1 Spielen besiegt und in der AL West stehen die Astros ebenfalls vorne. Es spricht somit vieles dafür, dass der Titelverteidiger auch in diesem Jahr ein gewichtiges Wort um die World Series mitreden wird. Trotzdem stehen die Astros in der allgemeinen Aufmerksamkeit ein bisschen im Schatten zum einen der Red Sox, die dank ihrer 100 Siege und der ewig jungen Rivalität mit den Yankees die Blicke auf sich ziehen; und zum anderen in dem der Oakland Athletics (89-57), die gerade wieder sechs Siege hintereinander zu ihrer unglaublichen zweiten Saisonhälfte hinzugefügt haben und mit 34-15 nach dem All-Star-Break die MLB anführen. In der Division dürften die drei Spiele Rückstand auf die Astros kaum einzuholen sein, aber im Wild-Card-Ranking liegen die A’s nur noch ein Spiel hinter den Yankees, sodass das Heimrecht noch in Reichweite ist. Ein Vorteil für die A’s ist ihr relativ leichtes Restprogramm; ein Nachteil ist, dass sie gerade mit Sean Manaea einen Top-Pitcher für den Rest der laufenden und vielleicht für die ganze nächste Saison an eine Schulterverletzung verloren haben.

National League
Obwohl die Philadelphia Phillies (74-71) seit Wochen keinen guten Baseball mehr spielen, waren sie in der National League East lange Zeit ganz nah dran an den führenden Atlanta Braves (82-64). In den letzten Tagen gewannen die Braves in Spielen gegen Arizona und San Francisco fünfmal am Stück, während die Phillies gegen die Mets und die Nationals fünfmal am Stück verloren. Damit dürfte die Sache weitgehend durch sein. Zwar spielen die Braves und die Phillies in den verbleibenden Wochen noch siebenmal gegeneinander, doch die Leistungskurven der beiden zeigen einfach zu eindeutig in unterschiedliche Richtungen. Bevor sie die Braves einholen, verlieren die Phillies eher noch Rang zwei an die Washington Nationals (74-72). Für eine Wild Card kommen beide nicht ernsthaft in Frage.

Führend im Wild-Card-Ranking sind nach wie vor die Teams aus der NL Central. Nachdem die Milwaukee Brewers (84-63) bei den Chicago Cubs (84-61) zwei von drei Spielen gewonnen haben, stehen die Cubs nur dank zweier ausstehender Nachholspiele noch vorne und somit gewaltig unter Druck. Die St. Louis Cardinals (81-65) haben die Spitze ebenfalls noch in Reichweite, dürften aber mehr als zufrieden sein, wenn sie den aktuellen Wild-Card-Platz halten. Ihr Restprogramm macht nämlich einen sehr schweren Eindruck mit Serien gegen die Dodgers (siehe „Einschalttipp“), die Braves, die Brewers, die Cubs und lediglich den Giants als mutmaßlich schwachem Gegner.

Die Colorado Rockies sind ein verblüffendes Phänomen: Zweieinhalb Wochen vor Saisonende führen sie immer noch die NL West an und sind damit nicht nur der einzige Spitzenreiter einer Division mit einem negativen Run Differential (-2). Sie sind sogar der einzige mit einem Run Differential von weniger als +100. Eineinhalb Spiele dahinter stehen die Los Angeles Dodgers (79-67), die ein Run Differential von +133 aufweisen, dahinter die Arizona Diamondbacks (77-69) mit +72. Da das Run Differential ein wichtiger Teil der Schätzverfahren ist, wie sie zum Beispiel Fangraphs bei der Ermittlung der Playoff-Wahrscheinlichkeiten anwendet, gelten die Dodgers nach wie vor als deutlicher Favorit auf den Divisionssieg. Ich schenke diesen Zahlen nicht allzu viel Glauben, vielmehr erscheint mir der Ausgang in der NL West völlig offen. Alle Beteiligten des Dreikampfes treffen in der restlichen Zeit noch direkt aufeinander, sodass jeder von ihnen sein Schicksal selbst in der Hand hat. Komplett aus dem Rennen sind unterdessen nach momentan elf Niederlagen in Folge die San Francisco Giants (68-79).

Szene der Woche
Die Szene der Woche gehört endlich mal wieder „unserem“ MLB-Star Max Kepler. Um ein Haar hätten wir diese Woche das erste Perfect Game seit 2012 gesehen, also eine Pitching Performance, die über ein gesamtes Spiel keinen einzigen Baserunner zulässt. Jorge Lopez, ein junger und in seinen Leistungen bislang recht wechselhafter Pitcher der Kansas City Royals, warf am Sonntag gegen die Twins acht Innings lang das Spiel seines Lebens. Drei Outs trennten ihn davon, in die Geschichte der bislang 23 Perfect Games in der MLB einzugehen. Doch Kepler behielt die Nerven und holte einen Walk heraus, um seinem Team die Höchststrafe zu ersparen. Anschließend gelang Robbie Grossman auch noch der erste und einzige Hit der Twins an diesem Abend und Ehire Adrianza brachte Kepler per Sacrifice Fly zum 1:4 nach Hause.

Statistik der Woche 
7. So viele MLB-Spiele hat Rookie Rowdy Tellez von den Toronto Blue Jays bislang absolviert und dabei genauso viele Doubles geschlagen. Er ist der erste Spieler seit 1913, dem dies zum Karrierestart gelungen ist. Sechs der Doubles hatte er sogar in seinen ersten drei Spielen, was ebenfalls seit 1913 kein anderer geschafft hat. Dass ein Rookie überhaupt sechs Doubles in drei aufeinander folgenden Spielen schlägt, ist im modernen Baseball zuvor nur einem gelungen: Joe diMaggio im Jahr 1936.

Spiel der Woche
Es ist ja fast ein bisschen langweilig, aber ich muss erneut ein Spiel der Red Sox zum Spiel der Woche erklären. Die Serie gegen die Houston Astros war ein äußerst sehenswertes Kräftemessen und um ein Haar hätten die Astros nach Siegen in den ersten beiden Spielen am Sonntag den Sweep perfekt gemacht. Denn Boston begann zwar stark und lag nach fünf Innings mit 5:1 vorne, unter anderem durch J. D. Martinez‘ vierzigsten Homerun in diesem Jahr. Doch die Astros drehten das Momentum im sechsten Inning, in dem sie durch fünf Hits und einen Walk die Partie auf 5:5 ausglichen. Im siebten Inning legten die Astros eigentlich die 6:5-Führung nach. Eigentlich… denn Jose Altuves Run, den er nach einem Schlag von Yuli Gurriel und einem zu hohen Wurf von Xander Bpgaerts scheinbar erzielte, wurde von den Umpires nicht gegeben. Sie urteilten, dass Altuve von Astros-Catcher Sandy Leon vor dem Erreichen der Homeplate getagt wurde. Tatsächlich war es eine knappe Angelegenheit und hier als Schiedsrichter daneben zu liegen, ist keine Schande. Unakzeptabel erscheint mir hingegen, dass nach einer fast vier Minuten lang andauernden Prüfung per Video die Entscheidung bestehen blieb. Für mich sah Altuve nach den Stand- und Zeitlupenbildern eindeutig safe aus, aber urteilt selbst. So blieb es beim 5:5 und die Red Sox nutzten im neunten Inning die Gelegenheit, durch einen Hit von Mitch Moreland ihren siebten Walkoff-Sieg des Jahres einzufahren.

Mein Einschalttipp
So kurz vor dem Saisonende gibt es naturgemäß eine ganze Menge richtungsweisender Serien, jedenfalls in der noch heiß umkämpften NL. Eine davon liefern sich ab heute Nacht vier Spiele lang die St. Louis Cardinals und die Los Angeles Dodgers. Beide haben noch die jeweilige Divisionsspitze im Blick, sind aber vor allem direkte Konkurrenten um den zweiten Wild-Card-Platz der NL. Wenn ihr die MLB über DAZN schaut, habt ihr lediglich das Serienfinale in der Nacht von Sonntag auf Montag zur Auswahl. Auf mlb.tv könnt ihr auch die anderen Spiele sehen, zum Beispiel am Samstag um 19:05 Uhr das einzige, das nach unserer Zeit nicht mitten in der Nacht läuft. Vom Pitching-Matchup dürfte das erste Spiel (heute Nacht ab 1:15 Uhr) das interessanteste sein, wenn Clayton Kershaw (2.42 ERA, 3.03 FIP) auf Austin Gomber (2.93 ERA, 3.64 FIP) trifft.

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Juni 28th, 2018 by Silversurger

Halbzeit! Ein paar Teams haben die 81 Spiele schon voll gemacht, die anderen stehen kurz davor und ich frage mich, wohin schon wieder die Zeit gerast ist. Immer wieder erwische ich mich beim Gedanken, es sei ja noch früh in der Saison, dabei ist die Hälfte bereits vorbei. Wie schnell in der MLB die Zeit vergeht, fällt auch in anderer Hinsicht auf: Gerade mal zweieinhalb Baseballjahre ist es her, da standen sich in der World Series 2015 die Kansas City Royals und die New York Mets gegenüber. Ausgerechnet diese beiden Teams sowie die Baltimore Orioles sind zurzeit die schwächsten, die die Liga zu bieten hat. Das erstaunt nicht nur, weil alle drei vor Kurzem noch vorne mitspielten, sondern auch weil keines dieser Teams sich – anders als zum Beispiel die White Sox, die Marlins oder die Reds – bislang aufgerafft hat, ein ernsthaftes Rebuilding anzugehen.

American League
Das Kopf-an-Kopf-Rennen in der American League East geht weiter: Diese Woche haben mal wieder die Boston Red Sox (54-27) die Nase vor den New York Yankees (52-26), welche einen schmerzhaften Sweep durch die Tampa Bay Rays (39-40) hinnehmen mussten. Dass die Red Sox vorne stehen, liegt aber allein an den mehr absolvierten Spielen – die Siegquote von 66,7% ist für beide Teams exakt identisch. Interessanter könnte die Ausgangslage kurz vor dem nächsten direkten Aufeinandertreffen der Erzrivalen (siehe „Einschalttipp“) gar nicht sein. Vom Rest der Division gibt es nicht viel zu berichten außer vielleicht, dass die ohnehin schon enttäuschenden Toronto Blue Jays (37-43) in den letzten Tagen noch mehr schlechte Nachrichten angehäuft haben: Die Starter Jaime Garcia und Aaron Sanchez mussten auf die Verletztenliste gesetzt werden und der ehemals vielversprechende junge Closer Roberto Osuna wurde für 75 Spiele gesperrt. Gegen Osuna steht seit Mai eine Anklage im Raum, laut der er eine Frau angegriffen haben soll, mit der er ein gemeinsames Kind hat. Osuna ließ bekannt geben, dass er vor Gericht auf „nicht schuldig“ plädieren, die Sperre der MLB aber akzeptieren wird. Es ist gut möglich, dass die Blue Jays Osuna entlassen oder traden werden.

Die Cleveland Indians (44-35) haben die Gunst des Spielplans genutzt und ihren Vorsprung in der AL Central ausgebaut, indem sie hintereinander die Chicago White Sox (28-51) und die Detroit Tigers (36-45) gesweept haben. Die Cardinals waren für die Indians gerade der erste Gegner seit rund drei Wochen mit einer positiven Bilanz – die Serie ging 2:1 an St. Louis, doch damit kann man in Cleveland leben. Konkurrenz in der Division ist nämlich nach wie vor nicht vorhanden, auch und vor allem weil die Minnesota Twins (34-42) regelmäßig vor scheinbar schwächeren Gegnern einknicken, obwohl sie in den Serien gegen starke Teams wie Cleveland oder Boston zuletzt immer gut aussahen. Alles andere als gut sehen die Kansas City Royals (25-55) aus. Der World Champion von 2015 wird zwar von der Sieg-Niederlagen-Bilanz noch von den Orioles unterboten, weist aber inzwischen sowohl die wenigsten erzielten (283) als auch die meisten kassierten (435) Runs von allen Teams der MLB auf. Es zeigt sich bei den Royals momentan nicht der kleinste Ansatz, auf dem man aufbauen könnte; auch ihre Farm gibt wenig her.

Die Houston Astros (54-28) sind das genaue Gegenteil der Royals, sie führen die MLB in Runs scored (426) und in Runs allowed (252) an und machen nach wie vor nicht den Eindruck, dass sie sich auf dem Weg zur Titelverteidigung von irgendwem stoppen lassen wollen. In der AL West haben die Astros inzwischen dreieinhalb Spiele Vorsprung auf die Seattle Mariners (50-31), welche gleichwohl ihren Anspruch auf einen Wild-Card-Platz zementiert haben. Die wichtigste Konkurrenz um diese zweite Wild Card (nehmen wir die erste mal als sicher für die Red Sox oder Yankees an) kommt aus der eigenen Division. Inzwischen haben die Oakland Athletics (43-38) dabei den Los Angeles Angels (41-40) den Rang abgelaufen. Von ihren letzten elf Spielen haben die A’s neun gewonnen und stehen nach der Hälfte ihrer Saisonspiele erstaunlich gut da. Für sie wäre jetzt eigentlich ein guter Zeitpunkt, voller Selbstvertrauen in den All-Star-Break zu gehen, doch bis dahin sind es noch 16 Spiele, darunter sechs gegen die Indians, vier gegen die Astros und drei gegen die Giants. Die Angels befinden sich derweil auf Talfahrt mit zuletzt fünf Niederlagen am Stück. Eine gute Nachricht gibt es aber: Der verletzte Shohei Ohtani wird voraussichtlich doch noch im laufenden Jahr ins Team zurückkehren, wenn auch vielleicht nur als DH und nicht als Pitcher.

National League
In der National League East schwächeln die Atlanta Braves (54-34) zurzeit ein bisschen, haben fünf der letzten sieben Spiele verloren und das gegen vermeintlich schwache Gegner (Toronto, Baltimore, Cincinnati). Da die Washington Nationals (41-37) solidarisch mitschwächeln, hat sich zwischen den beiden nicht viel geändert. Lachender Dritter – inzwischen sogar lachender Zweiter – sind die Philadelphia Phillies (42-36), die geschickt unter dem Radar in Richtung einer erfolgreichen Saison fliegen. Ab heute werden sie allerdings zumindest für vier Tage auf dem Radar auftauchen, denn gegen die Nationals steht ein direktes Duell um den Verfolgerposten in der Division an. Gleichzeitig gibt es auch im Keller der NL East ein direktes Duell: Die New York Mets (32-46) laufen höchste Gefahr, sich von den Miami Marlins (32-49) auf den letzten Platz der Division und wahrscheinlich auch der gesamten NL befördern zu lassen. Zu den extrem mageren sportlichen Ergebnissen der Mets kommt seit vorgestern die Sorge um General Manager Sandy Alderson hinzu, dessen Krebserkrankung zurückgekehrt ist und der deshalb für unbestimmte Zeit pausiert. Seine Geschäfte übernimmt ein dreiköpfiges Gremium, welches direkt Owner Jeff Wilpon unterstellt ist. Wilpon tritt damit nun etwas offizieller in den Vordergrund, wirklich ändern dürfte sich dadurch allerdings wenig, denn Wilpon gilt schon lange als Dreh- und Angelpunkt der (Miss-)Geschicke der Mets. Er soll ein Kontrollfreak sein, der dem General Manager und dem Manager bis in die kleinsten Entscheidungen hineinregiert, sodass sich kaum seriös beurteilen lässt, wieviel Schuld am desolaten Zustand man Alderson und Callaway überhaupt zuschreiben kann.

Die NL Central ist in den vergangenen eineinhalb Wochen ein Stück enger zusammengerückt: Während die Milwaukee Brewers (46-33) und die Chicago Cubs (43-35) von den letzten zehn Spielen mehr verloren als gewonnen haben, konnten die St. Louis Cardinals (42-37) ihre Bilanz in dem Zeitraum wenigstens ausgeglichen gestalten. Die große Nachricht ist allerdings, dass die Cincinnnati Reds (34-46) in den letzten zehn Partien neun Siege eingefahren haben, darunter ein Vier-Spiele-Sweep gegen die Cubs und eine gewonnene Serie gegen die Braves. Ab heute geht es für die Reds viermal hintereinander gegen die Brewers und ich bin sehr gespannt, ob sie ihren positiven Trend fortsetzen können. Unbedingt erwähnen muss ich mal wieder eine Nominierung für die dämlichste Verletzung des Jahres: Cubs-Closer Brandon Morrow ist gerade wieder zurück von einigen Tagen auf der Verletztenliste, nachdem er sich beim Ausziehen seiner Hose den Rücken verknackst hatte. Morrow selbst dazu: „It’s frustrating any time you can’t get out there, especially when you can’t go for something as stupid as taking your pants off.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die NL West sieht ganz oben mit den Arizona Diamondbacks (46-34) und ganz unten mit den San Diego Padres (36-47) so aus wie gehabt. Dazwischen war diese Woche jedoch ordentlich Bewegung. Sowohl die Los Angeles Dodgers (43-36) als auch die San Francisco Giants (42-39) haben in diesem Zeitraum fünf von sechs Spielen gewonnen, die Colorado Rockies (38-42) hingegen haben zuletzt vier Spiele hintereinander verloren, zwei davon gegen die Giants. Da noch ein weiteres Spiel gegen die Giants, im Anschluss drei gegen die Dodgers und dann wieder drei gegen die Giants anstehen, drohen den Rockies derzeit ganz massiv die Felle davon zu schwimmen. Auch um ihr weiteres Programm bis zum All-Star-Break – sechsmal Mariners, dreimal Diamondbacks – sind die Rockies definitiv nicht zu beneiden.

Szene der Woche
Der kurioseste Moment der vergangenen Tage war wohl der verschwundene Homerun von Clint Frazier. Beim Stand von 6:6 zwischen den Blue Jays und den Yankees schien der junge Slugger seine New Yorker mit einem gewaltigen Homerun in Front zu bringen. Doch der Schlag war ein bisschen zu gewaltig, denn mitten in der Flugbahn war plötzlich Endstation in Form eines von der Decke hängenden Lautsprechers. Von dort tropfte der Ball nach unten ab und war leichte Beute für Shortstop Adeiny Hechavarria, da laut den Regeln in Toronto Bälle an die Decke in diesem Bereich als „im Spiel“ behandelt werden. Hechavarria hatte in dem Moment Hilfe von oben, aber ich muss noch ein anderes spektakuläres Out erwähnen, dessen Urheber ohne jede Hilfe auskam: Brewers-Starter Brent Suter bewahrte gestern Kansas Citys Alex Gordon mit einer zirkusreifen Einzelleistung vor dem Erreichen der ersten Base. Ein bisschen habe ich allerdings den Eindruck, dass Suter sich in der Situation von Domingo Ayalas Tipps inspirieren ließ, ein Routine-Out aussehen zu lassen wie ein Top-Play…

Statistik der Woche 
27. In so vielen aufeinander folgenden Auswärtsspielen haben die Oakland Athletics einen Homerun geschlagen. Das ist ein neuer Rekord, nachdem die bisherige Bestmarke aus dem Jahr 1996 von den Baltimore Orioles gehalten wurde. Pünktlich für die Erwähnung in diesem Artikel wurde die Rekord-Strecke gestern beendet, als die A’s zwar 3:0 bei den Detroit Tigers gewannen, aber eben ohne Homerun. Die Athletics sind übrigens mit großem Abstand das Team mit den meisten Auswärts-Homeruns. 72-mal haben sie den Ball in der Fremde über den Zaun gedroschen, auf Rang zwei landen die Yankees mit „nur“ 60.

Spiel der Woche
Diese Woche gibt es zwei Kandidaten für das Spiel der Woche, von denen man sich je nach persönlicher Vorliebe eines aussuchen kann: Wenn man auf viele Hits und Runs steht, dann sollte man sich mindestens die Zusammenfassung der Partie der Red Sox gegen die Mariners vom Freitag anschauen. Bevorzugt man hingegen hochklassige Pitcherduelle, dann empfiehlt sich eher das Spiel der Brewers gegen die Cardinals vom gleichen Tag. Bis ins siebte Inning hinein war es ein No-Hitter für St. Louis‘ Jack Flaherty, der erst durch einen Solo-Homerun von Jesus Aguilar seine weiße Weste beschmutzte. Da auch Milwaukees Junior Guerra und der Brewers-Bullpen ein hervorragendes Spiel hatten, war dieser Homerun gleichzeitig der 1:1-Ausgleich. Im neunten Inning gewannen die Brewers das Spiel per Walkoff durch einen weiteren Solo-Shot von Aguilar. Es war das erste Mal seit mindestens 1961, dass derselbe Spieler nach fünf oder mehr Innings erst einen No-Hitter und dann auch das Spiel jeweils per Homeruns beendet.

Mein Einschalttipp
Ich habe nicht nachgezählt, aber vermutlich ist das Duell Red Sox gegen Yankees die häufigste Paarung in meinen bisherigen Einschalttipps. Sorry, wenn ich damit jemanden langweile, aber dieses Jahr gibt es in der MLB nichts Spannenders und Spektakulärers als das Aufeinandertreffen dieser beiden Erzrivalen, und deshalb kann ich auch für dieses Wochenende nur dazu raten, hier mal reinzuschauen. Die Zeiten sind dieses Mal leider allesamt ungünstig für Menschen mit einem „normalen“ europäischen Schlafrhythmus, aber wenigstens entsteht dadurch keine Konkurrenz zur Fußball-WM. Da die beiden Asse der Teams nicht direkt aufeinander treffen, gibt es von mir eine geteilte Empfehlung: Wenn ihr auf einen Sieg der Red Sox hofft, dann schaut euch Samstagnacht ab 1:15 Uhr Chris Sale (2.56 ERA, 2.48 FIP) gegen Sonny Gray (4.93 ERA, 4.19 FIP) an. Falls ihr es, aus welch obskuren Gründen auch immer, eher mit den Yankees haltet, dann könntet ihr an der Partie Sonntagnacht ab 2:05 Uhr von Luis Severino (2.10 ERA, 2.21 FIP) gegen David Price (3.66 ERA, 3.71 FIP) mehr Spaß haben. Wahrscheinlich habe ich durch diese Voraussage gerade bewirkt, dass es genau andersherum kommt. Beide Spiele (und auch das erste der Serie Freitagnacht ab 1:05 Uhr) werden sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv übertragen.

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